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Full text of "Sitzungsberichte"

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HARVARD     UNIVERSITY. 


T.  I  B  R  A  R  Y 


MUSEUM  OF  COMPARATIVE  ZOOLOGY. 


SITZUNGSBERICHTE 


DER 


KAISERLICHEN  AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN. 


MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE  KLASSE. 


HUNDERTSECHZEHNTER  BAND. 


WIEN,  1907. 

AUS  DER  KAISERLICH-KÖNIGLICHEN  HOF-  UND  STAATSDRUCKEREL 


IN  KOMMISSION  BEI  ALFRED  HOLDER, 

K.  U.   K.  HOF-  UND  UNIVERSITÄTSBUCHHÄNDLER, 
BUCHHÄNDLER  DER  KAISERLICHEN  AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN. 


SITZUNGSBERICHTE 


DER 


MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHEN  KLASSE 


DER  KAISERLICHEN 


AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN. 


CXVI.  BAND.  ABTEILUNG  I. 
Jahrgang  1907.  — Heft  I  bis  X. 

(MIT  2  KARTEN,  3  KARTENSKIZZEN,  57  TAFELN  UND  139  TEXTFIGUREN.) 


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WIEN,   1907. 

AUS  DER  KAISERLICH-KÖNIGLICHEN  HOF-  UND  STAATSDRUCKEREI. 


IN  KOMMISSION  BEI  ALFRED  HOLDER, 

K.  U.   K.   HOF-  UND  UNiVERSITÄTSBUCHHANDLER, 
Dl'CHHANDLER  DER  KAISBRLICHBN  AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN 


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V 


INHALT. 


Seite 

Apfelbeck  V.,  Koleopterologische  Ergebnisse  der  mit  Subvention  der 
kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften  in  Wien  im  Frühjahr  1905 
ausgeführten    Forschungsreise    nach   Montenegro    und    Albanien. 

[Preis:  50  h  —  50  pf] 493 

—  Neue  Koleopteren,  gesammelt  während  einer  im  Jahre  1905  mit 
Subvention  der  kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften  in  Wien 
durchgeführten  zoologischen  Forschungsreise  nach  Albanien  und 
Montenegro.  (II.  Serie.)  [Preis:  60  h  —  60  pf] 507 

Beck  V.  Mannagetta  und  Lerchenau  G.,  Vegetationsstudien  in  den  Ost- 
alpen. I.  Die  Verbreitung  der  mediterranen,  illyrischen  und  mittel- 
europäisch-alpinen Flora  im  Isonzo-Tale.  (Mit  1  Karte.)  [Preis :  3  K 
—  3  M] 1439 

Bruckmoser  J.,  Harmotom  und  Titanit  (siebente  Mitteilung  über  die  Dar- 
stellung der  Kieselsäuren).  (Mit  1  Textfigur.)  [Preis:  55  h  —  55  pf]  1653 

Cornu  F.  und  Himmelbauer  A.,  Untersuchungen  am  Apophyllit  und  den 
Mineralen  der  GlimmerzeoHthgruppe.  (Mit  2  Textfiguren.)  [Preis  : 
95  h  —  95  pf] 1213 

Diener    K.,    Die    Faunen    der    tibetanischen    Klippen   von    Malla  Johar 

(Zentral-Himalaya).  [Preis:  40  h  —  40  pf] 603 

Doelter  C,  Über  die  Dissoziation  der  Silikatschmelzen.  (Mit  12  Text- 
figuren.) [Preis:  2  K  20  h  —  2  M  20  pf]    1243 

Eisler  E.,  Das  extraflorale  Nektarium  und  die  Papillen  der  Blattunterseite 
bei  Diospyros  discolor  Willd.  (Mit  2  Tafeln.)  [Preis:  1  K  20  h  — 
1  M  20  pf] 1563 

Gaulhofer  K.,   Über  den   Geotropismus   der  Aroideen-Luftwurzeln.   (Mit 

1  Tafel.)  [Preis :  85  h  —  85  pf] 1669 

Gius  L.,  Über  den  Einfluß  submerser  Kultur  auf  Heliotropismus  und  fixe 

Lichtlage.  (Mit  10  Textfiguren.)  [Preis:  2  K  —  2  M] 1593 

Glinkiewicz  A.,  Ergebnisse  der  mit  Subvention  aus  der  Erbschaft  Treitl 

unternommenen  zoologischen  Forschungsreise  Dr.  Franz  Werner's 

nach  dem  ägyptischen  Sudan  und  Nord-Uganda.  X.  Parasiten  von 

Pachyuromys  duprasi  Lat.  (Mit  2  Tafeln.)  [Preis:  65  h  —  65  pf]  .    381 

Hanausek  T.  F.,  Die  »Kohleschicht«  im  Penkarp  der  Kompositen.  (Mit 

2  Tafeln.)  [Preis:  1  K  45  h  —  1  M45  pf] 3 

Heinricher  E.,    Beiträge    zur   Kenntnis    der    Gattung   Balanophora.  (Mit 

1  Tafel  und  3  Textfiguren.)  [Preis:  1  K  25  h  —  1  M  25  pf]    .    .    .     439 


VI 


Seite 
Heritsch  F.,  Geologische  Studien  in  der  >Grauwackenzone«  der  nordöst- 
lichen Alpen.  I.  Die  geologischen  Verhältnisse  der  Umgebung  von 
Hohentauern.  (Mit  4  Tafeln.)  [Preis:  1  K  45  h  —  1  M  45  pf]  .    .    .1717 
Höhne!  F.,  v.,  Fragmente  zur  Mykologie  (III.  Mitteilung,  Nr.  92  bis  155). 

(Mit  1  Tafel.)  [Preis:  2  K  30  h  —  2  M  30  pf] 83 

—  Fragmente  zur  Mykologie.  (IV.  Mitteilung,  Nr.  156  bis  168.)  [Preis: 

95  h  —  95pf] 615 

—  und  Litschauer  V.,  Beiträge  zur  Kenntnis  der  Corticieen.  (II.  Mit- 
teilung.) (Mit  4  Tafeln  und  20  Textfiguren.)  [Preis:  4  K  —  4  M]  .    .     739 

Jahn  J.  J.,  Über  das  quartäre  Alter  der  Basalteruptionen  im  mährisch- 
schlesischen  Niederen  Gesenke.  (Mit  6  Tafeln  und  3  Textfiguren.) 
[Preis:  2  K  20  h  -  2  M  20  pf] 1777 

Karny  H.,  Ergebnisse  der  mit  Subvention  aus  der  Erbschaft  Treitl 
unternommenen  zoologischen  Forschungsreise  Dr.  Franz  Werne r's 
nach  dem  ägyptischen  Sudan  und  Nord-Uganda.  IX.  Die  Ortho- 
pterenfauna  des  ägyptischen  Sudans  und  von  Nord-Uganda 
(Saltatoria,  Gressoria,  Dermaptera)  mit  besonderer  Berücksich- 
tigung der  Acridoideengattung  Catantops.  (Mit  3  Tafeln.)  [Preis : 
3  K  30  h  —  3  M  30  pf  I   .    .    .    .     • 267 

Keidel  H.,    Über  den  Bau  der  argentinischen  Anden.    (Mit  1  Textfigur.) 

[Preis:  80  h  —  80  pf] 649 

Löwi  E.,  Untersuchungen  über  die  Blattablösung  und  verwandte  Erschei- 
nungen. (Mit  1  Tafel  und  14  Textfiguren.)  [Preis:  1  K  85  h  —  1  M 
85  pf] 983 

Mayr  G.,  Ergebnisse  der  mit  Subvention  aus  der  Erbschaft  Treitl  unter- 
nommenen zoologischen  Forschungsreise  Dr.  F.  Werner's  nach 
dem  ägyptischen  Sudan  und  nach  Nord-Uganda.  XI.  Liste  der  von 
Dr.  Franz  Werner  am  oberen  Nil  gesammelten  Ameisen  nebst 
Beschreibung  einer  neuen  Art.  [Preis:  30  h  —  30  pf] 387 

Melichar  L.,  Bericht  über  die  mit  Subvention  der  kaiserl.  Akademie  der 
Wissenschaften  unternommene  entomologische  Studienreise  nach 
Spanien  und  Marokko.  [Preis :  50  h  —  50  pf] 1025 

Molisch  H.,   Über  die    Sichtbarmachung  der  Bewegung   mikroskopisch 

kleinster  Teilchen  für  das  freie  Auge.  [Preis :  30  h  —  30  pf]    .    .    .    467 

Portheim  L.,  Über  Formveränderungen  durch  Ernährungsstörungen  bei 
Keimlingen  mit  Bezug  auf  das  Etiolement.  (Mit  3  Textfiguren.) 
[Preis:  2  K  20  h  —  2  M  20  pf] 1359 

Samec  M.,  Zur  Kenntnis  der  Lichtintensitäten  in  großen  Seehöhen.  (I.  Mit- 
teilung.) (Mit  1  Textfigur.)  [Preis:  55  h  —  55  pf]     1061 

Schiller  J.,  Beiträge  zur  Kenntnis  der  Entwicklung  der  Gattung  Ulva.  (Mit 

2  Tafeln  und  1  Textfigur.)  [Preis:  1  K  15  h  —  1  M  15  pf]  .    .    .    .1691 

Schorn  F.,  Über  Schleimzellen  bei  Urticaceen  und  über  Schleimcystolithen 
von  Girardinia  palmata  Gau  dich.  (Mit  2  Tafeln.)  [Preis:  95  h 
—  95  pf] 393 


VII 


Seite 

Schuster  K.,  Petrographische  Ergebnisse  der  brasilianischen  Expedition 
1901  der  kais.  Akademie  der  Wissenschaften.  (Mit  1  Kartenskizze.) 
(Mit  einer  geologischen  Einleitung  von  Dr.  Fritz  v.  Kerner  und 
Bemerkungen  über  die  kristallinen  Schiefer  von  F.  Becke.)  [Preis: 
2  K  70  h  —  2  M  70  pf  j 1 1 1 1 

Seefried  F.,  Über  die  Lichtsinnesorgane   der  Laubblätter   einheimischer 

Schattenpflanzen.  (Mit  4  Tafeln.)  [Preis:  2  K  30  h  —  2  M  30  pf]   .   1311 

Senft  Em.,  Über  eigentümHche  Gebilde  in  dem  Thallus  der  Flechte  Physma 

dalmaficnm  A.ZahlhT.  {Mit  lTa.M.)  [Preis:  55  h  — 55  pf]    ...     429 

Siebenrock  F.,  Die  Schildkrötenfamilie  Cinosternidae  m.  Monographisch 
bearbeitet.  (Mit  2  Kartenskizzen,  2  Tafeln  und  8  Textfiguren.) 
[Preis:  3  K  — 3  M] 527 

—  Beschreibung  und  Abbildung  von  Pseudemydura  umbrina  S  i  e  b  e n  r. 
und  über  ihre  systematische  Stellung  in  der  Familie  Chelydidae. 
(Mit  1  Doppeltafel  und  1  Textfigur.)  [Preis:  95  h  —  95  pf]     .    .    .  1205 

—  Über   einige,    zum   Teil   seltene   Schildkröten   aus   Südchina.   (Mit 

1  Doppeltafel  und  3  Textfiguren.)  [Preis:  1  K  70  h  —  1  M  70  pf]   .  1741 
Sperlich  A.,  Die  optischen  Verhältnisse  in  der  oberseitigen  Blattepidermis 
tropischer  Gelenkpflanzen.  Beiträge  zur  Auffassung  der  oberseitigen 
Laubblattepidermis  als  Lichtsinnesepithel.   (Mit  2  Doppeltafeln  und 

9  Textfiguren.)   [Preis:  2  K  70  —  2  M  70  pf] 675 

Steimlachner  F.,  Über  einige  Fischarten  aus  dem  Flusse  CubataS  im 
Staate  Santa  Catharina  bei  Theresopolis  (Brasilien).  (Mit  2  Tafeln.) 
[Preis:  95  h  —  95  pf] 475 

—  Herpetologische  Notizen  (III).  (Mit  1  Tafel.)  [Preis:  50  h  —  50  pf]  1535 
Strakosch  S.,  Ein  Beitrag  zur  Kenntnis  des  Kohlenhydratstoffwechsels 

von  Beta  vulgaris  (Zuckerrübe).  [Preis:  50  h  —  50  pf] 855 

Strigl  M.,  Der  anatomische  Bau  der  Knollenrinde  von  Balanophora  und 
seine  mutmaßliche  funktionelle  Bedeutung.  (Mit  2  Tafeln  and  3  Text- 
figuren.) [Preis:  1  K  15  h  —  1  M  15  pf] 1041 

Suess  Ed.,  Über  Einzelheiten  in  der  Beschaffenheit  einiger  Himmelskörper. 

[Preis:  30  h  —  30  pf] 1555 

Uhlig  V.,  Über  die  Tektonik  der  Karpathen.  (Mit  1  Textfigur,  1  Tafel  und 

1  Karte.)  [Preis :  3  K  30  h  —  3  M  30  pf  ] 871 

Wagner  R.,  Zur  Morphologie  der  Sanchezia  nobilis  Hook.  fil.  (Mit  1  Tafel 

und  5  Textfiguren.)  [Preis:  1  K  10  h  —   1  M  10  pf] 33 

—  Zur  Morphologie  des  Tabaks  und  einiger  anderer  Nicotiana- Arten. 
(Mit  4  Textfiguren.)  [Preis  :  90  h  —  90  pf] 61 

—  Zur  Morphologie  der   Gattung   Creochiton  Bl.    (Mit  1    Tafel   und 

12  Textfiguren.)  [Preis:  95  h  —  95  pf] 411 

—  Zur  Morphologie  der  Hoffmannia  robnsta  (Hort.).  (Mit  8  Text- 
figuren.) [Preis :  80  h  —  80  pf] 1075 

—  Zur  Morphologie  des  Peltiphyllmn  peltatmn  (Torr.)  Engl.   (Mit 

9  Textfiguren.)  [Preis:  1  K  —  1  M] 1089 


VIII 


Seite 
Wagner  R.,  Beiträge  zur  Kenntnis  einiger  Ainorpha-Avten.  (Mit  4  Text- 
figuren.) [Preis:  80  h  —  80  pfj   1541 

Werner  F.,  Ergebnisse  der  mit  Subvention  aus  der  Erbschaft  Treitl 
unternommenen  zoologischen  Forschungsreise  Dr.  Franz  Werner's 
in  den  ägyptischen  Sudan  und  nach  Nord-Uganda.  VIII.  Ortho- 
piera  Blatt aeformia  (mit  einer  Revision  der  Mantodeengattung 
Tarachodes).  (Mit  3  Tafeln   und    1  Textfigur.)  [Preis:  3  K  30  h  — 

3  M  30  pf] 165 

—     Ergebnisse   der  mit  Subvention  aus   der  Erbschaft  Treitl  unter- 
nommenen   zoologischen    Forschungsreise    Dr.    Franz    Werner's 
nach  dem  ägyptischen  Sudan  und  Nord-Uganda.  XII.  Die  Reptilien 
und  Amphibien.  (Mit  4  Tafeln.)  [Preis:  3  K  15  h  —  3  M  15  pfJ  .       1823 
Zederbauer  E.,  Variationsrichtungen  der  Nadelhölzer.  [Preis:  1  K  10  h  — 

1  M  10  pf] 1927 


SITZUNGSBERICHTE 


DER 


KAISERLICHEN  AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN. 


MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE  KLASSE. 


HUNDERTSECHZEHNTER  BAND. 


WIEN,  1907. 

AUS  DER  KAISERLICH-KÖNIGLICHEN  HOF-  UND  STAATSDRUCKEREI. 


IN   KOMMISSION   BEI   ALFRED   HOLDER, 

K.  U.  K.  HOF-  UND  UNIVERSITATSBUCHHANDLER, 
BUCHHÄNDLER    DER    KAISERLICHEN    AKADEMIE    DER    WISSENSCHAFTEN. 


SITZUNGSBERICHTE 


DER 


MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHEN  KLASSE 


DER  KAISERLICHEN 


AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN. 


CXVl.  BAND.  ABTEILUNG  I. 

Jahrgang  1907.  —  Heft  I  bis  V. 

ERSTER  HALBBAND. 

(MIT  2  KARTENSKIZZEN,  27  TAFELN  UND  63  TEXTFIGUREN.) 


WIEN,  1907. 

AUS  DER  KAISERLICH-KÖNIGLICHEN  HOF-  UND  STAATSDRUCKEREI. 


IN   KOMMISSION  BEI   ALFRED   HOLDER, 

K.  U.  K.  HOF-  UND  UNIVERSITATSBUCHHÄNDLER, 
BUCHHÄNDLER    DER    KAISERLICHEN   AKADEMIE    DER    WISSENSCHAFTEN. 


INHALT. 


Seite 
Apfelbeck   V.,   Koleopterologische    Ergebnisse    der    mit    Subvention  der 
kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften  in  Wien  im  Frühjahr  1905 
ausgeführten    Forschungsreise    nach    Montenegro    und    Albanien. 
[Preis:  50  h  —  50  pf J 493 

—  Neue  Koleopteren,  gesammelt  während  einer  im  Jahre  1905  mit 
Subvention  der  kaiserHchen  Akademie  der  Wissenschaften  in  Wien 
durchgeführten  zoologischen  Forschungsreise  nach  Albanien  und 
Montenegro.  (II.  Serie.)  [Preis:  60  h  —  60  pf  J 507 

Diener    K.,    Die    Faunen    der   tibetanischen    Klippen    von    Malla   Johar 

(Zentral-Himalaya).  [Preis:  40  h  —  40  pfj 603 

'  Glinkiewicz  A.,  Ergebnisse  der  mit  Subvention  aus  der  Erbschaft  Treitl 
unternommenen  zoologischen  Forschungsreise  Dr.  Franz  Werner's 
nach  dem  ägyptischen  Sudan  und  Nord-Uganda.  X.  Parasiten  von 
Pachyuromys  duprasi  Lat.  (Mit  2  Tafeln.)  [Preis:  65  h  —  65  pf]  .     381 

Hanausek  T.  F.,  Die  »Kohleschicht«   im  Perikarp  der  Kompositen.  (Mit 

2  Tafeln.)   [Preis:  1  K  45  h  —  1  M  45  pf] 3 

Heinricher   E.,   Beiträge    zur   Kenntnis    der   Gattung  Balanophora.  (Mit 

1  Tafel  und  3  Textfiguren.)  [Preis:  1  K  25  h  —  1  M  25  pf]     .    .    .     439 
Höhnel  F.,  v.,  Fragmente  zur  Mykologie.  (II.  Mitteilung,  Nr.  92  bis  155.) 

(Mit  1  Tafel.)  [Preis:  2  K  30  h  —  2  M  30  pf] 83 

—  Fragmente  zur  Mykologie.  (IV.  Mitteilung,  Nr.  156  bis  168.)  [Preis: 

95  h  ~  95  pf] 615 

—  und  Litschauer  V.,  Beiträge  zur  Kenntnis  der  Corticieen.  (II.  Mit- 
teilung.)  (Mit  4  Tafeln  und  20  Textfiguren.)  [Preis:  4  K  —  4  M]  .    .     739 

''Karny  H.,  Ergebnisse  der  mit  Subvention  aus  der  Erbschaft  Treitl 
unternommenen  zoologischen  Forschungsreise  Dr.  Franz  Werner's 
nach  dem  ägyptischen  Sudan  und  Nord-Uganda.  IX.  Die  Ortho- 
pterenfauna des  ägyptischen  Sudans  und  von  Nord-Uganda 
(Saltatoria,  Gressoria,  Dermaptera)  mit  besonderer  Berücksich- 
tigung  der  Acridoideengattung  Catantops).   (Mit  3  Tafeln.)   [Preis: 

3  K  30  h  —  3  M  30  pf] 267 

Keidel  H.,  Über   den    Bau    der   argentinischen   Anden.    (Mit  1  Textfigur.) 

(Preis:  80  h  —  80  pf] 649 

Mayr  G.,  Ergebnisse  der  mit  Subvention  aus  der  Erbschaft  Treitl  unter- 
nommenen zoologischen  Forschungsreise  Dr.  F.  Werner's  nach 
dem  ägyptischen  Sudan  und  nach  Nord-Uganda.  XI.  Liste  der  von 


VI 

Seite 
Dr.  Franz  Wernei's  am  oberen  Nil  gesammelten  Ameisen  nebst 
Beschreibung  einer  neuen  Art.  [Preis:  30  h  —  30  pf]    .    .    .    .    .    .     387 

Molisch   H.,    Über  die   Sichtbarmachung   der   Bewegung   mikroskopisch 

kleinster  Teilchen  für  das  freie  Auge.  [Preis:  30  h  —  30  pf]    .    .    .     467 

Schorn  F.,  Über  Schleimzellen  bei  Urticaceen  und  über  Schleimcystolithen 
von  Girardinia  paluiala  Gau  dich.  (Mit  2  Tafeln.)  [Preis:  95  h  — 
95  pf] 393 

Senft  Em.,  Über  eigentümliche  Gebilde  in  dem  Thallus  der  Flechte  Physina 

dalmaticum  A.  Zahlbr.  (Mit  1  Tafel.)  [Preis:  55  h  —  55  pf]  .    .    .     429 

Siebenrock  F.,  Die  Schildkrötenfamilie  Cinosternidae  m.  Monographisch 
bearbeitet.  (Mit  2  Kartenskizzen,  2  Tafeln  und  8  Textfiguren.) 
[Preis:  3  K  —  3  M] 527 

Sperlich  A.,  Die  optischen  Verhältnisse  in  der  oberseitigen  Blattepidermis 
tropischer  Gelenkpflanzen.  Beiträge  zur  Auffassung  der  oberseitigen 
Laubblattepidermis  als  Lichtsinnesepithel.  (Mit  2  Doppeltafeln  und 
9  Textfiguren.)  [Preis:  2  K  70  h  —  2  M  70  pf] 675 

Steindachner  F.,  Über  einige  Fischarten  aus  dem  Flusse  Cubatao  im 
Staate  Santa  Catharina  bei  Theresopolis  (Brasilien).  (Mit  2  Tafeln.) 
(Preis:  95  h  —  95  pf] 475 

Wagner  R.,  Zur  Morphologie  der  Sanchezia  nohilis  Hook.  fil.  (Mit  1  Tafel 

und  5  Textfiguren.)  [Preis:  1  K  10  h  —  1  M  10  pf] 33 

—     Zur  Morphologie  des  Tabaks  und  einiger  anderer  Nicoiiana-ATien. 

(Mit  4  Textfiguren.)  [Preis:  90  h  —  90  pf] 61 

xT  —     Zur   Morphologie   der   Gattung   Creochiton   Bl.    (Mit   1   Tafel    und 

12  Textfiguren.)  [Preis:  95  h  —  95  pf] 411 

Werner  F.,  Ergebnisse  der  mit  Subvention  aus  der  Erbschaft  Treitl 
unternommenen  zoologischen  Forschungsreise  Dr.  Franz  Werne r's 
in  den  ägyptischen  Sudan  und  nach  Nord-Uganda.  VIII.  Ortho- 
ptera  Blattaefoniiia  (mit  einer  Revision  der  Mantodeengattung 
Tamchodes).  (Mit  3  Tafeln  und  1  Textfigur.)  [Preis:  3  K  30  h  — 
3  M  30  pf] 165 


13^ 


SITZUNGSBERICHTE 


DER  KAISERLICHEN 


AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN. 


MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE  KLASSE. 


CXVI.  BAND.  I.  HEFT. 


JAHRGANG   1907.  —  JÄNNER. 


ABTEILUNG  L 

ENTHÄLT   DIE  ABHANDLUNGEN  AUS  DEM  GEBIETE  DER  MINERALOGIE, 

KRISTALLOGRAPHIE,    BOTANIK,    PHYSIOLOGIE  DER  PFLANZEN,   ZOOLOGIE, 

PALÄONTOLOGIE,   GEOLOGIE,  PHYSISCHEN  GEOGRAPHIE  UND  REISEN. 


(MIT  4  TAFELN  UND  9  TEXTFIGUREN.) 


'^'  WIEN,  1907. 

AUS  DER  KAISERLICH-KÖNIGLICHEN  HOF-  UND  ST A ATSDRUCKEREL 


IN  KOMMISSION  BEI  ALFRED  HOLDER, 

K.  U.   K.  HOF-  UND  UNIVERSITATSBÜCHHÄNDLER. 
BUCHHÄNDLER  DER  KAISERLICHEN  AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN. 


INHALT 

des  1.  Heftes,  Jänner  1907,  des  CXVI.  Bandes,  Abteilung'  I  der 
•    Sitzungsberichte  der  mathem.-naturw.  Klasse. 

Seite 
Hanausek  T.  F.,  Die  »Kohleschicht«  im  Perikarp  der  Kompositen.  (Mit 

2  Tafeln.)  [Preis:  1  K  45  h  —  1  M  45  pf] 3 

Wagner  R.,  Zur  Morphologie  der  Sanchezia  nohilis  Hook.  fil.  (Mit  1  Tafel 

und  5  Textfiguren.)  [Preis:  1  K  10  h  -  1  M  10  pfj 33 

—     Zur  Morphologie  des  Tabaks  und  einiger  anderer  Xicotiana- Arten. 

(Mit  4  Textfiguren.)  [Preis :  90  h  —  90  pf] 61 

Höhnel  F.,  v.,  Fragmente  zur  Mykologie  (III.  Mitteilung,  Nr.  92  bis  155). 

(Mit  1  Tafel.)  [Preis:  2  K  30  h  —  2  M  30  pf] 83 


Preis  des  ganzen  Heftes:  4  K  20  h  -  4  M  20  pf. 


SITZUNGSBERICHTE 


DER 


KAISERLICHEN  AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN. 


MATHEMATISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE  KLASSE. 


CXVI.  BAND.  I.  HEFT. 


ABTEILUNG  I. 

ENTHÄLT  DIE  ABHANDLUNGEN  AUS  DEM  GEBIETE  DER  MINERALOGIE, 

KRISTALLOGRAPHIE,   BOTANIK,  PHYSIOLOGIE  DER  PFLANZEN,  ZOOLOGIE, 

PALÄONTOLOGIE,  GEOLOGIE,  PHYSISCHEN  GEOGRAPHIE  UND  REISEN. 


Die  »Kohlesehieht«  im  Perikarp  der 
Kompositen 

von 

Dr.  T.  F.  Hanausek, 

k.  k.  Gymnasialdirektor  in  Krems  a.  d.  Donait. 

(Mit  2  Tafeln.) 

(Vorgelegt  in  der  Sitzung  am  10.  Jänner  ]  907.) 

Einleitung'. 

Im  Perikarp  verschiedener  Kompositen  kann  man  eine 
tiefbraune  oder  schwarze,  opake,  in  den  meisten  Fällen  vielfach 
unterbrochene  Schicht  beobachten,  deren  Masse  sich  gegen 
die  Einwirkung  der  meisten  chemischen  Reagenzien  gänzlich 
indifferent  zeigt.  In  der  Längsansicht  bietet  sie  ein  sehr  eigen- 
tümliches Bild  eines  von  anastomosierenden  Strängen  dar- 
gestellten Netzes  (Fig.  11),  wobei  die  Längsstränge  mächtiger 
als  die  Querstränge  sind  oder  umgekehrt  die  stärkeren  Quer- 
stränge eine  Art  dichter  Querstreifung  hervorrufen  (z.  B.  bei 
Sclerocarpus);  in  einem  bisher  einzigen  Falle  (bei  Tagetes) 
bildet  sie  eine  Tapete  von  parallel  gestellten  schmalen  recht- 
eckigen Platten,  die  durch  sehr  schmale  lichte  Zwischenräume 
voneinander  getrennt  sind  (Fig.  4,  a). 

Eine  andere  charakteristische  Eigenschaft  dieser  Schicht 
rücksichtlich  ihres  Vorkommens  ist  in  ihrer  Abhängigkeit  von 
einer  bestimmten  Gewebegruppe  gelegen.  Immer  tritt  sie  an 
der  Außenseite  des  mechanischen  Gewebeteiles  der  Frucht- 
wand, der  Bastzellbündel  auf  und  füllt  einen  Raum  aus,  der 
zwischen  diesen  und  dem  von  der  Oberhaut  überlagerten 
Parenchym  oder  der  Oberhaut  selbst  gelegen  ist;  in  letzterem 
Falle  ist  das  ursprünglich  vorhanden  gewesene  Hypoderma  als 
solches    nicht    mehr    zu    beobachten.    Daß    diese    bestimmte 

1* 


4:  T.  F.  Hanausek, 

Lokalisierung  auf  einen  genetischen  Zusammenhang  mit  den 
genannten  Geweben  hinweist,  ist  einleuchtend.  Wieder  nur  in 
einem  Falle  (bei  Sclerocarpus)  findet  man  die  schwarze  Masse 
auch  innerhalb  einer  Gewebegruppe  (Fig.  5,  k'),  was  ftu-  die 
Entwicklung  derselben  von  besonderer  Bedeutung  ist. 

Das  Vorkommen  von  tiefbraunen  oder  schwarzen,  als 
Pigment  oder  als  Sekret  bezeichneten  Aiassen,  die  extrazellular 
in  der  Fruchtwand  der  Kompositen  sich  vorfinden,  ist  schon 
seit  längerem  bekannt.  Eine  wenn  auch  ziemlich  ungenaue 
Angabe  enthält  die  bekannte  Samenkunde  von  Harz^,  in  der 
es  bezüglich  HeJianthtis  heißt,  daß  die  unter  der  Oberhaut 
liegenden  Zellen  »gleich  der  Epidermis  bei  den  schwarz- 
früchtigen  Varietäten  einen  dunkelschwarzen  harzartigen  gerb- 
stoffreichen Farbstoff«  führen;  auch  bei  Madia  und  Gnizotia 
ist  Ähnliches  angegeben.  Viel  genauer  und  im  wesentlichen 
richtig  ist  das  Vorkommen  der  Schicht  von  Pfister^  ge- 
schildert, der  außer  den  drei  vorhin  genannten  Pflanzen  auch 
noch  Cartkamus  anführt.  Nach  diesem  Beobachter  ist  zwischen 
der  Hartschicht  und  den  äußeren  Schichten  ein  brauner,  in 
Kali,  Chromsäure,  Schwefelsäure  und  Schulze'schem  Reagens 
unlöslicher  Farbstoff  gelagert,  der  der  Außenseite  der  Bast- 
bündel ein  charakteristisches  schildpattähnliches  Aussehen 
gibt.  Eine  Anmerkung  zu  dieser  Stelle  besagt:  »Die  inter- 
zellulare Lagerung  dieser  pechartigen  Masse  tritt  besonders 
bei  Carthamus  klar  hervor,  wo  sie  sich  zwischen  zwei 
sklerenchymatischen  Schichten  befindet  und  die  Lücken  der 
Zellen  genau  ausfüllt.«  Die  Längsansicht  bei  Gnizotia  ist 
abgebildet  in  König,  Untersuchungen  landwirtschaftlich  und 
gewerblich  wichtiger  Stoffe,  p.  309,  Fig.  81.  Tschirch^  sah 
diese  Schicht  im  Fruchtknoten  von  Arnica  montana,  wo 
»zwischen  der  Bastzellzone  und  der  Parenchymzellreihe  in 
dem  Interzellularspalte  ein  eigentümliches  braunschwarzes,   in 


1  C.  O.  Harz,  Landwirtsch.  Samenkunde,  1885,  2.  Bd.,  p.  851. 

2  Rudolf  Pfister,  Ölliefernde  Kompositenfrüchte.  Landwirtsch.  Versuchs- 
stationen, 1894,  XLIII,  Abhandlung  9.  —  Die  Anatomie  der  Helianthusfrucht 
ist  ebendaselbst,  p.  253  von  Prof.  Kos u tan}'  bearbeitet. 

3  Tschirch  und  Oesterle,  Anatomischer  Atlas.  Leipzig  1900,  p.  273 
und  Taf.  62,  Fig.  24  bis  26. 


Die  »Kohleschicht«  im  Kompositenperikarp.  ■  O 

Alkohol,  Wasser,  Chloral  unlösliches  Sekret«  sich  befindet, 
»das  oft  den  ganzen  Interzellularraum  erfüllt  und  von  der  Fläche 
betrachtet  merkwürdige  dendritisch  verzweigte  Bildungen  dar- 
stellt«. \'on  den  übrigen  älteren  mir  bekannten  Schriften,  die 
sich  mit  dem  Bau  der  Kompositenfrucht  beschäftigen,  wie  die 
Arbeiten  von  Kraus^,  Heineck^  u.  a.  berührt  keine  diese 
Schicht.  Im  Jahre  1902  habe  ich  das  Vorkommen  derselben  in 
Helianthus^  ausführlich  beschrieben  und  die  Ansicht  aus- 
gesprochen, daß  sie  eine  kohlige  Substanz  enthalte  und  die 
Folge  eines  Humifikationsprozesses  sei.  Drei  Jahre  später  hat 
C.  L.  Gerdts,^  ohne  von  meiner  Arbeit  Kenntnis  genommen 
zu  haben,  in  drei  Kompositenfrüchten  (Coreopsis,  Rtidbeckia, 
ArnicaJ  diese  Schicht  nachgewiesen  und  ihre  Masse  ebenfalls 
als  Kohle  angesprochen. 

I.  Chemische  Zusammensetzung". 

In  meiner  Abhandlung  über  Heliantlius  findet  sich  die 
Angabe,  daß  die  schwarze  Masse  »eine  ganz  außerordentliche 
Resistenz  gegen  die  angewandten  Reagenzien  zeigt,  denn  sie 
ist  weder  in  Wasser  noch  in  den  bekannten  harzlösenden 
Körpern,  weder  in  Alkalien  noch  in  Säuren  löslich  und  erfährt 
nur  durch  längeres  Kochen  in  letzteren  eine  Aufhellung;  sie 
ist  demnach  weder  gummi-  noch  harzartiger  Natur«.  Gerdts"' 
hat  die  schwarze  Masse  der  Arnica-Fvwchi  mit  einer  größeren 
Anzahl  von  Lösungsmitteln  (durch  Einlegen  der  Schnitte  über 
acht  Tage  unter  stetiger  Erneuerung  der  betreffenden  Flüssig- 
keit) behandelt,  auf  Indigo  geprüft  und  schließlich  die  Zerstörung 
durch  Chlorzink  und  Schwefelsäure  und  durch  rauchende 
Schwefelsäure    versucht;     es     erfolgte     weder    eine    Lösung, 

1  Gr.  Kraus,  Über  den  Bau  trockener  Perikarpien.  Inaug.-Diss.,  Leipzig 
1866,  p.  61. 

'-  0.  He  in  eck,  Beitrag  zur  Kenntnis  des  feineren  Baues  der  Fruchtschale 
der  Kompositen.  Inaug.-Diss.,  Gießen  1890. 

3  T.  F.  Hanausek,  Zur  Entwicklungsgeschichte  des  Perikarps  von 
Hdianthiis  annuns.  Ber,  d.  Deutsch.  Bot.  Gesellsch.,  1902,  Bd.  XX,  p.  449. 

^  Carl  Ludwig  Gerdts,  Bau  und  Entwicklung  der  Kompositenfrucht  mit 
besonderer  Berücksichtigung  der  offizinellen  Arten.  Inaug.-Diss.,  Bern  1905 
.(Leipzig),  p.  55. 

s  Gerdts,  1.  c,  p.  55  bis  56. 


6  T.  F.  Hanausek, 

beziehungsweise  Blaufärbung  noch  eine  Zersetzung  oder 
Zerstörung  der  Masse.  Er  kommt  somit  zu  dem  Schlüsse,  daß 
es  sich  nur  um  Kohle  oder  kohlehaltige  Kieselsäure  handeln 
könne.  Aus  dem  Aschenskelett  der  Schnitte  schließt  Gerdts/ 
»daß  das  schwarze  Sekret,  das  bei  der  Veraschung  ver- 
schwindet, aus  Kohle  besteht,  die  allenfalls  anorganische 
Salze,  vielleicht  ein  Calciumsalz,  Kieselsäure  o.  dgl.  enthält.« 

Bisher  ist  das  Vorkommen  von  kohleartigen  oder  Humus- 
substanzen in  Teilen  der  lebenden  Pflanze  nicht  einwandfrei 
nachgewiesen  worden.  Bekanntlich  hat  man  die  Bildung  des 
Kernholzes  einem  Humifikationsprozeß  zugeschrieben. 
Molisch^  hat  die  Anwesenheit  von  Humuskörpern  im  Kern- 
holze der  echten  Ebenhölzer  nachzuweisen  versucht: 
Nach  ihm  sind  im  Kernholze  der  Diospyros-Arten  Humus- 
säuren und  Humuskohle  vorhanden,  durch  einen  langsamen 
Verwesungsprozeß  erzeugt,  der  die  Holzfaser  und  die  ein- 
gelagerte Gummisubstanz  verändert;  nebst  dem  Inhaltsstoff 
der  Zellen  (Gummi)  verfällt  auch  die  Zellwand  der  Humi- 
fizierung.  »Die  Libriformfasern  sind  dickwandig;  je  mehr 
Gummi  sie  im  Lumen  aufspeichern,  umso  dünnwandiger 
werden  sie.  Im  mazerierten  Material  nimmt  man  kleine 
tropfenartige  Gebilde  wahr,  wie  ich  sie  in  den  Gefäßen 
beschrieben;  es  scheinen  daher  auch  bei  diesen  Elementar- 
organen die  jüngeren  inneren  Schichten  das  Material  für 
Gummi  zu  liefern«  (Mo lisch).  Auch  Belohoubek^  schließt 
sich  dieser  Anschauung  an,  er  spricht  von  Reduktionsprozessen, 
die  zur  echten  Karbonisation  führen;  der  in  Kalilauge  unlös- 
liche Teil  des  Kernstoffes  stellt  die  Kohle  dar. 

Gewichtige  Bedenken  gegen  die  Meinung,  daß  im  Kern- 
stoffe Humuskörper  vertreten  seien,  bringt  Edmund  Prael'* 
vor.  Er  sagt  p.  71:  »Der  hier  behauptete  Fall,  daß  ,die  Bildung 


1  L.  c,  p.  57. 

2  Molisch,  Vergleichende  Anatomie  des  Holzes  der  Ebenaceen  und 
ihrer  Verwandten.  Diese  Sitzungsber.,  Abt.  I,  Juliheft  1879,  p.  14  bis  15  des 
Separatabdruckes. 

3  Sitzungsber.  d.  königl.  böhm.  Gesellsch.  d.  Wiss.,   Prag  1883,  p.  384. 
•1  Edmund  Prael,  Vergleichende  Untersuchungen  über  Schutz-  und  Kern- 
holz der  Laubhölzer.  Inaug.-Diss.,  Rostock  1888  (Berlin). 


Die  >Kohleschicht«  im  Kompositenperikarp.  7 

von  Kohle,  die  Karbonisation  pflanzlicher  Stoffe  physiologisch 
in  einer  lebenden  Pflanze  vor  sich  gehe',  muß  in  hohem 
Grade  auffallend  und  bedenklich  erscheinen;  welch'  ungeheure 
Energie  muß  dazu  erforderlich  sein,  Gummi  (denn  das  ist  nach 
Molisch  jene  Muttersubstanz)  zu  elementarem  Kohlenstoff  zu 
reduzieren,  (CgH^oOs)»  zu  C!  Und  zumal  innerhalb  eines 
einzigen  Jahres!  (Erscheint  doch  die  Ausfüllung  im  letzten 
Jahresringe  des  Splintes  noch  hellgelb,  im  ersten  Kernholz- 
ring aber  bereits  kohlig!)  Von  dieser  großen  Unwahrschein- 
lichkeit  abgesehen,  scheint  es  mir  auch  in  Hinblick  auf  das 
von  mir  beobachtete  chemische  Verhalten  der  Inhaltsmasse  des 
Ebenholzes  ausgeschlossen,  dieselbe  als  »Kohle«  zusammen 
mit  »Humussäuren«  anzusprechen.  Für  beweisend  möchte  ich 
besonders  das  Verhalten  gegenüber  Kaliumchlorat  und  ver- 
dünnter HCl  halten;  durch  diese  Mischung  wurde  nämlich  der 

schwarze   Inhaltsstoft'  der  verschiedenen  Ebenhölzer 

entfärbt  (oder  vielmehr,  er  zeigte  jetzt  die  gelbe  Farbe  und 
überhaupt    die    ganze    Erscheinung    des    homogenen   gelben 

Gummi  im  älteren  Splint)  und  alkohollöslich  gemacht Ich 

sehe  in  dem  schwarzen  Inhaltsstoff  des  Kerns  der  Ebenhölzer 
lediglich  das  so  verbreitete  Schutzgummi,  das  hier  nur  durch 
einen  auch  in  den  Zellmembranen  vorhandenen,  sehr  dunklen 
resistenten  Färb-  oder  ähnlichen  Stoff  tingiert  ist.«  Prael  meint 
auch,  daß  wirkliche  Kohle  durch  die  Behandlung  mit  KCIO3 
und  HCl  nicht  entfärbt  werde.  Daß  diese  Anschauung  aber 
nicht  richtig  ist,  wird  unten  dargetan  werden.  Hier  möchte  ich 
nur  bemerken,  daß  das,  was  Prael  über  die  ungeheure  Energie 
sagt,  die  zur  Reduktion  des  Gummi  zu  Kohlenstoff  nötig  sei, 
nicht  gar  so  unwahrscheinlich  sei,  wenn  man  gegenüberhält, 
welche  ungeheuren  Energien  die  Pflanze  im  Assimilations- 
prozesse, also  bei  der  Umwandlung  anorganischer  in  organische 
Materie,  und  zwar  in  kürzesten  Zeiträumen  oder  beim  Wachstum 
der  generativen  Organe  aufwendet. 

In  neuerer  Zeit  hat  sich   Alfred  Will ^   mit   dieser  Frage 
beschäftigt.  Auch  dieser  Forscher  bestreitet  die  kohhge  Natur 


1  Alfred  Will,   Beiträge  zur  Kenntnis  von  Kern- und  Wundholz.   Inaug.- 
Diss.,  Bern  1899. 


8  T.  F.  Hanaus ek, 

des  Kernstoffes  der  Ebenhölzer  und  hält  die  schwarze  Masse 
für  das  sogenannte  Holzgummi,  das  von  Thomsen^  auf- 
gefunden und  dessen  Eigenschaften  durch  die  Untersuchungen 
von  Koch^  näher  bekannt  geworden  sind;  Will  bezeichnet 
allerdings  nur  die  Grundlage  der  Masse  als  Gummi,  die 
schwarze  Farbe  werde  durch  einen  besonderen  Farbstoff 
bedingt;  darüber  lautet  die  Äußerung  Will's^  folgendermaßen: 
»Die  Inhaltsstoffe  des  Kernholzes  (von  Diospyros  Ehemim) 
bilden  sich  auf  ganz  gleiche  Weise  wie  diejenigen  der  übrigen 
Farbhölzer«  (nämlich  aus  einer  »inneren  Haut«,  die,  vom 
Plasma  gebildet,  sich  der  innersten  Seite  der  Zellmembran 
enge  anlagert).  »Wenn  sie  sich  hiegegen  durch  ihre  schwarze 
Farbe  und  ihre  schwere  Löslichkeit  etwas  stärker  abheben,  so 
ist  dies  lediglich  nur  in  einer  sekundär  erfolgten,  resistenten 
Farbstoffeinlagerung  zu  suchen  und  nicht  auf  eine  Humi- 
fikation  (Molisch)  oder  Karbonisation  (Belohoubek)  zurück- 
zuführen«. 

Wir  sehen,  daß  von  diesen  beiden  Autoren  ein  »dunkler, 
resistenter  Farbstoff«  als  die  Ursache  der  schwarzen  Farbe 
angegeben  wird,  keiner  aber  kann  angeben,  was  denn  dieser 
dunkle  Farbstoff  eigentlich  sei.  Ebenso  übereinstimmend  lautet 
bei  beiden  Forschern,  die  Angabe  über  die  »Resistenz«,  d.  h. 
also  über  die  Reaktionsunfähigkeit  des  Farbstoffes,  seine 
Widerstandskraft  gegen  so  zahlreiche  und  energisch  wirkende 
chemische  Angriffsmittel,  ja  es  gelingt  nach  Will"^  nicht 
einmal,  auf  das  Gummi  so  einzuwirken,  daß  man  durch 
Oxydation  Schleimsäure  erhält.  Ich  habe  nicht  die  Über- 
zeugung, daß  es  den  genannten  Autoren  vollständig  gelungen 
ist,    die    Annahmen    von   Moli  seh   zu  widerlegen;    es   bleibt 


1  Journ.  f.  prakt.  Chemie,  Neue  Folge  1879,  Bd.  19,  p.  146  bis  16S 
(Chemische  Untersuchung  über  die  Zusammensetzung  des  Holzes.  —  Holz- 
gummi ist  in  Wasser  unlöslich,  gekocht  liefert  es  eine  sauer  reagierende  Lösung, 
Natronlauge  löst  es  bei  gewöhnlicher  Temperatur,  mit  verdünnter  Säure  gekocht 
wird  es  in  Alkohol  löslich). 

2  Friedrich  Ko  ch,  Experimentelle  Prüfung  des  Holzgummi  und  dessen 
Verbreitung  im  Pflanzenreiche.  Unters,  a.  d.  pharm.  Institute  d.  Univ.  Dorpat. 
Pharm.  Zeitschr.  f.  Rußland,  1886,  Nr.  38  bis  47. 

3  Will,  1.  c,  p.  83. 

4  Will,  1.  c,  p.  75. 


Die  »Kohleschicht«  im  Kompositenperikarp.  9 

immer  noch  ein  Rest  (z.  B.  das  Dunkel  des  dunklen  Farb- 
stoffes), der  von  ihnen  nicht  erklärt  worden  ist. 

Wenn  es  sich  nun  auch  in  der  vorliegenden  Arbeit  um 
ein  ganz  anderes  Untersuchungsobjekt  —  nämlich  um  das 
Kompositenperikarp  —  handelt,  so  erschien  es  mir  doch  von 
größter  Bedeutung,  die  Kern  stofffrage  der  Ebenhölzer  hier 
anzuführen,  da  ja  bei  beiden  Arbeitsgebieten  ein  und  dasselbe 
Problem  —  das  Vorkommen  einer  angeblich  kohligen  Sub- 
stanz —  zu  lösen  ist.  Es  läßt  sich  auch  daraus  ersehen,  daß 
es  nicht  angeht,  einer  schwarzen  Substanz  ohneweiters,  auch 
wenn  sie  in  den  bekannten  gummi-  und  harzlösenden 
Mitteln  unlöslich  ist,  einen  Inhalt  kohliger  Natur  zuzu- 
schreiben. 

Nun  liegt  aber  eine  Abhandlung  von  J.  Wiesner^  aus 
dem  Jahre  1892  über  den  mikroskopischen  Nachweis  der 
Kohle  vor,  die  sowohl  den  vorher  genannten  Autoren  als  auch 
mir  entgangen  war.  Wiesner  hatte  das  Problem  gewisser- 
maßen von  der  entgegengesetzten  Seite  aufgefaßt  —  die 
übrigens  auch  durch  die  Veranlassung  zu  dieser  Unter- 
suchung (Studium  des  schwarzen  Lungenpigmentes)  gegeben 
war  —  und  die  Einwirkung  eines  bestimmten  Oxydations- 
mittels auf  die  verschiedenen  Arten  der  Kohle  (Braun-,  Stein-, 
Holzkohle,  Ruß,  Anthracit,  Graphit,  amorpher  Kohlenstoff) 
studiert.  Als  bestes  Reagens  erwies  sich  nun  das  von  dem- 
selben Autor ^  in  die  Pflanzenanatomie  eingeführte  Gemisch 
starker  Chromsäure  mit  Schwefelsäure,  im  folgenden  kurz 
als   Chrom.säure  bezeichnet,  dessen    außerordentlich  kräftig 


1  J.  Wiesner,  Über  den  mikroskopischen  Nachweis  der  Kohle  in  ihren 
verschiedenen  Formen  und  über  die  Übereinstimmung  des  Lungenpigments  mit 
der  Rußkohle.  Diese  Sitzungsber.,  Bd.  101,  Abt.  I,  1892,  p.  379  ff.  —  Diese  für 
meine  Untersuchungen  so  überaus  wichtige  Abhandlung  habe  ich  erst  kennen- 
gelernt, nachdem  meine  Arbeit  bereits  abgeschlossen  war.  Meine  in  dem 
vierten  Kapitel  angeführten  Erörterungen  und  Folgerungen  waren  ohne  Kenntnis 
dieser  Abhandlung  niedergeschrieben  und  erhalten  durch  die  Übereinstimmung 
der  Beobachtungen  Wies ner 's  (an  der  Holzkohle)  mit  meinen  Befunden  eine 
höchst  wertvolle  Bestätigung.  Die  Ergebnisse  meiner  Versuche  mit  der  Chrom- 
säure wurden  nachträglich  an  den  betreffenden  Stellen  eingefügt. 

'-  J.  Wiesner,  Einleitung  in  die  technische  Mikroskopie.  Wien  1S67, 
p.  38,  Anmerkung  1. 


10 


T.  F.  Hanausek, 


oxydierender  Wirkung  keine  Pflanzen-  und  Tierzelle  wider- 
stehen kann.  Die  Anwendung  der  Chromsäure  bietet  daher 
zugleich  den  großen  Vorteil,  aus  einem  mikroskopischen 
Präparate  alle  organisierten  Bestandteile,  sofern  es  sich  um 
die  Beobachtung  des  zurückbleibenden  unlöslichen  Materials 
handelt,  ausschalten  zu  können. 

Es    sollen    nun    aus    der   Abhandlung  Wiesner's  jene 
Punkte  herausgehoben  werden,  die  für  die  vorliegende  Arbeit 
von    besonderer   Bedeutung    sind.    Wiesner   fand,    daß    der 
wesentliche  Bestandteil  der  Braunkohle  ein  brauner,  durch- 
scheinender Körper  sei,  der  durch  die  Einwirkung  der  Chrom- 
säure farblos   wird;   die   farblos   gewordenen   Teilchen   bilden 
einen  Gewebedetritus,  der  die  Reaktionen  der  Zellulose  zeigt. 
Alle   übrigen   Kohlearten   enthalten    nur   eine    geringe   Menge 
einer  durch  Chromsäure  leicht  oxydierbaren  Substanz,  die  die 
Farbe  des  Reagens  zuerst  in  Braun,  dann  in  Grün  umwandelt. 
Der   Rückstand    verhält    sich    so    wie    amorpher   Kohlenstoff 
und    wird    durch    Chromsäure    nur    außerordentlich    langsam 
angegriffen.    Dieser    Rückstand    besteht    aus    schwarzen    un- 
durchsichtigen Partikeln.  —  In  der  Steinkohle  treten  neben 
diesen  schwarzen  Teilchen  braune  oder  rotbraune  von  dreierlei 
Art  auf,  und  zwar  schmelzbare,    als   Harze  zu  bezeichnende 
Anteile,  ferner  »Körper,  welche  sich  genau  so  wie  Braunkohle 
verhalten,    also    nach    Einwirkung    von    Chromsäure    einen 
Gewebedetritus  geben,    welcher    aus  Zellulose    besteht«   und 
endlich  Körper,   die   von   Chromsäure  nach   und  nach  gelöst 
werden  (übereinstimmend  mit  den  im  Anthrazit  vorkommenden 
Körnchen).  Die  Beobachtungen  Wiesner's  an  der  Holzkohle 
sind    folgende:     Die    bei    niederer    Temperatur    gewonnene 
braune   Holzkohle,  sogenannte   Rotkohle    (mit  geringem 
Kohlenstoffgehalt)    »wird  durch  Chromsäure  vollkommen  zer- 
stört. In  einem  bestimmten  Stadium  der  Chromsäureeinwirkung 
bleibt  Zellulose  in  Form  wohlerhaltenen  Holzgevvebes  zurück, 
welche  vor  der  Zerstörung  lange   dunkle   Fäden   (Reste   von 
Außenhäuten)  und  zarte  Ringe  (äußerste  Grenzen  der  Tüpfel) 
erkennen  lassen,  wodurch  eine   Unterscheidung   von   Braun- 
kohle ermöglicht  wird.  Schwarzkohle   (schwarze  [bei  höherer 
Temperatur   gewonnene]    Holzkohle)    wird,    abgesehen    von 


Die  » Kohleschicht«  im  Kompositenperikarp.  1  1 

kleinen  Mengen  leicht  oxydierbarer  Substanz,  im  Reagens  fast 
gar  nicht  angegriffen«.^ 


Bei  der  geringen  Menge  der  schwarzen  Masse  in  den 
Kompositenfrüchten  und  der  außerordentlichen  Schwierigkeit, 
sie  zu  isolieren,  lassen  sich  damit  makrochemische  Versuche 
wie  beim  Ebenholz  nicht  anstellen.  Es  bleibt  also  nur  die 
mikrochemische  Untersuchung  übrig  und  die  zahlreichen  von 
mir  ausgeführten  mikrochemischen  Versuche  lassen 
die  in  den  reifen  Früchten  enthaltene  schwarze 
Masse  als  einen  Körper  erkennen,  dessen  quantitativ 
wichtigster  Bestandteil  gegen  chemische  Ein- 
wirkungen die  allergrößte  Resistenz  zeigt. 

Die  schwarze  Masse  ist  weder  in  Alkalien  noch  in 
Säuren  löslich  oder  zersetzbar.  In  Bezug  auf  den  Versuch 
Prael's  mit  KCIO3  und  HCl  will  ich  folgendes  anführen. 
Während  durch  Behandlung  mit  diesen  Reagenzien  der  Kern- 
stoff des  Ebenholzes  entfärbt  werde,  sei  dies,  so  meint  Prael, 
mit  wirklicher  Kohle  nicht  der  Fall.  Dies  gilt  aber  für  Braun- 
kohle nicht.  Ich  habe  Lignit  mit  den  genannten  Stoffen  digeriert 
und  fand  ihn  in  kurzer  Zeit  so  aufgehellt,  daß  das  Objekt  im 
Mikroskop  nur  mehr  blaßgelb  erschien  und  die  Holzelemente 
deutlich  erkennen  ließ;  in  den  Tracheiden  und  Markstrahl- 
zellen fanden  sich  große  rotbraune  Tropfen  vor.  Da  nun 
Lignit  zweifellos  humifiziertes  Holz  darstellt,  so  wäre  also  die 
Aufhellung  in  KCIO3  und  HCl  kein  Beweis  gegen  Humus- 
körper und  Humuskohle.  Aber  selbst  diese  Veränderung  tritt 
in  der  schwarzen  Masse  der  Kompositenfrucht  nicht  auf;  ich 
habe  sie  (von  Tagetes-Früchten,  in  denen  sie  in  pechschwarzen 
Platten  vorkommt)  damit  digeriert,  auch  gekocht,  ohne  je 
eine  Aufhellung  oder  Lösung  beobachten  zu  können.  Wie  sehr 
sie  sich  von  einem  wirklichen  Pflanzenfarbstoff  unterscheidet, 
läßt  sich  aus  folgender  Tatsache  dartun.   Tagetes-Früchte  (wie 


1  Wiesner,  Über  den  mikroskopischen  Nachweis  etc.,  p.  39  des  Separat- 
abdruckes. 


12  T.  F.  Hanausek, 

Überhaupt  sehr  viele  Kompositenfrüchte)  besitzen  eigentümhche 
zvveispitzige,  gerade  Doppelhaare,  sogenannte  Zvvillings- 
haare,  die  an  der  Frucht  nach  aufwärts,  dem  Scheitel  zu, 
gerichtet  sind  und  wohl  das  Festhalten  der  Frucht  in  dem 
Erdboden  (bei  der  Keimung)  bewirken  sollen.  Diese  Haare 
enthalten  einen  tiefbraunen  Farbstoff,  der  im  Mikroskope 
dasselbe  Aussehen  hat  wie  die  dünnen  braunen  Lagen  der 
Masse,  z.  B.  an  der  Basis  der  Frucht.  Werden  nun  Präparate 
nach  dem  von  Prael  angegebenen  Verfahren  behandelt,  so 
verschwindet  der  Farbstoff  in  den  Haaren  gänzlich,  die  Haare 
sind  farblos  geworden,  während  die  Platten  der  schwarzen 
Alasse  unverändert  geblieben  sind. 

Bemerkenswert  ist  auch  die  Einwirkung  der  konzen- 
trierten Salpetersäure  auf  die  schwarze  Masse.  Wie  Will 
(1.  c.  p.  81)  angibt,  zeigten  Schnitte  des  Kernholzes  von 
Diospyros  Ehentim,  die  drei  Tage  in  konzentrierter  Salpeter- 
säure gelegen  hatten,  den  größten  Teil  der  Ausfüllungen,  aus- 
genommen die  der  Gefäße,  gelöst  oder  mindestens  entfärbt. 
»Werden  dünne  Schnitte  der  längeren  Einwirkung  von  kon- 
zentrierter Salpetersäure  ausgesetzt,  so  entfärbt  sich  das 
bräunliche  Zellgewebe  mit  den  schwarzen  Zellinhaltsstoffen 
in  Hellgelb  unter  teilweiser  Zerteilung  des  Sekretes  und  wohl 
auch  teilweiser  Lösung.«  Tagetes-VxilchtQ  und  dünne  Schnitte 
davon  zeigten  nach  wochenlangem  Liegen  in  konzentrierter 
Salpetersäure  keine  Aufhellung  oder  Lösung  der  schwarzen 
Masse;  diese  blieb  unverändert,  ließ  sich  von  den  ganz  mürbe 
gewordenen  Geweben  in  starren,  kantigen  Bruchstücken  ab- 
lösen und  war  bei  gehöriger  Dicke  gänzlich  undurchsichtig, 
pechschwarz,  in  dünnen  Stücken  (von  der  Basis  der  Frucht) 
braun  durchscheinend.  Kocht  man  einen  dieser  Schnitte,  nach- 
dem die  Säure  durch  Auswaschen  entfernt  worden  ist,  in 
verdünnter  oder  in  starker  Kalilauge,  so  tritt  auch  jetzt  keine 
Veränderung  ein;  mitunter  ist  eine  schwache  Bräunung  der 
Lauge  zu  beobachten  (wie  beim  Kochen  der  Braunkohle  mit 
Lauge). 

Von  ausschlaggebender  Bedeutung  erschien  mir  nun  die 
Einwirkung  der  Chromsäure  nach  Wiesner's  Methode.  Ich 
habe  sie  an  den  Früchten  von  Tagetes,  Helianthas,  Xanthhun 


Die  tKohlescliicht«  im  Kompositenperikarp.  13 

und  Sclerocarpns  beobachtet.  Längs-  und  Querschnitte  wurden 
teils  auf  dem  Objektträger,  teils  im  Schälchen  (ganze  Früchte 
in  der  Flasche)  in  Chromsäure  suspendiert;  sehr  bald  trat 
Blasenbildung  auf,  im  Verlauf  von  mehreren  Stunden  waren 
alle  Gewebe,  die  sich  an  dem  Schnitte  befanden,  und  alle  Farb- 
stoffe nach  Braun-,  beziehungsweise  Grünfärbung  des  Reagens 
zerstört  und  verschwunden  und  nur  die  schwarze  Masse  war 
zurückgeblieben;  auch  nach  mehrwöchentlichem  Liegen  in 
Chromsäure  zeigen  sich  an  den  schwarzen  Netzen  und  Platten 
nur  sehr  geringe  Veränderungen.  Von  den  so  behandelten 
Ja^^/^s-Früchten  bleiben  nur  die  schwarzen  Platten,  die  sich 
gegen  die  Fruchtbasis  in  braune  anastomosierende  Streifen 
auflösen,  und  diese  Streifen  zurück;  sehr  eigentümlich  ist  das 
Aussehen  der  schwarzen  Platten  ohne  Vergrößerung;  sie  er- 
scheinen in  der  Flüssigkeit  dem  freien  Auge  als  schwarze 
haarartige  Fasern;  mitunter  lösen  sich  diese  Platten  in 
Einzelfasern  auf,  entsprechend  den  darunter  liegenden  (nunmehr 
aber  verschwundenen)  Bastfasernzellen,  ohne  sich  aufzuhellen; 
nur  die  weit  dünneren  braunen  durchscheinenden  Stränge  an 
der  Fruchtbasis  hellen  sich  etwas  auf  und  eine  dreiwöchentliche 
Einwirkung  der  Chromsäure  verursacht  ein  leichtes  Verquellen 
der  dünnsten  Partien.  Ebensolange  behandelte  zarte  bräunliche 
Häute  mit  den  daraufliegenden  dendritischen  Strängen  von 
7a^^/t'5-Fruchtknoten  zeigen  nahezu  gar  keine  Änderung. 

Man  kann  also  annehmen,  daß  sich  die  schwarzen 
gänzlich  undurchsichtigen  Teile  wie  die  schwarze 
Holzkohle  oder  amorpher  Kohlenstoff,  die  braunen 
wie  die  braunen  Körnchen  in  der  Steinkohle  oder  im 
Anthrazit  verhalten. 

Das  zarte,  überraschend  schöne  Netz  von  Xanthiuni  erweist 
sich  in  Chromsäure  gleichfalls  als  höchst  resistent;  nach  mehr- 
wöchentlichem Liegen  in  dem  Reagens  findet  man  nebst  den 
schwarzen  ganz  undurchsichtigen,  also  unveränderten  Partien 
solche,  die  etwas  aufgehellt  worden  sind,  ja  in  kleinen  Fädchen 
ganz  farblos  erscheinen;  diese  farblosen  Teile  reagieren  aber 
nicht  auf  Zellulose.  Die  dünnsten  Netzfädchen  beginnen  nach 
etwa  sieben-  bis  achttägiger  Einwirkung  der  Chromsäure 
gewissermaßen  abzuschmelzen,  also  noch  dünner  und  zarter 


14  T,  F.  Hanausek, 

ZU  werden,  wobei  aber  ein  \'erquellen  wie  bei  Tagetes  oder 
Helianthiis  nicht  stattfindet;  bisher  aber  konnte  eine  voll- 
ständige Lösung  der  aufgehellten  und  farblosen  Fäden  nicht 
beobachtet  werden.  Ein  gleiches  Verhalten  weist  das  durch 
die  starken  Ouerstränge  charakterisierte  schwarze  Netz  von 
Sderocarpus  auf. 

Bei  Helianthiis  tritt  ein  Verquellen  ein,  indem  die  im 
unversehrten  Netze  als  Lücken  erscheinenden  Stellen  von  einer 
hellbräunlichen,  in  der  Mitte  der  ehemaligen  Lücke  selbst  farb- 
losen Aiasse  ausgefüllt  werden,  die  Kreuzungsstellen  der 
Stränge  bleiben  schwarz.  Außerdem  ist  aber  das  ganze  Netz 
von  sehr  kleinen,  teils  rundlichen,  teils  dreikantigen  oder  nach 
einer  Seite  spitz  zulaufenden  Löchern  durchbrochen,  die  von 
den  Zäpfchen  der  Bastfasern  herrühren;  sie  bieten  sehr  häufig 
einen  sehr  scharfen  negativen  Abdruck  der  Zäpfchen  dar. 

Von  einer  Zerstörung,  Auflösung  oder  sonstigen 
bedeutenden  Veränderung  der  schwarzen  M a s s e 
durch  die  Chromsäure  kann  nach  den  mitgeteilten 
Beobachtungen  nicht  die  Rede  sein. 

Auf  Anregung  des  Herrn  Hofrates  Wiesner^  habe  ich 
noch  die  Wirkung  der  Fäulnis  auf  die  schwarze  Masse 
studiert.  Die  schwarzen  Platten  von  Tagetes  zeigten  sich  in 
dem  von  Bakterien,  Pilzmykelien,  zerfallenen  Geweben  und 
sonstigem  Detritus  gebildeten  Breie  gänzlich  unverändert.  Eine 
Zerstörung  der  schwarzen  Masse  wird  nur  durch  die  Ver- 
brennung herbeigeführt. 

Die  beispiellose  Widerstandsfähigkeit  der 
schwarzen  Masse  gegen  die  Einwirkung  lösender, 
oxydierender  und  sonstwie  aufschließender  Körper 
berechtigt  zu  der  Annahme,  daß  die  schwarze  Masse 
eine  der  Kohle  nahe  verwandte  Substanz  enthalte 
und  daß  ihr  ein  sehr  hoher  Kohlenstoff  geh  alt  zu- 
kommen müsse. 


1  Ich  fühle  mich  verpflichtet,  Heirn  Hofrat  Wiesner  für  das  Interesse, 
das  er  meiner  Arbeit  entgegengebracht,  und  für  die  wertvolle  Unterstützung, 
die  er  mir  hiebei  zu  teil  werden  ließ,  meinen  verbindlichsten  Dank  auszu- 
sprechen. 


Die  »Kohleschicht«  im  Kompositenperikarp.  15 

IL  Verbreitung"  und  Vorkommen. 

Es  wurden  die  Früchte  oder,  wenn  diese  nicht  vorhanden, 
die  abgeblühten  Fruchtknoten  von  34  Kompositengattungen 
aus  nahezu  allen  Tribus  auf  das  Vorkommen  der  schwarzen 
Masse  geprüft.  Bisher  habe  ich  das  Vorkommen  derselben  in 
13  Gattungen  feststellen  können;  es  dürfte  wohl  als  eine 
generelle  Eigenschaft  angesehen  werden,  da  z.  B.  drei  unter- 
suchte Xanthimn- Arten  die  Masse  besitzen.  Auf  einen  Umstand 
muß  ich  aber  besonders  hinweisen.  Nicht  alle  Exemplare  der 
Frucht  einer  Kompositenart,  die  zu  den  13  Gattungen  gehört, 
enthalten  die  Masse.  In  zahlreichen  bein weißen  Heliattthtis- 
Früchten  habe  ich  sie  vergebens  gesucht;  ebenso  fehlt  sie 
nicht  selten  in  den  graugestreiften  Formen,  denn  —  und  das 
muß  auch  noch  betont  werden  —  mit  der  Färbung  der  Frucht- 
schale von  Heliauthns  hat  die  Masse  nichts  zu  tun.  Schwarze 
Helianthus-Fvüchte  haben  ein  Pigment  in  der  Oberhaut  und 
dem  Hypoderma,  das  im  Mikroskop  als  brauner  Zellinhalt 
erscheint  und  die  schwarze  Färbung  der  Fruchtschale  ver- 
ursacht. Bei  Tagetes  werden  die  Früchte  allerdings  durch  die 
schwarzen  Platten  gefärbt,  nichtsdestoweniger  kann  in  den 
Epidermiszellen  ein  besonderes  Pigment  vorhanden  sein.  Wie 
sehr  sich  dieses  Pigment  nach  seiner  stofflichen  Zusammen- 
setzung von  der  schwarzen  Masse  unterscheidet,  wurde  im 
vorigen  Kapitel  erörtert. 

Ob  nun  alle  Früchte  eines  Korbes  oder  einer  und  der- 
selben Mutterpflanze  die  schwarze  Schicht  besitzen  oder 
ob  sie  bei  einigen  Früchten  desselben  Blütenstandes  aus- 
gebildet ist,  bei  anderen  fehlt,  bleibt  noch  zu  untersuchen.  Bei 
Helianthiis  habe  ich  im  Jahre  1902  in  zahlreichen  Früchten 
einer  Pflanze  das  Vorkommen  konstatieren  können. 

Wenn  also  nur  13  Gattungen  als  solche  genannt  werden 
können,  die  die  schwarze  Schicht  führen,  so  soll  damit  nicht 
behauptet  sein,  daß  sie  den  übrigen  21  Gattungen,  die  ich 
geprüft  habe,  definitiv  fehlt.  Erst  wenn  Früchte  verschiedener 
Pflanzen  und  verschiedener  Jahrgänge  derselben  Art  unter- 
sucht worden  sind,  kann  eine  bestimmte  Aussage  gemacht 
werden. 


16 


T.  F.  H  a  n  a  u  s  e  k , 


Die  folgende  nach  Hoffmann^  geordnete  Übersicht  der 
die  Kohleschicht  führenden  Kompositen  zeigt,  daß  sie  am 
häufigsten  in  der  Tribus  der  HeJiantheae  vertreten  ist.  In  den 
ersten  vier  Tribus  {Vcnionicae,  Etipatorieae,  Astcreae  und 
Imileae),  sowie  in  den  Ligulißorae  mit  der  13.  Tribus  Cichorieae 
habe  ich  sie  bisher  nicht  auffinden  können. 

Tribus:  Hdiautlieae. 

3.  Subtribus:  Melampodinae;  Melampodiiim  (l). 


4. 

» 

Ambro  sinae;. 

Xanthimn  (2). 

6. 

» 

Zmninae; 

Zinnia  (3). 

7. 

» 

Verbesininae; 

Rtidbeckia  (4). 
Helianthiis  (5). 
Scierocarpns  (6), 

8. 

» 

Coreopsidinac; 

Gnizotia  (7). 
Coreopsis  (8). 

9. 

» 

Galinsoginae ; 

Galinsoga  (9). 

10. 

» 

Madiuae; 

Madia  (10). 

Tribus:  Helenieae. 

4.  Subtribus:   Tagetininac,       Tagetes  (11). 

Tribus:  Seneeioneae. 

2.  Subtribus:  Senecioninae;      Arnica  (12). 

Tribus:   Cyiiareae. 

4.  Subtribus:   Ceiitanreinae;     Carthamiis  (13). 

Der  Perikarp  der  hier  angeführten  Kompositen  besitzt  in 
dem  auf  verschiedene  Weise  entwickelten  mechanischen 
Gewebe,  den  Bastfaserbündeln,  einen  Apparat  für  Festigkeit 
gegen  Zug  und  Druck  und  gegen  das  Biegen.  An  den  Früchten, 
deren  Perikarp  zugleich  auch  die  äußerste  Hülle  bildet,  ist 
dieser  Festigkeitsapparat  am  kräftigsten  entwickelt  und  wird 
meist  noch  von  anderen  sklerotischen  Geweben  unterstützt. 
Es  fehlt  aber  auch  nicht  an  den  Früchten,  die  noch  eine 
besondere   äußere,   von   den  Spreublättern   oder  Deckblättern 


1  Engler  und  Prantl,  Pflanzenfamilien  IV,  5,  p.  llSff. 


Die  »Kohleschicht«  im  Kompositenperikarp.  17 

durch  Verschmelzung  (Xmitlmim)  oder  durch  Verhärtung  (eines 
Deckblattes  wie  bei  Sclerocarpiis  und  Melanipoditmi)  gebildete 
Hülle  besitzen,  nur  ist  er  dann  sehr  stark  reduziert;  die  Bündel 
sind  dann  klein  und  enthalten  wenige  Bastzellen.  Die  Kohle- 
schicht tritt  nun,  wie  schon  in  der  Einleitung  angegeben  wurde, 
stets  an  der  der  Epidermis  zugewendeten  Außenseite  der 
Bündel  auf  und  bildet  in  der  reifen  Frucht  eine  schwarzbraune 
oder  pechschwarze  Masse,  die  durch  Druck  (Quetschen,  Zer- 
reiben) in  meist  kantige,  bröselige  Stückchen  zerbricht.  Am 
Querschnitt  erscheint  sie  schon  bei  schwacher  Vergrößerung 
als  ein  dicker  schwarzer,  gänzlich  undurchsichtiger  glanzloser 
Streifen,  der  die  Frucht  (innerhalb  der  Epidermis  und  des 
hypodermatischen  Gewebes)  umschließt. 

III.  Entwieklungsgesehichte. 
Tagetes  und  Helianthus. 

Ein  Querschnitt  vom  unteren  Drittel  (gegen  die  Basis)  des 
Fruchtknotens  von  Tagetes  erecttis  L.  (Fig.  1)  zeigt  folgendes:  Die 
Oberhaut  besitzt  eine  überaus  mächtige,  kutikularisierte  Außen- 
wand (ep).  Die  Radialwände  sind  kurz  und  die  Lumina  ver- 
hältnismäßig klein,  nach  innen  zu  verschmälert  oder  abgerundet 
begrenzt.  Die  nun  folgende  Zellreihe  (sep)  ist  durch  die 
kollenchymatische  Entwicklung  der  Zelhvände  ausgezeichnet 
und  zeigt  die  Zellumina  in  der  radialen  Richtung  stärker  aus- 
gedehnt als  in  der  tangentialen;  die  unmittelbar  daran  schließen- 
den Parenchymzellen  haben  ein  kleineres  Lumen,  aber  noch 
koUenchymatisch  verdickte  Zellwände;  das  Kollenchym  ist  als 
ein  Hypoderma  zu  bezeichnen,  das  sich  in  seiner  weiteren 
Entwicklung  scharf  von  dem  Parenchym  absondert.  Innerhalb 
des  Hypoderma  findet  man  kleine  Bündel  von  Bastfasern.  Von 
der  Kohleschicht  ist  noch  nichts  wahrzunehmen. 

Ein  weit  älteres  Stadium  ist  in  Fig.  2  dargestellt,  die  einen 
Querschnitt  etwa  in  der  Hälfte  der  Frucht  zeigt.  Die  Oberhaut- 
zellen haben  sich  nun  nach  allen  Seiten  entwickelt,  ins- 
besondere in  der  Radialachse  gestreckt,  die  Außenwand  ist 
noch   immer  auffallend  stark.  Was  früher  als  ein  einreihiges 

Sitzb.  d.  mathem.-natunv.  Kl.;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  2 


18  T.  F.  Hanausek, 

kollenchymatisches  Hypoderma  erschien,  ist  jetzt  ein  sehr 
zartzelliges  Parenchym  (Fig.  2,  sep);  die  Bastbündel  sind 
mächtig  geworden  und  haben  sich  ähnlich  wie  hei  Helianthns^ 
entwickelt.  Und  nun  läßt  sich  auch  das  erste  Auftreten  der 
Kohleschicht  erkennen.  Zuerst  bräunt  sich  die  Außenseite  der 
Bastzellen  (Fig.  2,  das  zweite  Bündel  in  der  Mitte),  dann  sieht 
man  im  Querschnitt  sehr  dünne  schwarzbraune  Anlagerungen  an 
der  Bastzeil-Außenwand  (Fig.  2,  k).  Wie  es  sich  tatsächlich 
damit  verhält,  kann  man  nur  aus  der  Längsansicht  erfahren. 
Fig.  3  stellt  zwei  Bastbündel  vor,  getrennt  durch  die  Paren- 
chymzellreihe  (vergl.  Fig.  2),  die  wie  ein  Markstrahl  das 
Hypoderma  mit  dem  Innenparenchym  verbindet  und  den 
Sklereidenmantel  durchbricht.  Die  Bastzellbündel  sind  der  ganzen 
Länge  und  Breite  nach  gleichmäßig  braun  gefärbt;  auf  dieser 
braunen  Unterlage  beobachtet  man  unregelmäßig  verlaufende, 
verbogene,  dendritisch  verzweigte,  tiefbraune  Stränge,  deren 
gemeinsame  Eigenschaft  darin  besteht,  daß  sie  stets  von  dem 
Rande  des  gleichmäßig  braunen  Überzuges  der  Bastbündel 
entspringen;  dieser  Rand  ist  auch  etwas  stärker,  dicker  und 
hie  und  da  kann  man  beobachten,  daß  er  sich  nicht  mit  dem 
Längsrande  oder  der  Längskante  des  Bündels  deckt  (Fig.  3 
bei  x),  sondern  das  letztere  hell  und  ungefärbt  darunter  noch 
hervorsieht;  es  erscheint  dort  der  braune  Überzug  also  schmäler 
als  die  Breite  des  Bastbündels.  Stellenweise  sieht  man  an 
Querschnitten,  daß  das  Hypoderma  ganz  reduziert  ist  und 
schließlich  fehlt;  auch  das  Saftleitungsparenchym  kann  dann 
fehlen  und  der  betreffende  Raum  ist  durch  sklerosierte  Zellen, 
beziehungsweise  durch  Bastzellen  abgeschlossen  (Fig.  2,  die 
zwei  Bündel  links).  Wir  finden  auch  schon  in  dem  ersten  Stadium 
der  Bräunung  der  Außenwand  die  am  Rande  entstehenden 
tiefbraunen  Stränge,  freilich  noch  ganz  kurz  und  unverzweigt, 
aber  scharf  von  der  Unterlage  abgehoben.  Sie  machen  den 
Eindruck,  als  würden  sie  aus  dem  hiebei  sich  verdickenden 
Rande  des  braunen  Überzuges  hervorquellen,  obwohl  ich,  wie 
ich  ausdrücklich  betone,  niemals,  auch  nicht  in  dem  allerersten 


1  T.  F.  Hanausek,  Zur  Entwicklungsgesch.   etc.,  p.  451   und  Taf.  21, 
Fis.   3. 


Die  »Kohleschicht«   im  Kompositenperikarp.  19 

Stadium  einen  anderen  als  den  festen  Aggregatziistand  der 
braunen  Stränge  wahrgenommen  habe. 

Besonders  deutHch  wird  diese  braune  Haut  mit  den  darauf 
liegenden  dendritisch  verzweigten  Strängen  in  dem  Chrom- 
säurepräparat. Nach  24 stündigem  Lagern  in  Chromsäure  sind 
alle  organisierten  Bestandteile  verschwunden,  nur  die  braune 
Haut  und  die  Stränge  sind  unverändert  erhalten.  Man  sieht 
nun,  daß  die  Entwicklung  gegen  den  Fruchtscheitel  zu  am 
stärksten  vorgeschritten  ist,  gegen  die  Basis  aber  die  zartesten 
feinsten  Anfangsstadien  der  braunen  Haut  vorhanden  sind;  sie 
sind  nur  mehr  an  der  stärkeren  und  tiefer  braunen  Randleiste 
zu  erkennen;  selbst  diese  feinsten  Partien  werden  durch  die 
Chromsäure  nicht  zerstört.  Stellenweise  sieht  man  auch  solche 
dickere  Streifen  im  Längsverlaufe  der  braunen  Haut  dort,  wo 
die  gemeinsamen  Außenwände  der  (darunter  liegenden)  Bast- 
faserzellen sich  befanden  und  von  ihnen  entspringende  dendri- 
tische Stränge. 

Je  älter  nun  die  Frucht  wird,  desto  zahlreicher  treten  die 
Stränge  auf,  es  entsteht  zuerst  ein  Netz  und  schließlich  findet 
man  an  der  reifen  Frucht  pechschwarze,  gänzlich  undurch- 
sichtige Platten,  die  nur  durch  die  schmalen  Lücken,  die  die 
markstrahlähnlichen  Parenchymzüge  enthalten  (soweit  diese 
nicht  resorbiert  sind),  voneinander  getrennt  sind  (Fig.  4,  a). 
So  ist  die  Ansicht  vom  Scheitel  der  Frucht  bis  ztim  unteren 
Drittel;  daselbst  verschmälern  sich  die  Platten  und  lösen  sich 
in  dünne  Stränge  auf,  die  durch  rechtwinkelige  kurze  z^na- 
stomosen  zusammenhängen  (Fig.  4,  h).  Am  Scheitel  findet  man 
nicht  selten  feine  Stränge  in  die  untersten  Partien  der  Pappiis- 
Schuppen  eingedrungen,  die  vollkommen  die  Forni  und  Größe 
der  die  Schuppen  daselbst  bildenden  Zellen  besitzen. 

Das  erste  Auftreten  der  schwarzen  Masse  ist  also  im 
großen  und  ganzen  gleich  dem  von  Heliantlins.  Die  eigen- 
tümlichen Zäpfchen  an  der  Außenseite  der  Bastzellen  bei 
Helianthus'^,  die  zentrifugalen  Wucherungen  der  Zellwand, 
kommen  bei  Tagetes  nur  höchst  selten  vor;  sie  sind  aber  auch, 
wenn  anders  meine  Anschauung  über  ihren  Zweck  richtig  ist> 

1  L.  c,  p.  451. 

2* 


20  T.  F.  Hanausek, 

gar  nicht  nötig.  Ich  sagte  (1.  c),  daß  sie  die  Aufgabe  hätten,  die 
Bastbündel  von  dem  vorgelagerten  Gewebe  loszulösen,  um  für 
die  schwarze  Masse  Raum  zu  schaffen,  da  bei  Helianthtis  das 
Hypoderm  nicht  nur  persistiert,  sondern  sogar  etwas  sklerosiert; 
seine  feine,  überaus  reichliche  Tüpfelung  gibt  ihm,  wie  1.  c. 
Fig.  7  auf  Tafel  21  zeigt,  ein  sehr  charakteristisches  Gepräge. 
Da  nun  bei  Tagetes  das  Hypoderma  oder  wie  man  es  nennen 
will,  nach  der  Zellteilung  —  es  bilden  sich  nur  zwei,  selten 
stellenweise  drei  Zellreihen  —  eine  regressive  Entwicklung 
nimmt  und  oft  ganz  resorbiert  oder  wenigstens  mechanisch 
zurückgedrängt  wird,  so  ist  genügend  Raum  für  das  schwarze 
Produkt  an  der  Außenseite  der  Bastbündel  vorhanden. 

Die  Unterschiede,  die  sich  in  der  Entwicklung  der  Masse 
bei  Tagetes  und  bei  Helianthus  zeigen,  sind  mit  Berücksichtigung 
der  Ausbildung  der  Gewebe  folgende: 

1.  Bei  Helianthus  persistiert  und  sklerosiert  das  Hypo- 
derma; bei  Tagetes  wird  es  nur  schwach  entwickelt  und  ent- 
weder mechanisch  zusammengepreßt  oder  stellenweise  re- 
sorbiert. 

2.  Bei  Helianthus  entwickeln  sich  an  der  Außenseite  der 
Bastbündel  an  den  Bastfaserzellen  Zäpfchen,  lokalisierte  Zellen- 
wandwucherungen,  die  bei  Tagetes  fehlen  oder  nur  ganz  ver- 
vereinzelt auftreten. 

3.  In  dem  ersten  Auftreten  der  schwarzen  Masse,  der 
Bräunung  der  Außenwand  der  Bastzellen  gibt  es  bei  beiden 
Gattungen  keinen  Unterschied,  wohl  aber  ist  derselbe  in  dem 
Quantum  der  Masse  zu  konstatieren,  indem  bei  Helianthtis  nur 
ein  lückenreiches  Netz,  bei  Tagetes  massive^,  durch  schmale 
Spalte  getrennte  Platten  entstehen. 

Sclerocarpus  africanus  Jacq. 

Von  dieser  tropischen  Art  standen  mir  nur  halb-  und 
ganzreife  Früchte  zur  Verfügung.  Die  Frucht  von  Sclerocarpus 
ist  ausgezeichnet  durch  das  bleibende  und  sklerosierende 
Spreublatt,  das  wie  ein  zweites  Perikarp  die  Frucht  einschließt 
und  durch  seine  Spitze  einen  (falschen)  Fruchtschnabel  vor- 
täuscht. Soweit  sich  aus  dem  spärlichen  Material  ersehen 
ließ,  ist  das  erste  Auftreten  der  schwarzen  Masse  von  dem  bei 


Die  »Kohleschicht«   im  Kompositenperikarp.  21 

Helianthiis  nicht  verschieden;  in  Bezug  auf  den  anatomischen 
Bau  des  Perikarps  ist  hervorzuheben,  daß  auch  das  innere 
Parenchym  sklerosiert;  es  entwickehi  sich  stark  verdickte 
und  reichlich  getüpfelte,  abgerundet  polyedrische  Skiereiden 
(Fig. 5,  sd).  Von  besonderer  Bedeutung  aber  ist  das  Auftreten 
der  schwarzen  Masse  auch  innerhalb  dieses  Skleren- 
chyms;  Sckrocarptt-s  zeigt  demnach,  daß  die  Entstehung  der 
Masse  nicht  allein  an  die  Bastbündel  oder,  genauer  ausgedrückt, 
an  die  Außenseite  der  Bastbündel  und  die  Innenfläche  des 
Hypodermas  gebunden  ist,  sondern  daß  sie  auch  an  anderen 
Orten,  in  anderen  Gevvebearten  auftreten  kann.  Verschiedene 
Partien  des  Sklerenchyms  treten  von  den  übrigen  farblosen 
oder  gelblichen  Teilen  durch  die  braunschwarze  Umhüllung 
der  Skiereiden  höchst  auffallend  hervor  (Fig.  5,  k').  Man  beob- 
achtet, daß  eine  Skiereide  dicht  von  der  Masse  umhüllt  ist 
und  daß  von  dieser  Umhüllung  die  schwarze  Masse  gewisser- 
maßen sich  fortsetzt,  eine  nächste  Skiereide  umhüllt  und  neue 
Stränge  zwischen  die  anstoßenden  Zellen  einschiebt;  genau 
dort,  wo  ein  solcher  Strang  endet,  kann  man  als  seine  Fort- 
setzung die  Mittellamelle  wahrnehmen.  Es  macht  also  den 
Eindruck,  als  ob  es  die  gemeinsame  Außenwand  benachbarter 
Zellen  (Mittellamelle)  wäre,  die  sich  in  die  schwarze  Masse 
.umsetzt,  so  daß  eine  Isolierung  der  Zellen  erfolgen  muß;  ob 
zugleich  auch  die  Zellmembran  davon  ergriffen  wird,  ließ  sich 
trotz  genauer  Untersuchung  nicht  feststellen.  Wie  sich  aus 
Fig.  5,^',  ersehen  läßt,  sind  die  Stränge  sehr  verschieden  mächtig; 
an  einer  und  derselben  Zelle  kann  eine  Seite  eine  starke,  eine 
andere  eine  viel  schwächere  Anlagerung  der  Masse  aufweisen. 
Diese  Art  des  Vorkommens  scheint  mir  besonders  geeignet 
zu  sein,  ein  Licht  auf  die  Entstehung  der  Masse  zu  werfen. 

Xanthium. 

Entwicklungsgeschichtliche  Untersuchungen  konnten  mit 
sehr  reichlich  zur  Verfügung  stehendem  Material  von  Xanthium 
strumarmm  L.  angestellt  werden,  von  Xanthium  spinosutn  L. 
wurden  nur  reife  Früchte  untersucht.  Die  Frucht  von  Xanthium 
ist  bekanntlich  von  der  widerhakigen,  sehr  harten  inneren  Hülle 
umschlossen,    die    zwei   Fächer   (mit  je   einer  Frucht)    bildet. 


22  T.  F.  Hanausek, 

Diese  Hülle  ist  für  die  Untersuchung  insofern  von  besonderem 
Vorteile,  als  sie  die  Anfertigung  guter  Querschnitte  — ■  schon 
des  Fruchtknotens  —  wesentlich  erleichtert. 

Da  die  Entwicklung  der  schwarzen  Masse  bei  Xanthinin 
in  anderer  Weise  vor  sich  geht  als  bei  den  vorhin  besprochenen 
Arten,  so  erscheint  es  zuvor  notwendig,  einen  Überblick  über 
den  anatomischen  Bau  des  jugendlichen  Perikarps  zu  geben. 
Die  Oberhaut  setzt  sich  aus  —  von  der  Fläche  gesehen  — 
längsgestreckten,  schmal  polygonalen  Zellen  zusammen  (Fig.  7), 
die  im  Querschnitt  (Fig.  6,  ep)  fast  rechteckig  sind  und  eine 
etwas  vorgewölbte,  kutikularisierte  Außenwand  besitzen.  Die 
Radial-  und  Innenwände  sind  sehr  dünn.  Unter  der  Oberhaut 
liegt  eine  Reihe  radial  gestreckter  dünnwandiger  Zellen,  ein 
Hypoderma,  dem  sich  ein  Bastzellmantel,  aus  2  bis  3  Zellreihen 
gebildet,  anschließt.  Das  innere  Parenchym  (Fig.  6,  p)  zeigt 
eine  zweifache  Zusammensetzung.  Zwischen  mehreren  Reihen 
kleiner  Zellen  liegt  eine  Reihe  viel  größerer,  die  aber  bei  fort- 
schreitendem Wachstum  der  Frucht  stellenweise  durch  da- 
zwischen sich  einschiebendes  kleinzelliges  Parenchym  von- 
einander getrennt  v/erden  (Fig.  8,  jt).  Den  Abschluß  bildet  eine 
aus  tangential  gestreckten  und  in  radialer  Richtung  sehr 
schmalen  Zellen  bestehende  innere  Epidermis.  Hier  soll  auch 
noch  des  Baues  der  Samenhaut  gedacht  werden,  da  sie  ihrer 
eigentümlichen  Epidermis  halber  sehr  bemerkenswert  erscheint 
(Fig.  6  und  8,  B).  Die  Oberhautzellen  bilden  bauchige  Kegel, 
deren  Basis  an  der  Außenseite  liegt,  deren  Spitze  nach  innen 
sieht;  im  erwachsenen  Zustand  (Fig.  8,  ep')  buchtet  sich  der 
Kegel  in  der  schmalen  Hälfte,  also  in  dem  der  Spitze  näheren 
Teil  stark  ein,  so  daß  die  Zellen  von  der  Fläche  gesehen  zwei 
Kreise,  einen  größeren,  dem  Basisteil  entsprechenden  und  einen 
bedeutend  kleineren,  der  verjüngten  Abteilung  angehörigen 
Kreis  zeigen;  dieser  Bau  hat  die  Bildung  recht  bedeutender 
Interzellularräume  zur  Folge.  Vermutlich  hat  die  Samenhaut- 
epidermis  gleich  den  großzelligen  Geweben  des  Perikarps  der 
Wasseraufnahme  bei  der  Keimung ^  zu  dienen.   Wird  infolge 

1  Vergl.  Richard  Loose,  Die  Bedeutung  der  Frucht-  und  Samenschale 
der  Kompositen  für  den  ruhenden  und  keimenden  Samen.  Inaug.-Diss.,  Berlin 
1891,  p.  50  bis  55. 


Die  »Kohleschicht«  im  Kompositenperikarp.  23 

ZU  rascher  Sklerosierung  und  Eintrocknung  der  Fruchthülle 
•die  freie  Entwicklung  und  Dehnung  der  Epidermiszellen  be- 
hindert, so  verschieben  sich  die  schmalen  Partien  und  es  ent- 
stehen Falten,  wie  sie  in  Fig.  9  abgebildet  sind.  Unter  der 
Oberhaut  befindet  sich  ein  dünnwandiges,  frühzeitig  tangential 
zusammengepreßtes  Parenchym;  eine  Aleuronzellschichte  in 
bekannter  Ausbildung  schließt  die  Gewebefolge  ab.  Auf  die 
Gefäßbündel  ist  hier  weder  bezüglich  des  Perikarps  noch  der 
Samenhaut  Rücksicht  genommen;  auch  die  durch  ihren  rot- 
braunen Inhalt  sehr  auffälligen  Balsamgänge  sind  nicht  weiter 
•erörtert. 

Das  erste  Auftreten  der  Kohleschicht  ist  nun  gänzlich  von 
dem  an  Helianthus,  Tagetes  und  Sclerocarptis  beobachteten 
abweichend.  Schon  im  Fruchtknoten  findet  man  kleine  schwarz- 
braune und  schwarze  Stückchen,  und  zwar  teils  als  kurze 
Streifen  an  der  Außenseite  der  ersten  Bastzellreihe  angelagert, 
teils  als  dreikantige  Partikel  in  den  kleinen  Interzellularen,  die 
zwischen  dem  Hypoderma  und  den  Bastzellen  sich  befinden 
(Fig.  6).  In  der  Flächenansicht  zeigt  sich  deutlich,  wie  diese 
Partikel  die  Innenwände  der  Hypodermazellen  umfassen.  Eine 
Bräunung  der  Außenwand  der  Bastzellen  der  ersten  Reihe  ist 
nicht  wahrzunehmen.  Nun  entsteht  aber  noch  ein  zweiter 
Entwicklungsherd  der  Kohleschicht.  Es  beginnen  nämlich 
sehr  bald  auch  die  an  die  Epidermiszellen  grenzenden 
(tangential  verlaufenden)  Wände  der  Hypodermazellen 
kleine  schwarze  Teilchen  zu  führen,  die  zunächst  die  Inter- 
zellularen erfüllen  und  von  da  aus  zwischen  die  Zellen  sich 
einschieben.  Die  Aufsicht  dieser  Zellen  zeigt  Fig.  10,  die 
dunklen  Stellen  sind  Kohleteilchen.  Allmählich  nimmt  die 
Masse  an  beiden  Entwicklungsstellen  zu,  der  Querschnitt  zeigt 
nun  zwei  Stränge,  einen  mächtigen  an  der  Außenseite  des 
Bastzellmantels  und  der  Basis  (inneren  Tangentialwand)  der 
Hypodermazellen,  einen  zweiten  weit  weniger  starken  an  der 
Außenseite  (äußeren  Tangentialwand)  der  Hypodermazellen, 
also  zwischen  diesen  und  den  Epidermiszellen  (Fig.  %,k  und  k'); 
zugleich  ist  die  Oberhaut  durch  Schrumpfung  (und  wohl  auch 
durch  Pressung)  zusammengefallen.  Ist  der  Prozeß  genügend 
weit  fortgeschritten,  so  sind  die  äußeren  und  inneren  Tangential- 


24  T.  F.  Hanau  Sek, 

wände  der  Hypodermazellen  nicht  mehr  zu  sehen,  ihre  Stelle 
nimmt  die  Kohleschicht  ein  und  diese  erstreckt  sich  auch  in 
die  Radialwände  hinein,  so  daß  von  letzteren  nur  mehr  die 
mittleren  Abschnitte  (Fig.  8,  sep)  als  farblose  Zellulosestreifen 
erhalten  geblieben  sind,  während  ihre  Anfänge  (an  der  Epi- 
dermis- und  an  der  Bastzellseite)  durch  die  schwarze  Masse 
ersetzt  sind.  Dieses  plötzliche  Aufhören  der  spitz  vorstehenden 
Masse  und  der  unmittelbar  darauf  folgende  lichte  Zellwand- 
streifen bieten  ein  sehr  eigentümliches  Bild.  Die  Flächen- 
ansicht der  Kohleschicht  am  reifen  Perikarp  läßt  daher  zwei 
Lagen  derselben  erkennen;  eine  weit  stärkere  schwarze  und 
eine  hellere,  die  aus  dünneren  Strängen  gebildet  ist.  In  Fig.  11 
ist  nur  die  erstere  gezeichnet,  um  nicht  das  Bild  zu  undeutlich 
zu  machen.  Die  Stränge  sind  von  sehr  verschiedener  Mächtig- 
keit, auch  die  dazwischen  befindlichen  Lücken  von  sehr  ver- 
schiedener Größe.  Besondere  Beachtung  verdient  folgendes. 
Viele  Lücken  —  also  Stellen,  die  von  der  Masse  freigeblieben 
sind  —  entsprechen  genau  den  Tüpfeln  der  darunter  liegenden 
Bastzellen;  während  die  Bastzellwände  größtenteils  dort,  wo 
sich  keine  Tüpfel  befinden,  von  der  Masse  bedeckt  sind,  sind 
die  Tüpfel  frei  davon  und  wenn  größere  Lücken  vorhanden 
sind,  so  entsprechen  diese  beiläufig  dem  von  der  Basis  der 
angrenzenden  Hypodermazellen  eingenommenen  Räume.  Ich 
will  nicht  bestimmt  behaupten,  daß  die  von  der  Masse  über- 
deckten Stellen  der  Bastzellen  eine  Art  Korrosion  zeigen;  der 
Anschein  spricht  allerdings  dafür  und  in  Fig.  11  soll  das  Bast- 
zellenstück sc  dies  veranschaulichen. 

Ich  habe  mich  bemüht,  in  diesem  Abschnitte  in  objektiver 
Weise  den  Befund  meiner  Untersuchungen,  das  Tatsächliche, 
das  jeder  Nachuntersuchung  standhält,  wiederzugeben.  Der 
folgende  soll  theoretische  Erläuterungen  und  Schlüsse,  insoweit 
solche  aus  dem  Ergebnisse  der  Untersuchungen  gezogen 
werden  können,  enthalten. 

Anhangsweise  will  ich  hier  noch  das  Verhalten  der  Kohle- 
schicht mitteilen,  das  dieselbe  bei  der  Keimung  der  Heliantlms- 
Früchte  (beziehungsweise  -Samen)  zeigt.  Die  Fruchtschale 
nimmt  (nach  längerem  Verweilen)  in  feuchter  Erde  Wasser  auf 
und    wird    von    dem    heraustretenden    Wurzelchen    in    zwei 


Die  »Kohleschicht«  im  Kompositenperikarp.  25 

Klappen  zersprengt.  Das  sich  stark  streckende  Hypokotyl  hebt 
die  Keimblätter  mit  der  noch  anhaftenden  Schale  in  die  Höhe, 
worauf  die  Fruchtschale  wieder  eintrocknet.  Die  Kohleschicht 
zeigt  während  dieses  Prozesses  stellenweise  eine  Zerbröckelung, 
eine  wohl  nur  mechanische  Zerstörung  des  netzförmigen 
Zusammenhanges;  löst  man  die  Bastzellen  durch  Erhitzen  im 
Schulze'schen  Gemische  aus  ihrem  Verbände,  so  kann  man 
an  denjenigen,  die  an  der  Außenseite  der  Bündel  lagern,  noch 
deutlich  den  braunen  Überzug  und  auch  stärkere  Auflagerungen 
in  einzelnen  schwarzen  opaken  Bruchstücken  eng  an  die 
Zellwand  angeschmiegt  beobachten.  Irgend  eine  Funktion  der 
Schicht  beim  Keimungsprozeß  läßt  sich  kaum  annehmen,  es 
müßte  denn  sein,  daß  sie  die  Wasseraufnahme  der  Frucht- 
schale durch  die  Lockerung  des  Gewebeverbandes  unterstützt. 

IV.  Theoretische  Erörterungen  und  Folgerungen. 

Die  in  der  Einleitung  angeführten  Arbeiten  sprechen  die 
schwarze  Schicht  als  Sekret  oder  als  eine  Pigmentlage  an.  In 
meiner  Arbeit  über  Heliantlitis  glaubte  ich  auf  Grund  meiner 
Beobachtungen  —  Bräunung  der  Außenseite  der  äußersten 
Bastfaserzellen,  zellige  Struktur  der  Schicht  in  der  Längs- 
ansicht —  annehmen  zu  dürfen,  daß  die  Schicht  aus  den 
Zellen  selbst  durch  Mumifikation  der  Zell  wände  hervorgehe, 
daß  sie  eine  Reihe  desorganisierter  Zellen  sei  und  kein  Sekret; 
daß  von  einem  interzellularen  Sekretraum  nicht  die  Rede  sein 
könne  und  daß  ein  Humifikationsprozeß  die  Umwandlung  der 
Zellwand  in  nicht  organisierte  Substanz  bewirke. 

In  dieser  weitgehenden  Fassung  kann  ich  meine  damalige 
Anschauung  mit  Rücksicht  auf  das  Ergebnis  der  gegen- 
wärtigen Studien  nicht  mehr  aufrecht  erhalten.  Eine  Um- 
wandlung der  vollständigen  Zelle,  die  hier  gleichbedeutend 
wäre  mit  totaler  Zerstörung  der  Zelle,  findet  nicht  statt. 

Wohl  aber  handelt  es  sich  um  die  Umwandlung  eines 
Teiles  der  Zellwand  und  dies  soll  durch  die  folgenden 
Erörterungen  klarzulegen  versucht  werden. 

In  dem  einen  Pralle,  der  durch  Tagetes  repräsentiert  wird 
und  wozu  auch  mit  einigen  nebensächlichen  Abänderungen  Heli- 
anthtis  und  wahrscheinlich  auch  noch  viele  andere  Gattungen 


26  T.  F.   Hanausek, 

{Rndhec'kia  etc.)  gehören,  wird  das  erste  Auftreten  der  schwarzen 
Schicht  durch  die  Bräunung  der  Außenwand  der  äußersten 
Bastfaserzellen  (an  der  dem  Hypoderm  zugewendeten  Seite) 
angezeigt.  Dieser  Teil  der  Außenwand  ist  aber  auch  zugleich 
ein  Teil  der  Außenwand  der  korrespondierenden  Seite  der 
innersten  Hypodermazellen,  d.h.  die  gemeinsame  Außen- 
vv^and  der  beiden  Zellarten,  der  Bastfaser-  und  der  Hypoderma- 
zellen, die  bekanntlich  auch  als  Mittellamelle  bezeichnet 
ward.  Die  Mittellamelle  ist  das  Objekt,  in  dem  die 
Bräunung  vor  sich  geht  und  die  Entwicklung  der 
schwarzen  Schicht  ihren  Anfang  nimmt.  Diese  Folgerung 
habe  ich,  wie  in  der  Anmerkung  1  auf  p.  9  ausgeführt  ist, 
gemacht,  bevor  ich  die  Arbeit  Wiesner's  über  den  Nachweis 
der  Kohle  gekannt  hatte.  Auf  Seite  22  bis  23  beschreibt  nun 
Wiesner  den  (künstlich  herbeigeführten)  Verkohlungsprozeß 
des  Holzes,  der  in  einer  bestimmten  Abhängigkeit  von  dem 
feinen  histologischen  Baue  des  Holzes  fortschreitet.  »Betrachtet 
man  einen  durch  die  Rotkohle  eines  Nadelholzes  geführten 
Querschnitt,  so  fällt  sofort  auf,  daß  die  gemeinschaftlichen 
Außenhäute  (die  Mittellamellen)  der  Holzzellen  tiefschwarz 
erscheinen,  während  die  übrige  Zellhaut  braun  gefärbt  ist. 
Auch  an  Längsschnitten,  und  zwar  nicht  weniger  augenfällig, 
tritt  dieselbe  Erscheinung  dem  Beobachter  entgegen.  Verfolgt 
man  die  sukzessive  fortschreitende  Verkohlung,  so  findet  man, 
daß  dieselbe  in  den  Außenhäuten  beginnt.«  Bezüglich  der 
Einwirkung  der  Chromsäure  bemerkt  Wies n er,  daß  nach 
längerer  Dauer  derselben  die  Rotkohle  einen  Rückstand  hinter- 
läßt, »der  nur  aus  gleichmäßigen  langen  schwarzen  Fäden  und 
schwarzen  kreisförmigen  Ringen  besteht;  erstere  sind  nichts 
anderes  als  die  dicksten  Partien  der  Außenhäute,  nämlich  jene 
Partien,  welche  dort  liegen,  wo  vier  Tracheiden  sich  berühren, 
Diese  schwarzen  Fäden  entsprechen  also  genau  dem,  was  uns 

im   Durchschnitt   als    »Zwickel«    entgegentritt Diese 

Partien  verkohlen  am  frühesten  und  enthalten,  wie  die  Resistenz 
gegenüber  der  Chromsäure  lehrt,  den  größten  Kohlenstoff- 
gehalt.«  Demnach  enthalten  die  Außenhäute  jene  Substanzen, 
»welche  im  Vergleiche  zu  den  übrigen  Zellhautpartien  am 
leichtesten  chemischen  Veränderungen  zugänglich  sind«. 


Die  »Kohleschicht«  im  Kompositenperikarp.  2/ 

Wir  sehen,  daß  die  Analogie  der  Erscheinungen  in  den 
beiden  Prozessen  eine  außerordentlich  große  ist.  Sie  wird  noch 
deutlicher,  wenn  man  das  Auftreten  der  Masse  innerhalb  des 
Bastzellgewebes  bei  Sderocarpus  (Fig.  5,  k')  und  in  den  beiden 
Entstehungsherden  bei  Xaiithiiun  ins  Auge  faßt.  Bei  Sdero- 
carpus ist  die  Umwandlung  der  Mittellamelle  in  die  schwarze 
Masse  deutlich  verfolgen.  Der  »Zwickel«,  der  Zwischenraum 
zwischen  drei  oder  vier  Sklerench3mizellen  erscheint  zuerst 
schwarz;  von  da  schreitet  die  Umwandlung  vorwärts,  die 
dunklen  Stränge  dringen,  bildlich  gesprochen,  zwischen  die 
Zellen  ein  und  umhüllen  sie  allmählich.  Bei  Xantliium  findet  das 
Gleiche  statt.  Wieder  sind  die  Zwischenzellräume  zuerst  mit 
den  schwarzen  Stückchen  erfüllt;  der  Umwandlungsprozeß 
ergreift  hierauf  die  kurzen  (in  der  Tangentialrichtung  ver- 
laufenden) Wände  der  Hypodermazellen,  so  daß  hier  also 
tatsächlich  die  Zellwände  selbst  in  den  Prozeß  einbezogen 
werden;  auch  Teile  der  Radialwände  werden  durch  die 
schwarze  Masse  ersetzt. 

Es  ist  wohl  im  höchsten  Grade  wahrscheinlich,  daß  die 
zur  Umwandlung  bestimmten  Außenhäute  zuerst  in  einen 
anderen  Aggregatzustand  übergehen,  der  selbstverständlich 
mit  einer  Änderung  der  chemischen  Konstitution  verbunden 
ist.  Ich  bemerke  ausdrücklich,  daß  ich  niemals  —  und  meine 
Beobachtungen  umfassen  einen  Zeitraum  von  vier  Jahren  — 
die  ersten  Anfänge  der  Masse,  die  braune  Haut  und  die 
braunen  Stränge  in  einem  anderen  als  im  festen  Zustande 
gesehen  habe.  Aber  die  Folgerung,  daß  die  Außenhaut  sich 
zuerst  in  einen  weichen,  plastischen,  vielleicht  gummiartigen 
Körper  umwandelt,  läßt  sich  nicht  abweisen.  Schon  die  ver- 
bogenen, oft  aufgehäuften,  gekräuselten  und  dendritisch  ver- 
zweigten Partien  der  erst  auftretenden  braunen  Stränge, 
besonders  aber  das  Verschmelzen  derselben  zu  einem  Netz 
oder  zu  homogenen  Platten  weisen  darauf  hin,  daß  ein 
weicheres  primäres  Produkt  die  Grundlage  des  Prozesses 
gewesen  sein  muß,  als  es  die  Außenhaut  ist;  sie  ist  ja,  wie 
Wiesner  schon  festgestellt  hat,  chemischen  Veränderungen 
am    leichtesten    zugänglich.    Läßt    sich    die    Annahme    eines 


28  T.  F.  Hanau  Sek, 

primären   Produktes   sicher  erweisen,    so    muß   die    schwarze 
Masse  wohl  als  ein  Sekret  angesprochen  werden.  ■ 

Eine  intrazellulare  Abstammung  der  schwarzen 
Masse  kann  nach  dem  Ergebnis  meiner  Untersuchungen  nicht 
angenommen  werden.  Die  verholzten  und  verdickten  Bastzellen 
können  kein  Sekret  nach  außen  senden,  die  Hypodermazellen 
haben  nur  einen  sehr  spärlichen  Inhalt  oder  sind  leer.  Die 
zwischen  den  Bastbündeln  befindlichen  Lücken  enthalten  mark- 
strahlähnliche  Zellzüge,  die  eine  Verbindung  der  außerhalb 
des  Bastmantels  gelegenen  Gewebe  mit  dem  inneren  Parench3'm 
bewerkstelligen,  solange  eine  solche  notwendig  ist;  sie  sind 
stets  ganz  frei  von  der  schwarzen  Masse  und  haben  mit  der 
Entstehung  derselben  nichts  zu  tun.  Die  braunen  Häute  und 
die  dunklen  Stränge  sind  die  umgewandelten  Außenhäute  vor- 
nehmlich der  Bastfaserzellen;  an  der  Vermehrung  der  erst 
entstandenen  braunen,  beziehungsweise  schwarzen  Masse 
werden  sich  wahrscheinlich  auch  noch  andere  Teile  der  Zell- 
wand beteiligen,  wie  dies  allerdings  nur  bei  Xanthium 
bestimmt  nachgewiesen  werden  konnte. 

Ergebnisse. 

1.  Im  Perikarp  verschiedener  Kompositen  befindet  sich 
eine  aus  einer  braunen  oder  schwarzen  opaken  Masse 
bestehende  Schicht.  Die  Masse  bildet  entweder  ein  Netz, 
das  sich  aus  dichtstehenden,  meist  rechtwinklig  gekreuzten 
Strängen  zusammensetzt,  oder  sie  tritt  in  schmalen,  mit 
der  Fruchtlängsachse  parallelen  rechteckigen  Platten  auf, 
die  durch  schmale  Zwischenräume  voneinander  getrennt  sind. 
In  der  Regel  ist  die  Schicht  am  Fruchtscheitel  am  stärksten 
entwickelt. 

2.  Die  schwarze  Masse  tritt  in  allen  untersuchten  Fällen 
an  der  Außenseite  des  Bastzellmantels  des  Kompositen- 
perikarps  auf;  sehr  selten  finden  sich  noch  andere  Stellen  in 
der  Fruchtschale,  an  denen  sie  beobachtet  werden  kann,  so  bei 
Scierocarpus  innerhalb  des  Bastzellmantels  in  dem  skleren- 
chymatischen  Teile  des  inneren  Parenchyms,  bei  Xanthiiint 
im  Hypoderma  der  zwischen  Epidermis  und  Bastzellmantel 
liegenden  Gewebeschicht. 


Die  »Kohleschicht«  im  Kompositenperikarp.  29 

3.  Die  schwarze  Masse  bleibt  in  allen  gummi-  und  harz- 
lösenden Flüssigkeiten  gänzlich  unverändert;  sie  ist  weder  in 
Alkalien  noch  in  Säuren  löslich  oder  durch  diese  zersetzbar; 
sie  wird  durch  Kaliumchlorat  und  Salzsäure,  durch  Schulze- 
sches  Gemisch  und  durch  konzentrierte  Salpetersäure  (selbst 
nach  wochenlanger  Einwirkung)  nicht  aufgehellt  oder  irgend- 
wie verändert.  Sie  wird  endlich  auch  durch  das  Wiesner'sche 
Chromsäuregemisch,  das  alle  organisierten  Objekte  auflöst, 
nicht  zerstört;  nur  die  braunen  durchscheinenden  Partien  der 
Masse  werden  aufgehellt,  die  zartesten  Stränge  teilweise 
wenigstens  gelöst.  Legt  man  ganze  Früchte  von  Tagetes, 
Xanthmm  etc.  in  Chromsäure,  so  bleibt  von  diesen  nach  24- 
bis  36 stündiger  Einwirkung  nichts  zurück  als  die  schwarze 
Masse.  Diese  Widerstandsfähigkeit  berechtigt  zur  Annahme, 
daß  die  schwarze  Masse  zum  mindesten  eine  der  Kohle  nahe 
verwandte  Substanz  enthalte  und  daß  ihr  ein  sehr  hoher 
Kohlenstoffgehalt  zukomme. 

4.  Das  Vorkommen  der  schwarzen  Masse  scheint  bei  den 
Kompositen  nicht  selten  zu  sein;  sie  wurde  in  13  Gattungen 
(von  34  geprüften)  gefunden,  wobei  aber  beachtet  werden  muß, 
daß  sie  nicht  in  jedem  Fruchtexemplar  derselben  Art  vorhanden 
ist;  in  den  bein weißen  Helianthtis-Früchten  fehlt  sie  häufig. 
Selbstverständlich  darf  sie  nicht  mit  dem  Pigment  gefärbter 
Fruchtschalen  verwechselt  werden,  das  den  Inhalt  der  Epi- 
dermis- und  mitunter  auch  der  Hypodermazellen  bildet. 

5.  Das  erste  Auftreten  der  Schicht  bei  Tagetes  und 
Heliantlms  wird  durch  die  Entwicklung  einer  braunen  Haut 
an  der  dem  Hypoderm  zugewendeten  Außenseite  der  ersten 
Bastzellreihe  angezeigt.  Hierauf  entstehen  längs  den  Rändern 
der  braunen  Haut,  die  den  Berührungsstellen  zweier  (darunter- 
liegenden) Bastfaserzellen  entsprechen,  unregelmäßig  ver- 
laufende, hin-  und  hergebogene,  dendritisch  verzweigte  braune 
Stränge,  die  immer  reichlicher  auftreten  und  sich  bei  Heliantlms 
und  wohl  den  meisten  anderen  untersuchten  Früchten  zu  einem 
dichten  Netze  zusammenschließen,  bei  Tagetes  zu  homogenen, 
durch  schmale  Zwischenräume  getrennten  Platten  verdichten. 
Die  für  Helianthus  charakteristischen  Zäpfchen  an  der  Außen- 
seite der  Bastzellen,  zentrifugale  Wucherungen  der  Zellwand, 


30  T.  F.  Hanausek, 

kommen  bei  Tagetes  nur  höchst  selten  vor.  Sie  sind  nach  der 
Anschauung  des  Autors  überhaupt  nur  dort  notwendig,  wo  es 
sich  um  Lockerung  und  Loslösung  der  Bastbündel  vom  Hypo- 
derm  handelt,  falls  letzteres  persistiert  (Helianthiis),  fehlen 
hingegen  dann,  wo  die  Lockerung  der  Bündel  eine  Folge  der 
Reduktion  des  Hypoderma  ist.  Die  Lockerung  und  Loslösung 
hätte  nach  dieser  Auffassung  den  Zweck,  Raum  für  die  schwarze 
Schicht  zu  schaffen. 

6.  hl  dem  Perikarp  von  Scierocarpns  africaniis  entsteht 
die  kohlige  Masse  auch  innerhalb  des  Bastmantels  in  dem 
sklerotischen  Teile  des  inneren  Parenchyms;  die  Skiereiden 
werden  von  der  Masse  umhüllt  und  das  erste  Auftreten  der 
letzteren  ist  stets  in  den  gemeinsamen  Außenhäuten  (Mittel- 
lamellen) zu  beobachten.  Hier  kommen  demnach  mehrere  Ent- 
wicklungszentren der  schwarzen  Masse  vor. 

7.  Das  Perikarp  von  Xauthüiui  strumarmm  weist  zwei 
Entstehungsherde  der  Schicht  auf.  Der  erste  ist  der  normale, 
die  Außenseite  der  Bastbündel;  der  zweite  ist  in  den  an  die 
Epidermiszellen  grenzenden  kurzen  (tangential  verlaufenden) 
Wänden  der  Hypodermazellen  gelegen.  Zuerst  erfüllen  sich  die 
kleinen  Interzellularen  mit  der  schwarzen  Masse,  dann  greift 
diese  auf  die  Wände  selbst  über  und  schließlich  sind  die  kurzen 
(Tangential-)  Wände  der  Hypodermazellen  gänzlich,  die  Radial- 
wände nur  in  den  anstoßenden  Teilen  —  aber  nicht  in  den 
mittleren  —  in  die  Masse  umgewandelt.  In  der  reifen  Frucht 
sind  daher  am  Querschnitte  zwei  Stränge  zu  sehen,  ein  stark 
entwickelter  in  der  normalen  Lage  (Außenseite  des  Bastmantels) 
und  ein  schwächerer  zwischen  Epidermis  und  Hypoderma. 

8.  Eine  PTmktion  der  schwarzen  Schicht  beim  Keimungs- 
prozeß (von  HeliantJuis)  darf  wohl  nicht  angenommen  werden; 
es  müßte  denn  sein,  daß  sie  die  Wasseraufnahme  der  Frucht- 
schale durch  die  Lockerung  des  Gewebeverbandes  unterstützt. 

9.  Die  im  Jahre  1902  in  Bezug  auf  Helianthns  ausge- 
sprochene Anschauung  des  Autors,  daß  die  schwarze  Schicht 
eine  Reihe  durch  einen  Humifikationsprozeß  desorganisierter 
Zellen  darstelle,  läßt  sich  in  dieser  allgemeinen  Fassung  nicht 
aufrecht  erhalten.  Hingegen  ergab  die  Untersuchung,  daß  der 
Umwandlungsprozeß  in  den  gemeinsamen  Außenhäuten  (Mittel- 


Die  »Kohleschicht«  im  Kompositenperikarp.  31 

lamellen)  beginnt  und  daß  diese  Außenhäute  das  erste  Material 
zur  Bildung  der  Schicht  abgeben.  Eine  augenfällige  Überein- 
stimmung zeigt  damit  der  (künstlich  herbeigeführte)  Ver- 
kohlungsprozeß  des  Holzes,  bei  dem  nach  den  eingehenden 
Untersuchungen  Wieso er's  die  Außenhäute  der  Holzzellen 
zuerst  tiefschvvarz  werden,  an  ihnen  also  die  Verkohlung  ihren 
Anfang  nimmt  und  nach  Behandlung  mit  Chromsäure  diese 
Außenhäute  als  schwarze  Fäden  ungelöst  zurückbleiben. 

Höchst  wahrscheinlich  entsteht  zunächst  ein  primäres 
(vielleicht  gummiartiges)  Umwandlungsprodukt,  wofür  die 
ersten  Formen  der  Stränge  und  ihr  Zusammenschließen  zu 
einem  zusammenhängenden  Netze  oder  zu  Platten  sprechen. 
Bei  Xantliiiim  konnte  nachgewiesen  werden,  daß  auch  andere 
Teile  der  Zellwand  sich  an  der  Bildung  der  Masse  beteiligen. 
Die  physiologische  Bedeutung  der  schwarzen  Masse  ist  der- 
malen noch  völliff  unaufgeklärt. 


N  a  c h  t  r  ä g  1  i  c  h  e  B  e  m  e  r  k  u  n g.  Auch  Zimiia  elegans  J  a  c  q. 
führt  die  schwarze  Masse  in  Gestalt  eines  schön  entwickelten 
Netzes. 


32  T.  F.  Hanaus  ek,  Die  »Kohleschicht«  im  Kompositenperikarp. 


Text  ZU  den  Figuren. 


Tagetes  errectns,  Fig.  1  bis  4. 

Fig.   1.    Partie  eines  Querschnittes   von   dem   unteren  Drittel   (gegen  die  Basis) 

des  Fruchtknotens. 
Fig.   2.    Querschnitt  in  der  Hälfte  der  jungen  Frucht. 
Fig.  3.    Zwei  Bastbündel  in  der  Längsansicht  von  der  Außenseite. 
Fig.  4.    a  Platten  der  Kohleschicht;   b  die  letzten  Ausläufer  an  der  Basis  der 

reifen  Frucht. 

Sclerocarpns  africauus. 

Fig.  5.  Partie  eines  Längsschnittes  des  reifen  Perikarps.  Epidermis  und  Hypo- 
derma  sind  nicht  gezeichnet. 

Xanthhim  strumarium,  Fig.  6  bis  11. 

Fig.  6.  A  Partie  eines  Querschnittes  des  sehr  jungen  Perikarps;  B  der 
Samenhaut. 

Fig.  7.    Oberhaut  des  Perikarps  von  der  Fläche. 

Fig.  8.    A  und  B,  wie  Fig.  6,  von  der  fast  reifen  Frucht. 

Fig.  9.    Querschnitt  durch  die  Samenhaut  bei  Vollreife. 

Fig.  10.  Hypodermazellen  von  Fig.  6.  A  in  der  Aufsicht. 

Fig.  H.  Kohleschicht  von  der  reifen  Frucht,  von  der  Fläche;  ep  Epidermis  des 
Perikarps,  beziehungsweise  Fruchtknotens;  ep'  Epidermis  der  Samen- 
haut; sep  Hypoderma;  sc  Bastzellen  (beziehungsweise  Bastzellmantel, 
Bastzellbündel);  sc'  Sklerenchym;  k,  h'  Kohleschicht  und  Teile  der- 
selben; ^  Gefäßbündel;  p  inneres  Parenchym  des  Perikarps;  in  Mittel- 
schicht der  Samenschale;  al  Aleuronschicht. 


naTiciiisek,XF;Die„KohlerLSchif;hte"im  Koniposiieii   Perikarp.  Taf.l. 


V  ■■  r 


P 


I  "LF.Bariaijsi'k  delhi . 


ljtlLAn.st,v,Th.Baiimvaith>'ipii. 


^Sitzungsberichte  d.kais.A]<ad.d.WLss., matIi.-uaturw.Kla.sse,  Bd.CXXT.jXbÜi.T.  1907. 


laTiaiisek,T,F.;  Die„KohlenschicMe"im  Komposiien  -Perikarp.  Taf .H , 

6.a. 


10. 


ii. 


ü-   \  Wty^^^A 


7. 


d 


XSr.lßiuaa.sclcileiin.  LittLAT,.sl.v-.11i.-Ba.Tc-.-.v;üLri,Tf5ßÄ. 

Sitzimssbericlite  d.kaLs. Akad .(! . Wiss., uv.itTi r na tunv. Klasse,  Bd.Cr\'I. Abtii.l.  1907. 


33 


Zur  Morphologie  der  Sanehezia  nobilis 
Hook.  fll. 

von 
Dr.  Rudolf  Wagner. 

(Mit  1  Tafel  und  5  Textfiguren.) 
(Vorgelegt  in  der  Sitzung  am  10.  Jänner  1907.) 

Eine  der  verbreitetsten  Warmhauspflanzen  ist  die  im  Jahre 
1863  von  Pearce,  einem  Sammler  der  Firma  Veitch  in 
Chelsea/  an  nicht  näher  bezeichnetem  Orte  in  Ecuador  ent- 
deckte Sanehezia  nobilis  Hook,  fil.,  eine  krautige,  ihrer  orna- 
mentalen Blätter  wegen  gezogene  Acanthacee,  deren  morpho- 
logische Eigentümlichkeiten  noch  gänzlich  unbekannt  sind.  Die 
Pflanze  wird  durch  Stecklinge  vermehrt,  die  schon  nach  wenigen 
Monaten  endständige  und  axilläre  Blütenstände  entwickeln, 
wie  sie  Joseph  Dalton  Hooker  in  Curtis'  Botanical  Magazine, 
1866,  tab.  5594,  abbildet;^  doch  bekommt  man  dieselben  hier- 
zulande nicht  allzu  häufig  zu  Gesicht,  da  die  Gärtner  die 
Pflanze  eben  nur  der  Blätter  wegen  ziehen  und  durch  Ent- 
fernung der  Endknospe  die  Seitentriebe  zur  Entwicklung 
bringen,  um  sie  als  Stecklinge  zu  verwenden. 

Die  Art  gehört  einer  Gattung  an,  die  bereits  im  Jahre  1794 
von  Ruiz  und  Pavon  aufgestellt  wurde,  deren  systematische 
Stellung  aber  erst  durch  Hooker  fil.  anläßlich  der  Beschreibung 
unserer  Art  aufgeklärt  werden    konnte.    Benannt  ist  sie  nach 


1  Daselbst  kam  sie  im  Juni  1866  in  Blüte. 

-  Weitere  Abbildungen  finden  sich  in  einem  Artikel  von  Ed.  Morren  in 
Belg.  Hort.  1867,  p.  227;  ferner  in  der  Illustr.  Gartenzeitung,  1867,  tab.  2;  dann 
in  der  Flore  des  Serres,  tab.  2437  (1880  bis  1883). 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Kl.;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  3 


34  R.  Wagner, 

dem  in  jungen  Jahren  verstorbenen  Don  Joseph  Sanchez,  der 
am  Botanischen  Garten  in  Madrid  studierte  und  später  am 
Chirurgischen  Kollegium  zu  Cadix  Professor  der  Botanik  war; 
die  beiden  Arten,  vS.  ohlonga  R.  et  P.  sowie  5.  ovata  R.  et  P., 
wurden  1798  in  der  »Flora  Peruv.«  abgebildet.^  Endlicher 
führt  sie  in  seinen  »Genera  plantarum«  (1836  bis  1840),  p.  695, 
n.  4021,  unter  den  Genera  dubia  der  Scrophulariaceen  auf, 
Bentham  (1846)  in  >.DC.  Prodr.«,  Vol.  X,  p.  585,  unter  den 
Genera  non  satis  nota  der  nämlichen  Familie,  Hooker  fil. 
bemerkt  1.  c:  »Its  affinity  with  Ancylogyne^  is  obvious,  and 
so  close,  that  there  can  be  little  doubt  but  that  the  name 
Ancylogyne  should  be  oppressed<'.  Zehn  Jahre  später 
schreiben  Bentham  und  Hook  er  fil.  in  den  »Genera  plan- 
tarum« (Vol.  II,  p.  1083):  »Genus  auctorum  Florae  Peruvianae 
diu  haud  recognitum  fuit  ob  errorem  in  descriptione  quoad 
seminum  numerum,  species  tamen  3  a  Neesio  in  Prodromo 
descriptae^  ad  S.  ovatam  R.  et  P.  ipsam  referendae  videntur, 
his  addantur  plures  nuperrime  detectae«.  In  dieser  Auffassung 
schließen  sich  neuere  Autoren,  wie  Baillon  in  seiner  »Histoire 
des  plantes«  (Vol.  X,  1891,  p.  429)  und  Lindau  in  Engler  und 
Prantl,  »Nat.  Pflanzenfamilien«  (IV,  ?>b,  p.  294),  an  Bentham 
und  Hooker  an  und  vereinigen  die  Gattung  Ancylogyne  mit 
Sancliezia. 

Auf  die   früher  in    der   Gattung  Ancylogyne  Nees   unter- 
gebrachten Arten ^  sowie  auf  die  übrigen  Spezies  der  Gattung 


1  S.  ollonga  R.  et  P.,  1.  c,  Vol.  I,  tab.  8,  fig.  b  (nicht  fig.  6,  wie  der 
Index  Kewensis  sagt) ;  S.  ovata  R.  et  P.  tab.  8,  fig.  c. 

2  Aufgestellt  von  Chr.  Gottfr.  Nees  v.  Esenbeck  in  Mart.  Flor.  Brasil., 
Vol.  IX,  p.  63  (1847),  wo  zwei  Arten  erwähnt  werden:  A.  macrocnemis  (Poecilo- 
£nentis  macrocnemis  Mart.)  und  A.  munita,  beides  einander  sehr  nahestehende 
Arten;  letztere  ist  1.  c.  tab.  7  abgebildet  und  erinnert  habituell  stark  an 
S.  nohilis. 

3  Das  sind  A.  capitata  Nees,  A.  Peruviana  Nees  und  A.  munita  Nees. 
*  Außer  den  genannten  noch  eine  habituell  sehr  abweichende  Art,   deren 

violette  Blüten  in  lockeren,  dekussierten  Trauben  zu  stehen  scheinen,  deren 
Ausgänge  zweizeilig  sind,  also  Scheinwickel  darstellen,  soweit  man  aus  der 
Abbildung  der  A.  longißora  Hook.  fil.  in  Curtis'  Bot.  Mag.,  tab.  5588  (1866; 
schließen  kann. 


Morphologie  der  Sanchezia  nohilis  Hook.  fil.  oO 

werden  weiter  unten  noch  einige  Worte  zu  sagen  sein.  Zu- 
nächst möge  das  morphologische  Verhalten  unserer  Art  be- 
sprochen werden,  soweit  dies  das  etwas  spärliche,  dem 
k.  k.  Hofgarten  in  Schönbrunn  entstammende  Material  erlaubt.^ 
Die  Keimpflanze  ist  unbekannt.  Wie  schon  oben  bemerkt, 
wird  die  Art  bei  uns  ausschließlich  durch  Stecklinge  vermehrt; 
daher  kommt  es,  daß  man  auch  nicht  mit  absoluter  Sicherheit, 
sondern  nur  mit  großer  Wahrscheinlichkeit  sagen  kann,  daß 
sie  zweiachsig  ist.  Die  Blattstellung  ist  in  Übereinstimmung 
mit  der  ungeheuren  Mehrzahl  aller  Acanthaceen  die  dekussierte, 
die  relative  —  und  wohl  auch  die  absolute  —  Hauptachse 
schließen  mit  einer  Infloreszenz  von  bekanntem  Habitus  ab; 
bisweilen  entwickeln  sich,  wie  bei  anderen  Arten,  aus  den 
Achseln  der  obersten  Laubblätter  noch  ein  bis  zwei  kleinere 
Blütenstände  von  ähnlichem  Bau,  doch  standen  mir  derartige 
kräftige  Individuen  in  der  letzten  Zeit  nicht  mehr  zur  Ver- 
fügung; Hooker  fil.  bildet  indessen  1.  c.  derartiges  ab.  Auf  die 
Laubblätter  folgen  an  der  Hauptachse  große,  bauchig  ent- 
wickelte Bracteen  unter  Beibehaltung  der  Blattstellung,  in 
deren  Achseln  in  dem  sub  I  beschriebenen  Falle  in  zwei  um 
90°  divergierenden  Zeilen  dichtgedrängte  Glomeruli  entwickelt 
sind,  die  sich  aus  Blüten  recht  verschiedener  Entwicklungs- 
stadien zusammensetzen.  Wie  aus  Fig.  1  ersichtlich,  sind  diese 
Blütenstände  serial  bereichert  und  es  mag  gleich  im  voraus 
bemerkt  werden,  daß  die  Partialinfloreszenzen  Wickelsym- 
podien  darstellen,  ferner  daß  auch  Bereicherungen  der  ß-Achsel- 
produkte  vorkommen,  die  sich  allerdings  auf  die  niederen 
Sproßgenerationen  beschränken.  In  Fig.  1  bezeichnen  die  ein- 
fachen, stark  konturierten  Kreise  einzelne  Blüten,  die  Doppel- 
kreise Bütenstände.    Für  die  drei  ersten  Blattpaare  bezeichnen 


1  Es  sei  mir  an  dieser  Stelle  gestattet,  für  die  Überlassung  des  Materiales 
den  Herren  Anton  Um  lauf  ft,  k.  u.  k.  Hofgartendirektor,  und  Franz  Vogel, 
k.  u.  k.  Hofgarteninspektor,  meinen  verbindlichsten  Dank  auszusprechen;  nicht 
minder  für  die  Erlaubnis,  Herbar  und  Bibliothek  des  k.  k.  Naturhistorischen  Hof- 
museums zu  benützen,  Herrn  Kustos  Dr.  A.  Zahlb ruckner,  sowie  für  die 
Sammlungen  des  Botanischen  Instituts  der  k.  k.  Universität,  Herrn  Prof. 
Dr.  R.  V.  Wettstein. 

3* 


36 


R.  Wagner, 


die  großen  Doppelkreise  dreiblütige  Wickeln,  die  kleinen 
Doppelkreise  zweiblütige;  was  das  vierte  Blattpaar  anbelangt, 
so  konnte  des  Erhaltungszustandes  wegen  nur  festgestellt 
werden,  daß  zwei  serial  angeordnete  Infloreszenzen  vorhanden 


Fig.  1. 

Sanchezia  nobilis  Hook.  fil.  Diagramm  eines  endständigen  Blütenstandes. 
Näheres  im  Texte. 


waren;  ob  eine  davon  oder  gar  beide  Bereicherungsprozesse 
aufwiesen,  war  nicht  mehr  zu  konstatieren.  Die  schraffierten 
Doppelkreise  zeigen  an,  daß  in  der  betreffenden  Partial- 
infloreszenz  sich  Blüten  mit  abnormer  Kelchdeckung  finden, 
wovon  weiter  unten  noch  die  Rede  sein  soll;  dasselbe  gilt  von 
der  serialen  Primanblüte  in  der  Achsel  des  ersten  Deckblattes. 


Morphologie  der  Sanchezia  nobilis  Hook.  fil.  37 

Die  fraglichen  Blüten  mit  metatopischer  Deckung  sind  mit 
römischen  Ziffern  bezeichnet;  es  bedeutet  also  III  eine  Tertian- 
blüte,  bezogen  auf  die  Partialinfloreszenz  erster  Ordnung. 

Zur  Stellung  der  blütentragenden  ^  Brakteen  erübrigt  noch 
zu  bemerken,  daß,  wie  aus  der  Figur  hervorgeht,  sich  die 
gegenständigen  Brakteen  ohne  jede  Regel  umfassen,  ohne 
Rücksicht  darauf,  ob  sie  Blütenbüschel  stützen  oder  nicht.  Das 
nämliche  dürfen  wir  mit  erheblicher  Wahrscheinlichkeit  von 
den  übrigen  derart  ausgebildeten  Arten  erwarten,  deren  eine 
von  solchen  Brakteen  sogar  ihren  Namen  erhalten  hat:  die  als 
Ancylogyne  von  Nees  in  der  »Flor.  Bras.«  beschriebene 
Sanchezia  niunita  PI. 

Auf  Taf  1  sind  die  beiden  untersten  Partialinfloreszenzen 
erster  Ordnung  in  etwas  schematisierter  Weise  wiedergegeben; 
beide  Tragblätter  sind  entfernt.  Bezeichnet  man  die  Tragblätter 
willkürlich  mit  a,  b,  c  und  b,  wobei  selbstverständlich  der  Rich- 
tungsindex von  a  willkürlich  gewählt  ist,  so  haben  wir,  wie 
schon  in  Fig.  1  angedeutet,  zwei  in  verschiedenem  Maße  be- 
reicherte Partialinfloreszenzen  W^i  und  Wl  Aus  praktischen 
Gründen  mag  zunächst  die  zweite  Partialinfloreszenz  erster 
Ordnung  besprochen  werden. 

I. 

Wir  finden  in  der  Achsel  des  abgetragenen  Blattes  B,i 
elf  Blüten  und  eine  Anzahl  Brakteolen;  letztere  sind  von  sehr 
verschiedener  Größe  und  daher  auf  einem  etwa  in  halber  Höhe 
von  S'iia^  geführten  Querschnitte,  wie  er  in  Fig.  2  abgebildet 
ist,  nicht  alle  getroffen.  Aus  dieser  Figur  ist  ohne  weiteres 
ersichtlich,  daß  das  Achselprodukt  durch  zwei  Beisprosse 
bereichert  ist  und  daß  außerdem  innerhalb  des  Hauptachsel- 
produktes noch  eine  Bereicherung  stattgefunden  hat.  Die 
wenigen  eingetragenen  Brakteen  mußten  aus  Raumgründen  mit 
abgekürzten  Formeln  bezeichnet  werden  und  es  bedeutet: 

a'ai.  .  .   das  a-Primanvorblatt  des  Hauptachselproduktes, 

[jsl  •  •  •      »     ß-  »  »  » 


1  Bezüglich   der  Blütenmorphologie   sei   auf  Hooker's  Darstellung,  1.  c, 
verwiesen. 


38 


R.  Wagner, 


«dl 


«52 


das  a-Primanvorblatt  des  ersten  Beisprosses, 
»    ß-  »  »  »  » 

»    a-  »  »     zweiten  Beisprosses, 

»    a-Sekundanvorblatt     des    Hauptachselproduktes 
von  S3di  ßs- 
Die    römisclien  Ziffern    bezeichnen    die   Sproßgeneration, 
also   I  die  Primanblüte,   II  die  Sekundanblüte  etc.;   durch  die 
Striche   sind   die   einander  serial  koordinierten  Blüten   in   der 


Fig.  2. 

Sanchezia  nohilis  Hook.  fil.  Schematisierter  Querschnitt  durch  eine  Partial- 

infloreszenz  erster  Ordnung.    Näheres  im  Texte. 

aus  den  Formeln  gewohnten  Weise  gekennzeichnet.  Die 
arabischen  1  bezeichnen  die  Stellung  des  ersten  Kelchblattes, 
bei  1!  handelt  es  sich  um  anomale  oder  wenigstens  ungewohnte, 
gleich  zu  besprechende  Stellungsverhältnisse. 

Jede  der  drei  Primanblüten  hat  gleich  orientierte  Vor- 
blätter, ein  Verhalten,  dem  wir  bei  dieser  Art  durchwegs 
begegnen;   in  unserem  Falle  fällt  a  stets  nach  rechts  und  ist 


Morphologie  der  Sanchezia  nohilis  Hook.  fil.  39 

Steril;  Fertilität  des  a- Vorblattes  ist  überhaupt  nie  beobachtet 
worden.  Hinsichtlich  der  ß-Achselprodukte  ist  eine  Verschieden- 
heit insoferne  zu  konstatieren,  als  das  Hauptachselprodukt 
eine  serial  bereicherte  Partialinfloreszenz  zweiter  Ordnung  aus 
ß  entwickelt,  eine  nur  zvveiblütige  Gruppe,  die  sich  gleich 
anderen  Serialsprossen  unserer  Art  etwas  zwischen  die  Blüten 
der  akropetal  inserierten  Partialinfloreszenz  einschiebt;  auf 
diese  V/eise  wird  innerhalb  der  Knospe  der  Raum  am  besten 
ausgenützt.  Das  gesamte  ß-Achselprodukt  ist  auf  Taf  I  ver- 
deckt und  auch  von  dem  ersten  Beisprosse  sind  nur  die  beiden 
Primanvorblätter,  die  Priman-  und  Tertianblüte,  zu  sehen,  durch 
Vergleich  mit  dem  Querschnitt  in  Fig.  2  leicht  zu  identifizieren. 
Betrachtet  man  Fig.  2,  so  fällt  zunächst  die  schon  re- 
gistrierte Verschiebung  der  serialen  Infloreszenzen  ineinander 
auf;  damit  steht  wohl  im  Zusammenhange,  daß  die  Sym.metrie- 
ebenen  der  medianzygomorphen  Blüten  mit  der  einzigen  Aus- 
nahme von  '^'d\^'s2^d^si  nicht  mehr  durch  die  zugehörige 
Abstammungsachse  gehen,  was  wohl  auf  sekundäre  Verschie- 
bungen während  des  Wachstums  zurückzuführen  ist.  Dagegen 
entspricht  der  abgerundet  fünfeckige  Querschnitt  immer  der 
morphologischen  Zusammensetzung,  kann  daher  nicht  auf 
Rechnung  des  Druckes  gesetzt  werden.  Die  Vorblätter  sind 
ihrer  Entwicklung  nach  sehr  verschieden,  nehmen  aber  im  all- 
gemeinen mit  der  Sproßgeneration  sowie  der  Stärke  der  Partial- 
infloreszenzen  rasch  an  Größe  ab  und  kommen  teilweise  gar 
nicht  zur  Ausbildung;  die  kleinsten,  die  beobachtet  wurden, 
stellen  Schüppchen  von  kaum  1  mm  Länge  dar  und  werden 
daher  sehr  leicht  übersehen;  in  anderen  Fällen,  wo  wir  sie 
nicht  mehr  feststellen  können,  sind  wir  daher  wohl  berechtigt, 
ihren  Abort  anzunehmen;  typische  Vorblattlosigkeit  ist  nicht  zu 
konstatieren.  Wohl  die  größte  Merkwürdigkeit  bietet  aber  das 
\'erhalten  der  höchsten  Verzweigungsgenerationen:  bei  den 
mit  1!  bezeichneten  Blüten  finden  wir  eine  Stellung  des  ersten 
Kelchblattes,  die  im  Widerspruch  mit  der  bei  Wickelsympodien 
zu  erwartenden  steht;  die  Wickelsympodien  des  Hauptachsel- 
produktes sowie  des  ersten  Beisprosses  schließen  mit  zwei- 
blütigen  homodromen  Gruppen  ab.  Man  könnte  dieses 
Verhalten   als  eine  Umlagerung  des  a-Vorblattes  deuten,   ich 


40  R.  Wagner, 

ziehe  es  indessen  vor,  hierin  eine  Metatopie  des  Kelches  zu 
erblicken,  zumal  bei  anderen  kontorten  Acanthaceen  meta- 
topische  Deckungen  eine  große  Rolle  spielen,  so  bei  der  vvest- 
afrikanischen  Whitfieldia  lateritia  Hook.^  Wir  würden  somit 
bei  den  höchsten  Sproßgenerationen  eine  Form  der  Metatopie 
haben,  die  eutopisch  quincunciale  Stellung  vortäuscht;  das 
Verhalten  des  zweiten  Serialsprosses,  bei  welchem  die  Stellung 
des  ersten  Kelchblattes  der  Sekundanblüte  keine  Besonderheit 
aufweist,  würde  dann  der  wiederholt  und  in  sehr  verschiedenen 
Familien  konstatierten  Tatsache  entsprechen,  daß  wir  ursprüng- 
lichere Verhältnisse,  alte  Charaktere  bei  Serialsprossen  häufig 
antreffen;  weiter  unten  wird  dieses  Vorkommnis  noch  Er- 
wähnung finden.  Somit  wäre  die  Annahme  einer  ganz  unge- 
wohnten Orientierung  des  a- Vorblattes  vermieden. 

Nicht  zur  Entwicklung  gelangt  sind  in  unserem  Falle 
^diBs2ßd,  dann  '^'d\^'s2^di'[^s  und  deren  Vorblätter,  im  ersten 
Serialsproß  die  Vorblätter  der  Tertianblüte,  im  zweiten  Serial- 
sproß  die  der  Sekundanblüte.  Im  übrigen  mag  bemerkt  sein, 
daß  ohne  bestimmte  Regel  bald  das  a-,  bald  das  ß-Vorblatt 
kräftiger  ausgebildet  ist. 

Die  Aufblühfolge  ist  aus  der  Tabelle  1  ersichtlich,  unter 
der  Voraussetzung  allerdings,  daß  sich  die  Blüten  in  gleichem 
Maße  weiter  entwickeln,  daß  keine  die  andere  überflügelt.  Auch 
hier  können  wir  nur  mit  der  Wahrscheinlichkeit  rechnen,  da  es 
an  direkten  Beobachtungen  fehlt. 

II. 

Die  unterste  Partialinfloreszenz  erster  Ordnung  ist  durch 
einen  Serialsproß  bereichert,  ebenso  das  ß-Achselprodukt.  Dem 
Hauptachselprodukt  erster  Ordnung  gehören  sechs  Blüten  an, 
dem  Beisprosse  drei;  von  den  genannten  sechs  Blüten  entfallen 
zwei  auf  einen  Serialsproß  zweiter  Ordnung. 

%'a\  leitet  ein  vierblütiges  Wickelsympodium  ein,  dessen 
Quartanblüte  bei  unterdrückten  Vorblättern  normale  Stellung 
des  ersten  Kelchblattes  aufweist. 


1  Abgebildet  in  Curtis'  Botanical  Magazine,  tab.  4155  (1845). 


Morphologie  der  Sanchezia  nobilis  Hook.  fil. 


41 


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42 


R.  Wagner, 


2(fliBj2  ist  die  erste  Blüte  eines  zvveiblütigen  Sympodiums, 
die  Sekundanblüte  ist  der  Primanblüte  homodrom,  beide 
Sekundanvorblätter  unterdrückt. 

Das  beiden  Sproßsystemen  gemeinsame  Tragblatt,  also 
das  ß-Vorblatt  der  Primanblüte  des  Hauptachselproduktes,  ist 
in  der  Figur  Taf.  I  zurückgeschlagen,  so  daß  man  das  gesamte 
Verzweigungssystem  überblicken  kann. 

Mit  9(i'  beginnt  ein  dreiblütiges  Wickelsympodium  mit 
homodromem  Ausgange.  Sämtliche  Vorblätter  sind  vorhanden. 
Man  sieht  also  hier,  daß  beim  Serialsproß  bisweilen  auch  ein 


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Fig.  3. 

Sanchezia  nohilis  Hook.  tll.  Seriale  Partialinfloreszenz  erster  Ordnung,  ein 
vierblütiges,  homodromes  Wickelsympodium  darstellend.  Näheres  im  Text. 


als  neuer  angesehener  Charakter  auftreten  kann,  der  bei 
einem  Hauptachselprodukte  selbst  in  der  nächst  höheren  Sproß- 
generation, nämlich  in  der  Quartanblüte  noch  nicht  erreicht 
wird. 

Die  Aufblühfolge  wird  durch  nachfolgende  Tabelle  2  ver- 
anschaulicht. 

III. 
(im  Diagramm  Fig.  5  mit  (£'"]  bezeichnet). 

Der  dritte  zur  Analyse  gelangte  Blütenstand  fällt  wieder 
über    den   ersten    und   zeigt,    wie   zu   erwarten,    die   nämliche 


Morphologie  der  Sanchezia  nohilis  Hook.  fil. 


43 


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44  R.  Wagner, 

Orientierung  des  a- Vorblattes.    Er  ist  serial  bereichert,  ebenso 
das  ß-Achselprodukt  des  Hauptsprosses.    Von  den  zehn  Blüten 
entfallen  vier  auf  die  seriale  Partialinfloreszenz  erster  Ordnung, 
zwei    auf    die    seriale    Partialinfloreszenz    zweiter   Ordnung. 
Sämtliche     Wickelausgänge     sind     homodrom.     Eine 
eigenartige  Variante  findet  sich  innerhalb  des  Beisprosses  erster 
Ordnung    insoferne,    als   dessen   Sekundanblüte    im    oben    er- 
läuterten Sinne  metatopisch  ist,  die  Tertianblüte  wieder  normal, 
so  daß  also  die  sämtlichen  vier  Blüten  des  Wickelsympodiums 
homodrom  sind,  ein  Fall,  wie  ihn  in  dieser  Art  die  Literatur 
nirgends   registriert;   daher  mag  er  in  Fig.  3   dargestellt  sein. 
Die  metatopisch  deckenden  Blüten  sind  im  Diagramm  mit  einem 
Ausrufungszeichen  versehen.  Die  weiter  oben  inserierte  Partial- 
infloreszenz  erster   Ordnung  war  leider  zu   sehr   defekt,   um 
genauer  untersucht  werden  zu  können;  ich  muß  mich  daher 
gänzlich    auf    die     eingangs     gemachten    Bemerkungen    be- 
schränken.   Es  wäre  von  großem  Interesse,  das  Verhalten  der 
oberen  Partialinfloreszenzen  sehr  üppig  entwickelter  Exemplare, 
wie  sie  in  der  Literatur  abgebildet  sind,  zu  studieren;  zur  Zeit 
bm   ich   nur  in   der  Lage,   einige  andere  Partialinfloreszenzen 
erster  Ordnung  zu  besprechen,   die  ich  seit  mehreren  Jahren 
aufbewahrt  habe. 

IV. 

Serial  bereicherte  Infloreszenz. 

Während  das  Hauptachselprodukt  mit  Primanblüte  abge- 
schlossen ist,  entwickelt  der  Beisproß  mehrere  Blattpaare  und 
eine  Infloreszenz  aus  dem  rechten  Vorblatt,  ebenso  aus  dem 
nach  vorne  fallenden  ersten  Medianblatte.  Beide  sind  schlecht 
erhalten,  da  die  Pflanzen  sehr  von  Ungeziefer  zu  leiden  haben. 
Immerhin  läßt  sich  feststellen,  daß  bei  der  aus  dem  rechten 
Vorblatte  sich  entwickelnden  Infloreszenz  die  Kelchdeckung 
der  Priman-  und  Sekundanblüte  normal  ist. 

Das  Hauptachselprodukt  hat  ein  nach  rechts  fallendes 
^-Vorblatt,  das  eine  sechsblütige,  serial  bereicherte  Infloreszenz 
stützt;  auf  den  Beisproß  entfallen  zwei  Blüten.  Keine  Homo- 
drom ie.  Wenn  die  oben  entwickelten  Anschauungen  richtig 
sind,  würde  man  mit  großer  Wahrscheinlichkeit  annehmen 
dürfen,   daß   die   in   Frage   stehende   Partialinfloreszenz   erster 


Morphologie  der  Sanchezia  nohilis  Hook.  fil. 


45 


Ordnung  dem  untersten  Teile  eines  Blütenstandes  angehört; 
dazu  paßt  auch  der  Umstand,  daß  der  Beisproß  nicht  direkt 
floralen  Charakters  ist,  sondern  daß  erst  seine  zweiten  Achsen 
durch  Blüten  abgeschlossen  sind. 

V. 
Partialinfloreszenz  erster  Ordnung  mit  zwei  Beisprossen 

(im  Diagramm  Fig.  5  mit  ^R^^^j  bezeichnet). 

Der  Hauptachselsproß  zählt  vier  Blüten,  der  erste  Beisproß 
deren  drei,  der  zweite  zwei.  Die  Wickelsympodien  sind  nach 
rechts  entwickelt,  Homodromie  findet  sich  nur  bei  der 
Quartanblüte;  in  beiden  Beisprossen  zeigen  die  Wickel- 
sympodien nichts  besonderes.  Scämtliche  Vorblätter  sind  ent- 
wickelt, mit  Ausnahme  der  Quartanvorblätter  und  des  ß-Se- 
kundanvorblattes  im  zweiten  Beisprosse. 

VI. 
Partialinfloreszenz  erster  Ordnung  mit  zwei  Beisprossen 

(Fig.  4;  im  Diagramm  Fig.  5  mit  W^^  bezeichnet). 

Das  ß -Achselprodukt  des  Hauptsprosses  ist  serial  be- 
reichert, und  zwar  durch  eine  zweiblütige  homodrome 
Gruppe.  So  entfallen  auf  das  Hauptachselprodukt  sechs 
Blüten,  auf  den  ersten  Beisproß  drei,  auf  den  zweiten  zwei. 
Außer  der  erwähnten  Metatopie  finden  wir  im  Hauptachsel- 
produkt eine  solche  bei  der  Tertianblüte,  so  daß,  da  die  Quartan- 
blüte die  normale  Kelchstellung  aufweist,  im  Wickelsympodium 
drei  homodrome  Blüten  aufeinander  folgen. 

VII. 

Eine  16 blutige  Infloreszenz,  bestehend  aus  Hauptachselpro- 
dukt und  zwei  Beisprossen 

(im  Diagramm  Fig.  5  mit   ^^^  bezeichnet). 

Das  Hauptachselprodukt  ist  wiederum   serial   bereichert, 

achtblütig,   drei   davon   entfallen   auf  den  Serialsproß   zweiter 

Ordnung.  Beide  Serialsprosse  erster  Ordnung  sind  vierblütig. 

Im  ganzen  Blütenstande  finden  sich  vier  Blüten   mit  der  ab- 


46 


R.  Wagner, 


normen  Kelchdeckung,  die  man  wohl  präziser  als  es  der  Aus- 
druck »metatopisch«  ist,  mit  »pseudeutopisch«  bezeichnen 
kann;  es  handelt  sich  um  eine  Quintanblüte,  zwei  Quartan- 
blüten  und  eine  Tertianblüte.  Beide  Beisprosse  erster  Ordnung 
schließen  homodrom  ab;  bemerkenswert  ist  das  Verhalten  des 


Fig.  4. 
Sanchezia  nobilisUo ok.  fil.  Diagramm  einer  Partialinfloreszenz  erster  Ordnung. 
Nur  die  Kelche  metatopischer  Blüten  sind  ausgeführt.  Im  Diagramm  Fig.  5  mit 

&i^'  bezeichnet. 

Beisprosses  zweiter  Ordnung,  der  sich  ausschließlich  aus 
eutopischen  Blüten  zusammensetzt,  mit  anderen  Worten,  nach 
der  oben  entwickelten  Anschauung  ältere  Charaktere  aufweist 
als  das  koordinierte  Hauptachselprodukt,  eine  Tatsache,  auf 
die  in  der  Literatur  schon  an  verschiedenen  Stellen  hingewiesen 
werden  konnte.  Über  die  Aufblühfolge  gibt  die  Tabelle  3  Auf- 
schluß. 


Morphologie  der  Sanchczia  nobilis  Hook.  fil.  47 

VIII. 

Eine  13  blutige  Partialinfloreszenz  erster  Ordnung,  zwei  Bei- 
sprosse erster  Ordnung,  ein  Beisproß  zweiter  Ordnung 

(im  Diagramm  Fig.  5  mit  3i^3)  bezeichnet). 

Drei  pseudeutopische  Blüten  vorhanden,  die  aber  über- 
raschenderweise nirgends  die  Ausgänge  der  Sympodien  bilden. 
Der  zweite  Beisproß  erster  Ordnung  und  der  Beisproß  zweiter 
Ordnung  bestehen  aus  eutopischen  Blüten.  Über  das  weitere 
orientiert  die  Tabelle  4. 


IX. 

Eine  elfblütige  Partialinfloreszenz  erster  Ordnung,  zwei  Bei- 
sprosse erster  Ordnung,  ein  Beisproß  zweiter  Ordnung 

(im  Diagramm  Fig.  5  mit  "^^p  bezeichnet). 

Die  drei  pseudeutopischen  Blüten  finden  sich  hier  in  den 
Wickelausgängen  der  beiden  Beisprosse  erster  Ordnung,  wäh- 
rend das  mit  einer  zweiblütigen  Wickel  bereicherte  Haupt- 
achselprodukt erster  Ordnung  nur  eutopische  Deckungen  auf- 
weist. Es  ist  das  ein  Verhalten,  dem  wir  mutatis  mutandis  nur 
noch  bei  der  im  Hauptachselprodukt  einfach  serial  bereicherten 
Partialinfloreszenz  /  begegnen,  wo  die  einzige  pseudeutopische 
Blüte  den  Ausgang  der  dreiblütigen  serialen  Partialinfloreszenz 
erster  Ordnung  darstellt.  Im  übrigen  mag  auf  die  Tabelle  5  ver- 
wiesen sein. 

X. 

Gleich  ^^^^'  eine  elfblütige  Partialinfloreszenz  erster  Ordnung, 
doch  von  gänzlich  abweichender  Zusammensetzung 

(im  Diagramm  Fig.  5  mit  %^^^  bezeichnet). 

Es  sind  nur  zwei  Beisprosse  gebildet,  einer  erster  und 
einer  zweiter  Ordnung,  beide  sind  dreiblütig.  Die  einzige 
pseudeutopische  Blüte  bildet,  wie  schon  oben  bemerkt,  den 
Ausgang  der  Partialinfloreszenz  serialer  erster  Ordnung.  Im 
übrigen  mag  auf  die  Tabelle  6  verwiesen  sein. 


48 


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Aufblühfolge  innerhalb 
der  einzelnen  Partial- 
infloreszenzen  erster 
Ordnung,  so  findet  man 
stets,  daß  im  Bereiche 
des  einzelnen  Wickel- 
sympodiums  die 

Reihenfolge  sich  streng 
nach  der  Sproßgenera- 
tion   richtet.     Bei    be- 
reicherten Wickelsym- 
podien    schieben    sich 
die    Blüten     des    Bei- 
sprosses zwischen  die 
des      Hauptachselpro- 
duktes   ein,     kommen 
aber  doch  beträchtlich 
später  zur  Entwicklung. 
So  findet  man  z.B.,  daß 
im  Hauptachselprodukt 
schon    die    Sekundan- 
blüte  entfaltet  ist,  wäh- 
rend   die    Primanblüte 
des    Beisprosses    noch 
eine    Knospe    darstellt, 
oder  daß  nach  der  Quar- 
tanblüte     des     Haupt- 
achselproduktes     sich 
erst  die  Sekundanblüte 
des  Beisprosses  öffnet. 
Sind    zwei    Beisprosse 
vorhanden,  wie  das  für 
die  Mehrzahl  der  Par^ 
tialinfloreszenzen  erster 
Ordnung  gilt,  dann  ver- 
halten sich  diese  unter 
sich,    wie    beim    Vor- 


Morphologie  der  Sanchezia  nohilis  Hook.  fil.  O' 

handensein  eines  einzigen  Beisprosses  dieser  zum  koordinierten 
Hauptachselprodukt.  Daraus  geht  hervor,  daß  sich  die  Elemente 
des  Zweiten  Beisprosses  teilweise  wenigstens  zeitlich  zwischen 
die  des  ersten  sowie  des  Hauptachselproduktes  einschalten. 
Das  nämliche  gilt,  wie  naheliegend,  von  den  Beisprossen 
zweiter  Ordnung. 

Zu  der  Fig.  5  mag  übrigens  noch  bemerkt  sein,  daß  ein 
Teil   der  Blütenstände  der  größeren  Übersichtlichkeit  wegen 
spiegelbildlich   gezeichnet  ist;    dieselben   sind   durch   das  bei 
Handschriften  übliche  Umkehrungszeichen  kenntlich  gemacht. 
Eine  weitere  Frage  betrifft  die  Verteilung  der  pseudeuto- 
pischen  Blüten  und  das  scheint  mir  ein  Punkt  von  wesentlich 
größerer  Bedeutung  zu  sein.    Das  numerische  Verhältnis  zwi- 
schen eutopischen  und  pseudeutopischen  Blüten  geht  aus  der 
Tabelle  7  hervor.  Analog  der  Fig.  5  sind  hier  zunächst  die  drei 
zusammengehörigen  Partialinfloreszenzen  erster  Ordnung  zu- 
sammengefaßt, dann  folgen  in  der  dort  eingehaltenen  Reihen- 
folge die  anderen  Teilblütenstände.    In  den  senkrechten  Zeilen 
finden  wir  römische  Ziffern,  die  die  Sproßgenerationen  angeben, 
speziell  bezeichnet  sind  nur  die  pseudeutopischen  Blüten;  im 
übrigen  bedarf  die  Tabelle  wohl  kaum  einer  Erläuterung.    Von 
101  Blüten  sind  24,  also,  auf  zwei  Dezimalstellen  berechnet, 
23 -7670  pseudeutopisch.    Dieselben  verteilen  sich  aber  ganz 
verschieden    auf   die    verschiedenen    Sproßgenerationen.    Nun 
haben  wir  24  Priman-,  32  Sekundan-,  27  Tertian-,  15  Quartan- 
und   3   Quintanblüten.    Es   versteht  sich  von  selbst,   daß   bei 
letzteren  die  Anwendung  eines  Prozentsatzes  wegen   der   zu 
geringen  Anzahl,  beziehungsweise  wegen  den  Zufälligkeiten, 
die   da  eine   große  Rolle  spielen,   nicht   zulässig   ist.    Bei  den 
übrigen  Blüten  konstatieren  wir  aber  ein  erhebliches  Steigen 
des  Prozentsatzes  an  pseudeutopischen  Blüten  mit  dem  Steigen 
der  Sproßgeneration,  und  zwar  sind  die  fraglichen  Prozentsätze 
4-16,  9-37,  44-44  und  für  Quartanblüten  46-66.    Da  es  sich 
nach  dem  jetzigen  Stande  unserer  Kenntnisse  zweifellos  um 
einen  neueren  Charakter  handelt,  wie  oben  schon  bemerkt,  um 
eine   eigentümliche  Form  der  Metatopie,   so   scheint   es   recht 
bemerkenswert,  daß  sich  diese  Neuerung  in  den  höheren  Sproß- 
generationen prozentuell  häuft,  in  denjenigen  Teilen  der  Pflanze 


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60  R.  Wagner,  y,loTpho\ogie  der  Sanchezia  nobilis  Hook.  ül. 

also,  die  auch  ontogenetisch  neuer  sind.  Wir  haben  also,  vor- 
ausgesetzt, daß  diese  Anschauungen  richtig  sind,  hier  nichts 
anderes  vor  uns  als  einen  Spezialfall  des  biogenetischen  Grund- 
gesetzes. Möglicherweise  befindet  sich  die  Pflanze  im  Stadium 
des  Überganges  von  der  normalen,  eutopisch-quincuncialen 
Kelchdeckung  in  eine  metatopische;  der  neue  Charakter  ist  aber 
noch  nicht  völlig  durchgedrungen,  die  Kelchdeckung  befindet 
sich  noch  gleichsam  in  labialem  Gleichgewichte,  das  mit  stei- 
gender Generation  mehr  und  mehr  zu  Gunsten  der  pseud- 
eutopischen  Deckung  gestört  wird.  Die  auftretenden  homo- 
dromen  Wickelsympodien  bilden  ein  nicht  uninteressantes 
Pendant  zu  den  durch  Eichler  bekannt  gewordenen  homo- 
dromen  Gruppen  von  Canna  iiidica  L.,  also  zweifelsohne  einer 
in  ihrem  Blütenbau  außerordentlich  abgeleiteten  Form.  Mög- 
licherweise wird  eine  Untersuchung  der  übrigen,  mit  Ausnahme 
der  bereits  berührten  5.  longiflora  Hook,  fil.,  augenscheinlich 
unserer  Art  ziemlich  nahestehenden  Arten  in  die  Frage  Licht 
bringen;  doch  scheitert  sie  vorläufig  gänzlich  an  Material- 
schwierigkeiten. 

Es  bedarf  wohl  keiner  weiteren  Begründung,  wenn  ich  es 
unterlasse,  im  einzelnen  auf  die  Verwandtschaftsverhältnisse 
der  anderen  »beschriebenen«  Arten  einzugehen;  inwieferne 
überhaupt  eine  Übereinstimmung  bezüglich  des  Aufbaues 
herrscht,  das  wird  bei  der  Seltenheit  der  Objekte  sich  unserer 
Kenntnis  wohl  noch  auf  lange  Jahre  hinaus  entziehen. 


K.  Wagner:  Sanchezia  nobilis. 


^rf^'BioC^ 


Sitzungsberichte  d.  kais.  Akad.  d.  Wiss.,  math.-naturw.  Klasse,  Bd.  CXVI,  Abt.  I,  1907. 


61 


Zur  Morphologie  des  Tabaks  und  einiger 
anderer  Nicotiana-Arten 

von 
Dr.  Rudolf  Wagner. 

(Mit  4  Textfiguren.) 
(Vorgelegt  in   der  Sitzung  am  24.   Jänner  1907.) 

Die  Arten  der  Gattung  NicoHana  weichen  habituell  sehr 
voneinander  ab  und  vor  allem  sind  es  die  Blütenstände,  die  gar 
nichts  Gemeinsames  aufzuweisen  scheinen,  es  sei  denn  die 
cymöse  Natur;  des  weiteren  sind  wir  über  deren  Aufbau  nicht 
orientiert;  Darstellungen,  wie  sie  im  »Standard  work«  des  ver- 
gleichenden Morphologen,  in  Eichler's  Blütendiagrammen  für 
Dahira  Stramonmm,  Atropa  Belladonna  und  Solantim  nigrtmi 
mitgeteilt  werden,^  in  denen  diese  Verzweigungssysteme  inter- 
pretiert werden,  besitzen  wir  nicht  und,  von  einer  Beschreibung 
Sendtner's^  abgesehen,  bewegt  sich  die  Systematik  in  Aus- 
drücken von  gewohnter  Vieldeutigkeit.  Der  neueste  Monograph 
der  Gattung,  Comes,^  hat  es  nicht  der  Mühe  wert  erachtet,  auf 
die  Einzelheiten  des  Aufbaues  einzugehen,  er  begnügt  sich 
vielmehr,  entgegen  den  Anforderungen,  die  wir  an  eine  Mono- 
graphie zu  stellen  berechtigt  sind,  sich  —  euphemistisch  aus- 
gedrückt —  in  den  von  den  ersten  Bänden  des  »Prodromus« 
vorgezeichneten  Bahnen  zu  halten;  schon  Sendtner,  dessen 
ausgezeichneter  »Excursus  morphologicus  de  Solanacearum 
inflorescentia«  allerdings  erst  ein  halbes  Jahrhundert  alt  war, 
geht  ihm  zu  weit.  Von  diesem  als  Mitbegründer  der  heimischen 


1  Bd.  2,  p.  200. 

2  Flora  Brasiliensis,  Vol.  X  (1846),  p.  165. 

3  Monographie  du  genre  Nicotiana.   Naples  1899. 


O-  R.  Wagner, 

Pflanzengeographie  bekannteren  Autor  stammt  die  beste  mir 
bekannte  Charakterisierung  der  Mt-o/m;/cz-Blütenstände:  »In- 
florescentia  terminaHs,  cymosa  (cincinnus  unilateralis  prophyllis 
bracteaeformibus  solitariis,  rhachi  communi  vel  pseudoaxi 
stricta,  elongata,  virgata)  modo  racemum  simplem  fingens  modo 
ramosa  et  in  formam  paniculae  composita«.  Bis  hieher  ist  die 
Formulierung  den  Tatsachen  entsprechend,  doch  beweist  die 
nun  folgende  Angabe:  »Flores  in  pedicellis  calyces  subaequanti- 
bus  e  foliorum  aut  bractearum  axillis«,  daß  er  sich  mit  der 
Gattung  nicht  eingehender  befaßt  hat;  in  den  oben  genannten 
»Excursus«  sind  es  vor  allem  die  Riesengattung  Solaiiimi 
sowie  Cyphomandra,  die  seine  Aufmerksamkeit  in  Anspruch 
nehmen,  während  Nicotiana  gänzlich  übergangen  wird.  Im 
übrigen  bewahrheitet  sich  seine  Bemerkung:  »evolutiones.  .  . 
omnes  tantae  vis  et  efficientiae,  ut  inflorescentiam  quam  maxime 
variabilem  et  explicatae  difficilem  reddant'<,  wie  die  folgenden 
Zeilen  beweisen  dürften. 

Aus  praktischen  Gründen  sollen  zunächst  einige  andere 
Arten  besprochen  werden,  deren  Aufbau  übersichtlicher  ist. 

Nicotiana  paniculata  R.  et  P. 

Bereits  im  Jahre  1799  wurde  diese  Art  von  Ruiz  und 
Paron  in  ihrer  »Flor.  Peruv.  Chil.«,  Vol.  II,  tab.  \2Qh,  abgebildet, 
doch  vermag  ich  die  Zeichnung  nicht  in  Einklang  mit  den  Tat- 
sachen zu  bringen,  sie  scheint  vielmehr  allzusehr  mit  der  freien 
Phantasie  des  Illustrators  belastet  zu  sein,  wenn  schon  für  den 
morphologisch  ungeschulten  Beobachter  der  Habitus  vielleicht 
recht  gut  getroffen  sein  mag.  Nach  einem  Exemplar  des  Wiener 
botanischen  Gartens  ist  Fig.  1  gezeichnet,  welche  die  Terminal- 
blüte und  die  vier  obersten  Partialinfloreszenzen  der  Rispe  in 
halbschematischer  Darstellung  veranschaulicht.  Wie  in  allen 
Figuren,  ist  von  der  Andeutung  des  Indumentes  Abstand  ge- 
nommen, die  konsekutiven  Sproßgenerationen  sind  abwechselnd 
dunkel  und  licht  gehalten,  die  einzelnen  morphologischen 
Bestandteile  aus  Raumgründen  durch  abgekürzte  Formeln  be- 
zeichnet. 

Wie  auf  den  ersten  Blick  ersichthch,  ist  die  Hauptachse 
des  Blütenstandes   durch  seine  Terminalblüte   abgeschlossen, 


Morphologie  des  Tabaks. 


63 


die  früher  zur  Entfaltung  gelangte  als  die  in  der  Abbildung 
ersichtlichen  Endblüten  der  Partialinfloreszenzen  erster  Ord- 
nung, also  die  Primanblüten.   Indessen  ist  die  Aufblühfolge  der 


Fig.  1. 
Oberster  Teil  einer  Rispe  von  Nicotiana  panicnlata  R.  et  P.    Näheres  im  Texte. 


Infloreszenz  keineswegs  streng  zentrifugal,  wie  man  vielleicht 
aus  Fig.  1  entnehmen  könnte,  wo  der  Größe  nach  auf  die  Ter- 
minalblüte die  Primanblüte  der  obersten  Partialinfloreszenz 
erster  Ordnung  folgt,  sondern  im  unteren  Teile  der  Rispe,  die 


64  R.  Wagner, 

sich  im  vorliegenden  Falle  aus  nicht  weniger  als  15  Teilblüten- 
ständen erster  Ordnung  zusammensetzt,  finden  wir  selbst  die 
Sekundanblüten  bereits  im  Zustand  aufgesprungener  Kapseln. 
Bezeichnet  man  in  Fig.  1  die  an  der  Hauptachse  inserierten, 
aber  mit  ihren  Achselprodukten  verwachsenen  Blätter  mit  t,  u, 
ö  und  Vo,  so  finden  wir  die  Partialinfloreszenz  erster  Ordnung 

%'^^  gleich  den  folgenden  aus  zwei  sehr  ungleichen  Kom- 
ponenten zusammengesetzt,  indem  das  Hauptachselpro- 
dukt eine  mächtige  Entwicklung  aufweist,  während  der 
Beisproß,  mit  seinem  Tragblatt  ein  Stück  weit  verwachsen, 
infolge  der  Entwicklung  großer  Drüsenhaare  in  der  ganzen 
Infloreszenz  leicht  übersehen  werden  kann.  Im  Gegensatze 
zu  der  später  zu  besprechenden  NicoHana  Tabacum  L. 
habe  ich  hier  den  Beisproß  innerhalb  des  Blütenstandes 
nie  entwickelt  gefunden.  Der  besseren  Übersichtlichkeit 
halber  sollen  zunächst  die  Serialsprosse  und  dann  erst  die 
Hauptachselprodukte  besprochen  werden,  was  auch  für 
die  anderen  Arten  gilt. 

%'l  ist  ein  verkümmerter  Beisproß. 

%[  ein  Dichasium  mit  wohlentwickeltem  Epipodium.  Hier 
fällt  schon  das  differente  Verhalten  der  beiden  Vor- 
blätter in  Bezug  auf  ihre  Achselprodukte  auf:  die  Ver- 
wachsung ist  beim  ß-Vorblatt  auf  eine  erheblich  größere 
Strecke  erfolgt  als  bei  a,  ein  Verhalten,  dem  wir  ziem- 
lich konstant  begegnen;  es  handelt  sich  um  die  Er- 
scheinung, die  an  anderer  Stelle  in  diesen  Blättern  als 
progressive  Rekauleszenz  bezeichnet  worden  ist. 
Daß  dergleichen  auch  an  der  Hauptachse  vorkommt, 
wird  weiter  unten  ersichtlich  werden.  Während  hier 
noch  beide  Achselprodukte  zu  kräftiger,  wenn  schon 
sehr  ungleicher  Entwicklung  gelangen,  —  innerhalb 
der  aus  ^^'^ß^  entwickelten  Partialinfloreszenz  zweiter 
Ordnung  ist  mit  freiem  Auge  (in  der  Fig.  1  fast  gänz- 
lich verdeckt)  noch  die  Sextanblüte  zu  erkennen,  in  der 
direkt  koordinierten  Partialinfloreszenz  dagegen  nur 
die  Quartanblüte  —  werden  von  nun  an  die  a-Achsel- 
produkte  unterdrückt,  sie  entwickeln  sich  zwar  anfangs 


Morphologie  des  Tabaks.  65 

noch  bis  zur  Länge  von  einigen  Millimetern,  bleiben 
aber  auf  diesem  Stadium  stehen.  Die  ß-Achselprodukte 
bilden  ein  Wickelsympodium,  so  daß  also  die  Parti al- 
infloreszenz  erster  Ordnung  einen  in  den  unte- 
ren Sproßgenerationen  durch  verkümmerte 
Beisprosse  bereicherten  Doppelwickel  mit  star- 
ker Förderung  der  ß-Achselprodukte  darstellt. 

Uf-'  verhält  sich  ähnlich  wie  Xf\  indessen  läßt  sich  bei  der 
besonders  kräftigen  Entwicklung  von  U'^  die  progressive 
Rekauleszenz  besser  als  solche  erkennen.  Das  der 
Hauptachse  angehörige  Blatt  t  verwächst  auf  reichliche 
zwei  Dritteile  des  Hypopodiums;  schon  auf  Y4  '^^s  Blatt 
Vi[aa,  auf  die  ganze  Länge  des  Hypopodiums  aber  das 
ß-Vorblatt,  also  U'^ßs.  Noch  weiter  geht  aber  die  Verwach- 
sung  beim  ß-Vorbiatt  der  nächst  höheren,  aus  U'^ßs  ent- 
wickelten Sproßgeneration,  indem  das  Blatt  U'B^oß^^  höher 
inseriert  erscheint  als  das  a-Vorblatt  seines  Achselpro- 
duktes. Entwicklungsgeschichtlich  sind  derartige  Vorgänge 
unschwer  zu  verstehen,  solche  extraflorale  Metatopien 
stehen  nicht  ganz  isoliert,  obwohl  sie  zweifelsohne  zu  den 
Seltenheiten  der  morphologischen  Kasuistik  gehören; 
geradezu  ein  Schulobjekt  dafür  dürfte  die  AinorpJia  fniti- 
cosa  L.  abgeben,  bei  der  oft  die  endständige  Traube  durch 
die  Hauptinnovation  unterbrochen  scheint.  Keineswegs 
immer  und  ausschließlich  hält  die  Verwachsung  an  diesem 
Extrem  —  dem  von  11^652  ßi  —  fest,  sondern  der  Grad  der 
Verwachsung  schwankt  innerhalb  gewisser  Grenzen,  so 
daß  das  Tragblatt  bald  wenig  oberhalb,  bald  wenig  unter- 
halb oder  aber  im  Niveau  des  a-Vorblattes  seines  Achsel- 
produktes inseriert  erscheint.  Wenigstens  mit  der  Lupe 
lassen  sich  hier  überall  a-Achselprodukte  feststellen,  zur 
Entwicklung  ist  allerdings  nur  ll'^A[;2  gelangt.  Von  Bei- 
sprossen ist  kein  einziger  auch  nur  annähernd  bis  zum 
Aufblühen  gekommen;  von  den  mit  freiem  Auge  erkenn- 
baren und  in  die  Zeichnung  in  Gestalt  einer  kleinen  Knospe 
aufgenommenen  gehört  U^B'2B'/3  der  höchsten  Sproß- 
generation an. 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Kl.;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  5 


66  R.  Wagner, 

S?!^^  zeigt  wie  das  folgende  System  2Bf\  im  Gegensatze  zu  den 
beiden  vorhergehenden,  kathodische  Stellung  von  a.  Auf- 
fallend ist  hier  gegenüber  den  besprochenen  Sprossen  die 
weitgehende  Verwachsung  der  Primanvorblätter;  während 
diese  bei  %[  und  U'^^  nur  mit  ß  die  volle  Länge  des  Achsel- 
sproßhypopodiums  einnehmen,  reicht  hier  bereits  das 
a- Vorblatt  so  weit  und  S^'^ßj2  ist  merklich  höher  inseriert 
als  Sß[Wa2y-d',  ii"!  der  folgenden  Sproßgeneration  geht  die 
Verwachsung  wieder  etwas  zurück,  bewegt  sich  somit  in 
den  oben  angegebenen  Amplituden.  Die  oberste  Partial- 
infloreszenz 
Sßf'  schließt  sich  ganz  an  die  vorigen  an,  ohne  irgendwie 
etwas  besonderes  zu  bieten. 

Was  die  unteren,  in  Fig.  1  nicht  dargestellten  Blütenstände 
anbelangt,  so  verhalten  sich  diese  ähnlich,  m.it  Ausnahme  der 
untersten.  Diese  rekauleszieren  noch  nicht,  alsbald  macht  sich 
aber  eine  schwache,  nur  nach  Millimeter  sich  bemessende  Ver- 
wachsung bemerkbar.  Bezüglich  der  Tragblätter  ist  zu  be- 
merken, daß  g  ein  Laubblatt  mit  großer,  wohlentwickelter 
Spreite  darstellt,  §  jedoch  in  jähem  Übergang  ein  Hochblatt  mit 
linearer  Spreite.  Ihrem  Bau  nach  zeigt  die  unterste  Partial- 
infloreszenz  (55^  insofern  eine  Komplikation,  als  auf  die  in 
Gestalt  von  Wickelsympodien  ausgebildeten  Vorblattachsel- 
produkte  noch  vier  weitere  ebensolche  Partialinüoreszenzen 
zweiter  Ordnung  folgen,  bevor  die  Achse  mit  Blüte  abschließt, 
ein  Verhalten,  das  bei  der  vielfach  kultivierten,  hier  nicht  näher 
besprochenen  Nicotiana  Sanderae  Hort.,  einem  Gartenbestande 
zwischen  N.  alata  Lk.  et  Otto  und  N.forgetiana  Hort.  Sand.,^ 
eine  große  Rolle  spielt.  Die  nächstfolgende  Partialinfloreszenz 
erster  Ordnung  zeigt  bereits  den  dichesialen,  von  der  nächst 
höheren  Sproßgeneration  an  durch  Zurückbleiben  des  a-Achsel- 
produktes  winkeligen  Aufbau,  wie  er  oben  abgebildet  und  be- 
schrieben wurde. 

Nicotiana  Langsdorffii  Weinm. 

ist  ein  beinahe  die  Höhe  eines  Meters  erreichendes  Kraut  aus 
Südbrasilien,  benannt  zu  Ehren  seines  Entdeckers,  der  es  in 

1  Curtis,  Botan.  Mag.  tab.  8006  (III.  1905).- 


Morphologie  des  Tabaks.  "/ 

der  Provinz  Minas  Geraes  fand;  später  wurde  es  auch  in 
Saö  Paulo  nachgewiesen.  Sendtner  beschränkt  sich  auf  die 
Angabe:  »Inflorescentia  cymosa  composita  panicuhformis,  parti- 
tionibus  elongatis  multifloris  erecto-patentibus«  und  »bracteatae 
breves.  Flores  in  pseudoaxibus  secundi«.  Wie  man  aus  der 
Beschreibung  entnimmt,  handelt  es  sich  wahrscheinlich  um  ein 
Pleiochasium,  dessen  Partialinfloreszenzen  in  Wickeln  aus- 
gehen, beziehungsweise  solche  darstellen,  eine  Auslegung,  die 
durch  die  Untersuchung  ihre  volle  Bestätigung  findet. 

In  Fig.  2  und  3  —  der  Raumersparnis  halber  getrennt  — 
sind  die  vier  obersten  Äste  eines  Blütenstandes  abgebildet. 
Schon  ein  flüchtiger  Blick  zeigt  uns,  daß  wir  an  der  Haupt- 
achse progressive  Rekauleszenz  zu  konstatieren  haben.  Wäh- 
rend das  Achselprodukt  in  Fig.  3  sowie  das  unterste  Achsel- 
produkt in  Fig.  2  gar  nicht  mit  den  Tragblättern  verwachsen 
sind,  ist  das  dritte  Blatt  —  es  mag  als  r  bezeichnet  sein  — 
schon  deutlich  verwachsen,  auf  mehr  als  ein  Drittel  der  Länge 
des  Hypopodiums  das  Blatt  g  und  das  Tragblatt  q  der  obersten 
Partialinfloreszenz  erster  Ordnung  auf  Ve-  Überall  treffen  wir 
hier  seriale  Beisprosse,  die  indessen  nirgends  zu  voller  Ent- 
wicklung gelangt  sind;  die  Knospe  O'/  ist  in  der  Zeichnung  zu 
sehen,  ^l^'l  dagegen  verdeckt.  Eine  entfaltete  Knospe  stellt 
£)'/  dar,  ebenso,  etwas  weiter  entwickelt,  91'/  und  9Ji'/. 

In  der  nächstfolgenden  Sproßgeneration  macht  sich  nun 
ein  krasser  Unterschied  zwischen  den  beiden  Arten  geltend: 
Während  bei  A^.  paniculata  Dichasien  auftreten  und  auch  in 
den  höheren  Sproßgenerationen  ein  a-Achselprodukt  stets  auf- 
tritt, wenn  es  auch  normaliter  nicht  zu  weiterer  Entwicklung 
gelangt,  so  fehlt  hier  innerhalb  der  eigentlichen  Infloreszenz 
das  a -Vorblatt  gänzlich,  ebenso  sein  Achselprodukt,  so  daß 
bei  der  Fertilität  von  ß  reine  Wickelsympodien  in 
extremer  Ausbildung  zustande  kommen,  die  außerdem 
durch  progressive  Rekauleszenz  kompliziert  sind;  eine  weitere 
Komplikation  durch  Beisprosse  ist  nur  der  Anlage  nach  zu 
konstatieren,  entwickelt  habe  ich  sie  nie  gefunden.  In  Fig.  2 
sind  die  Knospen  von  %Wk,  ferner  von  0[^'k  und  '^[Wk  noch 
zu  erkennen.  Die  progressive  Rekauleszenz  läßt  sich  auch  hier 
innerhalb  der  Partialinfloreszenzen  deutlich  verfolgen:  Die  Vor- 


68 


Fig.  2. 

Nicotiana  Langsdorffii  Weinm.  Oberer  Teil  einer  Infloreszenz. 
Näheres  im  Text. 

blätter  der  konsekutiven  Sproßgenerationen   sind  bei  9^^'^   auf 
rund  Vsj  Ve^  Vs  verwachsen,  ohne  wenigstens  bis  zur  Sextan- 


Morphologie  des  Tabaks. 


69 


^-ICl'^Jl^^^^ 


Fig.  3. 

NicoHana  Langsdorffii  Weinm.  Fünftoberster  Ast. 
Näheres  im  Text. 


blute  die  volle  Länge  des  Hypopodiums  zu  erreichen.   Rascher 
schon  vollzieht  sich  dieser  Vorgang  bei  dem  folgenden  Sprosse 


70  R.  Wagner, 

£>[,  dessen  Primanvorblatt  schon  bis  reichlich  zur  halben  Länge 
des  Hypopodiums  verwachsen  ist;  das  Sekundanvorblatt 
erreicht  -/s?  ^^^  Tertianvorblatt  die  volle  Länge  des  Hypo- 
podiums. Analoges,  nur  durch  den  Ausgangspunkt  der  Pro- 
gression verschieden,  konstatieren  wir  bei  ^[  und  £i[;  ^/^ 
beziehungsweise  Ye?  Vs  ^^^  ^  sind  die  Verwachsungs- 
quotienten für  die  konsekutiven  Sproßgenerationen  von  ^(, 
Vä,  7io'  1  diejenigen  von  £l[. 

Demnach  haben  wir  den  Blütenstand  von  Nicotiäna 
Langsdorfß  We'inm.  als  ein  Pleiochasium  anzusprechen,  das 
durch  progressive  Rekauleszenz  in  sämtlichen  Sproßgenera- 
tionen kompliziert  ist  und  dessen  in  geringer  Anzahl  vor- 
handene Partialinfloreszenzen  a-lose  Wickelsympodien  dar- 
stellen. Mit  der  im  Verhältnisse  zu  A^.  paniciilata  geringen 
Anzahl  von  Partialinfloreszenzen  erster  Ordnung  hängt  es  wohl 
zusammen,  daß  hier  bei  N.  Langsdorffii  Weinm.  die  Terminal- 
blüte zunächst  zur  Entwicklung  gelangt  und  dann  erst  die 
Primanblüten  folgen.  Über  die  Reihenfolge  innerhalb  der  Partial- 
infloreszenzen läßt  sich  feststellen,  daß  die  Aufblühfolge  eine 
akropetale  ist,  d.  h.,  daß  sich  zuerst,  nämlich  nach  der  Terminal- 
blüte, die  unterste  Primanblüte  öffnet. 

Es  erübrigt  noch,  einiges  zu  Fig.  3  zu  bemerken.  Wie 
schon  oben  mitgeteilt,  ist  es  der  viertoberste  Sproß,  nach  der 
gewählten  Nomenklatur  Qj^\  Wie  aus  dem  Index  hervorgeht, 
ist  er  durch  einen  Beisproß  bereichert,  der  wie  alle  Beisprosse 
der  Gattung  —  soweit  beobachtet  —  dem  Hauptachselprodukt 
homodrom  ist.  Etwa  im  nämlichen  Entwicklungsstadium  be- 
findet sich  9JJ'^A,;2,  das  ß-Achselprodukt  hat  ein  Hypopodium 
entwickelt,  um  dann  zu  verkümmern;  nunmehr  ändert  sich 
plötzlich  der  Charakter  der  Tragblätter,  y  ist  ein  Hochblatt 
und  weit  mit  seinem  Achselprodukte  verwachsen.  Nach  den 
genannten  drei  Blättern  ist  die  Achse  durch  eine  Endblüte 
abgeschlossen  und  aus  der  Achsel  des  obersten  Blattes  ent- 
wickelt sich  ein  Sympodium,  und  zwar  sofort  ein  Wickels3^m- 
podium  mit  gänzlich  unterdrückten  a- Vorblättern.  Auch  hier  ist 
wieder  die  progressive  Rekauleszenz  deutlich  zu  konstatieren, 
wie  ein  Blick  auf  die  Abbildung  lehrt. 


71 

Morphologie  des  Tabaks.  '  ^ 

Die  kompliziertesten  Fälle  zeigt  aber 
Nicotiana  Tabacum  L., 

die  mir  in  der  f.  macrophyUa  zur  Verfügung  stand.  Da  die 
bisher  publizierten  Abbildungen  teils  zu  sehr  nach  der  rein 
malerischen  Seite  gezeichnet  sind,  teils  »vereinfacht.<  sein 
dürften  und  halbschematische  Abbildungen  mir  nicht  bekannt 
sind,  wurde  der  oberste  Teil  eines  Blütenstandes  auf  Fig.  4 
abgebildet,  und  zwar  speziell  die  Terminalblüte,  beziehungs- 
we'ise  -Frucht  mit  der  zweitobersten  Partialinfloreszenz  erster 
Ordnung;  die  beiden  anderen  damit  zu  einem  Quirl  angeord- 
neten Äste  konnten  nur  teilweise  zur  Darstellung  gelangen. 

Wie  schon  eine  Oüchtige  Betrachtung  zeigt,  sind  die  drei 
fraglichen  Äste  in  verschiedenem  Maße  mit  ihren  Tragblättern 
verwachsen,  was  auf  progressive  Rekauleszenz  schließen 
läßt;  da  die  Äste  in  einem  Niveau  inseriert  sind,  ist  zur  Fest- 
stellung des  Tatbestandes  die  Untersuchung  der  vorangehenden 
Teilblütenstände   notwendig,   die   das   erschlossene  Verhalten 
bestätigt.   Nimmt  man  hier  die  untere  Grenze  der  terminalen 
Rispe  da  an,  wo  die  Seitenäste  nach  ihren  Vorblättern  sofort 
mit  Blüte  abschließen,  so  gehen  der  Terminalblüte  bei  unserem 
Exemplar   sechs   Partialinfloreszenzen   erster  Ordnung  voran; 
im  Gegensatze   zu   den   drei   oberen   sind   die   anderen  durch 
Internodien  von  etwa  5  cm  getrennt.   Als  Paradigma  für  den 
Bau  der  Partialinfloreszenzen  mag  die  zweitoberste,  O'/*,  aus- 
führlicher besprochen  werden.    Während  die  Teilblütenstände 
erster  Ordnung  Wf,  ^If  und  Df    nahezu    das    gewöhnliche 
Verhalten  von  Achselsprossen,  d.  h.  gar  keine  Verwachsung 
zeigen,  finden  wir  bereits  p  ein  merkliches  Stück  verwachsen, 
in  höherem  Maße  noch  q  und  r.    Die  Rekauleszenz  finden  wir 
dann    in   den   höheren   Sproßgenerationen    als    konstante    Er- 
scheinung. Aber  nicht  nur  einer  der  serialen  Komponenten  ver- 
wächst, sondern  wie  bei  N.panictiJata  finden  wir  Rekauleszenz 
beim    Hauptachselprodukt   wie    beim    Beisproß.    Wir   werden 
sehen,  daß  der  normaliter  hier  allein  zur  Entwicklung  gelangende 
erste  Beisproß  keine  atavistischen  Züge  trägt,    wie  das 
in  anderen  Fällen  in  allerdings  teilweise  sehr  fernestehenden 
Familien  konstatiert  werden  konnte,  sondern  sich  mit  seinen 


72 


R.  Wagner, 


^S2^i3 


Fig.  4. 


Nicotiana  Tabacum  L.  f.  macrophylla.  Oberster  Teil  einer  Rispe.  Näheres  im  Text. 

Komplikationen  —  und  als  solche  darf  man  wohl  die  gänzliche 
Unterdrückung  des  a-Vorblattes  wie  die  Rekauleszenz  auf- 
fassen  —   gänzlich    an    das    Hauptachselprodukt    anschließt. 


Morphologie  des  Tabaks.  73 

sogar,  was  vielleicht  bei  der  Häufigkeit  des  gegenteiligen 
Verhaltens  überrascht,  hinsichtlich  der  Vorblattorientierung,  wie 
das  für  die  ganze  Gattung  zu  gelten  scheint. 

Aus  praktischen  Gründen  wird  hier,  wie  schon  oben  bei 
A^.  panicnJata  R.  et  P.,  von  der  gewöhnlichen  Reihenfolge  ab- 
gewichen und  nach  dem  zweiten  Beisproß  der  erste  und  dann 
erst  das  Hauptachselprodukt  besprochen  werden. 

£}{''  ist  eine  kleine,  normaliter  wohl  nur  bei  außergewöhn- 
lich kräftigen  Exemplaren  zur  Entwicklung  gelangende 
Knospe. 

£i{'  hat  ein  nach  der  anodischen  Seite,  nach  rechts  zu  er- 
gänzendes a-Vorblatt,  dessen  Insertionsstelle  wohl  an 
der  basalen  Artikulation  des  Blütenstieles  zu  suchen  ist. 
Es  kommt  somit  ein  beträchtliches  Epipodium  zu  stände, 
dessen  obere  Grenze  sich  jedoch  nur  dann  mit  voller 
Sicherheit  wird  feststellen  lassen,  wenn  die  ontogenetische 
Untersuchung,  die  eben  noch  aussteht,  oder  die  Ver- 
gleichung  die  nötigen  Anhaltspunkte  geliefert  haben.  Unter 
dieser  Voraussetzung  ■ —  die  übrigens  auch  für  N.  Larigs- 
dorffii  ihre  Gültigkeit  hat,  finden  wir  auf  die  Länge  von 
einigen  Millimetern,  mit  seinem  Achselprodukte  ver- 
wachsen, das  zweite  Vorblatt  des  ersten  Serialsprosses, 
also  Qf  ßs,  in  der  Abbildung  mit  (ß(')  bezeichnet;  der  Aus- 
druck ist  in  Klammern  gesetzt,  weil  das  fragliche  Blatt 
abgefallen  ist.    Sein  Achselprodukt 

Q^'B^f  ist  wiederum  aus  einer  nicht  weiter  zur  Entwick- 
lung gelangenden  Beiknospe  Q('Bs2  und  dem 
Hauptachselprodukte 

d'^Wgo  zusammengesetzt.  Mutatis  mutandis  wiederholt 
sich  das  Spiel;  die  Orientierung  ändert  sich  nur; 
a  ist  unterdrückt,  ß  verwächst  mit  seinem  Achsel- 
produkt bis  zur  .'\rtikulation;  in  der  Achsel  von 
Q('Bs2ß,i,  das  auf  der  Figur  abgekürzt  als  ß^2  be- 
zeichnet ist,  sehen  wir  noch  die  kleine  Serialknopse 
der  nächsten  Sproßgeneration,  während  Of  6596^3 
abgebrochen  ist. 


74  R.  Wagner, 

0(,  das  Hauptachselprodukt,  entwickelt  beim  Fehlen  seines 
a-Vorblattes  und  zugehöriger  Achselprodukte  seine  wei- 
teren Sproßgenerationen  aus  der  Achsel  des  Hochblattes 
Q^ßs,  die  wiederum  in  Dreizahl  vorhanden  sind. 

OiBs2  ist  eine  kleine,  nicht  zu  weiterer  Entwicklung  se- 
langende  Knospe. 

O'^B^'o  verzweigt  sich  wickelig;  D^B^-oa^  ist  durch  die 
Artikulation  angedeutet  und  auf  der  Figur  bezeichnet 
mit  c/.s;  das  zweite  Vorblatt  £l[B'j2^,i,  abgekürzt  ß^/'o, 
stützt  ein  zusammengesetztes  Achselprodukt,  dessen 
Serialknospe  Cl'^B's'oBiJs  sehr  klein  und  durch  das 
Tragblatt  gänzlich  verdeckt  ist.  Das  Hauptachsel- 
produkt Cl{B'JoB[i.i,  die  kurz  vor  dem  Aufblühen 
stehende  Blüte,  die  mit  B^'oB^s  bezeichnet  ist,  läßt 
eine  nach  obiger  Annahme  als  Lisertionsstelle  des 
abortierten  a-\^orblattes  anzusehende  Artikulation 
erkennen,  die  mit  a'js  bezeichnet  ist.  Dagegen  ist  das 
zugehörige  ß-Vorblatt,  Q^B^^Bf^sß^,  abgekürzt  ßls, 
kräftig  entwickelt  und  stützt  wiederum  ein  serlal 
bereichertes  Achselprodukt,  von  dem  indessen  nur 
OiB^'2B^3B^4ß^,  abgekürzt  ßj4,  zu  sehen  ist. 

O1B52  stellt  ein  durch  die  reichliche  Entwicklung  von  Bei- 
sprossen ziemlich  kompliziert  gewordenes  Wickel- 
sympodium  dar,  dessen  ß-Vorblatt,  wie  zu  erwarten, 
nach  rechts  fällt,  auf  der  Figur  bezeichnet  mit  ß^. 

€l[B's2Bi^s  ist  eine  im  Aufblühen  begriffene  Knospe; 
die  weitere  Verzweigung  erfolgt  aus  der 
Achsel  von  Ü^B^-oB^'sß^,  abgekürzt  ß^.,  die 
Ouartanblüte  ist  an  der  basalen  Artikula- 
tion abgebrochen  und  in  der  Zeichnung 
nicht  zu  sehen,  wohl  aber  ihr  ß-Vorblatt, 
also  €l[B',2B'hBU'^a,  abgekürzt  ^iu,  m 
dessen  Achsel  sich  die  erst  wenige  Milli- 
meter messende  Knospe  der  Quintanblüte 
findet,  die  mit  B^4B^5  bezeichnet  ist.  Ihr 
ß-Vorblatt,  also  aiB^2B'i3B^4B:,5ßs,  ist  als 


Morphologie  des  Tabaks. 


75 


kleine,  weiße  Spitze  zwischen  die  vorauf- 
gehenden ß -Vorblätter  eingekeilt  zu  er- 
kennen. 

£l[B's2^'d3  ist  bereits  abgeblüht;  der  Kelch  überragt 
den  seines  Beisprosses.  Auch  hier  Ver- 
zweigung aus  der  Achsel  des  hoch  hinauf 
verwachsenen  ß -Vorblattes,  also  von 
€l['B's2B'd3^Js,  abgekürzt  ß'3,  das  ein  serial 
bereichertes  Achselprodukt  stützt. 

Q{Bl2Brf3B'A  stellt  eine  Knospe  dar,  deren 
Korolle  den  Kelch  erst  um  ein  geringes 
überragt;  Abkürzung  B%  Das  ß -Vor- 
blatt, auf  der  Figur  mit  ß^'  bezeichnet, 
korrekter  O^Bl-sEf^sB^^ßj,  verdeckt 
teilweise  ein  Verzweigungssystem,  von 
dem  drei  Bestandteile  zu  erkennen 
sind,  nämlich  die  weißgehaltene  Quin- 
tanblüte 

Q{B',oB:,3B^^B'^5,  selbst  wieder  teil- 
weise von  ihrem  nach  links  fallen- 
den ß-Vorblatt  verdeckt  und  auf 
der  weiß  gelassenen  Quintanblüte 
sich  scharf  abhebend,  das  ß-Sextan- 
vorblatt  €l[Ws2KisB'AB'j,B',G^ä. 

€l[B's2B[isWs4,  abgekürzt  B:,4,  ist  bereits 
abgeblüht;  sein  ß -Vorblatt,  das  Blatt 
€i[B's2B'dsB's4[-icU  abgekürzt  ß'd4,  stützt 
ein  serial  bereichertes  Achselprodukt. 

€l[B's2B'd'sB's4B'^5,  eine  kleine,  mit  B'/,-, 
bezeichnete  Knospe,  überragt  ihr 
Tragblatt  nur  wenig;  von  ihr  hebt 
sich  das  gleichfalls  weiß  gehaltene 
ß-Quintanvorblatt  sowie  das  nach 
rechts  fallende,  dunkel  gezeichnete 
Blatt    €l[B's2B'd3B'siB'döB'sG^ä,    also 


76  R.  Wagner, 

das  ß-Sextanvorblatt  deutlich  ab.  Beide 
sind  auf  der  Figur  nicht  weiter  bezeich- 
net und  tragen  sehr  kleine  Knospen 
weiterer  Verzweigungssysteme. 

Oi'B^2B^3BkB^5,    die    mit   Bf^g    bezeichnete    Blüte, 
aus   deren   Kelch   nur  noch   der  Griffel 
weit    hervorragt,    hat    ein    kräftig    ent- 
wickeltes, nach  links  fallendes  ß-Vorblatt, 
alsoO;B^^2B:;3B^4Bf;5ßs,  abgekürzt  ß^s-  In 
der  Achsel  steht  ein  serial  bereichertes 
Verzweigungssystem,  doch  ist  hier  der 
Beisproß   noch   nicht    zu   weiterer  Ent- 
wiclylung  gelangt;  in  der  Figur  erkennt 
man    von    diesem    nur   das    dunkel  ge- 
haltene,   nach    rechts    fallende    Sextan- 
vorblatt      £liB's2B',sB',M5B'jQ^a.        Das 
Hauptachselprodukt  O^B'^s B'^s BU B^5 B^ß, 
abgekürzt  B^o,  steht  in  voller  Blüte.    Bei 
der  noch  geringen  Streckung  der  noch 
recht  jugendlichen   Hypopodien    macht 
sich  die  Rekauleszenz  von  dieser  Sproß- 
generation  an    kaum   noch    bemerkbar, 
das  mit  ßjo  abgekürzte  ß-Sextanvorblatt 
Q{B^oBf;3B^4B'j5B^6ß,^  scheint  mit  seiner 
Insertion  in  diesem  Entvvicklungsstadium 
nichts  besonderes  zu  bieten.   Selbstver- 
ständlich   wäre    es    aber    bei    weiterem 
Wachstum    geradeso    mit    seinem    be- 
reicherten  Achselprodukte   verwachsen, 
wie  die  voraufgehenden  ß-Vorblätter  der 
höheren    Sproßgenerationen.    In    seiner 
Achsel   finden  wir  das  weiß  gehaltene, 
nach     links     fallende     ß -Vorblatt     des 
Beisprosses,     also     ein    Sextanvorblatt 
D(B^oB:,3B',4B:,5B^6B:,'7ß.,    das    die    zu- 
gehörige     seriale     Septanblüte      sowie 
sein  Achselprodukt  noch  gänzlich  ver- 


Morphologie  des  Tabaks.  /  ' 

deckt  und  die  dem  Aufblühen  sich 
nähernde  relative  Endblüte  des  Haupt- 
achselproduktes, die  Septanblüte 
£l[B's2B'dMM5B's6K7,  kurz  als  B:,7  be- 
zeichnet. In  der  Achsel  ihres  mit  ß'7  be- 
zeichneten Vorblattes  sind  noch  drei 
morphologische  Bestandteile  zu  er- 
kennen: die  vom  Septanvorblatte  nur 
wenig  überragte  Oktanblüte  O^B'oBfis. 
.BUB'j-cKßB'diB'ss  mit  ihrem  gleichfalls 
dunkel  gehaltenen,  nach  rechts  fallenden 
ß-Vorblatt  und  das  ß-Nonanvorblatt,  das 
sich  als  weiße  Spitze  von  dem  dunklen 
Hintergrunde  der  Oktanblüte  abhebt. 

Vergleicht  man  in  der  Abbildung  Fig.  4  die  Insertions- 
verhältnisse  der  drei  obersten  Partialinfloreszenzen  erster  Ord- 
nung, so  fällt,  wie  schon  angedeutet,  das  progressive 
iMoment  in  der  Rekauleszenz  sehr  in  die  Augen;  während 
bei  ^f  die  Verwachsung  sich  kaum  auf  die  halbe  Länge  des 
übrigens  recht  kurzen  Hypopodiums  erstreckt,  gilt  das  für  Üf^ 
wie  für  die  oberste  Partialinfloreszenz  9^f  in  sehr  viel  höherem 
Maße.  Umgekehrt  haben  wir  bei  den  drei  tiefer  inserierten  und 
spiralig  angeordneten  Partialinfloreszenzen  erster  Ordnung 
Verwachsungen  erst  in  den  höheren  Sproßgenerationen  zu 
registrieren. 

Was  den  Abort  des  a-Vorblattes  anbelangt,  so  fehlt  es  mir 
bei  dem  aus  naheliegenden  Gründen  recht  beschränkten  Mate- 
riale  an  Beobachtungen;  indessen  ließen  sich  bei  einer  Form 
der  ebenso  provisorisch  wie  so  vieles  umgrenzten  Art,  bei  der 
bei  Las  Sedas  im  mexikanischen  Staate  Oaxaca  von  Pringle 
in  6200  Fuß  Meereshöhe  gesammelten  und  in  seinen  »Plantae 
Mexicanae«  sub  Nr.  6744  ausgegebenen  Nicotiana  Tabacum  L. 
vav.  undulata  Sen dt.  —  die  absolute  Richtigkeit  der  Bestim- 
mung entzieht  sich  zur  Zeit  meiner  Kontrolle  —  Beobachtungen 
machen,  die  mir  einer  Mitteilung  wert  zu  sein  scheinen.  Es 
zeigt  sich  nämlich,  daß  a-Vorblätter  vorkommen,  auch  dann, 
wenn    auf    das    ß -Vorblatt    hin    die    Achse    mit    einer   Blüte 


iö  R.  Wagner, 

abgeschlossen  ist.  Ein  Fall  also,  wie  wir  ihm  schon  bei  unserem 
ersten  Beispiel,  der  A''.  paniailata  R.  et  P.,  begegneten;  die 
Konservierung  eines  alten  Charakters.  Aber  das  ist  nicht  das 
einzige:  wenn  nicht  ein  schwerer  Beobachtungsfehler  infolge 
des  Umstandes,  daß  ein  so  dürftiges  Material  zu  schonen  ist, 
vorliegt,  so  findet  sich  auch  der  Fall,  daß  in  höheren  Sproß- 
generationen zunächst  beim  Hauptachselprodukt  das  a- Vorblatt 
verloren  geht,  während  der  basipetale  Serialsproß  dasselbe 
noch  beibehält.  Demnach  einer  jener  Fälle,  in  denen  der  dem 
Abschluß  einer  Achse  benachbarte  Ast  morphologisch  vor- 
geschrittener ist,  jüngere  Charaktere  aufweist  als  der  basipetale 
Serialsproß,  der  in  puncto  seiner  Charaktere  sich  als  konserva- 
tiver erweist.  Überraschen  kann  dieser  Umstand  heute  nicht 
mehr,  nachdem  in  diesen  Sitzungsberichten  zu  wiederholten 
Malen  auf  derartige  Beziehungen  zwischen  serial  angeordneten 
Verzweigungssystemen  hingewiesen  wurde;  und  wenn  es  auch 
vielleicht  verfrüht  erscheint,  sich  in  extenso  mit  der  erst  kürz- 
lich —  Sitzung  vom  10.  Jänner  1907  —  angedeuteten  Inter- 
pretation dieser  Verhältnisse  zu  befassen,  so  gewinnt  doch  — 
wie  gesagt,  falls  die  Tatsachen  sich  bestätigen  —  die  Differenz 
im  Verhalten  der  beiden  Taba cum -Varietäten  erheblich  an 
Interesse  durch  die  Feststellung,  daß  bei  einer  zweifellos  wild 
gewachsenen  Pflanze  beim  ersten,  d.  h.  dem  Hauptachsel- 
produkte nächsten  Serialsproß  ein  alter  Charakter  sich  noch 
erhalten  hat,  bei  der  kultivierten  aber  der  neue  Charakter,  der 
Abort  des  a-Vorblattes,  auch  schon  im  ersten  Beisprosse 
fixiert  ist. 

Was  nun  die  anderen  Arten  der  Gattung  anbelangt,  so 
möchte  ich  vor  allem  hinweisen  auf  Paj^er's  Angaben  über 
N.  rustica  L.,  deren  Blütenentwicklung  in  seiner  »Organogenie 
de  la  fleur«,  Tab.  132,  abgebildet  und  p.  539  beschrieben  wird. 
In  Anbetracht  der  obigen  Ausführungen  erscheint  es  gewagt, 
seine  Angabe;  »Chaque  fleur  nait  ä  l'aiselle  d'une  bractee-mere 
et  est  accompagnee  de  bractees  secondaires  d'äges  differents  et 
tout  fertiles«  ohneweiters  zu  generalisieren;  ich  bin  zur  Zeit 
nicht  in  der  Lage,  die  genannte  Art  zu  untersuchen,  das  muß 
auf  den  Sommer  verschoben  werden,  aber  nach  allem,  was  wir 
über   das   Verhalten   von   Tragblättern   wissen,   deren   Achsel- 


Morphologie  des  Tabaks.  '  " 

Produkte  in  Reduktion  begriffen  sind,  liegt  die  Vermutung  sehr 
nahe,  daß  bei  solchen  Arten,  die  in  den  untersten  Seitenachsen, 
beziehungsweise  den  niedrigsten  Sproßgenerationen  noch 
a-Achselprodukte  produzieren,  während  selbst  die  Tragblätter, 
also  die  a-Vorblätter  in  den  höheren  Sproßgenerationen  unter- 
drückt sind,  auch  das  ontogenetische  Verhalten  der  beiden 
Vorblätter  einem  Wechsel  unterworfen  sein  wird.  Es  würde 
durchaus  nicht  überraschen,  wenn  mit  fortschreitender  Förde- 
rung des  ß-Vorblattes,  beziehungsweise  seines  Achselproduktes 
das  a-Vorblatt  auf  dem  Wege  zum  Abort  zunächst  vor  dem 
ß-Vorblatt  in  die  Erscheinung  träte,  dann  mit  steigender  Sproß- 
generation verspätet,  also  etwa  gleichzeitig  mit  ß  sich  hervor- 
wölbte, um  schHeßUch  nach  ihm  erst  sich  aus  dem.  Meristem 
auszugliedern;  als  äußerstes  Extrem  ist  natürlich  der  Ablaß 
anzunehmen,  doch  hegen,  wie  bemerkt,  Beobachtungen  in 
diesem  Sinne  noch  nicht  vor,  es  sollte  nur  gezeigt  werden,  daß 
es  nicht  ohne  Bedenken  zulässig  ist,  im  Sinne  Bayer s  zu  ver- 
allgemeinern. 

Die  weitere  Angabe  Bayer's:  »Le  calice  se  compose  de 
cinq  sepales  qui  apparaissent  successivement  sur  le  receptacle 
dans  l'ordre  quinconcial«  dürfte  wohl  von  allgemeinerer 
Richtigkeit  sein;  indessen  wurde  obige  Untersuchung  auf 
die  gewiß  genügend  komplizierten  Verzweigungssysteme  be- 
schränkt und  von  blütenmorphologischen  Fragen,  wie  Kelch- 
deckung und  vor  allem  Schrägzygomorphie  —  die,  beiläufig 
bemerkt,  schon  1844  von  Wydler  festgestellt  wurde  —  ab- 
sichtlich abgesehen. 

Was  die  erwähnten  Charaktere  anbelangt,  so  ist  es  vor 
allem  die  progressive  Rekauleszenz,  die  sich  so  sehr  bemerkbar 
macht  und  vielfach  die  Untersuchungen  nicht  unwesentlich 
erschwert.  Abgesehen  von  den  oben  erwähnten  Gattungen 
möchte  ich  hier  einige  wohl  weniger  bekannte  Gattungen  er- 
wähnen, in  denen  sich  diese  namenthch  in  Verbindung  mit 
Wickelsympodien,  bisweilen  auch  mit  Serialsprossen,  zeigte. 
Abgesehen  von  einer  Reihe  von  Nicotiaiia  -  Arten,  wenn 
nicht  allen,  von  denen  an  in  Kultur  befindlichen  Arten  nur 
A^,  noctißora  Hook.  (Mendoza,  leg.  Bhilippi),  A^.  snaveolens 
Lehm,    und    A^    alata    Lk.    et    Otto    genannt    sein    mögen, 


80  R.  Wagner, 

zeigt  sich  progressive  Rekauleszenz  bei  Dlscopodiiim  penni- 
nervhmi  Höchst.  (Afr.  trop.),  Hebedadiis  bißoriis  Miers 
(Peru)  und  anderen  Arten,  Margavantlms  sohmacens  Schi  dl. 
(Zentralamerika)  und  besonders  deutlich  bei  dem  erst  von  dem 
verdienstvollen  C.  G.  Pringle  im  Tale  von  Mexiko  entdeckten 
M.  siilpimreus  Fern.  (PI.  Mexic.  No  8215),  dann  bei  Cacahus 
MexicamLsV^8,ts.  (Pringle,  PI.  Mexic.  No  1742),  bei  der  von 
Dr.  August  Henry  in  Hupeh  (Zentralchina)  entdeckten 
CJiamaesaradia  sinensis  Hemsl.,  bei  Ch.  nana  Gray  (Cusick, 
Eastern  Oregon  Plants,  No  2685),  Athenaea  pogogotia  Meissn. 
(Bahia,  leg.  Blanchet),  A.  picta  SQwdt  (Rio  Jequetay  Brasil., 
leg.  Pohl),  einer  Pflanze,  bei  der  die  Vorblattanisophyllie 
besonders  deutlich  zum  Ausdrucke  gelangt,  indem  die  Fläche 
des  ß-Vorblattes  wohl  gegen  20  mal  größer  ist.  Aus  der  Achsel 
des  a- Vorblattes  entwickelt  sich  auch  ein  Sproß,  der  indessen 
nicht  zu  rekauleszieren  scheint;  dagegen  verwächst  ß  auf  die 
ganze  Länge  des  Hypopodiums;  ähnliches  gilt  von  A.  hirsnta 
Sendt.  (Mideiros,  Pohl,  No  148),  denen  große  ß- Vorblätter 
besonders  stark  asymmetrisch  sind. 

Ferner  wäre   zu   erwähnen:    Nothocestrum   siihcordatum 
Mann    von    Hawaii    (Erdumseglung    der   Fregatte    »Donau«, 
Wawra,  No  2140),  zahlreiche  Saracha- Arten,  so  die  im  Tale 
von  Mexiko  gesammelte  5.  mollis  Schi  dl.,  die  außerdem  gleich 
der  häufig  kultivierten  5.  Jaltomata  Seh  1dl.  Beisprosse  auf- 
weist; dann  viele  Capsicum- Arten,  so  C.  microcarpum  DC.  aus 
der    Sierra    de    Maracayü    (Paraguay,    Hassler,    PI.    Parag., 
No  5703),  Bassovia  velutina  (Sendt.)  Dun.  (S.  Cruz  de  Donna 
Tereza,  Brasil.,  Pohl,  No  3479),  die  sich  bezüglich  der  Vor- 
blattanisophyllie an  die  erwähnten  Athenaea- Arten  anschließt; 
auch  andere  Arten  zeigen  das,  so  die  erst  seit  kurzem  bekannte 
B.mexicana  Robins.  (San  Luis  Potosi,  Pringle,  PI.  Mexic, 
No  3071),   ebenfalls   stark   anisophyll,  und   B.  Domiel-Smithii 
Coult.    (Jalisco,  Pringle,  PI.  Mexic,  No  4378),  von  der  das 
nämliche   gilt.    Auf  die  Arten   der  Gattung  Cyphomandra  hat 
schon  Sendtner  1.  c  hingewiesen,  sehr  instruktiv  ist  in  dieser 
Hinsicht  C.  divaricata  (Mart.)  Sendt.  (Martii  Herb.  Fl.  Bras., 
No  626)  und  C.  Velloziana  Sendt.  (Brasilien,  leg.  Blanchet, 
also  wohl  bei  Bahia). 


Morphologie  des  Tabaks.  81 

Sympodialen  Aufbau  verbunden  mit  progressiver  Re- 
kauleszenz  zeigt  ferner  Salpichronia  teimißorum  Spruce  aus 
den  Anden  von  Ecuador  (Spruce,  No  5057),  Nectotixia  for- 
mosa  HBK.  aus  der  Sierra  de  Ajusco  (Pringle,  PI.  Mexic, 
No  6309);  in  den  Pleiochasien  des  Cestrum  corymhosmn 
Schldl.  (Brasilia,  Pohl,  No  197)  ist  wie  bei  anderen,  aber 
nicht  allen  Arten,  progressive  Rekauleszenz  zu  konstatieren, 
ähnliches  bei  Sessea  corymhosa  Goud.  (N.  Granada,  Triana 
No  2316  in  der  Provinz  Bogota),  und  bei  einer  der  5.  vestita  Bth. 
nahestehenden  Pflanze  aus  den  Anden  von  Ecuador  (Spruce, 
No  5863),  bei  der  der  bekannte  Übergang  von  Konkauleszenz 
in  Rekauleszenz  stattfindet;  dann  in  den  armblütigen  terminalen 
Infloreszenzen  der  Metternichia  principis  Mik.  (Brasilien),  bei 
Nieremhergia  viscosa  Torr.  (Kalkberge  von  Monterey,  Nuevo 
Leon,  Pringle,  PI.  Mexic,  No  1924,  sub  nom  Leptoglossis 
Texaiia  Gray),  bei  anderen  Arten  nicht,  dagegen  sehr  schön 
bei  Salpiglossis  simiata  R.  et  P.  (Cordillera  de  Chilan,  coli. 
Philippi),  wo  bei  einem  Exemplar  die  oberste  Partialinflores- 
zenz  erster  Ordnung  auf  etwa  die  halbe  Länge  des  Hypo- 
podiums  rekaulesziert,  die  zweitoberste  gar  nicht,  dagegen 
schon  deren  ß- Achselprodukt  (a  ist  steril).  Ähnliches  bei  anderen 
Arten,  so  5.  strammea  Hook.  (Poeppig,  Coli.  PI.  Chil.  prov. 
Concon)  und  5.  linifoJia  (Miers)  Wettst.  aus  der  Sierra  de 
Maracayü  (Hassler,  PL  Parag.  No  5589),  wo  sehr  steife, 
gerade  Wickelsympodien  mit  sehr  ausgesprochen  progressiver 
Rekauleszenz  zu  konstatieren  sind.  Auch  die  Arten  der  Gattung 
Schizmitlms  schließen  sich  hierin  an,  so  u.  a.  5.  alpestris  Poepp. 
(Antuco,  Südchile,  Original)  und  5.  candidns  Ldl.,  aus  der 
Wüste  Atacama,  leg.  Philippi,  ferner  die  Browallia- Axien,  so 
die  häufig  kultivierte  Br.  deniissa  L.,  dann  Schwetilzia  Mandoni 
Rusby  (Bang,  PI.  Bolivianae,  No  2097)  und  Streptosolen 
Jainesonii  Miers  aus  Peru  (kultiviert  in  La  Mortola). 

Das  untersuchte  Material  erstreckt  sich  auf  mehr  Gat- 
tungen und  vielmals  mehr  Arten  und  an  anderer  Stelle  hoffe 
ich  die  Mitteilungen  wesentlich  ergänzen  und  vor  allem  auch 
experimentell  behandelt  publizieren  zu  können. 


Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  KL;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I. 


ö2  R.  Wagner,  Morphologie  des  Tabaks. 

Zum  Schlüsse  ist  es  mir  eine  angenehme  Pflicht,  Herrn 
Prof.  Dr.  R.  v.  Wettstein,  der  mir  N.  panicnlata  und  N.  Langs- 
dorffii  sowie  die  Sammlungen  zur  Verfügung  stellte,  sowie 
Herrn  Kustos  Dr.  A.  Zahlb ruckner  für  die  Möglichkeit,  die 
Sammlungen  des  k.  k.  Naturhistorischen  Hofmuseums  zu 
benützen,  auch  an  dieser  Stelle  meinen  verbindlichsten  Dank 
auszusprechen. 


83 


Fragmente  zur  Mykologie 

(III.  xMitteilung,  Nr.  92  bis  155) 


Prof.  Dr.  Franz  v.  Höhnel, 

k.  M.  k.  Akad. 

(Mit  1  Tafel.) 
(Vorgelegt  in  der  Sitzung  am  7.  Februar  1907.) 

92.  Protodontia  uda  n.  gen.  et  sp. 

In  den  Donauauen  von  Langenschönbichl  bei  TuUn  in 
Niederösterreich  fand  ich  anfangs  Juni  1905  an  morschem 
Erlenholz  einen  Odofttia-'ähDlichen  Pilz  mit  gelatinösem  hya- 
linen Subiculum  und  durchscheinenden  Stacheln,  den  ich  prima 
vista  für  Oäontia  uda  Fr.  hielt,  der  sich  aber  bei  der  mikro- 
skopischen Untersuchung  als  eine  echte  Tremellacee  mit  ei- 
förmigen, übers  Kreuz  vierteiligen  Basidien  erwies.  Der  Pilz 
stellt  daher  eine  neue,  den  Gattungen  Protohydnum  und  Tre- 
meUodon  analoge  Tremellaceen-Gattung  dar,  die  ich  der 
Ähnlichkeit  mit  Odontia  wegen  Protodontia  nenne. 

Protodontia  ist  ganz  so  wie  Odontia  gebaut,  nur  daß  die 
(sowohl  in  den  Stacheln  als  auch  im  Subiculum  auftretenden) 
Basidien  echte  Treniell a-Ba.sidien  sind.  Überdies  ist  der  Pilz 
schwach  gelatinös.  Sporen  mit  grobkörnigem  Inhalt, 

Protodontia  uda  n.  sp. 

Pilz  resupinat,  fest  angewachsen,  unbegrenzt,  mit  hyalinem, 
sehr  dünnem,  gelatinösem,  glattem  Subiculum.  Stacheln  locker- 
stehend, kegelförmig,  spitz,  ohne  Cystiden,  etwas  durch- 
scheinend   und    gelatinös,    aus    dem   Hyalinen    gelblich    oder 

6* 


84 


F.  V.  Höhne  1, 


rötlichgelb,  ungeteilt  und  ohne  Wimpern,  200  bis  400  ja  lang, 
unten  50  bis  100  [i  breit.  Hyphen  sehr  zart,  undeutlich.  Basidien 
eingesenkt,  sowohl  in  den  Stacheln  wie  im  Subiculum  auftretend, 
eikugelig,  8  \i  breit,  übers  Kreuz  vierteilig.  Sporen  zartwandig,  breit 
elliptisch,  fast  eiförmig,  einseitig  etwas  flacher,  mit  grobkörnigem 
Inhalte,  unten  seitlich  mit  einem  Spitzchen,  6  bis  8  ^  4  bis  5  [x. 

An  morschem  Alntis-Uolz  in  den  Donauauen  bei  TuUn, 
Niederösterreich,  Juni  1905. 

Nach  Fries'  Beschreibung  in  Hym.  europ.,  p.  615,  wäre 
Odontia  uda  der  charakterisierten  Art  ähnlich.  Allein  Odontia 
tida  ist  nach  Bresadola  (Hym.  Kmetiani  in  Atti  Acad.  Agiati, 
Rovereto  1897,  p.  97)  und  seinen  Exemplaren  derselben  eine 
echte  Hydnee  und  keine  Protodontia.  Auch  von  der  Tremellinee 
Heterochaete  europaea  v.  H.  ist  der  Pilz  ganz  verschieden, 
obwohl  hier  einzelne  Basidien  in  die  das  Hymenium  beklei- 
denden Zotten  emporsteigen;  diese  Basidien  bleiben  aber  wie 
es  scheint,  stets  steril.  Jedenfalls  aber  stehen  sich  die  Gattungen 
Heterochaete  und  Protodontia  einander  nahe  und  ist  die  Auf- 
findung von  Übergangsformen  zwischen  beiden  zu  erwarten. 

93.  Helicobasidium  farinaceum  n.  sp. 

Lager  erst  fleckenartig,  dann  zu  ausgebreiteten  Überzügen 
zusammenfließend,  dünn,  fest  angewachsen,  gegen  den  Rand 
ganz  allmählich  verlaufend,  aus  dem  Weißlichen  cremefarbig, 
manchmal  mit  rosafarbigen  Stellen,  feinkörnig-mehlig.  Hyphen- 
gewebe  locker,  aus  unregelmäßig  verzweigten,  hyalinen,  dünn- 
bis  ziemlich  derbwandigen,  verworren  verflochtenen,  4  bis 
5  [X  breiten  Fäden  mit  spärlichen  Schnallen  bestehend;  nach 
oben  einfache  oder  büschelig  verzweigte,  paraphysenartige, 
locker  stehende  Äste  treibend.  Dazwischen  einzeln  stehende, 
50  bis  52  [j.  lange  und  8  bis  91/2  \^  breite,  meist  quer  vierteilige 
Basidien,  die  an  etwa  8  jx  langen Sterigmen  länglich  zylindrische, 
unten  mit  seitlichem  Ansatzspitzchen  versehene,  oben  abge- 
rundete, hyaline,  dünnhäutige,  mit  grobkörnigem  Inhalte  ver- 
sehene,   meist  16  bis  18:=;9  bis  91/3    [x  große  Sporen  bilden. 

An  einem  morschen  Rotbuchenast  im  großen  Steinbach- 
graben bei  Untertullnerbach  im  Wienerwalde,  März  1905. 


Fragmente  zur  Mj-kologie.  85 

Nachdem  der  Gattungsname  Helicohasidium  Pat.  1885 
älter  ist  als  Stypiudla  Schrot.  1887,  muß  er  gebraucht  werden, 
obwohl  der  letztere  besser  wäre. 

Der  beschriebene  Pilz  sieht  äußerHch  täuschend  ähnlich 
dem  Helicohasidinm  hypochnoideum  v.  H.  (Ann.  myc,  1905, 
p.  324,  als  Stypinella),  ist  davon  aber,  wie  die  mikroskopische 
Untersuchung  lehrt,  gänzlich  verschieden.  Die  Hyphen  der  neuen 
Art  sind  viel  dünner,  schnallentragend,  die  Basidien  und  Sporen 
viel  größer.  Ob  die  hie  und  da  zu  sehenden  schön  rosafarbigen 
Flecken,  welche  der  Pilz  stellenweise  zeigt,  für  denselben 
charakteristisch  sind,  ist  mir  noch  zweifelhaft. 

94.  Über  die  zu  Tomentella- Arten  gehörigen  Botrytis-Formen. 

Brefeld  (Unt.  a.  d.  G.  d.  Myko!.,  VIII.,  p.  9)  versteht  unter 
Tomentella  solche  HypocJinus- Arten,  d.  h.  Corticmm- Arten  mit 
locker  gebautem  (nicht  geschlossenem),  filzigem  Hymenium, 
welche  neben  der  Basidien  -  Fruktifikation  noch  Conidien- 
Stadien  aufweisen.  Allein  es  ist  wahrscheinlich,  daß  alle  Pilze 
Nebenfruchtformen  zeigen,  bei  sehr  vielen  sind  ja  mehrere 
solche  nachgewiesen  und  es  geht  sicher  nicht  an,  Gattungen 
auf  Grund  des  Fehlens  oder  Vorkommens  von  solchen  Neben- 
fruchtformen oder  auf  die  Art  und  Beschaffenheit  derselben  auf- 
zustellen. Ich  verstehe  unter  Tomentella  Corticieen  mit  lockerem 
Hymenium,  rauhen  oder  stacheligen,  meist  gefärbten  Sporen  und 
ohne  Cystiden.  Tomentella  in  diesem  Sinne  ist  gleich  Hypochnus 
im  Sinne  von  Karsten  und  Bresadola.  Der  Name  Tomen- 
tella(?ersoon,  1799)  ist  aber  der  ältere  und  muß  angewendet 
werden. 

Brefeld  hat  nun  bei  zwei  Corticieen,  die  er  Tomentella 
flava  und  Tomentella  granulata  nennt  und  als  neue  Arten  be- 
trachtet, Nebenfruchtformen  gefunden,  die  der  Form  nach  offen- 
bar zur  Formgattung  Botrytis  sect.  Phymatotrichum  gehören. 
Da  die  Maßangaben,  auf  die  es  bei  den  Basidiomyceten  ganz 
wesentlich  ankommt,  bei  B  r  e  f e  1  d,  soweit  mir  bekannt,  durchaus 
unbenutzbar  sind,  da  sie  sämtlich  in  einem  nicht  genau  bekannten 
Verhältnisse  zu  groß  sind,  so  wird  es  kaum  möglich  sein,  mit 
Sicherheit  festzustellen,  zu  welchen  Arten  die  von  ihm  über- 


86  F.  V.  Höhnel, 

dies  nicht  näher  beschriebenen  beiden  Formen  gehören,  wenn 
nicht  etwa  Originalexemplare  oder  Präparate  derselben  vor- 
handen sind. 

Indessen  gibt  Bresadola  (Ann.  myc,  L,  p.  106)  an,  daß 
Tomentella ßava  Bref.  :=  Hypochnus  isabellinus  Fr.  ist.  Hin- 
gegen ist  die  Zugehörigkeit  der  Tomentella  graimlata  Bref. 
ganz  dunkel.  Ebenso  ist  es  durchaus  unsicher,  ob  und  unter 
welchen  Namen  die  zugehörigen  Botrytis -Formen  bereits  be- 
schrieben sind.  Olsen  (bei  Brefeld  1.  c.)  meint,  daß  die  zur 
Tomentella  flava  Bref.  gehörige  Form  gleich  Botrytis  argillacea 
Cke.  (Grevillea  1874.  Taf.  48,  Fig.  6)  sei.  So  wahrscheinlich 
es  mir  nun,  nach  dem  Bilde  zu  urteilen,  ist,  daß  diese  Cooke'sche 
Art  zu  einem  lockeren  Corticium  gehört,  so  sicher  ist  es  auch, 
daß  sie  nicht  zu  Tomentella  flava  Bref.  gehören  kann,  weil  sie 
glatte,  eiförmige  Sporen  zeigt. 

Leider  sind  die  im  allgemeinen  sehr  charakteristischen 
Botrytis- Arten  fast  durchgängig  so  unzureichend  beschrieben 
und  abgebildet,  daß,  von  einzelnen  Arten  abgesehen,  eine  sichere 
Bestimmung  derselben  fast  ausgeschlossen  erscheint.  Wenn  dies 
nun  auch  nicht  von  besonderer  Wichtigkeit  erscheint,  so  halte 
ich  es  doch  für  notwendig,  daß  wenigstens  die  häufigeren  und 
auffallenderen  Formen  so  eingehend  beschrieben  werden,  daß 
sie  festgehalten  und  sicher  bestimmt  werden  können.  Aus  dieser 
Sachlage  erklärt  es  sich,  daß  selbst  ganz  gewöhnliche,  allver- 
breitete, höchst  konstante  und  typische  Formen  von  verschie- 
denen Autoren  verschieden  gedeutet  werden.  So  ist  beispiels- 
weise Botrytis  epigaea  bei  Lindau  (Rabenhorst,  Kryptog.  Fl., 
II.  Aufl.,  Hyphomyceten,  p.  299  c.  Ic.)  ein  ganz  anderer  Pilz  als 
der  von  Saccardo  (Syll.,  IV,  p.  136,  und  F.  ital,  Taf.  689)  und 
Bonorden  (Handbuch,  Fig.  161)  gemeinte. 

Im  Wienerwalde  ist  nun  nicht  selten  ein  gewiß  allgemein 
verbreiteter  ^o/'rj/^/s,  der  am  Boden  auf  vegetabilischen  Abfällen 
und  selbst  auf  Humuserde  wächst  und  durch  seine  schöne,  aus 
dem  Gelbrötlichen  ins  Fleischfarbene  und  Violette  übergehende 
Farbe  auffällt.  Es  ist  ein  Phyniatotrichtmi,  das  mikroskopisch' 
fast  völlig  den  Brefeld'schen  Bildern  in  Heft  VIII,  Taf.  I,  Fig.  11 
bis  14,  gleicht.  Er  hat  ebenfalls  rauhe,  kugelige  Sporen  (von 
etwa  4  bis  6  [i  Durchmesser)  und  unterscheidet  sich  dadurch 


Fragmente  zur  Mykologie.  87 

von  der  mikroskopisch  ähnlichen  Botrytis  epigaea  (sensu 
Saccardo),  die  glatte  Sporen  besitzt. 

Da  ich  an  dieser  Form  aus  dem  Wienerwalde  auch  vier- 
sporige Basidien  auffand,  so  leidet  es  keinen  Zweifel,  daß  sie 
auch  zu  einer  und  zwar  echten  Tomentella  gehört,  sehr  wahr- 
scheinlich zur  so  häufigen  T.fusca  (P.). 

Da  es  unmöglich  ist,  daß  diese  schöne  und  auffallende 
Form  bisher  übersehen  wurde,  entsteht  die  Frage,  zu  welcher  der 
vielen  Botrytis- Xxien  sie  nun  gehört.  Schließlich  fand  ich,  daß 
nur  wenige  Formen  hiebei  in  Betracht  kommen.  Es  sind  dies: 

1.  Botrytis  (Eiihotrytis)  carnea  Seh  um.  (Saccardo,  Syll., 
IV,  p.  119). 

2.B.(Eiih.)  isabellina  Preuss  (Linnaea,  1852,  Bd.  25  p.  75). 

3.  B.  (Eiih.)  fiilva  Lk.  (sensu  Saccardo,  Syll.,  IV,  p.  123, 
et  Bon or den). 

4.  B.  (Eub.J  brevior  (B.  et  Br.),  Ann.  of  Nat.  History,  1881, 
VII,  p.  131. 

5.  B.  dichotoma  Cda.,  Ic.  Fung.,  I,  p.  18,  Fig.  244. 

Diese  fünf  Formen  haben  rundliche,  rauhe  oder  stachelige 
Sporen  und  können  zu  Toment eil a- Arten  gehören.  Sie  werden 
in  der  Sylloge  fungorum  zu  Eubotrytis  gerechnet,  sind  aber 
gewiß  alle  Phymatotric/mjn-Ar[en.  Die  Botrytis- Arten  aus  den 
beiden  Sektionen  Polyactis  und  Phyuiatotriclmin  haben  die 
Eigentümlichkeit,  die  meist  sehr  zahlreichen  Sporen  sehr  rasch 
und  gleichzeitig  zu  bilden.  Die  Folge  davon  ist,  daß  das  ganze 
Protoplasma  der  sporentragenden  Zweige  auf  einmal  in  die 
Sporen  übertritt  und  die  dünnwandigen  Zweige  dann  alsbald 
verschrumpfen  und  obliterieren.  In  diesem  Zustande  ist  dann 
die  Art  der  Ansatzweise  der  Sporen  nicht  mehr  mit  Sicherheit 
festzustellen.  Da  man  nun  diese  zarten  Pilze  gewöhnlich  in 
diesem  obliterierten  Zustande  antrifft,  sind  die  Beschreibungen 
derselben  meist  unrichtig  und  daher  ihre  Klassifikation  falsch. 

Was  nun  die  erwähnte  Phymatotrichum-F orm  aus  dem 
Wienerwalde  anlangt,  so  habe  ich  mich  auf  einem  Umwege 
davon  überzeugt,  daß  sie  identisch  mit  Botrytis  carnea  Schu  m. 
im  Sinne  der  Sylloge  fungorum  ist,  trotz  der  sehr  abweichenden 
Beschreibung.  Saccardo  (Syll.,  IV,  p.  119)  beschreibt  von 
dieser  Art  die  var.  quercina,  welche  auf  faulen  Eichenblättern 


88 


F.  V.  Höhnel, 


von  J.  Therry  bei  Lyon  gefunden  und  in  den  Fungi  gallici 
Nr.  1867  (als  F.  foliicola)  ausgegeben  wurde.  Trotzdem  nun 
dieses  Originalexemplar  sehr  verdorben  und  schlecht  ist,  konnte 
ich  mich  doch  durch  Vergleich  desselben  überzeugen,  daß  es 
mit  dem  Wienerv^aldpilze  identisch  ist.  Da  der  Unterschied  der 
var.  qnercina  Sacc.  gegenüber  der  Normalart  nur  darin  besteht, 
daß  die  Sporen  um  1  bis  2  [j.  kleiner  sind,  die  Sporengröße  aber 
sehr  variabel  ist,  kann  diese  Varietät  ganz  gestrichen  werden. 
Der  auffallende  Pilz  ist  aber  noch  mehrfach  beschrieben 
worden.  Zunächst  zweifle  ich  nicht  daran,  daß  Botrytis  fiiJva 
Lk.  derselbe  Pilz  ist.  In  der  Tat  stimmen  die  zwei  Exsikkaten 
dieser  Art  (Fungi  gallici,  Nr.  1 161,  und  Saccardo,  Myc.  italica, 
Nr.  186)  damit  ganz  überein.  Auch  Bonorden's  Fig.  159  im 
Handbuch  stimmt  gut,  hingegen  nicht  oder  weniger  Tafel  696 
der  Fungi  italici. 

Ebenso  halte  ich  für  sicher,  daß  Botrytis  dichotoma  Cda. 
(Icon.,  I,  p.  18,  Fig.  244)  derselbe  Pilz  ist.  Cor  da 's  Figur  stimmt 
zwar  nicht  gut,  aber  sie  ist  sehr  schematisch  und  augen- 
scheinlich falsch.  Hingegen  ist  das  sogenannte  Exsikkat  in 
Fungi  longob.  Nr.  195  mit  B.  carnea  und  fulva  identisch. 

Wahrscheinlich  sind  noch  andere  Botrytis-Avten  damit 
identisch.  Vermutlich  ist  Botrytis  rosea  Lk.  derselbe  Pilz. 

Daraus  ergibt  sich,  daß  die  sehr  verbreitete  und  auffallende 
Botrytis-fPhymatotrichum-JForm,  die  aller  Wahrscheinlichkeit 
nach  zu  Tomentella  ßisca  (?)  gehört,  soweit  sich  dies  noch 
feststellen  läßt,  unter  drei  Namen  beschrieben  wurde,  nämlich 
Botrytis  carnea  Schum.  (1801  bis  1803),  B.  fulva  Lk.  (in 
Spec.  plant.  1824  bis  1825)  und  B.  dichotoma  Cda.  (1836). 
Die  Form  hat  demnach  B.  (Phymatotrickum)  carnea  Schum. 
zu  heißen. 

Ich  hielt  ihn  erst  jahrelang  für  eine  neue  Form,  da  ich  ihn 
aber  immer  wieder  fand,  mußte  ich  zur  Überzeugung  kommen, 
daß  er  schon  längst  beschrieben  sein  müsse.  Um  ihn  nun 
endlich  sicherzustellen,  gebe  ich  weiter  unten  eine  genaue 
Beschreibung. 

Was  die  zu  Tomentella  flava  Bref.  \_— Tomentella  isahel- 
lina  (Fr.)]  gehörige  Botrytis-Form  anlangt,  so  ist  dies  sehr 
wahrscheinlich  Botrytis  isabellina  Preuss.  trotz  der  offenbar 


Fragmente  zur  Mykologie. 


89 


falschen,  überreifen  Exemplaren  entnommenen  Beschreibung. 
Ebenso  dürfte  Tomentella  gramilata  Bref.  {—Hypoclimis  Bre- 
fehiii  Sacc,  Syll,  IX,  p.  243)  die,  wie  es  scheint,  bisher  weiter 
nicht  beachtete  Basidienform  von  der  so  häufigen  Botrytis 
epigaea  Lk.  sein. 

Botrytis  (Phymatotrichum)  carnea  Schu: 


[m. 


Syn.  Botrytis  fiilva  Lk. 

»        dichotoma  C  d  a. 

Rasen  meist  klein,  locker,  bis  1  bis  IVo  ^«"'  hoch,  mit 
traubig-buschig  vorspringenden  Sporenständen,  anfänglich 
weiß,  dann  gelblich,  rötlich  und  schließlich  schmutzig  violett. 
Hyphen  fast  farblos,  protoplasmareich,  zartwandig,  septiert,ohne 
Schnallen,  häufig  zu  mehreren  parallel  verwachsend,  Glieder 
etwa  50  bis  100  [j.  lang,  Querwände  sehr  zart.  Fruchthyphen 
steif  aufrecht,  8  bis  16,  meist  10  bis  12  jj.  breit,  oben  mehrfach 
sparrig-dichotomisch  verzweigt,  daselbst  ohne  Querwände, 
Zweige  stumpf,  6  bis  8  [x  breit,  zylindrisch,  der  ganzen  Länge 
nach  ringsum  gleichmäßig  mit  den  kugeligen,  rauhen,  sehr 
blaß  violetten,  zartwandigen,  4  bis  6  [i.  großen,  an  kurzen, 
dünnen  Stielen  sitzenden  Sporen  besetzt.  Häufig  entstehen 
durch  Verwachsung  mehrerer  Fruchthyphen  coremienartige 
Sporenstände. 

An  feuchten  Stellen  auf  Humus  und  morschen  Pflanzen- 
teilen beliebiger  Art,  auch  zwischen  Moos  etc.  in  Wäldern  häufig. 

95.  Über  Odontia  cristulata  Fr. 

Diese  Art  scheint  seit  Fries  nicht  wieder  gefunden  worden 
zu  sein.  Sie  ist  in  keinem  Exsikkatenwerke  ausgegeben.  Das  in 
der  Mycotheca  italica  Nr.  218  unter  diesem  Namen  befindliche 
Exemplar  ist  nicht  diese  Art,  sondern  wahrscheinlich  Odontia 
livida  Bres.  Ich  finde  den  Pilz  nur  in  Winter's  Werk,  hier 
aber  offenbar  nur  nach  Fries  angeführt,  und  in  Quelet, 
Flore  mycologique,  p.  434,  allein  Quelet  macht  auch  keine 
näheren  Angaben  und  betrachtet  0.  cristulata  als  eine  Sub- 
species  von  O.fwihriata  (P.),  mit  der  sie  jedoch  nach  Fries' 
Beschreibung  nichts  zu  tun  hat.  In  der  Tat  scheint  mir  ein 
von  Ouelet  gesammeltes  und  als  0.  cristulata  Fr.  bezeichnetes 


90  F.  V.  Höhne), 

Exemplar,  das  ich  der  Güte  des  Herrn  J.  Bresadola  verdanke, 
nur  eine  sporenlose,  schlecht  entwickelte  Altersform  von 
0.  fiinhriata  ohne  Hyphenstränge,  wie  dies  manchmal  vor- 
kommt, zu  sein.  Quelet's  Pilz  ist  fest  und  persistent,  was  für 
die  O.  cristiilata  nicht  gilt. 

Ich  fand  nun  im  August  1906  am  Sattelberge  bei  Preßbaum 
an  einem  morschen,  am  Boden  liegenden  Rotbuchenstamme 
eine  weitausgebreitete,  schön  blaßrosa  gefärbte,  von  O.fimhHata 
völlig  verschiedene  Odontia,  welche  ich  mit  Bresadolafür die 
echte  0.  cristiilata  Fr,  halte.  Fries'  Diagnose  stimmt,  wenn 
auch  nicht  vollkommen,  so  doch  ganz  genügend,  und  da  nach 
Bresadola  in  lit.  die  genannte  Art  im  Herbar  Fries  fehlt,  so 
wird  sich  nicht  mehr  mit  absoluter  Sicherheit  feststellen  lassen, 
was  0.  cristnlata  ist,  und  scheint  es  mir  unter  diesen  Um- 
ständen am  richtigsten  zu  sein,  die  von  mir  gefundene  Form 
als  die  echte  0.  cristnlata  Fr.  zu  betrachten.  Wenn  dies  nicht 
der  Fall  wäre,  ist  es  eine  neue,  von  allen  bekannten  Arten  auf- 
fallend verschiedene  Form,  die  am  nächsten  mit  Knciffia 
Setigera  Fr.  verwandt  ist.  K.  setigera  ist  eine  äußerst  variable 
Art,  deren  Hymenium  bald  ganz  glatt  ist,  und  dann  stellt  sie 
eine  echte  PeiiiopJiora  dar,  bald  aber  ganz  Odo!itia-a.rtig  ent- 
wickelt ist.  Das  Gewebe  der  K.  setigera  ist  jedoch  stets  fest 
und  persistent,  während  das  von  O.  cristnlata  im  frischen  Zu- 
stande weich  und  leicht  verwischbar  ist.  Auch  ist  K.  setigera 
niemals  rosa  gefärbt.  Wenn  sie  Odontia-a.\-i\g  entwickelt  ist, 
sieht  sie  der  O.  crustosa  P.  sehr  ähnlich  und  findet  man  sie 
daher  dann  auch  als  solche  manchmal  bestimmt. 

Obwohl  es  nun  keinem  Zweifel  unterliegt,  daß  der  von  mir 
gefundene  und  im  folgenden  als  0.  cristnlata  Fr.  beschriebene 
Pilz  von  K.  setigera  gänzlich  verschieden  ist,  ist  doch  höchst 
auffallend,  daß  beide  Pilze  mikroskopisch  einander  sehr  ähnlich 
sind,  so  daß  es  den  Anschein  hat,  als  wenn  der  erstere  nur 
eine  rosa  gefärbte  und  kleinersporige  Varietät  des  zweiten 
darstellte. 

Eine  auffallende  äußerliche  Ähnlichkeit  zeigt  0.  cristtitata 
mit  einem  in  meinem  Besitze  befindlichen  Originalexemplar 
von  O.  pannosa  Bres.  (Hym.  Kmet.,  p.  98).  Beide  sind  mit  der 
Lupe    voneinander   nicht   zu    unterscheiden.   Mein    Exemplar 


Fragmente  zur  Mykologie.  9 1 

der  j!7t7///zo5<:7  zeigt  genau  die  gleiche  Farbe.  Mikroskopisch  sind 
sie  jedoch  völHg  verschieden.  O.  pannosa  hat  meist  gebüschelte, 
schwach  inkrustierte  rauhe,  mäßig  dickwandige,  60  bis  120  [x 
lange  und  6  bis  8  [jl  breite  Cystiden  und  breitere,  mehr  ellip- 
tische (nicht  zylindrische)  Sporen. 

Am  Hymenium  sitzen,  weit  vorragend,  in  Wasser  unlös- 
liche, in  absolutem  Alkohol  sofort  verschwindende,  sehr  dünne, 
spitze,  lang  dreieckige  Kristalle  von  etwa  25  bis  30  [x  Höhe, 
wahrscheinlich  fettartiger  Natur.  Da  dieses  Originalexemplar 
von  Km  et  herrührt  und  dieser  seine  Pilze  sublimatisiert,  habe 
ich  mich  davon  überzeugt,  daß  diese  Kristalle  nicht  vom 
Sublimat  herrühren,  sie  sind  daher  für  diese  Art  charakteristisch. 
Brinkmann's  Exsikkat  (Westf.  Pilze  Nr.  90)  ist  mir  zweifelhaft. 

Odontia  cristulata  Fr. 

Pilz  weit  ausgebreitet,  dünn,  am  Rande  allmählich  ver- 
laufend und  feinkörnig-pruinat,  nicht  faserig,  blaßrosa,  am 
Rande  heller,  frisch  weichfleischig-häutig,  nicht  persistent,  mit 
dichtstehenden,  erst  kleinen  Wärzchen  bedeckt,  die  später  zu 
spitzen,  fast  samtig  aussehenden  Papillen  werden.  Cystiden 
an  der  Basis  der  Papillen  und  am  Subiculum,  zerstreut,  dünn- 
wandig, septiert,  an  den  Querwänden  oft  mit  Schnallen,  grob- 
körnig-kristallinisch inkrustiert,  90  bis  140  ij-  lang,  10  bis  12  [x 
breit.  Sporen  hyalin,  länglich-zylindrisch,  gerade  oder  etwas 
gekrümmt,  7  bis  1 1  ^^  3  bis  4  ]x.  Hyphen  zartwandig,  4  bis  6  [x 
breit,  mit  Schnallen. 

Bildet,  da  die  Sporen  auch  am  Subiculum  entstehen  und 
die  Papillen  klein  sind,  so  wie  Kneifßa  setigera  einen  Übergang 
von  Odontia  zu  Peniophora. 


96.  Über  die  sanguinolenten  Poria-Arten  Europas. 

Meines  Wissens  gibt  es  bei  uns  fünf  verschiedene  mehr 
weniger  deutlich  sanguinolente  Poria-Arten.  Es  sind  dies: 

1.  Poria  viridans  (Berk.  etBroome),  Ann.  nat.  bist.  1861, 
VII,  p.  379,  Nr.  937,  in  allen  Werken  falsch  unter  der  Nr.  347 
zitiert.  In  der  Originaldiagnose  ist  zwar  von  einer  Sanguinolenz 


92  F.  V.  Höhnel, 

des  Pilzes  nichts  zu  lesen,  es  heißt  nur,  daß  der  Pilz  anfänglich 
rein  weiß  ist  und  beim  Trocknen  blaßgrünlich  wird,  »with  a 
honey-like  tinge  in  parts«,  allein  nach  Bresadola  (Hym. 
Hung.  Kmetiani,  in  Atti  Accad.  di  Scienz.,  Rovereto,  1897,  Vol. 
III,  p.  83)  ist  der  Pilz  sanguinolent  und  hat  hyaline,  zylindrische, 
gekrümmte  Sporen,  4  bis  5^^1-5  bis  2  jj..  Nach  demselben 
Autor  ist  Physisporus  inconstans  Karst.  (Revue  myc,  9.  Bd., 
1887^  p.  10)  derselbe  Pilz.  Derselbe  scheint  bisher  nur  auf 
morschen  Laubhölzern  gefunden  worden  zu  sein  (Popuhis, 
Bcttila,  QnercusJ.  Der  von  Britzelmayr  (Eotan.  Zentralblatt, 
1896,  68.  Bd.,p.  142,  Abbild.  Polyporei,  Fig.  199)  als  Polyporiis 
viridans  aufgeführte  Pilz  scheint  äußerlich  dem  echten  viridans 
ähnlich  zu  sein,  hat  aber  8  ^  3  bis  4  [x  große  Sporen  und  ist 
daher  verschieden,  wofür  auch  der  Umstand  spricht,  daß 
Britzelmayr  von  einer  Sanguinolenz  des  Pilzes  nichts  sagt. 

2.  Poria  terrestris  (D.  C.)  non  Bres.  Wird  als  sehr 
zart,  fädig-spinnwebig  und  mit  sehr  kleinen  Poren  versehen 
beschrieben. 

Nach  Fries  und  Quelet  ist  es  eine  zweifelhafte  Form, 
die  kaum  selbständig  sein  dürfte.  Muß  noch  weiter  beobachtet 
werden.  Dieselbe  scheint  nur  am  Boden  (auf  Erde?)  aufzu- 
treten. Wenn  der  von  Britzelmayr  (Bot.  Zentralbl.,  1897, 
71.  Bd.,  p.  58)  als  P.  terrestris  Fr,  aufgeführte  Pilz  die  echte 
Form  ist,  dann  hat  der  Pilz  fast  kugelige,  5  bis  6  jx  große  Sporen. 
Allein  aus  seinen  Angaben  und  der  Fig.  225  geht  hervor,  daß 
es  sich  höchstwahrscheinlich  um  Poria  sangiiinolenta  (Alb.  et 
Schu'.  nee  Bres.)  handelt, 

3.  Poria  n.  sp.?  Eine  nur  auf  Nadelholz  vorkommende 
Form,  welche  nach  Bresadola  (Ann.  myc,  L,  p.  79)  gewöhnlich 
mit  Poria  violacea  Fr.  verwechselt  wird  und  zylindrische, 
6  bis  8  »  2  bis  2'^/^  jjl  große  Sporen  besitzt.  Diese  Art  wird 
von  Bresadola  für  die  echte  P.  sangninoletita  (Alb.  et  Schw.) 
erklärt,  ich  halte  sie  jedoch  für  eine  neue,  davon  ganz  ver- 
schiedene Art. 

4.  Poria  n.  sp.?  Eine  nur  auf  Laubholz  (Populus,  Fagus, 
Jtiglans)  auftretende,  der  vorigen  höchst  ähnliche  Art,  welche 


Fragmente  zur  Mykologie.  93 

jedoch  dicker  ist,  regelmäßigere  Poren  hat,  im  Alter  nicht  so 
dunkel  braunviolett  wie  die  vorige  wird  und  kleinere,  5  bis  6 
«  2  [JL  große,  zylindrisch  gekrümmte  Sporen  besitzt.  Sie  wurde 
von  Bresadola  ursprünglich  (Hym.  Kmet.,  p.  83)  wie  die  vorige 
für  P.  sanguinolenta  (Alb.  et  Schw.)  gehalten,  später  jedoch 
(Ann.  myc,  I.,  p.  79)  als  davon  verschieden  erkannt.  Beide  diese 
meiner  Meinung  nach  neuen  Arten  müssen  an  frischen  Exem- 
plaren weiter  studiert  werden.  Ich  halte  sie  beide  für  von  P.  san- 
guinolenta (Alb.  et  Schw.)  ganz  verschieden. 

Letztere  vierte  Art  ist  wahrscheinlich  derselbe  Pilz,  den 
Quelet  (Flore  mycol.,  1888,  p.  381)  als  P.  sanguinolenta  (Alb. 
et  Schw.)  aufführt,  mit  länglichen,  gekrümmten,  (3  [x  langen 
Sporen. 

5.  Poria  sanguinolenta  (Alb.  et  Schw.)  (Conspect.  Fung., 
p.  257)  ist  im  Gegensatze  zu  den  übrigen  sanguinolenten, 
schwierigen  Arten,  richtig  erkannt,  eine  höchst  charakteristische 
Form  mit  fast  kugeligen,  etwa  4  bis  6  [x  großen  Sporen  (Sporen- 
durchmesser nach  Bresadola  sub  P.  terrestris  4^/^  bis  6  (x; 
nach  P.  Hennings  5  bis  6  jji;   nach  Britzelmayr  4  bis  5  [x). 

Ob  die  beiden  von  Bresadola  (Ann.  myc.^  L,  p.  79)  als 
Poria  terrestris  (D.  C.)  und  Bv\ize\mQ.YV  oXs  Polyporus sangtii- 
nolentns  (Bot.  Zentralbl.,  1897,  71.  Bd.,  p.  58)  angeführten  Pilze 
mit  fast  eiförmigen  Sporen  von  5  bis  6  5=;  4  bis  4^/3  ja,  respektive 
5  bis  7  Ä  4  bis  6  [Ji,  Größe  hieher  gehören,  ist  mir  sehr  zweifel- 
haft, namentlich  was  den  zweiten  anlangt,  der  von  Britzel- 
mayr als  verschiedenfarbig  und  zähe  beschrieben  wird,  was 
bei  der  echten  Poria  sanguinolenta  nicht  zutrifft. 

Das  auffallendste  derP.  sanguinolenta  (Alb. et  Schw.)  ist  die 
Art  ihres  Wachstums.  Während  die  übrigen  Poria-Arten  ein 
mehr  weniger  deuüiches,  der  Unterlage  anliegendes  und  mit 
derselben  meist  fest  verwachsenes  Subiculum  besitzen,  auf 
dem  die  Poren  sich  ausbilden,  entsteht  bei  dieser  Art  der  Pilz- 
körper durch  seitliche  Verschmelzung  von  ursprünglich  ge- 
trennten, wenn  gut  entwickelt  kurz  gestielten,  verkehrt  kegel- 
förmigen, schneeweißen,  außen  feinseidigen  Hüten,  die  das 
Hymenium  auf  der  Oberseite  tragen.  Da  der  Pilz  sehr  weich 
ist,  ist  dies  jedoch  nur  an  ganz  frischen,  jungen   Exemplaren 


94  F.  V.  Höhnel, 

ZU  sehen.  Im  trockenen  Zustand  glaubt  man,  eine  gewöhnliche 
resupinate  Poria  vor  sich  zu  haben. 

Das  Zustandekommen  des  Pilzes  durch  Verschmelzen  von 
ursprünglich  getrennten  Teilen  wurde  schon  von  Albertini 
und  Schweinitz  beobachtet  und  beschrieben.  Sie  sahen  aber 
nicht,  daß  jeder  Teil  nur  mit  schmaler,  stielförmiger  Basis  auf- 
sitzt. Auch  Fries  kannte  diese  Tatsache,  wie  aus  seinen  Dia- 
gnosen hervorgeht  (Syst.  myc,  I,  p.  385,  und  Hym.  Europ., 
p.578),  nicht.  Hingegen  war  sie  Secretan  (Mycographie  suisse, 
11,  p.  505)  sehr  wohl  bekannt,  wie  seine  ausführliche  Beschrei- 
bung zeigt.  Merkwürdigerweise  hielt  er  aber  das  ihm  offenbar 
nicht  bekannte  Hydmim  (0.)  crisUilahmi  Fr.  für  eine  Alters- 
form seiner  Sistotrema  sangninolentnin  (Alb.  et  Schw.),  was 
natürlich  nicht  der  Fall  ist. 

Wenn  der  Pilz  älter  und  dicker  geworden  ist,  verrät  er 
seine  Entstehungsweise  nur  dadurch,  daß  er  der  Unterlage 
nicht  ganz  angewachsen  ist,  sondern  mit  ihr  nur  durch  ziemlich 
gleichmäßig  verteilte,  zahlreiche,  kleine  Anheftungsstellen  ver- 
bunden ist. 

Demnach  wäre  der  Pilz  gar  keine  echte  Poria,  sondern  ein 
aus  zahlreichen  kleinen  verwachsenen  Hüten  mit  oberseitigem 
Hymenium  bestehender  Polyporus,  der  nur  habituell  einer 
Poria  gleicht. 

Ich  halte  diesen  eigentümlichen  Pilz  für  den  von  Alber- 
tini und  Schweinitz  beschriebenen;  Bresadola  hingegen  er- 
klärt ihn  für  Poria  terrestris  (D.  C).  Aber  abgesehen  davon,  daß 
letztere  Art,  wie  schon  erwähnt,  zweifelhaft  ist,  stimmt  Fries^ 
Diagnose  derselben  gar  nicht  damit  überein.  Britzelmayr 
und  Hennings  halten  so  wie  ich  die  sanguinolente  Poria  mit 
den  kugeligen  Sporen  für  P.  sangninoJeiita  (Alb.  et  Schw.). 

97.  Mycena  atramentosa  (Kalchbr.)  v.  H.  (Lactipedes). 

Pilz  aus  dem  Weißlichen  graubräunlich,  rauchgrau,  schließ- 
lich bei  Berührung  und  Verletzung  sowie  im  Alter  spontan 
schwarz  werdend,  wässerig,  saftreich;  Milchsaft  fast  wasser- 
hell, dann  schwarz  werdend,  auf  Fließpapier  einen  schwarzen, 
rot  berandeten   Fleck   bildend.   Hut  und   Stiel   mit   einem   ver- 


Fragmente  z-ur  Mykologie.  •-'«^ 

gänglichen,  lockeren  Samtüberzug  aus  hyalinen,  kegeligen, 
stumpfen,  zarten,  bis  50  ^  16  [j.  großen  Haaren  bedeckt.  Hut 
meist  stumpfkegelig,  bis  30  mm  breit  und  bis  12  mm  hoch,  bis 
gegen  den  Rand  dünnfleischig,  meist  feingrubig  und  radial- 
runzelig, rauh.  Lamellen  anfänglich  weiß,  dann  schwarz  fleckig, 
schließlich  ganz  schwarz,  ziemlich  dicht  stehend,  dicklich,  breit 
angewachsen,  nicht  oder  wenig  ausgerandet  und  mit  Zahn 
herablaufend,  mit  Querstreifen  versehen,  am  Rande  mit  zer- 
streuten, stumpfkegeligen,  an  der  Basis  etwas  bauchigen,  bis 
40  ^  12  [Jt,  großen  Cystiden.  Sporen  eikugelig,  mit  vorgezogenem 
Spitzchen,  5  bis  6  ^  4  bis  5  [i.  Stiel  mit  weißfaserigem  Marke^ 
zähe,  etwas  rauh,  3  bis  4  mm  breit,  bis  60  mm  hoch,  nach  ab- 
wärts wenig  dicker,  an  der  Basis  schwach  weißfilzig. 

Einzeln  oder  in  kleinen  Büscheln  an  stark  vermorschten 
Weißtannenstöcken  am  Sauerbrunnleiten  bei  Rekawinkel  im 
Wienerwalde  und  im  Walde  bei  der  Station  Rekawinkel,  Juli 
und  August  1906. 

Eine  höchst  bemerkenswerte  Form,  die  in  allen  ihren 
Teilen  Milchsaftröhren  führt  und  besonders  am  Stiel  bei  Ver- 
letzung große  Tropfen  einer  schwach  opaleszierenden  Flüssig- 
keit, die  nach  kurzer  Zeit  tintenschwarz  wird,  austreten  läßt. 
Der  Pilz  hat,  obwohl  er  eine  zweifellose  Mycena  ist,  mit  keiner 
Art  dieser  Gattung  eine  nähere  Verwandtschaft.  Er  erinnert 
sehr  an  einzelne  schwarzwerdende  i^'^roeK^^^-Arten.  Mehrere 
Hygrocyhe- Arien  haben  ihre  nächstverwandten  Formen  in  der 
Gattung  Mycena.  So  ist  zweifellos  Hygrocyhe  nitrata  sehr  mit 
M.  alcalina,  welche  manchmal  sehr  dicke  Lamellen  hat,  ver- 
wandt. 

Derselbe  ist  zuerst  in  Ungarn  bei  Scepus  ebenfalls  im 
August  auf  morschem  Föhrenholz  gefunden  worden  und  von 
Kalchbrenner  (Ic.  sei.  hym.  Hungariae,  1875,  p.  15,  Tafel  6, 
Fig.  2)  als  Collyhia  beschrieben  und  abgebildet  worden.  Es  ist 
aber  eine  ausgesprochene  Mycena  aus  der  Sektion  Lactipedes, 
mit  charakteristischen  Cystiden,  wie  sie  bei  Collyhia  nicht  vor- 
kommen. Auch  die  Sporen  und  das  Wachstum  auf  Holz  deuten 
SiUiMycena  hin.  Jüngere  Hüte  sind  ganz  Mycena-iixWg  beschaffen, 
erst  wenn  sich  manchmal  der  Hut  im  Alter  sehr  ausbreitet,  er- 
innert der  Pilz  etwas  an  Collybia.  Bei  letzterer  Gattung  kommen 


96  F.  V.  Höhnel, 

keine  Milchsaft  führenden  Formen   vor,  ein   Umstand,  der  dem 
Pilz  auch  den  Platz  bei  Mycena  anweist. 

Der  Pilz  wird  auch  von  Quelet  (Fl.  mycol.  de  la  France, 
1888,  p.  234)  aus  dem  französischen  Jura  und  den  Vogesen  an- 
gegeben. Derselbe  unterscheidet  auch  eine  Subspecies  der- 
selben: Collyhia  nigrescens^  mit  10  [i  langen  Sporen. 

98.  Inocybe  pluteoides  n.  sp. 

Pilz  ganz  weiß,  mit  lebhaft  rosa  gefärbten,  dünnen,  freien 
Lamellen.  Hut  stumpflich,  aus  dem  Kegelförmigen  ausge- 
breitet, mit  schwachem  Umbo,  zirka  3  cm  breit,  radial-rimös, 
seidig-faserig.  Stiel  voll,  zylindrisch,  unten  etwas  keulig,  weiß 
seidenfaserig,  2  bis  3  cm  lang,  5  bis  6  mm  dick.  Fleisch  weiß, 
geruchlos.  Cystiden  auf  Schneide  oder  Fläche  sitzend,  sehr  ver- 
schieden gestaltet,  baid  eiförmig-kegelig-bauchig  bis  28  [x  breit, 
bald  zylindrisch-kegelförmig,  schmal  und  bis  60  [x  lang,  an  der 
Spitze  mit  einem  Krönchen  von  Kalkoxalat  versehen,  dünn- 
oder  derbwandig.  Sporen  fast  hyalin,  mit  einem  Stiche  ins  Gelb- 
liche, mandelförmig,  ungleichseitig,  oben  abgerundet,  mit 
kurzen,  seitlichen  Spitzchen,  10^5Y2  i^- 

Auf  Waldboden  im  Viehoferinwalde  bei  Preßbaum  im 
Wienerwalde,  Oktober  1906. 

Ist  eine  interessante  Übergangsform  zwischen  Inocybe  und 
PJiiteiis,  die  jedoch  nach  dem  Baue  der  Lamellen  zweifellos 
in  den  Formenkreis  von  Inocybe  gehört.  Habituell  sich  einer- 
seits sofort  als  eine  Inocybe  aus  der  Verwandtschaft  von 
/.  Trmü' Weinm.  verratende  Art,  die  aber  durch  die  rosa  ge- 
färbten Lamellen  und  die  fast  hyalinen  Sporen  den  Eindruck 
eines  Plutetis,  etwa  aus  der  Verwandtschaft  des  PI.  peUitus 
Fr.,  macht,  um  so  mehr  als  die  Lamellen  frei  sind.  Die  Cystiden 
sind  jedoch  ganz  typische  Iiiocybe-Cysiiden  und  unterscheidet 
sich  die  beschriebene  Form  von  einer  typischen  Inocybe  nur 
durch  die  fast  farblosen  Sporen,  die  nur,  wenn  sie  in  Haufen 
liegen,  einen  Stich  ins  Gelbliche  zeigen.  Auch  die  Sporenform 
stimmt  mit  der  der  glattsporigen  echten  Inocybe- Äxten  überein, 
während  die  Pluteus-Arten  meist  rundlich-eiförmige  Sporen 
haben.    Ohne  genauere  mikroskopische  Untersuchung  und  die 


Fragmente  zur  Mykologie.  97 

nötige  Formenkenntnis  bestimmt,  muß  die  beschriebene  Form 
{\X\-  PIntcns  pelUHis  Fv.  gehalten  worden  und  ist  bisher  wahr- 
scheinUch  mit  dieser  Art  konfundiert  worden.  Mit  der  Psathyra 
snbcernna  v.  H.  =  Nolanea  stibcernvia  Schulz,  r::  Clitopihis 
conissans  Peck.  =;=  Phitens  siihcermms  Bres.,  einer  sehr  blaß- 
violettsporigen,  //^orj'Zv^-Cystiden  besitzenden  Pra/^//d!-Form,  hat 
der  beschriebene  Pilz,  wie  der  direkte  Vergleich  zeigte,  nichts 
zu  tun. 

99.  Über  Pratella-Formen  mit  Inocybe-Cystiden. 

Daß  bei  violettsporigen  Agarici  auch  Oxalatdrusen 
tragende  hiocyb e-Cys\.\de,n  vorkommen,  wird  meines  Wissens 
nirgends  erwähnt. 

Ich  fand  bisher  vier  solche  Formen: 

1.  Psilocybe  sarcocephalus  Fr.  hat  sehr  blaßviolette,  8  bis 
12^5  bis  6  [j.  große,  elliptische,  einseitig  etwas  abgeflachte 
Sporen  und  auf  der  Schneide  sehr  zahlreiche,  oft  gebüschelte, 
auf  der  Lamellenfläche  zerstreute,  schmal  kegelförmige,  unten 
etwas  bauchige  und  dünnwandige,  oben  dickwandige,  bis  50  [x 
lange  und  unten  bis  20  [x  breite,  meist  eine  Oxalatdruse 
tragende,  ganz  typische  Inocyhe-CysWdQn. 

Eine  kleinere,  cäspitöse,  an  der  Basis  eines  Aescuhis- 
Stammes  im  Prater  bei  Wien  gewachsene,  zweifellos  hieher 
gehörige  Form  hatte  matte,  fast  feinsamtig -pruinate  Hüte, 
nur  6  bis  772  ^  3  bis  5  [x  große  Sporen  und  teils  etwa  16  [x  breite, 
glatte  oder  oben  rauhe,  rundlich  -  blasige,  teils  dünnwandige, 
keulig-kegelige,  oben  Kristallaggregate  tragende,  25  [i  lange 
Cystiden,  Man  ersieht  daraus,  wie  variabel  auch  die  mikro- 
skopischen Merkmale  sind.  Ähnliche  Variationen  zeigen  auch 
die  Iiiocybe-Avten. 

2.  Psathyra  spadiceo-grisea  (Schaff.).  Die  von  mir  dafür 
gehaltene  Form  hat  violettbraune,  durchscheinende,  6  bis  8  ^ 
3  bis  4  [i  große,  meist  elliptische  Sporen  und  sowohl  auf  der 
Schneide  wie  auf  der  Fläche  der  Lamellen  dünnwandige,  etwas 
ausgebauchte,  zylindrisch-kegelige,  40  bis  58  ^  10  bis  20  [x  große, 
drusentragende  Cystiden.  In  den  Donauauen  bei  TuUn  fand 
ich  eine  mikroskopisch  ganz  übereinstimmende,  auch  sonst  gut 
stimmende   Form   mit  einer  Hutfarbe  wie  Psathyrella  gracilis. 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  KL;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  7 


98  F.  V.  Höhnel, 

3.  Hypholoma  minutellum  n.  sp.  In  den  Donauauen 
(Prater,  Langenschönbichl  bei  Tulln)  ist  an  morschen  Weiden- 
und  Pappelstämmen  oder  scheinbar  am  Boden,  aber  stets  an 
Holzstückchen  sitzend,  nicht  selten  eine  kleine  Form,  welche 
der  Psathyra  tenuicola  Karst,  und  Psathyra  gyroßexa  Fr.  sehr 
ähnlich,  aber  sicher  davon  verschieden  ist,  die  ich  für  unbe- 
schrieben halte.  Sie  hat  ebenfalls  Inocyhe-CysiidQn. 

Hypholoma  minutellum  n.  sp. 

Pilz  einzeln  stehend,  in  kleinen  Herden.  Hut  häutig,  bis 
15  mm  breit  und  3  bis  4  mm  hoch,  flach  gewölbt,  ohne  Umbo, 
erst  gelbbräunlich,  in  der  Mitte  blässer,  am  Rande  weißlich,  bis 
gegen  die  Mitte  durchscheinend  gestreift,  mit  schmalen, 
flockigen,  weißlichen,  abfälligen  Schüppchen  locker  besetzt  und 
einzelnen  Schüppchen  am  Rande,  in  der  Mitte  kahl,  später  Hut 
kahl,  blaß  graubräunlich,  mit  Stich  ins  Rötliche,  etwas  atomat. 
Hutrand  stets  gerade.  Stiel  weiß,  durchscheinend,  1  bis  2  cm 
lang,  1  -2  bis  1  -6  mm  dick,  zylindrisch,  meist  etwas  gekrümmt, 
flockig-mehlig  bestäubt,  oben  schwach  gestreift,  an  der  Basis 
wenig  zwiebelig  verdickt  und  weißfilzig,  hohl,  etwas  brüchig. 
Lamellen  ziemlich  locker  stehend,  ziemlich  breit  abgerundet 
angewachsen,  in  der  Mitte  am  breitesten,  mäßig  breit,  segment- 
förmig,  aus  dem  Weißlichen  schmutzig  rötlichviolett,  später 
grauviolett;  Schneide  kaum  krenuliert,  dünn,  etwas  blässer,  mit 
zahlreichen,  ziemlich  dichtstehenden,  auf  der  Fläche  zerstreuten, 
dünnwandigen,  kurz-  und  breitbauchig-kegeligen,  meist  eine 
Oxalatdruse  tragenden,  20  bis  30  =;  12  bis  16  [x  großen  Cystiden. 
Sporen  durchscheinend  schmutzigviolett,  elliptisch,  stumpf, 
einseitig  etwas  abgeflacht,  meist  6  bis  7  -  3  bis  3Y2  [J" 

Der  Pilz  scheint  für  die  Auen  charakteristisch  zu  sein.  Im 
Wienerwalde  fand  ich  ihn  niemals.  Nach  der  möglichst  ge- 
nauen, mehreren  Funden  und  vielen  Exemplaren  entnommenen 
Beschreibung  ist  er  sicher  erkennbar.  Von  Psathyra  gyroßexa 
ist  er  schon  durch  den  nicht  kahlen  Stiel  und  die  Cystiden, 
welche  bei  gyroßexa  völlig  fehlen,  ganz  verschieden.  Wenn 
Karsten's  Beschreibung  von  Psathyra  tenuicula  (Acta  soc. 
scient.  fennicae,  XV,  p.  194,  Fig.  28),  die  in  Syll.  fung.,  V, 
p.  1063,   mangelhaft  wiedergegeben  ist,  richtig  ist,  so  ist  seine 


Fragmente  zur  Mykologie.  99 

Art  der  obigen  zwar  äußerlich  ähnlich,  wie  insbesondere  die 
Abbildung  zeigt,  aber  doch  verschieden.  Das  Gleiche  gilt  von 
Psathyra  neglecta  Mass.  Doch  sind  die  Beschreibungen  der 
Pratelli  schwierig  richtig  zu  machen  und  daher  oft  irreführend. 

Ich  zähle  den  Pilz  zu  Hypholoma,  weil  die  Cystiden  ganz 
so  wie  bei  den  mir  bekannten  Hypholoma- Arten  blasig  sind 
und  auch  auf  der  Lamellenfläche  vorkommen  und  der  junge 
eine  ganz  deutliche  Randloma  zeigt. 

Der  Pilz  wächst  nie  in  dichten  Rasen,  sondern  stets  einzeln 
in  lockeren  kleinen  Gruppen  oder  Herden,  am  nackten  Stamme 
oder  auch  zwischen  Moos. 

4.  Eine  vierte  hieher  gehörige  Form  ist  Agaricus  (Nolanea) 
subcernuus  Schulz,  (Verh.  Zool.  Bot.  Ges.  Wien,  1876, 
p.427),  ein  Pilz,  der  nach  Bresadola  in  lit.  identisch  ist  mit  dem 
später  beschriebenen  Clitopihis  conissans  Peck  (Saccardo, 
Syll.,  IX,  p.  86).  Bresadola  erachtet  diese  Form  für  einen 
Phiteus.  Allein  die  Untersuchung  eines  amerikanischen  Exem- 
plars, das  ich  seiner  Güte  verdanke,  zeigte  mir,  daß  es  sich  hier 
um  eine  Psathyra  mit  sehr  schwach  violett  gefärbten  Sporen 
handelt.  Einzeln  gesehen  erscheinen  die  Sporen  unter  dem 
Mikroskop  fast  hyalin,  in  dichten  Haufen  aber  sind  sie 
schmutzig  hellviolett  und  nicht  rosa  oder  roströtlich.  Es  ist 
sicher  eine  Psathyra,  womit  auch  die  Art  seines  Wachstums 
und   seine  äußeren  Eigenschaften  in  Übereinstimmung  stehen. 

Es  ist  eine  von  jenen  systematisch  schwierigen  Über- 
gangsformen mit  abweichender  Sporenfarbe,  die  von  den 
Autoren  sehr  verschieden  beurteilt  werden.  Zu  diesen  gehören 
z.  B.  Psilocyhe  squalens,  Psathyra  frusttilenta ,  Naticoria 
Cucumis,  Annularia  laevis,  Pleurotus  nidulans  etc. 

Die  Psathyra  subcernua  (Schulz.)  v.  H.  hat  längliche, 
allseitig  abgerundete,  einseitig  etwas  flachere,  6^/^  bis  8  5=;  3  bis 
3V2  l^  ^roße  Sporen  und  sowohl  auf  der  Schneide  wie  auf  der 
Fläche  der  Lamellen  zerstreut  stehende,  kurze,  dickbauchige, 
oben  im  kurzen  Fortsatze  bis  zum  Verschwinden  des  Lumens 
verdickte  und  eine  kleine  Kristalldruse  tragende,  26  bis  30  jj. 
lange  und  14  bis  20  [x  breite  Cystiden.  Diese  sind  also  von  sehr 
charakteristischer  Gestalt. 


7* 


100  F.  V.  Höhnel, 


100.  Meliola  longiseta  n.  sp. 


Myceliutn  blattunterseits,  oberflächlich,  sehr  zart  und  locker, 
1  an  breite,  rundliche,  unbegrenzte  Flecken  bildend.  Hyphen 
aus  dem  Dunkelvveinroten  dunkelbraun,  meist  wellig  oder  zick- 
zackförmig  verlaufend,  8  [x  dick.  Hyphopodien  abwechselnd, 
zwei-  oder  dreizellig,  kurz  kopfig-keulig,  28  -  12  [x,  obere  Zelle 
unregelmäßig  rundlich-eiförmig,  mit  mehreren  warzenförmigen, 
kurzen  Ausstülpungen  versehen.  Spitze  Hyphopodien  fehlend. 
Borsten  am  Mycel  zerstreut  und  zu  wenigen  die  Perithecien 
umgebend,  schwarz,  opak,  steif,  spitz  oder  stumpf,  einfach,  800 
bis  1000  [x  lang,  unten  16  [x,  oben  10  [x  dick.  Perithecien 
zerstreut,  kugelig,  von  den  stark  vorspringenden  Zellen  warzig- 
rauh, 200  jx  breit.  Asci  zwei-  bis  dreisporig,  eiförmig,  dünn- 
wandig, 50  ^  20  {X.  Sporen  aus  fünf  gleichlangen  Zellen  be- 
stehend, dunkelbraun,  elliptisch-länglich,  an  den  Querwänden 
etwas  eingeschnürt,  40  bis  44  ^  18  [x. 

Auf  der  Unterseite  der  Blätter  von  Psychotria  sp.  zarte, 
spinnwebige  Überzüge  bildend. 

Samoa-Inseln;  Tiavi  (Dr.  Rechinger). 

Eine  sehr  hübsche,  durch  die  anfangs  violettrote  Membran 
der  Hyphen,  die  mit  warzigen  Vorsprüngen  versehenen  Hypho- 
podien und  die  dicken,  steifen,  bis  über  1  mm  langen  Borsten 
sowie  die  sehr  lockere  Anordnung  der  Hyphen  sehr  charak- 
teristische Art. 

101.  Limacinia  spinigera  n.  sp. 

Mycelium  einen  meist  dünnen,  grauschvvarzen,  häutigen, 
fest  anliegenden,  weit  ausgebreiteten,  allmählich  verlaufenden 
Überzug  bildend,  aus  dünnwandigen,  meist  gerade  verlaufenden, 
braunen,  mit  großen  Öltröpfchen  versehenen,  4  bis"  6  [x  breiten, 
stark  verzweigten  Hyphen  bestehend,  die  mit  zahlreichen 
stachelförmigen,  meist  Triposporium-eLYÜg  zu  drei  verbundenen, 
meist  vier-  bis  fünfzelligen,  braunen,  spitzen,  30^6[x  großen, 
seltener  bis  80  [j.  langen  Fortsätzen  besetzt  sind.  Pycniden  lang 
zylindrisch,  bis  20  jx  dick,  oberhalb  der  Mitte  spindelförmig  bis 
35  [X  verbreitert,   kleine,   einzellige,   längliche  oder  zylindrische 


Fragmente  zur  Mykologie.  1^1 

Conidien  entleerend.  Perithecien  mit  rundlichem,  zuletzt  bis 
60  (J.  weit  geöffnetem  Ostiolum,  aufrecht  eiförmig,  dünn-braun- 
häutig, 80  bis  140  [X  breit,  ringsum  mit  braunen,  stumpfen,  an 
der  Spitze  blassen,  septierten,  steifen,  meist  50  bis  60  «  6  [j. 
großen,  seltener  bis  80  [x  langen  Borsten  besetzt.  Asci  derb- 
wandig,  dickkeulig,  40  bis  60  ^  14  bis  20  [x,  achtsporig.  Sporen 
zwei-  bis  dreireihig,  hyalin,  drei-  bis  vierzellig,  an  den  Quer- 
wänden nicht  eingeschnürt,  zartwandig,  gegen  beide  stumpf- 
liche Enden  etwas  verschmälert,  länglich- elliptisch,  15  bis 
20  ^  5  bis  6  [x. 

An  lebenden  Blättern  von  Stcrcnlea  poptihiea.  Samoa- 
Inseln  (Dr.  Rechinger). 

Ist  von  den  wenigen  Capnodimn-  und  Lima  ein  in -Arien  mit 
Triposporiiim-öhnWchen  Hyphenanhängseln  völlig  verschieden. 

102.  Limacinula  samoensis  n.  sp. 

Hyphenfilz  dick,  leicht  ablösbar,  w^eit  ausgebreitet,   braun- 
schwarz, schwammig;  Basalhyphen  dünnwandig,  glatt,  SVa  bis 
5  {j.  breit,  dicht  verzweigt.  Haupthyphen  ziemlich  steif,  sehr  fein- 
körnig rauh,    derbwandig,    wenig  verzweigt,    7  bis   9  [x  breit, 
septiert,  Glieder  12  bis  19  [i  lang,  Querwände  sehr  dünn.  Obere 
Filzschichte  Antemiaria-Q.\-t\g  entwickelt,  aus  stark  verzweigten, 
dunkelbraunen,  torulösen,  8  bis  16  \^.  breiten  Ketten  von  rund- 
lich-tonnenförmigen,  glatten,  8  bis  16  [j.  langen  und  breiten,  fest 
zusammenhaftenden   Gliedern    bestehend.    Perithecien  an  den 
dünneren,  Antennaria-ive\er\  Stellen  des  Filzes  zerstreut  sitzend, 
rundlich-warzenförmig,  260  [x  breit,  oben   genabelt  einsinkend, 
schwarz,  kahl,  an  der  Basis  mit  kriechenden  Hyphen.  Asci  zahl- 
reich, dickkeulig,  zirka  110-=^24[j,,  durch  Verquellung  bald  sehr 
dickwandig    werdend.     Paraphysen    fehlend    oder    ganz    ver- 
schleimend.   Sporen  zu  acht,  zweireihig,  sehr  verschieden  ge- 
staltet,   meist    länglich    und   nach   beiden   Enden    etwas    ver- 
schmälert,  stumpfendig,  meist  mit  fünf  bis  sechs  Querwänden 
und   ein   bis  zwei  unterbrochenen  Längswänden,  lange  hyahn 
bleibend,  zuletzt  blaß  durchscheinend  bräunlich,  28  bis  36  =^  9 
bis  14  \i.. 

Auf  einem  ledrigen  Blatt. 


102  F.  V.  Höhnel, 

Samoa-Inseln:  Savoi  bei  Matondu  (Dr.  Rechinger).  An 
den  dünnen  Zweigen  sind  die  Zellen  der  Antennaria-Fovm, 
besonders  an  sterilen  Stellen,  meist  feinwarzig  rauh. 

103.  Micropeltis  Rechingeri  n.  sp. 

Perithecien  epiphyll,  zerstreut,  matt  braunschwarz,  flach- 
schildförmig, mit  rundlichem  Ostiolum,  später  sternförmig  auf- 
reißend, aus  zirka  4  jx  breiten,  polygonalen  oder  etwas  läng- 
lichen, oft  gewundenen  Zellen  aufgebaut,  am  Rande  allmählich 
in  einen  zarten,  hyalinen,  fast  strukturlosen,  40  bis  50  [x  breiten 
Saum  übergehend,  280  bis  300  [x  breit.  Paraphysen  zahlreich, 
fädig,  verschleimend.  Asci  achtsporig,  keulig,  sitzend,  32  bis 
44  -  10  bis  11  ]}/,  Sporen  zwei-  bis  dreireihig,  hyalin,  vierzellig, 
nicht  eingeschnürt,  länglich  oder  länglich-keulig,  beiderseitig 
abgerundet,  zartwandig,  13  bis  18  «  3  bis  4  [x. 

Auf  einem  Blatte  (Spiraeanthemtmi?). 

Samoa-Inseln,  Utumapu  (Dr.  Rechinger). 

Mit  Micropeltis  leucoptera  Penz.  et  Sacc.  und  M.  aJho- 
marginata  Speg.  verwandt,  doch  gut  verschieden.  Auf  dem- 
selben Blatte  wächst  auch  eine  schöne  Placosphaeria  mit  einer 
unreifen  Phyllackora,  die  unbeschrieben  bleiben  müssen,  da  die 
Bestimmung  der  Nährpflanze  sehr  zweifelhaft  ist. 

104.  Sphaeroderma  hypomyces  v.  H.  n.  sp. 

Subiculum  spinnwebig,  zart,  verschwindend.  Perithecien 
kugelig,  frei  oder  mit  der  etwas  kurzkegelig  vorgezogenen 
Basis  haftend,  ohne  Ostiolum  und  Mündungspapille,  zerstreut 
oder  gehäuft,  blaß  ockergelblich,  später  blaß  bräunlich,  der 
schwarze  Nucleus  durchscheinend,  400  bis  550  [x  breit,  außen 
kahl,  glatt  oder  mit  vereinzelten  dünnwandigen,  hyalinen,  bis 
50  5=;  2  bis  4  [X  großen  Härchen  versehen.  Perithecienmembran 
ziemlich  dick,  fleischig,  aus  gelblichen,  bis  25  [x  breiten  Paren- 
chymzellen  aufgebaut.  Paraphysen  fehlen,  Asci  eine  relativ 
kleine  kugelige  Rosette  bildend,  zartwandig,  dickkeulig,  unten 
in  einen  kurzen,  breiten  Stiel  verschmälert,  achtsporig,  80^  16 
bis  20  [X.  Sporen  zweireihig  bis  geballt,  durchscheinend  grau- 
schwarz, mit  vielen  Öltröpfchen,  häufig  etwas  längsfaltig,  ein- 


Fragmente  zur  Mykologie.  1^«^ 

zellig,  an  den  Enden  quer  abgestutzt,  spindelförmig,  auf  der 
Bauchseite  etwas  flacher,  20  bis  21  ^  8  ^  7  [x  groß. 

Vornehmlich  an  den  Lamellen  von  Lactarius  pargamemis 
schmarotzend.  August  1906  am  Sattelberge  bei  Preßbaum  im 
Wienerwalde. 

Das  spinnwebige  Subiculum  rührt  vielleicht,  wenigstens 
teilweise,  von  dem  Conidienstadium  eines  Hypomyces  her, 
könnte  aber  auch  autonom  sein.  Die  darauf  gebildeten  Conidien 
sind  einzellig,  länglich  stäbchenförmig,  6  bis  8  -  T  6  bis  3  [x  groß. 

105.  Sphaeroderma  epimyces  v.  H.  n.  sp. 

Perithecien  gesellig, kugelig,  ohne  OstiolumundMündungs- 
papille,  erst  gelblich,  später  mehr  schmutzig  bräunlich  mit 
durchscheinendem  schwarzen  Nucleus,  etwa  310  {j.  breit,  an- 
fänglich mehr  weniger  eingesenkt,  dann  oberflächhch,  fast  frei. 
Perithecienmembran  aus  gelben,  großen  Parenchymzellen  auf- 
gebaut, ziemlich  dick,  fleischig.  Paraphysen  fehlend.  Asci  zu 
einer  kugelförmigen  Rosette  radiär  angeordnet,  achtsporig, 
ei-birnförmig,  keulig,  zartwandig,  oben  breit  abgerundet,  unten 
in  einen  kurzen  dicken  Stiel  rasch  verschmälert,  80  bis  92  ^  28 
bis  32  [j..  Sporen  geballt,  einzellig,  breit  zitronenförmig,  etwas 
flachgedrückt,  im  Querschnitte  elliptisch,  aus  dem  Blaßviolett- 
grauen oder  Dunkelolivengrünen  schließlich  opak  schwarz,  an 
beiden  Enden  mit  kurz  zylindrischem,  quer  abgestutztem  Fort- 
satze, häufig  etwas  kantig,  fast  sechseckig,  mit  zahlreichen 
Öltröpfchen,  24  bis  28  -  13  bis  18^11  bis  12  [x  groß. 

Auf  dem  Stroma  von  Hypomyces  ochraceus  (P.)  schma- 
rotzend. Im  August  1906  Sauerbrunnleiten  bei  Rekawinkel  und 
Sattelberg  bei  Preßbaum  im  Wienerwald. 

Wenn  die  Stromata  des  Hypomyces  stark  befallen  sind, 
bleiben  sie  steril.  Die  Sporen  sind  der  Anlage  nach  stets  zu  acht 
im  Ascus,  doch  kommen  nicht  immer  alle  zur  Reife.  Von 
der  Schmalseite  gesehen,  zeigen  die  Sporen  in  der  Mitte  einen 
ziemlich  breiten  blasseren  Längsstreifen,  als  wenn  die  Mem- 
bran aus  zwei  Längshälften  bestehen  würde.  Die  Farbe  der 
jüngeren  Sporen  ist  verschieden,  bald  ins  Violette,  Tintenblaue 
oder  Olivengrüne  ziehend. 


104  F.  V.  Höhnel, 

Die  Art  ist  jedenfalls  mit  Spkaeroderma  episphaerium 
(Ph.  et  PL)  nahe  verwandt,  die  auf  Hypomyces  terrestris  in 
England  und  Frankreich  gefunden  wurde.  Doch  werden  hier 
die  Perithecien  als  anfänglich  hyalin  beschrieben  und  sind  die 
Sporen  länger  und,  was  entscheidender  ist,  zweifellos  relativ 
wesentlich  schmäler. 

106.  Über  Rosellinia  Niesslii  Auersw. 

Von  dieser,  wie  es  scheint,  seltenen  Art  wird  von  Niessl 
(Beiträge  zur  Kenntnis  der  Pilze,  Brunn,  1872,  p.  35)  und  nach 
ihm  in  den  Handbüchern  angegeben,  daß  die  Perithecien  ober- 
flächlich entstehen.  Dies  ist  auch  tatsächlich  oft  der  Fall.  Man 
findet  sie  so  nicht  nur  an  der  natürlichen  Außenseite  des  Holz- 
körpers, sondern  auch  an  Bruch-  und  Spaltstellen  desselben, 
ja  sogar  am  Marke  der  Zweige  aufsitzen.  Allein  dies  kommt 
auch  bei  anderen  normalerweise  eingesenkt-hervorbrechend 
wachsenden  Pyrenomyceten  vor,  z.  B.  gerade  auch  bei  der  auf 
demselben  Substrate  —  Berberis-Zweige  —  so  häufigen 
Cucurhitaria  Berheridis.  Wenn  von  solchen  Pilzen  befallene 
Zweige  längere  Zeit  bei  genügender  Feuchtigkeit  am  Boden 
liegen,  erhält  sich  der  normalerweise  sonst  absterbende  Pilz 
am  Leben,  wächst  weiter  und  bricht  dann,  Perithecien  bildend, 
oft  am  nackten  Holze  oder  Marke  hervor,  wo  er  dann  ganz  ober- 
flächlich erscheint.  Tatsächlich  sind  aber  solche  Pilze  doch 
normalerweise  eingewachsen. 

Dasselbe  ist  nun  auch  hei  Rosellinia  Niesslii  Auersw.  der 
Fall.  An  einem  instruktiven,  bei  Seitenstetten  in  Niederöster- 
reich gesammelten  Exemplare  dieser  Art  konnte  mit  Sicherheit 
festgestellt  werden,  daß  der  Pilz  kein  Saprophyt  ist,  wie  nach 
den  bisherigen  Angaben  wohl  anzunehmen  war,  sondern  ein 
Parasit,  der  sich  normal  unter  dem  Periderm  der  Zweige  ent- 
wickelt und,  wenn  dieses  festhaftet,  durch  Spalten  in  demselben 
hervorbricht.  Bekanntlich  wird  aber  bei  Berberis  das  tief  in  der 
Rinde  entstehende  Periderm  leicht  und  frühzeitig  abgeworfen; 
dies  ist  ganz  besonders  dann  der  Fall,  wenn  der  Zweig  von 
einem  Schmarotzerpilze  befallen  ist.  Nach  Abfall  des  Periderms 
erscheinen  dann  die  Perithecien  oberflächlich,  während  sie 
tatsächlich  eingewachsen-hervorbrechend  sind. 


Fragmente  zur  Mykologie.  lOo 

Daraus  geht  aber  mit  Sicherheit  hervor,  daß  der  Pilz  nicht 
in  die  Gattung  RoselUnia  gehört,  zu  welcher  er  bisher  ganz 
allgemein  gestellt  wurde. 

Schwieriger  ist  die  Frage  zu  beantworten,  wohin  er  eigent- 
lich im  System  der  Pyrenomyceten  zu  stellen  ist.  Da  sind  es 
nun  drei  Eigenschaften  desselben,  die  in  Berücksichtigung 
gezogen  werden  müssen.  Erstens:  An  der  Basis  der  Perithecien 
befindet  sich  ein  mehr  weniger  deutliches  Basalstroma.  Zweitens: 
Die  Perithecienmembran  ist  fast  fleischig  und  ursprünglich 
lebhaft  kirschrot,  sie  wird  erst  später  rotbraun  oder  dunkler. 
Drittens:  Besonders  an  der  Mündung  finden  sich  zahlreiche 
kurze,  steife,  schwarzbraune  Borsten. 

Da  der  Pilz  infolge  seiner  anfänglich  roten,  fast  fleischi- 
gen Perithecien  offenbar  eine  Art  Mittelstellung  zwischen  den 
Hypocreaceen  und  Sphaeriaceen  einnimmt,  so  müssen  seine 
nächst  verwandten  Gattungen  in  beiden  diesen  Abteilungen 
gesucht  werden.  Unter  den  Hypocreaceen  ist  er  offenbar  am 
nächsten  mit  Sphaeroderma  verwandt,  eine  Gattung,  von  der 
er  sich  nur  durch  die  ursprünglich  eingewachsenen  Perithecien 
unterscheidet,  während  unter  den  Sphaeriaceen  die  beiden 
Gattungen  AnthostomeUa  und  Anfhostoma  in  Betracht  kommen. 
Von  beiden  unterscheidet  er  sich  aber  durch  die  Beborstung 
der  Perithecien.  Als  Anthostoma  kann  er  überdies  nicht  wohl 
aufgefaßt  werden,  da  das  Stroma  doch  zu  undeutlich  und  nur 
als  Basalstroma  entwickelt  ist.  Alles  ins  Auge  gefaßt,  ist  Sor- 
daria  Niesslii  doch  am  nächsten  mit  Sphaeroderma  verwandt, 
wo  auch  beborstete  Arten  vorkommen  und  deren  Perithecien- 
membran häufig  nichts  weniger  als  typisch  hypocreaceenartig 
entwickelt  ist.  Da  aber  sämtliche  Sphaeroderma-Arten  ganz 
oberflächliche  Perithecien  besitzen,  kann  er  nicht  in  diese 
Gattung  gestellt  werden  und  wird  daher  am  besten  in  eine 
neue  zu  versetzen  sein,  für  die  ich  den  Namen  Sphaerodermella 
in  Vorschlag  bringe. 

Der    Pilz      wird      demnach      Sphaerodermella     Niesslii 
(Auersw.)  v.  H.  zu  nennen  sein. 

Sphaerodermella  unterscheidet  sich  von  Sphaeroderma 
wesentlich  nur  durch  die  ursprünglich  normalerweise  ganz 
einsrewachsenen  Perithecien. 


106  F.  V.  Hühnel, 

107.  Über  Nectria  cosmariospora  Ces.  et  de  Not. 

Nectria  cosmariospora  Ces.  et  de  Not.  ist  im  Wienerwalde 
in  der  Gegend  des  Großen  Stiefelberges  häufig.  Der  Pilz  wächst 
nur  auf  Polyportis  radiattis  (Sow.),  wenn  dieser  ganz  alt 
gew^orden  ist.  Die  Angaben,. daß  A^.  cosmariospora  auf  P.  obli- 
quus  und  P.  femiginens  wächst,  sind  falsch.  P.  obliqtms  P.  in 
Schröter  (Pilze  Schlesiens,  I,  p.  489)  ist  nichts  als  die  Alters- 
form von  P.  radiattis  (Sow.)  var.  iiodulosus  (Fr.)  Bres. 
(Hym.  Kmet.  in  Atti  Accad.  scienz.  etc.  Rovereto,  1897,  p.  72), 
welche  von  Rostkow  als  P.  polymorphes  beschrieben  wurde. 
Schröter's  Angabe  (1.  c,  II,  p.  256),  daß  A^.  cosmariospora  auf 
P.  (Phaeoporus)  ohliqims  P.  wächst,  bezieht  sich  daher  auf 
P.  radiattis.  Die  drei  Formen  P.  radiattis  (Sow.),  P.  nodtüosus 
Fr.  und P. polyinorphtis  Ro  s  tk.  sind  genau  der  gleiche  Pilz  und 
können  diese  drei  Arten  nicht  einmal  als  Varietäten  desselben 
Pilzes  gelten,  da  ich  sie  alle  drei  am  selben  Stamme,  also  aus 
dem  gleichen  Mycelium  entstanden,  mit  allen  Übergängen 
gleichzeitig  fand.  Die  von  mir  eingesehenen  Exsikkaten  von  A^. 
cosmariospora  zeigen  alle  als  Unterlage  die  Altersform  von 
P.  radiattis.  So  Fuckel  (F. rhen.,  Nr. 2355)  angeblich  aufP./fr- 
rugittetis {Symh.  mycol.,p.  179);  Rabenhorst  (F.  europ.,Nr. 459) 
als  Cosmospora  coccittea  Ra.bh.  »in  lignis  putridis«  (auch  hier 
sind  Reste  des  P.  radiattis  zu  sehen);  Fungigalliciexsic.Nr.2755, 
angeblich  auf  P.ferrtiginevis;  Krieger,  F.  saxonici  Nr.  1858 
(richtig!);  hingegen  ist  Sydow,  Myc.  marchica  Nr.  2415, 
N.  episphaeria  auf  einem  alten  Stroma.  Danach  sind  die 
Angaben  in  der  Literatur  richtigzustellen. 

108.  Nectria  modesta  n.  sp. 

Perithecien  oberflächlich,  vereinzelt  oder  in  kleinen  Gruppen, 
ei-birnförmig,  170  bis  250  [x  breit,  240  bis  400  [x  hoch, 
schmutzig  bräunlichgelb,  mit  brauner,  stark  entwickelter, 
abgerundet  stumpfer,  bis  200  [x  hoher  und  140  [x  breiter  Mün- 
dungspapille.  Gewebe  unten  undeutlich  kleinzellig,  faserig- 
plectenchymatisch,  Halsteil  aus  deutlichen  quergestreckten, 
etwa  12  [X  langen  Parenchymzellen  aufgebaut;  an  der  Basis 
mit  gelblichen,    3   bis   4  [x  breiten   Hyphen,  weiter    oben    mit 


Fragmente  zur  Mykologie.  107 

vereinzelten  haarähnlichen  Hyphenenden;  Hals  kahl,  Para- 
physen  zahlreich,  dünnfädig,  lang;  Asci  dünnwandig,  zylin- 
drisch oder  etwas  keulig,  90  bis  100  s=- 6  bis  8  [j.,  achtsporig. 
Sporen  1-  bis  l'^/^  i'Qihig,  seltener  zweireihig,  zweizeilig, 
kaum  eingeschnürt,  länglich,  beidendig  abgerundet,  ganz  aus- 
gereift feinkörnig-rauh,  durchscheinend  violettbraun,  mit  zwei 
Öltröpfchen,  9  bis  12  ^i?  4  bis  5  [x. 

Am  noch  harten  Holz  eines  Birkenstumpfes  am  Sattelberge 
bei  Preßbaum  und  auf  morschem  Weißbuchenholz  am  Sag- 
berge bei  Untertullnerbach  im  Wienerwald,  August  1906. 

Ist,  die  vorhandenen  Beschreibungen  als  richtig  voraus- 
gesetzt, zweifellos  eine  neue  Form.  Durch  die  im  gut  ausge- 
reiften Zustande  sehr  rauhen,  violettbraunen  Sporen  gehört  sie 
in  die  Sektion  Cosmospora,  während  ihr  die  an  der  Basis  der 
Perithecien  befindlichen  Hyphen,  die  aber  kein  deutliches 
Subiculum  bilden,  einen  Platz  bei  der  Sektion  Hyphotteclria 
anweisen  würden. 

109.  Calonectria  olivacea  n.  sp. 

Perithecien  halb-  oder  zu  zwei  Drittel  eingesenkt,  in  dichten 
Herden,  einzelnstehend  oder  zu  zwei  bis  drei  verwachsen,  kugelig 
oder  ei-birnförmig,  mit  kegeliger,  30  bis  50  [x  weit  geöffneter 
Mündungspapille,  bis  280  [j.  breit,  dünnhäutig.  Membran 
undeutlich  kleinzellig,  blaß  oliv^engrün,  um  das  Ostiolum 
schwärzlich  olivengrün  mit  Stich  ins  Blaue.  Paraphysen  zahl- 
reich, dünnfädig.  Asci  keulig,  dünnwandig,  unten  kurz  stielartig 
verschmälert,  80  bis  100  ^  8  bis  9  jx,  achtsporig,  Sporen  zwei- 
reihig, hyalin,  länglich-elliptisch,  beidendig  verschmälert  und 
abgerundet,  mit  vier  großen  Öltröpfchen,  zuletzt  vierzellig,  an 
den  Querwänden  nicht  eingeschnürt,  dünnwandig,  12  bis  16  ^^ 
3  bis  4  [A.  Jod  gibt  keine  Blaufärbung. 

An  stark  vermorschtem  Fagus-HoXz.  Sauerbrunnleiten  bei 
Rekawinkel  im  Wienerwalde,  August  1906. 

Eine  bemerkenswerte  Zwischenform  zweifelhafter  Stellung. 
Mit  Odontotrema  hat  der  Pilz  nichts  zu  tun.  Von  Calonectria 
unterscheidet  er  sich  durch  die  Färbung  und  das  weite,  kegelige 
Ostiolum,  von  Metasphaeria  durch  die  blasse  Färbung  der 
Perithecienmembran     und    das    halb    eingesenkte    Wachstum. 


108  F.  V.  Höhnel, 

Ebenso  von  Zignoella.  AXsWinterina  kann  er  auch  nicht  klassi- 
fiziert werden,  da  die  \V.  tiiberculifera  ganz  oberflächliche 
Perithecien  besitzt  und  den  Bau  der  Ascusschichte  wie 
Gnomoiiia  und  Diaporthe  hat.  (Die  übrigen  als  Winterina. 
beschriebenen  Formen  gehören  kaum  in  diese  Gattung.) 

Am  besten  scheint  mir  derselbe  als  Calonedria  betrachtet 
zu  werden.  Man  könnte  ihn  höchstens  noch  als  Metasphaeria 
klassifizieren. 

110.  Letendraea  rhynchostoma  n.  sp. 

Perithecien  gesellig,  oberflächlich,  kahl,  zirka  400  \i.  breit, 
rundlich  oder  eiförmig,  mit  einem  bis  200  [x  breiten,  oben  quer 
abgestutzten,  bald  kurzen,  bald  bis  700  jx  langen  Schnabel, 
bräunlichgelb,  dünnhäutig,  aus  gelben,  zartwandigen,  etwa 
7  bis  8  [Abreiten  polygonalen  Parenchymzellen  aufgebaut.  Ende 
des  Schnabels  dunkler  braun.  Paraphysen  dünnfädig,  zahlreich, 
die  Asci  überragend.  Asci  monostich  achtsporig,  sehr  zart- 
wandig,  zylindrisch,  85  bis  100  ^  8  bis  10  [j.;  Sporen  anfäng- 
lich tintenblau,  dann  schwarz,  länglich-spindelförmig,  meist 
mehr  weniger  bis  halbmondförmig  gekrümmt,  an  beiden  Enden 
stumpflich,  mit  2  kleinen  Öltröpfchen,  dann  zweizeilig  (Zellen 
oft  ungleich),  1 1  bis  17^6  bis  7  \x. 

Auf  der  Innenseite  faulender  Endocarpe  von  Juglans  regia^ 
im  Prater  (Donauau)  bei  Wien,  August  1906. 

Ist  eine  durch  die  geschnäbelten  Perithecien  und  die  meist 
fast  halbmondförmig  gekrümmten  blauschwarzen  Sporen  sehr 
ausgezeichnete  unzweifelhafte  Letendraea. 

111.  Helminthosphaeria  Odontiae  n.  sp. 

Perithecien  eingesenkt,  dann  hervorbrechend-oberflächlich, 
in  dichten  Herden,  häutig-kohlig,  schwarz,  kugelig,  mit  deut- 
licher Mündungspapille,  210  bis  250  ;j.  breit,  oben  kahl, 
sonst  ziemlich  dicht  mit  meist  stumpflichen,  einzelligen, 
schwarzen  oder  durchscheinend  dunkelviolettbraunen,  steifen, 
bis  50  [JL  langen  und  3  bis  4  \h  breiten  Borsten  bedeckt.  Mem- 
brangewebe undeutlich.  Paraphysen  fehlend  oder  spärlich. 
Asci  zylindrisch,  70  ^  7  bis  8  [j.,  achtsporig.  Sporen  einreihig, 
einzellig,   tintengraublau,    durchscheinend,  mit  2  Öltröpfchen, 


Fraomente  zur  Ah'kologie. 


109 


länglich-elliptisch,     meist     gerade,    nicht    zusammengedrückt, 

6  bis  91/2  ^  31/2  bis  4  [x. 

AufdemThallus  von  Ocfo////tz  cristniata  Fr.  schmarotzend, 
auf  einem  morschen  Fagiis-SiSimm  am  großen  Sattelberg  bei 
Preßbaum  im  Wienervvalde,  August  1906. 

Die  Perithecien  fanden  sich  ausschließlich  nur  auf  dem 
Thallus  der  schönen,  blaßrosa  gefärbten  Odontia.  Der  Pilz  saß 
nie  direkt  am  Holze  auf,  ist  daher  wohl  ein  echter  Parasit.  Er 
steht  mehreren  kleinsporigeni?os(?////;m-Arten,  z.B.R.  melaleiica 
E.  et  Ev.,  piuicohi  E.  et  Ev.  nahe,  kann  jedoch  mit  keiner 
identifiziert  werden  und  muß  der  anfänglich  eingesenkten 
Perithecien  und  seiner  Lebensweise  als  Schmarotzer  wegen  zu 
Hdminthospliaeria  gestellt  werden.  Ein  Conidium-Stadium 
wurde  nicht  beobachtet. 

112.  Helminthosphaeria  Corticiorum  v.  H.  n.  sp. 

Perithecien  geselUg,  schwarz,  kohlig-häutig,  rauh,  erst 
ganz  eingewachsen,  dann  bis  zu  zwei  Drittel  hervorbrechend, 
rundlich-eiförmig,  etwa  300  [x  breit,  500  ]x  hoch,  an  der  Basis 
mit  braunen,  spärlichen,  4  bis  5  [x  breiten  Hyphen  versehen, 
nach  oben  hin,  besonders  um  das  Ostiolum  herum  mit  spärlichen 
bis  sehr  zahlreichen  und  dann  dichtstehenden,  dickwandigen, 
durchscheinend  graubraunen,  stumpfen  bis  spitzen,  einzel- 
ligen, bis  60  ^  6  bis  7  |x  großen  Borsten  besetzt.  Paraphysen 
zahlreich,  fädig.  Asci  zylindrisch,  110  bis  VlQ^T.\x,  achtsporig; 
Sporen  einreihig,  durchscheinend  rauchgraubräunlich,  länglich- 
elliptisch, nach  beiden  Enden  etwas  verschmälert,  manchmal 
fast  spindelförmig,  beidendig  stumpflich,  einzellig,  erst  mit 
einem  großen,  dann  mit  2  bis  4  Öltröpfchen,  außerhalb  des 
Ascus  selten  zweizeilig  werdend,  13  bis  16«  5  bis  6  p.. 

Auf  Peiiiophora  cremea[{Bres.)  schmarotzend,  Juni  1905 
in  den  Langenschönbichler  Donauauen  bei  Tulln,  Nieder- 
österreich. 

Da  die  Sporen  außerhalb  des  Ascus  wenn  auch  nur  zum 
kleinsten  Teile  zweizeilig  werden,  ist  der  Pilz  eigentlich  eine 
Ventiiria.  Allein  bei  dieser  Gattung  findet  er  nicht  seinen 
natürhchen  Anschluß,  denn  er  ist,  wie  mir  der  direkte  Vergleich 
zeigte,  so  nahe  mit  H.  Clavariae  (Tul.)  verwandt,   daß   er  nur 


110  F.  V.  Hühnel, 

neben  diese  gestellt  werden  kann.  Die  Feststellung  dieser 
Tatsache  bot  nicht  nur  wegen  der  schließlichen  Zweizelligkeit 
eines  kleinen  Teiles  der  Sporen,  sondern  namentlich  deshalb 
seine  Schwierigkeiten,  weil  die  bei  Fuckel,  Winter,  Schröter, 
Saccardo  u.  s.  w.  zu  findenden  Diagnosen  von  H.  Clavariae 
sämtlich  den  wesentlichen  Fehler  besitzen,  daß  die  Perithecien 
als  ganz  oberflächlich  stehend  bezeichnet  werden,  was,  wie 
schon  Tulasne  wußte,  nicht  der  Fall  ist.  Letzterer  bezeichnet 
die  Perithecien  ganz  richtig  als  ursprünglich  »subimmersa«. 
Querschnitte  zeigten  mir,  daß  sie  oft,  ja  meist  ganz  eingesenkt 
sind  und  erst  später  hervorbrechen  und  fast  oberflächlich 
werden,  ganz  ähnlich  wie  bei  der  neubeschriebenen  Form. 

Daher  ist  es  ein  großer  Fehler  von  Winter  und  seiner 
Nachfolger  gewesen,  die  vortreffliche  Fuckel'sche  Gattung 
Helmintosphaeria  wieder  einzuziehen  und  mit  RoseUinia  zu 
vereinigen.  Letztere  Gattung  hat  aber  ganz  oberflächliche, 
kohlige,  niemals  häutige  Perithecien.  Mit  ihr  hat  Helmiutlio- 
sphaeria  gar  nichts  zu  tun.  Damit  stimmt  auch  die  verschiedene 
Lebensweise  als  Schmarotzer  auf  Pilzen,  im  Gegensatze  zu 
den  saprophytischen  Rosellinien,  und  die  Tatsache  überein,  daß 
die  reifen  Sporen  schließlich  4  größere  Öltröpfchen  haben  und 
bei  der  einen  Art  sicher  (bei  der  anderen  wahrscheinlich) 
schließlich  zum  Teile  zweizeilig  werden. 

Meiner  Ansicht  nach  ist  Helnimthosphaeria  an  die  Seite 
von  Venturia  (sensu  Winter)  zu  stellen.  Noch  sei  bemerkt, 
daß  zweifellos  ein  Teil  der  in  die  Sektionen  Amphisphaerella 
(Syll.,  I,  p.  262)  und  Licheiiicolae  (Syll.,  I,  p.  275)  gehörigen 
Rosellhiia- Alien  zu  Hehnintliosphaeria  gehören  werden,  soweit 
wenigstens,  als  sie  anfänglich  eingesenkte  Perithecien  besitzen. 
Der  Gattungscharakter  von  Helminthospliaeria  wird  in  dem 
Sinne  zu  erweitern  sein,  daß  von  der  Nebenfrucht  form  Scole- 
cotrichmn  abgesehen  wird. 

113.  Mycosphaerella  Aretiae  n.  sp. 

Perithecien  zerstreut  oder  zu  2  bis  3  einander  genähert, 
meist  blattoberseits,  kugelig,  ohne  deutliche  Mündungspapille, 
unter  die  Epidermis  eingesenkt,  reif  über  halbkugelig  vorragend, 
schwarz,   glänzend,   100  bis  140  jjl    breit.   Perithecienmembran 


Fragmente  zur  Mykologie.  1 1 1 

aus  4  bis  5  schwarzbraunen  Zellschichten  bestehend.  Para- 
physen  fehlend.  Asci  zahlreich,  ziemlich  derbwandig,  keulig, 
sehr  kurz  knopfig  gestielt,  achtsporig,  48  bis  60  ^  9  bis  10  [i. 
Sporen  zweireihig,  hyalin,  an  der  in  der  Mitte  stehenden  Quer- 
wand nicht  eingeschnürt,  länglich-keulig,  beidendig  stumpflich, 
obere  Zelle  etwas  breiter,  14  bis  19  ^  4  bis  5  (x. 

Auf  den  unteren,  absterbenden  Blättern  von  Aretici  alpina 
(Lam.)  Wulf.,  Tirol,  Gurgl-Vent  an  der  rechten  Seitenmoräne 
des  Spiegelferners,  leg.  Dr.  Ginzb erger,  VIL,  1900. 

Eine  hübsche,  von  der  M. Prhmtlae  (Auersw.et  Häufler) 
durch  die  viel  kleineren  Sporen  und  Asci  ganz  verschiedene, 
offenbar  echt  alpine  Art.  Die  Asci  sind  sehr  zahlreich  und  bilden 
herausgequetscht  eine  regelmäßige  Kugel,  in  der  sie  radial 
angeordnet  sind.  Auf  jedem  der  kleinen  Blätter  stehen  fast 
stets  nur  oberseits  meist  nur  wenige,  etwa  5  bis  15  Perithecien, 
die  am  trockenen  Blatte  fast  kugelig  vorspringen,  jedoch 
ursprünglich  unter  die  Epidermis  eingewachsen  sind,  wie  Quer- 
schnitte lehren. 

114.  Pocosphaeria  balcanica  n.  sp. 

Perithecien  eingesenkt,  zu  mehreren  an  schwärzlichen, 
strichförmigen,  2  bis  10  mm  langen,  stromaähnlichen  Stellen 
sitzend,  derbhäutig,  schwarz,  kugelig,  nach  oben  meist  in  einen 
kurzen,  dicken  Schnabel  konisch  verschmälert,  200  bis  3oO  [x 
breit,  an  der  Basis  mit  zahlreichen,  derben,  oft  bündelweise 
verlaufenden,  dunkelbraunen,  8  bis  12  [x  breiten  Hyphen  ver- 
sehen, oben  mit  zerstreuten,  stumpfen,  braunen,  meist  vier- 
zelligen,  an  der  Spitze  blassen,  bis  80  ^  6  bis  7  [x  großen 
Borsten  versehen.  Paraphysen  zahlreich,  fädig.  Asci  dick- 
keulig,  sitzend,  oben  abgerundet,  derbwandig,  achtsporig, 
105  bis  140^22  bis  26  [x.  Sporen  2-  bis  Sreihig,  zylindrisch- 
keulig,  beidendig  abgerundet-stumpf  und  verschmälert,  stets 
sechszellig,  hellbraun,  die  zweite  Zelle  am  dicksten,  an  den 
Enden  mit  einer  fast  halbkugeligen  Schleimkappe  versehen, 
meist  40  bis  44  «  10  bis  1 1  [x. 

An  dürren  Stengeln  von  Veronica gentianoides  in  Rumänien, 
Cej,  leg.  Loitlesberger  1897. 


112  F.  V.  Höhnel, 

Die  Asci  und  Sporen  gleichen  fast  völlig  der  Abbildung 
derer  von  Leptospliaeria  Morthierana  Sacc.  in  B  e  r  1  e  s  e, 
Icon.,  mit  welcher  vielleicht  L.  Whiteri  Nssl.  zusammenfällt. 
Indessen  wird  in  den  betreffenden  Diagnosen  weder  der 
Perithecialborsten  noch  der  Schleimkappen  der  Sporen  ge- 
dacht. Nichtsdestoweniger  könnte  die  Vergleichung  mit  Original- 
exemplaren die  Identität  ergeben,  da  die  Borsten  nicht  immer 
gut  entwickelt  und  leicht  zu  übersehen  sind.  Wie  der  Vergleich 
des  Pilzes  mit  P.  setulosa  zeigt,  ist  er  durch  die  derben 
Perithecien  und  die  Form  der  Sporen,  Asci,  Borsten  und  die 
derben  Hyphen  auch  dieser  Form  verwandt,  die  aber  vierzellige 
Sporen  hat. 

115.  Über  Venturia  Straussii  Sacc.  et  R.  und  Gibbera 
salisburgensis  Nssl. 

Betreffend  diese  zwei  Pilze  sind  zwei  Fragen  zu  beant- 
worten. Erstens  die  nach  ihrer  Identität  oder  Verschiedenheit 
und  dann  die  nach  ihrer  Gattungszugehörigkeit. 

Von  Neger  (Ber.  d.  deutsch,  bot.  Gesellsch.,  1901,  XIX, 
p.  471)  und  Zahlbruckner  (Krypt.  exsic.  vind.,  Nr.  824)  werden 
beide  Pilze  als  identisch  betrachtet,  w^ährend  Saccardo 
(Syll.,  IX,  p.  689)  sie  als  verschieden  aufführt. 

Vergleicht  man  die  Originaldiagnosen  beider,  so  ist  eine 
große  Ähnlichkeit  beider  zwar  nicht  zu  verkennen,  doch  fallen 
einige  Unterschiede  sofort  auf.  So  sind  bei  V.  Straussi  die  Asci 
und  die  Sporen  wesentlich  breiter  und  wird  weiter  angegeben, 
daß  die  Paraphysen  fehlen  oder  undeutlich  sind,  während 
Niessl  (Hedvvigia,  1887,  p.  33)  von  zahlreichen  Paraphj^sen 
spricht.  Die  Untersuchung  des  Originalexemplares  der  V. 
Straussii  (in  Fungi  gallic.  exsic,  Nr.  2828,  und  Rabenhorst- 
Winter,  F.  europ.,  Nr.  3142)  zeigte  mir  aber  zahlreiche,  gut 
entwickelte  Paraphysen.  Ebenso  fand  ich  die  Sporen  bei  dieser 
Form  stets  nur  zweizeilig  und  nicht,  wie  Patouillard  (Tabulae 
analyticae  fungorum,  Nr.  299)  angibt,  vierzellig. 

Nichtsdestoweniger  zeigte  mir  der  genaue  Vergleich  der 
genannten  Originalexemplare  von  T".  Sfraiissii  mit  dem  der 
G,  salishurgetiis  Nssl.  (in  Rabenhorst- Winter,  F.  europ., 
Nr.  3550),  daß  die  beiden  Pilze  voneinander  völlig  verschieden 


Frai^mente  zur  Mykologie. 


113 


sind,   so   zwar,   daß   sie   als  ganz  gute  eigene  Arten  und  nicht 
als  Varietäten  einer  Form  betrachtet  werden  müssen. 

Ich  hebe  im  folgenden  nur  die   gefundenen   Unterschiede 

hervor. 

■1.  V.  Straussii  Sacc.  et  R.  Der  Pilz  wächst  nicht  auf  der 
Blattfläche,  sondern  an  der  Basis  der  Blätter,  diese  und  die  an- 
grenzenden Stengelteile  besiedelnd.  Die  Perithecien  sind  größer, 
200  bis  360  [j.  breit.  Die  Asci  sind  stets  achtsporig,  länger  und 
breiter,  92  bis  110^  12  bis  15  [x;  die  Sporen  sind  absolut  und 
relativ  breiter,  beidendig  sehr  stumpf  abgerundet,  durchschnitt- 
lich etwas  kürzer,  16  bis  18^8  bis  9  [x.  Die  beiden  Sporen- 
zellen sind  meist  fast  gleich  lang,  die  untere  meist  nur  sehr 
wenig  schmäler  als  die  obere.  Die  Sporen  sind  im  Umriß 
länglich-eiförmig.  Steife,  schwarze,  opake,  scharf  spitze  Borsten 
fehlen  den  Perithecien  völlig,  letztere  zeigen  nur  längere  oder 
kürzere,  stumpfe,  durchscheinende,  mehr  weniger  verbogene, 
hyphenartige  Haare. 

2.  G.  saJislmvgeusis  Nssl.  Die  Perithecien  sitzen  meist 
(wie  bei  voriger  Art)  in  Gruppen  oder  Haufen  stets  auf  der 
Oberseite  der  Blätter,  weder  in  den  Blattachseln  noch  am 
Stengel.  Sie  sind  durchschnittlich  kleiner,  meist  150  bis  220  [i. 
Die  Asci  sind  fast  stets  nur  viersporig,  niemals  achtsporig, 
etwas  kürzer  und  wesentlich  schmäler,  80  bis  90  «  9  bis  10  [x. 
Die  Sporen  sind  relativ  und  absolut  schmäler  und  absolut 
länger,  18  bis  24  ^  5  bis  67.^  [x.  Die  untere  Zelle  ist  stets  deut- 
lich länger  und  schmäler  als  die  obere.  Im  Umriß  sind  die 
Sporen  länglich,  oft  etwas  keilig,  niemals  eiförmig.  Die 
Perithecien  zeigen  neben  braunen  Hyphenhaaren  noch  mehr 
minder  zahlreiche  steife,  spitze,  opak-schwarze,  derbwandige, 
verschieden,  bis  200  [x  lange  und  an  der  Basis  bis  etwa  8  [x 
breite  Borsten. 

Daraus  ersieht  man,  daß  offenbar  zwei  völlig  verschiedene, 
aber  miteinander  ziemlich  nahe  verwandte  Pilze  vorliegen. 
Beide  gehören  zweifellos  in  dieselbe  Gattung.  Die  Frage  nun, 
welche  diese  Gattung  ist,  wurde  von  den  Autoren  für  die 
beiden  Pilze  verschieden  beantwortet.  Der  eine  wurde  zu 
Ventnria  gestellt.  Der  andere  von  Niessl  zu  Gibbera  und  von 
Neger  (der  aber,  wie  oben  erwähnt,  beide  zusammenwirft)   zu 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Kl. ;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  8 


114  F.  V.  Höhnel, 

Eriosphaeria.  Neger  bemerkt,  daß  er  zu  Gihbera  nicht  gehören 
könne,  weil  diese  Gattung  zu  den  Cucurbitariaceen  gehöre 
und  diese  Familie  unter  der  Epidermis  angelegte  Perithecien 
besitze,  was  hier  nicht  zutreffe.  Das  ist  eine  theoretische 
Bemerkung,  die  nichts  beweist,  denn  derartige,  die  Verwändt- 
schaft von  Formen  betreffende  Fragen  können  theoretisch 
nicht  gelöst  werden,  sondern  nur  durch  eine  durchgeführte  ver- 
gleichende Untersuchung. 

Was  nun  das  Vorgehen  Saccardo's  anlangt,  der  die  eine 
Form  zu  VetiHiria  stellt,  so  ist  zunächst  zu  bemerken,  daß  es 
zwei  Gattungen  Venturia  gibt:  Ventiiria  sensu  Saccardo  und 
VenUiria  sensu  Winter.  Saccardo  rechnet  zu  seiner  Gattung 
Venturia  alle  jene  schmarotzenden  Pyrenomyceten  mit  zwei- 
zeiligen hyalinen  oder  gefärbten  Sporen,  deren  Perithecien  ein- 
gesenkt, hervorbrechend  oder  oberflächlich  stehen  und  dabei 
borstig  sind.  Asci  bis  achtsporig. 

Schon  Winter  (Pyrenomyceten,  p.  433)  hat  aber  darauf 
aufmerksam  gemacht,  daß  die  Gattung  in  dieser  Begrenzung 
viel  zu  umfassend  ist.  Er  sondert  jene  Arten,  die  ganz  ober- 
flächliche Perithecien  besitzen,  ab  und  stellt  sie  in  die  Raben- 
horst'sche  Gattung  Coleroa  (Bot.  Zeitg.,  1851,  p.  180).  Venturia 
sensu  Winter  umfaßt  daher  nur  jene  Arten,  welche  ursprüng- 
lich eingesenkte  Perithecien  besitzen. 

In  der  Tat  sind  Venturia  Winter  und  Coleroa  Rabh. 
zwei  gut  auseinander  zu  haltende  Gattungen,  an  denen  fest- 
gehalten werden  muß. 

Bei  Coleroa  findet  die  Entwicklung  des  Pilzes  in  der  Weise 
statt,  daß  in  der  Epidermis,  meist  unter  der  Cuticula,  ein  mehr 
weniger  deutliches,  oft  ganz  unscheinbares,  oft  gut  entwickeltes 
Stroma  entsteht,  das  schließlich  nach  außen  durchbricht,  sich 
dann  seitlich  ausbreitend  oberflächlich  (also  auf  der  Cuticula) 
weiterwächst  und  dann  die  oberflächlich  stehenden  Perithecien 
bildet,  die  oft  zerstreut  stehen,  meist  aber  rasen-  oder  haufen- 
weise wachsen.  V^on  dem  nun  oberflächlichen  Stroma  gehen 
oft  Hyphen  aus,  die  manchmal  nur  sehr  spärlich  entwickelt 
sind,  manchmal  aber  ein  förmliches  Subiculum  bilden.  Genau 
so  verhalten  sich  nun  auch  die  beiden  in  Rede  stehenden  Arten. 
Bei  beiden  stehen  die  Perithecien   (auf  den  Hyphen  sich  ent- 


Fragmente  zur  Mykologie.  115 

wickelnd,  siehe  Neger's  Figur,  1.  c,  Taf.  XXVIII,  Fig.  1)  bald 
v^ereinzelt,  bald,  wenn  sie  sich  unmittelbar  am  Stroma  ent- 
wickeln, in  dichten  Rasen  zusammengehäuft.  Man  kann  daher 
ohnevveiters    beide   Arten   als    zu  Coleroa  gehörig  betrachten. 

Allein, untersucht  man  nun  Gihbera  Vaccinii{S>o\v)aM{  <\em 
Querschnitte,  so  findet  man  genau  dasselbe  Verhältnis.  G.  Vac- 
cinii  (So w.)  unterscheidet  sich  generisch  von  den  Co/(?roa- Arten 
gar  nicht.  Daß  letztere,  aufweichen  Blättern  wachsend,  kleinere, 
oft  undeutlich  entwickelte  Stromata  besitzen,  ist  ohne  Bedeutung, 
um  so  mehr,  als  auch  bei  G.  Vaccinii  das  Stroma  oft  sehr  un- 
scheinbar ist  oder  fehlt  (V^^inter,  Pyrenomyceten,  p.  313).  Die 
beiden  Gattungen  Gibbera   und  Coleroa  sind  daher  identisch. 

Die  Gattung  Gibbera  wurde  von  Fries  im  Jahre  1849 
(Summa  vegetab.  Scandinav.,  II,  p.  402)  aufgestellt.  Allein  seine 
Gattungscharakteristik  ist  völlig  nichtssagend  und  paßt  auf 
viele  oberflächlich  wachsende  Pyrenomyceten.  Dazu  kommt 
noch  der  Umstand,  daß  die  Mehrzahl  der  von  ihm  zu  Gibbera 
gestellten  Arten  heute  nicht  mehr  in  dieselbe  gerechnet  wird. 
Daher  wird  die  Gattung  am  besten  ganz  fallen  gelassen  und  die 
G.  Vaccinii  als  Coleroa  betrachtet  werden  müssen.  Die  Gattung 
Coleroa  ist  von  Rabenhorst  1851  (Bot.  Zeitg.,  IX,  p.  180)  auf- 
gestellt worden.  Dieselbe  ist  zwar  ursprünglich  auch  un- 
genügend charakterisiert  worden,  aber  1887  von  Winter  scharf 
umgrenzt  worden.  Es  scheint  mir  das  Richtigste,  die  Gattung 
Coleroa  im  heutigen  Umfange  (im  Sinne  Winter's)  beizu- 
behalten und  G.  Vaccinii  dazu  zu  rechnen. 

Demnach  müssen  die  beiden  oben  besprochenen  Arten  C.  sa- 
lisburgensis  (Nssl.)  v.  H.  und  C.  Stranssii  (S.  et  R.)  v.  H.  heißen. 

Die  von  verschiedenen  Autoren  zu  Gibbera  gestellten 
tropischen  Arten,  sieben  an  der  Zahl,  sind  offenbar  teils  Neo- 
peckia-,  teils  Melanopsamma -Arten.  G.  fulvella  Mass.  ist 
wahrscheinlich  eine  Nectria. 

Ein  Hauptgrund  der  Schwierigkeit  der  richtigen  Einreihung 
von  neuen  Formen  liegt  in  der  verworrenen  Gattungssyno- 
nymie.  Oft  erscheint  dieselbe  Gattung  unter  verschiedenen 
Namen  in  verschiedenen  Familien.  Die  Unsicherheit,  die  daraus 
entspringt,  liegt  aber  nicht  in  der  Natur,  sondern  in  der  wieder- 
holten Aufstellung  derselben  Gattung. 

8* 


116  F.  V.  Höhnel, 

Noch  bemerke  ich,  daß  Dimerosporiopsis  P.  Henn.  viel- 
leicht auch  in  den  Formenkreis  von  Colevoa  gehört.  Es  scheint 
eine  Coleroa  mit  stark  entwickelten  Stromahyphen  zu  sein, 

116.  Rynchostoma  minutellutn  n.  sp. 

Perithecien  zerstreut,  eingesenkt,  schwarz,  kohlig,  kahl, 
250  [Ji  breit,  kugelig,  mit  dem  250  »jl  langen,  80  [Abreiten  Hals 
vorragend.  Paraphysen  einfach,  dickfädig.  Asci  zylindrisch,  unten 
kurz  stielartig  verschmälert,  100^  5  bis  7  ja,  achtsporig.  Sporen 
schief  einreihig,  elliptisch,  rauchgraubräunlich,  zweizeilig,  an 
der  Querwand  nicht  eingeschnürt,  7  bis  10  ^  4  ja. 

An  morschem  Tannenholz ,  Rekawinkel,  Wienerwald, 
August   1906. 

Von  den  kleinsporigen  Rynchostoma -Arten  durch  den 
kurzen  Schnabel   und  die  zylindrischen  Asci  gut  verschieden. 

117.  Über  Bombardia  fasciculata  Fr. 

Dieser  zwar  v/eit  verbreitete,  aber,  wie  es  scheint,  überall 
seltene  Pilz  —  ich  fand  ihn  vor  kurzem  zum  ersten  Male  im 
Wienerwalde  —  ist  zwar,  was  die  Asci  und  Sporen  anlangt,  gut 
bekannt,  mit  dem  Bau  der  Fruchtkörper  scheint  sich  aber  bisher 
niemand  näher  befaßt  zu  haben.  B erlese  gibt  zwar  (Icones, 
Taf.  120)  das  Bild  eines  Längsschnittes  durch  dieselben,  allein 
dasselbe  ist  falsch. 

Durch  die  sehr  auffallende  zähe  und  knorpelige  Be- 
schaffenheit der  frischen  Fruchtkörper  aufmerksam  gemacht, 
untersuchte  ich  dieselben  auf  Quer-  und  Längsschnitten  und 
fand  einen  ganz  eigentümlichen  Bau. 

Die  Perithecien  stehen  dichtrasig  auf  einem  gut  ent- 
wickelten schwarzen  knorpeligen  Stroma,  von  dem  sie  sich 
einzeln  nur  schwer  ablösen  lassen.  Sie  sind  1  bis  2  nun  hoch 
und  400  bis  600  [a  breit,  zylindrisch,  in  der  Mitte  meist  etwas 
eingezogen,  oben  halbkugelig  abgerundet,  ganz  glatt,  ohne  Spur 
einer  Mündungspapille.  An  sehr  feuchten  Standorten  sind 
sie  oft  mit  einem  dichten,  schneeweißen,  vergänglichen  Filz 
bedeckt,  der  nur  den  obersten  Teil  freiläßt.  Im  obersten  Teile 
ist  die  Wandung  sehr  dick,   bis  160  bis  190  [a,  etwas  über  der 


Fragmente  zur  Mykologie.  1  äl7 

Mitte  am  dünnsten,   etwa  120  (x,  unten  wird  sie  wieder  dicker. 
Sie  besteht  aus  drei  distinkten  Schicliten.   Außen  ist  eine  ganz 
dünne,  braune, aus  undeutlich  begrenzten  isodiametrischen  oder 
etwas 'quergestreckten  Zellen  bestehende.  Sie  geht  allmählich  in 
die  Hauptschichte  über,  welche  fast  die  ganze  Wanddicke  der 
der  Perithecien  ausmacht.  Diese  Schichte  besteht  aus  sehr  blaß 
rötlich  gefärbten,  an  dünnen  Schnitten  hyalinen,  lückenlos  ver- 
bundenen, plectenchymatisch  verflochtenen,  mit  einem  etwa  2  [x 
dicken  Lumen  versehenen,  sehr  stark  knorpelig-gelatinös  ver- 
dickten Hyphen.  Die  innerste  Schichte  der  Wandung  entwickelt 
sich  allmähhch  aus  der  mittleren  und  besteht   aus   etwa  4[x 
breiten,   flachen,   sehr   zartwandigen,   bräunlichen  Parenchym- 
zellen,'die  in  ziemlich  vielen  Lagen  stehen.  Nach  innen  zu  geht 
diese  Schichte  allmählich  in  ein  farbloses  zartes  Gewebe  über, 
aus  welchem  im  unteren  Teile  des  Peritheciums  die  Asci  und 
Paraphysen,  im  oberen  Teile  die  Periphysen  entspringen,  welche 
den  obersten  Teil  der  Höhlung  bis  zum  runden,  kleinen,  etwa 
20  bis  25  [i.  breiten  Ostiolum  auskleiden. 

Das  Innenlumen  der  Perithecien  ist  eigentümlich  gestaltet. 
Die  oberen  zwei  Drittel  desselben  sind  etwa  260  bis  280  [x  breit 
und  bis  fast  1  ;;/;//  hoch,  breit  spindelförmig,  oben  und  unten 
kegelig  zulaufend,  in  der  Mitte  bauchig.  Daran  setzt  sich  unten 
ein  kürzerer  und  schmaler,  etwa  80 1>.  breiter,  zylindrischer 
Teil  an,  der  unten  stumpflich  endigt.  Dieser  zylindrische  Teil 
des  Lumens  ist  ebenfalls  wie  der  obere  von  der  braunen  Innen- 
schichte der  Perithecienmembran  begrenzt,  außerhalb  welcher 
hier  aber  das  Gewebe  der  Mittelschichte  lockerer  und  luftreich 
wird.  Daher  löst  sich  hier  die  Innenschichte  leicht  von  der 
Mittelschichte  ab.  Man  gewinnt  den  Eindruck,  als  wenn  jeder 
Fruchtkörper  ein  Stroma  mit  einem  einzigen  Perithecium  wäre, 
was  aber  gewiß  nicht  der  Fall  ist.  Der  zylindrische  Teil  des 
Lumens  ist  mit  einem  zarten  Hyphengewebe  ausgefüllt,  in 
welchem  ein  Teil  der  Asci  und  Paraphysen  entspringt.   (Siehe 

Tafel,  Fig.  2.) 

B.  fascicnlata  wurde  bisher  zu  den  eigentlichen  Sphae- 
riaceen  (im  engeren  Sinne  des  Wortes)  gerechnet.  Es  ist  aber 
nach  den  gemachten  Angaben  klar,  daß  sie  zu  diesen  nicht 
gehören  kann.  Die  nächsten  Verwandten  finden  sich  bei  den 


118  F.  V.  Höhne  1, 

Sordariaceen    und    zu    diesen    muß    B.  fasciculata    gestellt 
werden. 

Die  Sordariaceen  im  Sinne  Winter's  (und  nicht  Schro- 
te r's,  der  die  Chaetomiaceen  dazu  nimmt)  zerfallen,  was  bisher 
nicht  genügend  beachtet  wurde,  nach  dem  Baue  und  der  Kon- 
sistenz der  Perithecienmembran  in  zwei  Gruppen.  Bei  der 
einen  Gruppe,  in  die  die  Mehrzahl  und  insbesondere  alle  kleineren 
Formen  gehören,  ist  die  Perithecienmembran  mehr  weniger 
dünn,  häutig,  und  besteht  aus  braunen,  parenchymatischen,  mehr 
weniger  dünnwandigen  Zellen  in  wenigen  bis  vielen  Lagen. 
Hieher  gehören  z.  B.  die  von  mir  diesbezüglich  genauer  unter- 
suchten Arten:  Podospora  mhmta,  curvula,  coprophila;  Sor- 
daria  discospora,  fimicola;  Sporormia  minima,  leporina, 
amhigua. 

Die  zweite  Gruppe  der  Sordariaceen  hat  dicke,  knorpelige 
Perithecienwände  von  typisch  ganz  demselben  Bau  wie  B.  fas- 
ciculata. Auch  die  Form  der  Perithecien  ist  bei  den  Arten 
dieser  Gruppe  ganz  ähnlich  wie  bei  B.  fasciculata.  Diese 
Ähnlichkeit  ist  schon  Auerswald  bei  einer  Art  aufgefallen 
und  Niessl  beschreibt  bei  dieser  den  eigentümlichen  Bau 
der  dicken  Peritheciumwandung  in  ganz  richtiger  Weise 
(s.  Beiträge  zur  Kenntnis  der  Pilze,  Verh.  d.  nat.  V.  Brunn, 
X,  1872,  p.  37,  Taf.  VI,  Fig.  41  a).  Es  ist  dies  die  5.  bombar- 
dioides  Auersw.;  ferner  gehören  in  diese  Gruppe  noch  5.  ma- 
xima  Nssl.  (welche  wahrscheinlich  nur  die  Forma  tetraspora 
der  vorigen  Art  ist),  dann  Podospora  appendiculata  (Nssl.  non 
Auersw.)  und  Podospora ßmiseda  (Ges.  et  de  Not).  Letztere 
Art  ist,  wie  auch  Podospora  coprophila  von  Wo  ronin  genau 
beschrieben  und  schön  abgebildet  worden  (s.  de  Bary  und 
Wo  ronin,  Beiträge  zur  Morph,  u.  Biol.  der  Pilze,  III.  Reihe, 
p.  332  ff.,  Taf.  II  bis  VI),  Er  hebt  ganz  richtig  den  Gegensatz 
im  Baue  der  Perithecienmembran  bei  diesen  beiden  Arten 
hervor. 

Zwischen  diesen  beiden  Gruppen  von  Sordariaceenarten 
mit  knorpeliger,  dicker  und  häutiger,  dünner  Wandung  gibt  es 
insofern  Übergänge,  als  die  Dicke  der  knorpeligen  Wände  sehr 
verschieden  ist.  Am  auffallendsten  verdickt  ist  die  Wandung 
bei    Sordaria  bombardioides   und   5.  maxinia,    die    sich   von 


Fragmente  zur  Mykologie.  1 1" 

B.fasciciiJata  im  Wandbaue  gar  nicht  unterscheiden,  sondern 
fast  nur  durch  die  Sporen. 

Wirldiche  Übergangsformen,  bei  welchen  zu  zweifeln  war, 
ob  sie  in  die  eine  oder  die  andere  Gruppe  gehören,  konnte  ich 
bisher  nicht  finden,  doch  werden  sie  gewiß  vorkommen. 

Bei  dieser  Gelegenheit  sei  erwähnt,  daß  besonders  bei 
Sordaria  homhardioides  sich  die  braune  (dritte)  Innenschichte 
der  Wandung  oft  leicht  von  der  Knorpelschichte  ablöst  und 
dann  so  wie  bei  B.fasciailata  den  Eindruck  erweckt,  als  würde 
sie  ein  eigenes  Perithecium  sein,  das  von  einem  anderen  oder 
von  Stromasubstanz  umhüllt  ist.  Dieser  Umstand  hat  Zukal 
(in  dem  Aufsatze  »Über  einen  merkwürdigen  Fall  von 
plötzlichem  Parasitismus  bei  einem  Saprophyten«, 
öst.  bot.  Zeitschrift,  1893,  p.  277)  zu  dem  Irrtum  verleitet,  zu 
«klauben,  daß  die  Innenschichte  der  Wandung  von  Sordaria 
homhardioides  ein  Perithecium  von  S.  fimicola  ist,  das  m 
der  ersteren  schmarotzt.  Die  Einsichtnahme  in  seine  diesbezüg- 
lichen Präparate  zeigte  mir,  daß  es  sich  tatsächlich  um  ganz 
normale  Perithecien  von  S.  homhardioides  handelte,  deren 
Innenschichte     sich     etwas     abgelöst     hatte     und     deutlicher 

hervortrat. 

Was  daher  Zukal  am  angezogenen  Orte  über  den  »Kampf« 
der  beiden  Arten  miteinander,  das  Eindringen  der  einen  in  die 
andere  und  den  Entwicklungsgang  des  »Schmarotzers«  erzählt, 
ist  Phantasie  und  Selbsttäuschung,  dadurch  gefördert,  daß  die 
Sporen  beider  Arten  einander  fast  gleich  sind. 

Aus  dem  Gesagten  erhellt  ohneweiters,  d&Q  B.fascicitlata 
eine  Sordariee  ist.  Da  sich  die  Sporen  der  Bomhardia  von 
denen  von  Podospora  eigentlich  gar  nicht  unterscheiden,  so 
müssen  die  beiden  Gattungen  vereinigt  werden.  xMan  könnte 
zwar  aus  dem  Umstände,  daß  das  Anhängsel  erster  Ordnung 
bei  B.  fasciculata  häufig,  aber  nicht  immer,  eine  Querwand 
besitzt,  was  bei  Podospora -Arien  niemals  vorkommt,  einen 
Gattungsunterschied  konstruieren,  doch  halte  ich  es  für  ganz 
irrelevant  und  zu  einer  generischen  Trennung  völlig  un- 
genügend, ob  das  Sporenanhängsel  ein-  oder  zweizeilig  ist.  Da 
viele  Sordarieen  auch  auf  Holz  vorkommen  —  ich  fand  auch 
Sporormia    leporina    auf   hartem    Fagtis -Ho\z    —    so    kann 


120  F.  V.  Höhnel, 

auch  nicht  die  verschiedene  Lebensweise  zur  Trennung  in  zwei 
verschiedene  Gattungen  herangezogen  werden. 

Auch  das  bei  B.  fascicttlata  unzweifelhaft  vorhandene 
Basalstroma  genügt  hiezu  nicht,  da  etwas  Ähnhches  auch  bei 
Sordaria  bombardioides  vorkommt,  wenn  diese  in  kleinen 
Rasen  wächst. 

In  nomenklatorischer  Beziehung  ist  zu  bemerken,  daß  die 
Gattung BojJibai^dia  von  Fries  1849  (in  Summa  vegetab.  Scand., 
p.  389)  begründet  wurde,  während  die  Gattung  Podospora 
Ges.  sich  erst  in  Hedwigia,  I,  p.  103,  erwähnt  und  auf  Tafel  XIV, 
Fig.  Ibis  11,  abgebildet  findet;  sie  ist  daher  erst  nach  dem 
Jahre  1852  publiziert. 

Der  Name  Bombardia  ist  daher  der  ältere  und  muß  an 
Stelle  von  Podospora  gesetzt  werden. 

B.  ambigiia  (Sacc.)  und  dessen  Varietät  carbouaria 
Rehm  hat  dünnwandige^  häutige  Perithecien  und  wird  am 
besten  als  Lasiosphaeria  betrachtet  werden,  wo  ähnliche 
Formen  vorkommen. 

118.  Amphisphaeria  nitidula  n.  sp. 

Perithecien  oberflächlich,  zerstreut  oder  in  kleinen  Rasen, 
kugelig,  mit  20  bis  25  ji  breitem,  flachem  Ostiolum,  ohne  Mün- 
dungspapille,  glänzend  schwarz,  kohlig,  derb,  deutlich  rugulös, 
260  bis  500  [x  breit.  Paraphysen  sehr  zahlreich,  fädig,  die  Asci 
nicht  überragend;  Asci  sehr  zahlreich,  keulig,  nach  oben  ver- 
schmälert, unten  allmählich  in  einen  etwa  20  bis  25  [j.  langen 
Stiel  übergehend,  achtsporig,  60  5::;  8  bis  9  [j.;  Sporen  zweireihig, 
lange  hyalin  bleibend,  zuletzt  blaßgraubräunlich,  zweizeilig, 
mit  dunkler  Querwand,  an  dieser  nicht  eingeschnürt,  länglich 
elliptisch,  beidendig  abgerundet,  anfänglich  mit  einigen  Öl- 
tröpfchen,  dünnwandig,  6  bis  8^3  bis  4  [j.. 

Auf  morschem  Holz  von  Carpinus  Betiilus  im  Viehoferin- 
walde  bei  Heizawinkel  im  Wienerwalde,  September  1906. 

Der  Pilz  nimmt  durch  seine  lange  h3^alin  bleibenden  Sporen 
eine  Zwischenstellung  zwischen  Amphisphaeria  und  Melano- 
psatmna  ein.  Auch  mit  einigen  Zigiioella-Arten  mit  schließlich 
zweizeiligen  Sporen  (die  eigentlich  zu  Melanopsaimna  gehören) 


1  9  1 

Fragmente  zur  Mykologie.  J-  -'  -^ 

zeigt  er  Verwandtschaft.  Mit  keiner  der  sehr  zahlreichen  Arten 
dieser  drei  Gattungen  ist  er  zu  identifizieren.  Am  meisten 
scheint  er  mit  .4.  sardoa  (de  Not.)  und  A.  deformis  E.  et  L.  ver- 
wandt zu  sein. 

119.  Melanopsamma  hypoxyloides  n.  sp. 

Perithecien  auf  weithin  geschwärztem  Substrat  einzeln 
oder  meist  dichtrasig,  oberflächlich  sitzend,  halbkugelig  bis 
eikugelig,  mit  breiter  Basis  fest  angewachsen,  kahl,  schwarz, 
hartkohlig,  glänzend,  derbwandig,  mit  kleiner,  glänzender,  oft 
obsoleter  Mündungspapille,  häufig  schwach  konzentrisch 
gefurcht,  900  bis  1000  [j-  breit  und  hoch.  Paraphysen  sehr  zahl- 
reich, die  Asci  überragend,  1  [xdick;  Asci  zahlreich,  zylindrisch, 
oben  abgerundet  und  dickwandig,  unten  in  einem  ziemlich 
langen  Stiel  allmählich  verschmälert,  achtsporig,  150  bis  160  ^  6 
bis  7  [JL.  Sporen  hyalin,  zweizeilig,  zartwandig,  spindelförmig, 
beidendig  spitz,  an  der  Querwand  nicht  eingeschnürt,  gerade, 
18  bis  32  «  3  bis  31/2  (meist  20  bis  24  «  3)  [x,  im  Ascus  zwei- 
reihig Hegend. 

Auf  morschem  Holz. 

Samoa-Inseln,    Urwald    bei    Utumapu,    leg.   Pechinger 

1905. 

Eine  sehr  charakteristische  Form,   die  äußerhch  an  Hypo- 

xylon  erinnert. 

120.  Pleosphaeria  malacoderma  n.  sp. 

Perithecien  oberflächlich,  gesellig,  kugelig,  schwarz,  140 
bis  200  [X.  Membran  sehr  dünn,  durchscheinend,  schwärzlich 
rauchgrau,  aus  3  bis  4  (x  breiten,  eckigen  Parenchymzellen  be- 
stehend. Basis  mit  hellbraunen,  septierten,  2  [j.  breiten  Hyphen; 
ringsum  dicht  mit  steifen,  schwarzen,  einzelligen,  spitzen, 
45  bis  60  i^  2  bis  5  [x  großen  Borsten  bekleidet.  Paraphysen 
fehlend,  Asci  wenig  zahlreich,  verschieden  gestaltet,  meist 
unregelmäßig  keulig-eiförmig,  unten  stielartig  verschmälert, 
55  bis  66  «  26  bis  29  [x,  achtsporig.  Sporen  geballt,  olivengrün, 
im  Alter  graubräunlich,  durchscheinend,  im  Querschnitte  rund, 


122 


F.  V.  Hühnel, 


unregelmäßig  eckig,  vielzellig,  mit  zirka  sieben  bis  neun  Quer- 
wänden und  mehreren  Längswänden,  eiförmig,  gegen  das  eine 
Ende  zu  etwas  schmäler,  16  bis  18  ^  10  bis  12  [x.  Ostiolum 
fehlend. 

An  altem  Polyporus  noduIosusFr.  {= polymorphtis  Ro stk.) 
in  Gesellschaft  von  Nectria  cosmariospora  und  Botrytis  n.  sp. 
am  großen  Stiefelberge  im  Wienerwalde,  Mai  1904. 

Eine  höchst  charakteristische  Form,  gut  von  allen  be- 
kannten verschieden. 


121.  Pleosphaeria  sylvicola  n.  sp. 

Perithecien  kugelig,  oberflächlich,  schwarz,  dünnhäutig- 
kohlig,  zerstreut,  200  bis  260  [x  breit,  dicht  mit  schwarzen, 
spitzen,  steifen,  nicht  oder  undeutlich  septierten,  40  bis  70  ^  4  [j.. 
großen  Borsten  versehen.  Paraphysen  spärlich;  Asci  zylindrisch 
oder  keulig,  achtsporig,  zirka  100  ^  10  bis  16  {x.  Sporen  1-  bis 
IV2  reihig,  aus  dem  schmutzig-olivengrünen  bräunlich,  mit  fünf 
bis  acht  Querwänden  und  ein  bis  zwei  unvollständigen  Längs- 
wänden, elliptisch,  nach  beiden  Enden  etwas  verschmälert, 
beidendig  abgerundet,  meist  17  bis  20  ^  8  bis  9  jx. 

An  morschem  Stammholz  von  Fagiis  syluatica  am  Sattel- 
berge bei  Preßbaum  im  Wienerwalde,  August  1906. 

Ist  mit  P.  quercinciFcit  und  P. puJveracea  Mout.  verwandt, 
doch  nach  den  Diagnosen  zu  urteilen,  sicher  verschieden. 

122.  Physalospora  Hoyae  n.  sp. 

Perithecien  schwarz,  punktförmig,  einzelnstehend  oder 
meist  zu  mehreren  oft  linienartig  aneinanderstoßend,  auf  beiden 
Blattseiten  an  verbleichten  Stellen  meist  unregelmäßige,  3  bis 
4:  mm  breite  Herden  bildend,  die  oft  zusammenfließen.  Peri- 
thecienrnembran  sehr  dünn  und  weich,  blaßbräunlich.  Perithecien 
kugelig,  mit  der  flachen  Mündungspapille  vorbrechend,  120  bis 
180  |x  groß.  Asci  keulig,  sitzend,  oben  abgestutzt,  dünnhäutig, 
achtsporig,  60  bis  90  ^  12  bis  15  jx;  Paraphysen  dickfädig,  zart- 
häutig, mit  vielen  kleinen  Öltropfen  versehen,  3  |x  dick,  bald 
verschleimend.  Sporen  zweireihig,  hyalin,  dünnwandig,  einzellig, 


Fragmente  zur  Mykologie.  1-^<J 

mit  reichlichem  homogenen  oder  feingranulierten  Inhalte,  meist 
elliptisch  oder  etwas  keulig,  beidendig  abgerundet  oder  an  dem 
verschmälerten  Ende  spitzlich,  16  bis  23  ^  6V2  bis  8  [X,  Jod  gibt 
keine  Blaufärbung. 

Auf  dürren  Blättern  von  Hoya  sp. 

Samoa-Inseln:  Apiaberg  (Dr.  Rechinger). 

Die  Art,  welche  durch  die  eigentümliche  Art  der  Anordnung 
der  Perithecien,  die  oft  eine  fast  dendritische  ist,  auffällt, 
scheint  mit  Ph.  affmis  Sac c.  et  D.  Sacc,  die  auf  einer  Apocynee 
wächst,  am  nächsten  verwandt  zu  sein. 

Auf  denselben  Blättern  wuchs  auch  Gloeospor.ium  afßrte 
Sacc,  gut  mit  Ellis  und  Ev.,  F.  Columb.,  Nr.  291,  überein- 
stimmend. Die  Sporen  dieser  Art  sind  meist  6  bis  8  [x  breit  und 
nicht  4  bis  6  \).,  wie  überall  angegeben  wird.  Statt  GL  affine  in 
Thümen,  Herb.  myc.  oecon.,  Nr.  730,  zeigte  sich  mir  nur  ein 
unreifer  Ascomycet;  ebenso  fand  ich  an  meinem  Exemplar  von 
D.  Saccardo,  Myc.  italica,  Nr.  1561,  nur  eine  Pestalozda  und 
kein  Gloeosporhim. 

123.  Physalospora  Fagraeae  n.  sp. 

Perithecien  schwarz,  derb  dunkelbraunhäutig,  kugelig, 
etwas  vorspringend,  häufig  von  einem  weißen  schmalen  Ringe 
begrenzt,  150  bis  200  \x  breit,  mit  rundlichem,  flachem,  zirka 
32  [X  breitem  Ostiolum,  ohne  Fleckenbildung  die  ganze  Blatt- 
unterseite gleichmäßig  zerstreut  dicht  bedeckend.  Paraphysen 
fädig,  verschleimend.  Asci  zahlreich,  keulig,  kurzknotig  gestielt, 
mäßig  dickwandig,  nach  oben  verschmälert,  achtsporig,  gerade 
oder  gekrümmt,  50  bis  80  ^  10  bis  13  [x;  Sporen  IVg-  bis  2  reihig, 
hyalin,  zartwandig,  mit  homogenem  oder  feinkörnigem  Inhalt, 
ohne  Öltröpfchen,  länglich  bis  fast  spindelförmig,  gerade,  beid- 
endig stumpflich,  18  bis  23  ^  5  bis  öVg  [x. 

An  der  Blattunterseite  von  Fagraea  sp.  (Loganiaceen). 

Samoa-Inseln,  Berggipfel  bei  Utumapa  (Dr.  Rechinger, 
1905). 

124.  Didymella  Passiflorae  n.  sp. 

Perithecien  dicht  herdenweise  auf  undeutlichen,  ver- 
grauten,   allmählich    verlaufenden    und    zusammenfließenden 


124  F.  V.  Höhnel, 

Flecken  auf  der  Blattunterseite,  schwarz,  punktförmig,  50  bis 
65  [X  breit,  eikugelig  mit  breiter  Mündungspapille;  Gewebe 
dunkelbraunzellig,  Paraphysen  spärlich,  dickfädig.  Asci  wenige, 
dickkeulig,  meist  gekrümmt,  nicht  gestielt,  ziemlich  derbwandig, 
28  bis  30  ^  10  [1.  Sporen  zu  acht,  zwei-  bis  dreireihig,  hyalin, 
zweizeilig,  obere  Zelle  meist  etwas  breiterund  manchmal  etwas 
kürzer,  länglichkeilig,  8  bis  10^2  bis  2^/^  \x. 

Auf  der  Blattunterseite  von  kultivierter  Passiflora  sp. 

Samoa-Inseln,  Upalu:  Motootua  (Dr.  Rechinger). 

Eine  sehr  kleine  Form,  die  wegen  der  sehr  spärlichen 
Paraphysen  einen  Übergang  zu  Mycosphaerella  bildet.  Leider 
waren  nur  wenige  reife  Perithecien  zu  finden. 


125.  Anthostoma  Cocois  n.  sp. 

Stromata  eingewachsen,  dünn,  ausgebreitet,  schwarze, 
längliche,  glänzende,  verschieden  große,  oft  zusammenfließende 
Flecken  bildend.  Oberfläche  glatt,  von  den  etwas  flach- 
gedrückten, locker  einzelnstehenden,  seltener  zu  zwei  bis 
drei  einander  genäherten,  zirka  300  [i  breiten,  nur  wenig  vor- 
ragenden Perithecien  mit  meist  etwas  längsreihig  angeordneten, 
flachen,  glänzenden,  von  den  nicht  vorragenden  Ostiolen 
durchsetzten  Warzen  besetzt.  Peritheciumwände  dick,  kohlig. 
Paraphysen  zahlreich,  fädig,  mit  vielen  Öltröpfchen  versehen, 
verschleimend.  Asci  zylindrisch,  monostich-achtsporig,  80  bis 
90  «372  bis  4  [X.  Sporen  durchscheinend  violettbraun,  einzellig, 
länglich-elliptisch,  oft  etwas  einseitig  abgeflacht,  beidendig 
etwas  verschmälert  und  stumpflich  oder  wenig  spitz,  7  bis 
10  ^  2V2  bis  3  [x. 

An  dürren  Blattstielen  von  Cocos  micifera. 

Samoa-Inseln:  Malife  (Dr.  Rechinger). 

Unter  den  auf  Ccx^os-Blättern  vorkommenden  Anthostoma- 
Arten  scheint  am  nächsten  A.versicoJor '^ia.rb.  verwandt  zu  sein. 

126.  Über  Coronophora  thelocarpoidea  v.  H. 

Seitdem  ich  diese  Form  beschrieben  hatte,  fand  ich  dieselbe 
nochmals,   und   zwar  am  Kolbeter   im  Wienerwalde   an  einem 


Fragmente  zur  Mykologie.  1  -^^ 

morschen,  entrindeten  Eichenast.  Obwohl  ich  auch  bei  diesem 
Exemplare  zunächst  die  Asci  stets  ganz  mit  zahlreichen  äußerst 
kleinen  Sporen  erfüllt  sah,  tauchten  in  mir  doch  Bedenken  über 
die  Stellung  des  Pilzes  auf,  denn  die  sehr  zahlreichen  Perithe- 
cien  waren  alle  ganz  oberflächlich  und  es  war  daher  höchst 
unwahrscheinlich,  daß  der  Pilz,  trotzdem  sein  Perithecieninhalt 
ganz  der  Gattung  CoronopJiora  entsprach,  in  diese  Gattung 
gehört.  Nach  längerem  Suchen  fand  ich  nun  in  der  Tat  einige 
und  dann  auch  in  dem  früher  (1905)  gefundenen  Exemplare 
mehrere  Asci  mit  fast  unsichtbar  hyalinen,  mauerförmig  geteil- 
ten Sporen,  welche  zahllose  spermatoide  Sporen  entwickelten, 
die  den  Schlauch  so  anfüllten,  daß  die  wahren  Sporen  ganz  ver- 
deckt blieben.  Danach  ist  der  Pilz  eine  Rhamphoria. 

Aus  verschiedenen  Gründen  halte  ich  es  nicht  für  unmög- 
lich, daß  es  sich  auch  mit  Coronophora  Nitschkei  S&cc.  (,^=^ 
Calosphaeria  myriospora  Nitschke)  ähnlich  verhält.  Nach 
Nitschke's  Beschreibung  könnte  es  sich  auch  hier  um  sper- 
matoide und  nicht  allantoide  Sporen  handeln.  Da  der  Pilz  seit 
Nitschke  nicht  mehr  gefunden  wurde  und  mir  das  Original- 
exemplar desselben  nicht  zugänglich  war,  konnte  ich  diese  Frage 
nicht  entscheiden  (siehe  diese  Fragmente,  Nr.  162). 

Der  von  mir  gefundene  Pilz  hat  daher  Rhamphoria  thelo- 
carpoidea  v.  H.  zu  heißen.  Er  ist  mit  Rh.  tympaiiidispora  Rehm, 
die  auch  zahlreiche  spermatoide  Sporen  entwickelt,  nahe  ver- 
wandt, letztere  Art  hat  aber  einen  deutlichen  Schnabel,  der  fast 
ebenso  lang  ist  als  der  Durchmesser  des  Peritheciums,  dieses 
ist  mit  0-5 mm  auch  größer  und  die  spermatoiden  Sporen  sind 
fast  kugelig. 

Bei  meinem  Pilze  sind  die  wahren  Sporen  einreihig  im 
Ascus,  sind  zirka  27  ^  7  [x  groß  und  haben  etwa  acht  bis  elf 
Querwände,  sie  sind  im  oberen  Teile  breiter  und  unten  stark 
verschmälert.  Da  bei  den  dyctiosporen  Pyrenomyceten  die 
Sporen  nach  meiner  Erfahrung  äußerst  variabel  sind,  so  ist  es 
nicht  unmöglich,  daß  beide,  einander  jedenfalls  nahestehende 
Arten  zusammengehören,  was  nur  durch  die  vergleichende 
Untersuchung  festgestellt  werden  könnte. 


126  F.  V.  Höhnel, 

127.  Über  Pseudovalsa  profusa  (Fr.)  Winter. 

In  der  »Flora  italica  cryptogama«,  Pars.  1 :  Fungi,  Vol.  II, 
p.  298,  hat  Traverso  die  obige  Art  als  Aglaospora  pro- 
fusa (Fr.)  de  Not.  in  eine  eigene  Gattung  gestellt  und  von 
Pseudovalsa  abgetrennt.  Zur  Begründung  dieses  Vorganges 
führt  derselbe  neben  dem  ausgebreiteten  Stroma  und  den  meist 
viersporigen  Asci  den  Mangel  einer  Nebenfruchtform  an, 
welche  bei  Psetidovalsa   (häufig  als  Coryneum)  vorhanden   ist. 

Dieses  letztere  Moment  fällt  aber  jedenfalls  weg.  Denn  es 
kann  keinem  Zweifel  unterliegen,  daß  die  von  Oudemans 
(Nederl.  Kr.  Arch.,  3.  Serie,  II,  4.  SuppL,  p.  1120)  beschriebene 
Stilhospora  Robiniae  Oud.  eine  Nebenfruchtform  von  Pseudo- 
valsa profusa  ist.  Wie  die  Taf.  XIII,  Fig.  6,  zeigt,  sind  die  Co- 
nidien  der  St.  Rohiuiae  den  Sporen  der  P.  profusa,  die  bekannt- 
lich eine  äußerst  charakteristische  Form  haben,  täuschend 
ähnlich.  Sie  haben  auch  mit  35  bis  56  «9  bis  10  jx  fast  die- 
selbe Größe  und  sind  nur  etwas  schmäler.  Bei  der  Gleichheit 
des  Substrates  kann  daher  an  der  Zusammengehörigkeit  der 
beiden  Formen  nicht  gezweifelt  werden. 

Da  die  beiden  anderen  Unterschiede  zwischen  Aglaospora 
und  Pseudovalsa  wohl  nicht  zur  Trennung  der  beiden  Gattun- 
gen genügen,  dürfte  es  wohl  richtiger  sein,  sie  wie  bisher  als 
eine  zu  betrachten.  Wie  Traverso  ganz  richtig  bemerkt,  ist 
der  Name  Aglaospora  älter  als  Pseudovalsa  und  daher  der 
anzuwendende. 

128.  Wettsteinina  n.  g.  (Siehe  Taf.,  Fig.  \a—e) 

Stroma  klein,  rundlich  oder  scheibenförmig,  eingewachsen, 
nach  Abvvurf  der  Epidermis  frei,  schwarz,  peritheciumähnlich, 
aus  polyedrischem  Pseudoparenchym  bestehend.  Loculi  wenig 
zahlreich,  in  einer  Schichte  angeordnet,  je  einen  eiförmigen, 
achtsporigen  Ascus  enthaltend.  Sporen  hyalin,  zweizeilig; 
Zellen  ungleich  groß,  mit  einer  bis  drei  innen  wenig  vorspringen- 
den Ringleisten  versehen  und  hiedurch  scheinbar  geteilt. 

Wettsteinina  gigaspora  n.  sp. 
Stromata   zerstreut,    unter  der   Epidermis   eingewachsen, 
nach  Abwurf  derselben    frei,    rundlich    scheibenförmig,    oben 


Fragmente  zur  Mykologie.  1^' 

meist  etwas  eingedrückt,  in  der  Mitte  mit  kleiner  abfallender 
Papille,  kohlig,  glänzend  schwarz,  500  bis  700  [x  breit,  260  [x 
dick,  mit  einer  10  bis  12  jx  dicken,  aus  zwei  bis  drei  Zellagen 
bestehenden  schwarzen  Rindenschichte.  Gewebe  aus  gegen  die 
Oberfläche  zu  kleineren,  dünnwandigen,  polyedrischen,  isodia- 
metrischen, bis  30  (JL  breiten,  dunkelwandigen  Zellen  bestehend. 
Hypothecium  60  bis  70  [jl  dick,  steriles  Gewebe  des  Umfanges 
150  bis  200  [x  dick.  Loculi  zu  etwa  fünf  bis  sechs  in  der  Mitte 
in  einer  Lage  angeordnet,  unregelmäßig  eiförmig,  durch  dünnere 
oder  dickere,  aus  hyalinen,  oft  etwas  gestreckten  Zellen  be- 
stehende Scheidewände  voneinander  getrennt,  je  einen  bis 
15  [X  dickwandigen,  unregelmäßig  eiförmigen,  meist  acht- 
sporigen, 180  bis  240«  120  bis  140  [x  großen  Ascus  enthaltend. 
Sporen  conglobiert,  hyalin,  beidendig  abgerundet,  bis  1 20  5:::^  44  [j. 
groß,  zweizeilig.  Obere  Zelle  kürzer  und  etwas  breiter.  Sporen- 
membran zweischichtig,  innere  Schichte  dünn,  in  jeder  Zelle 
mit  zwei  nach  innen  wenig  vorspringenden  Ringleisten,  die 
Querwände  vortäuschen,  versehen;  äußere  Schichte  etwas  ver- 
quellend, etwa  8  jj-  dick.  Sporeninhalt  reichlich,  feinkörnig. 

An  dürren,  hohlen,  monocotylen  Stengeln  bei  Gurschewy 
und  Cej  in  Rumänien,  leg.  Loitlesb erger,  1897. 

Einen  ganz  ähnlichen  Pilz  fand  ich  an  einem  1899  bei 
Tumpen  im  Ötztal  (Tirol)  gesammelten  Blatte  von  Myosotis 
alpestris,  mit  ebenso  großen  Sporen,  deren  obere  Zelle  jedoch 
stets  nur  eine  Ringieiste  (während  die  untere  zwei  hat)  auf- 
weist. Er  dürfte  daher  spezifisch  verschieden  sein.  Zur  sicheren 
Entscheidung  fehlt  das  nötige  Material. 

Eine  höchst  bemerkenswerte  Form,  die  am  nächsten  mit  den 
Dothideaceen  verwandt  ist,  sich  jedoch  von  allen  bekannten 
Gattungen  dieser  durch  die  nur  je  einen  Ascus  enthaltenden 
Loculi  unterscheidet,  wodurch  sich  dieselbe  eigentlich  als 
Phymatosphaeriacee  (=  Myriangiacee)  erweist,  mit  welchen 
sie  aber  sonst  keine  nähere  Verwandtschaft  erkennen  läßt.  Es 
scheint  eine  Art  Grundform  zu  sein,  welche  auch  Beziehungen 
zu  den  Sphaeriaceen  und  Discomyceten  erkennen  läßt.  Mit 
den  Phymatosphaeriaceen  scheint  der  Pilz  nicht  näher  verwandt 
zu  sein;  es  gibt  zv^^ar  hieher  gehörige  Formen  mit  in  nur  einer 
Schichte   liegenden   Asci,    aber   dieselben    haben    einen    ganz 


128  F.  V.  Höhnel, 

anderen  Bau.  Der  Pilz  ist  jedenfalls  als  Dothideacee  aufzufassen, 
die  in  enger  Beziehung  zu  den  Phacidieen  stehen. 

Da  dieser  Pilz  einer  einfachen  Sphaeriacee  täuschend 
ähnlich  ist,  so  war  anzunehmen,  daß  hieher  gehörige  Formen 
schon  öfter  gefunden  und  ohne  näheres  Studium  als  Sphaeru- 
lina-,  Metasphaeria-  odtev Massarina-Axien  beschrieben  wurden. 

Nach  einigem  Studium  war  es  mir  wahrscheinlich,  daß 
Sphaerulina  CalUsta  Rehm,  SpJi.  pachyasca  (NssL),  Sph. 
Callista  Rehm  var.  Vossi  Rehm,  Spli.  Aniiae  Oud.,  Lepto- 
sphaeria  mirahilis  NssL,  Massarina  gigaiitospova  Rehm 
und  vielleicht  auch  Massarina  Talae  Speg.  hieher  gehören 
könnten. 

Nachdem  Herr  Dr.  Rehm  in  München  die  Freundlichkeit 
hatte,  mir  vier  Originalexemplare  dieser  Formen  zuzusenden, 
konnte  ich  mich  davon  überzeugen,  daß  bezüghch  dieser  meine 
Annahme  richtig  war. 

Obwoiil  die  Stromata  dieser  Pilze  sehr  klein  (zirka  200  [Jt 
breit)  und  noch  peritheciumähnlicher  als  bei  Wettsteinina 
gigaspora  sind,  lehren  Quer-  und  Axialschnitte  durch  dieselben 
doch,  daß  derselbe  Bau  vorliegt,  freilich  wegen  der  Kleinheit 
der  Stromata  in  vereinfachter  Weise.  Dementsprechend  fehlt 
auch  ein  wirkliches  Ostiolum  mit  Periphysen  und  findet  die 
Öffnung  der  mit  einer  Papille  versehenen  Stromata  durch  Ab- 
brechen dieser  Papille  statt. 

Zwei  der  Rehm'schen  Originalexemplare,  nämlich  Sphae- 
rulina Callista  Rehm  var.  Vossi  Rehm  (auf  dürren  Blättern 
von  Canipamila  caespitosa  bei  Laibach)  und  Massarina  gigan- 
tospora  Rehm  (a.uf  Genistasagittalis  hei  Adelsbevg  in  Krain), 
sind  miteinander  äußerst  nahe  verwandt  und  haben  genau  die- 
selben Sporen  wie  Wettsteinina  gigaspora,  aber  nur  -/s'^i^^ 
so  groß. 

Diese  beiden  Formen  müssen  in  die  Gattung  Wettsteinina 
eingereiht  werden. 

Die  beiden  anderen  Rehm'schen  Originalexemplare, 
nämlich  Spliaerulina  Callista  Rehm  {axii  Alsine?,  Pitztal,  Tirol) 
und  Spli.  Callista  Rehm  (auf  dürren  Blättern  von  Canipannla 
Scheuclizeri  von  Neumarktl  in  Krain)  haben  zwar  denselben 
Stromabau,  aber  sechs-  bis  siebenzellige  Sporen. 


Fragmente  zur  Mykologie.  129 

Sie  müssen  in  eine  eigene  Gattung,  die  ich  Pseudosphaeria 
nenne,  gestellt  werden. 

Es  ist  gewiß,  daß  noch  manche  andere  als  Sphaeriaceen 
beschriebene  Formen  hieher  gehören  werden.  Auch  solche  mit 
ganz  anderen  Sporen. 

Alle  diese  Formen  bilden  durch  ihre  kleinen  perithecien- 
ähnlichen  Stromata  mit  den  einascigen  Loculi  eine  sehr  gut 
abgegrenzte,  eine  Mittelstellung  zwischen  den  Sphaeriaceen, 
Dothideaceen  und  Phymatosphaeriaceen  einnehmende  Familie, 
die  mit  dem  Namen  Pseudosphaeriaceen  bezeichnet 
werden  kann.  Vorläufig  gehören  in  diese  Familie  zwei  Gat- 
tungen. 

Pseudosphaeriaceae  v.  H. 

Stromata  klein,  eingewachsen,  peritheciumähnlich,  mit 
mehreren  nebeneinander  stehenden  Loculi,  die  je  einen  Ascus 
enthalten. 

1.  Wettsteinina  v.  H.  (wie  oben). 

1.  W.  gigaspora  v.  H.  (wie  oben). 

2.  W.  Vossi  (Rehm)  v.  H.  (=  SphaeruUna  CalUsta  var. 
Vossi  Reh  m). 

3.  W.  gigantospora  (Rehm)  v.  H.  (Rehm  sub  Mas- 
sarina). 

2.  Pseudosphaeria  v.  H. 

Wie  Wettsteinina,  aber  Sporen  durch  Querteilung  mehr- 
zellig. 

1 .  Pseudosphaeria  CalUsta  (R  e  h  m)  v,  H.  (R  e  h  m  als  Sphae- 
ruUna). 

129.  Phyllachora  dolichogena  (Berk.  et  Broome)  Sacc. 

Stromata  blattoberseits,  sehr  vereinzelt  blattunterseits, 
200  bis  300  [i  breit,  rundlich,  kohlig-schwarz,  glänzend,  fast 
halbkugelig  vorspringend,  nur  ein  Perithecium  enthaltend,  nur 
oberseits  derselben  in  Form  eines  derben  Clypeus  entwickelt, 
in  1  bis  2  inm  breiten,  rundlichen,  oft  zusammenfließenden 
Gruppen  oder  Herden  das  ganze  Blatt  dicht  bedeckend,    oft  zu 

Sitzb.  d.  mathem.-natunv.  Kl. ;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  9 


130  F.  V.  Höhnel, 

zwei  bis  vier  miteinander  verschmelzend.  Einzelne  Gruppen 
aus  wenigen  bis  15  Stromata  bestehend,  Perithecien  rundlich, 
nach  oben  breit  kegelförmig,  oben  kohlig,  mit  dem  Clypeus  ver- 
schmolzen, unten  weicher,  schwarzbraunhäutig,  160  bis  300  [l 
breit,  200  bis  240  [j.  hoch.  Paraphysen  zahlreich,  fädig,  oft  ver- 
zweigt. Asci  unregelmäßig  zylindrisch-keulig,  sitzend  oder  kurz 
gestielt,  dünnwandig,  53  bis  80^  10  bis  16  [i,  meist  achtsporig, 
Sporen  ein-  bis  zweireihig,  meist  querliegend,  hyalin,  zart- 
wandig,  unregelmäßig  eiförmig  bis  abgerundet  kurzzylindrisch, 
mit  feinkörnigem  Inhalt,  einzellig,  10  bis  13^6^3  bis  Qi/o  |x. 

An  Blättern  von  Dolichos  Lablab  L. 

Samoa,  am  Strande  der  Insel  Upolu  (Dr.  Rechinger). 

Ich  halte  die  obige  Form  für  die  von  Berkeley  und 
Broome  als  Dotliidea  beschriebene.  Da  eine  nähere  Beschrei- 
bung derselben  fehlt,  gab  ich  die  obige.  Es  ist  zweifellos  eine 
Phyllacltora,  obwohl  das  Stroma  nur  einen  dicken  Clypeus 
bildet  und  noch  weniger  entwickelt  ist  als  bei  Pli.  Crotonis 
Cke.  und  Ph.  Cytharexyli  (Rehm.)  v.  H.  Zu  Trabiitüi  oder 
Physalospora  können  diese  Formen  nicht  gestellt  werden,  ob- 
wohl sie  zweifellos  Übergänge  zu  diesen  Gattungen  darstellen. 

130.  Dothidella  Musae  n.sp. 

Stromata  hypophyll,  dicht  herdenweise  oder  stellenweise 
zu  1/3  bis  1^/2  iimi  breiten,  rundlichen  oder  unregelmäßigen, 
dichthöckerigen  Krusten  zusammenfließend,  sehr  klein,  bis  etwa 
250  |x  breit,  schwarz,  schwach  glänzend,  mit  einem  bis  180  [x 
breiten  Loculus.  Paraphysen  spärlich,  dickfädig.  Asci  keulig, 
oben  abgerundet,  sitzend,  achtsporig,  40  bis  60^9  bis  10  [x. 
Sporen  zweireihig,  hyalin,  in  der  Mitte  nicht  eingeschnürt- 
septiert,  an  den  Enden  spitz  oder  stumpflich,  gerade  oder  etwas 
gekrümmt,  14  bis  16  :::^  4  bis  4^/^  \i. 

Auf  einer  Blattseite  (wahrscheinlich  unterseits)  von  Mnsa 
paradisiaca. 

Samoa-Inseln,  Upolu  bei  Apia  (Rechinger). 

Eine  durch  die  kleinen,  schwach  entwickelten  Stromata 
bemerkenswerte  Form.  Leider  ist  das  Exemplar  fast  zur  Gänze 
überreif  und  fand  ich  nur  ein  paar  gut  entwickelte  Stromata. 


Fragmente  zur  Mj-kologie.  131 

131.  Homostegia  graminis  n.  sp. 

Stromata  etwa  300  [x  groß,  rundlich  oder  länglich,  schwarz, 
eingewachsen,  auf  beiden  Blattseiten  sichtbar,  doch  oberseits 
besser  entwickelt,  mit  ein  bis  zwei  rundlichen,  100  bis  200  [x 
breiten  Loculi.  Paraphysen  bald  verschleimend;  Asci  dünn- 
wandig, keulig,  sitzend,  achtsporig,  60  bis  72  ^  5  bis  6  |x;  Sporen 
zweireihig,  hyalin,  meist  sechszellig,  fast  spindelförmig,  oben 
abgerundet,  unten  lang  zugespitzt,  15  bis  18  ^  3  [jl. 

Zusammen  mit  PhyJIachora  graminis  (P.)  an  Grasblättern 
{Pafiicnui?). 

Samoa-Inseln  (Dr.  Rechinger). 

Da  sich  die  HouiostegiaS\.xomeii?i  von  denen  der  häufigeren 
PJtyllacliora  nicht  unterscheiden  ließen,  wurde  auch  unter- 
sucht, ob  es  sich  hier  nicht  um  einen  in  der  Pliyllachora 
schmarotzenden  Pyrenomyceten  handelt.  Doch  konnte  an  dem 
ziemlich  spärlichen  Material  nichts  gefunden  werden,  was  hiefür 
sprechen  würde. 

132.  Hysterium  samoense  n.  sp. 

Apothecien  oberflächlich,  dicht  herdenweise,  linienförmig, 
schwarz,  meist  wenig  verbogen,  ^/^  bis  1  mm  lang,  häufig  bis 
zu  3  mm  lang  zusammenfließend,  50  bis  120  [x  breit,  beidendig 
spitz,  zirka  80  [x  hoch,  schwarz,  kohlig,  mit  schmaler  Längs- 
spalte aufreißend  und  die  schwarzbraune  Fruchtscheibe  ent- 
blößend. Paraphysen  dick,  steif,  ein  violettbraunes  Epithecium 
bildend.  Asci  eiförmig,  oben  stark  verdickt,  32  i=;  16  [x,  bis  acht- 
sporig. Sporen  mehrreihig,  lange  hyalin,  dann  olivenbraun, 
durchscheinend,  länglich-keulig,  beidendig  abgerundet,  vier- 
bis  fünfzellig,  an  den  Querwänden  nicht  eingeschnürt,  die 
beiden  Endzellen  meist  größer,  15^5  [x  groß. 

An  hartem  Holze. 

Samoa-Inseln :  Upolu,  Leolomuenga  (Dr.  Rechingerl 905). 

Eine  durch  die  schmalen  Apothecien  sehr  auffällige  Form. 

133.  Orbilia  botulispora  n.  sp. 

Apothecien  gesellig,  breit  angewachsen,  flach  mit  auf- 
gebogenem   Rande,    dottergelb,    trocken   ockergelb,    wässerig- 

9* 


132  F.  V.  Höhnel, 

fleischig,  0-3  bis  1*4  min  breit,  bis  400  [x  dick.  Hypothecium 
zweischichtig;  obere  Schichte  klein  und  flachzelHg  parenchyma- 
tisch,  dünn,  so  wie  das  H^^menium  dottergelb,  untere  Schichte  bis 
über  300  (x  dick,  blaßgelblich,  aus  zartvvandigen  bis  20  jj.  großen 
isodiametrischen,  polygonalen  Parenchymzellen  aufgebaut. 
Excipulum  parenchymatisch,  gegen  den  Rand  aus  kleineren, 
prismatischen  Zellen  bestehend.  Paraphysen  sehr  dünn,  oben 
mit  kugeligem,  gelbem,  3  [x  breitem  Köpfchen.  Asci  oben  am 
breitesten,  nach  unten  zylindrisch-keilig  verschmälert,  30  bis 
36^^272  ^^^2  !^'  achtsporig;  Sporen  meist  einreihig,  würstchen- 
förmig,  fast  halbkreisförmig  gekrümmt,  2  bis  3  ^  1  [j,,  im  Ascus 
meist  gleichsinnig  orientiert. 

An  stark  vermorschtem  Fagtis-Holz,  bei  Rekawinkel  im 
Wienerwalde,  August  1906. 

Ist  eine  ganz  typische  Orbilia,  durch  das  sehr  dicke  Hypo- 
thecium und  insbesondere  die  Form  der  Sporen  von  den  bisher 
beschriebenen  Formen  ganz  verschieden.  Orbilia  ist  bekannt- 
lich durch  das  Vorkommen  von  sehr  verschieden  gestalteten 
Sporen  ausgezeichnet. 

134.  Hyalinia  crenato-marginata  v.  H.  n.  sp. 

Apothecien  oberflächlich,  gesellig,  sehr  dünn,  flach,  fast 
hyalin,  gelblichweiß,  trocken  blaßrosa,  rundlich,  320  bis  630  [x 
breit,  breit  aufsitzend.  Excipulum  aus  zartwandigen  Parenchym- 
zellen von  8  bis  12  jx  Breite  aufgebaut,  die  gegen  den  Rand 
kleiner  werden.  Rand  mit  8  bis  12  etwa  30  [x  hohen,  30  bis 
120  [X  breiten,  gelblichweißen,  stumpfen  oder  quer  abge- 
schnittenen, aus  einzelligen,  parallelen,  stumpfen,  mit  einer 
wachsartigen  Masse  verklebten  Haaren  bestehenden  Zähnen 
besetzt.  Asci  achtsporig,  keulig,  sitzend,  25  i:;  3  bis  4  [x;  Para- 
physen einfach  fädig,  1  bis  2  [x  dick,  oben  mit  flachem  Köpfchen. 
Hymenium  mit  cuticulaartiger,  dünner,  wachsartiger  Schichte 
überzogen.  Sporen  hyalin,  fadenförmig,  S-förmig  oder  wurm- 
förmig  verbogen,  an  einem  Ende  etwas  dicker  und  abgestumpft, 
am  anderen  spitz  auslaufend,  6  bis  8  ^  Yg  bis  1  [x. 

An  stark  vermorschten  Laubholzstrünken  im  Wienerwald, 
Moosgrund  im  Haltertale  (1904),  bei  Judenau  (1906). 


Fragmente  zur  Mykologie.  133 

Boudier  (Bull,  mycol.,  I,  p.  114)  trennt  von  Orbilia  mit 
Recht  die  beiden  Gattungen  Cheilodonta  und  Hyalinia  ab,  welche 
durch  den  gezähnten  Rand  ausgezeichnet  sind,  während  Orbilia 
ganzrandige  Apothecien  hat. 

Während  Cheilodonta  sich  von  Orbilia  durch  die 
ursprünglich  geschlossenen  Apothecien  und  die  mit  einer  oben 
zugespitzten,  keuligen  Verbreiterung  versehenen  Paraphysen 
etwas  weiter  entfernt,  ist  Hyalinia  von  Orbilia  nur  durch  die 
Randzähne  verschieden.  Boudier  gibt  zwarnoch  an,  daß  bei 
Hyalinia  die  Paraphysen  fädig  sind  (ohne  Köpfchen),  während 
sie  bei  Orbilia  köpfig  sind,  allein  dieser  Unterschied  ist  nicht 
stets  zutreffend. 

Der  beschriebene  Pilz  unterscheidet  sich  von  En-Orbilia 
tatsächlich  nur  durch  den  mit  Zähnen  besetzten  Rand.  Die 
eigentümliche  Masse,  welche  die  Verklebung  der  Haare,  aus 
welchen  die  Zähne  bestehen,  bewirkt,  ist  in  absolutem  Alkohol 
unlöslich,  wird  daher  nicht  harzartiger,  sondern  eher  wachs- 
artiger Natur  sein.  Dieselbe  Masse  überzieht  in  äußerst  dünner 
Schichte  das  ganze  Hymenium.  Hier  wird  sie  von  den  oben 
etwas  abgeflachten  Paraphysenköpfchen  abgeschieden,  welche 
daher  oft  miteinander  verklebt  sind. 

Ganz  derselbe  Überzug  des  Hymeniums  kommt  bei  allen 

mir  bekannten  Orbilia-Arten  vor.  Derselbe  ist  für  diese  Gattung 

charakteristisch,   scheint  aber  bisher   nicht    beachtet    worden 

zu  sein. 

135.  Über  Patellaria  (?)  Urceolus  Fe  kl. 

Dieser  eigentümliche,  von  Morthier  bei  Neuchätel  im 
Jura  an  dürren  Ästen  von  Rtibtis  im  Frühjahre  gefundene,  wie 
es  scheint,  sehr  seltene  Pilz  ist  seiner  Stellung  im  System 
nach  sehr  zweifelhaft. 

Fuckel  (Symb.  mycol.,  II.  Nachtr.,  p.  54)  stellte  ihn 
als  fraglich  zu  Patellaria.  Saccardo  (Syll.  fung.,  VIII,  p.  784) 
wies  ihm  den  Platz  bei  Patellea  an.  Rehm  (Hysteriac.  und 
Discomyc,  p.  732)  betrachtet  ihn  als  Phialea,  jedoch  mit 
Zweifeln. 

Da  ich  nun  in  den  Fungi  rhen.  sub.  Nr.  2474  ein  sehr 
schönes  Originalexemplar  desselben  besitze,  war  ich  in  der 
Lage,  ihn  genauer  zu  untersuchen. 


134  F.  V.  Höhnel, 

Die  Apothecien  stehen  oberflächlich  und  sind  kurz  und 
dick  gestielt;  der  Stiel  ist  etwas  niedriger  wie  breit  und  etwa 
von  der  halben  Länge  des  ganzen  Pilzes.  Dieser  ist  schwarz, 
glatt,  etwas  glänzend,  trocken  fest,  hornartig,  naß  weich, 
knorpelig.  Er  ist  fast  ganz  aus  parallelen  Hyphen,  also  pros- 
enchymatisch  aufgebaut.  Der  Stiel  besteht  aus  einem  etwa  den 
dritten  Teil  seiner  Dicke  einnehmenden  axilen  Teil,  der  aus 
sehr  zarten  und  dünnwandigen,  kaum  1  bis  2  [j.  dicken, 
parallelen  Hyphen  aufgebaut  ist,  und  aus  einer  dicken  festen 
Scheide,  die  aus  sehr  dickwandigen,  gelatinösen,  dicht 
plectenchymatisch  verflochtenen  Hyphen  besteht.  Mit  Aus- 
nahme einer  verkehrt  kegelförmigen,  unterhalb  der  Mitte  der 
Hymenialschichte  in  der  Achse  gelegenen,  aus  ganz  locker  ver- 
flochtenen, dünnwandigen  Hyphen  bestehenden,  sehr  luft- 
reichen Partie  ist  das  ganze  Gewebe  des  Pilzes  dicht  frei  von 
Zwischenzellräumen. 

Die  Fruchtscheibe  ist  anfänglich  geschlossen,  eiförmig  bis 
kugelig,  später  entsteht  oben  eine  rundliche  Öffnung,  die  nicht 
sehr  groß  wird,  so  daß  die  Fruchtscheibe  stets  mehr  weniger 
krugförmig  bleibt.  Das  Excipulum  ist  bis  zum  stumpfen,  abge- 
rundeten Rande  überall  fast  gleich,  im  gequollenen  Zustande 
etwa  120  bis  140[x  dick  und  besteht  aus  lauter  parallelen, bogig 
nach  außen  gekrümmten  Hyphen,  die,  da  sie  stark  gallertig 
verdickt  sind,  wie  in  einer  Gallerte  eingebettet  erscheinen. 
Diese  Hj'phen  stehen  mit  ihren  Enden  fast  überall  senkrecht 
oder  schief  zur  äußeren  Oberfläche  des  Excipulums  und  sind 
daselbst  stumpf.  Sämtliches  Gewebe  des  Pilzes  ist  mehr  oder 
weniger  rauchbräunlich  gefärbt.  Die  krugförmige  Fruchtscheibe 
ist  gegen  das  Excipulum  durch  eine  dünne,  dunklere,  aus 
parallelen  Hyphen  bestehende  Schicht  scharf  abgegrenzt. 

Das  Hymenium  ist  weit  hinauf,  also  nicht  bloß  am  Grunde 
der  Fruchtscheibe  gut  entwickelt  und  besteht  aus  sehr  zahl- 
reichen, gar  nicht  verquellenden,  steifen,  1  [x  dicken,  nach  oben 
sehr  allmählich  auf  2V.^  [Jt,  Dicke  anschwellenden,  oben 
stumpfen  und  bräunlichen  Paraphysen.  Die  Asci  sind  keulig, 
oben  quer  abgestumpft,  nach  unten  sehr  allmählich  lang  gestielt, 
130  bis  140  =;  9  bis  10  [x,    achtsporig.  Sporen    1-  bis  1 V2  reihig, 


Fragmente  zur  Mykologie.  l"^"^ 

hj^alin,  erst  elliptisch  und  einzellig,  dann  beidendig  spitz,  zwei- 
zeilig, 12  bis  16^-^8[x. 

Aus  dieser  Beschreibung  geht  ohnevveiters  hervor,  daß  es 
sich  um  eine  Bulgariacee  handelt.  Unter  diesen  kann  er  nur  in 
die  Gattung  Coryiie  eingereiht  werden,  deren  Arten  pros- 
enchymatisch  aufgebaut  sind  und  wo  auch  Formen  mit  zwei- 
zeiligen Sporen  vorkommen. 

Will  man  daher  den  Pilz  nicht  in  eine  eigene  neue  Gattung 
stellen,  was  er  vielleicht  verdient,  so  muß  er  Coryiie  Urceolus 
(Fckl.)  V.  H.  genannt  werden. 

In  den  Annales  mycologici  1903,  p.  405,  habe  ich  Agy- 
riella  nitida  (Lib.)  Sacc.  näher  beschrieben  und  auf  die  Ähn- 
lichkeit des  Baues,  der  Sporen  und  der  Art  ihrer  Bildung  bei 
dieser  Form  mit  Pirobasidium  hingewiesen  und,  da  letztere 
Gattung  eine  Nebenfruchtform  von  C.  sarcoides  ist,  daraus  den 
Schluß  gezogen,  daß  A.  nitida  die  Nebenfruchtform  einer 
Bulgariee,    am    wahrscheinlichsten    jedenfalls    einer    Coryne- 

Art  ist. 

Eine  solche  auf  i?«&«5-Ranken  wachsende  Coryne  war 
damals  aber  nicht  bekannt,  denn  die  hellfarbige  C.  Faheri^i.Kze. 
konnte  nicht  in  Betracht  kommen. 

Nun  kann  es  aber  kaum  zweifelhaft  sein,  daß  diese  frag- 
liche Art  die  C.  Urceolus  ist,  deren  Farbe,  Konsistenz,  Hyphen- 
beschaffenheit    und  Substrat   vortrefflich   zu  Agyriella  nitida 

passen. 

Ich  glaube  daher,  annehmen  zu  müssen,  daß^.  nitida  Lib. 
die  Conidienfrucht  von  C.  Urceolus  (Fckl.)  v.  H.  ist. 

136.  Pirottaea  Pini  v.  H.  n.  sp. 

Apothecien  in  kleinen,  gedrängten  Herden,  180  bis  200  (j. 
breit,  oben  flach,  Scheibe  weißlich,  nach  unten  kegelförmig  in 
einen  60  [x  langen,  40  (j.  breiten  Stiel  verschmälert,  oberflächlich. 
Außen  braun;  Excipulum  dünn,  aus  unregelmäßigen,  etwa  4  [x 
breiten,  braunen  Zellen  bestehend,  mit  zahlreichen,  schwarzen, 
steifen,  spitzen,  einzelligen,  unten  kürzeren,  oben  bis  zu  120  [x 
langen  und  3  bis  5  [j.  breiten  Borsten  bedeckt.  Apothecienrand 
mit  einer  bis  zwei  Reihen  von   stumpfen,  zylindrischen,   oben 


136  F.  V.  Höhnel, 

abgerundeten,  durchscheinend  braunen,  bis  40  ^  4  bis  5  jj, 
großen  Cilien  versehen.  Paraphysen  spärlich,  dünnfädig,  oben 
nicht  verbreitert,  hyalin.  Asci  keulig,  unten  kurz  stielartig  ver- 
schmälert, 32  5i  6  [x,  achtsporig.  Sporen  einzellig,  zartwandig, 
hyalin,  spindelförmig,  beidendig  meist  zugespitzt,  10  bis  18  ^ 
1-6  bis  2  [j,.  Jod  färbt  den  Ascusporus  violett  und  die  ganze 
Membran  violett-rosa. 

An  morscher  Rinde  von  Pimis  süvestris  am  Steinberg 
(Troppberg)  im  Wienerwald,  Mai  1906. 

Der  sehr  hübsche  und  charakteristische  Pilz  ist  durch  die 
Rotfärbung  der  Asci  sehr  auffallend  und  stellt  wahrscheinlich 
ein  neues  Genus  dar.  Er  ist  am  nächsten  mit  Pirottaea  mima- 
tensis  P.  et  R.  und  noch  mehr  mit  P.  venUirioicles  S.  et  R. 
verwandt,  doch  von  beiden  sicher  verschieden. 

137.  Phialea  epibrya  v.  H.  n.  sp. 

Apothecien  vereinzelt,  sehr  zerstreut,  aufsitzend,  verkehrt 
kegelförmig,  wenig  konkav  oder  flach,  420  bis  450  jx  breit, 
schmal  etwas  heller  berandet,  mit  100  [x  breitem  und  hohem 
Stiel,  aus  dem  Rötlichen  dottergelb,  kahl,  wachsartig.  Gewebe 
kleinzellig-kurzfaserig,  aus  dem  Rosafarbigen  gelblich.  Asci 
sitzend,  keulig,  50  bis  60  i:;  8  bis  9  {x,  mit  1  -5  bis  2  [x  breiten, 
fädigen,  oben  nicht  verbreiterten,  stumpfen  Paraphysen.  Sporen 
hyalin,  zweireihig  zu  acht,  länglich  bis  fast  keulig,  gerade  oder 
kaum  gekrümmt,  einzellig,  meist  mit  feinkörnigem,  gleich- 
mäßigem Inhalt  und  ohne  Öltröpfchen,  12  bis  18^  3  bis  4  [x, 
beidendig  stumpf.  Excipulum  dünn. 

Auf  Blättern  von  Hypnnm  sp.  in  Mähren  bei  Saar  (Kovärs). 

Auffallend  ist,  daß  das  Gewebe  unter  dem  Mikroskop 
meist  schön  rosa  gefärbt  erscheint  (was  durch  den  Inhalt  der 
Elemente  bedingt  wird)  und  trotzdem  der  Pilz  trocken  und 
feucht  gelb  erscheint. 

138.  Revision  von  weiteren  17  von  Feltgen  aufgestellten 

Formen. 

Seitdem  ich  die  Revision  von  292  der  von  Feltgen  auf- 
gestellten Pilzarten  publiziert  hatte  (siehe  diese  Berichte,  Math.- 
nat.  Kl.,  Bd.    115,    Abt.   I   [1906],   p.    1189),    erhielt   ich    noch 


Fragmente  zur  Alykologie.  137 

weitere  17  Originalexemplare  nicht  revidierter  neuer  Formen, 
'davon  16  publiziert  sind  und  eine  nur  im  Herbar  als  neue  Art 
bezeichnet  ist. 

Die  Revision  ergab,  daß  sämtliche  17  Formen  gestrichen 
werden  müssen. 

Nun  verbleiben  von  den  von  Feltgen  aufgestellten  435 
Arten,  Varietäten  und  Formen  noch  127  zu  prüfende  über. 
Originalexemplare  dieser  127  Formen  fanden  sich  im  nach- 
gelassenen Herbar  Feltgen's  nicht  vor,  wie  mir  der  Besitzer 
desselben,  Herr  Professor  F.  Heuertz,  dessen  Entgegen- 
kommen die  ganze  Revisionsarbeit  zu  verdanken  ist,  mitteilte- 
Nach  den  gewonnenen  Resultaten  wird  es  wohl  am  besten  sein, 
die  127  nicht  mehr  in  Originalexemplaren  vorhandenen  Formen 
völlig  zu  streichen  und  als  nicht  existierend  zu  betrachten. 

Lophiostoma  caulium  Ces.  et  de  Not.  f.  Vitalbae  Feltg.  (IIL 
Nachtr.,  p.  267). 

Auf  dürren  Ranken  von  Clematis  Vitalha. 

Ist  nach  dem  Originalexemplar  schlecht  entwickelte  Reben- 
tischia  tmicaudata  (ßerk.  etBroome),  von  Feltgen  in  nicht 
gut  ausgereiftem  Zustande  beobachtet. 

Microthyrium  Hederae  Feltg.  (III.  Nachtr.,  p.  310). 

An  dürren  berindeten  Zweigen  von  Hedera  Helix. 

Die  Sporen  sind  nicht  einzellig  und  10^2' 7  bis  3 "5,  wie 
Feltgen  angibt,  sondern  vierzellig  und  18  bis  20^?)  bis  4  ji,. 
Der  Pilz  ist  nicht  ganz  reif;  Feltgen  hat  ganz  unreife  Zustände 
desselben  beschrieben.  Es  ist  eine  Micropeltis,  offenbar  M.  Fla- 
geoJetii  Sacc,  Syll.,  XI,  p.  381. 

Zignoella  (Zignaria)   superficialis   Feltg.  (IV.  Nachtr.,  p.  73). 

Auf  faulem  Holz  von  Aesculus. 

Ist  Melanopsaimna  pomifonnis  (?)  mit  etwas  derberen, 
weniger  stark  einsinkenden  Perithecien,  sehr  gut  mit  Fungi 
longob.,  Nr.  233,  übereinstimmend.  Die  Sporen  sind  bei  dieser 
Art  meist  nur  11  bis  13^5  bis  6  [x  groß,  also  kleiner,  als  in  den 
Handbüchern  angegeben  wird. 


138  F.  V.  Höhnel, 

Didymosphaeria  lignicola  Feltg.  (II.  Nachtr.,  p.  173). 

An  entrindeten  Zweigen  von  Popiihis  canadeusis. 

Die  Perithecien  sind  bis  700  [x  lang,  doch  meist  kleiner. 
Die  Paraphysen  sind  oben  netzig  verzweigt;  Jod  färbt  den 
Schlauchporus  nicht.  Die  Sporen  sind  elliptisch,  an  der  Quer- 
wand nicht  eingeschnürt,  10  bis  12  i::?  5  bis  5  Y2  l-"- 

Ist  von  Didymosphaeria  cpiderniidis  (Fr.)  auf  Berberis- 
Zweigen  ex  Fuckel,  Fungi  rhen.,  gar  nicht  verschieden.  Auch 
hier  werden  die  (meist  etwas  gestreckten)  Perithecien  bis  700  [x 
lang.  Ist  also  nichts  anderes  als  die  Holzform  von  D.  epider- 
fnidis  (Fr.).  Amphisphaeria  anceps  Sacc.  et  Briand  (Syll.,  IX, 
p.  742)  auf  abgestorbenen  entrindeten  Pappelzweigen,  also 
auf  demselben  Substrat,  ist  offenbar  der  gleiche  Pilz,  obwohl 
die  Perithecien  nur  250  ja  breit  sein  sollen. 

D.  hrimneola  Nssl.  und  D.  albescens  Nssl.  stehen  der  D. 
epidermidis  (Fr.)  äußerst  nahe  und  sind,  wie  mir  scheint,  nur 
durch  das  Substrat  (Kräuterstengel)  verschieden. 

Die  Art  ist  daher  völlig  zu  streichen. 

Physalospora  gregariaSacc.  f.  Taxi  Feltg.  (IV.  Nachtr.,  p.56) 

Auf  Zweigspitzen  von  Taxus  baccata. 

Ist  nach  der  Beschreibung  und  dem  Originalexemplar 
offenbar  Physalospora  gregaria  Sacc.  veLY.foliorum  Sacc.  auf 
Taxus-Blättern,  mit  der  sie  ganz  übereinstimmt  und  welche 
besser  als  eigene  Art:  Physalospora  foliorum  (Sacc.)  v.  H. 
betrachtet  wird  (s.  Syll.,  I,  p.  435). 

Pleospora  discors  Feltg.  nee  Ces.  et  de  Not.  (Hpt.,  p.  239) 
=  P.  Feltgeni  Sacc.  et  Syd.,  Syll.  fung.,  XVI,  547  (III.  Nachtr., 

p.  183). 

Auf  dürren  Halmen  von  Lnzula  iiiaxiina. 

Die  Perithecien  sind  schwarz,  dunkelbraunhäutig,  oben 
abgeflacht  kugelig,  ganz  kahl,  260  bis  300  [x  breit.  Die  Asci 
sind  meist  gebogen,  dick  zylindrisch-keulig,  kurz  knopfig  an 
der  Basis,  120  bis  136^31  bis  37  [x.  Sporen  zu  acht,  zwei- 
reihig, hellbraun  mit  7  Querwänden,  an  der  mittleren  etwas 
eingeschnürt,  ungleichhälftig,  meist  32  bis  37  ^  14  bis  16  V2  ^ 


Fragmente  zur  Mykologie.  139 

selten  größerund,  wie  es  scheint,  nur  wenn  weniger  als  8  Sporen 
im  Ascus  entstehen,  bis  39  i::;  16 '5.  Ist  von  Pleospora  discors 
C es.  et  de  Not.  verschieden;  diese  hat  kleinere,  viel  zartere,  hell- 
braunhäutige Perithecien  und  dunklere,  sattbraune  Sporen.  Doch 
dürfte  die  Angabe,  daß  die  Perithecien  dieser  Art  nur  100  bis 
120  [J-  groß  sind,  unrichtig  sein,  da  die  Asci  bis  140  [x  lang 
werden.  Ein  untersuchtes  Exemplar  (auf  Carex-BV&iiQvn  aus 
dem  Wienervvalde)  hatte  gegen  200  [j.  große  Perithecien. 

"Wie  der  direkte  Vergleich  (mit  Kunze,  Fungi  selecti  Nr.  69) 
zeigte,  ist  der  Pilz  auch  von  P.  Aviucriae  (Rabh.)  Ces.  et  de  Not. 
verschieden;  diese  Art  hat  hellere,  größere  und  stets  breitere 
Sporen.  Die  P.  Feltgeni  gehört  zweifellos  in  den  Formenkreis 
von  P.  herbariun  (Rabh.)  sensu  Nssl.  (Notiz,  üb.  Pyrenomyc. 
1876,  p.  29).  Diese  hat  Sporen  von  24  bis  40  ^  12  bis  16  ^,  meist 
27  bis  33«  13  bis  25  [a  Größe  und  stimmt  daher  sowie  im 
übrigen  ganz  mit  ihr  überein.  P.  Feltgeni  ist  nichts  anderes  als 
eine  dergrößersporigen  F'ormen  von  P.  herbarttin  (Rabh.)  Nssl. 
So  große  Sporen,  wie  sie  Feltgen  1.  c.  angibt,  waren  nicht 
zu  finden. 


Diaporthe  (Claerostroma)  Cerasi  Feltg.  nee  Fckl.  (II.  Nachtr., 
p.  124;  Hpt.,  p.  201)  =  D.  Feltgeni  Sacc.  et  Syd.  (Syll  fung., 

XVI,  p.  493). 

Auf  Cerastis  Avitun. 

Das  Nährsubstrat  ist,  wie  ich  vermutete  (siehe  diese 
Berichte  1896,  p.  1252)  Querms  und  nicht  Cerastis.  Die 
Sporen  finde  ich  17  bis  22  ^^  3  bis  4  V2  [J-  groß.  Der  Pilz  ist  voll- 
kommen identisch  mit  Diaporthe  leiplieniia  (Fr.). 


Valsa  farinosa  Feltg.   (II.  Nachtr.,  p.  115)   =  V.  ceratophora 
Tul.  var.  farinosa  Feltg.  (III.  Nachtr.,  p.  126). 

An  dürren  berindeten  Zweigen  von  Rosa  caniiia. 

Ist  von  Valsa  ceratophora  Tul.  f.  Rosariun  Fckl.  (Symb. 
myc,  p.  201)  =  V.  Rosarum  de  Not.  nicht  verschieden,  daher 
als  Art  und  Varietät  zu  streichen. 


140  F.  V.  Höhnel, 

Cenangium  pallide-flavescens  Feltg.  (III.  Nachtr.,  p.  86). 

An  entrindetem  Ast  von  Ligustrtmi  vulgare.  ■ 
Ich  fand  am  Originalexemplar  nur  einen  ganz  unreifen,  Pezi- 
c^//(2-ähnlichen  Pilz  von  rein  prosenchymatischem  Aufbau  und 
eigentümlicher  zäher  und  fester,  fast  knorpeliger  Beschaffenheit. 
Ein  Cenangium  ist  der  Pilz  jedenfalls  nicht.  Auch  Feltgen 
sah  den  Pilz,  wie  aus  einer  Notiz  desselben  im  Herbar  hervor- 
geht, nur  unreif.  Der  Pilz  ist  ganz  unbestimmbar  und  muß  die 
Art  wegen  des  unreifen  und  unzureichenden  Originalexemplars 
jedenfalls  gestrichen  werden. 

Cenangium  pallide-flavescens  Feltg.  f.  Eupatorii  Feltg. 
(III.  Nachtr.,  p.  86). 

Auf  dürren  Stengeln  von  Eiipatoriuni  camiahiimm. 

Das  Originalexemplar  zeigte  mir  nur  ein  paar  ganz  unreife 
Apothecien  irgend  einer  Hei otium- Art.  Der  Pilz  ist  von  der 
»Stammform«  jedenfalls  verschieden,  wie  schon  aus  der  ganz 
anderen,  weichen  Beschaffenheit  desselben  hervorgeht. 

Auch  diese  Form,  auf  unreifem  und  ungenügendem  Material 
hin  aufgestellt,  muß  gestrichen  werden. 

Mollisia  subcorticalis  (Fck  1.)  Sacc.    var.  tapesioides  Feltg. 
(III.  Nachtr.,  p.  15). 

An  der  Innenseite  faulender  Rinde  von  Tilia. 

Das  Originalexemplar  zeigt  nicht  die  Spur  der  beschriebenen 
Varietät.  Dieselbe  ist  daher  zu  streichen,  um  so  mehr  als  nach 
Rehm  (Hyst.  und  Discomyc,  p.  514)  die  Artberichtigung  der 
Mollisia  subcorticalis  ohnedies  eine  ganz  zweifelhafte  ist. 

Mollisia  cinerea  Karst,  var.  convexula  Feltg.  =  M.  convexula 

Feltg.  (III.  Nachtr.,  p.  18). 

An  dürren  Calluna-Zw eigen. 

Feltgen  spricht  nur  von  braunen  Hyphen  an  der  Basis 
der  Apothecien;  das  sehr  schlechte  Originalexemplar  zeigt  aber 
stellenweise  ein  ganz  mächtig  entwickeltes  braunes  Subiculum 
und  ist  der  Pilz  nichts  anderes  als  Tapesiafnsca  (?)  mit  kleinen, 
schlecht  entwickelten,  alten  Apothecien. 


Fragmente  zur  M3'kologie.  141 

Helotium  terrestre  Feltg.  (IL  Nachtr.,  p.  63;  III.  Nachtr.,  p.  64). 

Auf  lehmiger  Erde. 

Das  Originalexemplar  zeigte  mir  nur  ein  kümmerliches 
Apothecium.  Der  Pilz  wächst  sicher  nicht  auf  der  nackten 
Erde,  sondern  auf  den  dieselbe  durchsetzenden  Pflanzenteilen. 
Es  ist  gewiß  keine  eigene  Art,  sondern  nur  ein  schlecht  ent- 
wickeltes H.  serotiutiin  (P.),  mit  etwas  kleineren  Sporen,  eine 
der  so  häufigen  Übergangsformen  zu  H.  virguJtofum  (Vahl). 

Die  Art  ist  daher  zu  streichen. 


Trichobelonium  pilosum  Sacc.  et  Syd.  var.  tetrasporum 
Feltg.  (III.  Nachtr.,  p.  14). 

An  faulenden  Blättern  von  Carex  elongata. 

Am  Originalexemplar  ist  nichts  von  einem  Trichobelonium 
zu  finden.  Es  zeigten  sich  nur  einige  unbestimmbare,  ganz  alte 
7l/o///5m-Apothecien. 

Die  Varietät  ist  wegen  des  unzureichenden  Original- 
exemplars zu  streichen. 

Pezizella  radiostriata  Feltg.  var.  lignicola  Feltg. 
(IV.Nachtr.,  p.  81). 

Auf  faulem  Jiiglüiis-Ho\z. 

Ist  vollkommen  identisch  mit  Niptera  dentata  F  c  k  1. 
{■=zCisteUa  dentata  Quel.),  die  ebenfalls  auf  Nußbaumholz  ge- 
funden wurde  (Fungi  rhenani,  Nr.  2379).  Der  Pilz  ist  scheinbar 
vollkommen  prosenchymatisch  aufgebaut,  die  genauere  Unter- 
suchung zeigt  jedoch  nach  unten  hin  eine  kleinzellig  parenchy- 
matische,  leicht  übersehbare  Struktur.  Die  Sporen  sind 
7  bis  8  i=;  1  -5  bis  2^2  [J-  groß,  länglich,  nach  beiden  Enden  ver- 
schmälert und  stumpflich.  So  auch  bei  Fuckel's  Exemplar. 
Meist  sind  sie  einzellig;  doch  fand  ich  sie  schließlich  sowohl 
inner-  wie  außerhalb  des  Ascus  ganz  deutlich  zweizeilig.  Die 
Form  ax\i  Symphytnin  (s.  diese  Berichte  1896,  p.  1282)  ist  von 
der  auf  Juglans  nicht  verschieden,  wie  der  direkte  Vergleich 
zeigte. 


142  F.  -r.  Hohnel, 

Neolecta  aurantiaca  Feltg.  (IV.  Nachtr.,  p.  11). 

Am  Boden  zwischen  Moos. 

Ist  nach  dem  Originalexemplar  eine  kleine,  gelbe,  unreife 
Ciavaria  {pahidicola  Lib.?).  Feit  gen  hat  die  Basidien  für  Asci 
und  die  Öltröpfchen  in  denselben  für  Sporen  gehalten.  Es  sind 
aber  deutliche  Sterigmen  vorhanden,  während  die  Sporen  noch 
nicht  entwickelt  sind. 

Guepinia  capitata  Feltg.  n.  sp.  im  Herbar. 

Auf  entrindetem  Holz  einer  Faschine. 
Ist  eine  ganz  alte  und  schlecht  entwickelte  Tuhercttlaria 
(vulgaris?),  deren  Sporen  meist  schon  abgewaschen  waren. 

139.  Phyllosticta  Colocasiae  v.  H.  n.  sp. 

Blattflecken  amphigen,  zahlreich,  rundlich,  braun,  dunkler 
berandet,  konzentrisch  gefurcht -gezont,  3  bis  7  mm  breit. 
Pycniden  amphigen,  zahlreich  in  jedem  Flecke,  unter  den  Spalt- 
öffnungen eingesenkt,  dünnhäutig,  dunkelbraun,  kugelig,  zirka 
70  [JL  breit,  Sporen  hyalin,  gerade,  stäbchenförmig,  gegen  die 
Enden  wenig  verdickt,  3  bis  4  i:^  1  |j..  Sporenträger  sehr  kurz. 

Auf  welken  Blättern  von  CoJocasia  sp. 

Samoa-Inseln:  Malifa  (Dr.  Rechinger). 

Die  Pycniden  entstehen  unter  den  Raschen  von  Cercospora 
Caladii  Cke.  var.  Colocasiae  v.  H.  und  gehören  jedenfalls 
dazu. 

140.  Phyllosticta  coiocasiaecola  n.  sp. 

Ohne  Fleckenbildung.  Pycniden  zerstreut  oder  in  kleinen 
Herden,  auf  beiden  Blattseiten,  schwarz,  punktförmig,  kugelig, 
unter  die  Epidermis  eingesenkt,  mit  deutlichem  Ostiolum,  100. 
bis  120  [j.  breit,  dunkelbraunhäutig,  großzellig.  Sporenträger  sehr 
kurz.  Sporen  hyalin,  mit  grobkörnigem  Inhalt,  eiförmig, 
10^5  bis  6  [x. 

Auf  welken  Blättern  von  Colocasia  sp. 

Samoa-Inseln:  Maüfa  (Dr.  Rechinger). 


Fragmente  zur  Mykologie.  l4o 


141.  Collonema  rosea  n.  f. 


Pycniden  oberflächlich,  zerstreut,  matt  braunschwarz, 
derbhäutig,  kohHg-Iedrig,  meist  längUch,  500  bis  600  [x  lang 
und  150  bis  200  [x  breit,  mit  meist  abgestutzt  kurzzylindrischer 
Mündungspapille,  außen  etwas  rauh,  unten  mit  einzelnen  4  [j> 
breiten  Hyphen,  oben,  besonders  auch  an  der  Mündung  mit 
einzelnen,  braunschwarzen,  an  der  Spitze  blasseren,  stumpfen, 
40  bis  80^4[x  großen  Borsten.  Wandung  zweischichtig,  jede 
Schichte  aus  etwa  5  bis  6  Lagen  von  Parenchymzellen  be- 
stehend und  20  bis  25  [x  dick.  Äußere  Schichte  schwarzbraun, 
innere  hyalin  oder  subhyalin,  dicht  mit  einfachen,  hyalinen, 
20  ^  1  tx  großen  Sporenträgern  ausgekleidet.  Kern  rosa,  Sporen 
hyalin,  gerade  oder  wenig  gekrümmt,  stäbchenförmig,  an  den 
Enden  etwas  verschmälert  und  spitzlich,  mit  4  bis  5  Öltröpfchen, 
ohne  deutliche  Querwände,  12  bis  16  ^^  1  -5  bis  2  [x. 

An  noch  hartem,  faulendem  Rotbuchenholz  am  Pfalzberg 
bei  Preßbaum  im  Wienerwalde,  April  1906. 

Der  Pilz  gehört  zweifellos  in  die  Grove'sche  Forragattung 
Collonema.  Die  innere  Pycnidenmembranschichte  ist  an  der 
Basis  der  Pycniden  viel  dicker,  oft  bis  100  [x  mächtig.  Ich  führe 
den  Pilz  als  eigene  Form  an,  obwohl  ich  nach  eingehendem, 
direkten  Vergleich  die  Überzeugung  gewonnen  habe,  daß  der- 
selbe nichts  anderes  als  die  Oberflächenform  von  Diplodina 
rosea  K.  et  B.  (Sitzber.  d.  k.  böhm.  Ges.  d.  W.  in  Prag,  1903) 
—  Diplodina  roseophaea  v.  H.  (Hedwigia  1903,  p.  188  und 
p.  233)  ist.  Die  Unterschiede,  so  die  derbe  Pycnidenmembran, 
die  stärkere  Entwicklung  der  Hyphen,  die  oben  zu  stumpfen 
Borsten  werden,  halte  ich  für  eine  Folge  des  oberfläch- 
lichen Wachstums  auf  dem  harten  Substrate.  Der  innere  Bau 
beider  Pilze  ist  ein  so  auffallend  gleicher,  daß  ich  beide  Pilze 
nur  für  verschiedene  Wachstumsformen  derselben  Formart 
halte.  Die  Oberflächenformen  sehen  oft  und  ganz  natürlicher- 
weise ganz  anders  aus  als  die  eingewachsenen,  nur  der  Bau 
des  Nucleus  ist  daher  maßgebend.  Ich  zweifle  nicht  daran,  daß 
der  größte  Teil  der  Oberflächenformen  sich  auf  eine  eingesenkte 
wird  zurückführen  lassen. 


144  F.  V.  Höhnel, 

Auf  demselben  harten  Holzstücke  fand  ich  bezeichnender- 
weise auch  Spororniia  leporina  Nssl.,  geinz  Melanouuna-SivWg 
aussehend  und  auftretend. 

142.  Fusicoccum  Macarangae  v.  H.  n.  sp. 

Stromata  hervorbrechend-oberflächlich,  schwarz,  oben 
runzelig,  flach,  400  bis  500  [i  hoch,  ^/^  bis  1  mm  breit,  rundlich 
oder  länglich,  manchmal  unregelmäßig  linienförmig  und  bis 
Snim  lang,  vom  Periderm  begrenzt.  Gewebe  außen  kohlig,  innen 
fleischig,  aus  etwa  10  bis  16  [x  breiten, dünnwandigen  Parenchym- 
zellen  bestehend.  Bau  dothideaceenartig,  Loculi  zahlreich,  meist 
einreihig,  länglich  eiförmig,  oft  durch  sehr  dünne,  unscharfe 
Wände  voneinander  geschieden,  60  bis  120  \i.  breit,  innen  dicht 
mit  einfachen,  hyalinen,  12  bis  14  ^^  2  bis  3  [x  großen  Sporen- 
trägern ausgekleidet.  Sporen  hyalin,  rundlich- eiförmig,  derb- 
wandig,  mit  grobkörnigem  Inhalt,  einzellig,  10  bis  22  j::;  10 
bis  14  II. 

Auf  der  Rinde  von  Macaranga  Reineckei  Fax  (Euphor- 
biacee). 

Samoa-Inseln,  Upolu  bei  Apia  (Dr.  Rechinger). 

Die  Stromata  sind  ganz  dothideaceenartig  gebaut  und 
gehört  der  Pilz  jedenfalls  als  Nebenfruchtform  zu  einer 
Dothideacee. 

143.  Septoria  eburnea  n.  sp. 

Flecken  unregelmäßig  eckig-rundlich,  zahlreich,  2  bis  7  min 
breit,  oben  schließlich  elfenbeinweiß,  unten  braun,  breit  dunkel- 
braun berandet.  Pycniden  nur  oberseits,  gleichmäßig  verteilt, 
zu  wenigen  bis  über  50  im  weißen  Flecke,  eiförmig,  ganz  ein- 
gesenkt, 200  [X  hoch,  170  [x  breit,  oben  abgestutzt,  mit  flachem, 
rundlichem,  60  [x  breitem  Ostiolum.  Wandung  30  bis  40  [x  dick, 
undeutlich  kleinzellig-plectenchymatisch,  zweischichtig,  äußere 
Schichte  gelbbraun,  dünner,  innere  hyalin.  Sporen  fädig,  ver- 
bogen, ziemlich  gleichmäßig  dick,  an  den  Enden  stumpflich, 
mit  3  bis  5  oft  undeutlichen  Septen,  64  bis  92  ^  I72  bis  2^/^  [x. 

An  Blättern  von  Artocarpns  incisa. 

Samoa-Inseln,  Apiaberg  (Dr.  Rechinger). 


Fragmente  zur  Mykologie.  14o 

Eine  durch  die  Art  der  Fleckenbildung  und  die  dicke 
P3^cnidenmembran  auffallende  Art.  Von  S.  Artocarpi  Cke. 
und  S.  criistacea  Welw.  et  Curr.  gänzlich  verschieden.  Die 
weißen  Partien  der  Flecken  sind  von  den  lockerstehenden 
Pycniden  gleichmäßig  braun  punktiert. 

144.  Trichosperma  cyphelloidea  n.  sp. 

Subiculum  weit  ausgebreitet,  weiß,  fest  angewachsen,  dünn- 
häutig. Pycniden  zerstreut,  oberflächlich,  schief,  oben  konisch- 
becherförmig, hängend,  weit  geöffnet,  mit  dünnhäutigem  Rande, 
außen  kahl  oder  von  kurzen  Hyphenenden  etwas  rauh,  weiß- 
lich, bis  1  mm  breit  und  hoch,  Scheibe  blaß  gelblich.  Gewebe 
aus  plectenchymatisch  verflochtenen,  dickwandigen,  dünnen 
Hyphen  gebildet,  an  der  Basis  der  Becher  bis  250  [x  dick,  oben 
auf  der  einen  Seite  50  bis  90  [x,  auf  der  anderen  25  (x  dick. 
Scheibe  dicht  mit  40 bis  50^  1  '5  bis  2  [x  großen,  einfach-fädigen 
Sporenträgern  bedeckt,  die  gegen  den  Rand  allmählich  ganz 
kurz  werden  und  an  der  Spitze  je  eine  hyaline,  fadenförmige, 
bogig  oder  korkzieherartig  gekrümmte,  vielfach  septierte,  unten 
2  bis  3  [x,  oben  1  •  5  bis  1  •  8  [x  dicke,  60  bis  90  [x  lange  Spore 
bilden.  Glieder  der  Sporen  6  bis  7  [x  lang.  Sporen  unten  stumpf, 
oben  spitz,  miteinander  zu  einer  im  Wasser  sich  nicht  ver- 
teilenden Masse  verschlungen. 

An  morscher  Rinde. 

Samoa-Inseln,  Upolu  (Dr.  Rechinger). 

Eine  sehr  eigentümliche  Form,  die  ganz  gut  in  die  Gattung 
Trichosperma  paßt  und  äußerlich  ganz  einer  kahlen  Cypliella 
gleicht.  Durch  die  eigentümlich  gekrümmten  Sporen  erinnert 
sie  an  die  Excipulaceengattung  Oiicospora,  von  der  sie  sich 
jedoch  durch  das  blasse  Gehäuse  unterscheidet.  Die  Sporen 
bilden  eine  feste  Masse,  die  nur  schwer  in  ihre  Elemente  zer- 
legt werden  kann.  Das  Subiculum  ähnelt  einem  dünnen  Flechten- 
thallus. 

145.  Pestalozziella  ambigua  n.  sp. 

Pilz  schmutzig  fleischfarben,  rundlich  oder  länglich, 
V^  bis  1  mm  lang,  erst  geschlossen  im  äußeren  Rindenparenchym 
eingesenkt,  dann  hervorbrechend,  oben  verschleimend  und  die 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Kl. ;   CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  10 


146  F.  V.  Hühnel, 

konkave  oder  schalenförmige  Fruchtschichte  freilegend.  Wand- 
schichte 20  bis  ^0  [1  dick,  aus  dünnen,  plectench3'matisch  ver- 
flochtenen Hyphen  bestehend,  weichfleischig-gelatinös,  hyalin, 
im  äußeren  oberen  Teile  blaßrötlich.  Sporenträger  hyalin,  ein- 
fach, etwa  20  bis  30  [i  lang,  dünn,  an  der  Spitze  die  einzeln- 
stehenden, länglich-zylindrischen,  einzelligen,  dünnwandigen, 
an  den  Enden  meist  abgerundeten,  meist  geraden,  28  bis 
48  ^  8  bis  12  [j.  großen  Sporen  tragend,  die  an  beiden  Enden, 
meist  einseitig  unterhalb  derselben,  etwa  2  bis  5  hyaline,  ver- 
bogene, weiche,  stumpfliche  oder  spitze,  meist  20 bis  40  ^  1  '5  [x 
große  Borsten  tragen. 

Meist  in  Reihen  an  dürren  Stengeln  von  Artemisia  vulgaris 
im  Prater  am  Donaukanal,  Oktober  1906. 

Ein  eigentümlicher,  durch  die  Sporen  an  Chaetospenmim 
erinnernder  Pilz,  doch  sind  die  Anhängsel  der  Sporen  nicht 
steif  und  sehen  Keimfäden  ähnlich.  Der  Pilz  ist  im  jungen, 
eingesenkten  Zustande  allseitig  von  einer  ziemlich  dicken,  aus 
hyalinen  Hyphen  bestehenden  Membran  umgeben.  Beim  Hervor- 
brechen verschleimt  diese  jedoch  im  äußeren  Teile  völlig  und 
die  Fruchtscheibe  wird  freigelegt,  ist  aber  ringsum  von  einem 
Wulste  von  halbverschleimten,  verzweigten  Hyphen  umgeben. 
Man  könnte  ihn  auch  als  Nectrioidee  auffassen,  da  eigentlich 
ein  Gehäuse  vorhanden  ist,  doch  ist  seine  nahe  Verwandtschaft 
mit  Pestalozziella  so  auffallend,  daß  es  richtiger  erscheint,  ihn 
in  dieser  Gattung  einzureihen.  Jedenfalls  stellt  er  aber  eine 
Zwischenform  dar,  die  von  den  Melanconieen  zu  den  Nectri- 
oideen  hinüberführt. 

146.  Gonatorrhodiella  eximia  n.  sp. 

Sterile  Hyphen  spärlich,  fast  hyalin,  kriechend,  zartwandig, 
septiert,  4  bis  6  [i  breit.  Fertile  Hyphen  blaß  fuchsrot,  kleine, 
dichtere  oder  lockere,  ausgebreitete  Rasen  bildend,  steif  auf- 
recht, einfach  oder  seltener  in  der  Mitte  oder  an  der  Basis 
einmal  gegabelt,  mäßig  dünnwandig,  7  bis  14,  meist  9  bis  11  [x 
breit,  septiert,  mit  80  bis  200  (jl  langen  Gliedern,  etwa  500  ;x 
hoch,  eine  endständige  und  zwei  bis  drei  intercalare,  elliptisch- 
eiförmige,  24  bis  36  [x  lange  und  20  bis  30  [x  breite,  blasige 


Fragmente  zur  Mykologie.  147 

Anschwellungen  bildend,  die  ganz  mit  kleinen  Spitzen  bedeckt 
sind,  an  welchen  unmittelbar  aus  etwa  zehn  bis  zwölf  Gliedern 
bestehende  Ketten  von  Sporen  sitzen.  Sporen  wie  die  Hyphen 
gefärbt,  elliptisch,  einzellig,  mäßig  dünnwandig,? -öbis  10^^5-5 

bis  6  [x. 

Auf  Tremella  hitescens  schmarotzend.  Sauerbrunnleiten 
bei  Rekawinkel  im  Wienerwalde,  Juli  1906. 

Die  Rasen  sind  durch  ihre  gelblich-ziegelrote  oder  fuchs- 
rote Farbe  auffallend.  Die  Gattung  Gonatorrhodiella,  von 
Thaxter  1891  aufgestellt,  ist  bisher  nur  durch  die  ameri- 
kanische G.  parasitica  Thaxt.,  welche  auf  Nectriaceen 
schmarotzt,  bekannt  geworden,  ist  also  für  Europa  neu.  Die 
hier  aufgestellte  Art  steht  der  amerikanischen  offenbar  sehr 
nahe,  ist  aber  durch  die  viel  längeren  Sporenketten,  die  kleineren 
Sporen,  welche  beidendig  abgerundet  sind,  die  kleineren  Blasen 
und  die  lebhafte  Farbe  des  ganzen  Pilzes  wohl  verschieden. 

147.  Clonostachys  cylindrospora  n.  sp. 

Raschen  ziemlich  dicht,  rundlich,  etwa  1  mm  breit,  schnee- 
weiß, unten  gelblich,  körnig-flockig,  400  bis  500  ^  hoch.  Hyphen 
ziemlich  dicht  parallel  aufrecht,  gerade,  zartwandig,  etwa  200  [J- 
hoch,  septiert,  unten  gelblich,  4  bis  6  [a  breit,  nach  obenhin 
hyalin,  3  bis  4  [t  breit,  glatt.  Sporentragende  Hyphen  unten 
mit  ein  bis  zwei  abwechselnden,  oben  mit  zwei  bis  vier 
gegenständigen  Seitenzweigen,  die  einfach  oder  einmal  gegen- 
ständig verzweigt  sind.  Selten  stehen  die  Äste  zu  dreien  quirlig. 
Zweige  und  Stamm  an  den  Enden  mit  1  bis  3,  8  bis  12  [x 
langen,  1  '5  {x  breiten,  zugespitzten  Sterigmen  versehen,  außer- 
dem häufig  ein  bis  zwei  unter  der  Spitze  befindliche  kurze, 
anliegende,  den  Sterigmen  ähnliche  Seitenzweige  vorhanden. 
Zweige  erster  und  zweiter  Ordnung  abstehend,  Sterigmen  und 
Zweige  dritter  Ordnung  parallel  aneinanderliegend.  Sporen 
hyalin,  einzellig,  stäbchenförmig,  meist  gerade,  an  den  Enden 
abgerundet  oder  stumpflich,  4  bis  5  ^^  1 '5  bis  1 '8  [x,  an  der 
Spitze  der  Sterigmen  einzeln  und  in  großer  Zahl  nacheinander 
gebildet,  miteinander  parallel  und  mit  jenen  der  nebenstehenden 
Sterigmen    zu    einem    6  bis   12  p.  breiten  und  bis  über   200  [x 

10* 


148  F.  V.  Höhnel, 

langen  Zopf,  in  welchem  sie  mehrreihig  imbrikat  angeordnet 
sind,  verklebend. 

An  den  Blattnarben  morscher,  am  Boden  liegender  Zweige 
von  Abies  pectinata  am  großen  Wienerberge  bei  Preßbaum  im 
Wienerwalde,  Juni  1906. 

Während  bei  der  nächstverwandten  Ga.\.i\xng  Acrostalagnms 
die  sporenbildenden  Astspitzen  einfach  sind  und  keine  Sterigmen 
besitzen  und  die  an  denselben  gebildeten,  außen  schleimigen 
Sporen  zu  kugeligen  Köpfchen  verschmelzen,  sind  bei  Clono- 
stackys  an  der  Spitze  der  Zweige  stets  einige  kurze,  spitze 
Sterigmen  vorhanden,  die  oft  von  etwas  unter  der  Spitze 
ansitzenden  begleitet  werden.  Alle  diese  Sterigmen  stehen  dicht 
parallel  nebeneinander  und  erzeugen  gemeinschaftlich  durch 
Verklebung  der  in  großer  Zahl  gebildeten  Sporen  einen  zylin- 
drischen Zopf,  in  welchem  die  Sporen  schief  imbrikat  ange- 
ordnet sind. 

So  ist  es  sicher  bei  der  vorstehend  beschriebenen  zier- 
lichen Art.  Corda's  Abbildung  von  Clotiostachys  Araiicaria 
(Prachtflora,  Taf.  XV)  zeigt  zwar  von  den  Sterigmen  nichts,  doch 
sind  diese  sehr  zart  und  von  Cord  a  offenbar  übersehen  worden, 
denn  nur  durch  das  Zusammenwirken  mehrerer  Sterigmen 
erklärt  sich  der  regelmäßige  Aufbau  der  Sporenzöpfe. 

Ähnliche,  aber  weniger  regelmäßige  Sporenzöpfe  können 
allerdings  auch  an  einfachen  sporenbildenden  Spitzen  ent- 
stehen. So  bei  der  Gattung  Cirrhomyes. 

In  der  Gattung  Clonostachys  stehen  heute  Arten,  die  mit 
ihr  gar  nichts  zu  tun  haben. 

Es  sind  dies  C.  spectahüis  (Harz);  C.  populi  Harz; 
C.  Candida  Harz  und  C. psetidobotrytis  v.  H. 

Bei  diesen  Arten  sind  die  sich  imbrikat  deckenden  Sporen 
in  Reihen  an  langen  Seitenzweigen  der  Fruchthyphen  ange- 
ordnet; diese  kolben-  oder  ährenähnlichen  Sporenstände  sind 
den  Sporenzöpfen  von  Clotiostachys  nur  äußerlich  ähnlich  und 
damit  verwechselt  worden.  Sie  haben  eine  Hyphenachse,  an 
welcher  die  Sporen  seitlich  entstehen. 

Die  vier  genannten  Formen  sind  mit  Botrytis,  wo  ähnliche 
vorkommen,  sehr  nahe  verwandt.  Sie  verdienen  aber,  in  eine 
eigene    Clonostachyopsis   zu   nennende    Gattung    gestellt    zu 


Fragmente  zur  Mykologie.  149 

werden,  die  eventuell  auch  als  Sektion  von  Botrytis  aufgefaßt 
werden  kann.  Es  ist  sicher,  daß  manche  Botrytis- Arten,  z.  B. 
B.  epigaea  vielleicht  besser  als  Clonostachyopsis  -  Arten  be- 
trachtet werden.  Eine  Übergangsform  ist  Botrytis  spectahilis 
Harz,  welche  Art  von  Oudemans  zu  Clonostachys  gezahlt 
wird,  sich  aber  von  B.  epigaea  eigentlich  generisch  nicht  unter- 
scheidet. Der  Hauptunterschied  beruht  darauf,  daß  bei  B.  epigaea 
die  sporentragenden  Hyphenenden  nach  obenhin  etwas  ver- 
breitert sind,  was  bei  B.  spectahilis  Harz  nicht  der  Fall  ist. 

Zu  Clonostachyopsis  sollten  nur  jene  Arten  gerechnet 
werden,  welche  bis  zur  Spitze  gleichmäßig  dicke,  sporen- 
tragende Hyphen  haben  und  deren  Sporen  länglich  oder  zylin- 
drisch sind  und  sich  imbrikat  decken. 

Es  sind  dies 

1.  Clonostachyopsis poptili  (Harz)  v.  H., 

2.  C.  Candida  (Harz)  v.  H., 

3.  C  pseudohotrytis  v.  H. 

Clonostachys  Gneti  Oud.  ist  nach  der  Abbildung  (Versl. 
en  Meddel.  der  koningl.  Ak.  Wetenschapp.  Amsterdam,  III.  S., 
II.  T.,  1890,  p.321,  Taf.  2)  eine  echte  Clonostachys,  von  der  es 
mir  zweifelhaft  ist,  ob  sie  von  C.  Araticaria  Cda.  spezifisch  ver- 
schieden ist.  Jedenfalls  steht  sie  dieser  Art  sehr  nahe. 

148.  Harziella  effusa  v.  H.  n.  sp. 

Rasen  40  bis  50  \i  hoch,  weit  ausgebreitet,  am  Rande  all- 
mählich verlaufend,  weißlich  mit  einem  Stich  ins  Rötliche. 
Sterile  Hyphen  zart,  Fruchthyphen  40  bis  50  [x  hoch,  zartwandig, 
2  bis  3  {j.  breit,  nicht  oder  wenig  septiert,  meist  mit  zwei  bis  drei 
gegen-  oder  wirtelständigen,  zugespitzten  Seitenzweigen  ver- 
sehen, von  20  bis  30  [x  Länge  und  1  •  5  bis  2  [x  Breite.  Hauptstamm 
und  Seitenzweige  an  der  Spitze  die  Sporen  einzeln  in  großer 
Zahl  nacheinander  bildend.  Sporen  meist  rundUch,  1  '5  bis  3  [x 
breit,  hyalin,  in  Massen  rosa,  zu  kugeligen,  4  bis  100  [j.  großen, 
zuletzt  zu  großen  unregelmäßigen  Massen  verschmelzenden 
Köpfchen  von  rötlicher  Färbung  verklebt. 

An  morschen  Pflanzenteilen,  Holz,  Rinden,  Moosen  weit 
ausgebreitete,    sehr   zarte,    feinmehlig    aussehende    Überzüge 


150  F.  V.  Höhnel, 

bildend,  welche  mit  der  Lupe  betrachtet  hie  und  da  glänzende 
Körnchen  und  größere  rötliche  Flecke  zeigen,  die  beide  von 
den  Sporenköpfchen  und  -massen  herrühren. 

Am  großen  Wienerberge  bei  Preßbaum  im  Wienerwalde 
(1906). 

Die  Gattung  Havziella  steht  der  Gattung  Acrostalagwius 
sehr  nahe  und  unterscheidet  sich  hauptsächlich  durch  die  ein- 
fachere und  weniger  regelmäßige  Verzweigung  sowie  durch 
das  Verschmelzen  der  Sporenköpfchen  zu  größeren  Massen, 
das  bei  Acrostalagmus  fast  nie  eintritt. 

Die  beschriebene  Art  ist  etwas  länger  verzweigt  als  die 
einzige  bisher  bekannte  Harziella  capitata  C.  et  M.,  bildet 
in  dieser  Beziehung  einen  deutlichen  Übergang  zu  Acrostalag- 
mus und  könnte  schließlich  auch  zu  letzterer  Gattung  gestellt 
werden. 

149.  Cercospora  Kleinhofiae  n.  sp. 

Blattflecken  zahlreich,  unregelmäßig-rundlich-eckig,  2  bis 
10  imn  breit,  oft  zusammenfließend  oder  randständig,  beider- 
seits sichtbar,  braun,  ockergelb  berandet.  Raschen  klein,  kaum 
sichtbar,  unterseits  zahlreich,  oben  spärlich;  Fruchthyphen 
bräunlich,  einfach,  einzellig,  wenig  zahlreich,  meist  20  bis  25  ^ 
4  bis  5  |JL  und  nur  mit  einer  Narbe.  Sporen  blaß,  zylindrisch- 
fädig,  nach  oben  etwas  verschmälert,  oben  stumpf  lieh,  zwei-  bis 
fünfzellig,  35  bis  65  «  4  bis  5  [x. 

Auf  den  Blättern  von  Kleinhofia  hospita  (L.). 

Samoa-Inseln:  Matrotua  (Dr.  Rechinger). 

150.  Cercospora  Caladii  Cke.  var.  Colocasiae  v.  H. 

Blattflecken  amphigen,  zahlreich,  rundlich,  braun,  dunkler 
berandet,  konzentrisch  gefurcht-gezont,  3  bis  7  mm  breit. 
Raschen  zahlreich  in  jedem  Flecke,  auf  beiden  Blattseiten, 
punktförmig,  dunkelbraun,  aus  den  Spaltöffnungen  kommend, 
aus  vielen,  meist  einzelligen,  einfachen,  blaßbraunen,  mit  einer 
oder  zwei  bis  drei  Narben  versehenen,  30  bis  45^5  [jl  großen 
Fruchthyphen  bestehend.  Sporen  subhyalin  oder  blaßbräunlich> 
vier-  bis  fünfzellig,  unten  4  [x  breit,  nach  oben  allmählich  ver- 
schmälert, 50  bis  100  (x  lang. 


Fragmente  zur  Mykologie.  151 

Auf  Blättern  von  Colocasia  sp. 
Samoa-Inseln:  Malifa  (Dr.  Rechinger). 
Unter  jedem   Raschen   entwickelt   sich    eine  Pycnide  von 
Phyllosticta  Colocasiae  v.  H.,  die  jedenfalls  dazu  gehört. 

151.   Über    Camptosporium     glaucum  Lk.     und    Menispora 

glauca  Cda. 

Diese  beiden  Namen  werden  seit  Cor  da  als  S3'nonym 
betrachtet  (Syll.  fung.,  IV,  p.  325).  Es  sind  aber  zwei  von- 
einander gänzlich  verschiedene  Pilze. 

Der  eine  muß  heißen  Menispora  glauca  (Lk.)  Fers. 
(Mycol.  europ.,  I,  p.  32),  die  zweite  ist  eine  Acrotheca  und  muß 
heißen  Acrotheca  glauca  (Cda.)  v.  H. 

Es  geht  dies  schon  aus  den  Beschreibungen  von  Fries 
und  Corda  hervor.  Fries  (Syst.  myc,  III,  p.  450)  beschreibt  den 
Pilz  als  filzig,  die  Hyphen  als  intorto-intricates,  tenues,  trans- 
parentes und  die  Sporen  als  diffluentia. 

Dies  paßt  nicht  zu  dem  Corda'schen  Pilze,  der  die  Hyphen 
als  erecti,  die  Sporen  als  acrogenae,  primum  fasciculatim 
junctae  beschreibt  (Icones,  Heft  II,  p.  12,  Taf.  X,  Fig.  54).  Ver- 
gleicht man  Corda's  Abbildung  mit  Fries'  Beschreibung,  so 
sieht  man  sofort,  daß  zweierlei  Pilze  vorliegen  und  sohin 
Corda  mit  Unrecht  seinen  Pilz  mit  dem  Link'schen  identi- 
fizierte. 

Da  ich  nun  beide  diese  Pilze  fand,  bin  ich  in  der  Lage,  sie 
näher  zu  charakterisieren. 

1.  Acrotheca  glauca  (Cda.)  v.  H.  hat  weit  ausgebreitete, 
nicht  filzige  Rasen.  Die  Fruchthyphen  sind  meist  einfach,  seltener 
unten  mit  einem  Seitenzweige,  ziemlich  steif  aufrecht,  septiert, 
etwa  260  [x  hoch,  unten  dunkelbraun,  weniger  durchscheinend, 
ziemlich  derbwandig,  etwa  6  \h  dick,  oben  4  [x  dick,  dünn- 
wandig, sehr  durchscheinend.  Die  Sporen  sind  hyalin,  einzellig, 
spindelförmig,  fast  halbmondförmig  gekrümmt,  24  bis  28  w  4  [x. 
Dieselben  stehen  zu  etwa  10  bis  20  an  der  Spitze  der  Frucht- 
hyphen, sind  seitlich  miteinander  verklebt  und  bilden  so  ein 
festes,  elliptisches,  etwa  30  bis  35  ix  langes  und  20  bis  25  ;x 
breites  Köpfchen,  das  zuckermelonenartig  aussieht.  Manchmal 


152  F.  V.  Höhnel, 

wächst  die  Fruchthyphe  durch  das  Köpfchen  hindurch,  ver- 
längert sich  und  bildet  ein  zweites  Köpfchen.  Dann  sieht  man 
im  Längsverlauf  der  Fruchthyphen  ein  Sporenköpfchen,  das 
von  der  Hyphe  durchsetzt  ist,  so  wie  dies  Corda  abbildet. 

Es  kann  keinem  Zweifel  unterworfen  sein,  daß  der  von 
mir  gefundene  Pilz  mit  dem  Corda'schen  identisch  ist. 

2.  Menispora  glauca  (Lk.)  Pers.  hat  250  bis  300  [i 
lange,  stark  durchscheinende,  septierte,  unten  4  bis  5,  oben 
2  bis  3  [1  breite,  verbogene,  leicht  umfallende  und  dann  einen 
sehr  lockeren  Filz  bildende  Hyphen,  die  hie  und  da  an  ganz 
kurzen,  papillenartigen,  hyalinen  Seitenzweigen  die  einzel- 
stehenden, zerstreuten,  niemals  miteinander  verklebten  Sporen 
entwickeln.  Diese  sind  spindelförmig,  schwach  gekrümmt, 
beidendig  spitzlich,  16  bis  18^4  [x,  ohne  Cilien. 

152.  Clasterosporium  glandulaeforme  n.  sp. 

Sterile  Hyphen  fehlend.  Fertile  Hyphe  einfach  unverzweigt, 
gerade  oder  etwas  gebogen,  einzellig  oder  mit  1  bis  2  undeut- 
lichen Querwänden,  unten  bräunlich  und  etwa  3  bis  4  [x  breit, 
nach  obenhin  allmählich  subhyalin  werdend  und  bis  6  bis  7  [x 
breit,  dünnwandig,  zirka  30  jx  lang,  an  der  Spitze  eine  vier- 
zellige,  unten  quer  abgeschnittene,  oben  kugelig  abgerundete, 
etwa  10  [x  breite  und  12  [x  hohe  Spore  tragend.  Oberste  Sporen- 
zelle opak,  schwarz,  über  halbkugelig,  zweite  Zelle  flach 
scheibenförmig,  braun,  die  zwei  Basalzellen  subhyalin,  dünn- 
wandig, ganz  schmal.  Fruchthyphe  an  der  Basis  zu  einer  dem 
Substrat  aufsitzenden,  8  bis  12  [x  breiten,  flachen,  rundlichen, 
am  Rande  krenulierten  oder  etwas  gelappten  Scheibe  erweitert. 
Nach  dem  Abfalle  der  Spore  wächst  häufig  die  Fruchthyphe 
weiter  und  tritt  wiederholte  Sporenbildung  ein. 

An  den  Hyphen  von  Corticinin  coronatum  Schrot. 
{—  C.  pruinahim  Bres.)  sitzend  und  offenbar  darauf 
schmarotzend.  Sauerbrunnleiten  bei  Rekawinkel  im  Wiener- 
walde, August  1906. 

Eine  höchst  charakteristische  Form,  die  nur  mit  Clastero- 
sporiitm  Lini  Oud.,  die  in  Holland  auf  den  Wurzeln  des 
Leines  gefunden  wurde,  Ähnlichkeit  zu  haben  scheint. 


Fragmente  zur  Mykologie.  lij" 

Der  auf  den  Hyphen  reichlich  sitzende  Pilz  macht  ganz 
den  Eindruck,  als  würde  er  ein  drüsenartiges  Organ  des  Cor- 
ticiiun  sein. 

153.  Dendryphium  Pini  n.  sp. 

Raschen  klein,  locker-wollig,  schwärzlichgrau.  Sterile 
Hyphen  obsolet,  fertile  steif  aufrecht,  200  bis  400  jx  hoch,  gleich- 
mäßig 4  [X  dick,  so  wie  die  Sporen  durchscheinend  rauchgrau 
mit  Stich  ins  Violette,  dünnwandig,  septiert,  glatt,  Glieder  zirka 
25  bis  35  ^  lang;  ganz  oben  mit  meist  gegenständigen,  kurzen 
Seitenästen,  die  so  wie  die  Spitze  kurze,  einfache  oder  ver- 
zweigte Sporenketten  bilden.  Sporen  zu  wenigen  in  Ketten, 
zylindrisch,  beidendig  abgerundet,  mit  zwei  bis  vier,  meist 
vier  Querwänden,  meist  16  -^  5^4  bis  6[j.. 

An  morscher  Rinde  von  Phms  siJvestris  am  Steinberg 
(Troppberg)  im  Wienerwald,  Mai  1906. 

Ist  ein  ganz  typisches,  bisher  unbeschriebenes  Dendry- 
phium. 

154.  Fusarium  cirrosum  n.  sp. 

Sporodochien  eingesenkt, flach,  klein,  verschieden  gestaltet; 
Sporenträger  kürzer  als  die  Sporen,  dicht  parallel  stehend,  meist 
einfach,  an  der  Spitze  die  meist  regelmäßig  sichelförmig  ge- 
krümmten, hyalinen,  in  Haufen  rosa  erscheinenden,  spindel- 
förmigen, 60  bis  70  [X  langen,  6-5  bis  7  [x  breiten,  reif  stets  vier- 
zelHgen  Sporen  bildend,  die  in  roten  Ranken  heraustreten.  Die 
zwei  mittleren  Zellen  sind  etwas  kürzer  als  die  Endzellen, 
welche  allmählich  stumpflich  zugespitzt  sind. 

In  den  Acervuli  von  Steganosporium  pyriforme  (auf  Rinde 
von  Acer  sp.)  schmarotzend.  Irenental  bei  UntertuUnerbach 
im  Wienerwalde,  Mai  1906. 

Von  den  zahlreichen  bekannten  Fusarmm-Arten  ist  die 
beschriebene,  in  die  Sektion  Selenosporhim  gehörige  Form 
durch  die  Lebensweise,  die  eingesenkten  Sporodochien  und 
besonders  die  in  schönen,  manchmal  langen  Ranken  austreten- 
den Sporen  auffallend  verschieden.  Der  Pilz  fand  sich  stets  nur 
in  den  Sporenlagern  des  Steganosporinm  und  ist  seine  sporen- 
bildende Schichte  mit  der  des  Nährpilzes  so  verschmolzen,  daß 


154  F.  V.  Höhnel, 

dieser  scheinbar  zweierlei  Sporen  entwickelt.  Die  Fusaviiun- 
Sporen  bilden  eine  Ranke,  welche  durch  die  Sporenmassen  des 
Steganosporium  brechen  und  oft  weit  vortreten.  Solche  Sporen- 
ranken sind  bei  Fusarhtm- Arten  meines  Wissens  bisher  nicht 
beobachtet  worden.  Die  Mittelzellen  der  Sporen  zeigen  häufig 
einige  kleine  Öltröpfchen. 

155.  Zur  Synonymie  einiger  Pilze. 

1.  Mollisia  Gtiernisacii  Crouan  (1867)  ist  nach  Gillet, 
Les  Discomycetes,  1881,  p.  118,  Tafel  80,  offenbar  gleich 
Uruiila  terrestris  (Nssl.)  1872,  was  an  Originalexemplaren 
noch  näher  zu  prüfen  wäre. 

2.  Die  beiden  Hyphomycetengattungen  Stephanoma 
Wallr.  und  Syiitlietospora  Morgan  fallen  offenbar  zusammen. 

3.  Odontia  tennevima  Wettst.  (Verh.  d.  zool.-bot.  Ges. 
Wien,  1888,  p.  178)  ist  nach  untersuchtem  Originalexemplare 
gleich  Tomentella  isahelUna  (Fr.)  v.  H.  et  Litsch. 

4.  Ceratostoma  biparasiticum  Ell.  et  Ev.  ist  höchstwahr- 
scheinlich gleich  Melanospora  parasitica  Tul. 

5.  Steganosporium  compactnni  Sacc.  ist  keine  Melan- 
conieC;,  sondern  eine  Tuberculariee  und  hat  Thyrococciun  com- 
pactnni (Sacc.)  V.  H.  zu  heißen. 

6.  Septoria  violicola  =z  Septoria  Violae  Rabh.  ist  zweifel- 
los gleich  Marssonina  Violae  (Pass.)  Sacc. 

7.  Dendrodocliinm  snhtile  Fautr.,  Pionnotes  pinastrt 
Karst,  und  Cylindrocolla  pini  Lamb.  et  Fautr.  sind  miteinan- 
der identisch  oder  sehr  nahe  verwandt  und  gehören  in  eine 
neue  Formgattung,  die  zu  den  Tnberctüarieae  inncedineae 
gehört  und  durch  sehr  dünne,  lang  fadenförmige  Sporen  ausge- 
zeichnet ist.  Ich  schlage   hiefür   den  Namen  Linodochium  vor. 

8.  Nachdem  ich  gefunden  hatte  (s.  diese  Berichte,  math.- 
naturw.  KL,  Band  115  [1906],  p.  41),  daß  Lenzites  faventina 
Cald.  und  L.Reichardtii  Schulz. derselbe  Pilz  sind,  überzeugte 
ich  mich  an  den  großen  Originalexemplaren  Schulzer's,  die 
sich  im  Wiener  Hofmuseum  und  im  botanischen  Institute  der 
Wiener  Universität  vorfinden,  daß  diese  Arten  nichts  anderes 
sind  als  die  entwickeltste  (Lenzites-Forra)  von  Daedalea  qncr- 
cina     (L.).      Diese     entwickeltste    Form    mit     scharfrandigen 


Fragmente  zur  Mykologie.  loi^ 

Lamellen  (die  aber  an  großen  Exemplaren  rückwärts  stumpf 
werden  und  dann  ganz  so  wie  bei  der  gewöhnlichen  Form  auf 
Eichen  miteinander  Daedalea-artig  anastomisieren)  scheint 
typisch  nur  auf  Poptiliis  vorzukommen.  Nun  erklärt  es  sich, 
daß  D.  qtiercina  unter  den  übrigen  Daedalea- Axien  so  ganz 
isoliert  dastand,  während  sie  als  Lenzites  qnercina  (L.)  v.  H.  bei 
den  Letizites-hr{Qn  einen  besseren  Anschluß  findet. 


Naraenverzelehnis. 

Seite 

Acrotlieca  glaiica  (Cd a.)  v.  H 1^1 

Aglaospora  profusa  Fr ^  ^t> 

Ag)'rieUa  nitida  (Lib.)  S acc 135 

Amphisphaeria  anceps  S.  et  B l-^^S 

»  deformis  E.  et  L 1-1 

»  iiitidula  n.  sp 1  -Ö 

sardoa  (de  Not.) 121 

Aunularia  Jaevis ^^ 

Antliostoma  Cocois  n.  sp 12^ 

»  versicolor  Starb 12-1 

Bombard ia  ambigua  Sacc.  var.  carbonaria  Re  hm    120 

»  fasciculata  Fr 1 16>  1 18 

Botrytis  argillacea  Cke 8" 

»       (Eubotrytis)  brevior  (Berk.  et  Broome) 87 

»  »  carnea  Seh  um 87,  88 

»       (Phymatotriclium)  carnea  Seh  um 88,  89 

»       carnea  var.  quercina 87 

»       dichotoina  Cda 87,  88,  89 

epigaea  Lk 86,  89,  149 

»       (Eubotrytis)  fiilva  Lk 87,  88,  89 

»  »  isabcllina  Preuss 87,  SS 

»       rosea  Lk 8S 

»        spectabilis  Harz l"!^' 

Calonectria  olivacea  n.  sp 1^' 

CalospJiaeria  myriospora  Nke 12-^^ 

Cauiptosporiuin  glaucnin  Lk 1*^1 


156  F.  V.  Höhnel, 

Seite 

Cenangium  pallide-ßavescens  Fe  Itg . .  140 

»  »  »  var.  Enpatorii  Fe  Itg 140 

Ceratostoma  hiparasiticum  Ell.  et  Ev 154 

Cercospora  Caladii  var.  Colocasiae  v.  H 142,  150 

»  Kleinhofiae  n.  sp 150 

Cistella  dentata  Quel 141 

Clasterosporium  glandtilaeforme  n.  sp 152 

»  Liiii  Oud 152 

CUtopilus  conissans  Peck 97^  99 

Clonostachyopsis  Candida  (Harz.)  v^  H 149 

»  popiüi  (Harz.)  v.  H 149 

»  pseudohotrytis  v.  H 149 

Oouostachys  Araucaria  Cda 148,  149 

»  Candida  (Harz.)   148 

»  cylindrospora  n.  sp 147 

»  Gneti  Oud 149 

»  poptili  (Harz.) 148 

»  pseudohotrytis  v.  H ....  148 

»  spectahilis  (Harz.) 148 

Coleroa  salisburgensis  (N  s  sl.)  v,  H 115 

»       Stranssii  (S.  et  R.)  v.  H 115 

Collonema  rosea  n.  f. 143 

Collybia  nigrescens 96 

Coronopkora  Nitschliei  Sacc 125 

»  thelocarpoidea  v.  H. 124 

Coryne  Faberi  K  z  e 135 

»       sarcoides 135 

»       Urceohis  (Fckl.)  v.  H 135 

Cosmospora  coccinea 106 

Cticurbitaria  Berberidis 1 04 

CylindrocolJa  pini  Lam  b.  et  Fautr 154 

Daedalea  qnercina  (L.) 154 

Dendrodochium  subtile  Fautr 154 

Dendryphiujn  Pini  n.  sp 153 

Diaporthe  (Claevostronia)  Cerasi  Fe  Itg.  non  Fckl 139 

»         leiphemia  Fe  Itg 139 

Didymella  Passiflorae  n.  sp 123 


Fragmente  zur  Mykologie.  lO' 

Seite 

DidymospJiaeria  alhescens  Nssl 138 

»  brimneola  Nssl 138 

»  epidermidis  (Fr.)   138 

»  lignicola  Feltg 138 

Diplodina  rosea  K.  et  B 143 

»         roseophaea  v.  H 143 

Dothidella  Mnsae  n.  sp 130 

Fusarium  cirrosum  n.  sp Iö3 

Fiisicoccum  Macarangae  v.  H 144 

Gihbera  fulvella  Mass 115 

»        salishurgensis  Nssl 1 12,  1 13 

»        Vaccinii  S  o  vv 115 

Gloeosporhun  affine  Sacc 123 

Gonatorrliodiella  eximia  n.  sp 146 

»  parasitica  Thaxt 147 

Guepinia  capitata  Feltg 142 

Harziella  capitata  C.  et  M. 150 

efftisa  V.  H 149 

Helicobasiditmt  farinaceum  n.  sp. 84 

»  hypochnoidetiin  v.  H 85 

Helminthosphaeria  Clavariae  Tul 109 

»  Corticiorum  v.  H 109 

»  Odontiae  n.  sp 108 

Helotium  serotinum  (P.) 140 

»  terrestre  Feltg 1 40 

»  virgultorum  (Vahl.) 140 

Heterocliaete  europaea  v.  H 84 

Homostegia  graminis  n.  sp 131 

Hyalinia  crenato-inarginata  n.  sp 132 

Hydmmi  (Odontia)  cristulatum  Fr 94 

Hygrocyhe  nitrata ""^ 

Hyplioloma  minutelluni  n.  sp 98 

Hypochnus  Brefeldii  Sacc 89 

»  isahelUmis  Fr 86 

Hysteriuni  sanioense  n.  sp 131 

Inocyhe  pluteoides  n.  sp 96 

»       Trinii  W  e  i  n  m "^ 


158  F.  V.  Höhnel, 

Seite 

Kneiffia  setiger a  Fr 90,  9 1 

Lenzites  faventina  Cald 154 

»        qtiercina  (L.)  v.  H 155 

»        Reichardtii  Schulz 154 

Leptosphaeria  inirahiUs  Nssl 128 

»  Morthierana  Sacc 112 

»  Wintert  Nssl 112 

Letendraea  rJtynchostoma  n.  sp 108 

Limacinia  spinigera  n.  sp 100 

Limacinula  sanioensis  n.  sp 101 

Lophiostoma  canlium  f.  Vitalhae  Feltg 137 

Marssonina  Violae  (Pass.)  Sacc 154 

Massariita  gigantospora  Rehm.  . 128 

»  Talae  Speg 128 

Melanopsamma  hypoxyloides  n.  sp 121 

»  pomiformis  (P.) 137 

Melanospora  parasitica  Tul 154 

Meliola  longiseta  n.  sp 100 

Metiispora  glatica  Cda 151,  152 

Micropeltis  albomarginata  Speg 102 

»  FlageoJetii  Sacc 137 

»  lencoptera  Penz.  et  Sacc 102 

»  Recliingeri  n.  sp 102 

Microthyrum  Hederae  Feltg 137 

MoJlisia  cinerea  Feltg.    140 

»  »        var.  coiivexiüa  Feltg 140 

»         Guernisacii  Crouan 154 

»        stihcorticalis  var.  tapesioides  Feltg 140 

Mycena  alcalina 95 

»        atramentosa  (Kalchbr.)  v.  H 94 

MycosphaereUa  Aretiae  n.  sp 1 10 

»  Prininlae ..111 

Naucoria  Cucumis 99 

Nectria  cosmariospora  C es.  et  de  Not 106,  122 

»        episphaeria 106 

»       modesta  n.  sp 106 

Neolecta  aiirantiaca  Feltsr 142 


Fragmente  zur  M3'kologie.  1  o9 

Seite 

JSiiptera  dentata  Fckl 141 

Nolanea  sutceriina  Schulz 97,  99 

Odontia  cristnlata  Fr 89,  90,  91,  94,  109 

»         crtistosa  P 90 

fimhriata  (P.) 89,  90 

»         liuida  B  r  e  s 89 

»        pannosa  Bres 90,  91 

»        tennermia  Wettst 154 

»        jida  Fr 83 

Orhilia  hottilispora  n.  sp 131 

PateUaria  UrceoJns  Fckl 133 

Patellea  Urceolus  (Sacc.) 133 

PestaJozziella  anibigua  n.  sp 145 

Pezizella  radiostriata  var.  Jignicola  Feltg 141 

Pliialea  epihrya  n.  sp 136 

»        Urceohis  (Reh m)    133 

Phylladiora  Crotonis  Cke 130 

»  Cytharexyli  (Rehm) 130 

»  doliclwgeua    (Berk.  et  Broome) 129 

»  graminis  P 131 

Phyllosticta  Colocasiae  v.  H 142,  150 

»  colocasiaecola  n.  sp 142 

Physalospora  afßnis  Sacc 123 

»  Fagraeae  n.  sp 123 

»  foUornm  (Sacc.)  v.  H 138 

»  gregaria  Sacc.  va.r.foliornm  Sacc 138 

»  »  »      f.  Taxi  Feltg 138 

»  Hoyae  n.  sp 122 

Physisponts  inconstaus  Karst 92 

Pionnotes  pinastri  Karst 154 

Pirohasidinni 1 35 

Pirottaea  miinatcnsis  P.  et  R 136 

Pinly.  H 135 

»  venUirioidcs  S.  et  R 136 

PlcospJiaeria  malacoderma  n.  sp 121 

»  pulveracea  Mout 122 

»  qncrcina  Pat 122 


160  F.  V.  Hühnel, 


Seite 


Pleosphaeria  sylvicola  n.  sp 122 

Pleospora  Arnieriae  (Rabh.) 139 

*  discors  Feltg.  non  Ces.  et  de  Not 138,  139 

»  Feltgeiiü  Sacc.  et  Syd 138,  139 

»  herbarum  (Rabh.) 139 

Pleurotus  nichdmis 99 

Plutetis  subcenmus  Bres 97 

Pocosphaeria  balcanica  n.  sp 111 

Podospora  appendiculata  Nssl 118 

»  coprophila 118 

»  ctirvtila 118 

»         fimiseda  Ces.  et  de  Not 118 

»  minuta 118 

Polyportis  ferrnglnens 106 

»  nodulostis  Fr 106,  122 

»  obliqtms 106 

»  polymorplms  Rosth 106,  122 

»  radiattts  (S  o  w.) 106 

»  sanguhioletiUis 93 

»  terrestris  Fr 92 

Porta  sangiiinolenta  (Alb.  et  Schw.) 92,  93 

»      terrestris  (DC.)  non  Bres 92,  93,  94 

»      violacea  Fr 92 

»      vlridmis  (Berk.  et.  Broome) 91 

Protodontia  nda  n.  g.  et  sp 83 

Psatliyra  frnstulenta 99 

»         gyroflexa  Fr 98 

»         neglecta  Mass 99 

»         spadiceo-grisea  (Schaff.) 97 

»  snbcermta  v.  H 97,  99 

»  tetinicola  Karst 98 

Psathyrella  gracilis 97 

Pseudosphaeria  Callista  (Rehm)  v.  H 129 

Pseudospkaeriaceae 129 

Pseudovalsa  profusa  (Fr.) 126 

Psilocybe  sarcocephalns  Fr 97 

»         sqiialens 99 


-  :,   ■'    Erägrri«rite  zur  Mykorogie.  -  •  ■     •-  161 

Seite 

kebentiscliia  imicaudata  (Berk.  et  Broome) .137 

Rhaniplioria  thelocarpoidea  v.  H. l25 

tympanidispora  Rehm  .  .-.  •.  .  .  .............  125 

Rhynchostoma  minutelhim  n.  sp 1 16 

Rosellinia  nielaleuca  Ell.  et  Ev. 109 

»  Niesslii  A  u  e  r  s  vv 1 04 

»  pinicola  Ell.  et  Ev ,  .  .  109 

Septoria  Artocarpi  Cke 144 

»         crustacea  We  l\v.  et  Curr 144 

»         ehiirnea  n.  sp .  .  ..,  ........  144 

Violae  Rabh 154 

violicola  S  a  c  c 1 54 

Sistotrema  sanguinolentmn  (Alb.  et  Schw.).  .  .  .  . '.'. 94 

Sordaria  bomhardioides  Aue rsw 118,  1 19 

»         discospora 118 

»        ßniicola 118 

»         niaxima  Nssl 118 

»         Niesslii 105 

Sphaerodernia  epiniyces  n.  sp 103 

»  episphaeritim  (Ph.  et  PI.) 104 

»  Jiypomyces  n.  sp , ; ,...,.  102 

SphaerodenneJla  Niesslii  (Auersw.)  v.  H 105 

Sphaerulina  Annae  Oud 128 

Callista  Reh  m .128 

»  »         var.   Vossi  Rehm 128 

»  pachyasca  Nssl 128 

Sporormia  ambigua 118 

leporina  Nssl 118,  119,  144 

»  minima 118 

Steganosporinm  compactum   Sacc 154 

Stilhospora  Robiniae  Oud 126 

Tapesia  fnsca  (P.)   150 

Thyrococciun  compactum  (Sacc.)  v.  H 154 

Tomeiitella  flava  Bref. 85,  86,  88 

fnsca 87,  88 

granulata  Bref 85,  86,  89 

»  isabell ina  (Fr.)  v.  H.  et  Litsch 88,  154 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Kl. ;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  1 1 


162  F.  V.  Höhne  1,  Fragmente  zur  Mykologie. 

Seite 

Trichobelonium pilosiun  var.  tetrasporum  Feltg 141 

Trichosperma  cyphelloidea  n.  sp 145 

Tiibercularia  vulgaris? 142 

Urnula  terrestris  Ns sl 154 

Valsa  ceratophora  Tul.  v&r.farinosa  Feltg 139 

»  »  Tul.  f.  Rosarum  Fe  kl 139 

»      farinosa  Feltg 139 

»       Rosarum  de  N o  t 1 39 

Venturia  Straussii  Sacc.  et  R 112 

Wettsteinina  gigantospora  (Rehm)  v.  H 129 

»  gigaspora  v.  H 1 26 

»  Vossi  (Rehm)  v.  H 129 

Winterina  tahercttlifera 108 

Zignoella  (Zignaria)  superficialis  Feltg 137 


Figurenerklärung  zur  Tafel. 

(Gezeichinet  von  Assistenten  V.  Lit  schau  er.) 


Fig.  1.  Wettsteinina  alpina  V .  U..  a  senkrechter,  h  horizontaler  Medianschnitt 
durch  ein  Stroma  (Vergr.  120);  c  drei  Sporen  (Vergr.  250);  d  ein  Ascus 
(Vergr.  200);  e  eine  Spore  (Vergr.  500). 

Fig.  2.  Bomhardia  fascicnlata  Fr.  Zwei  Perithecien  im  senkrechten  Median- 
schnitt und  Obenansicht  eines  Peritheciums  mit  dem  Ostiolum 
(Vergr.  60). 


iIöhiiel,F.V.:  Fragmente  zurlV^tologie. 

i. 

120  L 


V.  lÄUSc-houer.  d^Üll.  laULA...st.v.Th.Bannw,u^,Wien. 

vSilzim<5sberiehte  d.kaLs.Akad.d.Wis.s.,matIi.-natui^v.Klasse,  Bd.CXV.  Abtii.I.1906. 


Die  Sitzungsberichte  der  mathem.-naturw.  Klasse 
erscheinen  vom  Jahre  1888  (Band  XCVII)  an  in  folgenden 
vier  gesonderten  Abteilungen,  welche  auch  einzeln  bezogen 
werden  können: 

Abteilung  I.  Enthält  die  Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der 
Mineralogie,  Kristallographie,  Botanik,  Physio- 
logie der  Pflanzen,  Zoologie,  Paläontologie,  Geo- 
logie, Physischen  Geographie,  Erdbeben  und 
Reisen. 

Abteilung  II  a.  Die  Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der 
Mathematik,  Astronomie,  Physik,  Meteorologie 
und  Mechanik. 

Abteilung  II  b.  Die  Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der 
Chemie. 

Abteilung  III.  Die  Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der 
Anatomie  und  Physiologie  des  Menschen  und  der 
Tiere   sowie   aus  jenem  der  theoretischen  Medizin. 

Von  jenen  in  den  Sitzungsberichten  enthaltenen  Abhand- 
lungen, zu  deren  Titel  im  Inhaltsverzeichnisse  ein  Preis  bei- 
gesetzt ist,  kommen  Separatabdrücke  in  den  Buchhandel  und 
können  durch  die  akademische  Buchhandlung  Alfred  Holder, 
k.  u.  k.  Hof-  und  Universitätsbuchhändler  (Wien,  L,  Rothenthurm- 
straße  13),  zu  dem  angegebenen  Preise  bezogen  werden. 

Die  dem  Gebiete  der  Chemie  und  verwandter  Teile  anderer 
Wissenschaften  angehörigen  Abhandlungen  werden  auch  in  be- 
sonderen Heften  unter  dem  Titel:  »Monatshefte  für  Chemie 
und  verwandte  Teile  anderer  Wissenschaften«  heraus- 
gegeben.  14  K  —  14  M. 

Der  akademische  Anzeiger,  welcher  nur  Originalauszüge 
oder,  wo  diese  fehlen,  die  Titel  der  vorgelegten  Abhandlungen 
enthält,  wird,  wie  bisher,  acht  Tage  nach  jeder  Sitzung  aus- 
gegeben. 5  K  —  5  M. 


SITZUNGSBERICHTE 


DER  KAISERLICHEN 


kADEMlE  DER  WISSENSCHAFTEN. 


MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE  KLASSE. 

CXVL  BAND.  IL  HEFT. 
JAHRGANG  1907.  —  FEBRUAR 


ABTEILUNG  L 

ENTHÄLT   DIE  ABHANDLUNGEN  AUS  DEM  GEBIETE  DER  MINERALOGIE, 

KRISTALLOGRAPHIE,   BOTANIK,   PHYSIOLOGIE  DER  PFLANZEN,    ZOOLOGIE, 

PALÄONTOLOGIE,   GEOLOGIE,  PHYSISCHEN  GEOGRAPHIE  UND  REISEN. 


(MIT  6  TAFELN  UND  1  TEXTFIGUR.) 


^"^    WIEN,    1907. 
AUS  DER  KAISERLICH-KÖNIGLICHEN  HOF-  UND  STAATSDRUCKEREI. 


IN  KOMMISSION  BEI  ALFRED  HOLDER. 

K.  U.  K.  HOF-  UND  UNIVERSITÄTSBUCHHÄNDLER. 
BUCHHÄNDLER  DER  KAISERLICHEN  AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN. 


INHALT 

des  2.  Heftes,  Februar  1907,    des   CXVI.  Bandes,    Abteilung-  I,   der 
Sitzung-sberichte  der  mathem.-naturw.  Klasse. 

Seite 
Werner  F.,  Ergebnisse  der  mit  Subvention  aus  der  Erbschaft  Treitl 
unternommenen  zoologischen  Forschungsreise  Dr.  Franz  Werner's 
in  den  ägyptischen  Sudan  und  nach  Nord-Uganda.  VIII.  Ortlio- 
ptera  Blattaeformia  (mit  einer  Revision  der  Mantodeengattung 
Tarachodes).  (Mit  3  Tafeln   und   1  Textfigur.)  [Preis:  3  K  30  h  — 

3  M  30  pf] 165 

Karny  H.,  Ergebnisse  der  mit  Subvention  aus  der  Erbschaft  Treitl 
unternommenen  zoologischen  Forschungsreise  Dr.  Franz  Werner's 
nach  dem  ägyptischen  Sudan  und  Nord-Uganda.  IX.  Die  Ortho- 
pterenfauna des  ägyptischen  Sudans  und  von  Nord-Uganda 
(Saltatoria,  Gressoria,  Dermapteva)  mit  besonderer  Berücksich- 
tigung der  Acridoideengattung  Catantops.  (Mit  3  Tafeln.)  [Preis: 
3  K  30  h  —  3  M  30  pf  I  .    .    .    .     • 267 


Preis  des  g-anzen  Heftes:  5  K  50  h  —  5  M  50  pf. 


SITZUNGSBERICHTE 

DER 


KAISERLICHEN  AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN. 


MATHEMATISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE  KLASSE. 


CXVL  BAND.  II.  HEFT. 


ABTEILUNG  I. 

ENTHÄLT  DIE  ABHANDLUNGEN  AUS  DEM  GEBIETE  DER  MINERALOGIE, 

KRISTALLOGRAPHIE,   BOTANIK,  PHYSIOLOGIE  DER  PFLANZEN,  ZOOLOGIE, 

PALÄONTOLOGIE,  GEOLOGIE,  PHYSISCHEN  GEOGRAPHIE  UND  REISEN. 


12 


165 


Ergebnisse  der  mit  Subvention  aus  der  Erb- 
sehaft Treitl  unternommenen  zoologischen 
Forschungsreise  Dr.  Franz  Werne r's  in  den 
ägyptischen  Sudan  und  nach  Nord-Uganda. 

Vin.i  Orthop tera  Blatt aeformla 

(mit  einer  Revision  der  Mantodeengattung  Tarachode s) 

von 

Dr.  Franz  Werner  (Wien). 

(Mit  .3  Tafeln  und  1  Textfigur.) 
(Vorgelegt  in  der  Sitzung  am  10.  Jänner  1907.) 

Einleitung. 

Der  ägyptische  Sudan   ist  orthopterologisch  noch  wenig 
erforscht.    Das    spärliche   Material,    das  von    den   Reisen   von 


1  Da  die  Ergebnisse  meiner  Reise  bisher  unter  zwei  verscliiedenen  Über- 
schriften und  teilweise  nicht  numeriert  erschienen  sind,  so  gebe  ich  nachstehend 
zur  Übersicht  ein  Verzeiclinis   der  bisher   darüber  erschienenen  Publikationen: 
I.  Die    Orthopterenfauna    Ägyptens    mit   besonderer    Berücksichtigung   der 
Eremiaphilen.   Von   Dr.   Franz   Werner.    (Überschrift:    Ergebnisse    einer 
zoologischen  Forschungsreise  nach  Ägypten  und  dem  ägyptischen  Sudan.) 
Sitzb.  Bd.  CXIV,  I,  Mai  1905. 
II.   Cestoden  aus  Fischen,  aus  Varanus  und  Hyrax.  Von  Dr.  Bruno  Klaptocz. 
(Überschrift  wie  oben  Nr.  VIII.)  Sitzb.  Bd.  CXV,  1.  Jänner  1906. 

III.  Atichmophila  kordofensis,  eine  neue  Psychidengattung  und  Art,  nebst 
Verzeichnis  der  übrigen  gesammelten  Lepidopten.  Von  Dr.  H.  Rebel. 
(Überschrift:  Ergebnisse  einer  zoologischen  Forschungsreise  von  Dr. 
Franz  Werner  etc.,  wie  Nr.  I.)  Sitzb.  Bd.  CXV,  I,  April  1906. 

IV.  Krokodile  und  Schildkröten.  Von  Kustos  Friedrich  Sieben  rock.  (Über- 
schrift wie  Nr.  III.)  Sitzb.  Bd.  CXV.  I,  Juni  1906. 

V.  Beiträge  zur  Kenntnis  der  Fischfauna  des  Nils.  Von  Dr.  Franz  Werner. 
(ÜberschriftvonjetztabwieobenNr.  VIII,  beziehungsweise  II.) 
Sitzb.  Bd.  CXV,  I,  Juli  1906. 
VI.  Cestoden  aus  Numida  ptilorhyncha   Lebt.   Von   Dr.  Bruno  Klaptocz. 

Sitzb.  Bd.  CXV,  I,  Juni  1906. 
VII.  Araneida.  Von  Eugene  Simon.  Sitzb.  Bd.  CXV,  I,  Juli  1906. 

12* 


166-  F.  Werner, 

Hartmann,  Kotschy,  Marno,  Schvveinfurth  und  andern 
Forschungsreisenden  in  den  Sammlungen  vorliegt,  genügt 
eben,  um  zu  erkennen,  daß  wir  teils  mediterrane,  teils  äthio- 
pische Formen  vor  uns  haben;  aber  von  dem  enormen 
Reichtum  an  Orthopteren,  den  dieses  ausgedehnte  Gebiet 
beherbergt,  ist  bisher  nur  ein  minimaler  Bruchteil  bekannt 
gewesen.  Während  meiner  Sudanreise  1905  habe  ich  den 
Orthopteren  besondere  Aufmerksamkeit  geschenkt  und  wenn 
auch  die  Zahl  der  gesammelten  Arten  sicherlich  bei  weitem 
noch  nicht  die  der  wirklich  vorkommenden  erreicht  hat,  so 
ist  doch  in  nachstehender  Arbeit  wenigstens  eine  Grund- 
lage geschaffen  für  die  Kenntnis  der  Orthopterenfauna  des 
Ostsudan.  Daß  Kordofan,  das  Gebiet  des  Gazellenflusses, 
ja  auch  noch  die  Steppengebiete  nördlich  von  Khartoum  eine 
reiche  Orthopterenfauna  enthalten,  ist  zweifellos,  ebenso,  daß 
viele  Arten  erst  zur  Regenzeit  im  Imaginalzustande  anzu- 
treffen sind. 

Nach  der  Bodenbeschaffenheit  läßt  sich  im  ägyptischen 
Sudan  Wüste,  Steppe,  Sumpfland  und  Urwald  unterscheiden. 
Die  Wüstenformen  sind  in  meiner  Ausbeute  relativ  spärlich 
vertreten;  denn  ich  habe  nur  in  dem  Gebiete  zwischen  Duem 
und  dem  Gebel  Araschkol  im  östlichsten  Kordofan  sowie  im 
nördlichsten  Teile,  bei  Wadi  Haifa,  die  Wüste  des  Sudan 
besucht;  ebenso  war  das  Gebiet  am  Gazellenflusse  (Bahr-el- 
Ghazal)  wegen  des  Niam-Niam- Feldzuges  aus  dem  Reise- 
programm auszuschließen  gewesen.  Die  Hauptmasse  der  ge- 
sammelten Arten  stammt  daher  aus  dem  Steppen-  oder  richtiger 
gesagt  Savannengebiete,  ein  geringerer  Teil  aus  den  Sümpfen 
am  Weißen  Nil  und  Bahr-el-Gebel.  Diese  letzteren  gehören 
vorwiegend  zu  den  Lociistodea  e.  g.  Xiphidion,  Conocepliahis, 
Pseudorhynchtis  und  Phmieroptera  und  zu  den  Gryllodea 
{Eiiscyrtus,  Cyrtoxipha  u.  a.);  von  den  Feldheuschrecken  sind 
Oxya  und  Paracinema,  sowie  Paratettix  in  erster  Linie  hieher 
zu  rechnen. 

Besonders  von  den  Gryllodeen  kann  man  sagen,  daß  sie  im 
Sudan  so  gut  wie  nirgends  an  ganz  trockenen,  dürren  Stellen 
gefunden  werden,  denn  abgesehen  von  den  kleinen  Sumpf- 
bewohnern   sind   auch   die   übrigen    vorwiegend    am   Flußufer 


OHhoptera  Blatlaeformia.  1"/ 

unter  Steinen  und  Papyrusstrünken  zu  finden,  unter  welchen 
die  Erde  auch  zur  Trockenzeit  noch  ganz  feucht  ist,  oder  aber 
unter  alten  Dumpalmenstrünken  wie  bei  Gondokoro,  wo  sich 
zum  mindesten  eine  Spur  von  Feuchtigkeit  vorfindet,  und 
zwar  bis  an  das  Ende  der  Trockenzeit. 

Was  die  Savannenfauna  anbelangt,  so  finden  wir  hier 
Grasbewohner  und  Bewohner  der  Bäume,  und  zwar  kommen 
nach  meiner  Erfahrung  ausschließlich  Akazien  in  Betracht, 
welche  von  Mantodeen  (Elaea,  Tarachodes,  Tarachina,  Oxy- 
pilus),  deren  Färbung  aufs  genaueste  mit  der  Rinde  überein- 
stimmt, bewohnt  werden.  Auf  welchen  Bäumen  die  übrigen 
Phaneropteriden  außer  Plianeroptera  leben,  die  aus  dem  Ge- 
biete bekannt  sind,  habe  ich  nicht  eruieren  können,  da  ich 
Diogena  nicht  selbst  fand,  die  andere  Art  (Eurycorypha  varia) 
aber  ins  Haus  gefiogen  kam.  Möglicherweise  leben  auch  sie 
auf  Akazien;  auf  Palmen,  Kigelien  und  andern  starkblätterigen 
Bäumen  habe  ich  niemals  Orthopteren  gesehen. 

Geradezu  charakteristisch  für  die  Orthopteren  des  Sudan 
ist  die  außerordentliche  Häufigkeit  langgestreckter  Formen 
und  das  ebenfalls  häufige  Auftreten  von  Verlängerungen  des 
Kopfes  in  der  Längsachse  des  Tieres.  Für  letztere  Erscheinung 
kann  unter  den  Mantodeen  Pyrgomantis,  unter  den  Acridiern 
Acrida,  Mesops,  Calamus,  Gonyacatitha,  unter  den  Locusto- 
deen  Pseudorhynchus  als  Beispiel  angeführt  werden.  Mit  der 
stabförmigen  Körpergestalt  tritt  auch  manchmal  im  Zusammen- 
hange noch  die  Verlängerung  hinterer  Körperanhänge  (Lamina 
supraanalis  bei  Isclmomantis  und  Solygia  unter  den  Manto- 
deen, Lamina  subgenitalis  bei  Ischnacrida  unter  den  Acri- 
diern), stets  aber  hellgelbbräunliche  Färbung,  ähnlich  der  des 
dürren  Steppengrases,  auf. 

Einer  auffallenden  Anpassung  habe  ich  bereits  in  meinem 
Reiseberichte  gedacht;  auf  dem  Streifen  Ufer  nämlich,  in 
welchem  von  den  Eingeborenen  zum  Zwecke  der  Urbar- 
machung alljährlich  gegen  Ende  der  Trockenzeit  das  dürre 
Steppengras  niedergebrannt  wird,  leben  nämlich  teils  gänzlich 
schwarzgraue  oder  nur  stellenweise  dunkel  gefärbte  Heu- 
schrecken aus  Arten,  die  sonst  die  normale  Steppenfarbe 
zeigen   (Acrotylus,  Cosmoryssa,  PyrgomauHs,  Galepsus  u.  a.). 


168 


F.  Werner, 


Es  handelt  sich  hier  jedenfalls  um  eine  ähnliche  »Farben- 
photographie«,  wie  sie  Vosseier  für  algerische  Wüsten- 
heuschrecken nachgewiesen  hat  und  wie  sie  sicherlich  auch 
für  die  normalen  steppengrasfarbigen  Individuen  angenommen 
werden  darf. 

Wenn  wir  nach  der  Zahl  der  vorgefundenen  Larven  und 
Imagines,  nach  dem  Vorkommen  oder  Fehlen  grüner  Arten 
auf  die  Verteilung  während  der  beiden  Jahreszeiten  schließen 
dürfen,  so  können  wir  sagen,  daß  (wenn  wir  von  den  Sumpf- 
bewohnern absehen)  die  grünen  Formen  wahrscheinlich  zur 
Regenzeit  ihre  hauptsächlichste  Lebens-  und  Fortpflanzungs- 
periode haben  und  danach  nur  mehr  in  vereinzelten  Indivi- 
duen vorkommen,  während  die  steppenfarbigen,  von  welchen 
bis  Ende  März  Larven  und  Nymphen  immer  seltener  werden, 
im  allgemeinen  (wohl  mit  Ausnahme  der  meisten  Mantodeen, 
von  welchen  Ischnomaittis,  Tenodera  superstitiosa  ausschließ- 
lich, Miomantis,  Pyrgomantis,  Galepstis,  Oxythespis  zum 
großen  Teile  im  larvalen  Zustande  gefunden  wurden)  in  der 
zweiten  Hälfte  der  Trockenzeit  voll  entwickelt  und  fort- 
pflanzungsfähig sind. 

Die  Blattodeen,  welche  ich  auf  der  Reise  sammelte, 
stammen  zum  größten  Teile  aus  den  Hütten  (Tukul)  der 
Schilluk-  und  Barineger;  die  übrigen  wurden  wie  die  Gryllo- 
deen  am  Ufer  des  Stromes  unter  Steinen,  Baumstrünken  und 
Papyruswurzeln  gefunden;  nur  ein  Exemplar  von  Naiiphoeta 
sudanensis  und  fast  alle  9  9  von  Pellita  versicolor  stammen 
aus  Spalten  und  Ritzen  unter  der  Rinde  von  Akazien.  Auf  den 
Dampfern  finden  sich  Phyllodromia  germanica  und  siipellecti- 
lium,  auch  ein  9  von  Pellita  wurde  einmal  in  einem  Wasser- 
behälter auf  dem  Verdeck  ertrunken  gefunden. 

Trotz  der  Flugfähigkeit  der  meisten  Orthopteren  des 
oberen  Nils  ist  die  Übereinstimmung  mit  der  Fauna  Ägyptens 
eine  verschwindend  geringe  und  scheint  sich  im  wesentlichen 
auf  die  Arten  zu  beschränken,  welche  durch  Kokons  ver- 
schleppt werden  können,  beziehungsweise  Hausgenossen  des 
Menschen  sind,  also  Blattodeen  {Phyllodromia  germanica  und 
supellectilium,  Periplaneta  americana,  Nauphoeta  cinerea, 
wohl  auch  Holocompsa  fulvd)  und  Gryllodeen  (Acheta  dorne- 


Orlhoptcra  Blattaeformia.  1"" 

sHca).  Die  ägyptischen  Mantodeen  scheinen  (mit  Ausnahme 
von  Mantis)  nirgends  in  das  äthiopische  Gebiet  einzudringen; 
dagegen  allerdings  tropische  Formen  (Tarachodes)  bis  nach 
Dongola  (Hart mann)  und  sogar  Ägypten  (Klunzinger)  sich 
zu  verbreiten,  wohl  im  Zusammenhang  mit  der  Verbreitung  der 
Akazien  nach  Norden.  Von  den  sicher  ägyptischen  Laubheu- 
schrecken ist  nur  Xiphidion  aethiopicum,  eine  ursprünglich 
ohnehin  tropische  Art,  von  den  Feldheuschrecken  der  den  ver- 
einzelten dürren  Strecken  am  Stromufer  folgende,  übrigens 
nicht  sehr  wählerische  Clirotogonns  lugnhris,  der  wie  AioJopns 
thalassimis  auf  dem  kurzen  Grase  der  Ufer^  sich  herum- 
treibende Calephorits  compressicornis,  die  nirgends  fehlenden 
Acrida  turrita  und  Acridella  variabilis,  die  auf  Sumpfboden 
neben  Tridactylus  (der  hier  nicht  wie  in  Ägypten  im  Sande 
leben  kann)  herumspringende  kleine  Paratettix  meridionalis, 
der  im  hohen  Ufergras  lebende  Eiiprepocnemis  plormis  und 
von  den  Grillen  GryUotalpa  africana  (auch  eine  ursprünglich 
tropische  Art)  am  oberen  Nil  zu  finden.  Dagegen  sind  die  von 
Kordofan  bisher  bekannten  Arten  im  wesentlichen  paläarktisch: 
Sphingonoius  coertdans  und  azurescens,  Poeciloceriis  liierogly- 
phicus,  Eremiaphila  u.  s.  w.,  was  freilich  nicht  ausschließt,  daß 
Westkordofan,  welches  ja  kein  Wüstengebiet  ist,  eine  echt 
äthiopische  Fauna  beherbergen  kann,  aus  welcher  Gymnoproctus 
ahortivus  am  weitesten  nach  Osten  geht. 

Relativ  wenig  wissen  wir  über  das  Gebiet  zwischen  Wadi 
Haifa  und  Khartoum,  in  welchem  eine  intermediäre  Fauna 
zwischen  der  ägyptischen  und  der  tropisch -sudanesischen 
heimatet.  An  auffallenden  und  bemerkenswerten  Formen  sind 
hier  Centromantis  Hedenhorgi  (Stäl),  Empitsa  Hedenborgi 
Stäl,  beide  sudanesische  Tarachodes-Arten,  Clonaria  gracilis, 
Poecilocertis  (zwei  Arten:  kieroglyphiciis  und  vittatus,  während 
die  dritte  —  bufonms  —  auf  Unterägypten  und  Syrien  be- 
schränkt ist),  Dlogena,  Magrettia  zu  nennen,  also  teils  palä- 
arktische  Formen  (auch  Diogena  ist  noch  hieher  zu  rechnen, 
weil    sie    keine   andere    als    paläarktische   Arten    enthält    und 


1  In  Gesellschaft  der  unseren  Oedipoda- Arten  sehr  ähnlichen  Trilophidin 
annulata  und  verschiedener  kleiner  Acridier  aus  der  Stenoboihrits-Gruppe. 


170  F.Werner, 

nicht  über  Kawa  nach  Süden  geht),  teils  spezifisch  nubische 
Magrettia)  oder  echt  sudanesische  (Tarachodes).  Es  ist  zweifel- 
los, daß  in  den  Steppengebieten  Nubiens  (Bajudasteppe)  eine 
Menge  echt  sudanesischer  Formen  sich  finden,  die  gegen- 
wärtig durch  den  Wüstengürtel  um  Khartoum  vom  Zusammen- 
hange mit  dem  Hauptgebiete  südlich  vom  15.  Grade  abge- 
schnitten sind,  ebenso  wie  dies  auch  für  die  Berberländer  gilt, 
welche  derzeit  durch  ein  ausgedehntes  Wüstengebiet  vom' 
Sudan  getrennt  sind  und  eine  ganze  Menge  von  Arten  enthalten, 
welche  im  Sudan  vorkommen,^  aber  in  Ägypten  fehlen. 

Für  die  Erlaubnis,  die  ihnen  unterstehenden  Orthopteren- 
sammlungen studieren  zu  dürfen,  bin  ich  in  erster  Linie  den 
Herren  Direktoren  K.  Ganglbauer  (k.  k.  Naturhistorisches 
Museum,  Wien),  Prof.  A.  Brauer  (königl.  Museum  für  Natur- 
kunde, Berlin),  Oberstudienrat  Prof.  K.  Lampert  (königl.  Natu- 
ralienkabinett, Stuttgart),  Prof.  Y.  Sjöstedt  (Reichsmuseum, 
Stockholm),  Prof.  A.  Balfour  (Gordon  College,  Khartoum)  zu 
Dank  verpflichtet,  ebenso  auch  den  Herren  Dr.  K.  Holdhaus, 
Assistent  am  k.  k.  Naturhistorischen  Hofmuseum  in  Wien,  und 
Th.  Kuhlgatz,  Assistent  am  königl.  Museum  für  Naturkunde 
in  Berlin,  für  die  Freundlichkeit,  mit  der  sie  allen  darauf  bezüg- 
lichen Wünschen  stets  entgegenkamen.  Großen  Dank  schulde 
ich  auch  meinem  verehrten  Freunde  Capt.  S.  S.  Flow  er, 
Direktor  des  zoologischen  Gartens  in  Giza  (Kairo)  für  das  auf 
seinen  Reisen  im  Sudan  gesammelte  und  mir  zur  Verfügung 
gestellte  Mantodeen-Material. 

Die  Bearbeitung  der  Orthoptera  im  engeren  Sinne  {Salta- 
form,  Gressoria,  Dermaptera)  hat  Herr  H.  Karny  übernommen 
und  sie  wird  als  Nr.  IX  der  Ergebnisse  meiner  Reise  erscheinen. 

Erwähnen  möchte  ich  noch,  daß  mir  von  den  hier  ge- 
nannten sudanesischen  Arten  nur  zwei  {Miomantis  Savigiiyi 
und  Empiisa  Stollit)  nicht  in  sudanesischen  Exemplaren  und 
weitere  zwei  {Oxypila  brunneriana  und  Empusa  Hedenborgi) 
überhaupt  nicht  vorlagen. 


1   Oxythespis  senegalensis,   Conocephahts  nitiduliis,   Paracinema  fricolor, 
Trigonidium  cicindeJoides  u.  a.,  wohl  auch  Pyrgomorpha  cognata. 


Orthoptcra  Blattaeformia.  1'  1 

Blattodea. 

I.  Ectobiidae. 
Anaplecta  Burm. 


1.  A.  africana  Sauss. 

Saussure,  Ann.  Mus.  Genova,  XXXV,  1895,  p.  70. 

Lado  (Saussure). 

IL  Phyllodromiidae. 

Phyllodromia  Serv. 

2.  Ph.  germanica  L. 

Brunner,  Nouveau  Systeme  des  Blattaires,  1865,  p.  91,  und  Prodromus,  p.  91. 
Kirby,  Syn.  Cat.  Orth.,  I,  p.  87.  —  Bormans,  Orthopt.  (Ann.  Mus.  Genova, 

1880),  p.  206. 
Adelung,  Symbola  nova  ad  Cognitionen!  Blattodeorum  (Orth.)  Afr.  ov.,  p.  2. 

Auf  dem  Dampfer  »Toski*  zwischen  Shellal  und  Wadi 
Haifa  (cf,  9,  Kokon). 

Kosmopolit;  in  Nordostafrika,  auch  noch  in  Gallaland 
(Rehn),  Somaliland  (Schul thess),  Let  Marefia  und  Mahal 
Uonz  in  Schoa  (Bormans)  und  Abessynien  (Adelung)  ge- 
funden. 

3.  Ph.  cordofana  B  r. 

Brunner,  Blattaires,  p.  97. 

Ein  cf  dieser  Art,  welches  größer  ist  als  Brunner's  Type 
aus  Khartoum,  fing  ich  am  31.  März  1905  bei  Mongalla. 
Körperlänge  9,  Elytren  10  mm. 

Die  Art  lebt  auch,  nach  einem  Exemplar  der  Coli.  Br.  zu 
schließen,  am  Senegal. 


172  F.  Werner, 

4.  Ph.  supellectilium  Serv, 

Brunner,  p.  98.  —  Werner,   Onhopt.  Aegypt.,  p.  377. 
Kirby,  p.  88. 

Khor  Attar,  in  den  Hütten  (Tukul)  der  Schilluks;  Mon- 
galla,  Gondokoro;  auch  wie  Pk.  germanica  auf  Dampfern  (»Dal« 
zwischen  Gondokoro  und  Khartoum);  Khartoum  (Coli.  Br.). 

Außerdem  in  Ägypten,  Somaliland,  Isle  de  France,  Ost- 
indien, Brasilien,  Cuba. 

5.  Ph,  trivirgata  n.  sp. 

Ph.  germanicae  simillima,  vitta  interoculari  distincta,  vittis 
longitudinalibus  pronoti  angustioribus,  vitta  mediana  angusta 
a  medio  pronoti  ad  apicem  abdominis  percurrente,  scuto  seg- 
menti  6.  nullo,  lamina  supraanali  1.  subgenitalem  superante 
cercis  que  flavis  basi  nigris.  9  Larva. 

Vittae  laterales  pronoti  in  meso-  et  metanotum  (ad  basin 
elytrorum  et  alarum)  perductae;  pro-,  meso-  et  metanotum 
inter  vittas  rufescente-tlavum,  margine  externo  albidum.  Ab- 
domen supra  albidum,  segmentis  antice  nigromarginatis  in 
forma  • — ^^ — -.  Lamina  supraanalis  triangularis. 

Subtus  flavescens,  abdomen  rufescens,  pallide  margina- 
tum,  hoc  margine  a  colore  rufescente  vitta  atrofusca  seiuncto; 
lamina  subgenitalis  atrofusca,  apice  albido.  Larvae  minores 
vitta  mediana  pronoti  nuUa. 

Long.  tot.  9' 7  mm. 

Khor  Attar,  Februar  1906;  Gondokoro,  März  1906.  Unter 
Papyrusstrünken  am  Nilufer. 

6.  Ph.  aequatorialis  n.  sp. 

Differt  a  Ph.  germanica  vittis  obscuris  pronoti  indistinctis, 
vitta  interoculari  distincta,  statura  minore,  cercis  multo  lon- 
gioribus,  laminis  supraanali  et  subgenitali  haud  triangulariter 
productis,  rotundatis,  abdomine  supra  postice  nigrescente,  albo- 
limbato,  subtus  testaceo,  nigrescente  marginato,  margine  atro 


Orthoptera  Blattaeformia.  173 

extus    albolimbato.    Vena  ulnaris   alarum  biramosa,  posterior 
elytrorum  pluriramosa.  9 . 

Long,  corporis        9      fnm, 
»       pronoti  2 '  7     » 

»      elytrorum   11         » 

Khor  Attar,  Mongalla,  Gondokoro.  399. 
Diese  Art  lebt  wie  die  vorige  unter  Papyrusstrünken  und 
Steinen, 

7.  Ph.  pallidula  n.  sp. 

Ph.  Treitliana,  specie  aegyptia,  valde  affinis,  sed  vitta  inter- 
oculari  nulla,  oculis  multo  maioribus,  vena  ulnari  posteriore 
elytrae  pluriramosa  (in  Ph.  Treitliana  uni-,  raro  biramosa). 
Supra  et  subtus  testacea,  unicolor.  cf . 

Long,  corporis      10      mm, 
»       pronoti         2*7     » 
»      elytrorum   10         » 

Khor  Attar,  Februar  1905.  Lebensweise  wie  bei  voriger  Art. 

8.  Ph.  arundinicola  Werner. 

Sitz.  Ber.  Akad.  Wiss.  Wien,  1905,  p.  377. 

Die  im  Sudan  gefundenen  Exemplare  dieser  Art  unter- 
scheiden sich  nur  unwesentlich  (durch  hellere  Färbung)  von 
den  Typen  aus  Unterägypten.  Es  sind  mir  nur  cfd"  unter- 
gekommen, während  die  Typen  9  9  waren.  Nachzutragen 
wäre,  daß  die  Vena  ulnaris  posterior  der  Elytra  mehrfach  ver- 
zweigt ist  und  daß  die  V.  ulnaris  des  Hinterflügels  gegabelt, 
der  obere  Ast  aber  selbst  wieder  gegabelt  ist. 

Long,  corporis      \2  mm. 
•»      pronoti         3     » 
»      elytrorum  13     » 

Khor  Attar,  Mongalla,  Gondokoro;  Lebensweise  wie  bei 
vorigen  Arten. 


174  F.  Werner, 

Die  ägyptischen  und  sudanesischen  Phyllodromien  lassen 
sich  ohne  Schwierigi^eit  auf  folgende  Weise  unterscheiden: 

1.  Pronotum  nigro  bivittatum  aut  bimacu- 

latum 2 

Pronotum  concolor  aut  punctulatum  .  .5 

2.  Pronotum  indistincte  bimaculatum  aut 

bivittatum   (Vena  ulnaris    alarum 

bifurcata) Ph.  aeqtiatorialis 

Pronotum  distincte  bivittatum   3 

3.  Pronotum  anguste  atro  bivittatum  (Cerci 

basi  et  apice  nigri) Ph.  angustifasciafa 

Pronotum  late  bivittatum   4 

4.  Vittae    pronoti    spatio  mediano  aeque 

latae  aut  latiores;  cerci  unicolores, 

fusci Ph.  germanica 

Vittae  pronoti  spatio  mediano  angu- 
stiores;  cerci  flavescentes,  basi 
nigri Ph.  trivirgata 

5.  Elytra  fusca,  flavescente  maculata  .  .  .  .Ph.  stipellectilium 
Elytra  unicoloria 6 

6.  Caput  inter  oculos  fascia  atra  ornatum  Ph.  TreitUana 
Fascia  interocularis  nulla 7 

7.  Venae  alarum  apice  infuscatae;  elytra 

rufescentia Ph.  arundinicola 

Venae  alarum  apice  concolores;  elytra 

testacea    Ph.  pallidtüa 

III.  Periplanetidae. 

Periplaneta  Burm. 
9.  P.  americana  L. 

Brunner,  1.  c,  p.  232,  und  Prodromus,  p.  50. 
Kirby,  1,  c,  p.  140. 

Khor  Attar,  in  den  Tukuls  der  Schilluks;  Larven  im  Freien 
im  Garten  des  Hotels  in  Khartoum  und  bei  Gondokoro  unter 
Steinen. 


Orthoptera  Blattaeformia.  \  i  O 

Kosmopolit.  In  Nordostafrika  auch  von  Obok  und  Adis- 
Ababa  (Adelung,  1.  c,  p.  23)  bekannt. 

Deropeltis  Burm. 

10.  D.  erythrocephala  Fabr. 

Brunner,  1.  c,  242,  Taf.  VIII,  Fig.  38  A— F. 
Kirby,  1.  c,  p.  145. 

Sudan  (in  Coli.  Mus.  Gordon  College,  Khartoum),  ein  cf 
ganz  typisch. 

Erst  aus  Südafrika  bekannt   (Cap,  Algoabai,  Damaraland)- 

Pseudoderopeltis  Krauss. 

11.  P.  Adelungi  n.  sp. 

9  larva,  a  P.  spedahili  Ad.,  unica  femina  cognita  huius 
generis  colore  necnon  structura  segmentorum  posticorum  ab- 
dominis  numeroque  spinarum  in  margine  inferiore  femorum 
facile  distinguenda. 

Nigro-picea,  nitida,  antennis  fuscis;  aptera,  glabra;  clypeus 
et  coxae  anticae  totae,  coxae  intermediae  et  posticae  ad  tro- 
chanterem  flavescentes,  articuli  basales  duo  palporum  labialium 
rufescentes  (labro  et  articulo  tertio  palporum  atris).  Antennae 
linea  impressa  angulata,  ad  verticem  convexa,  seiunctae.  Pro- 
notum  fere  semicirculare,  caput  fere  perfecte  obtegens,  punctis 
sparsis  impressis  notatum. 

Femora  antica  subtus  intus  7-,  extus  3-spinosa;  inter- 
media 8  (6),  postica  6  (5)  spinosa.  Metatarsus  posticus  subtus 
dense  denticulatus,  apice  pulvillo  instructo,  articulis  caeteris 
sumptis  (omnibus  pulvillo  distincto  instructis)  metatarso  bre- 
vioribus;  unguiculi  tarsorum  graciles,  breves. 

Segmentum  dorsale  primum  abdominis  metanoto  perfecte 
obtectum;  septimum  segmentis  duobis  praecedentibus  longi- 
tudine  aequalis,  postice  acute  trilobatum,  lobis  lateralibus 
distincte  reflexis  lobo  mediano  rectangulo;  segmentum  8.  tri- 
lobatum, lobo  mediano  lateralibus  multo  maiore,  medio  cari- 
nato;   lamina  supraanalis  acute  bilobata.   Lamina   subgenitalis 


176  F.Werner, 

indistincte  rotundato-trilobata,  lobo  mediano  truncato,   medio 
subtiliter  carinulato.   Cerci  margine  externo  rotundato,  interno 
obtuse  angulato,  laminam  supraanalem  valde  superantes. 
Long,  corporis  21  "5  mm, 

»      pronoti  6         » 

»      abdominis       12*5     » 
»      segm.  7.  abd.    3        » 
Gondokoro,  März  1905. 

Von  der  Gattung  PsetidoderopeWs  war  bisher  nur  ein 
einziges  9  bekannt,  welches  N.  v.  Adelung  aus  Südabes- 
synien  beschrieb  (P.  spectahilis).  Die  auffallende  Länge  des 
7.  Abdominalsegmentes  scheint  für  die  Gattung  charakte- 
ristisch zu  sein. 

IV.  Panehloridae. 
Leucophaea  Br. 

12.  L.  surinamensis  Fabr. 

Brunner,  1.  c,  p.  278,  Taf.  VII,  Fig.  32  A— E. 
Kirby,  1.  c,  p.  151. 

Khor  Attar,  in  den  Tukul  der  Schilluks.  Nur  Larven 
erhalten. 

Kosmopolit. 

Nauphoeta  Burm. 

13.  N.  cinerea  (Oliv.). 

Olivier,  Encyclopedie  Methodique,  Tome  IV,  p.  314. 

Saussure,  in:   Hist.  Madagascar  (Grandidier),  I,   Paris,  1895,  p.  81,  Taf.  III, 
Fig.  31,  und  in:  Wiss.  Ergab.  Reise  Mad.  (Voeltzkow),  I,  4,  1899,  p.  583. 

Khor  Attar,  in  den  Tukul  der  Schilluks. 

Ägypten,  Zanzibar,  Madagaskar,  Reunion,  Sumatra,  Java, 
Philippinen,  Antillen,  Portorico,  Mexiko,  Brasilien,  Rio  de  Janeiro, 
Honolulu. 

14.  N.  sudanensis  n.  sp. 

Species  maior,  affinis  A''.  testacea  Br.^  et  gestroiana 
Sauss.,^  colore   abdominis   et   numero  venarum  campi  analis 

1  Brunner,  Nouveau  Systeme  des  Blattaires,  p.  284. 

2  Ann.  Mus.  Genova  (2),  XV,  1895,  p.  86. 


Orthoplera  Blattaeformia.  177 

elytrorum  (15,  in  A''.  testacea  20,  in  A''.  gestroiana  12  — 13) 
distincta. 

Valida,  sed  A''.  gestroiana  minor;  fulva.  Caput  crassum, 
vertice  distincte  prominente,  rotundato.  Occiput  et  Vertex  sub- 
tiliter  brunneo-punctata,  lineis  3  —  5  pallidioribus.  Frons  flava, 
labrum  fulvum.  Anguli  scutelli  macula  minuta  nigra.  Pronotum 
heptagonale,  margine  anteriore  leviter  rotundato,  lateribus 
deflexis,  marginibus  leviter  reflexis;  margine  laterali  anteriore 
quam  posteriore  longius,  posteriore  obtusissime  angulato.  Dis- 
cus  pronoti  sparse  impresso-punctatus,  fulvus,  latera  pallida. 
Meso-  et  metanotum  necnon  abdomen  picea,  late  paUide  lim- 
bata,  margine  pallida  subtiliter  nigropunctata,  haud  granulata. 
Abdomen  subtus  piceum,  segmentis  medio  et  postice  fulvis, 
marginibus  posticis  serie  punctorum  nigrorum  ornatis.  Margo 
latus  pallidus  nigroadspersus  etiam  in  parte  inferiori  abdominis 
distincta.  Pedes  fulvi. 

Elytra  fulva,  campo  marginali  pallide-flavescente,  vena 
principali  nigra;  alae  hyalinae,  venis  in  campo  anteriore  Omni- 
bus, in  campo  anali  longitudinalibus  tantum  infuscatis,  margine 
anteriore  alarum  infuscato.  Lamina  supraanalis  9  rotundato- 
bilobata,  cercis  fere  duplo  longior;  lamina  subgenitalis  lata, 
magna,  triangularis;  cf  lamina  supraanali  (forma  ut  in  9) 
cercos  haud  superante,  lamina  subgenitali  parva,  truncata. 
Antennae  piceae.  cT^. 

Dimensiones  (j^  ex  Mongalla 

Long,  corporis 25 

»      pronoti 7 

Lat.  »        8-5 

Long,  elytrorum  ....        23*5 
Lat.  abdominis 10-5 

Tewfikia,  8.  Februar  1905;  Mongalla,  März  1905. 

Das  Exemplar  aus  Tewfikia  fand  ich  in  einer  Rinden- 
spalte einer  Akazie  in  der  Savanne;  die  aus  Mongalla  stammen 
aus  den  Hütten  der  Eingebornen. 


9  ex  Mong 

alla 

9 

ex  Tewfikia 

30 

31 

7-5 

8-5 

10-5 

11-5 

28-5 

33 

14 

16 

178  F.Werner, 

V.  Corydiidae. 

Holocompsa  Burm. 

15.  H.  fulva  Burm. 

Brunn  er,  1.  c,  p.  348. 

Ägypten  (Burm.),  Khartoum  (Brunn er),  Damara  (Stal). 

VI.  Oxyhaloidae. 

Oxyhaloa  Br. 

16.  O.  minor  Br. 

Brunner,   1.  c,  p.  254. 

Khartoum  (Brunn er;  in  Coli.  Br.,  Nr.  1041),  Suro,  Süd- 
abessynien  (Adelung,  1.  c,  p.  55),  Webital,  Somaliland 
(Schulthess). 

VII.  Perisphaeriidae. 
Pellita  Br. 

17.  P.  versicolor  (Burm.),  1839. 
Burmeister,   Handb.,  II,   p.  487  (Derocalymna). 

Unter  der  Rinde  von  Akazien  bei  Duem  (3.  Februar), 
Khor-Attar  (Februar),  Mongalla,  Gondokoro  (März),  9  9  ver- 
schiedenen Alters. 

Ein  cf  aus  dem  Mus.  Khartoum.  Auch  in  Gallaland  (Gil- 
dessa,  Adelung,  1.  c,  p.  62)  und  Arramba,  Schoa  (Bormans, 
1.  c,  p.  208). 

Da  Adelung,  1.  c.  1904,  eine  vollständige  Liste  der  bisher 
aus  Abessynien,  Somali-  und  Gallaland  bekannten  Blattodeen 
gibt,  so  habe  ich  davon  Abstand  genommen,  die  Blattodeen 
Nordostafrikas  in  ähnlicher  Weise  wie  die  Mantodeen  zu- 
sammenzustellen. 

Mantodea. 

Diese  Gruppe  ist  im  Sudan  verhältnismäßig  reich  an  Arten, 
jedoch  arm  an  Individuen;  auch  von  den  relativ  häufigeren  Arten 
findet  man  an  manchen  Tagen  auch  an  ihren  bevorzugten  Auf- 
enthaltsorten kein  einziges  Exemplar  und  nur  selten  mehrere 


Orthoptera  Blattaeformia.  1 ''  9 

an  einem  Tage.  Die  Zeit  der  Eiablage  war  bei  allen  Arten  im 
Februar  schon  lange  vorbei;  die  untersuchten  Kokons,  die 
sicher  drei  verschiedenen  Gattungen  angehörten,  waren  durch- 
wegs bereits  leer  und  auch  die  Dimensionen  der  kleinsten  ge- 
fundenen Larven  erwiesen  dasselbe;  wmPopa  und  Pseudoharpax 
müssen  erst  im  März  ausschlüpfen. 

Die  Bewegungsweise  der  Sudanmantodeen  ist  eine  ver- 
schiedenere, als  man  in  dieser  Gruppe  gewöhnlich  annimmt. 
Die  langbeinigen  Formen,  welche  auf  dem  Boden  oder  auf 
Gebüsch  leben,  bewegen  sich  in  der  bekannten  Weise  laufend 
fort;  bei  Eremiaphüa  und  Elaea  sind  die  Laufbewegungen 
unterbrochen,  sozusagen  stoß-  oder  ruckweise  vor  sich  gehend; 
die  langgestreckten,  dabei  kurzbeinigen  Pyrgomantis- Arten 
machen  beim  Laufen  ganz  deutliche  schlängelnde  Bewegungen, 
etwa  wie  eine  Eidechse;  und  CalamotJiespis  rutscht  behend 
mit  ihren  kurzen  Beinen  an  Grashalmen  auf  und  ab,  ähnlich 
wie  die  Acridier  aus  den  Gattungen  Mesops,  Calamus  u.  dgl. 
Zum  Licht  fliegen  nur  wenige  Arten;  in  der  ganzen  Zeit 
unseres  Aufenthaltes,  wobei  wir  stets  entweder  am  Rande 
eines  Dorfes,  dicht  an  der  freien  Savanne  oder  in  derselben 
selbst  kampierten,  ist  mir  nur  einmal  Oxythespis  senegaletisis 
zugeflogen,  auf  den  Dampfer  nur  einmal  Mioniantis  pharao- 
nica;  das  Vereinzelte  dieses  Vorkommens  spricht  dafür,  daß 
die  Mantodeen  Tagtiere  sind  und  manche  findet  man  nur  bei 
glühendster  Mittagshitze  in  Bewegung  (Elaea  Marchali). 

Von  den  sudanesischen  Mantidengattungen  ist  nur  eine 
als  rein  paläarktisch  zu  betrachten  (Ceiitromantis),  während 
die  verwandte  Gattung  Eremiaphüa  durch  E.  somalica  auch 
in  die  äthiopische  Region  eintritt.  Andrerseits  dringen  äthio- 
pische oder  überhaupt  tropische  Gattungen  in  einzelnen  Arten 
mehr  weniger  weit  in  die  paläarktische  Region  vor,  so  daß 
bei  manchen  der  paläarktische  Teil  ihres  Verbreitungsgebietes 
als  der  hauptsächliche  betrachtet  werden  könnte,  was  bei 
der  Verbreitung  der  einzelnen  Arten  noch  deutlicher  hervor- 
tritt. Während  von  den  äthiopischen  Gattungen  Tarachodes 
(Ägypten??)  Sphodromantis  (südliche  Mittelmeerländer:  Nord- 
afrika, Südspanien,  Syrien),  Mantis  (Nordafrika,  Süd-  und 
Mitteleuropa,   Westasien),    Miomantis    (Ägypten),    Oxythespis 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Kl.;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  1^ 


180  F.  Werner, 

(Algerien,  Tunesien),  Leptocola  (Algerlen?),  Empusa  (Nord- 
afrika, Südeuropa,  Westasien),  Idolomorpha  (Algerien,  Tune- 
sien), Blepharis  (Nordafrika,  Syrien,  Canaren),  wie  man  sieht, 
mehr  oder  weniger  weit  in  das  paläarktische  Gebiet  über- 
greifen, sind  von  den  Arten  des  Sudan  nur  neun  paläarktische 
{Eremiaphila,  Cetitrommitis,  Sphodromantis  bioctilata,  Mantis, 
Oxythespis,  Miomantis  Savigiiyi  und  pharaonica  sowie  Ble- 
pharis ntendica  und  Empusa),  wobei  alle  Arten,  welche 
in  der  Mittelmeerregion  regelmäßig  gefunden  werden  oder 
nur  aus  dem  Wüstenteile  des  Sudan  bekannt  sind,  als  palä- 
arktisch  gerechnet  sind,  was  für  Miomantis,  die  einzige 
Gattung,  die  nur  mit  Ägypten  gemeinsam  ist,  gar  nicht  so  fest- 
steht, auf  33  sicher  äthiopische  Arten.  Über  eine  weitere  zoo- 
geographische Region  sind  noch  Mantis  religiosa  und  Tenodera 
superstitiosa  (tropisches  Asien)  verbreitet;  auch  die  Gattungen 
sind  großenteils  rein  äthiopisch,  da  außer  Mantis  und  Teno- 
dera nur  noch  Empusa  für  die  indische  Region  in  Betracht 
kommt,  vielleicht  auch  noch  Elaea,  Sphodromantis  und  Popa, 
obwohl  diese  Angaben  (bei  Kirby)  wohl  noch  zu  prüfen 
wären.  Fünf  Gattungen  {Paramorphoscelis,  Tarachina,  Nilo- 
mantis,  Calamothespis  und  Stenovates)  sind  bisher  nur  aus 
dem  Ostsudan  bekannt,  ebenso  17  Arten;  mit  dem  Westsudan 
sind  Elaea  Marchali,  Tenodera  herhacea,  Sphodromantis  biocti- 
lata, Oxythespis  senegalensis,  Oxypila  antnilata  und  Pseiido- 
harpax  virescens  gemeinsam,  wahrscheinlich  aber  noch  mehr. 


I.  Amorphoseelidae. 

Paramorphoscelis  n.  g. 

Differt  a  genere  Amorphosceli  Stäl  pronoto  distincte  lon- 
giore  quam  latiore  laminaque  supraanali  haud  elongata. 

1.  P.  gondokorensis  n.  sp.  (Taf.  I,  Fig.  3). 

Caput  processis  posticis  distinctis,  rotundatis.  Oculi  casta- 
nei,  longitudinaliter  fusco-striati.  Antennae  haud   nigro-annu- 


Oi'thoptcra  Blattaeformia.  181 

latae.  Pronotum  lateribus  parallelis,  sulco  supracoxali  margine 
anteriori  quam  posteriori  plus  approximato.  Elytra  et  alae 
hyalinae,  illa  reticulatione  A.  laxeretis  Karsch  similia,  venulis 
transversis  pro  parte  fuscis.  Pedes  haud  annulati,  tibiae  anticae 
breves,  distincte  curvatae,  articulo  primo  tarsorum  anticorum 
multo  breviores,  tarsus  anticus  femoribus  anticis  multo  longius. 
Totum  animal  testaceum,  immaculatum,  abdomen  tantum  sub- 
tus  medio  nigrescens. 


Long.  tot. 

19-5  mm, 

»       pronoti 

1-6     » 

Lat. 

1-3     » 

Long,  elytrorum 

16 

»       femorum  anticorum    2         * 
Gondokoro,  5.  März  1905. 

Diese  interessante  Form  liegt  mir  in  einem  einzigen  männ- 
lichen Exemplare  vor,  welches  leider  etwas  defekt  ist,  indem 
die  Cerci  nicht  erhalten  sind;  doch  genügen  die  übrigen 
Merkmale,  um  zu  erkennen,  daß  sich  diese  erste  ostafri- 
kanische Amorphoscelide  von  den  bekannten  Arten  der 
Gattung  Amorphoscelis  deuÜich  unterscheidet  und  der  medi- 
terranen Gattung  DiscoUiera  Bonnet  &  Finot  nähert.  Von 
dieser  ist  aber  unsere  Gattung  durch  den  längeren  Kopf  mit 
längeren  Fortsätzen,  längeres,  in  der  Mitte  ungekieltes  Pro- 
notum, gekrümmte  Vordertibien  und  kürzere,  den  Körper  nicht 
überragende  Flugorgane  sowie  die  einförmige  Färbung  sehr 
leicht  zu  unterscheiden,  auch  geht  bei  Discothera  die  Lamina 
subgenitalis  nach  hinten  in  zwei  kurze  gleichfarbige  Zipfel 
aus,  während  sie  bei  Paramorpkoscelis  zwei  schwarze,  deut- 
lich abgesetzte,  dornartige  Fortsätze  trägt.  Beiden  Gattungen 
scheint,  wenigstens  im  männlichen  Geschlechte,  das  mir 
allein  vorliegt,  eine  verlängerte  Lamina  supraanalis  nicht  zu- 
zukommen. 

Die  Familie  der  Amorphosceliden,  welche  durch  die  ganz 
oder  fast  unbewehrten  Vordertibien  ausgezeichnet  ist,  wird 
demnach  in  Afrika  durch  drei  Gattungen  mit  vier  Arten  reprä- 
sentiert, die  sich  folgendermaßen  unterscheiden  lassen: 

1 '^* 


182  F.Werner, 

\.    Lamina  supraanalis   elongato-triangularis  (Pronotum  haud 

longius  quam  latius) Amorphoscelis 

2.    Pedes  annulati;  elytra  dense  reticulata 

A.  annulipes  Karsch 
(Kamerun,  Barombi-Station  am 
Elefantensee.) 
2'.   Pedes  haud  annulati;  elytra  venis  transversis  distanti- 
bus,  parallelis,  areas  quadrangulares  magnas  formanti- 

bus A.  laxeretis  Karsch  (Togo) 

1'.    Lamina  supraanalis  haud  elongata. 

2.    Pronotum   quadratum,  medio  carinatum;   tibiae  anticae 
haud  curvatae;  elytra  abdomen  superantia 

Discothera  (Hinetana) 
(Spanien,  Tunis,  Palästina.) 
2^   Pronotum  longius  quam  latius,   haud  carinatum,  tibiae 
anticae  curvatae;  elytra  abdomen  attingentia 

Paramorph  oscelis 

Das  Exemplar  wurde  in  der  Umgebung  von  Gondokoro 
im  dürren  Steppengrase,  dessen  Färbung  es  besitzt,  zufällig 
beim  Abstreifen  desselben  gefangen. 


II.  Orthoderidae. 

Eremiaphila  Lef. 
2.  E.  cordofana  n.  sp. 

E.  Khmzingeri  Wern.  persimilis,  capite  (latitudine  ocu- 
lorum)  latiore,  macula  coxarum  anticarum  minore,  lamina  sub- 
genitali  multo  angustiore  excisa  bene  distincta. 

Long.  tot.  18      mm, 

pronoti  3*5     » 

femorum  anticorum  4*5  » 
»  posticorum  9  » 
Lat.  abdominis  6*5     » 

Färbung  oberseits  gelblich,  sandfarbig,  Mittel-  und  Hinter- 
beine  undeutlich  dunkler  gebändert.   Unterseite  weiß,  Vorder- 


Orthoptera  BlaHaefonnia.  1  83 

koxen   mit   schwarzem  Fleck,   der  sich  nicht  bis  an  die  beiden 
Enden  ausdehnt. 

Pronotum  ganz  wie  bei  E.  Klimzlngeri,  aber  um  die 
Augenbreite  schmäler  als  der  Kopf.  Flügeldecken  und  Flügel 
wahrscheinlich  völlig  lateral  (Nymphe).  Mittlere  Abdominal- 
tergite  am  Hinterrande  mit  kurzen,  medianen,  dreieckigen  Fort- 
sätzen. Vordere  Femora  außen  mit  vier  Dornen,  vordere  Tibien 
mit  fünf,  an  der  Spitze  dunklen  Dornen. 

Wüste  am  Fuße  des  Gebel  Araschkol,  Kordofan,  13.  April 
1905. 

Centromantis  Wem. 

3.  C.  Hedenborgi  (Stäl). 

Stal,  Öfversigt  k.  Svenska  Vet.  Ak.  Handlingar,   1871,  p.  396,   cf  9  (Ereniia- 

phila). 
Werner,    Sitz.    Bar.    Akad.   Wiss.   Wien,    CXIV.,   Abt.   I,    Mai    1905,   p.  399, 

Fig.  7,  12. 

Diese  von  Stäl  für  den  Weißen  Nil,  von  mir  für  Khartoum 
angegebene  Art  habe  ich  nicht  selbst  gefunden.  Ein  5  aus  der 
Umgebung  von  Khartoum  befindet  sich  im  Museum  des  Gordon- 
College  daselbst  und  wurde  von  mir  untersucht. 

Tarachina  n.  g. 

Genus  proximum  Tarachodes  Burm,,  sed  occipite  valde 
convexo,  pronoto  medio  distincte  carinato,  elytris  alisque  maris 
abdomen  multo  superantibus  necnon  statura  minima  distinctum; 
femina  aptera. 

4.  T.  rhaphidioides  n.  sp.  (Taf.  II,  Fig.  2,  2  a  —  h). 

Caput  pronoto  latius,  oculis  lateralibus.  Pronotum  longius 
quam  latius,  lateribus  integris,  subparallelis,  dilatatione  supra- 
coxali  vix  distinguenda,  carina  media  distincta,  antrorsum 
obsoleta. 

Elytra  et  alae  hyalinae;  illa  alis  breviora,  venis  trans- 
versis  distantibus,  subparallelis,  interstitiis  venarum  princi- 
palium  infuscatis;  campo  costali  serie  punctorum  nigrescen- 
tium  ornato,  venisque  caeteris  punctis  raris  signatis;  alae 
apice  infuscatae. 


184  F.Werner, 

Coxae  et  femora  antica  latere  interno  nigra;  femora  pro- 
notum  longitudine  parum  siiperantia,  compressa,  subtus  obtuse 
angulata,  spina  discoidali  prominenti;  tibiae  anticae  extus  bi- 
maculatae,  dimidio  femorum  breviora,  apicem  versus  extus 
quadrispinosa.  Articulus  primus  tarsorum  anticorum  tibiae 
anticae  longior,  apicem  versus  parum  incrassatus,  subtus  sub- 
tiliter  spinulosus. 

Coloratio  corporis  uniformis,  grisea. 

c^  9 

Long,  tot 1 1  •  3  mm  14      mm 

»       pronoti 2*4  3 

Lat.  »       1-2  1-8 

Long,  elytrorum 11"6 

Gondokoro,  März  1906;  das  cf  wurde  in  der  Grassteppe 
fliegend  angetroffen,  das  9  am  Fuße  eines  Akazienstrunkes  in 
Gesellschaft  zweier  anderer  gleichfalls  der  Rindenfärbung  an- 
gepaßten Mantodeen  (Elaea  9  und  Oxypila). 

Versuch  einer  Revision  der  Gattung  Taraehodes  Burm. 

Diese  von  Burmeister  in  seinem  Handbuch  der  Entomo- 
logie, Bd.  II,  aufgestellte  und  auf  T.perloides  Burm.  gegründete 
Gattung  ist  eine  sehr  einheitliche  und  leicht  kenntliche  und 
durch  ihren  Geschlechtsdimorphismus  (cf  lang-,  9  kurzgeflügelt) 
auffallende,  wenn  wir  alle  unter  den  Namen  Äriusa  Stäl, 
Achlaena  Karsch,  Chiropacha  Charp.,  Galepsiis  S>iQ.\  {■=:  Lyg- 
damia  Sauss.)  beschriebenen  Formen  einbeziehen. 

Charakterisiert  ist  sie  durch  den  linsenförmig  zusammen- 
gedrückten Kopf  mit  ausgedehnter,  nach  aufwärts  gerichteter 
Occipitalregion,  das  ungefähr  rechteckige,  über  der  Einlenkungs- 
stelle  der  Vorderhüften  wenig  erweiterte  Pronotum  mit  bogen- 
förmigem Vorderrand,  stumpfwinkligen  oder  abgerundeten 
Vorder-  und  abgestutzten  Hinterecken,  das  langgestreckte  Ab- 
domen, beim  9  meist  mit  fünf  Längsreihen  von  mehr  weniger 
stark  entwickelten  Längsrunzeln  oderLängsleisten,  deren  mittlere 
am  stärksten  hervorzutreten  pflegt,  die  am  Ende  (letzte  drei 
Glieder)   stark   abgeplatteten,   an   der  Basis   mehr  rundlichen, 


Ortkoptera  Blattaeformia.  1  85 

meist  langen  Cerci,  deren  Glieder  von  der  Basis  zum  Ende  an 
Länge  zunehmen,  die  langgestreckt  trapezförmige,  zwei  kurze 
Styli  tragende  Subgenitalplatte  und  den  aufwärts  gebogenen 
Penis  des  cf ,  die  spitz  dreieckige,  in  der  Mitte  tief  eingeschnittene 
Subgenitalplatte  des  9,  die  breiten,  vier  Außendornen  außer 
dem  Kniedorn  tragenden  Vorderschenkel,  die  Kürze  der  Glied- 
maßen überhaupt,  die  hyalinen  oder  berauchten,  langen,  mit 
einer  einzigen  Ausnahme  das  Ende  des  Abdomens  wenigstens 
erreichenden  Flugorgane  des  cf,  die  kurzen,  derben,  undurch- 
sichtigen, stark  pigmentierten,  mit  stark  vortretenden  Adern 
versehenen  des  9. 

Die  Tarachodes- Arten  im  weitesten  Sinne  bilden  sozu- 
sagen eine  Übergangsform  zwischen  den  primitiven  Ortho- 
deriden  mit  ausgebildeten  Flugorganen  in  beiden  Geschlechtern 
{Mdalleutica,  Chaetessa,  Hoplopliora  etc.)  und  den  extremen, 
verkürzten  Eremiaphiliden  mit  reduzierten  Flugorganen  beider 
Geschlechter.  Sie  laufen  flink,  mit  etwas  schlängelnder  Be- 
wegung des  langen  Körpers,  die  aber  nicht  so  stark  ist  wie  die 
der  Pyrgomaittis-Arten;  die  meisten  dürften  auf  Bäumen,  und 
zwar  an  der  Rinde  leben,  nur  die  Galepsns-Avten  leben  sicher 
im  Grase. 

Unterscheiden  lassen  sich  vier  Gattungen  oder  Unter- 
gattungen, nach  den  Merkmalen  eines  oder  beider  Geschlechter. 

I.  Vertex  bei  cT  und  9  innerseits  von  den  Augen  in  zwei  nach 
vorn  gerichtete  kleine  dreieckige  Fortsätze  ausgehend; 
Pronotum  des  9  mit  Höckern Achlaena  Kar  seh 

II.  Vertex   bei  d"  und  9  ohne  Hörner;   Pronotum   des  9  mit 
zwei  Höckern  nebeneinander  hinter  dem  Sulcus 

Tarachodes  Burm.  (Chiropacha  Sauss.) 

III.  Vertex  bei  cf  und  9  ohne  Hörner;  Pronotum  bei  cf  und  9 
glatt,  nicht  mehr  als  doppelt  so  lang  als  breit;  Vorder- 
schenkel innen  gefleckt  oder  punktiert Ariusa  Stäl 

IV.  Pronotum  beim  d"  und  9  glatt,  konvex;  9  Abdomen  ohne 
Längsreihen  von  Runzeln;  Clypeus  meist  nicht  breiter 
als  lang Galepstis  Stäl 

Die  Gattung  Tarachodes  s.  str.  muß  eine  phylogenetisch 
sehr  junge   sein.   Die   meisten   Arten    sind   nur   an   Färbungs- 


186  F.Werner, 

merkmalen  der  nicht  angepaßten  Unterseite  zu  unterscheiden, 
während  morphologische  Merkmale  uns  hier  niemals  mit 
völliger  Sicherheit  führen.  Zieht  man  eine  von  ihnen  ein,  so  fällt 
ein  halbes  Dutzend  mit  ihr;  ich  finde  aber  die  Färbungsmerkmale 
konstant  genug  und  die  Koinzidenz  mit  der  geographischen 
Verbreitung  ebenfalls  genügend,  um  fast  alle  die  beschriebenen 
Arten  aufrecht  zu  erhalten  und  habe  kaum  mehr  als  einmal 
über  die  Zugehörigkeit  eines  oder  des  andern  Individuums 
Zweifel  gehegt,  als  ich  einmal  die  wesentlichen  Charaktere 
festgelegt  hatte.  Ich  hoffe  durch  die  beigegebenen  Abbildungen 
die  Wiedererkennung  erheblich  erleichtert  zu  haben. 

Von  den  afrikanischen  Orthoderiden  ist  die  Gattung 
Pyrgomantis  mit  Tarachodes,  und  zwar  mit  der  Untergattung 
Galepsus  am  nächsten  verwandt;  aber  andrerseits  zeigt  T.  oxy- 
cephala  Gerst.  durch  den  winkelig  vorspringenden  Vertex  die 
erste  Spur  jener  Bildung,  die  bei  Pyrgomantis  singiilaris 
Gerst.  so  extrem  entwickelt  ist.  Manche  von  den  Galepstis- 
Arten  (modestiis,  dispar,  meridionalis)  erinnern  in  der  Form 
des  Pronotums  an  die  australische  Gattung  Ortliodera. 

Verzeichnis   der  untersuchten  Exemplare  von   Tarachodes. 

1.  T.  pantherma  Gerst.   1  cf ,  1  9 

2.  T.  lucuhrans  Burch.  2  cfcf. 

3.  T.  giJva  Charp.  2  cTcT. 

4.  T.  ohtiisiceps  Stäl.  5  d'c^,  299 

5.  T.  dissimuJator  W.  Mason.   1  cf. 

6.  T.  sancta  Sauss.  3  cfcf,  699. 

7.  T. perloides  Burm.   1  cf,  I9. 

8.  T.  maura  Stäl.   1  cf ,  499. 

9.  T.  Afzelii  Stäl.   12  ö'cT,  I9. 

10.  T.  irrorata  Gerst.  9  cTcf,  799. 

11.  T.  dives  Sauss.  2  cfcT. 

12.  T.  Karschii  Wern.  3  r^cf,  399. 

13.  T.  Sjöstedti  Wern.   1  ö",  1  9. 

14.  T.  Gerstaeckeri  Wern.   1  c/'. 

15.  T.  rohmdiceps  Wern.  1  cf ,  299. 

16.  T.  inaculisterntini  Sjöst.   I9. 

17.  T.  minimus  Wern.  1  cf. 


Orthoptera  BlaUaeformia.  lo' 

18.  T.  nieridionalis  Sauss.   10  cf cT,  4  5$. 

19.  T.  laticeps  Wern.  3  cf  cT. 

20.  T.  lenticularis  Sauss.  2  cTc?. 

21.  r.  capitata  Sauss.  6  cfcf,  I9. 

22.  T.  modesta  Gerst.   10  cfcf. 

23.  T.  dispar  Wern.  3  cTcT,  5  ?  ?. 

24.  r.  Kuhlgatzi  Wern.  3  cf  cf. 

Zusammen  122  Exemplare. 

Nicht  gesehen: 

25.  r.  conspersa   Stäl    (Bih.   k.  Sv.  Vet.  Ak.  Handl.,  IV, 
No.  10,  1876,  p.  17). 

26.  T.  crypsichroma  Karsch  (Berl.  Ent.  Zeitsch.,  XXXIX, 
1894,  p.  272,  Taf.  XIX,  Fig.  2). 

27.  T.  oxycephala  Gerst.   (Mitt.  Ver.  Neuvorpommern   u. 
Rügen,  XIV,  1883,  p.  39.) 

28.  T.  media  Schulth.  (Ann.  Mus.  Genova  [2],  XIX,  1898, 

p.  171). 

29.  T.  Smithi  Rehn  (Proc.  Ac.  Philad.,  1901,  p.  278). 

30.  T.  aestuans  Sauss.  (Ann.  Mus.  Genova,  XXXV,  1895, 

p.  91). 

31.  r.  modestior  Schulth.   (Ann.  Mus.  Genova  [2],  XIX, 

1898,  p.  173. 

32.  T.  tentiis  Stäl   (Bih.  k.  Sv.  Vet.  Ak.  Handl.,  IV,  No.  10, 

1876,  p.  18. 

Unter  diesen  33  Arten  findet  sich 

das  größte  cT  (47  mm)  bei  sa^icta  (insidiator),  das  größte  9 
bei  maura  {4ßm,m); 

das  kleinste  cf  (21mm)  bei  modestior,  das  kleinste  9  bei 

capitatus  (25  mm)\ 

die  längsten  Elytren  des  ö"  (4-07  : 1)^   bei   luctihrans,  die 
längsten  Elytren  des  9  bei  media  (M  :  1); 

die  kürzesten  Elytren  des  d"  (2  : 1)  bei  dispar,  die  kürzesten. 
Elytren  des  9  bei  Karschii  (6*64: 1); 


1  Verhältnis  zur  Pronotumlänge. 


188  F.Werner, 

das  längste  Pronotum  des  cT  (3-28  :])i  bei  laticeps,  das 
längste  Pronotum  des  9  bei  capitatus  (2-70  : 1); 

das  kürzeste  Pronotum  des  ^  (1-62:1)  bei  pantherina, 
das  kürzeste  Pronotum  des  9  bei  pantherina^  (1-38  :  1); 

das  absolut  längste  Pronotum  des  d^  (ll-ömm)  bei 
sancta  (insidiator),  das  absolut  längste  Pronotum  des  9  bei 
maura  (12-3  mtti); 

das  absolut  kürzeste  Pronotum  des  cf  {bmm)  bei  minima, 
das  absolut  kürzeste  Pronotum  des  9  bei  meridionalis^Q  •2mm). 

Die  Verwandtschaftsverhältnisse   der  Taraehodes-Arten 
(T.  sensu  strictiore,  excl.  Ariusa,  Achlaena  et  Galepsus). 

Die  Tarachodes-Avien  dieser  Gruppe  sind  einander  äußerst 
nahe  verwandt  und  bei  Durchsicht  eines  größeren  Materials 
findet  man  bald,  daß  die  für  die  einzelnen  Arten  angegebenen 
Merkmale  entweder  nur  individuelle  oder  aber  überhaupt  keine 
unterscheidenden  sind.  Das  gilt  so  ziemlich  für  die  Dornenzahl 
der  Vorderschenkel,  die  Beschaffenheit  der  Oberfläche  des  Pro- 
notums  und  des  Abdomens,  ja  auch  für  die  Form  der  Genital- 
anhänge. Wirklich  von  Belang  sind  nur:  Form  des  Vertex, 
Färbung  der  Innenseite  der  Vorderbeine  und  des  Prosternums,' 
Färbung  der  Flügel  beim  cT  und  ihre  Länge  beim  9,  Behaarung 
Form  des  Stirnschildes.  ' 

Wenn  wir  von  den  Formen  mit  einfarbig  heller  Innenseite 
der  Vorderbeine  ausgehen,  so  haben  wir  eine  westafrikanische 
Gruppe  mit  rundlichem,  begrenztem  Prosternalfleck  und  eine 
östliche  mit  ganz  dunklem  oder  ein-  bis  dreifach  gebändertem 
Prosternum.  An  diese  letzteren  schließen  sich  die  Formen  mit 
an  beiden  Enden  dunkler  Innenseite  der  Vordercoxen  und 
dunklem  Längsstreif  der  Vorderfemora  an,  endlich  die  mit 
innen  ganz  schwarzen  Vordercoxen  und  schwarzem  breiten 
Femoralstreifen.  In  allen  diesen  Gruppen  gibt  es  rund-  und 
geradstirnige  Arten. 

1  Verhältnis  zur  Breite. 

2  Die  Angabe  bei  Stäl  für  Galepsus  lenuis  (3  mm)  ist  ein  Druckfehler 
und  soll  8  mm  heißen,  was  mir  Prof.  Sjöstedt  bestätigte. 

3  Zugleich  Maßstab  für  Größe. 


Orthoplera  Blattaefonnia. 


189 


Die  Verwandtschaft  wäre  demnach ^  etv/a  folgende: 


Tnamlistej'jiuin' 


afzcUi 


pcrloidcs 


irrorntn 


1, 


Dispositio  Specierum. 
Vertex  summo  obtuse  angulato T.  oxycephala  Gerst. 


Vertex  summo  convexo  aiit  truncato -^ 

2.  Femora   antica  intus   maculis   tribus   aut    pluribus   nigris 

ornata;  femina  tuberculis  pronoti  nullis 3  (Ariiisa) 

Femora   antica  unicoloria   aut   vitta   longitudinali   ornata; 
feminae  pronoto  tuberculis  maioribus  duabus  pone  sulcum 

,  4 

armato 

3.  Grisea,nigro  conspersa;  femoribus  posticis  nigrobifasciatis; 

vertice  fere  toto  nigro T.  (Ariusa)  conspersa  Stäl 

Ochracea,  pedibus  nigropunctatis;  vertice  concolore 

T.  (Ariusa)  pmithevina  Gerst. 
4    Vertex    trunctatus,    processus    duos    breves    trianguläres 

antrorsum  emittens 5  (Achlaena) 

Vertex  truncatus  aut  convexus,  haud  cornutus 6 

5.  Femora    antica    intus    flavescentia,    unicoloria.    Pronotum 
lateribus  subparallelis,  Spina  latero-antica  minima 

T.  (Achlaena)  liicuhrans  Burm. 
Femora  antica  intus  violaceonigra,  punctis  nonnuUis  flavis 
ornata;  pronotum  postice  distincte  angustatum,  angulis 
lateralibus  anticis  valde  spinosis 

T.  (Achlaena)  crypsichroma  Karsch 


1  Nicht  berücksichtigt  ist  nur  acstuans  Sauss.  und  Smithi  Rehn,  deren 
systematische  Stellung  nicht  klar  ist.  Kirby  identifiziert  acstuans  mit  mcdta 
Schulth. 


190 


F.  Werner, 


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CO       CO       CO       CO 


CO       CO       CO 


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Orthoptera  Blattaeformia. 


191 


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5^  -? 


192  F.Werner, 

6.  Elytrae  cf  macula  magna  e  venulis  albis  formata  ornatae 
(venulis  aliis  elytrae  fere  omnibus  fuscis,  prope  apicem 
solum    albis    intermixtis;    coxae    et    femora   antica   intus 

nigrovittata) T.  dissininlator  W.  M. 

Elytrae  cf  macula  magna  a  venulis  albis  formata  nulla  .  .  7 

7.  Vertex  distincte  truncatus  aut  leviter  emarginatus  (femora 

antica  intus  nigrovittata) 8 

Vertex  plus  minusve  arcuatus 10 

8.  Coxae   anticae   intus    flavescentes   basi   et    apice    macula 

nigra  ornata T.  sancta  Sauss. 

Coxae  anticae  intus  atrae 9 

9.  Femora  antica  vitta  nigra  apicem  haud  attingente,  bicuspi- 
data,  ornata  (abdomen  subtus  immaculatum) 

T.  perloides  Burm. 
Femora  antica  vitta  nigra  usque  ad  apicem  prolongata 
(abdomen  subtus  in  omnibus  segmentis  maculis  duabus 
nigris  marginem  lateralem  segmenti  attingentibus  ornatum) 

T.  niaura  Stäl 

10.  Coxae  anticae  cT  intus  nigrovittatae;  coxae  9  intus  granu- 

latae;  pronotum  9  granulatum 11 

Coxae   anticae  cf  flavescentes   aut  rufescentes,   coxae  9 
laeves;  pronotum  9  haud  granulatum 12 

11.  Vertex  cT  acutus;  pedes  parum  pilosi T.  Äfzelii  Stäl 

Vertex  cf  obtusus;  pedes  distincte  albopilosi 

T.  irrorata  Ger  st. 

12.  Femora  antica  intus  nigro-aut  rufo  vittata;  prosternum 
in  tertio  posteriore  nigrofasciatum 13 

13.  Alae  maris  in  campo  anali  obscuriore  maculatae 14 

Alae  maris  in  campo  anali  unicolores  fuscovenosae 

T.  dives  Sauss. 

14.  Species  ochracea  pedibus  crassioribus  .  .  .T.  gilva  Charp. 
Species  fuscogrisea  pedibus  gracilioribus .  T.  ohtiisiceps  Stäl 
Femora  antica  haud  vittata;  prosternum  pone  coxas 
totum  coeruleonigrum  aut  macula  unica  aut  fasciis  tribus 
ornatum 15 

15.  Prosternum  ab  insertione  coxarum  atroviolaceum;  Vertex 

minime  rotundatus;  pedes  pilosi T.  Karschii  Wern. 

Prosternum  pone  coxas  unimaculatum  aut  trifasciatum   16 


Orthoplera  Blattaeformia.  193 

16.  Prosternum    trifasciatum,    frons    quadrifasciata;    species 

orienlalis T.  media  Schul th. 

Prosternum  macula  unica  rotundata  aut  antice  acuminata 
ornatum;  species  occidentales 17 

17.  Vertex  valde  convexus;  elytra  et  alae  maris  infuscatae 

T.  roiimdiceps  Wem. 
Vertex  parum  convexus;  elytra  et  alae  maris  hyalinae.  .  18 

18.  Clypeus  frontalis  haud  fasciatus 19 

Clypeus  frontalis  plus  minusve  distincte  fasciatus 20 

19.  Pedes  pilosi;  species  maior T.  macnlisterimin  Sjöst. 

Pedes  glabri;  species  parva T.  minima  Wem. 

20.  Elytra  et  alae  cf  perfecte  hyalinae,  parum   nitidae,  venis 
haud  infuscatis;  femina  obscure  trivittata 

T.  Sjöstedti  Wem. 
Elytra  et  alae  cf  nitidae,  venis,  etiam  in  campo  anali  alarum, 
infuscatis  (femina  ignota) T.  Gerstaeckeri  Wem. 

T.  aestitans  und  Smithii  kann  ich  in  dieser  Tabelle  nicht 
unterbringen. 

Geographische  Verbreitung. 

Wie  aus  nachstehender  Tabelle  ersichtlich,  kommen  von 
den  33  Tarachodes- Arten  die  meisten  ausschließlich  in  West- 
afrika nördlich  vom  Äquator  vor  (10),  dagegen  sind  nur  6  auf 
Nordost-,  3  auf  Südwest-,  4  auf  Südost-  und  gar  nur  2  auf 
Südafrika  beschränkt,  es  sind  also  nicht  weniger  als  25  Arten 
mehr  weniger  lokalisiert;  von  den  übrigen  8  sind  2  in  Ost- 
afrika, 1  in  Westafrika  südlich  und  nördlich  vom  Äquator 
gefunden  worden;  eine  lebt  in  Süd-  und  Südost-,  zwei  weitere 
in  Südwest-,  Süd-  und  Südostafrika  (maura  und  meridionalis); 
nur  lenticularis  ist  aus  Nordost-  und  Südafrika  allein  bekannt, 
bisher  aber  nicht  aus  Südostafrika,  wo  sie  aber  zweifellos  vor- 
kommt. Es  ergibt  sich  also,  daß  sie  geographisch  im  allgemeinen 
sehr  scharf  geschieden  sind  und  namentlich  fällt  es  uns  im 
Gegensatze  zu  andern  Orthopteren-,  ja  sogar  Mantidengattungen 
auf,  daß  West-  und  Ostafrika  nördlich  vom  Äquator  keine 
einzige  Art  gemeinsam  haben  und  daß  auch  Nordost-  und 
Südostafrika    nur    an    zwei    Arten    (T.   pantherina,    capitata) 


194 


F.  Werner, 


gemeinsam  teilhaben.  Andrerseits  ist  es  auffallend,  daß  eine 
Art  ohne  wesentliche  Veränderung  in  Malakka  angetroffen 
wurde,  und  zwar  gerade  die  westafrikanische  T.  Afzelii;  sie 
wurde  wohl  durch  Schiffe,  die  um  das  Kap  nach  Indien  fuhren, 
im  Kokon  verschleppt.  Weit  verbreitete  Arten  gibt  es  in  dieser 
Gattung  nicht,  da  die  Flugunfähigkeit  des  9  hier  jedenfalls 
hinderlich  ist;  daß  das  cf  stets  wohlausgebildete  Flugorgane 
besitzt,  ist  in  diesem  Falle  natürlich  bedeutungslos. 


Tarachodes 

NO 

SO 

s 

sw 

1 

NW 

pantherina .... 

1 

1 

_ 

_ 

_ 

Somali  bis  Britisch-Ostafrika 

conspersa  

— 

— 

— 

1 

— 

Üamaraland 

lucubrans 

— 

— 

1 

— 

— 

Kap 

crypsichroma .  . 

— 

— 

— 

— 

1 

Kamerun 

s^ilva 

1 
1 

— 

— 

— 



Sudan 

Sudan,  Bogos,  Somali 

obtiisiceps  .... 

dissimtilalor  . . 

— 

— 

— 

— 

1 

Togo  und  Kamerun 

sancfa 

— 

1 

1 

— 

— 

Nyassa  bis  Kap 

perloides 

— 

— 

1 

(1?) 

— 

Kap,  Natal  (Benguella?) 

maura 

1 

1 

1 

1 

— 

Afrika  mit  Ausnahme  des  Nor- 
dens und  Nordwestens 

Afzelii 

— 

— 

— 

— 

1 

Westsudan 

irrorata  

— 

— 

1 

1 

Goldküste,  Kongo 

dives 

— 

1 

— 

— 

1 

Westsudan 
Deutsch-Ostafrika 

Karschii 

media 

1 

— 

— 

— 

— 

Somali 

rotundiceps  .  . . 

— 

— 

— 

— 

1 

Kamerun 

maculisternum 

(1?) 

— 

— 

— 

1 

Kamerun  (Ägypten?) 

minima 

— 

— 

— 

1 

— 

Deutsch-Südwestafrika 

Sjöstcdti 

— 

— 

— 

1 

— 

Chinchoxo 

Gerstaecheri  .  . 

— 

— 

— 

— 

1 

Kamerun 

aestuans 

Smithi 

1 

1 

— 

— 

— 

: 

>  Somali 

oxycephala  .  .  .  . 

— 

— 

— 

— 

1 

Ogowe 

Kuhlgatzi  .  .  .  . 

— 

1 

— 

— 

— 

Deutsch-Ostafrika 

dispar 

— 

1 

— 

~ 

— 

Deutsch-Ostafrika 

Oiihoptera  Blattaefonnia. 


195 


Tarachodes 


NO 


SO 


laticeps 

vieridionalis 

modeslior.  .  , 
lenticularis  . 
modestus  .  . 
capitatns  .  . 
tenuis 


10        9 


SW 


NW 


11 


Kamerun 

Kap,  Natal,  Transvaal,  Kilima- 
ndjaro 

Somali 

Sudan,  Natal 

Deutsch-Ostafrika 

Sudan,  Zanzibar 

Westafrika 


Untergattung  Ariusa  Stäl, 
Tarachodes  pantherina  Ger  st. 

Gersfäcker,  Arch.  f.  Naturg.,  XXXV,  p.  208,  und  in:  v.  d.  Decken,  Reisen 
Ostafrika,  III,  2  (1873),  p.  11,  Taf.  I,  Fig.  5. 

Eine  sehr  auffällige  und  leicht  kenntliche  Art  durch  die 
ockergelbe  oder  lehmgelbe  Färbung  mit  runden,  tiefschvvarzen 
Tüpfeln  auf  den  GHedmaßen.  Das  bisher  anscheinend  unbe- 
kannte 9,  welches  ich  in  meiner  Sammlung  habe,  unter- 
scheidet sich  von  den  erwachsenen  9  9  aller  mir  bekannten 
Arten  der  Gattung  durch  das  zwar  unebene,  aber  glatte  und 
der  starken  Mittelhöcker  entbehrende  Pronotum,  welches  außer- 
dem im  Verhältnis  zum  cf  länger  ist. 

Dornen  an  der  Außenseite  der  Vorderschenkel  wie  ge- 
wöhnlich 5,  an  der  der  Vorderschienen  1 1  bis  12;  alle  schwarz- 
spitzig. Das  mir  vorliegende  cf  aus  dem  Museum  Berlin  besitzt 
einen,  das  Originalexemplar  und  das  9  meiner  Sammlung  zwei 
schwarze  Punkte  außen  an  den  Vorderschenkeln.  Innen  sind 
sowohl  Femora  als  Coxen  mit  zahlreicheren  Punkten  versehen, 
dicht  getüpfelt  (ober-  und  unterseits)  auch  Mittel-  und  Hinter- 
beine. Prosternum  mit  zwei  großen  mattschwarzen  Flecken 
hintereinander.  Vorder-  und  Hinterflügel  des  cf  besitzen  nur 
im  Costalteil  braune  Adern,  während  das  Analfeld  vollkommen 
hj^alin  ist.  Das  Stirnschild  ist  iVsmal  so  lang  als  hoch  und 
ohne  Spur  einer  Querbinde. 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Kl. ;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I. 


196  F.Werner, 

Dimensionen 


Pronotum,         Pronotum,         Elytra, 
Totallänge  Länge  Breite  Länge 

cT  Mombasa 34                7-3              4-5  p 

cf  Daua 27                 7                   4  25 

9  Britisch-Ostafrika .  .      37               10                  6-3  7-7 

cTOrig.  nach  d. Abbild.  (51)  36  (1 1 -2)  7-91  (6)  4-2  (37)  26 

Vorkommen:  Endara,  Ostafrika  (Gerstäcker;  leg.  v.  d. 
Decken,  Oktober  1862);  Mombasa  (xMus.  Berlin,  leg.  Hilde- 
brandt, Dezember  1876),  Daua,  Somaliland  (Schul thess; 
leg.  Ruspoli,  25.  April  1893). 

Wegen  des  höckerlosen  Pronotums  und  der  gefleckten 
Innenseite  der  vorderen  Femora  ist  diese  Art  neben  Ariusa 
cofispersa  Stäl  zu  stellen,  als  Untergattung  kann  Ariiisa  ohne- 
weiters  beibehalten  werden. 

Untergattung  Achlaena  Kars  eh. 
Tarachodes  lucubrans  (Burch.)  (Taf.  III,  Fig.  7). 
Burchell,  Travels  S.  Africa,   I,   p.  465  (1822)  CManlisJ;    Westwood,   Rev. 

Mant,   p.  29,  Taf.  6,  Fig.  2  (1889);    Sharp,  Cambridge  N.  H.,   Ins      I 

p.  429  (1895). 

Diese  Art  ist  durch  den  zwischen  den  Augen  in  zwei 
kurze,  dreieckige,  aber  sehr  deutliche  Fortsätze  ausgezogenen 
Kopfgipfel  sehr  leicht  kenntlich.  Diese  Fortsätze  stehen  median- 
vvärts  von  den  Längsfurchen,  welche  selbst  medianwärts  von 
den  Augen  über  den  Hinterkopf  verlaufen.  Die  großen  rot- 
braunen Augen  sind  mehr  weniger  deutüch  längsgestreift.  Der 
obere  Rand  der  Stirnplatte  ist  gerade  oder  schwach,  der  untere 
stärker  gebogen,  die  Platte  selbst  doppelt  so  breit  wie  hoch. 
Quer  durch  sie  zieht  eine  breite  schwarze  Binde,  eine  zweite 
an  der  Basis  des  Clypeus,  eine  dritte  an  der  Basis  der  Ober- 
lippe, je  eine  schmale  über  den  Oberrand  der  Stirnplatte,  die 
beiden  oberen  Ocellen  und  unterhalb  des  Vertex.  Pronotum  mit 
schwacher  Längs-  und  deutlicher  supracoxaler  Ouerfurche,  an 
der  Grenze  zwischen  dem  bogigen  Vorder-  und  dem  Seiten- 

1  Die  eingeklammerten  Zahlen  sind  die  der  Abbildung,  die  daneben- 
stehenden sind  berechnet  nach  dem  Verhältnis  der  Länge  der  Abbildung  (51)  zu 
der  von  Gerstäcker  angegebenen  wirklichen  Totallänge  (36). 


Orthoptcra  Blattaeformia.  1"' 

rande  mit  einem  kleinen,  spitzigen,  schwarzen  Vorspmng, 
hinter  der  Querfurche  etwas  erweitert. 

Seitenränder  des  Pronotums  parallel,  hinter  der  Erweite- 
rung etwas  eingeschnürt,  dann  wieder  erweitert.  Außenrand 
der  Vordertibien,  die  Mittel-  und  Hinterbeine  und  die  Cerci 
(deren  basale  Glieder  rund  sind,  während  sie  gegen  das  Ende 
immer  mehr  plattgedrückt  erscheinen)  weiß  behaart,  weniger 
deutlich  das  Pronotum  am  Seitenrande,  die  vorderen  Coxen 
und  Femora.  Die  Vordercoxen  glatt;  vordere  Femora  außen 
wie  immer  mit  5,  vordere  Tibien  mit  13  Dornen,  die  letzteren 
schwarzspitzig;  Coxen  und  Femora  innen  glänzend  rotbraun, 
ungefleckt.  Antennen  dunkel  und  hell  geringelt.  Vorderflügel 
mit  dunkelbraunen  Adern,  von  denen  die  konvexen,  in  regel- 
mäßigen Abständen  dunkler  und  breiter  und  lichter  und  heller 
erscheinen;  an  den  dunklen  Stellen  ein  kleiner,  ganz  schwach 
berauchter  Fleck.  Hinterflügel  im  Vorderfeld  mit  dunkelbraunen 
Längs-  und  Queradern,  im  Analfeld  sind  nur  die  Längsadern 
dunkelbraun. 

Färbung  der  Oberseite  gelb-  bis  graubraun,  mit  dunklen 
Punkten  und  Flecken,  dieVordertarsen  sowie  Tibien  und  Tarsen 
der  Mittel-  und  Hinterbeine  dunkel  geringelt.  Unterseite  des 
Abdomens  in  jedem  Segment  mit  zwei  dunklen  Punkten. 

Kapkolonie.  2  cf  cf  untersucht,  davon  das  eine  aus  dem 
Museum  Berlin.  Dimensionen: 

Totallänge 35  mm  33  •  5  mm 

Pronotum,  Länge 8  7 

»  Breite 4  3-5 

Elytra,  Länge 30  28-5 

Das  Berliner  Exemplar  ist  als  Chiropacha  diaphana  Charp. 
bezeichnet.  Die  typische  Art  der  Untergattung  Achlaena,  wohin 
Kirby  (Synon.  Cat.  Orthopt,  1, 1904,  p.  216)  T.  hicubrans  richtig 
stellt,  ist  T.  crypsicliroma  Karsch  (nicht  cryptochroma,  wie 
Kirby  schreibt),  durch  die  auffallend  verschiedene  Form  des 
Pronotums  (hinten  stark  verengt)  und  die  Färbung  der  Innen- 
seite der  Vorderbeine  genügend  charakterisiert.  Chiropus  dives 
Sauss.  1869  (<j)  gehört  trotz  einiger  Ähnlichkeit  in  der  Kopf- 
form nicht  hieher,  sondern  eher  zu  T.  perloides  Burm. 

14* 


198  F.  Werner, 

Untergattung  Chiropacha  Charp. 
Tarachodes  gilva  (Charp.). 
Charp enti er,   Orth.  descr.  dep.,  p.  288,  Taf.  15  (Chiropacha). 

Diese  Art  steht,  wie  schon  Stäl  bemerkte,  der  nächst- 
folgenden äußerst  nahe,  unterscheidet  sich  aber  von  ihr  durch 
die  lehmgelbe  Färbung  und  die  robusteren  Gliedmaßen.  Mit 
der  oben  zitierten  recht  guten  und  charakteristischen  Abbildung 
stimmen  zwei  cf  cf  des  Wiener  Hofmuseums  aus  Sennaar  (leg. 
Kotschy)  sehr  gut  überein.  Die  Flecken  im  Analfelde  der 
Hinterflügel,  welche  bei  T.  obtusiceps  graubraun  sind,  haben 
hier  eine  hellere,  aber  schwer  zu  beschreibende  Färbung.  Die 
schwarze  Querbinde  im  letzten  Drittel  des  Prosternums,  der 
schwarze,  vom  Trochanter  zum  distalen  Ende  sich  zuspitzende 
Längsfleck  auf  der  Innenseite  des  Vorderschenkels,  der  schwarze 
Fleck  an  beiden  Enden  der  Vorderhüfte,  schließlich  die  (bei 
gilva  freilich  gelegentlich  fehlende)  dunkle  Querbinde  über  die 
Mitte  des  Stirnschildes  und  die  Augen  sind  beiden  Arten 
gemeinsam.  Es  ist  immerhin  möglich,  daß  T.  obtusiceps  nur 
eine  lokale  Varietät  von  gilva  ist. 

Dimensionen  des  einen  cT  der  Wiener  Sammlung: 

Totallänge 41       mm, 

Pronotum,  Länge 10- 5 

»  Breite 5 

Elytra,  Länge 34 

Dornen  an  der  Außenseite  des  Vorderfemurs  5,  der  Vorder- 
tibia  15. 

Tarachodes  gilva  ist  aus  Sennaar  (leg.  Kotschy,  Mus. 
Wien)  und  Ambukol  in  Dongola  (leg.  Hart  mann,  Mus.  Berlin) 
bekannt.  Die  Angabe  »Ägypten«  bei  Charpentier  ist  wohl 
auf  die  einstmalige  weite  Fassung  des  Begriffes  »Ägypten«, 
der  auch  Nubien  und  Sennaar  umfaßte,  zurückzuführen.  Die 
Exemplare  des  Museums  Berlin  messen  43-5  bis  44-5  0:f), 
38-5  bis  41mm  (9),  Elytren  des  cT  31,  des  9  IL 5  bis  12mm. 
Der  Freundlichkeit  des  Herrn  Assistenten  Th.  Kuhlgatz  ver- 
danke ich  nachstehende  Tabelle  über  die  Typen  dieser  Art. 


Orthoptera  Blattaeformia. 


199 


Tarachodes  obtusiceps  (Stäl)  (Taf.  II,  Fig.  3,  10). 

Stäl,  Öfv.  k.  Vet.  Ak.  Förh.,  1871,  p.  396. 

Graubraun,  dunkel  gefleckt  und  punktiert,  die  Querbinde 
der  Stirn  durchwegs  viel  deutlicher  und  dunkler  als  bei  voriger 
Art  und  außerdem  noch  eine  ebensolche  Querbinde  am  Vorder- 
und  Hinterrande  des  Stirnschildes;  die  obere  meist  auch  noch 
über  die  Augen  hinziehend,  mitunter  auch  die  mittlere,  stets 
in  Form  überaus  feiner  vertikaler  Strichelchen.  Behaarung 
schwach,  am  deutlichsten  an  den  Cercis  (namentlich  beim  9), 
am  Oberrande  der  Vordertibien  und  am  Seitenrande  des  Pro- 
notums.  Das  9  besitzt  fein  gezähnelte  Seitenränder  des  Pro- 
notums  und  in  der  Mitte  desselben  zwei  starke,  divergierende, 
konische  Höcker,  deren  medianwärts  gelegene  Seite  einen 
weißen  Strich  trägt.  Dornen  der  Außenseite  der  Vorder- 
schenkel 5,  der  Vordertibien  15,  alle  schwarzspitzig.  Der 
dunkle  Fleck  an  der  Innenseite  der  Vorderschenkel  beim  9 
dunkelrotbraun,  ebenso  die  Unterseite  der  Vordertibien  bei  cf 
und  9,  wenn  auch  nicht  immer  deutlich.  Elytren  des  9  grau- 
braun, mit  hellen  Queradern;  Hinterflügel  schwarzviolett,  eben- 
falls mit  hellen  Queradern,  an  der  Spitze  bräunlich. 


Dimensionen 


Total- 
länge 

cf  aus  dem  Sudan,  leg. 
Marno  (Mus.  Wien)  .  .  33 

cf  aus  Dar-Sennaar  (leg. 
Hartmann),  Mus.  Ber- 
lin (Kat.  Nr.  3266) 33,34 

cf  aus  dem  Sudan  (Blauer 
Nil,  leg.  Flower) 33 

cf  aus  dem  Sudan  (Weißer 
Nil,  leg.  Werner) 37 

cf  aus  Bogos,  Coli.  Brun- 
ner (Kat.  Nr.  12690).  .  .  41 

9  aus  dem  Sudan  (Blauer 
Nil,  leg.  Flower),  Coli. 
Werner 28 

9  aus  Meid,  Somaliland, 
leg.  Hildebrand  (Mus. 
Berlin) 32 


Pronotum 
Länsre 


•1 


10 


Pronotum 
Breite 

3-7 


3-7 


9-2 


3-7 


4-5 


Elytra, 
Länge 

26 


8-5,9        4-2,4        27-5,28 


27 


28 


35 


7-5 


200 


F.  Werner, 


ChiropacJia 


Vier  Exemplare 


Größe 


Färbung  der  Oberseite  im  allgemeinen 


Nr.  1 
cf  Kat.  Nr.  539 
Ambukol  Ehrbg. 


Nr.  2 
cT  Kat.  Nr.  539 
Ambukol  Ehrbe 


43  •  5  mm 

lang. 

Länge  der 

Vorderflügel 

31  mm 


Braun.  Kopf  und  Pronotum  lehmfarben. 
Augen  gi-ünlichgelb.  Meso-  und  Meta- 
notum  schwarzbraun  bis  schwarz,  glän- 
zend. Abdomen  braun  poliert.  Vorder- 
flügel trüb  silbergrau  mit  brauner  Ade- 
rung,  wenig  durchscheinend.  Hinterflügel 
etwas  durchsichtiger,  mit  braunen  Längs- 
adern und  in  der  vorderen  Partie  braunen, 
in   der  hinteren  Partie   hellen  Queradern 


Nr.  3 

9  Kat.  Nr.  539 

Ambukol  Ehrbg, 


44  •  5  mm 

lang. 

Länge  der 

Vorderflügel 

31  mm 


38  •  5  mm 

lang. 

Länge  der 

Vorderflügel 

12  mm 


Kopf  und  Pronotum  ein  wenig  ins  Grün- 

Hche  oder  Bläuüche  spielend.   Pronotum 

mit   vei-waschenen   bräunlichen  Tüpfeln. 

Augen  kastanienbraun 


Lehmfarben.  Kopf  und  Pronotum  wie 
Nr.  1.  Meso-  und  Metanotum  hinten  mit 
zwei  schwarzbraunen  dreieckigen  Flecken. 
Innen-  und  Hinterrahd  der  sonst  lehm- 
gelben Vorderflügel  sowie  die  Hinterflügel 
braun  mit  heller  Aderung.  Außen-  und 
Hinterrand  der  Hinterflügel  lehmgelb 


Nr.  4 

9  Kat.  Nr.  539 

Ambukol  Ehrbg. 


41  mm 

lang. 

Länge  der 

Vorderflügel 

11  ■  5  mm 


Hellbraun.   Kopf  lehmfarben,   ein  wenig 
ins  GrünHche  spielend.  Augen  kastanien- 
braun.   Apikale   Hälfte    der  Vorderflügel 
verblaßt 


Orthoptera  Blatlaefonnia. 


201 


gilva  Charp. 


Färbung 
der  Stirn 


Färbung 

der 
Antennen 


Färbung  des 
Prosternums 


Färbung  der 

Vorderbeine 

unterseits 


Mittel-  und 
Hinterbeine 


Lehmgelb  mit 
sehr  schwacher, 
Icaum  sichtbarer 
Andeutung  einer 
verwaschenen 
Querbinde  von 
dunklerem  Ton 


Stirn  mit  einer 

etwas  ver- 
waschenen, aber 
deutlichen,  bläu- 
lichschwarzen 
Querbinde 


Ohne 

dunkle 
Ringelunji 


Ebenso 


Prosternum 
schwarz  ge- 
fleckt bei  den 
Acetabulis.  Vor 
dem  Hinter- 
rande —  von 
diesem  etwa 
um  die  Breite 
der  Hinterbein- 
coxen  abge- 
rückt —  eine 
deutliche 
schwarze  Quer- 
binde 


Ebenso,  aber 
bei  den  Aceta- 
hitlis  nicht 
schwarz  ge- 
fleckt 


Gelblichbraun. 

Femur  mit 

breitem,  nach 

dem  Tibienende 

verjüngtem, 
spitz  auslaufen- 
dem Längsstreif. 
Trochanter  in 
Fortsetzung 
dieses  Streifens 
mit  schwarzem 
Fleck.  Coxen 
mit  schwarzer 
Kante  am  Ende 


Ebenso,  aber 

die  Zeichnungen 

etwas  heller,  ins 

Bräunliche 

spielend 


Spärlich 
behaart. 
Femora 
nicht  glatt- 
gedrückt 


Wie  Nr.  1 


Ohne  Andeu- 
tung einer  Quer- 
binde 


Ebenso 


Wie  Nr.  2 


Ebenso,  aber 
die  Zeichnungen 
weit  heller,  hell- 
rotbraun 


Behaarung 

ein  wenig 

dichter  und 

länger  als 

bei  Nr.  1, 

sonst 

ebenso 


Wie  Nr.  3 


Ebenso 


Wie  Nr.  2 


Die  bei  Nr.  1 
so  scharf  um- 
grenzten Zeich- 
nungen ganz 
verwaschen, 
rötlichbraun 


Wie  Nr.  3 


-Ow  F.  Werner, 

Diese  Art  scheint  in  Nordostafrika  weit  verbreitet  zu  sein. 
Das  Originalexemplar  Stäl's  (40  cm  lang,  also  wie  das  aus 
den  Bogosländern  in  Coli.  Br.)  stammt  vom  Weißen  Nil  (leg. 
Heden  borg),  ebenso  mein  Exemplar,  welches  ich  bei  Renk 
im  Februar  1905  fing.  Die  Größenunterschiede  sind,  wie  aus 
obiger  Tabelle  ersichtlich,  ziemlich  bedeutend,  desungeachtet 
kann  über  die  Zusammengehörigkeit  der  oben  genannten 
Exemplare  kein  Zweifel  sein.  Immerhin  kann  man  vielleicht 
eine  var.  niaior  unterscheiden  (mit  stets  fehlendem  Stirn- 
querband ?). 

Tarachodes  dissimulator  W.-Mason  (Taf.  III,  Fig.  6). 
Wood-Mason,  Journ.  Asiat.  Soc.  Bengal.,  LI,  II,  1S82,  p.  23. 

Diese  von  ihrem  Autor  sehr  kenntlich  beschriebene  Art 
ist  durch  den  großen  hellen  Fleck  auf  den  Flügeldecken,  auf 
welchem  die  Aderung  weiß  anstatt  braun  ist,  den  braunen 
Längsstreifen  der  vorderen  Coxen  und  Femora,  den  großen, 
blauschwarzen  Prosternalfleck  sowie  die  starke  Behaarung  an 
Mittel-  und  Hinterbeinen,  den  Seiten  des  Abdomens,  am  Seiten- 
rande des  Pronotums  und  auf  der  Oberseite  der  \'ordertibien 
sehr  auffallend. 

Mir  liegt  ein  Exemplar  aus  Togo  (Misahöhe,  leg.  Bau- 
mann, 3.  November  1894)  vor;  es  ist  wie  die  Type  ein  c  und 
befindet  sich  im  Berliner  Museum. 

Dimensionen  ^  aus  Togo  ^^  (Tvpe)  aus  Kamerun 

Totallänge 38      inni  41        uiui 

Pronotum,  Länge 9-3     »  10-5       » 

»  Breite 4*7     »  5'25     » 

Elytren,  Länge 31         »  31 

Tarachodes  dives  (Sauss.) 

Saussure,    Mel.  Orth.,    III,    1870,    p.   165   (Chiropacha)  (^   tantum;    ^  ad 
T.  perloides  referenda  est!). 

Von  dieser  Art,  die  allerlei  Verwirrung  hervorgerufen  hat, 
seit  sie  ihr  Autor  (Mel.  Orth.,  IV,  1872,  p.  10)  mit  Ch.  Afzclii 
Stäl  identifiziert  hat,  liegt  mir  das  cT  Original  aus  dem  Wiener 


Orthoptera  Blattaefoniu'a.  20o 

Hofmuseum  (Steindachner,  Senegal  1869)  vor  und  kann 
ich  daraus  ersehen,  daß  die  Art  kleiner  ist  als  Afzelii  im 
Durchschnitt  und  helle,  gelbliche  Unterseite  der  Vordercoxen, 
ebenso  wie  einen  schwarzen  oder  rotbraunen  Längsstrich  auf 
der  Unterseite  der  Vorderschenkel  besitzt,  während  bei  der  Art, 
die  ich  nach  dem  Vorkommen  als  T.  Afzelii  ansehen  möchte, 
Coxen  und  Femora  der  Vorderbeine  innen  breit  schwarz 
gezeichnet  sind.  Sofort  unterscheidet  sich  Afzelii  jedoch  durch 
den  scharfkantigen  Scheitel  von  dives. 

Färbung  oberseits  hellgraubraun,  dunkler  punktiert  und 
gewölkt;  Flugorgane,  auch  die  Elytren  ganz  hyalin,  die  Ade- 
rung  der  letzteren  mit  feinen  braunen  und  weißen  Strichen. 
Von  Behaarung  ist  nur  an  den  Mittel-  und  Hintercoxen  (das 
Exemplar  besitzt  nur  mehr  die  beiden  vorderen  und  das  linke 
Mittelbein,  dieses  mit  Ausnahme  des  Tarsus)  etwas  zu  be- 
merken. 

Ein  zweites  cf  Exemplar  von  Kelle  am  Senegal  (Coli.  Br. 
Nr.  22134)  stimmt  in  allen  wesentlichen  Punkten  mit  dem  vor- 
erwähnten überein, ^  besitzt  aber  ein  vollständiges  Querband 
auf  dem  Stirnschild  und  die  Elytren  entbehren  fast  vollständig 
der  braunen  Strichelchen. 

Es  scheint,  daß  diese  Art  auf  Westafrika  nördlich  vom 
Äquator  (Westsudan)  beschränkt  ist,  wie  überhaupt  die  Tara- 
ch ödes- Avien  sich  streng  in  west-  und  ostafrikanische  scheiden 
lassen,  wenn  sie,  wie  ich  zu  hoffen  wage,  daß  es  in  dieser 
Revision  geschehen  ist,  richtig  charakterisiert  sind.  Ob  das  9 
von  Benguella,  das  Saussure  zu  dives  zieht,  wirklich  zu 
dieser  Art  gehört,  möchte  ich  stark  bezweifeln. 

Tarachodes  sancta  Sauss.  (Taf.  II,  Fig.  9,  9a;  Taf.  III,  Fig.  3). 

Saussure,  Mel.  Orth.,  III.  SuppL,  1871,  p.  393. 

Wood-Mason,  Journ.  Asiat.   Soc.  Bengal.,  LI,  II,   1882,  p.  22  (insidiator). 

Diese  Art  steht  dem  T.  ohtnsiceps  sehr  nahe,  die 
Zeichnung  der  vorderen  Femora  und  Coxen  ist  vollständig 
übereinstimmend     (nur     bei     sancta     9     die     Innenseite     der 

1  Totallänge  34,  Pronotum  lang  8-8,  breit  4-2,  Elytren  lang  2,0mm. 
Dornen  außen  an  den  Vordertibien  14.  Die  Type  ist  2,0  mm  lang,  Pronotum 
lang  8-6,  breit  3-7,  Elytren  28  mm,  Dornen  13. 


204 


F.  We  r  n  e  r, 


Vorderschenkel  bis  zu  den  Dornen  schwarz),  auch  sonst  sind 
beide  von  oben  nur  daran  zu  unterscheiden,  daß  der  Scheitel 
bei  obtusiceps  eine  bogenförmige  Linie  bildet,  während  er  bei 
sanda  vollkommen  gerade  ist;  das  Analfeld  der  Hinter- 
flügel ist  ganz  ungefleckt.  Das  Prosternum  ist  hinter  dem 
Coxalansatz  ganz  mattblauschwarz,  während  es  bei  obtusiceps 
nur  eine  dunkle  Querbinde  besitzt.  Querbinde  zwischen  den 
Augen  weniger  deutlich  als  bei  obtusiceps,  namentlich  beim  9 . 
T.  sancta  ist  eine  relativ  häufige  ostafrikanische  Art  und 
von  Nyassaland  (Wood-Mason)  und  Delagoabai  (R.  Monte iro 
leg.,  Mus.  Berlin)  sowie  schließlich  von  Deutsch-Ostafrika  (in 
Coli,  m.),  Zululand  (Coli.  Br.),  Caffraria  (Mus.  Berlin)  und  Port 
Natal  (Mus.  Wien)  bekannt. 


Dimensionen 


cf  von 
Delagoa-       (^  von        rf  vom        ^  von         9  ^o" 
Zululand  Kap         Nyassa      Caffraria 


bai 


Totallänge 40 

Pronotum,  Länge  ...     9*4 

Breite 4-3 

Elytra,  Länge 33 


40 

8-5 
4.4 

33 


41 
9-2 
4-5 

33 


47 
11-5 
6 
40 


33 
7-5 
4 
7-5 


9  von  9  von 
Bondei  D. -Ost- 
Dimensionen                Usambara  afrika 

Totallänge 37  41 

Pronotum,  Länge  ...     9 '3  10-5 

»           Breite.  ...     4* 5  5 "5 

Elytra,  Länge 6-5  6*8 


9  von  Port  Natal 

35,  37-5,  38 

9-5,  9-6,  10-8 

4-7,  4-8,       5-5 

6-4,  6-7,       7-5 


9  graubraun,  undeutlich  dunkel  gefleckt,  namentlich  auf 
Gliedmaßen  und  Pronotum,  das  Abdomen  unterseits  hellrot- 
braun, mit  zwei  Reihen  dunkler  Flecken.  Im  Vergleich  zu 
obtusiceps  sind  beim  9  die  Flugorgane  kürzer  (1:5 "5  bis  6, 
bei  obtusiceps  1:3*7  der  Totallänge),  die  Vorder-  und  Mittel- 
schenkel breiter  und  die  Protuberanzen  des  Pronotums  stumpfer 
als  bei  dieser  Art;  ebenso  ist  die  Behaarung  der  Mittel-  und 
Hinterbeine,  des  Abdomens  und  der  Cerci  stärker  und  von  den 
fünf  Längsreihen  von  erhabenen  Runzeln  der  Abdominaltergite 


Orthoptera  Blattaefonnia. 


205 


ist  die  mittlere  viel  stärker  als  die  übrigen,  bei  obtusiceps  aber 
alle  so  ziemlich  gleich  stark. 


Tarachodes  Afzelii  Stäl  (Taf.  II,  Fig.  7,  7a). 

Stäl,  Öfv.  k.  Vet.  Ak.  Förh.,  XXVIII,  1871,  p.  396  (Chiropacha). 
Westwood,  Rev.  Mant.,  p.  3,  Taf.  XIV,  Fig.  15  (1889)  (Chiropus  dives). 

Diese  Art  hat  gewiß  einige  Ähnlichkeit  mit  Saussure's 
T.  dives,  besitzt  aber  einen  scharfkantigen,  ganzrandigen 
Scheitel  und  innen  schwarze  Vordercoxen  und  Vorderschenkel. 
Der  schwarze  Femoralfleck  reicht  nicht  bis  zum  distalen  Ende, 
sondern  nimmt  nur  die  proximalen  zwei  Drittel  des  Femurs 
ein,  sich  hier  in  zwei  Spitzen  ausziehend.  Prosternum  wie  bei 
dives  mit  einem  schwarzen  Querband  am  Ende  des  zweiten 
Drittels,  vor  diesem  ebenfalls  dunkel  (grau).  Die  Färbung  der 
Oberseite  ist  sehr  hellgraubraun  oder  aschgrau,  mit  dunkleren 
Punkten,  die  Unterseite  weißlich.  Die  Elytren  und  Hinter- 
flügel sind  hyalin,  die  ersteren  mit  viel  deutlicher  dunkler 
gestrichelten  Adern  als  die  vorhergehende  Art. 

Mir  liegen  westafrikanische  Stücke  aus  Sierra  Leone 
(Coli.  Br.  Nr.  7364),  Ho,  Sklavenküste  (Coli.  Br.  Nr.  17430), 
von  Atakpame,  Togo  (Coli,  m.)  von  Adafoah  (Nr.  3689)  und  Akkra 
(Nr.  4270)  (Mus.  Berlin)  vor.    Sie  sind  einander  sehr  ähnlich. 

(^  von  Sierra  cf  von  der 

Dimensionen  cT  von  Togo  Leone  Sklavenküste 

Totallänge 39  ?  ? 

Pronotum,  Länge 10*5  9' 3  8"I 

Breite 4-2  4-3  4*1 

Elytra,  Länge 34  30  30 

Dimensionen  cf  '^'^'^  Adafoah  (^  von  Akka 

Totallänge 33-5  ?        27 

Pronotum,  Länge 8'4  8-8       6*5 

Breite 3-8  3-5       3-2 

Elytra,  Länge 29  27  23 

Einigermaßen  abweichend  von  der  Beschreibung  ist  der 
scharfkantige    Scheitel    dieser    Art.    Sonst    stimmt    aber    die 


206  F.  Werner, 

Beschreibung,  die  freilich  sehr  dürftig  ist,  namentlich  die  der 
Konfiguration  des  Scheitelrandes  mit  den  mit  vorliegenden 
Exemplaren  und  nur  mit  diesen  überein,  so  daß  ich  kein 
Bedenken  trage,  sie  mit  der  Stal'schen  Art  zu  identifizieren, 
um  so  mehr  als  das  Sierra  Leone-Exemplar  der  Coli.  Br.  nicht 
nur  vom  Originalfundort,  sondern  auch  von  dem  Entdecker 
dieser  Art,  Afzelius,  herstammt. 

Sehr  merkwürdig  ist  der  Dimorphismus  des  T.  Afzelii,  der 
sich  nicht  wie  sonst  auf  die  Reduktion  der  Flugorgane  und 
die  Höckerbildung  des  Pronotums  beim  9  beschränkt,  sondern 
auch  darin  sich  äußert,  daß  bei  letzteren  das  Pronotum  mit 
feinen,  spitzigen  Körnern  besetzt  und  die  Innenseite  der 
Vordercoxen  ebenfalls  granuliert,  aber  mit  rundlichen,  helleren 
Körnern  auf  dunklerem  Grunde  besetzt  sind.  Außerdem  sind 
auch  noch  die  Vorderbeine  innen  anders  gefärbt,  niemals  so 
dunkel  wie  beim  cf,  sondern  die  Coxen  dunkelbraun  und  die 
Femora  grau;  nimmt  man  noch  hinzu,  daß,  wie  ich  mich  durch 
Untersuchung  eines  der  typischen  Exemplare  St äl's  überzeugte, 
das  mir  Herr  Prof.  Sjöstedt  freundlichst  übersandte,  die 
Schneide  des  Vertex  wirklich  nicht  so  scharf  ist  wie  beim  cf,  so 
muß  man  wohl  zugestehen,  daß  es  schwer  ist,  die  Zusammen- 
gehörigkeit der  beiden  Geschlechter  festzustellen.  Immerhin 
besteht  für  mich  kein  Zweifel  darüber.  Was  nun  die  Unter- 
scheidung dieser  Art  von  der  nächsten  anbelangt,  so  ist  sie  im 
cT  Geschlechte  nach  der  Form  des  Scheitels  und  nach  der 
Behaarung  der  Beine  (bei  Afzelii,  wie  auch  Sjöstedt  angibt, 
nahezu  kahl,  bei  irrorata  dagegen  deutlich  weiß  behaart)  leicht; 
beim  9  aber  ist  man  ausschließlich  auf  letzteres  Merkmal 
angewiesen,  da  der  Kopfgipfel  bei  beiden  Arten  stumpf  ist. 

Die  Länge  des  9  beträgt  40,  Pronotum  10X4-4,  Elytra 
8  •  5  mm. 

Zähne  der  Vordertibien  (außenseits)  bei  dieser  wie  bei 
der  folgenden  Art  meist  13. 

Auffallend  ist  das  V^orkommen  dieser  Art  in  Malakka 
(leg.  G.  Schneider).  2  cTcf  befinden  sich  in  der  Coli.  Br.  Sie 
sind  gelbbraun  und  die  Vordertibien  und  Tarsen  sind  bei  dem 
einen  Exemplar  lebhaft  rot.  Totallänge  39  mm,  Elytren  30  «zw, 
Pronotum  9X4  mm;  Tibialdornen  außen  14. 


Orthoptera  Blattaeformia.  «07 

Das  Verhältnis  von  Länge  und  Breite  des  Stirnschildes  ist 
wie  2*2  :  1"  2  bis  1'5  {mm). 

Tarachodes  irrorata  Gerst.  (Taf.  II,  Fig.  6,  Qa) 

Gerstäcker,  Mitt.  Vorpommern  u.  Rügen,  XIV,  1883,  p.  79. 
Sjöstedt,  Bih.  k.  Sv.  Vet.  Ak.  Handl.,   Bd.  25,  Afd.  IV,  No.  6,  p.  7. 
Westwood,   Rev.  Mant.,  1889,   p.  3,  Taf.  14,  Fig.  8. 

Sehr  nahe  verwandt  mit  der  vorigen,  aber  durchschnittlich 
größer  und  dunkler,  mit  stark  behaarten  Beinen,  sonst  wohl 
kaum  mit  Sicherheit  zu  unterscheiden.  Auch  Karsch  hat  in 
einer  handschriftlichen  Notiz  an  einem  der  Exemplare  des 
Berliner  Museums  dieser  Meinung  Ausdruck  gegeben  und 
ebenso  hat  bereits  Gerstäcker  die  nahe  Verwandtschaft  der 
letzten  drei  Arten  hervorgehoben.  Der  trefflichen  Beschreibung 
Gerstäcker's  (keine  Art  dieses  Autors  ist  unkenntlich)  habe 
ich  nach  Vergleich  von  9  cf  cf  des  Berliner  Museums  kaum 
etwas  hinzuzufügen.  Die  meisten  haben  einen  Stich  ins  Gelb- 
lichbraune, w^as  sich  auch  an  den  Elytren,  wenn  sie  dem  Körper 
anliegen,  erkennen  läßt.  Da  die  vorliegenden  Exemplare  alle 
von  ziemlich  gleicher  Größe  sind,  so  gebe  ich  hier  nur  die 
Maße  von  einem  sehr  gut  erhaltenen  Exemplare  (Togo,  Bis- 
marckburg,  8.  bis  16.  März  1893,  leg.  L.  Conrad t);  die  übrigen 
stammen  ebenfalls  von  Togo  (Bismarckburg,  1.  November 
bis  15.  Dezember  1890,  leg.  R.  Büttner;  Misahöhe,  Anfang 
November  1894,  leg.  E.  Baum  an n;  Hinterland,  leg.  Kling, 
19.  Mai  1899). 

Totallänge 44      mm 

Pronotum,  Länge 9*4 

Breite 4-3 

Elytra,  Länge 34 

Das  9  gleicht  bis  auf  die  mehr  weniger  stark  behaarten 
Beine  dem  von  Afzelii;  mir  liegen  sieben  Exemplare  des 
Berliner  Museums  von  Bismarckburg  und  Misahöhe  vor.  Das  eine 
aus  Bismarckburg  (s.  Fig.  6)  ist  oberseits  hellbraun,  mit  einem 
breiten,   medianen,  dunkelbraunen  Längsband  vom  Kopfgipfel 


208  F.  Werner, 

zum  Ende  des  Abdomens.  Das  größte  9  (Bismarckburg,  Con- 
radt)  mißt: 

Totallänge   44-5  mm 

Pronotum,  Länge 12 

»  Breite 6-4 

Ely tra,  Länge 9*2 

Unterseite  des  Abdomens  in  beiden  Geschlechtern  stets 
einfarbig  hellgelb,  Stirnplatte  mit  dunklem  Querband.  Länge 
der  Cerci  in  beiden  Geschlechtern  5  mm.  Glieder  gegen  das 
Ende  wenig  an  Länge  zunehmend. 


Tarachodes  perloides  Burm.  (Taf.  III,  Fig.  1,  2). 

Burmeister,  Handb.  Entom.,  II,  p.  529  (1838). 

Diese  Art  ist  diejenige,  auf  welche  Burmeister  die 
Gattung  Tarachodes  gegründet  hat.  Kirby  verweist  in  Synon. 
Cat.  Orth.,  I,  p.  215,  irrtümlich  auf  Nr.  13  (T.  sancta)  statt 
Nr.  12  (perloides).  Von  T.  maura  Stäl,  die  derselbe  Autor  als 
Synonym  zu  perloides  zieht,  unterscheidet  sie  sich  sofort 
durch  die  einfarbige  Unterseite  des  Abdomens,  die  zwei- 
farbigen, deutlich  längeren  Hinterflügel  und  die  geringere 
Größe  des  9. 

Ein  cf  des  Berliner  Museums,  das  aus  Südwestafrika 
stammt  und  auch  als  T. perloides  Burm.  bezeichnet  ist,  unter- 
scheidet sich  von  T.  irrorala  durch  den  vollkommen  geraden 
oder  sogar  etwas  konkaven  Scheitel,  der  jederseits  vor  den 
Augen  eingeschnitten  ist  und  dann  dicht  vor  den  Augen  einen 
kleinen  Höcker  bildet,  ist  sehr  deutlich  an  den  gewöhnlichen 
Stellen  behaart,  mit  am  Seitenrande  vor  der  Querfurche  deut- 
lich gezähneltem  Pronotum  und  dunklerer  Färbung;  alle  Adern 
der  Elytren  und  der  Hinterflügel  sind  dunkelbraun,  besonders 
stark  die  im  Costalfelde  des  Hinterflügels;  beide  Flügelpaare 
sind  deutlich  beraucht.  An  der  Form  des  Scheitels,  der  sehr 
deutlichen,  an  obtusiceps  erinnernden  Stirnzeichnung  (Stirn 
sehr  hell,  mit  drei  Querbinden  am  Vorder-,  Hinterrand  und 
durch  die  Mitte  des  Stirnschildes)  kann  man  auch  das  9  dieser 


Orthoptera  Blatlaeformia.  209 

Art  erkennen,  und  zwar  befindet  sich  im  Museum  Berlin  außer 
einer  höchst  wahrscheinlich  hieher  gehörigen  cf -Nymphe  ein 
erwachsenes  9.  Es  besitzt  außer  den  beiden  gewöhnlichen 
Medianhöckern  des  Pronotums  noch  ein  weiteres  Paar  hinter 
dem  Pronotumvorderrande;  es  ist  wie  das  cf  von  dunkler 
Färbung  (außer  der  Stirn,  Außenseiten  der  Vordercoxen  und 
Endabschnitt  der  Innenseite  der  Femora,  die  einen  ganz  ähn- 
lichen zweispitzigen  Fleck  tragen  wie  bei  Afzelii  und  irroratä). 
Die  Höcker  des  Pronotums  sind  glänzend  schwarz,  das  Costal- 
feld  der  Hinterflügel  dunkelbraun,  am  Apex  schwarzbraun,  mit 
gelbbraunen  Queradern,  das  Analfeld  rötlichbraun.  Die  Innen- 
seite der  Vordertibien  ist  am  Unterrande  bis  zu  den  Kamm- 
zähnen dunkelbraun  wie  beim  cf .  Dieses  9  ist  derselben  Pro- 
venienz wie  das  cT,  ebenso  auch  die  Nymphe. 

Von  dem  9  von  T.  sancta,  die  auch  eine  gerade  Stirn 
besitzt,  unterscheidet  sich  das  unserer  Art,  für  die  wir  noch 
einen  Namen  suchen  müssen,  durch  geringere  Größe,  längere 
Flugorgane,  innen  schwarze  Vordercoxen,  stärkere  Mittel- 
höcker des  Pronotums  (abgesehen  von  den  Vorderhöckern) 
und  dunklere  Färbung. 

Da  nun  West  wo  od  zu  dem  Namen  T.  perloides  Burm. 
Htmibertiella  perloides  Sauss.,  die  jetzt  Elaea  perloides  ge- 
nannte, sicherlich  einem  andern  Genus  zugehörige  Mantodee 
als  Synonym  stellt,  so  entsteht  die  Frage,  ob  die  mir  vor- 
liegende Art  mit  der  Burmeister'schen  identisch  ist  oder  die- 
jenige, welche  jetzt  Elaea  perloides  heißt.  Westwood  scheint 
(Rev.  Mant.,  p.  3)  die  Identität  beider  ohneweiters  voraus- 
zusetzen, was  Saussure  durchaus  nicht  in  den  Sinn  kam,  da 
er  (Mel.  Orth.,  III,  1870,  p.  167)  T.  perloides  Burm.  und  auf 
p.  169  Huml>ertiella  perloides  als  n.  sp.,  ohne  irgend  welche 
Synonymie  heranzuziehen,  nennt,  was  wohl  genügend  besagt, 
daß  es  sich  in  diesem  Falle  nur  um  eine  zufällige  Gleichheit 
des  Speziesnamens  handelt  und  nicht  um  eine  Identität,  wie 
West  wo  od  etwas  voreilig  annahm.  Die  Art  kann  also  ohne- 
weiters mit  dem  Burmeister'schen  Namen  als  Tarachodes  per- 
loides verbleiben,  trotz  der  mageren  Beschreibung,  die  Bur- 
meister der  Art  mitsrab. 


210  F.Werner, 

Dimensionen  (^  9  cf  Nymphe 

Totallänge 40  36  30 

Pronotum,  Länge 9  10  7*5 

Breite 4-5  5-2  3*5 

Elj^tra,  Länge 32-6  10-8  — 

Hieher  gehört  wahrscheinlich  auch  das  von  Saussure 
als  Chiroptis  dives  (Mitt.  Schweiz,  entom.  Ges.,  Bd.  III,  1869, 
p.  61)  beschriebene  und  in  Mel.  Orthopt.,  III,  1870,  Taf.  IV, 
Fig.  1,  \A  abgebildete  9,  trotz  der  innenseits  nicht  dunklen, 
sondern  gelben  vorderen  Coxen  und  Femora,  die  eher  auf 
T.  lucuhrans  hinweisen  würden.  Die  Form  des  Kopfes  und  die 
Färbung  der  Hinterflügel,  aber  auch  das  Pronotum  entsprechen 
recht  deutlich  unserer  Art. 


Tarachodes  maura  (Stäl)  (Taf.  III,  Fig.  4). 

Stäl,  Öfv.  Vet.  Ak.  Förh.,  1856,  p.  168;  1871,  p.  395;  1876,  p.  68. 

Durch  die  Liebenswürdigkeit  von  Herrn  Prof.  Sjöstedt 
ist  es  mir  möglich  geworden,  die  Type  dieser  Art  aus  dem 
Zoologischen  Reichsmuseum  in  Stockholm  zu  untersuchen. 
Diese  Art  gehört  zu  den  größten  der  Gattung  und  ist  durch 
die  glänzend  und  intensiv  schwarze  Innenseite  der  vorderen 
Hüften  und  Schenkel,  die  von  vorn  nach  hinten  schief  abge- 
stutzten beiden  Höcker  des  Pronotums  und  die  Zeichnung  der 
Unterseite  des  Abdomens  sehr  leicht  erkennbar.  Vertex  wie 
bei  T.  perloides;  Pronotum  mit  einer  medianen,  vom  in  der 
Mitte  aufgeworfenen  Vorderrande  bis  zwischen  die  Höcker 
ziehenden  Längsfurche,  deutlich  gezähneltem,  an  der  Über- 
gangsstelle in  den  gebogenen  Vorderrand  in  einen  kleinen 
abgestutzten  Stachel  übergehenden  Seitenrand,  einem  Paar 
kleiner  Höcker  hinter  dem  Vorderrande  und  zwei  Paaren  von 
noch  kleineren  Höckern  vor  dem  Sulcus.  Hinterrand  und  die 
Hinterecken  abgestutzt.  Mittlere  Abdominaltergite  in  der  Mitte 
und  an  den  Seitenrändern  in  kleine  Läppchen  ausgezogen, 
zwischen  den  mittleren  und  lateralen  Läppchen  jederseits  zwei 


Orthoptcra  Blattaeformia.  211 

Reihen  von  Längsrunzeln;  Unterseite  des  Abdomens  hellgelb- 
braun mit  einem  glänzend  schwarzen  dreieckigen  Flecken 
jederseits  am  Seitenrande  jedes  Segmentes.  Vordere  Femora 
auf  der  Außenfläche  deutlich  konkav,  mit  einer  vom  distalen 
Ende  durch  die  Mitte  gegen  den  Trochanter  hinziehenden 
undeutlichen  Längsleiste.  Mittelbeine  mit  erweiterten  Schen- 
keln; Behaarung  der  Mittel-  und  Hinterbeine  stark. 

Clypeus  am  Vorderrand  einen  stumpfen  Winkel  bildend, 
nicht  ganz  doppelt  so  breit  als  hoch,  mit  Querbinde  durch  die 
Mitte;  Prosternum  schwarz,  Vordertibien  innen  am  gezähnten 
Rande  geschwärzt,  Mittel-  und  Hinterbeine  unterseits  gelblich, 
die  letzteren  mit  einem  schwarzen  Ring  um  den  Femur  am 
Ende  der  proximalen  zwei  Drittel  seiner  Länge.  Metasternum 
mit  zwei  dunkelbraunen  Flecken  hintereinander.  Oberseite  des 
Tieres  wie  gewöhnlich  bei  den  9  9  graubraun,  die  Gliedmaßen 
oben  mit  dunklen  Querbinden,  je  zwei  auf  dem  Femur,  zahl- 
reichere auf  Tibia  und  Tarsus. 

Diese  Beschreibung  bezieht  sich  nur  auf  die  Type.  Außer- 
dem lagen  mir  noch  weitere  9  9  aus  dem  Museum  Berlin  und 
eines  aus  meiner  Sammlung  vor.  Die  Art  scheint  auf  Süd-  und 
Ostafrika  beschränkt  zu  sein. 

Ein  sehr  großes  9  aus  Südwestafrika  (Nr.  3288)  stimmt 
mit  dem  typischen  in  allen  wesentlichen  Punkten  überein. 
Nur  ist  der  Clypeus  ganz  weiß,  am  Vorderrande  schwach 
konvex,  die  Vordertibien  innen  ganz  gelb,  die  Zeichnung  der 
Gliedmaßen  undeutlich;  außer  den  beschriebenen  Höckern 
des  Pronotums  finden  sich  noch  zwei  schwache  hinter  den 
großen. 

Ein  drittes  großes  9  (bezeichnet:  Mozambique,  Sandacca) 
gleicht  dem  Originalexemplare  noch  mehr  als  das  vorige,  hat 
aber  innen  noch  mehr  geschwärzte  Vordertibien  und  hinten 
auf  den  großen  Pronotumhöckern  sitzt  noch  je  ein  kleinerer. 
Die  weiße  Behaarung  an  Beinen  und  Cercis  sehr  stark,  Zeich- 
nung der  Gliedmaßen  undeutlich. 

Das  9  meiner  Sammlung  (Kapkolonie)  sehr  dunkel,  stimmt 
mit  dem  vorigen  gut  überein  in  den  Höckerbildungen  des  Pro- 
notums und  im  Besitze  eines  dunklen  Querbandes  durch  den 
Clypeus,  dessen  Vorderrand  ebenfalls  konvex  ist. 

Sitzb.  d.  malhem.-naturw.  KI.;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  15 


■^1^  F.  Werner, 

Dimensionen  der  vier  Exemplare: 

Original-        Südwest- 
exemplar afrika  Mozambique       Kapkolonie 

Totallänge 46  41  46  40 

Pronotum,  Länge.  .  .  11-4  11-5  12-3  11-6 

Breite...  6-2             7                   6-5  6-4 

Elytra,  Länge 9  10-2               9  9*2 

Vorkommen :  Südwestafrika  (Owambo,  Damara),  Südafrika 
(Kapkolonie,  Caffraria,  Port  Natal),  Südostafrika  (Mozambique). 

T.sancta  Sauss.  ist  zwar  dieser  Art  nahe  verwandt,  aber 
durch  die  helle  Innenseite  der  Vorderhüften,  die  Fleckenzeich- 
nung der  Unterseite  des  Abdomens  (Flecken  vom  Seitenrande 
der  Segmente  entfernt)  leicht  zu  unterscheiden. 

Das  cf  dieser  Art  lernte  ich  erst  nach  Abschluß  vorliegender 
Art  kennen;  es  bot  insofern  eine  Überraschung  dar,  als  sich 
dadurch  herausstellte,  daß  T.  maura  dem  T.  obtusiceps  nahe 
steht  und  nur  vielleicht  eine  melanotische  Form  vorstellt,  ähn- 
lich wie  T.  gilua  etwa  als  Flavismus  derselben  Art  anzusehen 
wäre.  Das  Exemplar  stammt  aus  dem  Bongoland  (oberes  Nil- 
gebiet) und  wurde  von  Schweinfurth  gesammelt.  Es  befindet 
sich  im  Stuttgarter  Naturalienkabinett  und  wurde  mir  durch 
Herrn  Oberstudienrat  Prof.  Lampert  zur  Untersuchung  ein- 
gesandt. Die  düstere,  auf  dem  Pronotum  und  den  Vorderglied- 
maßen direkt  schwarze  Färbung  des  Tieres  ist  auch  auf  den 
Flugorganen  zu  bemerken,  von  denen  die  Elytren  deutlich 
beraucht  und  mit  dunklen  Adern  versehen  sind,  während  die 
Hinterflügel  die  dunkle  Fleckenzeichnung  zeigen,  wie  sie  nur 
die  beiden  echt  nordostafrikanischen  Arten,  die  ich  vorhin 
erwähnte,  besitzen.  Leider  ist  das  Exemplar  stark  defekt,  indem 
ein  großer  Teil  des  Abdomens  fehlt.  Vertex  sehr  schwach 
bogig;  Behaarung  keine. 

Pronotum  8-6x4 •  2  ww,  Elytren  zirka  30  mm,  Clypeus 
2  •  6  X  1  ■  3  mm. 

Tarachodes  Karschii  n.  sp. 

Vertex  kaum  merklich  gebogen,  stumpf,  ohne  Vorsprünge 
oder  Einkerbungen.  Pronotum  mit  medianer  Längsfurche, 
Vorderrand  bogenförmig,  mit  den  Seitenrändern  einen  stumpfen 


Ortkoptera  Blattaeformia. 


213 


Winkel  bildend;  diese  parallel,  beim  cf  über  dem  Hüftansatz 
erweitert,  dahinter  mehr  weniger  eingeschnürt;  Hinterrand  und 
Hinterecken  abgestutzt;  Pronotum  des  9  mit  fein  gezähnelten 
Seitenrändern  und  zwei  starken  Höckern.  Abdomen  oberseits 
mit  fünf  Längsreihen  von  Längsrunzeln,  die  der  Medianreihe 
am  Hinterrande  der  Segmente  etwas  erhöht;  Behaarung  am 
Pronotum,  den  Mittel-  und  Hinterbeinen  bei  beiden  Ge- 
schlechtern stark  und  lang,  beim  cf  an  den  Hinterbeinen 
schwächer,  ebenso  an  den  Cercis,  die  sehr  lang  sind.  Schenkel 
der  Mittelbeine  nicht  auffallend  erweitert.  Dornen  außen  an 
den  vorderen  Schenkeln  und  Tibien  (13)  schwarzspitzig. 
Hinterflügel  des  cT  im  Analfelde  vollkommen  hyalin;  Vorder- 
flügel und  Costalfeld  der  Hinterflügel  dunkler  geädert,  die 
ersteren  auch  teilweise  mit  weißen  Adern.  Oberseite  gelb-,  rot- 
oder  graubraun;  Gliedmaßen,  Kopf  und  Pronotum  einfarbig 
oder  mehr  weniger  dunkel  marmoriert,  punktiert  oder  ge- 
bändert. Innenseite  der  Vorderbeine  vollkommen  einfarbig 
hellgelbbraun.  Unterseite  des  Abdomens  einfarbig  oder  mit 
zwei  Fleckenreihen,  die  vom  Seitenrande  und  voneinander 
gleichweit  entfernt  sind. 

Diese  auf  das  äquatoriale  Ostafrika  beschränkte  Art  liegt 
mir  in  drei  erwachsenen  cfcT  (Coli.  Br.  und  Mus.  Berlin)  und 
drei  erwachsenen  9  9  (Coli.  Br.  und  Mus.  Berlin  u.  Stuttgart) 
vor,  nebst  drei  cTcf  Nymphen  und  einer  9  Larve.  Die  Zu- 
gehörigkeit der  letzteren  ist  zweifelhaft. 


(-f  von  Deutsch- 
Ostafrika  (Coli.  Br. 
Nr.  21749) 
Dimensionen  (leg.  Reimers) 

Totallänge 41-5 

Pronotum,  Länge  9-5 

Breite  4  •  6 

Elytra,  Länge ...  34  •  7 


Dimensionen 

Totallänge 

Pronotum,  Länge 

»  Breite 

Elytra,  Länge  .  .  . 


9  von  Bondei 

(Mus.  Berlin) 

(leg.  Schmidt) 

35 
9-8 
5 
7-5 


(^  aus  Dar- 

es-Salaam 

(Mus.  Berlin) 

(leg.  Braozowski) 

8-4 

4 
30 

9  von  Deutsch- 
Ostafrika,  Küste 
(leg.  C.Weiß) 

35-5 
9-8 
4-7 
6-3 


(^  vom  Tanga- 

nyikasee 

(Mus.  Berlin) 

(leg.  Böhm) 

32 

8-4 

4-3 

29-4 

9  von  Deutsch- 
ostafr.(Coll.Br.) 
(leg.  Reimers) 

38 

9-7 
4-6 
6-2 


15* 


214  F.  Werner, 

Prosternum  mit  großem,  schwarzblauem  Fleck;  Stirn- 
schild doppelt  so  breit  als  lang,  mit  konvexem  Vorder-  und 
konkavem  Hinterrand  und  drei  Querbinden. 


Tarachodes  maculisternum  Sjöst. 

Bih.  k.  Sv.  Vet.  Akad.  Handl.,  XXV,  4,  No.  6,  p.  6. 

Von  dieser  sehr  charakteristischen  Art  war  bisher  nur 
ein  cT,  das  Originalexemplar,  bekannt.  Durch  die  Güte  des 
Herrn  Oberstudienrates  Prof.  K.  Lampert  konnte  ich  ein  9 
des  königl.  Naturalienkabinettes  in  Stuttgart  untersuchen, 
welches  aber  nicht  aus  Kamerun,  sondern  aus  Oberägypten 
(Kosseir  am  Roten  Meer,  leg.  Klunzinger)  stammt.  Es  unter- 
liegt für  mich  keinem  Zweifel,  daß  die  Art  dorthin  verschleppt 
wurde,  wie  schon  das  Vorkommen  an  einem  Hafenort  wahr- 
scheinlich macht.  Die  weißliche  Behaarung  der  Vorderfemora 
an  der  Innenseite  nahe  dem  distalen  Ende  ist  durch  die  dunkle 
Färbung  des  Exemplares  besonders  auffallend. 

Totallänge 38      mm  40      mm 

Pronotum,  Länge  ....  10         »  9         » 

»  Breite  ....      5         »  4*5     » 

Elytra,  Länge 10-3     »  29 

Oberseite  des  9  schwarzgrau,  Elytren  und  die  unter 
ihnen  hervorsehenden  Spitzen  der  Hinterflügel  dunkelasch- 
grau, der  bedeckte  Teil  schwarzbraun,  Unterseite  dunkel  gelb- 
braun. 

Vertex  deutlich  gerundet;  Clypeus  frontalis  mit  bogigem 
Vorderrand,  breiter  als  hoch  {2- 4:  :  Vd»  mm).  Pronotum  mit 
zwei  deutlichen  kegelförmigen  Höckern,  seitlich  fein  gezähnelt; 
Behaarung  des  Körpers  kurz,  weißlich,  nur  an  den  Glied- 
maßen, von  welchen  das  vordere  Paar  breite,  kräftige,  die 
übrigen  aber  schlanke  Femora  besitzen,  sowie  an  den  Seiten 
des  Pronotums  deutlich. 


Orthoptera  Blattaeformia.  215 

Tarachodes  Gerstäckeri  n.  sp. 

Diese  Art  ist  T.  fnaculisternum  Sjöst.  nahe  verwandt, 
jedoch  durch  die  auffallend  kürzeren  Mittel-  und  Hinterbeine 
und  das  Fehlen  der  Behaarung  des  Vorderschenkels  bei  den 
drei  obersten  Tibialdornen,  überhaupt  durch  sehr  reduzierte 
Behaarung  leicht  zu  unterscheiden;  sie  ist  auch  etwas  kleiner, 
wenn  die  Größe  des  vorliegenden  einzigen  Exemplares  maß- 
gebend ist.  Vordertibien  innen  und  außen  mit  12  Kamm- 
zähnen, aber  nur  die  inneren  schwarzspitzig  wie  die  äußeren 
des  Vorderschenkels. 

Auch  diese  Art  stammt  aus  Kamerun  (Banyana,  Nord- 
kamerun, 200  bis  300  m;  leg.  Conrau,  April  bis  Mai  1899). 
Totallänge  35;  Pronotum  S-2  mm  lang,  37  ;;/w  breit;  Elytren 
am  Ende  beschädigt,  aber  sicher  das  Abdomen  überragend. 
Von  T.  Karschii  ist  die  Art  durch  die  unbehaarten  Mittel- 
und  Hinterbeine  und  den  kleineren,  runden  Prosternalfleck  zu 
unterscheiden. 

Eine  noch  kleinere  Art  ist 

Tarachodes  Sjöstedti  n.  sp.  (Taf.  III,  Fig.  5), 

welche  ebenfalls  der  T.  maculisternum  nahesteht,  auch,  wenig- 
stens schwach,  weiß  behaarte  Mittel-  und  Hinterbeine  und 
etwas  längere  Hinterbeine  als  vorige  Art  besitzt,  aber  ein 
quergebändertes  Stirnschild,  vollkommen  hyaline  Flugorgane 
(Adern  nicht  dunkler)  und  keine  schwarzen  Spitzen  an  den 
Dornen  der  Vorderschenkel  und  -schienen;  auch  fehlt  dieser 
Art  wie  voriger  der  behaarte  Femoralfleck  der  Sjöstedt- 
schen  Art. 

Färbung  gleichförmig  hellgraugelb,  vordere  Coxen  und 
Femora  innen  hellrötlichgelb.  Bei  genauer  Betrachtung  (unter 
der  Lupe)  findet  man  die  ganze  Oberseite  des  Körpers,  auch 
die  Beine,  fein  rötlich  punktiert.  Totallänge  des  einzigen  vor- 
liegenden cf  von  Chinchoxo  (leg.  Falkenstein),  etwa  30mm, 
Pronotum  6  •  8  X  2  •  8  mm,  Elytren  22-5  mm. 

Das  9,  das  ich  zu  dieser  Art  rechne,  ist  etwas  größer, 
rötlichgraubraun,  mit  einer  dunklen,  schwarzbraunen,  breiten 
Längsbinde  in  der  Körpermitte,  die  vom  Occiput  bis  zum  Ende 


216 


F.  Werner, 


des  Abdomens  hinzieht  und  etwa  das  mittlere  Drittel  des  Pro- 
notums  bedeckt;  die  Seiten  des  Abdomens  mit  einer  noch 
breiteren  Binde  von  gleicher  Färbung.  GHedmaßen  außen 
dunkel  punktiert.  Vordercoxen  innen  dunkelbraun;  vordere 
Femora  innen  rötlichbraun;  Stirnschild  wie  beim  cT  quer- 
gebändert.  Pronotum  seitlich  fein  gezähnelt,  mit  einer  etwas 
längeren  Spitze  an  der  Übergangsstelle  vom  Vorder-  zum 
Seitenrande;  zwei  Höcker  hinter  dem  Vorderrande,  zwei 
größere  und  stärkere  hinter  dem  Sulcus.  Behaarung  weiß, 
kurz,  aber  deutlich. 

Totallänge  32,  Pronotum  8  •  6  X  3  •  4,  Elytrae  6  •  3  mm. 
Fundort  und  Sammler  wie  beim  cf. 

Tarachodes  rotundiceps  n.  sp. 

Ebenfalls  aus  der  MaaiHsternum-Gruppe,  mit  großem 
Kopf,  stark  gebogenem  Kopfgipfel  und  deutlich  berauchten 
Flugorganen.  Färbung  der  Oberseite  dunkelgraubraun,  dunkler 
punktiert.  Pronotum  bedeutend  schmäler  als  der  Kopf,  sein 
bogenförmiger  Vorderrand  auch  im  Bogen  in  den  Seitenrand 
übergehend;  sein  Hinterrand  ebenfalls  konvex;  an  der  Er- 
weiterung über  den  Coxen  ist  es  ein  wenig  schmäler  als  vorn. 
Vorderbeine  innen  einfarbig  gelbbraun;  Elytren  und  Costal- 
feld    der    Hinterflügel    mit    dunkelbraunen    Adern.    Stirnschild 

2  •  5  : 1-  5  mm,  mit  Querbinde.  Pronotum  8  •  7  X  3  •  7  mm;  Elytra 
28  mm.  Da  die  Hälfte  des  Hinterleibes  fehlt,  so  kann  die 
Totallänge  höchstens  approximativ  auf  etwa  35  mm  angegeben 
werden. 

Kamerun  (Dr.  Kraatz),  Coli.  Br.  Cat.  Nr.  21415.  Ein  ö". 

Nach  Beschreibung  des  J  hatte  ich  auch  noch  Gelegen- 
heit, 299  unter  den  Inserenden  der  Coli.  Br.  aus  Deutsch- 
Kamerun  (Mundame,  leg.  Rhode)  aufzufinden,  welche  sich 
durch  den  großen  breiten  Kopf  mit  stark  konvexem  Vertex 
sofort  als  zu  dieser  Art  gehörig  erkennen  lassen.  Stirnschild 

3  :  2  nwi,  mit  dunklem  Querband.  Pronotum  mit  einem  Paar 
deutlicher,  dicht  nebeneinander  stehender  kegelförmiger  Höcker, 
seitlich  fein  gezähnelt,  vorn  nicht  breiter  als  an  der  supra- 
coxalen  Erweiterung.  Vordere  Femora  und  Tibien  platt,  unten 
hellgelbbräunlich,  oben  wie  die  ganze  Oberseite  hellgraubraun, 


Orthopf era  Blatfaeformia.  217 

aber  nicht  einfarbig,  sondern  dunkel  dicht  getüpfelt.  Prosternum 
mit  großem,  blauschwarzem  Fleck  wie  beim  cf .  Abdomen  mit 
fünf  wenig  hervortretenden  Längsreihen  von  Längsrunzeln,  die 
medianen  kielartig  entwickelt.  Mittel-  und  Hinterbeine  behaart, 
ebenso  die  langen  Cerci,  äußere  Tibialdornen  10;  Vorder- 
und  Hinterrand  des  Pronotums  mehr  weniger  deutlich  auf- 
geworfen. 

Dimensionen: 

Totallänge 40'  5  mm  40      mm 

Pronotum,  Länge 10  "8    »  10*5    » 

»  Breite 5         »  4*6     » 

Elytren 7        »  7*3    » 

Cerci 10        » 

Tarachodes  minima  n.  sp. 

Diese,  wie  der  Name  schon  andeuten  soll,  kleinste  Art  der 
ganzen  Gattung  (Pronotum  5  mm  lang,  2  mm  breit;  Elytra 
20  mm  lang;  Abdomen  des  einzigen  Exemplares,  eines  cf, 
defekt)  ist  durch  wenig  konvexen,  aber  von  vorn  nach  hinten 
stark  abgerundeten  Scheitel,  deutlich  verbreiterte  (gegen  doppelt 
so  breit  als  lang)  Stirnplatte  ohne  Ouerbinde,  mit  stumpf- 
winkeligem oberen  und  geradem  unteren  Rande,  die  innen  ein- 
farbig hellgelbbraunen  Vorderbeine,  den  dunklen  Längsstrich 
des  Prosternums,  die  unbehaarten,  gelbbraunen  Mittel-  und 
Hinterbeine  und  die  hyalinen,  braun  geäderten  Flugorgane 
charakterisiert.  Fundort:   Deutsch-Süd vvestafrika  (Mus.  Wien). 

Untergattung  Galepsus  Stäl  (Lygdamia  Sauss.). 

Aus  dieser  Untergattung  sind  bisher  bekannt: 

Galepsus  temiis  Stäl  (Bih.  K.  Sv.  Ak.  Handl.  Bd.  4,  Nr.  10, 
1876,  p.  17). 

Galepsus  modestus G e  r s t.  (Tarachodes)  (Arch.  Naturg.  1 869, 
p.  209). 

Galepsus  capitatus  Sauss.  (Chiropacha)  (Mel.  Orth.  IIL, 
p.  166,  Fig.  2). 

Galepsus  meridionalis  Sauss.  (Chiropacha)  (ibid.  p.  10, 
Fig.  19). 


218  F.Werner, 

Galepsus  lenticularis  Sauss.  (Chiropacha)  (ibid. IV.,  p.  11, 
Fig.  18). 

Galepsus  modestior  Schulth.  (Tarachodes)  (Ann.  Mus. 
Genova  1898,  p.  173). 

Von  diesen  Arten  kenne  ich  G.  modestior  und  teniiis 
nicht  aus'eigener  Anschauung.  Letztere  scheint  mir  nur  im  9 
bei<;annt  zu  sein  und  soll  keine  Hinterflügel  besitzen.  Die  in 
der  Coli.  Brunner  befindlichen  Exemplare  einer  Galepsus- Art, 
die  V.  Brunn  in  die  Nähe  von  modestior  Schulth.  stellt, 
gehören  sicherlich  nicht  hieher,  weil  die  Flugorgane  die  Spitze 
des  Hinterleibes  bei  weitem  nicht  erreichen,  bei  modestior  aber 
weit  überragen  sollen. 

G.  lenticularis  Sauss. 

Von  dieser  Art  (siehe  auch  p.  226)  habe  ich  zwei  cTcf 
gesehen.  Die  Cerci  sind  sehr  lang  (ß-?,mm  bei  32-5  w//^ 
Totallänge),  namentlich  die  Endglieder,  und  diese  außen  der 
Länge  nach  gekielt.  Die  Vordercoxen  sind  innen  schwarz,  was 
in  dieser  Untergattung  nur  noch  bei  G.  dispar,  und  zwar  nur 
beim  9  vorkommt.  Die  Adern  der  Flugorgane  sind  nicht  dunkel, 
die  Färbung  im  übrigen  eintönig  ockergelb  oder  lehmgelb; 
Prosternum  mit  dunkler  Querlinie  vor  dem  Hinterrande;  das 
Stirnschildchen  trapezförmig,  etwa  eben  so  hoch  wie  breit,  die 
Vorderschenkel  weniger  breit  als  bei  den  Tarachodes-Arten 
s.  Str.  —  Ein  9  von  Transvaal  wird  von  Stäl  (1.  c.)  angeführt. 

Dimensionen:  Totallänge  32-5  bis  43;  Pronotum  8-4  bis 
9  mm  lang,  2*8  bis  3  mm  breit;  Elytren  25*5  bis  27. 

G.  meridionalis  Sauss. 

Dieses  ist  die  bei  weitem  schwierigste,  weil  veränder- 
lichste Art  der  ganzen  Gruppe,  bald  G.  capitatus,  bald  G.  lati- 
ceps  sich  annähernd.  Durch  den  sehr  schwach  gebogenen 
Vertex  und  die  schmalen  Vorderschenkel  ist  sie  im  allgemeinen 
von  letzterer,  durch  das  erstere  Merkmal  und  das  kürzere  End- 
glied der  Cerci  von  ersterer  zu  unterscheiden.  Innerhalb  der 
Art  aber  finden  wir  die  mannigfachsten  Formen,  bald  solche 
mit   schmalem  Kopf  (ähnlich   capitatus),   bald   mit   breiterem; 


Orthoptera  Blaüaeformia.  ^1" 

bald  mit  schmäleren,  bald  mit  breiteren  Vorderschenkeln,  und 
auch  das  Verhältnis  von  Höhe  zur  Breite  des  Clypeus  ist  sehr 
veränderlich.  Durch  die  innenseits  dunkel  gefleckten  Vorder- 
schenkel des  9  und  das  (wie  freilich  bei  allen  Galepsiis) 
höckerlose  Pronotum  nähert  sich  diese  Art  auch  der  Unter- 
gattung Ariusa,  speziell  der  A.  coiispersa  Stäl;  ja  auch 
G.  tenuis  Stäl  dürfte  in  die  nächste  Verwandtschaft  dieser 
Art  gehören. 

Alle  cTcf,  die  ich  gesehen  habe,  besitzen  innenseits  ein- 
farbig gelbbraune  Vorderbeine,  alle  9  9  innenseits  schwarz 
gezeichnete  Vorderschenkel.  Ursprünglich  aus  Südafrika  (Port 
Natal)  beschrieben,  scheint  sie  über  ganz  Südost-,  Süd-  und 
Südwestafrika  verbreitet  zu  sein;  während .  aber  die  ebenso 
verbreitete  TaracJiodes  maura  so  gut  wie  gar  nicht  variiert, 
finden  wir  in  den  verschiedenen  Gebieten  sehr  verschieden 
aussehende  Formen.  Gemeinsame  Charaktere  außer  den  vor- 
erwähnten Färbungsmerkmalen  wären  noch:  der  lange  dunkle 
Prosternalfleck,  die  relativ  kurzen  (5  •  2  mm)  Cerci,  deren  End- 
glieder auch  relativ  kurz,  gewöhnlich  nicht  mehr  als  zweimal 
so  lang  wie  breit  sind  (sowohl  bei  lenticularis  als  capitaUis 
etwa  dreimal  so  lang  wie  breit).  Bei  G.  modeshts  ist  das  End- 
glied der  4-3  mm  langen  Cerci  etwa  IVg-,  bei  dispar  das  End- 
glied der  6-7  bis  7-6  mm  langen  Cerci  gegen  doppelt  so  lang 
wie  breit.  Die  Stirnplatte  ist  ebenso  lang  bis  fast  doppelt  so 
breit  wie  lang,  rechteckig  bis  schwach  trapezförmig,  mit  abge- 
stutzten oder  scharfen  Vorderecken.  Färbung  gelblich  (steppen- 
farbig) bis  düster  graubraun. 

Ich  gebe  nun  nachstehend  die  Beschreibung  der  Exem- 
plare aus  den  verschiedenen  Gebieten. 

I.  Forma  typica  (Port  Natal). 

d^         ö^  9  9 

Totallänge 34  31  32  30 

Pronotum,  Länge 7-8       8  8-6  8*4 

Breite 3  3  3-6       3-6 

Elytra,  Länge 24-3  26-4  6-4       6-7 

Kopf  deutlich  breiter  als  das  Pronotum;  Clypeus  etwa  um 
die  Hälfte  breiter  als  hoch,  die  Vorderecken  sehr  flach  abge- 


220  F.  Werner, 

Stutzt.  Färbung  schmutzig  gelbbraun  mit  wenigen  dunklen 
symmetrischen  Flecken  auf  Occiput  und  Pronotum.  Flügel- 
adern des  cT  dunkel. 

Hier  schließt  sich  an  ein  cf  aus  Damaraland  (Coli.  Br. 
Nr.  16723,  leg.  Dr.  H.  Schinz;  Totallänge  32,  Pronotum 
6-7X2-7,  Elytren  23-5).  Von  der  Kopfzeichnung  der  vorigen 
Form  ist  ein  dunkler  Punkt  jederseits  zwischen  dem  Auge  und 
der  Occipitalfurche  sehr  deutlich.  Ctypeus  fast  doppelt  so  lang 
als  breit,  mit  deutlich  abgestutzten  Vorderecken.  Pronotum 
und  Außenseite  der  Vorderschenkel  (die  etwas  breiter  sind 
als  beim  Typus)  graubraun,  dunkler  punktiert.  Vertex  mehr 
gebogen  als  beim  Typus,  was  vielleicht  auf  Deformation  durch 
Quetschung  zurückzuführen  ist.  Gliedmaßen  sonst  wie  beim 
Typus  spärlich  punktiert.  Diese  Art  wird  von  Schulthess  mit 
G.  modestiis  verglichen  (Zool.  Jahrb.  Syst.  VIII,  p.  69). 

II.  Kilimandjaro-Form.  Es  liegt  nur  ein  9  (zwischen  Taveta 
und  Meru,  leg.  Höhnel,  Coli.  Br.  Nr.  18004)  und  ein  cf  (Kilima- 
ndjaro,  leg.  Baumann;  Mus.  Wien)  vor;  beide  sind  defekt 
(hintere  Hälfte  des  Abdomens  fehlt;  9  Pronotum  6'2X2-6; 
Elytren  A-Qnim).  Kopf  breit  wie  beim  Typus,  Clypeus  fast 
doppelt  so  lang  wie  breit,  mit  kaum  abgestutzten  Vorderecken. 
Färbung  düster,  Oberseite  fein  dunkel  punktiert,  auch  die 
feinen  Seitenzähnchen  des  Pronotums,  welches  eine  undeut- 
liche, breite,  dunkle  Mittellängsbinde  besitzt.  Vorderfemora  innen 
mit  schwarzen  Längslinien,  vordere  Coxen  innen  schwarz. 
cf  Pronotum  5 •9x2-4,  Elytren  15- 4  mm.  Clypeus  P/gmal  so 
breit  wie  lang.  Färbung  schmutzig  gelbbraun.  Vorderbeine 
innen  einfarbig.  Sonst  wie  das  <J.  Ich  nenne  diese  Form 
\'ar.  montana. 

III.  Angola-Form  (var.  avgoJensis).  Ein  9  aus  Malang 
(Bu ebner  leg.,  Mus.  Berlin)  gleicht  sehr  dem  vorigen;  Kopf 
breit,  Clypeus  gut  doppelt  so  breit  wie  lang,  mit  schwach 
gebogenem  Vorderrande.  Färbung  schwarzgrau,  Gliedmaßen 
oben  dunkel  getüpfelt,  die  vorderen  Femora  außen  dunkel 
gefleckt  und  marmoriert,  innen  am  Unterrande  in  den  drei 
basalen  Vierteln  bis  zu  den  Dornen  (inklusive)  schwarz,  Coxen 
aber  normal  gelbbraun.  Dimensionen  Totallänge  27  mm,  Pro- 
notum 8*2x3,  Elytren  5  mm. 


Orthoptera  Blattaefonn  ia . 


22: 


IV.  Südostafrikanische  Form.  Hieher  gehören  sechs  cf  cT, 
wovon  eines  aus  der  Coli.  Br.  (Delagoabai,  Nr.  22431),  die 
übrigen  aus  der  Sammlung  des  Wiener  Museums  (Südafrika 
und  Transvaal).  Diese  Form  nähert  sich  außerordentlich  dem 
G.  capitatus  durch  den  schmalen  Kopf,  dessen  Clypeus  nur 
höchstens  ebenso  breit  wie  hoch  ist,  mit  gebogenem  Vorder- 
rande. Auch  die  Färbung  erinnert  bei  den  meisten  (bis  auf 
zwei)  Exemplaren  an  capitatus;  sie  ist  steppengelb,  das  Pro- 
notum  in  der  Mittellinie  dunkler;  die  Gliedmaßen  sind  ein- 
farbig, die  Vorderschenkel  noch  schmäler  als  bei  der  typischen 
Form;  auch  erreicht  diese  Form  die  geringsten  Dimensionen 
und  erinnert  auch  in  dieser  Beziehung  an  capitatus. 

capitatus 


Delagoa- 

Blauer 

Brit.- 

Zanzibar 

Dimensionen 

bai 

Südafrika 

Nil 

Ostafr. 

(Coli.  Br.) 

Totallänge 

,    26 

29,  32 

25 

29 

30-8 

Pronotum,  Länge . 

,      5-6 

6,     6'5 

6 

5-7 

7 

»          Breite 

.      2-2 

2      2 

2 

2 

2-3 

Elytren 

.    17-8 

22,  22-5 

19-5 

20 

17-2 

Zum  Vergleich  habe  ich  die  Dimensionen  eines  G.  capi- 
tatus vom  Blauen  Nil,  von  Britisch-Ostafrika  (Coli,  m.)  und  von 
Zanzibar  (Coli.  Br.)  daneben  gesetzt.  Man  könnte  diese  Varietät 
(intermedia)  auch  zu  capitattis  stellen,  von  der  sie  sich  aber 
doch  stets  schärfer  scheiden  läßt. 


G.  laticeps  n.  sp. 

Diese  Art  steht  der  typischen  Form  der  vorigen  Art  nahe, 
unterscheidet  sich  aber  von  ihr  durch  den  breiteren  Kopf  mit 
deutlich  konvexem  Vertex,  wohl  auch  durch  das  längere  Pro- 
notum. Sie  ist  auf  Kamerun  beschränkt,  woher  mir  drei  Exem- 
plare vorliegen,  von  denen  allerdings  leider  nur  eines  ein  voll- 
ständiges Abdomen  besitzt  (Totallänge  35  mm). 

Ich  gebe  vorerst  die  Dimensionen  an. 


222 


F.  Werner, 


9 
29 


cT  aus  Mundame 
(leg.  Rhode,  Coli.  Br. 

Nr.  25755)  ^  Nr.  12648       (f  Nr.  21415 

Kopf  breite 4-1                        4-2                   5 

Pronotum,  Breite   .  2-5                         2-7                    3-1 

Länge  .  8' 2                        8 

Elytren,  Länge  ...  24-5  23 

Bei  zweien  von  den  drei  Exemplaren  sind  die  Vorder- 
schenkel innenseits  schwarz  gefleckt,  beim  dritten  hellgelb- 
braun wie  Coxa  und  Tibia.  Das  erste  der  drei  Exemplare  ist 
ziemlich  dunkel  gefärbt,  die  Flugorgane  stark  glänzend  mit 
dunklen  Adern;  es  ähnelt  bis  auf  die  Breite  des  Kopfes  und  die 
Form  des  Vertex  ganz  zweien  der  vorerwähnten  cf  von  meri- 
dionalis  var.  intermedia  aus  Südafrika.  Auch  das  Pronotum  ist 
bei  diesem  Exemplar  ungefähr  ebenso  lang  wie  bei  laticeps 
(Länge  zu  Breite  wie  3  bis  3-25:  1,  bei  laticeps  2-9  bis  3-3  :  1), 
während  das  Verhältnis  sonst  bei  meridionalis  2*33  bis  2-73: 1 
beträgt  (bei  capitatus  3:1). 

Die  Form  des  cf  Pronotums  ist  bei  meridionalis  und  lati- 
ceps ziemlich  übereinstimmend;  vorn  abgerundet,  im  Bogen  in 
den  Seitenrand  übergehend,  vor  und  namentlich  hinter  der 
supracoxalen  Erweiterung  deutlich  konkav;  Hinterrand  und 
Hinterecken  abgestutzt. 

G.  capitatus  Sauss. 

Diese  Art  ist  nicht  so  weit  nach  Süden  verbreitet  wie 
lenticularis,  da  mir  kein  Fundort  südlich  von  Zanzibar  bekannt 
ist;  andrerseits  ist  die  verwandte  meridionalis  weder  in  der 
typischen  Form  noch  in  einer  Varietät  nördlich  vom  Äquator 
gefunden  worden;  der  scharf  abgestutzte  Kopfgipfel  ist  sehr 
charakteristisch  für  capitatus,  ebenso  die  Augenform,  wie  sie 
Stäl  beschreibt;  wir  können  in  dieser  Art  eine  Übergangsform 
zu  Paroxyophthalmtis  erblicken.  G.  capitatus  dürfte  die  kleinste 
Art  der  Gruppe  sein,  da  sie  im  Durchschnitt  nicht  die  Dimen- 
sionen der  andern  erreicht.  Merkwürdig  ist  die  Seltenheit 
der  9  9  bei  dieser  Art;  mir  ist  nur  ein  einziges  untergekommen, 
welches   ich   selbst    im   Sudan    gefangen    habe,   während   mir 


Orthoptera  Blattaeformia.  223 

an  (/cT  eine  ziemliche  Anzahl  zur  Untersuchung  vorlag.  Das- 
selbe gilt  auch  für  die  ähnliche,  oben  beschriebene  Form  von 
■meridionalis  sowie  für  modestns;  in  Anbetracht  der  Anzahl 
der  untersuchten  cTcf  ist  die  bisher  völlige  Unbekanntheit 
des  9  nicht  minder  auffallend,  um  so  mehr  als  es  keinem 
Zweifel  unterliegt,  daß  beide  Geschlechter  dieselbe  Lebens- 
weise führen.  G.  capitatus,  eine  gewiß  vielfach  verkannte  Art 
(siehe  West  wo  od,  Rev.  Mant.,  wo  meridionalis  als  capitatus 
abgebildet  ist),  ist  stets  hell,  gelblich,  mit  glashellen  Plug- 
organen und  schlanken  Gliedmaßen. 

G.  modestus  Gerst. 

G.  modestns  ist  in  der  Coli.  Br.  in  4  cf  cT  aus  Zanzibar, 
in  dem  mir  vorliegenden  Material  aus  Berlin  in  6  cfcT  aus 
Boma  (Ende  Mai  1890,  v.  Nettelbladt),  Bondei,  Usambara 
(C.  VV.  Schmidt),  Mombasa  (Dezember  1876,  Hildebrandt), 
Saadani  (v.  Nettelbladt)  und  Panumbira  (Bumiller)  ver- 
treten. Die  Elytren  erreichen  bei  manchen  nahezu,  bei  manchen 
eben  die  Spitze  des  Abdomens,  bei  andern  überragen  sie  die- 
selbe. Die  Vorderbeine  sind  innen  stets  einfarbig  hell,  das 
Prosternum  trägt  zwei  große  dunkle  Flecken  hintereinander, 
einen  dicht  hinter  dem  Coxalansatz,  den  zweiten  vor  dem 
Hinterrande.  Diese  Art  variiert  ziemlich  in  der  Größe;  das 
kleinste  mir  vorliegende  Exemplar  mißt  27,  das  größte  ?>\mm. 

Außer  diesen  Arten  bin  ich  noch  in  der  Lage  folgende 
zu  beschreiben: 

G.  (Achlaena)  Kuhlgatzi  n.  sp.  (Taf.  II,  Fig.  8,  8ö). 

Wenn  man  Galepsus  (was  ich  durchaus  nicht  befür- 
worten möchte)  als  besondere  Gattung  beibehält,  so  muß 
diese  Art  hier  verbleiben,  andernfalls  aber  besteht  die  Frage, 
wie  das  Pronotum  des  9  aussieht  (mir  liegen  nur  3  cfcf 
vor)  und  ob  die  Form  des  9  Pronotums  wichtiger  ist  als  die 
des  Vertex  beider  Geschlechter.  Mir  erscheint  das  Merkmal, 
welches  beiden  Geschlechtern  zukommt,  als  das  wesentlichere 
und  daher  würde  ich  die  Zurechnung  der  Art  zu  Achlaena 
beantragen,  trotz  der  geringen  Dimensionen  und  des  Galepsus- 
artigen  Habitus. 


224 


F.  Werner, 


Kopfgipfel  nach  einwärts  von  den  Längsfurchen  des  Occi- 
put  in  zwei  kurze,  abgerundete,  aber  sehr  deutliche  Höcker 
ausgehend,  dazwischen  abgerundet.  Stirnplatte  etwas  breiter 
als  hoch,  mit  abgerundeten  oberen  Ecken.  Pronotum  glatt, 
konvex,  der  konvexe  Vorderrand  im  Bogen  in  den  Seitenrand 
übergehend,  dieser  über  den  Coxen  wenig  erweitert,  dahinter 
etwas  eingezogen,  Hinterrand  konvex.  Mittel-  und  Hinterbeine 
schlank,  Elytren  etwas  beraucht,  die  Hinterleibspitze  über- 
ragend oder  eben  erreichend.  Hinterflügel  beraucht,  im  Anal- 
feld etwas  dunkler  gefleckt.  Cerci  bei  allen  drei  Exemplaren 
abgebrochen,  aber  wie  man  sicher  sagen  kann,  lang.  Dornen 
an  den  Vordertibien  außen  12.  Färbung  graubraun. 

Dimensionen: 

Totallänge 29-5  29-5  29-5 

Pronotum,  Länge 6  6-4  5-7 

»          Breite 2-2  2-2  2*2 

Elytra,  Länge 21-2  23  21-2 

Deutsch -Ostafrika  (2  oV  Mus.  Berlin;  1  ö"  Nat.  Kab. 
Stuttgart). 

G.  dispar  n.  sp. 

Dem  G.  modeshis  sehr  ähnlich,  aber  cf  mit  kürzeren  Flug- 
organen, 9  mit  innen  schwarzen  vorderen  Coxen  (nur  noch 
bei  lenticularis  in  der  Gruppe,  und  zwar  beim  cf)  und  bei 
beiden  Geschlechtern  die  Cerci  viel  länger,  das  letzte  Glied 
gut  dreimal  so  lang  wie  breit  und  alle  drei  letzten  der  Länge 
nach  (auf  der  Innenfläche)  gekielt;  Elytren  des  cT  mit  dunkleren 
Adern,  so  wie  vorige  Art,  die  Hinterflügel  beraucht.  Prosternum 
mit  zwei  Flecken. 

Dimensionen:  7,  p 

G.  modestus       > , 

cT  (in  Coli.  Br.,  Nr.  20972) 

Totallänge 31  34  35 

Pronotum,  Länge   7-5  8-5  9 

»  Breite 4  3'8  4-3 

Elytra,  Länge   22-5  17-8  7 

Cerci,  Länge ! 4-3  6-7  7-6 


Orthoptera  Blattaeformia.  22o 

Von  weiteren  Exemplaren  habe  ich  untersucht:  1  cT  Baga- 
moyo,  Dr.  Steudel,  Dezember  1892  (Mus.  Berlin);  1  9, 
Deutschostafrika  (leg.  Manow,  Coli,  m.);  1  9  Bagamoyo,  leg. 
Steudel  1891  (Nat.  Kab.  Stuttgart).  Von  allen  ist  das  9  meiner 
Sammlung  das  größte  (40  mm).  Die  Art  ist  an  der  schwarzen 
Innenseite  der  Coxen  sehr  leicht  zu  erkennen;  von  lenticularis 
unterscheidet  sie  die  Form  des  Kopfes  und  die  Kürze  des  Pro- 
notums  (wenig  über  doppelt  so  lang  wie  breit,  bei  lenticularis 
dreimal  so  lang  wie  breit)  sowie  die  Kürze  der  Flugorgane 
des  cf  ebenfalls  ohne  Schwierigkeit. 

Dispositio  specierum  subgeneris  Galepsus. 

Marcs. 

1.  Vertex  bituberculatus G.  Knhlgatzi  Wem. 

Vertex  tuberculis  prominentibus  nullis 2 

2.  Elytra  et  alae  abdomine  multo  breviores:  (Alae  distincte 
infuscatae;    segmentum    ultimum    cercorum    praecedenti 

duplo  longius) G.  dispar  Wern. 

Elytra  et  alae  abdominis  apicem  fere  aut  perfecte  attin- 
gentes  aut  superantes 3 

3.  Coxae    anticae    intus    nigrae;    vertex    utrinque    distincte 
incisus  (ultimum  segmentum  cercorum  praecedenti  triplo 

longius) G.  lenticularis  Sauss. 

Coxae  anticae  plerumque  intus  flavescentes;  vertex  haud 
incisus 4 

4.  Vertex  valde   rotundatus,    caput    latum    (segm.   ult.  cerc. 

praec.  dimidio  longius) G.  laticeps  Wern. 

Vertex  parum  rotundatus  aut  truncatus 5 

5.  Elytra  et  alae  apicem  abdominis  valde  superantia  .... 

.  .  .  G.  modestior  S  c h  u  1 1  h. 
Elytra  et  alae  apicem  abdominis  parum  superantia  aut 
breviores ö 

6.  Vertex  truncatus G.  capitatus  Wern. 

Vertex  parum  convexus ,  ....  7 

7.  Pronotum  latitudine  plus  quam  duplo  longius 

.  .  .  G.  meridioiialis  Sauss. 

Pronotum  latitudine  minus  quam  duplo  longius 

.  .  .  G.  niodestus  Gerst. 


226 


F.  Werner, 


Feminae. 


1.  Alae  haud  distinctae G.  teniiis  Stäl 

Alae  distincte  expli'catae 2 

2.  Vertex  bituberculatus   (G.  Kuklgatzi  Wem.) 

Vertex  tuberculis  prominentibus  nuUis 3 

3.  Coxae  anticae  intus  nigrae 4 

Coxae  anticae  intus  flavescentes 5 

4.  Vertex  latus,  haud  incisus G.  dispar  Wem. 

Vertex  angustus,  utrinque  distincte  incisus 

.  .  .(G.  lenticularis  Sauss.) 

5.  Caput  latum,  Vertex  distincte  rotundatus   

.  .  .(G.  laticeps  Wern.) 

6.  Vertex  parum  rotundatus  aut  truncatus 6 

Vertex  parum  rotundatus G.  meridionalis  Sauss. 

Vertex  distincte  truncatus G.  capitatus  Sauss. 

Wenn  icli  die  Galepsiis-F ovmen  hier  separat  behandelt 
habe,  so  geschieht  dies  nur  mit  Rücksicht  auf  die  von  den 
meisten  Autoren  befürwortete  Trennung.  Denn  es  gibt  kein 
einziges  Merkmal,  um  die  Arten  dieser  Untergattung  mit 
Sicherheit  von  den  übrigen  abzutrennen.  Das  höckerlose  Pro- 
notum  findet  sich  auch  bei  Ariusa,  zu  welcher  meridionalis 
einen  kompletten  Übergang  bildet;  der  Cl3^peus  ist  ebenfalls 
bei  dieser  Art  mitunter  breiter  als  lang  und  wenn  er  auch 
niemals  quergebändert  ist,  so  fehlt  ein  Querband  doch  auch 
bei  echten  Tarachodes-Arten  {maculisternum  z.  B.);  die  Länge 
des  Pronotums,  im  Durchschnitt  wohl  größer  als  bei  den 
echten  Tarachodes-Arten,  nähert  sich  doch  in  gewissen  Formen 
sehr  (G.  modesttis)  den  niedrigsten  Zahlen,  die  bei  Taracliodes 
s.  Str.  angetroffen  werden.  G.  Kuhlgatzi  weist  auf  die  Unter- 
gattung Achlaena  hin. 


Von  den  vorerwähnten  32  Tarachodes- Arten  sind  die 
folgenden  fünf  der  Fauna  des  Sudan  zuzurechnen,  von  welchen 
drei  zu  Taracliodes  s.  str.  und  zwei  zur  Untergattung  Galepsiis 
gehören. 


Orthoptera  Blatiaeformia.  ^^ ' 

Tarachodes  Stäl. 

5.  bis  7.  T.  gilva  Charp.,  T.  obtusiceps  Stäl  und  T.  maura 

Stäl. 

Soweit  ich  in  der  Literatur  und  in  den  mir  zugänglichen 
Museen  und  Sammlungen  erfahren  konnte,  kommen  im  ägyp- 
tischen Sudan  keine  andern  als  diese  drei  Tarachodes-Avten 
vor  und  sicherlich  sind  sie  nichts  weniger  als  häufig.  Ich  habe 
nur  ein   einziges   Exemplar  von    T.   obtusiceps   bei  Renk   am 

6.  Februar  1905  gefangen,  welches  im  Grase  dahinlief,  glaube 
aber  nicht,  daß  dies  der  gewöhnliche  Aufenthalt  dieser  Manto- 
deen  ist,  sondern  daß  sie,  worauf  die  Färbung  aller  Arten 
hindeutet,  Rindenbewohner  sind,  wie  Elaea  marchali,  Oxy- 
pihis  annulatus  und  die  nahe  verwandte  Tarachina,  wovon 
ich  das  9  ja  auch  wirklich  an  einem  Akazienstrunk  fing. 

Galepsus  Stäl  (Lygdamia  Sauss). 

8.  G.  capitatus  (Sauss.)  1870. 

Saussure,  Mel.  Orth.,  III,   1870,  p.  166,  Taf.  IV,  Fig.  2  (Chiropacha). 
Stäl,  Bih.  k.  Sv.  Vet.  Ak.  Handl.,  Bd.  4,  Nr.  10,    1876,  p.  17. 

Nicht  selten  im  südlichen  Bahr-el-Gebel-Gebiete  (Mon- 
galla,  Gondokoro);  am  2.  März  das  erste  erwachsene  Exem- 
plar (cT)  gefunden.  Im  dürren  Steppengrase,  dessen  Färbung 
das  Tier  auch  trägt.  Pronotum  gewöhnlich  mit  dunkler,  medianer 
Längslinie.  Elytren  kürzer  als  die  Hinterflügel  (auch  bei  lenti- 
cularis).  Auch  in  Sennaar  (Saussure),  wo  sie  auch  Capt. 
Fl o wer  1906  in  einem  cf  wieder  auffand.  Ich  habe  nur  ein 
einziges  9  gefunden. 

9.  G.  lenticularis  (Sauss.)  1872. 

Saussure,  Mel.  Orth.,  IV,   1872,  p.  11,  Taf.  IX,  Fig.  18,   cf  (Chiropacha). 
Stäl,  Bih.  k.  Sv.  Vet.  Ak.  Handl.,  Bd.  4,  Nr.  10,    1876,  p.  17,  ?. 

Ursprünglich  aus  Natal  beschrieben,  von  Stäl  aus  Trans- 
vaal erwähnt.  Liegt  mir  in  je  einem  Exemplar  vom  Gazellen- 
flusse (Mus.  Stuttgart,  leg.  Schweinfurth)  und  von  Roseires 
am  Blauen  Nil  (Coli,  m.)  vor;   beide  sind  cf cf.   Die  Innenseite 

Siizb.  d.  mathem.-naturw.  KL;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  ^^ 


228  F.  Werner, 

der  vorderen  Coxen   und  Femora  ist   schwarz.   Diese  Art   ist 
größer  als  die  vorige.  Die  Ansicht  Kirby's  (Synon.  Cat.  Orthopt., 

I,  p.  217),  daß  diese  Art  synonym  mit  L.  meridionalis  Sauss. 
sei,  ist  ganz  unbegründet. 

Paroxyophthalmus  W.  Mason. 

10.  P.  collaris  (Sauss.)  1872. 

Saussure,  Mel.  Orth.,  IV,  p.  14,  Taf.  IX,  Fig.  17  (Oxyophthalmtis). 
Wo  od- Mason,  Cant.  Mant.,  p.  38  (Paroxyophthalmus). 

Sennaar  (Saussure).  Da  junge  Larven  von  L.  capitata 
sehr  ähnlich  dieser  Art  sind,  so  kann  ich  nicht  mit  Sicherheit 
angeben,  ob  sie  sich  nicht  etwa  auch  in  Mongalla  und  Gondo- 
koro  findet.  Ich  möchte  diese  Gattung  lieber  hieher  stellen  als 
zu  den  Mantidae. 

Pyrgomantis  Ger  st. 

II.  P.  septentrionalis  n.  sp.  (Taf.  I,  Fig.  5). 

Capite  minus  prolongato  quam  in  P.  singulari  Gerst, 
verticis  processu  subtus  haud  carinato  apice  nigromarginato, 
pronoto  lateribus  parallelis,  integris,  elytris  alisque  ^  apice 
nigromaculatis,  pedibus  unicoloribus. 

Diese  merkwürdige  Mantide  ist  bei  Mongalla  und  Gondo- 
koro  nicht  selten,  doch  fing  ich  vorwiegend  Larven.  Sie  leben 
auf  dem  Boden  und  bewegen  sich  wegen  ihrer  langgestreckten 
Körpergestalt  und  ihrer  relativ  kurzen  Beine  schlängelnd  wie 
eine  Eidechse.  Die  Färbung  ist  hellbräunlichgelb,  der  des 
dürren  Steppengrases  äußerst  ähnlich;  doch  findet  man  aus- 
nahmsweise, nämlich  bei  Mongalla,  an  einer  Stelle,  wo  das 
Gras  verbrannt  und  geschwärzt  ist,  neben  schwarzen  Exem- 
plaren von  Acrotylus  patmelis  und  Cosmorhyssa  fasciata  auch 
solche  schwärzliche  Pyrgomantis -Larven.  Imagines  fanden 
sich  erst  von  der  zweiten  Hälfte  des  März  an. 

Dimensionen: 

d"  9 

Totallänge  (ohne  Cerci)  ...    38  •  5  mm  45      mm 

Kopflänge   8  10-2 


Orthoptera  Blattaeformia.  229 

cf  9 

Kopf  breite 3     ftini  3  •  1  mm 

Pronotum,  Länge 7*8  8*7 

Breite 2  3 

Elytren,  Länge 20  5-2 

Die  Art  findet  sich  auch  in  den  Bogosländern,  wie  ein 
Exemplar  der  Coli.  Brunn  er  beweist. 

Färbung  gelbbraun,  Pronotum  oft  mit  dunklerer  medianer 
Längslinie.  Flugorgane  des  cf  hyalin,  ganz  schwach  gelblich 
gefärbt.  Durch  die  kürzeren,  unterseits  der  scharfen  medianen 
Längsleiste  entbehrenden  Kopffortsatz  und  die  nicht  punk- 
tierten Mittel-  und  Hinterbeine  läßt  sich  diese  Art  auch  im 
Larvenzustande  von  der  folgenden  unterscheiden. 

12.  P.  singularis  Ger  st. 

Gerstäcker,  Arch.  f.  Naturg.,  1869,  Bd.  35,  p.  211,  und  in:  C.  v.  d.  Decken, 
Reisen  Ostafrika,  III,  2,  1873,  p.  18,  Taf.  I,  Fig.  8,  %b. 

Saussure,  Bull.  Suisse,  III,  p.  233,  und  Mel.  Orth.,  III,  p.  325  (singularis), 
und  III.  SuppL,  p.  396,  Taf.  VII,  Fig.  37  (nasuta). 

Westwood,  Rev.  Mant.,  Taf.  14,  Fig.  4  (rf)  und  5  (9). 

Liegt  mir  nur  in  drei  jungen  Larven  aus  Gondokoro  vor, 
wo  also  drei  von  den  vier  bekannten  Arten  nebeneinander 
leben.  Die  vierte  {P.  jonesii  Kirby),  welche  wie  P.  septen- 
trionalis  einen  kürzeren  Kopffortsatz  besitzt,  aber  sich  durch 
berauchte  Hinterflügel  von  ihr  unterscheidet,  lebt  in  Westafrika. 

13.  P.  mabuia  n.  sp.  (Taf.  I,  Fig.  4,  4a). 

Major,  processu  capitis  (ab  occipite  ad  apicem)  longi- 
tudem  pronoti  superanti,  apice  rotundato.  Elytra  9  atrofusca. 
Frons  inter  ocula  a  clypeo  ad  insertiones  antennarum  nigro- 
bivittatum,  vittas  antrorsum  convergentes.  Supra  olivaceus, 
cerci  rufescentes,  pedes  flavi.  Processus  capitis  apice  subtus 
niger,  abdomen  subtus  flavescens,  sparse  nigro-punctatum. 

16* 


Zoü  F.  Werner, 

in  P.  septen- 
trionali  ^ 

Long,  tot 68      mm  (cercis  omissis)  45      mm 

Processus  cap 13'7»  7-8» 

Pronotum 11-5»  8  •  7     » 

Elytra 6'3»  5-0» 

Femora  antica 8-5     »  6*2     » 

Cerci 

Gondokoro,  17.  März  1905. 

Diese  große  Art,  die  größte  der  Gattung,  fand  ich  er- 
wachsen nur  in  einem  9  am  Fuße  eines  der  Hügel,  welche 
etwa  vier  Wegstunden  südlich  von  Gondokoro  liegen.  Wegen 
der  gestreckten  Gestalt  ist  diese  Art  im  Laufe  noch  mehr  zur 
schlängelnden  Bewegung  des  Körpers  veranlagt;  darauf  bezieht 
sich  auch  der  gewählte  Artname  (Mabnia  ist  die  häufigste 
Eidechsengattung  des  Gebietes). 

Elaea  Stäl. 

14.  E.  Marchali  (Coquerel,  Reiche&Fairmaire)  (Taf.  II, 
Fig.  4). 

Ferret  und  Galinier,  Voyage  en  Abessynie  III,    1847,  p.  421,  Taf.  27,  Fio-.  .'S 

(9>  Eremiaphila). 
Saussure,  Mel.  Orth.,  III.  Suppl.,  1871,  p.  372  (9,  Eremiaphila). 
Werner,  Sitz.  Ber.  Akad.  Wiss.  Wien,  CXIV,  1,  1905,  p.  405  {^ ,  Eremiaphila). 
Saussure,  Mel.  Orth.,  III,  1870,  p.  169  {^,  Humbertiella  perloiäes). 
Stäl,   Syst.  Mant.,  1876,  p.  48   (^f,  Elaea  perloiäes). 

Schulthess,  Ann.  Mus.  Genova  (2),  XIX,  1898,  p.  170  (ö"  ? ,  Elaea  somalica). 
Rehn,  Proc.  Acad.  Philadelphia  1901,  p.  280  (somalica). 

Diese  Art  hat  in  ihren  beiden  Geschlechtern,  wie  man  aus 
vorstehender  Synonymie  ersieht,  gar  mancherlei  Schicksale 
erlebt.  Das  9  wurde  als  Eremiaphila  beschrieben  und  da  mir 
die  Art  in  natura  bei  meiner  Revision  dieser  Gattung  nicht 
vorlag,  so  nahm  ich  keinen  Anstand,  sie  darin  zu  belassen. 
Erst  nach  meiner  Rückkehr  aus  dem  Sudan  fiel  mir  die  außer- 
ordentliche Ähnlichkeit  der  in  der  »Voyage  en  Abessynie« 
abgebildeten  y Eremiaphila«  mit  einer  im  Sudan  weit  ver- 
breiteten,   aber  baumlebenden   Mantide    auf  und    da   sie    bei 


Orfhoptera  Blaitaeforntia.  -<JJ- 

Eremiaphila  absolut  nicht  bleiben  konnte,  so  stellte  ich  sie 
zuerst  in  die  Gattung  Myrcimts,  von  welcher  nur  eine  (auch 
nur  im  9  bekannte)  Art  aus  Borneo  (M.  iuberosus  Stäl) 
bekannt  ist.  Das  cf  aber  gelang  es  mir  nicht  zu  finden;  ich 
war  aber  überzeugt,  daß  es  langgeflügelt  sein  mußte.  Es  war 
aber  schon  im  Jahre  1870  von  Saussure  als  Humhertiella 
perloides  beschrieben  worden;  aus  der  G^iVung  Humhertiella 
entfernte  es  Stäl  (und  zwar,  wie  sich  jetzt  zeigt,  mit  vollem 
Recht,  weil  die  Humbertiellen  langgeflügelte  9  9  besitzen)  und 
gründete  darauf  die  Gattung  Elaea,  welche  ich  beibehalte, 
weil  die  Zugehörigkeit  zu  Myrcinus  immerhin  nur  eine  provi- 
sorische war.  Elaea  verhält  sich  also  zu  Theopompa  wie  etwa 
Tarachodes  zu  Hoplophora. 

Das  9  dieser  Art  ist,  wie  schon  vorhin  bemerkt,  eine 
Baumbewohnerin,  und  zwar  lebt  sie  auf  alten,  grauen  Akazien- 
strünken, deren  Färbung  sie  außerordentlich  angepaßt  ist,  so 
daß  sie,  wenn  ruhig  auf  einer  Stelle  verharrend,  absolut  nicht 
oder  nur  mit  großer  Mühe  zu  unterscheiden  ist.  Sie  läuft  ebenso 
stoßweise  wie  Er  emiaphila  und  hat,  wie  dies  bereits  Kamm  er  er, 
welcher  die  Art  bei  Kawa  am  Weißen  Nil  wieder  auffand, 
beobachtete,  die  allen  Baumläufern  gemeinsame  Eigenschaft, 
aufgescheucht,  spiralig  um  den  Baumstamm  herumzulaufen 
und  sich  auf  der  dem  Beschauer  abgewendeten  Seite  des 
Stammes  ruhig  zu  verhalten. 

E.  Mardiali  ist  ein  ausschließliches  Tagtier,  welches  nur 
bei  glühender  Mittagshitze  in  Bewegung  ist;  auf  den  Boden 
kommt  sie  freiwillig  nie  herab.  Sie  findet  sich  im  ganzen  Sudan 
von  Kawa  bis  Gondokoro,  in  Deutsch-Ostafrika  (Coli.  Br.)  und, 
wie  auch  aus  dem  Originalfundorte  von  E.  perloides  hervor- 
geht, am  Senegal.  Da  das  ö"  von  E.  Marchali  (perloides)  gut 
und  kenntlich  abgebildet  und  auch  beide  Geschlechter  von 
E.  somalica  eine  ausführliche  Beschreibung  erfahren  haben, 
so  will  ich,  um  die  sichere  Unterscheidung  (wenn  eine  solche, 
was  ich  eben  bezweifle,  möglich  ist)  des  9  von  Marchali 
zu  ermöglichen,  dieses  beschreiben  und  nochmals  abbilden. 

Färbung  rötlich  graubraun.  Kopf  um  die  Augen  breiter  als 
das  Pronotum;  Augen  hervortretend,  rundlich,  fein  dunkel 
längsgestreift.    Auf  dem  Hinterkopfe,   dicht  neben   dem  Auge, 


232  F.  Werner, 

jederseits  ein  kurzer  Höcker.  Stirnschildchen  sehr  breit,  vier- 
mal so  breit  als  hoch,  sein  oberer  Rand  mehr  gebogen  als  der 
untere  (beide  nach  oben  konvex).  Pronotum  ganz  wie  beim  d', 
mit  zwei  Paaren  von  Höckern  zwischen  Vorderrand  und  Sulcus 
und  zwei  weiteren  Paaren  vor  dem  Hinterrande;  das  zweite 
Paar  ist  das  stärkste  und  mit  einer  schiefen  Kante  (nach  hinten 
konvergierend)  versehen.  Seitenränder  des  Pronotums  schwarz 
punktiert,  schmal  aufgeworfen,  aber  nicht  gezähnelt.  Abdomen 
spindelförmig.  Die  ganze  Oberseite  fein  dunkel  punktiert.  Glied- 
maßen oberseits  dunkel  gebändert,  am  undeutlichsten  die 
Vorderbeine,  am  deutlichsten  die  mittleren  und  hinteren  Tibien. 
Metatarsus  (wie  bei  Myrcimis)  sehr  lang,  etwa  ebenso  lang  wie 
die  übrigen  Tarsenglieder  zusammen.  Unterseite  hellgrau,  ein- 
farbig, nur  die  vorderen  Femora  nahe  dem  Apex  mit  zwei 
unterbrochenen  dunklen  Querbinden.  Vorder-  und  Hinterflijgel 
erreichen  den  Hinterrand  des  dritten  Abdominalsegmentes; 
erstere  am  Ende  breit  abgerundet,  rot-  oder  graubraun,  mit 
zwei  verwaschenen,  schiefen,  dunklen  Querbinden  (öfters  eine 
)-förmige,  zusammen  bei  angelegten  Flügeldecken  eine  sand- 
uhrförmige  Figur  bildend),  unterseits  lebhaft  ziegelrot,  die 
Flecken  der  Oberseite  viel  deutlicher  wiederholt  (das  Pigment 
also  wie  bei  den  Eremiaphilen  auf  der  Unterseite  und  oben  nur 
durchscheinend);  Hinterflügel  mit  einem  glänzend  schwarzen 
Fleck,  der  das  ganze  Vorderfeld  mit  Ausnahme  der  lebhaft 
gelbroten  Spitze  einnimmt;  Analfeld  schwarz  mit  weißen  Quer- 
adern. 

Dimensionen: 

Gondokoro  Mongalla 

Long,  corporis  ....  25*5  25 

Lat.  capitis 6  6'6 

Long,  pronoti 5  5-5 

Lat.  pronoti 4*7  5 

Long,  ely tr 8  8  •  7 

Lat.  ely  tr 4-6  5 

Lat.  abd 6-2  7-8 

Daß   ich   auch  Elaea  somalica  Schulth.   hieher   rechne, 
möchte  ich  folgendermaßen  begründen.   Das  cf  von  somalica 


Orthoptera  Blaitaeformia.  233 

unterscheidet  sich  so  gut  wie  gar  nicht  von  dem  von  pevloides; 
ich  habe  zwei  cfcf  aus  Erythraea  in  meiner  Sammlung  und 
kann  außer  in  der  Zahl  der  vorderen  Tibialdornen  absolut 
keinen  Unterschied  finden;  dieser  Unterschied  ist  aber  unbe- 
deutend, da  diese  Zahl  bei  pevloides  außen  10,  innen  12,  bei 
somalica  außen  9,  innen  10  beträgt  (bei  einem  meiner  Exem- 
plare aber  außen  und  innen  10)  und  kann  daher  somalica 
höchstens  als  Lokalrasse  betrachtet  werden. 
Die  Dimensionen  der  cTcf  sind: 


Körperlänge , 

Prothorax,  Länge .  .  . 
»  Breite  .  .  . 

Elytra,  Länge 

»       Breite , 

Man  ersieht  aus  diesen  Maßangaben,  daß  somalica-Kxem- 
plare  untereinander  auch  in  den  Dimensionen  mehr  abweichen 
als  somalica  von  pevloides.  Die  Länge  des  Pronotums  ist  bei 
1.  und  2.  ein  Sechstel  der  Körperlänge  und  variiert  bei  somalica 
zwischen  1:5'3 — 6'6;  die  Elytren  sind  bei  somalica  bald 
kürzer  (2.),  bald,  wie  bei  pevloides,  länger  als  der  Körper. 

IIL  Mantidae. 
Nilomantis  n.  g. 

Genus  intermedium  inter  Miomantis  et  Tvopidomantis,^ 
forma  capitis  perfecte  ut  in  illo  genere,  pronoto  brevi,  distincte 
carinato,  elytris  alisque  abdominis  apicem  valde  superantibus, 
Ulis  angustis,  coxis  anticis  pronoto  longioribus.  (Forse  Thespis 
Bovmantiella  Sauss.  species  huius  generis  est.) 


1.   (j^  vom 

Senegal 

(pevloides) 

2.   cf  vom 
Somaliland 
(somalica) 

3-,  4.    r^  von 
Erythraea 
(somalica) 

21 

22 

18-5 

26-4 

3-5 

4-5 

3-5 

4 

3 

4 

3-1 

3-3 

22 

19-5 

22-7 

27 

5-6 

? 

5 

6-4 

3  Ob  nicht  auch  Iridopteryx  inftimata  Sauss.  (Mel.  Orth.,  IV,  p.  30)  eine 
sudanesische  Art  ist,  will  ich  dahingestellt  sein  lassen.  Das  eine  der  beiden 
Originalexemplare  im  Wiener  Hofmuseum  trägt  die  Bezeichnung   »Egypt.«. 


234  F.  Werner, 


15.  N.  Floweri  n.  sp. 


Oculi  rotundati.  Pronotum  supra  coxas  dilatatum,  dilata- 
tione  margini  anteriori  paullo  magis  quam  posteriori  approximata, 
lateribus  pone  dilatationem  leviter  concavis,  margine  posteriore 
late  truncato,  necnon  angulis  posticis  truncatis.  Coxae  anticae 
inermes;  femora  antica  latiora  quam  in  genere  Miommitis,  magis 
ut  in  genere  Tropidomantis,  spinis  externis  quatuor,  tibiae 
dimidio  femorum  parum  breviora,  articulus  primus  tarsorum 
anticorum  ceteris  omnibus  longius.  Pedes  intermedii  (et  postici?) 
graciles;  alae  elytris  haud  longiores. 

Flavescens,  oculis  obscuris,  elytris  alisque  perfecte  hyalinis, 
vitta  humerali  elytrorum  nulla. 

Dimensiones: 

Long,  tot 14-5  wm. 

»      elytrorum  ....  14 

»      pronoti 2*5 

Lat.  pronoti 13 

»     elytrorum 2-8 

Sennaar  (leg.  S.  S.  Flower,  mense  Junio  1906). 

Diese  interessante  Gattung  gleicht  in  der  stark  abge- 
platteten Form  des  sehr  breiten  Kopfes  vollkommen  einer  Mio- 
mantis,  unterscheidet  sich  aber  durch  das  kurze,  gekielte  Pro- 
notum und  die  längeren  Flugorgane  sowie  die  breiteren 
vorderen  Femora  deutlich  von  dieser  Gattung.  Von  Tropido- 
mantis unterscheidet  sich  Nilomautis  durch  die  Form  der 
Occipitalregion,  die  viel  schmäleren,  von  der  Basis  bis  vor  der 
Spitze  allmählich  verbreiterten  Elytren  und  die  andere  Form 
des  Pronotums,  welches  nicht  dachförmig  gekielt  ist,  sondern 
in  folgender  Weise:  Der  Rücken  des  Pronotums  stellt  eine 
spitzdreieckige  Fläche  vor,  deren  Basis  der  Hinterrand  des 
Pronotums  bildet,  während  die  Spitze  in  der  Mitte  des  Vorder- 
randes liegt;  von  den  Seiten  des  Dreiecks  fällt  das  Pronotum 
nach  beiden  Seiten  ab.  Der  Mittelkiel  bildet  eine  deutliche 
Leiste  auf  der  Mittellinie  des  Rückendreiecks. 


Orthopiera  Blattaeformia.  ^OO 

Tenodera  Burm. 

16.  T.  herbacea  Serv.  (Orthopt.,  p.  177). 

Von  dieser  seltenen  Art  fand  ich  ein  erwachsenes  cf  bei 
Khor  Attar  am  15.  Februar  1905.  Sie  wurde  von  Saussure 
(Mel.  Orth.  III,  1870,  p.  246,  und  Suppl.  1871,  p.  419)  kurz 
beschrieben  und  das  vorliegende  Exemplar  stimmt  mit  der 
Beschreibung  ganz  gut  überein  und  unterscheidet  sich  von  der 
nahe  verwandten  aridifolia  durch  den  kleinen  Kopf,  der  nur 
wenig  breiter  als  lang  ist,  das  am  Seitenrand  fast  ganzrandige 
(nur  an  der  supracoxalen  Erweiterung  ganz  schwach  ge- 
zähnelte)  und  vor  der  Querfurche  glatte  (bei  aridifolia  oft 
granulierte)  Pronotum,  die  stärkeren  (12)  Zähne  der  Vorder- 
coxen,  das  Fehlen  von  Flecken  am  Vorderrand  der  Hinterflügel 
und  das  nicht  hellere  Costalfeld  der  Vorderflügel. 

Diese  Art  war  bisher  nur  von  Westafrika  bekannt.  Sie  lebt 
im  dürren  Steppengrase  nach  Art  unserer  Mantis  religiosa.  Ein 
zweites  Exemplar  gelang  es  mir  nicht  aufzufinden. 

17.  T.  superstitiosa  (Fabr.). 
Saussure,   1.  c,  p.  247  und  420. 

Zwei  Larven  von  Mongalla,  2.  März  1905,  im  dürren  Steppen- 
grase; später  auch  am  selben  Orte  keine  weiteren  Exemplare 
gefunden. 

Bisher  war  keine  Tenodera  aus  Nordostafrika  bekannt. 
Diese  Art  ist  im  tropischen  Afrika  und  Asien  weit  verbreitet. 

Sphodromantis  Stäl. 

18.  S.  bioculata  (Burm.). 

Brunner,  Prodromus,  p.  58,  Fig.  13. 

Savigny,  Taf.  I,  Fig.  10  bis  13. 

Krauss,  Verh.  zool.  bot.  Ges.  Wien  1890,  p.  236. 

Saussure,  Mel.  Orth.  III,  p.  219,  Fig.  20,  21. 

Finot,  Faune  de  TAlgerie,  p.  99. 

Werner,  Sitzungsber.  Akad.  Wiss.  Wien,  CXIV,  I,  1905,  p.  408. 

Diese  in  Nordafrika  weit  verbreitete  Art  geht  im  Sudan 
noch    etwas    südlich    von    Khartoum.    Ich    fing    ein    ?    am 


236  F.Werner, 

31.  Jänner  1905  auf  einer  Akazie  im  zoologischen  Garten  in 
Khartoum;  Dr.  Kammerer  erbeutete  sie  bei  Kawa  am  Weißen 
Nil  (31.  Dezember  1903)  und  im  Wiener  naturhistorischen  Hof- 
museum befindet  sich  ein  braunes  <J,  gesammelt  von  Mar no 
im  Juni  1875  am  Kenene,  Westufer  des  Bahr-el-Abiad,  in  der 
Turra  el  Khadra,  in  der  Nähe  des  Gebel  Araschgol  (woselbst 
ich  auch  Kokons  fand).  Flower  traf  sie  auch  am  Blauen  Nil, 
Aus  Nordostafrika  wird  die  Art  auch  noch  von  Rehn  und 
Schulthess  (Somali-  und  Gallaland)  erwähnt,  auch  ist  sie 
noch  von  Massaua  (Coli.  Brunn  er)  bekannt. 

19.  S.  gastrica  Stäl. 

Stäl,  Öfv.  Vet.  Ak.  Förh.  1872,  p.  390. 
Saussure,  Mel.  Orth.  III,  1870,  p.  222,  Fig.  22. 

Ein  9  aus  der  Grassteppe  bei  Tewfikia  am  Weißen  Nil, 
9.  Februar  1905.  Durch  das  breitere  und  kürzere,  hinten  weniger 
stark  eingezogene  und  in  der  Supracoxalgegend  nicht  lamellär 
ausgebreitete  und  auch  nicht  oder  nur  spurweise  gezähnelte 
Pronotum,  sowie  das  kleinere,  längliche  (bei  hioculata  größere 
und  etwa  dreieckige)  Stigma  des  Vorderfiügels  läßt  sich  diese 
Art  von  der  vorigen  leicht  unterscheiden. 

Diese  Art  wurde  auch  von  Schweinfurth  vom  Gazellen- 
fluß mitgebracht  (1877;  1  cf ,  2  9  9  im  kgl.  Naturalienkabinett  in 
Stuttgart);  sie  findet  sich  ferner  im  Somali-  und  Gallaland, 
sowie  wohl  in  ganz  Ost-  und  Südafrika. 

Mantis  L. 

20.  M.  religiosa  L. 

Brunner,   Prodromus,  p.  59,  Fig.  14. 
Saussure,  Mel.  Orth.  III,  p.  239. 
Finot,  Faune  de  l'Algcrie,  p.  100. 

Bei  Khor  Attar  (Februar  1905)  nur  Larven  gefunden,  da- 
gegen bei  Mongalla  (31.  März)  ein  erwachsenes  9  der  braunen 
Form.  Lebt  im  Grase. 

Im  Somali-  und  Gallaland  wurde  auch  M.  sacra  Thunbg. 
gefunden. 


Orthoptera  Blattaeformia.  237 

Oxythespis  Sauss. 

21.  O.  senegalensis  Sauss.  (Taf.  I,  Fig.  6,  6a). 

Saussure,  M61.  Orth.  III,  p.  276,  Fig.  41,  41^,^7. 

Finot,  Orthopteres  de  l'Algerie  et  de  la  Tunisie,  1897,  p.  105. 

Schult hess,  Zool.  Jahrb.  Syst.,  VIII,  1895,  p.  70. 

Diese  bisher  aus  Nordwestafrika  (Tunis)  und  vom  Senegal 
und  Somaliland  bekannte  Art  ist  im  Sudan  nicht  selten.  Mir 
liegen  erwachsene  Exemplare  beiderlei  Geschlechtes  vor,  und 
zwar  aus  Khor  Attar  (vom  14.  Februar  1905  ab)  und  Gondo- 
koro,  wo  sie  sich  im  Steppengrase  herumtrieben,  dessen 
Färbung  sie  tragen.  Beim  cf  überragen  die  Elytren  das  vierte, 
beim  9  das  erste  Abdominalsegment. 

Calamothespis  n.  g. 

Generibus  Conipsothespis  Sauss.  et  Hoplocorypha  Stäl 
affinis,  tibiis  anticis  femoribus  parum  brevioribus,  pedibus 
intermediis  et  posticis  valde  abbreviatis  (ut  in  nonnullis  specie- 
bus  G.  Toxodera),  a  genere  Hoplocorypha  capite  longiore  quam 
latiore,  femoribus  anticis  Spina  longissima  nuUa,  a  genere 
Conipsothespis  oculis  haud  mammillatis  occipite  pone  oculos 
bicornuto  facile  distinguendum  est. 

22.  C.  adusta  n.  sp.  (Taf.  I,  Fig.  3). 

Caput  elongato-pentagonale,  angulum  obtusissimum  cum 
prothorace  formans,  pone  oculos  (ut  in  g.  H)  in  lobum  tri- 
angulärem productum,  occipite  medio  bicornuto  (cornua  acuta 
triangularia,  erecta).  Oculi  elliptici. 

Pronotum  elongatum,  supra  insertionem  coxarum  parum 
dilatatum,  parte  pone  sulcum  transversum  anteriore  subtriplo 
longiore,  margine  anteriore  truncata,  posteriore  rotundata. 
Portio  pronoti  ante  sulcum  transversum  et  portio  aeque  longa 
pone  sulcum  longitudinaliter  rugulosa  pars  postica  medio 
carinata.  Margines  laterales  subtiliter  denticulati. 

Abdomen  cylindricum,  laeve;  segmenta  tria  ultima  medio 
carinata;   lamina   supraanalis   truncata,  medio    carinata.    Cerci 


238  F.  Werner, 

lati,  lamellares,  apice  rotundati,  apicem  abdominis  haud  siiper- 
antes.  Lamina  subgenitalis  elongata,  triangulariter  producta, 
medio  profunde  incisa. 

Coxae  anticae  subtus  spinulosae,  supra  inermes.  Femora 
elongata,  coxis  longiora,  extus  6,  intus  13  spinosae;  tibiae 
femoribus  quarta  parte  breviores,  extus  apicem  versus  9  spi- 
nosae. 

Tibiae  pedum  intermediorum  et  posticorum  femoribus 
breviores;  femora  lobis  genicularibus  duabus  elongatis,  apice 
rotundatis. 

Colore  stramineo,  capite  (clypeo  excepto),  parte  externa 
omnium  coxarum,  parte  supracoxaii  pronoti,  necnon  apice 
abdominis  adusto. 

Long,  totalis 56     mm. 


»       capitis 3 

Lat.           y>       .  . 2 

Long,  pronoti 16 

Lat.           »       2 

Long.  fem.  antic 11 

»          »     intermed.  .  .  3 

»          »     postic 5 

»        tib.  antic 8 

»          »     intermed.  .  .  3 

»          »     postic 6 


Mongalla,  2.  März  1905.  1  9,  Nymphe. 

Diese  Mantide  ist  durch  ihre  ganz  abweichende  Lebens- 
weise ausgezeichnet.  Während  nämlich  die  übrigen  mir  lebend 
untergekommenen  Arten  sich  als  gewandte  Läufer  erweisen, 
ist  Calamothespis,  welche  in  dem  verbrannten  Ufergras  des 
Bahr-el-Gebel  gefunden  wurde,  ein  Klettertier,  welches  mit 
seinen  kurzen  Mittel-  und  Hinterbeinen  Grashalme  umklam- 
mert und  sich  ziemlich  flink  an  ihnen  bewegt.  Die  Färbung 
gleicht  täuschend  der  eines  halbverbrannten  Grasstengels.  Ich 
fand  nur  das  eine  Exemplar,  dessen  schwarzbraune  Flügel- 
stummel leider  nur  ein  Nymphenstadium  andeuten. 

Ich  glaube,  daß  Calamothespis  ebenso  wie  Compsothespis 
den  Mantiden  und  nicht  den  Orthoderiden  zuzurechnen  ist. 


Orthoptcra  Blattaeforviia.  239 

Hoplocorypha  Stäl. 

23.  H,  galeata  Gerst. 

Gerstäcker,  Arch.  f.  Naturg.  XXXV,  p.  210   (1870);    v.  d.  Decken,  Reisen 

in  Ostafrika,  Ins.,  p.  16  (1873)  (Mantis  galeata). 
Stäl,  Öfv.  Vet.  Ak.  Förh.  XXVIII,  1872,  p.  388  (macra). 

Im  Steppengrase  bei  Khor  Attar  und  Gondokoro,  am 
19.  Februar  am  ersteren  Orte  bereits  ein  erwachsenes  cf, 
aber  niemals  ein  erwachsenes  9  gefunden.  Das  cf  ist  grau- 
braun, seine  Elytren  tragen  einen  sehr  deutlichen  weißen,  nach 
innen  schwarzbraun  begrenzten  Vorderrandstreifen  und  sind 
entweder  schwach  beraucht,  mit  feinen,  dunklen  Punkten  oder 
dunkler  rauchgrau.  Pronotum  bei  einer  cf  Larve  dunkel  punk- 
tiert, ebenso  auch  Scheitel  und  vordere  Femora. 

Das  9  wird  viel  größer  und  besitzt,  wenn  erwachsen, 
wahrscheinlich  nur  FlügehTidimente;  ich  habe  unter  zahh^eichen 
Exemplaren  aus  dem  ganzen  tropischen  Afrika  keines  gesehen, 
welches  über  das  Nymphenstadium  hinausgekommen  wäre. 
Die  Färbung  ist  die  des  dürren  Steppengrases,  mit  einer  dunkel- 
braunen Mittellinie  vom  Vorderrande  des  Mesonotum  bis  zur 
Supraanalplatte.  Die  Tergite  der  mittleren  Abdominalsegmente 
haben  am  Hinterrand  einen  kleinen,  medianen,  etwas  ab- 
stehenden Lappen. 

Dimensionen:    cT  35'5i;n;?,     9    50- 5  mm. 

Ich  kann  zwischen  dieser  Art  und  H.  macra  Stäl 
keinen  Unterschied  finden. 

Miomantis  Sauss.  (Caltdomantis  Rehn.). 

24.  M.  Savignyi  Sauss. 

Savigny,  Taf.  I,  Fig.  15  {(f);  Krauss,  p.  237. 

Saussure,  Mel.  Orth.  IV,  p.  69,  Taf.  VIII,  Fig.  15  (9);  Analecta,  I,  p.  190. 

Westwood,  Rev.  Mant.,  p.  37,  Taf.  X,  Fig.  1  (9). 

Werner,  Sitzungsber.  Akad.  Wiss.  Wien,  CXIV,  I,  1905,  p.  409. 

Diese  Art,  aus  Sennaar  von  Saussure  erwähnt,  habe  ich 
im  Sudan  nirgends  angetroffen.    Es  ist  mir  nicht  ganz  klar,  ob 


240  F.  Werner, 

nicht  etwa  nur  eine  der  beiden  Arten  daselbst  vorkommt,  be- 
ziehungsweise ob  nicht  Saussure  die  pharaonica  aus  Sennaar 
früher  für  Savignyi  gehalten  hat. 

25.  M.  pharaonica  Sauss. 

Saussure,  Analecta  Entomologica,  I,  p.  193  (Rev.  Suisse  Zool.  V,  1898). 

Ein  cf  flog  am  28.  Februar  1905  bei  der  Station  Bor  (Bahr- 
el-Gebel)  auf  den  Dampfer  zum  elektrischen  Licht,  welches 
auch  andere  Orthopteren  (Pseudorhynchus  hastifer,  namentlich 
aber  Grillen)  anlockte. 

Diese  Art  ist  außerdem  aus  Ägypten  und  Sennaar  bekannt. 
In  Ägypten  kommt  sie  neben  der  vorigen  Art  vor,  von  welcher 
sie  die  dunklen  Punkte  an  den  vorderen  Coxen  und  Schenkeln 
und  die  einfarbigen  Hinterflügel  des  9  unterscheiden. 

Außerdem  liegt  mir  noch  eine  Mioinantis-]>iy mphe  aus 
Gondokoro  vor,  welche  sich  durch  ihre  Zeichnung  auffällig 
von  den  mir  bekannten  Arten  unterscheidet.  Das  Pronotum, 
welches  hellgraubraun  ist,  besitzt  einen  schmalen,  weißen, 
medianwärts  dunkelbraun  gesäumten  Seitenrand;  das  gelbbraune 
Abdomen  ist  symmetrisch  schwarzbraun  gezeichnet.  Die  vorderen 
Femora  tragen  an  der  Außenfläche  drei  dunkelbraune  Längs- 
flecke hintereinander,  innen  aber  drei  weit  voneinander  ab- 
stehende kleine  dunkle  Punkte.  Anlagen  der  Flugorgane  fein 
dunkelpunktiert,  ebenso  die  mittleren  und  hinteren  Femora,  die 
am  Apex  außen  dunkel  gefärbt  sind. 

Ischnomantis  Stäl. 

26.  I.  attarensis  n.  sp.  (Taf.  I,  Fig.  2). 

Differt  ab  I.  spinigera  Schulth.,  cui  proxima  est,  fronte 
stramineo,  marginibus  lateralibus  pronoti  cT  etiam  pone  sulcum 
transversum  nigro  denticulis,  tibiis  anticis  subtus  etiam  basi 
spinis  armatae,  prosterno  pone  coxas  nigromaculato,  coxis 
anticis  intus  bimaculatis. 

Flavescens.  Caput  transversum,  pronotum  multo  latius. 
Oculi  valde  prominuli,  globosi,  fusco-fasciati.  Antennae  flaves- 
centes,  prothorace  breviores.  Pronotum  laeve,  subtiliter  fusco- 


Orthoptera  Blattaeformia.  241 

punctatum  margine  tota  denticulatum,  denticulis  in  parte  post- 
eriore pronoti  nigris.  Pronotum  pone  dilatationem  supracoxalem 
constrictum,  antrorsum  attenuatum,  acute  trianguläre,  margine 
anteriore  rotundato,  carina  media  a  metanoto  ad  pronotum 
currente  nigra  ante  sulcum  transversum  in  sulcum  longitudi- 
nalem  transiente.  Abdomen  supra  fuscopunctatum  et  macula- 
tum,  punctis  lineolas  longitudinales  formantibus.  Coxae  anticae 
intus  granulatae  carina  inferiore  spinulosa  (inter  duos  spinas 
maiores  duos  minores)  carina  superiore  spinis  maioribus  decem 
armatae;  femora  antica  extus  5-,  tibiae  10-spinosae.  Tibiae 
intus  rufofuscae.  Abdomen  subtus  flavum,  nigro  adspersum. 

Long,  totalis 70     mm. 

»      pronoti 20 

Lat.  »        3-7 

Long,  coxarum  anticorum .  .  11 

»      femorum 14 

»      tibiarum 6*3 

»      fem.  postic 22 

Khor  Attar,  Februar  1905,  1  9  Larve  im  dürren  Grase  ge- 
fangen. Gleicht  sehr  /.  media  Rehn  von  Gallaland,  welche  aber 
ein  kürzeres  Pronotum  besitzt  und  größere  Dimensionen 
erreicht. 

Solygia  Stäl. 

27.  S,  sulcatifrons  Serv.  (Taf.  I,  Fig.  1,  \a). 

Serville,  Orthopt,  p.  171,  I  (1839),  (Thespis). 
Stäl,  Syst.  Mant.,  p.  32,  54  (1876). 

Diese  meines  Wissens  bisher  nur  vom  Kap  bekannte  Art 
ist  im  Sudan  anscheinend  weit  verbreitet  und  fand  ich  Larven 
bei  Melut  und  Khor  Attar  am  Weißen  Nil  und  Doleib  Hill  am 
Sobat.  Eine  große  Larve,  beziehungsweise  Nymphe  von  Khor 
Attar  hielt  ich  gegen  sechs  Wochen  im  Kätig,  bis  sie  auf  der 
Heimreise  von  Gondokoro  auf  dem  Dampfer  von  Ameisen 
(Monomorium)  aufgefressen  wurde.  Sie  verzehrte  in  dieser 
Zeit  eine  große  Menge  von  Heuschrecken,  entwickelte  sich  aber 
nicht  weiter. 


242  F.  Werner, 

Von  den  Exemplaren  der  Coli.  Brunner  unterscheiden 
sich-  die  sudanesischen  nur  durch  die  lichtere  Färbung  des 
Prosternums.  Sie  leben  im  dürren  Steppengras  und  laufen  sehr 
behend.  Die  Färbung  ist  einförmig  gelblichweiß  oder  lachs- 
farbig. Mein  größtes  Exemplar  (von  Melut)  mißt  93  mm  (inklu- 
sive der  Lamina  supraanalis).  Von  den  Larven  der  Tenodera- 
Arten,  mit  denen  sie  zusammenleben  und  denen  sie  sehr  ähn- 
lich sind,  unterscheiden  sich  die  SoIygia-ho.rMen  durch  den 
breiteren  Kopf  mit  mehr  vorquellenden  Augen,  die  stark  quer- 
geriefte Stirn  und  die  lange,  gekielte  und  zugespitzte  Supra- 
analplatte  sehr  leicht. 

Kapt.  Flower  fand  ein  erwachsenes  cf  am  Blauen  Nil  im 
Juni  1906. 

28.  S,  grandis  (Sauss.). 

Saussure,  Mel.  Orth.  III,  1870,  p.  190  (Phasmomantis),  und  III,  Suppl.  1871, 

p.  424  (Fischeria). 
Werner,  Jahresb.  Württ.  Ver.  f.  Naturk.  1906,  p.  370  (Ischnomantis) . 

Diese  große,  bisher  erst  aus  Westafrika  bekannte  Mantide 
liegt  mir  in  einem  9  {\\<6mm  ohne  Lam.  supr.)  vom  Gazellen- 
fluß (leg.  Schweinfurth)  aus  dem  kgl.  Naturalienkabinett  in 
Stuttgart  vor.  Nach  der  Skulptur  der  Stirn  und  der  Form  der 
Vorderschenkel  scheint  es  mir  am  besten,  sie  in  die  Gattung 
SoJygia  zu  stellen;  von  5.  5«/ca///rows  unterscheidet  sie  sich 
durch  den  höheren  Kopf  und  die  bedeutendere  Größe. 

Es  bleiben  demnach  in  der  Gattung  Ischnomantis  von  den 
von  mir  (p.  371)  unterschiedenen  Arten  nur  drei  übrig,  die  im 
imaginalen  Zustande  bekannt  sind,  während  von  /.  media  Rehn 
und  attarensis  Wern.  nur  Larven  beschrieben  wurden. 

Die  Unterscheidung  der  obigen  drei  Arten,  welche  durch- 
wegs einen  Supracoxalstachel  besitzen,  der  demnach  als 
wesentliches  Merkmal  der  Gattung  Ischnomantis  er- 
scheint, würde  nunmehr  auf  folgende  Weise  geschehen 
können: 

1.  Kein   großer,   gelblichweißer   Fleck   vor   der   Hinterflügel- 
spitze; Kostalrand  der  Vorderflügel  hell.  .  ./.  gigas  Sauss. 
Ein  großer,  gelblichweißer  Fleck  vor  der  Spitze  des  Hinter- 
flügels, der  von  der  hyalinen  Flügelspitze  durch  einen 
großen,  braunen  Fleck  getrennt  ist 2. 


Orthoptera  Blattaeformia.  -^43 

2.  Flügel  das  Ende  des  Abdomens  überragend 

.  .  .  I.  fatiloqtia  Stäl 

Flügel  die  Hinterleibspitze  nicht  erreichend 

.  .  ./.  spiniger a  Schulth. 

Leptocola  Ger  st. 
29.  L.  giraffa  Kars  eh. 
Karsch,  Berl.  ent.  Zeitschr.  XXX,  1894,  p.  276. 
Sjöstedt,  Bih.  k.  Svenska  Vet.  Ak.  Handl.  XXV,  1,  1890,  p.  17. 
Werner,  Jahresb.  Württ.  Yer.  f.  Naturk.  1906,  p.  371. 

Ich  besitze  in  meiner  Sammlung  eine  Larve  dieser  Art  aus 
Roseires  am  Blauen  Nil.  Die  Art  ist  demnach  sowohl  in  West- 
afrika  als  im  Sudan  verbreitet;  auf  meiner  Reise  habe  ich  sie, 
das  eine  Extrem  der  afrikanischen  Mantidenformen  ebenso- 
wenig   wie    das    andere,    das    blattförmige    Idolum,    auffinden 

können. 

Das  Vorkommen  gewisser  Tierformen  in  Westafrika,  in 
der  Berberei  und  im  Sudan,  nicht  aber  in  Ägypten,  ist  höchst 
bemerkenswert.  Als  Beispiele  mögen  nur  Oxythespis  sene- 
galensis,  die  Vatiden,  Idolomorpha  unter  den  Orthopteren, 
Bitis  arietans  (Marokko),  Leptodira  hotamhoiea  (Tripolis)  unter 
den  Reptilien  hervorgehoben  werden.  Es  mag  dieses  Vor- 
kommen darauf  hinweisen,  daß  das  Gebiet  zwischen  Nordwest- 
afrika, Senegambien  und  Togo  früher  tropische  oder  sub- 
tropische Vegetation  besessen  hat  und  eine  ungehinderte  Aus- 
breitung tropischer  Formen  nach  Norden  gestattete,  während 
in  Ägypten  eine  Ausbreitung  der  Sudanfauna  nach  Norden 
infolge  der  in  Nubien  stellenweise  völlig  fehlenden  Ufervegeta- 
tion kaum  für  einige  Reptilien  (Naia  nigricollis,  DasypelHs 
scahra,  Mahtiia  quinqtietaeitiata,  Varanus  niloticus)  und 
Batrachier  (Rana  mascareniensis,  Bufo  regularis)  möglich  war. 

IV.  Harpagidae. 

Oxypila  Serv. 
30.  O.  annulata  Serv. 
Serville,  Orthopt,  p.  156,  Taf.  3,  Fig.  5. 
Burmeister,  Handb.,  II,  p.  526. 

Von  dieser  Art,  die  vom  Senegal  und  Somaliland  bekannt 
ist,   fand   ich   eine  junge  Larve   an   einem  Akazienstrunk   bei 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  KI. ;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I. 


«b 


244  F.  Werner, 

Gondokoro,  wo  auch  Elaea  Marchali  und  noch  eine  dritte 
Mantide  (Tarachina)  lebte.  Alle  drei  waren  von  der  grauen 
Rindenfärbung  der  Akazie  nicht  zu  unterscheiden  und  die 
kleine  Oxypila  wäre,  wenn  sie  sich  nicht  bewegt  hätte,  wohl 
unentdeckt  gebheben;  wie  so  viele  andere  Mantodeenlarven 
trägt  sie  das  Abdomen  nach  aufwärts  geschlagen,  dessen  grell 
weiß-schwarz  gebänderte  Unterseite  dadurch  sehr  auffällig  ist. 

31.  O.  brunneriana  Sauss. 
Saussure,  Mel.  Orth.  III,  1870,  p.  818. 

Nubien  (Saussure)  —  Nicht  gesehen. 

Pseudocreobotra  Sauss. 

32.  P.  Wahlbergi  Stäl. 

Stäl,  Öfv.  Vet.  Ak.  Förh.  1872,  p.  385. 

Sjöstedt,  Bih.  K.  Sv.  Vet.  Ak.  Handl.  Bd.  25,  Afd.  IV,  Nr.  6,  p.  19. 

Ich  beziehe  diesen  Namen  auf  eine  große  Fseiidocreobotra- 
Larve,   die  ich  im  Museum  des  Gordon-College  in  Khartoum 
sah;   sie  könnte  wohl  auch  zu  P.  amarae  Rehn  gehören,  da 
aber  obige  Art  bereits  in  Uganda  gefunden  wurde,  so  zweifle 
ich  nicht  daran,  daß  diese  Larve  hieher  gehört.    Übrigens  kann 
ich  kein  Merkmal  von  Belang  auffinden,  das  P.  amarae  von 
P.  Wahlbergi  zu  unterscheiden  gestatten  würde;  die  Beschrei- 
bung Rehn's   eines  9   ersterer  Art  von  Somaliland  paßt  voll- 
kommen auf  ein  wahllos  meiner  Sammlung  entnommenes  9 
von  Nairobi,  Britisch-Ostafrika,  und  die  Angabe,  daß  P.  amarae 
(mit  33 ;^w Totallänge)  größer  sei  als  die  gemeine  ostafrikanische 
Art,  ist  vollkommen  irrig,  da  diese  wenigstens  40  mm  lang  wird. 
Ich  glaube  also  berechtigt  zu  sein,  trotz  kleiner  Unterschiede 
(Rehn  bezeichnet  das  Labrum  von  P.  amarae  als  gekielt  und 
die  Vordercoxen  als   »finely  scabrous«,  was  für  die  mir  vor- 
liegenden   Exemplare    von    P.    Wahlbergi    nicht    zutrifft)    die 
Somaliart  mit  der  gewöhnlichen  ostafrikanischen  zusammen- 
zuziehen. 


Orthoptera  Blattaeformia.  ^4o 

Pseudoharpax  Sauss, 

33.  P.  virescens  (Serv.). 

Serville,  Orthopt.,  p.  162,  Taf.  III,  Fig.  7  ((f). 

Saussure,  Mel.  Orth.  III,   1870,  p.  298,  Fig.  48,   48«.    Analecta  Orthopt.  I, 

p.  211. 

Larven  dieser  Art  fand  ich  auf  niedrigen,  krautigen 
Pflanzen  im  Sumpfe  gegenüber  Khor  Attar,  Februar  1905,  und 
bei  Mongalla  (gleichfalls  im  Sumpfland),  März  1905.  Sie  waren 
durchwegs  noch  recht  jung,  aber  wohl  erkennbar.  Es  ist  dieses 
die  einzige  Mantide,  die  ich  auf  sumpfigem  Boden  angetroffen 
habe. 

Auch  am  Senegal  und  im  Somaliland  sowie  nach  Saus- 
sure auch  in  Abessynien. 

V.  Vatidae. 
Stenovates   Sauss. 

34.  S.  pantherina  Sauss. 

Saussure,  Mel.  Orth.,  IV,  1872,  p.  84,  Fig.  31. 
Werner,  Jahresh.  Wüftt.  Ver.  f.  Naturk.  1906,  p.  376. 

Diese  schöne  Art,  welche  ich  nicht  selbst  gefunden  habe, 
scheint  auf  den  Sudan  beschränkt  zu  sein.  Das  Wiener  Hof- 
museum besitzt  sie  vom  Weißen  Nil  (leg.  Hansal,  Marno, 
Typen)  und  ich  habe  eines  von  Roseires  am  Blauen  Nil  in 
meiner  Sammlung. 

Popa  Stäl. 

35.  P.  undata  (Fabr.). 

Serville,  Orthopt.,  p.  152  (9). 
Bates,  P.  Z.  S.  London  1863,  p.  473. 
Saussure,  Mel.  Orth.  IV,  1872,  p.  79. 

Diese  Art,  welche  durch  Schulthess  bereits  aus  Galla- 
land bekannt  geworden  ist,  fand  ich  in  einem  einzigen  Exem- 
plare, einer  ganz  jungen  Larve  bei  Gondokoro  (11.  März  1905) 

im  Grase. 

Danuria  Stäl. 

36.  D.  impannosa  Karsch, 
Karsch,  Ent.  Nachr.  XV,  1889,  p.  273,  274. 

Die  von  Hartmann  in  Nubien  (Gebal  Fung)  gefundene 
und  durch  das  Fehlen  von  Läppchen  an  der  Unterseite  der 
Mittelschenkel  von  allen  bisher  bekannten  Danuria-Arten  (mit 

17* 


246 


F.  Werner, 


Ausnahme  der  D.  gracilis  Schulth.,  die  aber  kleiner  ist),  leicht 
unterscheidbare  Art  ist  in  einem  9  Exemplare  von  10  cm  Total- 
länge im  Museum  des  Gordon-College  in  Khartoum  vertreten, 
leider  ohne  genauere  Fundortsangabe. 

37.  D.  Schweinfurthi  n.  sp. 

Speciei  praecedenti  peraffinis  sed  coxis  anticis  intus  tantum 
parte  apicali  dilatata  atro-bifasciata  (in  D.  i.  per  totam  longi- 
tudinem  fasciatis),  elytris  campo  costali  flavescente,  medio 
macula  hyalina  deficiente  pedibus  distincte  brevioribus,  denti- 
culatione  laterali  pronoti  minus  distincta  facile  distinguenda.  — 
9  vom  Gazellenfluß  (leg,  Schweinfurth)  im  Nat.  Kab.  Stutt- 
gart. 

D.  impannosa      D.  Schweinfurthi 

Long,  tot 100  97 

Pronot.  long 32-5  22-5 

lat 6-3  4-5 

Elytrae 19-5            .      16-5 

Alae ?  11 

Cox.  ant 20  16 

Fem.  ant. 26  19-5 

Tib.  ant 10  9 

Tars.  ant ?  g 

Fem.  interm 22  17 

Tib.  interm 19  13 

Bei  den  Typen  der  D.  impannosa  im  Mus.  Berlin  (103, 
beziehungsweise  94-5  mm  lang)  sind  die  Tibien  der  Mittel- 
beine 19 '5,  beziehungsweise  18-5,  die  Femora  21-5,  beziehungs- 
weise 20mm  lang   (nach  frdl.  Mitt.  von  Herrn  Dr.  Kuhlgatz). 

38.  D.  bolauana  Sauss. 
Karsch,  Ent.  Nachr.  XV,  1889,  p.  274. 

Saussure,  Bull.  Suisse,  III,  1869,  p.  70;   Mel.  Orth.  III,  1870,  p.  310. 
Gerstäcker,  Arch.  Naturg.,  XXXV,   p.  210  (1S69);    v.    d.  Decken's   Reisen 
in  Ostafrika,  Ins.  p.  15,  Taf.  I,  Fig.  7,  7a,  b  (1873)  (Mantis  supercilians). 

Ich  fand  eine  einzige  9  Larve  dieser  in  Ost-  und  Südafrika 
verbreiteten  Art,  welche  sich  durch  die  erweiterten  Mittel- 
schienen des  9  von  allen  übrigen  Damtriae  unterscheidet  und 


Orthoptera  Blattaefonnia.  247 

darin  mit  der  westafrikanischen  Macrodanutia  phasmoides 
Sjöst.  übereinstinnmt.  Die  Art  zu  Macrodamtria  zu  stellen, 
wie  dies  Kirby  in  seinem  Katalog  tut,  halte  ich  jedoch  für  zu 
weit  gegangen. 

Das  Tier  wurde  bei  Gondokoro  am  10.  März  1905  beim 
Streifen  im  Grase  gefunden  und  glich  sehr  einem  abgefallenen 
Ästchen. 

VI.  Empusidae. 

Empusa  Illig. 

39.  E.  Hedenborgi  Stäl. 

Stäl,  Öfv.  k.  Vet.  Ak.  Förh.  IV,  Bihang,  p.  77. 

Diese  Art,  welche  vom  Weißen  Nil  stammen  soll,  habe  ich 
nirgends  gefunden. 

40.  E.  Stolli  Sauss. 
Saussure,  Mel.  Orth.  III,  1870,  p.  336. 

Ambukol,  Dongola  (Ehrenberg). 

Ich  lasse  es  dahingestellt,  ob  diese  Art  nicht  mit  E.  penni- 
cornis  Fall,  identisch  ist;  mit  E.  egena  Charp.,  wie  Kirby 
meint,  hat  sie  aber  nichts  zu  tun,  denn  der  Stirnfortsatz  des  cf 
ist  zwar  fein  zweispitzig,  aber  ganz  anders  als  beim  <J  (bei 
egena  in  beiden  Geschlechtern  gleich). 

Idolomorpha  Burm. 

41.  I.  dentifrons  Sauss. 

Saussure,  in  Grandidier,  Hist.  Madagascar,  Orthopteres,  part  I,  p.  244. 

Nur  Larven  gefunden,  und  zwar  bei  Khor  Attar  (12.  Februar), 
Mongalla  (2.  März)  und  Gondokoro  (11.  März). 

Blepharis  Serv.  (Blepharopsis  Rehn). 

42.  B.  mendica  Fabr. 

Saussure,  Mel.  Orth.  III,  p.  329. 
Fi  not,  Faune  de  l'Algerie,  p.  109. 
Werner,  Orth.  Ägypt.,  p.  412. 

Diese  häufige,  nordafrikanische  Art  wurde  von  Dr.  P.  Kam- 
merer bei  Kawa  am  unteren  Weißen  Nil  gefunden;  auch 
Hedenborg  fand  sie  daselbst  schon.  \m  tropischen  Teile  des 
Sudan  fehlt  sie  augenscheinlich. 


248 


F.  Werner, 


Blepharodes  Bol. 

43.  B.  cornutus  (Schulth.). 

Schulthess,  Zool.  Jahrb.    Syst.  1893,  VIII,  p.  72,  Taf.  IV,  Fig.  1,  und  Ann. 

Mus.  Genova,  Serie  2a,  Vol.  XIX  (XXXIX),  1898,  p.  181  (Blepharis). 
Rehn,  Proc.  Ac.  Philadelphia  1901,  p.  288  (Blepharis). 
Kirby,  Synonym.  Cat.  Orthopt.,  I,  p.  315  (Blepharodes). 

Diese  erst  einmal  im  Sudan  gefangene  Art  (Sennaar,  Mus. 
Wien)  ist  seither  im  Somaliland  (Ogadeen,  Ganana)  und  Galla- 
land (Laga)  gefunden  worden. 

44.  B.  sudanensis  n.  sp. 

Verticis  processus  apice  haud  depressus,  breviter,  sed 
acute  bispinosus.  Antennae  {^)  apicem  processus  valde  super- 
antes.  Oculi  rotundati.  Pronotum  elongatum,  haud  fossulatum, 
margin ibus  grosse  spinosis,  a  dilatatione  humerali  antrprsum 
sensim  attennatum,  antice  rotundatum,  pone  dilatationem  lateri- 
bus  parallelis,  margine  posteriore  rotundato.  Elytra  et  alae 
apicem  abdominis  valde  superantia;  segmenta  abdominis 
lateraliter  vix  dentata. 

Olivaceus.  Pronotum  pallide  marginatum,  obscuriore  viridi- 
punctatum.  Elytra  et  alae  margine  antico  punctis  atrofuscis 
ornatae,  illa  inter  venas  transversas  viride  fasciatopunctata. 

Coxae  anticae  extus  viride  trimaculatae,  intus  parte  majore 
basali  atropurpureae,  granulis  albidis  sparsis,  parte  prinori 
apicali  viridescentes,  trochanterem  versus  nigrae;  Femora 
antica  intus  nigro-trimaculatae  (macula  basali,  mediana  prope 
spinam  longam  discoidalem,  apicali  inconspicua);  extus  in- 
distincte  viride  maculata  d". 

Weißer  Nil  (Coli.  Mus.  Khartoum,  Gordon  College). 

Diese  interessante  Art  steht  wie  B.  candelarius  Bol.  von 
Mogadixo  der  vorigen  Art  sehr  nahe,  beziehungsweise  zwischen 
dieser  und  Blepharis  meiidica  Fabr.,  B.  cornuta  und  Blepha- 
rodes entbehren  der  Läppchen  an  den  Mittel-  und  Hinterbeinen; 
sie  verhalten  sich  zu  Blepharis  mendica  wie  Idolomorpha  zu 
Empusa.  Ich  möchte  daher  lieber  B.  cornuta  aus  der  Gattung 
Blepharis  entfernen  und  zu  Blepharodes  stellen,  wie  dies  Kirby 
bereits  angeregt  hat. 


OrtkopUra  Blatiaeformia. 


249 


Die  Dimensionen  der  vier  bekannten  Arten  dieser  Gruppe 
sind  wie  folgt: 


BT.  sudanensis 


Long,  capitis  (c.  proc.) 7 

»       pronoti 14 

Lat.           »         6 

Long,  elytrorum 44 

Lat.            »           8 

Long.  fem.  ant 12 

»    post 14 

»      total 55 


0  mm 

0 

4 

7 

0 

6 

0 

0 


Bl.  cornuta 


pronoti 


Bl.  canddarius 

12-0 
9-0 

18-0 

6-0 

8-5 
12-0 


Bl.  niendica 


?        9  9       cf 

Long,  capitis  (c. proc.)  7-6       8*1       8*1       4 


...   9-1  10-5  10-0  8-5 

Lat.           »       5  6-9       6-3  4-6 

Long,  elytrorum....  18-0  17-8  19-7  30-0 

Lat.             »          —  —         —  — 

Long.  fem.  ant 8-2  10-5       —  — 

»          »     post • — •  • —         — 

»      total 31-0  38-5  38-0  ? 


Idolum  Sauss. 
45.  I.  diabolicum  Sauss. 

Saussure,  Bull.  ent.  Suisse,   III,  1869,   p.  223  (?),  und  Mel.  Orth.  III,  1870, 

p.  331,  Taf.  V,  Fig.  36,  36a  (?). 
Westwood,  Rev.  Mant.,  p.  26,  Taf.  V,  Fig.  1  (cf). 
Sharp,  Proc.  Cambridge  Nat.  Hist.  X,  p.  179,  Taf.  2  (1899). 
Shelford,  Zoologist  (4),  VIT,  p.  298  (1903)  (diahroHctim) . 

Diese  wunderbare  Mantide  habe  ich  leider  im  Sudan  ver- 
gebens gesucht.  Sie  ist  aber  nicht  nur  am  Weißen  Nil  (West- 
wood), am  Blauen  Nil  (Roseires,  Coli.  M.)  und  am  Bahr-el-Gebel 
(Mongalla,  nach  Mitteilung  von  Herrn  Kapt.  Jeffcoat  daselbst) 


250 


F.  Werner, 


ZU  Hause,  sondern  auch  weit  nach  Westen  verbreitet  (Wadai, 
leg.  Marno,  in  Coli.  Mus.  Vindob.)  und  findet  sich  außerdem  in 
ganz  Britisch-  und  Deutsch-Ostafrika. 


Verzeichnis  der  bisher  aus  Nordostafrika  ^  bekannten 

Mantodeen. 

I.  Amorphoscelidae. 

1.  Paramorphoscelis  Wern.  1907. 

* P.  gondokorensisV^ ern.  1907.         Gondokoro. 

IL  Orthoderidae. 

2.  Eremiaphila  Lef.  1835.^ 

E.  Typhon  Lef.  1835.  Ägypten  (Syrien,  Arabien). 

E.  Klunzingeri  Wern.  1906.^  Kosseir,  Ägypten. 

*E.  cordofana  Wern.  1907.  Kordofan. 

£.  Z,w;t:on  L  e  f.  1 835.  Ägypten. 

E.  Audouini  Lef,  1835.  Ägypten. 

E.  Cerisyi  Lef.  1835.  Ägypten  (Sinaihalbinsel, 

Arabien). 

E.  Genei  Lef.   1835.  Ägypten. 

E.  Zetterstedti  Lef.  1835.  Ägypten. 

E.  Bovei  Lef.  1835.  Ägypten. 

E.  deiitata  Sauss.  1870.  Ägypten  oder  Nubien. 

E.  Khamsin  Lef.  1835.  Ägypten. 

E.  Hralili  Lef.  1835.  Ägypten. 


1  Als  Nordostafrika  ist  hier  das  Gebiet  zwischen  dem  30.  Grad  ö.  L.  und 
dem  Äquator,  also  Ägypten,  der  ägyptische  Sudan,  Äbessynien,  Somali-  und 
Gallaland  sowie  Nord-Uganda  aufgefaßt.  Das  Sternchen  (*)  vor  dem  Spezies- 
namen bedeutet,  daß  die  Art  im  Sudan  vorkommt  und  vorn  genannt  ist. 

2  Siehe  Werner,  Orthopterenfauna  Ägyptens,  in:  Sitzungsber.  Akad. 
Wiss.  Wien,  CXIV,  I,  1905. 

3  Beschrieben  nach  einem  9  von  Kosseir  im  Stuttgarter  Naturalien- 
kabinett (leg.  Klunzinger).   (Jahresh.  Württ.  Ver.  f.  Natk.  1906,  p.  361). 


Orthoptera  Blattaeformia. 


251 


E.  Atmhis  Lef.  1835. 
E.  hrevipennis  Sauss.  1870. 
E.  somalica  Rehn  (=:  larahica 
Sauss.). 


Ägypten. 

Ägypten. 

Somaliland   (Webital,    Oga- 
deen,     Obbia,     Haud), 
Djeddah,    Afghanistan. 


3.  Centromantis  Wern.  1905.^ 

*  C.  Hedenborgi  (S  t  ä  1)  1871. 
C.  keluanensis  Wern.    1905 

[Eremiaphila  lihyca    Wern. 

1905  (9)]. 
C.  Savignyi  Lef.  1835. 
C.  hehraica  Lef.  1835. 
C.  pyramidtim  Wern.  1905. 


Bahr-el-Abiad;  Chartum. 


Ägypten. 
Ägypten. 
Ägypten. 
Ägypten. 


4.  Heteronytarsus  Lef  1835.^ 
H.  aegyptiactis  Lef  1835.  Ägypten. 


5.  Elaea  Stäl,  1876. 

' E.  Marchali  (R  e  i  c  h  e  et  F a  i  r m.), 

1847. 
Saussure,      Mel.     Orth.     III, 

p.  169,  Fig.  4,  4  a  (Humher- 

tiella  perloides). 
Schulthess,  Zool.  Jahrb. Syst. 

VIII,  1895,  p.  70  (perloides). 
Schulthess,   Ann.  iMus.   Ge- 

nova,    XIX,     1898,     p.    170 

(somalica). 
Rehn,     P.    Ac.   Philad.    1901, 

p.  280  (somalica). 


Senegal,   Abessynien,    Ery- 
thraea,     Ogadeen,     Ueb, 
Bela,  Dolo,  Obbia,  Selon, 
Lafarugh,    Somaliland, 
Fertza,  Gallaland. 


1    Siehe   Werner,   Orthopterenfauna  Ägyptens,    in:    Sitzungsber.   Akad. 
Wiss.  Wien,  CXIV,  I,  1905. 


252 


F.  We  r  n  e  r, 


6.  Tarachodes  Burm.  1838. 

*T.gilva  (Charp.). 

Burr,  P.  Z.  S.  1900,  p.  37. 

*T.  obUisiceps  Stäl.  1871. 

[?T.  dives   Burr,   P.   Z.   S.  1900, 

p.  37.] 
^r.  wawra  Stäl.  1856. 

T.  aeshtans  Sauss. 

T.  modestior  S  c  h  u  1 1  h.    1 898. 
[T.  modesta  Schulth.  nee  Ger  st. 
T.  Sdmlthessi  Rehn.    1901.] 
T.  media  Schulth.    1898. 

T.  Smithii  Rehn.    1901. 

T.  paiitherina  Ger  st    1869. 

7.  Galepsus  Stäl.  1876. 
*L.  capitaUis  Sauss.  1870. 

*L.  lenticularis  Sauss.  1872. 

8.  Tarachina  Wern.   1907. 
*T.  rhaphidioides  Wern.   1907. 


Sennaar;  Westsomaliland 
(Nordwesthaud,  Abriordi 
Garodi). 

Sennaar,  Weißer  Nil;  Bogos; 
Meid,  Somaliland. 

Bongoland  (Ost-,  Süd-  und 
Südwestafrika). 

Laffarugh,  Ogadeen,  Somali- 
land. 

Ogadeen,  Dolo  (Somaliland), 
Sheikh  Hussein  (Galla- 
land). 

Daua,    Hauacio,   Afuene, 
Errer  (Somaliland). 

Tug  Terfa  und  Tug  Berka, 
Nordsomaliland. 

Daua,  Somaliland,  Schoa, 
Deutsch-Ostafrika. 


Sudan    bis    Deutsch-Ost- 
afrika. 

Blauer    Nil,      Gazellenfluß, 
Natal,  Transvaal. 


Gondokoro. 


9.  Pyrgomantis  Gerst. 
*P.  septeiitrionalis  Wern.  1907. 

*P.  singularis  Gerst.  1869. 

*P.  mahnia  Wern.  1907. 


Mongalla  und  Gondokoro, 
(Bahr-el-Gebel). 

Ebenda  bis  Deutsch-Ost- 
afrika und  Südafrika. 

Gondokoro  (Bahr-el-Gebel). 


Orthoptera  Blattaeformia. 


253 


10.  Charieis  Burr.  1900. 

Ch.  Peeli  Burr.  1900. 

Burr,  Proc.  Zool.  Soc.  London,     Westsomaliland  (Nordwest- 
p.  36,  37.  T.  II,  Fig.  4.  haud,  Abriordi  Garodi). 


III.  Mantidae. 


11.  Ligaria  Stäl 


L.  producta  Rehn.  1901. 
Rehn,  P.  Ac.  Philad.  1901, 
p.  281. 


Sheikh  Hussein,    Gallaland. 


12.  Nilomantis  Wem.  1907. 
*A^.  Floweri  Wern.  1907. 

13.  Sphaeromantis  Schulth.  1 

S.  spinulosa  Schulth.  1898. 
Schulthess,  Ann.  Mus.   Ge- 
nova,    Serie    2%    Vol.   XIX, 
p.  14,  15. 

14.  Tenodera  Burm. 

*T.  hevhacea  Serv.  1839. 

*r.  stiperstitiosa  Fabr.  1781. 


Sennaar. 


Obbia,  Somaliland, 


Senegal,  Goldküste,  Ogowe, 
Sudan,  Deutsch-Ostafrika. 
Trop.  Afrika  und  Asien. 


15.  Polyspilota  Burm. 

P.  Saussurii  Bormans.  1880.  Schoa  (Let-iMarafia). 

Bormans,  Ann.  Mus.  Genova, 
XVI,  p.  209. 

16.  Sphodromantis  Stäl. 

5.  Rudolphae  Rehn.  1901.  Rudolfsee,  Westgallaland. 

Rehn,    P.    Ac.    Philad.     1901, 
p.  282  (Sphodropoda). 


254 


F.  Werner, 


*5.  hioculata  Burm.  1838. 

S  c  h  u  1 1 h  e  s  s,  Zool.  Jahrb.  Syst. 

VIII,  1895,   p.  70,   und  Ann. 

Mus.  Genova,    1898,  p.  175. 
Rehn,    P.    Ac.    Philad.     1901, 

p.  284. 
Bor m ans,  Ann.  Mus.  Genova, 

XVI,  1880,  p.  208. 
*S.gastrica  Stäl.  1872, 
Schulthess,  1.  c,  p.  175. 

17.  Mantis  L. 

*M.  religiosa  L. 

Schulthess,  Zool.  Jahrb.  Syst. 
VIII,  1895,  p.  70. 


M.  Sacra  Thunbg.  1815. 

Rehn,  P.  Ac.  Philad.  1901, 
p.  284. 

Schulthess,  Ann.  Mus.  Ge- 
nova, 1898,  p.  175. 

18.  Oxythespis  Sauss.  1870. 
*0.  senegaleiisis  Sauss.  1870. 

Schulthess,  Zool.  Jahrb.  Syst. 
VIII,  1895,  p.  70. 

19.  Thespis,  Serv.  1839.  ^ 
Th.  Bormantiella  Sauss.  1880. 

In:  Bormans,  Ann.  Mus.  Ge- 
nova, XVI,  p.  210. 


Südspanien,Nord-,  West-  und 

Ostafrika,  Syrien. 
Nubien,    Obbia,    Ogadeen, 

Somaliland ;      Sheikh 

Hussein,    Gallaland,    Let- 

Marefia,  Schoa. 


Ost-  und  Südafrika. 
Sudan,    Mogadixo,    Gubala 
Ginda  (Somaliland). 

Mittel-  und  Südeuropa, 
Afrika,  Asien,  in  Ostafrika, 
Ägypten  (siehe  Werner, 
Orthopt.  Ägypt.),  Sudan; 
Ogadeen,Webital,  Somali- 
land. 

Sheikh  Hussein,  Gallaland. 
Obbia,  Somaliland. 


Sudan,    Uganda,    Ogadeen, 
Somaliland,  Senegal, 
Tunis. 


Mahal  Uonz,  Argu  Agher, 
Hochebene  von  Licca, 
Let-Marefia  (Schoa). 


1  In  dem  Genus  Thespis  sind  von  verschiedenen  Autoren  die  hetero- 
gensten Formen  untergebracht  worden;  es  sollte  aber  auf  die  neotropischen 
Formen,  die  Serville  später  Angela  benannt  hat,  beschränkt  werden.  Die 
obige  Art  gehört  meines  Erachtens  sicher  nicht  hieher,  eher  zu  Nüomantis 
Wern.,  doch  läßt  sich  dies  nur  durch  Autopsie  feststellen. 


Orthoptera  Blattaeformia. 


255 


20.  Hoplocorypha  Stäl.    1871. 

*H.galeata  (Ger st.)  1869. 

Schulthess,    Ann.   Mus.  Ge- 
nova,  1898,  p.  175. 


Sudan,    Uganda,    Ogadeen, 
Somaliland  und  anschei- 
nend   im    ganzen    tropi- 
schen   und    südlichen 
Afrika. 

Arussi  Galla,  Ganale  Guddu, 
Aimola,  Gallaland. 


Darogebirge,  zwischen 
Ginea    und    Tulu,    Galla- 
land, Kaka  (Schoa). 


H.  bottegi  Sau  SS.  1895. 

Saussure,  Ann.  Mus.  Genova, 

XXXV,  p.  91. 
Rehn,    P.    Ac.   Philad.     1901, 

p.  284. 
H.  rapax  Borm.  1881. 

Bormans,  Ann.  Mus.  Genova, 

XVI,  p.  211. 
Rehn,    P.    Ac.    Philad.     1901, 

p.  284. 


21.  Calamothespis  Wern.  1906. 

*C.  aditstaWevn.  1906.  Mongalla  (Bahr-el-Gebel). 

22.  Compsothespis  Sauss.  1872. 

C.faicifera  Rehn.   1901.  Dardefluß,     Raia    Wacheli, 


Rehn,    P.    Ac.    Philad.     1901, 
p.  280. 


Ostgallaland. 


23.  Miomantis  Sauss. 

*M.  Savignyi  Sauss.   1872. 
Saussure,    Analecta    Ent.    I, 
p.  190. 
*M.  pliaraonica  Sauss.  li 
Saussure,  1.  c,  p.  193. 
M.fenestrata  (Fabr.)  1781. 
Rehn,    P.    Ac.    Philad. 
p.  284. 


1901, 


Ägypten,  Sennaar. 


Ägypten,  Sennaar,  Bahr-el- 
Gebel. 

Luku,  Hauacio,  Gallaland; 
Milmil  (Somaliland),  Nord- 
westhaud,  Abriordi  Garodi 
(Westsomaliland). 


256 


F.  Werner, 


M.  meueliki  Bor m.  1880.  Let-Marefia,  Schoa. 

Bormans,  Ann.  Mus.  Genova, 
XVI,  1880,  p.  209,  Fig. 

24.  Parasphendale  Schulth.  1898. 
P.  minor  Schulth.  1898. 

Schulthess,    Ann.  Mus.  Ge-  Ueb,  Ogadeen,  Biduarra, 

nova,  XIX,  p.  177.  Errer,     Sheikh    Hussein 

Rehn,     P.   Ac.    Philad.     1901,  und  Tulu,  Gallaland, 
p.  285. 

25.  Ischnomantis  Stäl.  1871. 
/.  spmigera  Schulth.   1898.^ 

Schulthess,   Ann.   Mus.  Ge-  Coromma,  Somaliland,  Brit. 

nova,  XIX,  p.  176.  Ostafrika. 
/.  media  Rehn.  1901. 

Rehn,    P.    Ac.    Philad.     1901,  Somaliland, 
p.  284. 

*I.  attarensis  Wern.  1906.  Khor  Attar,  Sudan. 

26.  Eremoplana  Stäl.  1871. 

E.  Gnerini  (Reiche  et  Fairm.).     Abessynien,   Webital, 
1847.  Somaliland. 

27.  Solygia  Stäl.   1876. 

*S.  snlcatifrons  (Serv.)  1839. 
*S.grandis  (Sauss.)  1870. 

28.  Leptocola  Gerst.  1883. 
*L.  giraffa  KsiV seh.   1894. 

29.  Paraoxyophthalmus  W.  Mason.   1; 

*P.  collaris  (Sauss.)  1872.  Sennaar,  Bodele  Tug  Terfa, 

Rehn,    P.    Ac.    Philad.     1901,         Somaliland, 
p.  286   (O.  gracila). 


Kapkolonie,  Sudan. 
Kamerun,  Gazellenfluß. 


Sudan,  Algerien,  Westafrika. 


1  Wie  mir  Herr  Prof.  Sjöstedt  freundlichst  mitteilte,  besitzt  auch 
I.  fatiloqtia  Stäl  einen  schwarzen  Supracoxaldorn;  die  beiden  Arten  sind  ein- 
ander überaus  ähnlich,  wie  ich  aus  einer  Zeichnung  der  Type  von  fatiloqua 
ersehe,  die  ich  Herrn  Axel  Ekblom  verdanke. 


Orthoptera  Blattaeforniia. 


257 


IV.  Harpagidae. 

30.  Oxypila  Serv.    1831. 

*0.  amiulata  Serv.  1831. 

Rehn,    P.   Ac.    Philad.     1901,  Sheikh  Hussein  und  Dabuli, 

p.  286.  Gallaland ;  Lugh,  Somali- 

Schulthess,   Ann.  Mus.  Ge-  land;  Gondokoro, Uganda, 
nova.  1898,  p.  178. 

*0.  brunneriana  Sauss.  1870.  Nubien. 

31.  Oxypiloidea  Schulth.  1898. 

0.  Johata  Schulth.  1898. 

Schul thess,    Ann.  Mus.  Ge-     Banas,  Somaliland, 
nova.    XIX,    p.  179,    Taf.  II, 
Fig.  4,  4fl. 

32.  Pseudocreobotra  Sauss.  1870. 

*P.  Wahlhergi  Stäl.    1876.  Süd-  und  Ostafrika;  Sudan. 

Rehn,    P.    Ac.    Philad.     1901,     Amara,  Westgallaland, 
p.  286  (amarae). 

33.  Pseudoharpax  Sauss.    1870. 

*P.  vir escens  {Serv)  l^?»"^.  Sudan,    Sheikh    Hussein, 

Rehn,     P.    Ac.    Philad.     1901,         Gallaland,    Ogadeen, 

p_  287.  Somaliland,Senegambien. 

Schulthess,    Ann.   Mus.  Ge- 
nova.  1898,  p.  180. 

V.  Vatidae. 

34.  Stenovates  Sauss.  1872» 
*S.  pantherina  Sauss.   1 872. 

35.  Popa  Stäl.  1857. 
*P.  imdata  (Fabr.)  1793. 

Rehn,    P.    Ac.    Philad.     1901, 

p.  287. 
Schulthess,  Ann.   Mus.   Ge- 

nova.  1898,  p.  180. 


Sudan. 


Uganda,  Sheikh  Hussein, 
(Gallaland)  Tug  Lomo 
zwischen  Milmil  und  Ro- 
dele (Somaliland),  Milmil, 
Hauacio,  Jamado  (Somali- 
land), Nordwesthaud, 
Abriordi  Garodi  (West- 
somaliland). 


258 


F.  Werner, 


36.  Danuria  Stäl.  1857. 

*D.  impatinosa  Karsch.  1889.  Sudan. 

*D.  Schweinßirthi  Wem.  1907.  Gazellenfluß. 

D.  gracilis  Schulth.   1898. 

Schulthess,    Ann.   Mus.   Ge-  Balessa,  Somaliland, 
nova.    XIX,    p.  180   (Popa). 

*D.  bolauana  Sauss.  1869.  Gondokoro,      Deutsch-Ost- 
afrika. 


VI.  Empusidae 

37.  Empusa  111  ig.  1789. 
E.  egena  Charp.  1841. 


Rehn,    P.    Ac.    Philad.     1901, 
p.  288. 
*E.  StolU  Sauss. 
*E.  Hedenbor gi  Stäl. 

38.  Idolomorpha  Burm.   1838. 

*/.  dentifroiis  Sauss.  1895. 
Schulthess,  Ann.   Mus.   Ge- 

nova.  1898,  p.  181. 
Rehn,    P.    Ac.    Philad.     1901, 
p.  288. 


Ägypten,    Laga,    Gallaland, 
(Algerien,  Kleinasien, 
Syrien,    Südwesteuropa). 

Nubien,  Ägypten, 
Bahr-el-Abiad. 


Sudan;  Uganda;  Darogebirge 
zwischen  Ginea  und  Tulu, 
Gallaland;  Ogadeen, Dolo, 
Somaliland. 


Mogadixo,  Somaliland. 


Sudan  (Weißer  Nil). 


39.  Blepharodes  Bolivar.   1893. 

B.  candelarms  Bol.  1893. 

Ann.  Soc.  Esp.  Hist.  Nat.  XIX, 
p.  306. 
*B.  sudanensis  Wem.  1907. 
*.ß.  cornuhis  Schulth.  1895. 

Schulthess,  Zool.  Jahrb.  Syst.     Sennaar,  Somali-  und  Galla- 
VIII,  p.  72,  und   Ann.    Mus.         land. 
Genova.  XIX,   1898,   p.  181. 
Rehn,    P.    Ac.    Philad.     1901, 
p.  288. 


Otihoptera  Blailaeformia.  ^^^ 

40.  Blepharis  Serv.  1839. 

*B.  mendica  Fabr.  Nordafrika,  Canaren,  Syrien, 

Bormans,  Ann.  Mus.  Genova.         Ägypten  (siehe  Werner, 
XVI,  1880,  p.  213.  Orth.    Ägypt.),    Mahal 

Uonz,  Schoa,  Nubien. 

41.  Idolum  Sauss.  1869. 

*/.  diaholiatm  Sauss.  1869.  Weißer     und     Blauer    Nil, 

Uganda,       Deutsch -Ost- 
afrika, Wadai. 


Dispositio  Mantodeorum  sudanensium. 

1.  Tibiae  anticae  subtus  margine  externo  inermi 

.  .  .  Paramorphoscelis  gondokorensis_ 
Tibiae  anticae  subtus  margine  externo  spinulosa 2. 

2.  Femora  antica  subtus,  margine  interno  spinis  aequaUbus 
vel   spinis   tantum   alternis   minoribus,   armata.    Antennae 

marium  simplices 3. 

Femora  antica  subtus,  margine  interno  inter  spinas  lon- 

giores  spinis  brevioribus,  typice  tribus  armata.  An- 
tennae marium  bipectinatae  (vertex  in  conum  pro- 
ductus) 35. 

3.  Pedes  vel  corpus  non  appendiculata 4. 

Pedes  vel   corpus   appendiculata   (in   Danuria  impannosa 

et  Schweinfurthi  tantum,  inermia;  haec  species  coxis 
anticis  basi  dilatatis  facile  distinguendae  sunt)  ...  30. 

4.  Pronotum  parum  longius  quam  latius  aut  aeque  longum 

ac  latum '^• 

Pronotum  dimidio  longius  quam  latius  aut  etiam  longius      7. 

5.  Pronotum  fere  quadratum;  elytra  et  alae  in  utroque  sexu 
abbreviatae;  coxae  anticae  subtus  (intus)  obscurae.  .  .  8. 
Pronotum  postice  angustatum;  elytra  et  alae  maris  perfecte 

explicatae,  abdominis  apicem  superantia;  coxae  an- 
ticae subtus  (intus)  haud  obscurae .  .  Elaea  Marchali. 

6.  Coxae  et  femora  antica  intus  (subtus)  fuscae;  femora 
antica  maris  margine  externo  apicem  versus  spinis  tribus 
validioribus  armata Centromantis  Hedenborgi. 

Sitzb.  d.  mathem.-naturvv.  Kl. ;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  ^^ 


260 


F.  Werner, 


Coxae  anticae  tantum  intus  (subtus)  macula  nigra  ornatae; 
femora  antica  maris  spinis  validioribus  nullis  .... 

.  .  .EremiaphiJa  cordofana. 

7.  Pronotum  supra  insertionem  coxarum  parum  aut  no't  dila- 

tatum o 

Pronotum     supra    insertionem     coxarum    distincte     dila- 


tatum 


15. 


8.  Vertex  haud  triangulariter  productus 9. 

Vertex  triangulariter  productus;  pedes  breves 

.  .  .  (Pyrgomantis)  13. 

9.  Pronotum  distincte  carinatum,  occiput  convexum  (pedes 
antici  intus  nigri;  femina  aptera)  Tarackina  rhaphidioiäes. 
Pronotum  haud  carinatum;  occiput  parum  convexum  aut 

planiusculum;  femina  elytris  et  alis  abbreviatis  .  . 

.  .  .(Taradiodes)  10. 

10.  Pronotum  duplo  haud  multum  longius  quam  latius  (alae 

maculatae) ( j,  s.  str.)  11. 

Pronotum    triplo    longius    quam    latius    (alae    unicolores) 

.  .  .(T.  subg.  GaJepsus)  12. 
Coxae  anticae  intus  flavescentes;  femora  antica  nigrolineata, 

Vertex  summo  parum  convexo U. 

Coxae  et  femora  antica  intus  nigra;  vertex  distincte  trun- 

^^^'^^ T.  maura. 

11.  Species  ochracea,  pedibus  crassioribus T.  gilva. 

Species  grisea  aut  fusca,  pedibus  gracilioribus 

.  .  .T.  ohtusiceps. 

12.  Vertex  convexus,  utrinque  incisus;  coxae  anticae  nigrae 

.  .  .T.  (G.)  lenticularis. 
Vertex  distincte  truncatus,  coxae  anticae  concolores.  . 

.  .  .T.  (G.)  capitaius. 

13.  Processus  capitis  acute  triangularis  subtus  haud  carinatus 
apice   nigromarginatus;    pedes    unicolores 

.  .  .P.  septentrionalis. 
Processus  capitis  subtus  carinatus,  elongatus 14. 

14.  Frons  et  clypeus  nigrobivittati;  pedes  unicolores 

.  .  .P.  ntahuia. 

Frons  et  clypeus  unicolores;  pedes  punctulati 

.  .  .P.  singtilaris. 


Orthopiem  Blattaefonnia.  261 

15.  Pronotum    haud    duplo    longius    quam    latius    (pronotum 
carinatum;  caput  latum,  compressum) .  A7/o«/.a«//5  Floweri. 

Pronotum  plus  quam  duplo  longius  quam  latius 16. 

Oculi   acuminati    (haud    mucronati),    Vertex    inter    oculos 

truncatus Paroxyplithalnms  collaris. 

Oculi  mucronati  aut  rotundati 17. 

17.  Oculi  mucronati Oxythespis  senegalensis. 

Oculi  rotundati 18. 

18.  Occiput  pone  oculos  utrinque   in  tuberculum  trianguläre 

productum   19. 

Occiput  haud  cornutum 20. 

19.  Caput  longius  quam  latius;  tibiae  antice  femoribus  parum 
breviores,  pedes  intermedii  et  postici  breves 

.  .  .  Calamothespis  adusfa. 

Caput  latius  quam  longius:  tibiae  anticae  femoribus  multo 

breviores;  pedes  elongatis.  .  .  .Hoplocorypha  galeata. 

20.  Lamina  supraanalis  valde  elongata,  acute  triangularis.  21. 
Lamina  supraanalis  haud  elongata 23. 

21.  Frons  transverse  sulcata;  spina  ad  Insertion em  coxarum 
anticarum  nulla;  pronotum  pone  sulcum  subtiliter  denti- 

culatum Solygia  22. 

Frons    haud   sulcata;    spina    nigra  acuta  ad   insertionem 

coxarum  anticarum  (pronotum  pone  sulcum  distincte 
nigrodenticulatum) Ischnouiantis  aUarensis. 

22.  Caput  longitudine  plus  quam  sesqui  brevius  5.  snlcatifrons. 
Caput  longitudine  sesqui  brevius S.  grandis. 

23.  Corpus  valde  elongatum,  filiforme;  pedes  longissimi  (pro- 

noti  long.  :  lat.  z=z  16 — 18  :  1) Leptocola  giraffa. 

Corpus  minus  attennatum   (pronoti  long. :  lat.  haud  ultra 

7-5:1)   24. 

24.  Femora  intermedia  et  postica  spina  apicali  nulla 

.  .  .Mantis  religiosa. 
Femora  intermedia  et  postica  spina  apicali  instructa  .  .  25. 

25.  Pronotum  elongatum    (long.  :  lat.  ^^  4*5 — 7  "5:1);    Stigma 

elytrorum  indistinctum 26. 

Pronotum   brevius    (latitudine   subtriplo   longius);    stigma 

distinctum,  album,  opacum (Sphodromantis)  29. 

18* 


262 


F.  Wein  er. 


26.  Oculi  mamillati;  caput  plus  quam  duplo  latius  quam  lon- 

gius,  distincte  compressum (Miomantis)  27. 

Oculi  rotundati;  caput  parum  latius  quam  longius,  parum 

compressum (Tenodera)  28. 

27.  Pedes  antici  intus  unicolores;  alae  9   venulis  transversis 

flavo-opacis m.  Savignyi. 

Femora   antica    intus    bimaculata;    coxae    anticae    intus 

5— 6punctatae;alae  9  V^YieclehyaXm&QM.pharaonica. 

28.  Alae  margine  antico  maculato T.  superstitiosa. 

Alae  unicolores   j.  herhacea. 

29.  Stigma  elytrorum  trianguläre,  magnum 5.  bioculata. 

Stigma  elytrorum  ellipticum,  minor 5.  gastrica. 

30.  Vertex  in  conum  productus 31_ 

Vertex  haud  productus 32. 

31.  Oculi  globosi Oxypila  annulata  et  brunneriana. 

Oculi  conoidei,  producti 32. 

32.  Femora  antica  spinis  discoidalibus  tribus  armata.  Pronotum 

laminato-dilatatum Pseiidocreohotra  (Wahlbergi). 

Femora  antica  spinis  discoidalibus  quator  armata.  Pronotum 

haud  laminato-dilatatum.  .  .Pseudoharpax  (virescens). 

32.  Cerci  foliacei;   Vertex  pone  oculos  haud  productus  (alae 

variegatae,  iridescentes) Steiiovates  (pantherina). 

Cerci  teretes;  Vertex  pone  oculos  utrinque  in  tuberculum 

trianguläre  productus 33. 

33.  Tibiae  posticae  appendiculatae Popa  undata. 

Tibiae  posticae  haud  appendiculatae (Daimria)  34. 

34.  Femora  et  tibiae  intermediae  appendiculatae.  .D.bolmmna. 
Femora  et  tibiae  intermediae  haud  appendiculatae.  ...  35. 

35.  Coxae  anticae  intus  multifasciatae;    elytra  medio  macula 

hyalina  ornata D.  impannosa} 

Coxae  anticae  ad  apicem  tantum  bifasciatae,  elytra  macula 

hyalina  nulla D.  Sckwemfiirthi. 

35.  Pronotum  elongatum,  parte  angustata  quam  pars  dilatata 

plus  triplo  longiore 36. 

Pronotum  breve,  per  dimidium  aut  maximam  partem  longi- 
tudinis  dilatatum 37. 


1  Differt    a   Hoplocorypha   galeata   statura    maiore,    coxis    anticis   apice 
laminato-elevatis. 


Orlhopiera  Blattaefonnia.  263 

36.  Femora    intermedia    et    postica    apicem    versus    appen- 

dicLilata Empusa  StolJi  et  Hedenhorgi. 

Femora  intermedia  et  postica  haud  appendiculata.  .  .  . 

.  .  .  Idolomorpha  dentifroiis. 

37.  Femora  intermedia  et  postica  appendiculata 38. 

Femora  intermedia  et  postica  haud  appendiculata  .... 

.  .  .(BlepJiarodes)  39. 

38.  Pronotum  rhomboidale;  elytra  viridimaculata 

.  .  .  Blepharis  mendica. 
Pronotum  latissimum,  sexangulare;  elytra  unicoloria  aut 

macula  unica  X-formi  atromarginata  ornata 

.  .  .Idolum  diaholiciim. 

39.  Pronotum  plus  quam  duplo  longius  quam  latius.  .  .  . 

.  .  .B.  sudmiei'isis. 
Pronotum  minus  quam  duplo  longius  quam  latius .... 

.  .  .B.  coniutns. 


Verzeichnis  der  benützten  Literatur. 

Adelung,  N.  de,  Symbola  nova  ad  Cognitionen!  Blattodeorum 
(Orthoptera)  Africae  orientalis.  Ann.  Mus.  Zool.  Acad. 
Imp.  St.  Petersbourg,  IX,  1904. 

—  Blattodees  (Orthopteres)  rapportees  par  iMr.  le  capitaine 
G.  W.  Kachowski  de  l'Abyssinie  meridionale  (ibid. 
VIII,  1903). 

Bor m ans,  A.  de,  Ortotteri,  in:  Spedizione  italiana  nell'  Africa 
equatoriale.  Resultati  Zoologici.  Ann.  Mus.  Genova,  1880. 

Brunner  V.  Wattenwyl,  C.,  Nouveau  Systeme  des  Blattaires. 
Avec  13  planches.  Vienne  1865. 

—  Prodromus  der  europäischen  Orthopteren.  Mit  1 1  Tafeln 
und  1  Karte.  Leipzig  1882, 

—  Revision  du  Systeme  des  Orthopteres  et  description  des 
especes  rapportees  par  Fea.  Ann.  Mus.  Genova,  1893. 

Burmeister  H.,    Handbuch  der  Entomologie,    Bd.  II    (Berlin 

1838). 
Burr  M.,  Orthoptera,  in:  On  a  Collection  of  Insects  and  Arach- 

nids   made   in    1895   and    1897,    by  Mr.  C.  V.  A.  Peel, 

F.  Z.  S.  in  Somaliland,  with  Descriptions  of  new  Species. 

Proc.  Zool.  Soc.  London  1900,  p.  35  bis  37,  Taf.  II,  Fig.  4. 


264  F.  Werner, 

CharpentierT.de,    Orthoptera  descripta  et  depicta.    Lipsiae 

1841  —  1845. 
Finot,    Faune  de  l'AIgerie   et  de  la  Tunisie.    Insectes  Ortho- 

pteres.   Ann.  Soc.  Ent.  France,  1897. 
Gerstäcker,    Neue  Gattungen  und  Arten  von  Mantiden  aus 

Zanzibar.  Arch.  f.  Naturg.  XXXV. 

—  in:    C.  V.  d.  Decken,    Reisen   Ostafrika.    1873,    III,    2. 

—  Beitrag    zur   Kenntnis    der    Orthopterenfauna    Guineas. 
Mitteil.  Ver.  Neu-Vorpommern  und  Rügen  1883. 

Kar  seh.  Über  die  Gattung  Damiria.  Ent.  Nachr.,  XV,  1889. 
■ —  Mantodeen  aus  Kamerun,  gesammelt  von  Dr.  Paul 
Preuss.  Berliner  entom.  Zeitschr.  XXXIX,  1894. 

Kirby  W.  F.,  A  Synonymic  Catalogue  of  Orthoptera.  Vol.  I. 
Orthoptera  Euplexoptera,  Cursoria  et  Gressoria.  London 
1904. 

Krau  SS  H.,  Erklärung  der  Orthopterentafeln  J.  C.  Savigny's 
in:  Description  de  l'Egypte.  Verh.  Ges.  Wien  1890,  Bd.  40. 

Olivier,  Encyclopedie  Methodique,  Tome  IV. 

Rehn,  Orthoptera  collected  by  Donaldson  Smith  in  Somali- 
land. Proc.  Acad.  Philad.  1901. 

Reiche  et  Fairmaire  in:  Ferret  et  Galinier,  Voyage  en 
Abessynie.  III. 

Saussure  H.  de,  Melanges  Orthopterologiques.  Tome  I, 
Fase.  II:  Blattides  et  Phasmides,  avec  2  PI.  Geneve  et 
Bäle  1869;  Fase.  III  avec  Supplement:  Mantides,  avec 
4  PI.  Geneve  et  Bäle  1870—1871;  Tome  II,  Fase.  IV 
ä  VI:  Mantides,  Blattides,  Gryllides,  avec  12  PI.  Geneve 
et  Bäle  1872—1878. 

—  Analecta  Entomologica.  I.  (Orthopterologica)  Rev.  Suisse. 
Zool.  V.  1898. 

—  in:  Grandidier,  Hist.  Nat.  Madagascar,  I,  1895. 

in:  Voeltzkow,  Wiss.  Ergeb.  Reise  Madagascar,  I,  4, 

1899. 
Savigny  J.  C,    in:    Description  de  l'Egypte.  Histoire  naturelle, 

Zoologie.  Paris  1809—1813,  PI.  I— VII. 
Serville,  Histoire  naturelle  des  Insectes  Orthopteres.  Paris  1839. 
Sjöstedt  Y.,    Mantodeen,   Phasmodeen   und   Gryllodeen    aus 

Kamerun  und  anderen  Geerenden  Westafrikas.    Bihang 


Oi'thoptera  Blattaeformia.  265 

t.  K.  Svenska  Vet.  Akad.   Handlingar,   Bd.  25,   Afd.  IV, 
Nr.  6,  1900. 
Schulthess    A.    v.,    Die    vom    Fürsten    Ruspoli    und    Prof. 
Dr.  C.  Keller   im  Somaliland   erbeuteten   Orthopteren. 
Zool.  Jahrb.  Syst.  VIII,  1893,  Taf.  4. 

—  Orthopteres  du  pa3^s  des  Somalis  recueillis  par  L.  Ro- 
becchi-Bricchetti  en  1891  et  par  le  Prince  E.  Rus- 
poli en  1892—1893,  determines  et  decrits.  Ann.  Mus. 
Genova,  1898. 

Stäl,  Systema  Mantodeorum.  Bihang  t.  K.  Svenska  Vet.  Akad. 
Handl.  Bd.  4,  Nr.  10,  1877. 

—  Orthoptera  quaedam  africana.  Öfversigt  Kongl.  Vetensk. 
Akad.  Forhandl.  1871,  Nr.  3. 

—  Bidrag  tili  Sodra  Afrikas  Orthopt.  Fauna  (ibid.  1876, 
Nr.  3). 

Werner,  Die  Orthopterenfauna  Ägyptens  mit  besonderer  Be- 
rücksichtigung der  Eremiaphiten.  Sitzungsber.  k.  Akad. 
Wiss.  Wien,  Bd.  CXIV,  Abt.  I,  1905,  1  Taf. 

—  Zur  Kenntnis  afrikanischer  Mantodeen.  Jahresh.  Würt- 
temb.  Ver.  f.  Naturk.  1906. 

West  wo  od,  Recensio  Insectorum  Familiae  Mantidarum.  Lon- 
don 1889. 

Wood-Mason  J.,  On  nevv  and  little-known  Mantodea.  Journ. 
Asiat.  Soc.  Bengal.  LI,  1882. 

—  A  Catalogue  of  the  Mantodea.  Nr.  1.  Calcutta  11 


Nachtrag.  In  den  entomologischen  Sammlungen  der  im 
April  d.  J.  besuchten  Museen  von  Berlin  und  Leipzig  fand  ich 
noch  folgende  Sudan-Mantodeen,  die  in  vorstehender  Arbeit 
nicht  erwähnt  sind: 

TaracJiodes  dives  Sauss.  cT,  von  Sennaar  (Mus.  Leipzig; 
leg.  Knobl  echer). 

Eremoplana  guerinii  Stäl  von  Dongola  (Mus.  Berlin;  leg. 
Ehrenberg). 

Heterochaeta  orientalis  Kirby  vom  Sobat  (ebenda;  leg. 
O.  Neumann). 

Ferner  wäre  noch  Centromantis  Hedenborgi  (Stäl)  von 
Sennaar  (9,  Mus.  Leipzig,  leg.  Knobl  echer)  Stenovates  pan- 


266  F.  Werner,  Orthopf era  Blaüaeformia. 

fherina    Sauss.    von    Ambukol,    Dongola    (Mus.    Berlin,    leg. 
Ehrenberg)  zu  nennen. 


Tafelerklärung. 


Tafel  I. 

Fig.  1.     Larve  von  Ischnomantis  aüarensis  (Khor  Attar). 

>  2.     Larve  von  Solygia  sulcatifrons  (Doleib  Hill,  Sobat). 

>  2a.  Kopf  derselben,  von  vorn  gesehen. 

»  3.     Pyrgomantis  mabtiia,  ^   (Gondokoro). 

»  3^.  Kopf  derselben,  von  vorn  (unten)  gesehen. 

>  4.     Pyrgomantis  septentrionalis,  (^  (Gondokoro). 

>  5.     Oxythespis  senegalensis,  9   (Khor  Attar). 
»  5  fl.  Kopf  und  Pronotum  derselben,   von  oben. 

»  6.     Larve  von  Calamoihespis  adnsta  (Mongalla). 

Tafel  IL 

Fig.   1.     Paramorphoscelis  gondokorensis  (Gondokoro). 
»      la.  Kopf  und  Pronotum  von  oben,  vergr. 

>  \b.  Elytra,  vergr. 

>  2.      Tarachina  rhaphidioides  (Gondokoro). 

>  2  a.  Kopf  und  Pronotum  von  oben,  vergr. 
»      2b.  Elytra,  vergr. 

>  3.     Tarachodes  obttisiceps,  ^ ,  von  oben  (Blauer  Nil). 

>  4.     Elaea  Marchali,  9,  von  oben  (Gondokoro). 

»      5.     Kopf  und  Pronotum  von  Tarachodes  irrorata,  9 ,  von  unten  (To^ 
»      5fl.  Dasselbe  von  oben. 

>  6.     Kopf  und  Pronotum  von  Tarachodes  Afzelii,  (^,  von  oben. 
»      6ö.  Vorderbein  derselben  Art,  ,^,  von  unten. 

»      7.     Tarachodes  sancta,  (^,  Vorderbein  von  unten. 
»      7  a.  Kopf  derselben  Art,  von  vorn. 

>  8.     Durchsichtiger  Kokon  einer  Mantide  aus  Gondokoro. 
»      9.      Tarachodes  Kuhlgatzi,  (^  (Deutsch-Ostafrika). 

»      9  a.  Kopf  und  Pronotum  von  oben,  vergr. 

»  10.     Tarachodes  obtusiceps,  (^  (Weißer  Nil). 

Tafel  III. 

Fig.   1.  Tarachodes  perloides,  (^  (Südwestafrika). 

»      2.  9    derselben  Art. 

»      3.  Tarachodes  maiira,   ^  >  von  unten. 

>  4.  Tarachodes  Sjöstedti,  ^   (Südwestafrika). 
»      5.  Tarachodes  sancta,  9  >  von  unten. 

»      6.  Tarachodes  Ittcubrans,  (^  (Kap). 

>  7.  Tarachodes  dissiniiüaior,  ^  (Togo). 


"Werner,  F.:  Orthoptera  Blattaeformia. 


Taf.  I. 


J,  Fleischmann,  n.  d.  N.  lith. 


Druck  von  Alb.  Berger,  Wien     Vlll. 


Sitzungsberichte  d.  kais.  Akad.  d.  Wiss.,  math.-naturw.  Klasse,  Bd.  CXVI,Abt.  I  1907. 


Werner,  F.:  Orthoptera  Blattaeformia. 


Taf.   II. 


J.   Fleischraann,  n.   d.  N.  lith.  Druck  von  Alb.  Berger,  Wien,   VIII. 

Sitzunsrsberichte  d.  kais.  Akad.  d.  Wiss.,  math.  naturw.  Klasse,  Bd.  CXV[,  Abt.  I  1907. 


Werner,  F.:  Orthoptera  Blattaeformia. 


Taf.  III. 


J.  Fleischmann,  n.  d.  N.  lith.  Druck  von  Alb.  Berger,  Wien,   VIIl. 

Sitzungsberichte  d.  kais.  Akad.  d.  Wiss.,  math.-naturw.  Klasse,  Bd.  CXVI.Abt.  I  1907. 


267 


Ergebnisse  der  mit  Subvention  aus  der  Erb- 
sehaft Treitl   unternommenen  zoologischen 
Forschungsreise  Dr.  Franz  Werners  nach  dem 
ägyptischen  Sudan  und  Nord-Uganda. 

IX. 

Die  Orthopterenfauna  des  ägyptischen  Sudans  und  von  Nord-Üganda 

(Saltatoria,  Gressoria,  Dermaptera)  mit  besonderer  Berücksichtigung 

der  Acridoideengattung  Catantops 

von 
H.   Karny. 

(Mit  3  Tafeln.) 
(Vorgelegt  in  der  Sitzung  am  17.  Jänner  1907.) 


Allgemeiner  Teil. 

Das  untersuchte  Material. 

Die  vorliegende  Schrift  soll  ein  Verzeichnis  der  Orthopteren 
des  ägyptischen  Sudans  darstellen  und  wurde  hauptsächlich 
auf  Grund  der  Ausbeute  Dr.  Wem  er 's  abgefaßt. 

Ich  fühle  mich  daher  verpflichtet,  vor  allem  Herrn  Dr. 
Fr.  Werner,  Privatdozenten  an  der  Wiener  Universität,  meinen 
herzlichsten  Dank  auszusprechen,  weil  er  mir,  obwohl  selbst 
Orthopterologe  von  Fach,  das  von  ihm  im  Jahre  1905  im 
ägyptischen  Sudan  gesammelte  Material  zur  Bearbeitung  über- 
ließ. 

Die  Werner'sche  Ausbeute  war  die  reichste,  die  bisher  aus 
dem  Gebiete  vorliegt.  Infolge  dessen  konnte  ich  in  meiner 
Arbeit  3  neue  Gattungen,  32  neue  Arten  und  9  neue  Varietäten 


268  H.  Karny, 

aus  dem  behandelten  Gebiete  beschreiben.  Von  den  übrigen 
angeführten  Arten  waren  43  aus  dem  ägyptischen  Sudan  noch 
nicht  bekannt,  so  daß  die  Orthopterenfauna  dieses  Landes,  die 
bisher  nur  38  bekannte  Arten  zählte,  nunmehr  auf  113  ge- 
stiegen ist. 

Auch  die  Mehrzahl  der  vor  Herrn  Dr.  Werner  im  ägyp- 
tischen Sudan  gesammelten  Orthopteren  konnte  ich  unter- 
suchen; in  der  Coli.  Mus.  Caes.  Vind.  lagen  mir  die  Ausbeuten 
Kotschy's  (1838, 1839),  M arno's  (vSiebzigerjahre)  und  Emi n's 
(Achtzigerjahre)  vor  und  auch  in  der  Coli.  Br.  v.  W.  fand  ich 
einige  Arten  aus  dem  Gebiete  vertreten. 

Außerdem  untersuchte  ich  die  Orthopteren  des  Landes- 
museums in  Chartum  und  darunter  befanden  sich  auch  einige 
Arten,  die  sonst  in  dem  mir  vorliegenden  Materiale  nicht  ver- 
treten waren.  Leider  entbehren  alle  Stücke  des  Chartumer 
Museums  einer  genaueren  Fundortsangabe,  konnten  aber  den- 
noch hier  aufgenommen  werden,  da  das  genannte  Museum 
prinzipiell  nur  Arten  des  von  mir  behandelten  Verbreitungs- 
bezirkes sammelt. 

Endlich  wurde  es  mir  durch  die  Freundlichkeit  des  Heri'n 
Dr.  P.  Kammerer  ermöglicht,  die  von  ihm  und  Herrn  Dr. 
H.  Przibram  in  Ägypten  und  im  ägyptischen  Sudan  im 
Jahre  1903  gesammelten  Orthopteren  zu  untersuchen  und  zu 
determinieren;  doch  habe  ich  die  diesbezüglichen  Fundorte  in 
mein  Verzeichnis  nicht  aufgenommen,  da  sie  ohnedies  ehestens 
publiziert  werden;  übrigens  waren  auch  alle  Arten  dieser 
Ausbeute  auch  sonst  in  dem  mir  vorliegenden  Materiale  ver- 
treten, abgesehen  von  einer  neuen  Diogeiia- Art,  Diogena 
Przihrami  n.  sp.  ined.,  die  ich  nur  nach  einem  9 -Exemplare 
der  Przibram-Kammerer'schen  Ausbeute  kenne.  Übrigens  soll 
auch  die  andere  Art  der  Gattung,  Diogena  fatista,  im  behan- 
delten Gebiete  vorkommen  (Nubien  teste  Burmeister),  doch 
habe  ich  sie  in  mein  Verzeichnis  nicht  aufgenommen,  da  ich 
nichts  Bestimmtes  darüber  weiß.  Rechnet  man  aber  die  beiden 
Diogena- Arien  mit,  so  gehören  115  Orthopteren  dem  Ver- 
breitungsbezirke an  (mit  Ausschluß  der  Blattiden  und  Mantiden). 

Außer  den  mir  in  den  angeführten  Sammlungen  vor- 
liegenden  Arten   habe    ich   auch    die  Angaben   der  bisherigen 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  269 

Literatur,  soweit  sie  mir  verläßlich  erschien,  berücksichtigt, 
und  zwar  verwendete  ich  dabei  besonders  die  im  nachfolgenden 
angeführten  Abhandlungen  und  Werke. 

Verzeichnis  der  benützten  Literatur. 

Bolivar  J.,  Monografia  de  los  Pirgomorfinos.  Madrid  1884. 

—  Articulados    (in:    Ossorio,    Fernando   Pöo   y   el   golfo   de 
Guinea.  An.  Soc.  Espafi.,  XV,  p.  341).  Madrid  1886. 

—  Essai   sur  les  Acridiens   de  la  tribu  des  Tettigidae.  Ann. 
Soc.  ent.  Belgique,  XXXI,  1887. 

—  Ortöpteros  de  Africa  del  Museo  de  Lisboa.  Jörn.  Scienc. 
Mathem.,  Phys.  Nat.  Lisboa  1889,  1890. 

—  Mission  scientifique  de  M.  Ch.  Allnaud  aux  lies  Sechelles. 
Orthopteres.  Ann.  Soc.  ent.  P>ance,  LXIV,  1895. 

—  Contributions  ä  l'etude  des  Acridiens  especes  de  la  faune 
indo-  et  austro-maiaisienne.  Ann.  Mus.  civ.  Genova,  1898. 

—  Les  Orthopteres   de  St.-Joseph's   College   ä  Trichinopoly 
(Sud  de  rinde).  Ann.  Soc.  ent.  France,  LXX,  1902. 

—  Notas  sobre  los  Pirgomörtidos.  Bol.  Soc.  espan,,  IV,  1904. 
Brancsik  C.,  Orthoptera  nova  africana.  XV.  Jahrb.  Naturwiss. 

Verein  Trencsin.  Kom.,  1892. 

—  Orthoptera  quaedam  nova  africana  et  australica.  1894/5. 
Jahresb.  Naturwiss.  Ver.  Trencsin.  Kom. 

—  Series  Orthopterorum  novorum.  Soc.  Hist.  Nat.  Trencsen, 
1897. 

Brunner  v.   VVattenwyl   C,    Monographie    d.   Phaneropter. 
Zool.-bot.  Ges.,  Wien  1878. 

—  Prodromus  d.  europ.  Orthopt.  Leipzig  1882. 

—  Additam.  Monogr.  Phaneropt.  Verh.  Zool.-bot.  Ges.,  Wien 
1891. 

-—   Revision    du    Systeme    des    Orthopteres.    Ann.    Mus.    civ. 
Genova,  1893. 

—  und    J.    Redtenbacher,    Monographie    der    Phasmiden. 
(Manuskript.) 

Burmeister  H.,  Handbuch  der  Entomologie.  II,  1839. 
Burr  M.,  A  list  of  Rumanian  Orthoptera,  with  descriptions  of 
3  new  species.  Trans,  ent.  Soc,  London  1898. 


270  H.  Karny, 

Burf  M.,   A  monograph  of  the  genus  Acrida  Stäl.  Trans,  ent 

Soc,  London  1902. 
Gerstäcker  A.,  Beitrag  zur  Insektenfauna  von  Zanzibar.  II. 

OrtJioptera  et  Neuroptera.  Archiv  für  Naturgesch.,  XXV, 

1873. 
Haan  W.  de,  Bijdragen  tot  de  Kennis  der  Orthoptera.  Verband. 

natuurl.  Geschied,  nederi.  overz.  Bezitt.   Zestiende    Ufle- 

vering,  1842. 
Karny  H.,  Revisio  Conocephalidarum.  Abbandl.  Zool.-bot.  Ges. 

Wien.  (Manuskript.) 
Karsch   F.,    Orthopterologische  Beiträge.   II.  Über  die  Hetro- 

diden.  Berl.  ent.  Zeitschr.,  XXXI,  1887. 
• —  Verzeichnis  der  von  Herrn  Dr.  Paul  Preuss  in  Kamerun 

erbeuteten  Acridiodeen.  Berl.  ent.  Zeitschr.,  XXXVI,  1891. 

—  Springheuschrecken  Berglandsch.  Adeli  i.  Hinterl.  Togo 
1893. 

—  Neue  Orthopt.  trop.  Afrika.  Stett.  entom.  Zeitschr.,  1896. 

—  Vorarbeiten  Orthopterol.  Ostafr.  II.  Einige  Gattungen  Feld- 
heuschrecken, Äcridodea.  Entom.  Nachr.  Berlin^  XXVI, 
1900. 

Kirby  W.  F.,  On  the  employment  of  the  names  proposed  for 
genera  of  Orthoptera,  previous  to  1840.  Scient.  Proceed. 
Roy.  Dubl.  Soc,  1890. 

—  Notes  on  the  family  Hetrodidae,  with  allst  of  the  described 
species.  Ann.  Nat.  Hist.,  VII,  Ser.  III,  1899. 

—  Report  on  a  collection  of  african  Locustidae  formed  by 
Mr.  W.  L.  Distant,  chiefly  from  the  Transvaal.  Trans,  ent. 
Soc,  London  1902. 

—  Additional  notes  on  Mr.  Distant's  collection  of  african 
Locustidae.  Trans,  ent.  Soc,  London  1902. 

Krau  SS  H.,  Orthopteren  vom  Senegal,  gesammelt  von  Dr. 
Franz  Stein  dachner.  Sitzb.  Akad.  Wissensch.  Wien, 
1877. 
:--  Systematisches  Verzeichn.  d.  kanar.  Dermapt.  u.  Orthopt. 
m.  Diagn.  d.  n.  Gatt.  u.  Art.  Zoolog.  Anzeiger,  Nr.  390 
(1892). 

—  u.  de  Bor  maus  A.,  Das  Tierreich.  Forficulidae  und 
Hemimeridae.  Berlin  1900. 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  271 

Krauss   H.,    Beitrag   zur  Kenntnis  ci.  Orthopt.  Deutsch-Süd- 
Westafrikas.  Verh.  Zool.-bot.  Ges.,  Wien  1901. 

—  Die  Namen  der  ältesten  Dermapteren(Orthopteren)- 
gattungen  u.  i.  Verwend.  f.  Fam.  u.  Unterf.  Benenn,  a.  Gr. 
d.  jetz.  Nomenkl.  Zoolog.  Anzeiger,  Nr.  676  (1902). 

—  Beitr.  z.  Kenntn.  d.  Orthopt. -F.  d.  Sahara.  Verh.  Zool.-bot. 
Ges.,  Wien  1902. 

Lucas  M.  H.,    Remarques  sur  l'Eugaster  Servillei,  orth.  saut. 

d.  1.  fam.  d.  Locust.  e.  descr.  d'u.  esp.  nouv.  1869. 
Redtenbacher  J.,  Monographie  Conocephal.  Verh.  Zool.-bot. 

Ges.,  Vv/'ien  1891.  (Monographie  d.  Phasmid.  v.  Brunner.) 
Rehn  J.,  Notes  on  some  generic  names,  employed  by  Serville, 

in  the  Revue  methodique,  and  Fieber,  in  the  Synopsis  der 

europäischen  Orthopteren.  Canad.  Ent.  1902. 
Saussure    H.,    Melanges    orthopterologiques.     V.    Gryllides. 

Geneve,  Bale,  Lyon,  1877.  —  VI.  Gryllides.  Geneve,  Bale, 

Lyon,  1878. 

—  Prodrome  des  Oedipodiens.  Geneve  1888. 

—  Additamenta  ad  prodromum  Oedipodiorum.  Geneve  1888. 

—  Orthoptera.  Senckenb.  naturf.  Ges.,   Frankfurt  a.  M.  1899. 
Schaum  H.,  Peters  Mossambique  1862.  Orthoptera. 
Schulthess-Rechberg  A.  v..    Die  von  Fürst  Ruspoli  und 

Prof.  Dr.  C.  Keller   im  Somalil.    erbeut.   Orthopt.  Zoolog. 
Jahrb.,  VIII. 

—  -Schindler  A.  de,  Orthopteres  d.  p.  d.  Somalis,  rec.  p.  L. 
Robecchi-Brichetti  en  1891  et  p.  1.  prince  E.  Ruspoli 
en  1892—1893.   1898. 

—  A.  V.,  La  Faune  entomologique  du  Delagoa.  II.  Orthopteres. 
Bull.  Soc.  Vand.  Sc.  Nat.,  XXXV,  1899. 

Serville  M.  Aud.,  Histoire  nat.  d,  Ins.  Orthopteres.  1839. 
Stäl  C.,    Kongliga   Svenska   Fregatten    Eugenies   Resa  omkr. 
Jorden.   1860. 

—  Recensio  Orthopterorum.  Rev.  crit.  Orth.  Linne,  De  Geer, 
Thunb.  1873—1875. 

—  Systema  Acridiodeorum.  Bih.  t.  Svenska  Ak.  Handl. 
1878. 


272  H.  Kainy, 

Walker  Fr.,  List  of  Dermapt.  disc.  b.  J.  K.  Lord,  Esq.,  in  Egypt 
a.  the  adjoin.  reg.  The  Zoologist.  Sept.  1870. 
—  Catal.  Specim.  Dermapt.  Saltat.  Coli.  Brit.  Mus.  (J869— ) 
1871. 

Faunistisch-tiergeographische  Bemerkungen. 

Der  ägyptische  Sudan  als  Teil  des  äthiopischen 
Faunengebietes.  Wenn  wir  die  Orthopterenfauna  des  ägyp- 
tischen Sudans  überblicken,  so  finden  wir,  daß  sie  ihrem 
allgemeinen  Charakter  nach  bereits  der  äthiopischen  Region 
angehört.  Ihren  Hauptbestandteil  bilden  Arten,  die  uns  auch 
sonst  aus  einem  größeren  oder  geringeren  Teile  Afrikas  bekannt 
sind,  während  sie  in  der  Mediterranregion  fehlen  oder  doch 
nicht  weit  nach  Norden  vordringen.  Doch  finden  wir  auch 
noch  zahlreiche  mediterrane  Formen  im  Sudan  wieder, 
namentlich  aus  der  Gruppe  der  Ödipodiden.  Der  Übergang 
von  der  paläarktischen  zur  äthiopischen  Region  erfolgt  nämlich 
hier  ganz  allmählich,  in  Westafrika  dagegen  viel  plötzlicher  und 
unvermittelter,  weil  dort  der  breite  Wüstengürtel,  der  sich 
zwischen  der  mediterranen  Fauna  Algeriens  und  Marokkos 
und  der  äthiopischen  des  Senegal-  und  Nigergebietes  einschiebt, 
die  Vermischung  der  beiden  Faunen  erschwert.  Am  Nilgebiete 
ist  durch  das  Fehlen  eines  solchen  Wüstengürtels  die  allmäh- 
liche Änderung  des  Charakters  der  Tierwelt  erklärt  und  es  ist 
jede  hier  gezogene  Scheidelinie  zwischen  der  äthiopischen  und 
mediterranen  Region  eine  mehr  oder  weniger  willkürliche.  Am 
besten  läßt  sich  eine  solche  Scheidelinie  zwischen  Ägypten 
und  dem  ägyptischen  Sudan  ziehen,  indem  ersteres  noch  zum 
Mittelmeergebiet,  letzterer  zur  äthiopischen  Region  zu  zählen 
ist.  Eine  übersichtliche  Vergleichung  der  Faunen  beider  Länder 
wird  die  Richtigkeit  dieser  Ansicht  bestätigen. 

Vergleich  mit  der  ägyptischen  Fauna.  Wenn  ich 
mich  hier  an  Dr.  Werner's^  Ausführungen  halte,  so  umfaßt 
die  Orthopterenfauna  Äg3^ptens  (mit  Ausschluß  der  Blattae- 
formia)  75  Arten,  von  denen  39  der  mediterranen  Fauna  ange- 
hören. Außer  diesen  führt  Werner  16  Arten  an,  die  bisher  nur 


1'  Sitzber.  Akad.  Wiss.  Wien,  1905.  Orthopterenfauna  Ägyptens. 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  L73 

aus  Ägypten  bekannt  seien.  Hier  muß  ich  eine  unwesentliche 
Berichtigung  einfügen.  Werner  führt  nämUch  unter  diesen 
Arten  auch  den  Gryllodes  apriciis  an,  für  den  Saussure  nur 
Ägypten  als  Heimat  angibt.  Diese  Angabe  bei  Saussure  ist 
aber  sehr  ungenau,  um  nicht  zu  sagen,  unrichtig.  Saussure 
kannte  diese  Art  nämUch  nur  nach  der  Type  unseres  Hof- 
museums, die  aus  Sennaar  (im  Sudan)  stammt;  es  dürfte  diese 
Art  in  Ägypten  überhaupt  nicht  vorkommen,  sondern,  soweit 
wir  bis  jetzt  wissen,  auf  den  ägyptischen  Sudan  beschränkt 
sein.  Dr.  Werner  hat  die  Fundortsangabe  von  Saussure 
übernommen  und  daher  erklärt  sich  die  Anführung  dieser  Art, 
die  bis  auf  weiteres  aus  der  ägyptischen  Fauna  zu  streichen 
ist.  Tropische  Arten  finden  wir  in  Ägypten  nur  20,  von  denen 
3  über  die  Tropen  der  ganzen  Erde  verbreitet  sind,  nämlich 
Acketa  domestica,  ScJiistocerca peregrhia  und  Lahidura  riparia; 
7  finden  sich  in  /Afrika,  in  Indien  und,  zum  Teile  wenigstens, 
auch  in  Australien,  nämlich  Acheta  btirdigalensis,  Liogrylliis 
bimactüatiis,  Gryllotalpa  gryllotaJpa,  Gr.  africana,  Cyrthacan- 
thacris  aeruginosa,  Pachytyhis  Danicns  und  Acrida  turrita. 
Nur  10  Arten  Äg3^ptens  sind  typisch  äthiopisch,  und  zwar: 
Xiphidion  aethiopicum,  Conocephalus  nitidultis,  Anepiscephis 
horridus,  Honioeogryllus  reticulatus,  Chrotogonus  Ingtibris, 
Pyrgomorpha  cognata,  Poecüocerus  hieroglyphicus,  Cyrthacan- 
thacris  riificomis,  Eiiprepocnemis  plorans  und  Acridella 
variabilis  und  gerade  unter  diesen  befinden  sich  weiter  ver- 
breitete Formen,  die  zum  Teil  sogar  bis  Südeuropa  vordringen. 
Wenn  wir  dagegen  die  Fauna  des  ägyptischen  Sudans  in 
ähnlicher  Weise  gliedern,  so  finden  wir  unter  den  113  von  mir 
im  nachstehenden  Verzeichnis  angeführten  Arten  nur  13,  die 
der  Mediterranregion  entstammen  dürften,  nämlich  Tridactylus 
Savignyi,  Parateftix  meridionalis,  Pyrgomorpha  coiiica,  Locusta 
aegyptia,  Calliptamus  italicus,  Acrotylus  versicolor,  A.patriielis, 
Sphingonotus  coeriüans,  Sph.  aziiresceiis,  Sph.  Savignyi,  Aiolo- 
lopus  thalassinus,  Platypterna  tibialis  und  Calephorus  com- 
pressicornis.  Dagegen  sind  47  Arten  echt  äthiopisch  und  37 
sind  bisher  aus  keinem  anderen  Gebiete  bekannt,  nämlich  die 
32  von  mir  neu  beschriebenen  Formen,  welche  im  nach- 
stehenden   Verzeichnis     mit    einem    f    bezeichnet    sind,    und 


274  H.  Karny, 

Calyptotrypiis  Petersi,  Heterotrypus  Africanus,  Gryllodes 
apricus,  Chrotogoims  homalodemus  und  Xenippa  viridtda. 
Außerdem  finden  wir  unsere  drei  Kosmopoliten  der  Tropen, 
wenn  man  so  sagen  darf,  wieder,  die  uns  schon  aus  Ägypten 
bekannt  sind,  und  endlich  noch  13  paläotropische  Arten, 
nämlich  Xiphidion  maculatiim,  Trigotiidhim  cicUideloides, 
Acheta  quadristrigata,  A.  Brtmneri,  A.  melanocephala,Liogrylhis 
bimaailatiis,  Gryllotalpa  africana,  Cyrtkacanthacris  aeru- 
ginosa, Gastrimargus  marmoratus ,  Cosmoryssa  sulcata , 
Pachytylus  Danicus,  Acrida  turrita  und  Forficula  setiegalensis. 

Unterziehen  wir  nun  die  Resultate  dieser  statistischen 
Übersicht  einer  vergleichenden  Betrachtung,  so  müssen  wir 
vor  allem  konstatieren,  daß  die  Fauna  des  ägyptischen  Sudans 
bedeutend  reicher  ist  als  die  Ägyptens  und  daß  namentlich  die 
äthiopischen  Elemente,  die  in  Ägypten  noch  recht  ärmlich 
vertreten  waren,  auffallend  hervortreten,  während  die  medi- 
terranen Formen,  die  den  Hauptbestandteil  der  ägyptiFchen 
Fauna  bildeten,  sehr  stark  in  den  Hintergrund  gedrängt 
erscheinen.  Wenn  die  Endemismen  im  Sudan  anscheinend  viel 
zahlreicher  sind,  so  dürfte  dies  seine  Erklärung  auch  darin 
finden,  daß  die  äthiopische  Region  noch  viel  weniger  durch- 
forscht ist  als  das  Mittelmeergebiet.  Ich  wenigstens  neige  der 
Ansicht  zu,  daß  noch  so  manche  jener  Arten,  die  wir  jetzt  nur 
aus  dem  ägyptischen  Sudan  kennen,  einmal  auch  in  südlicheren 
Gebieten  Afrikas  angetroffen  werden  dürften  oder  vielleicht 
sogar  über  einen  großen  Teil  dieses  Kontinentes  verbreitet 
sind.  Jedenfalls  aber  wird  die  Vergleichung  der  beiden  Faunen- 
gebiete gezeigt  haben,  daß  wir  berechtigt  sind,  Ägypten  dem 
Mediterrangebiete,  den  ägyptischen  Sudan  hingegen  dem 
äthiopischen  zuzurechnen.  Doch  betone  ich  nochmals,  daß  die 
beiden  Regionen  ganz  allmählich  ineinander  übergehen. 

Tiergeographische  Gliederung  des  ägyptischen 
Sudans.  Dieser  allmähliche  Übergang  der  beiden  Regionen  läßt 
es  begreiflich  erscheinen,  daß  auch  die  Fauna  des  ägyptischen 
Sudans  nicht  vollkommen  homogen  erscheint,  sondern  daß  sie 
vielmehr  im  nördlicheren  Gebiete  noch  an  die  ägyptische  Tier- 
welt erinnert  und  hier  auch  noch  mediterrane  Formen  aufweist; 
je   weiter  wir   aber   nach  Süden   fortschreiten,   desto   seltener 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  275 

werden  solche  Formen  und  desto  mehr  treten  sie  gegenüber 
den  äthiopischen  Elementen  zurück.  Demgemäß  können  wir  den 
ägyptischen  Sudan  wieder  in  kleinere  Gebiete  abteilen,  deren 
ungefähre  Grenzen  von  Parallelkreisen  gebildet  würden.  Dies  will 
ich  hier  jedoch  nicht  weiter  ausführen,  da  auch  eine  solche  Ein- 
teilung mehr  oder  weniger  willkürlich  sein  müßte;  ich  will  nur 
einige  Beispiele  anführen,  welche  zeigen  sollen,  daß  die  Fauna 
des  nördlicheren  Teiles  von  der  des  südlichen  in  manchen  Einzel- 
heiten abweicht. 

So  ist  z.  B.  Paratettix  meridionalis  eine  echt  mediterrane 
Form;  sie  ist  auch  noch  aus  dem  Sudan  (Chartum,  Khor  Attar) 
bekannt,  jedoch  in  dessen  südlichsten  Teilen  fehlt  sie  bereits 
und  wird  dort  durch  P.  scaber  ersetzt  (Mongalla,  Gondokoro). 
Sonst  ist  P.  meridionalis  aus  der  äthiopischen  Region  nicht 
bekannt  (siehe  Spezieller  Teil  Nr.  32). 

Ein  noch  schöneres  Beispiel  bietet  uns  die  Gattung  Pyrgo- 
morpha.  Im  nördlichen  Teile  lebt  noch  eine  mediterrane  Art, 
P.  conica,  die  jedoch  südlich  nur  bis  Goz  Abu  Guma  vordringt. 
Im  äußersten  Süden  finden  wir  schon  P.  granulata,  eine  echt 
äthiopische  Art,  deren  Verbreitungsgebiet  sich  bis  nach  Süd- 
afrika erstreckt,  die  jedoch  nördlich  von  Gondokoro  meines 
Wissens  nicht  mehr  vorkommt.  Zwischen  diese  beiden  Arten 
schiebt  sich  P.  cognata  ein,  die  mir  aus  Renk  und  Gondokoro 
bekannt  ist. 

Ebenso  dringt  die  mediterrane  Loaista  Aegyptia  nicht  sehr 
weit  in  der  äthiopischen  Region  vor,  sondern  wird  weiter  südlich 
durch  Orthacanthacris-Avten  ersetzt.  Die  angeführten  Beispiele 
ließen  sich  nach  Belieben  vermehren  und  es  wird  hier  genügen, 
auf  die  Ausführungen  des  speziellen  Teiles  hinzuweisen. 

Die  Fauna  der  Sumpfgebiete.  Aber  nicht  nur  der 
geographischen  Lage  nach  lassen  sich  einzelne  Gebiete  des 
ägyptischen  Sudans  unterscheiden,  sondern  auch  nach  anderen 
Verhältnissen,  welche  einen  Einfluß  auf  die  Fauna  ausüben. 
So  müssen  wir  vor  allem  einen  Unterschied  zwischen  der 
Steppenfauna  und  den  Formen  der  Sumpfgegenden  machen. 
Letztere  sind  dem  Leben  in  der  Nähe  des  Wassers  besonders 
angepaßt.  Bei  diesen  Arten  sind  nämlich  die  Hintertibien  mit 
langen,    meist    beweglichen    Dornen    oder   abgeplatteten    An- 

Sitzb.  der  mathem.-naturw.  Kl. ;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  19 


276  H.  Karny, 

hängsein  versehen,  wodurch  die  Oberfläche  der  hinteren  Ex- 
tremitäten vergrößert  und  die  Schwimmfähigkeit  vermehrt  wird. 
Die  so  ausgerüsteten  Arten  werden  dadurch  vortreffliche 
Schwimmer  und  Taucher.  Ich  habe  dies  bei  Arten  der  Gat- 
tungen Paratettix  und  Acrydütm  selbst  wiederholt  beobachtet 
und  oft  gelingt  es  nicht,  ein  solches  Tier,  das  sich  ins  Wasser 
gerettet,  wieder  zu  erreichen.  Aber  nicht  nur  die  Acrydiiden 
sind  derart  ausgerüstet,  vielmehr  bietet  uns  dieser  Bau  der 
Hinterschienen  ein  auffallendes  Beispiel  einer  Konvergenz- 
erscheinung dar  und  findet  sich  bei  den  verschiedensten 
Orthopteren  wieder,  die  unter  ähnlichen  Existenzbedingungen 
leben.  Zuerst  tritt  er  meines  Wissens  bei  den  liassischen 
Elcaniden  auf,  die  zur  Zeit  der  Ichthyosaurier  unter  gleichen 
Verhältnissen  ihr  Dasein  hinbrachten.  Unter  den  rezenten 
Formen  ist  er  am  auffallendsten  bei  den  Tridactyliden  (Spe- 
zieller Teil  Nr.  30);  doch  konnte  ich  ähnliche  Bildungen  auch 
bei  verschiedenen  Achetoiden  der  Werner'schen  Ausbeute 
beobachten,  so  namentlich  bei  der  Gattung  Cyrtoxipha. 

Außer  den  genannten  Formen  sind  typische  Vertreter  der 
Sumpffauna,  namentlich  die  Concephaliden  (so  Xiphidion  spp, 
Conocephalus,  Psetidorhytichiis).  Es  ist  zu  erwarten,  daß  sich 
diese  Fauna  noch  als  viel  reicher  an  Orthopteren  erweist;  es 
ist  in  den  betreffenden  Gebieten  das  Sammeln  sehr  erschwert, 
wo  nicht  unmöglich.  Von  einem  systematischen  Sammeln  unter 
den  bestehenden  Verhältnissen  kann  keine  Rede  sein  und  der 
Forscher  ist  meist  auf  Zufälligkeiten  angewiesen.  So  teilte  mir 
Dr.  Werner  mit,  daß  er  den  Pseiidorhynchus  hastifer  stets  nur 
am  Dampfer  gefangen  habe,  weil  es  auf  keine  andere  Weise 
möglich  war,  das  von  ihm  bewohnte  Gebiet  zu  durchforschen. 

Anpassung  an  die  Grassteppe.  Der  weitaus  größte  Teil 
des  ägyptischen  Sudans  ist  jedoch  Grassteppe,  wo  nicht  Wüste. 
Die  Orthopteren  sind  auch  diesen  Verhältnissen  besonders  an- 
gepaßt. Wir  finden  viele  Formen,  die  eine  auffallende  Tendenz 
zur  Streckung  in  der  Richtung  der  Hauptachse  aufweisen.  Diese 
Erscheinung  findet  sich  als  Konvergenz  unter  den  verschieden- 
sten Giuppen  (Acketoidea:  Etiscyrttis;  Locustidae:  IscJinacrida, 
Gonyacantha!  Xenippa,  Mesops;  Oedipodidae:  Cosmoryssa; 
Acrididae:    Ochrilidia,    Platypterna,    Machaeridia,    Amycus, 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  277 

Aniphicvemna,  Calamus,  Acrida,  Acridella;  Gressoria:  Gra- 
tidia).  Es  ist  bemerkenswert,  daß  in  den  meisten  Fällen  auch 
die  cT-Genitalien  zur  Verlängerung  des  Körpers  beitragen,  in- 
dem die  Subgenitalplatte  sehr  stark  in  die  Länge  gezogen  ist 
(besonders  bei  Mesops,Isclinacridä).  Auch  der  Kopf  ist  meist  auf- 
fallend schmal  und  lang  (Loctistidae,  Acrididae),  und  zwar  kann 
dies  auf  die  verschiedenste  Weise  bewirkt  werden.  Der  ein- 
fachste Fall  ist  der,  daß  der  Kopf  seiner  ganzen  Länge  nach 
gleichmäßig  gestreckt  wird;  dann  stehen  die  Augen  ungefähr 
in  der  Mitte  der  Kopflänge  und  die  Fühler  nahe  dem  Scheitel 
(Mesops,  Oclirilidia,  Macliaeridia,  Amycus,  Amphicremna). 
Mitunter  wird  aber  das  Hinterhaupt,  d.  i.  der  Teil  des  Kopfes 
hinter  den  Augen  in  die  Länge  gezogen,  wodurch  dann  die 
Augen  neben  den  Fühlern  in  der  Nähe  des  Kopfgipfels  zu  stehen 
kommen  (Acrida,  Acridella).  Es  kann  aber  der  Kopf  auch  da- 
durch verlängert  werden,  daß  der  Teil  zwischen  Fühlern  und 
Augen  gestreckt  wird;  sodann  stehen  die  Augen  hinten  am 
Kopf,  dem  Pronotum  genähert,  und  die  Fühler  am  Scheitel 
(Calamus).  Der  merkwürdigste  Fall  ist  aber  unstreitig  der,  in 
welchem  nur  der  Scheitel  schwertförmig  ausgezogen  wird;  dann 
sind  sowohl  Augen  als  Fühler  an  der  Basalhälfte  des  Kopfes 
inseriert  (GonyacanihaJ. 

Anpassung  in  der  Färbung.  Nicht  nur  in  der  Form 
macht  sich  bei  den  Bewohnern  der  Grassteppe  eine  auffallende 
Schutzanpassung  geltend;  es  zeigt  sich  vielmehr  auch  die  weit- 
gehendste Nachahmung  der  Umgebung  in  der  Färbung.  Die 
meisten  Arten  sind  gelbbraun  gefärbt.  Doch  sind  mir  in  dem 
Material  der  Werner'schen  Ausbeute  von  manchen  Arten  auch 
besonders  dunkle,  ja  sogar  schwarze  Individuen  aufgefallen,  so 
z.  B.  bei  Phlaeoha  Pharaonis  (var.  aterrima  m.),  Amphicremna 
scalata,  Calamus  linearis,  Mesops  laticornis  etc.  Auch  Acrotylits 
patruelis  ist  schwarz,  doch  befindet  sich  von  dieser  Art  in  dem 
mir  vorliegenden  Material  überhaupt  nur  ein  einziges  braunes 
Exemplar  und  auch  dieses  ist  viel  dunkler  als  etwa  die  herce- 
govinischen;  ich  kann  daher  nicht  entscheiden,  ob  A.  patruelis 
nicht  vielleicht  überhaupt  nur  in  dunklen  Exemplaren  im 
ägyptischen  Sudan  vorkommt.  Aber  zum  mindesten  bei  den 
übrigen  angeführten  Arten  ist  diese  dunkle  Varietät  von  Bedeu- 

19* 


278  H.  Karny, 

tung.  Dr.  Werner  hatte  nämlich  die  Freundlichkeit,  mir  mit- 
zuteilen, daß  dieselbe  stets  an  Stellen  gefangen  wurde,  wo  das 
Gras  durchVerbrennen  schwarz  geworden  war,  und  so  wäre  dem- 
nach hierin  eine  weitgehende  Schutzanpassung  zu  erblicken. 
Dr.  Werner  ist  der  Ansicht,  daß  dieselbe  durch  direkte 
Einwirkung  der  aus  der  Umgebung  auf  das  Tier  reflektierten 
Lichtstrahlen  zu  erklären  ist,  wie  ähnliches  ja  auch  schon  von 
Schmetterlingspuppen  bekannt  ist.  Jedenfalls  ist  die  Tatsache 
auffällig  und  bemerkenswert,  daß  die  schwarze  Varietät  stets 
nur  in  schwarzer  Umgebung  gefunden  wurde,  da  aber  dafür 
dann  auch  nur  diese. 

Mangel  an  Blattnachahmern.  Es  kommt  schließlich 
noch  eine  Anpassung  hier  in  Betracht,  nämlich  die  Anpassung 
an  das  Leben  auf  Bäumen,  zwischen  Blättern.  Unter  solchen 
Verhältnissen  lebende  Arten  zeigen  nämlich  mehr  oder  weniger 
deutlich  eine  auffallende  Nachahmung  ihrer  Umgebung.  Beson- 
ders in  den  Tropen  haben  wir  eine  große  Zahl  von  Blatt- 
nachahmern. Namentlich  die  Tettigonioiden  leisten  in  dieser 
Beziehung  oft  Erstaunliches,  besonders  die  Gruppe  der 
Phaneropteriden  und  Pseudophylliden.  Im  ägyptischen  Sudan 
sehen  wir  jedoch  die  ganze  Mannigfaltigkeit  der  Blattnach- 
ahmer, wie  wir  sie  aus  den  tropischen  Urwäldern  gewohnt 
sind,  nur  durch  eine  einzige  Form  vertreten,  die  Eurycorypha 
varia.  Es  ist  dies  sehr  leicht  durch  die  Flora  und  Vege- 
tation des  Gebietes  zu  erklären,  da  hier  Urwälder  vollständig 
fehlen.  Auch  die  genannte  Art  ist  mir  nur  aus  Gondokoro  be- 
kannt und  dürfte  wahrscheinlich  auch  dort  nicht  regelmäßig 
oder  wenigstens  nicht  in  größerer  Menge  vorkommen. 

Die  relative  Formenarmut  des  behandelten  Gebietes  ver- 
steht sich  aus  der  recht  ärmlichen  Vertretung  der  Tettigonioiden, 
die  zum  größten  Teile  Blattnachahmer  sind.  Die  gleiche  Ansicht 
hat  übrigens  auch  schon  Kar  seh  1893  für  die  Fauna  der  Berg- 
landschaft Adeli  ausgesprochen. 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  279 

Spezieller  Teil. 
Subclassis:  Orthoptera. 

(=  Orthopteriodea  Handl.;  recte  Dermaptera  Geer  s.  1.) 

Ordo:  Saltatoria. 
Suboi  do :  TettigToiiioidea. 

Farn.:  Phaneropteridae. 

Genus:  Phaneroptera  Serv. 

*  1.  Ph.  nana  Fieb.  1853. 
Brunn  er,  Mon.  Phan.,  1878,  p.  212. 

Renk  (II.  1905),  Gondokoro  (III.  1905). 
Sonstiges  Vorkommen:  Portugal,  Rio  de  Janeiro,  Fernando 
Po,  Capstadt,  Uru,  Zanzibar  (Brunn er  1.  c). 

Genus:  Eurycorypha  Stäl. 

*  2.  E.  varia  Br.  1891. 
Brunner,  Add.  Mon.  Phan.,  1891,  p.  136. 

Gondokoro  (11.  III.  1905).  Als  ausgesprochener  Blattnach- 
ahmer weiter  nördlich  fehlend. 

Sonstiges  Vorkommen:  Kilimandscharo  (Br.  1.  c),  Deutsch- 
Ostafrika  (Coli.  Br.  V.  W.  Nr.  23.012.). 

Farn.:  Conocephalidae. 
Genus:  Pseudorhynchus  Serv. 
t  3.  P.  Werneri  Karny,  Rev.  Con.  (Taf.  I,  Fig.  1,  2). 

Ich  habe  diese  neue  Art  bereits  in  meiner  Revisio  Cono- 
cephalidarum  in  die  Revisio  specierum  des  Genus  Pseiido- 
rhynchiis  aufgenommen  und  trage  hier  nur  noch  die  Beschrei- 
bung nach: 

Virescens  vel  testaceus.  Fastigium  verticis  subtus  fuscum, 
dente  basali  et  apice  nigro.  Sutura  clypei  et  apex  mandibularum 
extremus  niger. 


280  H.  Karny, 

Fastigium  verticis  longissimum,  pronoto  distincte  longius, 

fortiter  punctatum,    superne   planum,   subtus   teres,    levissime 

arcuatum  et  dente  basali  instructum.   Frons  punctis  impressis 

instructa.  Pronotum  dense  et  fortiter  punctatum,  margine  antico 

truncato,    postico    rotundato-truncato.    Lobi    laterales    angusti, 

margine  inferiore  leviter  sinuato,  postico  arcuato,  sinu  humerali 

distincto.    Elytra  abdomen  valde  superantia,   apice  rotundata. 

Femora  4  anteriora  spinulis  1  —  3  minimis  instructa,  oculo  in- 

ermi  vix  conspicuis.   Femora  postica  spinulis  parvis  permultis 

armata.  Lobi  geniculares  trianguläres,  acuminati,  haud  spinosi, 

exceptis   posticis   interioribus   in  spinulam   brevem   productis. 

Ovipositor   vix  dilatatus,    femoribus    intermediis    vix    longior, 

posticis  distincte  brevior. 

cT  9 

Long,  corporis 38 — 41  42 — 46 

»      fastigii 9  10 

>■>      pronoti   7 — 8  7 — 8 

»      elytrorum   35-40         38—42 

»      fem.  post 14—15  16—17 

»      ovipositoris —  9 — 1 1 

Die   neue  Art   steht   dem  Pseudorhynchus  hastatus  nahe 

und   ist  allem   Anscheine   nach   mit  ihm   vikariierend,    indem 

P.  hastatus  meines  Wissens  nur  an  der  Westküste  von  Afrika 

(Congo,  Ashantie,  Sierra  Leone)  vorkommt,  während  P.  Werneri 

für  Ostafrika    charakteristisch    zu    sein    scheint   (Gondokoro; 

IIL  1905,  leg.  Werner).  Von  P.  hastatus  unterscheidet  er  sich 

besonders  durch  das  längere  Fastigium  verticis  und  vor  allem 

durch  die  nur  halb  so  lange  Legeröhre. 

4.  P.  hastifer  (Schaum  1862). 

Redtenbacher,  Mon.  Con.,  1891,  p.  53. 

Nach  Redtenbacher  gelbbraun;  in  Dr.  VVerner's  Aus- 
beute liegen  mir  jedoch  auch  grüne  Exemplare  vor. 

Nördlich  von  Shambe  (3.  IV.  1905  leg.  Werner),  Bor  (leg. 
Werner). 

Sonstiges  Vorkommen;  Sennaar,  Sudan  (Coli.  Mus.  Caes. 
Vind.  leg.  Marno),  Grand-Popo,  Baganmayo  (Coli.  Br.  v.  W.) 
Mossambique  (Schaum). 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  281 

Genus:  Conocephalus  Thunb. 

Kirby  und  Karsch  wollen  den  Namen  verwerfen,  da  sie 
ihn  als  Synonym  von  Xiphidion  betrachten  —  dann  hätte  aber 
Conocephalus  die  Priorität!  —  Bisher  liegt  aber  kein  anderer 
Name  für  dieses  Genus  vor,  es  müßte  daher  von  meinen  drei 
Subgenusnamen(Rev.Con.)  einer  für  das  ganze  Genus  gebraucht 
werden.  Ich  betrachte  C.  nitiduhis  (als  die  älteste  Art)  als  Type 
der  Gattung  und  demgemäß  müßte  dieselbe  dann  Homorocory- 
phiis  heißen.  Ich  bin  jedoch  der  Ansicht,  daß  Conocephalus 
beibehalten  werden  kann. 

5.  C,  (Homorocoryphus)  nitidulus  Scop.  (1786). 

Redtenbacher,  Mon.  Con.,  1891,  p.  113:  Conocephalus  mandibular is  Cha.Tp. 
Werner,  Orthopt.  Ägypt.,  1895,  p.  72:  Conocephalus  mandibttlaris  (Cha.rp.) 
Karny,  Rev.  Con.:  Homorocoryphus  nitidulus  Scop. 

Gondokoro  (14.  III.  1905  leg.  Werner). 
Sonstiges  Vorkommen :  Sudan  (Mus.  Caes.  Vind.  leg.  M  a  r  n  o), 
ganz  Afrika,  Südeuropa,  China  (?)  (Redtenbacher  1.  c.) 

Genus:  Xiphidion  Serv. 

*  6.  X.  maculatum  Guillon  1841. 

Redtenbacher,  Mon.  Con.,  1891,  p.  201:  Xiphidiiim  maculatum. 
Karny,  Rev.  Con.,  Xiphidion  maculatum. 

Mongalla,  Gondokoro,  Ru'alla  (III.  1905). 
Sonstiges  Vorkommen:  Kap,  Gabun,  Madagaskar,  Zanzibar, 
Aden,  Indien,  Sunda-Inseln,  Japan  (Redtenb.  1.  c). 

*  7.  X.  aethiopicum  (Thunb.  1789)  (haud  =  concolor  Burm.). 

Redtenbacher,  Mon.  Con.,  1891,  p.  203:  Xiphidium  aethiopicum. 

Werner,  Orthopt.  Ägypt.,  1905,  p.  72:   (confuse    cum  concolore):   Xiphidium 

aethiopicum. 
Karny,  Rev.  Con.:  Xiphidion  aethiopicum. 

Mongalla,  Gondokoro  (III.  1905). 

Sonstiges  Vorkommen:  Gabun,  Kamerun,  Fernando  Po, 
Goldküste,  Kap,  Zanzibar,  Madagaskar,  Ostafrika,  Rio  Pongo, 
Nuerera  (Redtenb.  1.  c),  Ägypten  (Werner),  Messina  (Coli. 
Br.  V.  W.). 


282  H.  Karny, 

Farn.:  Hetrodidae. 
Genus:  Gymnoproctus  Kar  seh. 

8.  G.  abortivus  (Serv.  1839). 

Lucas,  Rem.  Ettgaster  Serv.,  1868,  p.  85:  Etigaster  Maurelii  {(;^,  ^). 
Karsch,  Hetrodiden,  1887,  p.  62:  Gymnoproctus  abortivus  {c^). 
Kirby,  Notes  Fam.  Hetrodidae,  1899,  p.  99:  Gymnoproctus  abortivus. 

Am  Hinterrand  des  Pronotums  treten  mitunter  zwei  kleine 
Dörnchen  auf.  Die  mir  vorliegenden  Larven  und  9  9  sind  viel 
heller  gefärbt  als  die  cf cf;  der  Hinterteil  des  Pronotums  ist  bei 
den  9  9  viel  kürzer  als  bei  den  cTcT,  wie  schon  Lucas 
hervorhebt. 

Lado  (Mus.  Caes.  Vind.,  leg.  Emin  1881,  larvae);  Chartum 
(1861),  Sudan  (1868,  Mus.  Caes.  Vind.,  cf  ö");  Sudan  (Mus.  Caes. 
Vind.,  leg.  Emin  Bey  1885,  99). 

Sonstiges  Vorkommen:  Ssabbs  (Karsch  1.  c). 

Genus;  Anepisceptus  Fieb. 

Mit  Recht  hat  Kirby  1899  den  Namen  Anepisceptus 
Fieb.  1853  K\r  Pornotrips  Karsch  1887  wieder  eingeführt. 

?  A.  horridus  (Burm.  1838). 

Werner  (Orthopt. Ägypt.,  1905,  p.  73:  Pornotrips  Iwrridtis) 
vermutet,  daß  die  Art  vielleicht  nicht  in  Ägypten,  sondern  im 
Sudan  vorkomme.    Mir  ist  sie  jedoch  von  da  nicht  bekannt. 

Subordo:  Actietoidea. 
Fam.:  Eneopteridae. 
Genus:  Euscyrtus  Guer. 
*9.  E.  bivittatus  Guer.  1840. 

Saussure,  Mel.  orth.,  p.  764:  Euscyrtus  bivittatus. 

Gondokoro  (leg.  Werner). 

Sonstiges  Vorkommen:  Mauritius,  Natal  (Saussure  I.  c), 
Fernando  Po,  Cape  Coast  Castle,  Reunion  (Coli.  B  r.  v.  W.). 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  28o 

*9a.  var.  abbreviata  Bol.  1895. 

Gondokoro,  zusammen  mit  der  Hauptform. 

f  10.  E.  pallens  n.  sp. 

Stramineus  vel  pallide  testaceus,  plerumque  concolor,  vel 
lobis  lateralibus  pronoti  campoque  elytrorum  anteriore  vittä 
longitudinali  obscuriore  instructis. 

Caput  sat  validum,  pronoto  haud  angustius.  Elytra  plus 
dimidio  abdominis  obtegentia;  alae  elytris  semper  longiores. 
Ovipositor  sigmoidalis,  pallens,  cercis  vix  longior. 

Long,  corporis 14-3— 14-6  12-3— 13-6 

»       pronoti 1-7  —  2  1  -8—2 

»      elytrorum...            7 — 8  6—6-8 

»      alarum 10-8— 12-8  8—9-5 

»      fem.  post.  .  .  .  9-4—10  8-9—9-7 

»       ovipositoris.  .               —  9*5 — 10*5 

Die  neue  Art  unterscheidet  sich  von  £.&m7/a/7^5  schon  sofort 
durch  die  Färbung.  Sie  scheint  dem  E.  hova  (Brancsik  1892) 
und  dem  E.  planiceps  (Karsch  1893)  nahezustehen,  unter- 
scheidet sich  jedoch  von  ersterem  durch  kürzeren,  von  letzterem 
durch  längeren  Ovipositor  und  außerdem  von  beiden  durch  die 
meist  einfarbigen  Elytra. 

Dr.  Werner  fand  die  neue  Art  gegenüber  Khor  Attar 
(IL  1905)  und  in  Gondokoro  (III.  1905).  E.  hova  ist  aus 
Madagaskar,  E.  planiceps  aus  Westafrika  beschrieben  worden. 

Genus:  Calyptotrypus  Sauss. 

11.  C.  Petersi  Sauss.  1878. 

Sennaar  (sec.  Saussure,  IVTel.  orth.,  p.  719). 

Genus:  Heterotrypus  Sauss. 

12.  H.  Africanus  Sauss.  1878. 

Chartum  (Coli.  Br.  v.  W.). 


284  H.  Karny, 

Farn.:  Trigonidüdae. 
Genus:  Cyrtoxipha  Br. 

Revisio  specierum. 

1.  Species  Americanae:  (v.  Saussure.,  Mel.  orth.,  p.  618). 
1.1.  Species  Africanae. 
2.  Colore  stramineo. 

3.  Fronsfasciaferrugineaintraoculari  instructa;  cf  ignotum: 

Cyrtoxipha  ciliata  (B  r a n  c  s). 
3.3.  Frons  concolor;  9ignota.  .  Cyrtoxipha  gilva  (Karsch). 
2.2.  Colore  obscure  testaceo. 

3.  Alae  abortivae;  ^ignotum:  Cyrtoxipha ßüva  (Karsch). 
3.3.  Alae  longe-caudatae. 

4.  Frons  fasciä  transversa  nigra,   lobi   laterales   pronoti, 

femora  tibiaeque  punctis  maculisque  nigris  ornata  .  . 

Cyrtoxipha  contaminata  (Karsch). 

4.4.  Caput,   pronotum   concolora;    femora  tibiaeque   te- 

stacea  vel  nigra,  unicolora 

Cyrtoxipha  Karschi  n.  sp. 

f  13.  C.  Karschi  n.  sp. 

Obscure  testacea,  concolor.  Elytra  apicem  abdominis  vix 
superantia,  venis  ut  C  contaminata  instructa.  Alae  longe  cau- 
datae,  elytris  duplo  longiora. 

Staturä  quam  contaminata  parum  minore. 

cf  9 

Long,  corporis 6-4  4*5 — 5 

»      pronoti 0-8  0' 5—0 •  7 

»       elytrorum 5  •  1  3  *  5 — 4 

»      alarum 10*2  8—9 

»      fem.  post 5  3*3 — 4*8 

»       ovipositoris —  1  -4 — 2 

Dedico  hanc  speciem  Dom.  Dr.  F.  Karsch,  qui  cum  Omni- 
bus Africae  Orthopteris  operam  dabat,  tum  tres  huius  generis 
species  africanas  1893  descripsit. 

Gondokoro  (III.  1905  leg.  Werner). 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  285 

Genus:  Trigonidium  Ramb. 

*14.  T.  cicindeloides  Ramb.,  1838. 

1   9;  Mongalla  (III.  1905  leg,  Werner). 
Sonstiges  Vorkommen:  Mittelmeergebiet,  Indien. 

Fam.:  Oecanthidae. 
Genus:  Oecanthus  Serv. 
*15.  Oe.  brevicauda  Sauss.  1878. 

1  9;  Gondokoro  (5.  III.  1905  leg.  Werner). 
Bisher  nur  aus  Südafrika  bekannt  (Saussure   Mel.  orth., 
p.  594). 

Fam.:  Gryllidae. 

Genus:  Loxoblemmus  Sauss. 

Dispositio  subgenerum. 

1.  Frons  plana  vel  convexa.   Elytra  perfecte  explicata.  Species 

asiaticae a.  Loxohleminiis  Sauss. 

1.1.  Elytra  raro  perfecta  (^),  in  quo  casu  frons  concava.  Species 
africanae. 
2.  Frons   concava.    Caput  cf   a  latere    visum    acutangulum, 
fastigio  producto.  Elytra  cf  abdomen  subtotum  obtegentia, 

9  parva,  lateralia h.  Paraloxohleinmtis  m. 

2.2.  Frons  convexa.  Caput  a  latere  visum  obtusangulo, 
fastigio  globoso.  Elytra  abbreviata,  sed  dorsalia,  in 
cf  minima,  in  9  dimidium  abdominis  obtegentia.  Species 
madagassa c.  Pezoloxohlemimis  m. 

1 16.  Paraloxoblemmus  loxoblemmoides  n.  sp.  (Taf.  I,  Fig.  3  bis  5). 

Colore  fusco.  Frons  pallide-testacea,  carinis  lateralibus 
sigmoidalibus,  nigro-fuscis.  Fastigium  cT  fortiter  triangulariter 
productum,  carinis  distinctis;  9  carinis  item  acutis,  sed  vix 
productis. 


286  H.  Karny, 

Pronoti  lobi  laterales  retrorsum  angustati,  margine  inferiore 
postice  ascendente,  angulo  antico  distincto.  Elytra  ^^  abdomen 
subtotum  obtegentia,  tympano  perfecto,  9  brevissima  lateralia. 
Alae  abortivae.  Ovipositor  cercis  aequilongus. 

cf  9 

Long,  corporis 16—20  15-5 

fastigii l-9_3-4  o-2 

»       pronoti 3  •  7—4  •  5  4 

»       elytrorum 8  —  8-5  3 

»      fem.  post 10-6- 11-3  lO'ö 

»      ovipositoris —  9 

Kodok,  Faschoda  (8.  II.  leg.  Werner). 
Die  einzige  Art   der  Gattung,   die  vom  afrikanischen  Fest- 
lande bekannt  ist. 

Bemerkung.  In  dasselbe  Subgenus  scheint  Loxoblemmus 
oMustis  Sauss.  1899  zu  gehören,  den  ich  allerdings  nur  nach 
Saussure's  Beschreibung  und  Abbildung  kenne.  Jedenfalls 
ist  er  nicht  das  cT  von  L.lativertex.  Die  Coli.  Br.v.W.  besitzt  aus 
Madagaskar  Exemplare,  die  ich  für  L./a^w^r/^^  halte,  obwohl  sie 
sich  von  Saussure's  Abbildung  durch  relativ  längere  Hinter- 
beine unterscheiden.  Das  cf  derselben  (Saussure  kennt  nur 
das  9)  ist  ebenso  groß  wie  das  9  md  unterscheidet  sich  nur 
durch  viel  kürzere  Elytra  von  dem.selben,  die  sich  zwar  am 
Rücken  berühren,  aber  des  Tympanums  entbehren.  Ich  habe 
wegen  dieser  Eigenschaften  für  diese  Art  ein  eigenes  Subgenus 
geschaffen,  das  ich  Pezoloxohlemmus  nenne,  weil  hierbei  beiden 
Geschlechtern  die  Flugorgane  so  stark  rückgebildet  sind. 

Genus:  Scapsipedus  Sauss. 
\7.  S.  Felden  Sauss.  1877. 

Saussure,  Mel.  orth.,  p.  410. 

Khor  Attar,  Mongalla,  Kodok,  Faschoda  (leg.  Werner). 

Sonstiges  Vorkommen:  Chartum  (Coli.  Mus.  Caes.  Vind., 
Coli.  B  r.  V.  W.),  Massaua,  Zanzibar,  Fernando  Po  (Coli.  B  r.  v.  W.), 
Sennaar, Madagaskar  (S aus sure  1.  c);  Coli. Mus.  Chartum  (sine 
indicatione  patriae). 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  28/ 

Var.  a.  Sauss. 

Khor  Attar  (leg.  Werner);  Mus.  Chartum. 

Genus:  Gryllodes  Sauss. 

18.  G.  apricus  Sauss.  (Taf.  I,  Fig.  6). 

Saussure,  Mel.  orth.,  p.  371. 

Die  Type  dieser  Art  von  Sennaar  befindet  sich  in  der 
Coli.  Mus.  Caes.  Vind.  Saussure  gibt  jedoch  Ägypten  statt 
Sennaar  als  Fundort  an. 

Das  9  (neu)  unterscheidet  sich  vom  cT  durch  etwas  kürzere 
Elytra.  Die  Legeröhre  (5 '8  mm)  ist  länger  als  die  Cerci  und 
kürzer  als  das  Femur  posticum. 

Chartum  (I.  1905  leg.  Werner  eine  cf-  und  eine  9-Imago); 
Gondokoro  (III.  1905  leg.  Werner  drei  Larven,  darunter  eine 
mit  in  Regeneration  begriffenem  linken  Hinterbein). 

Genus:  Acheta  L. 
=  Gryllus  auctorum. 
f  19.  A.  werneriana  n.  sp. 

Statura  mediocri,  colore  obscuriore.  Frons  nigra,  fasciä 
nullä,  occiput  rubidum.  Pronoti  lobi  laterales  margine  extremo 
nigro,  deinde  maculä  longitudinali  testaceä,  dimidio  superiore 
fusco-nigro,  discus  rubidus,  nonnunquam  vitta  mediana  longi- 
tudinali nigra  ornatus.  Elytra  abdomen  totum  vel  subtotum 
obtegentia,  testaceä,  campo  laterali  (=:  anteriore)  albido,  deinde 
vittis  longitudinalibus  1  vel  2  fusco-nigris  ornatum.  Tympanum 
cf  venis  obliquis  4  instructum.  Ovipositor  rectissimus,  femori- 
bus  posticis  vix  longior. 

Dedico  hanc  speciem  Dom.  Dr.  Fr.  Werner,  qui  eam  in 
Mongalla  (26.  III.  1905)  et  Gondokoro  (16.  III.  1905)  repperit. 

cf  9 

Long,  corporis 15  16 

»  pronoti 3  3 

»  elytrorum 10  8 

»  alarum 20  5  •  5 

»  fem.  post 10'5  11 

»  ovipositoris — •  1 1  •  5 


288  H.  Karny, 

Die  neue  Art  unterscheidet  sich  von  G.  deserta  besonders 
durch  die  auffallend  kürzere  Legeröhre  und  scheint  noch  den 
beiden  indischen  Arten  G.plebeja  und  igttobilis  am  nächsten  zu 
stehen,  von  denen  sie  durch  schlankere  Gestalt  und  die  ab- 
weichende Färbung  des  Pronotums  und  der  Elytra  leicht  zu 
unterscheiden  ist. 

t20.  A.  brevicauda  n.  sp. 

Statura  mediocri  colore  nigro-fusco.  Frons  nigra,  fasciä 
nullä,  occiput  longitudinaliter  flavo-6-striatum.  Pronoti  lobi 
laterales  ut  in  A.  fuerneriana  colorati;  discus  fuscus.  Elytra  ab- 
domen  subtotum  obtegentia,  fusco-testacea,  campo  anticofusco- 
nigro.  Ovipositor  rectus  femoribus  posticis  distincte  brevior. 
Species  africana. 

Long,  corporis 14 

»      pronoti    2-3 

»      elytrorum 9-5 

»      alarum 16 

»      fem.  post 8-5 

»      ovipositoris 6 

Das  einzige  mir  vorliegende  Exemplar  ist  Eigentum  des 
Museums  von  Chartum;  der  Fundort  ist  bestimmt  der  ägyp- 
tische Sudan,  doch  ist  nichts  Näheres  angegeben. 

Die  neue  Art  steht  nach  der  Zeichnung  des  Hinterhauptes 
der  Ä.  quadristigata  jedenfalls  am  nächsten,  unterscheidet  sich 
jedoch  von  derselben  durch  etwas  geringere  Größe  und  viel 
kürzere  Legeröhre.  Von  A.  wenieriana  ist  sie  leicht  durch  die 
Färbung,  die  längeren,  schmäleren  Elytra  ?  und  die  deutlich 
kürzere  Legeröhre  zu  unterscheiden. 

Über  ihre  sonstige  Verbreitung  ist  mir  nichts  bekannt. 

21.  A.  quadristrigata  (Sauss.  1877). 
Saussure,  Mel.  orth.,  p.  334. 

Diese   mir  nur  nach  Saussure's  Beschreibung  bekannte 
Grille  soll  auch  in  Sennaar  vorkommen  (Saussure  1.  c.) 
Sonstige  Verbreitung:  Goldküste,  Ostindien  (id.). 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  289 

22.  A.  Brunneri  (Sel.-Longch.  1867). 
Saussure,  Mel.  orth.,  p.  338. 

Sudan  (Coli.  Mus.  Caes.  Vind.).  Über  das  ganze  paläo- 
tropische  Gebiet  (einschließlich  Neu-HoUands)  und  Nordafrika 
verbreitet  (nach  Saussure). 

f  23.  A.  lutea  n.  sp. 

Statura  mediocri,  colore  luteo.  Caput,  excepto  spatio  intra- 
oculari  parum  obscuriore,  concolor,  fasciä  pallidä  nuUä.  Prono- 
tum  depressiusculum,  parallelum,  lobis  lateralibus  anguste  nigro- 
marginatis,  pallidis,  parte  superiore  obscuriore.  Elytra  parum 
abbreviata,  luteo-testacea,  campo  anteriore  pallido.  Tympanum 
ignotum.  Alae  longe-caudatae.  Ovipositor  femoribus  posticis 
aequilongus. 

9 

Long,  corporis 13 

»      pronoti 2*8 

»      ely trorum 6 

»      alarum 16 

»       fem.  post 8 

»       ovipositoris 8 

1  9;  Khor  Attar  (21.  II.  1905  leg.  Werner). 

Von  A.  Brunneri  unterscheidet  sich  die  neue  Art  vor  allem 
durch  geringere  Größe  und  den  einfarbigen  Kopf;  von  A.  dome- 
stica  durch  kürzere  Elytra,  das  einfarbige  Pronotum  und  den 
Mangel  der  hellen  und  dunkeln  Querbinden  auf  dem  Kopf;  von 
A.hygrophüa  (Krauss  1902)  durch  die  Färbung  des  Kopfes,  die 
langen  Hinterflügel  und  die  etwas  kürzere  Legeröhre. 

24.  A.  domestica  (L.  1759). 

Duem  (leg.  Werner);  Coli.  Mus.  Chartum  (sine  indica- 
tione  patriae).  —  Kosmopolit  (Saussure). 

25.  A.  melanocephala  (Serv.  1839). 

Gazellenfluß.  —  Außerdem  Abyssinien,  Ostindien  (Saus- 
sure Mel.  orth.,  p.  343). 


290  H.  Karny, 

Genus:  Liogryllus  Sauss. 

26.  L.  morio  (Fab.  1781). 

Sennaar  (Mus.  Caes.  Vind.),  Gazellenfluß  (Saussure). 
Sonstige  Verbreitung:    Zanzibar,   Massaua,   Sierra  Leone 
(Coli. Br. V.W.) ;  Guinea,  Senegal  (Saussu re,  Mel.orth.,  p.305). 

27.  L.  bimaculatus  (Geer  1773). 

Chartum,  Sennaar  (Mus.  Caes.  Vind.). 
Sonstige  Verbreitung:   Ganz  Afrika,   Madagaskar,   Indien, 
Zentralasien,  Mittelmeerregion  (Saussure,   Mel.  orth.,  p.  309). 

Genus:  Brachytrupes  Serv. 
=  Brachytrypus  Sauss.  Mel.  orth.,  p.  283—290. 

*28.  B.  membranaceus  (Drur.  1773). 

Gondokoro  (leg.  Werner),  Chartum,  Sudan  (Mus.  Caes. 
Vind.,  leg.  S  teindachner). 

Sonstige  Verbreitung:  Port  Natal,  St.  Thome,  Cape  Coast. 
Castle,  Old  Calabar,  Guinea,  Quelimana,  Zambesi,  Milanji, 
Zentralafrika,  Zanzibar,  Gabun,  Niger  (Coli.  Br.  v.  W.);  Congo, 
Mozambique,  Abyssinien  (Saussure). 

Kam.:  Nemobüdae. 
Genus:  Nemobius  Serv. 
*29.  N.  Aethiops  Sauss.  1877. 

Saussure,  Mel.  orth.,  p.  250. 

Mongalla  (III.  1905  leg.  Werner). 

Sonstige  Verbreitung:  Congo,  Ashantie,  Hö,  Sklavenküste 
(Coli.  Br.  V.  W.). 

Var.  nov.  abbreviata  m.  Alis  abortivis. 

Mongalla,  Gondokoro  (III.  1905  leg.  Werner). 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  29  1 

Subordo :  Gpyllotalpoidea. 

Farn.:  Gryllotalpidae. 

Genus:  Gryllotalpa  Latr. 
=  Curtüla  Oken  1815,  Kirby  1890,  Karsch  1893. 

Kirby  und  Karsch  wollen  für  Gryllotalpa  den  jüngeren 
]>i amen  Curtüla  einführen,  um  die  Gleichheit  des  Gattungs- und 
Artnamens  bei  unserer  einheimischen  Spezies  zu  vermeiden. 
Meines  Wissens  ist  in  der  Zoologie  diese  Gleichheit  jedoch  er- 
laubt; in  der  Botanik  muß  aber  auch  der  ältere  Artname  dem 
Gattungsnamen  weichen.  Ich  schlage  daher  vor,  bis  auf  weiteres 
Gryllotalpa  gryllotalpa  (L.)  zu  sagen. 

30.  G.  africana  Pal.  Beauv.  1805. 

Khor  Attar,  Faschoda,  Duem  (leg.  Werner). 
Sonstige  Verbreitung:  Ganz  Afrika  und  Südasien  (Saus- 
sure). 

Fam.:  Tridactylidae. 

Genus:  Tridactylus  Ol. 

*31.  T.  Savignyi  Guer.  1840.  var.  nov.  major  m. 

Differt  a  forma  typica  statura  majore: 

Long,  corporis 6  •  9 — 7  •  4 

»       pronoti 1"5 — 1"7 

»       elytrorum 3 — 3  •  2 

»      alarum 7 — 8 

»      fem.  post 4  •  3 — 4  •  5 

Gegenüber  Khor  Attar  (II.  1905),  Mongalla  (III.  1905  leg. 
Werner). 

Verbreitung  der  typischen  Form:  Dongola  (Saussure 
Mel.  orth.,  p.  221),  Ägypten   (Saussure  1.  c,  Werner,  p.  75). 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw   KL;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  20 


292.;  H.  Karny, 

Subordo:  Acpidoidea 

(zzz  Locustoidea). 

Farn.:  Acrydüdae. 
Genus:  Paratettix  Bol. 

*32.  P.  scaber  (Thunb.  1815).  Carinae  integrae. 

Gondokoro,  Mongalla  (leg.  Werner). 
Sonstige  Verbreitung:   Ostindien,  Gabun,  Kamerun,  Zanzi- 
bar,  Madagaskar,  Reunion,  Deusch-Ostafrika. 

Var.  nov.  Ugandensis  m. 

Processus  pronoti  genua  postica  haud  superans,  carina 
media  expressa,  sed  rectissima,  haud  arcuata. 

Die  neue  Varietät  unterscheidet  sich  von  der  Hauptform 
durch  den  kurzen  Processus,  von  P.cinereus  durch  den  geraden 
Mittelkiel  des  Pronotums.  Sie  liegt  in  einem  Exemplar  von  Gon- 
dokoro vor,  welches,  wie  oft  auch  die  Hauptform,  halbkreis- 
förmige schwarze  Schulterflecke  besitzt. 

33.  F.  meridionalis  (Ramb.  1838).  Carinae  undulatae. 

Gegenüber  Khor  Attar  (leg.  Werner). 

Sonstige  Verbreitung:  Chartum  (Coli.  Mus.  Caes.  Vind.); 
Mittelmeergebiet,  Vorderasien,  Ägypten  (Coli.  Br.  v.  W.); 
Algerien,  Nubien  (Bolivar).  (Ein  Exemplar  der  Coli.  Br.  v.  W. 
mit  der  Angabe  Madagaskar  ist  sicher  nicht  P.  meridionalis, 
sondern  wahrscheinlich  P.  Voeltzokofuiana  Sauss.). 

Var.  Dohrnii  (Fieb.  1853).  Processu  breviore. 

Gegenüber  Khor  Attar  (leg.  Werner). 

Sonstige  Verbreitung:  Dalmatien  (die  Type  Fieber's), 
Trebisconde,  Cairo  (Coli.  Br.  v.  W.). 

Schulterfleck  (wie  bei  der  Hauptform)  dreieckig  oder 
fehlend  (Unterschied  von  P.  Ugandensis). 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  290 

Farn.:  Pyrgomorphidae. 
Genus:  Chrotogonus  Serv. 

34.  Ch.  homalodemus  (Blanch.  1836). 

Sennaar  (sec.  Bolivar,  p.  46). 

35.  Ch.  lugubris  (Blanch.  1836). 
Bolivar,  Mon.  Pirgom.,  1884,  p.  46. 

Gebel  Araschkol,  Edeloud,  Duem,  Kodok  (Faschoda), 
Mongalla,  Gondokoro  (II. — IV.  1905,  leg.  Werner). 

Sonstige  Verbreitung:  Chartum,  Sennaar  (leg.  Kotschy), 
Nubien  (leg.  Marno  1871;  Mus.  Caes.  Vind.),  Oberägypten, 
Ägypten,  Massaua,  Aden  (Coli.  Br.  v.  W.). 

Genus:  Atractomorpha  Sauss. 

^36.  A.  Gerstaeckeri  Bol.  1884. 
Bolivar,  Mon.  Pirgom.,  p.  66. 

Gegenüber  Khor  Attar,  Renk,  Kodok  (Faschoda),  Goz  Abu 
Guma,  Gondokoro  (leg.  Werner  1905). 

Sonstige  Verbreitung:  Fernando  Po,  Kamerun,  Gabun, 
Congo,  Sierra  Leone,  Goldküste,  Ashantie  (Coli.  Br.  v.  W.), 
Zanzibar,  Calcuta  (Bolivar  1.  c). 

Genus:  Pyrgomorpha  Serv. 

*37.  P.  granulata  Stäl  1875. 

Bolivar,  Mon.  Pirgom.,  1884,  p.  80. 
Bolivar,  Soc.  Esp.,  1904,  p.  453. 

Gondokoro  (leg.  Werner:  17.  III.  1905  1?;  18. III.  1905  1cf). 

Sonstige  Verbreitung:  Dagana,  Damara,  Humbe,  Duque 
de  Bragan9a,  Senegal,  S.  Salvador,  Transvaal,  Nyasaland, 
Dakar  (Bolivar). 

20* 


294  H.  Karny, 

*38.  P.  cognata  Kr.  1877. 
Bolivar,  1888,  p.  81;  1904,  p.  454. 

Renk  (II.  1905),  Gondokoro  (III.  1905  leg.  Werner). 
Sonstige  Verbreitung:    Dagana,  Cap  Verde,  Bakel,   Sene- 
gal, Assinie  (Bolivar). 

39.  P.  conica  (Ol.  1789)  =  P.  grylloides  (Latr.  1804). 

Bolivar,  1888,  p.  82:  Pyrgomorpha  grylloides. 
Bolivar,  1904,  p.  454:  Pyrgomorpha  conica. 

Chartum  (I.  1905),  Goz  Abu  Guma  (4.  II.  1905  leg. 
Werner). 

Sonstige  Verbreitung:  Südeuropa,  Kleinasien,  Aden,  So- 
maliland, Massaua,  Senegal,  Suakin,  Bengala  (Bolivar),  Char- 
tum (Coli.  Br.  V.  W.),  Ägypten  (Werner),  Sudan  (Coli.  Mus. 
Caes.  Vind.,  leg.  Marno  1873). 

Genus:  Poekilocerus  Serv. 

40.  P.  hieroglyphicus  (Klug  1829). 
Bolivar,  Mon.  Pirgom.,  p.  107. 

GebelAraschkol,  Edeloud  (leg.  Werner);  Chartum,  Nubien 
(Coli.  Mus.  Caes.  Vind.);  Chartum  (Coli.  Br.  v.  W.). 

Sonstige  Verbreitung:  Dongola,  Cairo,  TuU-Arre,  Somali 
Isa  (Bolivar). 

Genus:  Zonocerus  Stäl. 

41.  Z.  variegatus  (L.  1758). 
Bolivar,  1884,  p.  114;  1904,  p.  418. 

Kodok  (leg.  Werner);  Sennaar  (Mus.  Caes.  Vind.);  Char- 
tum (Coli.  Br.  V.  W.). 

Sonstige  Verbreitung:  Senegal,  Taoue  Sudan,  Kamerun, 
Somali  Isa  Mahal-Uonz,  Angola,  Natal  etc.  (Bolivar). 

Genus:  Phymateus  Thunb. 

42.  Ph.  aegrotus  (Gerst.  1869). 
Bolivar,  1884,  p.  119;  1905,  p.  407. 

Lado  (Mus.  Caes.  Vind.,  leg.  Emin  1881). 
SonstigeVerbreitung:  Cafreria,Abyssinien,Somali  (Bolivar). 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  29o 

Farn.:  Locustidae. 

Genus:  Oxya  Serv. 

*43.  O.  serrulata  Kr.  1891. 

Gondokoro,  Goz  Abu  Guma  (leg.  Werner);  Chartum 
(Coli.  Mus.  Caes.  Vind.,  det.  Redtenbacher). 

Sonstige  Verbreitung:  Madagaskar,  Zanzibar,  Natal, 
Kamerun,  Deutsch-Ostafrika,  Goldküste,  Senegal,  Gabun  (Coli. 
Br.  V.  W.). 

Genus:  Tristria  Stäl. 
Revisio  specierum  Tristriae. 

1.  Femora  postica  intus  concolora. 

2.  Lobi  mesosternales  haud  vel  sutura  brevissima  contigui. 
3.  Elytra  campo  antico  pallido. 

4.  Processus     laminae     subgenitalis     cf     cercos    valde 
superans. 

5.  Cerci  cT  distincte  incurvi.  Processus  laminae  sub- 
genitalis cf  latere  compressum,  subtus  et  superne 
calloso-marginatum,  apice  obtusa.  Species  indica  et 

chinensis 1.  T.  lacerta  Stäl. 

5.  Cerci  cT  recti.  Species  africanae. 

6.  Processus    laminae    subgenitalis    cf   apice    sub- 

obtusa,  cercis  duplo  fere  longior:  2.  T.pallida  n.  sp. 

6.  6.  Processus  laminae  subgenitalis  cf  apice  per- 

acuta,  cercis  plus  triplo  longior  (colore  fusco; 

statura  majore:  cT  29,  9  34 — 37;  patria  Sierra 

Leone;  Coli.  Mus.  Caes.  Vind.):  3.  T.  pulla  n.  sp. 

4.  4.  Processus  laminae  subgenitalis  cT  cercis  vix  longior 

vel  brevior.  Species  africanae. 

5.  Statura    parum    minore,    colore    pallidiore,   Vertex 

magis  acuminatus,  carinis  distinctioribus,   quarum 

media    per   totuma    occiput    subdistincta    perducta. 

Tibiis  posticis  concoloribus:  4.  T.  stidanensis  n.  sp. 

5.  5.  Statura   parum   majore   (cf    24—25,    9  31—32), 

colore,  obscuriore.  Vertex  magis  obtusus,  carinis 

obtusioribus,  quarum  media  in  occipite  indistincta 

vel  nulla.  Tibiis  posticis  apicem  versus  infuscatis 


296  -  H.  Karny, 

(praecipue  subtus).   Patria:   Mikindani,  Deutsch- 
Ostafrika  (Coli.  Br.  V.  W.,  No.  20.988): 

5.  T.  Brunneri  n.  sp. 

3.  3.  Elytra  fusca,  margine  antico  parum  obscuriore  (apicem 

abdominis   haud  attingentia.    Costa  frontalis    carinis 

indistinctis,  Vertex  subnullis.  Statura  mediocri  [9  29], 

colore  fusco,  concolore.  Patria:  Bogos  (Coli.  Br.  v.  W., 

Nr.  21.706) 6.  T.  tristis  n.  sp. 

2.  2.  Lobi  mesosternales  sutura  longa  contigui,  dehinc  subito 
divergentes.  Species  africae  occidentalis,  mihi  solum 
secundum  auctoris  descriptionem  nota: 

7.  T.  stittiralis  Kars  eh. 
1.  1.  Femorapostica  in  areainternomediaad  carinam  superiorem 
fusca.  Species  africanae  occidentales. 
2.  Tibiae  posticae  concolores.  .  .8.  T.  marginicosta  Karsch. 
2.  2.  Tibiae  posticae  tertia  parte  apicali  nigra. 

3.  Vertex  carinis  obsoletis  instructus,  costa  frontalis  plana, 
carinis  in  9  nullis  (secundum  auctoris  descriptionem). 
Elytra    9    margine    antico    fortiter    sinuato    (secundum 

figuram) 9.  T.  conops  Karsch. 

3.  3.  Vertex  carinis  lateralibus  et  media  distinctis,  costa 
frontalis  (a  latere  visa)  sinuata,  carinis  (ab  antico  visis) 
distinctis,  sinuatis  (9).  Elj^tra  9  margine  antico  sub- 
recto.  Statura  et  colore  conopis.  Patria:  H6,  Sklaven- 
küste (Coli.  Br.  V.  W.,  Nr.  17.453):  10.  T.  oriiata  n.  sp. 

t44.  T.  pallida  n.  sp.  (Taf.  I,  Fig.  7,  8). 

Flavo-testacea.  Vertex  carinis  sat  distinctis,  media  per 
occiput  haud  perducta.  Costa  frontalis  subplana,  carinis 
distinctis,  haud  callosis,  orem  versus  divergentibus.  Pronotum 
carinis  distinctis,  lobis  lateralibus  margine  inferiore  obtusangulo, 
prope  carinam  pronoti  vitta  longitudinali  obscura  ornatis.  Lobi 
mesosternales  haud  vel  sutura  brevissima  contigui.  Elytra 
apicem  abdominis  superantia  vel  attingentia,  genua  postica 
superantia,  campo  antico  vitta  longitudinali  pallida,  utrinque 
obscure  marginata  ornato.  Cerci  cf  recti.  Processus  laminae 
subgenitalis  c/"  apice  subobtusa,  cercis  duplo  fere  longior. 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  297 

d^  9 

Long,  corporis 24—25         29 — 32 

»       pronoti 4  5—   5'3 

»       elytrorum 17—19  21—23 

fem.  post 12—13  15—17 

»       proc.  lam.  subg 1  — 

Patria:  Khor  Attar,  gegenüber  Khor  Attar,  Mongalla, 
Gondokoro   (leg.  Werner);   Cordofan  (Coli.  Mus.  Caes.  Vind). 

f  45.  T.  sudanensis  n.  sp,  (Taf.  I,  Fig.  9,  10). 

Flavo-  vel  griseo-testacea.  Vertex  magis  acuminatus  quam 
in  Brunneri  et  pallida,  carinis  distinctioribus,  quarum  media  per 
totum  occiput  subdistincta  perducta.  Costa  frontalis  obtuse 
sulcato-impressa,  carinis  distinctis,  subsinuatis.  Pronotum  uti 
in  specie  praecedenti  formatum  et  pictum.  Lobi  mesosternales 
haud  vel  sutura  brevissima  contigui.  Elytra  apicem  abdominis 
attingentia  vel  superantia,  campo  antico  vitta  longitudinali 
pallida,  plerumque  utrinque  obscure  marginata  ornato.  Cerci  cf 
longiores,  graciles,  fortiter  incurvi.  Processus  laminae  sub- 
genitalis  cT  obtusus,  cercis  vix  longior  vel  brevior. 

(/     ■  9 

Long,  corporis 20     — 23  27 

»  pronoti 3  •  3—  3-6  4*4 

»  elytrorum 14*5— 15 '5  18 

»  fem.  post 10     —11  13-5 

»  proc.  lam.  subg.     .         0-4  — 

Patria:  Khor  Attar,  Doleib  Hill  am  Sobat,  Mongalla 
(leg.  Werner,  II.-III.  1905). 

Genus:  Oxyrrhepes  Stäl. 

Eine  Revisio  specierum  kann  ich  mir  erlassen,  da  eine 
solche  Bolivar  1886  gegeben  hat  und  seither  meines  Wissens 
keine  neuen  Arten  beschrieben  wurden. 

i-46.  O.  prosternalis  n.  sp. 

Testaceus.  Costa  frontalis  marginibus  subparallelis,  per 
totam  longitudinem  impresso-punctata,  haud  sulcata.  Pronotum 


298  H.  Kainy, 

carinis  3  distinctis,  subparallelis,  margine  postico  rotundato. 
Lobi  laterales  subquadrati,  sed  margine  postico  parum  obliquo, 
sparse  et  dilute  fusco-punctati,  pone  carinam  lateralem  vitta 
longitudinali  fusca  ornati.  Prosterni  tuberculum  fortiter  re- 
curvum,  latere  externo  distincte  excavatum,  carinis  lateralibus 
sinuatis,  apice  acutum.  Lobi  mesosternales  sutura  longa  et 
recta  contigui.  Elytra  genua  postica  distincte  superantia. 
Cerci  cf  graciles,  distincte  incurvi,  lamina  subgenitalis  iis  duplo 
longior,  acutissima. 

cf-  9       ■ 

Long,  corporis 35     — 37  50 — 52 

»      pronoti   5*5 —  6*5  8 —  8*7 

»      elytrorum 32  •  5—36  45—48 

)>      fem.  post 21     —22  29-30-5 

»      lam.  subg 3     —  3-5  — 

Patria:  Ru'alla,  Khor  Attar,  Mongalla,  Gondokoro  (leg. 
Werner). 

Die  neue  Art  unterscheidet  sich  von  allen  anderen  dieser 
Gattung  durch  die  eigentümliche  Form  des  Prosternalfortsatzes. 


*  A~ 


47.  O.  virescens  Stal  1873. 

Coli.  Mus.  Chartum  (sine  indicatione  patriae). 
Sonstige  Verbreitung:   Akra,  Goldküste   (Coli.  Br.  v.  W.), 
Taoue  (Coli.  Mus.  Caes.  Vind.);  Sierra  Leone  (Stäl). 

Genus:  Ischnacrida  Stäl. 
Revisio  specierum  Ischnacridae. 

1.  Antennae  filiformes.  Statura  maxima  (cT  62,  9  82).  Fastigium 
trianguläre.  Vitta  argentea  ultra  dimidium  femorum  perducta. 
Femora  postica  intus  concolora  (cT)  vel  carina  inferiore 
nigra    (9).    Patria:    Himalaya    (Coli.    Br.   v.   W.,    Nr.  2715): 

1.  /.  maxima  n.  sp. 
1.1.  Antennae  late  vel  anguste  ensiformes.  Statura  plerumque 
minore. 
2.  Antennae  anguste  ensiformes,  spatio  intraoculari  dimidio 
angustiores. 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  299 

3.  Vitta  lateralis  argentea.  Olivaceo-virescens.  Femora 
postica  prope  apicem  impicta  (praeterea  concolora?). 
Patria  ignota 2.  /.  taeniata  Stäl. 

3. 3.  Vitta    lateralis    plerumque    testacea.    Flavo-testacea. 

Femora    postica    intus    plerumque   violacea.   Patria: 

Sudan  aegyptius  (leg.  Werner) .  .3.  /.  violacea  n.  sp. 

2. 2.  Antennae  late  ensiformes,  parte  intraoculari  latiores  vel 

paullo  angustiores. 

3.  Lamina   subgenitalis  cT  superne  ultra  medium  fortiter 

sulcata.    Cerci    cf    lati,   supra    profunde    excisi,    apice 

processu   parvo   styliformi   terminati.    9  ignota.  Patria: 

Dagana  (Coli.  Mus.  Caes.  Vind.): 

4.  /.  pallida  Kr.  (Burm.  ??). 
3.  3.  Lamina  subgenitalis  cf  superne  haud  vel  basi  leviter 
sulcata.  Cerci  cf  recti,  acuminati. 
4.  Lamina    subgenitalis    cf    margine    superiore    nigro. 
Species  africanae  et  madagassae. 
5.  Femora   postica   intus  concolora.   Colore   testaceo. 
Vitta    lateralis    flavo-testacea.    Fastigium    longius 
quam     latius,    oculo    distincte    brevius.     Statura: 
cf   42  —  46,    9    63.    Patria:    Milanji,    Gabun    (Coli. 
Br.  V.  W.,  No.  19.570,   12.445):  5.  /.  testacea  n.  sp. 
5.  5.  Femora  postica  intus  haud  concolora. 

6.  Femora    postica    intus    per    medium    infuscata. 

Species  madagassa 6./.  hova  Kars  eh. 

6.6.  Femora  postica  intus  rubra  vel  coerulea. 

7.  Femora     postica     intus     violaceo-sanguinea, 
punctis  albidis  ornata. 
8.  Statura  minore.  Fastigio  longiore: 
7.  1.  Kraussii  Bol. 

(=:  Rhamphacrida  K  a  r  s  c  h) . 
8.8.  Statura  majore.  Fastigio  breviore: 

8.  /.  Monteiroi  Bol. 

7.  7.  Femora  postica  intus  luteo-rubra,  concolora 

-(cT)     vel     viridi-coerulea,    pallide- punctata 

(9).  Colore  fusco-testaceo.  Fastigium  oculo 

vix   brevius.   Statura:   cf  47,    9    68.   Patria: 


300  H.  Karny, 

Tananarive,    Madagaskar   (Coli.   Br.   v.  W., 

No.  17.888) 9.  Lpiilchra  n.  sp. 

4.  4.  Lamina  subgenitalis  cf  concolor.  Species  indicae. 
Fuscae. 
5.  Femora  postica  intus  concolora.  Fastigio  vix 
longiore  quam  latiore.  Lamina  subgenitalis  cT 
pronoto  vix  longior.  Vitta  lateralis  argentea.  Elytra 
sparse  et  subtiliter  fusco-punctata.  Statura  45  (cf , 
excepta   lamina).   Patria:    Ceylon    (Coli.  Br.  v.  W., 

No.  23.056) 10.  I.fiisca  n.  sp. 

5. 5.  Femora  postica  intus  viridi-coerulea,  pallide- 
punctata  (9)  vel  basi  nigro-coerulea,  praeterea 
concolora  (c?).  Fastigium  plus  duplo  longius  quam 
latius.  Lamina  subgenitalis  pronoto  sesquilongior. 
Vitta  lateralis  et  color  elytrorum  ut  in  fusca. 
Statura:  cT  40—46,  9  61—68.  Patria:  Tonkin, 
Sumbava,  Java  (Coli.  Br.  v.  W.): 

IL  /.  vittata  (Fab.)? 
Bemerkungen:  Ischnacrida  vittata  kenne  ich  nur  nach 
der  lakonischen  Beschreibung  Stäl's,  glaube  aber,  nicht  irre  zu 
gehen,  wenn  ich  die  Exemplare  von  Tonkin,  Sumbava  und 
Java  der  Hofrat  Brunner'schen  Sammlung  damit  identifiziere, 
obwohl  Stäl  die  Färbung  der  Hinterschenkel  nicht  angibt. 
Allerdings  war  bisher  unsere  /.  niaxima  als  vittata  bestimmt, 
ist  aber  bestimmt  von  ihr  verschieden,  wie  schon  nach 
der  Form  der  Fühler  mit  Sicherheit  zu  erkennen  ist.  Die 
/.  taeniata  kenne  ich  ebenfalls  nur  nach  Stäl's  Beschreibung, 
sie  steht  jedenfalls  meiner  /.  violacea  nahe,  doch  halte  ich 
sie  nicht  für  identisch  mit  derselben.  Die  Type  der  /.  pallida 
liegt  mir  vor;  sie  ist  eine  echte  Ischnacrida;  ob  sie  aber  mit 
Opomala  pallida  Burm.  identisch  ist,  hat  schon  Karsch  1893 
sehr  bezweifelt.  Den  Namen  pallida  kann  sie  aber  behalten,  da 
er  innerhalb  dieser  Gattung  nicht  präokkupiert  ist,  jedoch  hat 
als  zugehöriger  Autor  Krauss  1877  zu  gelten.  Die  von  dem- 
selben Autor  zugleich  beschriebene  tiatalensis  ist  nach  der  mir 
vorliegenden  Type  bestimmt  eine  Metapa,  wie  auch  Karsch 
vermutet.  i^TröMssn  wurde  von  Karsch  1893  zu  einer  selbst- 
ständigen   Gattung    gemacht.    Mit    Monteiroi    stimmen    zwei 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  301 

Exemplare  der  Coli.  Br.  v.  W.  von  Manow  (1  c/,  1  9)  nach 
Bolivar's  Beschreibung  sehr  gut  überein;  Karsch  gibt  an, 
daß  die  Vorderschenkel  außen  geschwärzt  seien;  dies  ist 
jedoch  keinesfalls  ein  Speziescharakter,  da  er  bei  dem  mir  vor- 
liegenden 9  nicht  zutrifft.  Unter  /.  pnichra  habe  ich  ein  cf  und 
ein  9  der  Coli.  Br.  v.  W.  vom  gleichen  Fundort  vereinigt,  die 
allerdings  in  der  Färbung  der  Hinterschenkel  erheblich  von- 
einander abweichen;  doch  halte  ich  dies  nur  für  einen  Sexual- 
dimorphismus in  der  Färbung,  da  die  beiden  Exemplare  sonst 
miteinander  übereinstimmen.  Die  verschiedene  Färbung  der 
Hinterschenkel  bei  cf  und  9  zeigt  sich  ja  auch  durchgehends 
bei  jenen  Exemplaren,  welche  ich  für  /.  vittata  halte.  Von 
I.  fiisca  kenne  ich  das  9  nicht,  da  mir  nur  ein  cf  vorliegt, 
welches  die  Coli.  Br.  v.  VV.  von  Malcolm  Burr  aus  Ceylon 
erhielt.  Ich  lasse  jetzt  nur  noch  eine  Beschreibung  der 
/.  violacea  folgen: 

f  48.  Ischnacrida  violacea  n.  sp. 

Colore  testaceo,  flavo-,  griseo-,  ferrugineo-lineato.  Vitta 
lateralis  plerumque  testacea,  rarius  argentea.  Fastigium  tri- 
anguläre, brevius  quam  latius,  vel  subaequilaterum,  marginibus 
distinctis.  Intervallum  oculorum  latitudine  maxima  antenna- 
rum  plus  duplo  latius.  Frons  fortiter  impresso-punctata.  Anten- 
nae  anguste  ensiformes,  capite  cum  pronoto  subaequilongae. 
Vertex  inter  oculos  carina  brevissima  instructus.  Pronotum 
compressiusculum,  a  latere  visum  dorso  medio  subdepresso, 
crebre  impresso-punctatum,  sulcis  transversis  3  distinctis, 
carina  media  sat  distincta,  postice  rotundato-productum,  sinu 
humerali  nullo.  Elytra  genua  postica  valde  superantia,  con- 
colora  vel  sparse  et  dilute  fusco-punctata.  Femora  postica  intus 
(excepto  uno  cf)  violacea,  pallide-punctata,  ante  apicem  —  ut 
etiam  ceterae  Ischnacridae  —  fascia  transversa  nigra  ornata. 
Genitalia  cT  9  uti  in  Monteiroi  formata. 

c^  9 

Long,  corporis 50     — 56  64  —  66 

»      capitis  (superne)  .4*4 —  5  6 

»     pronoti 6*6  —  7 '6  9 — 10 


302  H.  Karny, 

Long,  elytrorum 35—39       46 — 48 

»     fem.  post 17—20       24-25 

»     lam.  subg.  cf  .  .  .    8 —  9  — 

Patria:  Khor  Attar,  gegenüber  Khor  Attar,  Doleib  Hill  am 
Sobat,  Mongalla,  Gondokoro  (leg.  Werner). 

Ein  blasses  cf  mit  innen  einfarbigen  Hinterschenkeln  be- 
trachte ich  als  nicht  ausgefärbt. 

Genus:  Gonyacantha  Stäl. 
*49.  G.  gladiator  (Westw.  1841). 

Opsomala  gladiato'W &siv!.,  Are.  ent,   1841,  pl.  XVII. 
Gonyacantha  cultrifer  (recte  cultriferal)  Brancsik,  1894/95. 

Bran CS ik  behauptet  zwar,  daß  seine  G.  cultrifera  »eminens 
differt  ab  Opsomala  gladiator  Westw.«,  doch  ergibt  sich  aus 
den  mir  vorliegenden  Beschreibungen  und  Abbildungen  beider 
Arten,  daß  sich  G.  cultrifera  von  gladiatornur  durch  etwas  län- 
geres Fastigium  und  etwas  längere  Elytra  unterscheidet, und  zwar 
beträgt  der  Unterschied  —  nach  den  angegebenen  Maßen  be- 
rechnet — •  für  ersteres  zirka  1  mml  und  für  letztere  etwa 
3  bis  4!!  Auf  solche  Differenzen  eine  neue  Spezies  zu  gründen, 
erscheint  mir  mehr  als  gewagt!  Auch  bei  den  mir  in  der 
Werner'schen  Ausbeute  vorliegenden  Exemplaren  variiert  die 
Länge  des  Fastigiums  und  der  Elytra.  Dagegen  ist  Bolivar's 
G.  lanceoJata  eine  gute  Art,  welche  sich  besonders  durch  viel 
kürzeres  Fastigium  und  längere  Antennen  auszeichnet.  Die 
Färbung  der  Hinterschenkel  der  G.  laiiceolata  stimmt  mit  den  mir 
vorliegenden  Exemplaren  des  G. gladiator  überein  (Westwood 
und  Brancsik  geben  darüber  nichts  an),  doch  besitzen  wir 
auch  einige  Exemplare  mit  innen  einfarbigen  Schenkeln  (wohl 
nicht  ausgefärbt?).  Auch  die  Form  des  Vertex  variiert  ein  wenig. 
Stets  ist  er  oben  in  der  Mitte  gefurcht.  Diese  Furche  verläuft 
gewöhnlich  ganz  gerade  bis  zur  Spitze;  doch  ist  sie  bei  einem 
Exemplar  von  Mongalla  etwa  2  mm  vor  der  Spitze  stark 
winkelig  (zirka  135°)  nach  vorne  abwärts  geknickt.  Diese  Form 
ist  immerhin  auffallend,  doch  halte  ich  sie  nur  für  eine  zufällige 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  «30o 

Variation.  Die  mir  vorliegenden  Stücke  stammen  aus  Chartum 
(Coli.  Br.  V.  W.);  Khor  Attar,  Mongalla  und  Gondokoro  (leg. 
Werner).  Übrigens  scheint  die  Art  im  tropischen  Afrika  weit 
verbreitet  zu  sein;  zuerst  wurde  sie  von  der  Sierra  Leone  be- 
schrieben (VVestwood). 

Genus:  Xenippa  Stäl. 
50.  X.  viridulaStal  1878. 

Chartum  (Coli.  Br.  v.  W.). 

Genus:  Mesops  Serv. 
*51.  M.  abbreviatus  (Pal-Beauv.  1905). 
Mongalla  (leg.  Werner). 

*52.  M.  laticornis  Kr.  1877. 

Gondokoro,  Khor  Attar,  Ru'alla  (leg.  Werner). 

Sonstige  Verbreitung:  Deutsch-Ostafrika,  Natal,  Senegal, 
Hö,  Congo  (Coli.  Br.  v.  W.);  Senegal,  Sierra  Leone,  Zanzibar, 
Dar  es  Salem,  Südafrika  (Mus.  Caes.  Vind.). 

*53.  M.  filum  Bol.  1890. 

Ru'  alla,  Gondokoro,  Mongalla  (leg.  Werner);  Duque  de 
Bragan9a  (Bolivar  Orth.  Afr.  Mus.  Lisb.,  1890,  p.  216). 

Genus:  Cyrtacanthacris  Walk. 
Walker,  Cat.  Derm.  Salt.,  III,  p.  550. 

»This  genus  is  distinguished  by  the  curved  and  oblique 
prosternal  spine,  which  in  the  typical  species  extends  to  the 
fore  border  of  the  mesosternum.'^< 

Mit  Unrecht  wurde  diese  Gattung  daher  von  Kirby  und 
Karsch  auch  auf  die  Arten  mit  geradem  Prosternalzapfen  aus- 
gedehnt, um  so  mehr  als  für  dieselben  der  bedeutend  ältere 
Name  Locusta  L.  zu  gebrauchen  ist. 

54.  C.  ruficornis  (Fab.  1793). 

Acridiiim  riificorne  Serv.,  Hlst.  nat.  Orth.,  p.  643. 
Burm.,  Handb.  Ent.,  p.  630. 

Chartum  (Coli.  Br.  v.  W.);  Gondokoro  (leg.  Werner). 


304  H.  Karny, 

55.  C.  aeruginosa  (Burm.  1839). 

Acridium  aeruginosum  Burm.,  Handb.  Ent.,  p.  630  (sec.  Br.). 
»         {Acridium)  tartaricum  Stäl  ^an  Linne??). 

Chartum  (Coli.  Br.  v.  W.). 

56.  C.  angulifera  (Kr.  1877). 
Acridium  anguliferitm  Kr.,  Senegal,  1877,  p.  3. 

Sudan  (Marno  1873,  Coli.  Mus.  Caes.  Vind.,  Krau.ss  1.  c. 
p.3). 

Genus:  Locusta  L. 

Ich  sehe  als  Type  dieser  Gattung  Grylhis  (Locusta)  aegyp- 
titis  L.  (=:  tartariciis  haud  L.,  Kr.  etc.)  an,  da  diese  Art  eigent- 
lich von  Locusta  erst  durch  Kirby  1890  getrennt  wurde;  denn 
Acridium,  das  bisher  immer  als  Gattungsname  für  diese  Art 
gebraucht  wurde,  r=  Bulla  L.  +  Locusta  L.  und  muß  aber  für 
Bulla  part.  (r=  Tetrix)  gebraucht  werden.  Erst  Kirby  (und  mit 
ihm  Karsch)  trennte  aegyptia  von  Locusta,  indem  er  als  Type 
der  Gattung  niigratoria  ansah,  obwohl  diese  Art  von  Fieber 
zur  Type  von  Pachytylus  gemacht  worden  war  und  obwohl  für 
aegyptia  überhaupt  kein  verwendbarer  Name  vorlag,  denn 
Cyrtacanthacris  Walk,  (cf.),  den  Kirby  dafür  gebraucht,  darf 
nur  für  die  Arten  mit  gebogenem  Prosternalzapfen  verwendet 
werden. 

Syn.:  Gryllus  (Locusta)  L.  1758. 
Acrydium  Geoffr.  1762. 
Acridium  auct. 

Walk.  1870. 
Cyrtacanthacris  Kirby  1 890,  Karsch. 
Delenda  Cyrtacanthacris  W alk.  1870. 

A:  Pronoto  breviore,  magis  constricto.  Elytris  alisque  per- 
longis:  Subgenus  Orthacanthacris  Karsch  1896. 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  305 

f  57.  O.  "Wernerella  n.  sp. 

Rufo-cinerea,  antennis  nigris;  pronotum  maculis  nonnullis, 
punctiformibus  fuscis,  femoribus  posticis  superne  indistincte 
trifasciatis,  tibiis  posticis  violaceis,  spinis  apice  nigris  instructis. 

Fastigium  verticis  late  sulcatum,  in  costam  frontalem,  inter 
antennas  convexam,  subtiliter  punctatam,  infra  ocellum  sulca- 
tam,  transiens.  Pronotum  tectiformiter  carinatum  carinä  an- 
terius  valde,  posterius  minus  declivi,  sulco  primo  indistincte, 
sulcis  2.  —  4.  profunde  incisä,  postice  rotundato-angulatum. 
Tuberculum  prosternale  parum  recurvum,  conicum.  Eiytra 
perlonga,  fusco-variegata.  Alae  plus  dimidio  basali  nigro- 
nitido,  exceptä  ipsä  basi  hyalinä  vel  violaceo-vitreä,  apice 
maculis  irregularibus  nigris  ornatae. 

cf  9 

Long,  corporis 40 — 46  52  —  61 

^       pronoti 8 '5— 9  10—12 

»       elytrorum  .  .  .  .44 — 51  57—64 

»       fem.  post 22—25  27—31 

Patiia:  Gondokoro  (leg.  Werner). 

Die  neue  Art  unterscheidet  sich  von  der  südafrikanischen  (!) 
moesta  (Serv.)  durch  dunklere  und  deutlichere  Zeichnung  der 
Hinterflügel,  durch  das  hinten  abgerundete  Pronotum  und  den 
spitzeren,  etwas  nach  rückwärts  gebogenen  Prosternalfortsatz. 
In  der  Färbung  der  Hintertibien  stimmt  sie  oft  mit  moesta  üher- 
ein,  doch  ist  dies  nicht  konstant.  Von  hiimilicrns  (Karsch) 
unterscheidet  sie  sich  durch  die  an  der  Basis  glashellen  Hinter- 
flügel, die  gefleckten  Eiytra  und  den  etwas  mehr  abgerundeten 
Hinterrand  des  Pronotums.  Im  Bau  der  cf-Genitalien  (bei 
Jmmilicriis  unbekannt)  stimmt  sie  mit  Locnsta  aegyptia 
überein. 

Var.  nov.  sphalera  (acpaXspo^;  =  decipiens). 

Differt  a  forma  typica:  Colore  flavo-testaceo,  subunicolore 
(exceptis  elytris  normaliter  variegatis),  tibiis  posticis  flavis. 

Hanc  formam  colore  aliam  speciem  esse  simulantem  a 
Wernerella  specifice  differre  non  puto. 


306  H.  Karny, 

Patria  varietatis:  Renk  (leg.  Werner). 

Dedico  hanc  speciem  Dom.  Dr.  Fr.  Werner,  orthopterorum 
et  sedulo  collectori  et  diligenti  auctori,  qui  eam  in  itinere  suo 
in  Ugandam  facto  invenit. 

B:  Pronoto  longiore,  minus  constricto.  Elytris  alisque 
brevioribus :  Subgenus  Locusta  L.  1 758. 

f  58.  L.  Renkensis  n.  sp. 

Luteo-flava,  antennis  pallidis.  Vertex  convexus,  inter 
oculos  latus,  impresso-punctatus.  Frons  cum  costä  lata,  haud 
sulcatä  fortiter  impresso-punctata.  Pronotum  lobo  postico  brun- 
neo,  margine  postico  nigrovariegato,  angulato,  totum  impresso- 
punctatum.  Carina  media  brunnea,  sulcis  tribus  incisa.  Tuber- 
culum  prosternale  rectum  cylindricum,  obtusum.  Elytra  sub- 
concolora,  abdomen  valde  superantia.  Femora  tibiaeque  pos- 
tica?  cT? 

9  • 

Long,  corporis 40 

»      pronoti 10 

»      elytrorum 43 

Patria:  Renk  (6.  II.  1905,  leg.  Werner). 

Die  neue  Art  ist  der  Cyrtacanthacris  Radama  (Branscik) 
nicht  unähnlich,  aber  durch  den  Genuscharakter  leicht  zu 
unterscheiden  (Form  des  Prosternalzapfens!).  Von  den  bisher 
beschriebenen  Loctista- Ax-ien  dürfte  ihr  decipiens  (Karsch) 
am  nächsten  stehen.  Sie  ist  jedoch  bestimmt  von  ihr  ver- 
schieden, wie  vor  allem  an  der  abweichenden  Färbung  der 
Antennen  und  der  viel  geringeren  Größe  der  Renkensis  zu  er- 
sehen ist.  Wären  die  Hinterbeine  und  das  cf  bekannt,  so  ließen 
sich  gewiß  noch  auffallendere  Unterschiede  angeben. 

59.  L.  aegyptia  (L.  1764). 

Gryllns  Aegypttus  L.  1764.  Mus.  Ludw.  Ulr.,  p.  138. 

»        Tartaricus  Cyrill.  (nee.  L.),  Ent.  Neap.,  tab.  H,  Fig.  1. 
»       lincola  Fab.,  Ent.  Syst.,  IL 


Orthopterenfauiia  des  Sudans.  307 

Acridium  Tartaricum  Fisch.,  Fr.  Oith.  Eur.,  1853,  p.  388. 
»         Aegyptium  Stäl,  Rec.  Orth.,  I,  1873,  p.  63. 
>  »  Br.  V.  W.,  Prodr.  eur.  Orth.,  p.  213. 

Nubien  (Coli.  Mus.  Caes.  Vind.,  leg.  Marno  1871). 

Mir  ist  diese  echt  mediterrane  Art  sonst  nur  aus  der  palä- 
arktischen  Region  bekannt.  In  Afrika  wird  sie  weiter  südlich 
durch  Orthacanthacris- Arten  ersetzt  (Wernerella:  ägyptischer 
Sudan,  Nord-Uganda,  htmiiUcrus:  Sklavenküste,  moesta :  Süd- 
afrika), mit  denen  sie  auch  im  Bau  der  cf -Genitalien  (soweit  die- 
selben bekannt)  übereinstimmt. 

Genus:  Schistocerca  Stäl. 

60.  S.peregrina  (Ol.  1807). 

Acridhiin  peregrinwn  Ol.  1807.  Voy.  Emp.,  Ottom.,  II,  p.  424. 

flaviventre  Burm.  1839.  Handb.  Ent.,  11,  p.  631. 
Gryllus  rttfescens  Thunb.,  Mein.  Ac.  St.  Petersb.,  V,  p.  245. 
Acridium  (Schistocerca) peregrinum  Stäl  1873.  Rec.  Orth.,  I,  p.  65. 
Schistocerca  peregrina  Br.  v.  W.,  Prodr.  eur.  Orth.,  p.  215. 

Chartum,  Sennaar  (Coli.  Br.  v.  W.). 

Diese  Art  ist  über  fast  alle  tropischen  Länder  verbreitet 
und  dürfte  jedenfalls  aus  der  neotropischen  Region  stammen 
und  über  den  Atlantischen  Ozean  nach  Afrika  eingewandert 
sein;  es  wurden  auch  schon  wiederholt  Exemplare  im  Atlan- 
tischen Ozean  gefangen  (Coli.  Br.  v.  W.).  In  Europa  ist  im 
Prodromus  als  ihr  nördlichstes  Vorkommen  Corfü  angegeben. 
Später  erwähnt  sie  Padewieth  aus  dem  kroatischen  Litorale 
(det.  Kraussü)  und,  wie  mir  Herr  Nußbaumer  mitteilt,  soll  sie 
auch  bei  Cattaro  (allerdings  sehr  selten)  gefunden  worden  sein. 

Genus:  Phyxacra  nov. 

('^ö^'.?  =  fuga,  axp'.g  =  lociista.) 

Genus  novum  vic.  Locustae  et  Coptacrae. 
Typus:  Coptacra  variolosa  Kr. 
Habitus  generis  Locustae. 

Statura  majore.  F'astigium  verticis  latitudine  oculorum  an- 
gustius.  Costa  frontalis  recta,  intervallo   oculorum  haud  latior. 

Sitzb.  der  mathem.-naturw.  Kl. ;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  2 1 


308  H.  Karny, 

Oculi  globosi,  a  supero  visi  parum  obliqui.  Antennae  filiformes, 
ante  apicem  haud  ampliatae.  Pronotum  carinis  lateralibus 
nuUis,  haud  cristatum,  sulcis  transversis  parum  profundis. 
Elytra  genua  postica  et  apicem  abdominis  superantia,  macula 
nigro-nitida  nulla.  Tuberculum  prosternale  subobtusum.  Lobi 
mesosternales,  retrorsum  convergentes,  margine  interiore  sub- 
recto.  Femora  postica  valde  incrassata,  margine  dorsali  di- 
stincte  serrulato. 

Kraus s  hat  seine  Ph.  vario/osa  ins  Genus  Coptacra  gestellt. 
Mir  liegt  die  Krauss'sche  Type  vor,  doch  kann  ich  mich  nicht 
entschließen,  sie  mit  Coptacra  zu  vereinigen.  Vielmehr  scheint 
mir  die  Begri^indung  einer  neuen  Gattung  gerechtfertigt,  und 
zwar  steht  dieselbe  meiner  Ansicht  nach  der  Locusta  min- 
destens ebenso  nahe  als  der  Coptacra;  endgültig  wird  sich 
darüber  allerdings  erst  entscheiden  lassen,  wenn  cf  d"  bekannt 
sein  werden. 

-j-61.  Ph.  coerulans  n.  sp. 

Robusta,  luteo-ferruginea,  parce  fusco  maculata;  caput  cum 
thorace  eroso-  et  atropunctatum;  fastigium  valde  declive,  a  ver- 
tice  carinula  transversa  sejunctum,  haud  excavatum,  obtu- 
sissimum;  carinae  frontales  distinctae.  Pronoti  dorsum  valde 
rotundatum,  carina  media  sulcis  3  distinctis  incisa,  antice  haud, 
postice  angulato-productum.  Elytra  post  medium  striis  irregu- 
laribus  circiter  3  valde  indistinctis  ornata,  praeterea  unicolora, 
abdomen  et  genua  postica  superantia,  apice  oblique  truncata; 
alae  basi  laete  eoerulescentes,  apice  hyalinae.  Abdomen  superne 
coeruleum.  Femora  uti  in  variolosa  Tibiae  posticae  pilosae, 
roseo-violaceae,  spinis  flavis,  apice  nigris  instructa.  Statura 
variolosae. 

Von  Ph.  variolosa  besonders  durch  das  vorne  nicht  vor- 
gezogene und  mit  tieferen  Querfurchen  versehene  Pronotum,  die 
blauen  Hinterflügel  und  das  oben  blaue  Abdomen  zu  unter- 
;scheiden. 

1   9  von  Gondokoro  (16.  IIl.  1906  leg.  Werner). 
{Variolosa  ist  meines  Wissens  nur  vom  Senegal  [1  9]  be- 
kannt.) 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  309 

Genus:  Epistaurus  Bol. 

-j-62.  E.  Bolivari  n.  sp. 

Flavus.  Vertex  cruciatim  carinatus.  Costa  frontalis  plana, 
subtiliter  punctata,  inter  antennas  dilatata,  ad  fastigium  valde 
coarctata.  Pronotum  antice  distincte,  postice  triangulariter  pro- 
ductum,  carina  media  cristulato-elevata,  lateraliter  compressa, 
sulco  tantum  postico  incisa.  Elytra  flava,  striis  transversis 
circiter  6  obscuris,  apice  oblique  truncata,  femora  postica  valde 
superantia.  Alae  succineae.  Femora  postica  cum  tibiis  flava. 

? 

Long,  corporis 17 

»      pronoti 4 

»      elytrorum 17 

»      fem.  post. 10 

Dedico  hanc  speciem  Dom.  J.  Bolivar,  clarissimo  ortho- 
pterologo  Hispanico,  qui  hoc  genus  instituit  eiusque  duas  species 
africanas  necnon  unicam  indicam  descripsit. 

Die  neue  Art  unterscheidet  sich  von  den  bisher  bekannten 
durch  ihre  hellere  Färbung,  den  höheren  Mittelkiel  des  Pro- 
notums  und  die  längeren  Elytra. 

1  ?  von  Gondokoro  (14.  III.  1905  leg.  Werner). 

Genus:  Catantops  Schaum. 

Von  dieser  Gattung  befinden  sich  in  der  Dr.  Werner'schen 
Ausbeute  allerdings  nur  5  Arten.  Da  jedoch  bisher  schon  über 
50  beschrieben  waren,  wozu  dann  noch  eine  ganze  Anzahl 
unbeschriebener  der  Coli.  Br.  V.  W.  kamen,  eine  Übersichts- 
tabelle —  abgesehen  von  den  zwei  kleinen  Tabellen  Karsch's, 
welche  jedoch  nur  die  Arten  eines  ganz  beschränkten  Gebietes 
umfassen  —  aber  bisher  meines  Wissens  noch  nicht  existiert, 
sah  ich  mich  veranlaßt,  diese  Gattung  einer  genaueren  Revi- 
sion zu  unterziehen.  Als  Unterscheidungsmerkmal  ist  hier  die 
Färbung  nicht  zu  unterschätzen ;  sie  wurde  auch  der  Be- 
stimmungstabelle zu  Grunde  gelegt.  Die  Sexualdiff'erenzen  sind 
sehr  schön  ausgeprägt  und   zur  Trennung  der  Arten  gut  ver- 

21* 


310  H.  Karny, 

wendbar;  ich  habe  sie  deshalb  auch  bei  den  von  mir  beschrie- 
benein  Arten  immer  deutlich  hervorgehoben.  In  derBestimmungs- 
tabelle  legte  ich  ihnen  jedoch  nur  einen  untergeordneten  Wert 
bei,  da  sie  einerseits  nur  das  Bestimmen  der  (^(^  ermöglichen, 
andererseits  bei  den  Arten,  von  welchen  wir  nur  ?  ?  besitzen 
oder  die  uns  überhaupt  fehlen,  mir,  falls  sie  in  den  Beschrei- 
bungen (wie  z.  B.  bei  Stäl)  nicht  angegeben  wurden,  überhaupt 
nicht  bekannt  sind. 

Was  die  Umgrenzung  der  Gattung  betrifft,  so  habe  ich  die 
4  Anthernms- Arien  Bolivar's,  welche  nach  Kar  seh  auch 
hieher  gehören,  nicht  aufgenommen,  weil  ich  sie  nicht  durch 
Autopsie  kenne.  Den  Poecilocerus  cylindricollis  Schaum,  den 
Kr  aus  s  neuerdings  in  das  Genus  Orbillns  verweisen  will, 
habe  ich,  wie  es  bisher  üblich  war,  hier  belassen. 

Dispositio  specierum. 

1.  Femora  postica  vittis  longitudinalibus  sulphureis  nullis. 
2.  Pronotum  vitta  longitudinali  mediana  nigra,  carina  mediali 
pallidiore  divisa,  ornatura.  Species  africanae  .  .  .1.  Gruppe. 
3.  Elytra    alaeque   nee  apicem   abdominis   nee  genua  po- 
stica attingentia i.  C.  abbreviatiis  n.  sp. 

3.3.  Elytra    alaeque  apicem   abdominis    et  genua  postica 
attingentia  vel  superantia. 
4.  Femora  postica  extus  serie  macularum  nigrarum  ornata. 
5.  Margines    loborum     pronoti     lateralium     maculis 

nigris  ornati 2.  C.  jmtidus  Kars  eh. 

5.5.  iMargines    loborum    pronoti    lateralium    maculis 

i^ullis   3.  C.  inephis  Kars  eh. 

4.4.  Femora  postica  extus   serie    macularum  nigrarum 
nulla. 
5.  Elytra  maculata. 

6.  Elytra  vitta  longitudinali  nigra  et  maculis  seriatis 

oi'nata 4.  C.  regalis  n.  sp. 

6.  6.  Elytra  maculis  nigris  ornata,  vitta  longitudinali 
nulla. 
7.  Statura    majore.    Elytra    campo    discoidali    et 
anali  maculis  nigris  ornata 

5.  C.  optilentns  Ka.v seh. 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  311 

7. 7.  Statura  mediocri.    Elytra  campo   anali   ma- 

culis  nullis 6.  C.  pauperahis  n.  sp. 

5. 5.  Elytra      immaculata,     viridifusca,    campo     anali 

flavescente 7 .  C.  lucrosus  Kar  seh. 

2.2.  Pronotum  vitta  longitudinali  mediana  nulla. 

3.  Femora  postica   area  externomedia  unicolora  vel  medio 

infuscata II.  Gruppe. 

4.  Tibiae  posticae  sanguineae. 

5.  Elytra  genua  postica  attingentia.    Species  africana 

8.  C.  riifipes  n.  sp. 
5. 5.  Elytra  genua  postica  valde   superantia   Species 
asiaticae. 
6.  Elytra  apice  oblique  truncata 

9.  C.  praemorsus  (Stäl). 
6. 6.  Elytra  apice  rotundata. 

7.  Prosterni   tuberculum    lateraliter  compressum, 

retrorsum  recurvum.  10.  C.  inftiscatns  (Haan). 

7. 7.  Prosterni    tuberculum    rectum,    cylindricum 

11.  C.  splendens  (Thunb.). 

4. 4.  Tibiae  posticae  testaceae  vel  griseae  vel  violaceae 

vel  coeruleae  vel  virescentes,  numquam  sanguineae. 

5.  Tibiae  posticae  griseae,  annulo  lato  basali  testaceo 

ornatae  vel  totae  testaceae  vel  fuscae. 

6.  Tibiae    posticae    fuscae    vel     testaceae,    annulo 

nullo. 

7.  Femora  postica  extus  pone  medium  distincte 
infuscata.  Species  asiatica 

IIa.  C.  splendens  \ax. paUipes  m. 

7.  7.  Femora  postica  extus  concolora  vel  obsolete 

fusco-conspersa.  Species  africanae. 

8.  Femora  postica  carinä  media  dorsali  nigro- 

punctatä.  Femora  4  anteriora  cf  incrassata 

.  12.  C.  taeniolatus  Kar  seh. 

8.  8.  Femora  postica  carinä  media  dorsali  con- 

colore.    Femora     4    anteriora    cf    haud 

incrassata. 

9.  Elytra  genua  postica  attingentia.   Tibiae 

posticae  fuscae 13.  C.fuscipes  n.  sp. 


312  H.  Karny, 

9. 9.  Elytra  geniia     postica    distincte    supe- 
rantia.  Tibiae  posticae  testaceae. 
10.  Antennae     nigro-fuscae     vel    obscure 
annulatae. 

1 1 .  Antennae     nigro  -  fuscae.       Elytra 
rufo-testacea:  lA.C.nigricornisn.  sp. 
1 1.  1 1.  Antennae   obscurae  annulatae. 
Elytra  pallide  testacea 

15.  C.  ntidiilus  Kars  eh. 
10.  10.  Antennae  pallidae,  unicolores. 

U.Pronoti  dorsum  pallidum.    Femora 
postica  intus  concolora 

16.  C.  pallens  n.  sp. 
1 1.  1 1.  Pronoti      dorsum     infuscatum. 
Femora    postica     intus    plagä 
magna  nigra  ornata 

17.  C  digitatns  Bol. 

6. 6.  Tibiae  posticae  sordide  griseo-testaceae,  annulo 

basali  lato  pallido.  Species  africanae. 

7.  Statura    minore.     Pronoti     dorsum     unicolor. 

Femora  postica  intus   maculis  4  nigris  ornata 

18.  C.  decoratus  Gerst. 

7.  7.  Statura  majore.  Pronoti  dorsum  pone  medium 

leviter   infuscatum.    Femora    postica    intus 

subtota  nigra 19.  C.  major  n.  sp. 

5.  5.  Tibiae  posticae  coeruleae  vel  violaceae  vel  viri- 
dulae,  annulo  lato  basali  pallido  nullo. 
6.  Spatium    intraoculare   antennis    distincte    latius. 
Species  africanae. 

7.  Statura   majore.   Colore    viridiflavo   nel  viridi- 
fusco,  genubus  posticis  nigrosignatis. 
8.  Viridiflavus.  Tibiae  posticae  virescentes  vel 

violaceae    20.  C.  vaiius  Kars  eh. 

8.  8.  Viridifuscus.  Tibiae   posticae   laete  coeru- 
leae   21.  C.  viridiilus  n.  sp. 

7.  7.  Statura  minore.  Colore  fusco,  lateribus  palli- 
dis,  genubus  posticis  concoloribus 

22.  C.  cyanipes  n.  sp. 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  o  lo 

6. 6.  Spatium    intraoculare     antennis     aeqiiilatum. 
Species  asiaticae. 
7.  Elytra    apicem    ahdominis   pariim    superantia, 
Cerci  cf  apicem  versus  attenuati,  subacuminati, 

haud  bifidi 23.  C.  ophthalmictis  n.  sp. 

7.  7.  Elytra  apicem  abdominis  longe  superantia. 
Cerci  cf  apicem  versus  attenuati,  apice  ipso 

breviter  bifido 24.  C  angtistuhis  Bol. 

3.  3.  Femora  postica   area   externomedia  maculis  vel  vittis 
distinctis  nigris  vel  fuscis  ornata. 
4.  Femora  postica  area  externomedia  ad  carinam  supe- 
riorem  vel  inferiorem  vitta  longitudinali  lata  fusca  vel 
nigra  plus  dimidio  femoris  occupante  ornata 

III.  Gruppe. 

5.  Femora  postica  extus   dimidio   inferiore  vitta  nigra 

ornata  (intus  sanguineae,  tibiis  sanguineis).  Species 

indica 25.  C.  foedatns  (Serv.). 

5.  5.  Femora  postica  extus  vitta  longitudinali  nigra  vel 
fuscä  per  totam  longitudinem  vel  saltem  parte 
apicali  carninam  superiorem  attingente  ornata. 
Species  africanae. 
6.  Tibiae  posticae  sanguineae  vel  flavo-testaceae 
vel  dilute  olivaceae,  numquam  coeruleae. 
7.  Tibiae  posticae  sanguineae. 

8.  Femora    postica    intus    sanguinea,    maculis 
nigris  2  ornata.  Species  Africae  meridionalis 
26.  C.  vittatus  Kirby. 
8. 8.  Femora    postica    intus    testacea,    maculis 
nigris  3  ornata  vel  subtota  nigra.  Species 
Africae  orientalis  .  .27.  C.  fasciatus  n.  sp. 
7.  7.  Tibiae  posticae  testaceae  vel  dilute  olivaceae. 
8.  Lobi  laterales  pronoti  margine  inferiore  haud 
vel    parum  pallidiore.    Femora  postica  intus 
vitta  longitudinali  perlata  obscura  ornata. 
9.  Elytra     femora    postica   vix    attingentia. 
Pronotum  sulcis  transversis  concoloribus, 
margine  loborum  lateralium  parum  palli- 
diore.    Femora    postica    extus    vitta  lata 


314  H.  Karny, 


fusca   mediana,    solum    in    parte    apicali 
carinam  superiorem  attingente  ornata 

28.  C.  exigujis  n.  sp. 

9.  9.  Elytra  femora  postica    distincte   supe- 

rantia.  Pronotum  pallidum,  sulcis  trans- 

versis  nigris,  praeterea  unicolor.  Femora 

postica   extus   vitta  angusta  nigra  per 

totam  longitudinem  carinam  superiorem 

attingente  ornata.  .29.  C.  stilcifer  n.  sp. 

Lobi      laterales      pronoti     fusci,      margine 

testaceo.    Femora    postica     intus    maculis 

nigris  ornata. 

9.  Colore  pallidiore.  Pronoti  lobi  laterales 
dimidio  anteriore  macula  fusca  retrorsum 
distincte  finita  picti.  Femora  postica 
intus  maculis  plerumque  sese  attingenti- 
bus  ornata. 

10.  Caput  ante  oculos  prominens  pronoti 
dorsum  ubique  sat  dense  et  distincte 
punctatum.  Femora  postica  extus 
vitta  percurrente  instructa 

30.  C.  liumeralis  (Thunb.). 
10.  10.  Caput  ante  oculos  obtusius,  pronoti 

dorsum  ante  medium  remote,  post 
medium  dense  punctatum.  Femora 
postica  extus  vitta  utrinque  abbre- 
viata  instructa 

31.  G  distinguendus  (Stäl). 
9.  9.  Colore  obscuriore.  Lobi  laterales  pronoti 

macula  fusca  per  totam  longitudinem 
extensa  vel    retrorsum    sensim  palles- 
cente  picti.  Femora  postica  intus  macu- 
lis a  sese  distincte  divisis  ornata. 
10.  Statura  parum  minore.   Lobi  laterales 
pronoti     macula    fusca    post    sulcum 
ultimum     sensim    pallescente    ornati. 
Tibiae  posticae  pallide  testaceae 

32.  C.  ntacnlaUis  n.  sp. 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  315 

10.  10.  Staturaparum  majore. Lobi laterales 
pronoti  excepto  margine  inferiore, 
flavo  toti  fusco-nigri.  Tibiae  po- 
sticae    luteo-testaceae 

33.  C.  marginatiis  n.  sp. 

6.  6.  Tibiae  posticae  coeruleae:  34.  C.  obscurus  n.  sp. 

4.  4,  Femora  postica  area  externomedia  vitta  longa  longi- 

tudinali  nulla. 

5.  Femora    postica    transverse    fusco-fasciata,    fasciis 

saltem  trans  medium  areae  externomediae  perductis 

IV.  Gruppe. 

6.  Lobi  laterales   pronoti   macula  nigra   abbreviata 

ornati,   margine   antico  anguste,  postico  late  sed 

dilute  pallido.  Species  africanae. 

7.  Femora  postica  area  externomedia  vitta  lata 

fusca,  ante  medium  ramulum  latum  ad  medium 

carinae   superioris   emittente   ornata.   Cerci  cf 

compressi,  curvati,  apice  bifido 

35.  C.  bifidiis  Karsch. 

7.  7.  Femora  postica  area  externomedia  maculis 

transversis   2   vel   3  ornata.    Cerci  cf  haud 

bifidi. 

8.  Tibiae  posticae  griseae,  annulo  basali  flavo 

ornatae 36.  C.  mellitus  Karsch. 

8.  8.  Tibiae  posticae  annulo  nuUo. 

9.  Laminasupraanalis  cf  pone  medium  carinä 
transversa  distinctä  instructa.  Femora 
postica  area  externomedia  maculis  2 
ornata. 

10.  Macula  anterior  femorum  posticorum 
areae  externomediae  superne  angusta, 
deinde  subito  rotundato-dilatata.  Cerci 
valde  dilatati 

37.  C.  melanostidiis  Schaum. 
10.  10.  Macula    anterior    femorum    posti- 
corum areae  externomediae  ovalis. 
Cerci  cf  minus  dilatati 

38.  C.  decipiens  Karsch. 


316  PL  Karny, 

9. 9.  Lamina    supraanalis    cT    carina    trans- 
versa nulla.  Femoraposticaareaexterno- 
media      maculis    3      (duabus      anticis 
interdum  confluentibus)  ornata. 
10.  Lobi     metasternales    cf     9     contigui. 
Cerci  ^f  apice  dilatati 

39.  C.  asthmaticiis  Kar  seh. 
10.  10.  Lobi  metasternales  d"  9  haud  con- 
tigui. Cerci  cf  apice  acuminati 

40.  C  mimtilns  Kars  eh. 
6.  6.  Lobi  laterales   pronoti   eoneolores   vel  superne 
vitta  longitudinaii    obseura   per   totam    longi- 
tudinem  extensa  ornati. 
7.  Alae  hyalinae  vel  parum  infuscatae. 

8.  Maculae    femorum    postieorum    subdilutae 

vel  confluentes    41.  C.  Karschi  n.  sp. 

8.  8.  Maculae  femorum  postieorum  distinctae 
et  separatae. 
9.  Prosterni  tubereulum  leviter  retroflexum, 
apice  inflatum,  transverse  obtusum,  inter- 
dum bilobum.  Species  Madagassae  et 
Africae  orientalis. 

10.  Elytra  apieem  abdominis  valde  supe- 
rantia.  Tibiae  posticae  pallidae  vel 
dilute  sanguineae 

42.  C.  sacalava  Branesik. 
10.  10.  Eh^tra    apieem     abdominis    parum 
superantia. 
11.  Pronoti     discus    coneolor.     Tibiae 
posticae  laete  sanguineae 

43.  C.  stenocrobyloides  n.  sp. 
1 1.  11.  Pronoti    discus    pallide    griseus, 
fascia  longitudinaii  mediana  ob- 
seura distincta.    Tibiae  posticae 
sordide  fusco-luteae 

44.  C.  Malagassiis  n.  sp. 

9. 9.  Prosterni  tubereulum   rectum  vel  sub- 

rectum    apice  obtusum,  haud  inflatum, 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  öl  7 

numquam   bilobum.    Species    africanae 
et  indicae. 
10.  Tibiae     posticae    fuscae    vel    nigrae, 
annulo     basali      distincto    pallido    in- 
structae.  Statura  majore. 
11.  Pallide  ochraceus.  Species  indica 

45.  C.  mterrtiptus  Bol. 
11.  11.  Fuscus  vel  fusco-testaceus.  Spe- 
cies africana 

46.  C.  mintilipes  Stäl. 

10.  10.  Tibiae   posticae   pallidae   vel   san- 

guineae,    annulo     distincto     nullo. 

Statura  mediocri  vel  minore. 

ll.Cerci   cf    compressi,   apicem  versus 

angustati  et  introrsum  curvati,  apice 

sinuati,  subdentati.  Species  africana 

47.  C.  cephalotes  Bol. 

11.11.  Cerci  cf  graciles,  elongati,  apicem 

versus  introrsum   curvati,    apice 

acuminati.  Species  indo-australes. 

12.  Area  externomediafemorum  posti- 

corum   carina  inferiore    tota   vel 

subtota  nigro-maculata 

48.  C.  pulchellns  n.  sp. 
12.  12.  Area  externomedia  haud  vel 
prope  apicem  solum  nigro- 
maculata. 
13.  Area  externomedia  femorum 
posticorum  fasciis  transversis 
carinam  inferiorem  attingen- 
tibus  ibique  fortiter  dilatatis 

49.  C.  Mmilis  (Serv.). 
13.  13.  Area  externomediafemorum 
posticorum  fasciis  trans- 
versis carinam  inferiorem 
haud  vel  vix  attingentibus, 
haud  dilatatis 

50.  C.  intermednis  Bol. 


318  H.  Karny, 

7.  7.  Alae  basi  saltem  citreae  vel  luteae.   Species 
indo-australes. 
8.  Pronotum     concolor    vel    lobis    lateralibus 
subtus  pallidioribus 

5 1 .  C.papuamis  B  r  a n  c  s  i  k. 
8, 8.  Pronotum    lateribus     vitta      longitudinali 
utrinque  sulphurea 

52.  C.  speciostis  B  r a  n  c  s  i  k. 

5.  5.  Femora  postica  supra  fusco-fasciata,  fasciis  haud 

ultra  medium   areae   externomediae   continuatis 

vel  area  externomedia  maculis  vel  punctis  mino- 

ribus  nigris  ornata V.  Gruppe, 

6.  Elytra  apicem  abdominis    attingentia  vel    supe- 
rantia. 

7.  Fuscus  vel  testaceus,  alis  hj^alinis  vel  flavis 
vel  coeruleis. 
8.  Tibiae  posticae  annulo  nullo. 

9.  Femora  postica  supra  fusco-fasciata,  faciis 

in  area  externomedia  breviter  continuatis. 

10.  Species   indo-chinenses.   Statura  plus 

minus  minore;  femora  postica  supra 

dilute  fasciata. 

11.  Elytra  apicem   abdominis  haud  su- 

perantia.  Lobi  laterales  pronoti  ma- 

cula  longitudinali  nigra 

53.  C  aberrans  n.  sp. 
11.  11.  Elytra  apicem  abdominis  distincte 
superantia.  Lobi  laterales  pronoti 
macula  nigra  nulla. 
12.  Cerci   cf    graciles,    apice    acumi- 
nati. 
13.  Fasciae    superiores     femorum 
posticorum    in    area    externo- 
media oblique  continuatae,  sub- 
tus interruptae.  Tibiae  posticae 
rufae  .  .54.  C.  actäicercns  Bol. 
13.  13.  Fascia      anterior    femorum 
posticorum  in  area  externo- 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  319 

media  brevissime,  posterior 
haud  perducta.  Tibiae  po- 
sticae  üavo-testaceae 

55.  C.  consohrinus  n.  sp. 
12.  12.  Cerci  cf  apice  haud  acuminati. 
13.  Fascia  anterior    femorum    po- 
sticorum  in  area  externomedia 
iisqiie    ad    medium    perducta. 
Cerci   c?   apice   parum  dilatati^ 
obtusi  .  .  .56.  C.phigiiis  (Stäl). 
13.  13.  Fascia     anterior    femorum 
posticorum  in  area  externo- 
media brevissime  perducta. 
Cerci  cT  apice  triangulariter 
compresso-dilatati 

57.  C.  indicus  Bol. 
10.  10.  Species  africanae.  Statura  plerum- 
que  majore;  femora  postica  supra 
distincte  fasciata. 
11.  Cerci  cT  graciliores,  sensim  rotun- 
dato-incurvi.  Species  Africae  orien- 
talis. 

12.  Statura  minore.  Cerci  cf  apicem 
versus    attenuati,     apice    ipso 
subacuminati.  Species  Aldabra- 
insularum:  58.  C.  insulantisn. sp. 
12.  12.  Statura    majore.     Cerci    cT 
apice  plus  minus  triangula- 
riter dilatati,  recto-  vel  sub- 
emarginato-truncati;  species 
zanzibarensis    et     somalica 
59.  C.  Bvnimeri  n.  sp. 
11.  11.  Cerci  cf  crtissi,  parte  apicali  fere 
rectangulato-incurvi,    apice  per- 
obtusi.  Species  senegalensis 

60.  C.  axillaris  (Thunb.). 

9. 9.  Femora  postica  fasciis   superioribus  in 

area    externomedia    haud    continuatis. 


320  H.  Karny, 


sed  hac   maculis  1  —  compluribus  or- 
nata.  Species  africanae. 
10.  Area    externomedia    femorum    posti- 
corum   ad    carinam  superiorem    pone 
medium    macula    longitudinali    nigra 
ornata,  praeterea  unicolor. 
ll.Statura    majore.    Cerci    cf    crassi, 
parte    apicali    fere    rectangulato-in- 
curvi,  apice  perobtusi 

61.  C.  saticius  (Burm.). 
11.  11.  Statura  mediocri.  Cerci  cT  graci- 
liores,  sensim  rotundato-incurvi, 
apice  bifurcati:  62.  C.  styl if er  Kr. 
10.  10.  Area   externo-media  femorum  po- 
sticorum  maculis  ad  carinam  infe- 
riorem vel  media  in  area  sitis  (plu- 
ribus  quam  unica)  ornata. 
11.  Statura  exigua:    9  haud  plus  quam 
21  mm;  cf  ignotum. 
12.  Statura  graciliore.   Area  externo- 
media   maculis    orbicularibus    2 
usque  ad  3  nigris    ornata,   carina 
inferiore  unicolore.  Species  suda- 
nensis  ....  63.  C.  minimtis  n.  sp. 
12.  12.  Statura    robustiore.   Area    ex- 
ternomedia macula  unica  pro- 
pe  apicem   instructa  et  prae- 
terea  carina    inferiore    nigro- 
maculata.      Species       Africae 
meridionalis:64.C.^/<?g'c7«5n.sp. 
11.11.  Statura  mediocri.  cf  cf  noti. 
12.  Cerci   cf   apice  bifurcati.  Corpus 
anticum  cum  pedibus  setosum 

65.  C.  villosns  Kar  seh. 

12.  12.  Cerci  cf  haud  bifurcati.  Corpus 

anticum  cum  pedibus  nudum 

vel  molliterpilosum,numquam 

setosum. 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  321 

1  S.Cerci  cfapice  obtusi,haiid  dilatati. 
14.  Area    externomedia  carina 
inferiore  concolore 

66.  C.  Kratissi  n.  sp. 
14.  14.  Area  externomedia  ca- 
rina inferiore  nigro-va- 

riegata 67.  C. 

haeniorrhoidalis      Kr. 
13.  13.  Cerci  cf    apice    subelavato, 
clava  subcompressa,  poste- 
rius    impressione    subovali 
instructa 

68.  C.  notatns  Kars  eh. 
8.  8.  Tibiae  posticae  prope  basin  pallide  annu- 
latae. 
9.  Tibiae     posticae     sordide    testaceae    vel 
griseo-fuscae. 

10.  Femora  postica   supra  fusco-fasciata, 
fasciis   in   area  externomedia  breviter 

continuatis 69.  C.  exstil  n.  sp. 

10.  10.  Femora  postica  area  externomedia 
maculis    1 —  compluribus  separatis 
ornata. 
11.  Femora  postica  area   externomedia 
macula  nigra  unica  ornata. 
12.  Macula  femorum  posticorum  orbi- 
cularis,  fere  in  centro   areae   me- 
dianae   posita.   Alae  hyalinae  vel 
pallide  purpureae 

70.  C.  soJitarhis  Kar  seh. 

12.  12.  Macula   femorum    posticorum 

dimidio    apicaH    ad    carinam 

inferiorem    posita.    Alae    coe- 

ruleae :  7 1 .  C.  Wernerelhts  n. sp. 

11.  11.  Femora    postica    extus    maculis 

2 —  compluribus  nigris. 

12.  Alae  h3^alinae 

72.  C. praeuioiistrator  Kars  eh. 


322  H.  Karny, 

12. 12,  Alae  luteae 

73.  C.  signattts  Kars  eh. 
9. 9.  Tibiae  posticae  sanguineae. 

10.  Tibiae  posticae  sparse  obscure  macu- 

latae,  annulo  pallido  plus  minus  indi- 

stincto.    Alae  hyalinae,  margine  anali 

pallide  flavae:  74.  CniodiciisKsiVsch. 

10.  10.  Tibiae  posticae  annulo  basali  flavo 

et  praeterea  maculis  2  flavis  orna- 

tae.  Alae  coeruleae 

75  C.urania  Kirby, 
7.  7.  Virescens,  aus  roseis  vel  purpureis 

76.  C.  comis  Kar  seh. 
6. 6.  Elytra  abdomine  multo  breviora 

77.  C.  debil  IS  Kr. 
1.1.  Femora  postica  vittis  longitudinalibus  sulphureis  ornata 

VI.  Gruppe. 

2.  Alae  violaeeae 78.  C.  pompaJis  Karsch. 

2.  2.  Alae  miniatae  vel  purpureae. 

3.  Alae  miniatae.  Meso-  et  metathorax  latere  viridiflavo 

79.  C.  cylmdricollis  (Schaum). 

3.  3.  .Alae  purpureae.  Meso-  et  metathorax  latere  nigro,  ma- 

eula  vittaque  sulphurea  instructo:  80.  C.  ornatus  n.sp. 

Deseriptiones. 

Catantops  abbreviatus  n.  sp. 

Fuscus,  antennis  nigris.  Occiput  et  pronotum  vitta  longi- 
tudinali  et  utrimque  laterali  nigra  ornatum,  Elytra  fortiter  ab- 
breviata,  nee  apicem  abdominis,  nee  genua  postica  attingentia, 
fusea,  pone  medium  vitta  longitudinali  nigra  et  ante  eam  ma- 
culis irregularibus  cireiter  4  nigris  ornata.  Alae  elytris  vix  bre- 
viora, infuscata.  Prosterni  tuberculum  cylindricum,  apice  ob- 
tusum.  Lobi  meso-  et  metasternales  late  distantes.  Abdomen 
fuscum,  superne  utrinque  testaceum,  medio  nigrum.  Femora 
postica  fusca,  area  externomedia  ad  carinam  superiorem  et 
medio  vittis  parte  apieali  eonfluentibus  longitudinalibus  nigris 
ornata.  Tibiae  posticae  nigrae,  spinis  fuscis. 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  323 

9 
Long,  corporis 24 — 26 

»       pronoti 6 — 7 

»       elytrorum 10 — 12 

»       fem.  post 14. 

Patria:  Port  Natal  (Coli.  Br.  v.  W.,  Nr.  6748). 

Den  Vergleich  mit  den  verwandten  Arten  kann  ich  mir 
wohl  erlassen,  da  er  ja  schon  durch  die  obige  »Dispositio  spe- 
cierum«   gegeben  ist.    Das  cT  dieser  Art  ist  mir  unbekannt. 

Catantops  putidus  Kars  eh. 

Catantops  putiätis  K&v seh.  1896.  Stett.  Ent.  Zeitschr.,  p.  Sl.'S. 
»  »        Karsch  1900.  Ent.  Nachr.,  Berl.  p.  5. 

Patria:  Nyassa,  Milanji  (Karsch  1.  c).  Von  demselben 
Fundorte  stammen  2  9  9  und  1  cf  der  Coli.  Br.  v.  W.  von 
Staudinger,  die  als  ineptns  bezeichnet  waren,  aber  bestimmt 
hieher  gehören. 

Der  oben  zitierten  Beschreibung  Kars ch's  habe  ich  nichts 
hinzuzufügen. 

Catantops  ineptus  Karsch. 
Karsch,  1896,  p.  315;  1900,  p.  5. 

Patria:  Nyassa,  Milanji  (Karsch). 

Diese  Spezies  habe  ich  selbst  nicht  gesehen,  doch  ist  sie 
nach  Kars  ch's  Beschreibung  von  den  verwandten  Arten  leicht 
zu  unterscheiden. 

Catantops  regalis  n.  sp. 

Fuscus  vel  fusco-testaceus,  antennis  nigris.  Occiput  et 
pronotum  vitta  longitudinali  et  utrimque  laterali  nigra  ornatum. 
Elytra  apicem  abdominis  vix  superantia,  fusco-testacea,  dimidio 
basali  pone  medium  maculis  2 — 5  et  post  iis  vitta  longitudinali 
nigra  ornata.  Prosterni  tuberculum  sat  brevi,  rectum,  sub- 
acuminatum.  Lobi  meso-  et  metasternales  late  distantes.  Femora 
postica  fusco-testacea,  area  externomedia  carina  superiore  et 
inferiore  nigra  itemque  vitta  angusta  longitudinali  mediana  et 
carinulis  transversis  obliquis  nigris.  Tibiae  posticae  nigrofuscae. 
Cerci  cf  breves,  recti,  basi  incrassati,  apice  acuminati. 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Kl.;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  22 


324  H.  Karny, 

c/  ? 

Long,  corporis 23  28 — 33 

»      pronoti 5  7 —  7  •  5 

»      elytrorum  .  .  .  .  16  23 — 24-5 

»      fem.  post 12  16—17 

Patria:  Zanzibarküste  (Coli.  Mus.  Caes.  Vind.,  leg.  Stein- 
dachner  1888). 

Catantops  opulentus  Kars  eh. 
Karsch,  1896,  p.  314;  1900,  p.  4. 

Patria:  Tanganyika-See  (Karsch  1.  c). 

Mir  nur  nach  der  genannten  Beschreibung  und  Abbildung 
bekannt. 

Catantops  pauperatus  n.  sp. 

Testaceus,  antennis  nigris.  Occiput  et  pronotum  vittis 
consuetis  3  longitudinalibus  nigris  ornatum  et  praeterea  lobi 
laterales  pone  medium  dilute  longitudinaliter  vittati.  Elytra 
apicem  abdominis  attingentia  (9)  vel  parum  superantia  (cf), 
campo  discoidali  maculis  nigris  vel  fuscis  1—6  ornata,  anali 
nuUis.  Prosterni  tuberculum  rectum,  parum  retrorsum  vergens, 
cylindricum,  apice  obtusum.  Lobi  meso-  et  metasternales  late 
distantes.  Femora  postica  pone  medium  et  carinulis  transversis 
obliquis  infuscata,  apicem  elytrorum  genubus  attingentia.  Tibiae 
posticae  fuscae.  Cerci  cf  basi  crassiusculi,  apice  acuminati, 
parum  sinuati. 

Long,  corporis 20-5  30-5 

»      pronoti 5  7-5 

»      elytrorum 16  22 

»      fem.  post 11  17 

Patria:  Südafrika  (Coli.  Mus.  Caes.  Vind.,  leg.  Dr.  Penther). 

Catantops  lucrosus  Karsch. 

Karsch,  Stett.  Ent.  Zeitschr.,  1896,  p.  316. 

Westafrika:  Malange  (Karsch  1.  c). 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  325 

Catantops  rufipes  n.  sp. 

Testaceo-fuscus.  Pronotum  dorso  unicolore,  lobis  latera- 
libus  vitta  longitudinali  fusca  obliqua  subdiluta  instructis. 
Elytra  fusca,  parte  posteriore  pallidiore,  genua  postica  attin- 
gentia.  Alae  succineo-fuscae.  Prosterni  tuberculum  parum 
obliquum,  apice  obtusum.  Lobi  mesosternales  cf  anguste, 
9  sat  late  distantes,  metasternales  ö"  contigui,  9  subcontigui. 
Femora  postica  extus  concolora  vel  pone  medium  parum 
infuscata,  intus  nigro-maculata,  maculis  interdum  confluentibus. 
Tibiae  posticae  sanguineae.  Cerci  cf  pilosi,  graciles,  incurvi, 
apice  acuminati.  Lamina  supraanalis  cT  acute  triangularis, 
marginibus  rotundatis,  medio  basi  sulcata.  Lamina  subgenitalis 
cf  lintriformis,  apicem  cercorum  superans. 

^  9 

Long,  corporis 20  27 

»      pronoti 4  5'8 

»       elytrorum 16  20 

»      fem.  post 12  15 

Patria :  Ukami, Deutsch-Ostafrika  (Coli.  B  r.  v.  W.,  Nr.  25. 1 47). 

Catantops  praemorsus  (Stäl). 

Acridium  (Catantops)  praemorsum   Stäl,   Eug.   Res.    Omkr.   Jord.   Ent.  Bidr., 
1860,  p.  330. 

Ich  kenne  diese  Art  nur  nach  der  Beschreibung  Stäl's, 
über  ihre  systematische  Stellung  bin  ich  mir  daher  nicht  ganz 
im  klaren.  Am  ehesten  dürfte  sie  hieher  zu  stellen  sein; 
vielleicht  ist  sie  aber  mit  einer  anderen  Art  (splendens?)  synonym. 
Stäl  vergleicht  sie  1860  mit foedahts,  in  der  Rec.  Orth.,  1873, 
führt  er  sie  überhaupt  nicht  mehr  an. 

Patria:  Hongkong  (Stäl). 

Catantops  infuscatus  (Haan). 

Acridium  (Oxya)  infuscatmn  Haan,  Bijdr.  Kenn.  Orth.,  1840,  p.  156. 
Catantops  infuscatus  Haan?  Hol.,  Ann.  Mus.  Civ.  Genova,  1898,  p.  101. 

Ich  folgte  in  der  Deutung  dieser  Art  der  Ansicht  Bolivar's 

(1.  c). 

Patria:   Borneo,   Celebes  (Haan),   Neu-Guinea  (Bolivar). 

22* 


326  H.  Karny, 

Catantops  splendens  (Thunb). 

Syn. :  Acridum  luteolum  Serv.,  Hist.  nat.  Orth.,  1839,  p.  661. 

Die  zitierte  Beschreibung  Serville's  ist  ganz  gut,  doch 
muß  ich  sie  noch  durch  Anführung  der  cf  Geschlechtscharaktere 
ergänzen : 

Cerci  cT  graciles,  acuminati,  nonnihil  incurvi.  Lamina 
supraanalis  cf  sulco  longitudinali  distincto  ultra  dimidium 
basale  extenso,  marginibus  lateralibus  sat  sinuatis,  apice  acumi- 
nata.  Lamina  subgenitalis  cf  elongato-lintriformis,  acuminata, 
dimidio  apicali  nonnihil  lateraliter  compressa. 

Var.  pallipes  m.  Tibiis  posticis  flavo-testaceis.  —  Promiscue 
cum  forma  typica. 

Var.  vitrea  m.  Alis  hyalinis,  haud  luteis.  —  Patria:  An- 
damanen  (Coli.  Mus.  Caes.  Vind.). 

Für  diese  Art  ist  die  verschwommene  rauchige  Längs- 
binde in  der  Mitte  der  Außenfläche  der  Hinterschenkel  recht 
charakteristisch,  kann  aber  auch  mitunter  fehlen.  Bei  den 
angeblich  aus  Brasilien  stammenden  Exemplaren  ist  dieses 
Band  durch  eine  vogelfederartige  Zeichnung  ersetzt,  indem 
hier  auch  die  schiefen  Querkielchen  der  Außenfläche  etwas 
dunkler  sind. 

Patria:  Java  (Serville),  Birma,  Ceylon,  Sumatra,  Java, 
Borneo,  Celebes,  Penang,  China,  Philippinen,  Aru  (Br.  Rev.  S3Ast. 
Orth.),Amboina,Amoy,  Nord-iMolukken,  Halmahera,  Insel  Buru, 
Palawan,  Samarang,  Brasilien  (Coli.  Br.  v.  W.),  Nikobaren, 
Hinterindien  (Coli.  Mus.  Caes.  Vind.). 

Catantops  taeniolatus  Kar  seh. 
Karsch,  Springh.  Bergl.  Adeli,  1893,  p.  100. 

Patria:  Bismarckburg  Adeli  (Karsch  1.  c). 

Die  Außenfläche  der  Hinterschenkel  ist  nach  Karsch 
nicht  immer  ganz  einfarbig,  sondern  zuweilen  durch  ein 
schwarzes  Fleckchen  eine  Strecke  vor  der  Vereinigung  der 
beiden  Grenzrippen  geziert. 

Catantops  fuscipes  n.  sp. 

Fusco-rufescens,  antennis  concoloribus.  Pronotum  uni- 
color;   elytra  dimidio  antico  parum  obscuriora,   genua  postica 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  327 

attingentia,  abdomen  haud  totum  obtegentia  (9).  Prosterni 
tuberculum  retrorsum  vergens,  apice  inflato-dilatatum.  Lobi 
meso-  et  metasternales  late  distantes.  Femora  postica  testacea, 
exceptis  maculis  fuscis  areae  interno-mediae  et  genubus  non- 
nihil  infuscatis,  concolora.  Tibiae  posticae  fuscae.  cf  ? 

9 

Long,  corporis 30 

»      pronoti 5  •  5 

»      elytrorum 20 

»      fem.  post 15  "5 

Patria:  Manow,  Deutsch -Ostafrika  (Coli.  Br.  v.  W., 
Nr.  24.897). 

Erinnert  durch  die  Form  des  Prosternalzapfens  an  die 
Gruppe  des  C.  sacalava  Brancsik,  doch  ist  die  Verbreiterung 
noch  nicht  so  deutlich. 

Catantops  nigricornis  n.  sp. 

Flavo-testaceus,  antennis  nigris.  Pronotum  sulcis  sat 
impressis,  dorso  parum  obscuriore.  Elytra  rufo-testacea,  sub- 
concolora,  apicem  abdominis  parum  superantia.  Prosterni 
tuberculum  lateraliter  subcompressum,  sat  recurvum,  apice 
acuminatum.  Lobi  meso-  et  metasternales  cf  subcontigui,  9  an- 
guste  distantes.  Femora  postica  flavo-testacea,  tota  unicolora 
vel  intus  late  infuscata,  genubus  utrinque  semilunariter  rufis. 
Tibiae  posticae  pallide  testaceae.  Lamina  supraanalis  cf  sub- 
rotundata,  parte  basali  longitudinaliter  sulcata;  cerci  cf  graciles, 
sat  incurvi,  apice  acuto,  ante  eum  superne  denticulo  instructi. 
Lamina  subgenitalis  cf  lintriformis,  apicem  cercorum  parum 
superans. 

^  9 

Long,  corporis 24  37 — 39 

»      pronoti 4' 5  7  '6 

elytrorum  ....    20  30 

»      fem.  post 13  16 — 17 

Patria:  Milanji  (Coli.  Br.  v.  W.,  Nr.  19.564),  Dar  es  Salam 
(Coli.  Mus.  Caes.  Vind.). 


328  H.  Karny, 

Catantops  nudulus  Kars  eh. 
Karsch,  Springh.  Bergl.  Adeli,  1893,  p.  100. 

Patria:  Bismarckburg,  Adeli  (Karsch  1.  c). 

Catantops  pallens  n.  sp. 

Flavo-testaceus,  antennis  concoloribus,  elytris  excepto 
parte  postico  (flavo-testaceo)  fuscis.  Caput,  pronotum,  abdomen 
concolora.  Elytra  genua  postica  distincte  superantia;  alae 
helvolae.  Prosterni  tuberculum  rectum,  conicum  subacuminatum. 
Lobi  mesosternales  anguste  distantes,  metasternales  subcontigui. 
Femora  postica  genubus  utrinque  semilunariter  infuscatis,  flavo- 
testacea,  unicolora.  Tibiae  posticae  flavo-testaceae,  spinis  apice 
nigris.  Lamina  subgenitaHs  cf  marginibus  parallelis,  deinde 
angulatis,  apice  angulata,  sicutpartem  hexagoni  formare  videtur, 
longitudinaliter  subtota  sulcata.  Cerci  cf  graciles,  incurvi, 
acuminati.  Lamina  subgenitalis  cf  lintriformis,  lateribus  supra 
carina  longitudinaH  contigui,  infra  area  curvata  divisis,  apicem 
cercorum  distincte  superans. 

cT 

Long,  corporis 27 

»      pronoti 6 

»      elytrorum 26 

»      fem.  post 16 

Patria:  Kilimandscharo,  leg.  Höhnel  (Coli.  Br.  v.  W., 
Nr.  18.013). 

Catantops  digitatus  Bol. 

Bolivar,  Jörn.  Sc.  Math.  Phys.  Nat.  Lisb.,  1889,  p.  166. 

Patria:  Caconda,  Portugiesisch-Südwestafrika  (Bolivar 
1.  c). 

Durch  die  gegabelten  Cerci  cf  von  der  vorigen  Art  leicht 
zu  unterscheiden  und  an  C.  stylifer  erinnernd. 

Catantops  decoratus  Gerst. 

Gerstäcker,  Arch.  f.  Naturgesch.,  XXV.  Bd.,  1873,  p.  219. 
Bolivar,  Jörn.  Sc.  Math.  Phys.  Nat.  Lisb.,  1889,  p.  165. 
Karsch,  Ent.  Nachr.,  1900,  p.  7. 
Kirby,  Rep.  Coli.  Afr.  Loc,  1902,  p.  107. 

Genitalia  cf  uti  in  solitario  formata. 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  329 

Diese  Spezies  ist  im  südlichen  Afrika  weit  verbreitet: 
Zanzibar  (Gers  täc  ke  r),  Caconda,  Mossamedes,  Humbe, 
Louren90  JVIarques  (Bolivar),  Endara,  Usambara  (Karsch), 
Pretoria,  Nyassa.  (Kirby),  Mombas  (Coli.  Br.  v.  W.,  Nr.  15.816), 
Kilimandscharo  (Coli.  Mus.  Caes.  Vind.). 

Catantops  major  n.  sp. 

Flavo-testaceus,   antennis    concoloribus.    Pronotum   dorso 

pone  medium  leviter  infuscato,  lobis  lateralibus  superne  parum 

obscurioribus.    El^^tra    infuscata,    apicem    abdominis    distincte 

superantia.   Prosterni  tuberculum  prismaticum,    rectum,    apice 

obtusum.  Lobi  mesosternales  subcontigui,  metasternales  distincte 

contigui.  Femora  postica  area  externomedia  pallida,  unicolore, 

internomedia     subtota     nigra,    genubus    nigro-fuscis.    Tibiae 

posticae  sordide  fusco-griseae,    annulo  basali  pallido  ornatae. 

Abdomen   luteo-testaceum,  superne  fuscum.   Cerci  cT  graciles, 

valde    incurvi,    apice    subacuminati.    Lamina    subgenitalis    cf 

elongata,  compressa. 

ö^ 
Long,  corporis 32 

»      pronoti 6'5 

»      elytrorum 27 

»      fem.  post 17 

Patria:  Zanzibarküste,  leg.  Steindach ner  1888  (Mus. 
Caes.  Vind.). 

Durch  die  bedeutendere  Größe  und  die  cf  Geschlechts- 
charaktere von  C  decoratus  leicht  zu  unterscheiden  und  an 
G  splendens  erinnernd. 

Catantops  vanus  Karsch. 

Karsch,  Stett.  Ent.  Zeitschr.,  1896,  p.  318,  Fig.  35. 
Ent.  Nachr.,  1900,  p.  6. 

Patria:  Zanzibar  (Karsch  1.  c). 

Catantops  viridulus  n.  sp. 

Viridi-fuscus  antennis  nigris.  Occiput  triangulariter  infus- 
catum.  Pronotum  concolor,  fortiter  impresso-punctatum.  Elytra 


330 


H.  Karny, 


apicemabdominisdistinctesuperantia,  nigro-fusca,  parte  postico 
viridulo.  Prosterni  tuberculum  conicum,  rectum,  sat  acutum. 
Lobi  mesosternales  9  late,  cf  anguste  distantes,  metasternales 
9  anguste  distantes,cfsubcontigui.Femorapostica  area  externo- 
media  apicem  versus  dilute  infuscata,  internomedia  late 
fusca  genubus  nigro-fuscis.  Tibiae  posticae  laete  coeruleae, 
basi  pallidiores  (cf)  vel  annulo  basali  angustissimo  flavo  ornatae 
(9).  Cerci  cf  gracües,  parum  incurvi,  apice  acuminati.  Lamina 
subgenitalis  cf  subconica,  superne  carinata,  subtus  rotundata, 
apice  acuminata,  cercos  distincte  superans. 

Long,  corporis 28  39 

»      pronoti 6  8 

»      elytrorum 24  32 

»      fem.  post 15  19 

Patria:Ukami,  Deutsch -Ostafrika  (Coli.  Br.v.W.,  Nr.  25.146). 

Catantops  cyanipes  n.  sp.  (Taf  II,  Fig.  11  bis  15). 

Fuscus,  lateribus  pronoti,  meso-  et  metathoracis,  abdominis 
albidulis.  Pronotum  cylindricum,  margine  antico  et  postico  parum 
rotundato-productum.  Elytra  apicem  abdominis  parum,  sed 
distincte  superantia,  fusca.  Prosterni  tuberculum  rectum,  coni- 
cum, subacuminatum.  Lobi  meso-  et  metasternales  subcontigui. 
Femora  postica  testacea,  unicolora.  Tibiae  posticae  laete  coeru- 
leae. Cerci  cT  graciles,  subrecti,  apice  subobtusi.  Lamina  sub- 
genitalis cT  acuminato-Iintriformis,  cercos  parum  superans. 

Long,  corporis 19 

»      pronoti 4 

»      elytrorum 15 

»      fem.  post 10-5 

Patria:  Gondokoro  (Uganda  leg.  Werner  1905). 

Catantops  ophthalmicus  n.  sp. 

Fusco-testaceus.  Oculi  globosi,  subcontigui,  spatio  intf-a- 
oculari  antennis  haud  latius.  Pronotum  pone  medium  subcon- 
strictum,   sulcis  transversis  distinctis;   lobi  laterales  unicolores 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  33  I 

(^)  vel  dimidio  inferiore  pallido,  marginibusalbidulis,  nigrovarie- 
gatis  (cf ).  Elytra  griseo-testacea,  unicolora,  genua  postica  vix 
superantia.  Prosterni  tuberculum  rectum,  conicum,  acuminatum. 
Lobi  mesosternales  cT  9  sat  late  distantes,  metasternales  subcon- 
-tigui.  Femora  4  anteriora  nigro-punctulata;  postica  testacea, 
concolora  vel  dilute  fusco-conspersa,  carinis  longitudinalibus 
subtiliter,  nigro-variegatis.  Tibiae  posticae  sordide  coerules- 
centes,  spinis  nigris.  Cerci  cf  graciles,  incurvi,  apicem  versus 
attenuati,  subacuminati,  haud  bifidi.  Lamina  subgenitalis  r/" 
acute  lintriformis,  cercos  distincte  superans. 

(f  9 

Long,  corporis 19         28 

»      pronoti 4  6 

»      elytrorum 15  12-5 

»      fem.  post 11  16 

Patria:  Nordceylon  (Coli.  Br.  v.  W.  Nr.  17.792). 

Durch  die  auf  dem  Scheitel  auffallend  stark  genäherten 
Augen  an  C.  angushilus  erinnernd,  jedoch  durch  den  Bau  der 
cT  Cerci  leicht  zu  unterscheiden. 

Catantops  angustulus  Bol. 
ßolivar,  Ann.  Soc.  Ent.  Fr.,  LXX,  p.  627. 

Patria:  Madure  (Bolivar  1.  c). 

Catantops  foedatus  (Serv.). 

Acridiuni  foedatum  Serv.,  Hist.  Nat.  Orth.,  1839,  p.  662. 
Patria:  Java  (Serville  1.  c). 

Catantops  vittatus  Kirby. 

Catantops  vittata  Kirby,  Rep.  Coli.  Afr.  Loc,  1902,  p.  106. 

Patria:  Pretoria  Transvaal,  Delagoa  Bay  (Kirby  1.  c). 

Catantops  fasciatus  n.  sp. 

Fuscus,  antennis  nigris.  Lobi  laterales  pronoti  margine 
inferiore  late  flavo-testacea,  supra  macula  magna  nigra  ornati. 
Elytra   apicem   abdominis    attingentia,    griseo-fusca,    dilute   et 


332  H.  Karny, 

irregulariter  obscurius  conspersa.  Alae  nonnihil  infuscatae.  Pro- 
sterni  tuberculum  cylindricum,  rectum,  apice  valde  obliisum. 
Lobi  mesosternales  late  distantes,  metasternales  distincte 
contigiii.  Metathorax  utrinque  vitta  obliqua  flava  ornatu?. 
Femora  postica  flava,  area  externomedia  vitta  longa  et  lata 
nigra,  duabus  partibusapicalibus  carinam  superiorem  attingente, 
basi  ab  ea  valde  divergente  ornata,  area  internomedia  maculis 
nigris  distincte  divisisinstructa.  Tibiae  posticaelaete  sanguineae. 
Cerci  cf  graciles,  fortiter  sinuati,  apice  triangulariter  producti, 
subcompressi.  Lamina  subgenitalis  cf  subacuminata,  superne 
carinata,  cercos  distincte  superans. 

Long,  corporis 23  27     — 30 

»      pronoti 4-5  5-5 —  6 

»      elytrorum 15 -5  20     — 21 

»      fem.  post 12  14-5—16 

Patria:  Manow,Deutsch-Ostafrika(Coll.Br.  V.W.,  Nr.24. 862). 

Catantops  exiguus  n.  sp. 

Testaceus,  antennis  concoloribus.  Pronotum  retrorsum 
incrassatum,  margine  postico  distincte  angulato.  Lobi  laterales 
margine  pallidiore.  Elytra  apicem  abdominis  distincte,  genua 
postica  haud  superantia,  parte  antico  infuscata.  Prosterni  tuber- 
culum rectum,  cylindricum,  obtusum.  Lobi  mesosternales  late 
distantes,  metasternales  contigui.  Metathorax  utrinque  vitta 
obliqua  flava  ornatus.  Femora  postica  extus  vitta  lata  fusca 
mediana,  solum  in  parte  apicali  carinam  superiorem  attingente 
ornata,  intus  vitta  longitudinali  perlata  obscura  instructa.  Tibiae 
posticae  testaceae. 

9 
Long,  corporis 19 

»      pronoti 5 

»      elytrorum 15 

»      fem.  post 13 

Patria:  Delagoa  (Coli.  Br.  v.  W.,  Nr.  22.432). 
Catantops  sulcifer  n.  sp. 

Testaceus,  antennis  fuscis,  basi  testaceis,  nigro-annulatis. 
Pronotum   margine   postico   angulato,    sulcis   distinctis  nigro- 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  «J-J-J 

expletis,  lobis  lateralibus  maculis  3  nigris  ornatis.  Elytra  femova 
postica  distincte  superantia,  testacea,  concolora.  Prosterni  tuber- 
culum  sat  obliquum,  obtusum.  Lobi  meso-et  metasternales  sub- 
contigui,  sutLiris  nigro-expletis.  Meso-  et  metathorax  utrinque 
vittis  singulis  obliquis  nigris  ornatus.  Femora  4  anteriora  antice 
testacea,  postice  nigrae  (item  tibiae).  Femora  postica  cum  tibiis 
testacea,  area  externomedia  et  internomedia  vitta  longitudinali 
nigra,  per  totam  longitudinem  carinam  superiorem  attingente 
ornatis.  Cerci  cT  breves,  graciles,  conici,  acuti. 

cf 

Long,  corporis 23 

»      pronoti 5 

»      elytrorum 17  •  5 

»      fem.  post 12'5 

Patria:  Milanji  (Coli.  Br.  v.  W.,  Nr.  19.566). 

Catantops  humeralis  (Thunb.). 

Acridium  (Catantops)  capicola  Stäl,  Eug.  Res.,  1860,  p.  331. 
Catantops  humeralis  Stäl,  Rec.  Orth.,  I,  1873,  p.  69. 

Patria:  Caput  bonae  spei  (Stäl),  Nyassa,  Milanji,  Kiliman- 
dscharo, Delagoa  Bay,  Südafrika  (Karsch  1900),  Pretoria 
(Kirby  1902),  Südafrika  (Coli.  Mus.  Caes.  Vind.,  leg.  Holub). 

Die  Cerci  cf  hat  K  a r  s  c  h  beschrieben  (Ent.  Nachr.,  1 900,  p.  8). 

Catantops  distinguendus  (Stäl). 

Acridium  (Catantops)  distinguendum  Stäl,  Eug.  Res.,  1860,  p.  331. 
Catantops  distinguendus  Stäl,  Rec.  Orth.,  I,  1873,  p.  69. 

Kirby  gibt  1902  an,  er  könne  diese  Art  von  der  vorigen 
nicht  unterscheiden.  Auch  scheinen  die  von  Stäl  angeführten 
Unterschiede  sehr  unwesentlich  zu  sein,  doch  habe  ich  sie  in 
der  Bestimmungstabelle  angegeben  und  die  beiden  Arten 
getrennt,  v^^eil  mir  zu  wenig  Material  vorliegt,  als  daß  ich  ent- 
scheiden könnte,  ob  sie  zusammengehören  oder  nicht.  Die 
mir  von  Holub  vorliegenden  Exemplare  stelle  ich  zu  C.  hn- 
tneralis  (cf.). 

Patria:  Caput  bonae  spei  (Stäl). 


334  H.  Karny, 

Catantops  maculatus  n.  sp. 

Rufo-testaceus,  antennis  fuscis.  Lobi  laterales  pronoti 
macula  fusca  retrorsum  sensim  pallescente  picti  margine  infe- 
riore flavo-testaceo.  Elytra  genua  postica  parum  superantia, 
rufa,  areä  discoidali  fusco-maculatä,  apicem  versus  infuscata. 
Prosterni  tuberculum  subrectum,  obtusum.  Lobi  mesosternales 
d"?  late  distantes,  metasternales  contigui.  Mesothorax  macula, 
metathoraxvittaobliqua  flava  utrinque  ornatus.  Femora  postica 
area  externomedia  vitta  longa  et  perlata  nigra  carinam  supe- 
riorem  plus  dimidio  apicali  attingente  ornata,  area  internomedia 
maculis  separatis  nigris  instructa.  Tibiae  posticae  testaceae. 
Cerci  cf  longi,  graciles,  sinuati,  apice  fortiter  retrorsum  curvati, 
acuminati.  Lamina  subgenitalis  lateraliter  subcompressa,  cercos 
superans. 

Long,  corporis 20  26 

»      pronoti 4-5  5 

»      elytrorum 15-5  20 

»      fem.  post 12  14*5 

Patria:  Milanji  (Coli.  Br.  v.  W.,  Nr.  19.565). 

Catantops  marginatus  n.  sp. 

Nigro-fuscus.  Pronotum  excepto  margine  loborum  latera- 
lium  inferiore  vittä  iam  media  in  fronte  Oriente  laete  flava 
ornato  totum  fusco-nigrum,  unicolor,  postice  subrotundatum. 
Elytragriseo-fusca,  parte  anticoobscuriore.Alaeparuminfuscatae, 
Prosterni  tuberculum  rectum,  valde  obtusum.  Lobi  mesoster- 
nales subcontigui,  metasternales  contigui  ($).  Vitta  flava  late- 
ralis capitis  et  loborum  pronoti  usque  ad  coxam  intermediam 
perducta;  metathorax  vitta  eiusdem  coloris  obliqua  ornatus. 
Femora  postica  extus  dimidio  superiore  nigro,  inferiore  flavo. 
intus  flava,  maculis  3  nigris  ornata.  Tibiae  posticae  luteo- 
testaceae.  cf  ?  p 

Long,  corporis 30 

»      pronoti 6 

»      elytrorum 33  •  5 

»      fem.  post 14 

Patria:  Sierra  Leone  (Coli.  Mus.  Caes.  Vind.). 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  335 

Catantops  obscurus  n.  sp. 

Atro-fuscus,  antennis  parum  pallidioribus.  Pronotum  subu- 
nicolor,  lobis  lateralibus,  macula  diluta  nigra  instructis.  Elytra 
genua  postica  distincte  superantia,  concolora,  alae  griseae. 
Prosterni  tuberculum  subrectum,  obtusum.  Lobi  mesosternales 
distincte  distantes,  metasternales  contigui.  Metathorax  vitta 
obliqua  rufa  diluta  vel  nulla.  Femora  postica  area  externomedia 
subtota  nigra,  ad  carinam  inferiorem  per  totam  longitudinem 
anguste,  superne  prope  basim  solum,  latius  flava;  intus  eodem 
modo  picta.  Tibiae  posticae  coeruleae,  annulo  basali  flavo 
angusto,  diluto  vel  nullo.  Lamina  supraanalis  cf  marginibus 
duplo  sinuatis,  acuminata,  dimidio  basali  leviter  sulcata.  Cerci 
cf  uti  in  maculato  formati,  rufi,  apice  nigerrimmi.  Lamina  sub- 
genitalis  cf  subtus,  a  latere  visa,  sinuata,  cercos  parum 
superans.  71  0 

Long,  corporis 18  23 

»      pronoti 4  5*5 

»      elytrorum 15  20 

»      tem.  post 10         14 

Patria:  Capland  (Coli.  Br.  v.  W.,  Nr.  21.271),  Simonstown, 
Novara-Reise  1857  —  1859  (Coli.  Mus.  Caes.  Vind.). 

Catantops  bifidus  Kars  eh. 
Karsch,  Stett.  Ent.  Zeitschr.,  1896,  p.  317. 

Patria:  Delagoa  Bay  (Karsch  1.  c). 

Catantops  mellitus  Karsch. 
Karsch,  Springh.  Bergl.  Adeli,  1893,  p.  97. 

cT  (novum):  Tibiis  quam  in  9  parum  pallidioribus.  Lamina 
supraanalis  marginibus  sinuatis,  apice  acuminata,  sulco  longi- 
tudinali  ultra  medium  extenso.  Cerci  graciles,  parte  apicali 
fortiter  suprorsum  curvati,  apice  acuminati.  Lamina  subgenitalis 
sat  longa  et  acuta,  lateraliter  compressa. 

Long,  corporis 24 

»      pronoti 5 

»      elytrorum 19 

»      fem.  post 13 


336  H.  Karny, 

Patria;  Adeli  (Karsch  1.  c),  Ashantie  (Coli.  Br.  v.  W., 
Nr.  16.507). 

Catantops  melanostictus  Schaum.  (Taf.  II,  Fig.  16  bis  20). 

Calantops  melanostictus   Schaum,  Peters  Mossamb.,  1862,  p.  164. 
Stäl,  Rec.  Orth.,  I,  1873,  p.  70. 
>  >  Krauss,  Orth.  Seneg.,  Sitzber.  Akad.  Wien,  1877,  p.  9. 

??      »  »  Bol.,  Jörn.  Sc.  Math.  Phys.  Nat.  Lisb.,   1889,  p.  165 

{=  humeralis  Thunb.  ?). 
»  Karsch,  Ent.  Nachr.,  Berl.  1900,  p.  7. 

Krauss,  Verh.  Zool.-bot.  Ges.,  Wien  1901,  p.  290. 
»  melanosticta  Kirby,  Rep.  Coli.  Afr.  Loc,  1902,  p.  106. 

Patria:  Mossambique  (Schaum),  Sierra  Leone,  Guinea 
(Stäl),  Senegal,  Zanzibar,  Cap  (Krauss),  (?)  Caconda,  Humbe 
(Bolivar),  Usambara,  Delagoa  Bay  (Karsch),  Deutsch-Süd- 
westafrika (Krauss),  Pretoria, Nyassa,  Congo  (Kirby),  Abomey, 
Gaboun,  Massaua,  Mombas,  Deutsch-Ostafrika,  Grahamstown, 
Port  Natal,  Chartum  (Coli.  Br.  v.  W.),  Renk,  Doleib  Hill  Sobat, 
Mongalla,  Gondokoro  (leg.  Werner  1905). 

Ob  die  Angabe  Bolivar's  hieher  gehört,  weiß  ich  nicht 
bestimmt,  da  Bolivar  angibt:  variat  femora  postica  fascia  nigra 
percurrente.  Somit  gehört  mindestens  diese  angebliche  Varietät 
nicht  hieher,  sondern  in  die  Gruppe  des  C.  humeralis. 

Catantops  decipiens  Karsch. 
Karsch,  Ent.  Nachr.,  Berl.  1900,  p.  8. 

Patria:  Usambara,  Milanji  (Karsch  1.  c),  Milanji  (Coli. 
Br.  V.  W.,  Nr.  19.563). 

Catantops  asthmaticus  Karsch. 

Karsch,  Springh.  Bergl.  Adeli,  1893,  p.  98. 

Patria:  Bismarckburg  Adeli  (Karsch  1.  c). 

Catantops  mimulus  Karsch. 

Karsch,  Berl.  Ent.  Zeitschr.,  1891,  p.  189. 
Springh.  Bergl.  Adeli,  1893,  p.  98. 
Ent.  Nachr.,  Berl.  1900,  p.  8. 

Patria:  Barombistation,  Adeli,  Bundeko,  Undussuma,  Ituri- 
fähre,  Buessa  (Karsch),.  .Mundane,  Akra,  Goldküste  (Coli. 
Br.  V.  W.). 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  337 

Wie  Karsch  hervorhebt,  variiert  die  Zeichnung  der  Hinter- 
schenkel mitunter  ein  wenig,  so  daß  man  die  9  9  nicht  immer 
ganz  sicher  bestimmen  kann. 

Catantops  Karschi  n.  sp. 

Fuscus.  Pronoti  lobi  laterales  margine  inferiore  late  flavi, 
superne  vitta  longitudinali  obscura  per  totam  longitudinem 
extensa  ornati.  Elytra  apicem  abdominis  distincte  superantia, 
subunicolora.  Prosterni  tuberculum  parum  retrorsum  vergens, 
conicum,  breve.  Lobi  mesosternales  distincte  distantes,  meta- 
sternales  contigui.  Latera  meso-  et  metathoracis  concolora. 
Femora  postica  extus  et  intus  maculis  transversis  subdilutis  vel 
confluentibus.  Tibiae  posticae  lotae  fuscae  vel  dimidio  basali 
nigro,  apicali  luteo-testaceo.  cT? 

9 
Long,  corporis 23 

»      pronoti 5 

»      elytrorum 20  •  5 

»      fem.  post 14 

Patria:  Mundane  Rhode  (Coli.  Br.  v.  W.,  Nr.  25.784^7). 
Dedico  hanc  speciem  Dom.  Dr.  F.  Karsch  Berolinensi,  qui 
tot  huius  generis  species  exactissime  descripsit. 

Catantops  sacalava  Brancsik. 

Brancsik,  XV.  Jahrb.  Naturwiss.  Ver.  Trencsin,  1892,  p.  193. 

Patria:  Sinus  Baliensis,  Sualala,  Nossibe  (Brancsik  1.  c); 
Madagaskar,  Antongil,  Mahonoro,  Nossibe,  Mossambique  (Coli. 
Br.  V.  W.). 

Es  ist  interessant,  daß  diese  madagassische  Art  auch  auf 
der  gegenüberliegenden  afrikanischen  Küste  vorkommt,  da  sonst 
die  afrikanische  Catantops-Faiina  von  der  madagassischen  sehr 
verschieden  ist. 

Diese  Art  ist  durch  die  Form  des  Brustzapfens  aus- 
gezeichnet, worin  sie  mit  den  beiden  folgenden  ebenfalls  mada- 
gassischen Arten  übereinstimmt  und  an  das  Genus  Stenocrobylus 
erinnert.  Den  Übergang  von  der  Brustzapfenform  des  sacalava 
zu  der  für  Catantops  typischen  bildet  eine  Art  aus  Manow 
(Catantops  ßtscipes,  cf.). 


338  H.  Karny, 

Catantops  stenocrobyloides  n.  sp. 

Rufo-vel  griseo-testaceus.  Pronoti  lobi  laterales  superne 
vitta  obscura  percurrente  diluta  vel  nulla.  Elytra  genua  postica 
attingentia,  margine  anteriore  infuscata,  area  discoidali  saepe 
albo-maculata.  Alae  hyalinae.  Prosterni  tuberculum  leviter 
retroflexiim,  apice  inflatum,  transverse  obtusum,  interdum 
bilobum.  Lobi  mesosternales  sat  late  distantes,  metasternaies 
plerumque  contigiii,  raro  anguste  distantes.  Latus  metathoracis 
vitta  obliqua  albido-flava  ornatum.  Femora  postica  extus  vittis 
2  transversis  nigris,  intus  maculis  ornata,  genubus  concoloribus. 
Tibiae  posticae  sanguineae.  Cerci  cT  sat  graciles,  incurvi,  acu- 
minati.  Lamina  subgenitalis  cf  sat  acuminata,  cercos  parum 
superans. 

^  9 

Long,  corporis.  .  .  , 14-5—18  18 — 23 

pronoti   3  •  7—4  •  3  5—6 

elytrorum 12—12-5  16 — 20 

»       fem.  post 10  12—14 

Patria:  Tananarive,  Madagaskar  (Coli.  Br.  v.  W.). 
Catantops  Malagassus  n.  sp. 

Pallide  griseus.  Pronoti  lobi  laterales  superne  vitta  obscura 
percurrente  subdiluta  instructi.  Elytra  genua  postica  parum 
superantia,  margine  antico  infuscato,  postico  pallide  griseo. 
Prosterni  tuberculum  uti  in  sacalava  et  stenocrobyloide  formatum. 
Sternum  candidum,  lobis  mesosternalibus  late  distantibus, 
metasternalibus  contiguis.  Latus  metathoracis  vitta  obliqua 
subdiluta  albido-grisea  ornatum.  Femora  postica  area  externo- 
media  vitta  obliqua  nigra  ante  medium  et  parte  apicali  nigro 
ornata,  genuis  posticis  subconcoloribus.  Tibiae  posticae  sordide 
fusco-luteae.  cf  ? 

Syn.:  Catantops  Malagassus  Sauss.  in  Coli.  Br.  v.  W. 

? 
Long,  corporis 28 

»       pronoti 6 

»       elytrorum 24 

»       fem.  post 16-5 


Orthopterenftiuna  des  Sudans.  o6\) 

Patria:  Madagaskar  (Coli. Br.v.W.,  Nr.  13501,  Saussure 

ded.). 

Catantops  interruptus  Bol. 

Catantops  humilis  var.  interruptus  Bol.,  Ann.  Soc.  Ent.  Fr.,  LXX,  p.  625. 

Patria:  Madure,  Ostindien  (Bolivar  I.e.). 

Ich  kann  mich  nicht  entschließen,  diese  Form  bloß  als 
Varietät  von  humilis  anzusehen,  mit  dem  sie  nach  Bolivar's 
Beschreibung  kaum  mehr  gemein  hat  als  mit  irgend  einer 
anderen  Catantops-Art. 

Catantops  annulipes  Stäl. 

Stäl,  Rec.  Orth.,  I.,  1873,  p.  70. 

Karsch,  Berl.  Ent.  Zeitschr.,  XXXVI,  1891,  p.  189  (Beschreibung  der  (f  Geni- 
talien). 

Patria:  Sierra  Leone  (Stäl),Barombistation,  Kribi  (Karsch), 
Akra,  Goldküste,  Mundane  Kamerun  (Coli.  Br.  v.  W.). 

Catantops  cephalotes  Bol. 

Bolivar,  Jörn.  Sc.  Math.  Phys.  Nat.,  1889,  p.  166. 

Patria:    Caconda,    Portugiesisch-Südwestatrika     (Bolivar 

1.  c). 

Ich   kenne   diese  Art  nur  nach  der  zitierten  Beschreibung 

Bolivar's. 

Catantops  pulchellus  n.  sp. 

Fusco-rufescens.  Pronoti  lobi  laterales  superne  vitta 
obscura,  retrorsum  sensim  pallescente  ornati,  margine  inferiore 
pallido.  Elytra  apicem  abdominis  attingentia  vel  parum  supe- 
rantia  subconcolora  vel  irregulariter  obscurius  conspersa.  Alae 
hyalinae.  Prosterni  tuberculum  rectum,  cylindricum,  valde 
obtusum.  Lobi  mesosternales  late  distantes,  metasternales  con- 
tigui.  Area  externomedia  femorum  posticorum  maculis  trans- 
versis  2  nigris,  carina  inferiore  tota  vel  subtota  nigro-maculata; 
internomedia  maculis  nigris  3  ornata.  Tibiae  posticae  testa- 
ceae.  cf  ? 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Kl. ;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  23 


340  H.   Karny, 

9 
Long,  corporis 23 — 25-5 

»       pronoti 5 

»       elytrorum 20 — 22 

»       fem.  post 14 — 14-5 

Patria:  Ostindien  (Coli.  Br.  v.  W.,  Nr.  13.000,  13.030). 
Syn.:  Catantops ptilchelhts  Sauss.  in  Coli.  Br.  v,  W. 

Catantops  humilis  (Serv.). 

Acridinm  hnmile  Serv.,  Hist.  Nat.  Orth.,  1839,  p.  662. 
Catantops  humilis  Stäl,  Rec.  Orth.,  I,  1873,  p.  71. 

Br.  V.  W.,  Rev.  Syst.  Orth.,  1893,  p.  162. 

Cerci  cf  graciles,  parum  incurvi,  acuminati.  Lamina  sub- 
genitalis  subinflato-lintriformis,  apice  acuta. 

Patria:  Java  (Serv.),  Philippinen  (Stäl),  Birma,  China, 
Siihet,  Penang,  Borneo,  Sumatra  (Br.  v.  W.),  Silvkim,  Annam, 
Tonkin,  Malacca,  Palawan  (Coli.  Br.  v.  W.),  Calcutta,  Hinter- 
indien (Coli.  Mus.  Caes.  Vind.). 

Die  Form  der  Querbänder  an  den  Hinterschenkeln  ist  für 
diese  Art  sehr  charakteristisch.  Daher  stelle  ich  auch  interruptus 
Bol.  nicht  hieher  (cf.  oben). 

Catantops  intermedius  Bol. 

.Bolivar,  Ann.  Mus.  Civ.  St.  Nat.  Genova,  1898,  p.  100. 

Patria:  Neu-Guinea,  Key-Inseln  (Bolivar),  Insel  Buru, 
Lombok,  Mioko,  Neu-Britannien,  Neu-Holland,  Cape  York  (Coli. 
Br.  V.  W.). 

Catantops  papuanus  Brancsik. 

Brancsik,  Soc.  Hist.  nat.  Trencsen,  1897,  p.  77. 
S3'n. :  Catantops  diltittis  Br.  in  Coli.  Br.  v.  W. 

Nach  Brancsik:  »alis  hyalinis,  infumatis,  margine  antico 
infumatis,  basi  dilute  flavidis«.  Bei  den  mir  vorliegenden  Exem- 
plaren {diJutus  Br.  v.  W.)  sind  die  Flügel  ganz  gelb;  doch  da 
sie  sonst  mit  Brancsik's  Beschreibung  übereinstimmen,  halte 
ich  sie  nicht  für  spezifisch  verschieden. 

Patria:  Friedrich  Wilhelmshafen,  Neu-Guinea  (Brancsik), 
Java,  Südcelebes,  Aru,  Sumatra,  China  (Coli.  Br.  v.  W.). 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  -J"!! 

Dem  intermedius  außerordentlich  ähnlich,  jedoch  durch  die 
Färbung  der  Flügel  leicht  zu  unterscheiden. 

Catantops  speciosus  Brancsik. 
Brancsik,  Soc.  Hist.  nat.  Trencsen,  1897,  p.  77. 

Patria:  Friedrich  Wilhelmshafen,  Neu-Guinea  (Brancsik). 

Catantops  aberrans  n.  sp. 

Fuscus.  Pronoti  lobi  laterales  margine  superiore  et  inferiore 
pallidiore,  pone  medium  vitta  longitudinali  nigra  percurrente 
ornati.  Elytra  apicem  abdominis  haud  superantia,  basi  antice 
magis  infuscati,  praeterea  concolora.  Alae  hyalinae.  Prosterni 
tuberculum  rectum,  conicum,  sat  acutum.  Lobi  mesosternales 
late,  metasternales  anguste  distantes.  Femora  postica  fasciis 
transversis  in  area  superiore  interna  distinctis,  in  area  superiore 
externa  nullis,  in  area  externomedia  circiter  usque  ad  medium 
perductis.  Tibiae  posticae  atrae.  cf  ? 

? 

Long,  corporis 30 

»       pronoti 6 

»       elytrorum 21'5 

»       fem.  post 15 '5 

Patria:  Celebes  (Coli.  Mus.  Caes.  Vind.). 

Catantops  acuticercus  Bol. 

Bolivar,  Ann.  Soc.  Ent.  Fr.,  LXX,  p.  626. 

Patria:  Madure,  Ostindien  (Bolivar). 

Catantops  consobrinus  n.  sp. 

Testaceus.  Pronoti  lobi  laterales  unicolores.  Elytra  genua 
postica  valde  superantia,  testacea,  basi  griseo-conspersa,  apice 
grisea.  Prosterni  tuberculum  breve,  valde  obtusum.  Lobi  meso- 
sternales anguste  distantes,  metasternales  contigui.  Latus  meta- 
thoracis  vitta  obliqua  diluta.  Femora  postica  superne  transverse 
obscuro-vittata,  vitta  anteriore  in  area  externomedia  brevissime 
perducta,  carinis  omnibus,  praecipue  inferiore  nigro-punctulatis. 

23* 


'J'i'^  H.  Karny, 

Tibae    posticae   sordide   testaceae.    Cerci   cT   graciles,  incurvi, 
acuminati.  Lamina  subgenitalis  cf  lateraliter  compressa. 
Syn.:  Catantops  consobrinus  Sauss.  in  Coli.  Br.  v.  W. 

Long,  corporis 23 

»       pronoti 5 

»       elytrorum 22 

»       fem.  post 13 

Patria:  Ostindien  (Coli.  Br.  v.  W.,  Nr.  13.032,  Saussure 
ded.) 

Catantops  pinguis  (Stäl). 

Acridiiim  (Catantops) pingue  Stäl,  Eug.  Res.,  1860,  p.  330. 
Catantops  pinguis  Stäl,  Rec.  Orth.,  I,  1873,  p.  70. 

»  y       Br.  V.  W.,  Rev.  Syst.  Orth.,  1893,  p.  163. 

Patria:  China  (Stäl),  Birma,  Ceylon,  Amoy,  Hainan,  Cam- 
bodja  (Br.  v.  W.),  Mähe,  Sikkim  (Coli.  Br.  v.  W.),  Hongkong, 
Hakodate  (Coli.  Mus.  Caes.  Vind.). 

Catantops  indicus  Bol. 

> Catantops  indicus  Sauss.  (=  pinguis  Stäl)«  in  Coli.  Br.  v.  W. 
Bol.,  Ann.  Soc.  Ent.  Fr.,  LXX,  p.  626. 
An   der  Form  der   Cerci   cf   von  pinguis  leicht  zu  unter- 
scheiden;  auch   das  Merkmal,  welches  Bol ivar  angibt  —  die 
Länge   der  ersten  Querbinde  der  Area  externomedia  —  scheint 
konstant  zu  sein. 

Patria:  Kodaikanal  (Bol ivar),  Ostindien,  Ceylon,  Madras, 
Mähe  (Coli.  Br.  v.  W.). 

Catantops  insulanus  n.  sp. 

Testaceus.  Pronoti  lobi  laterales  superne  indistincte  infus- 
cati.  Elytra  genua  postica  valde  superantia,  fusco-conspersa. 
Prosterni  tuberculum  rectum,  sat  obtusum.  Lobi  mesosternales 
angustissime  distantes,  metasternales  contigui.  Latera  thoracis 
subunicolora,  vittis  vel  maculis  nullis.  Femora  postica  superne 
distincte  fusco-fasciata,  fasciis  in  area  externomedia  breviter 
continuatis;  genubus  nigro-fuscis.  Tibiae  posticae  laete  san- 
guineae,  annulo  basali  nullo.  Cerci  d"  sensim  rotundato-incurvi, 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  343 

apicem    versus    attenuati,    apice    ipso    subacuminati.    Lamina 

subgenitalis  cT  acuminata,  lateraliter  compressa,   cercos   valde 

superans. 

cf  ? 

Long,  corporis 26—28         31 

»       pronoti 5  -5—6  7  •  5 

elytrorum 25—26         29 

»       fem.  post 14—15         17-5 

Patria:  Insulae  Aldrabra  (Coli.  Mus.  Caes.  Vind.). 

Catantops  Brunneri  n.  sp. 

Fusco-vel  flavo-testaceus.  Pronotum  unicolor.  Elytra  genua 
postica  valde  superantia,  fusco-conspersa.  Alae  hyalinae.  Pro- 
sterni  tuberculum  rectum,  cylindricum,  valde  obtusum.  Lobi 
mesosternales  distincte  distantes,  metasternales  contigui.  Meta- 
thorax  latere  dilute  oblique  pallido-vittato.  Femora  postica 
superne  distincte  fusco-fasciata,  fasciis  in  area  externomedia 
breviter  continuatis,  intus  sanguinea.  Tibiae  posticae  san- 
guineae  vel  testaceae.  Cerci  cf  sensim  rotundato-incurvi, 
apice  plus  minus  triangulariter  dilatati,  rectovel  subemarginato- 
truncati.  Lamina  subgenitalis  cf  lateraliter  compressa,  apice 
acuto,  cercos  valde  superans.  —  Statura  Catantopls  axil- 
laris. 

Dedico  hanc  speciem  Dom.  cons.  Dr.  C.  Brunn  er  de 
Wattenwyl,  cuius  secundum  collectionem  eam  describo. 

Patria:  Massaua,  Zanzibar,  Milanji,  Südsomali. 

Durch  die  Form  der  cf  Cerci  leicht  von  den  verwandten 
Arten  zu  unterscheiden. 

Catantops  axillaris  (Thunb.). 

Catantops  axillaris  Stäl,  Rec.  Orth.,  I,  1873,  p.  70. 

»  >         Kraus s,  Sitzber.  Akad.  Wiss.  Wien,  1877,  p.  7. 

(?)    »  »         Karsch,  Ent.  Nachr.,  Berl.  1900,  p.  6. 

Acridium  debilitatum  Serv.,  Hist.  Nat.  Orth.,  1839,  p.  684. 

Cerci  d"  crassi,  parte  apicali  fere  rectangulato-incurvi,  apice 
perobtusi.  Lamina  subgenitalis  cT  lateraliter  compressa,  apice 
acuto,  cercos  distincte  superans. 


344  H.  Karny, 

Patria:  Cap  Verd  (Stäl),  Dagana,  Senegal  (Kr.),  Zanzibar, 
Dar  es  Salam,  Delagoa  Bay  (?,  Kar  seh),  Senegal,  Sierra  Leone 
(Coli.  Br.  V.  W.). 

Die  Angabe  Karsch's  gehört  wahrscheinlich  zu  C.saucius. 

Catantops  saucius  (Burm.).  (Taf.  II,  Fig.  21  bis  25). 

Acridium  sattcium  Burm.,  Handb.  Ent.,  II,  1839,  p.  633. 

>  »  Kr.,  Sitzber.  Akad.  Wiss.  Wien,  1877,  p.  7. 

(?)  Catantops  axillaris  Karsch,  Ent.  Nachr.,  Berl.  1900,  p.  6. 

>  n.  sp.  Schul  thess-Re  c  hberg,  Zool.  Jahrb.,  VIII,  p.  77. 

Die  Unterschiede  von  C.  axillaris  hat  Krauss  (1.  c.)  ange- 
geben. In  der  Form  der  cf  Genitalien  stimmen  die  beiden  Arten 
überein.  Karsch's  C.  axillaris  dürfte  wahrscheinlich  hieher 
gehören  (cf.). 

Patria:  St.  Johanna  (Burm  ei  st  er),  Sudan  (Krauss), 
Senegal  (Coli.  Br.  v.  W.),  Insel  Cap  Verd,  Nubien  (Coli.  Mus. 
Caes.  Vind.),  Webithal  (Schulthess-Rechberg). 

Catantops  stylifer  Kr.  (Taf.  II,  Fig.  26  bis  30). 
Krauss,  Sitzber.  Akad.  Wiss.  Wien,  1877,  p.  7. 

Patria:  Dagana  (Krauss),  Adeli  (Karsch,  1893),  Senegal 
(Coli.  Br.  V.  W.),  Gondokoro,  Doleib  Hill  Sobat  (leg.  Werner 
1905). 

Catantops  minimus  n.  sp.  (Taf.  II,  Fig.  31  bis  33). 

Testaceus.    Pronoti  lobi  laterales  superne  vitta  lata  obscu- 

riore   percurrente,   margine   inferiore   flavo.    Elytra   concolora, 

genua  postica  distincte  superantia.  .Alae  citreae.  Prosterni  tuber- 

culum   retrorsum   vergens,   conicum,  acuminatum.    Lobi  meso- 

sternales  sat  late  distantes,  metasternales  contigui.  Latus  meta- 

thoracis  vitta  obliqua  pallida  plerumque  sat  distincta.    Femora 

postica  in   area  externomedia  maculis    nigris    punctiformibus 

2  vel  3  ornata,   intus  item.   Tibiae   posticae    testaceae,   annulo 

basali  nuUo.  cf  ? 

Q 

Long,  corporis 19 — 22 

»       pronoti 4  •  3 

»       elytrorum 19 — 20 

»       fem.  post 11  — 12 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  345 

Patria:  Renk,  Ru'alla,  Mongalla,  Gondokoro  (leg.  Werner 
1905). 

Catantops  elegans  n.  sp. 

Testaceus.  Pronoti  lobi  laterales  superne  dilute  obscuriores. 
Elytra  genua  postica  attingentia,  obscurius  conspersa.  Prosterni 
tuberculum  prismaticum,  parum  retrorsum  vergens,  apice 
truncatum.  Lobi  mesosternales  sat  late  distantes,  metasternales 
contigui.  Latus  metathoracis  vitta  obliqua  pallida  ornatum. 
Area  externomedia  femorum  posticorum  macula  unica  prope 
apicem  instructa  et  praeterea  carina  inferiore  nigro-maculata. 
Tibiae  posticae  testaceae,  annulo  basali  nullo.  cf  ? 

9 
Long,  corporis 22 

»       pronoti 5 

»       elytrorum 15 

»       fem.  post 13 

Patria:  Hereroland  (Coli.  Br.  v.  W.,  Nr.  11.304). 

Catantops  villosus  Kars  eh. 

Kar  seh,  Springh.  Bergl.  Adeli,  1893,  p.  99. 
Ent.  Nachr.,  Berl.  1900,  p.  8. 

Patria:  Bismarckburg  Adeli,  Milanji  (Karsch  1.  c). 

Catantops  Kraussi  n.  sp. 

Testaceus.  Pronoti  lobi  laterales  vitta  obscura  longitudinali 
diluta  retrorsum  pallescente  ornati.  Elytra  genua  postica  parum 
superantia,  concolora.  Alae  infuscatae.  Prosterni  tuberculum 
conicum  vel  pyramidale,  sat  rectum.  Lobi  mesosternales 
distincte  distantes,  metasternales  contigui.  Latera  thoracis  con- 
colora. Femora  postica  intus  et  extus  maculis  punctiformibus 
2  vel  3,  nonnunquam  dilutis,  carinis  unicoloribus.  Tibiae 
posticae  testaceae.  Cerci  cf  sat  breves,  crassiusculi,  sensim 
incurvi,  apicem  versus  attenuati,  apice  ipso  subobtuso.  Lamina 
subgenitalis  cT  lintriformis,  apice  obtusa. 

Dedico  hanc  speciem  Dom.  Dr.  H.  Krauss,  praeclaro  illo 
orthopterologo,  qui  huius  quoque  generis  duas  species  de- 
scripsit. 


346  H.  Kai-ny, 

Long,  corporis 19  24  —  26 

»       pronoti 3'5         4-8 — 5'2 

elytrorum 16  20-5—21 

fem.  post 11  13—14-7 

Patria:  Akra  Goldküste  (Coli.  Br.  v.  W.,  Nr.  16.591). 
Die  neue  Art  steht  dem  C.  haemorrhoidalis  sehr  nahe,  ist 
jedoch  durch  die  kleineren  und  mitunter  undeutlichen   Flecken 
der  Hinterschenkel,   durch  die  einfarbigen  Kiele  derselben  und 
die  angerauchten  Hinterflügel  leicht  zu  unterscheiden. 

Catantops  haemorrhoidalis  Kr. 

Krauss,  Sitzber.  Akad.  Wiss.  Wien,  1877,  p.  8. 

Patria:  Dagana  (Krauss),  Senegal,  Bissao  (Coli. Br.  v.  W.). 
Catantops  notatus  Kars  eh. 

Karsch,  Berl.  Ent.  Zeitschr.,  1891,  p.  190. 

Patria:  Barombistation,  Kribi  (Karsch  1.  c). 

Catantops  exsul  n.  sp. 

(zu  patria  carens.) 

Rufo-testaceus.  Pronoti  lobi  laterales  concolores.  Elytra 
genua  postica  parum  superantia,  concolora.  Prosterni  tuber- 
culum  cylindricum,  rectum,  perobtusum.  Lobi  mesosternales 
distantes,  metasternales  contigui.  Latera  metathoracis  vitta 
obliqua  flava  subdiluta.  Femora  postica  genubus  infuscatis, 
superne  fusco-fasciata,  fasciis  in  area  externomedia  perductis, 
carina  inferiore  areae  externomediae  nigropunctulata.  Tibiae 
posticae  griseae,  annulo  basali  lato,  distincto,  pallido.  cf  ? 

9 

Long,  corporis 33 

»       pronoti 8 

»       elytrorum 30 

»       fem.  post 20 

Patria:  ?  (Coli.  Br.  v.  W.,  Nr.  7934  part.). 
Die  Coli.  Br.  v.  W.  besitzt  aus  der  Coli.  Sommer,  welche 
die    Typen  Burmeister's  enthielt,  zwei  Ca/aw/o/75-Exemplare 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  oA? 

ohne  Fundortsangabe  mit  der  Nr.  7934,  von  denen  das  eine  die 
Type  für  E.  exsul  m.,  das  andere  ein  C.  mdicus  B  o  1.  ist.  Es  scheint 
daher  wahrscheinlich,  daß  auch  C.  exsul  aus  der  indischen  Region 
stammt.  Burmeister  erwähnt  in  seinem  Handbuch  der  Ento- 
mologie, II,  p.  633,  einen  Grylhts  frenaUis  Kl.  aus  Java  (ohne 
ihn  zu  beschreiben),  der  dem  Acridhim  saucium  nahe  stehe 
und  den  er  der  Güte  des  Herrn  Grafen  v.  Hoffmanns  egg  ver- 
danke. Möglicherweise  ist  also  mein  C.  exsul  oder  Bolivar's 
C.  indicus  mit  frenatns  identisch,  da  wir  andere  indische  Arten 
von  Burmeister  nicht  besitzen. 

Catantops  solitarius  Kars  eh.  (Taf.  II,  Fig.  34  bis  38). 

Karsch,  Ent.  Nachr.,  Berl.  1900,  p.  7. 

Krauss,  Verh.  Zool.-bot.  Ges.  Wien,  1901,  p.  289. 

Patria:  Nyassa,  Milanji,  Delagoa  Bay,  Südafrika  (Karsch 
1.  c),  Pondo,  Deutsch-Südwestafrika  (Krauss  1.  c),  Delagoa, 
Milanji,  Mikindani  (Coli.  Br.  v.  W.),  Gondokoro  (leg.  Werner 
1905). 

Catantops  Wernerellus  n.  sp.  (Taf.  II,  Fig.  39  bis  43). 

Griseo-testaceus.  Pronoti  lobi  laterales  superne  parum  in- 
fuscati.  Elytra  genua  postica  valde  superantia,  obscurius  con- 
spersa.  Alae  coeruleae.  Prosterni  tuberculum,  subrectum,  cylin- 
dricum,  obtusum.  Lobi  mesosternales  sat  anguste  distantes, 
metasternales  contigui.  Vittaobliquametathoracis  diluta.  Femo- 
rum  posticorum  area  externomedia  maculä  nigra  dimidio  apicali 
ad  carinam  inferiorem,  totam  nigropunctatam  positä  ornata. 
Tibiae  posticae  griseae,  annulo  basali  pallido,  lato,  distincto. 
Cerci  cf  fortiter  suprorsum  curvati,  apice  attenuati.  Lamina  sub- 
genitalis  cf  sat  longa  et  acuminata. 

Dedico  hanc  specim  Dom.  Dr.  Fr,  Werner,  qui  eam  in 
itinere  suo  Ugandensi  coUegit. 

cf  9 

Long,  corporis 30         40 

»       pronoti 6  ^ 

»       elytrorum 27  36 

»       fem.  post 15         20 

Patria:  Gondokoro  (leg.  Werner  1905). 


348  H.  Karny, 

Catantops  praemonstrator  Kars  eh. 

Karsch,  Springh.  Bergl.  Adeli,  1893,  p.  95. 
Ent.  Nachr.,  Berl.  1900,  p.  6. 

Patria:  Adeli,  Nyassa,  Milanji  (Karsch  1.  c.). 

Catantops  signatus  Kars  eh. 
Karsch,  Berl.  Ent.  Zeitschr.,  1891,  p.  190. 

Patria:  Barombistation  (Karsch  1.  c). 

Catantops  modicus  K  a  r  s  e  h . 
Karsch,  Springh.  Bergl.  Adeli,  1893,  p.  96. 

Patria:  Adeli  (Karsch  I.  c). 

Catantops  urania  Kirby. 

Kirbj^  Rep.  Coli.  Afr.  Loc,  1902,  p.  107. 

Patria:  Pretoria,  Barberton,  Nyassa  (Kirby  1.  c). 

Catantops  comis  Karsch. 

Karsch,  Springh.  Berg.  Adeli,  1893,  p.  101. 
Ent.  Nachr.,  Berl.  1900,  p.  8. 

Patria:  Adeli,  Nyassa,  Milanji  (Karsch  1.  c), 

Catantops  debilis  Kr. 

Krauss,  Verh.  Zool.-bot.  Ges.  Wien,  1901,  p.  291. 

Patria:  Omaruru,  Deutsch-Südwestafrika  (Krauss  1.  c). 

Catantops  pompalis  Karsch. 
Karsch,  Stelt.  Ent.  Zeitschr.,  1896,  p.  318. 
»  Ent.  Nachr.,  Berl.  1900,  p.  5. 

Patria:  Usambara,  Nguelo  (Karsch  1.  c). 

Catantops  cylindricollis  (Schaum). 

Poecilocerus  cylindricollis  Schaum,  Peters  Mossambique,  1862,  p.  132. 

(?)  Catantops         »        i  Karsch,  Ent.  Nachr.,  Berl.  1900,  p.  5. 

(?)  Orhillus  >       1  Krauss,  Verh.  Zool.-bot.  Ges.  Wien,  1901,  p.  289. 

Patria:  Mossambique  (Schaum),    Tanga.    Magila,    Dar  es 
Salam  (?  Karsch),  Port  Natal  (Coli.  Br.  v.  W.). 


1  Vielleicht  zu  ornatus  gehörig  (?). 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  'J"+^ 

Catäntops  ornatus  n.  sp. 

Viridulo-niger.  Pronoti  lobi  laterales  superne  et  subtus  vitta 
longitudinali  sulphurea.  Elytra  genua  postica  valde  superantia, 
fusca.  Alae  purpureae.  Prosterni  tuberculum  pyramidale,  vix 
retrorsum  vergens,  subacuminatum.  Lobi  meso-  et  metaster- 
nales  distincte  distantes.  Latera  thoracis  antice  subtus  macula 
et  deinde  vitta  consueta  obliqua  sulphureis  ornata,  praeterea 
nigra.  Femora  postica  area  externomedia  concolore,  subtus  et 
superne  vitta  longitudinali  sulphurea  ornata.  Tibiae  posticae 
cum  genubus  nigrae.  Cerci  cT  subrecti,  graciles,  acuminati.  La- 
mina  subgenitalis  d  lateraliter  compressa,  sat  acuminata.  Sta- 
tura  Catmitopis  cylindricoJlis. 

Patria:  Zanzibarküste,  leg.  Steindachner  1888  (Coli.  Br. 
V.  W.  et  Mus.  Caes.  Vind.),  Manow  (Coli.  Br.  v.  W.). 

Syn.:  »Catäntops  vittatus  in  litt.«  Coli.  Br.  v.  W.  nee  C.vit- 
tatns  K'wby  \9i02. 

Die  neue  Art  steht  dem  C.ry//«clr/Vo///saußerordentlich  nahe, 
doch  ist  derselbe  im  allgemeinen  blasser.  Die  Seiten  des  Thorax 
sind  bei  ihm  einfarbig  gelbgrün,  bei  C.  onw/ws  grünlichschwarz 
mit  schwefelgelber  Zeichnung;  die  Hinterschenkel  sind  bei  cylin- 
dricollis  deutlich  grün,  außen  mit  hellgelber  Längsbinde  in  der 
Mitte,  auch  greift  die  obere  und  untere  Längsbinde  auf  die  Area 
externomedia  über;  bei  ornatus  ist  die  Area  externomedia  ein- 
farbig grünlichschwarz.  Die  Flügel  sind  bei  cylütdricollis  mehr 
gelbrot.  Da  die  Zeichnung  bei  zirka  100  Exemplaren,  welche 
mir  von  Zanzibar  vorliegen,  ganz  konstant  ist,  halte  ich  eine 
Abtrennung  für  berechtigt.  Dazu  kommt  noch,  daß  der  Brust- 
zapfen bei  ornatus  pyramidenförmig  und  ziemlich  spitz  ist  und 
sich  wenig  gegen  die  Mittelbrust  zurückneigt;  bei  den  mir  von 
PortNatal  vorliegenden  cylindricollis  ist  er  dagegen  zylindrisch, 
auffallend  stumpf  und  so  stark  gegen  die  Mittelbrust  geneigt, 
daß  er  dieselbe  meist  berührt.  Das  cf  von  cylindricollis  kenne 

ich  nicht. 

Faunistische  Bemerkungen.  Aus  dem  bisher  Ge- 
sagten ergibt  sich,  daß  zwischen  afrikanischen,  madagassischen 
und  indo-australischen  Arten  eine  scharfe  Trennung  besteht. 
Nur  der  madagassische  C.sacalava  kommt  auch  auf  der  gegen- 


350 


H.  Karny, 


Überliegenden  Küste  von  Afrika  vor.  Innerhalb  dieser  drei  Ge- 
biete sind  viele  Arten  weit  verbreitet;  doch  macht  sich  mitunter 
ein  deutlicher  Unterschied  zwischen  der  Fauna  der  malaiisch- 
indischen und  der  papuanisch-polynesischen  Inseln  geltend; 
allerdings  ist  von  letzteren  noch  sehr  wenig  bekannt;  so  scheint 
paptianus  im  Westen,  intermedms  im  Osten  häufiger  zu  sein. 
Ob  eine  indische  Art  {splendens  cf.)  auch  in  Brasilien  vor- 
kommt, erscheint  mir  sehr  zweifelhaft. 

Stärker  lokalisiert  scheinen  viele  afrikanische  Arten  zu 
sein;  doch  sind  auch  hier  einige  über  die  ganze  äthiopische 
Region  verbreitet  (z.  B.  melanostichis).  Ein  erheblicher  Unter- 
schied macht  sich  aber  großenteils  zwischen  der  west-  und 
ostafrikanischen  Catantops-Fsi\xn&  geltend,  während  die  meisten 
südafrikanischen  Arten  bis  nach  Deutsch-Ostafrika  vor- 
dringen. 

Aus  dem  ägyptischen  Sudan  (mit  Einschluß  von  Nord- 
Uganda)  sind  mir  nur  sieben  Arten  bekannt,  von  denen  drei  auf 
dieses  Gebiet  beschränkt  zu  sein  scheinen. 

Nach  dieser  kleinen  Abschweifung  kehre  ich  zu  meinem 
eigentlichen  Thema,  der  Orthopterenfauna  des  ägyptischen 
Sudans  und  von  Nord-Uganda  zurück  und  gebe  demgemäß 
hier  vor  allem  noch  eine 

Revisio  generis  Catantopis  specierum  Sudanensium. 

l.Statura  parvula.    Tibiae  posticae   laete   coeruleae.    Femora 
postica  extus  concolora.  Alae  laete  coeruleae 

1.  C.  cyanipes  Karny. 
1.1.  Tibiae  posticae  testaceae,    unicolores  vel  griseae,    annulo 
basali  pallido   ornatae.  Femora  postica  extus   maculis  vel 
vittis  nigris  ornata. 
2.  Alae  flavae  vel  hyalinae. 

3.  Alae  hyalinae.   Femora  postica  extus  vittis  2  transver- 
sis   nigris   vel   pone   medium    ad    carinam    superiorem 
macula  longitudinali  nigra  ornata. 
4.  Statura    minore.     Femora    postica    extus    transverse 

vittata 2.  C.  melanostichis  Schaum. 

4.4.  Statura  majore.    Femora    postica  macula  longitudi- 
nali ornata. 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  351 

5.  Statura  magna,  robusta.   Cerci  cT  crassi,   parte  api- 
cali  fere  rectangulato-incurvi,  apice  perobtusi 

3.  C.  saucius  (Burm.). 
5.5.  Statura  parum  minore,  graciliore.  Cerci  cf  gracili- 
ores,  sensim  rotundato-incurvi,  apice  bifurcati 

4.  C.  stylifer  Kr. 
3.3.  Alae  (semper?)   flavae.  Femora  postica  extus  maculis 
punctiformibus  nigris  1  vel  3  ornata. 
4.  Statura  exigua.  Femora  postica  extus  maculis  puncti- 
formibus 3  ornata 5.  C  minimtis  Karny. 

4.4.  Statura  mediocri.  Femora  postica  extus  pone  medium 

unipunctata 6.  C.  soJitarhis  Kar  seh. 

2.2.  Alae   coeruleae.    Femora  postica  extus    dimidio    apicali 
macula  nigra  unica  ornata,  .  .7.  C.  Wernerellus  Karny. 

t63.  C.  cyanipes  Karny  (supra).  (Taf.  II,  Fig.  11  bis  15). 

Diese  zierliche  Art  liegt  nur  in  einem  cf-Exemplare  der 
Dr.  Werner'schen  Ausbeute  aus  Gondokoro  (III.  1905)  vor. 

64.  C.  melanostictus  Schaum  1862.  (Taf.  II,  Fig.  16  bis  20). 

Chartum  (Coli.  Br.  v.  W.,  Nr.  1049),  Renk,  Doleib  Hill 
Sobat,  Mongalla,  Gondokoro  (leg.  Werner  1905). 

Sonstige  Verbreitung:  Die  ganze  äthiopische  Region  (mit 
Ausnahme  Madagaskar's). 

65.  C.  saucius  (Burm.  1839).   (Taf.  II,  Fig.  21  bis  25). 

Sudan  (Krauss),  Nubien  (Coli.  Mus.  Caes.  Vind.);  Renk 
(leg.  Werner). 

Sonstige  Verbreitung:  Insulae  Cap  Verd  (Mus.  Caes.  Vind.), 
Senegal  (Coli.  Br.  v.  W.),  St.  Johanna  (Burmeister). 

*66.  C.  stylifer  Kr.  1877.  (Taf.  II,  Fig.  26  bis  30). 

Gondokoro,  Doleib  Hill  Sobat  (leg.  Werner   1905). 
Bisher  nur  aus   Westafrika  bekannt:   Senegal  (Krauss), 
Adeli  (Karsch). 


352  H.  Karny, 

f  67.  C.  minimus  Karny  (siipra).  (Taf.  II,  Fig.  31  bis  33). 

Renk,  Ru'alla,  Gondokoro,  Mongalla   (leg.  Werner  1905). 
Mir   nur   aus    diesem  Gebiet   bekannt.    Das  ^  kenne   icli 
nicht. 

*68.  C.  solitarius  Karsch  1900.  (Taf.  II,  Fig.  34  bis  38). 

Gondokoro  (leg.  Werner  1905:  1  ?). 

Sonstige  Verbreitung:  Südwestafrika,  Südafrika,  ganz 
Ostafrika. 

i-69.  C.  Wernerellus  Karny  (supra).  (Taf.  II,  Fig.  39  bis  43). 
Ein  Pärchen  in  der  Werner'schen  Ausbeute  aus  Gondokoro. 

Genus:  Calliptamus  Serv. 

70.  C.  Italiens  (L.  1766). 

Chartum  (Brunner  v.  Wattenwyl,  Prodr.  eur.  Orth., 
p.  219,  Coli.  Br.  V.  W.,  Nr.  10.178).  Coli.  Mus.  Chartum  (sine 
indicatione  patriae). 

Diese  echt  mediterrane  Art  geht  nördlich  bis  Mecklenburg 
und  Livland,  östlich  bis  Syrien,  südlich  bis  zum  Kilimandscharo 
(Coli.  Br.  V.  W.). 

Genus:  Tylotropidius  Stäl. 

A.  Schulthess,  Faune  Ent.  Delagoa.  Orthopt.  Bull.  Soc.Vaud.  Sc.  Nat,  XXXV, 
132,  1899,  p.  209:  Revision  der  bisher  beschriebenen  Arten. 

*71.  T.  didymus  (Thunb.  1815).  Alis  basi  roseis. 
Stäl.  Rec.  Orth.,  I,  1873,  p.  74:  Pezotettix  (TylotropidUts)  didymus. 

Gondokoro,  Mongalla  (leg.  Werner  1905). 

Sonstige  Verbreitung:  Cap,  Sierra  Leone  (Stäl). 

Var.  nov.  citrea  m.  Alis  basi  citreis. 
Mongalla  (leg.  Werner  1905). 

*72.  T.  gaugeri  Schulthess  1899  (1.  c). 

Verbreitung  (sec.  Schulthess):  Akra,  Delagoa. 

Hieher  stelle  ich  als  Varietäten  zwei  Tylotropidius-Formen, 
welche  zwar  von  Schulthess'  Beschreibung  etwas  ab- 
weichen, die  ich  aber  nicht  für  spezifisch  verschieden  halte. 


Orthopterenlauna  des  Sudans.  353 

Var.  nov.  macroptera  m. 

Colore  obscure-fusco.  Elytra  genua  postica  attingentia. 
Alae  basi  flavo-viridulae.  Femora  postica  extus  subconcolora. 

Gondokoro,  Mongalla  (leg.  Werner  1905);  die  Exemplare 
von  Ru'alla  bilden  einen  Übergang  zur 

Var.  nov.  pallida  m. 

Colore  pallide-testaceo.  Elytra  genua  postica  attingentia. 
Alae  totae  hyalinae.  Femora  postica  extus  concolora. 

Renk  (leg.  Werner  1905). 

Diese  Varietät  ist  etwas  kleiner  als  die  vorige  und  scheint 
sich  dadurch  dem  gracilipes  B  ran  es.  zu  nähern,  unterscheidet 
sich  von  diesem  jedoch  durch  die  einfarbigen  Hinterschenkel. 
Brancsik's  Beschreibung  ist  übrigens  so  mangelhaft,  daß  sich 
nicht  entscheiden  läßt,  ob  gracilipes  als  Varietät  zu  gaugeri 
gehört  oder  eine  eigene  Art  bildet.  Die  von  Brancsik  be- 
schriebenen Exemplare  dürften  —  nach  der  Größe  zu  urteilen 
—  wahrscheinlich  cfcT  sein  (nicht  einmal  das  gibt  Brancsik 
an,  ob  er  cfcf  oder  ?  ?  beschreibt!),  doch  sagt  er  über  die  Form 
der  Cerci  nichts. 

Bei  meinen  beiden  Varietäten  stimmen  die  Cerci  mit  denen 
des  gaugeri  überein. 

Genus:  Eyprepocnemis  Fieb.  (sie!). 

Syn :  Euprepocnemis  (haud  Fieb.)  auct. 

73.    E.    plorans    (Chp.    1825).     Variat    tibiis    posticis    pallide 

testaceis. 

Renk  (var.),  Doleib  Hill  Sobat,  Khor  Attar,  gegenüber  Khor 
Attar,  Gondokoro,  Teifikia  (leg.  Werner  1905). 

Sonstige  Verbreitung:  Südspanien,  Sizilien,  Vorderasien, 
Afrika  bis  Gabun,  Zanzibar  und  Madagaskar. 

Die  Varietät  mit  einfarbig  blaßgelben  Hintertibien,  die 
Dr.  Werner  in  Renk  erbeutete,  von  wo  er  die  normale  Form 
nicht  mitbrachte,  liegt  mir  in  der  Coli.  Br.  v.  W.  aus  Syrien, 
Gabun  und  Akra  vor;  ich  besitze  sie  aus  Ägypten. 

Merkwürdigerweise  scheint  die  Gattung  TJiisoicetrus,  die 
in  Ägypten  durch  zwei  Arten  vertreten  ist  {Th.  littoralis  et  ad- 


354  H.  Karny, 

sperstis,  cf.  Werner,  Orthop.  Ägypt.  bes.  Ber.  Eremiaph.,  1905, 
p.  70;  Sitzber.  Akad.  Wiss.,  Wien,  p.  426),  im  Sudan  ganz  zu 
fehlen;  mir  ist  sie  wenigstens  von  hier  nicht  bekannt. 

Fam.  Oedipodidae. 

Syn.  Locustidae  Kirby. 

Genus:  Humbe  Bol. 

Saussure  (Prodr.  Oed.)  hat  in  seiner  Emendationslust 
diesen  Namen  in  HtiinheUa  abgeändert;  Humhe  hat  die  Priorität 
und  muß  selbstverständHch  beibehalten  werden. 

*74.  H.  gracilis  (Schulthess-Rechb.  1898). 
Chloebora gracilis  Schulth.-Rechb.,  Zool.  Jahrb.,  VIII,  p.  74. 

Von  Karsch  (Ent.  Nachr.,  1900)  mit  Recht  ins  Genus 
Humhe  verwiesen,  doch  meiner  Ansicht  nach  mit  temiicornis 
nicht  identisch;  durch  die  geringere  Größe  und  die  stärker 
hervortretende  Crista  pronoti  leicht  von  dieser  Art  zu  unter- 
scheiden. 

Gondokoro  (17.  III.  1905  leg.  Werner). 

Sonstige  Verbreitung:  Ogandeen  Somaliland  (Schult- 
hess),  Senegal,  Guinea,  Bogos  (Coli.  Br.  v.  W.). 

Genus:  Gastrimargus  Sauss. 
*75.  G.  marmoratus  (Thunb.  1815). 

Gondokoro  (leg.  Werner   15.  III.  1905). 
Sonstige  Verbreitung:   Paläotropische   Region,    Australien 
(Saussure,  Prodr.  Oed.,  p.  112). 

Genus:  Cosmoryssa  Stäl. 
*76.  C.  fasciata  (Thunb.  1815).  (Alis  cinnabarinis.) 

Gondokoro,  Mongalla,  gegenüber  Mongalla  (leg.  Werner 
1905). 

Sonstige  Verbreitung:  Süd-  und  Ostafrika,  Madagaskar. 

Wahrscheinlich  bloß  als  Farbenvarietät  dieser  Spezies  zu 
betrachten  ist: 


Orthopterenfaur.a  des  Sudans.  oOD 

C.  sulcata  (Thunb.  1815).  (Alis  cistrinis.) 

Khor  Attar,  Gondokoro  (leg.  Werner  1905). 
Sonstige  Verbreitung:  Indien,  Syrien,  Süd-  und  Westafrika 
(Saussure). 

Genus:  Pachytylus  Fieb. 

77.  P.  Danicus  (L.  1766). 

Chartum  (Coli.  Br.  v.  W.),  Sennaar,  Cordofan,  Sudan  (Coli. 
Mus.  Caes. Vind.). 

Sonstige  Verbreitung:  Süd-  und  Westeuropa,  Nordafrika, 
Südasien  bis  Neuseeland. 

Genus:  Trilophidia  Stäl. 

*78.  T.  annulata  (Thunb.  1815).  (Alis  basi  citreis.) 

Trilophidia  annulata  Sauss.  part.  (confuse  cnmbidente),  Prodr.  Oed.,  p.  157. 

Renk,  Gondokoro,  Goz  Abu  Guma,  Khor  Attar  (leg. 
Werner  1905). 

Sonstige  Verbreitung:  Süd-  und  Ostfrika  (Saussure;  Coli. 
Br.  V.  W.:  »antennata«).  Wird  in  der  indischen  Region  durch 
hideiis(T\-\\\wb.  1815;  aus  basi  viridulis  vel  hyalinis;  Coli.  Br.  v. 
W.:  y>mtfmlata«)  ersetzt.  Von  aiiteimata  Kr.  leicht  durch  die 
Form  der  Fühler  zu  unterscheiden. 

Genus:  Wernerella  nov. 

Genus  novum  vic.  ThaJpomenae  et  Sphingonoto. 

Typus :  Tlialpomena  Picteti  K  r. 

Habitus  generis  Sphingonoti. 

Statura  mediocri.  Pronotum  constrictum,  carina  media  tenui, 
sed  distincta,  percurrente,  postice  rectangulum.  Alae  fascia  ar- 
cuata  nuUa. 

Im  Habitus  und  der  Form  des  Pronotums  mit  Sphingonotiis 
übereinstimmend,  jedoch  durch  den  bis  nach  vorne  deutlichen 
Mittelkiql  leicht  zu  unterscheiden.  Von  Thalpomena  weicht 
die  neue  Gattung  durch  das  eingeschnürte  Pronotum  und 
durch  die  bindenlosen  Hinterflügel  ab;  von  ./la'o/)7«s  durch 
den  rückwärts  winkeligen  Pronotumrücken. 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  KL;  CXVl.  Bd.,  Abt.  I.  24 


356  H.  Karny, 

Hoc  genus  magistro  meo,  privato  docenti  F.  Werner, 
viro  optimo,  amico  studiorum   systematicorum    dedicatum   est. 

Dispositio  specierum. 

1.  Alae   basi   roseae.   Tibiae  posticae   pallidae,  annulis  2  latis 

nigris  ornatae: 1.  W.  attrora  n.  sp. 

1.  1.  Alae   basi   subcoeruleae.  Tibiae   posticae  coeruleae,   basi 
annuUo  pallido  ornatae 2.  W.  Picteti  (Kr). 

f  79.  W.  aurora  n.  sp. 

Gracilis.  Colore  griseo-lutescente,  corpore  fusco-consperso. 
Vertex  excavatus,  carinula  longitudinali  nulla.  Pronotum,  carinä 
mediana  percurrente,  a  latere  visä  obtuse  bidentata,  con- 
strictum,  margine  postico  rectangulo,  nigro-notato.  Elytra 
elongata,  angusta,  pallida,  fortiter  fusco-conspersa.  Alae  basi 
roseae,  praeterea  hyalinae.  Femora  omnia  griseo-conspersa. 
Tibiae  posticae  pallidae  annulis  2  latis  nigris  ornatae. 

cf 

Long,  corporis 18 

»      pronoti 3  5 

»      elytrorum 20 

»      fem.  post 9 

Gebel  Araschkol  (leg.  Werner  12.  IV.  1905). 

[W.  Picteti  (Kr.  1892)  wurde  als  Thalpomena  von  Teneriffa 
beschrieben,  hat  den  Habitus  des  Sphingonottis  coerulans  und 
dürfte  mit  der  var.car/wa/a  dieser  Art  (Sau  SS  ureAdd.Prodr.Oed., 
p.  79)  identisch  sein.  Ich  hielt  daher  die  Errichtung  einer  eigenen 
Gattung  für  angezeigt,  welche  dem  Sphingonotus  mindestens 
ebenso  nahe  steht  als  der  Thalpomena,  nach  Saussure's  Be- 
stimmungstabelle aber  allerdings  zu  TJialpomena  gehört.] 

Genus:  Acrotylus  Fieb. 

-j-80.  A.  coerulans  n.  sp.  (Taf.  III,  Fig.  45). 

Pallide  testaceus,  dilute  fusco-conspersus.  Pronotum  breve, 
sulcis     distinctis,     constiictum,     postice     rotundatum,    antice 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  3d7 

utrinque  vitta  subdiluta  longitudinali  fusca  ornatum.  Elytra 
longa,  angusta,  margine  antico  dimidio  basali  fortiter  sinuato, 
albidula,  maculisvittisque  transversis  nigris  ornata.  Alae  coeru- 
lescentes,  fasciis  maculisque  nuUis.  Femur  posticum  superne 
macLilis  transversis  3  valde  dilutis  ornata.  Tibiae  posticae 
pallidae,  spinis  nigris. 

9 

Long,  corporis 22 

»     pronoti    3 

»     elytrorum 23 

»    fem.  post 13*5 

Gondokoro  (leg.  Werner  7.  III.  1905). 

Meines  Wissens  die  einzige  bisher  bekannte  Acrotylus- 
Art  mit  einfarbig  blauen  Hinterflügeln;  bei  Acrotylus  saltator 
Kirby  1902,  der  ebenfalls  blaßblaue  Hinterflügel  besitzt,  ist 
das  Spitzendrittel  braun. 

Nach  der  Form  des  Pronotums  gehört  A.  coerulans  neben 
Humbertianus. 

*81.  A.  versicolor  Burr  1898.  (Taf.  III,  Fig.  46). 

Die  mir  vorliegenden  Exemplare  stimmen  vollständig  mit 
Burr's  Beschreibung  überein,  nur  sind  die  Antennen  oft  länger 
als  Kopf  und  Pronotum  zusammen.  Im  Habitus  ähnelt  diese 
Art  dem  insubrtcus,  wo  sie  auch  in  der  Coli.  Mus.  Caes.  Vind. 
und  Coli.  Br.  v.  W.  steht,  unterscheidet  sich  von  ihm  jedoch 
durch  die  längeren  Antennen  und  das  hinten  gerundete  Pro- 
notum. Von  patriielis  weicht  sie  durch  das  viel  kürzere,  hinten 
plumpere  Pronotum  ab,  in  dessen  Form  sie  mit  Humhertianus 
und  coerulans  übereinstimmt. 

Chartum,  Gebel  Araschkol,  Renk  (leg.  Werner  1905); 
Chartum,  Assuan  (Coli.  Br.  v.  W.),  Cordofan  (Coli.  Mus. 
Caes.  Vind.). 

Bisher  nur  aus  der  Walachei  publiziert  (Burr.,  Trans,  ent. 
Soc.  London  1898);  doch  gehören  auch  alle  mir  aus  Ägypten 
bekannten  Acrotylus  hieher  (»insttbricus«  in  Coli.  Br.  v.  W., 
Nr.  12.741,  15.791,  »patruelis<  Werner,  Orth.,  Ag.  1905). 

24* 


358  H.  Karny, 

*82.  A.  patruelis  (Herr.-Sch.  1840).  Taf.  III,  Fig.  47). 

Von  der  vorigen  Art  an  dem  längeren  und  schlankeren, 
hinten  stärker  gerundet  vorgezogenen  Pronotum  leicht  zu 
unterscheiden,  auch  dann,  wenn  beide  Arten  gleich  gefärbt 
sind;  doch  liegen  mir  von  dieser  Art  aus  dem  Sudan  nur  dunkel- 
braune bis  schwarze  Exemplare  vor:  Gondokoro,  Mongalla, 
Shambe  (leg.  Werner  1905). 

Sonstige  Verbreitung:  Mittelmeergebiet;  die  meisten  afri- 
kanischen Exemplare  der  Coli.  Br.  v.  W.  dürften  zu  versicolor 
gehören. 

Genus:  Sphingonotus  Fieb. 

*83.  S.  coerulans  (L.  1766). 

Gebel  Araschkol  (leg.  Werner  1905),  Assuan  (Coli.  Br. 
v.  W.),  Cordofan  (Coli.  Mus.  Caes.  Vind.). 

Sonstige  Verbreitung:  Mittelmeergebiet,  Turkestan,  Mittel- 
europa, Cuba. 

84.  S.  azurescens  (Ramb.  1838). 

Gebel  Araschkol  (leg.  Werner  1905). 

Sonstige  Verbreitung:  Südspanien,  Algerien,  Ägypten, 
Abyssinien,  Massaua  (Saussure). 


85.  S.  Savignyi  Sauss.  IJ 

Saussure,  Prodr.  Oed.,  p.  208;  Add.  Prodr.  Oed.,  p.  84. 
Savigny,  Taf.  VII,  Fig.  13. 
Werner,  Orth.  Äg.,  1905,  p.  62. 

Chartum  (Coli.  Br.  v.  W.),  Sudan  (leg.  Marno;  Mus.  Caes. 
Vind.). 

Sonstige  Verbreitung:  Ägypten;  Turkestan,  Cashmir  (var. 
apicalis) ;\ns\ji\a.Q  fortunatae  (var.  canaviensis);  (sec.  Saussure 
1.   c). 

Farn.  Aerididae. 

Syn. :  Tryxalidac  auct. 

Genus:  Aiolopus  Fieb. 

Aiolopus  Fieb.,  V.  1853,  Rehn  1902  =^  Epacromia  Fisch.  Fr.,  XI.  1853,  auct. 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  3o9 

*S6.  A.  thalassinus  (Fab.  1793). 

Gondokoro,  Goz  Abu  Guma,  Kodok  Faschoda  (leg.  Werner 
1905). 

Sonstige  Verbreitung:  Mittel-  und  Südeuropa,  Vorderasien, 
Ceylon,  Nord-  und  Südafrika  (Coli.  Br.  v.  W.). 

Genus:  Chortoicetes  Br.  v.  W. 

Chortoicetes  Sauss.  (in  litt.)  Br.  v.  W.,  Rev.  Sys.  Orth.,  1893,  p.  123. 

f  87.  C.  fallax  n.  sp. 

Griseo-testaceus.  Pronotum  dorso  medio  testaceo,  utrin- 
que  macula  atra,  a  carinis  lateralibus  albidis  valde  flexuosis 
intersecta  ornatum,  postice  obtuse,  sed  distincte  angulatum. 
Elytra  margine  antico  prope  basin  ampliata,  vena  intercalata 
distincta,  media  instructa,  genua  postica  vix  superantia,  area 
discoidali  albido- et  atromaculata.  Pectus  sparse  et  breviter  pilo- 
sum.  Femora  postica  area  externa  grisea  vel  testacea,  interna 
fuscotestacea,  maculis  distinctis  nullis,  superne  dilutis  fasciis 
transversis  2  fuscis.  Tibiae  posticae  sordide  griseae. 

cf  9 

Long,  corporis 14  19*5 — 20 

»       pronoti 2-5  3-7 

»       elytrorum 12  14 — 16 

»       fem.  post 10  12—13 

Gondokoro  (leg.  Werner  16.  III.  1905);  Zanzibar  (Coli. 
Br.  V.  W.,  Nr.  10.267). 

Im  Habitus  unserem  Chorthippus  haemorrhoidalis  ähnlich. 
Von  den  mir  bekannten  afrikanischen  Chortoicetes- Avien  durch 
die  Färbung,  namentlich  der  Hinterschenkel,  leicht  zu  unter- 
scheiden. 

f  88.  C.   acutangulus  n.  sp. 

Rufus.  Pronoti  dorso  utrinque  maculis  2  lateralibus  sub- 
dilutis  pallidioribus,  carinis  lateralibus  parum  flexuosis,  lobis 
lateralibus  altioribus  quam  longioribus,  postice  acutangulum. 
Elytra  griseo-rufa,  femora   postica    distincte    superantia,    vena 


360  H.  Karny, 

intercalata  media  instructa,  subdilute  transverse  vittata.  Corpus 
totum  (etiam  femora  postica)  subtus  fortiter  villosum.  Femora 
postica  rufa,  nigropunctulata,  praecipue  in  carina  inferiore 
areae  externomediae,  intus  roseae,  maculis  majoribus  nullis. 
Tibiae  posticae  roseae. 

V 
Long,  corporis 20 

»      pronoti 4-8 

»      elytrorum 19 

»      fem.  post 11"5 

Mongalla  (leg.  Werner  25.  IIL  1905). 

Genus:  Eleutherotheca  nov. 

(iXeüO-spoc  =  über,  d-rf^-q  =  vagina,  ovipositor.) 

Genus  novum  vic.  Arcypterae  Serv.  (=:  Stetnophymati 
Fisch.  Fr.)  et  Piiorisae  Stäl. 

Typus:  Eleutherotheca  concolor  n.  sp. 

Statura  mediocri.  Vertex  obtusus,  subdeclivis.  Foveolae 
verticis  vix  impressae,  indistinctae.  Antennae  filiformes.  Costa 
frontalis,  a  latere  visa,  valde  convexa,  infra  ocellum  suboblite- 
rata.  Pronotum  carina  media  et  lateralibus  distinctis,  perductis, 
postice  obtusangulum.  Elytra  genua  postica  parum  superantia, 
Vena  intercalata  subtili,  undulosa,  nonnumquam  interrupta, 
venae  ulnari  quam  venae  radiali  magis  appropinquata.  Alae 
hyalinae  vel  apice  parum  infuscatae.  Femora  postica  areä 
externomediä  concolore  vel  pone  apicem  nigra,  genubus  parum 
infuscatis.  Tibiae  posticae  calcaribus  binis  interioribus  sub- 
aequalibus,  flavae  vel  roseae,  spinis  nigris,  annulo  nuUo.  Pro- 
sternum  tuberculo  nullo;  lobi  mesosternales  late  distantes, 
metasternaies  contigui.  Lamina  subgenitalis  cf  horizontaliter 
producta.  Valvulae  ovipositoris  liberae,  a  lamina  subanali  haud 
obtectae. 

Dispositio  specierum. 

1.  Pronotum  carinis  lateralibus  rectis,  postice  vix  divergentibus. 
Femora  postica  areä  externomedä  pone  apicem  nigra 

1.  E.  eJegans  n.  sp. 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  361 

1.1.  Pronotum  carinis  lateralibus  antice  parallelis,  deinde  ob- 
tusangulatis,  postice  divergentibus.  Femora  postica, 
exceptis  genubus  parum  infuscatis,  unicolora 

2.  E.   covicolor  n.  sp. 

t89.  E.  elegans  n.  sp.  (Taf.  III,  Fig.  49). 

Colore  testaceo.  Pronotum  carinis  lateralibus  rectis,  postice 
parum  divergentibus,  angulo  postico  obtuso,  lobis  lateralibus 
subquadratis.  Elytra  genua  postica  vix  superantia,  areä  costali 
cf  rionnihil  dilatatä,  venis  parallelis  instructä,  parte  postico 
testacea,  unicolora,  ceterum  fortiter  fuscoconspersa.  Alae  hya- 
linae,  apice  vix  infuscatae.  Femora  postica  areä,  externomediä 
pone  apicem  nigra,  internomediä  nigro-  2-maculata. 

^  9 

Long,  corporis 17—18-5         22-23 

»       pronoti 3"9  4-5— 4*9 

elytrorum 14-5  — 15-5  17  —  18 

»       fem.  post 10—11  12-8-13-8 

Kordofan,  10°  nördl.  Breite  im  Grase  (leg.  Kotschy,  Coli. 
Mus.  Caes.  Vind.:  1  cf);  Ru'alla,  Mongalla,  Gondokoro  (leg. 
Werner). 

Möglicherweise  gehört  diese  Art  ins  Genus  Pnorisa. 

1 90.  E.  concolor  n.  sp.  (Taf.  III,  Fig.  48). 

Colore  pallido  flavo.  Pronotum  carinis  lateralibus  antice 
parallelis,  deinde  obtusangulatis,  postice  divergentibus,  lobis 
lateralibus  trapezoideis,  altioribus  quam  longioribus,  angulo 
postico  subrotundato.  Elytra  genua  postica  parum  superantia, 
tota  subtiliter,  sed  distincte  fusco-conspersa.  Alae  hyalinae, 
apice  vix  infuscatae.  Femora  postica,  exceptis  genubus  parum 
infuscatis,  unicolora. 

9 

Long,  corporis 20 

»       pronoti 4 

»       elytrorum 18 

»       fem.  post 13 


362  H.  Karny, 

Mongalla  (2.  III.  1905  leg.  Werner). 

Von  Pnorisa  sicher  generisch  verschieden. 

Genus:  Chorthippus  Fieb. 
Chorthippus  Vieh.  1844  =  Stenobofhrtis  Fisch.  Fr.  1853,  auct. 

Ich  will  hier  eine  Übersicht  der  afrikanischen  Arten  geben; 
doch  da  mir  die  Walker'schen  Arten  nicht  vorliegen  und  ich 
mit  seinen  Beschreibungen  nicht  viel  anfangen  kann,  bin  ich 
genötigt,  zunächst  die  Unterscheidung  nach  dem  Vaterlande 
zu  treffen. 

Revisio  specierum  africanarum. 

I.  Species  madagassa Cli.  (?)  ortiatus  (Walk.  1871). 

IL  Species  Africae  meridionalis. 

1.  Prothorax  carinis  lateralibus  angulatis: 

Ol.  (?)^  miniisculus  (Walk.  1871). 
1.1.  Prothorax  carinis  tribus  parallelis 

Ch.  (?)  capensis  (Walk.  1871). 
in.  Species  Africae  occidentalis  (Sierra  Leone,  Gabun,  Congo). 
1.  Alae  obscure  cinereae  .  .  .  .Ch.  (?)  comptns  (Walk  1871). 
1.1.  Alae  antice  fusco  guttatae 

Ch.  (?)  produchis  (W  a  1  k.  1871). 
IV.  Species  Africae   septentrionalis,  Sudano   aegyptio    incluso, 
necnon  insularum  Canariensium. 

1.  Species  aquilonares  (Patria:  Senegal,  Algeria,  Tunes,  In- 
sulae  Canarienses). 
2.  Area  praecostalis  haud  ampliata,  itaque  margo  anticus 

elytrorum  subrectus .(Omocestus  Bol.) 

3.  Pronoti  carinae  laterales  subrectae,  antice  parallelae 
vel  subconvergentes,  postice  parum  divergentes. 
Statura  et  colore  viridiiluin  nostrum  simulans,  forma 
pronoti  carinarum   lateralium   facile    distinguendus) 

Ch.  (0.)  chloodes^  n.  sp. 


1  Von  Kirby  1902  als   Chortoicefcs  angeführt. 

2  XXotuÖTjg  :=  viridulus. 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  363 

3.  3.  Pronoti   carinae  laterales   pone  medium  distincte 
angulato-inflexae. 

4.  Statura  parum  majore.  Abdomen  cf  9  superne 
apicem  versus  sanguineum 

Ch.  (O.)  Rayniondi  (Yers). 
4.  4.  Statura  parum  minore.  Abdomen  cf  9  flavurii 

Ch.  (O.J  Sintonyi  (Kr). 

2.  2.  Area  praecostalis  basi  ampliata,  quare  margo  anticus 

elytrorum  sinuatus Chortkippus  (Fieb.). 

3 .  Pronoti  carinae  laterales  subrectae 

Ch.  (Ch.)  piilvmatiis  (Fisch.  W.). 
3.  3.  Pronoti  carinae  laterales  flexuosae 

eil.  (Ch.)  epacromioides  (Kr.). 

1.1.  Species  Aegypti  et  regionum  affinium. 

2.  Alae  hyalinae  vel  basi  citreae  vel  extremo  apice  solum 

infuscatae (Staurodertis  Bo  1.). 

3.  Tibiae  posticae  pallidae.   .  .  .  Ch.  (St.)  xanthus  n.  sp. 
3.  3.  Tibiae  posticae  dimidio  apicali  sanguineae. 

4.  Statura   majore.    Carinae    laterales   magis   incur- 

vae,   albidosignatae:   Ch.  (St.)  Wem eria uns  n.sp. 

4.  4.    Statura     minore.    Carinae     laterales    pronoti 

minus  (sed  distincte)  angulatae,  concolores. 

Ch.  (St.)ypsilon  n.  sp. 

2.  2.  Alae  cinereae  vel  infuscatae,  nigro-venosae. 

3.  Statura  parum    minore.   Pronotum  margine   postico 

rotundato Ch.  (?)  laetus  (Walk.). 

3.  3.  Statura  parum  majore.  Pronotum  margine  postico 
angulato Ch.  (?)  limosiis  (Walk.) 

NB.  Ich  will  hier  nur  noch  bemerken,  daß  Kr  aus  s  seinen 
epacromioides  mit  variahilis  und  vagans  vergleicht,  doch 
möchte  ich  ihn  nach  den  mir  vorliegenden  Typen  eher  neben 
dorsatus  stellen.  Bolivar's  Ch.  BoiiuefilBg  mir  nicht  vor;  doch 
stimmt  seine  Beschreibung'  genau  mit  unsern  epacromioides- 
Typen  überein;  ich  muß  die  beiden  Arten  daher  als  identisch 
betrachten. 


364  H.  Karny, 

■fdl.  Stauroderus  xanthus  n.  sp. 

Statura  parvula.  Flavo  vel  rufo-testaceus.  Pronotum 
utrinque  macula,  atra,  carinis  lateralibus  angulatis  intersecta, 
parte  posteriore  quam  anteriore  longiore,  margine  postico  ob- 
tuse  angulato.  Elytra  angusta,  obscure-vittata  vel  guttulata, 
ante  apicem  macula  semilunari  pallida  nulla;  vena  ulnari 
ab  anali  distincte  divisa,  area  costali  nonnihil  dilatata  (in  9 
minus  quam  in  cT)  area  praecostali  basi  parum  ampliata.  Alae 
hyalinae,  apice  vix  infuscatae.  Apexabdominis  haud  sanguineus. 
Tibiae  posticae  paliide  testaceae,  spinis  nigris  instructae. 

^  9 

Long,  corporis 12*5  15 — 17 

»     pronoti 2-2  2-8 

»      elytrorum 11-5 — 12      14 — 15 

»     fem.  post 7-5—8         9-5—10 

Gondokoro  (leg.  Werner  1905). 

Die  neue  Art  erinnert  sehr  an  epacromioides,  unterscheidet 
sich  von  diesem  jedoch  durch  die  stärker  einwärts  gebogenen 
Halsschildkiele  und  die  geringere  Größe.  Von  unseren  ein- 
heimischen Arten  sind  ihm  petraeus  und  bicolor  a.m  ähnlichsten. 

f  92.  St.  Wernerianus  n.  sp. 

Statura  mediocri.  Flavo-  vel  rufotestaceus.  Pronotum 
utrinque  macula  obscura,  carinis  lateralibus  angulatis  intersecta, 
parte  posteriore  quam  anteriore  sublongiore,  margine  postico 
obtusangulo.  Elytra  angusta  maculis  compluribus  majoribus 
nigris  ornata,  macula  semilunari  pallida  nulla;  vena  ulnari  ab 
anali  distincte  divisa,  area  costali  cT  9  vix  dilatata;  area  prae- 
jcostali  basi  ampliata.  Alae  hyalinae  vel  basi  citreae,  apice 
extremo  distincte  infuscatae.  Apex  abdominis  flavo-testaceus. 
Tibiae  posticae  basi  pallidae,  apice  laete  sanguineae,  spinis 
nigris  armatae. 

(f  9 

Long,  corporis 18     19-5 — 21 

»       pronoti 3-3       3-  5 — 4 

elytrorum 17     19—19-5 

»       fem.  post 11      13 — -13-5 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  365 

Gondokoro  (leg.  Werner  1905);  Kordofan,  10°  nördl. 
Breite  auf  Gras  (leg.  Kotschy,  Coli.  Mus.  Caes.  Vind.). 

Var.  ustulata  m.  nov'. 

Latera  flavo-testacea,  item  elytrorum  pars  anticus.  Dorsum 
capitis  t;t  pronoti  cum  maxima  elytrorum  parte  fuscum.  Elytra 
maculis  majoribus  nullis.  Alae  apice  vix  infuscatae,  hyalinae. 

Ceterum  cum  forma  typica  congruens. 

Patria:  Cordofan  (Coli.  B  r.  v.  W.,  Nr.  1326). 

Dedico  hanc  speciem  novam  Dom.  Dr.  Fr.  Werner,  qui 
omnium  prior  orthoptera  nubica  perexploravit  et  hanc  quoque 
speciem  collegit. 

Die  neue  Art  steht  wahrscheinlich  dem  hicolor  am  nächsten, 
unterscheidet  sich  von  ihm  jedoch  durch  die  bedeutendere 
Größe,  die  in  der  Apikaihälfte  roten  Hinterschienen  und  die 
auffallende  Fleckenzeichnung  der  Elytra.  Meine  var.  iistiilata 
entspricht  dem  variahilis  nigriniis  Fieb. 

Von  xanthtis  unterscheidet  sich  Werneriatitis  durch  die 
Färbung  der  Hintertibien,  von  ypsilon  durch  die  Form  der 
Halsschild-Seitenkiele  (die  bei  ypsilon  halb  Y-förmig  sind, 
während  sie  bei  Wernerianus  die  Form  eines  halben  X  nach- 
ahmen), von  beiden  außerdem  noch  durch  die  Größe. 

■|-93.  St.  ypsilon  n.  sp, 

Statura  parvula.  Rufo-  vel  griseo-testaceus.Pronotum  ma- 
cula  laterali  nulla,  carinis  concoloribus  vel  vix  pallidioribus,  an- 
ticeparallelis,deinde  obtusangulatis,postice  divergentibus  eoque 
modo  semi-Y-formibus,  postice  angulatum.  Elytra  genua  postica 
vix  superantia,  subhyalina,  fortiter  fusco-conspersa,  maculis 
majoribus  distinctis  nullis,  area  praecostali  basi  dilatata,  costali 
cf  dilatata,  hyalina,  regulariter  oblique-venosa,  vena  ulnari  ab 
anali  distincte  divisa,  macula  semilunari  pallida  indistincta. 

Alae  hyalinae,  apice  infumatae.  Femora  postica  carinis 
3  superioribus  nigro-punctatis.  Tibiae  posticae  cum  tarsis 
sanguineae. 


366  H.  Karny, 

cT  9 

Long,  corporis 13  18'5 

»      pronoti   2-8  2 -8 

»      elytrorum 12  16 

»     fem.  post 8' 5  11 

Gondokoro  (leg.  Werner  III.  1905). 

Außer  den  drei  beschriebenen  Chor fhippus- Arten  ist  mir 
aus  dem  Gebiete  keine  bekannt.  Ob  die  beiden  Walker'sclien 
(laetus  und  Uniosus)  wirklich  in  die  Gattung  gehören,  weiß  ich 
nicht;  da  sie  außerdem  auch  nicht  aus  dem  ägyptischen  Sudan, 
sondern  aus  Ägypten  (laetus),  respektive  vom  Roten  Meer 
(limosiis)  beschrieben  wurden,  konnte  ich  sie  hier  ganz  unbe- 
rücksichtigt lassen.  Den  laetus  hat  übrigens  auch  Dr.  Werner 
in  seiner  Orthopterenfauna  Ägyptens  ignoriert.  Die  übrigen 
afrikanischen  Arten  Walkers  gehören  wahrscheinlich  nicht 
zu  Chorthipptis  (vielleicht  zu  Chorthoicetes'^);  wenigstens  führt 
Kirby  1902  den  mimiscultis  als  Chorthoicetes  an.  Mir  ist 
außer  den  drei  oben  beschriebenen  Arten  aus  der  äthiopischen 
Region  kein  echter  Chorthippus  bekannt  und  es  ist  vielleicht 
schon  interessant,  daß  diese  echt  paläarktische  Gattung  so 
weit  nach  Süden  vordringt. 

Genus  Ochrilidia  Stäl. 

Ochrilidia  Stäl  1873,  Rec.  Orth. 

Brachycrotaphus  Kr.,  Sitzber.  Akad.  Wiss.  Wien,  1877. 
Ochrilidia  Kr.,  Verh.  Zool.-bot.  Ges.  Wien,  1888. 
Brachycrotaphus  Kar  seh,  Stett.  Ent.  Zeitschr.,  1896. 

VonPlatypterna  leicht  zu  unterscheiden  (cf.  Karsch  I.e.). 

*94.  O.  tryxalicera  (Fisch.  Fr.  1853). 

Opotnala  tryxalicera  F"isch.  Fr.,  Orth.  eur.,  1853,  p.  305. 

Brachycrotaphus   Steindachneri  Kr.,  Orth.  Senegal.,  Sitzber.  Akad.  Wiss.  Wien, 

1877,  p.  20. 
Ochrilidia  tryxalicera  Br.,  Prodr.  eur.  Orth.,  1882,  p.  91. 

Kr.,  Verh.  Zool.-bot.  Ges.  Wien,  1888. 
Karsch,  Orth.  Bergl.  Adeli,  1893,  p.  61 
Brachycrotaphus  Steindachneri  Karsch,  I.e.,  1896,  p.   262. 
Sttihlmanni  Karsch,  1.  c.,  1896,  p.  262. 


Oithopterenfauna  des  Sudans.  3ü7 

Del.:  Ochrüidia  tryxalicera  Kar  seh,   1.  c,  1896,  p.  262   (=  Platypteina  lihia- 
lis  Fie  b.). 

Mit  heller  Längsbinde  auf  Kopf  und  Pronotum,  die  jedoch 
auch  fehlen  kann  (var.  Stuhlmannl  Karsch).  Die  Form  der 
Mesosternallappen  variiert;  meist  sind  sie  der  ganzen  Länge 
nach  verwachsen;  mitunter  berühren  sie  sich  nur  in  einem 
Punkte,  manchmal  bleiben  sie  überhaupt  ganz  getrennt.  Da- 
zwischen finden  sich  (auch  am  selben  Fundorte,  z.  B.  Gondo- 
koro)  alle  möglichen  Übergänge. 

In  der  Nomenklatur  dieser  Spezies  herrscht  große  Kon- 
fusion;  ich  muß  mich  nach  dem  mir  vorliegenden  Material  der 
Deutung  Krauss'  anschließen.  Übrigens  gehört  nach  der  Type 
der  Ochrüidia  boscae  Caz.,  welche  die  Coli.  Br.  v.  W.  von 
Cazurro  aus  Monserrat  erhielt,  auch  diese  Spezies  als  Syno- 
nym hieher. 

Renk,  Ru'alla,  Gondokoro,  Mongalla  (leg.  Werner  1905)_ 
Sonstige  Verbreitung:  Südeuropa,  Nordafrika. 

Genus:  Platypterna  Fieb. 

Plalypierna  Fieb.  1853. 
Ochrüidia  Br.  nee  Stäl. 
«  auct. 

*95.  P.  tibialis  Fieb.  1853. 

Platypterna  tibialis  Fieb.  1853,  Synops.,  p.  9. 

■» Opomala pundivenis  (indescript.)  Fisch.«  Coli.  Fischer  (in  Coli.  Br.  v.  W.). 

iOpomala  cordofana«.  Coli.  Mus.  Caes.  Vind. 

Ochrüidia  tibialis  Br.,  Prodr.  eur.  Orth.,  1882,  p.  91. 

Platypterna     »       Kr.,  Verh.  Zool.-bot.  Ges.,  1902,  p.  236. 

Karsch,  Stett.  Ent.  Zeitschr.,  1896,  p.  263. 
»  tryxalicera,  Karsch,  Stett.  ent.  Zeitschr.  1896,  p.  263. 

Del.:  Opomala         »  Fisch.  Fr. 

Chartum,  Cordofan  (Coli.  Mus,  Caes.  Vind.),  Goz  Abu 
Guma  (leg.  Werner  4.  IL  1905). 

Sonstige  Verbreitung:  Südeuropa,  Nordafrika. 

Genus:  Calephorus  Fieb. 
CalephortisYiQh.  V.  1853  =  Oxycoryphus  Fisch.  Fr.,  XI.  1853. 


368  H.  Karny, 

*96.  C.  compressicornis  (Latr.  1804). 

Cordofan,  x'Xssuan  (Coli.  Br.  v.  W.);  Khor  Attar  (leg. 
Werner). 

Sonstige  Verbreitung:  Südeuropa,  Nordafrika. 

Genus:  Phlaeoba  Stal. 

Verzeichnis  der  bisher  beschriebenen  afrikanischen 
Arten : 

Opomala  basalis  Walk.,  Cat.  Derm.  Salt,  III,  p.  510. 

»  interlineata  Walk.,  Cat.  Derm.  Salt.,  III,  p.  510. 

{Phlaeoba  chloronota  Stäl  =  basalis  Walk.,  sec.  Kirby.) 
bisulcala  Kr.,  Orth.  Seneg.,  1877,  p.  24. 

>  sanguinolenta  Bol.,  Jörn.  Sc,  Lisb.,  1890,  p.  96. 
»  angustata  Bol.,  Jörn.  Sc,  Lisb.,  1890,  p.  97. 

laeta  Bol.,  An.  Soc.  Espan.,  1890,  p.  310. 
(        >  mossambicensis  Brancsik  1895,  wahrscheinlich  zu  Pwoma  gehörig.') 

>  antennata  Schulthess  1898,  Ann.  Mus.  Genov. 

>  rufescens  Kirbj''  Proc.  Zool.  Soc,  1902. 

Von  den  angeführten  Arten  besitzt  die  Coli.  Br.  v.  W.  nur 
laeta  Bol.  Ich  war  daher  bei  den  übrigen  bloß  auf  die  Beschrei- 
bungen angewiesen.  Die  von  Dr.  Werner  gesammelten  Exem- 
plare stimmen  mit  keiner  der  Beschreibungen  überein  und  ich 
habe  sie  daher  als  neue  Arten  beschrieben.  Sie  gehören  drei 
verschiedenen  Arten  an,  die  voneinander  leicht  zu  unter- 
scheiden sind: 

1.  Statura  majore.  Antennae  ensiformes.  .  .  A.  P.  tricolor  n.  sp. 
1.1.  Statura  parvula.  Antennae  subfiliformes. 

2.  Statura  graciliore.  Vertex  sulco  interoculari  semiorbiculari 

instructus 2.  P.  elegatts  n.  sp. 

2.2.  Statura  robustiore.  Vertex  sulco  interoculari  parum  cur- 

vato  instructus 3.  P.  Pharaonis  n.  sp. 

Die  Mesosternallappen  sind  bei  allen  drei  Arten  breit 
getrennt.  Elegans  und  Pharaonis  nähern  sich  im  Habitus  der 
Gattung  Ortkochtha  Karsch,  weichen  von  derselben  jedoch 
durch  den  gebogenen  Unterrand  der  Pronotum-Seitenlappen  ab. 

t97.  Ph.  tricolor  n.  sp.  (Taf.  III,  Fig.  50). 

Statura  majore.  Viridulo-testacea  (viva  virescens?).  Vertex 
sulco    transverso    semiorbiculari.    Pronotum    plerumque    vitta 


Orthopterentauna  des  Sudans.  369 

utrinque  fusca  percurrente,  nonnumquam  in  elytris  continuata 
ornatum.  Elytra  concolora  vel  basi  vitta  fusca  et  albidula  longi- 
tudinalibus,  apice  interdum  maculis  obscuris  ornata,  genua 
postica  valde  superantia.  Femora  postica  unicolora;  tibiae 
posticae  testaceae,  spinis  apice  nigris. 

^  9 

Long,  corporis 21  31     — 36 

pronoti 4  6     —  6-5 

elytrorum 23*5  30     — 33 

fem.  post 14  18-5—21 

Goz  Abu  Guma,  Khor  Attar,  Mongalla  (leg.  Werner). 

In  der  Färbung  an  Paracinema  tricoJor  erinnernd,  doch 
durch  den  Besitz  der  halbkreisförmigen  Querfurche  des  Vertex, 
die  geraden,  das  ganze  Pronotum  durchziehenden  Seitenkiele 
leicht  zu  unterscheiden.  Von  Ph.  laeta  durch  weniger  intensive 
Färbung  und  längere  Flugorgane  abweichend. 

t98.  Ph.  elegans  n.  sp.  (Taf.  III,  Fig.  51). 

Statura  parvula.  Griseo-testacea.  Vertex  sulco  trans- 
verso  semiorbiculari.  Antennae  subfiliformes.  Pronotum  vittis 
lineisque  fuscis  et  pallidis  longitudinalibus  percurrentibus,  inter- 
dum in  elytris  continuatis  ornatum.  Elytra  genua  postica 
distincte  superantia.  Femora  postica  subunicolora,  tibiis  con- 
coloribus,  spinis  subtotis  nigris  instructis. 

9  c^ 

Long,  corporis 15  19 

»       pronoti 2-7  3*5 

»       elytrorum 15  18 

»       fem.  post 10  11 

Gondokoro  (leg.  Werner  III.  1905). 
t99.  Ph.  Pharaonis  n.  sp.  (Taf.  III,  Fig.  52). 

Statura  parvula,  praecedente  crassiore.  Flavo-testacea. 
Vertex  sulco  transverso  parum  curvato.  Antennae  subfiliformes. 
Pronoti  dorsum  testaceum,  lobi  laterales  subtus  late  flavo- 
vittati,  superne   vitta  longitudinali   lata   fusca,  retrorsum   eva- 


370  H.  Karny, 

nescente,  antrorsum  nigricante,  nonnumquam  ipsis  in  oculis 
continuata  ornati.  Elytra  genua  postica  distincte  superantia, 
grisea  vel  fusca,  parte  dorsali  testacea,  antice  interdum  linea 
longitudinali  albida  ornata.  Femora  postica  genubus  plus  minus 
infuscatis,  tibiis  testaceis,  spinis  apice  nigris  instructis. 

cf  9 

Long,  corporis 15   — 18  19—20 

pronoti 2-5 — 3  3*5 

elytrorum 15—16-5       17—20-5 

fem.  post 9—10  11  —  12-5 

Syn.:  »Stenobofhrtts  Pharaoms«  Coli.  Mus.  Caes.  Vind. 

Var.  aterrima  m.  Tota  vel  subtota  atra,  alis  quam  forma 
typica  magis  infuscatis. 

Cordofan,  Nuba,  Sudan  (Coli.  Mus.  Caes.  Vind.);  Renk, 
Mongalla,  Khor  Attar,  Gondokoro  (leg.  Werner  1905). 

Diese  und  die  vorhergehende  Art  erinnern  im  Habitus  an 
Chorthippus  (z.  B.  elegans),  sind  jedoch  durch  das  Fehlen  der 
Stirngrübchen  von  dieser  Gattung  leicht  zu  unterscheiden.  Von 
den  bisher  beschriebenen  Phlaeoba- Arien  weichen  sie  durch 
relativ  längere  Flugorgane,  von  den  meisten  auch  noch  durch 
viel  geringere  Größe  ab.  Darin  nähern  sie  sich  der  Gattung 
Orthocktha  Karsch,  mit  der  sie  jedoch  den  geraden  Unterrand 
der  Pronotum-Seitenlappen  nicht  teilen. 

Genus:  Paracinema  Fisch.  Fr. 
*100.  P.  tricolor  (Thunb.  1815). 

Goz  Abu  Guma,  Mongalla. 

Sonstige  Verbreitung:  Südeuropa,  Algerien,  Senegal,  Ga- 
bun, Zanzibar,  Madagaskar  (Brunner,  Prodr.,  p.  97). 

Genus:  Cymochtha  Karsch. 

*  101.  C.  nigricornis  Karsch  1893. 

Karsch,  Springh.  Bergl.  Adeli,  1893,  p.  69. 

Diese  Art  liegt  mir  in  zwei  Exemplaren  (cf)  von  Mongalla 
und  Gondokoro  (leg.  Werner)  vor.   Das  Exemplar  von  Mon- 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  37  1 

galla  ist  etwas  kleiner  (long,  corporis  22),  heller,  hat  die  Hinter- 
kniee  nicht  angeschwärzt  und  die  Fühler  statt  schwarz  nur 
braun;  dennoch  halte  ich  es  für  identisch  mit  nigriconiis. 

Sonstige  Verbreitung:  Bismarckburg  Adeli  (Karsch  1.  c). 

Genus:  Machaeridia  Stäl. 

Species  adhuc  descriptae:  Bolivar,  Jörn.  Sei.  Lisb.,  1889,  p.  94 — 96. 
f  102.  M.  coerulans  n.  sp. 

Griseo  testacea.  Caput  pronoto  vix  longius.  Frons  obliqua, 
a  latere  visa,  parum  sinuata,  distincte  pallide-quadricarinata, 
fortiter  ruguloso-punctata.  Vertex  inter  oculos  parum  angustus. 
Fastigium  oculo  brevius,  antice  rotundatum,  carina  media 
distincta,  percurrente.  Pronotum  antice  truncatum,  postice 
rotundato-truncatum,  carinis  lateralibus  pallidis,  lobis  laterali- 
bus  pone  carinas  infuscatis,  quae  vittae  longitudinales  antror- 
sum  usque  ad  oculos,  retrorsum  nonnunquam  in  elytris  con- 
tinuantur.  Alae  basi  coeruleae,  apice  hyalinae.  Lamina  sub- 
genitalis  cf  acute  producta. 

Long,  corporis 23-5 — 25 

»       pronoti    3  •  2 —  3  •  5 

»       elytrorum 22     -22-5 

»       fem.  post ?    — 14-5 

Khor  x'\ttar,  Mongalla  (leg.  Werner  1905). 

Von  allen  bisher  beschriebenen  Arten  schon  durch  die 
blauen  Hinterflügel  leicht  zu  unterscheiden.  Das  9  kenne  ich 
nicht. 

Genus:  Amycus  Stäl. 

*103.  A.  xanthopterus  Stäl  1855. 

Burr,  Monogr.  Acrida,  p.  186. 

Gondokoro  (leg.  Werner  III.  1905:  1   9). 
Sonstige    Verbreitung:    Adeli,    Caffraria,    Angola,    Natal 
(Burr  1.  c). 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Kl. ;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  25 


372  H.  Karny, 

Genus:  Amphicremna  Kar  seh. 
*104.  A.  scalata  Karsch  1896. 

Die  Färbung  variiert  stark;  gewöhnlich  ist  sie  bräunlich 
oder  graugelb,  doch  kann  sie  bis  ins  Schwarzgraue  übergehen. 
Der  Pronotumrücken  weist  oft  schwarze  Punkte  auf,  die 
jedoch  auch  fehlen  können.  Die  relative  Länge  der  Elytra  ist 
gewöhnlich  so  wie  auf  der  Karsch'schen  Figur.  Doch  liegen 
mir  auch  Exemplare  vor,  bei  denen  sie  deutlich  länger  sind, 
und  bei  einem  Exemplare  wiederum  überragen  sie  die  Hinter- 
kniee  nicht.  Bei  allen  mir  vorliegenden  9  9  erreichen  die 
Hinterkniee  die  Hinterleibspitze,  während  Karsch  angibt: 
:»Femora  postica  apicem  abdominis  in  mare  attingentia,  in 
femina  haud  attingentia«.  Sehr  charakteristisch  für  diese  Art 
ist  das  Geäder  der  Hinterflügel  (Karsch,  Burr). 

Gondokoro,  Mongalla,  Khor  Attar,  Renk  (leg.  Werner 
1905). 

Sonstige  Verbreitung:  Westafrika  (Karsch). 

Genus:  Calamus  Sauss. 
^105.  C.  linearis  Saussure  1861. 

Karsch,  Ins.  Bergl.  Adeli,  1893,  Fig.  3,  p.  56—58. 
Burr,  Monogr.  Acrida,  1902,  p.  184—185. 

Gondokoro,  Doleib  Hill  Sobat,  Khor  Attar,  gegenüber  Khor 
Attar,  Mongalla,  Ru'alla  (leg.  Werner  1905). 

Sonstige  Verbreitung:  Adeli,  Bogos,  Zambesi,Hö  (Burr I.e.) 
Diese  Art  zeigt  uns  die  extremste  Schutzanpassung  an 
das  Leben  in  der  Grassteppe.  In  der  Form  ist  sie  von  einem 
Grashalm  nicht  zu  unterscheiden,  solange  sie  sieh  nicht  bewegt, 
und  auch  in  der  Färbung  ahmt  sie  ihre  Umgebung  täuschend 
nach:  gewöhnlich  ist  sie  hellgrünlieh-  oder  bräunlichgelb;  doch 
liegen  mir  auch  dunkelgraue  Exemplare  vor,  und  zwar  wurden 
dieselben,  wie  mir  Dr.  Werner  mitteilt,  an  Stellen  gefangen, 
wo  das  Gras  durch  Verbrennen  dieselbe  Farbe  angenommen 
hatte.  Nach  Dr.  Werner  kann  man  den  CaJamtis  überhaupt 
nur  durch  Streifen  fangen,  weil  es  unmöglich  ist,  ihn  zwischen 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  6/6 

den  ganz  gleich  aussehenden  Grashalmen  zu  erkennen,  obwohl 
er  recht  häufig  ist. 

Genus:  Acrida  L. 

Syn.:  Truxalis  Fab. 

*106.  A.  acuminata  Stäl  1873.  (Taf.  III,  Fig.  53). 

Stäl,  Rec.  Orth.,  I,  1873,  p.  97. 
Burr,  Monogr.  Acrida,  1902,  p.  162. 

Bisher  war  nur  das  9  bekannt;  mir  liegt  in  der  Werner- 
schen  Ausbeute  nur  1  cT  vor,  welches  jedoch  (abgesehen  von 
der  Größe)  nach  der  Beschreibung  Burr's  (1.  c.)  und  nach  den 
9  9  der  Coli.  Br.  v.  W.  vollständig  mit  actimmata  Stäl  über- 
einstimmt. Die  Größenverhältnisse  sind: 

cf  (nov.) 

Long,  corporis 44 

»      capitis  (superne) 9 

»      pronoti 7 

»      elytrorum 49 

»      fem.  post 28 

Khor  Attar  (leg.  Werner  15.  IL  1905). 

Von  turrita  schon  durch  die  bedeutend  längeren  Elytra 
leicht  zu  unterscheiden. 

Sonstige  Verbreitung:  Caffraria,  Gabun,  Port  Natal,  Bathurst 
(Burr  1.  c). 

tl07.  A.  maxima  n.  sp.  (Taf.  III,  Fig.  54,  55). 

Viridis  vel  testacea.  Statura  maxima,  pergracili,  Caput 
haud  ascendens,  vertice  concavo,  marginibus  reflexis,  pronoto 
multo  longius.  Antennae  capite  pronotoque  unitis  subaequi- 
longae.  Occiput  subtilissime  longitrorsum  carinatum.  Frons 
carinis  distinctis,  granulosa.  Pronotum  carinis  lateralibus  rectis, 
parallelissimis,  plerumque  vittis  longitudinalibus  nullis.  Meso- 
sternum  utrinque  carinis  3,  plerumque  indistinctis.  Elytra  per- 
longa,   acuminata,    vittis   longitudinalibus    rarissimo   instructa, 

25* 


374  H.  Karny, 

sed  plerumque  sparse  et  distincte  fusco-punctata.  Alae  viridulo- 
flavescentes,  apice  haud  infuscatae. 

Long,  corporis 59  —  65  87—89 

»      capitis  (superne) 14-2—16  20—20-5 

»      pronoti   8-5—9-5  13—14 

»      elytrorum 50 — 58  75 

»      fem.  post 34-38  47 

Khor  Attar,  gegenüber  Khor  Attar,  Goz  Abu  Guma  (leg. 
Werner  1905). 

Steht  von  den  bisher  beschriebenen  Arten  der  acuminata 
und  carhmlata  am  nächsten;  ist  jedoch  nicht  nur  durch  die  in 
der  Beschreibung  angeführten  Merkmale,  namentUch  die  auf- 
fallende Länge  des  Kopfes,  sondern  auch  besonders  durch  die 
bedeutende  Körpergröße  leicht  zu  unterscheiden. 

Von  anderen  Fundorten  ist  mir  diese  Art  nicht  bekannt. 
Nach  der  Burr'schen  Tabelle  der  Gattungen  käme  man  auf 
Calamus,  da  meine  niaxinia  weder  das  »caput  ascendens« 
noch  das  »pronotum  postice  plus  minus  tumidum«  mit  den 
übrigen  Acrida-AriQu  teilt.  Ich  habe  sie  aber  dennoch  in  dieses 
Genus  eingereiht,  da  sie  von  Calainus  durch  die  weniger 
schlanke  Statur  und  namentlich  durch  die  Stellung  der  Augen, 
worin  sie  mit  Acrida  übereinstimmt,  auffallend  abweicht. 

108.  A.  turrita  (L.  1754)  (r=  nasiita  auct.  nee  L.). 

Khor  Attar,  gegenüber  Khor  Attar,  Gondokoro,  Mongalla 
(leg.  Werner  1905). 

Sonstige  Verbreitung:  Südliches  Mitteleuropa,  Südeuropa, 
ganz  Afrika,  Madagaskar,  Asien  bis  Turkestan  und  China, 
Japan,  Australien. 

*109.  A.  sulphuripennis  (Gerst.  1873). 
Burr,  Monogr.  Acrida,  1902,  p.  168. 

Mongalla,  Gondokoro. 

Sonstige  Verbreitung:  Zanzibar,  Congo,  Südwest-  und 
Südafrika  (Burr.  1.  c). 


Orthopterenfauna  des  Sudans.  3/  O 

Genus:  Acridella  Bol. 

Syn. :  Trtixalis  Kirby. 

110.  A.  variabilis  (Klug  1829)  (=  nastUa  L.?) 
Burr,  Monogr.  Acrida,  1902,  p.  172. 

Gondokoro,  Khor  Attar,  Chartum  (leg.  Werner  1905); 
Cordofan,  Chartum,  Sennaar  (Coli.  Mus.  Caes.  Vind.);  Assuan 
Chartum,  Süd-Nubien  (Coli.  Br.  v.  W.,  Burr  1.  c). 

Sonstige  Verbreitung:  Südlichstes  Europa,  nördliches 
Afrika,  Vorderasien,  Indien. 

Ordo:  Gressorla. 

Genus:  Gratidia  Stäl. 
*  1 1 1 .  G.  voluptaria  B  r. 

Brunner  V.  Wattenwyl  et  Redtenbacher  Monogr.  Phasmid.  (Manuskript). 

Gondokoro  (leg.  Werner  1905). 

Die  mir  vorliegenden  Exemplare  unterscheiden  sich  von 
den  Typen  der  vohiptaria  durch  blassere  Färbung.  In  der  Form 
der  Cerci  cf  stimmen  sie  mit  dem  Exemplare  von  Usumbara 
(Coli.  Br.  V.  W.,  Nr.  25.132)  überein,  während  dieselben  bei  dem 
Exemplar  von  Zanzibar  (Coli.  Mus,  Caes.  Vind.,  leg.  Marno 
1878)  dicker  und  plumper  sind. 

Ordo:  Dermaptera  (sie!).   • 

Genus:  Labidura  Leach. 

112.  L.  riparia  (Fall.  1773)  (subspecies:  riparia). 
Krauss- Bormans,  Forfic.,  Hemim.,  1900,  p.  33 — 35. 

Wadi  Haifa,  Mongalla  (leg.  Werner  1905). 
Sonstige  Verbreitung:  Ganze  Erde. 

Genus:  Forficula  L. 

113.  F.  senegalensis  Serv.  1839  (=  serrata  auct.). 
Krauss-B  ormans,  Forfic,  Hemim.,  1900,  p.  121. 

Sennaar,  Chartum  (Coli.  Br.  v.  W.),  Sudan,  Chartum  (Coli. 
Mus.  Caes.  Vind.),  Cordofan,  Sudan,  Chartum  (Krauss  1.  c). 


376  H.  Karny, 

Sonstige  Verbreitung:  Senegal,  Indien  (Krauss  1.  c), 
Mauritius,  Cap  der  guten  Hoffnung  (Coli.  Br.  v.  W.). 

Angehörige  der  Ordnungen  der  Dipl oglossata  und  Thysano- 
ptera  sind  mir  aus  dem  ägyptischen  Sudan  und  aus  Nord- 
Uganda  nicht  bekannt.  In  der  Werner'schen  Ausbeute  fehlen 
sie  vollständig  und  sollen  nach  Dr.  Werners  Aussage  im  be- 
handelten Gebiete  überhaupt  nicht  vorkommen. 

Die  Dictyoptera  (z=z  Blattidae)  und  Mantaria  wurden  in 
Handlirsch's  neuem  phylogenetischen  Systeme  von  den  Ortho- 
pteren getrennt  und  ich  habe  sie  daher  hier  nicht  behandelt. 


Orthopteienfauna  des  Sudans.  37  i 


Tafelerklärung. 


Tafel  I. 


Fig.     1.  Pseudorhynchus  Werneri  Karny.  9-  Von  der  Seite. 

Fig.     2.  »  »  »        (-f .  Von  oben. 

Fig.     3.  Loxoblemmus  (Paraloxoblemmns)  loxoblemmoides  n.  sp.  (^.  Von  oben. 

Fig.     4.  »  »  .  >     »     ^.    Kopf  und 

Pronotum  von  der  Seite. 
Fig.     5.  Loxoblenwms  (Paraloxobleuimtis)  loxoblemmoides  n.  sp.    9  •   Kopf  und 

Pronotum  von  der  Seite. 
Fig.    6.  Gryllodes  aprictts  Sa.uss.   Larve.  Von  der  Seite.  (Linkes  Hinterbein  in 

Regeneration  begriffen  ?) 
Fig.     7.  Tristria  pallida  n.  sp.  (^.  Hinterleibsspitze.  Von  oben. 
Fig.     8.         »  »         »     »     ^.  »  »     der  Seite. 

Fig.    9.         »        sudanensis  n.  sp.  rT" .  Hinterleibsspitze.  Von  oben. 
Fig.  10.         »  »  >     »     (-f .  »  »     der  Seite. 

Tafel  IL 

Fig.  11.  Catantops  cyanipes  n.  sp.  Kopf  und  Pronotum  von  oben.  (^ . 

Fig.  12.  »  »  »     »    Lobi  meso-  et  metasternales.  rf . 

Fig.  13.  »  »  »     »    Genitalien,  cf .  Von  oben. 

Fig.  14.  »  >  ^     »  »  cf-     "■     der  Seite. 

Fig.  15.  »  »  »     >    Hinterschenkel  von  außen.  j^T- 

Fig.  16.  »  «je/t7«05//r/»s  S  chaum.  Kopf  und  Pronotum  von  oben.   9- 

Fig.  17.  »  »  »  Lobi  meso- et  metasternales.   9- 

Fig.  18.  »  »  »  Genitalien,  c^.  Von  oben. 

Fig.  19.  »  »  »  »  cf  ■     "     der  Seite. 

Fig.  20.  >^  »  »  Hinterschenkel  von  außen.   9  • 

Fig.  21.  >  sauciiis  (Burm.).  Kopf  und  Pronotum  von  oben.  9- 

Fig.  22.  »  »  »  Lobi  meso-  et  metasternales.   9  • 

Fig.  23.  »  »  »  Genitalien,  ^f .  Von  oben. 

Fig.  24.  »  »  »  »  cf-      '^     der  Seite. 

Fig.  25.  »  »  »  Hinterschenkel  von  außen.   9  • 

Fig.  26.  »  stylif er  Kr.  Kopf  und  Pronotum  von  oben.   9- 

Fig.  27.  »  »         »     Lobi  meso-  et  metasternales.  9  • 

Fig.  28.  »  »         »     Genitalien.  ^T.  Von  oben. 

Fig.  29.  »  »         »  .  ^.      »    der  Seite. 

Fig.  30.  »  »         »     Hinterschenkel  von  außen.   9  • 


378  H.  Karny,  Orthopterenfauna  des  Sudans. 

Fig.  31.  Cataniops  minimus  n.  sp.  Kopf  und  Pronotum  von  oben.  ^. 

Fig.  32.  »  >  j.  »    Lobi  meso-  et  metasternales.   9 . 

Fig.  33.  »  »  »  j.    Das  ganze  9  von  der  Seite. 

Fig.  34.  >  solitarius  Kars  eh.  Kopf  und  Pronotum  von  oben.   9- 

Fig.  35.  »  »  »  Lobi  meso-  et  metasternales.    9  • 

Fig.  36.  »  »  »  Genitalien.  (^.  Von  oben. 

Fig.  37.  »  »  »  »  rf .     »     der  Seite. 

Fig.  38.  »  »  >  Hinterschenkel  von  außen.   9- 

Fig.  39.  »  Wernerellus  n.  sp.  Kopf  und  Pronotum  von  oben.  9  • 

Fig.  40.  »  »  »     »    Lobi  meso-  et  metasternales.  9  • 

Fig.  41.  »  >  »     >    Genitalien,  <^.  Von  oben. 

Fig.  42.  »  »  »     »  >  (-j^.      »     der  Seite. 

Fig.  43.  >  »  »     >    Hinterschenkel  von  außen.  9  • 

Tafel  III. 

Fig.  44.  Acrotyhis  insubricus  (Scop.)  (aus  Ofen).  Pronotum.  Von  oben. 

Fig.  45.         »         coerulans  n.  sp.  Pronotum.  Von  oben. 

Fig.  46.  »  t^ersiVo/or  Burr.  Pronotum.  Von  oben. 

Fig.  47.  »         patrttelis  (Herr.-S  eh.).  Pronotum.  Von  oben. 

Fig.  48.  Eleutherotheca  concolor  n.  g.  n.  sp.  9  •  Von  oben. 

Fig.  49.  »  elegans  n.  sp.  9  •  Von  oben. 

Fig.  50.  Phlaeoha  tricolor  n.  sp.  9  •  Von  oben. 

Fig.  51.         »         elegans  n.  sp.  9  •     *     oben. 

Fig.  52.         >         Pharaonis  n.  sp.  9  •  Von  oben. 

Fig.  53.  Acrida  acuminata  Stäl.  (^.  Von  der  Seite. 

Fig.  54.       »       maxima  n.  sp.  9  •  Von  oben. 

Fig.  55.       »  >         »    »     (-j^,     »         » 

Alle  Figuren  sind  vom  Autor  nach  den  Originalexemplaren  gezeichnet. 


ISiri^,!!.:  Orthopteren  des  Sadans. 


Ta£I. 


LsV. 


Isan 


Is.an 


.  Isg 


I.ith.Anirt.v.Th.BaimwarlJi.Wieiv. 

Silziingsbericlite  d.kais. Alcad.d.Wiss., inathriiatui-w^Klasse,  Bd.CXV.  AbÜi.1.1907. 


i^'iiy,!!.:  Omiopteren  des  SiLÜans 

12 


TaCH. 


LiÜLAnst.v.TlLBaiirov'urÖi.Wii-.n. 


l    Sitzungsberichte  (Lkais.AkHd.d.Wiss.,mathrnatunv.Klasse,  Bd.CXV.Abtti..I1907. 


ii&a*iiy,H.:  OrthopteTen  des  Saüaus. 


Taüm. 


Lilli.An.sl.vmi.B;uimv;u-IJi,Wen. 


Sitzungsberichte  d.kais.Alca(l.d.Wis.s., laatlimalurw. Klasse,  Bd.CXV..'Vbtii.L1907. 


Die  Sitzungsberichte  der  mathem.-naturw,  Klasse 
erscheinen  vom  Jahre  1888  (Band  XCVII)  an  in  folgenden 
vier  gesonderten  Abteilungen,  welche  auch  einzeln  bezogen 
werden  können: 

Abteilung  I.  Enthält  die  Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der 
Mineralogie,  Kristallographie,  Botanik,  Physio- 
logie der  Pflanzen,  Zoologie,  Paläontologie,  Geo- 
logie, Physischen  Geographie,  Erdbeben  und 
Reisen. 

Abteilung  II  a.  Die  Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der 
Mathematik,  Astronomie,  Physik,  Meteorologie 
und  Mechanik. 

Abteilung  II  b.  Die  Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der 
Chemie. 

Abteilung  III.  Die  Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der 
Anatomie  und  Physiologie  des  Menschen  und  der 
Tiere   sowie   aus  jenem  der  theoretischen  Medizin. 

Von  jenen  in  den  Sitzungsberichten  enthaltenen  Abhand- 
lungen, zu  deren  Titel  im  Inhaltsverzeichnisse  ein  Preis  bei- 
gesetzt ist,  kommen  Separatabdrücke  in  den  Buchhandel  und 
können  durch  die  akademische  Buchhandlung  Alfred  Holder, 
k.  u.  k.  Hof-  und  Universitätsbuchhändler  (Wien,  I.,  Rothenthurm- 
straße  13),  zu  dem  angegebenen  Preise  bezogen  werden. 

Die  dem  Gebiete  der  Chemie  und  verwandter  Teile  anderer 
Wissenschaften  angehörigen  Abhandlungen  werden  auch  in  be- 
sonderen Heften  unter  dem  Titel:  »Monatshefte  für  Chemie 
und  verwandte  Teile  anderer  Wissenschaften«  heraus- 
gegeben.  14  K  —  14  M. 

Der  akademische  Anzeiger,  welcher  nur  Originalauszüge 
oder,  wo  diese  fehlen,  die  Titel  der  vorgelegten  Abhandlungen 
enthält,  wird,  wie  bisher,  acht  Tage  nach  jeder  Sitzung  aus- 
gegeben. 5  K  —  5  M. 


|-5->- 


SITZUNGSBERICHTE 


DER  KAISERLICHEN 


AKADEMIE  DER  WISSENSCHAETEN. 


MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE  KLASSE. 


CXVI.  BAND.  III.  HEFT. 


JAHRGANG  1907.  —  MÄRZ. 


ABTEILUNG  L 

ENTHÄLT   DIE  ABHANDLUNGEN  AUS  DEM  GEBIETE  DER  MINERALOGIE, 

KRISTALLOGRAPHIE,   BOTANIK,   PHYSIOLOGIE  DER  PFLANZEN,   ZOOLOGIE, 

PALÄONTOLOGIE,   GEOLOGIE,  PHYSISCHEN  GEOGRAPHIE  UND  REISEN. 


(MIT  2  KARTENSKIZZEN,  10  TAFELN  UND  23  TEXTFIGUREN.) 


^WIEN,  1907. 

AUS  DER  KAISERLICH-KÖNIGLICHEN  HOF-  UND  STAATSDRUCKEREL 


IN  KOMMISSION  BEI  ALFRED  HOLDER. 

K.  U.  K.  HOF-  UND  UNIVERSITATSBUCHHANDLKR. 
BUCHHÄNDLER  DER  KAISERLICHEN  AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN. 


INHALT 

des  3.  Heftes,  März  1907,  des  CXVI.  Bandes,  Abteilung  I,  der  Sitzung-s- 
beriehte  der  mathem.-naturw.  Klasse. 

.       .  Seite 

Glmkiewicz  A.,  Ergebnisse  der  mit  Subvention  aus  der  Erbschaft  Treitl 
unternommenen  zoologischen  Forschungsreise  Dr.  Franz  Werner's 
nach  dem  ägyptischen  Sudan  und  Nord-Uganda.  X.  Parasiten  von 
Pachyiiromys  duprasi  Lat.  (Mit  2  Tafeln.)  [Preis:  65  h  —  65  pf]  .  381 
Mayr  G.,  Ergebnisse  der  mit  Subvention  aus  der  Erbschaft  Treitl  unter- 
nommenen zoologischen  Forschungsreise  Dr.  F.  Werner's  nach 
dem  ägyptischen  Sudan  und  nach  Nord-Uganda.  XI.  Liste  der  von 
Dr.  Franz  Werner  am   oberen   Nil  gesammelten   Ameisen    nebst 

Beschreibung  einer  neuen  Art.  [Preis:  30  h  —  30  pf] 387 

Schorn  F.,  Über  Schleimzellen  bei  Urticaceen  und  über  Schleimcystolithen 
von    Girardinia  palmata   Gau  dich.    (Mit  2  Tafeln.)   [Preis:  95  h 

-  95  pf]  .    .    .    . 393 

Wagner  R.,  Zur  Morphologie  der  Gattung   Creochiton  B 1.   (Mit  1  Tafel 

und  12  Textfiguren.)  [Preis:  95  h  —  95  pf] 411 

Senft  Em.,  Über  eigentümliche  Gebilde  in  dem  Thallus  der  Flechte  Physma 

dalmaticum  A.  Zahlbr.  (Mit  1  Tafel.)  [Preis:  55  h  —  55  pf]    .    .    ,     429 
Heinricher  E.,    Beiträge    zur   Kenntnis    der    Gattung  Balanophora.  (Mit 

1  Tafel  und  3  Textfiguren.)  [Preis:  1  K  25  h  —  1  M  25  pf]     .    ,    .     439 
Molisch   H.,    Über   die    Sichtbarmachung  der  Bewegung    mikroskopisch 

kleinster  Teilchen  für  das  freie  Auge.  [Preis:  30  h  —  30  pf]    ...    467 
Steindachner  F.,   Über   einige   Fischarten  aus   dem   Flusse   CubataS  im 
Staate  Santa  Catharina  bei  Theresopolis  (Brasilien).  (Mit  2  Tafeln.) 

[Preis :  95  h  —  95  pf] 475 

Apfelbeck  V.,  Koleopterologische  Ergebnisse  der  mit  Subvention  der 
kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften  in  Wien  im  Frühjahr  1905 
ausgeführten    Forschungsreise    nach   Montenegro    und    Albanien. 

[Preis :  50  h  —  50  pf] 493 

—  Neue  Koleopteren,  gesammelt  während  einer  im  Jahre  1905  mit 
Subvention  der  kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften  in  Wien 
durchgeführten  zoologischen  Forschungsreise  nach  Albanien  und 

Montenegro.  (II.  Serie.)  [Preis :  60  h  —  60  pf] 507 

Siebenrock  F.,  Die  Schildkrötenfamilie  Cinosternidae  m.  Monographisch 
bearbeitet.  (Mit  2  Kartenskizzen,  2  Tafeln  und  8  Textfiguren.) 
[Preis :  3  K  —  3  M] 527 


Preis  des  ganzen  Heftes:  7  K  20  h  —  7  M  20  pf. 


SITZUNGSBERICHTE 


DER 


KAISERLICHEN  AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN. 


MATHEMATISCH  -  NATURWISSENSCHAFTLICHE  KLASSE. 


CXVI.  BAND.  III.  HEFT. 


ABTEILUNG  L 

ENTHÄLT  DIE  ABHANDLUNGEN  AUS  DEM  GEBIETE  DER  MINERALOGIE, 

KRISTALLOGRAPHIE,    BOTANIK,  PHYSIOLOGIE  DER  PFLANZEN,  ZOOLOGIE, 

PALÄONTOLOGIE,  GEOLOGIE,  PHYSISCHEN  GEOGRAPHIE  UND  REISEN. 


26 


381 


Ergebnisse  der  mit  Subvention  aus  der  Erb- 
sehaft Treitl  unternommenen  zoologischen 
Forschungsreise    Dr.   Franz  Werner's   nach 
dem  ägyptischen  Sudan  und  Nord-Uganda. 

X. 

Parasiten  von  Pachyuromys  duprasi  Lat. 

von 
Anna  Glinkiewiez. 

(Mit  2  Tafeln.) 
(Vorgelegt   in   der   Sitzung   am   7.  Februar  1907.) 

Auf  einer  von  Herrn  Privatdozenten  Dr.  Franz  Werner 
aus  Ägypten  mitgebrachten  Dickschwanzmaus  {Pachyuromys 
duprasi  Lataste  var.  natronensis  De  Winton),  einem  in 
europäischen  Sammlungen  übrigens  nur  in  wenigen  Exemplaren 
vorhandenen  Wüstentier,  fand  ich  folgende  Parasiten: 

1.  Myohia  musaili  (Schrank),  eine  Milbe. 

2.  Eremophthirhis  Werneri  n.  gen.,  n.  sp.,  zu  den  Siphnn- 
culata  zählend. 

3.  Xenopsylla  pachyuroinyidis  n.  gen.,  n.  sp.,  zu  den 
Siphotiaptera  gehörig  und  eine  neue  Familie  re- 
präsentierend. 

1.  Eremophthirius  Werneri  n.  gen.,  n.  sp.  Die  Gattung 
Eremophthirius  steht  nach  der  Bestimmungstabelle  von 
Dr.   Günther    Enderlein,^    dessen    Abhandlung    ich    bei    der 


3  Dr.  Günther  Enderlein,  1.  Läusestudien,  Über  die  Morpiiologie, 
Klassifiivation  und  systematische  Stellung  der  Anopluren  nebst  Bemerkungen 
zur  Systematik  der  Insektenordnungen.  Zool.  Anz.,  Leipzig  1905,  IlL  vol., 
p.  121  bis  147. 

26* 


382  A.  G  U  n  k  i  e  vv  i  c  z , 

Bearbeitung  benützte,  am  nächsten  der  von  dem  genannten 
Autor  aufgestellten  Gattung  Polyplax,  gehört  somit  zu  der 
Unterordnung  der  Anopluren,  der  Familie  der  Haematopinidae 
und  der  Subfamilie  der  Trichauliiiae.  Sie  stimmt  mit  dem 
genannten  Genus  auch  in  Bezug  auf  den  Wirt  insofern  über- 
ein, als  derselbe  ebenfalls  den  Nagetieren  angehört. 

Ich  lasse  nun  eine  Beschreibung  der  charakteristischen 
Gattungs-  und  Artmerkmale  von  Eremophthirms  Werneri 
folgen: 

Kopf  nach  hinten  zu  breiter  werdend,  etwa  trapezförmig, 
ohne  Augen,  Antennen  weit  vorstehend,  fünfgliedrig,  das  erste 
Glied  sehr  groß. 

Thorax  deutlich  schmäler  als  der  Hinterleib,  Abdomen 
sehr  langgestreckt,  mit  konvexen  Seitenrändern,  zweites 
bis  achtes  Sternit  und  Tergit  in  zwei  hintereinanderliegende 
Platten  geteilt,  von  denen  jede  mit  einer  Reihe  von  langen, 
kräftigen  Haaren  besetzt  ist. 

Pleuralplatten  vorhanden,  nach  hinten  und  außen  ver- 
breitert, wodurch  der  Hinterleib  an  den  Seitenrändern  säge- 
zähnig  erscheint.  Sowohl  Tergite  wie  auch  Sternite  und 
Pleuren  schwach  chitinisiert. 

Stigmen  groß.  Pleuren  bis  zum  dritten  Segment  mit  einem 
Dorn  und  einer  kräftigen  Borste,  die  übrigen  aber  teils  mit 
Borsten,  teils  mit  langen  Haaren  am.  Hinterrande  versehen.  Am 
Telson  befindet  sich  jederseits  eine  Gruppe  von  Stacheln.  Der 
am  meisten  median  gelegene  Stachel  sitzt  einem  nach  hinten 
gerichteten  keilförmigen  Chitinvorsprung  auf. 

Vorderbeine  (Taf.  I,  Fig.  2)  kleiner  als  die  übrigen,  mit 
schwacher  Kralle,  das  zweite  Beinpaar  (Taf.  I,  Fig.  3)  ist  viel 
stärker  entwickelt;  die  Kralle  ist  kräftig  und  weist  an  der 
Schneide  eine  deutliche  Riefung  auf,  wodurch  diese  säge- 
zähnig  erscheint.  Auf  dem  Tarsalglied  findet  sich  eine  ebenfalls 
geriefte,  längliche  Platte,  deren  eines  Ende  oval  abgerundet, 
das  andere  aber  in  eine  Spitze  ausgezogen  ist. 

Das  dritte  Beinpaar  (Taf.  I,  Fig.  4  und  5)  ist  noch  mächtiger 
als  die  beiden  vorigen  entwickelt. 

Die  gerieften  Platten  finden  sich  hier  in  doppelter  Anzahl, 
und    zwar    sind   sie   parallel   zueinander  gelagert.   Die    Kralle 


Parasiten  von  Pachyiironiys  diiprasi.  383 

dieses  Beinpaares  ist  besonders  stark  und  stumpf.  Die  Krallen 
aller  Gliedmaßen  sind  einschlagbar  (Taf.  I,  Fig.  5). 

Ein  daumenartiger  Fortsatz  der  Tibia  ist  an  allen  drei 
Beinpaaren  scharf  und  deutlich  entwickelt.  Alle  Glieder  sind 
mit  vereinzelten  kurzen  kräftigen  Borsten  oder  Stacheln  ver- 
sehen, die  des  letzten  Beinpaares  jedoch  am  spärlichsten. 

Färbung:  rötlichbraun. 

Länge :  1  •  2  mm. 

Vorkommen:  an  Pachytiroinys  duprasi  Lat.  (Natrontal, 
Unterägypten). 

Familie  der  Xenopsyllidae. 

Während  Taschenberg*  die  Ordnung  der  Flöhe  nur  in 
zwei  Familien,  nämlich  Sarcopsyllidae  und  Pulicidae,  zerfallen 
läßt,  teilt  sie  Baker^  in  fünf  Familien:  1.  Sarcopsyllidae, 
2.  Hektopsyllidae,  3.  Vermipsyllidae,  4.  Megapsyllidae  und 
5.  Pulicidae.  Doch  lassen,  was  aus  Baker's  Bestimmungs- 
tabelle hervorgeht,  einerseits  die  Familien  der  Sarcopsyllidae 
(Taschenberg)  und  Hektopsyllidae  (Frauenfeld),  andrer- 
seits die  Familien  der  Vermipsyllidae  (Wagner),  Mega- 
psyllidae (Baker)  und  Pulicidae  (Stephens)  eine  näh ere 
Verwandtschaft  untereinander  erkennen. 

Die  von  mir  gefundenen  Flöhe  zeigen  Charaktere,  welche 
teils  den  Sarcopsylliden  Taschenberg's  (r=  Sarcopsyllidae  -f- 
Hektopsyllidae  Baker's),  teils  den  Puliciden  Taschenberg's 
(r=  Vermipsyllidae,  Megapsyllidae  und  Pulicidae  Baker's) 
zukommen,  können  aber  in  keine  dieser  Familien  eingeordnet 
werden;  somit  ist  für  diese  Form  eine  neue  Familie  zu 
errichten,  die  ein  Bindeglied  zwischen  den  beiden  Familien 
Taschenberg's  darstellt. 

Kennzeichen  der  Familie. 

Der  Kopf  (Taf.  II,  Fig.  1)  rund,  im  Verhältnis  zum  Körper 
klein,    Thorakalsegmente    nicht    stark    verkürzt,    Labialtaster 


1  O.  Taschenberg,  Die  Flöhe.  Halle  1880 

2  >A  Revision  of  American  Siphonaptera,  or  Fleas,  together  with  a 
complete  List  and  Bibliography  of  the  Group«,  By  Ch.  F.  Baker.  Proceed.  of 
Ihe  Unit.  St.  Nat.  Museum.  Vol.  XXVII,  p.  365  bis  469. 


384  A.   G 1  i  n  k  i  e  \v  i  c  z , 

ohne  Pseudoglieder,  das  dritte  Glied  der  Antenne  ohne  deutlich 
getrennte  Pseudoglieder. 

In  einem  Teil  dieser  Merkmale  stimmen  die  Xenopsyllidae 
mit  den  Sarcopsylli da e  und  Hektopsyllidae  Bake v's  überein. 
Ganz  besonders  zeigt  die  Antenne  (Taf.  II,  Fig.  4)  bei  allen 
diesen  Formen  einen  ähnlichen  Bau.  Leider  läßt  sich  aus 
Taschenberg's  Abbildungen  der  Sarcopsylliden-.A.ntenne^ 
nicht  erkennen,  inwieweit  diese  mit  der  Antenne  von  Xeiiopsylla 
übereinstimmt,  doch  ergibt  sich  bei  Betrachtung  der  letzteren 
mit  schwächerer  Vergrößerung  ein  Bild,  das  den  von  Tas  chen- 
berg  gegebenen  sehr  ähnlich  ist. 

Ich  lasse  nun  eine  Beschreibung  der  Antenne  von  Xeiio- 
psylla folgen : 

Das  erste  Glied  hat  dorsalwärts  einen  zapfenartigen  Fort- 
satz, ist  am  distalen  Ende  viel  breiter  und  mit  einem  Kranz 
von  langen,  abstehenden  Borsten  versehen. 

Das  zweite  Glied  ist  kurz,  breit  und  besitzt  einen  eben- 
solchen Borstenkranz  wie  das  erste.  Es  ist  mit  dem  dritten 
durch  ein  Gebilde,  ähnlich  einem  Kugelgelenk,  verbunden,  in 
welches  der  dünne  Stiel  des  dritten  Antennengliedes  hineinpaßt. 

Während  nun  das  dritte  Antennenglied  bei  allen  Puliciden 
mehr  oder  minder  deutlich  getrennte  Pseudoglieder  aufweist, 
ist  hievon  hier  nichts  zu  bemerken.  Vielmehr  besitzt  das 
genannte  Glied  an  der  Dorsalseite  eine  Reihe  von  Anhängen. 
Der  erste  derselben,  vom  proximalen  Ende  an  gezählt,  erscheint 
in  der  Seitenansicht  knospenfürmig  an  einem  sich  verjüngenden 
Stiel   aufgesetzt,   der  zweite   walzenförmig,   ebenfalls   gestielt. 

Erst  bei  näherer  Untersuchung  und  sorgfältiger  Präparation 
zeigt  sich,  daß  beide  Anhänge  aus  mehreren  (soviel  sich  fest- 
stellen läßt,  aus  drei)  Teilen  zusammengesetzt  sind,  von  denen 
jeder  wieder  mehr  oder  minder  walzenförmige  Gestalt  hat.  Auf 
diese  folgen  nun  gegen  das  distale  Ende  zu  ungefähr  acht  an 
der  Basis  breitere,  aber  fingerförmig  endende  Gebilde,  welche 
ebenso  wie  die  übrigen  Anhänge  stark  chitinisiert   erscheinen. 

Die  Borsten  auf  dem  dritten  Glied  sind  nur  ganz  kurz  und 
spärlich. 


1   Taschenberg,  Die  Flöhe,  Taf.  I,  Fig.  \a,  öa  und  Qa. 


Parasiten  von  Pachyuromys  duprusi.  38o 

Die  gesamte  Oberfläche  der  Antenne  ist  fein  netzförmig 
gerieft. 

Taschenberg  bezeichnet  die  genannten  Anhänge  der 
Antenne  als  Sinnesapparate.  Er  sagt  (p.  45):  »Die  Fühler  sind 
dreigliedrig,  wie  überall  bei  den  Flöhen.  Das  erste  Glied  ist 
kelchförmig,  das  zweite  wenig  davon  abgesetzt,  etwa  napf- 
förmig,  mit  einer  Anzahl  Borsten  am  freien  Rande  und  der 
charakteristischen  Gelenkung  für  das  dritte  Glied,  das  eiförmig 
erscheint  und  an  der  Basis  stielförmig  verdünnt  ist.  Dieses 
Endglied  zeigt  keine  wirklichen  Einschnitte,  wohl  aber  die  An- 
deutung einer  ursprünglichen  Zusammensetzung  aus  mehreren 
homonomen  Abschnitten  in  der  sechsfachen  Wiederholung  des 
für  dieses  Organ  charakteristischen  Sinnesapparates.« 

Dieser  Beschreibung  zufolge  ist  die  Ähnlichkeit  zwischen 
der  Sarcopsylliden-  und  der  Xenopsylliden-Antenne  unver- 
kennbar, nur  mögen  Taschenberg  die  Details  der  Anhänge 
wegen  der  Unvollkommenheiten  der  technischen  Hilfsmittel 
entgangen  sein. 

Gattungsmerkmale  von  Xenopsylla  n.  gen. 

Kopf  ohne  Ctenidien,  Maxillen  lang  dreieckig  und  am 
Ende  spitz,  Maxillartaster  länger  als  die  Coxa  der  Vorderbeine, 
Labialtaster  ohne  Pseudoglieder,  Augen  groß  und  wohl- 
entwickelt. Thorakalsegmente  ebenso  wie  das  Abdomen  ohne 
Ctenidien.  Stacheln  am  Hinterrand  aller  Tibien  (Taf.  II,  Fig.  2 
und  3)  paarig.  Vordere  Coxen  mit  mehreren  in  Reihen 
stehenden  Stacheln,  das  fünfte  Tarsalglied  nie  so  lang  als  die 
vier  vorhergehenden  zusammen.  Auf  der  Unterseite  des  fünften 
Tarsalgliedes  aller  Beinpaare  befinden  sich  an  den  beiden 
Seitenrändern  je  eine  Reihe  von  vier  Stacheln. 

Krallen  fast  so  lang  wie  das  letzte  Tarsalglied. 

Die  Coxalepiphyse  des  dritten  Beinpaares  bildet  mit  der 
Coxa  eine  deutliche  Einkerbung. 

Das  Männchen  besitzt  eine  lange,  kräftige  Borste  vor  dem 
Pygidium. 

Merkmale  der  Art  Xenopsylla  pachyuromyidis  n.  sp. 

Die  Farbe  ist  bei  beiden  Geschlechtern  gleich,  ziemlich 
dunkel   eelbbraun.   Das  Männchen   ist   etwas   kleiner   als   das 


386  A.  Glinkiewicz,  Parasiten  von  Pachyuromys  duprasi. 

Weibchen,  besitzt  längere  und  kräftigere  Borsten  und  einen 
schwach  konkaven  Rücken,  während  das  Weibchen  einen 
mehr  oder  minder  konvexen  Rücken  hat. 

Das  Weibchen  lebt  niemals  als  stationärer  Parasit  und  es 
ist  der  Hinterleib  selbst  im  trächtigen  Zustand  nicht  über- 
mäßig angeschwollen. 

Färbung:  gelbbraun. 

Länge  des  Männchens  zirka  2-4  mm,  des  Weibchens 
2  •  8  -mm. 

Breite  des  Männchens  zirka  1  mm,  des  Weibchens  1  •  2  mm. 

Vorkomm.en:  an  Pachytiromys  duprasi  Lat.  (Natrontal, 
Unterägypten). 


Tafel  erklärung. 


Tafel  I. 

Fig.  1.  Eremophthirius  Werneri  n.  gen.,  n.  sp.  (Ventralseite). 

Fig.  2.  Vorderbein. 

Fig.  3.  Mittelbein. 

Fig.  4.  Hinterbein. 

Fig.  5.  Hinterbein  mit  eingeschlagener  Kralle. 

Tafel  II. 

Fig.  1.  Xenopsylla  pachyurontyidis  ^ ,  n.  gen.,  n.  sp. 
Fig.  2.  Mittelbein. 
Fig.  3.  Hinterbein. 
Fig.  4.  Antenne. 


Gctiiikiewjcz ,  A.  rParasitenTon  Pachynromys  äuprasi . 


Tafl. 


Iiith.An.st,v.Th.BannwartJi'iVie;i. 

Sitzimösberichte  d.kais.Aka(i.d.Wüss.,matIirnatiunv.KIiisse,  Bd.CXVI.AMi.l  1907. 


Gclinkiewicz ,  A.  rParasiten  töii  PactRrai'omys  änpra si . 

i. 


Taf.ll 


InÜL  Aast.v.Th.Bannwarth,Wieii . 


SitzunasbericKte  d.kaLs.Akad.d.Wiss.,inatIi.-natiunv.Klasse,  Bd.CX\l.  AbÜi.l  1907, 


387 


Ergebnisse  der  mit  Subvention  aus  der  Erb- 
sehaft Treitl  unternommenen  zoologischen 
Forschungsreise  Dr.  F.  Werner 's  nach  dem 
ägyptischen  Sudan  und  nach  Nord-Uganda. 

XI. 

Liste  der  von  Dr .  Franz  Werner  am  oberen  Nil  gesammelten  Ameisen 
nebst  Beschreibung  einer  neuen  Art 

von 
Dr.  Gustav  Mayr. 

(Vorgelegt  in   der  Sitzung   am   7.  Februar  1907.) 

Doryhis  fiüuus  Westw.  Khartoum  am  20.  April  1905, 
Alexandrien,  19.  August  1904. 

Dorylus  afßnis  Shuck.,  Khor  Attar  südlich  von  Faschoda, 
Gondokoro.  (18.  III.) 

Doryhis  brevipennis  Emery.  Mongalla  gegenüber  Lado. 

Aenicüis fiiscovarius  Gerst.  var.  MagrettWEm.  Khartoum. 

Megaponera  foetens  Fabr.  Gondokoro. 

Enponera  (Brachyponera)  seiinaaretisis  Mayr.  Gondokoro. 

Leptogettys  spec?  cf.  Khor  Attar. 

Platythyrea  cribrinodis  Gerst.  Gondokoro. 

Odontomachus  haematodes  L.  Khor  Attar. 

Atopoiuyrniex  Mocqiierysi  Andre.  An  Bäumen  bei  Khor 
Attar.  (11.  II.) 

Monomorium  Pkaraonis  Linne.  Gondokoro. 

Stenamma  (Messor)  barbariint  Linne.  Mokattamgebirge 
bei  Kairo,  19.  Januar  1905. 

Cremastogaster  gambieiisis  Andre.  Mit  Kittneststücken; 
aus  einem  Astloche  einer  Akazie  y,  9  und  cT  in  Mongalla 
31.  III.  hervorkommend,  auch  bei  Gondokoro. 


388  G.  Mayr, 

Cremastogaster  Sewellei  For.  var.  Marnoi  Mayr.  Mongalla. 

Cremastogaster  Chiarinii  Emery.  An  Mimosen  ^  und  cT 
unter  den  von  Termiten  gefertigten  Erdkrusten  bei  Khor  Attar, 
(10.  II.)  auch  bei  Taufikia  nächst  Faschoda.  (9.  II.) 

Cremastogaster  Werneri  n.  sp.  Arbeiter.  Länge:  3' 3  bis 
4  mm.  Rot,  die  Fühler  und  besonders  die  Beine  rotbraun,  der 
Bauch  braunschwarz  oder  teilweise  mehr  dunkelbraun.  Mäßig 
glänzend,  die  mehrzähnigen  Mandibeln  zerstreut  grob  punktiert, 
an  der  Basalhälfte  glatt,  an  der  Endhälfte  grob  längsgestreift. 
Der  Kopf  ist  fast  glatt,  undeutlich  äußerst  fein  und  seicht  leder- 
artig gerunzelt,  sowie  mit  sehr  zerstreuten,  ziemlich  feinen, 
härchentragenden  Pünktchen,  die  Wangen  fein  und  dicht  längs- 
gestreift, der  Clypeus  an  beiden  Seiten  mit  feinen  Längsstreifen, 
ebenso  die  Stirn  zunächst  den  Stirnleisten,  Pronotum  und 
Mesonotum  mit  Längsrunzeln  und  zwischen  diesen  fein  genetzt, 
die  Basalfläche  des  Medialsegmentes  mit  einer  ebensolchen, 
aber  gröberen  Skulptur,  die  abschüssige  Fläche  fast  glatt,  die 
Thoraxseiten  hinter  den  fein  lederartig  gerunzelten  Pronotum- 
seiten  dicht  und  scharf  genetzt-punktiert,  die  zwei  Stielchen- 
glicder  fast  glatt,  stellenweise  fein  genetzt-punktiert,  der  Bauch 
ist  zart  lederartig  gerunzelt  und  sehr  zerstreut  mit  härchen- 
tragenden Pünktchen  besetzt,  die  stark  glänzenden  Beine  mit 
härchentragenden  Punkten  ohne  abstehende  Pilosität.  Petiolus 
und  Bauch  mit  wenigen  abstehenden  Haaren,  die  kurze  an- 
liegende Pubeszenz  ist  spärlich,  am  Bauche  reichlicher,  noch 
reicher  an  den  Fühlern  und  Beinen. 

Der  Kopf  ist  gerundet  quadratisch,  in  der  Umgebung  des 
Hinterhauptloches  ziemlich  stark  bogig  ausgerandet.  Der 
Clypeus  ist  mäßig  gewölbt;  die  Stirnleisten  mäßig  entwickelt. 
An  den  elfgliedrigen  P^ühlern  sind  die  fünf  ersten  Fadenglieder 
dicker  als  lang,  das  sechste  kaum  kürzer  als  dick,  das  erste 
Glied  der  dreigliedrigen  Keule  ist  deutlich  länger  als  dick  und 
hält  in  der  Dicke  die  Mitte  zwischen  dem  sechsten  Faden-  und 
dem  zweiten  Keulengliede.  Die  Augen  liegen  in  der  Mitte  der 
Kopfseiten.  Die  hintere  Hälfte  des  Pronotum  ist  ziemlich  flach, 
die  Pro-Mesonotalnaht  nicht  scharf  ausgeprägt;  das  Mesonotum 
ist  verkehrt-trapezförmig,  beiderseits  in  der  Längsrichtung 
gerundet-kantig,  die  Mesonotumscheibe  ist  an  der  \'orderhälf[e 


Ameisen  vom  oberen  Nil.  389 

quer  sehr  schwach  gewölbt,  hinter  der  Mitte  nicht  stark  quer 
konkav  eingedrückt  und  nach  hinten  und  unten  schief  zur 
mäßig  eingesenkten  Quernaht  abfallend;  die  Basalfläche  des 
Medialsegmentes  ist  in  der  Längsrichtung  nicht  stark  gewölbt 
und  kürzer  als  die  abschüssige  Fläche,  die  zwei  Dornen  sind 
gerade,  nicht  stark  divergierend,  nach  hinten  und  oben  gerichtet, 
etwa  so  lang  wie  die  Breite  der  Basalfläche  des  Medial- 
segmentes. Das  erste  Petiolussegment  ist  verkehrt-trapezförmig, 
deutlich  breiter  als  lang,  mit  abgerundeten  Vorderecken,  die 
größte  Breite  liegt  am  vorderen  Drittel  des  Segmentes,  also 
nicht  in  der  Mitte  desselben;  das  zweite  Segment  ist  breiter 
wie  lang,  mit  tiefer  Längsfurche  und  gut  ausgeprägten  halb- 
kugeligen Teilen. 

Gondokoro. 

Diese  Art  gehört  in  die  Gruppe  Nr.  8  der  Übersicht  der 
afrikanischen  Arten  (Arbeiter)  in  meiner  Abhandlung:  Afri- 
kanische Formiciden  (Ann.  k.  k.  naturhist.  Hofmus.  1895, 
p.  136)  und  zwar  zu  9ü. 

9.  Pronotum  und  Mesonotum  poliert  und  glänzend;  Thorax, 
Petiolus  und  Beine  gelb  oder  gelbbraun.  C.  Kelleri  For.,  gihba 
Em.,  madagascarensis  Andre,  adrepeus  For. 

9  a.  Pronotum  und  Mesonotum  oder  nur  ersteres  mit 
deutlicher  Skulptur.  Das  zweite  Stielchenglied  oben  auch  vorne 
mit  einer  scharf  eingeschnittenen,  tiefen  Längsfurche. 

C.  Meneliki  For.,  Degeeri  For.,  tricolor  G erst,  {castanea 
Svc\\i\\),  ferniginea  For.,  impressa  Em.,  excisa  Mayr,  Werner i 
n.   sp. 

Äcantholepis  capensis  Mayr  var.  canescens  Emery.  An 
Bäumen  bei  Renk  (7.  IV.),  zwischen  Khartoum  und  Faschoda  am 
Weißen  Nile,  auch  bei  Gondokoro. 

Myrniecocystus  hicolor  Fabr.  (viaiicns  Fabr.  var.  deser- 
torum).  An  einem  Palmenstrunke  bei  Edeloud  in  der  Kordofan- 
wüste  (14.  IV.),  bei  Assuan,  Gizeh  bei  Kairo  und  bei  Alexandrien. 

Camponotiis  inaciiJattis  Fabr.  in  specie.  Kairo,  Barrage 
bei  Kalioub  in  Unterägypten,  bei  Assuan,  Khor  Attar  und 
Gondokoro. 

Camponotiis  galla  For.  In  Erdlöchern  bei  Renk.  (6.  II.) 

Camponotiis  sericeus  Fabr.  Gondokoro. 


390  G.  Mayr, 

Die  oben  verzeichneten,  von  Dr.  Werner  gesammelten 
Ameisenarten  gehören  meistens  nur  dem  tropischen  Afrika  an. 

Doryhis  fiilvus  Westw.  im  engeren  Sinne  ist  aus  dem 
nördlichsten  und  dem  tropischen  Afrika  sowie  aus  Syrien 
bekannt. 

Aenicüis  ftiscovariiis  Gerst.  var.  Magrettii  Em.  ist  bisher 
nur  im  Sudan  und  auf  der  Insel  Goree  in  Senegambien  (von 
Dr.  Hans  Brauns)  gesammelt  worden. 

Odontomachiis  haematodes  L.  ist  ein  Bewohner  aller 
Tropen. 

Monomorium  Pharaonis  L.  ist  in  den  heißen  und  warmen 
Ländern  der  Erde  häufig  zu  finden. 

Stenamnia  (Messor)  barbaruni  L.  hat  mit  seinen  noch 
nicht  hinlänglich  charakterisierten  Subspezies  und  Varietäten 
eine  große  Verbreitung  im  warmen  Asien,  im  südlichen  Europa 
und  in  Afrika. 

Cremastogaster  Chiarinn  Em.  Außer  dem  Sudan  im 
Somalilande.  Herr  Dr.  Wilhelm  Hein  sammelte  diese  Art  in 
Südarabien. 

Acantholepis  capensis  Mayr  var.  canescens  Emerj^  Von 
Bogos  bis  zum  Somalilande  und  Sudan,  also  im  nordöstlichsten 
Teile  des  tropischen  Afrika. 

Myrniecocystns  hicolor  Fabr.  (desertorum  For.)  findet 
sich  von  Ungarn  bis  Zentralasien,  auf  der  Balkanhalbinsel  und 
in  Nordafrika,  so  daß  das  Vorkommen  in  der  Kordofanwüste 
der  südlichste  Standort  dieser  Art  sein  dürfte. 

Camponotus  mactilatus  Fabr.  in  specie  findet  sich  vom 
Niltale  bis  zum  Roten  Meere  sowie  auch  im  südwestlichen 
Arabien. 

Camponotus  galla  F'or.  In  Sudan,  Südabessynien  und  im 
Somalilande. 

Cantpotiottis  sericetis  L.  Im  tropischen  Afrika  und  in  Asien. 


Über  die  Lebensweise  und  das  Vorkommen  der  suda- 
nesischen Formiciden  berichtet  Dr.  Werner  folgendes: 

Unter  den  von  ihm  im  Sudan  und  in  Ägypten  gesammelten 
Ameisen  ist  nur  ein  Teil  der  Arten  mit  jenen  der  Jägerskiöld- 


Ameisen  vom  oberen  Nil.  39 1 

sehen  Expedition  (Results  of  the  Swedish  Zoological  Expedition 
to  Egypt  and  the  White  Nile  1901  under  the  Direction  of 
L.  A.  Jägerski öld;  No.  9  [1904]  Formiciden  aus  Ägypten  und 
dem  Sudan,  determiniert  und  beschrieben  von  Dr.  Gustav  May r) 
identisch;  von  den  zusammen  37  Arten,  welche  auf  den  Reisen 
von  Jägers kiöld  und  Werner  gesammelt  wurden,  sind  nur 
zehn  beide  Male  gefunden  worden.  Es  dürfte  sich  diese  Ver- 
schiedenheit dadurch  erklären,  daß  Dr.  Werner  vorwiegend 
am  oberen  Weißen  Nil  und  am  Bahr-el-Gebel,  also  weit  si^idlicher 
als  die  schwedische  Expedition  sammelte. 

Da  das  von  Dr.  Werner  zusammengebrachte  Material 
nicht  groß  ist,  was  wohl  teilweise  auf  die  Trockenzeit  zurück- 
zuführen sein  mag  (die  Ameisen  führen  während  der  Winter- 
monate vielfach  eine  nächtliche  Lebensweise  und  sind  bei 
Tage  wenig  sichtbar),  andererseits  die  Fauna  des  besuchten 
Gebietes  noch  wenig  erforscht  ist,  so  ist  es  schwer  zu  sagen, 
ob  es  gelungen  ist,  einen  großen  Prozentsatz  der  im  Sammel- 
gebiete vertretenen  Arten  aufzufinden,  oder  ob  ihm  bei  der 
relativ  geringen  Zeit  und  seltenen  Gelegenheit,  Ameisen  zu 
sammeln,  viele  Arten  entgangen  sind.  Jedenfalls  wurde  aus 
Bauen  aus  verschiedenem  Material  und  von  verschiedenen 
Örtlichkeiten  herrührend  an  allen  besuchten  Punkten  der  Reise 
Material  eingesammelt. 

Als  Schädlinge  kommen  Ameisen  weit  weniger  in  Betracht 
als  die  Termiten,  in  deren  verlassenen  Erdröhren  manche 
Arten  {Cremastogaster  Chiarinü  und  Ca niponotus  gallo)  ganz 
regelmäßig  gefunden  werden.  Nur  Cainponottis  maculattis 
wurde  in  Gondokoro  in  Dr.  Werne  r's  Wohnhaus  häufig  ange- 
tioffen  und  wanderte  in  Scharen  an  den  Lehmmauern  herum, 
während  sie  bei  Tage  in  den  Ritzen  und  vSpalten  des  Fußbodens 
und  der  Wände  verborgen  waren.  Lästig  werden  eigentlich 
nur  drei  Arten:  vor  allem  Monomorium  pharaonis,  namentlich 
auf  den  Dampfern  in  großer  Menge  vorkommend  und  sogar  in 
den  Kabinen  über  alles  Genießbare  herfallend;  sogar  lebende 
und  verhältnismäßig  große  Tiere,  wie  Mantiden  werden  von 
ihnen  überwältigt  und  aufgefressen.  Auch  in  Ägypten  in 
Wohnungen,  in  Assuan  sogar  in  dem  im  ersten  Stock- 
werk   gelegenen    Hotelzimmer,    wo    die    auf   einem    Schrank 


392'  G.  Mayr,  Ameisen  vom  oberen  Nil. 

zum  Trocknen  ausgelegten  Orthopteren  in  kaum  einer  Stunde 
ungeheure  Mengen  dieser  kleinen  Ameise  herbeilockten,  welche 
nur  mit  vieler  Mühe  wieder  vertrieben  werden  konnten. 

Dorylus  affittis  und  hrevipennis  lebt  namentlich  im  Schilf- 
und  Papyrusdickicht  des  oberen  Nils;  dringt  man  in  dasselbe 
ein,  so  lassen  sich  die  Tiere  in  Menge  herabfallen  und  verbeißen 
sich  mit  solcher  Wut  in  die  Haut,  daß  beim  Ablesen  der  Tiere 
häufig  der  Kopf  mit  den  Mandibeln  hängen  bleibt;  der  Biß  ruft 
ein  heftiges  Jucken  hervor,  welches,  wenn  man  von  zahlreichen 
Exemplaren  überfallen  wird,  fast  unerträglich  werden  kann. 

Die  meisten  im  Freien  vorgefundenen  Ameisen  wurden  in 
Astlöchern  und  unter  der  Rinde  von  Bäumen,  die  Cremastogasier- 
Arten  unter  alten  Palmenstrünken  und  Papyruswurzelstöcken 
angetroffen;  ganz  niedrige  Hügel  aus  Nilschlamm,  von  Campo- 
notus  galla  gebaut,  fanden  sich  am  Nilufer  bei  Renk.  Während 
Termitenansiedlungen  am  oberen  Nil  kaum  jemals  mehr  als 
100  m  vom  Ufer  des  Nils  oder  eines  Regenstromes  (Khor) 
angetroffen  werden,^  sind  namentlich  Baumameisen  auch  in 
absolut  wasserlosen  Distrikten  in  Menge  zu  finden.  Größere 
Ameisenzüge  wurden  nur  in  Gondokoro  beobachtet;  es  war 
Megaponerafoetens,  deren  Wanderung  unterhalb  Dr.  Werner's 
Wohnhaus  (welches  auf  einer  Anzahl  halbkreisförmiger,  ge- 
mauerter Wölbungen  ruhte)  vor  sich  ging. 


1  Trocken  gehaltene  Termiten  gehen  in  wenigen  Tagen  zu  Grunde. 


393 


Ober  Sehleimzellen  bei  Urticaeeen  und  über 
Sehleimeystolithen   von    Girardinia    palmata 

Gaudieh. 


Ferdinand  Schorn, 

k.  k.  Rcalschiillchrer. 

Aus  dem  pnanzenph3'siologischen  Institute  der  k.  k.  Deutschen  Universität  in 
Prag,  Nr.  95  der  II.  Folge. 

(Mit  2  Tafeln.) 

(Vorgelegt  in  der  Sitzung  am   7.  Februar  1907.) 

I.  Pellionia  Daveauana  N.  E.  Br. 

Bisher^  hat  man  unter  den  Urticaeeen^  nur  zwei  Arten 
aufgefunden,  die  schleimführende  Elemente  besitzen:  Boehnteria 
platypyhlla  Don.  et  Ham.  und  Pipturns  argetiteus  Hort.^ 

Herr  Professor  Dr.  H.  Molisch  machte  mich  auf  das  Vor- 
kommen von  Schleimzellen  bei  Pellionia  aufmerksam  und  regte 
mich  an,  diese  genauer  in  ihrem  Vorkommen  und  ihrer  Ent- 
wicklung zu  verfolgen  und  gleichzeitig  die  anderen  Urticaeeen 
daraufhin  zu  untersuchen.  Ich  fand,  daß  sich  PelUoiiia  dadurch 
wesentlich  von  den  beiden  oben  genannten  Urticaeeen  unter- 


1  Vgl.  H.  Solerede r,  Systematische  Anatomie  der  Dicotyledonen, 
Stuttgart  1899,  Verl.  v.  Ferd.  Enke,  p.  872. 

2  Im  Sinne  A.  Engler's. 

SA.  Engler  und  K.  Prantl,  Die  natürlichen  Pflanzenfamilien,  Leipzig 
1888,  Verl.  v.  Wilh.  Engelmann,  III.  T.,  1.  Abt.,  p.  101.  J.  Möller  erwähnt  in 
seiner  Anatomie  der  Baumrinden  (Berlin  1882,  Verl.  Jul.  Springer),  p.  85,  daß 
Boehmeria polystachia  Wedd.  in  der  primären  Rinde  zerstreut  erweiterte  Räume 
mit  zähflüssigem  wasserklaren  Sekret  besitzt,  ohne  sich  genauer  über  die  Natur 
desselben  auszusprechen, 


394  F.  Schorn, 

scheidet,  daß  jene  Schleimgänge,  Pellioiiia  aber  Schleimzellen 
besitzt. 

Obgleich  hier  die  Schleimzellen  in  großer  Menge  vor- 
kommen und  im  fixierten  Material  leicht  wahrzunehmen  sind, 
so  konnte  ich  in  der  Literatur  doch  nur  gelegentlich  kurze 
Bemerkungen  über  das  Vorkommen  von  Schleim  bei  Pellionia 
finden.  So  erwähnt  Dodel^  in  seiner  Arbeit  über  die  Morpho- 
logie und  Entwicklungsgeschichte  der  Stärkekörner  bei  Pel- 
lionia,  daß  in  Schnitten  durch  frisches  Material  die  Stärke- 
körner und  die  an  ihnen  haftenden  Chloroplasten  von  einem 
zähen,  fadenziehenden  Schleim  umflossen  würden,  der  die 
Chloroplasten  längere  Zeit  hindurch  vor  der  Degeneration 
schützen  soll,  eine  Ansicht,  der  A.  Meyer^  in  seinen  Unter- 
suchungen über  Stärkekörner  entgegentritt. 

Da  nun  Schleim z eilen  bei  Urticaceen  bisher  nicht  be- 
kannt sind,  so  erscheint  eine  Beschreibung  derselben  und  ihrer 
Entwicklung  nicht  unwichtig. 

Ich  will  schon  hier  bemerken,  daß  die  zu  beschreibenden 
Schleimzellen  in  ihrem  Bau  ähnliche  Verhältnisse  aufweisen 
wie  die  von  A.  Nestle  r^  in  den  Blättern  der  Malvaceen,  von 
Kraemer'^  bei  den  Violaceen  und  von  L.  Radlkofer^  bei 
Serjania  gefundenen  und  beschriebenen  und  weise  auf  die 
Arbeiten  der  genannten  Forscher  hin. 

Ein  Blattquerschnitt  durch  Alkoholmaterial  läßt  sogleich 
gewisse  Zellen  durch  ihren  gelblichen,  stark  lichtbrechenden 
Inhalt  auffallen,  der  sich  bei  näherer  Untersuchung  als  Schleim 
erweist.  Er  zeigt  eine  bogenförmig  (Fig.  1,  3)  oder  konisch 
(Fig.  11)  verlaufende  Schichtung,  die  um  so  deutlicher  hervor- 


1  A.  Dodel,   Beitrag  zur  Morphologie  und  Entwicklungsgeschichte  der 
Stärkekörner  von  Pellionia  Daveanana.  Flora  1892,  p.  269. 

2  A.  Meyer,  Untersuchungen  über  Stärkekörner,  Jena  1895,  Verl.  v.  Gust. 
Fischer,  p.  289. 

3  A.  Nestler,  Schleimzellen  der  Laubblätter   der   Malvaceen,    Österr. 
bot.  Zeitschrift,  1898,  p.  94  bis  99. 

4  H.  Kraemer,   Viola  tricolor  L.  in  morphologischer,  anatomischer  und 
biologischer  Beziehung.  Dissert.,  Marburg  1897,  p.  20  u.  f. 

5  L.  Radlkofer,  Monographie   der  Gattung   Serjania.    München    1875, 
p.  101. 


Schleimzellen  bei  Urticaceen.  o9o 

tritt,  je  länger  der  Alkohol  auf  den  Schleim  eingewirkt  hat. 
Schließlich  blättert  sich  die  Schleimmasse,  die  jetzt  stark 
geschrumpft  erscheint,  auf  und  zerfällt  in  die  einzelnen 
Schichten  (Fig.  2).  Dabei  ist  der  Schleim  durch  eine  Querwand 
von  dem  lebenden  Inhalt  der  Zelle  getrennt,  so  daß  man  den 
Eindruck  erhält,  als  wären  zwei  getrennte  Zellen  vorhanden, 
von  denen  die  eine  nur  Schleim,  die  andere  die  proto- 
plasmatischen Einschlüsse,  wie  das  Chlorophyll,  dann  Proto- 
plasma, Kern  und  Stärke  enthält  (Fig.  1,  2).  Setzt  man  zu  dem 
Präparat  Wasser,  so  beginnt  die  Schichtung  zu  schwinden  und 
der  Schleim  quillt  außerordentlich  auf,  so  daß  der  Raum,  den 
das  Protoplasma  einnimmt,  immer  kleiner  wird,  bis  er  auf  ein 
Minimum  zurückgegangen  ist.  Dieser  einfache  Versuch  ließ 
vermuten,  daß  das,  was  man  bei  oberflächlicher  Betrachtung 
als  zwei  Zellen  angesprochen  hätte,  eine  einzige  darstelle  und 
daß  jene  Querwand  (/  in  Fig.  1  bis  11)  die  Innenlamelle  der  ver- 
schleimenden Membram  sei,  wie  sie  bereits  von  Nestler,^ 
Radlkofer-  und  anderen  gesehen  und  beschrieben  wurde.  Von 
der  Richtigkeit  dieser  Vermutung  überzeugt  man  sich  leicht  bei 
Anwendung  der  Plasmolyse.  Legt  man  nämlich  einen  Blatt- 
querschnitt in  eine  lOprozentige  Kaliumnitratlösung,  der  einige 
Tropfen  Hämatoxylin  zugesetzt  wurden,  so  kann  man  Schleim- 
zellen beobachten,  in  denen  das  Protoplasma  sehr  stark  plasmo- 
lysiert  ist,  während  der  durch   das  Hämatoxylin  blau  gefärbte 

^Fi- ,g.  A^iß^ 

1  mit  Chlorzmlqod;  deütlidie'^'  Ze.tlulose- 
^  .v.9yXi8SnJil>I'Jiv;jns  3r!!3  jp;  islAiH 
e  Bestati^ing  der,  Zellulosenatur  der 
^  ..I  ,nsfi9(7ß^/ii?r^üJ/iQ.fb^'QnirnrrL3!'l -isjhßJa  rii 
besprochenen  Lanielle  mit  , Schwefelsaure  nind.  Jod  oder  der 
,,  .5  pnurip;im'Lß.dJn3iB  .ru\  ..m^ih'ixti  no^nur  Jrio3-i  ,n3J9J 
Versuch  der  LpslichK.eit  mit  kupferoxydämmoniak  mußte 
?Mb  .fiLiY.xoJßmBTT  asfloaTsrfirlöcl  hm  -idqa  rfora  Js.np^is.asmielrioci 
unterbleiben,  da  Kerne  dieser  KeaMionerL  ein  klares  Bild, 
mab^Jirn  ngb-iuv/  sHinrloc'.  ,31(1  Jo-iiil  m:ld  jisS  -isjäss-rnjl  ni  nrlt 
geliefert  hatte,  schon  nicht  wegen  ,der  auuerordentUch  yer-^ 
„  ^  „  ^,  .jjfijao^-iori  fnMg-!>IiR  marj  bnij -paaam-isiafiH 
quellenden    Kraft    der    Schwefelsaure   und    des    Kupferoxyd- 

^-a^@nMk§,  M^^\^^ef^^'4Mm-^ä^^'^&^  *$^§rnfi^lÖaü'%rbt. 

^emSW  (F^'^^^^,  W^n',aidy^P?äptW%ä§i3^1köifolnMi^Y(äE 
ne-g'üiszvjbiQd  msb  nl  .aim'isbiqS  sieJnu  oib  bnu  9d9v/9gT328ßV7 
iBv;Si^n^g5^9^j.^  jTigllas^alrioS  gib  nsm.TiojI  gdgv/agiseaßV/ 
,T9bliaL.öR3dltfWfe(tja;-fc.,  p^ilOl^Iß     -larfoisilrißs    biv     nsisdo     mi 

Sitzb.  der  mathem.-naturw.  Kl. ;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  27 


Schleim  keinerlei  Lageveränderungen  aufweist  (Fig.  3).  ^pßer- 

dem  gibt  die  Querwand  mit  Chlorzinkiqd.'  deütlicne^  ~-. —  ~,-,^,^ 
_.   ""  .  ^      .v9yXi8Sniil>I'Jlv.'tns    9r!!3    jPj    -isL  iM 

reaktion.    Eine   weitere    Be„stati^iffg    der,  ZelluTo$,Qnatvir  .der 


396  F.  Schorn, 

verfertigt  wurde,  weil  durch  die  wasserentziehende  Wirkung 
des  Alkohols  der  Schleim  schrumpft  und  die  Membran 
zusammenfällt,  während  sie  in  frischen  Schnitten  straff  ge- 
spannt erscheint.  Da  nun  die  Mittellamelle  der  verschleimenden 
Zellwand  erhalten  bleibt  und  als  eine  dünne,  aber  noch  deutlich 
wahrnehmbare  Membram  den  Schleim  umgibt,  so  kann  es  nur 
die  Verdickungsschicht  sein,  die,  vom  Protoplasma  beeinflußt, 
den  Schleim  liefert. 

Gewöhnlich  erfüllt  er  den  einen  Teil  der  Zelle  vollständig 
(Fig.  1,  3).  Manchmal  aber  finden  sich  in  der  homogenen 
Schleimmasse  noch  birnförmige  Einschlüsse  von  ganz  anderer 
Zusammensetzung  (Fig.  9,  10).  An  Längsschnitten  durch  den 
Stengel,  öfters  und  besser  jedoch  an  Querschnitten  durch  ganz 
junge  Blätter  sieht  man  oft  Aussackungen  in  den  Schleim 
hineinragen.  Diese  Aussackungen,  welche  manchmal  so  tief  in 
den  Schleim  hineinreichen,  daß  sie  fast  die  gegenüberliegende 
Wand  berühren,  sind  verschieden  gestaltet.  Meist  gleichen  sie 
einem  kurzen  Schlauch  (Fig.  6)  oder  sie  sind  trichterförmig 
und  erscheinen  als  spitz  zulaufende  Zapfen  (Fig.  7,  9).  Die 
Aussackungen  werden  konisch  von  den  Schichten  des 
Schleimes  umfaßt. 


Entwicklung  der  Schleimzellen. 

Vorzüglich  geeignet  zur  Erklärung  aller  dieser  angeführten 
Bilder  ist  eine  entwicklungsgeschichtliche  Untersuchung  von 
in  starker  Flemming'scher  Lösung  fixierten,  in  Alkohol  gehär- 
teten, recht  jungen  Blättern.  Zur  Sichtbarmachung  des 
Schleimes  eignet  sich  sehr  gut  Böhmer'sches  Hämatoxylin,  das 
ihn  in  kürzester  Zeit  blau  färbt.  Die  Schnitte  wurden  mit  dem 
Rasiermesser  und  dem  Mikrotom  hergestellt. 

Ein  Querschnitt  durch  ein  solches  Blatt  zeigt  eine  obere 
Epidermis,  darunter  ein  Wasser-,  ein  einschichtiges  Pallisaden- 
gewebe,  ein  Schwammparenchym,  ein  mächtiges  unteres 
Wassergewebe  und  die  untere  Epidermis.  In  dem  beiderseitigen 
Wassergewebe  kommen  die  Schleimzellen  vor,  und  zwar 
im     oberen     viel    zahlreicher     als     im     unteren.     Die    Bilder, 


Schleimzellen  bei  Urticaceen.  397 

die  wir  erhalten,  stellen  eine  kontinuierliche  Entwicklungs- 
reihe vor. 

Die  Verschleimung  beginnt  an  der  der  Epidermis  ab- 
gewendeten  Seite  (Fig.  4)  und  schreitet  allmählich  gegen  das 
Innere  der  Zelle  vor,  wobei  ihr  auch  die  Seitenwände  anheim- 
fallen. Geht  sie  an  allen  Stellen  der  verschleimenden  Membranen 
gleichmäßig  vor  sich,  dann  wird  der  eine  Teil  der  Zelle  mit 
einer  homogenen  Schleimmasse  erfüllt,  im  anderen  Falle  aber 
bilden  sich  die  bereits  erwähnten  Schläuche,  Zapfen  und  birn- 
förmigen  Einschlüsse,  indem  die  Schleimbildung  an  einer  Stelle 
der  unteren  Zellwand  gehemmt,  während  sie  von  den  Seiten- 
wänden wiederholt  gefördert  wird.  Es  entstehen  so  Bilder,  wie 
die  Fig.  5  zeigt.  Stellt  man  sich  nun  vor,  daß  die  von  den 
Seitenwänden  in  das  Zellinnere  vorspringenden  Schleim- 
massen einander  näher  und  näher  rücken  und  zugleich  immer 
größere  Partien  der  Seitenwände  verschleimen,  so  wird  ein 
Schlauch  (Fig.  6),  respektive  ein  Zapfen  (Fig.  7)  gebildet.  Da 
nun  die  Bildung  der  Schleimvorwölbungen  nicht  immer  an  der 
ganzen  Oberfläche  der  Seitenwände  gleichmäßig  schnell  ge- 
schieht, sondern  an  manchen  Stellen  rascher  vor  sich  geht  als 
an  den  übrigen,  so  entstehen  dadurch  unten  verbreiterte 
Schläuche  (Fig.  8),  welche  schließlich  von  den  verschleimenden 
Membranen  durchschnitten  werden  und  so  Anlaß  zur  Bildung 
der  birnförmig  gestalteten  Einschlüsse  innerhalb  des  Schleimes 
geben.  Selbstverständlich  kann  der  protoplasmatische  Inhalt 
der  Zapfen  auch  noch  aufgebraucht  werden,  so  daß  man  von 
diesen  in  den  Schleimzellen  älterer  Blätter  und  Stengel  kaum 
noch  etwas  bemerkt.  Es  ist  also  entvvicklungsgeschichtlich 
nachgewiesen  worden,  daß  all  die  angeführten  Bilder  eng  mit- 
einander im  Zusammenhange  stehen. 

Interessant  ist  die  Lage  des  Zellkernes  in  einer  in  Ver- 
schleimung begriffenen  Zelle.  Er  liegt  nämlich  stets  der  ver- 
schleimenden Zellvvand  an,  und  zwar  in  der  Mitte  derselben 
(Fig.  4),  dabei  ist  er  von  einer  größeren  Menge  Plasma  um- 
geben. Solange  die  Verschleimung  noch  nicht  vollendet  ist, 
bleibt  er  fast  stets  dem  Schleime  aufgelagert,  oft  in  einer 
muldenförmigen  Vertiefung  desselben  liegend  (Fig.  5);  später 
nimmt   er  einen  beliebigen  Platz  in  der  Zelle  ein.  Es  scheint, 

27* 


398  F.  Schorn, 

als  wenn  der  Kern  bei  der  Verschleimung  eine  ebenso  wichtige 
Rolle  spiele  wie  nach  Nestler^  und  Miehe^  bei  der  Wund- 
heilung und  nach  Haberlandt^  bei  der  Verdickung  der  Zell- 
membran. Doch  will  ich  darüber  keine  weiteren  Vermutungen 
äußern,  da  Haberlandt's  Ansicht  durch  die  neueste  Ver- 
öffentlichung von  Küster^  sehr  bedeutend   erschüttert  wurde. 

Verbreitung  der  Schleimzellen  innerhalb  der  Pflanze. 

Bei  der  vergleichenden  Untersuchung  der  verschiedenen 
Organe  der  Pflanze  auf  ihren  Gehalt  an  Schleimzellen  ergibt 
sich  folgendes: 

Die  Wurzel  enthält  keine. 

Stamm.  Über  das  Aussehen  gewisser  Schleimzellen  wurde 
im  früheren  schon  berichtet  (siehe  p.  396).  Ich  will  nur  noch 
hinzufügen,  daß  ich  ähnlich  wie  Walliczek^  bei  Tilia  grandi- 
folia  Ehrh.  Fusionsstadien  von  einzelnen  hintereinander 
liegenden  Schleimzellen  auffand,  die  dann  unmittelbar  den 
Eindruck  von  Schleimgängen  machten.  Daß  zwei  Zellen  durch 
eine  einheitliche  Schleimmasse,  in  der  nichts  mehr  von  einer 
Mittellamelle  zu  sehen  ist,  verbunden  werden,  kann  man  öfters 
beobachten.  Fig.  12  gibt  eine  Beobachtung  wieder,  wo  fünf 
hintereinander  liegende  Zellen  zu  einem  Schleimgange  ver- 
schmolzen sind.  Der  Eindruck,  als  hätte  man  es  wirklich  mit 
Gängen  zu  tun,  wird  um  so  mehr  erzielt,  als  die  Verschleimung 
bei  allen  hintereinander  liegenden  Zellen  auf  derselben  Seite 
und  in  derselben  Ausdehnung  erfolgt. 


3  A.  Nest  1er,  Über  die  durch  Wundreiz  bewirkten  Bewegungs- 
erscheinungen des  Zellkernes  und  des  Protoplasmas.  Sitzungsberichte  der 
kais.  Akademie  der  Wissenschaften  in  Wien,  Bd.  CVII,  Abt.  I,  1898. 

2  H.  Mi  ehe,  Über  die  Wanderung  des  pflanzlichen  Zellkernes.  Flora 
1901,  p.  105  u.  f. 

3  G.  Haberlandt,  Über  die  Beziehungen  zwischen  Funktion  und  Lage 
des  Zellkernes  bei  Pflanzen.  Jena  1887. 

4  E.  Küster,  Über  die  Beziehungen  der  Lage  des  Zellkerns  zu  Zellen- 
wachstum und  Membranbildung.  Flora  1907,  97.  Bd.,  1.  Heft. 

^  11.  Walliczek,  Studien  über  die  Membranschleime  vegetativer 
Organe.  In  den  Jahrbüchern  für  wissensch.  Botanik,  vol.  XXV,  Heft  2  (1893), 
p.  249. 


Sclileimzellen  der  Urticaceen.  399 

Blatt.  Betreffs  der  Blätter  verweise  ich  auf  das  früher 
Gesagte.  Ich  erwähne  nur  noch  einmal,  daß  die  Schleimzellen 
besonders  häufig  in  dem  Wassergewebe  auftreten. 

Blüten  und  Früchte  konnte  ich  nicht  untersuchen,  da 
diese  an  Glashausexemplaren  gewöhnlich  nicht  zu  bemerken 
sind. 

Mikrochemisches  Verhalten. 

Kaltes  Wasser  quellt  den  .Schleim  außerordentlich  stark 
auf,  löst  ihn  aber  nicht.  Davon  überzeugt  man  sich  am  ein- 
fachsten bei  der  Anwendung  von  suspendiertem  Karmin,  wo- 
durch die  Grenze  des  aufgequollenen  Schleimes  deutlich 
sichtbar  wird. 

Heißes  Wasser.  Auch  im  heißen  Wasser  scheint  der 
Schleim  unlöslich  zu  sein.  Ich  konnte  größere  Stücke  sowie 
dünne  Schnitte  längere  Zeit  hindurch  kochen,  ohne  daß  sicli 
der  Schleim  gelöst  hätte.  Selbst  der  aus  Schnitten  heraus- 
geflossene und  auf  dem  Objektträger  aufgefangene  Schleim 
blieb  im  siedenden  Wasser  ungelöst  und  ließ  sich  mit  Häma- 
toxylin  deutlich  nachweisen. 

Zum  Gerinnen  brachte  ich  den  Schleim  durch  absoluten 
Alkohol,  Alaunlösung,  das  von  H,  Walliczek^  und  L.  Mangln^' 
angegebene  Bleiazetat,  Eisensulfat  und  Sublimat.  Eisensulfat 
färbt  den  Schleim  außerdem  gelb  und  führt  so  eine  deutliche 
Differenzierung  der  Schleimidioblasten  und  der  in  Pellionia 
Daveatiana  in  reichlicher  Menge  vorhandenen  anthokyan- 
hältigen  Zellen  herbei,  welche  die  Gerbstoffreaktion  geben  und 
durch  Eisensulfat  blau  gefärbt  werden.  Diese  Zellen  zeigen 
eine  rote  Farbe,  die  aber  sehr  vergänglich  ist  und  nur  in  ganz 
frischen  Schnitten  wahrgenommen  wird.  Bei  Zusatz  von 
Wasser  oder  Alkohol  zu  dem  Präparate  schwindet  die  Farbe  in 
kurzer  Zeit. 

Behandelt  man  die  Schnitte  mit  Eisensulfat,  Kalium- 
bichromat  oder  Osmiumsäure,   so    färben   sich  die  anthokyan- 


1  H.  Walliczek,  1.  c. 

~  L.  Mangin,   Observations  sur  l'assice  ä  mucilage   de    la  graine  de  lin. 
Bull,  de  la  Soc.  Bot.  de  France,  1893,  p.  119  bis  135. 


400  F.  Schorn, 

hältigen  Zellen  blau,  respektive  schwarz.  Es  zeigt  sich  dann, 
daß  sie  im  Stengel  und  im  Blatt,  im  letzteren  besonders  im 
Schwammparenchym,  in  großer  Anzahl  vorkommen. 

Zum  Nachweis  des  Schleimes  können  alle  Reagenzien 
dienen,  die  ihn  zum  Gerinnen  bringen.  Am  besten  verwendbar 
ist  jedoch  Hämatoxylin,  sowohl  bei  frischem  als  auch  bei 
Alkoholmaterial.  Ferner  läßt  sich  der  Schleim  noch  durch 
Meyer's  Reagens,^  Safranin  und  Methylenblau  kenntlich 
machen.  Eine  ungemein  rasche  Färbung  des  Schleimes  erhielt 
ich  mit  Joly's  Rutheniumrot,  das,  in  wässeriger  Lösung  von 
1  :  5000  angewandt,  den  Schleim  augenblicklich  rot  färbt.  Dieser 
Farbstoff  ist  nach  den  Angaben  Mangin's^  ein  ausgezeichnetes 
Mittel  zum  Nachweis  der  Pektinstoffe  und  der  aus  ihnen  her- 
vorgehenden Gummi-  und  Schleimarten,  die  durch  ihn  gefärbt 
werden,  während  Zelluloseschleime  ungefärbt  bleiben.  Dem- 
nach wäre  der  Schleim  von  Pellionia,  die  Beobachtungen  von 
Mangin  als  richtig  vorausgesetzt,  als  ein  Pektinschleim  anzu- 
sprechen. 

Mit  den  Jodpräparaten,  wie  Jodjodkalium,  Jodtinktur,  Jod- 
wasser, Chlorzinkjod,  gab  mir  der  Schleim  keine  merkbare 
Reaktion.  Jodchloralhydrat  färbt  ihn  nicht,  quellt  ihn  aber  stark 
auf.  Kupferoxydammoniak  läßt  ihn  ebenfalls  quellen  und  färbt 
ihn  zugleich  blau. 


IL  Andere  Urtieaeeen. 

Die  Vermutung  lag  nahe,  daß  das  Vorkommen  von 
Schleim  Zellen  bei  Urtieaeeen  nicht  auf  Pellionia  Daveauana 
beschränkt  sein  werde.  Ich  stellte  daher  auch  bei  einigen 
anderen  Urtieaeeen  entsprechende  Untersuchungen  an;  diese 
sind  leider  infolge  Zeitmangels  nicht  in  dem  Umfange  gediehen, 


1  Die  Schnitte,  aus  Alkoholmaterial  hergestellt,  bleiben  eine  halbe  Stunde 
lang  in  25  prozentiger  Kupfersulfatlösung  liegen  und  werden  nach  dem  Aus- 
waschen mit  destilliertem  Wasser  mit  50  prozentiger  Kalilauge  betupft.  Es  erfolgt 
Blaufärbung  des  Schleimes.  Siehe  H.  Kraemer,  1.  c,  p.  20. 

2  L.  Mangin,  Sur  l'emploi  du  rouge  de  ruthenium  en  anatomie  vegetale. 
Compt.  rend.  de  l'Acad.  des  Sciences,  Paris,  t.  CXVI,  1S93,  p.  653  bis  656. 


Schleimzellen  der  Urticaceeii.  401 

als  beabsichtigt  war.  Von  einheimischen  Nesselgewächsen 
untersuchte  ich  Urtica  dioica  L.,  Urtica  tirens  L.  und  Parie- 
taria  officinalis  L.,  von  fremdländischen  Splitgerbera  j aporiica 
Miq.,  Boelimeria  speciosa,  Girardinia.  palmata  und  Cono- 
cephahis  nivalis.  Davon  besitzen  tatsächlich  Schleimidioblasten 
Urtica  dioica,  Splitgerbera  Japonica,  Boehmeria  speciosa  und 
Girardinia  palmata,  also  über  die  Hälfte  der  untersuchten 
Pflanzen. 

Ich  glaube,  daraus  entnehmen  zu  dürfen,  daß  sich  bei 
einer  weiteren  Bearbeitung  der  Urt  icaceen  noch  bei  manchem 
Vertreter  dieser  Familie  Schleimzellen  nachweisen  lassen 
werden. 

Im  folgenden  sei  das  Wichtigste  über  die  Schleimzellen 
der  oben  genannten  Pflanzen  mitgeteilt. 

Urtica  dioica  L. 

besitzt  Schleimzellen  in  den  häutigen  Knospenschuppen,  welche 
die  jungen,  noch  unentwickelten  Laubblätter  einhüllen  und 
schützen.  Um  sich  von  ihrem  Bau  ein  klares  Bild  zu  verschaffen, 
ja  schon  um  ihre  Anwesenheit  mit  völliger  Sicherheit  konsta- 
tieren zu  können,  sind  bei  der  Untersuchung  gewisse  Vorsichts- 
maßregeln nötig.  Die  Schnitte  dürfen  nicht  zu  dick  sein  und 
müssen  möglichst  senkrecht  zur  Blattfläche  geführt  werden. 

Ein  solches  Präparat  wird  am  einfachsten  in  der  Weise 
hergestellt,  daß  man  ganze  Knospen  fixiert  —  als  Fixierungs- 
mittel leistete  mir  Chromosmiumessigsäure  die  besten  Dienste 
• —  in  Paraffin  einbettet  und  senkrecht  zur  Längsachse  mit  dem 
Mikrotom  schneidet.  Will  man  den  Schleim  besser  sichtbar 
machen,  so  kann  man  die  Schnitte  mit  Hämatoxylin  färben- 
Zu  diesem  Zwecke  befestigt  man  sie  mit  Wasser  auf  dem 
Objektträger,  entfernt  das  Paraffin,  bringt  aber,  um  zu  färben, 
das  Präparat  nicht  bis  ins  Wasser,  sondern  nur  in  öOprozentigen 
Alkohol  zurück.  Dadurch  wird  ein  allzu  starkes  Aufquellen 
des  Schleimes  und  das  Undeutlichwerden  des  Bildes  der 
Schleimzelle  verhütet.  Hierauf  bringt  man  die  Schnitte  für 
eine  Minute  in  die  Farbflüssigkeit,  spült  sie  mit  96prozentigem 
Alkohol  ab,  macht  sie  wasserfrei  und  schließt  sie  endlich  nach 


402  F.  Schorn, 

Vorbehandlung  mit  Xylol  in  Dammarlack  ein.  Unter  dem  Mikro- 
skop sind  die  Knospenschuppen  leicht  an  dem  einfachen  Bau 
des  Mesophylls  zu  erkennen,  das  entsprechend  der  Funktion 
der  Knospenschuppen  einheitlich  ist  und  nicht  in  Schwamm- 
und  Pallisadenparenchym  zerfällt.  Ein  gelungener  Querschnitt 
läßt  in  der  oberen  und  unteren  Epidermis  zahlreiche  Schleim- 
zellen erkennen.  Der  Schleim  ist  im  ungefärbten  Zustande  gelb- 
lich, stark  lichtbrechend  und  deutlich  geschichtet,  im  gefärbten 
schön  rot. 

Die  Schleimidioblasten  von  Urtica  dioica  gleichen  in  ihrem 
Bau  und  ihrer  Entwicklung  völlig  denen  in  den  Blättern  von 
Pellionia  Daveaumia.  Es  fehlen  selbst  die  in  den  Schleim 
hineinragenden  Schläuche  und  Zapfen  nicht,  welche  bereits 
bei  den  Schleimzellen  der  Pellionia  beschrieben  und  erklärt 
wurden. 

Ich  möchte  noch  einmal  hervorheben,  daß  die  Schleim- 
zellen nur  in  den  Knospenschuppen,  sonst  aber  in  keinem 
anderen  Organ  der  Pflanzen  vorkommen.  Urtica  urens  L.  hat 
als  einjährige  Pflanze  keine  Knospenschuppen  und  dem- 
entsprechend fehlt  ihr  auch  der  Schleim. 

Splitgerbera  japonica  Miq. 

In  dieser  Urticacee  lassen  sich  Schleimidioblasten  in 
geringer  Anzahl  im  Stengel  und  in  den  Blättern  nachweisen. 
Sie  entsprechen  in  ihrem  Bau  den  Schleimzellen  von  Pellionia. 

Bemerkenswert  ist  ihre  Verteilung  in  der  Pflanze.  Die 
Schleimzellen  des  Stengels  finden  sich  im  Mark,  aus  dessen 
Zellen  sie  durch  Verschleimung  der  Membram  entstanden  sind, 
und  zwar  regelmäßig  in  unmittelbarer  Nähe  der  Gefäßbündel. 
Hin  und  wieder  kann  man  beobachten,  daß  eine  ganze  Reihe 
übereinanderliegender  Zellen  verschleimt.  Dabei  bleibt  der 
Schleim  der  einzelnen  Zellen  stets  durch  die  Mittellamelle  ge- 
trennt und  bildet  niemals  eine  kontinuierliche  Masse,  wie  es  bei 
Pellionia  vorkommt. 

Die  Anlagerung  der  Schleimzellen  an  die  Gefäßbündel  ist 
auch  sehr  schön  im  Blatt  zu  beobachten.  Hier  finden  sich  die 
Schleimidioblasten  im  Stiel,  dem  Gefäßteil  der  Gefäßbündel  an- 


Schleimzellen  der  Urticaceen.  403 

gelagert    und    sehr  vereinzelt    in  den    stärkeren   Rippen   der 
Blattspreite,  nie  aber  in  deren  Mesophyll  oder  Epidermis. 

Boehnieria  speciosa. 

Boehmeria  speciosa  führt  Schleimzellen  in  großer  Menge 
im  Stengel  und  in  den  Knospenschuppen.  In  einem  Längs- 
schnitte durch  den  Stengel  sieht  man  sie,  meist  in  langen 
Reihen  angeordnet,  Mark  und  Rinde  durchziehen.  Das  Auf- 
treten von  Schleimzellen  in  den  Knospenschuppen  und  ihr 
Fehlen  in  den  Laubblättern  hat  Boehmeria  speciosa  mit  Urtica 
dioica  gemeinsam.  Während  jedoch  bei  dieser  Pflanze  die 
Schleimzellen  der  Epidermis  angehören,  liegen  sie  bei  Boeh- 
meria speciosa  im  Mesophyll. 

Ein  Querschnitt  durch  eine  Knospenschuppe  gibt  ein 
eigenartiges  Bild.  Die  Schleimzellen  alternieren  auf  das  regel- 
mäßigste mit  den  Gefäßbündeln.  Zwischen  je  zwei  Gefäßbündeln 
liegt  immer  eine  Schleimzelle. 


III.  Die  Sehleimeystolithen  von  Girardinia  palmata 
Gaudieh. 

Unter  allen  Urticaceen,  die  ich  auf  den  Besitz  von  Schleim- 
zellen hin  untersuchte,  verdient  wohl  das  meiste  Interesse 
Girardinia  palmata,  eine  Urticacee  des  tropischen  Afrika  und 
Asien. 

Sie  enthält  Schleimzellen,  in  denen  der  Schleim  in  einer 
Form  auftritt,  wie  sie  meines  Wissens  noch  niemals  zur  Beob- 
achtung gelangte,  wenigstens  enthält  die  einschlägige  Literatur 
nichts  darüber. 

Die  Schleimmasse  ist  mittels  eines  Stieles  an  die 
Zellwand  befestigt  (Fig.  13  bis  19).  Wegen  der  Ähnlichkeit 
eines  solchen  Gebildes  mit  einem  Cystolithen  nenne  ich  es 
Schleimcystolith,  wenn  auch  von  einem  XiO-o?  keine  Rede  ist. 
Ich  glaube,  trotzdem  diesen  Namen  wählen  zu  dürfen,  weil  ja 
auch    die    kalkfreien    Zellulosekeulen,    welche  Molisch^    bei 


1  Molisch  H.,  Über  kalkfreie  Cystolithen.  Österr.  bot.  Zeitschrift,   1882, 
p.  345  bis  347. 


404  F.  Schorn, 

Goldßissia  aiiisophylla'^ees  und  anderen  Pflanzen  aufgefunden 
hat,  als  Cystolithen  bezeichnet  werden. 

Um  ein  anschauHches  Bild  eines  Schleimcystolithen  zu 
erhalten,  bei  welchem  nicht  nur  der  Schleimkörper,  sondern 
auch  der  Stiel  zu  sehen  ist,  empfiehlt  es  sich,  mit  dem  Rasier- 
messer Längsschnitte  durch  den  Stengel  herzustellen  und 
diese  in  95prozentigem  Alkohol  zu  untersuchen. 

Unter  den  Zellen  des  Markparenchyms,  seltener  der  Rinde 
fallen  fast  immer  einige  durch  den  gelblich  gefärbten  und 
geschichteten  Inhalt  auf.  Es  sind  dies  die  Schleimidioblasten. 
Eine  genauere  Untersuchung  derselben  lehrt,  daß  hier  der 
Schleim  den  sogenannten  inneren  Vorsprungsbildungen  der 
Zellmembran  angehört.  Die  Zellwand  entsendet  in  das  Innere 
der  Zelle  einen  Fortsatz,  der,  zu  einem  mächtigen  Schleim- 
körper anwachsend,  die  Zelle  zum  größeren  oder  geringeren 
Teile  erfüllt  (Fig.  13  bis  20).  Der  übrig  bleibende  Raum  enthält 
Protoplasma,  Zellkern,  manchmal  auch  Chlorophyll  und  Stärke 
(Fig.  19). 

Die  Form  des  Schleimkörpers  ist  verschieden  und  hängt 
von  der  Gestalt  der  Zelle  ab.  In  der  Abbildung  Fig.  14  er- 
scheint er  in  der  Richtung  des  Stieles  gestreckt,  in  der  Abbil- 
dung Fig.  15  senkrecht  zum  Stiel  verbreitert,  in  der  Abbildung 
Fig.  16  kugelförmig,  aber  stets  der  Form  des  Zellumens  an- 
gepaßt. 

Der  Stiel  eines  Schleimcystolithen  ist  meist  sehr  kurz 
(st  in  Fig.  14  bis  19),  daher  oft  schwer  oder  auch  gar  nicht  zu 
sehen.  Letzteres  ist  besonders  dann  der  Fall,  wenn  der  Stiel 
von  den  Schleimschichten  überwallt  und  so  ganz  verdeckt 
wird.  Manchmal  beobachtet  man  auch  Stiele  von  bedeutender 
Länge  (Fig.  13).  Abnormerweise  finden  sich  auch  zwei  Stiele 
an  einem  Cystolithen  (Fig.  17). 

Wie  ich  bereits  bemerkt  habe,  sind  Längsschnitte  durch 
den  Stengel  nötig,  wenn  man  den  Stiel  der  Schleimcystolithen 
sehen  will.  Denn  diese  sind  regelmäßig  an  die  obere  und  untere 
Zellvvand  befestigt,  die  Zelle  in  ihrer  natürlichen  Lage  im  auf- 
rechten Stengel  gedacht.  Ein  Querschnitt  gibt  daher  ein  ganz 
anderes  Bild  eines  Schleimcystolithen.  Vom  Stiel   ist  entweder 


Schleimzellen  der  Urticaceen.  405 

gar  nichts  zu  sehen  oder  er  erscheint  als  eine  deutlich  kontu- 
rierte  Kreisfläche,  die  sich  durch  ihre  verschiedene  Licht- 
brechung von  der  Umgebung  abhebt  (st,  Fig.  20).  Betreffs  der 
Lage  der  Cystolithen  wäre  noch  zu  bemerken,  daß  dieselbe 
Zellwand,  an  der  bereits  ein  Cystolith  befestigt  ist,  nicht  selten 
auch  in  der  benachbarten  Zelle  einen  Cystolithen  trägt 
(Fig.  18). 

Das  mikrochemische  Verhalten  des  Schleimes  der  Schleim- 
cystolithen  deckt  sich  im  großen  und  ganzen  mit  dem  des 
Schleimes  von  Pellionia  Daveauana. 

Kaltes  Wasser  läßt  ihn  rasch  und  stark  aufquellen,  löst 
ihn  aber  nur  schwer  auf.  Nicht  zu  dicke  Schnitte  müssen  etwa 
24  Stunden  im  Wasser  liegen,  bevor  aller  Schleim  entfernt  ist. 
Kochendes  Wasser  wirkt  rascher. 

Will  man  die  Schleimcystolithen  studieren,  so  muß  man 
sie  entweder  zum  Gerinnen  bringen  oder  färben.  Ersteres  läßt 
sich  am  besten  mit  96prozentigem  Alkohol  erreichen.  Bei  seiner 
Anwendung  erhält  der  Schleim  ein  feinkörniges^  gelbliches 
Aussehen  und  zeigt  eine  schöne  Schichtung,  die  dadurch  zu 
Stande  kommt,  daß  lichte  Höfe  die  dunklen  Partien  des 
Schleimes  trennen  (siehe  Fig.  13  bis  18  und  20).  Die  einzelnen 
Schichten  umgeben  den  Stiel  und  decken  einander. 

Zum  Färben  der  Schleimcystolithen  können  alle  Färbe- 
mittel dienen,  die  ich  bereits  an  geeigneter  Stelle  bei  Pellionia 
Daveauana  angeführt  habe  (p.  400).-  Unter  ihnen  verdient 
wieder  das  Böhmer'sche  Hämatoxylin  den  Vorzug,  besonders 


^  Das  körnige  Aussehen  des  Schleimes  infolge  Einwirkung  von  Alkohol 
soll  nach  den  Untersuchungen  von  B.  Longo  seinen  Grund  in  dem  Auftreten 
kleiner  Höhlungen  (piccolo  cavitä)  im  Schleime  haben.  Die  Vorstellung,  als 
würde  der  Schleim  durch  Alkohol  körnig  gefällt,  wäre  demnach  unrichtig.  Siehe 
B.  Longo  »Contributo  allo  studio  degl'  idioblasti  muciferi  delle  Cactee«  in 
Annuario  del  R.  istituto  Botanico  di  Roma,  A.  VII,  1897/98,  p.  49  u.  f. 

2  Es  ist  nicht  ohne  Interesse,  daß  mit  Hilfe  seiner  Farbreaktionen  Mangin 
auch  bei  normalen,  mit  kohlensaurem  Kalke  inkrustierten  Cystolithen  Gummi 
beobachtet  hat.  Mangin  L.,  Sur  la  Constitution  des  cystolithes  et  des  mem- 
branes  incrustees  de  carbonate  de  chaux  (Compt.  rend.  de  l'Acad.  des  Sciences, 
Paris,  t.  CXV,  1892.  p.  260). 


406 


F.  Schorn, 


wenn  die  Färbung  damit  so  ausgeführt   wird,  wie   ich   sie  bei 
Urtica  dioica  (p.  401)  angegeben  habe. 

Chlorzinkjod  verursacht  ein  starkes  Aufquellen  derSchleim- 
cystolithen  und  färbt  sie  braun.  Die  Gummireaktion  mit  Orcein 
und  Salzsäure  gelang  nicht,  wohl  aber  färbt  Rutheniumrot 
(p.  400)  den  Schleim  in  Schnitten  aus  frischem  und  Alkohol- 
material rasch  und  intensiv  rot,  nur  dürfen  die  Schnitte  vorher 
nicht  in  Wasser  gelegen  sein. 

Die  Schleimcystolithen  von  Girardinia  palmata  fanden 
sich  in  allen  Organen  der  Pflanze,  die  ich  daraufhin  untersuchte, 
in  der  Wurzel,  im  Stengel,  in  den  Laubblättern  und  den 
Knospenschuppen.  Sie  haben  überall  denselben  Bau. 

Die  Wurzel  enthält  unter  allen  Organen  relativ  die  meisten 
Schleimzellen.  Die  Schleimcystolithen  füllen  hier  die  Zellen 
so  vollständig  aus,  daß  die  Stiele  der  Cystolithen  nur  schwer 
zu  erkennen  sind. 

Im  Stengel  finden  sich  die  Schleimidioblasten  im  Mark 
und  in  der  Rinde,  besonders  reichlich  in  den  Gewebspanien, 
die  unmittelbar  unterhalb  der  Insertionsstelle  des  Blattes  liegen. 
Dort  bilden  sie  ganze  Häufchen. 

Im  Blatte  trifft  man  sie  im  Stiel  und  in  den  Rippen  der 
Blattspreite  an,  nicht  aber  in  deren  Mesophyll  und  Epi- 
dermis. 

Über  die  Entwicklung  der  Schleimcystolithen  konnte  ich 
mir  kein  sicheres  Urteil  bilden.  Alle  meine  Bemühungen  in 
dieser  Richtung  verliefen  resultatlos.  Die  Ursache  liegt  wohl 
in  der  außerordentlich  geringen  optischen  Differenzierung  des 
Schleimes  von  dem  übrigen  Inhalt  einer  lebenden  Zelle,  die  es 
ungemein  schwer  macht,  einen  intakten  Schleimcystolithen 
mit  völliger  Sicherheit  zu  erkennen.  Versuche,  durch  Vital- 
färbung der  Zellen  mit  Neutralrot  die  Schleimcystolithen  kennt- 
lich zu  machen,  hatten  einen  sehr  geringen  Erfolg. 

In  seltenen  Fällen  gelang  es  mir,  einen  Schleimcystolithen 
so  zu  sehen,  wie  er  im  unveränderten  Zustande  aussieht.  Ab- 
bildung Fig.  19  gibt  das  Bild  eines  solchen  wieder.  Dazu  kommt 
das  eigentümliche  Verhalten  der  Cystolithen,  wenn  die  Zelle 
getötet  wird.  Läßt  man  nämlich  zu  einem  Schnitte  aus  frischem 
Material  während  der  Beobachtung  unter  dem  Mikroskop  Alkohol 


Schleimzellen  der  Urticaceen.  407 

zufließen,  so  werden  die  Schleimcystolithen  zwar  augenblicklich 
sichtbar,  dehnen  sich  aber  auch  momentan  aus  und  nehmen 
so  ein  viel  größeres  Volumen  ein,  als  ihnen  ursprünglich  zu- 
kommt. 

Durch  dieses  Verhalten  wird  leider  das  Auffinden  von 
Anfangsstadien  unserer  Cystolithen  sehr  erschwert,  so  daß 
gerade  über  diese  Stadien  nichts  Sicheres  mitgeteilt  werden  kann. 


Biologie,  Schleimbildungen  sind  vielfach  bei  sukkulenten 
Pflanzen  beobachtet  worden.  Sie  haben  nach  der  übereinstimmen- 
den Ansicht  verschiedener  Forscher^  die  Aufgabe,  als  Wasser- 
speicher zu  dienen.  Dies  ist  sicherlich  auch  bei  den  schleim- 
führenden Urticaceen  der  Fall.  Überzeugend  in  dieser  Richtung 
wirkt  PeUionia  Davemiana,  bei  der  sich  neben  mächtigen 
Wassergeweben  Schleimzellen  in  großer  Menge  vorfinden  und 
der  beblätterte  Sproß  wie  andere  an  Schleim  reiche  Pflanzen 
dem  Vertrocknen  einen  großen  Widerstand  entgegensetzt. 

Häufig  läßt  sich  beobachten,  daß  die  Schleimzellen  mit 
großer  Vorliebe  in  der  Nähe  der  Gefäßbündel  auftreten  —  be- 
sonders schön  bei  Splitgerbera  japonica  und  Boehuieria  spe- 
ciosa  zu  sehen  (vergl.  p.  402  und  403)  —  so  daß  man  un- 
willkürlich auf  den  Gedanken  verfällt,  zwischen  den  Schleim- 
zellen und  den  Gefäßbündeln  müsse  es  eine  Beziehung  geben, 
die  vielleicht  darin  besteht,  daß  die  den  Gefäßbündeln  benach- 
barten Zellen  am  raschesten  das  Wasser  erhalten,  das  im 
Schleime  aufgespeichert  werden  soll. 

Die  Schleimcystolithen  von  Girardinia  palmata  unter- 
scheiden sich  von  den  Membranschleimen  anderer  Pflanzen 
wohl  nur  morphologisch,  nicht  aber  funktionell. 


1  Ein  ziemlich  ausführlicher  Bericht  über  die  Arbeiten,  in  denen  die  phy- 
siologische Bedeutung  des  Schleimes  berücksichtigt  wird,  nebst  den  nötigen 
Literaturangaben  findet  sich  bei  H.  Walliczek,  1.  c,  p.  269  bis  271. 


408 


F.  Schorn, 


IV.  Zusammenfassung*. 

I.  In  dieser  Arbeit  wird  das  Vorhandensein  von  Schleim- 
zellen bei  einer  Anzahl  von  Urticaceen,  nämlich  bei  Pellionia 
Daveatiana  N.  E.  Br.,  Urtica  dioica  L.,  Splitgerhera  japonica 
Miq.,  Boehmeria  speciosa  und  Girardinia  palmata  Gaudi  eh. 
nachgewiesen  und  damit  höchst  wahrscheinlich  gemacht,  daß 
bei  einer  ausgedehnteren  Untersuchung  sich  noch  andere  Urti- 
caceen als  schleimführend  erweisen  werden. 

II.  Die  Schleimzellen  finden  sich  bei  Pellionia  Daveauana 
im  Grundgewebe  des  Stengels  und  im  beiderseitigen  Wasser- 
gewebe der  Blätter,  in  der  Wurzel  jedoch  nicht,  bei  Urtica 
dioica  nur  in  der  Epidermis  der  häutigen  Knospenschuppen, 
bei  Splitgerhera  japonica  im.  Grundgewebe  des  Stengels  und 
des  Blattstieles,  ferner  in  den  stärkeren  Rippen  der  Blattspreite, 
meist  in  der  Nähe  der  Gefäßbündel;  bei  Boehmeria  speciosa  im 
Grundgewebe  des  Stengels  und  der  Knospenschuppen;  bei 
Girardinia  palmata  im  Grundgewebe  des  Stengels,  des  Blatt- 
stieles, der  Wurzel  und  der  Knospenschuppen,  selten  auch  in 
den  stärkeren  Rippen  der  Blattspreite. 

III.  Der  Schleim  in  den  genannten  Pflanzen  gehört  den  so- 
genannten Membranschleimen  an.  In  ihrem  Baue  gleichen  die 
Schleimzellen  der  Urticaceen  denen  der  Malvaceen,  Lilia- 
ceen  u.  s.  f.  Ausgenommen  sind  die  Schleimzellen  von  Girar- 
dinia  palmata,  in  denen  der  Schleim  in  der  Form  von  Cysto- 
lithen  vorkommt,  die  ich  als  Schleimcystolith  en  bezeichne. 

IV.  Diese  Schleimcystolithen  sind  insofern  von  Interesse, 
als  sie  gestaltlich  mit  typischen  Cystolithen  übereinstimmen 
und  geschichtet  sind,  aber  keinerlei  Inkrustierung  mit  kohlen- 
saurem Kalk  aufweisen.  In  dieser  letzteren  Beziehung  gleichen 
sie  den  von  Mo  lisch  entdeckten  Zellulosecystolithen  im  Marke 
von  Goldfussia. 

V.  Die  Entwicklung  der  Schleimzellen  wurde  besonders 
studiert  bei  Pellionia  Daveauana.  Der  Schleim  entsteht  hier 
aus  der  Zellmembran,  und  zwar  aus  der  sogenannten  Ver- 
dickungsschichte.  Die  im  Schleime  häufig  vorkommenden  birn- 
förmigen  Einschlüsse,  Aussackungen  und  Zipfel  sind  entwick- 


Schleimzellen  der  Urticaceen.  409 

lungsgeschichtlich   durch   die  ungleich  rasch  vor  sich  gehende 
Verschleimung  der  Membran  zu  erklären. 

VI.  Der  Schleim  dient  höchstwahrscheinlich  als  Wasser- 
speicher und  erhöht  dadurch  die  Widerstandskraft  der  Pflanzen 
gegenüber  dem  Vertrocknen. 


Zum  Schlüsse  erlaube  ich  mir,  Herrn  Professor  Dr.  Hans 
Moli  seh  für  die  freundliche  Anregung  wie  für  die  vielfach 
gebotene  liebenswürdige  Unterstützung  bei  meiner  Arbeit 
meinen  besten  Dank  auszusprechen. 


410  F.  Schorn,  Schleimzellen  bei  Urticaceen. 


Erklärung  der  Tafeln. 

Vergrößerung  ungefähr  270. 

Fig.  1  bis  12  stellen  Schleimzellen  von  Pellionia  Daveauana, 
Fig.  13  bis  20  solche  von  Girardinia  palmata  vor. 

Dabei  bedeutet  in  Fig.  1  bis  1 2 :  5  =:  Schleim,  /  =  Innenlamelle,  p  =  Plasma, 
11  =  Kern. 

Fig.     2.  Zeigt  das  Aufblättern  des  Schleimes  (siehe  p.  395). 

Fig.  3.  Eine  plasmolisierte  Schleimzelle.  Das  Plasma  hat  sich  von  der  Innen- 
lamelle der  Membran  abgehoben. 

Fig.     4.  Junge  Schleimzelle  mit  beginnender  Verschleimung  (siehe  p.  397). 

Fig.  5.  Detto;  der  Schleim  wölbt  sich  von  beiden  Seiten  der  Zelle  vor  (siehe 
p.  397). 

Fig.  6.  Junge  Schleimzelle  mit  einer  schlauchförmigen  Ausstülpung  (siehe 
p.  397);  der  Schleim  wölbt  sich  auch  hier  in  das  Innere  der  Zelle  vor 

Fig.     7.   Schleimzelle  mit  einem  »Zapfen»  z  (siehe  p.  396,  397). 

Fig.     8.   Schleimzelle  mit  unten  verbreitertem  Schlauche  (siehe  p.  397). 

Fig.     9.  Schleimzelle  mit  birnförmigem  Einschluß  (siehe  p.  396,  397). 

Fig.  10.  Dieselbe  nach  weiterem  Vorschreiten  der  Verschleimung. 

Fig.  11.  Die  Verschleimung  der  Zelle  in  einem  weit  vorgerückten  Stadium. 

Fig.  12.  Fünf  Schleimzellen,  deren  Schleim  zu  einer  einheitlichen  Masse  ver- 
schmolzen ist. 

Fig.  13  bis  20.  Schleimzellen  aus  Stengellängsschnitten  von 
Girardinia  palmata  mit  Schleimcystolithen. 

Dabei  bedeutet  c  =  Cj^stolith,  st  =  Stiel  des  Cystolithen. 
Fig.  13.  Cystolith  mit  langem  Stiele. 
Fig.  14.  Cystolith  in  der  Richtung  des  Stieles  gestreckt. 
Fig.  15.  Cystolith  senkrecht  zur  Richtung  des  Stieles  verbreitert. 
Fig.  1 6.  Kugelförmiger  Cystolith. 
Fig.  17.  Der  dargestellte  Cystolith  besitzt  zwei  Stiele,   von  denen  der  eine  nicht 

im  optischen  Durchschnitt  liegt,  daher  nur  zum  Teile  zu  sehen  ist. 
Fig.  18.  Zwei  Schleimzellen.  Die  Zellwand,  die  zwei  benachbarte  Zellen  trennt, 

trägt  zwei  Cystolithen. 
Fig.  19.  Der  Schleim  des  Cystolithen  nicht  geronnen. 
Fig.  20.  Cystolith  von  oben. 


Schom  ,Y .  \  ScWeimzeHen  tjeiUrticaceeii. 


Taf.I. 


liÜi.Aiust.v.Th.BHTmwm-lIi.Afieiv. 


vSitzung.sberichte  d.kais. Al^ad.d.Wiss., laatlirnatuiw. Klasse,  Bd.CXVI..^)th.1. 1907 


Schöm,^ . :  Sclüeimzellenl)eiIIrficaceeii 


Autor  del. 


I.im.AiLst.v.TIi.Baimwuilli.VVlen. 


Sitzunesbericlite  d.kais. Akad.d.Wiss., inatri.-natunv.I\l;i.sse,  Bcl.CX\l.Abtlul.  1907. 


411 


Zur  Morphologie  der  Gattung  Creochiton  Bl. 

von 
Dr.  Rudolf  Wagner. 

(Mit  1  Tafel  und  12  Textfiguren.) 
(Vorgelegt  in  der  Sitzung  am  7.  März  1907.) 

Blume  hat  in  seiner  im  Jahre  1831  in  der  Regensburger 
Flora,  Bd.  14,  erschienenen  Arbeit  Ȇber  einige  ostindische  und 
besonders  javanische  Melastomaceen«,  p.  506,  die  Gattung 
Creochiton  aufgestellt,  deren  eine  Art,  Cr.  pudibitnda,  er  schon 
einige  Jahre  vorher  als  Melastoma  in  der  nämlichen  Zeitschrift 
beschrieben  hatte. ^  Die  beiden  ihm  bekannten  Arten,  zu 
denen  vielleicht  noch  eine  dritte,  von  Miquel  1855  aufgestellte 
kommt,^  sind  Klettersträucher  aus  Java,  die  sich  im  Blütenbau 
nach  der  Ansicht  von  Bentham  und  Hooker  an  Medinilla,^ 
nach  der  von  Bai  Hon  an  Dissochaeta^  anschließen,  mit  welcher 
Gattung  sie  der  letztgenannte  Autor  gleich  mehreren  anderen 
Gattungen^  direkt  vereinigt.  Bezüglich  des  Blütenbaues  der  zwei 


'^  Melastoma  piidibundiim  Bl.  in  Fora  1825,  p.  139;  Bijdr.,  p.  1071; 
DC.  Prodr.,  Vol.  III,  p.  148. 

2  Außer  der  genannten  Art  noch  Cr.  bibradeata  Bl.  und  Cr.  emarginata 
Miq.,  welch  letztere  vom  Kew-Index  wie  auch  von  Cogniaux  in  den  Suites  au 
Prodromus,  Vol.  VII  (1891),  p.  604,  zu  Cr.  pudibtmda  Bl.  gezogen  wird. 

3  »Genus  vix  nisi  bracteis  valvatis  a  Medinilla  destinguendum«  in  Gen. 
plant.,  Vol.  I.,  p.  759  (1867). 

^  »Les  Creochitons  sont  des  Dissochaelae  diplostemonees  dont  le  bouton  est 
entoure  de  deux  bractees  concaves  et  valvaires  formant  involucre«  in  Hist. 
plant.,  Vol.  7  (1879),  p.  11  sq.;  verwiesen  wird  auf  Fig.  24,  p.  15,  die  eine 
Blütenknospe  der  mit  Dissochaeta  (Creochiton)  bibradeata  bezeichneten  Art 
darstellt. 

ä  Sakersia  Hook,  fil.,  Diccllandra  Hook,  fil.,  Omphalopus  Naud  , 
Anpledrtim  A.  Gr.,  Oxyotandra  Baill.,  die  Cogniaux  mit  Ausnahme  der  letzt- 
genannten Gattung,  die  er  mit  Medinilla  vereinigt,  alle  aufrecht  erhält. 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  KI. ;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  28 


412  R.Wagner, 

oder  drei  einander  sehr  nahe  stehenden  Arten  mag  auf  die 
Arbeit  von  Naudin,  beziehungsweise  seine  Blütenanalyse  der 
vom  Kew-Index  mit  Cr.  hibracteata  Bl.  vereinigten  Creocliitoii 
superba  Naud.  hingewiesen  werden.^ 

Bei  beiden  von  Cogniaux  akzeptierten  Arten  sind  die 
Laubblattpaare  durch  Internodien  von  10  und  mehr  Zentimeter 
Länge  getrennt;  in  den  Achseln  mehrerer  aufeinander  folgenden 
Blattpaare  finden  wir  langgestielte  Infloreszenzen,  die  am  auf- 
fallendsten bei  Cr.  ptuiihimda  Bl.  gestaltet  sind.  In  Fig.  1,  die 
nach  einem  dem  Leydener  Herbar,  also  einem  Blume'schen 
Originale,  entstammenden  Exemplar  gezeichnet  ist,  wird  der 
Torso  eines  jungen,  40  mni  messenden  Fruchtstandes  darge- 
stellt, der  ursprünglich  siebenblütig  war.  Die  Terminalblüte 
hatte  sich  augenscheinlich  zuerst  geöffnet,  dem  entspricht  die 
weiter  fortgeschrittene  Entwicklung  der  Frucht;  zu  beiden 
Seiten  ihres  Stiels  finden  wir  zwei  Narben,  die  Insertionsstellen 
der  obersten  Secundanblüten,  also  der  Vorblatthauptachsel- 
produkte;  dann  folgen  zwei  weitere  Blütenstiele,  deren  Früchte 
weniger  weit  entwickelt  sind,  und  dann  eine  Narbe,  beziehungs- 
weise eine  junge  Frucht,  auf  der  sich  noch  eines  der  acht 
Staubgefäße  und  der  Griffel  erhalten  haben.  Die  einzelnen 
Blütenstiele  dieses,  wie  es  auf  den  ersten  Blick  scheint,  serial 
bereicherten  Dichasiums  sind  in  einem  scheibenähnlichen 
Gebilde  inseriert,  auf  dem  zwei  in  der  Mitte  miteinander  ver- 
schmelzende Narben  deutlich  die  Insertion  der  abgefallenen 
Vorblätter  erkennen  lassen.  Es  ist  aber  noch  eine  weitere 
Kategorie  von  Blättern  festzustellen.  Wir  sehen  nämlich  un- 
mittelbar unterhalb  eines  jeden  Fruchtknotens  zwei  Narben,  die 
den  Insertionsstellen  der  beiden  Bracteen  entsprechen,  von 
denen  die  Gattung  ihren  Namen  hat:  »A  Marumia,  cui  habitu 

persimile,   genus   hoc bracteis  carneis   flores  juventute 

includentibus  (quibus  nomen  genericum,  a  7ypsa?,  caro,  et  y/Twv, 
tunica,  alludit)  differt«  sagt  Blume.^  Das  Aussehen  dieser 
Bracteen  bei  Cr.pudibnnda  B  l.  ist  mir  nicht  bekannt,  schließt  sich 
aber  wohl  eng  an  das  von  Cr.hibracteata  Bl.  an,  wie  es  Bai  Hon, 


1  Ann.  Sc.  Nat.,  3.  Ser.,  Vol.  18,  tab.  6,  fig.  IV 

2  Regensb.  Flora,  Vol.  14,  (1831),  p.  506. 


Morphologie  der  Gattung  Creochiton  Bl. 


413 


Fig.  1. 
Creochiton  pudihniida  Bl.  Junger  Fruchtstand.  Näheres  im  Text. 

und  zwar  unmittelbar  vor  Entfaltung  der  Krone  zur  Darstellung 
gebracht  hat.^  Jüngere  Entvvicklungsstadien  sind  weiter 
unten    in   Fig.  3   und   4  abgebildet.    Wir  gelangen   somit   fijr 


1  Hist.  plant.,  Vol.  7  (1879),  p.lö,  fig.24.  Die  Angabe  »bouton,  entoure  de 
ses  deux  bractees  laterales«  bezieht  sich  nicht  nur  auf  die  Primanblüten,  sondern 
auch  auf  die  Terminalblüte  des  unterbrochenen  Pleiochasiums  mit  seinem 
sterilen  Medianblattpaar. 

2S* 


414 


R.  Wa2;n  er. 


Cr.  piuJilninda  Bl.  zu  einem  Diagramm,  wie  es  in  Fig.  2  zu 
sehen  ist.^  Diese  Form  des  Blütenstandes  scheint  nach  dem  mir 
vorliegenden  Material  ziemlich  konstant  zu  sein,  doch  kommen 
nach  Blume's  x'\ngabe,  die  allerdings  an  Verständlichkeit  sehr 
zu  wünschen  übrig  läßt,  auch  andere  Formen  vor:  »umbellis 
simplicibus  rarius  ramosis  multifloris«  gibt  er  in  seiner  Art- 
beschreibung an.  In  welchem  Sinne  das  zu  deuten  ist,  darüber 
läßt  vielleicht  sein  Vergleich  mit  Marmnia  eine  Vermutung  zu, 
in  welcher  Gattung  nämlich  bei  der  auf  Java  und  Sumatra 
augenscheinlich     verbreiteten     M.    ninscosa    Bl.     dreipaarige 


Fig.  2. 
Creochlion  pitdihunda  Bl.  Diagramm  des  in  Fig.  1  dargestellten  Blütenstandes. 

Näheres  im  Text. 


Secundanpleiochasien  vorkommen,  allein  es  wäre  verfrüht,  in 
dieser  Hinsicht  einen  halbwegs  sicheren  Schluß  ziehen  zu  wollen. 
Den  Anschein  einfacher  Dichasien^  erwecken  die  Blüten- 
stände der  Cr.  hibracteata  Bl.,  die  mir  in  Exemplaren  vorliegen, 
die  Jelinek  anläßlich  der  Novaraexpedition  auf  Java  gesammelt 
hat;   über  den  Fundort  wird  nichts  Genaueres  mitgeteilt,  nach 


1  Sollte  Cr.emai'ginaia  Miq.,  die  in  4000  Fuß  Höhe  am  Pengalengang  auf 
Java  gesammelt  wurde,  als  Art  aufrecht  zu  halten  sein,  so  scheint  sie  sich 
bezüglich  der  morphologischen  Verhältnisse  Qng  a.n  Cr.  pitdibunda  Bl.  anzu- 
schHeßen:  »pedunculi  axillares  terminalesque  5 — S-flori«  gibt  Miquel  1.  c.  an; 
sechs-  oder  achtblütige  Infloreszenzen  wären  demnach  in  der  Weise  zu  erklären, 
daß  die  Serialsprosse  nicht  symmetrisch  zur  Entwicklung  gelangen. 

2  »Umbellis  simplicibus  paucifloris  sagt  Blume  1.  c,  p.  506. 


Morphologie  der  Gattung  Crcochiton  Bl. 


415 


den  Angaben  Blume 's  wachsen  beide 
Arten  an  den  Abhängen  des  west- 
javanischen Vulkanes  Salak.  In  Fig.  3 
ist  ein  junger  Blütenstand  abgebildet, 
dessen  Länge  mit  Stiel  47  mm  beträgt; 
die  Secundanblüten  sind  von  ihren  Vor- 
blättern vollständig  eingeschlossen,  eben- 
so von  einem  gleich  gestalteten  Blatt- 
paar die  Primanblüte.  An  der  Basis  der 
drei  Blütenstiele  sehen  wir  eine  kleine 
Anschwellung,  die  der  Insertion  der 
beiden  frühzeitig  abgefallenen  Vorblätter 
entspricht.  An  der  durch  die  Primanblüte 
abgeschlossenen  Achse  sind  also  wie  bei 
Cr.  piuUhunda  Bl.  zwei  Blattpaare  in- 
seriert, deren  oberes  stets  steril  ist  und 
sich  in  seiner  Gestalt  vollständig  an  die 
Secundanvorblätter  anschließt.  Über  das 
Aussehen  der  so  früh  verloren  gehenden 
Primanvorblätter  orientiert  Fig.  4,  auch 
sie  sind  ausgesprochen  kahnförmig  und 
die  Beschaffenheit  ihrer  Ränder  läßt  es 
wahrscheinlich  erscheinen,  daß  sie  in 
noch  jüngeren  Entwicklungsstadien  in 
ganz  ähnlicher  Weise  zusammenge- 
schlossen haben,  wie  das  vom  zweiten 
Blattpaar  und  den  Secundanvorblättern 
gilt.  Im  Verein  mit  dem  dichten,  filzigen 
Indument  bilden  diese  Hochblattpaare 
einen  wirksamen  Schutz  für  die  jungen 
Knospen. 

Wie  aus  Fig.  4  hervorgeht,  die  nach 
einem  in  natura  14  mm  messenden 
Blütenstande  gezeichnet  ist,  eilt  die 
Primanblüte  den  Secundanblüten  in  der 
Entwicklung  weit  voraus,  wie  wir  das 
von  cumösen  Systemen  gewöhnt  sind; 
erst  später  wird  sie  von  den  Secundan- 


Fig.  3. 

Creochiton  bihracteata  Bl. 

Junger  Blütenstand. 

Näheres  im  Text. 


416 


R.  W  a  g  n  e  r, 


bluten,  wenigstens  was  die  Länge  der  Blütenstiele  anbelangt, 
eingeholt;  in  dem  abgebildeten  Stadium  ist  das  Internodium 
zwischen  Primanvorblättern  und  zweitem  Vorblattpaar  noch 
nicht    gestreckt,    die   Knospen    der  Secundanblüten   inklusive 

Vorblätter  haben  noch  nicht  die  halbe 
Größe  der  Endknospe  erreicht. 

Es  fragt  sich  nun,  in  welche  Kate- 
gorie von  Infloreszenzen  wir  diese 
Blütenstände,  die  sich  voneinander 
nur  durch  die  seriale  Bereicherung  des 
einen  unterscheiden,  einzureihen  haben, 
und  ob  es  auf  Grund  unserer  bis- 
herigen Erfahrungen  möglich  ist, 
Schlüsse,  die  eine  erhebliche  Wahr- 
scheinlichkeit für  sich  haben,  in  Bezug 
auf  die  Phylogenie  dieser  Gebilde  zu 
ziehen.  Daß  sie  Cymen  darstellen, 
bedarf  wohl  keiner  weiteren  Erläu- 
terung; vom  Dichasium,  beziehungs- 
weise dem  serial  bereicherten  Dicha- 
sium unterscheiden  sie  sich  durch  das 
Vorhandensein  eines  zweiten  Blatt- 
paares an  der  Blütenstandshauptachse, 
das  in  unseren  Fällen  stets  steril  ist, 
und  die  Fähigkeit,  ein  Achselprodukt 
zu  entwickeln,  gänzlich  eingebüßt  hat. 
Wir  werden  somit  auf  Grund  der  vor 
vier  Jahren  publizierten  Untersuchungen  den  in  Fig.  5  dia- 
grammatisch dargestellten  Blütenstand  als  ein  zwei  paariges 
unterbrochenes  Primanpleiochasium  bezeichnen,^  wie 
es  schon  von  der  ma.daga.ssischen Medinilla papulosa  Bak.  und 


Fig.  4. 

Creochiton  hihractcata  Bl. 

Junger  Blütenstand. 

Näheres  im  Text. 


1  Cogniaux  gibt  in  seiner  Monographie  p.  605  an  »pedunculis  1 — 3- 
fioris«  ;  wie  die  pedunculi  uniflori  zu  deuten  sind,  sagt  er  nicht;  möglicherweise 
kommen  axilläre  Einzelblüten  vor,  die  nur  die  beiden  Vorblätter  haben,  ohne 
daß  ein  zweites  Blattpaar  folgt;  das  scheint  mir  aber  n'cht  recht  wahrscheinlich, 
sondern  ich  glaube  eher,  daß  man  es  da  mit  dem  unten  von  Marninia  leprosa 
Korth.  und  Blakea  Spniceana  Cogn.  erwähnten  Falle  zu  tun  hat,  daß  das 
Involucrum  als  zweites  stets  steriles  Blattpaar  auftritt. 


Morphologie  der  Gattung  Creochiton  Bl. 


417 


von  Exemplaren  der  im  indomalayischen  Archipel  weit  ver- 
breiteten Maruniia  nemorosa  Bl.  bekannt  ist.^  Dem  Verhalten 
dieser  beiden  Arten  entspricht  auch  vollständig  der  Blütenstand 


® 


Creochiton  bibracteala  Bl.  Diagramm  eines  Blütenstandes.  Näheres  im  Text. 

der  Osheckia  niitans  Wall;  das  mir  vorliegende  Exemplar  ist 
im  östlichen  Himalaya  gesammelt  und  entstammt  dem  Herbar 
Griffith. 

Die  Ableitung  der  unterbrochenen  Pleiochasien  mag  an  der 
zitierten  Stelle  p.414,  199  nachgesehen  werden;  ich  beschränke 


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Fig.  6. 
Osheckia  niitans  Wall.,  Diagramm  eines  Blütenstandes;  gilt  auch  für  MeäiniUa 
papulosa  Bak.    und   zum  Teile  für  Marumia  nemorosa  Bl.  Näheres  im  Text. 

mich  hier  auf  die  Angabe,  daß  nach  den  dort  vertretenen 
Anschauungen  derartige  Gebilde  zunächst  von  Formen  ab- 
stammen, deren  Terminal-,  beziehungsweise  Primanblüte  inner- 
halb des  ganzen  Blütenstandes  zuerst  sich  entwickelte,  worauf 
die  Priman-,  beziehungsweise   Secundanblüten  in  akropetaler 


1  Ann.  k.  k.  Naturhist.  Hofmus.  Bd.  18  (1903),  p.  417. 


418  R.  Wagner, 

Folge  zur  Entwicklunggelangten;  als  Spezialfall  ist  dann  die 
nur  mehr  ausnahmsweise  Entwicklung  der  obersten  Achsel- 
produkte, als  extremer  Fall  die  gänzliche  Sterilität  der- 
selben zu  betrachten. 

Dieses  Verhalten,  die  Ausbildung  unterbrochener  Pleio- 
chasien,  das  auch  von  einigen  nicht  zu  den  Melastomaceen 
gehörigen  Pflanzen  bekannt  ist,  scheint  innerhalb  der  Familie 
recht  verbreitet  zu  sein;  es  mögen  einige  Beispiele,  die  ver- 
schiedenen Tribus  entnommen  sind,  diese  Tatsache  illustrieren.^ 
Tibouchineae,  Chaetolepis  aJpestris  Tr.  aus  den 
Cordilleren  von  Columbien  besitzt  terminale,  dekussierte,  unter- 
brochene Pleiochasien. 

Tihouchina  ochypetala  (R.  et  P.)  Bai  IL,  Cuchero,  Peru,  leg. 
Popp  ig.  In  den  w^enigpaarigen  unterbrochenen  Secundan- 
pleiochasien  finden  wir  nicht  nur  unterhalb  der  Terminalblüte 
ein  steriles  Blattpaar,  sondern  auch  die  untersten  aus  Laub- 
blättern axillären  Partialinfloreszenzen  erster  Ordnung  stellen 
bisweilen  wenigstens  unterbrochene  zweipaarige  Priman- 
pleiochasien  dar. 

Tibonchma Marthisiana  Co gn.,  (Brasilien,  leg.  Pohl)  be- 
sitzt terminale  BliJtenstände,  deren  Diagramm  in  Fig.  7  dar- 
gestellt ist.  Abgesehen  von  der  Unterbrechung,  die  durch  X 
kenntlich  gemacht  ist,  fällt  die  seriale  Bereicherung  auf,  ein 
Punkt,  auf  den  wir  später  noch  zurückkommen  werden. 

Osbeckieae.  Osheckia  octandra  (L.)  DC.  aus  Ostindien 
Herbar  Wight.  Hier  kommen  terminale  dreiblütige,  also  zwei- 
paarige unterbrochene  Primanpleiochasien  vor. 

Merianieae.  Pachyloma  htiberioides  (Naud.)  Tr.,  Exem- 
plarevom  RioNegro,  leg.R.  Spruce,  n.  2015.  Vierpaariges  unter- 
brochenes Secundanpleiochasium.  Das  unterste  Blattpaar  stützt 
zwei  dreiblütige  Dichasien,  die  nichts  Bemerkenswertes  bieten, 
die  beiden  folgenden  Blattpaare  Einzelblüten  mit  sterilen  Vor- 
blättern, das  vierte  Blattpaar  ist  steril. 

Behuria  iusignis  Cham.,  Brasilien,  leg.  Riedel.  Die 
nebenbei  bemerkt  mehr    oder  minder  anisophylle  Pflanze  hat 


1  Ich  halte   mich   in   den  folgenden  Darstellungen  fast  ausschließlich  an 
eigene    Beobachtungen     und    ziehe  nur    ausnahmsweise   Abbildungen   herbei. 


Morphologie  der  Gattung  CreocliHon  Bl.  419 

gewöhnlich  Primanpleiochasien,  deren  oberstes  steriles  Blatt- 
paar ähnlich  wie  bei  Creochiton  zu  einem  Involucrum  ent- 
wickelt ist. 

Dissochaeteae.  Sakevsia  africana  Hook,  fil.,  aus  Bipinde 
in  Kamerun,  Zenker,  Flora  von  Kamerun,  n.  2317,  hat  terminale 
wenigpaarige  dekussierte  Pleiochasien,  die  öfters  unterbrochen 


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Fig.  7. 
Tibotichma    Martiusiana   Cogn.    Diagramm    eines   terminalen    Blütenstandes. 

Näheres  im  Text. 

sind;  dasselbe  wiederholt  sich  in  den  Partialinfloreszenzen 
erster  Ordnung.  Damit  hätten  wir  also  eine  Art,  bei  der  dieser 
Charakter  noch  nicht  zu  der  bei  Creochiton  errreichten  Kon- 
stanz gelangt  ist. 

Medinilla  papulosa  Bak.  cfr.  oben. 

Miconieae.  CJiarianthus  nodosa  Tr.  vom  Mont  Pelee 
auf  Martinique,  leg.  Hahn,  Plantes  de  la  Martinique,  n.456.  Aus 
dem  alten  Holze  entwickeln  sich  dekussierte  unterbrochene 
Pleiochasien. 

Leandra  (Oxymeris)  quinquenodis  (DC.)  Cogn.,  im  Orgel- 
gebirge von  Gardner  gesammelt.  Die  Blütenstände  sind  mehr- 
paarige, so  gelegentlich  siebenpaarige  unterbrochene  Pleio- 
chasien. 


420  R.Wagner, 

Leandra  aaitißora  (Naud.)  Cogn.,  Brasilien,  verbreitet. 
Die  sparrigen  Blütenstände  sind  mehrpaarige  unterbrochene 
Pleiochasien. 

Blakeae.  Blakea  Spruceana  Cogn.,  gehört  nach  der  von 
Krasser  in  den  Nat.  Pflanzenfam.  III,  7,  p.  193,  reproduzierten 
Abbildung  aus  der  Flora  Brasiliensis  wohl  auch  bis  zu  gewissem 
Grade  in  diese  Kategorie.  Es  liegt  nahe,  sich  das  vierblätterige 
Involucrum^  der  »axillären  Einzelblüten«  in  der  Weise 
entstanden  zu  denken,  daß  man  in  den  zweipaarigen  unter- 
brochenen Pleiochasien,  wie  wir  sie  von  Medinilla  papulosa 
Bak.,  Creochiton  bibracteata  BL,  Marumia  nemorosa  Bl.  und 
den  beiden  oben  genannten  Osbeckien  kennen,  die  Entwicklung 
der  Vorblattachselprodukte  sich  immer  mehr  verspäten  läßt,  bis 
sie  zunächst  zu  den  Seltenheiten  gehören  und  dann  schließlich 
das  Extrem,  die  gänzliche  Sterilität  eintritt.  Eine  Stütze  dürfte 
diese  Anschauung  im  Verhalten  der  Marumia  Jeprosa  Korth., 
aus  Borneo  (Originalexemplare  leg.  Korthals)  finden,  wo  die 
Secundanblüten  frühzeitig  unterdrückt  werden. 

Es  erübrigt  noch,  über  das  Vorkommen  von  Serialsprossen 
in  der  Familie  einiges  mitzuteilen.  Dieselben  sind  außerordent- 
lich verbreitet  und  ich  beschränke  mich  an  dieser  Stelle  darauf, 
aus  dem  umfangreichen  diesbezüglichen  Beobachtungsmaterial 
eine  Anzahl  von  Beispielen,  die  verschiedenen  Tribus  ent- 
nommen sind,  mitzuteilen. 2 

Tibouchineae.  Biicqnctia  gintinosa  DC.  (Columbien,  leg. 
Tr.).  Die  dekussierten  wenigpaarigen  Primanpleiochasien 
sind  öfters  durch  seriale  Blüten  bereichert. 


1  Cfr.  die  Abbildungen  von  Blakea  gracilis  Hemsl.  in  Biol.  Cent.  Amer. 
Bot,  Vol.l,  p.  433,  t.  23,  und  neuerdines  in  Curtis'Bot.  Mag.,  t.  8099  (X,  1906); 
das  Involucrum  besteht  hier  aus  zwei  sehr  ungleichen  Blattpaaren,  deren 
Orientierung  nicht  ersichtlich  ist;  wahrscheinlich  ist  das  größere  Blattpaar  das 
untere.  Über  die  Stellung  der  Blüten  bemerkt  S.  A.  Skan  in  Curtis'  1.  c. 
»Flores  axillares,  solitarii  vel  rare  geminati«.  Bezüglich  der  angeblichen 
Axillarität  gibt  das  von  der  übrigens  nahe  ve'cwa.ndiien  Bl.  Spruceana  Cogn. 
Gesagte;  die  »Flores  geminati«  weisen  vielleicht  auf  ein  Verhältnis,  wie  es  bei 
Cr.  bibracteata  Bl.  besteht,  mit  dem  Unterschiede,  daß  nur  ein  Involucral- 
achselprodukt  entwickelt  ist. 

2  Übrigens  lassen  sich  die  Beispiele  leicht  durch  die  Ikonographien 
vermehren. 


Morphologie  der  Gattung  Creochilon  BI.  421 

Pterolepis  trichotouia  Cogn.,  Brasilien,  verbreitet.  Die 
Partialinfloreszenzen  erster  und  zweiter  Ordnung  sind  gele- 
gentlich durch  seriale  Infloreszenzen  bereichert. 

Tiboiichina  CandoUeaiia  Cogn.,  (Minas  Geraes,  leg. 
Vauthier).  Die  terminalen,  sehr  lockeren  Blütenstände  sind 
wenigpaarige  Pleiochasien;  die  mitteren  Partialinfloreszenzen 
erster  Ordnung  sind  häufig  durch  seriale  Blütenstände  berei- 
chert, während  die  obersten  der  Beisprosse  entbehren. 

Microlepis  oleaefoUa  Tr.  Brasilien,  leg.  Sellow.  Die 
endständigen  Infloreszenzen  sind  vielpaarige  dekussierte  Pleio- 
chasien;   die    untersten    Partialinfloreszenzen    erster  Ordnung 


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Fig.  8. 
Pyramia pityropliylla  Cham.  Diagramm  eines  Blütenstandes.  Näheres  im  Text. 

Stellen  wenigpaarige  Pleiochasien  dar  und  sind  durch  einfachere 
Infloreszenzen  bereichert. 

Rhexieae.  MonocJiaetiun  Bonplaiidii  Naud.,  Columbien, 
leg.  Triana?  In  der  vegetativen  Region  sind  basipetale  Serial- 
sprossen  reichlich  entwickelt. 

Microlicieae,  Pyramia  pityrophyUa  Cham.,  Brasilien,  leg. 
Martius.  Die  tenninale  Infloreszenz  ist  ein  dekussiertes  Pleio- 
chasium,  dessen  unterste  Partialinfloreszenzen  erster  Ordnung 
serial  durch  Einzelblüten  bereichert  sind.  Vergl. Diagramm  Fig.8. 

Merianieae.  CalyptreUa  gracilis  Tr.,  Tarapoto  in  Ostperu, 
leg.  R.  Spruce,  n.  4896.  Die  Partialinfloreszenzen  erster 
Ordnung  der  terminalen  dekussierten  Pleiochasien  sind  durch 
kleine  Blütenstände  bereichert.  Noch  deutlicher  treten  die 
Beisprosse  hervor  bei 


422 


R.  Wagner, 


Calyptrella  tristis  Tr.  vom  Campana  in  Ostperu,  leg. 
R.  Sprue e,  n.  4823,  wo  die  Partialinfloreszenzen  erster  Ordnung 
des  sonst  ähnlich  gebauten  Blütenstandes,  öfters  durch  zwei 
serial  angeordnete  Beisprosse  bereichert  erscheinen. 

Adelohotrys  fiiscesceiis  Tr.,  Provinz  Choco  in  Columbien, 
leg,  Triana.  In  den  terminalen  dekussierten  Pleiochasien 
dieser  Art,  deren  höhere  Partialinfloreszenzen  doldenförmig 
sind,  treten  öfters  seriale  Infloreszenzen  auf. 

Meriania  nrceoJata  Tr.  von  Panure  am  Rio  Negro,  leg. 
R.  Spruce.   Unter   den  doldenförmigen    Partialinfloreszenzen 


Fig.  9. 
Blastus  Cogniaiixii  Stapf.  Diagramm  eines  Blutenstandes.  Näheres  im  Text. 


erster  Ordnung,   deren  Aufbau   weiter  nicht  bekannt  ist,  treten 
oft  seriale  Dichasien  hervor. 

Graffeiirieda  intermedia  Tr.  aus  Tarapoto  in  Ostperu, 
leg.  R.  Spruce,  n.  4253.  Die  terminalen  wenigpaarigen  Pleio- 
chasien dieser  ausgesprochen  anisophyllen  Pflanze  weisen  in 
den  ersten  beiden  Verzweigungsgenerationen  Bereicherungen 
durch  Beisprosse  auf. 

Oxysporeae.  Fliornoikanmus  tliymoides  Bak.  aus  Mada- 
gaskar entwickelt  nach  der  Abbildung  bei  Grandidier,  vol.  V'., 
p.  392,  in  der  vegetativen  Region  ebensolche  Beisprosse. 

Blastus  Cogtiiauxii  Stapf.  Die  untersten  Partialinflores- 
zenzen der  in  Hooker's  Icones  Plantarum,  tab.  2311  (1894), 
abgebildeten  Pflanze  sind  bisweilen  durch  kleine  Infloreszenzen 


Morphologie  der  GaUung  Creochiton  Bl.  423 

bereichert.  Dasselbe  gilt  von  Exemplaren  von  der  malayischen 
Halbinsel,  wie  sie  das  Mus.  Pal.  aufbewahrt.  In  Fig.  9  ist  das 
Diagramm  eines  derartigen  Blütenstandes  dargestellt,  wobei  die 
Doppelkreise  4  bis  8-blütige  doldenförmige  Partialinfloreszenzen 
von  nicht  näher  bekanntem  Bau  darstellen. 

Dissochaeteae.  Medinilla  Ciirtisii  Hook,  fil.,  aus  West- 
sumatra. Der  Blütenstand  bildet  ein  durch  seriale  Infloreszenzen 
bereichertes  dekussiertes  Pleiochasium. 

Phaeotienron    dicellandroides 
^  Gilg.  Yaunde,  Zenker,  Flora  von 

Kamerun,  n.  1418.  In  der  vege- 
tativen Region  sind  basipetale 
Serialknospen  vorhanden. 

i      /^~^       [        j       r~\      \  Miconieae.  Lemidra  ampJexi- 

\     \^       Vy       ^     /    a7?///5  DC,  Brasilien,  Pohl,  n.  3749. 

In  einem  der  untersuchten  Fälle 
sind  die  untersten  Partialinflores- 
zenzen erster  Ordnung  des  sieben- 
paarigen dekussierten  Pleiocha- 
siums  durch  seriale  doldenförmige 
Infloreszenzen  bereichert. 


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i /^  /^   A  f~\i  Leandraniangaeformis  Cogn., 

^-  ^  Orgelgebirge,  leg.  Gardner,  n. 386. 

Die     spannenlangen    dekussierten 

^.     ,^  Pleiochasien     gehen     in    Doppel- 

rig.  10. 
,  ,      ^         .  TT     ,    ^,  T.-     Wickel    über;    solche    finden  sich 
Plerocladon  Sprucet  Hook.  fil.  Dia- 
gramm  einer Partialinfloreszenz      ^Uch  als   BeisprOSSe  unterhalb    der 
erster  Ordnung.  Näheres  im  Text.    Partialinfloreszenzen    erster    Ord- 
nung. 
Coiiostegia  arhorea  Schauer,  Pringle,  Plantae  mexicanae, 
n.  8170,  bei  Jalapa.  In  den  terminalen  dekussierten  Pleiochasien 
finden  sich  unterhalb  der  untersten  Partialinfloreszenzen  erster 
Ordnung  seriale  dreiblütige  Dichasien. 

Micoiiia  campestris  Tr.,  von  San  Gabriel  de  Cachoeira 
am  Rio  Negro,  leg.  R.  Spruce,  n.  2147,  entA'ickelt  bei  den 
untersten  Partialinfloreszenzen  erster  Ordnung  kleinere  seriale 
Blütenstände,  deren  Bau  sich  einer  flüchtigen  Analyse  entzieht. 


424 


R.  Wagner, 


Außerdem  finden  sich  solche  Beisprosse  noch  bei  vielen  Arten 
dieser  gegen  600  Arten  zählenden  Gattung. 

Pterocladoii  Sprucei  Hook,  fil.,  vom  Campana  bei  Tarapoto 
in  Ostperu,  leg.  R.  Spruce,  n.  4312.  Die  Partialinfloreszenzen 
erster  Ordnung  des  fünfpaarigen  dekussierten  Pleiochasiums 
sind  durch  zwei  dreiblütige  Dichasien  bereichert.  Vergl.  Dia- 
gramm Fig.  10.  Auch  vegetative  Serialsprosse  kommen  bei 
dieser  Art  vor. 

Pachyanihus Poiretii G riseh.  aus  Kuba,  Wright,  PL  Cub., 
n.  2521.  Die  terminalen  Blütenstände  sind  aus  fünf  Blüten- 
ständen zusammengesetzt,  die  armblütige  Köpfchen  darstellen; 
cfr.  Diagramm  Fig.  1 1 . 


Pachyanihus  Poiretii  Griseb.  Diagramm  des  terminalen  Blütenstandes. 
Näheres  im  Te.xt. 


Maiete  Poeppigii Mar t.,  von  Ega  am  Amazonenstrom,  leg. 
Pöppig,  n.  3025,  eine  stark  anisophylle  Art,  entwickelt  unter- 
halb vegetativer  Sprosse  seriale  Infloreszenzen;  außerdem 
scheinen  auch  terminale  Blütenstände  vorzukommen. 

Clidentia  umbonata  DC,  Brasilien,  leg.  Pohl  hat  wenig- 
paarige, dekussierte  Pleiochasien,  deren  unterste  Partialinflores- 
zenzen erster  Ordnung  öfters  durch  Dichasien  bereichert  sind. 

Mecranmni  aniygdalimim  (Desr.)  Tr.  C  integrifolia  Co gn. 
aus  Kuba,  Linden,  n.  2010,  hat  axilläre  Blütenstände,  die 
vvenigpaarige  Pleiochasien  darstellen;  die  untersten  Partial- 
infloreszenzen erster  Ordnung  sind  öfters  durch  kleine  Blüten- 
stände bereichert. 


Morphologie  der  Gattung  Creocliiton  Bl. 


425 


Bellucia  ciramiscissa  Spruce,  von  San  Gabriel  de 
Cachoeira  am  Rio  Negro,  leg.  R.  Spruce,  n.  262.  In  den  Ach- 
seln opponierter  Blätter  stehen  die  dichasial  gebauten,  anschei- 
nend in  Wickel  ausgehenden  Blütenstände.  Serial  finden  sich 
kleinere  Infloreszenzen. 

Ossaea  üivolticrata  (Griseb.)  Tr.,  in  den  Plant.  Gubens, 
Wright,  n.  194,  unter  dem  Namen  Calycogoniimi  involncratum 
Griseb.    ausgegeben,   hat   bisweilen  unterhalb  axillärer  Laub- 


Fig.  12. 

Ossaea     involncrata    (Griseb.)    Tr.    Diagramm    eines    Verzweigungssystems 

mit  einem  terminalen  und  zwei  serialen  Blutenständen. 


sprosse  seriale  Infloreszenzen  von  Köpfchenform,  deren  Vor- 
blätter steril  sind,  wie  im  Diagramm  Fig.  12  angedeutet. 

Loveya  ovata  O.  Berg.,  von  Panure  am  Rio  Waupes,^  leg. 
R.  Spruce,  n.  2899,  entwickelt  aus  dem  alten  Holze  serial 
bereicherte  Infloreszenzen,  und  zwar  scheinen  Hauptachsel- 
produkt und  Bereicherungssproß  den  nämlichen  Bau  aufzu- 
weisen; zu  genaueren  Feststellungen  versagt  leider  das  Material. 

Blakeae.  Blakea  Uihercnlata  Donn.  Sm.,  von  La  Palma  in 
Costarica,   Ton  duz,    n.    12435.    Soweit  das  sehr  kräftig  ent- 


1  Ein   rechter  Nebenfluß  des  Rio  Negro,    nahe   der  Grenze   von  Brasilien 
und  Peru. 


426  R.  Wagner, 

wickelte  Indument  eine  Beobachtung  zuläßt,  stehen  in  den 
Blattachseln  zwei  oder  drei  Bliiten  untereinander.  Noch  deut- 
licher treten  derartige  Serialbildungen  hervor  bei 

Topohea  subscabrula  Tr.,  von  San  Pablo  in  der  Montana 
von  Barbacoas  in  Columbien,  einer  Pflanze,  die  in  gewisser 
Hinsicht  an  die  in  Kultur  befindliche  Capparis  caUosa  Bl. 
erinnert;  man  findet  nämlich  in  den  beiden  Blattachseln  bis 
zu  sechs  serial  entwickelte  Blüten,  allerdings  im.  Gegensatze 
zu  der  Capparis  unterhalb  eines  in  den  vorliegenden  Studien 
nur  sehr  schwach  entwickelten  Laubsprosses. 

Astronieae.  Astronia  Rolfei  Wi 6. &\,  von  den  Philippinen, 
Cuming,  n.  1723.  Die  Partialinfloreszenzen  erster  und  teilweise 
auch  zweiter  Ordnung  sind  durch  Beisprosse  floralen  Charakters, 
durch  kleine  Blütenstände  bereichert. 

Axinandreae.  Dactylocladus  stenostachyiis  Oliv.  Nach  der 
in  H  o  o  k  e  r '  s  Icones  plantarum,  tab.  235 1 ,  mitgeteilten  Abbildung 
kommen  sehr  kräftig  entwickelte  vegetative  Beisprosse  vor; 
ähnliches  scheint  sich  in  der  floralen  Region  zu  finden,  wenig- 
stens nach  der  Angabe  zu  schließen  >Flores  parvi  in  racemos 
terminales  saepius  3 — 5-natim  paniculatos  dispositi«.  Der  aus 
Borneo  stammende  Strauch  ist  mir  nicht  aus  Autopsie  bekannt. 

Memecyleae.  Motiriria  vernicosa  Naud.,  von  Panure  am 
Rio  Waupes,  leg.  R.  Spruce,  n.  2621,  ausgegeben  unter  dem 
Namen  M.  graveolens  Spr.  Jeder  axilläre  Blütenstand  ist 
durch  eine  oder  zwei  serial  angeordnete,  etwas  schwächere 
Infloreszenzen  bereichert. 

Alemecylon  paniculafnm  Jack.,  von  den  Philippinen,  leg. 
Cuming,  n.  889.  Die  terminale  Infloreszenz  ist  eine  habituell 
vom  Gros  der  Melastomaceen  recht  abweichende  Rispe,  deren 
Partialinfloreszenzen  erster  und  vielleicht  auch  gelegentlich 
höherer  Ordnung  durch  einen  oder  zwei  Beisprosse  teilweise 
bereichert  sind.  Im  übrigen  entzieht  sich  die  Darstellung  ihrer 
Kompliziertheit  wegen  einer  kurzen  Behandlung. 


Wie  aus  den  obigen  Darlegungen  hervorgeht,  sind  die  bei 
unseren  beiden  Creochitoii- Arten  beobachteten  Charaktere, 
nämlich  das  Auftreten  unterbrochener  Pleiochasien  sowie  das- 


Morphologie  der  Gattung  Creochiton  Bl.  427 

jenige  von  kräftig  entwickelten,  für  den  Habitus  charakteristi- 
schen Beisprossen  keine  kasuistischen  Seltenheiten  in  der 
Familie,  sondern  von  den  Autoren  bisher  einfach  übersehen 
oder  nicht  erwähnt.  Besondere  Schlüsse  weitergehender  Art, 
als  das  schon  früher  angedeutet,  zu  ziehen,  scheint  mir  nicht 
statthaft,  solange  uns  eine  sich  auf  große  Erfahrungen  auf  ein- 
schlägigem Gebiet  und  ein  riesiges  Material  sich  stützende 
vergleichende  Untersuchung  fehlt.  Aber  überall  und  immer 
sind  es  die  Materialschwierigkeiten,  der  Umstand,  daß  man 
ähnlich  wie  der  Paläontologe,  auf  kleine,  oft  schlecht  erhaltene 
Fragmente  angewiesen  ist  und  bei  den  wichtigsten  Punkten 
auf  eine  weitere  Untersuchung  verzichten  muß,  weil  das 
Material  versagt.  So  müssen  wir  uns  damit  begnügen,  in 
kleinen  Schritten  wenigstens  den  oder  jenen  Punkt  aufzu- 
klären, die  weitere  Spekulation  liegt  noch  in  weiter  Ferne. 

Zum  Schlüsse  sei  es  mir  noch  gestattet,  Herrn  Kustos 
Dr.  A.  Zahlbr uckner,  dessen  liebenswürdigem  Entgegen- 
kommen ich  die  Möglichkeit  verdanke,  die  Sammlungen  des 
Naturhistorischen  Hofmuseums  zu  benützen,  meinen  verbind- 
lichsten Dank  auszusprechen. 


Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  KL;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I. 


29 


429 


Ober  eigentümliche  Gebilde  in  dem  Thallus 
der  Flechte  Physma  dalmaticum  A.  Zahlbr/ 

von 
Em.  Senft. 

Aus  dem  chemischen  Laboratorium  des  k.  u.  k.  MiHtärsanitätskomitees  (Vorstand 
k.  u.  k.  Generalstabsarzt  Prof.  Dr.  Fl.  Kratschmer). 

(Mit  1  Tafel.) 

(Vorgelegt  in  der  Sitzung  am  21.  März  1907.) 

In  den  Vorarbeiten  zu  einer  Fiechtenflora  Dalmatiens 
bringt  A.  Zahlbruckner^  eine  ausführliche  Diagnose  dieser 
Flechte,  welche  an  Eichen  bei  Meljine  nächst  Castelnuovo  von 
Weiss  und  im  Walde  bei  Basanka  von  Baumgartner 
gesammelt  wurde. 

Der  Diagnose  dieser  Flechte  fügt  Zahlbruckner  eine 
eingehende  Beschreibung  eigentümlicher  Gebilde  bei,  welche 
er  in  dem  Thallus  des  Physma  dalmaticum  vorfand  und  welche 
hier  mit  Rücksicht  auf  die  Wichtigkeit  dieses  Befundes  wörtlich 
wiedergegeben  wird. 

»Besondere  Aufmerksamkeit  verdienen  eigenartige  Gebilde, 
welche  ich  (A.  Zahlbruckner)  im  Lager  sowohl  der  von 
Baumgartner  in  Dalmatien  gesammelten  wie  auch  in  den 
von  Anzi  verteilten  italienischen  Stücken  konstant  auffand. 
Diese  Gebilde  sehen  äußerlich  gewissen  Cystolithen  nicht 
unähnlich.  Sie  treten  insbesondere  in  dem  gonidienarmen,  von 
Hyphen  weniger  durchzogenen  Zentralteile  des  Lagers  in 
großer  Menge  vor.  Am  zahlreichsten  fand  ich  sie  in  den  Ver- 
ästelungen des  Lagers,  in  welchen  sie  bis  knapp  an  die  end- 
ständigen Apothecien  heranreichen;  hingegen  nehmen  sie  an 


1  Physma  amphaJarioidcs  Arnold  in  Flora,    1867,  p.  119,  Tab.  I,  Fig.  1. 

2  A.  Zahlbruckner,    Österr.  Botanische  Zeitschrift,    1901,  Nr.  8  und  9. 


29* 


430  Em.  Senft, 

Zahl  im  basalen,  unverzweigten,  durch  die  blasse  Farbe  auf- 
fallenden Teile  des  Lagers  bedeutend  ab.  In  Größe  und  Form 
variieren  diese  Inhaltskörper  außerordentlich. 

In  ihrer  einfachsten,  offenbar  jugendlichen  Form  stellen  sie 
kugelige  bis  eiförmige,  einfache  Körper  dar,  später  wird  ihre 
Gestalt,  bei  Vergrößerung  des  Volumens,  eine  mehr  unregel- 
mäßige, die  einzelnen  Körper  klüften  sich  oder  zeigen  eine 
fast  lappenartige  Ausbildung.  Letztere  Form  scheint  mitunter 
aus  dem  Zusammenfließen  mehrerer  Individuen  hervorgegangen 
zu  sein.  Die  Inhaltskörper  sind  farblos,  ziemlich  lichtbrechend 
und  ungeschichtet.  Ihre  in  den  Jugendstadien  glatte  Oberfläche 
zeigt  später  bei  stärkerer  Vergrößerung,  namentlich  bei  Behand- 
lung mit  Salzsäure  und  Jodtinktur,  eine  länger  oder  kürzer 
gestrichelte  oder  kleingrubige  Oberfläche. 

Es  liegen  diese  Inhaltskörper  ferner  zumeist  frei  in  der 
Gallerte;  ich  konnte  eine  Verbindung  derselben  mit  Hyphen 
in  den  von  mir  durchsuchten  Schnitten  mit  Sicherheit  nicht 
feststellen,  obwohl  es  in  einigen  wenigen  Fällen  den  Anschein 
hatte,  als  ob  die  Inhaltskörper  des  Lagers  endständig  einer 
Hyphe  aufsitzen  würden.  Ihre  Größe  variiert  von  30  bis  200  [j- 
im  Durchmesser.  Dem  Drücken  des  Deckgläschens  auf  dem 
Objektträger  setzen  sie  einen  großen  Widerstand  entgegen;  es 
gelang  mir  nicht,  sie  zu  zerquetschen  oder  zu  zerbrechen. 
Über  die  chemische  Natur  dieser  Inhaltskörper  konnte  ich  bei 
dem  nicht  zu  reichlichen  Materiale  keine  näheren  Unter- 
suchungen vornehmen;  ich  konnte  nur  beobachten,  daß  sie 
Kalilauge  nicht  ändert,  daß  sie  durch  Salzsäure  nicht  gelöst 
werden  und  daß  ihnen  Jodtinktur  (in  der  Zusammensetzung, 
wie  sie  in  der  Lichenologie  angewendet  wird)  eine  blaßgelb- 
liche  Farbe  verleiht.  Diese  wenigen  Angaben  genügen  natürlich 
nicht,  um  sich  über  die  chemische  Beschaffenheit  dieser  Inhalts- 
körper eine  Vorstellung  zu  machen.« 


Diese  Inhaltskörper,  welche,  wie  Zahlbruckner  schreibt, 
manchen  Cystolithen  nicht  unähnlich  sind,  findet  man  in  den 
Schnitten  durch  den  Thallus  von  PJiysma  dalmaticum  in 
großer  Menge  vor.   Die  Beschreibung  Zahlbruckn  ers  ist  so 


Thallusgebilde  in  Physuia  daJinalicum.  431 

ausführlich,  daß   ich,   um   nicht  wiederholen  zu  müssen,   bloß 
diejenigen    Fragen    in    Betracht    ziehen    will,    welche    Zahl- 
b  ruckner  offen  läßt. 
Diese  sind: 

1.  Die  Entstehung  dieser  Gebilde; 

2.  die  physikalischen, 

3.  die  chemischen   Eigenschaften  und 

4.  insbesondere  das  Wesen   derselben. 

Zum  Zwecke  der  Untersuchung  bereitete  ich  mir  eine 
große  Anzahl  von  Mikrotomschnitten,  welche  in  Wasser  auf- 
bewahrt wurden. 

I.  Entstehung  der  Inhaltskörper. 

Auf  den  Schnitten  durch  den  Thallus  von  Physma  dahna- 
ticiun  sieht  man  ein  mäßig  dichtes  Geflecht,  bestehend  aus 
spärlich  verzweigten,  anastomosierenden  und  ungleich  dicken 
Hyphen,  welche  in  einer  Gallerte  gelagert  sind. 

Die  dicksten  Hyphen  sind  bis  3  [x  breit,  meist  messen  sie 
jedoch  kaum  2  [j.,  die  dünnen  dagegen  etwa  1  -5  bis  0-5  [x.  Die 
meisten  Hyphen  sind  dünnwandig,  mitunter  undeutlich  septiert 
und  führen  keinen  geformten  hnhalt,  in  anderen  Hyphen  findet 
man  dagegen  kleine,  mitunter  jedoch  das  ganze  Hyphenlumen 
ausfüllende,  stark  lichtbrechende  Körperchen,  welche  man 
auch  sonst  in  den  Hyphen  der  Gallertflechten  häufig  begegnet 
(offenbar  Fett)  und  welche  nichts  besonderes  darbieten. 

Bei  starker  Vergrößerung  kann  man  beobachten,  daß 
manche  Hyphen  nicht  nur  an  den  Endspitzen,  sondern  auch 
interkalar  wahrnehmbare,  perlschnurartige,  kopfförmige  oder 
anders  gestaltete  Verdickungen  zeigen.  Diese  Verdickungen 
unterscheiden  sich  von  den  Hyphen  weder  durch  die  Farbe 
noch  durch  ein  anderes  Brechungsvermögen. 

Man  findet  häufig  in  dem  Thallus  abgestorbene  Nostoc- 
Gonidien,  welche  mitunter  so  dicht  nebeneinander  gereiht  sind, 
daß  sie  fast  einer  solchen  perlschnurartig  verdickten  Hyphe 
ähnlich  sind.  Solche  abgestorbene  A^os/oc-Zellen  findet  man 
viele,  wogegen  die  Hyphenverdickungen  nur  spärlich  vor- 
kommen, und  man  muß  viele  Präparate  durchsehen,  bis  man 
auf  solche  wirklich  typische  Verdickungen  stoßt. 


432  ■  Em.  Senft, 

Später  nehmen  diese  Verdickungen,  insbesondere  diejenigen, 
welche  sich  an  den  Enden  der  Hyphen  befinden,  ganz  unregel- 
mäßige, kopfige,  keilförmige,  gelappte,  traubenartige  und  anders 
geformte  Gestalten  an.  Ihre  Oberfläche,  die  vorher  meist  glatt 
war^,  erscheint  sehr  zart  gerunzelt.  Die  Runzeln  verlaufen  meist 
parallel  nebeneinander. 

Ohne  früher  die  kleinen,  zweifellos  aus  den  Hyphen 
hervorgegangen  Gebilde  gesehen  zu  haben,  hätte  ich  über  den 
Zusammenhang  der  großen  Formen  mit  den  Hyphen  Zweifel 
gehabt,  da  sich  der  Beobachtung  ganz  beträchtliche  Schwierig- 
keiten in  den  Weg  stellen. 

Das  Isolieren  dieser  Inhaltskörper  ist  sehr  schwer,  da 
dieselben,  wie  oben  gesagt,  in  einer  homogenen  Gallerte  liegen. 

Die  besten  Präparate  konnte  ich  noch  erzielen  durch 
Kochen  der  Schnitte  mit  10%  Kalilauge,  Auswaschen  derselben 
und  nachher  durch  Zerdrücken  zwischen  zwei  Gläschen. 

So  erhält  man  wenigstens  einige  brauchbare  Fragmente, 
an  denen  man  stellenweise  deutlich  den  Zusammenhang  dieser 
Inhaltskörper  mit  den  Hyphen  verfolgen  kann  und  das  umso 
mehr,  als  es  leicht  gelingt,  durch  Verschieben  des  Deckgläschens 
die  Inhaltskörper  in  die  erwähnte  Lage  zu  bringen. 

In  den  Schnitten  selbst  kann  man  diesen  Zusammenhang 
nur  sehr  schwer  verfolgen. 

In  vielen  Fällen  liegen  diese  Körper  oberhalb  der  Hyphe, 
in  andern  sieht  man  die  Hyphen  unterhalb  derselben,  aber  in 
keinem  Falle  kann  der  Zusammenhang  mit  Sicherheit  kon- 
statiert werden. 

Natürlich  werden  bei  dem  Schneiden  auch  sehr  viele  Körper 
von  der  Hyphe  abgeschnitten  und  liegen  dann  anscheinend 
vollkommen  frei  in  der  Gallerte. 

Schließlich  begegnet  man  auch  solchen,  welche  zweifellos 
in  keinem  Zusammenhange  mit  den  Hyphen  mehr  stehen. 

Mir  ist  es  wenigstens  in  hundert  Fällen  gelungen,  einen 
innigsten  Verband  dieser  Inhaltskörper  mit  den  Hyphen  nach- 
zuweisen. 

Die  schönste  Ausbildung  zeigen  diejenigen  Gebilde,  welche 
sich  an  den  Endhyphen  (Abbildung  Fig.  6,  7,  8,  9,  10,  11,  12, 
13,  14,  meist  in  der  Mitte  des  Lagers)  befinden,  während  die 


Thallusgebilde  in  Physnta  dalmaticum.  433 

interkalar  gebildeten,  Fig  16,  17,  (zumeist  am  Rande  der 
Schnitte  zu  größeren  Strängen  verbunden)  ein  gezerrtes  Aus- 
sehen darbieten. 

IL  Physikalische  Eigenschaften  der  Inhaltskörper. 

Vorerst  wurde  das  Verhalten  der  Inhaltskörper  im  polari- 
sierten Lichte  geprüft.  Sie  erscheinen  zwischen  gekreuzten 
Nicols  des  Polarisationsmikroskopes  gleichmäßig  dunkel  und 
leuchten  nicht  auf.  Sie  sind  also  isotrop. 

Zum  Nachweise  des  eventuellen  Quellungsvermögens 
wurden  dünne  trockene  Schnitte  unter  dem  Mikroskope  unter- 
sucht, die  darin  vorhandenen  Inhaltskörper  sorgfältig  gezeichnet 
und  gemessen. 

Darauf  wurde  ein  Tropfen  Wasser  zugesetzt  und  nach 
dem  Aufquellen  der  Schnitte  die  Gebilde  wiederum  gemessen. 
Dabei  zeigte  sich,  daß  diese  Gebilde  in  Wasser  kaum  quellbar 
sind.  Sie  veränderten  ihre  Form  nicht  und  wurden  auch  nicht 
größer.  Selbst  kochendes  Wasser  vermag  keine  merkbare  Ver- 
änderung hervorzurufen. 

Andrerseits  wurden  Schnitte,  welche  längere  Zeit  (einige 
Tage)  in  absolutem  Alkohol  gelegen  sind,  unter  dem  Mikroskop 
nach  Zufügen  von  Wasser  untersucht,  aber  auch  in  diesem 
Falle  wurde  keine  merkbare  Veränderung  sichtbar. 

Aus  diesen  Versuchen  geht  also  hervor,  daß  die  Quell - 
barkeit  dieser  Gebilde  —  wenn  überhaupt  eine  solche  vor- 
handen ist  —  eine  minimale  ist. 

Wie  Zahlbruckner^  schreibt,  setzen  die  Inhaltskörper 
dem  Drücken  des  Deckgläschens  einen  großen  Widerstand 
entgegen  und  es  ist  Zahlbruckner  nicht  gelungen,  sie  zu 
zerquetschen  oder  zu  zerbrechen. 

Nun  prüfte  ich  diese  Gebilde  in  Bezug  auf  die  Härte, 
beziehungsweise  Elastizität,  wie  folgt: 

Ich  benützte  anstatt  des  gewöhnlichen  Okulars  das  Mikro- 
meterokular  und  stellte  irgend  einen  der  Körper  ein.  Derselbe 
wurde  bei  starker  Vergrößerung  gemessen.  Darauf  habe  ich 
mit  einer  Nadel   auf  das   Deckgläschen   stark    gedrückt    und 

1  L.  c. 


434  Em.  Senft, 

während  des  Druckes  den  Inhaltskörper  wiederum  gemessen. 
Es  zeigte  sich,  daß  sich  diese  Körperchen,  wenn  auch  außer- 
ordentlich schwach,  doch  immerhin  etwas  zerdrücken  lassen, 
denn  sie  haben  in  dem  zerdrückten  Zustande  stets  um  einige 
wenige  Mikra  mehr  gemessen  als  früher.  Schließlich  wurden 
die  Körperchen  nach  Aufheben  des  Druckes  wieder  gemessen 
und  sie  zeigten  haarscharf  die  ursprüngliche  Größe  (der  nicht 
gequetschten  Körperchen). 

Sonach  sind  diese  Gebilde  deutlich  elastisch. 

III.    Verhalten    der    Inhaltskörper    gegen   Reagenzien    und 

Farbstoffe. 

Durch  Jod^  werden  die  Inhaltskörper  bloß  sehr  schwach 
gelb  gefärbt,  deutlich  gelb  färben  sie  sich  mit  Chlorzink- 
jodlösung. 

Vorerst  mit  verdünnter  Schwefelsäure  behandelt,  färben 
sie  sich  durch  Zusatz  von  Jod  oder  Chlorzinkjod  ebenfalls 
nur  gelb. 

Schnitte,  welche  durch  14  Tage  in  lO^o  Kalilauge 
gelegen  sind,  färben  sich  nach  Auswaschen  mit  Wasser,  Jod 
oder  Chlorzinkjod  ebenfalls  nur  gelb,  geben  also  keine 
Zellulosereaktion. 

In  60%  Chloralhydratlösung  werden  die  Schnitte 
wohl  aufgehellt,  die  Körper  verändern  sich  jedoch  keineswegs. 

Auch  gegen  10 Vo  Kalilauge,  selbst  in  der  Siedehitze, 
verhalten  sich  die  Körper  vollkommen  resistent. 

In  Kupferoxydammoniak  quellen  sie  minimal  auf, 
wobei  die  zarte  Streifung  meist  etwas  deutlicher  hervortritt,  sie 
lösen  sich  aber  darin  nicht  auf.  Mit  Millon'schen  Reagens 
gekocht,  werden  sie  nicht  gefärbt.  Anilinsalzsäure  und 
Phloroglucinsalzsäure  färben  die  Inhaltskörper  ebenfalls 
nicht.  In  konzentrierter  Schwefelsäure,  Salzsäure  oder 
Salpetersäure  sind  sie  in  der  Kälte  unlöslich,  in  heißer 
Salpetersäure  löslich. 

In  Schulze'schem  Gemisch  sowie  in  Schwefelsäure 
und  Chromsäure  sind  sie  ebenfalls  löslich,  wobei  aber  auch 
die  ganzen  Schnitte  in  Lösung  gebracht  werden. 


1  Lugol'sche  Lösung. 


Thallusgebilde  in  Pliysma  äalinaticiini.  435 

Sie  färben  sich  mit  den  meisten  Anilinfarbstoffen, 
besonders  wenn  die  Schnitte  vorher  mit  KaHlauge  behandelt 
wurden.  Dabei  ist  es  zweckmäßig,  nur  schwache  Farbstoff- 
lösungen längere  Zeit  einwirken  zu  lassen;  mit  starken 
Lösungen  färben  sich  die  ganzen  Schnitte  gleichmäßig  intensiv. 

Es  hat  den  Anschein,  als  ob,  ihr  Färbungsxermögen  ein 
größeres  wäre  als  das  der  Hyphen  selbst,  denn  die  Inhalts- 
körper erscheinen  immer  dunkler  gefärbt.  Ich  kann  mir  die 
intensivere  Färbung  nur  durch  die  größere  Oberfläche  der 
Körper  erklären  und  glaube,  daß  sie  kaum  die  Farbstoffe 
intensiver  speichern  als  die  Hyphen. 

IV.  Das  Wesen  der  Inhaltskörper. 

Wie  eingangs  erwähnt  wurde,  habe  ich  mir  für  die  Unter- 
suchung eine  große  Menge  Mikrotomschnitte  durch  den  Thallus 
des  Physma  dalniatictmi  hergestellt,  welche  im  Wasser  auf- 
bewahrt wurden.  Es  waren  ihrer  einige  hundert. 

Es  fiel  mir  auf,  daß  die  ursprünglich  in  jedem  Schnitte  so 
reichlich  vorhandenen  Gebilde  mit  der  Dauer  der  Aufbewahrung 
immer  spärlicher  wurden  und  daß  insbesondere  von  den  kleinen 
sehr  wenig  vorhanden  waren. 

In  Anbetracht  dessen  jedoch,  daß  diese  Körper  nicht  nur 
in  kaltem,  sondern  auch  in  kochendem  Wasser  unlöslich  sind, 
mußte  angenommen  werden,  daß  das  jetzige  spärliche  Vor- 
kommen der  Inhaltskörper  nur  dem  Zufalle  zuzuschreiben  ist, 
daß  etwa  die  an  den  Gebilden  reichen  Stücke  bereits  verbraucht 
wurden. 

Diese  Annahme  schien  dadurch  bekräftigt  zu  werden,  daß 
die  vorhandenen  Inhaltskörper  wie  früher  deutliche  Streifung 
und  scharfe  Konturen  zeigten  und  von  irgend  einer  Auflösung 
nichts  zu  bemerken  war. 

Um  jedoch  diesbezüglich  einen  sicheren  Aufschluß  zu 
gewinnen,  habe  ich  aus  der  Flechte  Pliysma  dalmatiaim 
frische  Schnitte  hergestellt  und  davon  einen  an  den  Inhalts- 
körpern  besonders  reichen  Schnitt  ausgesucht.  Dieser  wurde  in 
Wasser  eingeschlossen. 

Zuerst  habe  ich  eine  Partie  des  Schnittes  und  die  darin 
befindlichen  Inhaltskörper  genau  gezeichnet  und  gemessen. 


436 


Em.  Senft, 


Um  das  Verdunsten  des  Wassers  zu  verhindern,  wurde 
das  Präparat  in  einer  »feuchten  Kammer'^<  aufbewahrt. 

Die  darin  vorhandenen  Inhaltskörper  wurden  täglich  ge- 
messen, und  zwar  unter  Benützung  des  Objektives  Nr.  9  (Merker) 
und  Okularmikrometer  3.  Zur  Vereinfachung  habe  ich  die 
Werte  nicht  umgerechnet  und  als  Einheit  galt  mir  eben  ein  Teil- 
strich des  Mikrometers,  welcher  in  diesem  Falle  1  •  4  [x  entspricht. 

Die  Messungen  ergaben  folgende  Werte: 


Taa: 


Inhaltskörper  Nr. 


II 


III 


IV 


1 
2 
3 

4 
5 
6 

7 
8, 


50—34 
50—34 
47—33 
45—31 
45—34 
45—32 
45—33 
50—37 


43-34 

44—35 
43—34 
42—32 
43—30 
41—30 
41—30 
47  —  32 


110—70 
110—73 
108—72 
100—65 
105-70 
103—65 
100-70 
110—75 


24—20 
24—20 
22-19 
21  —  18 
23—20 
22—18 
19—22 
25—20 


45—37 
47—40 
42—34 
41—34 
42  —  35 
43—34 
46—34 
45—40 


Zum  Schlüsse  wurde  das  Präparat  zwei  Tage  im  Exsikkator  getrocknet, 
mit  wasserfreiem  Glyzerin  beschickt  und  die  Inhaltskörper  nochmals 
gemessen. 

Die  Resultate  waren  folgende  : 


45—33 


42—32 


108—70 


20—18 


43—35 


Durch  dieses  Experiment  wurde  dargetan,  daß  die  schein- 
bare Abnahme  der  Inhaltskörper  auf  einer  Täuschung  beruhte, 
da  dieselben  trotz  der  8  Tage  dauernden  Mazeration  mit  Wasser 
nicht  die  geringste  Löslichkeit  zeigten. 

Andrerseits  bewiesen  diese  Messungen,  daß  die  Inhalts- 
körper im  V^asser,  wenn  auch  sehr  langsam,  so  immerhin 
deutlich  quellbar  sind. 

Die  Entscheidung  der  Frage  über  das  Wesen  dieser 
Gebilde  erscheint  umso  schwieriger,  als  über  die  Zusammen- 
setzung der  Flechtenzellmembranen  und  insbesondere  der- 
jenigen der  Collemaceen  noch  sehr  wenig  bekannt  ist. 


Thallusgebilde  in  Pliysma  dahnaticnin.  437 

Soviel  bekannt  ist,  zeigen  die  Membranen  der  Flechten 
allgemein  eine  andere  Zusammensetzung  als  die  Membranen 
der  Pilze,  aber  trotzdem  kann  man  ein  ähnliches  Verhalten 
gegen  Chemikalien  häufig  konstatieren. 

Der  wesentlichste  Unterschied  der  Flechtenmembranen 
gegenüber  den  Pilzmembranen  ist  wohl  die  von  Wisselingh^ 
nachgewiesene  Tatsache,  daß  bei  den  Flechten  das  Chitin 
entweder  gar  nicht  oder  nur  spärlich  verkommt,  wogegen  die 
Pilzmembranen  ihre  Zusammensetzung  meist  nur  dem  Chitin 
zu  verdanken  haben. 

Das  Vorkommen  von  Zellulose  in  den  Zellmembranen  der 
Flechten  ist  noch  sehr  strittig. 

Die  Hj^phen  des  Physina  dahnaticnin  zeigen  gegen 
Reagenzien  dasselbe  Verhalten  wie  die  Pilzmembranen,  insbe- 
sondere dieUnlösbarkeit  derselben  in  Kupferoxydammoniak  und 
die  mangelnde,  selbst  nach  langer  Einwirkung  von  Kalilauge 
nicht  eintretende  Zellulosereaktion  deuten  auf  eine  von  Zellu- 
losemembranen ganz  verschiedene  Zusammensetzung. 

Nach  den  hier  mitgeteilten  Untersuchungen 
scheint  die  Erklärung  einer  M  e  m  b  r  a  n  u  m  w  a  n  d  1  u  n  g 
zu  einer  festen  Gallerte  (Vergäll ertung  der  Hyphen) 
am  wahrscheinlichsten. 

Dieselbe  wird  durch  die  Entstehung  der  Gebilde  aus  den 
Hyphen,  durch  ihre  Quellbarkeit  im  Wasser,  durch  ihre  Elasti- 
zität und  schließlich  durch  ihr  allgemein  chemisches  Verhalten 
bekräftigt. 

Ebensowenig  wie  man  über  die  Natur  der  daran  beteiligten 
Kohlenhydrate  etwas  Näheres  aussagen  kann,  läßt  sich  über 
das  Agens,  durch  welches  diese  Vergallertung  hervorgerufen 
wird,  ein  Urteil  bilden. 

Die  einfachste  und  wohl  auch  die  richtigste  Erklärung  für 
diesen  V'organg  wäre  die,  daß  ähnliche  Stoffe  enzymartiger 
Natur,  wie  sie  Wiesner-  bei  den  Gummibildungen  nach- 
gewiesen hat,  in  unserem  Falle  die  Umwandlung  der  Hyphen- 
membranen  zur  Gallerte  bewirken. 


1  van  Wisselingh,  Jahrbücher  wissensch.  Botanik,  Bd.  XXXI,  p.  656. 

2  Wiesner,  Über  das  Gummiferment.  Sitzungsberichte  Wiener  Akademie, 
Bd.  XCII  (1885),  p.  40. 


438  Em.  Senft,  Thallusgebilde  in  Physina  daJmaticum. 

Gerade  so  wie  die  Zelluloseschleime  die  Eigenschaften  der 
Zellulose  besitzen,  in  polarisiertem  Lichte  aufleuchten  und  sich 
mit  denselben  Farbstoffen  färben  wie  die  Zellulose  selbst,  so 
zeigen  die  Inhaltskörper  von  Physma  dalmaticum  in  Bezug 
auf  die  optischen  Eigenschaften  sowie  in  Bezug  auf  die  F'äib- 
barkeit  dasselbe  Verhalten  wie  die  Hyphensubstanz. 

Zum  Schlüsse  sei  noch  mitgeteilt,  daß  das  zu  diesen 
Untersuchungen  verwendete  Material  größtenteils  aus  dem 
Exsikkatenwerke  A.  Zahlbruckners^  stammte.  Außerdem 
habe  ich  ebenso  wie  Zahlbrucknerl.  c.  auch  ein  Exemplar 
von  Anzi,  Eichenes  Etruriae,  Nr.  46,  zum  Vergleiche  heran- 
gezogen. 


Erklärung  der  Tafel. 


Fig.  1  bis  6.  Verschiedene  Verdickungen  der  Hyphen  aus  dem  Thallus  der  Flechte 

Physma  dalmaticum. 
Fig.  7  bis  15.  Gestielte  Inhaltskörper  aus  den  Hyphen  der  Flechte  Physma  dal- 

maticitnt  hervorgegangen. 

Fig.  16.  Ein  solcher  freiliegender  Inhaltskörper. 

Fig.  17  und  18.  Interkalare  Vergallertungen  der  H3'phen. 

1000 
Alle  Abbildungen  sind  bei  — - —  Vergrößerung  gezeichnet. 


1  A.  Zahlbruckner:  Eichenes  rariores  exsiccati.  Nr.  26.  {Physma  am- 
phalarioides  [Anzi]  Arn.).  Dalmatia:  ad  truncos  Quercuum  prope  Ragusa  lg. 
J.  Baumgartner. 


Senft  ,E . :  Thallusgebilde  inPhysma  dalnialicum . 


16. 


17. 


KSenfirad  nat.del .  I.ilhj\nst.v.ThBmmw7U't.iariea. 

Silzungsbertchte  d.kais.Al<a(i.d.^Niss., iaatlirnatur\v. Klasse,  Bd.CX\X^\bäi.1. 1907 


439 


Beiträge  zur  Kenntnis  der  Gattung*  Balanophora 

von 
Prof.  E.  Heinricher. 

(Mit  1  Tafel  und  3  Textflguren.) 
(Vorgelegt  in  der  Sitzung  am  21.  März  1907.) 

Vorbemerkungen.  Während  meines  Aufenthaltes  in 
Tjibodas  auf  Java  hatte  ich  Gelegenheit,  zwei  Arten  von  Bala- 
nopliora  {B.glohosa  und  B.  elongata)  selbst  einzusammeln,  und 
anderes  lebendes  Material  erhielt  ich  durch  die  gütige  Ver- 
mittlung Prof.  Treub's,  indem  der  pflanzenkundige  Paidan  aus 
der  Umgebung  von  Soecaboemi  dieselben  Balanophora-Avten 
und  gewaltige  Exemplare  von  Ropalocneniis  überbrachte. 

Dieses  Material  wurde  in  Alkohol  (zum  Teil  vorbehandelt 
mit  Sublimatalkohol)  konserviert  nach  Europa  mitgenommen 
und  soll  nun  bei  einer  Reihe  von  Untersuchungen  Verwendung 
finden.  Im  ganzen  sind  die  Kenntnisse  über  diese  so  inter- 
essanten parasitischen  Samenpflanzen  noch  so  lückenhaft,  daß 
mir  dieses  Unternehmen  durchaus  dankenswert  und  frucht- 
bringend erscheint. 

Da  mir  selbst  aber  leider  die  Muße  fehlt,  mich  diesen  Unter- 
suchungen in  weiter  ausgreifender  Weise  zu  widmen,  so  wird 
Herr  Max  Strigl,  zur  Zeit  Assistent  am  hiesigen  botanischen 
Institut,  unter  meiner  Leitung  und  Kontrolle  den  größeren  Teil 
derselben  ausführen.  Die  zunächst  geplanten  Arbeiten  eröffne 
ich  mit  der  vorliegenden  Mitteilung,  die  auf  Grund  von  Unter- 
suchungen an  Balanophora  globosa  und  B.  elongata  nach  Vor- 
ausschickung eines  historischen  Überblickes,  betreffend  den 
Werdegang  unserer  Kenntnisse  über  den  Aufbau  der  Balano- 
phora-KnoWe  und  des  BalanopJiora-ThaWuö,  die  bezüglichen 
Tatsachen  erweitert  und  in  einer  der  Gegenwart  entsprechenden 
Fassung  zu  geben  versucht.  Auch  werden  die  vermutbaren 
Keimungsbedingungen  wie  die  Entvvicklungsweise  erörtert. 


440  E.  Heinricher, 

In  einer  folgenden  Abhandlung  soll  Herr  Strigl  den  eigen- 
artigen Bau  der  Rinde  der  Balanophora-KnoWen  erläutern  und 
in  einer  weiteren  wird  derselbe  den  Thallusbau  eingehend 
schildern  und  besonders  bestrebt  sein,  dies  auf  Grund  guter  und 
reichlicher  Abbildungen  durchzuführen. 

Endlich  soll  eine  Ergänzung  der  Kenntnisse  über  das 
Balanophorin  gebracht  werden.  Auch  diese  Aufgabe  soll  zum 
Teil  Herr  Strigl  durchführen,  doch  hoffe  ich,  daß  überdies  noch 
von  anderer  Seite  eine  eingehende  chemische  Untersuchung 
dieses  eigenartigen  Stoffes  folgen  wird. 


Der  Thallus  der  Rafflesiaceen  ist  in  den  Wirtswurzeln, 
welche  Blüten,  Knospen  oder  noch  intramatrikale  Floralpolster 
von  Rafßesia  oder  Bnigmansia  tragen,  in  jedem  Schnitte  meist 
reichlich  und  leicht  nachzuweisen.  In  den  in  Aussicht  gestellten 
weiteren  Abhandlungen  der  »Beiträge  zur  Kenntnis  der  Raffle- 
siaceen«^ werdeich  mitzuteilen  haben,  daß  selbst  die  zartesten 
AuszvveigungensolcherWirtsvvurzeln  schon  vonThallussträngen 
des  Parasiten  durchzogen  sind.  Bei  den  Rafflesiaceen  ist  es 
darum,  ganz  abgesehen  von  anderen  festgestellten  Tatsachen, 
nicht  zweifelhaft,  daß  der  Thallus  desselben  Individuums  wieder- 
holt zur  Blütenbildung  gelangt  und  in  einem  VVurzelsystem 
vielleicht  jahrzehntelang  fortlebt. 

Nach  Beccari  soll  es  sich  mit  dem  Thallus  von  Bala- 
nopliora  ähnlich  verhalten.  In  seiner  Arbeit  >^lllustrazione  di 
nuove  specie  di  plante  Bornensi:  BaIüuopIwreae<^  :^  schreibt  er: 
»Credo  di  potere  affirmare,  che  quando  sopra  una  radice  di 
una  pianta  qualunque  si  e  sviluppato  e  cresciuto  il  seme  di  una 
parasita,  il  tessuto  cellulare  di  questa  si  spande  e  circola  fra  il 
tessuto  della  radice,  in  modo  da  potervi  dar  nascita  ad  un  numero 
indefinito  di  altri  individui,  prodotti  quindi  per  semplice  gem- 
mazione  dalla  pianta  madre.«  Diese  Annahme  schien  sich  ihm 
zunächst  schon  aus   der  Beobachtung  zu  bestätigen,  daß,  wo 


1   L,   Denkschriften   der    kais.   Akad.   der  Wissensch.,   mathem.   naturw. 
Klasse,  LXXVIII.  Bd.,  Wien,  1905. 

-  Estratto  dalNuovoGiornaleBotanico  Italiano,  Nr.  2,  Maggio  1869,Firenze. 


Zur  Kenntnis  der  Gattung  Balaiiophora.  441 

auf  einer  Wirtsvvurzel  mehrere  Balanophora-KnoWev^  mit  ent- 
wickelten Infloreszenzen  vorhanden  waren,  dieselben  angeblich 
stets  gleichen  Geschlechts  befunden  wurden. 

Auch  die  anatomische  Untersuchung  lieferte  Stützen  für 
seine  Annahme.  Er  fand  einen  intramatrikalen  Thallus  in  einem 
Querschnitte  durch  die  Wirtsvvurzel,  der  2  bis  3  cm  entfernt  von 
dem  Ansatzpunkte  einer  Balanophora-KnoWe  gemacht  war. 
Beccari  schreibt  ferner  (in  freier  Übersetzung):  »Um  mich 
genau  zu  versichern,  daß  zwischen  den  beiden  Ansatzstellen 
zweier  Balaitophora-Pf\a.nzcn  auf  einer  und  derselben  Wirts- 
wurzel eine  Kommunikation  des  Gewebes  besteht,  habe  ich 
Schnitte  gemacht  und  dazu  sehr  junge  Pflanzen  ausgewählt; 
ich  gelangte  zur  Überzeugung,  daß  eine  solche  Verbindung 
wirklich  besteht.  Ich  konnte  nämlich  zwischen  den  Ansatzstellen 
der  Balanophora  die  charakteristischen  Zellen  mit  dem  Proto- 
plasma und  Zellkern  auffinden,  welche  mir  den  gegenseitigen  Zu- 
sammenhang zwischen  den  beiden  Pflanzen  zeigten,  obwohl  mir 
das  Gewebe  hie  und  da  unterbrochen  schien,  und  zwar  wegen 
des  gewundenen  Verlaufes  zwischen  den  Fasern  der  Wirts- 
wurzel.« Eine  folgende  Stelle  verrät  etwas  Unsicherheit  und 
erweckt  den  Anschein,  als  ob  es  bei  dem  Nachweis  eines  solchen 
kontinuierlichen  Thallus  doch  einige  Schwierigkeiten  abgegeben 
hätte. 

Dieser  von  Beccari  entdeckte  intramatrikale  Thallus  von 
Balanophora,  der  in  den  V^irtswurzeln  an  Stellen,  welche  keine 
Knollen  trugen,  vorhanden  gewesen  sein  soll,  wird  auf  Taf.  III 
seiner  Abhandlung  in  4  Figuren  zur  Anschauung  gebracht.  Die 
Elemente  des  Thallus  zeichnen  sich  danach  durch  große  Zell- 
kerne aus,  die  Zellen  selbst  sind  im  allgemieinen  klein.  Die  Bilder 
gleichen  sehr  denjenigen,  die  uns  vom  Thallus  der  Rafflesiaceen 
vorliegen.  1 

Beccari 's  Beobachtungen  beziehen  sich  auf  die  von  ihm 
auf  Borneo  gesammelte  B.  reflexa.  In  seiner  Abhandlung  »Das 
Haustorium  der  Loranthaceen  und  der  Thallus  der  Rafflesiaceen 


1  Die  eine  dieser  Figuren  (5)  zeigt  die  angeblichen  Thalluszellen  in  von 
den  anderen  (Fig.  2,  3,  4)  abweichender  Gestaltung;  ihre  Zellwandungen  weisen 
eine  auffälüge,  tüpfelartige  Wandverdickung  auf.  Der  Verfasser  selbst  äußert 
sich  bezüglich  der  Zugehörigkeit  dieser  Zellen  zum  Thallus  etwas  skeptisch. 


442  E.  Heinricher, 

und  Balanophoreen«  ^  bestätigt  Solms-Laubach  die  Befunde 
Beccari's,  indem  er  sagt:  »Die  Beschreibung  der  (von  B.) 
gefundenen  Verhältnisse  stimmt  durchaus  mit  dem,  was  ich  teils 
an  derselben  Spezies,  teils  an  B.  iiuUca  sah,  überein.«  Bildliche 
Darstellungen  und  weitere  Mitteilungen  über  diesen  Teil  des 
Thallus  bringt  die  Solms-Laubach'sche  Arbeit  nicht. 

Schon  frühzeitig  war  erkannt  worden,  daß  in  die  Knollen 
der  BalanopJwra- Arien  Auszweigungen  der  Wirtswurzeln  ein- 
treten und  dieselben  durchziehen.  Die  Erkenntnis  der  Tatsache, 
daß  jede  Knolle  Bestandteile  zweier  Pflanzen  enthält,  das  eigene 
Gewebe  der  Balauophora  und  die  »Gefäßbündel«  der  Wirts- 
pflanze, war  auch  Ursache,  die  Knollen  als  ein  »corpus  inter- 
medium«  zu  bezeichnen,  gegenüber  den  später  aus  den  Knollen 
hervorblechenden  Infloreszenzen,  in  welchen  Bildungen  des 
Parasiten  allein  vorlagen.  So  hatte  in  der  Hauptsache  schon 
Blume  den  Aufbau  der  Balanophora-KnoWe  richtig  erfaßt.  Er 
sclueibt:  -  »In  periodo  germinaiionis  harum  parasitarum  corpus 
intermedium  e  ficus  radicibus  nascitur,  naturae  carnosae,  atque 
intime  coadunatum  cum  ejus  stratis  lignosis  superficialibus; 
quarum  vasis  spiralibus  transigitur  hocce  corpus  carnosum,  ita, 
ut  aetate  lignosum  fiat.«  Weiters  sprach  sich  in  dieser  Richtung 
vollkommen  sicher  Unger^  aus.  Von  der  Knolle  der  Balano- 
pliora  dioica  (B.  elongata)  berichtet  er:  »Man  ist  im  stände, 
durch  Entfernung  des  lockeren  Pnrenchyms  die  Verzweigung 
der  vom  Holzkörper  der  i^/a/5- Wurzel  ausgehenden  Gefäß- 
bündel  sehr  deutlich  zu  sehen,  so  wie  man  durch  sorgfältige 
Untersuchung  ebenso  die  in  demselben  Mittelkörper  vorhandene 
Verzweigung  der  Gefäßbündel  des  Parasiten  zu  verfolgen  im 
Stande  ist.«  Hier  war  also  auch  schon  die  Anwesenheit  eines 
dem  Parasiten  eigenen  Gefäßbündelsystems  in  der  Knolle 
festgestellt. 


-  Abhandlungen  der  naturforschenden  Gesellschaft  in  Halle,  Bd.  XIII, 
H.  3,   1875. 

2  Enumeratio  plantarum  Javae  et  inss.  adjacentium.  Fase.  I,  1827,  p.  36. 

3  Beiträge  zur  Kenntnis  der  parasitischen  Pflanzen.  I.  oderanatom.-physio- 
log.  Teil,  (.^nnalen  des  Wiener  Museums  der  Naturgeschichte,  II.  Bd.,  Wien. 
1840.) 


Zur  Kenntnis  der  Gattung  Balanophora.  443 

Die  vortreffliche  und  einläßliche  Studie  Göppert's^ 
bestätigte  dann  die  Tatsache,  daß  in  der  BalauopJiora-KnoWe 
»die  Gefäßbündel  von  doppelter  Art  sind  und  teils  der  Mutter- 
pflanze (Wirt),  teils  dem  Parasiten  selbst  angehören«. 

Das  Eintreten  von  strahlig  auseinanderlaufenden  Ästen 
des  Holzkörpers  der  Wirtswurzel  in  die  Balanophor a-KnoWe 
beschrieb  dann  auch  Solms-Laubach,^  währender  andrerseits 
bemerkte:  »Eigene  (dem  Parasiten)  oder  vielrnehr  von  den  bisher 
beschriebenen  verschiedene  Gefäßbündel  habe  ich  nicht  ge- 
funden.« 

Fig.  1  der  Tafel  gibt  den  Längsschnitt  durch  eine  kleine 
Knolle  von  Balanophora  globosa  nach  photographischer  Auf- 
nahme in  natürlicher  Größe  wieder;  man  sieht  mit  aller  Deut- 
lichkeit, daß  die  gleichfalls  halbierte  Wirtswurzel,  die  in  ihrem 
Endstücke  vorliegt,  sich  in  der  Knolle  verzweigt.  Bei  der  Ein- 
fachheit dieser  Verhältnisse  und  mit  Rücksicht  auf  die  ange- 
führten Arbeiten,  in  denen  selbe  bereits  richtig  erkannt 
vorlagen,  muß  man  sich  wundern,  daß  Beccari  in  seiner 
angezogenen  Schrift'^  über  diesen  Punkt  zu  keiner  sicheren 
Erkenntnis  kam.  Solms-Laubach  stellte  deshalb  in  einer 
weiteren  Abhandlung*^  die  Zugehörigkeit  der  Ausstrahlungen 
in  der  Balanophora-KnoWe  zum  >'Nährholz«  neuerdings  fest 
und  teilt  ferner  in  derselben  die  wichtige,  neue  Tatsache  mit, 
daß  die  Ausstrahlungen  ihrer  ganzen  Länge  nach  mit 
einzelnen  T h a  1 1  u s z e  1 1  e n  der  Balanophora  oder  Nestern 
derselben  derart  angefüllt  sind,  daß  die  Bestandteile 
des  Nährholzes  in  ihnen  nur  wie  schmale,  diese  um- 
spinnende Platten  erscheinen.  In  der  einzigen  Fig.  5, 
Taf.  XXV',  gibt  Solms-Laubach  ein  schematisches  Bild  dieses 
Thallus. 


1  Über  den  Bau  der  Balanophoreen  sowie  über  das  Vorkommen  von 
Wachs  in  ihnen  und  in  anderen  Pflanzen.  (Acta  Acad.  Caes.  Leop.  Carol.  Nat. 
Cur.,  Vol.  XVIII,  Suppl.   1842.) 

2  Über  den  Bau  und  die  F>nährungsorgane  parasitischer  Phanerogamen. 
<Jahrb.  f.  wiss.  Bot,  VI,  1867/68,  p.  533.) 

3  L.  c,  p.  71 ;  die  Arbeit  erschien  1869. 

4  Das  Haustorium  der  Loranthaceen  und  der  Thallus  der  Rafilesiaceen 
und  Balanophoreen.  (Abhandlungen  der  naturf.  Gesellschaft  zu  Halle,  Bd.  XIII, 
H.  3,  1875,  p.  33.) 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Kl. ;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  30 


444  E.  Heinricher, 

Die  Kenntnis  von  diesem  innerhalb  der  »Gefäßstränge«, 
die  der  Wirt  in  die  Balanopliora-KnoWe  treibt,  vorhandenen 
Thallus  ist  unter  den  Botanikern,  meine  ich,  jedenfalls  wenig 
verbreitet.  Schuld  daran  mag  sein,  daß  in  populären  Werken 
dieser  Thallus  nirgends  erwähnt  wird.  So  schreibt  z.  B.  Sachs:^ 
»Die  Holzbündel  der  Nährwurzeln,  auf  denen  Balanophova 
schmarotzt,  wachsen  in  den  knolligen  Vegetationskörper  der- 
selben hinein  und  dienen  gewissermaßen  als  Gefäßbündel  für 
den  Parasiten.«  Von  einer  Erwähnung  des  Thallus  keine  Spur!' 

Auch  Solms-Laubach  behandelt  diesen  Thallus  in  der 
zitierten  Abhandlung  etwas  karg  und  in  E  n  g  1  e  r's  Bearbeitung  der 
Balanophoreen  in  den  «Natürlichen  Pflanzenfamilien»  ist  seiner 
gar  nicht  gedacht.  So  konnte  es  kommen,  daß  ich,  als  mir 
dieser  Thallus  vor  Augen  trat,  eine  vollständig  neue  Entdeckung 
gemacht  zu  haben  glaubte. 

Dieser  Thallus  ist  aber  ohne  Zweifel  von  ganz  besonderem' 
Interesse  und  von  einer  Eigenart,  welche  uns  bisher  von  keiner 
anderen  parasitischen  Pflanze  bekannt  ist.  Dazu  kommt,  daß  er 
wenigstens  für  die  BalaiiopJwra- Arten,  die  ich  zu  untersuchen. 
Gelegenheit  hatte,  auch  der  alleinige  ist. 

Einen  intramatrikalen  Thallus,  wie  ihn  Beccari  für  die 
außerhalb  der  Knollen  gelegenen  Wurzelteile  der  Nährpflanzen 
von  B.  reflexa  und  Solms-Laubach  auch  von  B.  indica 
beschreiben  und  erwähnen  und  von  welchem  aus  eine  vegetative 
Propagation,  ähnlich  wie  sie  dem  Thallus  der  Rafflesiaceen 
zukommt,  ausgehen  soll,  konnte  ich  weder  bei  B.  globosa  noch 
bei  B.  elorigata  antreffen,  so  daß  für  diese  Arten  das  Her- 
vorgehenjeder Knolle  aus  einem  Samen  angenommen 
werden  muß  oder  höchstens  noch  eine  vegetative  Propagation 
in  viel  beschränkterem  Umfange  denkbar  erscheint,  nämlich 
so,  daß  unmittelbar  neben  einer  Knolle  der  Balanopliora  von 
ihrem  Thallus  aus  eine  neue  Knolle  entstehen  könnte.  Von 
einer  weiteren  Verbreitung  des  Thallus  durch  die 
knollenfreien  Wurzelstücke  der  Nährpflanzen  kann, 
bei  diesen  Arten  aber  bestimmt  nicht  die  Rede  sein. 


1  Vorlesungen  über  Pflanzenphj-siologie,  Leipzig  1882,  p.  445. 


Zur  Kenntnis  der  Gattung  Balanophora.  445 

Bei  B.  reßexa  und  B.  indica  mögen  ja  die  Angaben 
Beccari's  und  So  Ims-Laubach's  zu  Recht  bestehen,  immerhin 
isteineneuerlicheUntersuchungderVerhältnissebei  beiden  Arten 
wünschenswert.  Es  erscheint  eine  Täuschung  durch  die  auto- 
suggestive Vorstellung,  es  müi3ten  bei  Balanophora  ähnliche 
Verhältnisse  herrschen  wie  bei  den  Rafflesiaceen,  nicht  außer- 
halb der  Grenzen  des  Möglichen.  Jedenfalls  dürfte  die  Analogie 
zwischen  dem  Thallus  der  Rafflesiaceen  und  der  Balanophora- 
Arten  nach  den  oben  verzeichneten  Befunden  an  B.  glohosa 
und  B.  elongata  nicht  so  weitgehend  und  vollkommen  sein, 
wie  es  Solms-Laubach  annimmt.^ 

Die  Tatsachen,  die  ich  zur  Begründung  meiner  Aussage 
anzuführen  habe,  sind  folgende: 

I.Ich  habe  in  Vollkommenerüberzeugung  von  der  Richtigkeit 
der  Beccari'schen  und  Solms-Laubach'schen  Angaben  schon  in 
Java  Wurzelstücke  von  Wirtspflanzen,  auf  denen  Balanopliora- 
Knollen  (und  andere,  auf  denen  solche  von  Ropalocuemis)^  auf- 
saßen, untersucht,  um  den  Thallus  des  Parasiten  zu  sehen, 
aber  keinen  solchen  gefunden,  so  leicht  andrerseits  dieses  Ziel 
erreicht  wurde,  wenn  Wirtswurzeln  von  Rafflesia  oder  Briig- 
mansia  geprüft  wurden. 

2.  Auch  die  eingehende  Untersuchung,  die  später  in  Inns- 
bruck am  konservierten  Material  vorgenommen  wurde,  hatte 
ein  gleiches  negatives  Ergebnis. 

Über  letztere  will  ich  einige  nähere  Angaben  vorlegen. 
Fig.  1  der  Tafel  zeigt,  wie  schon  erwähnt,  die  photographierte 
Hälfte  einer  jüngeren  Knolle  von  Balanophora  globosa  mit  dem 
längsdurchschnittenen  Endstück  der  Wirtswurzel,  der  sie  aufsaß. 
Dieses  etwa  7  mm  lange  Endstück  war  ursprünglich  im  Zusam- 
menhang mit  einem  9  cm  langen  Stück  der  betreffenden  Wurzel. 
Letztere  wurde  nun  in  verschiedenen  Regionen  auf  einen  intra- 
matrikalen Thallus  genauestens  untersucht;  so  in  2cm,  U^wund 
Yg  cm  Abstand  von  der  Balanophora-Knolle.  Nirgends  war  eine 
Spur  eines  solchen  zu  entdecken.  Erst  in  der  Region,  wo  die 
Wurzel  seitlich  bereits  vom  KnoUenparenchym  der  Balanophora 


1  Das  Haustorium  der  Loranthaceen  etc.,  p.  34. 

2  Diese  Gattung  verhält  sich  aber  überhaupt  in  ihrer  Thallusbildung  ver- 
schieden von  Balanophora. 

30* 


446  E.  Heinricher, 

begrenzt  war,  konnte  ein  Thallus  nachgewiesen  werden.  Seine 
sehr  großzelligen  Elemente  sind  recht  auffallend  und  weit 
verschieden  von  den  Thalluszellen  der  Rafflesiaceen  und  den 
Abbildungen,  die  Beccari  vom  intramatrikalen  BalanopJwra- 
Thallus  gibt.i 

Fig.  2  gibt  eine  durchschnittene  jüngere  Knolle  von  B. 
eJoiigata  wieder;  die  Wurzel  des  Wirtes  ist  längsdurchschnitten 
und  zeigt  eine  starke  Hypertrophie,  die  schon  außerhalb  der 
Balanophora-KnoWe  beginnt  und  innerhalb  derselben  zu  einer 
keuligen  Erweiterung  wird,  von  der  auch  hier  in  deutlichster 
Weise  Auszweigungen  in  die  Knolle  des  Parasiten  übertreten. 


Fig.  1. 

Auch  in  dem  Falle  wurde  die  stärkere  Hälfte  der  Wirtswurzel 
genau  nach  einem  intramatrikalen  Thallus  abgesucht;  ein  solcher 
fand  sich  aber  erst  in  der  innerhalb  der  Knolle  des  Parasiten 
geborgenen  Wurzelpartie.  ^ 

Ich  fand  bei  Tjibodas  zwei  noch  recht  jugendliche  Knollen, 
die  ihrer  Farbe  und  Gestaltung  nach  sehr  wahrscheinlich  der 
B.  elongata  angehören.  Sie  sind  in  Fig.  3  der  Tafel  abgebildet. 


1  Die  Größe  der  Thalluszellen  hat  schon  Sol  ms -Laubach  betont.  Er  schreibt 
von  ihnen  1.  c.  p.  32:  »Sie  sind  leicht  zu  erkennen,  einmal  ihrer  auffallenden  Größe 
wegen,  die  gegen  die  der  umgebenden  Zellen  oft  so  absticht,  daß  sie  beim  ersten 
Anblick  mitunter  wie  Lücken  oder  Höhlungen  im  Gewebe  erscheinen.«  Nur  sehr 
junge  Thalluszellen  gleichen  den  von  Beccari  abgebildeten.  Insbesondere  halte 
ich  dem  Tatsächlichen  entsprechend  seine  Fig.  2  auf  Tab.  III,  die  eine  Partie  aus 
dem  Einfügungsort  einer  jungen  BaIanophora-Y'?[€i\\ze  in  die  Wirtspflanze 
wiedergibt. 

2  Aiiffallenderweise  deutet  Solms-Laubach  in  dem  auf  Taf.  XXV  1.  c.  in 
den  Fig.  2  und  3  gegebenen  schematischen  .*\bbildungen  der  Knollen  und 
Wirtswurzeldurchschnitte  das  Thallusgewebe  auch  nur  unmittelbar  unter  der 
Knolle  in  der  Wurzel  an,  obwohl  Fi^.  3  ein  einige  Zentimeter  langes,  längsdurch- 
schnittenes Wurzelstück  der  Knolle  anhängend  zeigt.  Diese  Figuren  beziehen  sich 
auf  B.  indica. 


Zur  Kenntnis  der  Gattung  Balanopliora.  447 

Die  kleinere  der  Knollen  wurde  der  Untersuchung  geopfert.  Die 
schwache  Wirtswurzel,  welche  die  Knolle  trägt,  hat  bei  h  ihre 
Basis  (am  dünneren  Ende),  bei  5  ihre  intakte  Spitze.  Bei  e  lag 
unter  Erdkrütnchen  eine  schwache  Seitenwurzel  versteckt. 
Textfig.  1  gibt  eine  Skizze  derselben  Wirtswurzel  mit  Knolle 
von  der  entgegengesetzten  Seite,  so  daß  man  die  Wurzel  unter 
der  Knolle  hindurchstreichen  sieht  und  die  unmittelbar  unter 
der  Insertion  der  Parasitenknolle  befindliche  knopfige  Anschwel- 
lung der  Wirtswurzel  erkennt. 

Die  Wurzel  wurde  nun  in  Sektionen  geteilt,  und  zwar  von 
der  Basis  bis  zur  Knolle  in  vier  und  der  Spitzenteil  in  zwei.  Jede 
dieser  Sektionen  wurde  dann  in  Serien  von  Längs-  oder  Quer- 
schnitten zerteilt  und  genauestens  auf  Thalluselemente  der  Bala- 
nophora  geprüft.  In  keinem  Schnitte  wurdenThalluszellen 
gefunden,  nur  in  der  knöllchenartig  verdickten,  zum 
Schlüsse  untersuchten  Partie  unter  der  Balanopliora 
waren  solche  vorhanden.  An  der  außerhalb  der  Para- 
sitenknolle gelegenen  Wirtswurzel  war  also  nur  die 
unmittelbar  unter  der  Insertion  des  Parasiten  gelegene 
Stelle  vom  Thallus  durchsetzt,  die  Hauptmasse  des 
Thallus  findet  sich  eben  in  den  Auszweigungen  der 
Wirtswurzel  innerhalb  der  Knolle.  Die  Hypertrophie  der 
Wirtswurzel  ist  aber  deutlich  auch  auf  weitere  Strecken  der 
Wurzel,  die  vom  Thallusgewebe  frei  sind,  zu  verfolgen,  äußert 
sich  jedoch  am  stärksten  am  Orte  der  eigentlichen  Insertion. 
(V'ergl.  auch  die  vortrefflichen  Abbildungen  bei  Göppert, 
Tab.  I,  Fig.  1  und  3,  und  Tab.  III,  Fig.  31.) 

In  unserem  F'alle  (Fig.  3)  erscheint  diese  Hypertrophie 
nahezu  auch  am  Spitzenteil  der  Wirtswurzel  angedeutet,  der 
späterhin  meist  verkümmert  (vergl.Göpp  er  t.  Tab.  I,  Fig.  1  und  3) 
und  auch  vollständig  verschwindet,  so  daß  die  Parasitenknolle 
endständig  an  der  Wirtswurzel  sitzt  (wie  in  Fig.  1  und  Fig.  2 
unserer  Tafel),  Verhältnisse,  welche  ihre  vollständigen  Analoga 
so  häufig  bei  den  Loranthaceen,  beziehungsweise  bei  den 
sie  tragenden  Sprossen  finden. 

Über  den  Thallus  selbst  will  ich  hier  nur  einiges  allgemein 
Orientierende  bringen,  während  bezüglich  der  Einzelheiten  auf 
die  spätere  Mitteilung  meines  Assistenten   verwiesen  sei.  Ich 


448  E.  Heinricher, 

halte  mich  dabei  zunächst  an  das  zuletzt  behandelte  Objekt,  die 
jüngere  der  in  Fig.  3  dargestellten  Balanophora-Füa.nzen. 

Vorerst  wurde  die  Knolle  in  der  Höhe  von  P/g  ^";«  ober 
der  Insertion  quer  abgeschnitten.  (Die  Lage  der  Schnittebene  ist 
in  der  beigegebenen  Skizze  [Textfig.  2]  durch  die  Linie  aa 
bezeichnet.)  Das  Bild  des  ersten  vom  oberen  abgetrennten 
Teile  gewonnenen  Querschnittes  zeigt  das  Mikrophotogramm 
Fig.  4.  Man  unterscheidet  an  der  Peripherie  den  dickwandigen 
Rindenkomplex  der  Knolle,  im  Zentrum,  in  den  Umrissen  etwa 
eines  x,  vom  KnoUenparenchym  gut  sich  abgrenzend,  die  in  die 
Balanophora  seitens  der  Wirtswurzel  entsandte  Auszweigung; 
ferner  heben  sich  im  KnoUenparenchym  einige  dunkle  Inseln 
ab,  welche  die  dem  Parasiten  eigenen  Gefäßbündel  sind  und  die 
sich  schon  auf  so  früher  Entwicklungsstufe  differenziert  zeigen. 
Schon  bei  der  geringen  Vergrößerung  (9  "5),  mit  der  Fig.  4 
aufgenommen  wurde,  werden  im  Wirtsvvurzelquerschnitte  die 
großen  Thalluszellen  der  Balanophora, ]&.  als  bemerkbare  Punkte 
sogar  die  Zellkerne  in  ihnen  unterscheidbar.  Besser  allerdings 
werden  wir  die  typische  Erscheinungsweise  des  Thallus  in 
Fig.  5  ausgeprägt  finden,  die  bei  stärkerer  Vergrößerung  den 
zentralen  Teil  der  Fig.  4,  beziehungsweise  des  in  derselben 
abgebildeten  Schnittes  enthält. 

In  der  oberen  Hälfte  bemerken  wir  dunkle  Flecken,  die  wir 
ja  mit  entsprechenden  Stellen  in  Fig.  5  leicht  identifizieren.  Es 
sind  durch  den  Parasiten  abgetötete,  am  Präparate  gebräunte 
oder  gelbliche  Gewebspartien  im  Nährwurzelgewebe. ^  Zum 
Teil  zwischen  denselben  und  nach  oben,  linkshin,  besonders 
aber  median  nach  abwärts,  sehen  wir  das  Gewebe  von  den 
großen,  blasigen  Thalluszellen  der  Balanophora  durchsetzt,  die 


1  Es  sind  das  die  gleichen  Erscheinungen,  welche  auch  in  der  Umgebung 
eindringender  Haustorien  der  Rhinanthaceen  dann,  wenn  sie  auf  verholzte  Gewebe 
stoßen,  uns  begegnen.  Solche  Gewebspartien  sind  hier  wie  dort  auch  von 
gummösen,  geflossenen  und  erstarrten  Massen  umgeben,  die  von  verquollenen  und 
gelösten  Membranen  herrühren  und  über  deren  Reaktionen  etc.  ich  eingehend  in 
meiner  Arbeit  »Anatomischer  Bau  und  Leistung  der  Saugorgane  der  Schuppen- 
wurz-Arten«  (Breslau  1895,p.47  u.  ff.)  berichtet  habe.  Es  haben  also  offenbar 
auch  die  Thalluszellen  von  Balanophora  das  Vermögen,  lösend  auf 
verholzte  Membranen   e  i  n  z  u  a\-  i  r k  e  n. 


Zur  Kenntnis  der  Gattung  Balanophora.  449 

Überdies  durch  die  großen  Zellkerne  leicht  kenntlich  gemacht 
sind.  An  Riesenhefe  zelten  gemahnen  dieselben  und 
aufeineandieSprossungderHefen  erinnernde  Weise 
erfolgt  auch  vielfach  die  Weiterbildung  und  Ausbrei- 
tung des  Thallus. 

Die  außerordenliche  Größe  derThalluszellen  und 
die  dadurch  erzielte  bedeutende  Oberfläche  dieses 
Absorptionsgewebes  kann,  wie  schon  hier  bemerkt 
werden  mag,  als  Resultat  des  Bedürfnisses  angesehen 
werden;  sie  steht  offenbar  in  Korrelation  mit  der 
Beschränkung  des  Thallus  auf  ein  relativ  begrenztes 
Gebiet  des  Wirtsgewebes,  nämlich  einzig  auf  das 
System  von  Auszweigungen,  welche  die  Wirtswurzel 
in  die  Balanophora -KnoWo.  treibt. 

Oft  scheinen  die  Thalluszellen  isoliert  im  Nährgewebe  zu 
liegen,  1  doch  ist  der  Zusammenhang  im  Räume  stets 
gewahrt  und  nachweisbar. 

In  ähnlicher  Weise,  wie  es  Fig.  6  zeigt,  erwies  sich  das 
ganze  Nährwurzelgewebe  in  der  noch  jugendlichen  Knolle  der 
Fig.  3  vom  Thallus  der  Balanophora  durchsetzt  und  dieselbe 
Durchsetzung  zeigen  die  Nährwurzelauszweigungen  auch  in 
älteren  Knollen. 

Da  die  Arbeit  meines  Assistenten  eine  eingehende  Dar- 
stellung des  Thallus  von  Balanophora  bringen  und  dort  auch 
die  physiologische  Charakterisierung  dieses  Thallusgewebes  als 
Absorptionssystem  des  Parasiten  behandelt  werden  soll,  unter- 
lasse ich  diesbezüglich  weitere  Mitteilungen.  Mir  kam    es  nur 


1  Solche  isoliert  im  Nährgewebe  liegende  Thalluszellen  finden  sich  auch  in 
der  Fig.  2,  Tab.  III,  die  dem  Schnitte  durch  den  Insertionspunkt  einer  jungen 
Balanophora-KnoWe  in  der  Wirtswurzel  entnommen  ist,  bei  Beccari.  Seine 
Bemerkung  im  Texte:  >La  medesima  Fig.  2  fa  ancora  vedere  aicune  cellule  {cl) 
■con  nucleo,  che  sono  giä  disgiunte  dalle  altre«  läßt  schließen,  daß  er  das 
Stattfinden  einer  selbsttätigen  IsoHerung  solcher  Thalluszellen  im  Gewebe  des 
Wirtes  annahm.  Auch  Solms-Laubach  schreibt  (doch  bezieht  sich  dies  auf 
den  Thallus  im  hypertrophischen  Teil  der  außerhalb  der  Knolle  gelegenen 
Wirtswurzel):  »In  diesen  hypertrophischen  Holzgewebsmassen  .  .  .  .finden  sich 
die  Thalluszellen,  einzeln  oder  gruppenweise  beisammenliegend,  in  größerer 
■oder  geringerer  Menge  zerstreut  auf  jedem  Durchschnitte  vor.«  Doch  hat  Solm  s 
damit  sicherlich  nur  die  Isolierung  in  der  Schnittebene  gemeint. 


450 


E.  Heinricher, 


darauf  an,  einmal,  wenn  auch  nur  bei  schwacher  Vergrö- 
ßerung, ein  typisches  Bild  vom  Balanophora-Thallus  zu  geben. 

Nur  über  jenen  Teil  des  Thallus  möchte  ich  noch  etwas 
berichten,  der  in  der  außerhalb  der  Bala iiopJiora-KnoWe  gele- 
genen Partie  der  VVirtswurzel,  das  ist  in  der  knöllchenartig 
hypertrophierten  (Textfig.  1  erkennbaren),  nachzuweisen  war. 

Um  die  Grenzen  genau  festzustellen,  wie  weit  der  Thallus 
von  der  Insertionsstelle  der  Knolle  aus  basal-  und  spitzenwärts 


Fig.  3. 

in  der  Wirtswurzel  verfolgbar  sei,  wurde  der  (nach  Abtragung 
der  Knolle  in  der  Schnittebene  aa,  vergl.  Textlig.  2)  übrig 
bleibende  untere  Teil  durch  einen  mit  bb  angedeuteten  Schnitt 
ungefähr  halbiert.  Die  eine  der  beiden  Wurzelhälften  mit  anhaf- 
tendem Rest  der  Knollenbasis  wurde  in  Längsschnitte,  die  andere 
in  Querschnitte  zerlegt.  Das  Ergebnis,  daß  Thalluselemente  nur 
in  dem  knollenförmig  angeschwollenen,  höchstens  2  mm  im 
Durchmesser  besitzenden  Teil  gefunden  wurden,  ist  schon 
oben  verzeichnet.  In  Bezug  auf  den  Thallus  war  der  zweite 
Schnitt  der  durch  Querschnitte  zerlegten  Hälfte  der  belehrendste. 
Die  bei  SOfacher  Vergrößerung  gezeichnete  Textfig.  3  gibt 
denselben  in  etwas  schematisierter  Weise  wieder. 


Zur  Kenntnis  der  Gattung  Balaiiophoni.  451' 

Die  Verbindung  der  Punkte  aa^  zeigt  den  Ort  an,  wo  die 
Knolle  der  Wurzel  aufgesessen  war;  a  liegt  im  Knollengewebe 
der  Bülauophora,  bei  a^  ist  dasselbe  beim  Zerteilen  der  Wurzel 
mit  einem  Stück  Gewebe  der  letzteren  abgebrochen.  Zentral 
zwischen  aa^  begegnet  uns  die  Hauptmasse  des  großzelligen 
Thallus,  eingelagert  einem  an  Tracheiden  armen,  wesentlich 
kailösen  Parenchym,  das  als  Wucherung  aus  der  Wurzel  in  die 
Parasitenknolle  übergetreten  ist.  Links  von  der  Mittellinie, 
genähert  a,  liegt  wieder  eine  größere  Ansammlung  von  Thalius- 
zellen.  Solche  waren  aber  offenbar  bis  zum  Zentrum  der  Wirts- 
wurzel vorgedrungen  gewesen.  Denn  hier  findet  man  Inseln 
offenbar  abgestorbener  Gewebsmassen,  in  denen  Reste  von 
Thaliuselementen  noch  nachweisbar  sind,  Partien,  die  am  Prä- 
parate braungelb  verfärbt  erscheinen,  die  in  unserer  Skizze  grau 
angedeutet  sind. 

Der  einseitig  offenbar  in  die  Wirtswurzel  vorgedrungene 
Thallus  hat  auch  einseitig  die  Holzbildung  in  ihr  wesentlich 
beeinflußt.  Denn  während  wir  auf  der  Gegenseite  noch  einiger- 
maßen ungestört  die  in  keilartige  Abschnitte  gesonderten, 
tracheale  Elemente  führenden  Holzmassen  durch  breite  Bänder 
von  Markstrahlenparenchym  abwechslungsvveise  unterbrochen 
vorfinden,  hat  auf  der  Seite  der  ansitzenden  BalanopIiora-KnoWe 
der  Holzzuwachs  fast  durchwegs  den  Charakter  eines  kallösen 
Parenchyms  und  nur  einige  kleine  Inseln  enthalten  noch  tra- 
cheale Elemente. 

Von  Interesse  ist  ferner,  daß  sich  von  dem  außen  befind- 
lichen Knollenparenchym  aus  ein  mehrere  Zellagen  umfassender 
Streifen  von  Parasitengewebe  unter  deni  Wurzelperiderm  (P), 
in  die  Rinde  der  Wirtswurzel  hinein  verfolgen  läßt.  Unter  dem- 
selben findet  sich  gebräuntes  Gewebe,  in  dem  mehr  nach  dem 
Innern  gelegenen  sind  Thalluszellen  des  Parasiten  erkennbar. 

Ganz  ungestört  ist  die  Holzbildung  nun  allerdings  auch 
auf  der  aa^  gegenüberliegenden  Seite  der  Wirtswurzel  nicht. 
Dort  nämlich,  wo  der  mit  B  bezeichnete  Buckel  an  dieser  vor- 
springt, ist  der  Wurzel  Knollenparenchym  von  Balanophora 
aufgelagert  und  in  der  Gegend  des  /  am  Wirtswurzel- 
querschnitte, wo  auch  eine  bemerkbare  Störung  in  der  Aus- 
bildung des  Holzes  hervortritt,  finden  sich  wieder  Thalluszellen 


452  E.  Heinricher, 

der  BalanopJiora,  die  aber  im  ganzen  kleinzellig  und  nur  durch 
die  großen  Zellkerne  sicher  kennbar  gemacht  sind.  Dieser  klein- 
zellige Thallus  war  auch  in  der  Serie  von  Längsschnitten,  die 
durch  die  zweite  Hälfte  der  (durch  den  Schnitt  Z^^,  siehe  Textfig.  2, 
geteilten)  Wurzel  angefertigt  wurde,  zu  finden.  Diese  Längs- 
schnitte wurden  aa^  parallel,  von  oben  beginnend  geführt  und 
in  der  unteren  Hälfte,  etwas  unter  der  Mitte,  begann  der  relativ 
kleinzellige  Thallus  aufzutreten.  In  den  der  Peripherie  sich 
nähernden  Schnitten  wurden  die  Thalluszellen  immer  zahl- 
reicher. 

Wie  nun  diese  Verhältnisse  zu  deuten  sind,  getraue  ich 
mich  nicht  sicher  zu  entscheiden.  Es  scheinen  zwei  Möglich- 
keiten vorzuliegen. 

Die  Entwicklung  der  in  der  Fig.  3  links  dargestellten  Knolle 
aus  einem  an  der  Wirtswurzel  gekeimten  Samen  ist  nicht  zu 
bezweifeln.  Es  könnte  nun  auch  d\e  aus  Balaiwphora-Fsn'enchym 
bestehende  Protuberanz  bei  B  der  Textfig.  3  einem  zweiten 
Keim  entstammen,  dessen  Entwicklung  vielleicht  später  als  die 
jenes  an  der  Gegenseite  einsetzte  und  durch  die  Konkurrenz 
der  älteren  Pflanze  beeinträchtigt  blieb.  Es  wäre  aber  auch 
denkbar,  daß  durch  die  Infektion  des  ersten  Keimlings  und  im 
Zusammenhang  mit  dessen  Thallusbildung  noch  an  einer 
zweiten  Stelle  Balanophora-Gewehe  nach  außen  getreten  und 
so  eine  zweite  Knollenbildung,  diese  auf  vegetativem  Wege, 
eingeleitet  worden  wäre. 

In  Berücksichtigung  dieser  Sachlage  habe  ich  p.  444  die 
Möglichkeit  zugestanden,  daß  auch  bei  den  BalanopJiora-Avten 
B.  glohosa,  B.  elongata  eine  neue  Knollenbildung  auf  vegetativem 
Wege  vorkommt,  mit  der  Beschränkung  jedoch,  daß  solches 
jedenfalls  nur  im  engsten  Anschluß  an  dem  Ort  der  voraus- 
gehenden Knolle  stattfinden  könnte,  da  auf  nur  einigermaßen 
entfernte  Strecken  eine  Ausbreitung  des  Thallus  in  den  freien 
Teilen  der  Nährwurzel  durchaus  nicht  nachweisbar  ist.  Ich 
gestehe  aber,  daß  ich  der  ersten  erörterten  Annahme  mehr 
Wahrscheinlichkeit  zuspreche.  Zwischen  dem  kleinzelligen 
Thallus  unter  dem  BalanopJiora-Gewehe  bei  B  und  dem  groß- 
zelligen im  Zentrum  der  Wurzel  schien  kein  Zusammenhang 
zu  existieren  und  es  wurde  auch  kein  Anzeichen  gefunden,  das 


Zur  Kenntnis  der  Gattung  Balaitophora.  453 

daraufhingedeutet  hätte,  daß  das  Knollengewebe  bei  B  aus  dem 
Innern  der  Nährwurzel  hervorgeschoben  worden  wäre. 

Die  dargelegten  Tatsachen  erweisen  also  das  schon  früher 
Ausgesprochene,  daß  von  einer  Ausbreitung  desThallus 
in  den  knollenfreien  Teilen  der  Nährwurzeln  bei 
B.  elougata  und  i?.  globosa  nicht  die  Rede  sein  k-ann.  Die 
Möglichkeit,  daß  die  diesbezüglichen  Verhältnisse  bei  B.  reflexa 
und  bei  B.  indica  andere  und  den  von  Beccari  sowie  Solms- 
Laubach  gemachten  Angaben  ensprechende  seien, wurde  schon 
früher  zugegeben;  es  liegt  dann  eben  ein  verschiedenes  Verhalten 
der  verschiedenen  Balanophora-Avten  vor. 

Auf  die  von  Beccari  ins  Treffen  geführte  Beobachtung, 
daß  an  der  gleichen  Wirtswurzel  nur  Balanophora-lndividuen 
des  gleichen  Geschlechtes  stehen  (er  schreibt  p.  2  sogar:  »Ho 
osservato  che  le  plante  del  medesimo  sesso  non  si  trovano  con- 
fuse;  ma  su  di  un  albero  si  sviluppavano  plante  maschie,  su 
di  un  altro  plante  feminee  esclusivamente«),  möchte  ich  nicht  zu 
viel  Gewicht  legen.  Seine  Angaben  sind  viel  zu  allgemein 
gehalten,  um  ihnen  eine  bindende  Bew^eiskraft  zuzugestehen. 
Das  Tatsächliche  seiner  Beobachtung  will  ich  gar  nicht  be- 
zweifeln, aber  ich  möchte  nur  daran  erinnern,  wie  häufig  es  bei 
diöcischen  Pflanzen  oder  solchen  mit  heterostylen  Blüten  vor- 
kommt, daß  in  weiterem  Umkreis  auf  einem  Standorte  nur 
Individuen  eines  Geschlechtes  oder  einer  Blütenform  auftreten, 
obgleich  jede  derselben  für  sich  aus  einem  Samenkorn  auf- 
gewachsen ist. 

Für  B.  elongata  erwähnt  übrigens  Junghuhn, ^  »daß  man 
auf  Wurzeln,  die,  wie  die  Nachgrabung  lehrt,  zu  demselben 
Baumstamm  gehören,  allerdings  Receptacula  mit  weiblichen 
und  andere  mit  männlichen  Blütenkolben  findet«. 

F  ü  r  jB.  globosa  und  B.  elongata  ist  esalso  sehr  wahr- 
scheinlich, daß  die  Knollen  überwiegend,  wenn  nicht 
ausschließlich,  aus  einem  Samen  hervorgegangene 
Einzelindividuen  sind.  Der  Thallus  ist  bei  ihnen  und 
vermutlich  noch  mindestens  beieinerAnza  blander  er 


1  Über  Javan'sche  Balanophoreen.   Acta  Acad.    Caes.    Leop.   Carol.  Nat. 
Cur.,  Vol.  XVIII,  Suppl.,  p.  220. 


454  E.  Heinricher, 

Arten  beschränkt  auf  den  Ort  der  Keimung  an  der 
Wirtswurzel  und  auf  die  Auszweigungen,  die  diese 
von  hier  aus  in  die  Knolle  des  Parasiten  treibt  oder  die 
sich  gewissermaßen  mit  ihr  zugleich  entwickeln. 

Welcher  Natur  sind  nun  diese  Auszweigungen?  Wir  finden 
bei  den  früheren  Autoren  für  dieselben  in  der  Regel  die  Bezeich- 
nung »Gefäßbündel«,  »Gefäßstränge«,  »Holzstränge'<.  So  spricht 
Unger  von  »der  Verzweigung  der  von  dem  Holzkörper  der  F/r«5- 
Wurzel  ausgehenden  Gefäßbündel«.  Solms-Laubach  stellt 
fest,  daß  an  der  Basis  der  Knolle  eine  besonders  starke  h3^per- 
trophische  Ausbildung  der  Nährwurzel  stattfindet:  »Es  bildet 
sich  eine  vollständige,  parenchymatische  Callusmasse,  die  von 
den  Zellen  und  Zellgruppen  des  Parasiten  aufs  reichste  durch- 
lagert wird.  Von  diesem  Callus  gehen  die  den  Knollen  durch- 
ziehenden Gefäßstränge  aus,  die  sogenannten  »Knollengefäß- 
bündel«. Sie  sind  in  der  Jugend  Ausstrahlungen  dieses  basalen 
Gevvebskörpers,  rings  vom  Parasitenparenchym  umhüllt.  Später 
werden  ihre  Zellen  großenteils  in  Trachealgebilde  verwandelt. 
Ihrer  ganzen  Länge  nach  sind  sie  mit  einzelnen  Thalluszellen 
der  Balanophora  oder  ganzen  Nestern  derselben  durchsetzt. 
Die  Bestandteile  des  Nährholzes  erscheinen  nur  wie  schmale, 
diese  umspinnende  Platten.  B.  indica  behält  diesen  Bau  bis 
zur  Entwicklung  der  Blütensprosse  bei.  Bei  den  anderen  Arten 
ist  in  der  entvv'ickelten  Knolle  von  den  in  ihnen  liegenden  Thallus- 
zellen wenig  mehr  vorhanden:  starke,  unregelmäßige  Holz- 
stränge, in  denen  man  die  Reste  dieser  Zellen  als  gelbgefärbte 
Nester  nachweisen  kann.«  So  bei  Solms-Laubach.  Man  sieht, 
daß  er  die  in  die  Knolle  übertretenden  Auszweigungen  als 
Gefäßstränge  bezeichnet. 

Auch  Göppert,  der  diese  Auszweigungen  am  genauesten 
studiert,  merkwürdigerweise  aber  den  Balanophora-ThaUus  in 
ihnen  übersehen  hat,  spricht  in  der  Regel  von  den  »Gefäßbündeln 
der  Mutterpflanze«,  welche  diese  in  die  Parasitenknolle  entsendet. 
Aus  seinen  Beschreibungen  geht  aber  deutlich  hervor,  daß  diese 
Auszweigungen  nicht  nur  Gefäßbündel  sind.  So  schreibt  er  p.  10: 
»Es  bilden  sich  nun  an  der  angeschwollenen  Stelle  (der  Wirts- 
wurzel) mehrere  mit  Rinde  bekleidete  Verlängerungen  des 
Holzkörpers,    welche    in    unbestimmter    Zahl    in    das    zellige 


Zur  Kenntnis  der  Gattung  Balanopliora.  455 

Parenchym  der  Knolle  eintreten  und  nun  die  Rolle  eines  Gefäß- 
systems übernehmen.«  Dann  spricht  er  wieder  von  »der  Rinde 
des  Mutterkörpers«,  wobei  als  solcher  die  Auszweigungen  der 
Wirtswurzel  gemeint  sind.  Aufp.  12  schreibt  er:  »Die  Gefäß- 
bündel der  Mutterpflanze  bestehen  nach  außen  aus  Rindenzellen, 
denen  nun  die  des  Holzkörpers  folgen.  Je  nach  der  Größe  des 
letzteren  erkennt  man  nun  noch  deutlich  den  Markzylinder,  die 
von  demselben  ausgehenden  Markstrahlen,  wie  bei  B.  elongata 
(Tab.I,  Fig.4  Aa,  Fig.  ba),  ganz  besonders  deutlich  in  dem  sehr 
großen,  1  Linie  im  Dm.  haltenden  »Holzbündel«  der  B.  maxima 
(Tab.  I,  Fig.  22  und  23«).«^  Er  fährt  dann  fort:  »Bei  geringem 
Umfang  der  Aste  tritt  nun  das  Mark,  wie  bei  den  Wurzeln 
der  mir  bekannten  Dikotylen  m.ehr  zurück«,"  etc.  Endlich 
einmal  das  Wort  Wurzeln!  Und  bei  der  Erklärung  des  Bildes 
Fig.  28,  Tab.  II,  entschließt  er  sich  zu  sagen:  »D  bezeichnet  die 
Gefäßbündel  oder  richtiger  VVurzeläste  der  Mutterpflanze.« 
Ich  glaube,  daß  man  die  Auszweigungen  der  Wirtswurzel 
in  den  Balanophora-KnoWen  in  der  Tat  ruhig  als  Wurzeln  oder 
doch  Wurzeläste  bezeichnen  soll.  Zur  Begründung  dessen  sei 
auf  Fig.  6  der  Tafel  hingewiesen,  die  uns  den  Querschnitt  einer 
solchen  Auszweigung  vorführt.  Auf  einer  Seite  ist  auch  das 
dieselbe  umgebende  Parenchym  der  Parasitenknolle  sichtbar. 
(Das  Balanophorin  war  vor  der  photographischen  Aufnahme  mit 
Äther  weggelöst  worden  und  der  Holzkörper  war  mit  Phloro- 
glucin-Salzsäure  gefärbt.)  Wir  finden  den  zentralen  Holzkörper 
von  größeren  Markstrahlen  radial  durchsetzt,  erkennen  um  ihn 
ringsherum  deutlich  eine  kambiale  Zone,  an  die  sich  außen  ein 
kleinzelliges  Rindengewebe  anschließt.  Siebröhren  sind,  wenig- 
stens in  den  stärkeren  Auszweigungen,  in  der  vom  Kambium 


1  Diese  Figuren  sind  sehr  klein  gehalten  und  deuten  das  Besprochene 
kaum  an. 

2  Einen  solchen  Fall  bildet  er  auf  Taf.  II,  Fig.  28,  bei  starker  Vergrößerung 
ab.  Die  Figur  zeigt  Rinde  und  Parenchym  der  i?i?ZaMOjCÄora-Knolle,  die  dem  letzteren 
eingestreuten,  der  Balanophora  angehörigen  Leitstränge  und  ein  Stück  des  Quer- 
schnittes durch  das  »Gefaßbündel«  der  Mutterpflanze.  Die  Rinde  desselben  ist 
deutlich  wiedergegeben,  Mark  und  Markstrahlen  fehlen  jedoch  in  dieser  Abbildung. 
Göppert's  oben  gegebene  Deutung  für  dieses  Verhalten  wird  jedenfalls  nicht 
zutreffen,  sondern  es  wird  sich  um  eine  Wirtspfianze,  in  deren  Wurzeln  überhaupt 
kein  Mark  zur  Differenzierung  kommt,  handeln. 


456  E.  Heinricher, 

gebildeten  sekundären  Rinde  reichlich  nachweisbar.  Eine  stärkere 
Umbildung  haben  diese  Wurzeln  allerdings  erfahren,  insbeson- 
dere ist  die  Rinde  reduziert,  großzelliges  peripheres  Rinden- 
gewebe fehlt  vollständig.  Eng  umschließt  sie  das  KnoUenparen- 
chym  der  Balanophora,  und  zwar  stets  mit  einigen  Schichten 
dem  übrigen  Parenchym  gegenüber  kleinerer  Zellen,  die 
überdies  ausnahmslos  durch  verholzte  Wandungen 
ausgezeichnet  sind. 

In  der  Achse  des  Holzkörpers  entwickelt  sich  die  Haupt- 
masse des  Thallus  (die  in  Fig.  6  mit  Kreuzchen  bezeichneten 
Zellen  sind  solche,  die  ihm  angehören),  dessen  Zellen  haupt- 
sächlich parallel  der  Achse  des  Wurzelastes  verlaufen.  Doch 
gehen  von  den  Längsreihen  auch  radial  verlaufende  Seitenzweige 
nach  der  Peripherie  ab,  wie  andrerseits  von  dem  den  Wurzelast 
umgebenden  Parenchym  des  Parasiten  Thalluszellen  zentripetal 
eindringen,  als  Haustorien  funktionieren  und  da  und  dort  auch 
die  Verbindung  mit  den  zentralen  Längsreihen  des  Thallus 
erreichen  und  erzielen. 

Wie  sehr  die  Wurzelstränge  des  Wirtes  sich  eignen,  dem 
an  ihnen  haftenden  und  saugenden  Parasiten  die  nötigen  Nähr- 
stoffe zuzuführen,  das  zu  zeigen,  wurde  durch  Fig.  7  der  Tafel 
angestrebt.  Es  ist  in  dieser  ein  Schnitt  durch  denselben  Wurzel- 
strang wiedergegeben,  der  auch  in  Fig.  6  vorliegt,  nur  aus  einer 
höher  gelegenen  Zone  des  von  5.  elongata  stammenden  Knollen- 
stückes. Auch  hier  wurde  das  Balanophorin  entfernt,  daher  das 
Knollenparenchym  wie  entleert  aussieht,  dann  aber  wurde  der 
Schnitt  mit  Jodalkohol  behandelt  und- —  um  den  Stärkereichtum 
in  dem  Wurzelaste  zur  Anschauung  zu  bringen  —  in  Jodglyzerin 
liegend  photographiert.  Während  in  Fig.  6  die  Elemente  des 
Holzkörpers,  auch  das  Holzparenchj^m  und  die  Markstrahlzellen 
deutlich  unterscheidbar  sind,  bleiben  in  Fig.  7  nur  die  Tracheen 
und  die  Thalluszellen  als  solche  erkennbar;  alles  übrige  erscheint 
infolge  des  großen  Stärkereichtums  nur  als  eine  umgebende 
dunkle  Masse.  Aber  auch  die  Rinde  und  die  äußeren  Partien  des 
Markstrahlenparenchyms  sind  stärkereich,  wenn  deren  Zellen 
von  den  Stärkekörnern  auch  nicht  vollends  gefüllt  sind;  darum 
treten  diese  oder  Gruppen  solcher  als  dunkle  Punkte  und  Pünkt- 
chen in  diesen  Geweben  auch  einzeln  hervor. 


Zur  Kenntnis  der  Gattung  Balanophora.  457 

Bietet  das  Ouerschnittsbild  der  stärkeren  Wurzelaus- 
zweigiingen  noch  die  wesentlichen  Merkmale  des  Wurzelbaue?, 
so  mangeln  solche  allerdings  den  wachsenden  Spitzen  derselben. 
Und  wenn  recht  junge  Wurzeln  von  Parasiten  befallen  werden, 
so  ist  die  Alteration,  die  der  Bau  der  Auszweigungen  durch 
den  Parasiten  erleidet,  eine  so  weitgehende,  daß  auch  am  Quer- 
schnitte derselben  die  Ähnlichkeit  mit  einer  Wurzel  nicht  mehr 
hervortritt.  Das  war  z.  B.  der  Fall  an  der  Auszweigung  in  der 
kleinen,  Fig.  3  abgebildeten  BalanopJiora -KnoUe.  In  Fig.  4  ist 
ein  basaler  Querschnitt  durch  die  Knolle  gegeben;  der  Quer- 
schnitt des  Wurzelastes  erscheint  darin  in  mehr  x-förmigem 
Umriß.  Das  scheint  die  Folge  einer  annähernd  in  der  Schnitt- 
ebene erfolgenden  Spaltung  in  vier  Seitenauszweigungen  zu 
sein.  Solche  Wurzelauszweigungen  bilden  nur  mehr  sehr  spärlich 
tracheale  Elemente  aus,  die  in  kräftigeren  (Fig.  6)  doch  reichlich 
noch  vorhanden  sind.  Den  Kern  der  Auszweigungen  bildet  dann 
ein  kallöses  Holzparenchym.  Irhmeraber  sieht  man  außenherum 
ein  kambiumartiges  Meristem  verlaufen  und  außerhalb  desselben 
befinden  sich  noch  3  bis  4  Zellagen  Rindenparenchym,  dem 
sich  die  mehrschichtige,  verholzte  Scheide,  gebildet  aus  dem 
Knollenparenchym  der  BalanopJiora,  eng  anschließt. 

Die  Gewebe  der  Wurzelauszweigung  in  Fig.  4  waren  sehr 
inhaltsarm,  es  fehlte  z.  B.  Stärke  nahezu  gänzlich.  Man  gewann 
den  Eindruck,  als  ob  der  Parasit  seinen  Wirt  völlig  erschöpft 
hätte,  und  es  ist  wahrscheinlich,  daß  solche  schwache  Wirts- 
wurzeln absterben  und  mit  ihnen  natürlich  auch  der  Parasit 
auf  früherer  oder  späterer  Entwicklungsstufe  eingeht. 

Betrachtet  man  das  Verhältnis  der  BalanopJiora  zur  Wirts- 
wurzel im  ganzen,  dann  wird  man  sagen  können,  daß  der  Parasit 
auf  der  Nährwurzeleine  Gallenbildung  auslöst. ^  Erst  kommt  die 
Hypertrophie  der  befallenen  Wurzel,  dann  die  Wucherung  eines 


1  Dieser  Auffassung  begegnet  man  sciion  bei  den  älteren  Autoren.  Unger 
(Beiträge  zur  Kenntnis  der  parasitischen  Pflanzen,  I,  p.  27)  schreibt:  »  Schon 
Rob.  Brown  sagt  von  der  Verbindung  der  Balanophora  mit  dem  fremden  Stock, 
daß  man  annehmen  müsse,  der  keimende  Same  der  Schmarotzerpflanze  übe 
eine  spezifische  Wirksamkeit  auf  ihn  aus,  in  deren  Folge  sich  eine  Bildung 
erzeuge,  die  analog  den  Gallen  den  Schmarotzer  trägt  und  schirmt.«  Auch  N  e  es 
V.  Esenbeck  äußert  sich  in  dem  Zusätze  zu  Junghuhn's  Abhandlung:  >Über 


458  E.  Heinricher, 

reichgegliederten  Systems  von  Auszweigungen.  Sowohl  mit 
Zoocecidien  als  Mykocecidien  lassen  sich  Vergleiche  ziehen. 
In  ersterer  Beziehung  läge  derjenige  mit  den  Gallen,  die  Cyiiips 
Caput  Medusae  Hrtg.  auf  der  Eiche  erzeugt,  oder  auch  mit  den 
Bedeguar-Gallen  von  Rhodites  Rosae  L.  nahe,  in  letzterer  mit 
den  Hexenbesen  erzeugenden  parasitischen  Pilzen.  Es  ist  ein 
förmlicher  Wurzelhexenbesen,  den  die  befallene 
W i r t s w u r z e  1  i m  I n n e r n  d e r  Balanophora-K nolle  erzeugt. 
In  beiden  Fällen  haben  wir  freilich  den  Unterschied,  daß  bei 
Balmtophora  die  ganze  Galle  mit  ihren  Auszweigungen  vom 
Parasitengewebe  eng  umschlossen  wird,  mit  ihm  zugleich  auf- 
wächst, so  daß  jede  Balanophora-Kn olle  ein  symbiontisches 
Gebilde^  darstellt,  bestehend  aus  den  untrennbar  ver- 
einigten und  notwendig  zur  Balanophora- K n o  1 1  e  g e h ö r i- 
gen  Wurzelauszweigungen  des  Wirtes  einerseits, 
aus  den  Geweben  des  Parasiten  andrerseits.  Wie  ein 
Flechtenthallus  konstant  die  Elemente  zweier  ver- 
schiedener Organismen  aufweist,  so  auch  die  Knolle 


Javan'sche  Balanophoreen«  (1.  c.  p.  227)  mit  vieler  Klarheit:  »Wie  das  Wachsen 
des  Pilzes  mit  einer  heteromorphen  Entwicklung  der  Xährpflanze  anhebt  (man 
denke  z.  B.  an  Podisoma  Juniperi  und  GyiHHOsporangiiim  Juniperinum,  wenn 
man  die  tieferen  Brandarten  noch  zu  abstrakt  finden  sollte),  so  hebt  auch  bei 
jenen  akotyledonischen  Parasiten  höherer  Art  der  Entwicklungsprozeß  mit  einer 
bedeguarischen  Affektion  ....  an.« 

1  Der  Ausdruck  »Symbiose«  ist  für  die  Balanoplwra-KnoWe  bisher  nicht 
verwendet  worden,  erhält  aber  bei  der  so  eigenartigen  Verschmelzung,  zu  der 
sich  Parasit  und  Wirt  in  ihr  vereinigen  und  die  auch  zu  der  Charakterisierung 
derselben  als  »corpus  intermedium«,  »Mittelkörper'^,  bei  den  älteren  Autoren 
geführt  hat,  einen  gewissen  Grad  von  Berechtigung.  Man  muß  sich  nur  bewußt 
bleiben,  daß  er  hier  der  engeren  Definition,  die  De  Bar y  für  den  Begriff  der 
Symbiose  gegeben  hat,  nicht  entspricht.  Eine  Gegenseitigkeit  im  Nutzen  der 
beiden  Symbionten  ist  ja  im  Falle  von  BalanopJiora  sicher  ausgeschlossen,  doch 
ist  diese  Gegenseitigkeit  ja  selbst  für  die  beiden  Symbionten  im  Flechtenkörper 
noch  wenig  klargelegt.  Man  vergleiche  in  letzterer  Hinsicht  insbesondere  die  Ab- 
handlung Elenkin's  »Die  Symbiose  als  abstrakte  Auffassung  des  beweglichen 
Gleichgewichtes  der  Symbionten«  (Bullet.  Jardin  Botan.  de  St.  Petersbourg,  Vol. 
VI,  1906,  p.  1  — 19).  In  seinem  Resume  sagt  da  Elenkin:  »Wie  meine  Beob- 
achtungen an  den  Flechten  und  die  vieler  anderer  Autoren  an  verschiedenen  Fällen 
von  Symbiose  zeigen,  lassen  sich  tatsächlich  immer  nur  Fälle  von  parasitischer 
oder  saprophytischer  Ernährung  eines  Symbionten  auf  Kosten  des  andern  beob- 
achten, doch  niemals  Mutualismus.« 


Zur  Kenntnis  der  Gattung  Balanophora.  459 

einer  Balanophora.  Nur  kann  hier,  wie  bei  G a  1 1  e  n  b  i  1  - 
düngen  überhaupt,  von  keiner  mutualistischen  Sym- 
biose gesprochen  wer  den,  sondern  der  Nutzen  ist  ganz 
auf  Seite  des  einen  Syrnbionten.  Die  Wirts wurzel  tritt 
mit  ihrer  Gallenbildung  völlig  in  den  Ernährungs- 
dienst  für  den  Parasiten.  Jedenfalls  kann  aber  bei 
Balanophora  von  einer  durch  eine  Blütenpflanze  hervor- 
gerufenen Gallenbildung  gesprochen  werden,  die  sich 
den  Zoocecidien  und  Mykocecidien  vollkommen  analog  an- 
schließen läßt.  Solche  »Blütenpflanzen-Gallen«  werden  nicht 
viele  zu  verzeichnen  sein. 

Die  Keimung  ist  in  der  Familie  der  Balanophoreen  nur  für 
Cynoniorium  bekannt,  eine  Gattung,  die  mir  nach  allem  von  dem 
Gros  der  übrigen  größeren  Abstand  zu  haben  scheint. 

Was  die  Entwicklung  der  einzelnen  Knolle  von  Balaiio- 
phora  anbelangt,  so  haben  offenbar  dieBeccaii'schen  und  Solms- 
Laubach'schen  Angaben  von  der  Existenz  eines  intramatrikalen 
Thallus  auch  in  den  knollenfreien  Teilen  der  Nährwurzeln  bei 
B.  reflexa  und  B.  indica  zur  Annahme  geführt,  daß  aus  einem 
solchen  vegetativ  neue  Knollen  entstünden  und  im  Innern  der 
Nährvvurzeln  zur  Anlage  kämen.  So  schreibt  Solms-Laubach 
an  einer  Stelle,  wo  er  von  jugendlichen  Knollen  berichtet: 
»Knöllchen,die  noch  von  derNährrinde  bedeckt  gewesen  wären, 
wurden  nicht  gefunden;  alle  ragten  schon  frei  mit  ihrer  Spitze 
an  die  Oberfläche.«  Und  weiter:  »Der  junge  Knollen  wächst  vom 
Anfang  an  durch  interkalare  Gewebebildung,  ohne  je  einen 
Vegetationspunkt  aufzuweisen.  An  seiner  Basis,  wo  er  die 
Wurzelrinde  durchbrach,  steht  der  Knollen  direkt  mit  dem 
Holze  der  Nährpflanze  in  Verbindung.« 

Durch  Abbildungen  ist  aber  ein  solcher  Entwicklungsgang 
auch  für  eventuelle  Adventivpflanzen  von  B.  reflexa  und  B. 
indica  nicht  belegt;  ich  habe  den  Eindruck,  daß  auf  denselben 
vielmehr  durch  Analogie  zu  der  intramatrikalen  Blütenentwick- 
lung der  Rafflesiaceen  geschlossen  wurde,  wobei  auch  an  eine 
vorerst  intramatrikale  Lage  aus  Samen  hervorgegangener 
Thallusbildungen  und  sekundär  von  diesen  ausgehender  erster 
Knollenentwicklung  gedacht  werden  konnte.  Alles,  was  aber 
die   Abbildungen  uns   über   das   Aufsitzen   der  Balaiiophora- 

Sitzb.  d.  mathem.-naturvv.  Kl.;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  31 


460  E.  Heinricher, 

Knollen  an  den  Wirtsvvurzeln  vor  Augen  führen,  scheint  mir 
unbedingt  auf  eine  extramatrikale  Entwicklung  derselben  hin- 
zuweisen. 

Bezüglich  der  aus  Samen  hervorgehenden  Knollen  scheint 
auch  Engler  zu  gleicher  Ansicht  gelangt  zu  sein.  In  seiner 
Bearbeitung  der  Balanophoreen  in  den  »Natürlichen  Pflanzen- 
familien« ^  sagt  er,  nachdem  er  über  den  Keimling  von 
Cynomorium  gesprochen  hat:  »Von  mehreren  der  übrigen 
Gattungen  kennt  man  Jugendstadien.  Dieselben  sind  allemal 
kleine  KnöUchen  ohne  jede  Spur  von  Kotyledonen  und  Wurzel. 
Diese  Knöllchen  umfassen  mit  ihrer  Basis  einen  größeren  oder 
geringeren  Teil  der  Wurzeloberfläche,  indem  sie  von  der 
.Anheftungsstelle  aus  nach  beiden  Seiten  in  wulstartige  An- 
schwellungen auswachsen.  An  der  Berührungsstelle  schwindet 
das  Rindengewebe  der  Nährwurzel, ^  während  sich  der  Holz- 
körper desselben  in  eine  mehr  oder  weniger  strahlige,  im 
Parenchym  der  Knolle  bisweilen  weit  vordringende  Masse 
spaltet,  letzteres  im  höchsten  Maße  bei  BaIanophora.<^ 


1  III,  1,  p.  242. 

-  Ein  solches  »Schwinden«  der  Nährwurzelrinde  findet  wohl  kaum  statt. 
Wie  mir  Textfig.  3  zu  beweisen  scheint,  findet  nur  ein  Auseinanderdrängen  der 
Rinde  durch  die  in  die  Parasitenknolle  vordringenden  Auszweigungen  der  Wirts- 
wurzel statt.  Auch  die  Beschränkung  des  Thallus  auf  das  > Nährholz«  ist  bei  Bala- 
fwphora  nicht  so  weitgehend,  wie  man  nach  derSolms-Laubach'schen  Darstellung 
schließen  könnte.  Er  schreibt  p.  34  seiner  Abhandlung  >Über  den  Thallus  der 
Loranthaceen  etc.«  :  »Und  ferner  ergibt  sich  als  immerhin  bemerkenswerte  Tatsache 
die  vollkommene  Analogie,  die  zwischen  dem  Thallus  der  Rafflesieen  und  dem 
der  Balanophoreen  andrerseits  besteht.  Dort  in  der  Rinde,  hier  im  wuchernden 
Nährholz  gelegen,  erzeugt  er  in  beiden  Fällen  Gewebsmassen,  deren  Inneres  der 
Entstehungsort  endogener  Blütensprosse  wird.  Bei  den  Rafflesieen  bleiben  die- 
selben in  der  Nährrinde  verborgen,  bei  den  Balanophoreen  treten  sie  als  seltsam 
geformte  Knollen  über  deren  Oberfläche  hervor.« 

Die  Thallusausbreitungen  der  Balanophoreen  beschränken  sich  ebenso- 
wenig auf  das  Holz  als  diejenigen  der  Rafflesiaceen  auf  die  Rinde.  In  Texthg.  3 
sehen  wir  unterhalb  P  in  mehreren  Lagen  Balanophora-Gewehe  in  der  Rinde. 
Ferner  ist  zu  beachten,  daß  die  Wurzelauszweigungen  in  der  Knolle  mit  Rinde 
bekleidet  sind  und  daß  diese  vom  Thallus  ebenso  durchzogen  wird  wie  die  axilen 
Holzmassen.  Der  zu  dem  bei  B  (Textfig.  3)  gelegenen,  aus  Balanophora-Gewehe 
bestehenden  Höcker  gehörige  kleinzellige  Thallus  durchsetzte  in  reichlicher 
Weise  das  Rindengewebe  der  Wirtswurzel. 


Zur  Kenntnis  der  Gattung  Balanophora.  46 1 

Es  ist  kaum  zu  bezweifeln,  daß  die  Keimung  von  Balano- 
phora in  mehr  minder  ähnlicher  Weise  erfolgt  wie  jene  von 
Orohancke.  Bei  der  leichten  Beschaffbarkeit  von  Samen  der 
Balanophora- Avien  und  der  geeigneten  Wirtspflanzen  wäre  es 
wohl  an  der  Zeit,  daß  einmal  in  einem  der  Tropengärten  die 
künstliche  Aufzucht  versucht  und  die  Entwicklungsgeschichte 
lückenlos  erforscht  würdet  Ich  stelle  mir  die  Sache  keineswegs 
als  besonders  schwierig  vor  und  denke,  daß  man  folgende  An- 
nahmen im  vorhinein  machen  darf: 

1.  Die  Samen  werden  zu  ihrer  Keimung  (ebenso  jene  der 
Rafflesiaceen)  so  wie  die  derOrobanchen  und  jene  von  Lathraea 
und  Tozzia  die  Anwesenheit  einer  geeigneten  Nährwurzel 
erfordern. 

2.  Die  Keimung  wird  sowohl  an  unterirdischen  als  an  bloß- 
liegenden oder  -gelegten  Wurzeln,  vermutlich  aber  nur  an 
jüngeren,  stattfinden  können. 

3.  Der  größte  Teil  des  Keimlings  dürfte  als  Thallus  in  das 
Innere  der  Nährwurzel  eintreten;  vielleicht  schon  durch  Fern- 
wirkung auf  das  Kambium  oder  aber  erst  durch  direkte  Ein- 
wirkung veranlaßt  er  dieses,  Auszweigungen  anzulegen,  die 
fortwachsend  die  Rinde  durchbrechen  und  in  die  inzwischen 
durch  die  Ernährung  seitens  des  Thallus  angeregte  Knollen- 
bildung einwachsen.  Diese  letztere  wird  vermutlich  aus  einem 
außen  verbliebenen  Rest  des  Keimlings  gebildet,  könnte  aber 
auch  von  den  der  Oberfläche  nahegelegenen  Zellen  des  gewis- 
sermaßen als  Keimfaden  funktionierenden  ersten  Thallusstückes 
seinen  Ausgang  nehmen. 


1  Die  Abbildungen,  die  J.  D.  H  o  o  k  e  r  auf  Tab.  VI,  Fig.  7  und  Fig.  8,  seiner 
Abhandlung  »On  the  Structure  and  Affinities  oi  Balanophora*.  (Transactions  of 
the  Linnean  Society,  Vol.  XXII,  1859)  von  Jugendstadien  A&v  B.  invohicrata 
gibt,  sind  zu  mangelhaft,  um  ein  klares  Verstehen  zuzulassen.  Diese  Art  scheint 
nach  den  Hooker'schen  Abbildungen  manche  Eigenheiten  aufzuweisen  und  könnte 
sich  möglicherweise  bei  derselben  auch  eine  vegetative  Propagation  durch  den 
Thallus  vorfinden,  ähnlich  der,  wie  sie  iüvB.reflexanndB.  /«^/c«  angegeben  wird. 
Nach  dem,  was  sich  aus  vorliegenden  Abbildungen  schließen  läßt,  liegt  in 
den  Knollen  von  Langsdorffta  eine  jener  von  Balanophora  zunächst  stehende 
Bildung  vor.  Die  Knollendurchschnitte,  welche  Hook  er  (On  the  Structure  and 
Affinities  of  Balanophora)  auf  Tab.  II  darstellt,  lassen  auch  hier  ein  deutliches 
Eintreten  von  Wurzelauszweigungen  des  Wirtes  in  die  Knollen  des  Parasiten 
erkennen. 

31* 


462  E.  Heinrich  er, 

Eine  andere  Frage,  die  von  einem  in  den  Tropen  dauernder 
stationierten  Botaniker  leicht  gelöst  werden  könnte  und  die  doch 
einiges  Interresse  hat,  wäre  die,  die  Zeitdauer  zu  bestimmen, 
welche  eine  Balanophora-KnoUe  bis  zur  Erlangung  der  Blühreife 
braucht.  Wenigstens  von  solchen  Jugendstadien  ausgehend, 
wie  sie  Fig.  3  der  Tafel  zeigt  und  die  gewiß  leicht  aufzufinden 
sind,  wäre  die  Frage  vorerst  approximativ  zu  lösen.  Daß  Gunst 
oder  Ungunst  der  Verhältnisse  die  Entvvicklungsschnelle  stark 
beeinflussen  werden,  ist  von  vorherein  zu  erwarten.  Vermuten 
möchte  ich,  daß  diese  Entwicklung  keinen  zu  langen  Zeitraum 
erfordert  und  daß  auch  darin  sich  die  Balanophoreen  den 
Orobanchen  ähnlich  verhalten  dürften,  wie  ja  auch  sonst  trotz 
des  Ausschlusses  jeder  verwandtschaftlichen  Beziehungen  mehr- 
fache Analogien  mit  denselben  bestehen. 


Zusammenfassung. 

Bei  Balanophora  globosa  und  B.  elongata  ist  der  Thalhis 
auf  die  Auszweigungen  beschränkt,  die  von  den  Wirtswurzeln 
in  die  Knolle  abgehen.  In  der  Nährwurzel,  außerhalb  der  Knolle, 
finden  sich  Thalluselemente  nur  unmittelbar  unterhalb  des 
Insertionsortes  des  Parasiten. 

Nach  den  Angaben  von  Beccari  für  B.  reflexa  und  jenen 
von  Solms-Laubach  für  B.  iiidica  ist  bei  diesen  Arten  das 
Verhalten  anders;  auch  fern  vom  Ansatzpunkte  der  Knollen 
sollen  in  den  Nährwurzeln  Thalluszellen  des  Parasiten  nachweis- 
bar sein. 

Während  für  diese  Arten  aus  dem  angegebenen  Verhalten 
geschlossen  wurde,  daß  auch  vegetativ  von  dem  sich  ausbrei- 
tenden Thallus  einer  Mutterpflanze  neue  Balanophora-KnoWen 
entstehen  können,  ist  es  für  B.  globosa  und  B.  elongata  sehr 
wahrscheinlich,  daß  jede  Knolle  einem  Samen  ihren 
Ursprung  verdankt.  Die  Thalluszellen  verlaufen  in  Ketten 
und  Reihen,  besitzen  bedeutende  Größe  und  gemahnen  häufig 
in  Form  und  Aussehen  an  Riesenhefezellen.  Im  Räume  ver- 
bleiben sie  stets  im  Zusammenhang. 

Die  außerordenthche  Größe  der  Thalluszellen  und  die 
dadurch  erzielte  bedeutende    Oberfläche    dieses  Absorptions- 


Zur  Kenntnis  der  Gattung  Balanophora.  463 

gewebes  kann  als  Resultat  des  Bedürfnisses  angesehen  vx'erden 
und  steht  offenbar  in  Korrelation  mit  der  Beschränkung  des 
Thallus  auf  ein  relativ  begrenztes  Gebiet  im  Wirte,  nämlich  auf 
das  System  von  Auszvveigungen,  welche  die  Wirtswurzel  in  die 
BalMiophora-KnoWo.  treibt. 

Diese  Auszweigungen  wurden  früher  als  »Gefäßbündel«, 
»Gefäßstränge«,  »Holzstränge«  bezeichnet;  sie  besitzen  auf 
Querschnitten  aber  einen  ganz  wurzelartigen  Bau  und  sind 
darum  wohl  auch  besser  als  modifizierte  Wurzeln  zu  betrachten 
und  als  »Wurzelauszweigungen«  zu  benennen.  Der  Thallus 
durchzieht  dieselben  in  axilen  Längsreihen,  doch  kommen  auch 
radial  nach  außen  abgehende  Zweige  vor,  wie  andererseits  das 
die  Wurzelauszweigungen  umgebende  Knollenparenchym  radial 
nach  innen  haustoriale  Ausstülpungen  oder  Zellreihen  entsendet, 
welch  letztere  eventuell  den  Anschluß  an  den  axilen  Thallus 
gewinnen.  Durch  den  Parasiten  wird  auf  den  Wirtswurzeln  eine 
Gallenbildung  ausgelöst,  analog  und  vergleichbar  gewissen  Zoo- 
oder Mykocecidien,  wie  den  Bedeguar-Bildungen  oder  den 
Hexenbesen.  Man  könnte  die  Auszweigungen  der  Nährwurzel 
in  der  BalauopJiora-KnoWe  einen  »Wurzelhexenbesen«  nennen 
und  die  Gallenbildung  der  BalanopJiora  als  eine  «Blütenpflanzen- 
galle«  den  Zoo-  und  Mykocecidien  an  die  Seite  stellen. 

Auch  wird  der  symbiontische  Charakter  einer  jeden  Bala- 
nophora-KnoWe  hervorgehoben,  die  stets  aus  den  Elementen 
zweier  verschiedener  Organismen  aufgebaut  ist:  aus  den 
Wurzelauszweigungen  des  Wirtes  und  den  Geweben  des  Para- 
siten. Natürlich  ist  es  keine  mutualistische  Symbiose,  sondern 
die  Wirtswurzel  tritt  mit  ihrer  Gallenbildung  völlig  in  den 
Ernährungsdienst  des  Parasiten. 

Endlich  wird  eine  Erörterung  der  mutmaßlichen  Keimungs- 
bedingungen sowie  des  Entwicklungsganges  gegeben  und  auf 
die  wünschenswerte  Durchführung  diesbezüglicher  Versuche 
in  einem  der  Tropengärten  hingewiesen. 


464  E.  Heinricher, 


Erklärung  der  Abbildungen. 

Sämtliche  Bilder  sind  photographische  Aufnahmen. 


Fig.  I.Durchschnitt  einer  jüngeren  Knolle  von  BaLinopltora  globosa  und  des 
längsdurchschnittenen  Endstückes  der  Nährwurzel.  Die  Auszweigungen 
dieser  in  der  Knolle  treten  gut  hervor.  Natürliche  Größe. 

Fig.  2.  Knolle  von  Balanopkora  elongaia  im  Durchschnitte.  Starke  Hypertrophie 
des  Wurzelendstückes  der  Nährwurzel  innerhalb  der  Knolle.  Die  von 
jener  ausgehenden  Wurzelauszweigungen  teilweise  getroffen.  NatürHche 
Größe. 

Fig.  3.  Zwei  junge  Balanophom-  (sehr  wahrscheinlich  B.  clongata)  Pflanzen  an 
ihren  Wirtswurzeln.  Natürliche   Große. 

Fig.  4.  Querschnitt  durch  die  kleinere  der  in  Fig.  3  abgebildeten  Knollen, 
1  I/o  mm  ober  der  Insertion.  Man  erkennt  im  Zentrum  gut  abgegrenzt  den 
im  Umriß  etwa  x-förmigen  Querschnitt  der  in  die  Knolle  eingetretenen 
Auszweigung  der  Nährwurzel.  Innerhalb  desselben  sind  schon  bei  dieser 
schwachen  Vergrößerung  die  großen  Thalluszellen  des  Parasiten,  ja  sogar 
ihre  Zellkerne  erkennbar.  Die  dunklen  Inseln  im  Knollenparenchym  sind 
die  der  Balanopkora  angehörigen  Gefäßbündel ;  am  Umfange  heben  sich 
die  Rindenzellen  der  Knolle  deutlich  ab.  Vergrößerung  9"  5. 

Fig.  5.  Partie  aus  dem  zentralen  Teil  der  Fig.  4,  enthaltend  einen  Teil  der  Wurzel- 
auszweigung  des  Wirtes  und  des  Knollenparenchyms  von  Balanopkora. 
Im  ersteren  tritt  stellenweise  (besonders  von  der  Mitte  der  Figur  abwärts) 
der  Thallus  der  Balanopkora  gut  hervor.  Es  sind  dies  die  großen,  tonnen- 
förmigen,  hefeähnlichen  Zellen  mit  den  großen  Zellkernen.  Vergrößerung  5 1 . 

Fig.  6.  Partie  aus  dem  Querschnitte  einer  Knolle  von  Balanopkora  clongata, 
enthaltend  den  Querschnitt  durch  eine  Wurzelauszweigung  des  Wirtes 
und  diese  umgebendes  (besonders  oben)  Knollenparenchym.  Der  wurzel- 
artige Bau  der  Auszweigung  tritt  hervor.  Man  erkennt  den  zentralen  Holz- 
körper, radial  durch  breite  Streifen  von  Markstrahlenparenchym  unter- 
brochen ;  gegen  die  Peripherie  die  Anwesenheit  eines  Kambiums  und  zu 
äußerst  kleinzellige  Rinde.  Eng  schmiegt  sich  Balanopkora-?a.Yenchym 
an,  und  zwar  zunächst  mit  einigen  Lagen  kleinerer  Zellen,  die  verholzte 
Wandungen  haben.  Diese  heben  sich  am  Bilde  durch  schärferes  Her\'or- 
treten  der  Zellwände  ab. 

Im  Holzkörper  sind  die  mit  X  bezeichneten  Zellen  solche,  die  dem  Thallus 
des  Parasiten  angehören;  es  sind  das  jene  Thallusteile,  welche  die  Wur- 


Zur  Kenntnis  der  Gattung  Balanopliora.  465 

zelauszweigungen  parallel  ihrem  Verlaufe  in  Längsreihen  durchziehen. 
Ebenfalls  mit  X  bezeichnet  sind  an  der  Peripherie  gelegene  Zellen,  welche 
von  dem  umgebenden  KnoUenparenchym  in  die  Auszweigungen  eint  retende 
haustoriale  Elemente  sind.  Vergrößerung  44. 
Fig.  7.  Ein  gleicher  Schnitt  wie  in  Fig.  6,  aber,  um  den  großen  Stärkereichtum 
der  Wurzelauszweigungen  zur  Anschauung  zu  bringen,  in  Jodglyzerin 
liegend  photographiert.  Infolge  der  Stärkemengen  erscheint  der  zentrale 
Teil  des  Holzkörpers  als  dunkle  Masse,  in  der  sich  nur  die  trachealen 
Elemente  sowie  diejenigen  des  Thallus  abheben.  (Letztere  sind  wie  in 
Fig.  6  durch  X  gekennzeichnet.)  Auch  das  Markstrahlen-  und  das  Rinden- 
parenchym  sind  sehr  stärkereich,  wodurch  hier  gegenüber  Fig.  6  der 
zellige  Aufbau  undeuthch  erscheint.  Vergrößerung  44. 


Für  die  gefällige  Übernahme  der  photographischen  Aufnahmen  dankt  der 
Verfasser  Herrn  Privatdozenten  Dr.  Ad.  Wagner,  desgleichen  für  die  Besorgung 
■der  Textfiguren  und  Schnitte  dem  Herrn  Assistenten  Max  Strigl. 


Heinricher,  E. :  Zur  Kenntnis  der  Gattung  ßalanophora. 


^ 


■!^ 


Knustanstalt  Max  Jaff6,   Wien. 
Sitzungsberichte  d.  kais.  Akad.  d.  Wiss,,  mat.-naturw.  Klasse,  Bd,  CXVII,  Abt.  I.  1907. 


467 


Ober   die   Sichtbarmaehung   der   Bewegung- 
mikroskopiseh  kleinster  Teilehen  für  das  freie 

Auge 


Hans  Molisch, 

k.  M.  k.  Akad. 

Aus  dem  pflanzenph3''siologischen  Institute  der  k.  k.  deutschen  Universität  in 
Prag.  Nr.  98  der  zweiten  Folge. 

(Vorgelegt  in  der  Sitzung  am  25.  April  1907.) 

Über  die  Frage  nach  den  kleinsten  noch  mit  bloßem  Auge 
wahrnehmbaren  Objekten  wurden  genaue  Beobachtungen  von 
verschiedenen  Forschern,  insbesondere  von  Harting^  gemacht. 
Er  fand  für  die  Augen  von  fünf  verschiedenen  Personen  als 
Grenze  der  Wahrnehmbarkeit  runder  oder  kugelförmiger 
Körper  46  [x  bis  23  \i.  Die  Pollenkörner  von  Phlox  panicnlata 
messen  im  Durchmesser  etwa  46  (jl  und  die  von  Clematis 
cyJindrica  etwa  23  {x.  So  kleine  Zellen  können  mit  freiem  A^uge 
noch  als  Pünktchen  wahrgenommen  werden. 

Das  Wahrnehmungsvermögen  des  bloßen  Auges  geht  aber 
in  Wirklichkeit  noch  weiter,  da  Körper,  die  im  Verhältnis  zu 
ihrer  Dicke  sehr  lang  sind,  wie  Drähte  oder  Haare,  mit  größerer 
Leichtigkeit  gesehen  werden  als  viereckige  oder  runde  Körper- 
chen von  gleichem  Durchmesser.  So  kann  ein  Spinnwebfaden, 
dessen  Durchmesser  etwa  2'1  jx  beträgt,  »in  dem  Rohre  eines 
Mikroskopes,  dessen  Gläser  weggenommen  waren,  einem  durch 
eine  Argand'sche  Lampe  beleuchteten  matten  Glase  so   gegen- 


1  P.   Harting,    Das    Mikroskop.    Braunschweig    1859,    deutsche    Aus- 
gabe, p.  54. 


468  H.  Molisch, 

übergestelit,  daß  gar  keine  Reflexion  an  den  Rändern  des  Fadens 
stattfand«,  noch  deutlich  wahrgenommen  werden.  Alle  diese 
Werte  sind  natürlich  nur  approximativ,  denn  sie  fallen  ver- 
schieden aus  nach  der  Beleuchtungsart,  der  Akkomodations- 
fähigkeit des  Auges  und  anderen  Umständen. 

Ich  habe  in  der  letzten  Zeit  Beobachtungen  gemacht, 
welche  zeigen,  daß  das  unbewaffnete  menschliche  Auge  unter 
gewissen  Umständen  die  Bewegung  mikroskopischer  Teilchen 
von  außerordentlicher  Kleinheit  zu  sehen  vermag,  die  weit 
unter  jene  von  Harting  bestimmte  Grenze  heruntergeht. 
Die  folgenden,  höchst  einfachen  Versuche  werden  dies  klar 
machen. 

Wenn  man  die  in  unseren  Gewächshäusern  so  häufig 
gezogene  stachlige  Euphorbia  spJendens  mit  einer  Nadel  im 
Stengel  ansticht,  so  tritt  sofort  aus  der  Wunde  ein  milchweißer 
Tropfen  hervor,  es  ist  der  Milchsaft  dieser  Pflanze.  Bringt  man 
den  Tropfen  rasch  auf  einen  wohlgereinigten  Objektträger, 
bedeckt  mit  einem  Deckglas  und  betrachtet  die  Flüssig- 
keit mit  einem  Mikroskop  bei  einer  300-  bis  lOOOmaligen  Ver- 
größerung, so  sieht  man,  daß  der  Milchsaft,  abgesehen  von 
größeren  Ballen  und  eigentümlichen  stabförmigen  oder 
schenkelknochenförmigen  Stärkekörpern,  aus  einer  ungemein 
feinkörnigen  Emulsion  besteht.  In  einer  homogenen  Flüssig- 
keit liegen  außerordentlich  kleine  Kügelchen  aus  Harz  und 
Kautschuk,  die  die  prachtvollste  Brown'sche  Molekularbewe- 
gung zeigen.  Ich  kenne  kaum  ein  Objekt,  das  zur  Demonstration 
dieser  Bewegung  geeigneter  wäre  als  der  Etiplwrhia-'^iWchssih. 
Um  solche  Präparate  dauernd  zur  Hand  zu  haben,  verschließe 
ich  das  Deckglas  am  Rande  mit  hartem  Terpentinharz,  das  mit 
einem  heiß  gemachten  Drahte  an  den  4  Kanten  des  Deckglases 
so  aufgetragen  wird,  daß  ein  luftdichter  Verschluß  erzielt  und 
die  Flüssigkeit  hiedurch  vor  Verdampfung  und  Strömungs- 
bevvegungen  geschützt  wird.  Solche  Präparate  zeigen  die 
Brown'sche  Molekularbewegung  noch  nach  Monaten.  Meines 
Wissens  wurde  bisher  diese  Bewegung  nur  mit  Hilfe 
des  Mikroskops  gesehen,  sie  läßt  sich  aber,  wie  man 
sich  leicht  überzeugen  kann,  auch  dem  freien  Auge 
sichtbar  machen.  Zu  diesem  Zwecke  ist  es  nur  nötig, 


Bewegung  mikroskopisch  kleinster  Teilchen.  469 

das  Präparat  im  direkten  Sonnenlichte  zu  betrachten. 
Man  hält  in  deutlicher  Sehweite  den  Objektträger  ver- 
tikal oder  etwas  schief,  läßt  das  direkte  Sonnenlicht 
schief  einfallen  und  beobachtet  im  durchfallenden 
Lichte.  Bei  richtiger  Stellung  taucht  zur  Überraschung 
des  Beobachters  die  Molekularbewegung  der  Harz- 
kügelchen  auf  und  gibt  sich  in  einem  eigenartigen 
Flimmern,  lebhaften  Tanzen  und  Wimmeln  der  in 
prachtvollen  Interferenzfarben  erscheinenden  mikro- 
skopischen Teilchen  kund.  Hält  man  in  einiger  Entfernung 
(etwa  3  bis  dem)  vom  Objektträger  ein  mattschwarzes  Papier, 
so  wird  die  Erscheinung  noch  deutlicher,  doch  ist  der  schwarze 
Hintergrund  nicht  notwendig.  Im  auffallenden  Lichte  ist  das 
Phänomen  nicht  zu  sehen.  Da  man  bei  dem  Versuche  nicht 
direkt  in  die  Sonne  zu  sehen  braucht,  sondern  nur  in  das  vom 
Präparate  kommende  Licht,  so  wird  das  Auge  hiebei  nicht 
besonders  angestrengt.  Soll  der  Versuch  gut  gelingen,  so  ist 
darauf  zu  achten,  daß  die  Milchsaftschichte  nicht  zu  dick  ist, 
sondern  nur  jene  Stärke  aufweist  wie  bei  gewöhnlichen  mikro- 
skopischen Präparaten.  Auch  darf  die  Sonne  nicht  verschleiert 
sein,  ein  wolkenloser  blauer  Himmel  gibt  die  besten  Resultate. 
Auch  das  Licht  einer  kräftigen  Bogenlampe  leistet  gute  Dienste, 
ja,  ich  kann  hinzufügen,  daß  ich  die  Bewegung  der  Milchsaft- 
kügelchen  auch  im  direkten  Lichte  einer  stark  genäherten  Glüh-, 
Petroleum-  oder  Auerlampe  sehe,  wenn  ich  eine  gute  Lupe  zu 
Hilfe  nehme.  Am  besten  tritt  die  Erscheinung  im  direkten 
Sonnenlichte  hervor. 

Ein  ebenfalls  sehr  empfehlenswertes  Objekt,  das  man 
sich  jederzeit  leicht  beschaffen  kann,  ist  Tusche,  fein  zer- 
rieben im  Wasser.  Ich  verwendete  für  meine  Zwecke  die 
käufliche  Perltusche  (von  Günther  Wagner),  in  welcher  die 
Kohle  in  ganz  besonders  feiner  Verteilung  vorliegt.  Wenn 
man  ein  Präparat  in  der  Weise,  wie  es  vorhin  geschildert 
wurde,  anfertigt  und  dann  gegen  das  direkte  Sonnenlicht  hält, 
so  sieht  man  die  feinen  Tuschpartikelchen  gleichfalls  in  Form 
glänzender  Teilchen  in  lebhaftester  Brown'scher  Molekular- 
bewegung. Doch  ist  es  gut,  vorher  die  Beobachtung  mit 
Euphorbia-MUchsaft  einzuüben,  weil  der  Ungeübte  das  Phä- 


470  ?I.  Molisch, 

nomen  bei  Tusche  wegen  des  geringeren  Glanzes  der  an  und 
für  sich  schwarzen  Kohleteilchen  vielleicht  schwieriger  wahr- 
nehmen wird. 

Ein  herrliches  Objekt  für  die  Wahrnehmung  mikro- 
skopischer Teilchen  mit  freiem  Auge  lernte  ich  in  gewissen 
rasch  beweglichen  Bakterien,  z.  B.  in  der  Purpurbakterie 
Rliodospirillnm  phofometricum  Molisch/  kennen. 

Diese  Bakterie  eignet  sich  für  unseren  Versuch  deshalb  so 
gut,  weil  sie  wie  viele  andere  Purpurbakterien  den  luftdichten 
Verschluß  mehrere  Stunden  oder  Tage  verträgt  und  im  Lichte 
ohne  Luftzutritt  in  lebhaftester  Bewegung  verbleibt.  Auf  dem 
Objektträger  unter  Deckglas  im  Wasser  eingeschlossen  und 
bei  genügender  Dichte  im  direkten  Sonnenlichte  betrachtet, 
erscheinen  die  Bakterien  als  irisierende  Teilchen,  die  im  leb- 
haften Gewimmel  dahinschwimmen.  Daß  auch  größere  Objekte 
wie  gewisse  Infusorien  bei  dichter  Lagerung  und  rascher 
Eigenbewegung  unter  den  angeführten  UmiStänden  mit  freiem 
Auge  gesehen  werden,  bedarf  wohl  nicht  erst  genauer  ge- 
schildert zu  werden,  doch  darf  man  in  diesem  Falle  nur  mit  ganz 
frischen  und  mit  nicht  verschlossenen  Präparaten  arbeiten,  da 
die  meisten  Infusorien  bei  mangelndem  Luftzutritt  rasch  ab- 
sterben und  ihre  Bewegung  einstellen. 

Kehren  wir  nun  wieder  zu  dem  Milchsaftpräparat  zurück. 
Es  muß  jedenfalls  überraschen,  daß  die  so  außerordentlich 
kleinen  Kügelchen  des  Saftes  sich  noch  dem  freien  Auge  ver- 
raten. Offenbar  ruft  das  ungemein  intensive  Licht,  indem  es  die 
Kügelchen  trifft  und  Beugung  erleidet,  infolge  der  Beugungs- 
scheibchen  und  Beugungsbüschel,  die  sich  wegen  der  Bewegung 
der  Teilchen  noch  dazu  fortwährend  ändern,  auf  der  Netzhaut 
des  Auges  viel  größere  Bilder  hervor,  als  es  ohne  diese  Umstände 
der  Fall  sein  würde,  ähnlich  w'ie  dies  auch  bei  der  Wahr- 
nehmung ultramikroskopischer  Teilchen  zutrifft. 

Die  Kügelchen  des  Milchsaftes  von  Euphorbia  spleudeus 
haben  nicht  dieselbe  Größe.  W^enn  man  aber  von  den  größeren, 
die    sich    entweder    gar   nicht    oder    träge    bewegen,    absieht, 


1  Über  diese  vergl.  Molisch  H.  »Die  Purpurbakterien  nach  neuen  Unter- 
suchungen.« Jena  1907,  p.  24. 


Bewegung  mikroskopisch  kleinster  Teilchen.  47  1 

SO  schwankt  ihr  Durchmesser  zwischen  0-8  [x  bis  0'2[j..  Im 
Durchschnitt  beträgt  er  etwa  0-5[x.  Dies  ist  aber  schon  eine 
außerordentUch  kleine  Größe,  die  nicht  mehr  weit  von  der  Größe 
der  kleinsten  bekannten  Bakterien  entfernt  ist.  Die  Milchsaft- 
kügelchen  anderer  EiLpIiorMa-Avten,  z.  B.  von  E.fulgens  sind 
noch  etwas  kleiner  als  die  von  E.splendeiis  und  de.nnoch  habe  ich 
im  direkten  Sonnenlicht  bei  klarem  Himmel  die  Bewegung  der 
Kügelchen  gesehen,  wenn  auch  nicht  mehr  so  deutlich  als  die 
von  Euphorbia  splcndens.  Die  Milchsaftkügelchen  von  E.fulgens 
stehen  aber  tatsächlich  schon  an  der  Grenze  der  mikro- 
skopischen Wahrnehmung,  denn  sie  erscheinen  bei  einei 
1000- bis  2200maligen  Vergrößerung  (Reicherts  1/12  homog. 
Immersion)  als  eben  noch  erkennbare  Pünktchen,  die,  wenn  sie 
sich  nicht  bewegen  würden,  leicht  übersehen  werden  könnten. 
Der  gewöhnlichen  mikroskopischen  Messung  sind  sie  nicht 
mehr  zugänglich,  sie  sind  also  gewissermaßen  unmeßbar  klein 
und  sind  sicherlich  kleiner  als  die  kleinsten  heute  bekannten 
Bakterien.  Als  ein  Zwerg  unter  den  Bakterien  gilt  der  Influenza- 
bazillus mit  1  •  2  jj,  Länge  und  0'4[j.  Dicke.  Micrococcus  pro- 
grediens  Schroeter  soll  nur  0'15[j.  groß  und  Pseudomonas 
indigofera  sogar  nur  O^Oß  fx  dick  und  0"  18  [x  lang  sein.^ 

Damit  sind  w-'ir  aber  zu  Größen  gekommen,  die  derzeit 
bereits  an  die  Grenzen  der  Leistungsfähigkeit  unserer  besten 
Mikroskope  heranreichen. 

Durch  die  Verbesserungen,  die  das  Mikroskop  auf  Grund 
der  Arbeiten  von  Abbe  und  anderen  erfahren  hat.  insbesondere 
durch  die  Erhöhung  der  Aperturgröße  eines  Systems,  durch  die 
Anwendung  von  Deckgläschen  mit  höherem  Brechungsindex, 
durch  Heranziehung  von  Licht  kleinerer  Wellenlänge  ist  es 
gekmgen,  die  Leistungsfähigkeit  des  Mikroskops  so  zu  steigern, 
daß  man  im  besten  Falle  noch  Strukturelemente  aufzulösen 
vermag,  deren  gegenseitiger  Abstand  0-25  bis  0-21  jj.  ist.^  Ja,  bei 
Anwendung  von  Monobromnaphthalinirnmersion,  violettem  Licht 
und  schiefer  Beleuchtung  konnte  man,  die  günstigsten  Bedin- 


1  Migula  in  Lafar's  Handbuch  der  technischen  Mykologie.  II.  Aufl., 
I.  Bd.,  1.  Lief.,  p.  33. 

-  S.  Czapski,  Die  voraussichtlichen  Grenzen  der  Leistungslahigkeit  des 
Mikroskops.  Zeitschr.  f.  wiss.  Mikroskopie  etc.,   Bd.  VIII,   1891,  p.  145  bis  155. 


472  H.  Moüsch, 

gungen     vorausgesetzt,     noch     Streifenabstände    von     0"12[ju 
sehen. ^ 

Mit  Hilfe  der  von  H.  Siedentopf  und  R.  Zsigmondy 
aufgefundenen  Methode  zur  Sichtbarmachung  und  Größen- 
bestimmung ultramikroskopischer  Teilchen  ^  ist  man  allerdings 
um  ein  riesiges  Stück  weitergekommen,  denn  nun  vermag  man 
die  Existenz  von  Einzelteilchen  mit  Lineardimensionen  von  4  bis 
6  [JL[x  zu  erkennen,  ein  bewundernswerter  Fortschritt,  wenn  man 
bedenkt,  daß  diese  Größen  an  die  sogenannten  molekularen 
Dimensionen  von  0-1  bis  0*6  jx[x  gewisser  Eiweißkörper  heran- 
reichen. 

Sehen  wir  nun  vom  Ultramikroskop  ab  und  halten  wir  uns 
an  die  Leistungsfähigkeit  des  gewöhnlichen  Mikroskops,  so 
ergibt  unsere  Betrachtung,  daß  die  Teilchen,  die  mit 
freiem  Auge  unter  den  geschilderten  Umständen  an 
ihrer  Bewegung  erkannt  werden  können,  bezüglich 
ihrer  Größe  knapp  an  der  Grenze  der  mikroskopi- 
schen Wahrnehmung  stehen  oder  mit  ihr  zusammen- 
fallen. Freilich  können  wir  in  diesem  extremen  Falle  die 
Teilchen  als  solche  nicht  mehr  erkennen,  es  verrät  sich  aber 
ihre  Existenz  dem  freien  Auge  durch  ihre  Bewegung  —  unter 
der  Voraussetzung,  daß  die  Bewegung  eine  genügend  rasche 
ist  und  die  Teilchen  in  großer  Zahl  dicht  beieinander  liegen. 
Wenn  das  unbewaffnete  Auge  unter  gewissen  Verhältnissen 
noch  die  Existenz  von  in  Bewegung  befindlichen  mikro- 
skopischen Teilchen  entdeckt,  die  an  der  Grenze  der  Leistungs- 
fähigkeit unserer  besten  Mikroskope  stehen,  so  verdient  dies 
jedenfalls  die  Beachtung  nicht  nur  des  Mikroskopikers,  sondern 
insbesondere  der  physiologischen  Optik  und  deshalb  habe  ich 
mir  erlaubt,  die  Aufmerksamkeit  auf  dieses  bisher  unbekannte 
Vermögen  des  menschlichen  Auges  zu  richten. 

Zum  Schlüsse  möchte  ich  noch  darauf  hinweisen,  daß 
man  auch  bei  ganz  schwachen  Vergrößerungen  unter  Zu- 
hilfenahme einer  sehr  einfachen  Dunkelfeldbeleuchtung,  die 
jeder  leicht   improvisieren   kann,   unterm   Mikroskop   Teilchen 


1  A.  Zimmermann,  Das  Mikroskop.  1895,  S.  54.  Leipzig- Wien. 

2  Ann.  d.  Physik  (IV),  10,  1  (1903). 


Bewegung  mikroskopisch  kleinster  Teilchen.  473 

und  Bewegungen  wahrnehmen  kann,  die  ohne  diese  Beleuch- 
tung und  bei  sonst  gleichen  Umständen  nicht  wahrgenommen 
werden. 

Stellt  man  ein  mikroskopisches  Präparat  vom  Milchsaft  der 
Euphorbia  splendens  bei  50maliger  Vergrößerung  (Reichert 
Obj.  3  und  Ocul.  II)  bei  senkrechter  Beleuchtung  z.  B.  einer 
Auerlampe  ein,  so  sieht  man  die  kleinen  Milchsaftkügelchen 
undeutlich  und  ihre  Bewegung  nicht  oder  fast  gar  nicht.  Entfernt 
man  nun  die  Blende  und  stellt  den  Spiegel  an  die  der  Licht- 
quelle abgewendete  Seite  und  beleuchtet  das  Objekt  mittels  des 
Hohlspiegels  möglichst  schief  und  tunlichst  grell,  so  sieht  man 
von  der  Brown'schen  Molekularbewegung  nicht  eine  Spur. 
Wenn  man  nun  von  der  Hälfte  des  Spiegels  das  direkte  Licht 
abhält,  indem  man  einfach  die  flache  Hand  zwischen  den 
Spiegel  und  die  Lichtquelle  und  zwar  knapp  beim  Spiegel  hält, 
so  erzeugt  man  hiedurch  eine,  wenn  auch  unvollkommene 
Dunkelfeldbeleuchtung  und  bei  dieser  tauchen  die  Milchsaft- 
kügelchen wie  mit  einem  Zauberschlag  als  scheinbar  selbst- 
leuchtende Pünktchen  auf  und  zeigen  die  prachtvollste  Mole- 
kularbewegung, Tuschepräparate,  winzige  Kriställchen,  Bakte- 
rien und  andere  Mikroorganismen  eignen  sich  für  derartige 
Beobachtungen  in  ausgezeichneter  Weise. 

Der  überraschende  Effekt  beruht  darauf,  daß  die  im 
Wasser  befindlichen  Teilchen  vom  schiefen  Lichte  grell 
beleuchtet,  über  einem  relativ  dunkeln  Untergrunde  beob- 
achtet und  dadurch  schon  bei  relativ  sehr  schwachen  Ver- 
größerungen in  Erscheinung  treten,  ganz  analog  wie  beim 
Ultramikroskop. 


475 


Über    einige    Fischarten    aus    dem    Flusse 

Cubataö    im    Staate    Santa    Catharina    bei 

Theresopolis  (Brasilien) 

von 

Dr.  Franz  Steindachner, 

w.  M.  k.  Akad. 

(Mit  2  Tafeln.) 
(Vorgelegt  in  der  Sitzung  am  28.  Februar  1907.) 

1.  Hemipsilichthys  cameroni  n.  sp. 

Von  der  einzigen,  bisher  nur  in  drei  Exemplaren 
bekannten  Art  derselben  Gattung  dürfte  sich  Hemips. 
cameroni  durch  die  auffallende  Länge  des  Pektoralstachels,  der 
selbst  bei  ganz  jungen  Weibchen  die  Basis  der  Ventralen 
bedeutend  überragt,  durch  die  Länge  der  Ventralen,  welche 
zurückgelegt  weit  über  die  Analmündung  zurück  bis  zum  Beginn 
der  Anale  reichen,  sowie  durch  den  Mangel  von  frei  vor- 
stehenden Mundvvinkelbarteln  als  eine  besondere  Art  unter- 
scheiden. Auch  sind  die  Schilder  an  der  Unterseite  des  Rumpfes 
zwischen  der  Anale  und  der  Schwanzflosse  nicht  dick  über- 
häutet, sondern  liegen  völlig  frei  zu  Tage. 

Kopf,  namentlich  bei  Männchen,  stark  deprimiert,  Schwanz- 
stiel komprimiert.  Die  Kopflänge,  bis  zum  oberen  Ende  der 
Kiemenspalte  gemessen,  ist  SYs  bis  S^g  bei  den  Weibchen  von 
6  bis  SVg  '^"^  Länge,  SYgmal  bei  Männchen  von  13'  1  cm  Länge 
in  der  Körperlänge  mit  Ausschluß  der  Schwanzflosse  enthalten. 
Die  Kopfbreite  zwischen  Deckeln  steht  der  Kopflänge  nur 
wenig  nach.  Die  Kopfhöhe  gleicht  genau  oder  nahezu  der 
Hälfte  der  Kopflänge. 

Auge  sehr  klein,  bei  kleinen  Exemplaren  (von  6  bis  8V2  '^^'* 
Länge,  9)  durchschnittlich   9mal,  bei   größeren   (von  13' 1cm 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  KI.;  CXVI.  Bd.,  Abt.  J.  32 


476  F.  Steindachner, 

Länge,  cf)  unbedeutend  weniger  als  8mal,  die  Stirnbreite  bei 
ersteren  zirka  2Y4^mal,  bei  letzteren  etwas  mehr  als  3 mal,  die 
Schnauzenlänge  lYs"  bis   lYg^^l  in  der  Kopflänge  begriffen. 

Bei  sämtlichen  Weibchen  unserer  Sammlung  ist  der 
Schnauzenrand  und  dessen  nächste  Umgebung  nackthäutig, 
bei  den  Männchen  dagegen  liegen  am  Rande  der  Schnauze 
sowie  hinter  demselben  (an  der  Kopfoberseite)  Knochen- 
plättchen  unter  der  dicken  runzeligen  Haut  verborgen,  aus 
welcher  zahlreiche  Stachelchen  hervorragen. 

Der  untere  Seitenrand  des  Kopfes  zeigt  stets  (bei  beiden 
Geschlechtern)  eine  wulstige  Falte,  die  bei  den  Weibchen  nur 
wenig  vorspringt,  bei  den  Männchen  aber  verhältnismäßig 
ganz  enorm  in  die  Breite  entwickelt,  weit  über  die  Seiten  des 
Kopfes  hervorragt  und  die  mit  mehreren  Reihen  schlanker 
Stachelchen  besetzt  ist,  deren  Spitze  nach  unten  umgebogen 
ist.  Diese  Stacheln  erreichen  bei  den  Weibchen  nur  eine 
geringe  Länge,  bei  den  Männchen  dagegen  sind  sie  stets  be- 
deutend entwickelt.  Die  längsten  dieser  schlanken  zahnähn- 
lichen Stacheln  liegen  in  der  mittleren  Reihe  gegen  Ende  des 
zweiten  Längendrittels  der  Wangenfalte  und  der  frei  vor- 
springende Teil  dieser  längsten  Stacheln  ist  bei  einem  ?^Iänn- 
chen  von  10' 5 cm  Länge  ebenso  lang  wie  ein  Augendurch- 
messer, bei  zwei  Männchen  von  nahezu  13  cm  Länge  zirka 
2 mal  länger  als  das  Auge. 

Die  Oberseite  des  Kopfes  fühlt  sich  sehr  rauh  an,  ins- 
besondere auf  den  drei  stumpf  leistenförmigen  Erhebungen, 
von  denen  die  äußere  paarige  vom  Auge  zum  seitlichen  Schnau- 
zenrande, die  mittlere,  welche  verhältnismäßig  am  stärksten 
entwickelt  ist  und  zwischen  den  Narinen  entspringt,  in  gerader 
Linie  zur  Mitte  des  Schnauzenrandes  hinzieht.  Unter  der  Lupe 
lassen  sich  leicht  die  zahlreichen  zahnähnlichen  Stachelchen 
unterscheiden,  die  auf  diesen  wulstähnlichen  stumpfen  Leisten 
liegen,  die  vielleicht  bei  lebenden  Exemplaren  nicht  so  deutlich 
hervortreten  mögen,  als  es  bei  in  Weingeist  aufbewahrten 
Individuen  der  Fall  sein  mag.  Bei  alten  Exemplaren  (cT)  ver- 
schwinden die  Schuppenplatten  der  Kopfoberseite  in  der  ver- 
dickten Kopfhaut,  während  sie  bei  den  jüngeren  Exemplaren 
frei  zu  Tage  liegen  und  eine  polygonale  Form  zeigen. 


Fischarten  aus  dem  Flusse  Cubatao.  477 

Die  Narinen  liegen  in  der  Mitte  der  Kopflänge;  die  vordere 
zeigt  einen  nur  wenig  erhöhten  häutigen  Randsaum,  der  sich 
nach  hinten  in  ein  Läppchen  verlängert,  welches  die  Mündung 
der  hinteren  Narine  vollständig  zu  schließen  vermag.  Der  Ab- 
stand der  hinteren  Narine  vom  Auge  gleicht  bei  jungen  Exem- 
plaren der  Länge  eines  Auges,  übertrifft  sie  aber  ein  wenig  bei 
alten  Individuen. 

Die  Unterlippe  scheint,  nach  Dr.  Lütken's  Abbildung  von 
Hemipsilichthys  (z=  Xenomystus)  gohio  zu  schließen,  bei 
Hemips.  cameroni  etwas  stärker  entwickelt  und  am  hinteren 
Rande  regelmäßiger  kreisförmig  gerundet  zu  sein  als  bei 
Hemips.  gohio.  Die  freie  Unterseite  der  Unterlippe  ist  dicht  mit 
Papillen  besetzt,  welche  gegen  den  hinteren,  schwach  wellig 
ausgezackten  Rand  an  Größe  abnehmen  und  nicht  unmittelbar 
bis  zu  diesem  zurückreichen. 

Beide  Kiefer  tragen  eine  Doppelreihe  von  Zähnen.  Die 
Zähne  der  Außenreihe  stehen  dicht  aneinander  gedrängt,  sind 
sehr  kurz  und  mit  der  Spitze  ein  wenig  nach  innen  umgebogen. 
Die  viel  längeren  Zähne  der  Innenreihe  sind  mehr  minder  be- 
deutend geringer  an  Zahl  und  stehen  bei  vielen  Exemplaren 
unserer  Sammlung  ganz  oder  teilweise  noch  nicht  aufgerichtet 
hinter  den  Zähnen  der  Außenreihe,  sondern  liegen  horizontal 
zwischen  den  Schleimhautfalten  der  Mundhöhle  halb  ver- 
borgen. Sämtliche  Kieferzähne  zeigen  eine  goldige  Färbung. 
Die  Länge  eines  Mandibularastes  steht  der  Stirnbreite  um  zirka 
V2  bis  Y5  der  Augenlänge  nach. 

Ein  frei  vorstehendes  Mundwinkelbartel  fehlt  bei  sämt- 
lichen Exemplaren  unserer  Sammlung  und  nur  bei  sehr 
wenigen  jungen  Individuen  zeigt  sich  nächst  der  Übergangs- 
stelle der  Oberlippe  in  die  segeiförmige  Unterlippe  eine  schmab 
schwache  Randverdickung,  die  vielleicht  als  eine  Andeutung 
eines  Bartels  aufgefaßt  werden  kann. 

Der  Vorderrand  der  Schnauze  ist  bei  jüngeren  Exemplaren 
stärker  oval  gerundet  als  bei  älteren. 

Der  Beginn  der  Dorsale  fällt  etwas  näher  zur  Basis  des 
Stachels  der  Fettflosse  als  zum  vorderen  Kopfende  und  liegt 
bei  jungen  Individuen  in  vertikaler  Richtung  genau  über,  bei 
älteren   zuweilen   ein  wenig   hinter   der  Einlenkungsstelle  der 

32* 


478  F.   St  ein  dachner, 

Ventralen.  Der  erste  Dorsalstrahl  ist  auch  bei  den  größeren 
Exemplaren  nur  wenig  verdickt,  biegsam  und  an  der  breiten, 
gerundeten  Vorderseite  dicht  mit  kurzen  Stacheln  besetzt,  die 
zahlreiche  schräge,  nach  oben  ansteigende  Reihen  bilden. 

Die  Basislänge  der  Dorsale  steht  der  Höhe  derselben  stets 
ziemlich  bedeutend  nach;  erstere  ist  zirka  P/s"  bis  P/ornal, 
letztere  zirka  Vl^-  bis  fast  \'^/^m^\  in  der  Kopflänge  enthalten. 
Der  obere  Flossenrand  ist  fast  geradlinig,  nur  mäßig  nach 
hinten  abfallend  und  an  den  Ecken  schwach  gerundet.  Der 
letzte,  kürzeste  Dorsalstrahl  gleicht  an  Höhe  ^/g  bis  ^s  ^^^ 
zweiten  längsten  Strahles,  der  nur  unbedeutend  länger  als  der 
erste  ist.  Längs  der  Basis  der  Dorsale  liegt  ein  nackter,  glatter 
Hautstreif,  der  sich  hinter  der  Dorsale  an  der  Rückenlinie  fort- 
setzt, aber  nicht  so  weit  zurückreicht  als  die  Spitze  des  an- 
gelegten letzten  Dorsalstrahles. 

Der  Stachel  der  Brustflosse  ist  auch  bei  jungen  Weibchen 
mindestens  zweimal  stärker  als  der  erste  Dorsalstrahl,  schwach 
säbelförmig  gebogen,  abgeplattet,  am  äußeren  Rande  wie  an  der 
Ober-  und  Unterseite  mit  Hakenzähnchen  besetzt.  Seine  Länge 
nimmt  auch  bei  Weibchen  mit  dem  Alter  gleich  seiner  Bestache- 
lung  verhältnismäßig  rasch  zu,  so  daß  die  Spitze  der  Pektoralen 
bei  ganz  jungen  Weibchen  bis  gegen  das  Ende  des  ersten 
Längendrittels,  bei  älteren  bis  zu  9  ein  Länge  in  der  Regel  bis 
zur  Längenmitte  der  Ventralen  oder  noch  darüber  zurückreicht. 

Ganz  auffallend  stark  entwickelt  ist  dieser  Stachel  bei 
Männchen  von  10-6  bis  13*2cm  Länge.  Er  ist  bei  denselben 
vollkommen  geradlinig,  bis  in  die  nächste  Nähe  der  Spitze  von 
gleicher  Breite,  im  Durchschnitt  viereckig  und  dicht  mit 
kräftigen  Stacheln  besetzt,  von  denen  die  größten,  das  sind  die 
am  Außenrande  und  an  der  Oberseite  gelegenen  Stacheln,  aus 
einer  dicken,  warzenartig  angeschwollenen  Hautumhüllung 
hervorragen.  Die  Länge  des  Pektoralstachels  ist  bei  weiblichen 
Exemplaren  von  5" 4  bis  8-5  cm  Länge  ausnahmslos  etwas 
kürzer  als  der  Kopf,  bei  Männchen  von  10' 5  bis  13-lcw 
Länge  dagegen  länger  als  letzterer  und  zirka  3 mal  in  der 
Körperlänge  enthalten. 

Von  den  Strahlen  der  Ventrale  ist  der  zweite  der  ge- 
spaltenen Strahlen  am  längsten;  der  erste  ungespaltene  Strahl 


Fischarten  aus  dem  Flusse  Cubatao.  479 

ist  im  vorderen  Teile  verdickt  und  daselbst  stets  breiter  als  der 
erste  Dorsalstrahl,  an  der  Oberseite  querüber  flach,  an  der 
Unterseite  gewölbt.  Bei  den  Weibchen  und  dem  kleineren 
Männchen  unserer  Sammlung  reicht  die  angelegte  Ventrale 
mit  der  Spitze  ihres  längsten  Strahles  bis  zum  Beginne  der 
Anale,  bei  dem  größten  Männchen  weiter  zurück;  ihre  Länge 
ist  demnach  bei  ersteren  zirka  IY5-  bis  1^/5  mal,  bei  letzterem 
ganz  unbedeutend  mehr  als  1  mal  in  der  Kopflänge  enthalten. 
Der  hintere  Rand  der  Flosse  ist  stark  oval  gerundet. 

Die  Anale  ist  bedeutend  höher  als  lang,  und  zwar  bei  den 
uns  vorliegenden  Weibchen  je  nach  dem  Alter  2^5-  bis  fast 
3  mal,  bei  dem  größten  Männchen  mehr  als  3  mal  höher  als 
lang.  Längs  der  Basis  der  Anale  zieht  sich  ähnlich  wie  bei  der 
strahligen  Dorsale  jederseits  ein  nackter,  ganz  glatter  Haut- 
saum hin  und  setzt  sich,  mit  dem  der  entgegengesetzten  Seite 
vereinigt  und  zuletzt  zu  einer  Linie  verschmälert,  an  der 
Bauchfläche  noch  etwas  weiter  nach  hinten  fort,  als  die  zurück- 
gelegte Spitze  des  letzten  Analstrahles  reicht. 

Der  hintere  Rand  der  Kaudale  ist  schräge  gestellt, 
schwach  konkav;  der  untere  Randstrahl  reicht  weiter  zurück 
als  der  obere  und  beide  überragen  spitz  den  hinteren  Flossen- 
rand ein  wenig.  Bei  den  zwei  größten  Männchen  und  Weibchen 
unserer  Sammlung  dagegen  sind  die  hinteren  Ecken  der 
Schwanzflosse,  und  zwar  die  obere  schwächer  als  die  untere 
abgerundet. 

Der  Stachel  der  Fettflosse  ist  S^s"  bis  4 mal  (bei  älteren 
Exemplaren)  enthalten,  zart  bedornt.  An  dem  basalen  Teil 
seines  Vorderrandes  lehnen  sich  1  bis  3  (bei  Hemips.  gobio 
aber  6)  längs  der  Mitte  kielförmig  erhöhte  unpaarige  Plättchen 
innig  an  und  vor  diesen  liegen  bis  zum  hinteren  Ende  des 
nackten  Hautstreifens  hinter  der  strahligen  Dorsale  3  bis 
5  Reihen  flacher  Plattenpaare,  von  denen  das  eine  oder  andere 
Paar  zweilen  zu  einer  einzigen  Platte  querüber  zusammen- 
fließen kann. 

27  bis  29  Schuppen  liegen  zwischen  dem  Seitenrande  des 
Kopfes  und  der  Basis  der  Schwanzflosse.  Die  einzelnen 
Schuppenplatten  des  Rumpfes  sind  biegsam  und  in  der  vor- 
deren Rumpfhälfte  an  der  Basis  mehr  minder  schmal  und  dick 


480  F.  S  t  e  i  n  d  a  c  h  n  e  r, 

Überhäutet.  Namentlich  im  oberen  Teile  dieser  Rumpfhälfte 
werden  bei  größeren  Exemplaren  die  Schuppen  fast  lederartig, 
doch  treten  bei  allen  seitlichen  Rumpfschuppen  die  Umrisse 
deutlich  scharf  hervor,  ebenso  die  zahlreichen,  in  Längsreihen 
geordneten  liegenden  Stachelchen  an  der  Außenfläche  der 
Schuppen.  Bei  jungen  Individuen,  bis  zu  7^2  cm  Länge,  zeigt 
sich  überhaupt  noch  keine  Spur  einer  dickeren  Überhäutung  am 
Kopfe  wie  am  Rumpfe;  die  Kopf-  und  Rumpfplatten  sind  bei 
diesen  ganz  normal  gebildet,  frei  sichtbar  wie  bei  anderen 
Plecostomen.  Ich  halte  es  daher  für  sehr  wahrscheinlich,  daß 
die  Verdickung  der  Körperhaut  und  lederartige  Umbildung  der 
Schuppen  am  Vorderrumpf  mit  dem  Laichgeschäfte  in  Ver- 
bindung steht,  worauf  auch  die  von  mir  untersuchten  Exem- 
plare (9  und  cf)  hinweisen.  Diese  wurden  im  September  und 
Oktober  gefangen  und  sämtUche  Weibchen  von  8  cm  Länge 
und  darüber  tragen  vollständig  entwickelte  legereife  Eier,  welche 
durch  ihre  namhafte  Größe  auffallen  (siehe  Tafel  II,  Fig.  2  a). 

Die  Schuppenplatten  an  der  Unterseite  des  Rumpfes, 
vom  Beginne  der  Anale  bis  zur  Schwanzflosse,  sind  auch 
bei  von  uns  untersuchten  geschlechtsreifen  Männchen  nicht 
vollständig  überhäutet,  wie  es  bei  dem  von  Dr.  Lütken  be- 
schriebenen und  abgebildeten  Männchen  von  Heniipsilichthys 
(Xenomystus)  gohio  (vid.  Medd.  1873,  1874,  p.  217  bis  220, 
tab.  IV)  der  F'all  ist,  sondern  liegen  vollkommen  frei  nach 
außen. 

Normal  liegen  2  Plattenreihen  über  der  von  der  Seitenlinie 
durchbohrten  Reihe;  doch  spalten  sich  dieselben  bei  älteren 
Exemplaren  in  3,  stellenweise  4  Reihen  in  der  vorderen  Rumpf- 
hälfte, so  insbesondere  unterhalb  der  strahligen  Dorsale. 

Die  beiden  ersten  Porenmündungen  der  Seitenlinie  fallen 
in  die  hinter  und  über  dem  oberen  Ende  der  Kiemenspalte  hart 
am  hinteren  seitlichen  Kopfrande  gelegene  nackte  Hautstelle. 
5  Plattenpaare  liegen  bei  jungen  Individuen  zwischen  der 
Spitze  des  Supraokzipitale  und  dem  Beginne  der  Dorsale  am 
Nacken,  bei  älteren  Individuen  aber  ist  jede  dieser  Platten  in 
mehrere  aufgelöst:  6  Schuppenplatten  längs  unterhalb  der 
Basis  der  Dorsale,  9  zwischen  dem  letzten  Dorsalstrahl  und 
dem  Stachel  der  Fettflosse,  12  bis  13  zwischen  dem  Ende  der 


Fischarten  aus  dem  Flusse  Cubatao.  481 

Anale  und  dem  unteren  Randstrahle  der  Schwanzflosse  an  der 
Bauchfläche. 

Die  Unterseite  des  Rumpfes  ist  glatt  überhäutet  bis  zum 
Beginn  der  Anale.  Die  Urogenitalmündung  fällt  ziemlich  weit 
vor  letzteren,  somit  auch  vor  den  hinteren  Rand  der  zurück- 
gelegten Ventralen  und  ist  gleich  weit  von  den  Mundwinkeln 
wie  von  der  Basis  der  Schwanzflosse  entfernt. 

Rücken  und  Seiten  kupfer-  bis  violettbraun,  im  ersteren  Falle 
mit  dunkleren,  schmutzig  dunkelvioletten,  verschwommenen 
wolkigen  Flecken,  in  letzterem  mit  kupferbraunen  Flecken 
namentlich  in  der  oberen  Rumpfhälfte,  daselbst  zuweilen  fast 
kurze  Querbinden  bildend.  Unterseite  rötlichgelb  oder  bräunlich- 
gelb, seltener  bei  jungen  Individuen,  namentlich  an  der  Unter- 
seite des  Kopfes  mehr  minder  wässerig  weißlichgelb.  Sämtliche 
Flossen  zeigen  zahlreiche  dunkel  grauviolette  Fleckchen  in 
schrägen,  respektive  quer  gestellten  Reihen.  Auf  der  Schwanz- 
flosse fließen  diese  Flecken  nicht  selten  zu  Querbinden  zu- 
sammen, auf  der  Anale  verschwinden  sie  bei  älteren  Individuen 
mehr  minder  vollständig. 

Der  hier  gegebenen  Beschreibung  liegen  19  Weibchen 
von  5-8  bis  10 cm  Länge  und  4  Männchen  von  10-5  bis 
13'3o'W  zu  Grunde,  welche  von  Herrn  Julius  Michaelis  im 
Flusse  Cubatao,  welcher  das  Gebiet  der  ExkolonieTheresopolis 
im  Staate  Santa  Catharina  durchfließt,  in  einer  Höhe  von  800 
bis  1000  Fuß  über  dem  Meere  in  den  Monaten  September  und 
Oktober  gefangen  wurden. 

D.  I,  7.  A.  1,5.  V.I,5.  P.I,6.  C.  1/13  bis  14/1.  Sc.  1.  27  bis  29. 

Ich  habe  mir  erlaubt,  diese,  wie  ich  glaube,  noch  un- 
beschriebene zweite  Art  (oder  Abart)  der  Gattung  Hemipsi- 
lichthys  Sr.  Exzellenz  dem  Herrn  Minister  für  Handel  und 
Industrie  Dr.  Miguel  Calmon  du  Pin  e  Almeida  in  Rio 
Janeiro  als  ein  Zeichen  meiner  Verehrung  und  Dankbarkeit  zu 
widmen. 

2.  Tetragonopterus  fasciatus  Cuv.,  Steind.  var.  longirostris 

Steind.  (an  n.  sp.?). 

Sämtliche  (23)  Exemplare  von  5 '5  bis  10' 2  cm  Länge, 
welche  mir  aus  dem  Flusse  Cubatao  vorliegen,  stimmen  zwar 


482  F.  Steindachner, 

in  allen  wesentlichen  Eigentümlichkeiten,  so  z.  B.  in  der  Zahl 
der  Schuppenreihen  am  Rumpfe  und  der  Analstrahlen,  mit 
T.fasciatus  überein,  unterscheiden  sich  aber  auffällig  in  der 
Kopfform  sowie  auch  bezüglich  der  relativen  Länge  des  Kopfes 
und  der  geringeren  Höhe  des  Schwanzstieles.  Die  obere  Profil- 
linie des  Kopfes  zieht  in  vollkommen  gerader  Richtung  vom 
Hinterhaupte  nach  vorn  und  ist  längs  der  Schnauze  nicht 
gebogen,  konvex,  wie  es  gewöhnlich  bei  dieser  Art  der  Fall 
zu  sein  pflegt.  Die  Schnauze  endigt  vielmehr,  im  Profile 
gesehen,  stumpf  konisch  und  überragt  ein  wenig,  schwach 
nasenförmig,  den  Vorderrand  der  Kiefer  und  fällt  von  ihrem 
äußersten  vorderen  Ende  schräge  nach  hinten  und  unten  ab. 
Die  Schnauze  erscheint  hiedurch  etwas  länger,  da  der  Unter- 
kiefer nicht  stumpf  vorspringt. 

In  den  Maßverhältnissen  unterscheiden  sich  die  Exemplare 
aus  dem  Rio  Cubatao  nur  teilweise  von  jenen  anderer  Lokali- 
täten. Die  Körperform  ist  gestreckt,  die  größte  Rumpfhöhe 
etwas  mehr  oder  weniger  als  3 mal,  die  Kopflänge  dagegen  bei 
jüngeren  Exemplaren  SVsinal,  bei  älteren  etwas  mehr  als 
?>^/^m&.\  (bei  T.  fasciatus  aus  anderen  Gegenden  konstant  4  m 
in  der  Körperlänge  ohne  C),  der  Augendurchmesser,  die 
Schnauze  sowie  die  Breite  derStirne  zirka  je  S-bisSVsmal  in  der 
Kopflänge  (mit  Ausschluß  des  häutigen  Deckellappens)  ent- 
halten; nur  bei  einem  großen  Exemplare  von  \\-2cin  Länge 
ist  die  Schnauzenlänge  sowie  auch  die  Stirnbreite,  namentlich 
erstere,  merklich  bedeutender  als  die  Länge  des  Auges.  Bei 
typischen  Exemplaren  von  T.  fasciatus  ist  die  Schnauze 
kürzer  als  das  Auge. 

Das  hintere  Ende  des  Oberkiefers  fällt  in  vertikaler 
Richtung  unter  das  Ende  des  ersten  Längendrittels  des  Auges, 
bei  dem  früher  erwähnten  großen  Exemplare  aber  ausnahms- 
weise unter  die  Augenmitte.  Am  vorderen  Endteile  des  Ober- 
kiefers liegen  durchschnittlich  drei  Zähne. 

Während  bei  der  typischen  Form  von  T.  fasciatus  die 
geringste  Höhe  des  Schwanzstieles  die  Hälfte  der  Kopflänge 
ein  wenig  übertrifft,  ist  sie  bei  der  hier  angeführten  Abart 
2V3-  bis  275 mal  in  der  Kopflänge  enthalten. 


Fischarten  aus  dem  Flusse  Cubatao.  483 

Die  Dorsale  liegt  mit  ihrem  ersten  Strahle  ebensoweit  von 
der  Basis  der  Schwanzflosse  wie  von  dem  vorderen  Kopfende 
entfernt,  ebenso  die  Einlenkungsstelle  der  Ventralen.  Die  Anale 
enthält  zwei  einfache  und  16  bis  18  gespaltene  Strahlen.  Die 
Spitze  der  zurückgelegten  Pektoralstrahlen  reicht  nicht  bis  zum 
Beginn  der  Ventralen.  Letztere  variieren  ein  wenig  an  Länge, 
vielleicht  nach  dem  Geschlechte,  sind  stets  aber  ziemlich 
bedeutend  kürzer  als  die  Brustflossen  und  reichen  genau  oder 
nahezu  bis  zur  Analgrube  zurück. 

Die  Seitenlinie  durchbohrt  34  bis  36  Schuppen  am  Rumpf 
und  1  bis  2  auf  der  Basis  der  Schwanzflosse;  6  Schuppen- 
reihen zwischen  der  Basis  des  ersten  Dorsalstrahles  und  der 
Seitenlinie  und  4^2  bis  5  zwischen  letzterer  und  den  Ventralen. 
Der  schwarzbraune  Humeralfleck  ist  mit  wenigen  Ausnahmen 
sehr  scharf  ausgeprägt,  oval  oder  rundlich,  von  einer  hell  gold- 
grauen Zone  umgeben  und  zuweilen  nach  unten  in  einen 
schmalen  querstrichartigen  Anhang  ausgezogen.  Auch  die 
schwärzlichgraue,  ziemlich  breite  Seitenbinde  des  Rumpfes 
tritt  scharf  hervor,  namentlich  vom  Beginn  der  Ventralgegend 
an  und  breitet  sich  vor  der  Basis  der  Schwanzflosse  in  der 
Regel  fleckartig  aus. 

3.  Characidium  fasciatum  Rhdt. 

3  Exemplare,  5-6  bis  7-65  cm  lang. 

Schnauze  am  vorderen  Ende  fast  abgestutzt,  etwas 
rascher  zur  Stirne  ansteigend  als  der  Rest  des  Kopfes  zum 
Beginn  des  Nackens,  Kopflänge  gleich  der  größten  Rumpfhöhe 
ein  wenig  mehr  als  4 mal  in  der  Körperlänge  (ohne  C),  Augen- 
länge gleich  der  Stirnbreite  zirka  3^j^mal,  Schnauzenlänge 
zirka  Sy^mal,  größte  Kopf  breite  1 7g  mal  in  der  Kopflänge, 
Höhe  des  Schwanzstieles  zirka  2 mal  in  der  größten  Rumpf- 
höhe enthalten. 

Die  Pektorale  übertrifft  den  Kopf  ein  wenig  an  Länge  und 
wird  von  11  bis  12  Strahlen  gebildet,  von  denen  die  drei  oberen 
nicht  gespalten  sind.  Die  Strahlen  der  Brustflosse  nehmen  bis 
zum  sechsten  an  Höhe  zu  und  der  letzte  ist  etwas  kürzer  als  der 
zweite.  Die  Spitze  der  angelegten  Ventrale  fällt  ein  wenig  vor  den 
Beginn  der  Ventralen.  Letztere  sind   ein  wenig  kürzer  als  der 


484  F.   Steindachner, 

Kopf  und  enthalten  acht  Strahlen,  von  denen  der  dritte  der  ge- 
spaltenen Strahlen  am  längsten  ist.  Die  Spitze  der  Ventralen 
reicht  nahezu  bis  zum  Beginn  der  Anale,  deren  hinterer  Rand 
nur  sehr  wenig  schräge  gestellt  und  geradlinig  abgestutzt  ist. 

Die  Dorsale  beginnt  in  vertikaler  Richtung  nur  unbedeutend 
vor  der  Einlenkungsstelle  der  Ventralen  und  die  Entfernung 
des  ersten  Dorsalstrahles  vom  vorderen  Kopfende  ist  um  etwas 
mehr  als  eine  Schnauzenlänge  geringer  als  die  von  der  Basis 
der  mittleren  Strahlen  der  Schwanzflosse.  Die  Höhe  der  Dorsale 
übertrifft  die  Basislänge  derselben  äußerst  wenig  und  gleicht 
zirka  Yg  der  Kopflänge.  Der  obere  Rand  der  Rückenflosse  ist 
breit  gerundet.  Die  Entfernung  des  hinteren  Basisendes  der- 
selben von  der  Fettflosse  kommt  ziemlich  genau  der  Kopflänge 
gleich. 

Die  Seitenlinie  durchbohrt  32  bis  34  Schuppen  am  Rumpf 
und  zwei  auf  der  Schwanzflosse.  Die  schwarzgraue  Seitenbinde 
des  Rumpfes  ist  bei  einem  der  zwei  größeren  Exemplare  von 
7  -bau  Totallänge  sehr  scharf  ausgeprägt  und  ziemlich  breit,  die 
Querbinden  dagegen  sind  äußerst  schwach  angedeutet.  Bei  dem 
kleinsten  Exemplare  von  5  •  6  cm  Länge  liegen  acht  dunkelbraune 
Querbinden  in  fast  gleichen  Abständen  voneinander  am  Rumpf 
und  die  vierte  derselben  fällt  unter  die  Basismitte  der  Dorsale, 
dagegen  ist  der  mediane  schwarzgraue  Längsstreif  der  Körper- 
seiten schmal.  Bei  dem  dritten  großen  Exemplar  ist  der  breite 
dunkle  Seitenstreif  in  der  vorderen  Rumpfhälfte  namentlich 
stark  verschwommen.  Zwei  Reihen  dunkler  Fleckchen  auf  der 
Dorsale,  parallel  zum  oberen  Rande  derselben.  Zwei  nicht 
scharf  ausgeprägte,  breitere,  schmutzig  violette  Querbinden  auf 
der  Schwanzflosse  bei  den  zwei  größten  Exemplaren  und  drei 
Querreihen  strichelartiger  Längsfleckchen  bei  dem  kleinen 
Exemplare. 

4.  Rhamdella  ignobilis  n.  sp. 

Körper  komprimiert,  Schwanzstiel  schlank,  Kopf  nach 
vorn  mäßig  an  Breite  abnehmend,  am  Vorderrande  oval 
gerundet.  Oberkiefer  sehr  wenig  den  Unterkieferrand  über- 
ragend. Oberseite  des  Hinterhauptes  querüber  stärker  gewölbt 
als  die  Stirngegend.  Okzipitalfortsatz  schlank,  dünn  überhäutet 


Fischarten  aus  dem  Flusse  Cubatao.  485 

bis  zur  Dorsalplatte,  Stirnfontanelle  bis  zur  Basis  des  Okzipital- 
fortsatzes  zurückreichend.  Leibeshöhe  5^/5-  bis  mehr  als 
öVsnial,  Kopflänge  4-bis4V3rnal  in  der  Körperlänge  (ohne 
C),  Kopf  breite  zwischen  den  Deckeln  P/5-  bis  lYsmal,  Breite 
der  Mundspalte  2Y5-  bis  272nial,  Augendiameter  4Y3-  bis 
4 mal,  Stirnbreite  3-  bis  3^/^  mal,  Länge  der  Schnauze  2^/-- 
bis  2Y3mal,  der  schlanke  Stachel  der  Dorsale  l'^/^msd,  der 
kräftige  Pektoralstachel  1^4  mal,  Basislänge  der  Dorsale  P/^- 
bis  P/s  mal,  Länge  der  Bauchflossen  etwas  mehr  lYgmal,  der 
etwas  längere,  obere  Lappen  der  Schwanzflosse  kaum  mehr  als 
Imal  in  der  Kopflänge  enthalten.  Der  Okzipitalfortsatz  ist  zirka 
IV2-  bis  etwas  mehr  als  2  mal  länger  als  breit  (an  der  Basis). 
Zahnbinde  im  Zwischenkiefer  zirka  3 mal  breiter  als  lang.  Die 
Maxillarbarteln  reichen  höchstens  bis  zum  hinteren  Basisende 
der  Dorsale,  die  äußeren  Unterkiefer  oder  Postmentalbarteln 
kaum  über  die  Basis  der  Pektoralen,  die  inneren  zirka  bis 
zum  hinteren  Augenrand  oder  unbedeutend  weiter  zurück. 

Der  schlanke  Dorsalstachel  ist  beiderseits  glatt,  der 
kräftigere  Stachel  der  Brustflossen  am  Innenrande  mit  starken 
Hakenzähnen  bewaffnet. 

Die  Einlenkungsstelle  der  Ventralen  fällt  in  vertikaler 
Richtung  fast  unter  das  hintere  Basisende  der  Dorsale.  Die 
Basislänge  der  Fettflosse  gleicht  der  Kopflänge  oder  über- 
trifft sie  ein  wenig  und  der  Abstand  derselben  von  der  Basis 
des  letzten  Dorsalstrahles  ist  durchschnittlich  nicht  kürzer, 
in  seltenen  Fällen  unbedeutend  länger  als  die  Basis  der 
Dorsale.  Schwanzflosse  tief  eingebuchtet,  der  obere  Lappen 
ein  wenig  länger  als  der  untere.  Das  hintere  Basisende  der 
Anale  fällt  stets  vor  das  der  Fettflosse. 

Die  geringste  Höhe  des  Schwanzstieles  gleicht  'Y?  bis  V9 
der  größten  Rumpfhöhe  oder  zirka  Y5  bis  Ys  der  Kopflänge. 

Die  untere  kleinere  Hälfte  der  Dorsale  ist  wasserhell,  die 
obere  sehr  dicht  und  zart  grauviolett  punktiert.  Eine  dunkel- 
graue Linie  oder  ein  etwas  breiterer  Streif,  verhältnismäßig  am 
schärfsten  in  der  hinteren  Rumpfhälfte  ausgeprägt,  läuft  längs 
der  Höhenmitte  des  Rumpfes  hin. 

Die  größten  Exemplare  unserer  Sammlung  sind  13- 1  cm 
lang. 


486  F.  St  ein  dachner, 

Die  Anale  enthält  nur  10  bis  12  Strahlen.  P.  1/8—9.  D.  1/6. 
V.  6.  C.  14/8—8/12. 

Die  hier  beschriebene  Art  dürfte  am  nächsten  mit  Rhant- 
della  jenynsii  (Gthr.)  verwandt  sein,  doch  zeigt  letztere  eine 
schlankere  Körperform,  viel  längere  Maxillarbarteln  und  die 
Spitze  des  Okzipitalfortsatzes  erreicht  nicht  die  Dorsalplatte. 

5.  Heptapterus  mustelinus  (Valenc.)  Gthr. 

12  Exemplare  von  10*6  bis  15 '6  cm  Länge. 

Leibeshöhe  zwischen  Dorsale  und  den  Ventralen  8-  bis 
S^^rnal,  Kopflänge  4Y2-  bis  nahezu  5  mal  in  der  Körperlänge 
(ohne  C),  Augendiameter  11-  bis  13mal,  Stirnbreite  3Y7-  bis 
43/5  mal,  Schnauzenlänge  2^5-  bis  nahezu  3  mal,  Kopf  breite 
l^/^mal,  Länge  der  Pektoralen  gleich  jener  der  Ventralen  etwas 
mehr  als  1 2/3 mal,  Basislänge  der  Dorsale  2 mal,  größte  Höhe 
derselben  nahezu  P/smal  in  der  Kopflänge,  Länge  der  Fett- 
flosse 2V2-  bis  2^5  mal  in  der  Körperlänge  (ohne  C.)  enthalten. 

Die  Oberseite  des  Kopfes  ist  mit  einer  ziemlich  dicken 
Haut  umhüllt  und  namentlich  bei  alten  Individuen  nahezu  flach. 

Die  Zahnbinde  im  Zwischenkiefer  etwas  mehr  als  2Y2mal 
breiter  als  lang  und  minder  weit  seitlich  ausgedehnt  als  die 
des  Unterkiefers,  welche  gegen  die  Mundwinkel  zu  sich  ver- 
schmälert. Die  Maxillarbarteln  reichen  nur  zuweilen  bei 
jüngeren  Individuen  nahezu  oder  genau  bis  zum  hinteren 
seitlichen  Kopfrande  zurück,  nicht  aber  bei  den  größeren 
Exemplaren  unserer  Sammlung  und  sind  bei  diesen  zirka 
1-/5 mal,  die  äußeren  Mentalbarteln  zirka  2 mal,  die  inneren 
zirka  3^5 mal  in  der  Kopflänge  enthalten.  Der  obere  Mund- 
rand überragt  nur  ganz  unbedeutend  und  bogenförmig  den 
Rand  des  Unterkiefers,  die  Breite  der  Mundspalte  zwischen 
den  Mundwinkeln  gleicht  durchschnittlich  der  Hälfte  der  Kopf- 
länge. 

Der  Beginn  der  Dorsale  fällt  in  vertikaler  Richtung  genau 
über  oder  ein  wenig  vor  die  Einlenkungsstelle  der  Ventralen  und 
ist  2-  oder  ein  wenig  mehr  als  2  mal  näher  zum  vorderen  Kopf- 
ende gelegen  als  von  dem  hinteren  oberen  Ende  der  Schwanz- 
flosse entfernt.  Die  Höhe  der  Flosse  ist  in  ihrem  Verhältnis 
zur  Basislänge  ein  wenig  variabel,  übertrifft  aber  letztere  zum 


Fischarten  aus  dem  Fiusse  Cubatao.  487 

mindesten  ein  wenig.  Der  Abstand  des  hinteren  Basisendes  der 
Dorsale  von  dem  Beginne  der  langen  Fettflosse  gleicht  der 
Höhe  der  Dorsale  und  die  Länge  der  Fettflosse  bis  zu  ihrer, 
Vereinigung  mit  den  oberen  vordersten  kurzen  Stützstrahlen  der 
Schwanzflosse  beträgt  ein  Drittel  der  Totallänge  mit  Einschluß 
der  Schwanzflosse  oder  übertrifft  dasselbe  noch  ein  wenig.  Der 
'Beginn  der  Anale  fällt  bald  über,  bald  ein  wenig  hinter  den 
Beginn  der  Fettflosse.  Die  Basislänge  der  Anale  gleicht 
ziemlich  genau  der  Länge  des  Kopfes  und  die  Höhe  ihrer 
längsten  Strahlen  erreicht  nicht  ganz  die  Hälfte  der  Basislänge 
derselben  Flosse. 

In  geringer  Entfernung  hinter  der  Anale  beginnt  am 
unteren  Rande  des  Rumpfes  die  lange  Reihe  kurzer  Stütz- 
strahlen der  Schwanzflosse,  die  in  einer  dicken  Haut  umhüllt 
liegen.  Der  hintere  Rand  der  Kaudale  ist  schräge  nach  unten 
und  vorn  abgestutzt,  doch  an  den  freien  Ecken  mehr  oder 
minder  schwach  abgerundet.  Die  längsten  Strahlen,  im  oberen 
Teile  der  Flosse  gelegen,  erreichen  nicht  ganz  eine  Kopflänge. 

Eine  grauschwarze  Linie  folgt  dem  Verlaufe  des  deutlich 
erkennbaren  Seitenkanales. 

Die  Anale  enthält  bei  keinem  der  zahlreichen  von  mir 
untersuchten  Exemplaren  dieser  und  anderer  Sammlungen  mehr 
als  18  und  weniger  als  1(3  Strahlen;  ich  bin  daher  der  Ansicht, 
daß  die  von  Herrn  Dr.  Eigenmann  und  Frau  in  ihrer  vor- 
trefflichen »A  Revision  of  the  South  American  Nematognati  or 
Cat-Fishes«  auf  p.  144  und  145  als  Heptapterns  mustelinus 
(Val.)  nach  Exemplaren  von  Maldonado  beschriebene  Art 
von  dieser  spezifisch  zu  trennen  sei,  und  zwar  nicht  nur 
wegen  der  bedeutenderen  Zahl  der  Analstrahlen  (24  gegen 
18),  sondern  auch  wegen  der  Länge  der  MaxiUar-  und 
Mentalbarteln,  die  nach  Eigen  mann  bis  zur  Mitte  der 
Pektoralen,  respektive  bis  zum  Ende  der  Kiemenspalte  reichen. 
Ich  schlage  für  diese  Art  die  Bezeichnung  Hept.  eigeninamii  vor. 

Bezüglich  der  Schwimmblase  von  Heptapterns  mustelimis 
(Val.)  sei  erwähnt,  daß  dieselbe  nicht  freiliegt,  wie  Eigen- 
mann, 1.  c,  p.  143,  angibt,  sondern,  der  Form  nach  zwei 
aneinander  gedrückten  ovalen  Blasen  ähnlich,  dicht  unter  der 
plattenförmigen  Ausbreitung  der  vereinigten  Querfortsätze  der 


488  F.  Steindachner, 

vorderen  Wirbel   gelegen,   mit   letzteren   längs   der   Mittellinie 
innig  verbunden  ist. 

6.  Xenocara  brevipinnis,  Rgn.  juv. 

8  Exemplare,  cf,  7-8  bis  lO-o  cm  lang,  und  zahlreiche 
Weibchen  von  9  bis  10-2  cm  Länge. 

Bei  dem  größten  Männchen  unserer  Sammlung  ist  die 
Länge  des  Kopfes  etwas  mehr  als  2^2  mal,  die  Kopfbreite 
zwischen  Deckeln  mehr  als  2Y4mal,  die  Leibeshöhe  ein  wenig 
mehr  als  5  mal  in  der  Körperlänge  (ohne  C),  der  Augendiameter 
etwas  mehr  als  8 mal,  die  Stirnbreite  mehr  als  2^3  mal  (bei 
jüngeren  Exemplaren  kaum  2^2  mal),  die  Schnauzenlänge  zirka 
lY^^mal  in  der  Kopflänge,  die  Länge  eines  Mandibularastes 
genau  2  mal  (bei  jüngeren  Exemplaren  zuweilen  P/^mal) 
in  der  Stirnbreite  enthalten. 

Der  Pektoralstachel  steht  an  Länge  dem  Kopfe  nur  wenig 
nach  und  zurückgelegt  reicht  seine  Spitze  nahezu  bis  zur 
Längenmitte  des  Ventralstachels,  während  bei  9  die  Spitze 
des  Pektoralstachels  unbedeutend  die  Basis  der  Ventralen 
überragt. 

Nur  bei  3  der  untersuchten  Exemplare  ist  die  ganze  Rücken- 
und  Bauchseite  hell  gefleckt,  bei  einigen  anderen  die  Oberseite 
des  Kopfes  oder  die  Bauchfläche  allein.  Sämtliche  Flossen  dunkel 
gefleckt.  Oberer  und  unterer  Randstrahl  der  Schwanzflosse  an 
der  Spitze  bläulichweiß.  23  bis  24  Schilder  in  einer  Längsreihe 
am  Rumpfe. 

7.  Loricaria  Henselii  n.  sp. 

1  Exemplar.  Totallänge  bis  zum  äußersten  hinteren  Ende 
der  C.  8-5  cm,  ohne  C.  7 -5  (;;;?,  Kopflänge  bis  zum  hinteren 
Rande  der  Temporalplatte  2  •  1  cm.  Sehr  nahe  verwandt  mit 
Loricaria  strigilata,  aber  durch  die  größere  Länge  des  Kopfes 
und  die  geringere  Zahl  der  Rumpfschilder  von  letzterer  ab- 
weichend. 

Kopflänge  3Y7  mal  in  der  Körperlänge  (ohne  C),  Kopfbreite 
zirka  P/smal,  Augendiameter  fast  7mal,  Stirnbreite  zirka  4mal, 
Schnauzenlänge  2  mal,  Höhe  des  Dorsalstachels  zirka  l^iemal, 


Fischarten  aus  dem  Flusse  Cubatao.  489 

Länge  der  Ventrale  3  mal,  der  Pektorale  2V3mal,  oberer  Rand- 
strahl der  Schwanzflosse  lYism^l  in  der  Kopflänge  enthalten. 

27  Schilder  in  einer  Längsreihe  am  Rumpfe.  Der  obere  der 
beiden  Seitenkiele  des  Rumpfes  wird  erst  unterhalb  der  Dorsale 
deutlich,  beide  Kiele  rücken  an  dem  18.  Schilde  der  Seitenlinie 
dicht  aneinander,  nur  durch  einen  linienförmigen  Zwischen- 
raum voneinander  getrennt.  Supraokzipitale  mit  2  etwas  nach 
hinten  divergierenden  zarten  Kielen,  ebenso  die  beiden  sich 
anschließenden  Nackenplatten;  Lippen  dicht  mit  rundlichen 
Papillen  besetzt,  am  freien  Rande  kurzlappig  (cc*.^)  einge- 
buchtet. 

Die  Breite  des  Rumpfes  nächst  dem  Beginne  der  Anale 
ist  zirka  4Y4^mal  in  dem  Abstände  desselben  von  der  Basis 
der  Schwanzflosse  enthalten.  Abdomen  mit  5  Plattenreihen 
zwischen  der  hinteren  Platte  der  seitlichen  Schienenreihe,  vordere 
Platten  der  Bauchfläche  kleiner  und  zahlreicher.  Analplatte 
nach  vorn  von  3  Platten  und  diese  von  5  begrenzt. 

Die  erste  der  4  dunklen  ziemlich  breiten  Querbinden  liegt 
hart  am  Beginn  der  Rückenflosse,  die  zweite  etwas  schärfer 
abgegrenzte  und  breitere  Querbinde  nächst  hinter  der  Dorsale, 
die  dritte  unmittelbar  hinter  der  Spitze   der   zugelegten  Anale. 

2  ziemlich  breite  grauviolette  Querbinden  auf  der  Schwanz- 
flosse; die  vordere  liegt  an  deren  Basis  und  ist  nur  durch  einen 
schmalen  Zwischenraum  von  der  etwas  breiteren,  hinteren 
Binde  getrennt,  welche  fast  die  ganze  hintere  Hälfte  der 
Kaudale  einnimmt;  2  bis  3  schräge,  meist  ziemlich  ver- 
schwommene Binden  auf  jeder  der  übrigen  Flossen. 

8.  Loricaria  cubataonis  n.  sp. 

1  Exemplar.  Totallänge  6-5  cm,  Kopflänge  1  -4:  cm,  Kopf- 
breite 1cm;  Körperlänge  ohne  C.  ö-4cm.  Der  ganze  Körper 
fühlt  sich  sehr  rauh  an,  da  jede  Schuppenplatte  des  Kopfes 
sowie  des  Rumpfes  mehr  minder  zahlreiche  zarte  Längskiele 
trägt,  die  von  mehr  minder  zusammenfließenden,  schräg- 
gestellten  Dörnchen  gebildet  werden  und  nach  hinten  in  einen 
vorspringenden  Dorn  auslaufen.  Der  ganze  untere  stumpfe 
Seitenrand  des  Kopfes  ist  dicht  mit  haarförmigen  kurzen 
Stachelchen   besetzt.   2    stärker   vortretende   Leistchen   liegen 


490  F.   St  ein  dachner, 

Überdies  am  Supraokzipitale  und  auf  den  beiden  vor  der 
Dorsale  befindlichen  Nackenplatten.  Oberer  Randstrahl  der 
Kaudale  länger  als  der  untere,  doch  nicht  fadenförmig  ver- 
längert. Supraorbitalrand  ein  wenig  erhöht.  Kopf  nach  vorn 
sich  gleichmäßig  verschmälernd,  Auge  klein,  7  mal,  Stirnbreite 
zirka  372^^1,  Schnauzenlänge  2  mal,  Pektorale  zirka  lYgOial, 
Ventrale  nahezu  2  mal,  oberer  Randstrahl  der  Schwanzflosse 
zirka  l'^/^msd  in  der  Kopflänge  enthalten. 

27  Schilder  in  einer  Längsreihe  des  Rumpfes.  Die  Seiten- 
kiele desselben  rücken  von  der  10.  Platte  von  der  Kaudale  an 
bis  zur  letzteren  sehr  enge  aneinander.  Unterseite  des 
Kopfes  nackt. 

Nur  zwischen  den  Ventralen  und  etwas  vor  diesen 
schließen  sich  die  Bauchschilder,  eine  oblonge  Gruppe  bildend, 
enge  aneinander.  Zwischen  den  2  letzten  Platten  der  seitlichen 
Schienenreihe  sind  sie  durch  häutige  Zwischenräume  von- 
einander getrennt,  die  aber  schmäler  als  die  daselbst  gelegenen, 
drei-  bis  fünfreihigen  Platten  sind.  Weiter  nach  vorn  werden 
die  Bauchplatten  rasch  kleiner,  zugleich  viel  zahlreicher  und 
ragen  zwischen  den  vorderen  Seitenplatten,  die  gleichfalls 
rasch  an  Umfang  (namentlich  querüber)  abnehmen,  nur  mehr 
als  kleine,  unregelmäßig  gelagerte  Punkte  und  durch  nackte 
Hautstellen  verhältnismäßig  weit  voneinander  getrennt,  hervor. 
Die  Analplatte  ist  von  3  Platten  halbkreisförmig  umgeben.  Die 
Spitze  des  angelegten  Pektoralstachels  reicht  nur  wenig  über 
die  Einlenkungsstelle  der  Ventralen  zurück.  Der  Dorsalstachel 
ist  unbedeutend  länger  als  der  Stachel  der  Pektorale. 

Rumpf  mit  4  grauvioletten  Querbinden,  genau  so  wie  bei 
der  früher  beschriebenen  Art  angeordnet.  Schwanzflosse  mit 
2  Querbinden,  die  übrigen  Flossen  mit  2  bis  3  minder  deutlich 
entwickelten  Flecken  in  schrägen  Reihen.  Rumpf  breite  zunächst 
dem  Beginne  der  Anale  5  mal  in  der  Entfernung  des  ersten 
Analstrahles  von  der  Basis  der  Schwanzflosse  enthalten. 

9.  Plecostomus  obtusirostris  n.  sp. 

1  Exemplar,  bis  zur  äußersten  Spitze  der  Schwanzflosse 
b-9cm  lang.  Kopflänge  nahezu  2-6cin,  Körperlänge  ohne  C. 
4" 6  cm. 


Fischarten  aus  dem  Flusse  Cubatao.  491 

Größte  Körperhöhe  etwas  mehr  als  SY^mal,  Kopflänge 
3mal  in  der  Körperlänge  ohne  C,  Kopfbreite  nahezu  P/gmal, 
Augendurchmesser  unbedeutend  mehr  als  7  mal,  Stirnbreite 
zirka  22/5  mal,  Kopf  höhe  2  mal  in  der  Kopflänge,  ein  Mandibular- 
ast  1  Ys  mal  in  der  Stirnbreite  enthalten,  Schnauze  breit,  Stirne 
querüber  flach. 

Die  Höhe  der  Dorsale  gleicht  der  Kopflänge  mit  Aus- 
schluß des  postorbitalen  Teiles  des  Kopfes  und  übertrifft  nur 
äußerst  wenig  die  Länge  der  Pektorale  sowie  der  Ventrale. 
Die  Spitze  der  zurückgelegten  Pektorale  reicht  zirka  bis  zum 
Ende  des  ersten  Längendrittels  der  Ventrale.  Ein  sehr  be- 
deutender Zwischenraum  trennt  das  hintere  äußerste  Ende  der 
zurückgelegten  Dorsalstrahlen  von  der  Basis  des  Stachels  der 
Fettflosse.  Schwanzstiel  fast  3 mal  höher  als  lang.  Die  Basis- 
länge der  Dorsale  gleicht  genau  ihrem  Abstände  von  der 
Fettflosse. 

Die  hinteren  Ränder  des  Supraokzipitale  stoßen  unter 
einem  Winkel  zusammen,  der  etwas  größer  als  ein  rechter  ist, 
und  sind  jederseits  von  nur  einem  Schilde  begrenzt,  das  gegen 
das  obere  Ende  sich  verschmälert  und  daselbst  mit  seiner 
Spitze    mit   dem  der  entgegengesetzten  Seite   zusammenstoßt. 

Am  unteren  Seitenrande  des  Kopfes  liegen  zirka  3  bis 
4  Reihen  zarter  Bürstenzähne,  von  denen  die  der  mittleren 
Reihe  am  stärksten  entwickelt  sind.  Bauchseite  nackt. 

Rumpfschilder  nicht  gekielt,  gezähnt.  Sc.  1.  27.  Körper  un- 
gefleckt.  Kaudale  und  Dorsale  mit  grauvioletten  Flecken  geziert. 

D.  1/7.  A.  1/4.  P.  1/7. 

In  der  Körperform  steht  diese  Art  dem  Plecostomtts  Lütkein 
sehr  nahe,  unterscheidet  sich  aber  von  letzterer  nebst  anderen 
Eigentümlichkeiten  durch  die  auffallend  geringere  Größe  der 
Augen,  die  wohl  bei  größeren  Exemplaren  von  P.  Lütkeni, 
z.  B.  von  14-7  cm  Länge,  wohl  nur  Y7)  bei  kleineren  Individuen 
von  10*4  cm  Länge  aber  Ve  einer  Kopflänge  beträgt,  und  durch 
die  schwächere  Entwicklung  der  Dorsale.  Auch  in  der  Form 
des  Supraokzipitale  und  dessen  hinterer  Begrenzung  weichen 
beide  Arten  voneinander  ab;  überdies  ist  der  Abstand  der 
Dorsale  von  der  Fettflosse  bei  P.  Lütkeni  viel  geringer  als  bei 
P.  ohtnslrostris. 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Kl.;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  33 


492  F.  Steindachner,  Fischarten  aus  dem  Flusse  Cubatao. 

10.  Girardinus  (Glaridodon)  januarius  Hens. 

4  Exemplare,  4  bis  4-7  cm  lang. 

Von  den  linienförmigen  Querstreifen  am  Rumpfe  ist  der 
unmittelbar  hinter  der  Dorsale  gelegene  Streif  weitaus  am 
breitesten  und  sehr  scharf  ausgeprägt,  auch  dunkler  als  die 
übrigen,  von  denen  die  vordersten  bei  den  mir  vorliegenden 
Exemplaren  äußerst  schwach  angedeutet  sind. 

11.  Geophagus  brasiliensis  (Q.  Gaim.)  Kner. 

Zahlreiche  junge  Exemplare  bis  zu  11  cm  Länge,  mit 
dunkleren  Querbinden  am  Rumpfe  und  einer  gleichfalls  dunkel- 
braunen Nackenbinde,  die  im  Bogen  (mit  vorderer  Konvexität) 
über  die  Seiten  des  Kopfes  bis  in  die  Nähe  des  Vordeckel- 
winkels zieht  und  vom  Auge  unterbrochen  wird. 


Erklärung  der  Tafeln. 


Tafel  I. 

Hemipsilichthys  cameroni  n.  sp.,  cf,  ad.,  in  natürlicher  Größe. 

Fig.  1.      Seitliche  Ansicht. 

Fig.  1  a.  Untere  Ansicht  des  Kopfes  und  Vorderrumpfes. 

Fig.  1  b.  Obere  Ansicht  des  Kopfes  bis  zur  Dorsale. 

Fig.  2.     Schwimmblase  von  Heptaptcrus  mnstelimis  (Valenc.)  Gthr. 

Tafel  II. 

Fig.  1,  \a.  Hemipsilichthys  cameroni  r\.  sp.,  (^,]\m. 
Fig.  2,2a.  >  .  n.  sp.,   «J,  ad. 


Dr.  F.  Steindachner:  Fischarten  aus  dem  Flusse  Cubatao. 


Tafel  I. 


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Sitzungsberichte  der  kais.  Akad.  d.  Wiss.,  math.-naturw.  Klasse,  Bd.  CXVI,  Abt.  I,  190< 


(Dr.  F.  Steindaehner:  Fischarten  aus  dem  Flusse  Cubatao. 


Tafel  II. 


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Sitzungsberichte  der  i<ais.  Akad.  d.  Wiss.,  math.-naturw.  Klasse,  Bd.  CXVI,  Abt.  I,  1907. 


493 


Koleopterologisehe  Ergebnisse  der  mit  Sub- 
vention der  kaiserlichen  Akademie  der  Wissen- 
schaften in  Wien  im  Frühjahr  1905  ausgeführ- 
ten Forschungsreise  nach  Montenegro  und  Al- 
banien 


Viktor  Apfelbeck, 

Kustos  am  bosnisch-hercegoviiiischcn  Landcsmttseiim  in  Sarajevo. 
(Vorgelegt  in  der  Sitzung  am  21.  März  1907.) 

Im  folgenden  übergebe  ich  das  Resultat  der  mit  Subvention 
der  hohen  Akademie  der  Wissenschaften  in  den  Monaten  April 
und  Mai  1905  ausgeführten  Forschungsreise  nach  Montenegro 
und  Albanien.  Die  Hauptaufgabe  bildete  die  Erforschung  der 
Koleopterenfauna  der  albanesischen  Hochgebirge  in  der 
Landschaft  »Merdita«,  dem  Gebiete  des  Miriditenstammes,  an 
der  Grenze  der  »Dibra«  (Debra)  und  »Ljuma«.  Außerdem 
wurde  noch  das  Maranaigebirge  nordöstlich  von  Skutari  im 
Gebiete  des  Malsorenstammes  mit  Erfolg  besucht. 

Bei  meiner  Rückkehr  aus  der  Merdita  ließ  ich  einen 
geschulten  Sammler  des  bosnisch-hercegovinischen  Landes- 
museums, Latif  Buljukbasic,  welcher  auch  die  Reise  mit- 
gemacht hatte,  in  der  Merdita  zurück  mit  der  Weisung,  noch 
einige  Wochen  in  den  Hochgebirgen  »Munela«  und  »Zebia« 
bei  Fandi  zu  sammeln.  Zur  Beschaffung  weiteren  Materiales 
entsendete  ich  im  Mai  1906  noch  den  Präparator  des  bosnisch- 
hercegovinischen  Landesmuseums,  Adolf  Winneguth,  auf 
2  Monate  in  die  Merdita,  wo  derselbe  wieder  in  den 
Hochgebirgen  Munela  und  Zebia  mit  Erfolg  Aufsammlungen 
machte. 

33* 


494  V.  Apfelbeck, 

Um  das  Faunenbild  der  Merdita  möglichst  auszugestalten, 
habe  ich  daher  auch  das  durch  die  beiden  Genannten  beschaffte 
Material  bei  der  folgenden  Arbeit  verwertet. 

Sammelergebnisse. 

A.  Montenegro. 

I.  Umgebung  von  Ceti n je. 

Karstterrain  mit  Buschwald  {Carpinus  duinensis,  Fra- 
xinus  ornus,  Acer,  Crataegus,  Steineichen),  spärlich,  stellen- 
weise dicht  bewachsen. 

Charakterformen  der  Humusschichten:  Bythmus  cetin- 

jensis   Apf.   n.   sp.,   Bythinus  Lanieerei   Holdh.,    Tetramelus 

ptmiceiis   cetinjensis   Apf.    n.    subsp.,  Molops   Parreyssi    Kr., 

Tomoderus dalmatinus  Reitt.,  Cepheujimincetiiijense  Apf.  n.  sp., 

Hylaia  dalmatina  Kaufm.,  Platyderus  dalm-atinus  Mi  11. 

Auf  Sträuchern:  Stomodes  Schatißtssi  Mi  11.,  Otiorrhynchtis 
dalmatinus  Gyllh.  (var.  pedihus  rufis),  truncatus  Stierl, 
rliacusensis  Germ.,  consentaneus  crivosciaiiiis  Apf.,  Heydeni 
Stierl.,  rhamni  Apf.,  crmipes  M i  1 1.,  Sturanyi  A p f.  n.  sp.,  perdix 
tlialassiuus  Apf.  Der  mitteleuropäische  Bythivius  crassicomis 
Motsch.  fehlt,  tritt  aber  weiter  südlich  in  den  Gebirgen  der 
albanesischen  Landschaft  »Merdita«  bei  Oroshi  wieder  auf.  Bei 
Cetinje  erscheint  er  durch  Bythinus  cetinjensis  Apf.  ersetzt 
zu  sein. 

II.  Umgebung  von  Rjeka. 

Karstterrain  mit  Buschwald,  wie  bei  Cetinje,  außerdem 
hier  schon  mediterrane  Sträucher:  Granate,  wilde  Feige, 
Paliurus. 

Im  Humus:  Bythinus  dalmatinus  Reitt.,  Leptomastax 
hypogaeus  P  i  r  a  z.,  Tomoderus  dalmatinus  Reitt.,  Laena  ferrii- 
ginea  Küst.  und  L.  Kaußnamii  Reitt.,  Hylaia  dalmatina 
Kaufm. 

Auf  Strauch ern:  Catomus  lapidicola  Küst.,  Otiorrhynchus 
Sturanyi  Apf.,  perdix  thalassinus  Apf.,  longipennis  Stierl. 
crinipes  Mi  11.,  rliacusensis  Germ.,  dalmatinus  Gyllh.,  Heydeni 


Koleopterologische  Ergebnisse.  49o 

StierL,  Helops  exaratiis  Germ.,  Phyllohms  monfamis  Mill., 
hrevis  Gyllh.,  Polydrosus  hrevipes  Kiesw. 

In  der  Rjekaquelle  an  bemoosten,  vom  Wasser  bespülten 
Steinen:  Ochtkehius  metallesceris  Rosenh.,  montanns  Friv 
und  montenegrinuo  Gangib.,  Bemhidion  hypocrita  Dej., 
Redtenhacheri  Dan.,  Lesteva  Joitgelytrata  Goeze. 

Am  Ufer  des  Rjekafiiisses  unter  verfaultem  Schilfe:  Aue- 
madns  Karamani  Gangib.  in  Mehrzahl. 

B.  Albanien. 

I.  Skutari. 

a)  Große  Ebene  »Stoj«,  nordöstlich  der  Stadt  zwischen 
dem.  Skutarisee  und  dem  Gebirge  -Cukali«  und  -Maranai«. 
Schotterboden,  ausgedehntes  Weideland,  mit  Asphodehis 
ramosus  reichlich  bewachsen. 

Unter  Steinen  vorwiegend:  Zahriis  tncrassafit^s  Germ., 
Harpahis  dimidiaUis  Rossi,  Dolicaon  illyricus  Er.,  Pedinns 
helopioides  Ahr.,  Chrysomela  haenioptera  L.  und  orieiitalis 
Oliv.  Fauna  sehr  arm. 

b)  Seegebiet,  am  östlichen  Ufer:  Apristtis  stihaeneus 
Chaud.,  Aleochara  egregia  Apf.  n.  sp.,  Platynus  vidims  moestus 
Duft.,  Bagous  mipkaris  Apf.  n.  sp.,  B.  nodtilosiis  Gyllh.,  siib- 
carinatus  Bris.,  frit  Gyllh.,  limosus  Gyllh.,  lutosus  Gyllh. 
und  hitulentus  Gyllh.,  Hydronontus  alisuiatis  Marsh.,  Echino- 
cnemtis  confustis  Fa.u st,  Mecynotarsus  serricornis  Panz.;  im 
Sumpfwasser:  Halipltis  dalmatiniis  J.  Müll. 

c)  Bo janagebiet,  am  Ufer  der  Bojana,  stellenweise  Auen 
(Weiden,  Pappeln):  DysckirUts  Lafertei  Putz.,  üiterniedins 
Putz.,  ruficornis  Fniz.,  aeneus  Dej.,  nitidus  Schaum,  Bem- 
hidion inserticeps Chaud.,  splendidiiin  Sturm,  latiplaga  Chaud., 
Platynus  Holdkaitsi  Apf.,  Poeciltis  Rebeli  Apf.,  striatoptmctahis 
Duft.,  cupreus  L.,  Paropkonus  hirsiituhis  Dej.,  Microlestes 
plagiatus  Duft.,  Metabletus  impressns  Dej.  (sagitta  Reitt.), 
Cymindis  axillaris  lineola  Du  f.,  Pkilontkus  riifimaniis  Er., 
Reickenbackia  simplicior  Raffr.  und  trigonoprocta  G  an  gib., 
Bytkinus  albanicus  Apf.  n.  sp.,  bojaneusis  Apf.  n.  sp.,  Miridita 
Apf.  n.  sp.,  scutarensis  Apf.  n.  sp.,  Nargits  velox  Spence  (sehr 


496  V.  Apfelbeck, 

häufig),  Bledius fossor  Heer,  dissimilis  Er.,  atricapiUns  Germ., 
flexicornis  Apf.  n.  sp.,  Laena  Kaufinanni  Reitt.  und  ferruginea 
K ü St.,  Pseudotomoderus  compressicollis  M  o  t s  c  h.,  Colotes  macu- 
latus  Lap.,  Aeohis  crucijer  Rossi,  SyncaJypta  paleata  Er., 
Tribaltis  mininms  Rossi,  Pachuephorns  pilostis  Rossi,  tessel- 
laius  Duft,  und  villosus  Duft,  (aspericollis),  Anthicus  teiiellits 
L  a  f. ,  Schniidti  R  o  s  e  n  h .,  //  ispidus  Rossi,  Och thenom us  unifas- 
ciatus  Bon.  und  temticolHs  Rossi,  Amaurony. x  Maerkeli  Auhe, 
Egadroma  niarginata  Dej. 

Unter  verpilzter  Rinde  alter  Celtisbäume:  AlpJtitobius 
gracilipes  Baudi,  Pentaphyllus  chrysomeloides  Rossi,  Alphito- 
pJiagus  hifasciatus  Say,  Diaperis  holeti  L. 

d)  Am  Kiriufer  bei  Mesi:  Cicindela  Fischeri  Ad.,  hy- 
brida  riparia  Latr.,  canipestris  L.,  Bembidium  fasciolatuni 
Duft.,  tibiale  Duft.,  decorum  Panz.,  articulatmn  Gyllh.,  8- 
maculahmt  Goeze,  punctulatnm  Drap.,  Perileptus  areolattis 
Creutz.,  Thalassopliilus  longicornis  Strm.,  Chlaenius ßavipes 
Men.;  in  einer  Kolonie  von  Myrniecocystus  viatiais  Fbr.:  Pio- 
chardiasTpec.  Auf  Tamarix:  Nanopliy es pallidus  OVw., 4-virgatus 
Costa,  Coniatus  tamaricis  Fbr. 

^^Litoralgebiet  beiPulaj^  (Bojanamündung):  DyscM- 
rius  macroderus  Chaud.,  salintts,  cylmdricus,  apicalis,  Ano- 
plogenius procerus Schaum,  Carabiis granulatus  fniridita  Apf, 
und  C.  cancellatns  alessiensis  Apf. 

II.  Maranaigebirge  (Malissorengebiet),  1576  m  (Gipfel). 

ß^  Abhänge  zwischen  Vorfaj  postme  (300  m)  und 
Vorfaj  shiperme  (700  ni).  Karstlandschaft  mit  Buschwald 
(Carpinus  duinensis,  Fraxhnts  orntis,  Qtierctis  cerris  und  andere 
Eichenarten,  tiefer  etwas  Lorbeer,  am  Fuße  auch  Paliurus). 
Höher  im  Gebirge:  Eichengebüsche  und  Haselnußgestrüpp, 
partienweise  Edelkastanien. 

Carabus  hortensis  Neumayeri  Schaum,  Laemostenus 
elongatus  Dej.,  Platyderiis  dalmatinus  Mi  IL,  Zabrus  mcras- 
satus  Germ.,  Gonodera  Luperus  Hbst.  var.,  atitennata  Panz., 


1  Gesammelt  von  Mustajbeg  Kurbegovic. 


Koleopterologische  Ergebnisse.  49/ 

Otiorrhynclms  perdix  Oliv,  (typisch),  crinipesMxW.,  Dorcadion 
arenarmni  ahriiptum  Germ. 

b)  Gipfelregion,  mit  alten,  partienweise  dicht  bestockten, 
bis  an  den  Gipfel  reichenden  Rotbuchenbeständen,  dazwischen 
Geröllhalden  mit  spärlicher  Vegetation.  Gestein  kristallinisch. 
Unterhalb  des  Gipfels  stellenweise  ziemlich  ausgedehnte  Schnee- 
flecken. 

Unter  Steinen:  Nebria  Stiiranyi  Apf.  n.  sp.,  Pterostichus 
Malissortim  Apf.  n.  sp.,  Bembidinni  sicnhim  Dej.,  Molops 
Simplex  Chaud.,  alpestris  Dej.,  curüiJus  Ga.n gib.,  Parreyssi 
Kr.  und  Stiiranyi  Apf.  n.  sp.,  Amara  curia  Dej.  (zwischen 
Graswurzeln),  Onenscli  Schönh.,  aenea  Deg.,  Otiorrkynchiis 
sitonoides  Apf.  n.  sp.  (in  Graswurzeln),  Ot.  Adonis  Apf.  n.  sp. 
(häufig)  und  Ot.  perdix  Oliv,  (sehr  selten)  auf  Rotbuchen- 
gestrüpp. 

III.  Merdita  (Miriditengebiet). 

a)  Landschaft  bei  Katshinjeti,  eine  Tagereise  süd- 
östlich von  Skutari. 

Öde  Urgebirgslandschaft,  meist  Hutweiden,  stellenweise 
spärlich  bestockte,  selten  dichtere  Eichenjungwälder,  als  Unter- 
wuchs mediterrane  Sträucher  (Erica  arborea,  Pistacia  terebin- 
thus,  Myrthus),  an  den  Flußufern  Vitex  agnus  castus. 

Auf  Eichengebüsch:  Phyllobius  argetitatus  L.,  montamis 
Mi  IL,  brevis  Gyllh.,  Polydrosns  brevipes  Kiesw.,  sericeiis 
Schall.,  Cyphns  nitens  Scop.,  Gonodera  Ltiperus  Herbst  var., 
Cryptocephalus  itirciciis  Suffr.,  Phyllopertha  arenaria  Brülle, 
Melolontha  vulgaris  velebitica  J.  Müll. 

Zt^  Umgebung  von  Oroshi.  eine  weitere  Tagereise  von 
Katshinjeti  nach  Südosten.  Südöstliche  Grenze  der  Merdita. 
Eichen-  und  Föhrenvvälder. 

Auf  blühendem  Crataegus  und  anderen  Blüten:  Hoplia 
farinosa  L.,  praticola  Duft.,  CalUmus  angulatns  Schrank, 
Anaglyptus  mysticus  L.  und  var.  hieroglyphicus  Hbst.,  Asclera 
Reitteri  Gangib.  und  caerulea  L.,  Omophlus  betulae  Hbst., 
Anthaxia praeclara Mann  h.,  nitida  R o  s  s  \,ßtlgurans  S  c  h  r  a n  k, 
sepulchralis  Fbr.,  Sturanyi  Apf.  n.  sp.,  4-punctata  L.,  Acmae- 
odera  pilosellae  Bon.,  bipunctata  Oliv. 


498  V.  Apfelbeck, 

Auf  Eichengestrüpp :  Phyllopertha  hirtella  Brülle,  arenaria 
Brülle,  Triodonta  aquila  Lap.,  Melolontha  vulgaris  velebitica 
J.  Müll.,  Phyllobius  argentatus  L.,  sutoririensis  Apf.,  aetolicns 
Apf.,  Clythra  novempunctata  Oliv.,  Cryptocephahis  tnrcicns 
Siiffr.,  Otiorrhynchiis  (Toiirnieria)  balcanicits  Stierl.,  Pachy- 
brachis  limbaUis  Men. 

Auf  blühenden  Föhren:  Scytliropus  mnstela  WbsX..,  Mag- 
dalis ineninonia  Gyllh.,  violacea  L.,  phlegmatica  Hbst.,  fron- 
talis Gyllh.,  Weisei  Schrein,  und  rufa  Germ.,  Noviiis crnenta- 
tus  Muls.,  Pissodes  notatus  Fbr.,  Hylobius pineti  Fbr.,  Dicerca 
moesta  Fbr.,  Chalcophora  mariana  Lap.,  Clerus formicariiis 
L.,  Astynomus  aedilis  L.,  Pogonochaertis  Perroiidi  M\i\s.,fasci- 
culattis  Deg.,  decoratus  Fairm.,  Onwphlus  arniillatiis  Brülle, 
anieriiiae  Curt.  und  dispar  Costa. 

Ferner  an  verschiedenen  Lokalitäten:  Capnodis  porosa 
Klug  und  teuebrionis  L.,  Morimiis  asper  Ganglbaueri  Reitt., 
Phyllopertha  campestris  Latr.,  Leistus  rnfomarginatns  Duft., 
Spondylis  bnprestoides  L.,  Tragosoina  depsarium  L.  (ein  totes 
Exemplar),  Acinoptis  ammophilus  Dej.,  Agabus gttttatus  Payk., 
nitidus  Fbr.,  Harpalus  fugax  Fald. 

Am  Ufer  des  Fani  matz:  Bembidion  fasciolatinn  Duft., 
coeriileum  Dej.,  conforme  Dej.,  combustnm  Men.,  sictüuin 
Dej.,  decorunt  Panz.,  oblougum  Dej.,  grandipeiine  Schaum, 
dalmatimim.  Dej.,  Chlaenius flavipes  Men. 

c)  Mal  i  Sheit  (»Heiliger  Berg«)  bei  Oroshi,  zirka  1500/7; 
hoch.  Subalpines,  bis  auf  den  Rücken  bewaldetes  Kalkgebirge 
mit  üppigen  Hochweiden,  in  den  Felspartien  horstweise  Pinns 
leucodermis  Ant.  (Panzerföhre).  Auf  Felsen  unter  anderen 
Pflanzen  Saxifraga  Friderici  Atigusti  Blas,  in  Blüte.  Am 
Rücken  des  Gebirges  Rotbuchenbestände  gemischt  mit  Föhren. 
Hie  und  da  noch  kleinere  Schneereste,  an  deren  Ränder  blühen- 
der Crocus. 

Unter  Steinen :  Carabns  coriacens  rugosus  D  e j.,  C.  cae- 
latus  sarajevensis  Apf.,  C.  intricatiis  L.  var.,  C.  convexus  F.  var., 
Cychriis  semigranosus  PalL,  Leistus  magnicollis  Mo t seh., 
Trechiis  nierditaniis  Apf.  n.  sp.,  Tr.  nigrinus  Putz.,  obtusus  Er., 
qnadristriatus  Schrk.,  Nebria  Kratteri  Dej.,  Omplireiis  albani- 
cus  Apf.  n.  sp.,  Platydevns  niiniUns  Reiche,  Ptcrostichus  Lati- 


Koleopterologische  Ergebnisse.  499 

fianus  Apf.  n.  sp.,  P/.  (Tapinopterus)  Dochii  Apf.  n.  sp.,  Molops 
albanicus  Apf.,  M.  Stiiranyi  Apf.  n.  sp.,  M.  merdttanus  Apf. 
n.  sp.,  Ämara  curla  Dej.,  A.  Quenseli  Schönh.,  A.  aenea  Deg., 
Zahrus  Ganglhaueri  Apf.  n.  sp.,  Harpalus  fugax  Fald., 
aeneus  Fbr.,  smaragdinus  Duft.,  rubripes  Duft.,  atratus  Latr. 
und  var,  subsinuatus  Duft.,  rufitarsis  Duft.,  honestus  Duft., 
sulphuripes  Germ.,  atteimatus  Steph.,  serripes  Quens.,  tardus 
V Q.nz.,  auxiusDuU.,  Ophouus cordatusDnit,  O.azureus  Fbr., 
cribricolUs  Dej.,  puncticollts  Payk.,  Liciuus  (Orescius)  Oertzeni 
Reitt.,  Cymindis  axillaris  Fbr.,  C.  lineata  Quens.,  Aptitius 
lugubris  ruftpes  Apf.  n.  subsp.,  Ltidius  aeneus  L.,  Helops 
(Slenomax)  Steitidachneri  Apf.  n.  sp.,  Oliorrhynchus  albanicus 
Apf.  n.  sp.,  Dorcadion  pedestre  Po  da  {ruftpes  Fbr.),  Chrysoinela 
linibata  Findeli  Suffr.,  cerealis  niixta  Küst.,  Timarcha  laevi- 
gata  Duft.,  violaceonigra  Deg.  und  corinthia  Fairm.,  Oreiiia 
plagiata  commutata  Suffr. 

Auf  Gebüsch:  Podabrus  (Anolisus)  procernlus  Kiesw., 
Phyllobius  aetolicus  Apf.,  Polydrosus  nioUis  uersipellis  Apf. 
n.  subsp.,  Malacosoina  thoracica  Gandioni  Reiche,  Diodyr- 
rhynckus  Karamani  Stierl. 

In  den  Humusschichten,  unter  abgefallenem  Laube: 
Trechus  merditanus  Apf.  n.  sp.,  Tr.  nigrinus  Putz.,  Berg- 
rothiella  (Amicrops)  albanica  Apf.  n.  sp.,  Bythinus  cvassicornis 
Motsch.,  nodicornis  Aube,  armipes  Reitt.,  merditanus  Apf. 
n.  sp.  (prope  Hopffgarteni  Reitt.),  B.  Sturanyi  Apf.  n.  sp. 
(prope  Erichsoni  Kiesw.),  B.  oroshianus  Apf  n.  sp.  (prope 
acutangulus  Reitt.),  B.  Tithonus  Apf.  n.  sp.  (prope  Reitteri 
Saulcy),  B.  (Tycliobytlmius)  odontomerus  Apf.  n.  sp.,  B.  (Lin- 
deria) verrucipaJpis  Apf.  n.  sp.,  Cepheimiiun  albanicum  Apf. 
n.  sp.  und  merditamun  Apf.  n.  sp.,  C.  (Geodytes)  Ganglbaueri 
Apf.  n.  sp.,  Euconnus  (s.  str.),  Paganettii  Gangib.,  Euc.puniceus 
alternans  Apf.  n.  subsp.,  Euc.  Winneguthi  Apf.  n.  sp.,  Euc. 
(SpanioconnusJ  nanus  Schaum,  Euc.  (Tetramelus)  merditanus 
Apf.  n.  sp.,  Neuraphes  (Pararaphes)  elongatulus  Müll.,  A^. 
(Scydnioraphes)  leptocerus  Reitt.,  tricavidus  Reitt.  und  Spars- 
lialli  Denny,  A^.  (Rhynchoraphes  Apf.  n.  subg.)  triangularis 
Apf.   n.  sp.,1    Stenichnus  collaris  Müll.,  pusillus   Müll,  und 

1  Auch  in  Bosnien. 


500  V.  Apfelbeck, 

exilis  Er.,  Nargtis  hadms  Strm.  und  anisotomoides  Spence, 
Leptnsa  Gatiglbaueri  Apf.  n.  sp.,  Sipalia  temporalis  Apf.  n.  sp. 
und  sculpticollis  Apf.  n.  sp.,  Spkaerosoma  alhanicuni  Apf.  n.  sp., 
laevicolle  Reitt.  und  globosum  Strm.,  Sternodea  Baudii  Reitt., 
Derocrepis  serhica  Kutsch.,  Aparopion  costatiim  Fahrs. 

In  Quellbächen:  Ochthebiiis  (Henicocerus)  granulahis 
albaniciis  Apf.  n.  subsp. 

Auf  Pinus  leticodermis:  Otiorrkyiichus  (Dodecastichus) 
getiiculatiis  Germ.,  consentaneiis  troglaveiisis  Apf.,  Ot.  (s.  str.) 
truncahis  Stierl.,  Ot.  (Cirrhorhynchns)  sarajevensis  Apf. 

Auf  Rotbuchen:  Otiorrhynchtis  perdix  Oliv. 

Faunencharakter  der  Merdita. 

Die  Koleopterenfauna  der  Merdita  läßt  sich  nach  den  bis- 
herigen Forschungsergebnissen  von  allgemeinen  Gesichts- 
punkten in  folgender  Weise  charakterisieren: 

1.  Boreal  alpine  Arten  fehlen. 

2.  Die  Fauna  hat  typischen  Reliktencharakter,  welcher 
sich  durch  das  Auftreten  zahlreicher  Reliktendemiten  und 
Arten  mit  diskontinuierlicher  Verbreitung  kennzeichnet. 

Als  solche  Reliktendemiten  dürften  aufzufassen  sein: 
Nebria  merditana  Apf,  Zabnis  Gattglbaueri  Apf.,  Calathiis 
albaniciis  Apf.,  Bergrothiella  albanica  Apf.,  Eiicomuis  nierdi- 
taniis  Apf.,  Batliyscia  merditana  Apf.,  Tychobythimts  odonto- 
mertts  Apf.,  Bytliinus  verrncipalpis  Apf.,  CepJiefiniiim  albani- 
ctiin  Apf.  und  merditanumApL^  Cepliemtitun  (Geodytes)  Gangl- 
baueri  Apf.,  Otiorrhynchus  albaniciis  Apf.,  munelensis  Apf., 
Titan  Apf,  merditamis  Ap-f.,   (Tonrnieria)  Steindachneri  Apf. 

Arten  mit  diskontinuierlicher  Verbreitung  (gegen  NW): 
Bythimis  crassicornis  Motsch.,  Timarcha  laevigata  Duft, 
und  violaceonigra  Deg.,  Dorcadion  rtißpes  Po  da,  Otio- 
rhynchus  geniciilatiis  Germ. 

3.  Im  übrigen  zeigt  die  Fauna  Affinitäten  nach  verschiedenen 
Richtungen  und  läßt  sich  sonach  in  folgende  Elemente  zerlegen; 

a)  Dalmatinische  Arten  (beziehungsweise  Vertreter 
des  Karstes):  Carabiis  caelatus  F.,  Bythimis  armipes  Reitt., 
Bytliinus   orosliiantis    (prope    acutangtihis  Reitt.),  B.  verruci- 


Koleopterologische  Ergebnisse.  501 

palpis  Apf.  (als  naher  Verwandter  des  B.  scaptilaris  Reitt.), 
Eucoitntis  Paganettii  G  an  gib.,  Etic.  ptmiceiis  Reitt,  Etic. 
WinnegutJn  Ap  f.  (auch  in  Montenegro  und  Süddalmatien,  nahe 
verwandt  mit  Eiic.  Kiesenwetteri  Kiesw.),  A'euraphes  trica- 
viilus  Reitt.,  Podabrus  procerulits  Kiesw.,  Otiorhyiichus 
coviseiitmieus  Boh.,  truncatiis  Stierl.,  Winneguthi  Ap L,  perdix 
Oliv.,  Diodyrhynchus  Karaniani  Stierl.,  Tomoderus  dahna- 
tinns  Reitt. 

h)  A 1  p  i  n  -  k  a  r  p  a  t  h  i  s  c  h  e  Arten :  Henicocertis  granulatits 
Muls.  (var.  albanicus  Apf.),  Sphaerosoma  alhatiicmn  Apf. 
(nahe  verwandt  mit  Sph.  Reitteri  Orm.),  Bytkimis  Tithoniis  Apf. 
(prope  Reitteri  Saulcy),  B.  merditaniis  Apf.  (prope  Hopff- 
garteni  Reitt.),  Bythinus  Sttiranyi  Apf.  (prope  Ericlisoni 
Kiesw.),  Sternodea  Baudii  Reitt. 

c)  Pont i sehe  Arten:  Bergrothiella  albanica  Apf,  als 
Vertreter  einer  bisher  nur  aus  dem  Kaukasus  bekannten 
Gattung;  Asclera  Reitteri  Gangib.  (bisher  nur  aus  dem  Kau- 
kasus bekannt),  Acinopns  animophilus  Dej.,  Harpalus fugax 
Fald.,  Chlaenius ßavipes  Men.,  PhaenotJierion  spec,  Capnodis 
porosa  Klug,  Ciciiidela  Fisclieri  Ad.,  Bembidion  combtistum 
Men.  und  siibstriattim  Chaud.,  Laena  inerditana  Apf.  (prope 
piliger a  Weise). 

d)  Hellenische  Arten:  Nebria  Kratteri  Dej.,  Bembidion 
grandipenne  Schaum,  Leistus  rnagnicoUis  Motsch.,  Platy- 
derus  niiimtiis  Reiche,  Licimis  (Orescius)  Oertzeiii  Reitt., 
Aptimis  lugubris  rufipes  Apf.,  Laena  Schwärzt  Reitt.,  OmopJilus 
dispar  Costa,  OtiorrJtynchiis  (Tournieria)  balcaniciis  Stierl., 
PJiyllobius  aetoliciis  Apf.,  Ph.  (Parascythropus)  pinicoJa 
Kies w.,  Aiichmerestkes KiesenwetteriKw,  Morimus  asper  Sulz., 
Clytlira  novenipnnctata  Oliv.,  Pacliybrachis  linibatns  Men., 
Malacosoma  thoracica  Gaudioni  Reiche. 

Die  Hochgebirge  der  Merdita  und  der  Shar-Dagh. 

(Faunistischer  Vergleich.) 

Zieht  man  einen  Vergleich  mit  der  Koleopterenfauna  der 
merditanischen  Hochgebirge  und  jener  des  benachbarten  Shar- 
Dagh,  so  findet  man  nur  wenisre  diesen  beiden  Gebieten  gemein- 


502 


V.  Apfelbeck, 


same  Arten.  Zahlreiche  im  Shar-Daghgebiete  noch  vor- 
kommende bosnisch-serbische  Arten  fehlen  in  der  Merdita  und 
sind  dort  schon  durch  hellenische  oder  endemische  Arten  ersetzt, 
obwohl  ein  Ausbreiten  serbischer  Arten  in  die  Merdita  längs 
des  oberen  Morava-  und  oberen  Vardar(Tetovo)tales  wohl  an- 
zunehmen wäre.  Das  ausgedehnte  Massiv  des  Shar-Dagh  mit 
seinen  südlichen  Ästen  »Rudoka  planina«  und  »Korab«  sowie 
mit  seinem  nordwestlichen  Auslauf  »Koritnik«  und  »Gjalica 
Ljums«  mit  Höhen  von  über  2500  7w  bildet  jedoch  gegen  das 
die  Merdita  östlich  begrenzende  Drinisital  eine  abschließende 
Mauer,  welche  für  die  spärliche  Einwanderung  von  Osten  her 
in  die  Merdita  die  Erklärung  zu  geben  scheint.  Eine  kleine  Aus- 
nahme hievon  machen  wenige  Arten  {Tiniarcha  laevigata, 
Timarcha  violaceonigra,  Otiorhyticliits  genicrilatus,  einige 
Bythinen,  Dorcadion  riifipes  und  vielleicht  noch  die  eine  oder 
ändere  Art),  welche  doch  einen  östlichen  Weg  bis  in  die  Mer- 
dita gefunden  haben,  während  ihre  Verbreitung  von  NW  her  voll- 
ständig unterbrochen  ist.  Die  folgende  Liste  wird  am  besten  die 
faunistische  Differenz  zwischen  Merdita  und  Shar-Dagh  dartun: 


Hochgebirge  der  Merdita  ^ 

(Munela,  Zebia,  Mal  i  Sheit) 

Carahtis  violaceus  vlastiljensis 

Apf. 
»         caelaüis  sarajevensis 

Apf. 
Pterostickiis  Latifianus  Apf. 


Shar-Daghgebiet 

(Ljubeten     2510  m,     Koritnik 
2381  m) 

Carabus     vioJaceus     rilvensis 
Kolbe. 
»  croaticiisljuhetensis 

Apf. 
Pterostidms  lumensis  Apf. 

»  Brückt  Schaum. 

»  ottomanus     Apf. 

(n.sp.propeMwA/- 
feldi). 


1  Die  Höhen  dieser  Gebirge  sind  bisher  nicht  verläßlich  bekannt.  Munela 
und  Zebia  haben  oberhalb  des  Buchenwaldgürtels  eine  alpine,  kahle  Zone, 
welche  stellenweise  mit  krüppelhaften  Panzerföhren  (Piniis  Uticodertnis  Ant.) 
bewachsen  ist. 


Koleopterologische  Ergebnisse. 


503 


Pterostichtis  (Tapinopterus) 
Dochii  Apf. 

Zahrus  albaniats  Apf.  (Zebia). 
»       Gan^lbatieri  Apf.  (Mal 
i  Sheit). 
Calathus  albaniats  Apf. 


Molops  nierditaims  Apf. 
»       Sturanyi  Apf. 
»       albaniats  Apf. 


Nebria  Kratteri   Dej.    (Mal    i 
Sheit). 
»       merditana  Apf.    (Mu- 
nela,  Zebia). 


Trechus  nierditanns  Apf. 


Licimts     (OresciusJ      Oertzeni 
Reitt. 

Cychrtis  semigranosus  Fall. 


Pterostichtis  (Tapinopterus) 
Miridita  Apf. 
Zabrus  albaniats  Apf. 


Calathtts  albaniais  Apf. 
Deltomeriis    (Paradeltomertts) 

relidits  Apf. 
Symtchidius  (n.  g.)  Ganglbaueri 

Apf. 

Molops  Steindachneri  Apf. 
»       Stttranyi  Apf.  var.  ? 
»       albaniats  Apf.  (Nord- 
abhang bei  Priesren) 
»       osmanilis  Apf.  (Nord- 
abhang bei  Priesren). 
»       piceus  Panz. 
robusttts  Dej. 
Nebria  Ganglbaueri  Apf. 

»       Altemsi  Apf. 

»       Gyllenliali  Schönh. 

»       nigricornis  Villa. 
Trechns  albaniats  Apf.  (Korit- 
nik). 

»        Priapns  Dan.  (in  Bos- 
nien verbreitet). 

»        Kobingeri     Apf.      (in 
Bosnien  häufig). 

»       palpalis       Ijithetensis 
Apf. 


Cychnts  semigranosus  Pall. 
Calosoma  (Callisthenes)  relidits 
Apf. 


504 


V.  Apfelbeck, 


Leptusa   (Pisalia)    nierditana 
Apf. 
»  »         munelensis 

Apf. 
»        (Pachygluta)    Gangl- 
haueri  Apf. 
Sipalia  scfilpticollis  Apf. 
Sipalia  temporalis  Apf. 

Bergrothia  albanica  Apf. 
Bythinus  armipes  Reitt. 

»        crassicornis^loisch. 
»        TitJwnus  Apf. 
»        merditanus  Apf. 
»        Sturanyi  Apf. 
»        oroshiamis  Apf. 
Bythoxemis  verrucipalpis  Apf. 
Tycliohythinus        odon  tomevus 

Apf. 
Cephennium  inerditanmn 
Apf. 
»  alhaiiictwi  Apf. 

»  Ganglbaueri 

Apf 
Eiiconnus  merditanus  Apf. 

»         Paganettn  G  a  n  g  1  b. 
»         pimiceus  Reitt. 
»  Winneguthi  Apf. 

Neiiraphes  elongatulus  Müll. 
»  tricavulus  Reitt. 

N.    (Rhynchoraphes)    triangti- 

laris  Apf. 
Sphaerosomaglohosiim  Sturm. 
»  laevicolle  Reitt. 

»  alhanicMfn  Apf. 


Leptusa  (Pisalia)  Reitteri  E  p  p. 


Sipalia  sculpticollis  Apf. 

Pselaphus  shardaghensis  Apf. 
Dicentrius  Merkli  Reitt. 
Bythinus  Simoni  Reitt. 

»         crassicorn  /5  M  o  t  s  cIt  . 

»         orhaniensis  Apf. 


Cephennium  Ganglbaueri  Apf. 


Euconnus   macrophthalmus 
Apf. 
»  Ijubetensis  Apf. 

»  denticornis  MüW. 

»  oblongus  Sturm. 

»  styriacus  Grim. 

Neuraphes  elongatulus  Müll. 
»  tricavnlus  Reitt. 

A^.    (Rhynchoraphes)    triangu- 
lär is  Apf. 
Sphaerosomaglobosuni  Sturm. 
»  laevicolle  Reitt. 

»  shardaghense 

Apf. 


Koleopterologische  Ergebnisse. 


505 


Sternodea  Baudii  R  e  i  1 1. 
Tomoderus  dalmatimis  Reitt. 
Laena  Schwärzt  Reitt. 
»      wierditana  Apf. 
Helops      (Stenomax)       Stcin- 

d achner i  Apf. 
Otiorrhynchus  (Dodecastichns) 

geniculatus  Germ. 
Otiorrhynchus  (Dodecastichns) 

consentaneus  Boh. 
Otiorrhynchus    (s.   str.)     trun- 
catus  Stier  1. 
»  albaniciis    Apf. 

»  immelensis  Apf. 

»  merditanus 

Apf. 
»  Tita]i  Apf. 


(Cirrhorhynchtts) 
sarajevensis  Apf. 


(Cirrhorhynchiis) 
Winneguthi  Apf. 

(Toiirnieria)  bal- 
caniais)  Stierl. 
(Tournieria)  cal- 
licnemis  Apf. 
(Tournieria) 
Steindachneri 
Apf. 
corrttptor  Host. 


perdix  01i\', 


Sternodea  Baudii  Reitt. 
Tomoderus  dalmatimis  Reitt. 
Laena  Hopffgartetii  Weise. 

Helops     (Odocnemis)     badius 

K  ü  s  t. 
Otiorhynchus  relicttis  Apf. 

»  consentaneus 

Boh.  (Prisren). 
»  rugosogranula- 

tits  Stierl. 
»  liimensis  Apf. 

»  Ganglbaueri 

Stierl. 
»  (Toiirnieria)jng- 

landis  Apf. 
">  (Dodecastichns) 

aiirosignatns 

Apf. 
»  armipes  Apf. 

*  shardaghensis 

Apf. 
»  denigrator  Boh. 


glabratusSixQvX. 


alpicola  Boh. 

cirrhocnemis 
Apf. 


corruptorY{  osi. 
(Nordabhang  bei 
Prisren). 


506 


V.  Apfelbeck,  Koleopterologische  Ergebnisse. 


Morimus  asper  Sulz. 
Dorcadion  pedestre  P  o  d  a. 

Timarcka  laevigata  Duft. 

»         violaceonigra  Deg. 

»  corinthia  Fairm. 
Oreina  plagiata  commutata 
Suffr. 


Morimus  funereus  M  u  1  s. 
Dorcadion  pedestre  P  o  d  a. 
»  IJubetense  Apf. 

Timarcka  laevigata  Duft. 


Oreina  virgulata  Germ. 
»       speciosissima  Scop, 


507 


Neue  Koleopteren, 

gesammelt  während  einer  im  Jahre  1905  mit  Sub- 
vention der  kaiserliehen  Akademie  der  Wissenschaften 
in  Wien  durchgeführten  zoologischen  Forschungsreise 
nach  Albanien  und  IVIontenegro  ^ 

(II.  Serie) '' 

von 
Viktor  Apfelbeck, 

Kustos  am  bosiiisch-hercegovinischen  Landcsiutisetiin  in  Sarajevo. 
Vorgelegt  in  der  Sitzung  am  21.  März  1907. 

21.  Leptusa  (Pachygluta)  Ganglbaueri  n.  sp. 

Mit  Leptusa  secreta  Bernh.  und  asper  ata  Epp.  verwandt, 
von  ersterer  durch  längeren,  anders  punktierten  Halsschild, 
wesentlich  kürzere  Flügeldecken,  nach  hinten  stärker  er- 
weitertes Abdomen,  von  Leptusa  asperata  durch  fein  und  mäßig 
dicht  punktierten  Kopf,  feiner  punktierten  Halsschild  und 
Flügeldecken,  längeren  Halsschild  etc.,  von  beiden  durch  die 
Färbung,  kleinere  Augen  ^  und  längere  Schläfen  sowie  in 
beiden  Geschlechtern  einfaches  siebentes  Abdominaltergit 
differierend. 

Von  Leptusa  (Pachygluta)  ruficollis  Er.,  mit  welcher 
L.  Gauglbaueri  in  der  Skulptur  des  Kopfes  ziemlich  überein- 


1  Im  Jahre  1906  sammelte  auch  der  Präparator  des  bosnisch-hercegovi- 
nischen  Landesmuseums  Adolf  Winneguth  in  den  albanesischen  Gebirgen 
(Merdita)  und  wurden  einige  von  ihm  dort  entdeckte  Arten,  da  sie  demselben 
Gebiete  entstammen,  hier  behandelt. 

2  Cf.  I.  Serie  in  Sitz.  Ber.  d.  Kais.  Akad.  der  Wissensch.  Wien,  Math.- 
naturw.  Klasse;  Bd.  CXV,  Abt.  I.  November  1906,  p.  1661—1674. 

3  Die  Augen  sind  kleiner  als  bei  den  übrigen  bekannten  Pachygltita- Arten , 
aber  doch  wesentlich  größer  als  bei  den  Arten  der  Untergattung  Pisalia. 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Kl. ;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  34 


508  A.  Apfelbeck, 

stimmt,  schon  durch  die  Färbung,  die  viel  kürzeren  Flügel- 
decken, kleinere  Augen  und  den  Mangel  einer  Auszeichnung 
am  siebenten  Abdominaltergit  beim  r/  leicht  zu  unterscheiden. 

Von  Lephisa  Reitteri  durch  fein  punktierten  Kopf,  wesent- 
lich breiteren,  feiner  punktierten  und  matt  chagrinierten  Hals- 
schild, nach  hinten  stärker  erweitertes  Abdomen,  etwas  größere 
Augen  und  kürzere  Schläfen  und  längere,  gegen  die  Spitze 
schwächer  verdickte,  anders  gefärbte  Fühler  abweichend.  In 
der  Punktierung,  Färbung,  Größe  und  im  Habitus  am 
meisten  mit  Lcptnsa  (Pisalia)  oreophila  Pen.  (Wien.  Ent.  Ztg. 
1901,  XX,  p.  12)  übereinstimmend,  von  derselben  durch 
längere  und  dichtere,  mehr  wollige  Behaarung  des  Vorder- 
körpers, viel  breiteren,  in  der  Mittellinie  nicht  gefurchten,  nur 
vor  der  Basis  flach  eingedrückten  Halsschild,  breitere  und 
etwas  längere,  viel  dichter  und  etwas  feiner  körnig  punktierte 
Flügeldecken,  hinten  stärker  erweitertes  Abdomen,  größere 
Augen,  anders  gefärbte  Fühler,  längeres  und  schlankeres 
drittes  Glied  derselben  etc.  differierend  und  leicht  zu  unter- 
scheiden. 

Halsschild  gut  um  die  Hälfte  breiter  als  lang,  vor  der 
Mitte  am  breitesten,  nach  hinten  wesentlich  stärker  als  nach 
vorn  verengt,  an  den  Seiten  mäßig  gerundet,  mit  sehr  stumpf- 
winkligen, an  der  Spitze  etwas  abgerundeten  Hinterecken, 
kaum  schmäler  als  die  Flügeldecken  am  Hinterrande  und  etwa 
um  Yö  oder  Y4  länger  als  diese,  vor  der  Basis  in  der  Mitte  mit 
seichtem,  nach  vorn  sich  verflachendem  und  erlöschendem  Ein- 
drucke.Fühler  schwärzlichbraun,  die  ersten  drei  oder  vier  Glieder 
gelb,  die  Spitze  bräunlich,  das  dritte  Glied  etwas  dünner,  aber 
wenig  kürzer  als  das  zweite,  das  vierte  fast  quadratisch,  kaum 
länger  als  breit,  die  äußeren  etwas  weniger  stark  quer  als  bei 
L.  Reitteri. 

Albanien.  Merdita:  Bulshari  bei  Oroshi  und  Munela- 
Gebirge  bei  Fandi  (Latif  1905,  Winneguth  1906)  unter 
Eichenlaub. 

22.  Leptusa  (Pisalia)  munelensis  n.  sp. 

In  der  Färbung,  Punktur  und  Größe  mit  Leptitsa  Hopß- 
garteni  Epp.  übereinstimmend  und  ihr  auch  habituell  ziemlich 


Neue  Koleopteren.  o09 

ähnlich,  von  derselben  hauptsächlich  durch  viel  kleinere  Augen, 
breiteren  Vorderkörper,  kürzere  Flügeldecken,  gegen  die  Spitze 
stärker  verdickte  Fühler  und  beim  cf  mit  einem  kräftigen  Kiel 
versehenes  siebentes  Abdominaltergit    wesentlich  differierend. 

Augen  klein,  ihrLängsdurchmesser  beiläufig  viermal  kürzer 
als  die  Schläfen.  Kopf  fein  und  seicht,  aber  ziemlich  dicht 
punktiert.  Halsschild  im  vorderen  Drittel  nicht  breiter  als  die 
Flügeldecken  am  Hinterrande,  nach  hinten  mäßig  verengt, 
wesentlich  breiter  als  der  Kopf.  Flügeldecken  körnig  punktiert 
(die  Punktur  etwas  kräftiger  und  körniger  als  bei  L.  Hopff- 
garteni),  etwa  Y^  kürzer  als  der  Halsschild.  Abdomen  nach 
rückwärts  mäßig  stark  erweitert.  Fühler  gegen  die  Spitze  stark 
verdickt,  die  vorletzten  Glieder  mehr  als  doppelt  so  breit  als 
lang,  das  dritte  Fühlerglied  gestreckt,  so  lang  wie  das 
zweite,  aber  etwas  dünner,  das  vierte  kaum  quer.  Flügel- 
decken beim  cf  längs  der  Naht  mit  einem  vorn  meist  deutlichen, 
mitunter  aber  kaum  erkennbaren  Längswulste.  Länge  2*2  bis 
2  •  5  mm. 

cT:  Siebentes  Abdominaltergit  mit  einem  sehr  kräftigen,  stark 
erhabenen,  wulstförmigen,  von  der  Segmentsmitte  bis  fast  an  den 
Hinterrand  reichenden  Längskiele,  das  achte  Tergit  mit  einem 
feineren  Kiele  versehen   und   am  Hinterrande   fein  gezähnelt. 

Von  L.  FaiweJi  Epp.  schon  durch  die  kleinen  Augen,  viel 
längere  Schläfen, ^  mehr  minder  glänzenden  Vorderkörper  etc. 
hinlänglich  verschieden. 

Albanien.    Merdita:     Munela-Gebirge    bei   Fandi    unter 
Eichenlaub. 

23.  Leptusa  (Pisalia)  merditana  n.  sp. 

Kleinen  Exemplaren  der  L.  munelensis  m.  täuschend 
ähnlich,  von  derselben  durch  etwas  abweichende  Halsschild- 
form, nach  hinten  stärker  verbreiterte,  feiner  und  etwas  dichter 
punktierte  Flügeldecken,  namentlich  aber  durch  das  nach 
hinten  wesen  tlich  stärker  erweiterte  Abdomen  sowie 
in  beiden  Geschlechtern  einfaches  siebentes  und  achtes 
Abdominaltergit  und  geringere  Größe  differierend. 


1  Zirka  viermal  so  lang  als  der  Längsdurchmesser  der  Augen,  hingegen 
bei  L.  Faitvdi  kaum  doppelt  so  lang. 

34* 


510  V.  Apfelbeck, 

Halsschild  vorn  relativ  breiter,  nach  hinten  stärker  und  mit- 
unter etwas  ausgeschweift  verengt,  deutlicher  herzförmig,  vor 
der  Mitte  der  Basis  mit  einem  seichten,  mitunter  undeutlichen 
Quergrübchen.  Kopf  viel  schmäler  als  der  Halsschild,  kleiner 
als  bei  L.  ntunelensis,  mit  etwas  größeren  Augen  und  merklich 
kürzeren  Schläfen.  Abdomen  nach  hinten  auffallend  stark 
erweitert,  an  der  breitesten  Stelle  bei  manchen  Exemplaren 
fast  doppelt  so  breit  als  die  Basis  der  Flügeldecken,  die 
schwarze  Färbung  des  Abdomens  stärker  ausgedehnt  als  bei 
L.  muTielensis,  das  sechste  und  fünfte  Segment  vollständig  ein- 
nehmend, mitunter  auch  das  vierte  mehr  minder  angedunkelt 
(bei  L.  muneleiisis  nur  das  sechste  und  die  hintere  Hälfte  des 
fünften  geschwärzt).  Drittes  Fühlerglied  wenig  kürzer  und 
etwas  schmäler  als  das  zweite,  das  vierte  so  lang  als  breit  oder 
kaum  länger  als  breit.  Beim  cT  die  Flügeldecken  längs  der  Naht 
mit  deutlicher  Längsfurche.  Penis  lanzettförmig,  vor  der  einfach 
verrundeten  Spitze  mit  seitlichen  kleinen,  zahnförmigen  Vor- 
sprüngen; Parameren  lang,  die  Penisspitze  beträchtlich  über- 
ragend, gegen  die  Spitze  leicht  verbreitert,  am  Ende  winklig 
abgeschrägt  und  am  Spitzenrande  etwas  ausgerandet. 

Von  Leptusa  difforniis  Rey,  mit  welcher  L.  merditana 
am  nächsten  verwandt  zu  sein  scheint,  durch  viel  kleineren 
Kopf,  breiteren,  herzförmigen,  dicht  punktierten  Halsschild, 
längere  Flügeldecken,  nach  hinten  schwächer  erweitertes 
Abdomen  etc.  zu  unterscheiden. 

Albanien.  Merdita:  Munela-  und  Zebia-Gebirge  bei  Fandi 
unter  Rotbuchenlaub. 

24.  Sipalia  sculpticollis  n.  sp. 

Eine  durch  die  Auszeichnung  des  siebenten  Abdominal- 
tergites  (cT)  und  die  Skulptur  des  Halsschildes  leicht  kennt- 
liche Art. 

cT:  Siebentes  Tergit  mit  zwei  dicken,  wulstig  erhabenen, 
nach  vorn  sehr  stark  divergierenden,  gegen  die  Mitte  des 
Tergithinterrandes  fast  zusammenstoßenden  Längskielen. 
Hiedurch  nähert  sich  5.  sculpticollis  den  Leptusa- Avien,  welche 
im  männlichen  Geschlechte   am  siebenten  Tergit  zwei  Längs- 


Neue  Koleopteren.  511 

kiele  besitzen:  L.  padana  und  L.  Batuiii.  Bei  diesen  beiden 
sind  jedoch  die  Längskiele  fein  und  fast  parallel,  außerdem 
differieren  diese  beiden  Arten  von  5.  sculpticoUis  in  anderen 
Merkmalen.  Gelbbraun,  das  vorletzte  Abdominalsegment  mit- 
unter angedunkelt.  Halsschild  und  Flügeldecken  ziemlich  stark 
und  dicht  behaart.  Kopf  rundlich  oval,  viel  schmäler  als  der 
Halsschild,  glänzend,  äußerst  fein  und  zerstreut,  erloschen 
punktiert,  mit  kleinen  Augen.  Halsschild  fast  so  lang  als  breit, 
verrundet  viereckig,  schmäler  als  die  Flügeldecken,  sehr  fein 
und  dicht,  aber  schwer  erkennbar  punktiert  (30  fache  Ver- 
größerung), in  der  Mitte  mit  einem  feinen,  glatten,  vor  der  Basis 
verkürzten,  den  Vorderrand  nahezu  erreichenden  Längskiele, 
beiderseits  desselben  leicht  furchenartig  vertieft.  Flügeldecken 
etwas  länger  als  die  halbe  Halsschildlänge,  nach  hinten 
schwach  erweitert,  beim  cf  auf  der  Scheibe  deutlich,  beim  9 
kaum  eingedrückt,  fein  und  mäßig  dicht  körnig  punktiert. 
Abdomen  in  der  Mitte  schwach  erweitert,  kaum  erkennbar 
punktiert.  Fühler  gegen  die  Spitze  ziemlick  stark  verdickt,  wie 
bei  5.  arida  geformt. 

Von  vS.  teuiporalis  m.^  durch  die  Abdominalauszeichnung 
des  cT,  etwas  breiteren,  mehr  viereckigen  Halsschild,  stets  deut- 
lich ausgeprägten  Mittelkiel  desselben,  nach  hinten  schwächer 
erweitertes  Abdomen,  undeutlichere  und  etwas  kürzere  Be- 
haarung desselben  etc.  differierend. 

Albanien.    Merdita:    Mal    i   Sheit-Gebirge    bei    Oroshi, 
unter  Rotbuchenlaub. 

25.  Sipalia  temporalis  n.  sp. 

Der  Sipalia  arida  Epp.  sehr  nahe  stehend,  von  derselben 
namentlich  durch  viel  schmäleren  Halsschild,  längere  und 
dichtere  Behaarung  —  insbesondere  des  nach  hinten  stärker 
erweiterten  Abdomens  —  etwas  kleineren,  gleichmäßiger 
rundlich-ovalen  Kopf,  viel  kleinere  Augen  und  sehr  lange 
Schläfen  sowie  fast  einfarbig  bräunlichgelbe  Färbung  zu  unter- 
scheiden. 

1   CT.    Nr.  25. 


512  V.  Apfelbeck, 

Kopf  deutlich  schmäler  als  der  Halsschild,  dieser  so  lang 
als  breit,  wesentlich  schmäler  als  die  Flügeldecken,  fein  und 
dicht  punktiert  und  wie  die  Flügeldecken  dicht  und  fein  an- 
liegend behaart,  vor  der  Basis  mit  einem  subtilen,  bogen- 
förmigen Eindruck  und  mit  feinem,  manchmal  undeutlichem 
Mediankiele  versehen.  Augen  viel  kleiner  als  bei  S.  arida,  die 
Schläfen  etwa  sechsmal  (bei  5.  arida  drei-  bis  viermal)  so  lang  als 
der  Längsdurchmesser  eines  Auges.  Flügeldecken  wesentlich 
feiner  punktiert,  auf  der  Scheibe  viel  schwächer  eingedrückt. 
Fühler  gegen  die  Spitze  stärker  verdickt,  die  äußeren  Glieder 
etwas  stärker  quer  als  bei  vS.  arida.  Abdomen  nach  hinten 
stärker  verbreitert,  vor  der  Spitze  nicht  oder  nur  wenig  an- 
gedunkelt, fein  anliegend,  aber  viel  spärlicher  behaart  als  die 
Flügeldecken,  das  siebente  Tergit  des  cf  (wie  bei  der  ver- 
glichenen Art)  ohne  Auszeichnung.  Penis  lanzettförmig,  die 
Parameren  lang,  die  Penisspitze  beträchtlich  überragend,  gegen 
die  Spitze  allmählich  verschmälert  und  in  flachem  Bogen  bis  zur 
Spitze  gegeneinander  konvergierend. 

Länge  1*5  bis  2*0  mm. 

Albanien.  Bei  Oroshi  im  Miriditengebiet  aus  Eichenlaub 
gesiebt. 

26.  Bergrothiella  (Amicrops)  albanica  n.  sp. 

Infolge  des  an  den  Seiten  mit  einem  leistenartigen  Kiele 
versehenen  Kopfes  mit  B.  lenkoratia  Reitt.  und  mingrelica 
Reitt. ^  verwandt,  von  letzterer  schon  durch  die  bespornten 
Hinterschienen  und  den  Besitz  einer  Furche  am  Scheitel  beider- 
seits des  medianen  Längskieles,  von  B.  lenkorana  durch  dicht 
runzelig  und  körnig  punktierten,  matten,  breiteren  Kopf,  ganz 
andere  Fühlerbildung  etc.  sehr  erheblich  differierend. 

Hell  rotbraun,  ziemlich  lang  und  anliegend,  die  Schläfen 
lang  abstehend  behaart.  Kopf  deutlich  breiter  als  der  Hals- 
schild, dicht  runzelig  und  körnig  punktiert,  wenig  glänzend, 
an  den  Seiten    mit  feinem  leistenartigen  Kiele,   der  Scheitel  mit 


1  Cf.  Reitter:  Übersicht  der  Amicrops-Arten  in  Verh.  z.  b.  Ges.  Wien, 
1884,  p.  64. 


Neue  Koleopteren.  513 

kräftigem  Medicankiele,  beiderseits  desselben  mit  einer  dem 
Seitenrande  stärker  als  dem  Längskiele  genäherten,  nach  vorn 
konvergierenden  Längsfurche.  HalsL^child  bis  zur  Mitte  stark 
gerundet  erweitert,  gegen  die  Basis  ziemlich  geradlinig  imd 
stark  verengt,  an  der  breitesten  Stelle  mit  einem  subtilen, 
manchmal  undeutlichen  Zähnchen,  vor  der  Basis  mit  einer 
grübchenförmigen  Vertiefung,  welche  sich  in  Form  einer  Furche 
gegen  die  Mitte  des  Halsschildes  verliert,  in  der  Mitte  der  Basis 
mit  einem  kurzen,  in  die  Basalgrube  einmijndenden  Kiele, 
jederseits  der  Mitte  mit  einem  vom  Basaldörnchen  bis  zur  Mitte 
reichenden  feinen  Kiele,  in  der  Nähe  des  Seitenrandes  hinter 
der  Mitte  mit  einem  größeren  und  vor  der  Basis  mit  einem 
kleineren  grübchenförmigen  Eindrucke.  Basaldörnchen  des 
Halsschildes  klein,  manchmal  undeutlich,  beim  9  meist  stärker 
entwickelt.  Flügeldecken  sehr  stark  ge\A'ölbt,  fast  doppelt  so 
breit  als  der  Halsschild,  beiläufig  so  lang  als  breit  oder  etwas 
länger,  glänzend,  sehr  fein  und  sehr  spärlich  punktiert,  länger 
und  abstehender  behaart  als  der  Halsschild.  Abdomen  ziemlich 
lang  und  dicht  anliegend  behaart,  das  erste  freiliegende  Tergit 
sehr  lang,  fast  doppelt  so  lang  als  die  zwei  folgenden  zu- 
sammengenommen, beiderseits  der  Mitte  mit  einem  inneren 
kurzen  und  einem  äußeren  langen,  nach  außen  stark  diver- 
gierenden und  den  Seitenrand  des  Tergites  vor  der  Basis 
treffenden  Längskiele,  zwischen  denselben  grubig  vertieft,  sehr 
fein  und  spärlich,  die  folgenden  Tergite  kaum  punktiert.  Fühler 
kiü'Z,  gedrungen,  beim  cf  das  erste  Glied  kurz  und  dick,  etwa 
^/^  länger  als  breit,  sowie  der  Kopf  rauh  körnig  punktiert,  das 
zweite  wesentlich  dünner,  etwa  um  die  Hälfte  länger  als  breit, 
das  dritte  bis  siebente  so  lang  als  breit,  rundlich,  das  achte 
etwas  innen  erweitert,  das  neunte  und  zehnte  zunehmend 
stärker  quer  und  im  apikalen  Teile  nach  innen  zahn- 
förmig  erweitert,  beim  9  alle  Glieder  etwas  dünner,  das 
achte  etwas  kleiner  als  das  siebente,  das  neunte  verdickt,  aber 
kaum  quer,  das  zehnte  deutlich  quer.  Keule  kurz  und  dick, 
außen  gerundet  erweitert  und  gegen  die  Spitze  abgeschrägt. 
Beine  kräftig,  die  Schenkel  ziemlich  lang,  einfach,  die  Schienen 
beim  cT  stark,  beim  9  schwächer  gebogen,  die  Hinterschienen 


514  V.  Apfelbeck, 

beim  cf  mit  langem,  mehrfach  gespaltenem,^  beim  9  mit 
kürzerem  Enddorne  bewehrt. 

Länge  2-2  bis  2-3  mm. 

Albanien.  In  den  Hochgebirgen  der  Merdita:  Munela, 
Zebia,  Mal  i  Sheit  in  Rotbuchenwäldern  unter  tiefen  Laublagen; 
sehr  vereinzelt   (Apfelbeck  1905,  Winneguth  1906). 

27.  Bythinus  (Linderia)  verrucipalpis  n.  sp. 

Mit  Bythinns  scapidaris  Reitt.  am  nächsten  verwandt, 
von  demselben  durch  anderen  Bau  der  Fühler  und  der  Maxillar- 
taster,  etwas  kleinere  Augen,  die  Basalskulptur  des  Hals- 
schildes und  geringere  Größe  differierend. 

cf :  Erstes  Fühlerglied  kaum  doppelt  so  lang  als  breit,  gegen 
die  Spitze  am  Innenrande  keulenförmig  verdickt  und  etwas 
vor  der  Mitte  mit  einem  kleinen  Zapfenzähnchen  versehen,  das 
zweite  Glied  klein,  wenig  verdickt,  nicht  einmal  halb  so 
breit  als  das  erste,  rundlich,  etwas  länger  als  breit,  die  folgenden 
kleiner,  rundlich,  das  sechste  leicht,  die  folgenden  stärker  quer, 
das  Endglied  kurz  und  dick. 

9:  Erstes  Fühlerglied  zylindrisch,  lang  schaftförmig, 
wenigstens  dreimal  so  lang  als  breit,  das  zweite  etwas  schmäler 
als  das  erste,  rundlich,  etwas  länger  als  breit. 

0^9:  Maxillartaster  sehr  lang,  wenig  kürzer  als  die 
Fühler,  das  Endglied  lang,  messerförmig,  am  Außenrande  gerade, 
mehr  als  dreimal  so  lang  als  breit,  wesentlich  länger  als  bei 
gleich  großen  B.  scapularis,  das  zweite  und  dritte  Glied 
mit  warzenförmigen  Erhabenheiten,  das  Endglied  mit 
ebensolchen  kleineren  spärlicher  besetzt  und  dicht,  ziemlich  lang 
abstehend  behaart.  Halsschild  zwischen  der  Basis  und  der 
normalen  Querfurche  ziemlich  dicht  rauh  punktiert.  Flügel- 
decken gröber,  aber  nicht  dichter  a.\s  hei  B.scaptilaris  punktiert. 
Beine  etwas  schlanker,  die  Schenkel  und  Schienen  —  auch  die 
Vorderschienen  des  d^  —  einfach,  nur  die  Hinterschienen  des  cf 
an  der  Spitze  mit  einem  kleinen,  feinen  Sporne  versehen.  Im 
übrigen  mit  B.  scapidaris  übereinstimmend. 


1  Der  Enddorn  ist  immer  mehrfach,  selbst  bis  zehnmal  gespalten  (unter 
dem  Mikroskop  betrachtet).  Bei  SOfacher  Lupenvergrößerung  ist  eine  Spaltung 
des  Domes  in  zwei  bis  drei  Teile  zu  erkennen. 


Neue  Koleopteren.  515 

Albanien.  In  einigen  Exemplaren  am  Mal  i  Sheit  bei 
Oroshi  aus  tiefen  Buchenlaublagen  gesiebt. 

28.  Bythinus  miridita  n.  sp. 

Mit  Bythimis  Brenskei  Reitt.  nahe  verwandt,  von  dem- 
selben durch  etwas  abweichenden  Fühlerbau,  schwächer  pro- 
minente Augen,  vor  und  hinter  denselben  allmählich  verengten, 
daher  gleichmäßiger  ovalen  Kopf,  in  der  Mitte  kaum  höcker- 
artig erhabenes  Längsfältchen  am  Scheitel  differierend,  im 
übrigen  mit  demselben  übereinstimmend. 

cf:  Zweites  Fühlerglied  deutlich  breiter  als  das  erste,  etwas 
breiter  als  lang  und  wesentlich  breiter  als  bei  B.  Brenskei,  das 
dritte  Glied  kürzer  als  bei  diesem,  nicht  länger  als  breit,  rundlich, 
die  äußeren  Glieder  alle  etwas  kürzer  und  dicker  als  bei  der 
verglichenen  Art. 

Albanien.  An  der  unteren  Bojana  bei  Oboti  und  Pulaj 
(Velipoja)  unter  Eichenlaublagen. 

29.  Bythinus  (s.  str.)  albanicus  n.  sp. 

In  die  Gruppe  des  Bythinus  Sliarpi  Saulcy  (asturiensis 
Reitt.)  gehörig  und  demselben  in  der  Fühlerbildung^  sehr 
ähnlich,  aber  durch  das  vorn  stärker  vei-dickte  erste  Fühlerglied, 
kräftigeres  Zapfenzähnchen  desselben,  viel  breiteres,  queres, 
am  apikalen  Innenrande  schwach  vorgezogenes  zweites  und 
kürzeres  drittes  Fühlerglied  differierend. 

Gelbrot,  Kopf  wenig  schmäler  als  der  Halsschild,  der 
Scheitel  fein  und  undeutlich  punktiert;  Halsschild  glatt,  die 
Flügeldecken  fein,  seicht  und  weitläufig  punktiert,  die  ganze 
Oberseite  schräg  abstehend,  das  Abdomen  dichter  und  länger 
behaart.  Augen  normal,  mäßig  vorragend.  Fühler  gedrungen, 
beim  cf  das  erste  Glied  gegen  die  vSpitze  stark  verdickt,  etwas 
länger  als  breit,  am  Innenrande  etwas  hinter  der  Mitte  an  der 
breitesten  Stelle  mit  einem  kräftigen  Zäpfchen,  das  zweite 
Glied  nicht  schmäler  als  das  erste  und  kaum  halb  so  lang, 
deutlich  breiter   als  lang,    nach  innen  stark  erweitert,   an 


1  Cf.  Abbildung  von  Reitter  in  Verh.  z.  b.  Ges.  XXXI,    1881,  Taf.  XIX, 
Fig.  49. 


516  V.  Apfelbeck, 

der  apikalen  Innenkante  gerundet  und  etwas  nach  vorn 
gezogen,  die  inneren  Ecken  abgerundet,  das  dritte  Glied 
klein,  kaum  länger  als  breit,  das  vierte  und  fünfte  deutlich 
breiter  als  lang,  die  folgenden  zunehmend  stärker  quer.  Alle 
Schienen  beim  c/  und  9  einfach,  die  Schenkel  beim  cf  kaum 
verdickt. 

Länge  1  ■  3  nitn. 

Albanien.  An  der  unteren  Bojana  bei  Pulaj  in  Eichen- 
laublagen. 

30.  Bythinus  (s.  str.)  bojanensis  n.  sp. 

Dem  B.  albaniais  m.  sehr  ähnlich,  von  demselben  durch 
die  Fühlerbildung  und  gezähnte  Vorder-  und  Hinterschienen 
beim  cf  erheblich  abweichend. 

cf:  Erstes  Fühlerglied  viel  schlanker  als  bei  B.  alhanicus, 
fast  doppelt  so  lang  als  breit  und  fast  zylindrisch,  nur  gegei'x 
die  Spitze  schwach  verdickt,  gegen  die  Innenkante  zu  ab- 
geplattet, die  Innenkante  vor  der  Spitze  scharf  gerandet  und 
etwas  winklig  erweitert,  wodurch  daselbst  ein  schwer  sicht- 
bares, subtiles  Zähnchen  gebildet  wird;  das  zweite  Fühler- 
glied ähnlich  geformt  wie  bei  B.  albanicns,  jedoch  wesentlich 
schmäler  und  länger  und  nach  innen  viel  schwächer  erweitert. 
Kopf  und  Halsschild  etwas  breiter,  der  letztere  an  den  Seiten 
stärker  gerundet  und  gegen  die  Basis  plötzlicher  und  stärker 
verengt.  Hinterschienen  beim  d^  vor  der  Spitze  sehr  deutlich 
zahnförmig  erweitert.  Vorderschienen  innen  im  apikalen  Drittel 
mit  einem  Zähnchen  bewehrt,  vor  demselben  ausgebuchtet. 
Hinterschenkel  mäßig  verdickt. 

Länge  1  -3  mm. 

Albanien.  An  der  unteren  Bojana  in  Gesellschaft  von 
Bythinus  alhanicus. 

31.  Euconnus  (s.  str.)  Winneguthi  n.  sp. 

Zwischen  Euconnus  Kiesen-wetteri  Kiesw.^  und  Mof- 
scliulskyi  stehend,  von  ersterem  durch  gedrungeneren  Körper, 
kürzere  Beine  und  anders  geformtes  achtes  und  neuntes  Fühler- 


1  Zum  Vergleich  diente  mir  ein  (^  von   Enc.  Kiesentvetteri  Kiesw.   von 
Sabotino  (Küstenland). 


Neue  Koleopteren.  ol7 

glied  beim  cf  sowie  schwarze  Färbung,  von  Euc.  Motschulsliyi 
durch  die  gestreckten,  wesentlich  längeren  Fühler  des  cf, 
namentlich  das  viel  längere  neunte  und  zehnte  Glied  und 
anders  geformtes  achtes  Glied,  von  beiden  durch  mehr  minder 
abweichende  Basalskulptur  des  Halsschildes  differierend. 

ö'':  Neuntes  Fiihlerglied  so  lang  oder  fast  so  lang  als  das 
achte;  das  zehnte  nur  um  Y4  ^is  Vs  kürzer  als  das  neunte, 
wesentlich  länger  als  breit;  das  achte  Glied  an  der  inneren 
Basalecke  nicht  nach  innen  erweitert,  sondern  gegen  die 
Spitze  in  konkaver  Rundung  allmählich  schwach  verbreitert, 
die  innere  Apikaiecke  spitzwinklig  vorgezogen,  daher 
das  achte  Glied  an  der  Spitze  breiter  als  an  der  Basis 
(bei  Euc.  Kiesenwettert  und  Motsckidslivi  gerade  umgekehrt); 
das  neunte  Glied  an  der  inneren  Apikaiecke  etwas  stärker 
nach  innen  ausgezogen. 

Halsschild  an  der  Basis  —  an  Stelle  einer  verbindenden 
grubenförmigen  Querfurche  —  zumeist  mit  einem  ziemlich 
scharf  begrenzten,  mehr  minder  isolierten  kleinen  Grübchen 
beiderseits  zwischen  dem  Mittelfältchen  und  dem  inneren 
Seitenfältchen.  Flügeldecken  im  allgemeinen  etwas  stärker  aus- 
gebaucht als  bei  Eiic.  Kiesemvetteri.  Etwas  kleiner  als  dieser, 
sonst  mit  ihm  übereinstimmend. 

Albanien.  Gebirge  bei  Oroshi  (Mal  i  Sheit)  in  Eichenlaub- 
lagen. Auch  bei  Dulcigno  (Montenegro)  im  Eichenwalde  von 
Präparator  A.  Winneguth  gesammelt. 

32.  Euconnus  (Tetramelus)  merditanus  n.  sp. 

Dem  Eiic.  Dorotkanns  Reitt.  sehr  nahe  stehend,  von  dem- 
selben durch  dickere  Fühler,  noch  stärker  abgesetzte  Fühler- 
keule, stärker  queres  achtes,  neuntes  und  zehntes  Fühlerglied, 
viel  tiefere  und  schärfer  begrenzte  Eindrücke  an  der  Basis  der 
Flügeldecken,  kräftiger  ausgebildetes  und  tiefer  begrenztes 
Humeralfältchen,  kleinere  Augen  und  bedeutendere  Größe 
differierend. 

Von  der  Größe  des  Euc.  Brenskeanus  Reitt.;  von  diesem 
schon  durch  die  dicken  Fühler  und  ganz  anders  geformten 
Halsschild  leicht  zu  unterscheiden. 


518  V.  Apfelbeck, 

Albanien.  In  den  Gebirgen  bei  Oroshi  und  Fandi  im 
Miriditengebiet,  in  Eichen-  und  Buchenwäldern  unter  tiefen 
Laublagen  nicht  selten. 

33.  Cephennium  (s.  str.)  albanicum  n.  sp. 

Infolge  der  dichten,  etwas  rauhen  Punktur  der  Flügel- 
decken, der  gedrungenen  Körperform  und  des  Baues  der  Vorder- 
schienen beim  cf  mit  C.  simile  Rei  tt.  nahe  verwandt,  von  diesem 
durch  feinere  Punktur  der  Flügeldecken,  sehr  fein,  aber  meist 
deutlich  und  ziemlich  dicht  punktierten  Halsschild,  noch  kür- 
zere und  gewölbtere  Körperform,  namentlich  kürzere,  an  der 
Spitze  breiter  verrundete  Flügeldecken  und  durchschnittlich 
geringere  Größe,  von  dem  gleich  großen  C.  carnicum  und 
C.  montenegrinum  Reitt.  durch  viel  gedrungeneren  und  gewölb- 
teren Körper,  die  Punktur  und  die  Bildung  der  Vorderschienen 
beim  cf,  von  C.  montenegrinum  außerdem  durch  gedrungenere 
Fühler,  queres  neuntes  und  zehntes  Glied  derselben  und  den 
Mangel  eines  Grübchens  innerhalb  der  Hinterecken  des  Hals- 
schildes leicht  zu  u.nterscheiden. 

cf :  Vorderschienen  gegen  die  Spitze  leicht  verdickt  und 
innen  nur  sehr  flach  oder  kaum  merklich  ausgerandet,  an  der 
Spitze  nicht  einwärts  gekrümmt.  Trochanteren  der  Vorder- 
beine einfach.  Metasternum  ziemlich  breit  und  seicht  einge- 
drückt (wie  bei  C.  aiistriacum). 

Albanien.  Merdita:  In  den  Gebirgen  bei  Oroshi  (Mal 
i  Sheit)  und  bei  Fandi  (Munela,  Zebia)  in  Buchenwäldern. 

34.  Cephennium  (s.  str.)  merditanum  n.  sp. 

Der  vorigen  Art  sehr  nahe  stehend  und  in  der  Körperform 
ziemlich  übereinstimmend,  von  derselben  jedoch  durch  wesent- 
lich bedeutendere  Größe,  dichtere,  stärker  abstehende  Be- 
haarung, weniger  dicht  punktierte  Flügeldecken,  etwas 
schwächer  verdickte  äußere  Fühlerglieder  und  beim  ^  innen 
vor  der  Spitze  deutlich  ausgerandete  Vorderschienen  diffe- 
rierend. 

(-f :  Vorderschienen  gegen  die  Spitze  erweitert  und  innen 
mit  einer  seichten,  aber  deutlichen,  kleinen  Ausrandung. 


Neue  Koleopteren.  519 

Länge  1  •  2  mm.  Vielleicht  nur  eine  Form  des  C.  alha- 
nicum  m. 

In  Gesellschaft  des  vorigen,  aber  viel  seltener. 

35.  Cephennium  (s.  str.)  cetinjense  n.  sp. 

Dem  C.  albaniciiin  Apf.  sehr  ähnlich  und  auch  in  der 
Größe  und  in  der  Bildung  der  Vorderschienen  beim  ^  über- 
einstimmend, von  diesem  durch  viel  schmälere  und  flachere 
Körperform,  namentlich  viel  schmäleren,  glatten  Halsschild, 
feinere,  weniger  rauhe  Punktur  der  Flügeldecken,  stärker 
queres  neuntes  und  zehntes  Fühlerglied  zu  unterscheiden. 

Von  C.  montenegrimim  Reitt.  durch  den  Mangel  eines 
Grübchens  innerhalb  der  Hinterecken  des  Halsschildes,  die  Be- 
haarung der  Oberseite,  worin  C.  cetinjense  mit  C.  carnicum 
Reitt.  übereinstimmt,  stark  queres  neuntes  und  zehntes  Fühler- 
glied, wesentlich  kürzeres,  weniger  zugespitztes  Endglied  der 
Fühler  und  die  wie  bei  C.  albanictim  gebildeten  Vorderschienen 
des  cT  differierend. 

Länge  0  •  9  funi. 

cT:  Trochanteren  der  Vorderbeine  einfach;  Metasternum 
etwas  seichter  als  bei  C.  alhanicnm  eingedrückt. 

Montenegro.  Bei  Cetinje  unter  abgefallenem  Laube  von 
Carpintis  dumensis  in  Mehrzahl  von  mir  gesammelt. 

86.  Cephennium  (Geodytes)  Ganglbaueri  n.  sp. 

Mit  C.  (Geodytes)  Saulcyi  Reitt.  nahe  verwandt  und  dem- 
selben in  hohem  Grade  ähnlich,  durch  stärkere  Wölbung,  ab- 
weichende Halsschildform,  breitere,  nach  hinten  weniger  ver- 
engte und  gewölbtere,  etwas  länger  und  abstehender  behaarte 
Flügeldecken  und  kürzeres  Schulterfältchen  derselben  diffe- 
rierend. 

Halsschild  breiter  und  gewölbter  als  bei  C.  Saulcyi,  an  den 
Seiten  viel  gleichmäßiger  gerundet,  im  vorderen  Drittel 
schwächer  ausgebaucht,  hingegen  zur  Basis  in  viel  stärkerer 
Rundung  —  aber  schwächer  —  verengt  als  bei  C.  Saulcyi,  äußerst 
fein,  erloschen  punktiert,  cf  Metasternum  in  der  Mitte  mit 
breiten"!  flachen  Längseindrucke. 

Länge  0*9  bis  1*0  tum. 


520  V.  Apfelbeck, 

Von  C.  ftilvum  Schaum,  mit  dem  es  im  Halsschildbau 
fast  übereinstimmt,  namentlich  durch  den  Mangel  eines  Schräg- 
eindruckes oder  eines  Grübchens  vor  den  Hinterecken  des 
Halsschildes,  viel  größeres  Basalgrübchen  und  feineres,  durch 
viel  seichtere  Intrahumeralstreifen  begrenztes  Schulterfältchen 
der  Flügeldecken,  längere  und  abstehendere  Behaarung  der- 
selben sowie  durch  das  wie  bei  C.  Saulcyi  gebildete  Metasternum 
des  cf  zu  unterscheiden. 

Albanien.  In  den  Buchenwäldern  der  merditanischen 
Gebirge  (Mal  iSheit,Apfelbec  kl  905;  Zebia,Winneguth  1906) 
unter  tiefen  Laublagen. 

37.  Bathyscia  (s.  str.)  merditana  n.  sp. 

y[\i  Bathyscia  silvestris  Mo t seh.  icelatd)  verwandt,  von 
derselben  durch  wesentlich  flacheren  und  breiteren  Körperbau, 
nicht  querrissig  punktierte  Flügeldecken,  beim  cT  dickere  und 
etwas  kürzere  Fühler,  stärker  quere  äußere  Glieder  derselben 
und  sehr  stark  erweiterte  Vordertarsen  des  cT  leicht  zu  unter- 
scheiden. 

Fühler  kurz,  die  Hinterecken  des  Halsschildes  nicht  über- 
ragend, zweites  Glied  wenig  oder  kaum  länger  als  das  erste, 
das  dritte  bis  sechste  klein,  wenig  oder  kaum  (6.)  länger  als 
breit,  das  siebente  vergrößert,  fast  doppelt  so  groß  als  das 
sechste,  gegen  die  Spitze  verdickt,  nicht  länger  als  breit,  das 
kleine  achte  sowie  das  neunte  und  zehnte  sehr  stark  quer, 
das  Endglied  mehr  als  doppelt  so  lang  als  das  vorletzte,  zu- 
gespitzt eiförmig  (länger  als  bei  celata). 

Seitenrand  des  Halsschildes  bei  seitlicher  Ansicht  in  deut- 
lichem, nach  unten  konvexem  Bogen  gekrümmt.  Flügeldecken 
ohne  Nahtstreifen.  Beine  kurz,  die  Mittelschienen  ziemlich  lang 
bedornt,  die  Hinterschienen  kürzer,  manchmal  schwer  sichtbar, 
bedornt.  Mesosternalkiel  nach  hinten  nicht  über  das  Meta- 
sternum verlängert,  vorn  ziemlich  hoch  erhoben,  mit  scharfer 
Spitze,  geradlinig  in  stumpfem  Winkel  zum  Prosternum  ab- 
fallend. 

cT:  Vordertarsen  sehr  stark  verbreitert,  fast  so  breit  als  die 
Schiene.  Vorderschienen  gegen  die  Spitze  leicht  und  allmählich 


Neue  Koleopteren.  o2I 

verbreitert  mit  konvexem  Innenrande  und  fast  gerader  Außen- 
kante. 

Länge  1  •  6  bis  1  •  7  mm. 

Von  Bathyscia  turcica  Reitt.  schon  durch  die  viel  be- 
deutendere Größe,  nicht  querrissige  Skulptur  der  Flügeldecken,, 
nach  hinten  nicht  lang  ausgezogene  Hinterwinkel  des  Hals- 
schildes etc.  leicht  zu  unterscheiden. 

Albanien.  Merdita,  im  Zebia-Gebirge  bei  Fandi  unter 
tiefen  Laublagen  (in  Gesellschaft  von  Bergrothiella  alhanica  m.) 
von  Präparator  A.  Winneguth  in  mehreren  übereinstimmenden 
Exemplaren  gesammelt. 

38.  Otiorrhynchus  albanicus  n.  sp. 

In  die  Gruppe  des  Ot.  granicoUis  Boh.  gehörig  und  dem- 
selben habituell  ziemlich  ähnlich.  Er  unterscheidet  sich  von 
diesem  durch  die  Skulptur  und  die  Form  des  Halsschildes, 
gröbere  und  tiefere  Punkte  in  den  Streifen  der  Flügeldecken, 
viel  kräftigere  Beine,  beim  cf  doppelt  so  breite  und  relativ 
kürzere  Schienen  und  in  beiden  Geschlechtern  viel  dickere,  mit 
einem  starken,  spitzen  Dorne  bewehrte  Schenkel. 

Halsschild  gröber  gekörnt,  die  Körner  auf  der  Scheibe  ab- 
geflacht und  nur  an  den  Seiten  mehr  minder  deutlich  pupilliert, 
an  den  Seiten  stärker  gerundet,  in  oder  etwas  hinter  der  Mitte 
am  breitesten,  vor  der  Basis  (namentlich  beim  9)  stärker  und 
plötzlicher,  mehr  minder  eingezogen,  verengt.  Rüssel  beim 
9  breiter  und  gegen  die  Spitze  schwächer  verengt  als  bei 
Ot.  granicoUis,  beim  (f  die  Augen  im  allgemeinen  flacher  als 
bei  der  verglichenen  Art.  Durchschnittlich  etwas  größer  als 
Ot.  granicoUis. 

(f:  Letztes  Abdominalsternit  dicht  und  kräftig  punktiert  und 
behaart  (wie  bei  Ot.  granicoUis). 

Albanien.  Merdita:  Gebirge  bei  Groshi  (Mal  i  Sheit)  und 
Fandi  (Munela,  Zebia).  Unter  Steinen  auf  Grasplätzen  nicht 
selten. 

39.  Otiorrhynchus  munelensis  n.  sp. 

Kleinen,  schmalen  Exemplaren  des  Ot.  albanicus,  namentlich 
im  männlichen  Geschlechte  in  hohem  Grade  ähnlich,  von  diesem 


522  V.  Apfelbeck, 

aber  durch  den  Besitz  deutlicher  Borstenreihen  auf  den 
Zwischenräumen  der  besonders  beim  ?  stark  abgeflachten, 
an  den  Seiten  viel  schwächer  gerundeten  Flügeldecken  leicht 
zu  unterscheiden.  Etwas  kleiner  als  Ot.  albmiicus,  der  Rüssel 
etwas  kürzer  und  breiter,  nach  vorn  deutlicher  verengt.  Hals- 
schild schmäler,  wenig  breiter  als  lang,  an  den  Seiten  weniger 
regelmäßig  gerundet,  weit  hinter  der  Mitte  am  breitesten,  grob 
gekörnt  und  mit  anliegenden  Haaren  einzeln  bekleidet.  Flügel- 
decken beim  cf  etwas,  beim  Q  viel  flacher  als  bei  Ot.  alhanicus, 
die  Punkte  der  Streifen  relativ  noch  tiefer  und  größer,  die 
Zwischenräume  auf  der  Scheibe  namentlich  beim  cf  deutlich 
schmäler  als  die  Punktstreifen,  mit  einer  regelmäßigen  Reihe 
feiner,  weißlicher,  haarförmiger  Börstchen  besetzt,  welche  am 
Abfalle  zur  Spitze  viel  steiler  abstehen  als  auf  der  Scheibe.  Alle 
Schenkel  gezähnt. 

cf :  Letztes  Abdominalsternit  dicht  und  kräftig  punktiert. 
Habituell  und  verwandtschaftlich  dem  Ot.  longipettnis 
Stier  1.  am  nächsten  stehend  und  neben  diesem  im 
System  e  i  n  z  u  r  e  i  h  e  n.  Von  Ot.  loiigipennis  durch  den  Mangel 
des  Tomentes  auf  den  Flügeldecken,  steifere  und  hinten  viel 
stärker  abstehende  Borstenreihen  derselben,  noch  schlankeren 
Körperbau  etc.  leicht  zu  unterscheiden. 

Albanien.  Merdita:  Munela-Gebirge  bei  Fandi.  Von  Latif 
Buljukbasic  in  einigen  Exemplaren  unter  Steinen  gesammelt 
(1905). 

40.  Otiorrhynchus  merditanus  n.  sp. 

Dem  Ot.  pedemontanns  Stierl.  ähnlich,  von  diesem  durch 
schlankere  Gestalt,  namentlich  viel  längeren  und  schmäleren, 
an  den  Seiten  viel  schwächer  gerundeten  Halsschild,  längere 
Flügeldecken,  längere  Behaarung  und  abweichende  Skulptur 
derselben,  etwas  breiteren,  nach  vorn  schwächer  verengten, 
viel  feiner  punktierten,  deutlich  gekielten,  längsrunzeligen 
Rüssel,  viel  flachere  Augen,  schlankere  Fühler  und  vollständig 
ungezähnte  Schenkel  differierend.  Halsschild  auf  der  Scheibe 
grob  und  tief  punktiert,  an  den  Seiten  fein  und  dicht  gekörnt, 
beim  cf  ziemlich  in  der  iMitte  am  breitesten,  gegen  die  Spitze 
und  Basis  gleichmäßig  und  allmählich  verengt,  beim  9  kürzer 


Neue  Koleopteren.  523 

und  meist  vor  der  Mitte  am  breitesten  und  dann  gegen  die 
Basis  mehr  verengt  als  zur  Spitze.  Flügeldecken  lang  oval,  mit 
vollständig  verrundeten  Schultern,  ziemlich  grob,  beim  9  feiner, 
punktiert  gestreift,  die  Zwischenräume  wenig  breiter  (cT)  oder 
mehr  als  doppelt  so  breit  (9)  als  die  Punktstreifen,  mit  einer 
unregelmäßigen  1  Reihe  feiner,  stellenweise  in  Punkte  aufgelöster 
Körner,  und  Reihen  feiner,  gelblicher,  anliegender,  hinten  längerer 
und  etwas  mehr  abstehender  Haare.  Beine  und  Fühler  schlank, 
rötlich  pechbraun,  die  Fühler  und  Tarsen  heller.  Fühler  schlanker 
und  etwas  länger  als  bei  Ot.  pedeinontamis,  das  zweite  Geißel- 
glied wesentlich  gestreckter  als  bei  diesem,  um  Yg  (cf)  oder 
um  ^/^  (9)  länger  als  das  erste,  die  äußeren  Glieder  kugelig. 
Alle  Schenkel  und  Schienen  einfach. 

cf :  Letztes  Abdominalsternit  dicht  chagriniert,  vor  der  Spitze 
geglättet  und  mit  einem  grübchenförmigen  Eindrucke  versehen. 
Schienen,  namentlich  die  mittleren  und  hinteren,  etwas  stärker 
gekrümmt  als  beim  9. 

9 :  Börstchen  der  Flügeldecken  reichlicher,  in  unregel- 
mäßigen Doppel-  oder  dreifachen  Reihen  auf  den  Zwischen- 
räumen verteilt. 

Albanien:  Merdita:  Munela-Gebirge  bei  Fandi,  in  der 
alpinen  Region  unter  Steinen  (Winneguth,  1906). 

41.  Otiorrhynchus  sitonoides  n.  sp. 

Dem  0/".  merditamts  A^{.\ind  Ot. pedemontanus  sehr  nahe 
stehend,  von  ersterem  durch  viel  dickere  Fühler,  andere 
Skulptur  und  abweichende  Behaarung  der  Flügeldecken,  von 
Ot.  pedemontamis,  mit  dem  er  —  das  wesentlich  längere  zweite 
Geißelglied  ausgenommen  —  im  Fühlerbau  übereinstimmt, 
durch  breiteren,  zur  Spitze  schwächer  verengten  Rüssel, 
wesentlich  längeren,  an  den  Seiten  schwächer  gerundeten,  auf 
der  Scheibe  runzelig  gekörnten  (nicht  zerstreut  punktierten) 
Halsschild,  viel  längere  und  mehr  gleich  breite,  an  den  Seiten 
schwächer  und  gleichmäßiger  gerundete,  dicht  rauh  punk- 
tierte Flügeldecken  und  wesentlich  längere,  dichtere  Pubeszenz 
derselben,  sowie  ungezähnte  Schenkel  und  etwas  bedeutendere 
Größe  differierend. 


1  d.  h.  stellenweise  verdoppelten. 
Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Kl. ;  CXVI.  Ed.,  Abt.  I.  35 


524  V.  Apfelbeck, 

Flügeldecken  äußerst  dicht  und  fein,  rauh  punktiert  und 
ziemlich  dicht  und  gleichmäßig  (nicht  in  Reihen)  mit  gelblichen, 
wenig  abstehenden  Härchen  bekleidet.  Fühler  kräftig,  das 
zweite  Geißelglied  um  die  Hälfte  länger  als  das  erste,  das 
dritte  kugelig,  das  vierte  schwach,  die  folgenden  zunehmend 
stärker  quer,  die  Keule  dicker  als  bei  Ot.  merditaniis.  Alle 
Schenkel  und  Schienen  einfach. 

Albanien.  Im  Malisorengebiet,  auf  der  Höhe  des  Maranai- 
gebirges  von  mir  aus  Graswurzeln  in  einigen  Exemplaren  er- 
beutet. 

42,  Otiorrhynchus  Titan  n.  sp. 

In  die  Verwandtschaftsgruppe  des  Ot.  imitator  Apf.  und 
Ot.  GaMglhaiieri  Stierl.  gehörig,  durch  die  Größe  und  die 
plumpe  Körperform  von  allen  verwandten  Arten  sofort  zu 
unterscheiden.  Die  meisten  Relationen  hat  die  neue  Art  mit 
Ot.  Ganglhaueri  Stierl.^ 

Von  der  typischen  Form  dieser  Art  differiert  Ot.  Titan  durch 
den  gegen  die  Spitze  viel  schwächer  verengten,  tief  gefurchten 
und  kräftig  gekielten  Rüssel,  viel  seichtere  Grübchenreihen  und 
breitere,  flachere,  reichlicher  punktierte  Zwischenräume  der 
Flügeldecken  und  schlankere  Fühler,  namentlich  die  schwach 
verdickten,  rundlichen,  nicht  queren  äußeren  Geißelglieder 
derselben,  sowie  schwächer  gezähnte  Vorderschenkel  und  viel 
bedeutendere  Größe. 

Flügeldecken  mit  weißlichen,  etwas  metallisch  glänzenden 
Schuppen  spärlich  bekleidet,  welche  zu  kleinen  Flecken  ver- 
einigt auf  der  Oberfläche  ziemlich  gleichmäßig  verstreut  sind 
und  gegen  die  Spitze  der  Flügeldecken  sich  nicht  (wie  bei 
Ot.  Ganglhaueri)  verdichten. 

Länge  10  mm,  Breite  5  nim. 

Albanien.  Merdita:  Munela-Gebirge  bei  Fandi.  Von  Latif 
Buljukbasic  in  zwei  Exemplaren  (9)  gesammelt. 

43.  Otiorrhynchus  (Cirrhorhynchus)  Winneguthi  n.  sp. 

Mit  Ot.  cribrostis  Germ,  und  capricornis  Apf.  sehr  nahe 
verwandt,  von  ersterem  durch  anders  geformten,  nicht  oder  nur 


1  Diese  Art  wurde  vor  vielen  Jahren  von  Parreyss  in  »Rumelien«  entdeckt. 


Neue  Koleopteren.  525 

sehr  undeutlich  gekielten  Halsschild,  kürzere  und  gewölbtere, 
hinten  weniger  zugespitzte,  gleichmäßiger  ovale  Flügeldecken, 
abweichenden  Fühlerbau,  beim  cf  vor  der  Spitze  nur  sehr 
schwach  ausgerandete  Mittelschienen  und  kürzeres 
zweites  Tarsenglied  sowie  durchschnittlich  geringere  Größe, 
von  Otiorhynclius  capricornis,  mit  dem  er  habituell  mehr  über- 
einstimmt, namentlich  durch  die  Halsschildform,  wesentlich 
längeres  zweites  Geißelglied  und  noch  schwächer  ausgerandete 
Mittelschienen  des  cf  differierend. 

Halsschild  beim  cT  viel  flacher,  an  den  Seiten  nur 
schwach  gerundet,  zur  Basis  und  Spitze  fast  gerad- 
linig und  allmählich  verengt,  in  oder  vor  der  Mitte  am 
breitesten,  beim  9  an  den  Seiten  stärker  gerundet,  aber  immer 
noch  viel  schwächer  als  bei  den  verglichenen  Arten,  mit  sehr 
subtilem,  zumeist  kaum  angedeutetem  Mittelkiele.  Fühler 
kürzerund  kräftiger  als  bei  Ot.cribrosus,  das  zweite  Geißel- 
glied wesentlich —  mindestens^/3  — -  länger  als  das 
erste,  die  äußeren  sehr  wenig  länger  als  breit. 

Albanien.  Merdita:  Munela-Gebirge  bei  Fandi.  Von  Prä- 
parator Adolf  Winneguth  in  Anzahl  von  jungen  Rotbuchen 
geklopft  (Juni  1906). 

44.  Otiorrhynchus  corruptor  rhamnivorus  n.  subsp. 

Vom  typischen,  als  Weinschädling  bekannten  Otiorhyn- 
chus  corruptor  durch  kürzere,  kräftigere  Fühler,  vorn  stärker 
verbreiterten,  zur  Basis  stärker  verengten  Halsschild  und  die 
Beschuppung  der  Flügeldecken,  worin  Ot.  rhamnivorus  mehr 
mit  Ot.  armatus  übereinstimmt,  abweichend.  Flügeldecken 
ähnlich  wie  bei  diesem  mit  einzelnen,  ziemlich  gleichmäßig 
verteilten,  nicht  zusammenfließenden  Sc  huppen  flecken 
bekleidet.    Im    übrigen   mit  Ot.  corruptor  übereinstimmend. 

Albanien.  Merdita:  Mal  i  Sheit-Gebirge  bei  Oroshi.  Auf 
Rlianintis  alphms  nicht  selten. 

45.  Otiorrhynchus  (Tournieria)  Steindachneri  n.  sp. 

Dem  Ot.  Raddei  Stierl.  am  nächsten  stehend,  von  dem- 
selben   hauptsächlich    durch    den   Füblerbau,    breiteren   Hals- 

35* 


526  V.  Apfelbeck,  Neue  Koleopteren. 

Schild,   die  Skulptur  der  Flügeldecken   sowie  gezähnte  Mittel- 
und  Hinterschenkel  differierend. 

Schwärzlich  pechbraun,  fein  anliegend  behaart.  Stirn 
doppelt  so  breit  als  der  Durchmesser  eines  Auges.  Fühler 
schlank,  das  zweite  Geißelglied  etwas  länger  als  das  erste,  die 
äußeren  deutlich  länger  als  breit,  nur  das  fünfte  fast  so  breit 
als  lang.  Halsschild  wesentlich  breiter  als  lang,  an  den  Seiten 
mäßig  gerundet,  etwas  hinter  der  Mitte  am  breitesten,  fein 
gekörnt,  die  Körner  mit  seitlich  eingestochenen  Punkten,  aus 
denen  lange,  anliegende,  gegen  die  Mitte  gerichtete  Haare  ent- 
springen. Flügeldecken  gleichmäßig  länglich-oval,  mit  feinen, 
gelblichen,  anliegenden  Haaren  gleichmäßig,  aber  wenig  dicht 
bekleidet,  fein  punktiert-gestreift,  die  Zwischenräume  breit, 
mit  einer  ziemlich  regelmäßigen  Doppelreihe  feiner 
Punkte,  welche  nach  außen  in  feine  Körner  übergehen.  Beine 
normal,  alle  Schenkel  gezähnt,  die  vorderen  stärker  verdickt 
und  kräftiger  gezähnt.  Zähne  klein  und  spitz. 

Habituell  sehr  an  Ot.Starcki  Ret.  erinnernd,  mit  ihm  auch 
in  der  Größe  übereinstimmend,  von  diesem  durch  kräftigere  und 
viel  kürzere  Fühler,  die  kurzen  äußeren  Geißelglieder  derselben, 
breiteren  Halsschild,  längere  Behaarung,  hinten  breiter  ver- 
rundete Flügeldecken,  mit  kleinem  Zahne  versehene  \'order- 
schenkel  und  gezähnte  Mittel-  und  Hinterschenkel  differierend. 

Von  Ot.  maxillosus  Gyllh.  schon  durch  die  anliegende  Be- 
haarung, flachere  und  längere  Flügeldecken  und  viel  schwächer 
verdickte  Schenkel  leicht  zu  unterscheiden. 

Albanien:  Merdita:  Munela-Gebirge  bei  Fandi,  in  der 
alpinen  Region  auf  P/««5  leucoderniis  (Winneguth  1906), 

Herrn  Hofrat  Dr.  Franz  Steindach ner,  Intendanten  des 
k.  k.  Naturhistorischen  Hofmuseums,   ehrerbietigst  zugeeignet. 


527 


Die  Sehildkrötenfamilie  Cinosternidae  m. 

Monographisch  bearbeitet 

von 

Kustos  F.  Siebenrock. 

(Mit  2  Kartenskizzen,  2  Tafeln  und  8  Textfiguren. 
(Vorgelegt  in  der  Sitzung  vom  14.  März  1907.) 

Die  Familie  Cinosternidae  m.  umfaßt  die  beiden  Sub- 
fa.m\\\ex\Stanrotypitiae\indCi^iosteminae,  von  denen  die  erstere 
aus  den  zwei  Gattungen  Claudius  Cope  und  StatirotypusW s.g\. 
besteht,  während  zur  anderen  Subfamilie  die  einzige  Gattung 
Ciuostertiiim  Spix  gehört.  Die  Gattungen  Claudius  Cope  und 
Staurotypus  Wagl,  früher  mit  Dermatemys  Gray  zur  Familie 
Dermatemydidae  vereinigt,  mußten  von  ihr  abgetrennt  werden, 
weil  sie  einem  ganz  anderen  Formenkreis  angehören  als  die 
letztere  Gattung. 

Die  Dermatemydidae  können  nach  ihren  morphologischen 
und  habituellen  Merkmalen  im  System  nicht  zwischen  die 
Chelydridae  und  Cinosternidae  eingereiht  werden,  wie  es  bisher 
geschah,  sondern  sie  haben  an  den  Schluß  der  chelydroideen 
Schildkrötengruppe  gestellt  zu  werden.  Es  unterliegt  keinem 
Zweifel,  daß  die  Cinosternidae  phylogenetisch  von  den  Che- 
lydridae abzuleiten  sind,  was  nach  einigen  sehr  gewichtigen 
morphologischen  Merkmalen  zu  beweisen  nicht  unschwer  ge- 
lingt. Dafür  kommt  hauptsächlich  das  Verhalten  der  rippen- 
ähnlichen Fortsätze  am  Nuchale  und  die  Form  des  Plastrons 
samt  seiner  Verbindungsweise  mit  der  Rückenschale  in  Betracht. 
Danach  ergibt  sich  folgende  phylogenetische  Reihenfolge  der 
Gattungen  beider  Familien:  1.  Chelydra  Schw.,  2.  Devisia 
Ogilby,  3.  Macroclemmys  Gray,  4.  Claudius  Cope,  5.  Stauro- 
typus Wagl.  und  6.  Cinosternum  Spix. 


528  F.  Siebenrock, 

Daß  die  CheJydridae  phylogenetisch  älter  sein  dürften  als 
die  Cinostertiidae,  geht  schon  daraus  hervor,  weil  von  der 
ersteren  Familie  sowohl  in  Europa  als  auch  in  Nordamerika 
wiederholt  fossile  Tiere  gefunden  wurden,  während  solche 
Funde  von  den  Cinosternidae  bisher  noch  nie  gemacht  worden 
sind.  Letztere  Familie  hat  sich  wahrscheinlich  im  oberen 
Quartär  von  den  Chelydridae  abgetrennt. 

Für  die  hier  angeführten  Tatsachen  den  Nachweis  zu 
erbringen,  soll  die  Aufgabe  der  vorliegenden  Abhandlung 
bilden.  Im  Anschlüsse  folgt  die  systematische  Bearbeitung  der 
Familie  Cinosternidae  nach  teilweise  neuen  Gesichtspunkten 
und  mit  besonderer  Berücksichtigung  der  Zoogeographie  sowie 
der  Biologie  nach  Maßgabe  von  Mitteilungen,  welche  in  der 
Literatur  verzeichnet  sind.  So  findet  beispielsweise  der  Nasen- 
schild, dessen  Form  bei  den  einzelnen  Arten  der  Gattung 
Cinostertiiim  Spix  sehr  charakteristisch  ist,  als  vorzügliches 
Unterscheidungsmerkmal  in  der  Systematik  Anwendung.  Außer- 
dem wird  der  Nachweis  erbracht,  daß  die  Horntuberkelflecke 
an  den  Hinterfüßen  der  Männchen,  deren  physiologische  Be- 
deutung überhaupt  noch  nie  in  Erwägung  gebracht  wurde,  als 
Stridulationsorgane  aufzufassen  sind,  wie  sie  bei  einigen 
Insektengruppen  vorzukommen  pflegen. 

An  der  Hand  eines  reichlichen  Materials,  welches  ich  teil- 
weise dem  liberalen  Entgegenkommen  der  Museen  in  Berlin, 
München,  Petersburg,  Stockholm,  Stuttgart  und  Wiesbaden 
verdanke,  wurde  es  mir  ermöglicht,  einige  zweifelhafte  Fragen 
einer,  wie  ich  glaube,  definitiven  Lösung  zugeführt  zu  haben. 
Es  gereicht  mir  daher  zur  angenehmen  Pflicht,  nachbenannten 
Herren:  Prof.  G  Tornier,  L.  Müller,  Kustos  L.  S.  Berg,  Prof. 
E.  Lönnberg,  Oberstudienrat  Prof.  K.  Lampert  und  Kustos 
E.  Lampe  für  die  Förderungen  meiner  wissenschaftlichen 
Bestrebungen  den  verbindlichsten  Dank  auszusprechen.  Zu 
besonderem  Danke  aber  fühle  ich  mich  Herrn  Prof.  Stejneger 
verpflichtet,  durch  dessen  Fürsprache  die  herpetologische 
Sammlung  unseres  Museums  drei  Exemplare  Cinosternnin  sono- 
riense  Leconte  und  ein  Exemplar  C.  hanrii  Gar  man  von  der 
Smithsonian  Institution  in  Washington  zum  Geschenk  erhielt. 
Schließlich    muß    ich    noch    der    großen    Opferwilligkeit    des 


Die  Schildkrötenfamilie  Cinosfernidae  m.  529 

Intendanten  Herrn  Hofrates  F.  Steindachner  gedenken,  dem 
das  Museum  nicht  nur  den  größten  Teil  der  chelonologischen, 
sondern  der  herpetologischen  Sammlung  überhaupt  verdankt. 


Die  beiden  Gattungen  Clandms  Cope  und  Staurotypus 
Wagl.  hat  Boulenger  in  seinem  Catalogue  of  the  Chelonians 
etc.,  1889,  mit  Z)6'r;«a/ewjV5  Gray  in  die  Fa.xn\\\e  Dermatentydidae 
vereinigt.  Diese  Vereinigung  scheint  mir  keine  natürliche  zu  sein, 
denn  vergleicht  man  Dermateinys  Gray  mit  den  beiden  vorher- 
gehenden Gattungen,  so  lehrt  sowohl  die  allgemeine  Körperform 
als  auch  der  einschneidende  Unterschied  bei  vielen  und  gewich- 
tigen habituellen  sowie  morphologischen  Merkmalen,  daß  Der- 
niatemys  Gray  einer  ganz  anderen  Schildkrötengruppe  ange- 
hören müsse  wie  Claudius  Cope  und  Staurotypus  Wagl.  Ja,  die 
letzteren  haben  in  vieler  Hinsicht  mit  Cinosternum  Spix  eine 
so  auffallende  Ähnlichkeit,  abgesehen  von  der  ungleichen  Zahl 
ihrer  Plastralknochen,  daß  sie  mit  Fug  und  Recht  in  eine  Familie 
vereinigt  werden  können. 

Boulenger  1.  c.  führt  als  gemeinsame  P'amilienmerkmale 
der  drei  Gattungen  Dermatemys  Gray,  Staurotypus  W a. gl.  und 
Claudius  Cope  die  Form  der  Schwan zwirbel,  die  Zahl  der 
Plastralknochen  und  das  Verhalten  der  Schambeinfuge  zur  Sitz- 
beinfuge an.  Weil  sie  aber  außerdem  Merkmale  sowohl  mit  den 
Chelydridae  als  auch  mit  den  Cinosternidae  gemeinsam  auf- 
weisen, stellt  der  genannte  Autor  die  Dermatemydidae  zwischen 
die  beiden  Familien. 

Allein  nach  meiner  Überzeugung  gehört  die  Gattung 
Dermatemys  Gray  überhaupt  nicht  zu  den  Chelydroidea, 
welche  Bezeichnung  von  Baur  (Amer.  Nat.,  XXVII,  1893) 
für  die  ganze  Gruppe  gewählt  wurde,  sondern  sie  steht  zu 
diesen  im  selben  Verhältnisse  wie  die  Gattung  Platysternum 
Gray  zur  Gruppe  der  Testudinoidea.  Die  beiden  anomalen 
Gattungen  Dermatemys  Gray  und  Platysternum  Gray  bilden 
einen  höchst  interessanten  Parallelismus  in  der  Ordnung  der 
rezenten  Schildkröten,  wie  man  ihn  im  Tierreiche  wiederholt 
wahrzunehmen  vermag,  und  ihre  systemaüsche  Position  dürfte 


530 


F.  Sieben  rock, 


erst  dann  endgültig  festgestellt  werden  können,  wenn  einmal 
die  fossilen  Zwischenformen  bekannt  geworden  sind. 

Werden  die  Merkmale  der  Gattungen  Dermatemys  Gray, 
Claudius  Cope  +  Staurotj'pus  W ag\.  und  Cinosternuni  Spix 
tabellarisch  zusammengefaßt,  wie  dies  im  nachfolgenden  zur 
besseren  Übersicht  geschehen  soll,  so  ergibt  sich  die  Begründung 
meiner  vorher  ausgesprochenen  Behauptung  von  selbst. 


Dennafemys  Gray 


Claudius  C  o  p  e  +  Stau- 
rotypns  Wagl. 


Cinosternum  Spix 


1.  Schwanzwirbel pro- 
coel. 

2.  Neun  Plastralkno- 
chen. 

3.  Sitzbeinfuge  ge- 
trennt von  der 
Schambeinfuge. 


4.  Ein  Lendenwirbel 
anwesend. 

5.  Achtes  Kostalplat- 
tenpaarmäßig  groß, 
ohne  Höcker  für  das 
Becken. 

6.  Elf  Marginalplatten 
und  zwölf  Margi- 
nalschilder. 

7.  Die  Breite  der 
Brücke  übertrifft  die 
Länge  des  Hinter- 
lappens. 

8.  Frontalia  groß,  sie 
begrenzen  die  Au- 
genhöhle. 

9.  Maxillare  vomQua- 
dratojugale  ge- 
trennt. 

10.  Kieferrändergesägt. 

11.  Auf  der  Kaufläche 
des  Oberkiefers  eine 
Längsleiste. 


1.  Schwanzwirbel pro- 
coel. 

2.  Neun  Plastralkno- 
chen. 

3.  Sitzbeinfuge  ge- 
trennt von  der 
Schambeinfuge. 


4.  Zwei  Lendenwirbel 
anwesend. 

5.  Achtes  Kostalplat- 
tenpaar  klein,  mit 
einem  Höcker  für 
das  Becken. 

6.  Zehn  Marginalplat- 
ten und  elf  Margi- 
nalschilder. 

7.  Die  Breite  der 
Brücke  erreicht  nie 
die  Länge  des  Hin- 
terlappens. 

8.  Frontalia  klein,  sie 
erreichen    den    Au- 
genhöhlenrand 
nicht. 

9.  Maxillare  mit  dem 
Quadratoj  ugale  ver- 
bunden. 

10.  Kieferränder  glatt. 

1 1 .  Kaufläche  des  Ober- 
kiefers glatt. 


1.  Schwanzwirbel  pro- 
coel. 

2.  Acht  Plastralkno- 
chen. 

3.  Sitzbeinfuge       ver- 
bunden-    mit      der 
Schambeinfuge 
oder    getrennt   von 
derselben. 

4.  Zwei  Lendenwirbel 
anwesend. 

5.  Achtes  Kostalplat- 
tenpaar  klein,  mit 
einem  Höcker  für 
das  Becken. 

6.  Zehn  Marginalplat- 
ten und  elf  Margi- 
nalschilder. 

7.  Die  Breite  der 
Brücke  erreicht  nie 
die  Länge  des  Hin- 
terlappens. 

8.  Frontalia  klein,   sie 
erreichen    den  Au- 
genhöhlenrand 
nicht. 

9.  Maxillare  mit  dem 
Quadratojugale  ver- 
bunden. 

10.  Kieferränder   glatt. 

1 1 .  Kaufläche  des  Ober- 
kiefers glatt. 


Die  Schildkrötenfamilie  Cinostevnidae  m. 


531 


Dennatemys  Gray 


Claudius  C  o  p  e  +  Stati- 
rotypiis  Wagl. 


Cinosternum  Spix 


12.  Ein        Nasenschild 
fehlt. 

13.  Dermalanhänge  am 
Kinn  fehlen. 

14.  Zweiter  Halswirbel 
bikonvex. 

15.  Schenkelhaut  bei  rf 
hinten  glatt. 


12.  Nasenschild  anwe- 
send. 

13.  Dermalanhänge  am 
Kinn  vorhanden. 

14.  Dritter  Halswirbel 
bikonvex. 

15.  Schenkelhaut  bei  (^ 
hinten  mit  Horn- 
tuberkelflecken. 


12.  Nasenschild  anwe- 
send. 

13.  Dermalanhänge  am 
Kinn  vorhanden. 

14.  Dritter  Halswirbel 
bikonvex. 

16.  Schenkelhaut  bei  (^f 
hinten  mit  Horn- 
tuberkelflecken. 


Es  darf  dabei  allerdings  nicht  übersehen  werden,  daß  trotz 
der  vielen  übereinstimmenden  Grundzüge  im  Bauplane  der 
Gattungen  Claudius  Cope  und  Statirotypus  Wagl.  einerseits, 
sowie  bei  Ciuosternimi  Spix  andrerseits  sich  wieder  Unter- 
schiede in  der  Zahl  der  Plastralknochen,  in  der  Anordnung 
der  Neuralplatten  etc.  zeigen,  welche  mehr  als  einen  generischen 
Charakter  zur  Schau  tragen.  Die  Absicht  nun,  einerseits  die 
Zusammengehörigkeit  der  drei  Gattungen  hervorzuheben, 
anderseits  aber  die  mehr  als  generische  Selbständigkeit  von 
Cinosternum  Spix  den  zwei  anderen  Gattungen  gegenüber 
anzudeuten,  dürfte  am  besten  durch  die  Aufstellung  zweier 
Subfamilien  erreicht  werden. 

Somit  haben  wir  für  die  Gruppe  der  Chelydroidea  folgendes 
Schema: 

iChelydra  Schw. 
Devisia  Ogilby. 
Macroclemtnys  Gray. 


2.  Familie     [  Subfam.  Staurotyjmmef 


,/  Claudius  Cope 

,  \StaurotypusV^Sig\. 

Cinostermdae  |„,^        ^.       ,       .        r  r^.       ,  c- 

[Subfam.  Cinostermnae{  Cinosternum  bpix. 


Schon  vor  dem  Erscheinen  von  Boulenger's  Katalog  ver- 
einigte Cope  (Bull.  Un.  Stat.  Nat.  Mus.,  Nr.  32,  1887)  die 
Gattungen  Staurotypus  Wagl.  und  Cinosternum  Spix  in  die 
Familie  Cinostermdae  mit  der  irrtümlichen  Begründung,  daß 


532  F.  Sieb  enrock, 

beiden  Gattungen  das  Entoplastron  fehle,  während  der  genannte 
Autor  die  Gattung  Claudius  Cope  mit  CheJydra  Schw.  in  die 
Familie  Chelydridae  zusammenfaßte.  Nach  dem  Erscheinen  von 
Boulenger's  Katalog  war  es  Baur  1.  c,  welcher  Claudius 
Cope  und  Statirotypus  W a.g\.  auf  Grund  osteologischer  Merk- 
male von  den  Dermatemydidae  trennte,  um  diese  Gattungen  zu 
einer  selbständigen  Familie  zu  erheben,  die  er  ganz  richtig 
zwischen  die  Chelydridae  und  Ciiiosternidae  stellte.  Die  beiden 
Gattungen  müssen  aber  der  letzteren  Familie  viel  näher  gerückt 
werden  als  den  Chelydridae  und  dies  soll  durch  die  Bildung 
der  zwei  Subfamilien  Staurotypinae  und  Cinosterninae  und  ihre 
Vereinigung  in  eine  gemeinsame  Familie  zum  Ausdrucke 
gelangen. 

Um  die  systematische  Stellung  der  Familie  Ciuosternidae 
genauer  zu  präzisieren,  folgt  hier  eine  Synopsis  jener  krypto- 
diren  Schildkröten,  deren  Schale  mit  Hornschildern  bedeckt  ist 
und  welche  nach  dem  Verhalten  der  Pektoralen  zu  den  Mar- 
ginalen in  zwei  Gruppen  geteilt  werden  können. 
I.  Gruppe.    Pektoralschilder    mit    den    Marginalen    verbunden 

Tcstudinidae. 
II.  Gruppe.    Pektoralschilder    von     den    Marginalen     getrennt. 

A.  Gliedmaßen     mit    deutlichen    Fingern    beziehungsweise 
Zehen,  davon  4  bis  5  mit  Klauen  versehen. 

a)  Schwanz  mehr  wie  halb  so  lang  als  die  Schale. 

a)  Plastron  klein,  kreuzförmig Chelydridae.  1_ 

ß)  Plastron  groß PJatysternidae.  4. 

b)  Schwanz  nicht  halb  so  lang  als  die  Schale. 

ci!)  Rückenschale  mit  23  Marginalen  .  .  .  Ciuosternidae.  2. 
ß')  Rückenschale  mit  25  'b^la.vgmaXen . Dermatemydidae.'d. 

B.  Gliedmaßen    mit    Ruderfüßen,    nur    1    bis  2  Klauen    an- 
wesend    Chelonidae. 

Die    Untergruppe  A  zerfällt   wieder  in  folgende  Familien 

und  Gattungen: 

1.  Familie  Chelydridae. 

Chelydridae,  Boul enger,  Cat.,  1889,  p.  19;— Baur,  Amer.  Nat.,  XXVII,  1893, 
p.  673;    —   Douglas   Ogilby,   Proc.  R.  Soc.  Queensl.  XIX,    1905,   p.  9. 

Chersemyda  part.,  Strauch,  Mem.  Ac.  St.  Petersb.,  (7),  XXXVIII,  Nr.  2,  1890, 
p.  10. 


Die  Schildkrütenlamilie  Cinosternidae  m.  533 

Rückenschale  mit  25  Marginalen;  Plastron  klein,  kreuz- 
förmig, mit  der  Rückenschale  durch  Gomphose  verbunden; 
Vorderlappen  unbeweglich,  Entoplastron  anwesend;  9  Plastral- 
schilder;  Kinn  mit  Dermalanhängen,  Schwanz  lang. 

1.  Supramarginalschilder  abwesend;  Augenhöhlen  aus- 
und  aufwärts  gewendet;  Schwanz  unten  mit  großen 
Schuppen  bedeckt Chelydra. 

2.  Supramarginalschilder  abwesend;  Augenhöhlen  seit- 
wärts gewendet;  Schwanz  unten  mit  Schuppen  von 
verschiedener  Größe  bedeckt Devisia. 

3.  3  bis  4  Supramarginalschilder  beiderseits  anwesend; 
Augenhöhlen  seitwärts  gewendet;  Schwanz  unten  mit 
kleinen  Schuppen  bedeckt Macroclemmys. 

2.  Familie  Cinosternidae. 

Cherseinyda  part.,  Strauch,  Mem.  Ac.St.Petersb.,  (7)XXXVm,  Nr.  2,  1890,  p.  10" 
Emysaiiriäae,  Vaillant,  Ann.  Sc.  Nat.,  (7),  XVI,  1894,  p.  341. 

Rückenschale  mit  23  Marginalen;  Kinn  mit  Dermal- 
anhängen; Schwanz  kurz. 

2  a.  Subfamilie  Staurotypinae. 

Dermatemydiäae  part.,  Boulenger,  Cat.,  1889,  p.  27. 
Staiirotypidae,  Baur,  Amer.  Nat.,  XXVII,  1893,  p.  674. 

Plastron  klein,  kreuzförmig,  Entoplastron  anwesend;  7  bis 
9  Plastralschilder. 

1.  Plastron  mit  der  Rückenschale  durch  Bandmasse  ver- 
bunden, Vorderlappen  unbeweglich Claiiditis. 

2.  Plastron  mit  der  Rückenschale  durch  feste  Naht  ver- 
bunden, Vorderlappen  beweglich   Stmirotyptis. 

2  h.  Subfamilie  Cinosterninae. 

Cinosternidae,  Boulenger,  Cat.,  1889,  p.  33. 
Kinosternidae,  Baur,  Amer.  Nat.,  XXVII,  1893,  p.  674. 

Plastron  klein  oder  groß,  Entoplastron  abwesend,  10  oder 
1 1  Plastralschilder  vorhanden Cinosterimm. 

3.  Familie  Dermatemydidae. 

Dennaiemydidae  Tpart.,  Boulenger,  Cat.,  1889,  p.  27. 

Dermatemydidae,  Baur,  Amer.  Nat.,  XXVIII,  1893,  p.  673;  —Vaillant,  Ann.  Sc. 
Nat.,  (7),  XVI.  1894,  p.  339. 


534  F.  Siebenrock, 

Chersemyda  part.,  Strauch,  Mem.  Ac.  St.  Petersb.,  (7)  XXXVIII,  Nr.  2,  1890, 
p.  10. 

Rückenschale  mit  25  Marginalen;  Plastron  groß,  mit  der 
Rückenschale  durch  eine  breite  Brücke  unbeweglich  ver- 
bunden, 11  oder  mehr  Plastralschilder  anwesend;  Kinn  ohne 
Dermalanhänge,  Schwanz  kurz Dermatemys. 

4.  Familie  Platysternidae. 

Platysternidae,  Boul enger,  Cat.,  1889,  p.  45;  —  Baur,  Amer.  Nat.,  XXVII, 
1893,  p.  674;  —  Vaillant,  Ann.  Sc.  Nat.,  (7),  XVI,  1894,  p.  341. 

Chersemyda  part.,  Strauch,  Mem.  Ac.  St.  Petersb.,  (7),  XXXVIII,  Nr.  2,  1890, 
p.  10. 

Rückenschale  mit  25  Marginalen;  Plastron  groß,  mit  der 
Rückenschale  durch  Bandmasse  verbunden,  12  Plastralschilder 
anwesend;  Kinn  ohne  Dermalanhänge,  Schwanz  lang 

Platysternum. 

Während  von  den  Chelydridae  fossile  Reste  schon  aus  dem 
Miocän  (Hay,  Bull.  Amer.  Mus.  Nat.  Hist,  XXI,  1905)  bekannt 
geworden  sind,  fehlen  bis  jetzt  noch  ähnliche  Funde  von  Ver- 
tretern der  Familie  Cinosternidae.  Auch  die  beiden  Gattungen 
Anosteira  Leidy  und  Pseudotrionyx  Dollo,  in  denen  Hay  1.  c, 
XXII,  1906,  mit  Stmirotypus  W ag\.  und  Dermatemys  Gray  zu- 
nächstverwandte Formen  zu  erblicken  glaubte,  gehören  nicht 
hieher.  Das  Plastron  von  Anosteira  Leidy  und  Pseudotrionyx 
Dollo  besitzt  zwar  einige  Ähnlichkeit  mit  jenem  von  Stanro- 
typus  Wagl.,  aber  es  fehlt  den  beiden  Gattungen  das  Haupt- 
kriterium für  die  Zugehörigkeit  zu  den  Staurotypinae,  nämlich 
die  Anwesenheit  der  rippenartigen,  seitlichen  Fortsätze  an  der 
Nuchalplatte,  denn  gerade  bei  dieser  Subfamilie  sind  die 
genannten  Fortsätze  stark  entwickelt.  Daß  dieselben  auch  bei 
fossilen  Formen  vorhanden  sein  können,  beweisen  die  von 
H.  V.  Meyer  (Fossile  Säugetiere,  Vögel  und  Reptilien  aus  dem 
Molassemergel  von  Oeningen,  Frankfurt  1845,  und  Palaeontogr., 
II,  1852,  IV,  1856  und  XV,  1865  bis  1868)  beschriebenen 
Chelydra- Arien  murcMsoni  und  decheni. 

Über  die  systematische  Stellung  der  Gattung  Pseudo- 
trionyx Dollo  haben  sich  schon  Lydegger  und  Boulenger 
(Geol.  Mag.,  New  Ser.,  IV,  1887)  dahin  geäußert,  daß  sie  nicht 


Die  Schildkrötenfamilie  Cinosternidae  m. 


535 


zu  den  Chelydridae  gehören  könne,  wie  Dollo  (Bull.  Mus. 
d'Hist.  Nat.  Belgique,  IV,  1886)  vermutet  hatte,  sondern  wegen 
der  Abwesenheit  von  Dermalschildern  eine  selbständige  Familie 
bilden  müsse. 

Nicht  so  klar  liegt  die  Sache  bei  AgompJms  Cope  aus  der 
oberen  Kreide  New  Jerseys.  Hier  glaubt  Wieland  (Amer.  Journ. 
Sc,  XX,  1905)  nach  der  Anwesenheit  einer  Grube  in  der  ersten 


CinostcrrMae 


licccnt 

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FriniiUvc   CryptodircL- 


Kostalplatte  den  Schluß  ziehen  zu  können,  daß  die  Nuchalplatte 
rippenartige,  seitliche  Fortsätze  besessen  habe.  Daher  stellt  der 
genannte  Autor  diese  Gattung  mit  Rücksicht  auf  die  Form  des 
Plastrons  zu  den  Dermatemydidae,  obwohl  der  Habitus  der 
Schale  nach  den  bisher  gefundenen  Resten  eher  auf  eine  Land- 
ais Flußschildkröte  hindeuten  würde. 

In  der  gleichen  Weise  wie  Wieland  äußert  sich  Hay  (1.  c, 
XXII,  1906)  über  die  systematische  Stellung  von  Agoniphns 
Cope,  indem  er  diese  Gattung  mit  Adoctis  Cope  zu  den  Der- 
inatemydidae  rechnet,  obwohl  bei  Adocus  Cope  bisher  noch 
keine  Spur  von  rippenartigen,  seitlichen  Fortsätzen  an  der 
Nuchalplatte  gefunden  wurde. 


536  F.  Siebenrock, 

Der  Ansicht  Hay's  1.  c,  daß  diese  Fortsätze  bei  primitiven 
Schildkröten  gefehlt  hätten,  kann  ich  nicht  beipflichten.  Gerade 
das  Vorhandensein  derselben  deutet  auf  einen  primären  Zu- 
stand hin,  weil  sie  auch  bei  jungen  Individuen  vieler  Eniydidae 
vorhanden  sind  und  erst  im  Laufe  der  Weiterentwicklung  ver- 
loren gehen, 

Hay  (1.  c,  XXI,  1905)  leitet  die  Gattungen  Claudius  Cope 
und  Staurotypiis  Wagl.,  welche  er  nach  dem  Vorbilde 
Boulenger's  mit  Dermatemys  in  eine  Familie  vereinigt,  von 
den  Tretosternidae  ab  und  die  Cmosternidae  erwähnt  der 
genannte  Autor  überhaupt  nicht.  Nach  meinen  vorhergegangenen 
Darlegungen  sind  die  Cmosternidae,  aus  den  Subfamilien 
Staurotypinae  und  Cinosternitiae  bestehend,  direkt  von  den 
CheJydridae  abzuleiten,  wie  es  das  phylogenetische  Schema 
auf  der  vorhergehenden  Seite  veranschaulichen  soll. 

Das  Hauptkriterium  derchelydroiden  Schildkröten  besteht, 
wie  schon  erwähnt  wurde,  im  Vorhandensein  von  rippenartigen, 
seitlichen  Fortsätzen  am  Nuchale,  welche  den  vordersten  Margi- 
nalplatten  unten  anliegen.  Diese  Fortsätze  besitzen  die  Chely- 
dridae  in  der  größten  Ausdehnung,  etwas  kürzer  sind  sie  schon 
bei  den  Staurotypinae  und  wieder  kürzer,  aber  immerhin  noch 
sehr  gut  entwickelt  bei  den  Cinosterninae. 

Hand  in  Hand  mit  dieser  Tatsache  geht  die  Form  und 
Verbindungsweise  des  Plastrons  mit  der  Rückenschale.  Bei  den 
Chelydridae  ist  das  kleine,  kreuzförmige  Plastron  mit  der 
Rückenschale  durch  Bandmasse,  respektive  durch  Gomphose 
verbunden,  Vorder-  und  Hinterlappen  unbeweglich,  und  im 
ersteren  liegt,  von  Fontanellen  umgeben,  das  kleine,  stabförmige 
Entoplastron.  Ein  ähnliches  Verhalten  finden  wir  diesbezüglich 
auch  bei  der  Gattung  Claudius  Cope,  nur  sind  am  Vorder- 
lappen des  Plastrons  die  Fontanellen  verschwunden,  dafür  aber 
hat  sich  das  Entoplastron  mehr  in  die  Breite  entfaltet.  Bei  der 
nächsten  Gattung  Staurotypus  Wagl.  ist  das  Plastron  schon 
in  feste  Verbindung  mit  der  Rückenschale  getreten  und  der 
Vorderlappen  beweglich  geworden.  Somit  bilden  die  beiden 
Gattungen  der  Subfamilie  Staurotypinae  eine  fortgesetzte 
phylogenetische  Entwicklungsreihe,  an  die  sich  die  Subfamilie 
Cinosterninae  unmittelbar  anschließt. 


Die  Schildkrötenfamilie  Cinostentidae  m.  537 

Die  letztere  besteht  nur  aus  einer  Gattung,  deren  Arten  nach 
der  Form  des  Plastrons  in  drei  Gruppen  zerfallen.  Die  erste  Gruppe 
umfaßt  zwei  Arten,  C.  odoratiim  Daud.  und  C.  carinahtm 
Gray,  mit  noch  sehr  kleinem,  kreuzförmigem  Plastron,  an  dem 
bloß  der  Vorderlappen  beweglich  ist.  Somit  haben  die  beiden 
Arten  noch  große  Ähnlichkeit  mit  der  Gattung  Stanrotypus 
Wagl.,  weshalb  sie  ihr  phylogenetisch  folgen  müssen.  Bei  der 
zweiten  Gruppe,  welche  die  meisten  Arten  enthält  und  sdsPensil- 
vamcum-Gvuppe  bezeichnet  werden  kann,  hat  das  Plastron  schon 
eine  größere  Ausdehnung  als  bei  der  ersten  erlangt,  aber  es 
schließt  die  Schalenöffnung  dennoch  nicht  vollkommen  ab.  Hier 
ist  nicht  nur  der  Vorderlappen,  sondern  auch  der  Hinterlappen 
gut  beweglich.  Zuvörderst  steht  in  dieser  Gruppe  allerdings 
eine  Art,  C  steindachneri  Siebenr.,  mit  auffallend  kleinem 
Plastron,  an  dem  bloß  der  Vorderlappen,  wenigstens  bei  Männ- 
chen, beweglich  ist,  weshalb  sie  noch  eine  große  Überein- 
stimmung mit  den  Arten  der  Odovatnm-Gvnppe  zeigt.  Da  sie 
aber  durch  andere,  sehr  wichtige  Merkmale  den  Arten  der 
zweiten  Gruppe  phj^ogenetisch  näher  gerückt  ist,  muß  sie  als 
Übergangsform  beider  Gruppen  betrachtet  werden. 

Bei  der  dritten  und  letzten,  der  sogenannten  Crttentatmn- 
Gruppe,  hat  das  Plastron  die  größte  Ausdehnung  erreicht,  denn 
es  schließt  die  Schalenöffnung  vollkommen  ab,  da  der  Vorder- 
und  Hinterlappen  auch  eine  erhöhte  Beweglichkeit  besitzt. 

Daß  aber  die  Chelydridae  von  den  beiden  Familien 
phylogenetisch  wirklich  die  ältesten  sind,  geht  schon  aus  der 
Entwicklungsgeschichte  hervor.  Alle  oder  doch  wenigstens  die 
meisten  Emydidae  besitzen  im  jugendlichen  Stadium  die  rippen- 
artigen Fortsätze  am  Nuchale,  welche  mit  zunehmendem 
Wachstum  wieder  verschwinden;  nur  bei  den  chelydroideen 
Schildkröten  persistieren  sie  zeitlebens.  Sie  erreichen  in  der 
Familie  Chelydridae  die  größte  Ausdehnung,  welche  bis  zu  den 
Cinosternidae  sukzessive  abnimmt.  Ferner  sind  die  Plastral- 
lappen  bei  allen  jugendlichen  Schildkröten  mit  dem  Mittelstück 
ausnahmslos  unbeweglich  verbunden  und  erst  im  Laufe  des 
Wachstums  stellt  sich  die  Beweglichkeit  derselben  bei  mehreren 
Arten  ein.  Somit  zeigt  das  Plastron  der  Chelydridae  durch  die 
Unbeweglichkeit  der  beiden  Pastrallappen  das  primäre  Verhalten 


538  F.  Siebenrock, 

an,  aus  dem  sich  allmählich  die  größte  Beweglichkeit  derselben 
in  der  Cruentatum-Gruppe  der  Gattung  Cinosternum  Spix 
entwickelt  hat. 

Endlich  ergibt  sich  auch  aus  den  Betrachtungen  der 
zoogeographischen  Verhältnisse,  daß  die  Formen  mit  einem 
kleinen,  kreuzförmigen  Plastron  älter  sein  müssen  als  die  mit 
einem  großen.  Jene  treten  in  einem  geologisch  viel  älteren  Gebiete 
der  nearktischen  Zone  auf,  welches  sich  in  Nordamerika  von 
der  Südgrenze  Kanadas  bis  zum  Golf  von  Mexiko  erstreckt,  als 
die  Vertreter  der  Cruentatum-Gruppe,  welche  auf  Südmexiko 
und  Zentralamerika  beschränkt  bleiben  und  in  Südamerika  bis 
Ecuador  vordringen,  somit  auf  dem  Gebiete  des  geologisch  viel 
jüngeren  Kettengebirges  der  Cordilleren  einheimisch  sind. 

Die  verschiedene  Größe  des  Plastrons  hängt  bei  den  ein- 
zelnen Arten  der  chelydroideen  Schildkröten  mit  der  Anpassung 
an  die  Lebensweise  zusammen.  Die  Arten  mit  einem  kleinen, 
kreuzförmigen  Plastron  leben  gewöhnlich  in  Pfützen  und 
Sümpfen,  wo  sie  sich  durch  die  Trübung  des  Wassers  den 
Verfolgungen  von  Seite  ihrer  Feinde  entziehen  können  und 
daher  keines  weiteren  Schutzes  bedürfen.  Dagegen  halten  sich 
die  Arten  mit  großem  Plastron  in  klarem  Wasser  auf,  weshalb 
sie  den  Nachstellungen  ihrer  Feinde  viel  mehr  ausgesetzt  sind 
als  jene.  Sie  besitzen  deshalb  eine  vollkommen  verschließbare 
Schale,  in  die  sie  Kopf  und  Gliedmaßen  bei  drohender  Gefahr 
zurückziehen  können. 


Familie  Cinosternidae 


m. 


Schale  mit  Hornschildern  bedeckt,  Pektoralschilder  von 
den  Marginalen  getrennt;  Nuchalplatte  beiderseits  mit  einem 
rippenartigen  Fortsatz,  auf  der  Unterseite  der  Marginalplatten 
liegend.  Achtes  Kostalplattenpaar  klein,  mit  einem  Höcker  zur 
Befestigung  des  Beckens.  Elf  Marginalschilder  und  10  Marginal- 
platten anwesend.  Auf  dem  Kopf  ein  horniger  Nasenschild; 
Frontalia  klein,  nicht  bis  zum  Orbitalrand  ausgedehnt,  weil  die 
Prae-  und  Postfrontalia  zusammenstoßen.  Temporalgegend  ohne 
Dach,  ein  Parieto-Squamosalbogen  fehlt.  Maxillare  mit  deniQua- 
dratojugale  in  Kontakt;  Kieferränder  ganz,  Kaufläche  glatt; 
mindestens  ein  Paar  Kinnbartel  anwesend.   Hals  in  die  Schale 


Die  Schildkrötenfamilie  Cinosternidae  m.  539 

vollkommen  zurückziehbar,  dritter  Halswirbel  bikonvex,  zwei 
Lendenwirbel^  anwesend,  Schvvanzwirbel  procoel.  Männchen 
mit  einem  mehr  weniger  deutlich  entwickelten,  ovalen  Fleck 
von  spitzen  Horntuberkeln  hinten  am  Ober-  und  Unterschenkel. ^ 


1  Eine  besondere  Eigentümlichkeit  der  Familie  Cinostenüdae  m.  besteht 
in  der  Anwesenheit  zweier  Lendenwirbel.  Die  zwei  letzten  Rückenwirbel,  bei 
den  Schildkröten  gewöhnlich  durch  Rippen  mit  der  achten  Kostalplatte  ver- 
bunden, zeichnen  sich  hier  durch  den  Mangel  von  Rippen  aus  und  entbehren 
daher  jeder  Verbindung  mit  der  genannten  Kostalplatte,  sie  sind  somit  echte 
Lendenwirbel. 

Sonst  unterstützt  die  zehnte  Rippe,  welche  mit  der  achten  Kostalplatte 
nicht  mehr  verwachsen  ist,  sondern  lateral  auf  der  vorhergehenden  neunten 
Rippe  aufliegt,  die  Kreuzwirbel  bei  der  Befestigung  des  Beckens.  Als  Ersatz 
dafür  haben  die  Cinosternidae  auf  der  achten  Kostalplatte  eine  höckerartige 
Erhebung,  mit  der  das  Becken  außer  den  Kreuzwirbeln  verbunden  ist. 

Da  die  Kostalplatten  subkutan  aus  periostalen  und  ligamentösen  Ver- 
knöcherungen der  Rippen  hervorgehen,  wie  Götte  (Zeitschr.  wiss.  Zool.,  66, 
1 899)  nachgewiesen  hat,  so  ist  anzunehmen,  daß  die  neunte  Rippe  bei  den 
Cinosternidae  ursprünglich  ebenfalls  vorhanden  war  und  erst  im  Verlaufe  der 
Entwicklung  ausgefallen  sein  muß,  denn  sonst  würde  man  sich  die  Entstehung 
der  achten  Kostalplatte  bei  dieser  Familie  nicht  erklären  können. 

Ganz  anders  verhält  sich  die  Sache  bei  den  Chelydridae,  wo  durch  den 
Mangel  der  zehnten  Rippe  die  Entwicklung  der  Schale  gar  nicht  tangiert  wird» 
weil  sie  ja  so  wie  die  erste  Rippe  niemals  zur  Bildung  derselben  beiträgt. 

-  Die  Schildkröten  gelten  im  allgemeinen  als  stumme  Geschöpfe  und  Laut- 
äußerungen sind  bei  ihnen  auf  ein  Minimum  beschränkt.  Man  kennt  das 
pfauchende  Geräusch,  welches  sie  von  sich  geben,  wenn  sie  ihre  beweglichen 
Körperteile  nach  einer  unvermuteten  Berührung  in  die  Schale  zurückziehen. 

Nur  von  wenigen  Arten  weiß  man,  daß  sie  im  stände  seien,  Laute  hervor- 
zubringen. So  berichtet  Darwin  (Journ.  Research  Geol.  and  Nat.  Hist.  Beagle, 
1839)  von  den  Elefantenschildkröten  der  Galopagos-Inseln,  daß  die  Männchen 
Avährend  der  Paarungszeit  ein  heiseres  Brüllen  hören  lassen,  welches  auf  eine 
Entfernung  von  100  Yards  vernommen  wird. 

Ferner  soll  Staurotypits  triporcattts  Wie  gm.  nach  Cope's  Mitteilungen 
{Proc.  Ac.  Philad.,  1865,  p.  188)  zwei  ganz  verschiedene  Stimmen  (voices) 
erzeugen  können.  Die  eine  ahmt  den  Namen  »Huau«  nach,  durch  das  Aus- 
atmen der  genannten  Vokale  nicht  mit  dem  Kehlkopf,  sondern  mit  dem  Schlund 
und  Mund  erzeugt.  Die  zweite  Stimme  gleicht  einem  Gequieke,  ähnlich  jenem 
von  ungeölten  Wagenrädern  oder  von  einer  großen  Tür.  Die  erstere  Stimme 
scheint  ein  Ausdruck  des  Zornes  zu  sein,  wenn  das  Tier  gequält  wird,  und 
letztere  wahrscheinlich  ein  Ruf  zur  Nachtzeit,  wenn  ein  Tier  allein  ist. 

Derselbe  Autor  teilt  von  einer  anderen  Schildkröte,  Nicoria  punctularia 
Daud.,  mit,  daß  sie  ein  weiches,  melancholisches  Pfeifen  hören  läßt,  das  besser 
wahrzunehmen  ist,  wenn  sie  getötet  wird. 

Sitzb.  der  mathem.-naturw.  Kl. ;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  36 


540  F.  Siebenrock, 

Finger  mäßig  lang,  Phalangen  mit  Kond3'len  versehen.  Vier 
oder  fünf  Klauen  anwesend.  Schwanz  auch  bei  Männchen 
nicht  halb  so  lang  als  die  Schale. 


Außerdem  besitzen  aber  die  Männchen  der  meisten  Arten  aus  der  Familie 
Cinosternidae  die  Fähigkeit,  ein  Geräusch  hervorzubringen,  das  mit  dem  Zirpen 
vieler  Insekten  einige  Ähnlichkeit  hat.  Die  zwei  ovalen  Homtuberkelflecke  an 
den  Hinterbeinen,  welche  in  der  Systematik  bisher  bloß  als  Artenmerkmal  ver- 
wendet wurden,  ohne  daß  man  nach  dem  Zwecke  und  ihrer  physiologischen 
Bedeutung  gefragt  hat,  sind  Stridulationsorgane,  wie  sie  hauptsächlich  bei 
Orthopteren,  Coleopteren  und  Hemipteren  vorkommen. 

Nach  Handlirsch*  (Ann.  Wien.  Hofmus.,  XV,  1900,  p.  555)  besteht  das 
Stridulationsorgan  der  Rh3mchoten,  welches  er  ausführlich  beschrieben  und  an 
sehr  schönen,  instruktiven  Abbildungen  erläutert  hat,  aus  zwei  Teilen,  einem 
aktiven  (reibenden)  und  einem  passiven  (geriebenen)  Teil. 

Genau  dieselben  Verhältnisse  findet  man  bei  den  analogen  Gebilden  der 
Cinosternidae,  denn  der  Horntuberkelfleck  am  Unterschenkel  ist  der  reibende 
Teil  und  auf  jenem  am  Oberschenkel  wird  gerieben.  Versucht  man  dieses  Ex- 
periment an  einem  Exemplar  aus  dem  Alkohol  oder  an  der  abpräparierten  Haut 
im  trockenen  Zustande,  so  wird  dadurch  ein  Geräusch  erzeugt,  welches  ganz 
ähnlich  ist,  als  würde  man  mit  einem  festen  Gegenstande  über  eine  starke  Reib- 
fläche streichen.  Dieses  Geräusch  ist  laut  und  deutlich  vernehmbar,  wie  es  durch 
die  Form  und  den  Bau  der  kräftigen  Horntuberkel,  aus  denen  jeder  ovale  Fleck 
besteht,  ganz  natürlich  erscheint. 

Daß  man  es  hier  wirklich  mit  einem  Tonapparat  zu  tun  habe  und  nicht 
etwa  mit  einem  Tastorgan  oder  mit  einer  Drüse,  lehrt  die  Untersuchung.  Die  An- 
nahme eines  Tastorganes  ist  wohl  vermöge  des  stark  hornartigen  Charakters 
der  Tuberkel  ausgeschlossen  und  von  einer  Drüse  kann  keine  Rede  sein,  weil 
in  der  nächsten  Umgebung  weder  Zellenanhäufungen  noch  auch  Ausführungs- 
gänge zu  beobachten  sind.  Ebensowenig  kann  es  sich  hier  nach  der  Lage  der 
zwei  Tuberkelflecke  um  ein  Klammer-  oder  Stützorgan  handeln,  welches  even- 
tuell bei  der  Begattung  Verwendung  finden  würde. 

Weil  diese  Tuberkelflecke  nur  bei  den  geschlechtsreifen  Männchen  ent- 
wickelt sind,  ist  die  Vermutung  sehr  naheliegend,  daß  sie  zur  Paarungszeit  eine 
Rolle  spielen  müssen,  und  zwar  dürfte  ihr  Zweck  sein,  durch  das  damit  erzeugte 
Geräusch  die  Weibchen  auf  die  Nähe  der  Männchen  aufmerksam  zu  machen. 

Dieser  Ton-,  respektive  Geräuschapparat  der  Cinosternidae  steht  in  der 
Wirbeltierreihe  wohl  einzig  da,  denn  bei  keinem  anderen  Vertreter  derselben 
konnte  bisher  ein  analoges  Gebilde  konstatiert  werden. 

*  In  neuerer  Zeit  sind  über  die  Stridulationsorgane  der  Insekten  folgende  Arbeiten 
erschienen:  Handlirsch  A.,  Neue  Beitrage  zur  Kenntnis  der  Stridulationsorgane  bei  den 
Rhynchoten,  1.  c. ;  —  Gahan  C.  J.,  Stridulating  Organs  in  Coleoptera,  Trans.  Entom.  Soc. 
London  1900,  p.  433;  —  Regen  J.,  Neue  Beobachtungen  über  die  Stridulationsorgane  der 
snltatoren  Orthopteren,  Arb.  zool.  Inst.  Wien,  XIV,  1903,  p.  359;  —  Bergrot h  E.,  On 
Stridulating  Hemiptera  ofths  Subfamily  Halyinae  etc.,  Proc.  Zool.  Soc.  London,  1905,  II, 
p.  146. 


Die  Schildkrötenfamilie  Cinosternidae  m.  541 

Subfamilie  Staurotypinae. 

Dermatemydidae  part,  Boulenger,  Cat.,  1889,  p.  27. 
Staiirotypidae,  Baur,  Amer.  Nat.,  XXVII,  1893,  p.  674. 

Choanae  hinter  den  Augen  gelegen;  die  Palatina  nehmen 
einen  großen  Anteil  bei  der  Bildung  der  Kaufläche  des  Ober- 
kiefers, sie  stehen  mit  der  Gaumenplatte  des  Vomer  in  Ver- 
bindung. Sieben  Neuralplatten  anwesend,  von  denen  die  letzte 
mit  dem  Pygale  in  Berührung  steht  und  das  achte  Kostalplatten- 
paar  in  der  Mitte  vollkommen  trennt.  Bloß  in  Ausnahmsfällen  er- 
scheint das  siebente  Neurale  etwas  reduziert  und  dann  trennt 
es  das  achte  sowie  auch  das  siebente  Kostalplattenpaar  nur 
unvollkommen,  d.  h.  nur  vorn.  Vorderlappen  des  Plastrons  nur 
von  einem  Paar  Schilder  bedeckt;  ein  kleines,  rudimentäres 
Gulare  kann  anwesend  sein  oder  auch  fehlen;  das  Entoplastron 
immer  vorhanden.  Kopf  groß,  mit  ungeteilter  Haut  bedeckt,  auf 
der  Nase  ein  unpaariger  Hornschild.  Scham-  und  Sitzbeine 
mitten  durch  einen  Knorpelstreifen  getrennt,  der  immer  die 
Foramina  obturatoria  begrenzt. 

Gattung  Claudius  Cope. 

Boulenger,  Cat.,  1889,  p.  32. 

Rückenschale  stark  deprimiert  und  dreikielig;  Plastron 
klein,  kreuzförmig,  mit  sehr  schmaler  Brücke,  welche  mit  der 
Rückenschale  durch  Bandmasse  verbunden  ist.  Vorderer  Plastral- 
lappen  unbeweglich. 


Das  Stridulationsorgan  ist  zwar  bei  den  meisten,  aber  nicht  bei  allen 
Arten  der  Cinosternidae  entwickelt.  Es  fehlt  bei  C.  scorpioides  scorpioides  L., 
C.  scorpioides  integrum  Leconte  und  bei  C.  cruentatum  A.  Dum.,  dafür  ist  es 
gegen  die  bisherige  Annahme  bei  C.  leitcostoinuin  A.  Dum.  und  C.  herendtiamiiit 
Cope  vorhanden.  Es  zeigt  bei  diesen  zwei  Arten  nicht  die  gleiche  Ausbildung 
wie  bei  den  übrigen  Vertretern  der  Subfamilie  Cinosterninae,  man  sieht  aber 
ganz  deutlich  sowohl  am  Ober-  als  auch  am  Unterschenkel  eine  Anhäufung  von 
Horntuberkeln. 

Das  Stridulationsorgan  war  offenbar  bei  allen  Arten  der  Cinosternidae 
ursprünglich  vorhanden,  es  findet  sich  nur  bei  C.  leucostomum  A.  Dum.  und 
C.  berendtianum  Cope  in  Rückbildung  begriffen,  welche  bei  C.  scorpioides 
scorpioides  L.  etc.  mit  der  Zeit  so  überhand  genommen  hat,  daß  ein  gänzliches 
Verschwinden  erfolgen  mußte.  Vielleicht  hat  hier  veränderte  Lebensweise  oder 
ein  anderer,  noch  unaufgeklärter  Grund  in  der  Ökonomie  dieser  Arten  dazu 
beigetragen,   das  Stridulationsorgan  bei   diesen  Tieren   überflüssig  zu   machen. 

36* 


542  F.  Siebenrock, 

1.  Claudius  angustatus  Cope. 

Claudius  angustatus,    Boulenger,    Cat.,   1889,  p.  33;  —  Strauch,  Mem.  Ac. 
St.  Petersb.,  (7),  XXXVIII,  Nr.  2,  1899,  p.  85. 

Rückenschale  oval  und  sehr  flach,  hinten  breiter  als  vorn^ 
kaum  ein  Drittel  so  hoch  als  lang;  die  drei  Rückenkiele  deutlich, 
aber  nicht  stark  ausgebildet.  Mittelkiel  auf  jedem  Vertebrale 
hinten  unterbrochen  und  auf  dem  letzten  fehlt  er  gänzlich. 
Nuchale  klein,  doppelt  so  breit  als  lang.  ErstesVertebrale  vorn  sehr 
breit,  breiter  als  lang  und  als  die  übrigen  Vertebralia.  Marginalia 
schmal,  die  hinteren  nicht  viel  breiter  als  die  vorderen,  weshalb 
der  Hinterrand  der  Schale  sehr  schmal  erscheint. 

Plastron  klein,  kreuzförmig;  Vorderlappen  vorn  abgerundet 
und  breiter  als  der  Hinterlappen,  welcher  gegen  das  Ende  spitz 
zuläuft.  Brücke  sehr  schmal  und  mit  der  Rückenschale  locker, 
d.  h.  durch  Bandmasse  verbunden.  Das  Plastron  wird  von  7  bis 
9  Schildern  bedeckt,  weil  das  unpaarige  Gulare  fehlen  kann  und 
die  Analen  zuweilen  vereinigt  sind. 

Strauch,  1.  c,  p.  84,  hat  darauf  hingewiesen,  daß  Bou- 
lenger, 1.  c,  p.  31  und  32,  die  großen,  vor  den  Abdominalia 
liegenden  Schilder  bei  den  zwei  Staurotyptts-Avten  triporcahis 
Wie  gm.  und  salvinii  Gray  das  eine  Mal  als  Pectoralia  und 
das  andere  Mal  als  Humeralia  bezeichnet.  Strauch  hält  diese 
Schilder  für  die  Pectoralia,  weil  sie  an  die  Abdominalia  grenzen. 
Dieser  Begründung  kann  ich  nicht  beipflichten,  sondern  ich 
erblicke  in  den  genannten  Schildern  die  Humeralia,  welche  aus 
der  Verschmelzung  mit  den  Pectoralia  hervorgegangen  sein 
dürften. 

Eine  Rückbildung  der  Humeralia  wird  bei  den  Schildkröten 
wohl  selten  wahrgenommen;  der  einzige,  bis  jetzt  bekannte 
Fall  bezieht  sich  auf  Psettdemydura  ttmbrina  Siebenr. 
(.Anz.  Ak.  Wien,  1901,  Nr.  XXII).  Sie  kommt  dagegen  bei  den 
Pectoralia  häufiger  vor. Bei  Teshido  emys  Schi,  et  Müll,  bilden 
dieselben  oft  nur  ganz  unansehnliche  Schildchen  am  Rande  des 
Plastrons,  so  daß  die  Humeralia  eine  große  Strecke  mit  den 
Abdominalia  zusammenstoßen.  Übrigens  kann  man  auch  bei 
einigen  Cinosteriiuiu-Arten  eine  Rückbildung  der  Pectoralia 
sehen,  speziell  bei  C.  cruetitatitui  A.  Dum.,  da  sie  sich  gewöhn- 


Die  Schildkrötenfamilie  Cinoslertiidae  m.  543 

lieh  in  der  Mitte  nicht  berühren  und  die  Humeralen  daher  mit 
den  Abdominaha  in  Verbindung  treten. 

Die  Naht  zwischen  den  HumeraUa  und  den  Abdominalia 
bildet  bei  Cl.  angustahts  C o  p  e  sowie  bei  den  Staurotypns- Arten 
eine  Bogenlinie,  sodaß  erstere  Schilder  am  Außenrande  in  mehr 
weniger  lange,  spitzwinklige  Fortsätze  ausgezogen  werden. 
Diese  bedecken  die  nach  hinten  verlängerten  Außenecken  der 
Epiplastra,  welche  den  Hypoplastra  seitlich  anliegen,  weshalb 
sie  die  gleiche  Lage  innehaben  wie  bei  den  übrigen  Schild- 
kröten die  Pectoralia.  Es  wäre  daher  nicht  unmöglich,  daß  die 
spitzwinkligen  Fortsätze  die  rückgebildeten  Pectoralia  vorstellen, 
vv^elche  mit  den  Humeralia  vereinigt  wurden.  Diese  Annahme 
gewinnt  um  so  mehr  an  Wahrscheinlichkeit,  weil  bei  den  zwei 
Gattungen  die  Neigung  zur  Obliterierung  von  Nähten  über- 
haupt vorherrscht,  wie  man  bei  den  Analschüdern  sehen  kann, 
welche  durch  ihre  Unpaarigkeit  ausgezeichnet  sind. 

Brücke  außerordentlich  schmal. Beim  Exemplar,  cf,  unserer 
Sammlung  mit  105  cm  Schalenlänge  laufen  die  Abdominalia 
seitlich  auf  der  Brücke  spitz  zu,  bevor  sie  das  äußere  Ende 
derselben  erreichen.  Zwischen  ihnen  und  den  Marginalen  liegen 
keine  hiframarginalia,  sondern  dieser  Raum  ist  von  der  Epi- 
dermis belegt,  wie  alle  Weichteile  des  Tieres.  In  ihr  sieht  man 
allerdings  zarte  Furchen,  welche  die  Umrisse  zweier  Infra- 
marginalia  andeuten.  Eine  Hornbildung  hat  somit  hier  nicht 
stattgefunden. 

Kopf  übermäßig  groß,  mit  ungeteilter  Haut  bedeckt,  auf 
der  Nase  ein  unpaariges  Hornschildchen,  die  Haut  des  Halses 
glatt,  ohne  warzige  Erhebungen,  nur  am  Kinn  zwei  Barteln. 
Kiefer  stark,  Oberkiefer  in  der  Mitte  hakenartig  vorspringend, 
ebenso  an  der  Seite  unter  dem  Auge  ein  spitzer  Zahn,  der  dem 
Mittelhaken  an  Größe  nicht  nachsteht.  Schwanz  ohne  Endnagel, 
oben  mit  einer  doppelten,  seitwärts  mit  einer  einfachen  Reihe 
Tuberkeln  besetzt.  Stridulationsorgane  bei  Männchen  wohl 
entwickelt. 

Rückenschale  dunkelbraun  marmoriert;  Plastron  gleich- 
mäßig lichtgelb.  Die  rotbraune  Farbe  des  Plastrons  in  der  von 
Bocourt   (Miss.  Sc.  Mex.,  Rept.  1870)  gegebenen   Abbildung, 


544  F.  Siebenrock, 

Taf.  IV,  Fig.  2,  dürfte  keine  ursprüngliche  sein,  sondern  von 
einem  Lateritüberzug  herrühren. 

Kopf  und  Weichteile  oben  braun,  unten  gelb  gefärbt;  Kiefer 
gelb  mit  braunen  Punkten  oder  kleinen  Flecken. 

Diese  Art  wurde  bisher  nur  in  Südmexiko  gefunden,  wo- 
her auch  das  Exemplar,  cf,  unserer  Sammlung  stammt;  bei 
diesem  beträgt  die  Länge  der  Rückenschale  105  mm,  deren 
Breite  69  nint,  ihre  Höhe  32  mm. 

Nach  Cope  (Proc.  Ac.  Philad.,  1865,  p.  188)  wird  Cl  angu- 
status  Cope  von  den  Eingeborenen  in  Tabasco,  woher  die 
Type  stammt,  Talmane  genannt.  Das  Tier  lebt  in  Sümpfen  und 
gräbt  sich  bis  zu  einer  Tiefe  von  2  bis  3  Fuß  in  den  Schlamm 
ein.  Es  ißt  kleine  Fische,  Krebse,  Schnecken  etc.  Talmane  legt 
bloß  einige  Eier. 

Gattung  Staurotypus  Wagl. 

Boulenger,  Cat.,  1889,  p.  29. 

Rückenschale  oblong  und  dreikielig;  Plastron  klein,  kreuz- 
förmig, mit  sehr  schmaler  Brücke,  welche  mit  der  Rückenschale 
durch  Naht,  also  unbeweglich,  verbunden  ist.  Vorderlappen  des 
Plastrons  beweglich;  Abdominalia  von  den  Marginalen  durch 
zwei  Inframarginalia  getrennt. 

1.  Staurotypus  salvinii  Gray. 

Staurotypus  salvinii,'Qo\.\\Qr\gev,  Cat.,  1889,  p.  32;  —  Strauch,    Mem.  Ac. 

St.  Petersb.,  (7),  XXXVIII,  Nr.  2,  1890,  p.  84. 
Staurotypus  tnarmoratus,  Strauch,  1.  c,  p.  83. 

Rückenschale  deprimiert,  in  der  Vertebralgegend  flach, 
hinten  nicht  breiter  als  vorn,  mehr  wie  ein  Drittel  so  hoch  als 
lang;  die  drei  Rückenkiele  stark  ausgebildet,  der  Mittelkiel  nicht 
unterbrochen.  Nuchale  sehr  kurz,  aber  mindestens  viermal 
so  breit  alsl  ang.  Erstes  Vertebrale  vorn  ebenso  breit  oder  etwas 
breiter  als  lang  und  als  die  übrigen  Vertebralia.  Marginalia 
hinten  sehr  breit,  viel  breiter  als  vorn. 

Plastron  klein^  kreuzförmig;  Vorderlappen  vorn  abge- 
rundet und  breiter  als  der  Hinterlappen,  der  am  Ende  spitz 
zuläuft.    Brücke  sehr  schmal,  sieben-  bis  neunmal  in  der  Länge 


Die  Schildkrötenfamilie  Cinosternidae  m.  545 

des  Plastrons  enthalten.  Dieses  wird  von  7  bis  8  Schildern 
bedeckt;  das  rudimentäre  Gulare  ist  unter  sechs  Individuen 
dreimal  anwesend  und  die  Analen  sind  stets  in  einem  Schild 
vereinigt.  Abdominale  Mittelnaht  bedeutend  kürzer  als  der 
Vorderlappen,  meistens  sogar  nur  halb  so  lang. 

Kopf  übermäßig  groß,  vorn  von  einem  Nasenschild  bedeckt, 
Kiefer  stark,  Oberkiefer  mitten  nur  unbedeutend  hakenartig 
verlängert,  Seitenzahn  kaum  angedeutet.  Der  kurze  Schwanz 
ohne  Endnagel,  oben  mit  einer  doppelten,  seitlich  mit  einer 
einfachen  Reihe  Tuberkeln  besetzt.  Stridulationsorgane  an  den 
Hinterfüßen  bei  Männchen  gut  entwickelt. 

Rückenschale  olivengrün  oder  lichtbraun ;  Plastron  gleich- 
mäßig gelb  gefärbt.  Kopf  oben  und  seitlich  braun  mit  gelben 
Flecken,  unten  schmutzig  weiß,  die  Kiefer  hornfarben  ohne 
Flecken. 

Diese  Art  wurde  bisher  in  Südmexiko  und  Guatemala 
gefunden.  Die  herpetologische  Sammlung  des  Museums  besitzt 
davon  sechs  Schalen  aus  Tehuantepec,  deren  Köpfe  und  Glied- 
maßen separat  in  Alkohol  aufbewahrt  sind.  Die  Länge  der 
größten  Schale  beträgt  151  mm,  deren  Breite  106  mm  und  ihre 
Höhe  48  mm;  diese  Maße  verhalten  sich  bei  der  kleinsten 
Schale  wie  104  :  71  :  40. 

2.  Staurotypus  triporcatus  Wie  gm. 

Staiirotypns  triporcatus,  Boulenger,  Cat.,  1889,  p.  31 ;  —  Strauch,  Mem.  Ac. 
St.  Petersb.,  (7),  XXXVIII,  Nr.  2,  1890,  p.  83. 

Rückenschale  stark  gewölbt,  nur  2^l:^vaa.\  so  lang  als  hoch, 
Vertebralgegend  durch  die  vvulstartig  erhabenen  Längskiele  in 
tiefe  Rinnen  umgebildet;  Schalenrand  hinten  nicht  breiter  als 
vorn.  Nuchale  kurz,  aber  sehr  breit.  Die  Form  der  Vertebralia 
und  Marginalia  stimmt  mit  jener  der  vorhergehenden  Art  über- 
ein. Plastron  klein,  kreuzförmig,  Vordeiiappen  vorn  abgerundet 
und  breiter  als  der  Hinterlappen,  welcher  am  Ende  spitz  zu- 
läuft. Brücke  viel  breiter  als  bei  der  vorhergehenden  Art,  nur 
A^l^maX  in  der  Länge  des  Plastrons  enthalten.  Dieses  von 
sieben  Schildern  bedeckt,  weil  das  Gulare  stets  zu  fehlen 
scheint  und    die  Analia  in  einen  Schild  vereinigt  sind.  Abdo- 


546  F.  Siebenrock, 

minale  Mittelnaht  nicht  oder  nur   unbedeutend    kürzer   als  der 
Vorderlappen. 

Kopf  übermäßig  groß,  vorn  von  einem  Nasenschild 
bedeckt,  Schnauze  viel  länger  als  bei  St.  salviiiii  Gray;  Kiefer 
stark,  Oberkiefer  in  der  Mitte  nur  unbedeutend  hakenartig  vor- 
springend, Seitenzahn  kaum  angedeutet.  Der  kurze  Schwanz 
ohne  Endnagel;  die  Stridulationsorgane  an  den  Hinterfüßen  bei 
Männchen  gut  entwickelt. 

Rückenschale  oliven,  auf  den  Areolen  der  .Schilder  dunkel- 
braune Flecke.  Kopf  oben  dunkelbraun  mit  lebhaft  gelb 
gefärbten,  kleinen,  runden  Flecken.  Kiefer  hornfarben  mit  zahl- 
reichen dunkelbraunen  Querstreifen,  die  so  eng  gesetzt  sein 
können,  daß  die  Kiefer  fast  schwarz  erscheinen. 

Diese  Art  bewohnt  das  gleiche  Verbreitungsgebiet  wie 
St.  salvinii  Gray,  nämlich  Südmexiko  und  Guatemala.  Die 
herpetologische  Sammlung  unseres  Museums  besitzt  von  dieser 
seltenen  und  interessanten  Art  kein  Exemplar,  ich  hatte  jedoch 
Gelegenheit,  drei  Exemplare  im  Berliner  Museum  und  ein  Exem- 
plar nebst  einem  sehr  schönen  Skelett  vom  Stuttgarter  Museum 
zu  untersuchen. 

Cope  (Proc.  Ac.  Philad.,  1865,  p.  188)  teilt  einige  sehr 
interessante  Beobachtungen  an  St.  triporcatti^sW i  e gm.,  von  den 
Eingeborenen  in  Tabasco  nach  den  Lauten,  welche  das  Tier 
ausstößt,  »Huau«  genannt,  mit.  Cope  hörte  von  einer  Anzahl 
verschiedener  und  verläßlicher  Personen  die  Tatsache,  daß  der 
Alligator  den  Huau  lebend  verschlucke.  Um  aber  der  unlieb- 
samen Gefangenschaft  wieder  zu  entkommen,  nagt  die  Schild- 
kröte an  den  Eingeweiden  des  Alligators.  Dieser  speit  dann  die 
Schildkröte  wieder  aus  oder  man  findet  sie  im  Magen  des 
getöteten  Sauriers  noch  lebend  vor. 

Der  Huau  wird  von  den  Indianern,  welche  sein  Fleisch 
sehr  schätzen,  gegessen,  von  den  Weißen  aber  verachtet. 
Cope  hat  von  einem  gekochten  Tier,  dessen  Fleisch  rötlich 
war,  gekostet  und  gefunden,  daß  es  besser  schmecke  als  das 
von  Dermatemys. 

St.  triporcatus  Wiegm.  nimmt  so  wie  Claudius  Cope 
und  Cinosternum  Spix  animale  Nahrung  zu  sich.  Das  Weib- 
chen lesit  im  November  und  Dezember  10  bis  20  Eier. 


Die  Schildkrötenfamilie  Cinosternidae  m.  547 

Subfamilie  Cinosterninae. 

Cinosternidae,  Boulenger,  Cat.,  1889,  p.33;  —  Garman  H.,  Bull.  Illinois  Lab. 

N.  H.,  III,  1892,  p.  237. 
Cinosternidae,  Baur,  Amer.  Nat.,  XXVII,  1893,  p.  674. 

Choanae  vor  den  Augen  gelegen.  Die  Palatina  nehmen  nur 
einen  geringen  Anteil  an  der  Bildung  der  Kaufläche  des  Ober- 
kiefers ;  sie  stehen  mit  der  Gaumenplatte  des  Vomer  nicht  in 
Verbindung. 

Die  Kaufläche  des  Oberkiefers  stößt  entweder  an  diejenige 
des  Zwischenkiefers  wie  bei  C.  odoratiim  Daud.,  scorpioides 
scorpioides  L.,  sc.  mtcgruui  Leconte,  Jeticostomuin  A.  Dum., 
berendtianuin  Cope  und  crtientatwn  A.  Dum.  oder  sie  bleibt 
durch  einen  mehr  weniger  tiefen  Einschnitt  davon  getrennt  wie 
bei  C.  steindackneri  Siebenr.,  baurü  G arm a.n, pensilvanicujii 
Gm.  und ßavescens  Agass. 

Fünf  oder  sechs  Neuralplatten  anwesend;  das  Entoplastron 
fehlt,  Vorderlappen  des  Plastrons  mit  vier  oder  fünf  Schildern 
bedeckt.  Ein  unpaariger  Nasenschild  anwesend.  Die  Scham- 
und  Sitzbeine  stoßen  entweder  in  der  Mitte  zusammen  und  um- 
schließen die  zwei  Foramina  obturatoria  oder  sie  werden  durch 
einen  dazwischen  gelagerten  Knorpelstreifen  getrennt. 

Gattung  Cinosternum  S  p  i  x. 

Cinosterntim,  Boulenger,  Cat.,  1889,  p.  33;  —  Strauch,  Mem. Ac. St.Petersb., 
(7),  XXXVIII,  Nr.  2,  1890,  p.  25;  —  Garman  H.,  Bull.  Illinois  Lab. 
N.  H.,  III,  1892,  p.  238. 

Aromochelys,  Strauch,  1.  c,  p.  24  ;  —  Garman  H.,  1.  c,  p.  240. 

Rückenschale  mehr  weniger  deprimiert;  Plastron  klein 
oder  groß,  mit  der  ersteren  durch  Naht  verbunden,  Vorder-  und 
Hinterlappen  beweglich  oder  ersterer  allein;  Gulare  anwesend 
und  stets  einfach  oder  abwesend.  Analschilder  immer  getrennt. 
Postorbital-  und  Temporalbogen  mäßig  breit.  Zwischen  den 
Fingern,  beziehungsweise  Zehen  wohlausgebildete  Schwimm- 
häute, nur  die  äußere  Zehe  klauenlos ;  Schwanz  kurz,  bei 
Männchen  etwas  länger  als  bei  Weibchen  und  meistens  mit 
einem  Endnagel  versehen. 

In  der  Regel  sind  sechs  Neuralplatten  anwesend  und  bloß 
ausnahmsweise  nur  fünf.   Die   erste  Neuralplatte  ist  entweder 


548  F.  Si  ebenrock, 

lang  und  steht  mit  dem  Nuchale  in  Verbindung  oder  kurz  und 
dann  bleibt  sie  von  diesem  getrennt.  In  dem  einen  Falle  wird 
das  erste  Kostalplattenpaar  in  der  Mitte  getrennt,  in  letzterem 
bildet  dasselbe  vorn  eine  kurze  Mittelnaht. 

Diese  Anordnung  der  Neuralplatten  läßt  sich  in  der  Syste- 
matik nicht  verwenden,  da  sie  keinen  bestimmten  Gesetzen 
unterliegt.  Es  scheint  vielmehr,  daß  die  erste  Neuralplatte 
ursprünglich  immer  mit  dem  Nuchale  verbunden  war  und  erst 
im  Verlaufe  der  Entwicklung  bei  manchen  Arten  eine  Reduktion 
eingetreten  ist,  wodurch  die  Trennung  vom  Nuchale  erfolgte. 
Dies  kann  man  daraus  vermuten,  weil  das  erstere  bei  der 
größeren  Zahl  der  Arten  der  Fall  ist  und  eine  Reduktion  der 
vordersten  Neuralplatte  bloß  bei  C.  odoratuni  Daud.,  liirtipes 
Wag!.,  leucoslomum  A.  Dum.  und  here-ndtimimn  Cope  beob- 
achtet wird.  Übrigens  hatte  ich  nur  von  der  ersteren  Art 
mehrere  Exemplare  daraufhin  zu  prüfen  Gelegenheit,  von  den 
übrigen  Arten  standen  mir  wenige  oder  gar  nur  ein  Skelett  zu 
Gebote.  Vielleicht  ist  dieses  Verhalten  auch  innerhalb  einer 
Art  variabel,  denn  bei  C.  crnentattim  A.  Dum.  kommen  beide 
Fälle  vor.  Andrerseits  besitzen  wieder  alle  Arten  der  Pensil- 
vauicum-Gruppe  ein  langes  erstes  Neurale,  das  mit  dem 
Nuchale  stets  verbunden  ist,  und  schon  dadurch  lassen 
sich  dieselben  von  C.  odorattim  Daud.  sehr  leicht  unter- 
scheiden. 

Ebenso  scheint  die  Länge  des  letzten,  beziehungsweise 
sechsten  Neurale  nicht  konstant  zu  sein,  denn  es  trennt  ent- 
weder das  sechste  Kostalplattenpaar  mitten  in  der  ganzen  Aus- 
dehnung, so  daß  bloß  das  siebente  und  achte  Kostalplattenpaar 
eine  Mittelnaht  bilden,  oder  dies  geschieht  in  der  vorderen 
Hälfte  allein. 

Als  ein  besonderes  Unterscheidungsmerkmal  zwischen 
Dermatemydidae  und  Cinosternidae  hebt  Boulen  ger,  1.  c,  p.  4 
und  p.  18,  die  Form  des  Beckens  hervor.  Bei  der  ersteren  Familie, 
zu  welcher  Boulen  ger  auch  die  Gattungen  Claudius  Cope 
und  Stat^rotypus  W ag\.  rechnet,  bleibt  die  Schambeinfuge  von 
der  Sitzbeinfuge  getrennt,  bei  den  Cinosternidae  stoßen  diese 
Teile  aber  zusamnien;  in  ersterem  Falle  werden  die  Foramina 
obturatoria  durch  ein  Band  oder  einen  Knorpelstreifen  getrennt, 


Die  Schildkrötenfamilie  Cinosternidae  m.  549 

in  letzterem  von  den  Knochen  selbst.  Dieses  Merkmal  ist  kein 
konstantes,  weil  zwei  Cinosterimm-Avien,  haurii  Gar  man  und 
flavescetis  Agass.,  dieselben  Verhältnisse  zeigen  wie  dieArten 
der  Staiirotypinae.  Auch  bei  ihnen  wird  die  Schambein-  von 
der  Sitzbeinfuge  durch  ein  deutliches  Band  getrennt,  so  daß 
die  Foramina  obturatoria  innen  von  diesem  begrenzt  sind. 

Das  Becken  der  Gattung  Cinostcrnum  Spix  gleicht  in  der 
Gesamtform  demjenigen  der  Staurotypmae,  welches  durch 
stark  entwickelte,  schaufeiförmige  Schambeinhöcker  ausge- 
zeichnet ist,  die  nach  vorn  nicht  senkrecht  nach  außen  wie 
bei  Dcrinatemys  Gray  gekehrt  sind. 

Ein  knöchernes  Epipubicum,  Epigastroid  Baur  (Journ. 
Morph.,  IV,  1891,  p.  345),  ist  stets  vorhanden;  es  gelangt  bei 
C.  odoratum  Daud.  unter  den  Cinosternum-Axien  zur  höchsten 
Entwicklung,  wodurch  diese  Art  den  Staurotypmae  phylo- 
genetisch näher  gerückt  wird.  Auch  ein  knöchernes  Hypo- 
ischium  fehlt  selten.  Es  liegt  gewöhnlich  am  Hinterrande  der 
Sitzbeinfuge  und  bloß  bei  C.  odoratum  Daud.  ist  es  so  wie  bei 
den  Staurotypmae  gegen  die  Mitte  der  Sitzbeinfuge  geschoben, 
wie  dies  Baur,  1.  c,  p.  347,  Fig.  3,  von  Dermateinys  Gray 
gezeichnet  hat.  Baur  nennt  diesen  Knochen  »peculiar  ossified 
process«  und  leitet  ihn  vom  Epipubicum  ab.  Man  kann  jedoch 
am  Becken  von  Staitrotyptis  triporcatits  W  i  egm.  genau  sehen, 
wie  sich  das  Hypoischium  vom  Hinterrande  der  Sitzbeinfuge 
nach  vorn  erstreckt.  Es  erreicht  bei  dieser  ArL  die  bedeutendste 
Größe,  indem  es  aut  der  hinteren  Hälfte  der  Sitzbeinfuge  einen 
hohen,  hakenförmigen  Kamm  bildet.  Auch  hierin  zeigt  C.  odo- 
ratum Daud.  wieder  den  phylogenetischen  Anschluß  der Cmo- 
sternmae  an  die  Staurotypmae. 

Die  Gattung  Aromochelys  hat  Gray  (Cat.  Sh.  Rept.,  I,  1855, 
p.  46)  geschaffen  und  sie  von  Cinosterimm  Spix  losgetrennt. 
Vergleicht  man  aber  die  Gray'schen  Diagnosen  dieser  Gattungen 
mitsammen,  so  ergibt  sich,  daß  der  einzige  Unterschied  in  der 
Größe  des  Gulare  und  in  der  Form  der  Pektoralschilder  liegt. 
Diese  Merkmale,  von  denen  übrigens  nur  das  erstere  einige 
Berechtigung  hat,  können  höchstens  einen  artlichen,  aber  keinen 
generischen  Charakter  beanspruchen.  Daher  wurden  die  beiden 
Gattungen  von  Boulenger  1.  c.  mit  vollem  Rechte  wieder  zur 


550  F.  Sieben  rock, 

ursprünglichen  Gattung  Chiosiernum  Spix  vereinigt.  Daraufhin 
machte  Strauch  I.e.  neuerdings  den  Versuch,  der  Gattung 
Aromochelys  Gray  zur  Selbständigkeit  zu  verhelfen,  indem  er 
als  wesentlichsten  Unterschied  zwischen  den  genannten  Arten 
die  Bewegungsmöglichkeit  der  Plastrallappen  hervorhob.  Aber 
auch  dieses  Merkmal  ist  für  die  generische  Trennung  hinfällig 
geworden,  weil  ja  der  Hinterlappen  des  Plastrons  bei  C.  stein- 
dachneri  Siebe  nr.  ebenfalls,  wenigstens  bei  Männchen  unbe- 
weglich ist.  Und  diese  Art  gehört  entschieden,  gegen  meine 
frühere  Annahme,  zur  Pensilvanicmn-  und  nicht  zuv  Od orahtm- 
Gruppe. 

Es  ist  also  ganz  ungerechtfertigt,  daß  die  meisten  ameri- 
kanischen Herpetologen  die  Gray'sche  Ga.itung  Aromochelys  im 
System  noch  immer  aufrecht  erhalten  wollen. 

Ein  bisher  ganz  unbeachtet  gebliebenes  Merkmal  für  die 
systematische  Beurteilung  der  einzelnen  Arten  bildet  die  Form 
des  Nasenschildes.  Er  stellt  entweder  eine  solide  Hornplatte  dar, 
welche  hinten  gerade  abschneidet  oder  fortsatzartig  vorspringt, 
oder  er  ist  tief  gegabelt,  so  daß  seine  beiden  Schenkel  bloß  die 
Supraorbitalgegend  bedecken.  Diese  Unterschiede  sind  allerdings 
hauptsächlich  bei  ganz  oder  doch  völlig  ausgewachsenen  Indi- 
viduen verwendbar;  bei  jugendlichen  Tieren  hat  der  Nasen- 
schild immer  eine  gegabelte  Form  und  erst  mit  fortschreitendem 
Wachstum  tritt  die  Differenzierung  desselben  auf.  Es  wurden 
daraufhin  von  mir  alle  bisher  bekannten  Cinosternum- Arten 
geprüft  und  es  zeigte  sich  nahezu  niemals  eine  Abirrung  von 
der  gegebenen  Norm. 

Daher  glaube  ich,  keinen  Fehlgriff  zu  machen,  wenn  ich 
dieses  Merkmal  in  die  Systematik  einzuführen  versuche.  Es 
wird  sich  bei  der  Beurteilung  der  einzelnen  Arten  ergeben,  daß 
die  Form  des  Nasenschildes  zuweilen  ein  sehr  wichtiges  Unter- 
scheidungsmerkmal bildet,  wenn  es  sich  um  scheinbar  nahe 
verwandte  Arten  handelt. 

Die  Synopsis  lautet,  mit  Einbeziehung  der  seit  dem  Er- 
scheinen von  Boulenger's  Catalogue  neu  beschriebenen  Arten, 
folgendermaßen: 

I.  Plastron  klein,  pektorale  Mittelnaht  so  lang  oder  länger 
als   die   humerale,  Hinterlappen  nicht  beweglich;  Nasenschild 


Die  Schildkrötenfamilie  Ciuostcrnidae  m.  5ol 

gegabelt,  Stridulationsorgane  bei  Männchen  an  den  Hinterfüßen 
gut  entwickelt. 

Gulare  klein,  triangulär 1.  odorattini. 

Gulare  unansehnlich  oder  abwesend 2.  caiinatiim. 

IL  Plastron  klein  oder  von  mäßiger  Größe,  immer  kleiner 
als  die  Schalenöffnung,  pektorale  Mittelnaht  kürzer  als  die 
humerale.  Vorder-  und  Hinterlappen  beweglich  oder  der  Vorder- 
lappen allein,  Plastron  hinten  ausgeschnitten,  Rückenschale 
einkielig;  Stridulationsorgane  bei  Männchen  an  den  Hinter- 
füßen gut  entwickelt. 

A.Breite  der  Brücke  2^1^-  bis  3 mal  in  der  Länge  des  Vorder- 
lappens enthalten,  Nasenschild  gegabelt.  .3.  steindacJincri. 

B.  Breite  der  Brücke  nicht  zweimal  in  der  Länge  des  Vorder- 
lappens enthalten. 

Hinterlappen  des  Plastrons  länger  als  der  Vorder- 
lappen, Schale  lang  und  schmal,  Nasenschild  solid 

4.  hatirii. 

Hinterlappen  des  Plastrons  kürzer  als  der  Vorder- 
lappen, Schale  kurz  und  breit,  vorletztes  Marginalpaar 
niedriger  als  das  letzte,  Nasenschild  solid  ö.pensilvatiiciun. 

Pektorale  Mittelnaht  nicht  ein  Drittel  so  lang  als  die 
humerale,  vorletztes  Marginalpaar  so  hoch  als  das  letzte, 
Nasenschild  gegabelt Q.ßavescens. 

Pektorale  Mittelnaht  nahezu  ebenso  lang  als  die  hume- 
rale, Gulare  halb  so  lang  als  der  \'orderlappen,  vorletztes 
Marginalpaar  niedriger  als   das   letzte,  Nasenschild  solid 

7.  souoriense. 

Pektorale  Mittelnaht  halb  so  lang  als  die  humerale, 
Gulare  fast  dreimal  in  der  Länge  des  Vorderlappens  ent- 
halten, Nasenschild  schwach  gegabelt 8.  hirtipes. 

IIL  Plastron  von  mäßiger  Größe,  schmäler  als  die  Schalen- 
öffnung, Vorder-  und  Hinterlappen  beweglich,  letzterer  hinten 
ausgeschnitten.  Schale  dreikielig;  Nasenschild  solid,  Stridu- 
lationsorgane fehlen  bei  Männchen  an  den  Hinterfüßen. 

Diskoidalschilder  einfarbig 9.  scorpioides  scorpioides. 

Diskoidalschilder  schwarz  gerandet 

9  a.  scorpioides  integrum. 


002  F.  Siebenrock, 

IV.  Plastron  groß,  es  schließt  die  Schale  vollkommen  ab, 
hinten  nicht  ausgeschnitten  oder  eingekerbt,  Nasenschild  solid. 
A'.  Rückenschale  einkielig,  Stridulationsorgane  bei  Männchen 
an  den  Hinterfüßen  rudimentär. 

Vorderlappen  des  Plastrons  länger  als  der  unbeweg- 
liche Teil,  Gulare  nicht  halb  so  lang  als  der  Vorderlappen, 
Supracaudalia  so  hoch  oder  höher  als  die  anstoßenden 
zehnten  Marginalia 10.  leucostontmn. 

Vorderlappen  des  Plastrons  nicht  länger  als  der  unbe- 
wegliche Teil,  Gulare  mehr  wie  halb  so  lang  als  der 
Vorderlappen,  Supracaudalia  so  hoch  wie  die  anstoßenden 

zehnten  Marginalia 11.  herendtianum. 

B'.  Rückenschale  dreikielig,  Stridulationsorgane  fehlen  bei 
Männchen  an  den  Hinterfüßen,  Supracaudalia  niedriger  als 
die  anstoßenden  zehnten  Marginalia 12.  cnientatum. 

1.  Cinosternum  odoratum  Daud.^ 

Cinosternttm  odoratum,  Boulenger,  Cat.,  1889,  p.  37. 

Aromochelys  odorata,  Strauch,  Mem.  Ac.St.Petersb.,  (7),  XXXVIII,  Nr.  2,  1890, 
p.86;  — GarmanH.,BuIl.  Illinois  Lab.  N.H.,  III,  1892,  p.240;  —Hurten 
Trans.  Ac.  St.  Louis,  VI,  1892,  p.  260;  —  Lönnberg,  Proc.  U.  Stat.  N. 
Mus.,  XVII,  1894,  p.  320;  —  Eigenmann,  Proc.  Indian.  Ac,  1895, 
p.  263;  —  Rhoads,  Proc.  Ac.  Philad.,  1895,  p.  384;  —  Mearns,  Bull. 
Amer.  Mus.,  X,  1898,  p.  328;  —  Paulmier,  New  York  State  Mus., 
Bull.  51,  1902,  p.  393;  —  Stone,  Proc.  Ac.  Philad.,  LV,  1903,  p.540; 
—  Ditmars,  Amer.  Mus.  Journ.,V,  1905,  p.  129. 

Aromochelys  carinata  part.,  Garman  H.,  1.   c,  p.  240. 

Rückenschale  längsoval,  mäßig  gewölbt,  Profillinie  vorn 
mehr  ausgedehnt  als  hinten,  Vertebralkiel  bei  halbwüchsigen 
Tieren  sehr  deutlich,  er  kann  aber  mit  zunehmendem  Alter  ganz 
verschwinden;  die  Seitenkiele  sind  bei  jungen  Individuen  zu- 
weilen besonders  deutlich  sichtbar  und  dies  veranlaßte  Agassi  z 


1  Nachbenannte  Abhandlungen  konnten  nicht  berücksichtigt  werden,  da 
sie  mir  nicht  zugänglich  waren:  1.  Haj-  0.,  The  Batrachians  and  Reptiles  of  the 
State  of  Indiana,  Indianopolis,  1893;  —  2.  Smith  E.,  The  Turtles  and  Lizards 
found  in  the  vicinity  of  New  York  City,  Proc.  Linn.  Soc.  New  York,  1899,  p.  1 1; 
—  3.  Morse  M.,  Batrachians  and  Reptiles  of  Ohio,  Proc.  Ohio  Ac,  IV,  Nr.  9, 
1904,  p.  93. 


Die  Schildkrätenfamilie  Cinosternidae  m.  553 

(Contr.  Nat.  Hist.  U.  St.,  I,  1857,  p.  425)  zur  Aufstellung  einer 
selbständigen  Art  »tristycha«. Die  Seitenkiele  verschwinden  aber 
so  wie  der  Vertebralkiel  bei  ausgewachsenen  Tieren,  weshalb  die 
fragliche  Art  von  Boulenger  1.  c.  mit  Recht  eingezogen  wurde. 
Erstes  Vertebrale  lang  und  schmal,  vorn  schmäler  als  das 
zweite  bis  vierte.  Nuchale  sehr  klein ;  Supracaudalia  ebenso  hoch 
wie  die  anstoßenden  zehnten  Marginalia.  Schilder  glatt  und 
imbrikat,  nur  bei  ganz  jungen  Exemplaren  treten  die  Areolen 
deutlich  hervor,  umgeben  von  konzentrischen  und  einigen 
radiären  Furchen;  ebenso  können  die  Vertebralen  hinten  vor- 
springende Höcker  bilden. 

Plastron  klein,  kreuzförmig;  Hinter- 
lappen nur  halb  so  breit  wie  die  Schalen- 
öffnung, Vorderlappen  ebenso  lang  oder 
kürzer,  letzteres  bei  Weibchen,  als  der 
Hinterlappen  und  ebenso  lang  oder  etwas 
länger,  bei  jungen  Individuen,  als  der  unbe- 
wegliche Teil.  Vorderlappen  vorn  abge- 
rundet, Hinterlappen  am  freien  Ende  im 
weiten  Bogen  ausgeschnitten.  Brücke  sehr 

schmal,  4Vo-  bis   6mal  in   der  Länge   des     ^.     ^  ,     , 

'       '  'i  ^  Ctnosternum  odoratiim 

Plastrons  enthalten.  Gulare  stets  anwesend,  oaud.,  Kopf  von  unteir. 
sehr  variabel  in  der  Größe;  pektorale  Mittel-  n.  Gr. 

naht  ebenso  lang  oder  länger  als  die  hume- 
rale;  anale  viel  kürzer  als  die  abdominale,  weil  die  femorale 
Mittelnaht  sehr  lang,  nur  wenig  kürzer  als  jene  ist.  Axillaria 
klein  und  schmal,  Inguinalia  groß  und  breit.  Die  Plastralschilder 
werden  gewöhnlich  durch  häutige  Zwischenräume  voneinander 
getrennt,  die  bei  Männchen  viel  ausgedehnter  sein  können  als  bei 
Weibchen. 

Kopf  groß,  Schnauze  lang  und  spitz,  Nasenschild  gegabelt; 
Kiefer  stark,  Oberkiefer  in  der  Mitte  abgerundet,  nicht  haken- 
artig vorspringend;  Unterkiefersymphyse  halb  so  lang  als  die 
Mandibel.  Kaufläche  des  Oberkiefers  durch  keinen  Ausschnitt 
von  der  Gaumenplatte  des  Vomer  getrennt.  Stridulationsorgane 
bei  Männchen  an  den  Hinterfüßen  gut  entwickelt.  Schwanz 
ohne  Hornnagel,  die  Spitze  steckt  in  einer  weichen  Hülse. 


554  F.  Siebenrock, 

Rückenschale  in  der  Färbung  sehr  variabel,  von  lichtgrün 
bis  dunkelbraun  in  allen  Nuancen;  im  ersteren  Falle  oft  mit 
braunen  Flecken  und  Strichen  geziert,  die  Schilder  schwarz 
gerandet.  Plastron  gelb,  die  medialen  Ränder  der  einzelnen 
Schilder  zuweilen  etwas  dunkler  gefärbt.  Sehr  häufig  hat  das 
Plastron  einen  mehr  weniger  intensiven,  dunkel-  oder  rotbraunen 
Überzug,  der  von  Latent  herrührt  und  mit  der  eigentlichen 
Färbung  des  Tieres  gar  nichts  zu  tun  hat.  (Siehe  Siebenrock, 
Zool.  Anz.,  XXX,  1906,  p.  578.)  Kopf  oben  dunkelbraun, 
zuweilen  gefleckt  oder  marmoriert  mit  Gelb.  Zwei  parallele  gelbe 
Linien  gehen  beiderseits  vom  Halse  kommend  über  und  unter 
dem  Auge  zur  Nasenspitze,  ein  drittes  Paar  zieht  längs  des 
Innenrandes  am  Unterkiefer  zur  Symphyse,  aber  ohne  sich 
daselbst  zu  vereinigen.  Diese  drei  Linienpaare  können  gänzlich 
fehlen,  und  zwar  dann,  wenn  der  Kopf  stark  marmoriert  ist.  Am 
öftesten  fehlt  das  dritte  Paar  und  am  häufigsten  ist  das  oberste 
anwesend.  Hals  und  Gliedmaßen  grau,  ersterer  gelb  gestreift 
oder  gefleckt,  letztere  braun  gefleckt. 

Auch  die  jüngsten  Exemplare  dieser  Art  sind  sehr  leicht 
von  jenen  der  übrigen  Arten  durch  die  starke  Wölbung  der 
Rückenschale  mit  dem  kräftigen  Vertebralkiel,  der  hinter  jedem 
Schilde  tuberkelartig  vorragt,  und  durch  das  auffallend  kleine 
Plastron  zu  unterscheiden. 

C.odoratutnD  aud.  hateine  sehrausgedehnte  geographische 
Verbreitung,  die  sich  von  Canada  im  Osten  und  im  Zentrum 
Nordamerikas  bis  zum  Golf  von  Mexiko  erstreckt.  Die  herpeto- 
logische  Sammlung  des  Museums  besitzt  Exemplare  aus  dem 
Concordfluß,  Mass.,  dem  Spy-Pond  bei  Cambridge,  A4ass.,  dem 
Wisiona  Lake,  Indiana,  dem  Illinoisfluß,  von  Raleigh  in  Nord- 
Carolina,  Colmesneil  in  Texas  und  von  Orlando  in  Florida.  Die 
Länge  der  Rückenschale  des  größten  Exemplares  beträgt 
WO  mm,  deren  Breite  76  mm  und  ihre  Höhe  So  mm;  diese 
Maße  verhalten  sich  beim  kleinsten  Exemplare  wie  47  :  37  :  22. 

C.  odoratiiiii  Dsiud.  ist  nach  den  Angaben  der  amerika- 
nischen Autoren  in  allen  Teichen,  Sümpfen  und  kleinen  Flüssen 
ziemlich  häufig  und  wird  von  den  Bewohnern  allenthalben 
Moschusschildkröte  oder  Stinktopf  (stink  pot),  womit  man  eine 
Art  Geschoß  bezeichnet,  genannt.    Das  Tier  fällt  den  Fischern 


Die  Schildkrötenfamilie  Cinosternidae  m.  55o 

dadurch  lästig,  daß  es  sehr  gern  an  die  Angel  geht  und  wegen 
seines  heftigen  Zappeins  den  Glauben  erweckt,  als  hätte  sich 
ein  großer  Fisch  gefangen. 

Sehr  interessante  Mitteilungen  über  das  Freileben  und 
speziell  über  die  Eiablage  von  C.  odoratiim  Daud.  am  Turkey 
Lake,  Indiana,  verdanken  wir  Eigenmann  1.  c.  Sie  lauten  fol- 
gendermaßen: »Diese  Art  ist  häufig,  aber  nicht  übermäßig. 
Individuen  werden  gewöhnlich  Ende  Juni  oder  anfangs  Juli  zur 
Zeit  der  Eiablage  gesehen.  Die  Eier  werden  in  faules  Holz  auf 
der  Oberfläche  von  Stümpfen  am  Rande  des  Sees  gelegt.  Man 
findet  die  Schildkröten  gewöhnlich  auf  der  Oberfläche  dieser 
Stümpfe  und  einige  ihrer  Eier  stecken  so  tief  im  faulen  Holz, 
als  man  mit  dem  Finger  reichen  kann.  Modrige  Klötze  in  einiger 
Entfernung  vom  See  sind  ebenfalls  beliebte  Orte  für  die  Ei- 
ablage und  an  einer  sumpfigen  Stelle  von  geringem  Umfange 
am  Rande  des  Sees  wurden  362  Eier  auf  einmal  gefunden.  Die 
Zahl  des  Geleges  eines  Individuums  variiert  von  4  bis  7  Eiern, 
die  gewöhnlich  auf  einem  Haufen  liegen.  Demnach  müssen 
ungefähr  60  Schildkröten  zur  Brutstätte  von  362  Eiern  beige- 
tragen haben.  Beim  Passieren  eines  Weizenfeldes  sah  man  am 
Rande  einige  Schildkröten,  die  von  dort  kamen  und  ihre  Eier 
in  eine  Vertiefung  des  Bodens  gelegt  hatten,  welche  von  einer 
Kuh  beim  Überschreiten  desselben  gemacht  wurden,  so  lange 
der  Boden  noch  weich  war.  Noch  andere  Eier  fand  man  in 
Bündeln  von  zusammengetriebenen  Binsen.  Ein  interessanter 
Wechsel  scheint  bei  diesen  Schildkröten  in  ihrem  Gehaben 
während  der  letzten  50  Jahre  eingetreten  zu  sein.  Vor  jener  Zeit 
muß  die  Zahl  der  Stümpfe  am  Rande  des  Sees  außerordentlich 
klein  gewesen  sein.  Die  gegenwärtige  große  Zahl  hängt  mit  dem 
Steigen  des  Sees  nach  der  Erbauung  des  Dammes  zusammen 
und  dem  dadurch  erfolgten  Abschneiden  der  Bäume,  deren 
Stämme  unter  Wasser  kamen.  Die  Gewohnheit  der  Eiablage 
in  Stümpfe  dürfte  nicht  viel  weiter  als  50  Jahre  zurück- 
datieren.« 

»Die  Eiablage  muß  sich  auf  eine  ansehnliche  Zeit  verteilen, 
denn  viele  Eier  waren  im  August  ausgebrütet,  während  einige, 
von  derselben  Zeit  stammend,  zwischen  15.  September  und 
1.  Oktober  verschiedentlich    ausfielen.    Die    waren   jedoch    in 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw   KL;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  37 


556  F.  Sieben ro  ck, 

einer  Schachtel  im  Zimmer  gehalten  und  daher  den  normalen 
Bedingungen  entzogen.« 

Die  Zahl  der  Eier  ist  bei  C.  odoratnm  Daud.  eine  sehr 
geringe,  da  sie  nach  Eigenmann  1.  c.  zwischen  4  bis  7  Stück 
schwankt.  Wir  entnahmen  einem  Weibchen  von  90  ww  Schalen- 
länge, welches  skelettiert  wurde,  sogar  bloß  drei  längliche,  zum 
Legen  reife  Eier,  wie  sie  Agassiz  (Contr.  Nat.  Hist.  U.  St.,  II, 
1857)  auf  Taf.  VII,  Fig.  7  bis  9,  abgebildet  hat.  Ihr  Längsdurch- 
messer beträgt  25  bis  26  mm,  der  quere  14  mm,  letzterer  ent- 
spricht auch  dem  Beckenraum,  welchen  das  Ei  beim  Legen  zu 
passieren  hat. 

2.  Cinosternum  carinatum  Gray. 

Cinosterntim  carinatum,  Boulenger,  Cat.,  1889,  p.  38;  —  Lindholm,  Jahrb. 

nassau.  Ver.,  LIV,   1901,  p.   183. 
?  Aromochelys  cavinata,  Rhoads,  Proc.  Ac.  Philad.,   1895,  p.  384. 

Rückenschale  längsoval,  mäßig  gewölbt,  tektiform,  Profil- 
linie hinten  steiler  abfallend  als  vorn.  Vertebralkiel  zeitlebens 
deuüich  sichtbar;  Seitenkiele  auch  bei  jungen  oder  halbwüch- 
sigen Tieren  abwesend  oder  kaum  angedeutet.  Erstes  Vertebrale 
schmal,  viel  länger  als  vorn  breit  und  bei  halbwüchsigen  Exem- 
plaren viel  schmäler  als  das  zweite  bis  vierte  Vertebrale;  letztere 
sind  rautenförmig  und  breiter  als  lang.  Nuchale  sehr  klein; 
Supracaudalia  ebenso  hoch  wie  die  anstoßenden  zehnten  Margi- 
nalia.  Schilder  glatt  und  auffallend  imbrikat.  Hinterrand  der 
Schale  zuweilen  ganz  schwach,  aber  deutlich  gesägt. 

Plastron  klein,  kreuzförmig;  Hinterlappen  nur  halb  so 
breit  als  die  Schalenöffnung,  Vorderlappen  bedeutend  kürzer 
als  der  Hinterlappen,  aber  länger  als  der  unbewegliche  Teil. 
Vorderlappen  vorn  abgestutzt,  Hinterlappen  am  freien  Ende 
im  weiten  Bogen  ausgeschnitten.  Brücke  sehr  schmal,  4^1^-  bis 
5 mal  in  der  Länge  des  Plastrons  enthalten.  Gulare  gewöhnlich 
abwesend  oder  unansehnlich,  wie  bei  den  zwei  Exemplaren 
unserer  Sammlung.  Pektorale  Mittelnaht  länger  als  die 
humerale,  anale  ebenso  lang  oder  länger  als  die  abdominale. 
Inguinalia  doppelt  so  groß  als  die  .Axillaria. 


Die  Schildkrötenfamilie  Cinosternidae  m.  557 

Kopf  groß,  Schnauze  lang  und  spitz,  Nasenschild  stark 
gegabelt.  Kiefer  stark,  Oberkiefer  mitten  abgerundet,  nicht 
hakenartig  vorspringend,  Unterkiefersymphyse  halb  so  lang  als 
die  Mandibel.  Stridulationsorgane  bei  Männchen  auf  den  Hinter- 
füßen gut  entwickelt.    Schwanz  ohne  Hornnagel. 

Rückenschale  lichtoliven  mit  radiär  angelegten,  verschieden 
langen,  braunen  Streifen;  die  Schilder  ebenso  gerandet.  Plastron 
einfarbig  gelb  oder  vorn  mit  wenigen  kurzen,  dunklen  Streifen 
geziert.  Kopf  oben  und  seitlich  lichtoliven  mit  kleinen,  braunen 
Flecken  ;  die  Kiefer  mehr  weniger  deutlich  quergestreift.  Hals 
und  Gliedmaßen  grau  und  braun  gefleckt. 

Das  ganz  junge  Exemplar  dieser  Art  des  Wiesbadener 
Museums,  welches  schon  von  Lindholm,  1.  c,  vortrefflich 
beschrieben  und  abgebildet  wurde,  liegt  mir  zum  Vergleiche 
mit  ebenso  großen  Exemplaren  von  C.  odoratum  Daud.  vor. 
Schon  in  diesem  Altersstadium  sind  die  beiden  Arten  im 
Habitus  so  grundverschieden,  daß  eine  Verwechslung  kaum 
möglich  sein  dürfte. 

Es  ist  wohl  sehr  fraglich,  ob  das  von  Rhoads,  1.  c,  aus 
Tennessee  beschriebene  Exemplar  zu  dieser  Art  gehören  könne. 
Der  Hauptunterschied  zwischen  C.carniatum  Gray  und  C.odo- 
ratmn  Daud.  liegt,  abgesehen  vom  Habitus,  in  der  Färbung 
des  Kopfes,  der  bei  ersterer  Art  nach  den  bisherigen  Erfahrun- 
gen nur  gefleckt  und  niemals  gestreift  ist;  Rhoads  hebt  aber 
beim  Exemplar  aus  Tennessee  ausdrücklich  letzteres  hervor. 
Die  vom  genannten  Autor  angeführten  habituellen  Merkmale, 
wie  der  gesägte  hintere  Schalenrand  und  die  Form  des  vorderen 
Plastrallappens  etc.,  können  individueller  Natur  sein.  Auch  der 
Fundort  Tennessee  wäre  nicht  ganz  einwandfrei,  weil  C. 
carinatum  Gray  nach  den  bisherigen  Erfahrungen  nur  in  den 
Südstaaten  Nordamerikas  beobachtet  wurde  und  es  daher 
fraglich  erscheint,  ob  diese  Art  überhaupt  nach  Norden  so  weit 
vordringt. 

Ebenso  ist  der  Fundort  Süd-Arizona,  den  Yarrow 
(Wheeler's  Rep.  Explor.  Surv.  W.  lOO^hiMer.,  V.,  1875,  p.  582) 
für  diese  Art  angibt,  mit  großer  Reserve  aufzunehmen.  Als  ihre 
wesentlichsteVerbreitungsgrenze  war  bisher  Louisiana  bekannt; 
es   v/äre   daher  ihr  sprunghaftes  Auftreten   in  Arizona  um  so 

37* 


558 


F.  Siebenrock, 


merkwürdiger,    da   sie   in   Texas   und   Neu-Mexil<o   zu   fehlen 
scheint  oder  wenigstens  noch  nie  beobachtet  wurde. 

Die  beiden  last  gleich  großen  Exemplare  der  herpeto- 
logischen  Sammlung  unseres  Museums  stammen  von  Mims- 
ville  im  südwestlichen  Georgien;  die  Länge  der  Rückenschale 
beträgt  73  min,  deren  Breite  54  mm  und  ihre  Höhe  28  mm. 


3.  Cinosternum  steindachneri  Siebenr. 

Kinosternon  pcnsilvanicutn,  Lünnberg,    Proc.  ün.  Stat.  N.  Mus.,   XVII,  1895, 

p.  319. 
Cinosternnin  steindachneri.  Sieben  rock,  Zool.  Anz.,  XXX,  1906,  p.  727. 

Rückenschale  auffallend  längsoval,  hinten  breiter  als  vorn, 
bei  Männchen  gewöhnlich  mehr  gevv^ölbt  als  bei  Weibchen  und 

beiderseits  in  der  Mitte  etwas 
eingedrückt.  Profillinie  vorn 
mehr  ausgedehnt  als  hinten, 
wo  die  Schale  allmählich, 
nicht  plötzlich  abfällt;  Verte- 
bralkiel  kaum  angedeutet, 
Seitenkiele  abwesend.  Erstes 
Vertebrale  vorn  ein  wenig 
breiter  als  lang  und  konstant 
ebenso  breit  als  das  zweite 
bis  vierte.  Nuchale  klein, 
breiter  als  lang;  Supracau- 
daliaviel  niedriger  als  die  an- 
stoßenden zehnten  Margi- 
nalia.  Schilder  ganz  glatt  oder 
nur  schwach  konzentrisch 
gefurcht,  ein  wenig  imbrikat. 
Plastron  schmal,  bedeu- 
tend kleiner  als  die  Schalen- 
öffnung; Hinterlappen  bei 
Männchen  bloß  halb  so  breit  als  die  Schalenöffnung,  Vorder- 
lappen ebenso  lang  oder  länger,  letzteres  bei  Männchen,  als  der 
Hinterlappen  und  länger  als  der  unbewegliche  Teil  des  Plastrons ; 
Vorderlappen   vorn  abgerundet,  Hinterlappen  winkelig  ausge- 


Fig.  2. 

Cinosternum  steindachneri  Siebenr.; 

Plastron  von  innen. 


Die  Schildkrötenfamilie  Ciuostcniidae  m. 


559 


schnitten  und  bloß  bei  Weibchen  beweglich,  bei  iMännchen  aber 
nicht,  wie  schon  die  Form  der  hypoxiphiplastralen  Naht  beweist, 
welche  gerade  so  beschaffen  ist  wie  bei  C.  odorattmi  Daud. 
Brücke  äußerst  schmal,  nicht  horizontal  gelagert,  sondern 
schief,  von  außen  nach  innen  vorspringend,  weshalb  die  Abdo- 
minalschilder seitliche  Kanten  bilden.  Aus  diesem  Grunde  steht 
das  Plastron  vom  Schalenrande  vorn  und  hinten  viel  weiter  ab 
als  bei  C.  pensilvanicnm  Gm.  Brücke  6-  bis  Q^/^moX  in  der 
Länge  des  Plastrons  enthalten.  Gulare  ebenso  lang  oder  kürzer 
als  die  humerale  Mittelnaht  und  halb  oder  nahezu  halb  so  lang 
als  der  Vorderlappen,  weil 
die  pektorale  Mittelnaht  sehr 
kurz,  nämlich  sechsmal  in 
der  humeralen  enthalten  ist. 
Anale  Mittelnaht  ebenso  lang 
oder  länger  als  die  abdomi- 
nale und  dreimal  länger  als 
die  femorale.  Axillaria  klein, 
schmal,  Inguinalia  größer 
und  breiter,  IY2-  bis  2  mal  so 
lang  als  breit;  sie  reichen 
stets  nur  bis  zum  siebenten 
Marginale;  beide  Schilder 
miteinander  intensiv  verbun- 
den. Die  Plastralschilder  sind 
bloß     bei    Männchen     durch 

unbedeutende  häutige  Zwischenräume  voneinander  getrennt. 
Kopf,  besonders  bei  Männchen,  auffallend  groß,  Schnauze 
kaum  merklich  vorspringend,  Nasenschild  stark  gegabelt.  Kiefer 
sehr  kräftig,  Oberkiefer  in  der  Mitte  mehr  weniger  hakenförmig 
verlängert,  an  der  Unterkiefersymphyse  ragt  ein  ungewöhnlich 
langer,  spitzer  Fortsatz  empor,  weshalb  dieselbe  der  Länge 
einer  Mandibelhälfte  entspricht.  Schwimmhäute  an  den  Glied- 
maßen sehr  stark  ausgebildet;  Schwanz  bei  Männchen  mit  einem 
kräftigen  Endnagel  versehen,  wie  ich  mich  an  drei  Exemplaren 
überzeugen  konnte,  welche  nachträglich  in  den  Besitz  unserer 
Sammlung  gelangten,  während  der  Schwanz  des  typischen 
Männchens  unvollständig  und  daher  nagellos  ist.  Schwanz   bei 


Fig.  3. 
Cinostemnm  steindachneri  S  i  e  b  e  n  r. ; 
Kopf  von  unten.  Pterj-goidea  sehr  schmal. 
N.  Gr. 


560  F.  Sieben  rock, 

Weibchen  äußerst  kurz  und  ohne  Endnagel.  Stridulationsorgane 
bei  Männchen  an  den  Hinterbeinen  gut  entwickelt. 

Rückenschale  lichtoliven  mit  mehr  weniger  großen, 
wolkigen,  dunkelbraunen  Flecken,  die  so  sehr  überhandnehmen 
können,  daß  die  Rückenschale  einfach  braun  gefärbt  erscheint. 
Plastron  gelb  bis  braun  (wenn  ohne  Lateritüberzug),  im  ersteren 
Falle  die  einzelnen  Schilder  dunkel  gerandet.  Kopf  und  Hals 
oben  schwarz  oder  braun,  mit  oder  ohne  weiße  Flecken;  unten 
weiß  und  meistens  dunkel  marmoriert.  Die  weißen  Flecken  ver- 
einigen sich  bei  zwei  Exemplaren  seitlich  zu  undeutlichen, 
lichten  Streifen,  die  hinter  dem  Auge  gegen  den  Hals  hin 
liegen. 

Die  Kiefer  hornfarben  mit  braunen  Querstreifen,  welche 
auch  nur  angedeutet  sein  können;  gewöhnlich  sind  die  Ouer- 
streifen  bei  Männchen  viel  intensiver  als  bei  Weibchen.  Glied- 
maßen oben  dunkelbraun  und  unten  lichter  gefärbt. 

Lönnberg  1.  c.  hat  unter  den  Schildkröten  Floridas  auch 
C.  pensilvaniaim  Gm.  aus  der  Umgebung  von  Orlando,  Orange 
Countj^,  angeführt,  wo  diese  Art  an  einigen  Orten  in  kleinen 
Seen  und  Flüssen  (Creeks)  ganz  gemein  sein  soll.  Da  unsere 
Exemplare  von  C.  steindachneri  Siebenr.  gleichfalls  von 
dieser  Lokalität  stammen,  entstand  in  mir  der  Zweifel,  ob  die 
von  Lönnberg  erwähnten  Exemplare  auch  wirklich  zu  C.pen- 
silvanicuin  Gm.  gehören;  denn  es  war  kaum  anzunehmen,  daß 
beide  Arten  im  selben  Flußgebiet  zu  finden  seien.  Daher  teilte 
ich  Lönnberg  meine  diesbezüglichen  Bedenken  mit,  der  mir 
dann  in  entgegenkommendster  Weise  eines  von  seinen  selbst- 
gesammelten Exemplaren  zum  Vergleiche  hieher  sandte.  Es 
war  ein  Weibchen  von  94  mm  Schalenlänge  und  unzweifelhaft 
Ta\t  C.  steindachneri  Sitbenr.  identisch.  Somit  dürfte  Inder 
Umgebung  von  Orlando  nur  diese  Art  und  nicht  auch  C.peusil- 
vanicum  Gm.  vorkommen. 

C.  steindachneri  Siebenr.  wurde  von  mir  1.  c.  ursprüng- 
lich wegen  der  Form  des  Plastrons  und  der  ungewöhnlichen 
Schmalheit  der  Brücke  zur  O^ora/ftm- Gruppe  gestellt;  ich  hob 
aber  schon  damals  hervor,  daß  nach  der  Form  der  Plastral- 
schilder  und  durch  die  Längenverhältnisse  ihrer  Mittelnähte 
einige    Ähnlichkeit     mit     C.  pensilvanicnui    Gm.     nicht    von 


Die  Schildkrötenfamilie  Cinosternidae  m.  o61 

der  Hand  zu  weisen  sei.  Erst  die  Prüfung  des  Skelettes  von 
C.  steindaclineri  Siebenr.  verschaffte  mir  die  Gewißheit,  daß 
diese  Art  nicht  zur  Oäoratum-,  sondern  zur  Pensilvaniciun- 
Gruppe  gehören  muß  und  eine  Übergangsform  von  der  einen 
zur  anderen  Art  bildet.  Es  sind  so  wie  bei  der  letzteren  Gruppe 
sechs  Neuralplatten  anwesend,  von  denen  die  erste  bis  zum 
Nuchale  reicht  und  sich  mit  diesem  verbindet,  während  die  erste 
Neuralplatte  bei  C.  odoraUun  Daud.  vom  Nuchale  durch  das 
Zusammentreten  des  ersten  Kostalplattenpaares  in  der  vorderen 
Hälfte  immer  getrennt  wird.  Die  Kaufläche  des  Oberkiefers  ist 
durch  einen  Ausschnitt  von  der  Gaumenplatte  des  Vomer 
getrennt,  bei  C.odoratnm  Daud.  aber  damit  verbunden,  weil  der 
Ausschnitt  fehlt.  Andrerseits  besitzt  der  Schädel  von  C.  stein- 
dachneri  Siebenr.  an  seiner  Basis  eine  Eigentümlichkeit, 
welche  diese  Art  von  C.  odoratniii  Daud.  und  von  C.  pensil- 
vanicmn  Gm.  ganz  besonders  unterscheidet.  Die  Pterygoidea 
sind  nämlich  in  der  Mitte  unverhältnismäßig  schmäler  als  bei 
den  zwei  anderen  Arten  und  dadurch  wird  das  Foramen  sub- 
temporale beiderseits  vergrößert.  Dies  hängt  offenbar  mit  der 
bedeutenderen  Entwicklung  der  Kiefermuskeln  zusammen, 
welche  zur  Bewegung  des  kräftigen  Unterkiefers  erforder- 
lich sind. 

Es  ist  nicht  zu  leugnen,  daß  die  Schale  von  C.  stein- 
dachneri  Siebenr.  im  allgemeinen  einige  Ähnlichkeit  mit  der- 
jenigen von  C.  donbledayii  Gray  (Cat.  Sh.  Rept.,  I,  1855, 
Taf.  XX)  hat.  Da  aber  durch  das  Fehlen  des  Kopfes  ein  sehr 
v.'ichtiges  Merkmal  für  die  Beurteilung  nicht  in  Betracht 
kommen  kann,  ist  die  Gray'sche  Art,  welche  Boulenger  1.  c. 
mit  C  pensilvanicimt  Gm.  identifizierte,  viel  zu  wenig  gekenn- 
zeichnet,   um    darüber    mit  Sicherheit  entscheiden  zu  können. 

Boulenger  1.  c.  führt  bei  C. pensilvaniciun  Gm.  auch  vier 
junge  Exemplare  aus  Florida  an.  Es  könnte  möglich  sein,  daß 
dieselben  ebenfalls  zu  C.  steindachneri  Siebenr.  gehören  und 
bloß  wegen  ihres  jugendlichen  Alters  oder  ihrer  geringen  Größe 
von  ersterer  Art  nicht  unterschieden  werden  konnten.  Würde 
dies  wirklich  der  Fall  sein,  so  wäre  die  Annahme  gerechtfertigt, 
daß  C.  pensilvanicum  Gm.  in  Florida  durch  C.  steindachneri 
Siebenr.  vertreten  ist. 


562 


F.  Siebenrock, 


Das  Museum  besitzt  von  C.  sieindachneri  Sieh eni\  vier 
Exemplare  (3  cf  und  1  9)  in  Alkohol  und  ein  Skelett;  sie 
stammen,  wie  schon  erwähnt  wurde,  aus  Orlando  in  Florida. 
Die  Länge  der  Rückenschale  des  größten  Exemplares,  cf,  beträgt 
101  min,  die  Breite  64  mm  und  ihre  Höhe  42  mm;  diese  Maße 
verhalten  sich  beim  kleinsten  Exemplare,  9,  wie  87: 57:  47. 
Da  letzteres  zum  Legen  reife  Eier  in  den  Eileitern  hat,  dürften 
die  Exemplare  völlig  ausgewachsen  sein. 

4.  Cinosternum  baurii  Garman. 
Cinosternum  batirii,  Garman,  Bull.  Essex  Instit.,  XXIII,   1892/93,  p.  141. 
Kinosternon  baurii  Lönnberg,  Proc.  Un.  Stat.  N.  Mus.,  XVII,  1894,  p.  319. 

Rückenschale  längsoval,  hinten  breiter  als  vorn  und  ganz 
senkrecht  abfallend;  nur  bei  einem  Exemplar  aus  Georgiana, 
Florida,   ist   die  Profillinie   hinten  mehr  ausgedehnt.    Mittelkiel 

kaum  angedeutet,  Seitenkiele 
abwesend.  Erstes  Vertebrale 
sehr  variabel  in  der  Form, 
aber  zumeist  vorn  breiter  als 
lang,  breiter  oder  auch 
schmäler  als  das  zweite  bis 
vierte;  zweites  Vertebrale 
gewöhnlich  etwas  schmäler 
als  das  dritte.  Nuchale  klein 
und  unansehnlich.  Supracau- 
dalia  etwas  niedriger  als  die 
anstoßenden  zehnten  Mar- 
ginalia.  Schilder  nicht  imbri- 
kat,  ganz  glatt,  nur  beim 
Exemplar  aus  Georgiana  die 
konzentrischen  Furchen  an- 
gedeutet. 

Plastron  ziemlich  groß, 
nur  etwas  schmäler  als  die 
Schalenöffnung,  bei  Weibchen  länger  als  bei  Männchen.  Vorder- 
lappen kürzer  als  der  Hinterlappen  bei  Weibchen,  länger  bei 
Männchen  und  stets  länger  als  der  unbewegliche  Teil  des 
Plastrons.  Vorderlappen  vorn  abgerundet,  Hinterlappen  am 
freien  Ende  seicht  ausgeschnitten  und  in  beiden  Geschlechtern 


Fig.  4. 

Cinostermun  baurii  Garman; 

Plastron  von  innen.  N.  Gr. 


Die  Schildkrötenfamilie  Cinosiernidae  m.  563 

gut  beweglich.  Brücke  schmal,  4-  bis  472^^1  in  der  Länge  des 
Plastrons  enthalten.  Gulare  kürzer  als  die  humerale  Mittelnaht 
und  nicht  halb  so  lang  als  der  Vorderlappen.  Die  Pektoralschil- 
der  bilden  eine  kurze  Mittelnaht,  die  aber  auch  fehlen  kann  und 
dann  stoßen  die  Humeralia  mit  den  Abdominalia  in  der  Mitte 
zusammen.  Anale  Mittelnaht  ebensolang  oder  länger  als  die 
abdominale  bei  Weibchen,  kürzer  bei  Männchen  und  viermal 
so  lang  als  die  femorale.  Axillaria  klein  und  schmal,  Inguinalia 
groß,  dreimal  so  lang  als  breit,  sie  reichen  bis  zum  achten  Mar- 
ginale zurück;  beide  Schilder  miteinander  intensiv  verbunden. 
Die  Plastralschilder  sind  bloß  bei  Männchen  durch  unbedeu- 
tende häutige  Zwischenräume  getrennt. 

Kopf  mittelmäßig  groß,  Schnauze  deutlich  vorspringend 
und  spitz,  Nasenschild  solid,  nach  hinten  verlängert  und  abge- 
rundet. Kiefer  stark,  Oberkiefer  in  der  Mitte  nicht  hakenförmig, 
nur  ganz  unbedeutend  vorragend.  Unterkiefersymphyse  halb  so 
lang  als  eine  Mandibelhälfte.  Schwimmhäute  an  den  Glied- 
maßen wohl  ausgebildet,  Schwanz  bei  Männchen  mit  einem 
Endnagel  versehen,  an  dessen  Stelle  bei  Weibchen  eine  tüten- 
förmige  Schuppe  tritt.  Stridulationsorgane  bei  Männchen  an  den 
Hinterfüßen  gut  entwickelt. 

Rückenschale  licht-  bis  dunkeloliven  oder  rötlichbraun  mit 
drei  hellen  Längsstreifen;  von  diesen  verläuft  der  mittlere  in  der 
Vertebrallinie,  die  seitlichen  an  den  medialen  Enden  der  Kostal- 
schilder. Diese  Längsstreifen  können  bei  älteren  Individuen 
undeutlich  werden  oder  auch  verschwinden.  Plastron  gelb,  die 
Schilder  dunkelbraun  eingesäumt.  Kopf  und  Hals  oben  grau  oder 
braun  mit  mehr  weniger  zahlreichen,  runden,  gelben  Flecken;  die 
Schnauzenspitze  wird  von  einem  gelben  Streifen  eingesäumt, 
der  beiderseits  ober  dem  Auge  und  Tympanum  nach  hinten 
zum  Halse  zieht;  ein  zweiter  Streifen  beginnt  hinter  dem  Auge 
und  führt  unter  dem  Tympanum  ebenfalls  zum  Hals,  endlich 
liegt  ein  drittes  Paar  auf  beiden  Seiten  der  Unterkiefersymphj^se, 
von  den  Nasenlöchern  bis  zum  Kinnwinkel  reichend.  Diese 
drei  Streifenpaare  sind  nicht  immer  sehr  deutlich  sichtbar; 
besonders  das  dritte  Paar  fehlt  zuweilen  oder  es  ist  bloß  auf 
den  Unterkiefer  allein  beschränkt;  der  übrige  Teil  der  Kiefer 
hat  eine  gelbe  Färbungmit  mehr  weniger  eng  gesetzten  braunen 


564  F.  Siebenrock, 

Flecken,  die  so  dicht  stehen  können,  daß  die  Kiefer  fast  ganz 
einförmig  braun  aussehen.  Hals  unten  grau,  respektive  braun, 
ebenso  die  Gliedmaßen,  ersterer  häufig  mit  gelben  Streifen  oder 
Flecken  geziert. 

Diese  Art  beschrieb  S.  Garman  (Proc.  Amer.  Phil.  Soc, 
1887,  p.  286)  zuerst  nach  einem  Exemplar  aus  Cuba,  ohne  ihr 
einen  spezifischen  Namen  zu  geben.  Erst  einige  Jahre  später 
gab  ihr  Garman  (Bull.  Essex  Instit.,  XXIII,  1892/93,  p.  141),  als 
er  noch  mehrere  Exemplare  von  Key-West,  einer  Inselgruppe 
zwischen  Cuba  und  Florida,  erhalten  hatte,  den  Namen  hatirii. 

Die  Exemplare  unserer  Sammlung,  sieben  Stück,  stammen 
aus  Florida,  und  zwar  von  Belleair,  Hastings,  Georgiana  und 
Orlando.  Nach  Exemplaren  von  letzterem  Fundorte  hat  Lönn- 
berg  diese  Art  zuerst  als  Bewohnerin  von  Florida  nach- 
gewiesen. 

C.  hatirii  Garman  ist  nach  dem  Autor  die  einzige  Schild- 
kröte auf  Key-West,  wo  sie  ziemlich  häufig  in  den  brackischen 
Sümpfen  gefunden  wird. 

Die  Länge  der  Rückenschale  unseres  größten  Exem- 
plares,  9,  beträgt  92  mm,  deren  Breite  62  mm,  ihre  Höhe 
39  mm;  diese  Maße  verhalten  sich  beim  kleinsten  Exemplare, 
9  ,  wie  68  :  46  :  28. 

5.  Cinosternum  pensilvanicum  Gm. 

Cinosternmn  pensylvanictmi,   Boulenger,    Cat.,    1889,  p.   39;    —    Strauch, 

Mem.  Ac.  St.  Petersb.,  (7),  XXXVIII,  Nr.  2,    1890,  p.  88;  —   Lindhol  in, 

Jahrb.  nassau.  Ver.,  1901,  p.  184. 
Kinosiernon pensilvanicum,  Rhoads,  Proc.  Ac.  Philad.,  1895,  p.  384. 
Cinosternum pennsylvanicum,   Garman  H.,  Bull.  Illinois  Lab.  N.  H.,  III,    1892, 

p.  238. 
Kinosternum pennsylvanicum,  Paulmier,  New  York  Stat.  Mus.  Bull.,  V,  1902, 

p.  393;   —  Ditmars,  Amer.  Mus.  Journ.,  V,  1905,  p.  129. 
Cinosternon  henrici?,  Strauch,  1.  c,  p.  89. 
Kinosternon  lonisianae,  Baur,  Amer.  Nat.,  XXVII,  1893,  p.  676. 

Nach  den  neuen  nomenklatorischen  Regeln  muß  der  Name 
dieser  Art  ohne  Rücksicht  auf  die  Orthographie  »pensilvani- 
cum«  und  nicht  »pensylvantcum«  oder  »pennsylvanicum«  heißen, 
weil  er  auch  vom  Autor  in  Linne's  Systema  Naturae,  Tom.  I, 
Pars  III,  1788,  p.  1042,  mit  i  und  mit  einfachem  n  geschrieben 
wurde. 


Die  Schildkrötenfamilie  Ciuosteniidae  m.  565 

Rückenschale  oval,  gewöhnlich  sehr  breit  im  Verhältnisse 
zur  Länge,  stark  deprimiert,  im  hinteren  Drittel  am  höchsten, 
von  da  nach  vorn  schief  abwärts  verlaufend,  nach  hinten  senk- 
recht abfallend.  Der  Mittelkiel  und  die  Seitenkiele  fehlen  bei 
halbwüchsigen  und  ausgewachsenen  Tieren  fast  immer;  ja,  die 
Vertebralgegend  ist  sogar  sehr  häufig  rinnenförmig  vertieft; 
nur  ganz  junge  Individuen  haben  einen  deutlich  sichtbaren 
Mittelkiel,  dagegen  sind  auch  bei  ihnen  die  Seitenkiele  kaum 
angedeutet.  Erstes  Vertebrale  vorn  sehr  variabel,  es  kann 
ebenso  breit,  aber  auch  viel  schmäler  als  lang  sein,  im  ersteren 
Falle  ist  es  so  breit  wie  das  zweite  Vertebrale,  im  letzteren 
schmäler;  zweites  Vertebrale  immer  schmäler  als  das  dritte. 
Nuchale  klein,  linear  oder  trapezförmig.  Supracaudalia  meistens 
viel  niedriger  als  die  anstoßenden  zehnten  Marginalia.  Die 
Schilder  bei  erwachsenen  Individuen  ganz  glatt  und  nur  wenig 
imbrikat. 

Plastron  von  mäßiger  Größe,  immer  schmäler  als  die 
Schalenöffnung,  bei  Weibchen  merklich  länger  als  bei  Männ- 
chen. Vorderlappen  ebenso  lang  oder  länger  als  der  Hinter- 
lappen und  viel  länger  als  der  unbewegliche  Teil  des  Plastrons- 
Vorderlappen  vorn  abgerundet,  Hinterlappen  am  freien  Ende 
seicht,  bei  Männchen  etwas  tiefer  ausgeschnitten  und  in  beiden 
Geschlechtern  gut  beweglich.  Der  Hinterlappen  erhält  dadurch 
eine  sehr  charakteristische  Form,  daß  die  Femoralschilder  nach 
außen  mehr  weniger  bogenförmig  vorspringen.  Brücke  schmal? 
4-  bis  5mal  in  der  Länge  des  Plastrons  enthalten.  Gulare  ge- 
wöhnlich viel  kürzer  als  die  humerale  Mittelnaht  und  daher 
nicht  halb  so  lang  als  der  Vorderlappen.  Die  pektorale  Mittel- 
naht ist  stets  sehr  kurz  und  zuweilen  fehlt  sie  ganz;  anale 
Mittelnaht  ebensolang  oder  länger  als  die  abdominale,  viel  länger 
als  die  femorale.  Axillaria  lang  und  schmal,  die  Inguinalia  viel 
breiter  und  mindestens  dreimal  so  lang  als  breit,  sie  reichen 
bis  zum  achten  Marginale  zurück;  beide  Schilder  miteinander 
intensiv  verbunden.  Keine  häutigen  Zwischenräume  auf  dem 
Plastron  anwesend,  die  Schilder  stoßen  vielmehr  alle  unmittel- 
bar aneinander. 

Kopf  mittelmäßig  groß,  Schnauze  nicht  vorspringend, 
stumpf;  Nasenschild  solid,  hinten  geradlinig  abgeschnitten  oder 


566 


F.  Siebenrock, 


etwas  verlängert  und  zugespitzt.  Kiefer  stark,  Oberkiefer  in  der 
Mitte  schwach  hakenförmig  vorragend.  Unterkiefersymphyse 
halb  so  lang  wie  eine  Mandibelhälfte.  Zwischen  derKaufläche  des 
Oberkiefers  und  der  Gaumenplatte  des  Vomer  ein  Ausschnitt. 
Schwimmhäute  an  den  Gliedmaßen  wohl  ausgebildet.  Schwanz 
in  beiden  Geschlechtern  mit  einem  Endnagel  versehen,  nur  bei 
Männchen  viel  größer  als  bei  Weibchen.  Stridulationsorgane  bei 
Männchen  an  den  Hinterfüßen  wohl  entwickelt. 

Rückenschale  in  der  Färbung  sehr  variabel,  von  lichtoliven 
bis  dunkelbraun;  im  ersteren  Falle  auch  mit  mehr  weniger 
großen,  wolkigen,  dunklen  Flecken  besetzt;  die  Schilder  immer 

schwarz  gerandet. 

In  der  Sammlung  des 
Museums  befindet  sich  ein 
erwachsenes  Exemplar  die- 
ser Art  ohne  genauere  Fund- 
ortsangabe als  Nordamerika. 
Bei  diesem  ist  die  Rücken- 
schale braun  gefärbt  und  mit 
drei  ziemlich  deutlichen,  lich- 
ten Längsstreifen  wie  bei  C. 
banrii  Gar  man  versehen. 
Die  Schale  zeigt  jedoch 
durch  die  breite  und  stark 
deprimierte  Form  den  typi- 
schen Charakter  von  C.  pensilvanicnui  Gm.,  so  daß  die  Zuge- 
hörigkeit des  Exemplares  zu  dieser  Art  außer  Zweifel  steht, 
obwohl  beiderseits  am  Kopfe  die  zwei  Schläfenstreifen,  die  sich 
auch  bei  C.  hmirii  Gar  man  gewöhnlich  finden,  angedeutet  sind. 
Plastron  gelb,  die  Nähte  mit  verschieden  breiten  dunklen 
Rändern  versehen;  niemals  aber  ist  das  Plastron  ganz  braun 
oder  schwarz  gefärbt  und  falls  dies  bei  einem  Exemplar  denn- 
noch  wahrgenommen  wird,  so  ist  die  dunkle  Farbe  nicht  echt, 
sondern  sie  rührt  von  einem  Lateritüberzug  her,  der  sich  ganz 
leicht  auf  mechanischem  Wege  entfernen  läßt.  Kopf  und  Hals 
oben  grau  oder  braun,  mit  mehr  weniger  zahlreichen  gelben 
Flecken  besetzt,  die  nur  selten  vollständig  fehlen.  Der  Nasen- 
schild zeigt   inimer   eine   von  der  Kopfhaut  differente  Färbung, 


Fig.  5. 

Cinosterniiin  pcnsilvaiüctim  G  m. ; 

Kopf  von  unten.  Pterygoidea  sehr  breit. 

N.  G. 


Die  Schildkrütenfamilie  Cinostcniidae  m.  o67 

indem  er  entweder  lichter  oder  dunkler  als  dieselbe  ist,  je  nach- 
dem die  gelben  Flecken  oder  Vermikulationen  auf  ihm  mehr 
oder  weniger  häufig  anwesend  sind.  Am  Kopfe  beiderseits  zu- 
weilen zwei  gelbe  Streifen  wie  bei  C.  batirii  Garman;  sie 
sind  aber  niemals  so  scharf  gezeichnet  wie  bei  der  letzteren 
Art.  Kiefer  gelb  mit  braunen  Punkten  oder  Querstreifen.  Hals 
unten  gelb  oder  grau  mit  gelben  Flecken;  Gliedmaßen  meistens 
einförmig  grau  gefärbt. 

Die  von  Baur  1.  c.  als  C.  lotiisianae  neu  beschriebene  Art 
aus  New-Orleans,  Louisiana,  ist  mit  C.  pensilvanictim  Gm. 
identisch.  Weder  die  Originalbeschreibung  Baur's  noch  die 
Exemplare,  welche  ich  von  der  genannten  Lokalität  zu  sehen 
Gelegenheit  hatte,  berechtigen  zur  Aufstellung  einer  neuen  Art. 
Baur  teilt  zwar  mit,  daß  unter  den  vielen  Exemplaren,  welche 
er  von  New-Orleans  erhalten  hatte,  stets  nur  die  von  ihm 
beschriebene  Form  vertreten  war,  deren  Hauptmerkmal  in  den 
zwei  Schläfenstreifen  besteht.  Unsere  Sammlung  besitzt  jedoch 
ein  Exemplar  von  dieser  Lokalität  ohne  alle  Andeutung  von 
Schläfenstreifen.  Somit  kann  es  sich  in  diesem  Falle  auch  nicht 
um  eine  Varietät  handeln,  weil  an  ein  und  derselben  Örtlichkeit 
beide  Färbungsmöglichkeiten  vorkommen,  wie  man  dies  bei 
C.  pensilvanictim  Gm.  von  mehreren  Lokalitäten  der  Südstaaten 
Nordamerikas  beobachten  kann.  Mir  liegen  zwei  Exemplare 
von  Waco  in  Texas  vor,  von  denen  das  eine  die  beiden 
Schläfenstreifen  ziemlich  deutlich  zeigt,  während  sie  beim 
anderen  Exemplar  kaum  angedeutet  sind;  und  beide  tragen 
in  der  Schalenform  den  unverkennbaren  Charakter  von  C.  pen- 
siluanicnm  Gm.  zur  Schau.  Auf  ähnliche  Weise  verhalten  sich 
drei  Exemplare  von  Mimsville  im  südwestlichen  Georgien. 

Das  von  Strauch  1.  c.  als  C.  henricl  Leconte?  beschrie- 
bene Exemplar  aus  Dallas  in  Texas  gehört  zu  C.  peiisilvani- 
cuin  Gm.,  wie  ich  mich  durch  den  Augenschein  am  Original 
überzeugen  konnte.  Es  ist  ein  Weibchen  und  hat  daher  ein 
etwas  breiteres  Plastron,  auf  das  Strauch  bei  der  Beurteilung 
einen  besonderen  Wert  legte.  Die  Form  des  ersten  Vertebrale 
und  insbesondere  die  der  Plastralschilder  sowie  die  Nahtver- 
hältnisse stimmen  vollständig  mit  C.  pensilvanicum  Gm. 
überein. 


568  F.  Siebenrock, 

Bei  ganz  jungen  Tieren  dieser  Art  sind  auf  dem  gelben 
Plastron  in  der  Mitte  braune  Flecken  anwesend,  welche  sich  zu 
einer  ziemlich  regelmäßigen  Figur  formieren  können. 

C.  pensilvmiicum  Gm.  hat  fast  die  gleiche  geographische 
Verbreitung  wie  C.  odorahim  Daud.;  sie  erstreckt  sich  vom 
östlichen  Teil  der  Vereinigten  Staaten  bis  zum  Golf  von  Mexiko 
und  im  Westen  reicht  sie  nahezu  bis  zum  Felsengebirge.  Die 
herpetologische  Sammlung  des  Museums  besitzt  Exemplare 
von  Raleigh  in  Nord-Carolina,  aus  den  Südstaaten,  von  Waco 
in  Texas,  Mimsville  im  südwestlichen  Georgien,  Opelousas  und 
New-Orleans  in  Louisiana. 

Strauch  1.  c.  sowie  Lindholm  1.  c.  nennen  bei  einem 
Exemplar  als  Fundort  Mexiko;  ob  aber  diese  Angaben  richtig 
seien,  scheint  mir  mehr  als  fragwürdig,  weil  sie  ganz  vereinzelt 
in  der  Literatur  stehen  und  weil  außerdem  diese  Art  von  dort 
noch  nie  mit  Sicherheit  nachgewiesen  werden  konnte. 

Die  Länge  der  Rückenschale  unseres  größten  Exemplares, 
?,  beträgt  102  nini,  deren  Breite  75  mm,  ihre  Höhe  47  imn; 
diese  Maße  verhalten  sich  beim  kleinsten  Exemplar,  9,  wie 
25:  22  :  12. 

C.  pensilvanicum  Gm.,  allgemein  Schlammschildkröte  ge- 
nannt, lebt  in  Seen,  Flüssen  und  Sümpfen,  geht  aber  nach 
Paulmier  1.  c.  auch  sehr  häufig  auf  das  Land.  Übereinstimmend 
lauten  die  Mitteilungen  von  Hanau  (Zool.  Garten,  37, 
1896,  p.  308)  nach  Beobachtungen  in  der  Gefangenschaft,  wo 
das  Tier,  wenn  es  in  das  Wasser  gegeben  wurde,  nach  einigen 
Tagen  wieder  herausging  und  einen  trockenen  Winkel  im  Terra- 
rium aufsuchte.  Ganzanders  verhält  sich  C.odoratum  Daud.  in 
der  Gefangenschaft,  weil  es  nach  demselben  Autor  I.e.  und  nach 
Werner  (Zool.  Garten,  38,  1897,  p.  87)  das  Wasser  niemals 
freiwillig  verläßt  und  somit  ein  vollständig  aquatisches  Tier  ist. 

6.  Cinosternum  flavescens  Agass. 
Cinosternum ßavesccns,  Boulenger,    Cat.,   1889,   p.  40;   —   C  ope,  Proc.  Ac. 

Philad.,  1893,  p.  386;   —  Brown,  ibid.,  LV,  1903,  p.  543. 
Kinosterntim  flavescens,  Cope,  ibid.,  1892,  p.  333. 
Kinosternon  flavescens,  Stone,  Proc.  Ac.  Philad.,  LV,  1903,  p.  540. 

Rückenschale  oval,  sehr  breit  im  Verhältnisse  zur  Länge, 
besonders  bei  halbwüchsigen  Individuen,  stark  deprimiert,    nur 


Die  Schildkrötenfamilie  Cinostcrnidae  m. 


569 


selten  hinten  höher  als  vom.  Vertebralgegend  abgeflacht,  der 
Mittelkiel  nur  bei  ganz  jungen  Exemplaren  angedeutet.  Seiten- 
kiele abwesend.  Der  hintere  Teil  der  Schale  fällt  fast  senkrecht 
ab.  Erstes  Vertebrale  vorn  ebenso  breit  oder  schmäler  als  lang, 
so  breit  wie  das  zweite,  aber  schmäler  als  das  dritte  Vertebrale. 
Nuchale  klein,  gewöhnlich  trapezförmig.  Supracaudalia  bedeu- 
tend niedriger  als  die  anstoßenden  zehnten  Marginalia;  die  vor- 
letzten neunten  vorn  nach  oben  winkelig  vorspringend  und 
daher  ebenso  hoch  als  die  zehnten.  Durch  dieses  Merkmal  unter- 
scheidet sich  C.flavescens  Agass,  von  allen  bisher  bekannten 
Cinostermtm-Arten  auf  den  ersten  Blick.  Schilder  meistens  glatt 
und  deutlich  imbrikat. 

Plastron  ziemlich  groß, 
aber  kleiner  als  die  Schalen- 
öffnung; Vorderlappen  ver- 
hältnismäßig lang,  fast  immer 
länger  als  der  Hinterlappen 
und  bedeutend  länger  als  der 
unbewegliche  Teil  des  Pla- 
strons. Vorderlappen  vorn 
abgerundet,  Hinterlappen  am 
freien  Ende  eingekerbt,  bei 
beiden  Geschlechtern  gut  be- 
weglich. 

Brücke  sehr  schmal,  4- 
bis  4Y2  nial  in  der  Länge  des  Plastrons  enthalten.  Gulare  gleich 
lang  oder  unbedeutend  kürzer  als  die  humerale  Mittelnaht  und 
gewöhnlich  fast  halb  so  lang  als  der  Vorderlappen,  weil  die 
pektorale  Mittelnaht  zwar  nie  fehlt,  aber  äußerst  kurz  ist,  wie  ich 
mich  an  14  Exemplaren  überzeugen  konnte.  Anale  Mittelnaht 
ebenso  lang  oder  länger  als  die  abdominale  und  sechsmal  länger 
als  die  femorale,  welche  der  pektoralen  ungefähr  gleichkommt. 
Axillaria  klein,  Inguinalia  bedeutend  größer,  sie  reichen  bis  zum 
achten  Marginale  zurück;  beide  Schilder  miteinander  intensiv 
verbunden.  Die  Plastralschilder  durch  keine  häutigen  Zwischen- 
räume getrennt,  nur  bei  einem  erwachsenen  Männchen  von 
130  mm  Schalenlänge  ist  der  Raum  zwischen  dem  festen  Teil 
des   Plastrons  und   dem  Hinterlappen   sehr  breit  und  mit  Haut 


Fig.  6. 

Cinosternum  flavescens  A  g  a  s  s  i  z ; 

Kopf  von  unten.  .N  Gr. 


570  F.  Siebenrock, 

ausgefüllt,  wie  dies  in  ähnlicher  Weise  von  Yarrovv  (Wheeler's 
Rep.  Explor.  Surv.  W.  lOOth  Mer.,  V,  1875)  bei  C.  henrici 
Leconte  auf  Taf.  XVI,  Fig.  2,  dargestellt  wurde. 

Kopf  mittelmäßig  groß,  deprimiert  und  flach;  Schnauze 
kurz,  ein  wenig  vorspringend  und  spitz;  Nasenschild  stark 
gegabelt.  Kiefer  schwach,  Oberkiefer  in  der  Mitte  hakenförmig  ver- 
längert, und  zwar  bei  Männchen  mehr  als  bei  Weibchen.  Unter- 
kiefersymphyse  nicht  halb  so  lang  als  eine  Mandibelhälfte. 
Zwischen  der  Kaufläche  des  Oberkiefers  und  der  Gaumen- 
platte des  Vomer  ein  sehr  breiter  Ausschnitt.  Schwimmhäute 
an  den  Gliedmaßen  wohlausgebildet;  die  halbmondförmigen 
Schuppen  an  der  Ferse  klein  und  schmal,  daher  weniger  ent- 
wickelt als  bei  den  übrigen  Cmosternutn- Arien.  Schwanz  mit 
kräftigem  Endnagel,  der  auch  bei  Weibchen  ganz  ansehnlich 
ist.  Stridulationsorgane  bei  Männchen  an  den  Hinterfüßen  gut 
entwickelt;  sie  bestehen  aus  wenigen,  aber  sehr  starken  Horn- 
tuberkeln. 

Rückenschale  schön  olivengrün  und  alle  Schilder  schwarz 
gerandet;  die  Ränder  hinten  breiter  als  oben  oder  unten,  bezie- 
hungsweise seitlich.  Dadurch  erhält  die  Rückenschale  eine  sehr 
lebhafte  Färbung,  besonders  bei  jungen  Individuen.  Plastron 
grünlichgelb  mit  dunklen  Schildrändern;  bei  ganz  jugendlichen 
Tieren  bildet  eine  Anzahl  brauner  Flecke  in  der  Mitte  eine 
symmetrische  Figur.  Kopf  und  Hals  oben  grau  mit  oder  ohne 
lichte  Flecken,  die  seitlich  größer  und  zahlreicher  auftreten. 
Auf  dem  Nasenschild  gewöhnlich  einige  schwarze  Punkte 
sichtbar.  Kehle  und  Hals  unten  gelb,  mit  und  ohne  dunkle 
Flecken;  Kiefer  gelb  mit  verschieden  zahlreichen,  grauen 
Flecken;  Gliedmaßen  oben  dunkel-,  unten  lichtgrau. 

Diese  Beschreibung  stimmt  viel  mehr  mit  der  von  Cope 
1.  c.  1892  und  Brown  1.  c.  überein  als  mit  den  Figuren,  die 
Coues  (in  Wheeler's  Explor.  Surv.  W.  lOOthMer.,  V,  1875)  auf 
Taf.  XVII  von  dieser  Art  gegeben  hat.  Und  dennoch  gehören 
die  mir  vorgelegenen  Exemplare  ohne  jeden  Zweifel  zu  C.fla- 
vescens  Agass.  Daraus  ersieht  man,  wie  ungenau  entweder  die 
genannten  Figuren  sein  müssen  oder  wie  groß  die  individuelle 
Variabilität  dieser  Art  ist. 


Die  Schüdkrötenfamilie  Cinostcrnidae  m.  57  1 

Die  Originalbeschreibung  von  Agassiz  (Contr.  Nat.  Hist. 
U.  St.,  I,  1857,  p.  430)  bezieht  sich  fast  ausschließlich  auf  den 
Kopf,  ohne  die  habituellen  Merkmale  der  Schale  auch  nur  mit 
einem  Worte  zu  berühren. 

Die  meisten  Exemplare,  welche  bisher  beobachtet  und 
gesammelt  wurden,  stammen  aus  Texas,  wo  diese  Art  nach 
Cope,  1.  c,  1893,  bei  Mobeetie  den  nördlichsten  Punkt  erreicht, 
welchen  man  bis  jetzt  kennt;  nur  Agassiz  1.  c.  führt  auch 
einige  Exemplare  von  Arkansas  und  Arizona  an.  Die  herpeto- 
logische  Sammlung  des  A'Iuseums  besitzt  Exemplare  aus  Texas 
von  Austin  und  El  Paso.  Die  Länge  der  Rückenschale  des 
größten  Exemplares,  o^,  beträgt  130  mm,  deren  Breite  91  mm 
und  ihre  Höhe  48  mm;  diese  iMaße  verhalten  sich  beim  kleinsten 
Exemplare  wie  32  :  29  :  13. 

C.ßavesceiis  Agass.  scheint  in  Texas  keine  seltene  Schild- 
kröte zu  sein.  Cope,  1.  c,  1892,  fand  sie  sehr  häufig  in  den 
künstlichen  Wasserzisternen  der  Viehbereiche  von  Nordwest- 
Texas  und  in  den  temporären  Regenwassertümpeln,  wo  sie 
ihre  Schnauze  aus  dem  Wasser  herausstreckt  und  sich  durch 
eifriges  Schwim.men  betätigt.  Wenn  diese  Tümpel  austrocknen, 
unternimmt  sie  Landreisen,  bis  sie  die  nächsten  Wasserstellen 
findet. 

7.  Cinosternum  sonoriense  Leconte. 

Cinosternum  sonoriense,  Boul enger,  Cat.,  1889,  p.  40. 

Kinosternon  sonoriense,  Stejneger,  Proc.  U.  Stat.  Nat.Mus.,XXV,  1902,  p.  149. 

Cinosternum  henvici,  Beulen ger,  1.  c,  p.  40. 

Rückenschale  längsoval,  vorn  ebenso  breit  als  hinten,  sehr 
stark  deprimiert,  hinten  nicht  höher  als  vorn;  Vertebralgegend 
flach,  der  Mittelkiel  sichtbar,  deutlicher  bei  Männchen  als  bei 
Weibchen;  Seitenkiele  abwesend.  Schale  bei  Männchen  etwas 
mehr  als  bei  Weibchen  gewölbt  und  hinten  steiler  abfallend. 
Erstes  Vertebrale  sehr  breit,  vorn  breiter  als  lang  und  als  die 
darauffolgenden  drei  Vertebralia;  auch  die  hintere  Kante  des 
ersten  Vertebrale  ist  breiter  als  bei  den  übrigen  Chiostermtm- 
Arten,  wodurch  sich  diese  Art  besondersvonC._/?afßscß«s  Agass. 
unterscheidet. Nuchale  klein, rechteckig  oder  quadratisch;  Supra- 
caudalia  niedriger  als  die  anstoßenden  zehnten  Marginalia  und 
diese  viel  höher  als  die  vorhergehenden  neunten,    welche  eben 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  KL;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  38 


572  F.  Siebenrock, 

vorn  nicht  winkelig  nach  oben  vorspringen.  Schilder  glatt  und 
imbrikat. 

Plastron  ziemlich  groß,  aber  kleiner  als  die  Schalenöfthung. 
Der  Vorderlappen  reicht  bis  zum  vorderen  Schalenrand,  er  ist 
aber  etwas  schmäler  als  dieser,  kürzer  als  der  Hinterlappen  bei 
Weibchen,  ebenso  lang  bei  Männchen  und  etwas  länger  als 
der  unbewegliche  Teil  des  Plastrons.  Vorderlappen  vorn  abge- 
rundet, Hinderlappen  am  freien  Ende  eingekerbt  und  in  beiden 
Geschlechtern  gut  beweglich.  Brücke  372"  bis  4mal  in  der  Länge 
des  Plastrons  enthalten.  Gulare  viel  länger  als  die  humerale 
Mittelnaht  und  halb  so  lang  bei  Männchen  oder  mehr  wie  halb 
so  lang  als  der  Vorderlappen  bei  Weibchen;  pektorale  Mittel- 
naht variabel,  entweder  halb  oder  nahezu  halb  so  lang  als  die 
humerale,  sie  kann  aber  auch  sehr  kurz,  nämlich  viermal  in  der 
letzteren  enthalten  sein.  Anale  Mittelnaht  stets  kürzer  als  die 
abdominale  und  nur  2- bis  2Y2mal  länger  als  die  femorale 
Axillaria  klein,  Inguinalia  groß,  sie  reichen  bis  zum  achten  Mar- 
ginale zurück;  beide  Schilder  miteinander  intensiv  verbunden. 
Plastralschilder  auch  bei  Männchen  durch  keine  häutigen 
Zwischenräume  voneinander  getrennt. 

Kopf  mittelmäßig  groß,  deprimiert  und  flach;  Schnauze 
kurz  und  stumpf,  nicht  vorspringend;  Nasenschild  solid,  hinten 
abgerundet.  Kiefer  stark,  Oberkiefer  inderMitte  nur  wenig  haken- 
förmig verlängert,  Unterkiefersymphyse  mehr  wie  halb  so  lang 
als  eine  Mandibelhälfte.  Schwimmhäute  an  den  Gliedmaßen 
wohl  ausgebildet;  die  halbmondförmigen  Schuppen  an  der 
Ferse,  wie  gewöhnlich  bei  den  Chiosternum-Arten,  lang  und 
breit.  Schwanz  mit  kräftigem  Endnagel,  der  bei  Männchen  viel 
stärker  als  bei  Weibchen  entwickelt  ist.  Stridulationsorgane  bei 
Männchen  an  den  Hinterfüßen  deutlich  ausgebildet. 

Rückenschale  braun  mit  schwarzen  Schildrändern,  Pla- 
stron gelb,  die  Nähte  schwarz  gefärbt.  Kopf  oben  braun,  mit 
mehr  weniger  zahlreichen,  lichten  Flecken,  die  an  den  Seiten 
größer  und  deutlicher  hervortreten.  Kiefer  gelb  mit  braunen 
Punkten  oder  Querstreifen.  Hals  unten  bräunlich-grau,  ebenso 
die  Gliedmaßen. 

C.  henrici  Leconte  ist  ohne  Zweifel  mit  C.  sotioriense  Le- 
conte  identisch.  Vergleicht  man  die  Beschreibungen  der  beiden 


Die  Schildkrötenfamilie  Cinosternidae  m.  5/3 

Arten,  von  denen  Leconte  die  letztere  1854  (Proc.  Ac.  Philad., 
p.  184)  und  erstere  fünf  Jahre  später  in  derselben  Zeitschrift, 
p.  4,  aufgestellt  hat,  miteinander,  so  ergibt  sich,  daß  die  daselbst 
angeführten  Merkmale  zu  geringfügiger  Natur  sind,  um  ihnen 
einen  artlichen  Charakter  beizumessen;  sie  können  höchstens 
als  individuelle  Aberration  betrachtet  werden.  Auch  die  Abbil- 
dungen, welche  Yarrow  (in  Wheeler's  Rep.  Explor.  Surv.  W. 
lOOthMer.,  IV,  1875)  auf  Tafel  XVI  gegeben  hat,  stimmen  mit  den 
Beschreibungen  beider  Arten  von  Le  con  tele,  vollkommen  über- 
ein. Bloß  der  Nasenschild  unterscheidet  sich  in  der  Yarrow- 
schen  Figur  von  C.  sonoriense  Leconte  scheinbar  durch  seine 
tiefe  Gabelung,  während  er  bei  den  mir  vorliegenden  Exemplaren 
solid  und  hinten  abgerundet  ist.  Allein  die  Gabelung  des  Nasen- 
schildes dürfte  bei  der  zitierten  Figur  keine  natürliche  sein, 
wie  man  sich  durch  eine  genaue  Besichtigung  derselben  über- 
zeugen kann,  sondern  diese  Gabelung  ist  auf  einen  Defekt 
zurückzuführen,  den  das  betreffende  Exemplar  entweder  bei 
der  Konservierung  oder  schon  bei  Lebzeiten  erhalten  hat. 
Somit  ist  unter  die  Abbildungen  von  Yarrow  nach  dem  Priori- 
tätsrechte nicht  C.  henrici  Leconte,  sondern  C. sonoriense  Le- 
conte zu  setzen. 

C.  sonoriense  Leconte  scheint  ein  verhältnismäßig  kleines 
Verbreitungsgebiet  zu  beherrschen  und  auch  in  diesem  nicht 
häufig  zu  sein.  Das  Originalexemplar  wurde  bei  Tucson  in 
Arizona  aufgefunden,  woher  oder  aus  dessen  Nähe  auch  die  von 
Agassiz  1.  c.  angeführten  Exemplare  der  Smithsonian  Insti- 
tution in  Washington  stammen.  Erst  in  letzterer  Zeit  berichtet 
Stejneger  1.  c.  wieder  von  Exemplaren,  welche  Dr.  Vilcox 
im  ersten  Wassertümpel  des  Canon  ober  dem  Fort  Huachuca 
in  Arizona  gesammelt  hat.  Stejneger  1.  c.  berichtet  allerdings, 
daß  diese  Art  nach  Dr.  Fischer  im  Babacomari-Creek  gemein 
sein  soll,  aber  bisher  gelangten  bloß  wenige  Individuen  davon 
in  die  Hände  von  Herpetologen. 

Auch  die  Exemplare  der  identischen  Art,  C.  henrici  Le- 
conte, sind  fast  im  selben  Verbreitungsgebiet  wie  C.sonoriense 
Leconte  gefunden  worden,  denn  die  Type  stammt  aus  Neu- 
Mexiko  und  die  zwei  von  Yarrow  1.  c.  angeführten  Exemplare 
aus  Arizona. 

38* 


574  F.  Sie  benro  ck, 

Die  herpetologische  Sammlung  des  Museums  erhielt  durch 
die  liebenswürdige  Vermittlung  Prof.  Stejneger's  von  der 
Smithsonian  Institution  in  Washington  drei  Exemplare  dieser 
seltenen  Art  als  Geschenk;  von  diesen  beträgt  die  Länge  der 
Rückenschale  vom  größeren  der  beiden  Weibchen  1 1 1  mm,  deren 
Breite  80  mm  und  ihre  Höhe  37  mm;  diese  Maße  verhalten 
sich  beim  Männchen  wie  107  :  75  :  36.  Alle  drei  Exemplare  sind 
von  Arizona,  und  zwar  das  Männchen  von  Tucson,  die  beiden 
Weibchen  von  Fort  Huachuca. 

8.  Cinosternum  hirtipes  Wagl. 

Cinosternam  hirtipes,  Boul enger,  Cat.,  1889,  p.38;  —  Siebeiirock,  Zoolog. 
Anz.,  XXX,  1906,  p.  95. 

Rückenschale  längsoval,  mäßig  gewölbt,  die  Profillinie  vorn 
nur  wenig  mehr  ausgedehnt  als  hinten,  Schalenrand  in  der 
Marginofemoralgegend  unbedeutend  breiter  als  vorn.  Vertebral- 
gegend  mehr  weniger  flach,  der  Mittelkiel  nur  hinten  deutlich 
sichtbar,  die  Seitenkiele  abwesend.  Erstes  Vertebrale  vorn  sehr 
breit,  breiter  als  lang  und  als  die  darauffolgenden  Vertebralia 
zwei  bis  vier.  Nuchale  klein,  trapezförmig,  hinten  breiter  als 
vorn.  Supracaudalia  viel  niedriger  als  die  anstoßenden  zehnten 
Marginalia.  Schilder  ganz  glatt  und  imbrikat. 

Plastron  mäßig  groß,  kleiner  als  die  Schalenöffnung.  Vorder- 
lappen länger  als  der  Hinterlappen  und  als  der  unbewegliche 
Teil  des  Plastrons;  ersterer  vorn  abgerundet  und  in  der  Mitte 
deutlich  eingekerbt,  Hinterlappen  am  freien  Ende  winkelig  aus- 
geschnitten und  gut  beweglich.  Brücke  4Y2-  bis  5 mal  in  der 
Länge  des  Plastrons  enthalten.  Gulare  ebenso  lang  als  die 
humerale  Mittelnaht  und  fast  dreimal  in  der  Länge  des  Vorder- 
lappens enthalten,  weil  die  pektorale  Mittelnaht  halb  so  lang 
als  die  humerale  ist.  xA.nale  Mittelnaht  ebenso  lang  oder  kürzer  als 
die  abdominale  und  drei-  bis  viermal  länger  als  die  femorale. 
Axillaria  klein,  Inguinalia  groß,  nur  doppelt  so  lang  wie  breit; 
beide  Schilder  miteinander  intensiv  verbunden.  Die  Plastral- 
schilder  bloß  in  der  Mitte  durch  unbedeutende,  häutige 
Zwischenräume  voneinander  getrennt. 

Kopf  sehr  groß,  Schnauze  vorspringend,  Näsenschild  hinten 
gegabelt.  Kiefer  stark,  Oberkiefer  in  der  Mitte  nur  unbedeutend 
hakenförmig  verlängert,    Unterkiefersymphyse  fast  ebenso  lang 


Die  Schildkrötenfamilie  Cinosieniidae  m.  57o 

als  eine  Mandibelhälfte.  Schwimmhäute  an  den  Gliedmaßen 
wohl  ausgebildet.  Schwanz  ziemlich  lang  und  dick,  mit  einem 
kräftigen  Endnagel  versehen.  Stridulationsorgane  an  den  Hinter- 
füßen gut  entwickelt. 

Rückenschale  nußbraun,  die  einzelnen  Schilder  schwarz 
eingesäumt,  Plastron  gelb,  die  Nähte  schwarz. 

Das  Münchener  Exemplar  hat  die  gleiche  Färbung  des 
Plastrons;  die  braunen  wolkigen  Flecke,  welche  in  der  Abbil- 
dung II,  Tafel  XXX  von  Wagler  (Descr.  et  Icon.  Amphib., 
1833)  sichtbar  sind,  rühren  von  Laterit  her,  wie  ich  mich  durch 
den  Augenschein   an  der  erwähnten  Type  überzeugen  konnte. 

Kopf  oben  braun  mit  kleinen,  gelben  Flecken,  der  Nasen- 
schild dunkler  gefärbt ;  die  gelben  Flecke  formieren  sich  seit- 
lich an  den  Schläfen  zu  zwei  Streifen,  von  denen  der  eine  über 
dem  Trommelfell  zum  hinteren  Augenrand  geht,  während  der 
zweite  unter  ihm  liegt.  Kiefer  gelb  mit  braunen  Querstreifen;  ein 
sehr  breiter  und  intensiver  Streifen  auf  der  Unterkiefersymphyse, 
der  sich  auch  über  den  Oberkiefer  erstreckt.  Hals  oben  und 
Gliedmaßen  samt  Schwanz  grau  oder  dimkelbraun,  Kehle  und 
Hals  unten  lichtgrau. 

Leconte  (Proc.  Ac.  Phil.,  1859,  p.  5)  hielt  C.  liirtipes 
Wagl.  für  eine  Zvvischenform  von  C.  odoraf um  Daud.  und 
C.  pensilvanicum  Gm.,  dagegen  stellte  Bocourt  (Journ.  de 
ZooL,  V,  1876,  p.  393)  diese  Art  zwischen  die  letztere  und 
C.  integrum  Leconte,  und  diese  Annahme  dürfte  nach  meinem 
Ermessen  auch  die  richtigere  sein.  C.  liirtipes  Wagl.  hat  in  der 
Gesamtform  entschieden  die  meiste  Ähnlichkeit  mit  C.  scor- 
pioides  integrum  Leconte  (Sieben rock,  Denk.  Ak.  Wien, 
76,  1904,  3  p.),  wenn  auch  andrerseits  in  der  Form  der  Plastral- 
schilder  sowie  in  deren  Nahtverhältnissen  Anklänge  an  C.souo- 
riense  Leconte  nicht  zu  leugnen  sind. 

Diese  Art  wurde  bisher  mit  Sicherheit  nur  aus  der  Um- 
gebung der  Stadt  Mexiko  nachgewiesen,  woher  die  zwei  Exem- 
plare des  Wiener  Museums  stammen,  welche  die  Brüder 
Adolf  und  Albin  Hörn  auf  dem  Fischmarkte  der  genannten 
Stadt  von  einem  Indianer  käuflich  erworben  haben.  Dagegen 
ist  von  der  Type  des  Münchener  Museums  nach  den  Angaben 
Wagler's  1.  c.   nur   so   viel  bekannt,   daß  sie  von  Baron  Kar- 


576  F.  Siebenrock, 

winsky  aus  Mexiko  gebracht  und  dem  genannten  Museum 
geschenkt  wurde. 

Alle  anderen  Exemplare,  welche  später  von  Günther(Biol. 
Cent.  Amer.,  Rept.,  1885)  und  Gadow  (Proc.  Zool.  Soc.  London, 
1905)  fälschlich  für  C.  hirtipes  Wagl.  angesehen  wurden, 
gehören  ausnahmslos  zu  C.  scorpioides  iiitegrmn  Leconte, 
weshalb  sich  auch  die  von  den  beiden  Autoren  angeführten 
Fundorte  auf  die  letztere  Schildkröte  und  nicht  auf  C  hirtipes 
Wagl.  beziehen. 

Es  ist  kaum  glaubwürdig,  wie  ich  1.  c.  schon  einmal  her- 
vorgehoben habe,  daß  eine  Schildkröte,  die  in  der  Nähe  einer 
Stadt  vorkommt,  welche  schon  von  zahlreichen  Europäern 
besucht  wurde,  so  lange  dem  Sammeleifer  der  Forschungs- 
reisenden vorenthalten  blieb.  Sie  muß  daher  an  sehr  sumpfigen 
Stellen  leben,  welche  schwer  zugänglich  sind.  Dies  dürfte  da- 
durch einigermaßen  bewiesen  werden,  daß  die  beiden  Exem- 
plare der  Collectio  Hörn  mit  Süßwasseralgen  bewachsen  waren. 

Länge  der  Rückenschale  vom  größten  Exemplar  142  mm, 
deren  Breite  92  mm,  ihre  Höhe  56  mm;  diese  Maße  verhalten 
sich  beim  kleineren  Exemplar  wie  131  :  87  :  46.  Beide  Exem- 
plare sind  Männchen  und  größer  als  die  Münchener  Type, 
bei  der  die  Schalenlänge  I20min,  dieBreite  S4mm  und  dieHöhe 
45  mm  beträgt;  bei  dieser  ist  der  vordere  Schalenrand  etwas 
ausgebrochen,  weshalb  das  Nuchale  in  der  Abbildung  von 
Wagler  1.  c.  fehlt. 

9  a.  Cinosternum  scorpioides  scorpioides  L. 

Cinosternum  scorpioides,  Bou lenger,  Cat.,  1889,  p.41;  ■ —  Siebenrock, Denk. 
Ak.  Wien,  76,  1904,  p.  3. 

Die  Rückenschale  zeigt  in  beiden  Geschlechtern  einen  auf- 
fallenden Dimorphismus,  der  sich  am  besten  durch  nachfolgende 
Maße  veranschaulichen  läßt;  sie  verhalten  sich  nach  Länge, 
Breite  und  Höhe  in  Millimetern  beim  Männchen  wie  141  :89:46 
und  beim  Weibchen  wie  126  :  87  :  46.  Somit  ist  die  Rücken- 
schale beim  Männchen  auffallend  lang  gestreckt,  beim  Weibchen 
mehr  proportional.  Profillinie  vorn  etwas  ausgedehnter  als 
hinten;  die  größte  Höhe  der  Schale  fällt  ungefähr  in  ihre  Mitte, 
also   auf  das   dritte   Vertebrale.    Drei  Rückenkiele   anwesend. 


Die  SchilJkrötenfamilie  Cinosicrnidae  m.  577 

welche  scharf  hervortreten;  von  diesen  der  Mittelkiel  am  meisten 
entwickelt.  Erstes  Vertebrale  vorn  ebenso  breit  oder  breiter  als 
lang  und  unbedeutend  breiter  als  das  zweite.  Nuchale  klein, 
länger  als  breit.  Supracaudalia  niedriger  als  die  anstoßenden 
zehnten  Marginalia.  Schilder  mehr  weniger  deutlich  konzentrisch 
gefurcht  und  stark  imbrikat. 

Plastron  mäßig  groß,  kleiner  als  die  Schalenöffnung;  Vorder- 
lappen so  lang  wie  derHinterlappen  beimMännchen  oder  kürzer 
beim  Weibchen  und  unbedeutend  länger  als  der  unbewegliche 
Teil  des  Plastrons;  ersterer  vorn  abgerundet;  Hinterlappen  am 
freien  Ende  eingekerbt  und  in  beiden  Geschlechtern  gut  beweg- 
lich. Brücke  3-  bis  di^l^maX  in  der  Länge  des  Plastrons  enthalten. 
Gulare  IV2-  bis  2  mal  so  lang  als  die  humerale  Mittelnaht  und 
etwas  länger  als  der  Vorderlappen.  Anale  Mittelnaht  kürzer  als 
•die  abdominale  und  doppelt  so  lang  als  die  femorale.  Axillaria 
viel  kleiner  als  die  Inguinalia,  welche  dreimal  so  lang  als  breit 
sind  und  bis  zum  achten  Marginale  zurückreichen;  beide 
Schilder  mitsammen  verbunden.  Die  Plastralschilder  durch 
keine  häutigen  Zwischenräume  getrennt,  bloß  die  femoro-abdo- 
minale  Naht  sehr  breit. 

Kopf  mäßig  groß  beim  Weibchen,  größer  beim  Männchen; 
Schnauze  kauni  merklich  vorspringend,  Nasenschild  solid, 
hinten  abgerundet.  Kiefer  stark,  Oberkiefer  in  der  Mitte  haken- 
förmig verlängert.  Unterkiefersymphyse  P/gmal  in  einer  Man- 
■dibelhälfte  enthalten.  Schwimmhäute  an  den  Gliedmaßen  wohl 
ausgebildet.  Schwanz  beim  Männchen  mit  einem  kräftigen  End- 
nagel versehen,  der  beim  Weibchen  äußerst  klein  ist.  Die  Stri- 
dulationsorgane  an  den  Hinterfüßen  fehlen  beim  Männchen.  An 
deren  Stelle  finden  sich  bloß  einige  kleine  Schuppen  vor,  die 
vielleicht  als  Rudiment  aufgefaßt  werden  können,  weil  dieselben 
beim  Weibchen  nicht  vorhanden  sind,  sondern  bei  ihnen  die 
Haut  vollkommen  glatt  ist. 

Rückenschale  licht-  oder  dunkelbraun,  die  einzelnen 
Schilder  nicht  schwarz  gerandet;  Plastron  einfach  gelb  gefärbt. 
Kopf  und  Hals  oben  braun,  auf  dem  Nasenschild  vorn  gelbe 
Flecken,  die  an  den  Schläfen  viel  zahlreicher  auftreten.  Kehle 
und  Hals  umgekehrt  gefärbt,  nämlich  gelb  mit  braunen  Flecken. 


ö78  F.  Siebenrock, 

Kiefer  gelb  mit  braunen  Querstreifen;  Gliedmaßen  oben  braun 
und  unten  schmutziggelb. 

Diese  Varietät  von  C.  scorpioides  L.  halte  ich  für  die 
Stammform  und  Surinam  sowie  Cayenne,  wo  sie  vorkommt,  für 
das  Verbreitungszentrum  der  ganzen  Art.  Von  hier  aus  dürfte 
die  Ausstrahlung  einerseits  gegen  den  Süden  nach  Brasilien 
und  Bolivien,  andrerseits  gegen  Norden  über  Columbien  nach 
Mexiko  stattgefunden  haben. 

Von  C.  scorpioides  scorpioides  L.  sind  bis  jetzt  nur 
wenige  Exemplare  bekannt,  denn  die  meisten,  welche  man 
immer  für  identisch  damit  gehalten  hat,  stammen  aus  Brasilien 
und  gehören  zur  Varietät  C.  scorpioides  integrum  Leconte. 
Das  Museum  besitzt  die  Schale  eines  erwachsenen  Weibchens, 
deren  Maße  schon  eingangs  der  Beschreibung  dieser  Art  an- 
gegeben wurden,  und  ein  jugendliches  Individuum  in  Alkohol 
aus  Surinam.  Die  Schalenlänge  des  letzteren  beträgt  33  ;;//;/,  die 
Breite  25  mm  und  die  Höhe  15  mm.  Außerdem  sind  mir  zwei 
schöne,  trocken  präparierte  Exemplare,  cf  und  9,  aus  Surinam 
vom  Stuttgarter  Museum  vorgelegen,  nach  denen  hauptsächlich 
diese  Beschreibimg  gemacht  wurde. 

Die  einzigen  Abbildungen  in  der  Literatur,  welche  sich  auf 
diese  Varietät  beziehen,  finden  wir  in  Shaw's  Gen.  Zoology,  III, 
Part.  I,  1802,  Taf.  15,  und  in  Schoepff's  Testud.,  1792,  Taf.  II, 
alle  übrigen  Abbildungen  stellen  die  zweite  Varietät  integrum 
Leconte  aus  Brasilien  dar. 

9b.  Cinosternum  scorpioides  integrum  Leconte. 
Cinosterimm  scorpioides  part,  Boulenger,  Cat.,  1889,  p.  41;  • —  Siebenrock, 

Denk.  Ak.  Wien,    76,    1904,    p.  3;    —    Goeldi,   Bol.   Mus.   Goeldi,    IV, 

1904/06,  p.  709. 
Cinosternum  scorpioides,  Peracca,  Boll.  Mus.  Torino,  XII,  1897,  Nr.  274,  p.  1. 

»  integrum,  Boulenger,  1.  c,  p.  42;  —  Stejneger,  U.  Stat.  Dep. 

Agricult.  (North  Amer.  Fauna  Nr.  14),  1899,  p.  64. 
Cinosternum  scorpioides  integrum,  Siebenrock,  1.  c,  p.  4. 

Diese  Varietät  unterscheidet  sich  von  der  Stammform 
hauptsächlich  durch  die  geringere  Entwicklung  der  Rücken- 
kiele und  durch  die  Färbung  der  Rückenschale.  Diese  kann  licht 
oder  dunkel  sein,  immer  aber  haben  die  einzelnen  Schilder 
schwarze  Ränder.  Dies  gilt  nicht  nur  von  den  Exemplaren  aus 
Mexiko  und  Zentralamerika,  sondern  auch  von  jenen  aus  Brasilien 


Die  Schildkrötenfamilie  Cinosteniidae  m.  579 

und  Bolivien.  Daher  werden  von  mir  die  Exemplare  beider 
Regionen  in  diese  Varietät  vereinigt.  Es  ist  nicht  möglich,  wie 
ich  1.  c.  schon  einmal  hervorgehoben  habe,  positive  Merkmale 
anzugeben,  durch  die  sich  eine  artliche  Trennung  der  nord- 
amerikanischen von  den  südamerikanischen  Exemplaren 
bewerkstelligen  ließe,  weil  in  beiden  Regionen  sogenannte 
Übergangsformen  vorkommen,  die  einander  ganz  ähnlich  sind. 

Es  darf  allerdings  nicht  verschwiegen  werden,  daß  es  beim 
Vergleiche  der  extremsten  Formen  von  genannten  Regionen 
fast  unglaublich  erscheint,  wie  dieselben  zu  einer  Unterart  ge- 
hören können,  insbesondere  wenn  es  sich  um  Exemplare  ver- 
schiedener Geschlechter  handelt.  Gerade  alte  Weibchen  haben 
durch  ihre  kurze  und  stark  gewölbte  Schale  eine  von  den 
Männchen  ganz  verschiedene  Form,  an  der  oft  nicht  einmal 
der  Mittelkiel  sichtbar  ist.  Bei  solchen  hidividuen  kann  auch 
das  Plastron  sehr  breit  sein,  weil  es  ja  bei  den  weiblichen 
Tieren  aller  Cinostermim-Arten  überhaupt  immer  größer  als  bei 
männlichen  ist.  Jedoch  so  vollkommen  wie  z.B.  bei  C.cnienta- 
ticm  A.  Dum.  schließt  es  dennoch  nie  die  hintere  Schalen- 
öffnung ab.  Auch  die  Einkerbung  am  freien  Ende  des  Hinter- 
lappens kann  so  unscheinbar  sein,  daß  sie  leicht  übersehen  wird. 

Zieht  man  aber  eine  größere  Anzahl  Individuen  beider 
Regionen  in  Betracht,  dann  kann  sogar  bei  den  aberrantesten 
Formen  über  die  richtige  systematische  Beurteilung  kein  Zweilel 
bestehen.  Es  liegt  in  der  Natur  der  Sache,  daß  bei  einer  Unter- 
art mit  so  ausgedehnter  geographischer  Verbreitung,  wie  es  bei 
C.  scorpioides  integrum  Leconte  der  Fall  ist,  der  individuellen 
Variabilität  ein  großer  Spielraum  zu  gönnen  ist,  weil  man 
sonst  sehr  leicht  in  eine  nicht  zu  rechtfertigende  Trennungs- 
methode geraten  könnte. 

Aus  diesem  Grunde  konnte  ich  mich  nicht  entschließen,  die 
Exemplare  der  genannten  Regionen  auch  nur  als  Unterarten  zu 
qualifizieren.  Aber  um  sie  dennoch  wenigstens  geographisch 
voneinander  zu  trennen,  möchte  ich  die  Exemplare  aus  Süd- 
amerika als  Forma  hrasiliana  und  die  nördlichen  als  Forma 
mexicana  bezeichnen.  Der  einzige  Unterschied  liegt  vielleicht 
darin,  daß  die  Rückenkiele  bei  der  ersteren  Form  etwas  stärker 
hervortreten   als   bei    der  zweiten,  nördlichen.    Dies   erscheint 


580  F.  Siebenro  ck, 

insofern  einleuchtend,  als  die  Forma  brasiliana  auf  ihrem  viel 
kürzeren  Wege  vom  Verbreitungszentrum  vi'eniger  Gelegenheit 
hatte,  sich  zu  differenzieren  wie  die  Forma  mexicana  während 
der  bedeutenden  Strecke,  die  sie  bis  in  ihre  jetzige  Heimat, 
Mexiko,  zurückzulegen  genötigt  war. 

Weder  das  von  Lindholm  (Jahrb.  nassau.  Ver.,  54,  1901, 
p.  9)  noch  das  von  Strauch,  1.  c,  p.  88,  sub  Nr.  136  angeführte 
Exemplar  kann  von  Surinam  sein,  denn  an  beiden  Exemplaren 
sind,  wie  ich  mich  durch  den  Augenschein  überzeugte,  die 
Schilder  der  Rückenschale  schwarz  gerandet.  Sie  dürften  nach 
der  Stärke  der  Rückenkiele  höchstwahrscheinlich  aus  Brasilien 
stammen. 

Auch  die  Spix'sche  Type  von  C.  longicaudatum  hat 
schwarze  Ränder  an  den  Schildern  der  Rückenschale,  welche 
in  der  Fig.  1  auf  Tafel  XII  (Test.  Bras.,  1840)  fehlen.  Überhaupt 
stimmt  die  Färbung  in  dieser  und  der  nächsten  Fig.  2  durchaus 
nicht  mit  dem  Original  überein.  Bei  diesem  ist  die  Rücken- 
schale rötlichbraun  mit  großen,  gelben  Flecken;  die  letztere 
Farbe  dürfte  als  die  ursprüngliche  zu  betrachten  sein,  während 
das  Rotbraun  von  Laterit  herrührt.  Ebenso  ist  die  letztere 
Färbung  in  der  Mitte  des  Plastrons  auf  einen  Lateritbelag 
zurückzuführen,  so  daß  die  natürliche  Farbe  nur  am  Rande 
desselben  zum  Vorschein  kommt. 

Die  herpetologische  Sammlung  des  Museums  besitzt 
Exemplare  von  Parä,  von  der  Mündung  des  Magdalenen- 
Stromes  in  Columbien,  von  der  südlichsten  Grenze  Mexikos,  von 
Acapulco  und  Mazatlan.  Die  Länge  der  Rückenschale  vom 
größten  Exemplare,  9,  aus  Parä  beträgt  148  #/;//,  deren  Breite 
89  ww,  ihre  Höhe  54  mm;  diese  Maße  verhalten  sich  beim 
größten  Exemplare,  cf,  aus  Mexiko  wie  176  :  105  :  50  und  beim 
kleinsten  wie  40  :  33  :  15. 

C.  scorpioides  integrum  Leconte  ist  nach  den  Berichten 
Goeldi's  (Zool.  Jahrb.,  Syst.  X,  1897,  p.  658)  auf  der  Insel 
Marajö  sehr  zahlreich.  Diese  Schildkröte,  welche  von  den  Be- 
wohnern »mussuä«  (mussuam)  genannt  wird,  kommt  hundert- 
weise auf  den  Markt  in  Parä,  wo  sie  als  Leckerbissen  gilt. 

Nach  Goeldi  nehmen  die  Exemplare,  von  denen  stets 
einige    Dutzend    im    zoologischen    Garten    von    Parä    lebend 


Die  Schildkrötenfamilie  Cinosternidac  m.  581 

gehalten  werden,  sowohl  vegetabilische  als  auch  animalische 
Nahrung  zu  sich.  Weiters  teilt  der  genannte  Autor  mit,  daß  die 
Eiablage  der  gefangenen  Tiere  im  Wasser  geschieht  und  in  den 
ersten  Monaten  des  Jahres  erfolgen  dürfte,  weil  der  Bericht 
Goeldi's  vom  April  lautete  und  es  im  Texte  ausdrücklich 
heißt:  »So  war  es  mir  denn  sehr  erwünscht,  daß  einige  meiner 
gefangenen  Exemplare  innerhalb  der  letzten  Monate  zur  Ei- 
ablage sich  entschlossen.« 

Die  Eier  sind  hartschalig,  glatt  und,  anstatt  rein  weiß,  hell- 
gelb. In  der  langgestreckten  Form  gleichen  sie  den  Eiern  der 
anderen  Cinostermtm- Arten.  Der  Längsdurchmesser  beträgt 
33 "5  bis  34 mm  und  der  Querdurchmesser  18' omni. 

Es  ist  von  Interesse,  zu  erfahren,  wie  ungleich  die  Zeit  der 
Eiablage  bei  der  Gattung  Cinostermiin  Spix  in  den  ver- 
schiedenen Breitegraden  eintritt,  denn  in  Parä,  Brasilien,  fällt  sie 
auf  den  Anfang  des  Jahres,  in  Indiana,  Nordamerika,  nach 
Eigenmann  (Proc.  Indiana  Ac,  1895,  p.  263)  in  die  Monate 
Juni  und  Juli.  Somit  ergibt  sich  in  der  Legezeit  zwischen  süd- 
lichen und  nördlichen  Klimaten  ein  Unterschied  von  mindestens 
drei  Monaten.  Einen  so  großen  Einfluß  nimmt  also  die  Sonnen- 
wärme auf  die  Geschlechtstätigkeit  der  Tiere. 

10.  Cinosternum  leucostomum  A.  Dum. 

Cinosternum  leiicosfomum,  Boulenger,  Cat.,  1889,  p.42,  und  Proc.  Zoolog.  Soc. 

London,  1898,  p.  108;  —  Peracca,  BoU.  Mus.  Torino,  XI,  Nr.  253,  1896, 

p.   1,  und  XIX,    Nr.  465,    1904,   p.  2;  —  Werner,  Verh.  zool.  bot.  Ges. 

Wien,  46,  1896,  p.  345;  —  Siebenrock,  Zool.  Anz.,  XXX,  1906,  p.  97. 
Cinosternon  leucostomum  part.,  Strauch,  Mem.  Ac.  St.  Petersb.,  (7),  XXXVIII, 

Nr.  2,  1890,  p.  91. 

Rückenschale  oblong,  etwas  kürzer  bei  Weibchen  und 
mehr  gewölbt  als  bei  Männchen,  vorn  niedriger  als  hinten, 
größte  Höhe  auf  dem  vierten  Vertebrale,  hinten  steil  abfallend, 
Hinterrand  ausgedehnt  und  etwas  aufwärts  gebogen,  Marginalia 
sehr  häufig  wulstartig  aufgetrieben.  Vertebralkiel  gewöhnlich 
sichtbar,  besonders  bei  jüngeren  Individuen;  die  Seitenkiele 
fehlen  gänzlich.  Erstes  Vertebrale  vorn  etwas  breiter  oder 
ebenso  breit  als  lang  und  als  das  dritte;  zweites  Vertebrale 
ebenso  lang  oder  etwas  länger  als  breit.  Nuchale  klein,  Hnear 


582 


F.  Siebenrock, 


oder  trapezförmig  und  hinten  ebenso  breit  als  lang.  Supra- 
caudalia  ebenso  hoch  oder  sogar  höher  als  die  anstoßenden 
zehnten  Marginalia.  An  den  Schildern  die  konzentrischen  Furchen 
meistens  noch  erkennbar,  bei  Weibchen  sind  die  Schilder  zu- 
weilen ganz  glatt  und  in  beiden  Geschlechtern  imbrikat, 

Plastron  lang  und  breit,  es  schließt  die  Schalenöffnung 
vollkommen  ab.  Vorderlappen  gleich  lang  oder  kürzer  als  der 
Hinterlappen  und  länger  als  der  unbewegliche  Teil  des  Pla- 
strons; Vorderlappen  vorn  ab- 
gerundet, Hinterlappen  am 
freien  Ende  ganz,  nicht  ein- 
gekerbt oder  ausgeschnitten 
und  gut  beweglich.  Brücke 
3Y2  iiiäl  in  der  Länge  des 
Plastrons  enthalten.  Gulare 
gewöhnlich  ebenso  lang  als 
die  humerale  Mittelnaht  und 
immer  kürzer  als  die  Hälfte 
des  Vorderlappens,  ja,  es 
kann  sogar  SYgnial  in  der 
Länge  des  letzteren  enthalten 
sein,  wenn  die  pektorale  Mit- 
telnaht ziemlich  lang  ist.  Die 
Pektoralschilder  bilden  stets  eine,  wenn  auch  verschieden  lange 
Mittelnaht,  sie  bleibt  aber  immer  kürzer  als  die  humerale.  Anale 
Mittelnaht  kürzer  als  der  Vorderlappen  und  ebenso  lang  oder 
länger  als  die  abdominale;  femorale  Mittelnaht  sehr  variabel 
2-  bis  5mal  in  der  Länge  der  analen  enthalten.  Axillaria  klein, 
Inguinalia  bedeutend  größer,  sie  reichen  bis  zum  achten  Mar- 
ginale zurück;  beide  Schilder  können  miteinander  verbunden, 
aber  auch  auf  eine  kurze  Strecke  getrennt  sein.  Der  erstere 
Zustand  dürfte  wohl  der  primäre  sein,  so  daß  sich  die  Reduktion 
der  beiden  Schilder  erst  im  Laufe  der  Weiterentwicklung  ein- 
gestellt hat.  Die  Plastralschilder  durch  keine  häutigen  Zwischen- 
räume getrennt. 

Kopf  mittelmäßig  groß;  Schnauze  keilförmig,  etwas  vor- 
springend, mindestens  ebenso  lang  als  der  Querdurchmesser 
der  Augenhöhle;    Nasenschild   sehr  groß,   solid,   nach   hinten 


Fig.  7. 

Cinosternuin  lettcostomum  A.  Dum.; 
Kopf  von  unten.  N.  Gr. 


Die  Schildkrötenfamilie  Cinostcrnidae  m.  583 

winkelig  ausgedehnt.  Kiefer  stari<,  Oberkiefer  in  der  Mitte 
schwach  hakenförmig,  bei  Männchen  mehr  als  bei  Weibchen; 
Unterkiefersymphyse  um  ein  Viertel  kürzer  als  eine  Mandibel- 
hälfte.  Schwimmhäute  an  den  GliedmafSen  wohl  ausgebildet. 
Schwanz  mit  einem  Endnagel,  welcher  bei  Männchen  viel  größer 
als  bei  Weibchen  ist.  Stridulationsorgane  bei  einem  Männchen 
an  den  Hinterfüßen  ziemlich  gut  entwickelt.  Dieses  Exemplar 
stammt  aus  Honduras  und  hat  sonst  die  typischen  Merkmale 
von  C.leucostoimim  A.  Dum.  in  unverkennbarer  Weise  an  sich. 

Rückenschale  sehr  variabel  in  der  Färbung,  es  können  von 
Gelb  bis  Schwarz  alle  Nuancierungen  vorkommen;  die  Schilder, 
wo  möglich,  schwarz  gerandet.  Plastron  gelb,  die  Schilder  zu- 
weilen, aber  nicht  immer,  mit  schwarzen  Rändern  versehen. 
Kopf  oben  und  seitlich  dunkelbraun  oder  schwarz,  zuweilen 
mit  gelben  Vermikulationen  bedeckt,  Nasenschild  lichtbraun 
gefärbt,  auf  den  Schläfen  große,  gelbe  Flecke  mit  oder  ohne 
schwarze  Punkte;  ein  schmaler,  gelber  Streifen  zieht  vom  Auge 
zur  Nasenspitze,  ein  zweiter  vom  Trommelfell  über  den  Unter- 
kieferwinkel gegen  den  Augenrand.  Alle  diese  Markierungen 
können  sehr  undeutlich  werden,  am  häufigsten  bleiben  die 
Schläfenflecke  erkennbar.  Kiefer  weiß  oder  hornfarben,  selten 
mit  spärlichen,  braunen  Linien  gezeichnet.  Hals  und  Glied- 
maßen oben  schwarz,  unten  gelb,  an  der  Kehle  mit  oder  ohne 
schwarze  Flecke. 

C.  Jencostonmni  A.  Dum.  bewohnt  die  atlantische  Küste 
von  Mexiko  und  geht  im  Süden  über  Guatemala,  Honduras, 
Nicaragua  und  Darien  nach  Columbien  und  Ecuador.  Die  her- 
petologische  Sammlung  des  Museums  besitzt  Exemplare  von 
Coatzacoalcos  im  Golf  von  Campeche,  Mexiko,  von  Coban,  See 
Peten  (Vera  Paz)  und  Punto  Barrios  in  Guatemala  und  von 
Honduras.  Außerdem  lagen  mir  mehrere  Exemplare  aus  Ecua- 
dor, Eigentum  des  Berliner  und  Münchener  Museums,  vor. 
Endlich  hatte  ich  auch  Gelegenheit,  vom  ersteren  Museum  ein 
Exemplar  aus  Nicaragua  zu  untersuchen. 

Die  Länge  der  Rückenschale  unseres  größten  Exemplares, 
cT,  beträgt  134  mm,  deren  Breite  8Q  mm  und  ihre  Höhe44w7K; 
diese  Maße  verhalten  sich  beim  kleinsten  Exemplare,  9,  wie 
93  :  64  :  39. 


584  F.  Siebenrock, 

C.  leucostomttin  A.  Dum.  soll  nach  Cope  (Proc.  Ac.  Phi- 
lad.,  1865,  p.  189)  in  Tabasco  nicht  selten  sein  und  von  den 
dortigen  Bewohnern  »Pochitoque  camatotl«  genannt  werden. 
Diese  Art  und  C.  berendiianum  Cope,  welche  »Pochitoque 
jaquactero«  und  »negro«  heißt,  wird  von  den  Leuten  gegessen. 
Beide  Arten  legen  im  März  und  April  ihre  Eier  bloß  in  wenigen 
Stücken. 

11.  Cinosternum  berendtianum  Cope. 

Cinosternum  berendtianum,  Boulenger,  Cat.,  1889,  p. 43;  —  Lindholm.  Jahrb. 
nassau.  Ver.,  54,  1901,  p.  185. 

Diese  Art  hat  in  der  Schalenform  große  Ähnlichkeit  mit 
C.  leucostomuni  A.  Dum.,  der  hauptsächlichste  Unterschied 
liegt  in  der  Form  der  Plastralschilder  und  in  der  Färbung  des 
Kopfes. 

Rückenschale  oblong,  bei  Weibchen  etwas  kürzer  und 
mehr  gewölbt  als  bei  Männchen;  vorn  niedriger  als  hinten, 
größte  Höhe  auf  dem  vierten  Vertebrale,  hinten  steil  abfallend, 
Hinterrand  ausgedehnt  und  etwas  aufwärtsgebogen,  Marginalia 
gewöhnlich  wulstartig  aufgetrieben,  Vertebralkiel  wenigstens 
spurweise  immer  sichtbar,  die  Seitenkiele  fehlen.  Erstes  Vertebrale 
vorn  ebenso  breit  oder  etwas  schmäler  als  lang  und  immer 
schmäler  als  das  dritte  Vertebrale.  Nuchale  sehr  klein  und 
schmal;  Supracaudalia  ebenso  hoch  als  die  anstoßenden  zehnten 
Marginalia.  Die  Schilder  glatt,  gewöhnlich  bei  Weibchen,  oder 
konzentrisch  gefurcht  und  imbrikat. 

Plastron  lang  und  breit,  es  schließt  die  Schalenöffnung 
vollkommen  ab.  Vorderlappen  merklich  kürzer  als  der  Hinter- 
lappen und  ebenso  lang  oder  unbedeutend  länger  als  der  un- 
bewegliche Teil  des  Plastrons;  ersterer  vorn  abgerundet,  Hinter- 
lappen am  freien  Ende  ganz,  nicht  eingekerbt  und  gut  beweg- 
lich. Brücke  unbedeutend  mehr  wie  dreimal  in  der  Länge  des 
Plastrons  enthalten.  Gulare  immer,  gewöhnlich  sogar  bedeutend 
länger  als  die  Hälfte  des  Vorderlappens.  Pektorale  Mittelnaht 
immer  anwesend,  aber  meistens  kurz,  nur  bei  einem  unter  fünf 
Exemplaren  ist  sie  fast  ebenso  lang  als  die  humerale.  Anale 
Mittelnaht  kaum  länger  als  die  abdominale  und  merklich  länger 
als  der  Vorderlappen;  dies  ist  besonders  bei  Weibchen  der  Fall; 


Die  Schildkrötenfamilie  Cinosternidac  m.  5oO 

femorale  Mittelnaht  kurz,  ungefähr  sechsmal  in  der  analen  ent- 
halten. Axillaria  sehr  schmal,  Inguinalia  viel  breiter  und  länger, 
sie  reichen  bis  zum  achten  Marginale  zurück;  diese  Schilder 
bei  fünf  Exemplaren  miteinander  verbunden.  DiePlastralschilder 
durch  keine  häutigen  Zwischenräume  getrennt. 

Kopf  mittelmäßig  groß,  Schnauze  keilförmig,  etwas  vor- 
springend, mindestens  ebenso  lang  als  der  Querdurchmesser 
der  Augenhöhle.  Nasenschild  sehr  groß,  nach  hinten  stark 
winkelig  ausgedehnt.  Kiefer  mäßig,  Oberkiefer  bei  Männchen 
in  der  Mitte  stark  hakenförmig,  etwas  weniger  bei  Weibchen; 
Unterkiefersymphyse  halb  so  lang  als  eine  Mandibelhälfte. 
Schwimmhäute  an  den  Gliedmaßen  wohl  ausgebildet.  Schwanz 
bei  Männchen  mit  breitem,  etwas  gekrümmtem  Endnagel,  der 
bei  Weibchen  klein  und  unansehnlich  ist.  Stridulationsorgane 
beim  Männchen  durch  das  Vorhandensein  einiger  Horntuberkel 
an  den  Hinterfüßen  angedeutet. 

Rückenschale  lichtoliven  oder  braun,  die  Schilder  schwarz 
gerandet,  was  bei  den  hellgefärbten  Individuen  natürlich  mehr 
auffällt  als  bei  den  braungefärbten.  Plastron  gelb,  die  Nähte 
schwarz.  Kopf  oben  und  seitlich  gelb  mit  zahlreichen  braunen 
Punkten  oder  Flecken;  Kiefer  gleichfalls  gelb  mit  braunen 
Querstrichen,  die  (bei  Männchen)  so  überhandnehmen  können, 
daß  letztere  Farbe  prävaliert.  Hals  und  Gliedmaßen  braun  mit 
hellen  Flecken. 

C.  herendtiaimm  Cope  ist  eine  viel  kleinere  Art  als  C.  len- 
costomum  A.  Dum.,  denn  die  Schale  erreicht  nach  den  bis- 
herigen Erfahrungen  kaum  mehr  als  105  mm  Länge,  während 
bei  der  letzteren  Art  Exemplare  von  135  mm  nicht  selten  sind. 

C.  hereiidtianiim  Cope  scheint  nur  in  Südmexiko  und 
Guatemala  einheimisch  zu  sein,  wenigstens  wurde  diese  Art 
weiter  östlich  noch  niemals  beobachtet.  Sie  dürfte  nicht  so 
häufig  sein  wie  C.  lettcostomum  A.  Dum.,  da  auch  Cope  1.  c. 
nur  von  der  Häufigkeit  des  Vorkommens  der  letzteren  Art 
spricht,  aber  nichts  von  C.  berendtianiim  Cope  erwähnt. 

Die  herpetologische  Sammlung  des  Museums  besitzt  das 
Skelett  eines  Exemplars,  9,  aus  dem  See  Peten  (Vera  Paz)  in 
Guatemala.  Die  Länge  der  Rückenschale  beträgt  98  mm,  deren 
Breite  69  mm,  ihre  Höhe  35  mm.  Außerdem  lagen  mir  noch  vier 


586  F.  Siebenrock, 

Exemplare  aus  Vera  Cruz  sowie  aus  Mexiko  und  Guatemala 
ohne  genauere  Fundortsangaben  vor,  welche  Eigentum  der 
iMuseen  in  St.  Petersburg,  Stuttgart  und  Wiesbaden  sind. 

12.  Cinosternum  cruentatum  A.  Dum. 

Cinosternuni  cruentatum,   Boulenger,    Cat.,   1889,  p.  44;  —   Siebenrock, 

Zool.  Anz.,  XXX,  1906,  p.  98. 
Cinosternon  cruentatum,   Strauch,  Mem.  Ac.  St.  Petersb.,  (7),  XXXVIII,  Nr.  2, 

1890,  p.  92. 
Cinosternon  lencostomum  part.,  Strauch,  1.  c,  p.  91. 

»  albogiilare,  Bocourt,  Miss.  Sc.  Mex.,  Rept.  1870,  p.  23,  und  Journ. 

de  Zool,  V,  1876,  p.  399. 

Rückenschale  oval,  stark  gewölbt,  vorn  nur  unbedeutend 
schmäler  als  hinten,  vorderer  Schalenrand  bogenförmig  aus- 
geschnitten, hinten  steil  abfallend,  nicht  ausgedehnt.  Die  drei 
Kiele  sehr  nahe  aneinander  gerückt  wde  bei  keiner  anderen 
Ciuostermtrn- Art;  die  Seitenkiele  werden  bei  alten  Individuen 
zuweilen  in  derbe  Wülste  umgewandelt,  welche  die  Vertebral- 
region  überragen  und  daher  eine  Längsrinne  bilden;  sie  können 
aber  auch  gänzlich  verschwinden,  so  daß  bloß  der  Mittelkiel 
noch  erkennbar  ist,  wie  es  bei  Exemplaren  aus  Guatemala  vor- 
kommt. Erstes  Vertebrale  vorn  ebenso  breit  oder  auch  breiter  als 
lang  und  breiter  als  das  zweite  und  dieses  gewöhnlich  bedeutend 
länger  als  breit.  Nuchale  klein,  sehr  variabel  in  der  Form,  immer 
länger  als  breit  und  hinten  eingekerbt;  Supracaudalia  niedriger 
als  die  anstoßenden  zehnten  Marginalia.  Die  Schilder  glatt 
oder  mit  konzentrischen  Furchen  versehen,  schwach  imbrikat. 

Plastron  lang  und  sehr  breit,  es  schließt  die  Schalenöffnung 
vollkommen  ab;  Vorderlappen  stets  kürzer  als  der  Hinter- 
lappen, aber  viel  länger  als  der  unbewegliche  Teil  des  Plastrons ; 
ersterer  vorn  abgerundet,  Hinterlappen  am  freien  Ende  ganz, 
nicht  eingekerbt  und  gut  beweglich.  Brücke  3-  bis  3V2i''"'al  in 
der  Länge  des  Plastrons  enthalten.  Gulare  ebenso  lang  oder 
länger,  sehr  selten  kürzer  als  die  Hälfte  des  Vorderlappens.  Die 
Pektoralschilder  meistens  dreieckig,  sie  bilden  selten  eine 
Mittelnaht,  die  dann  immer  ganz  unbedeutend  ist.  Anale  Mittel- 
naht ebenso  lang  oder  gewöhnlich  etwas  kürzer  als  der  Vorder- 
lappen  und   bedeutend   länger   als   die   abdominale;    femorale 


Die  Schildkrötenfamilie  Cinosternidae  m. 


587 


Mittelnaht  5V2-  bis  6  mal  in  der  analen  enthalten.  Axillaria  klein 
und  schmal,  Inguinalia  bedeutend  größer,  sie  reichen  bis  zum 
achten  Marginale  zuri.ick;  die  ersteren  Schilder  miteinander  ver- 
bunden oder  auch  getrennt,  gewöhnlich  ist  letzteres  der  Fall. 
Die  Plastralschilder  durch  keine  häutigen  Zwischenräume  ge- 
trennt, nur  die  Nähte  zwischen  dem  festen  Teil  des  Plastrons 
und  den  beiden  beweglichen  Lappen  sind  bei  dieser  Art  auf- 
fallend breit  und  tief,  was  wohl  mit  bedeutenderer  Stärke  der 
Plastralknochen  zusammenhängt. 

Kopf  mäßig  groß,  breit, 
vor  den  Augen  komprimiert. 
Durch  die  eigentümliche 
Form  des  Kopfes  ist  diese  Art 
sofort  von  C.  leucostomum 
A.  Dum.  zu  unterscheiden. 
Schnauze  schmal  und  kurz, 
nur  wenig  vorspringend;  Na-, 
senschild  solid,  hinten  abge- 
rundet oder  bloß  schwach 
eingekerbt  bei  jüngeren  Indi- 
viduen. Kiefer  mäßig  stark, 
Oberkiefer  in  der  Mitte  bei 
Männchen  hakenförmig  ver- 
längert, beiWeibchen  gewöhn- 
lich abgerundet;  Unterkiefersymphyse  halb  so  lang  als  eine 
]\Iandibelhälfte,  weil  die  erstere  in  der  Mitte  stark  abgestumpft 
ist.  Schwimmhäute  an  den  Gliedmaßen  wohl  ausgebildet. 
Schwanz  mit  einem  kräftigen,  breiten  Endnagel  versehen,  der  bei 
Weibchen  sehr  klein  und  schmal  ist.  Stridulationsorgane  fehlen 
bei  Männchen  an  den  Hinterfüßen  vollständig. 

Rückenschale  sehr  variabel  in  der  Färbung,  von  Oliven- 
grün bis  Braun  können  alle  Nuancierungen  vorkommen;  die 
Schilder  mit  oder  ohne  schwarze  Ränder.  Kopf  oben  und  seit- 
lich schwarz  bis  lichtgrau,  seitlich  mit  gelben  Punkten  oder 
kleinen  Flecken  geziert,  die  bei  manchen  Individuen  zwei  bis 
drei  Linien  bilden  können  und  vom  Trommelfell  zum  Auge  hin- 
ziehen; am  häufigsten  ist  ein  breiter,  gelber  Streifen  auf  der 
Schläfe  sichtbar,  der  mehr  weniger  stark  mit  Schwarz  marmo- 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  KL;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  39 


Fig.  8. 

Cinosternuin  cnicntatnm  A.  Dum.; 
Kopf  von  unten.  N.  Gr. 


588  F.  Siebenrock, 

riert  sein  kann.  Kiefer  gelb,  ohne  oder  mit  schwarzen  Quer- 
streifen, die  so  zahh"eich  sein  können,  daß  die  gelbe  Farbe  fast 
verschwindet;  an  der  Unterkiefersymphyse  meistens  ein 
schwarzer  oder  brauner  Streifen  besonders  deutlich  hervor- 
tretend. Kehle  und  Hals  unten  einfach  gelb  oder  schwarz  ge- 
fleckt. Gliedmaßen  und  Schwanz  oben  grau,  unten  lichter  oder 
gelb  gefärbt. 

Strauch  1.  c.  hat  ein  Exemplar  dieser  Art,  welches  von 
F.  Sarg  in  der  Umgebung  der  Stadt  Guatemala  gesammelt 
wurde  und  mir  zum  Vergleiche  vorliegt,  als  C.  leiicostommn 
A.  Dum.  (sub  Nr.  7292)  bestimmt.  Dieses  Exemplar  sowie 
noch  drei  andere,  ein  Männchen  und  zwei  Weibchen,  welche 
vom  gleichen  Fundorte  stammen,  hat  in  der  Gesamtform  der 
Schale  allerdings,  und  zwar  besonders  durch  den  Mangel 
der  Seitenkiele  einige  Ähnlichkeit  mit  C.  leticostomtim  A.  Dum. 
Auch  die  Maßverhältnisse  der  Vertebralia  stimmen  mehr  mit 
dieser  Art  als  mit  C.  crueiitaitwt  A.  Dum.  überein.  Dies  beweist 
das  zweite  Vertebrale,  welches  nahezu  ebenso  breit  als  lang  ist. 
Berücksichtigt  man  aber  die  Form  des  Kopfes,  des  Nasen- 
schildes, der  Supracaudalia  und  diejenige  des  Plastrons,  so  er- 
gibt sich  mit  unzweifelhafter  Sicherheit,  daß  die  genannten 
Exemplare  zu  C.  cruentattun  A.  Dum.  gehören  müssen.  Diese 
Art  wurde  aus  der  Umgebung  Guatemalas  noch  nie  angeführt, 
denn  man  war  bisher  der  Meinung,  daß  daselbst  nur  C. 
leticostomtim  A.  Dum.  und  C.  berendtiamim  Cope  einheimisch 
sei.  Die  soeben  mitgeteilten  Tatsachen  beweisen  aber  auch 
das  Vorkommen  von  C.  criieniatum  A.  Dum.  in  Gua- 
temala. 

Wir  haben  es  hier  mit  einem  ganz  analogen  Fall  wie  bei 
C.  scorpioides  integrum  Leconte  zu  tun.  Bei  dieser  Unterart 
zeigt  sich  ebenso  wie  bei  C.  criientatnin  A.  Dum.,  daß  die 
Exemplare  an  der  äußersten  Peripherie  des  Verbreitungsgebietes 
zwar  eine  Aberration  im  Habitus  der  Schale  aufweisen  können, 
aber  in  den  Hauptmerkmalen  noch  immer  mit  der  Stammform 
übereinstimmen,  weshalb  kein  Grund  vorliegt,  sie  spezifisch 
voneinander  zu  trennen. 

Schon  Werner  (Verh.  zool.  bot.  Ges.  Wien,  46,  1898, 
p.346)    hat  darauf  hingewiesen,  daß   C.  cruentatum  A.  Dum. 


Die  Schildkrötenfamilie  Cinosternidae  m.  589 

durch  das  Verschwinden  der  Rückenkiele  von  C.  leiicostomuui 
A.  Dum.  schwer  zu  unterscheiden  sei. 

Daß  C.albognlare  Bocourt  jeder  Berechtigung  auf  Selb- 
ständigkeit entbehrt  und  daher  unter  die  Synonymie  von  C. 
cruentatum  A.  Dum.  zu  stellen  ist,  wurde  von  mir  bereits  er- 
örtert. 

C.  cruentatum  A.  Dum.  ist  vornehmlich  im  südlichen  Teil 
von  Mexiko  einheimisch,  von  wo  diese  Art  über  Guatemala 
bis  nach  Costa  Rica  vordringt. 

Die  herpetologische  Sammlung  des  Museums  besitzt 
Exemplare  von  Chiapas,  Laguna,  Huilotepec  und  San  Mateo  del 
Mar  in  Mexiko  sowie  ein  Exemplar  aus  der  Umgebung  der 
Stadt  Guatemala.  Die  Länge  der  Rückenschale  des  größten 
Exemplares,  cf,  beträgt  lAOnmi,  deren  Breite  9G  tum  und  ihre 
Höhe  56mwz;  diese  Maße  verhalten  sich  beim  kleinsten  Exem- 
plare, 9,  wie  92  :  72  :  40. 

Diese  Art  kommt  nach  den  Mitteilungen  der  Brüder  Adolf 
und  Albin  Hörn  in  Huilotepec  und  San  Mateo  del  Mar  sehr 
zahlreich  vor.  An  letzterem  Orte  bewohnt  sie  die  Tümpel  und 
kleinen  Seen  mit  brackischem  Wasser  auf  den  Sandbänken. 

Verbreitung. 

Die  Cinosternidae  sind  rein  aquatische  Tiere,  welche  nur 
zur  Zeit  der  Eiablage  ans  Land  gehen,  oder  um  eine  andere 
Wasserstelle  aufzusuchen,  wenn  die  jeweilige  ausgetrocknet 
ist.  Sie  leben  nicht  nur  in  Flüssen,  sondern  auch,  und  zwar 
manche  Arten  sogar  mit  Vorliebe,  in  Sümpfen  und  Pfützen,  wo- 
für in  dem  so  wasserreichen  Verbreitungsgebiet  hinlänglich 
gesorgt  ist. 

In  ihrem  Vorkommen  verteilen  sich  die  Cinosternidae  auf 
die  nearktische  und  zum  Teil  auch  auf  die  neotropische  Zone. 
In  der  ersteren  Zone  erstreckt  sich  ihre  Verbreitung  von  Nord- 
osten (Maine)  gegen  Süden  fast  auf  alle  Gebietsteile  längs  der 
atlantischen  Küste  und  im  Westen  reicht  sie  bis  zum  Felsen- 
gebirge, welches  einem  weiteren  Vordringen  zum  pazifischen 
Ozean  hinderlich  entgegentritt.  Daher  fehlt  auch  diese  arten- 
reiche Familie  in  Californien  vollständig. 

39* 


590  F.  Siebenrock, 

Während  die  Cinosternidae  im  Osten  zwar  reich  an  In- 
dividuen, aber  nur  in  wenigen  Arten  auftreten,  nimmt  in  den 
südlichen  Gebieten,  speziell  in  Florida  und  am  Golf  von  Mexiko 
ihre  Zahl  auch  in  letzterer  Hinsicht  zu. 

Bloß  im  Osten  überschreitet  ihr  Verbreitungsgebiet  die 
Vergletscherungsgrenze  der  Eiszeit,  im  zentralen  Teile  des 
Kontinents  dürften  die  beiden  Grenzen  gegen  Norden  so  ziem- 
lich zusammenfallen.  Und  im  Nordwesten  scheint  das  äußerst 
gebirgige  Terrain  samt  den  damit  verbundenen  klimatischen 
Verhältnissen  den  Aufenthalt  dieser  Schildkröten  an  und  für 
sich  schon  unmöglich  zu  machen.  Erst  unter  dem  Wendekreis 
des  Krebses  dringen  sie  in  Südmexiko  bis  zum  pazifischen 
Ozean  vor,  um  sich  von  da  über  Zentralamerika  auszubreiten, 
wo  auch  die  reichste  Gliederung  dieser  Familie  zu  finden  ist. 
Nur  zwei  Arten  überschreiten  die  Landenge  von  Panama  und 
erstrecken  sich  sowohl  über  den  östlichen  als  über  den  west- 
lichen Teil  Südamerikas,  ohne  den  Wendekreis  des  Stein- 
bockes zu  erreichen. 

In  Übereinstimmung  mit  Brown  (Proc.  Ac.  Philad.,  LM, 
1904,  p.  464)  halteich  C.oJora/»?/z  Daud.  und  C.pensiJvanictun 
Gm.  ebenfalls  für  die  phylogenetisch  ältesten  Vertreter  der 
Gattung  CinostermimS])\x,  was  auch  durch  die  Form  des  Pla- 
strons vollkommen  bewiesen  wird.  Speziell  die  erstere  Art  bildet 
den  Übergang  von  der  Gattung  Staiirotypus  Wagl.  zur  Gattung 
Cinosterniun  Spix.  Es  ist  ferner  für  die  Beurteilung  der  Phylo- 
genie  dieser  Gattung  von  Wichtigkeit,  zu  wissen,  daß  in  Süd- 
amerika die  ältere  Form  C.  scorpioides  scorpioides  L.  mit 
der  Varietät  integrum  Leconte  auch  das  geologisch  ältere  Ge- 
biet von  Guiana  und  Brasilien  bewohnt,  während  C.  leii- 
costomtun  A.  Dum.  auf  den  geologisch  jüngeren  Teil  des  Kon- 
tinents, nämlich  auf  die  Anden,  beschränkt  bleibt. 

Die  ausgedehnteste  Verbreitung  haben  die  zwei  Arten  C. 
odoratiim  Daud.  und  C.  pensilvanictmt  Gm.,  denn  sie  reichen 
von  Maine  in  Nordosten  an  der  atlantischen  Küste  entlang  bis 
nach  Florida,  am  Golf  von  Mexiko  bis  zum  Colorado-River  und 
nach  Norden  ungefähr  bis  zum  40°  n.  Br. 

Für  unwahrscheinlich  halte  ich  aber  das  Vorkommen  von 
C.  pensilvaniciim  Gm.  in  Mexiko.   Bei  den  Exemplaren,  welche 


Die  Schildkrötentamilie  Cinostentidae  m.  591 

Strauch  1.  c.  und  Lindholm  1.  c.  von  dort  anführen,  dürfte 
wohl  die  Fundortsangabe  unrichtig  sein  und  das  von  Gadovv 
(Proc.Zool.  Soc.  London,  1905,  II,  p.  209)  inGuerrero  gesammelte 
Exemplar  wird  wohl  zu  einer  anderen  Art,  aber  nicht  zu  C.  pen- 
siluanicmn  Gm.  gehören. 

Im  Anschlüsse  folgt  hier  eine  Liste  über  die  geographische 
Verbreitung  der  einzelnen  Arten  mit  genauer  Angabe  aller  bis- 
her bekannt  gewordenen  Fundorte.  Zur  besseren  Übersicht 
mögen  die  beigefügten  Karten  dienen,  in  denen  jede  Art  mit 
ihrem  Anfangsbuchstaben  eingetragen  ist.  Nur  bei  den 
selteneren  Arten  ist,  wo  möglich,  jeder  Fundort  markiert,  bei 
den  häufigeren  dagegen  wie  bei  C.  odoratum  Daud.  und  C. 
pensiluauicum  Gm.  bloß  der  einzelne  Staat,  in  dem  die  be- 
treffende Art  bisher  beobachtet  wurde. 

Jene  Arten,  deren  Fundortsangaben  zweifelhaft  erscheinen, 
sind  mit  einem  vorgesetzten  ?  gekennzeichnet. 

1.  Claudius  angustatus  Cope. 
Mexiko,  Tabasco;  —  Cope. 

2.  Staurotypus  salvinii  Gray. 

Mexiko,  Santa  Efigenia;  —  Sumichrast. 

»         Tapana;  —  Sumichrast. 

»        Tehuantepec;  —  Sumichrast. 
Guatemala,  Huamuchal;  —  Salvin. 
»  Vera  Paz;  —  Bocourt. 

3.  Staurotypus  triporcatus  Wie  gm. 

Mexiko,  Vera  Cruz;  —  Salle. 

»         Rio  Alvarado,  Bay  von  Campeche;  —  Deppe. 

»         Tabasco;  —  Cope. 
Guatemala,  Umgebung  der  Stadt  Guatemala;  —  Strauch. 
»  Rio  Usumacinta;  —  Morelet. 

4.  Cinosternum  odoratum  Daud. 

Maine;  —  Holbrook. 

Massachusetts,  Amherst,  Falmouth,  Walpole  und  bei  Cam- 
bridge; —  Stör  er. 


592  F.  Siebenrock, 

Massachusetts,  Spy-Pond  bei  Cambridge  und  Concordfluß;  — 

Siebenrock. 
Connecticut,  Housatonic,  Trumbull,  Stratford,  East-Hartford 

und  Stromington;  —  Linsley. 
New-York;  —  De  Kay,  Paulmier,  Ditmars. 

»  Hudson  River;  —  Mearns. 

Nevv-Jersey;  —  Bonaparte. 
Delaware;  —  Boulenger. 
Nord-Carolina,  Raleigh;  —  Siebenrock, 
Süd-Carolina;  —  Agassiz,  Strauch. 
Georgia;  —  Agassiz. 
Alabama,  Mobile;  —  Agassiz. 
Louisiana;  — •  Agassiz,  Boulenger. 

'>  New  Orleans;  —  Agassiz,  Strauch. 

Texas;  —  Boulenger. 

»        Williamson  Count}'',  Medina  River;  —  Agassiz. 
»        San  Marcos;  ■ —  Stone. 
»        Colmesneil;  —  Siebenrock. 
Pennsylvanien,  Upper  Darby;  —  Leconte. 

»  Carlisle;  —  Boulenger. 

Ohio,  Nördlicher  Teil;  —  Kirtland. 
Indiana,  Turkey  Lake;  ■ —  Eigenmann. 
»         Wisiona  Lake;  —  Siebenrock. 
Illinois,  Deep  Lake,   Lake  Co.,   Chicago,   Peoria,  Pekin,  Little 
Fox  River  at  Phillipstown,  Running  Lake,  in  Union 
Co.;  • —  Garman  H.  (Bull.  Essex.  Inst,  XXVI, 
1896,  p.  61). 
»         Illinois  River;  —  Sieben  rock. 
Kentucky;  —  Garman  H. 
Missouri,  Osage  River;  —  Agassiz. 

»  St.  Louis;  —  Hurter. 

Tennessee,  Chattanooga;  —  Rhoads. 
Florida,  Orlando,  Orange  County ; — Lönnberg,  Siebenrock. 

5.  Cinosternutn  carinatum  Gra^'. 

Georgia,  Columbus;  —  Agassiz. 

»         Mimsville;  —  Siebenrock. 
Alabama,  Mobile;  —  Agassiz. 


Die  Schildkrötenfamilie  Ciiiosiernidac  m.  593 

Louisiana;  —  B  o  u  1  e  n  g  e  r. 
Mississippi;  —  L  i  n  d  h  o  1  m. 
?  Tennessee,  Emory  River;  —  Rhoads. 
?  Süd-Arizona;  —  Yarrow. 

6.  Cinosternum  steindachneri  Siebenr. 
Florida,  Orlando,  Orange  Coiinty;  —  Lönnberg,  Siebenrock. 

7.  Cinosternum  baurii  G  arm  an  S. 

Insel  Cuba;  —  G  arm  an  S. 
I\  e  y  \\^  e  s  t  - 1  n  s  e  1 ;  —  G  a  r  m  a  n  S. 

Florida.  Orlando,  Apopka,  Oviedo,  Orange  County;  —  Lönn- 
berg. 
»         Orlando,Belleair.  Hast  ings,Georgiana;  — Siebenrock. 

8.  Cinosternum  pensilvanicum  Gm. 

Connecticut,  Stratford;  —  Linsley. 
New- York;  —  De  Kay,  Paulmier,  Ditmars. 
Columbia,  Washington;  —  Boulenger. 
Nord-Carolina,  Raleigh;  —  Siebenrock. 
Alabama,  Mobile;  —  Agassiz. 

Louisiana,  New-Orleans;    —   Agassiz,   Boulenger,   Baur, 
S  i  e  b  e  n  r  0  c  k. 
»  Opelousas;  —  Siebenrock, 

l'exas,  Dallas;  —  Strauch. 

Waco ;  —  Sieben  rock. 
P  e  n  n  s  y  1  \'  a  n  i  a ;  —  Agassiz. 
Illinois,  Peoria,  Mt.  Carmel;  —  Garman  H. 
Kentucky;  —  H  o  1  b  r  o  o  k. 
Missouri,  Upper  Missouri  River;  —  Say. 
Tennessee;  —  Holbrook. 

Reelfoot  Lake,  Samburg;  — ■  Rhoads. 
?  Florida;  —  Boulenger. 
Florida,  Pensacola;  —  Agassiz. 
?  Mexiko;  —  Strauch,  Lindholm. 
?  »  San  Luis  Allende;  —  Gadow. 


594  F.  Siebenrock, 

9.  Cinosternum  flavescens  Agass. 

Arcansas,  Red  River;  —  Agassiz. 
Texas,  Mobeetie,  Clarendon;  —  Cope. 

»        Austin;  —  Sieben  rock. 

»        San  Antonio;  —  Agassiz,  Stone,  Brown. 

»        Lower  Rio  Grande  del  Norte;  —  Agassiz. 

»        Pecos;  —  Brown. 

»        El  Paso;  —  Brown,  Siebenrock. 
Arizona,  Gila  River,  Camp  Yuma;  —  Agassiz. 

10.  Cinosternuni  sonoriense  Leconte. 

N  e  u  -  M  e  X  i  k  o ;  —  Leconte. 

Arizona,  Tucson;  —  Leconte,  Sieben  rock. 

»         Huachuca;  —  Stejneger. 

»  Camp  Apache,  Rock  Creek ;  —  Yarrow. 

Sonora,  Guadalupe  Canon;  —  Agassiz. 

IL  Cinosternum  hirtipes  Wagl. 

Mexiko;  —  Wagler. 

»         Umgebung  der  Stadt  Mexiko;  —  Siebenrock. 

12  a.  Cinosternum  scorpioides  scorpioides  L. 

Cayenne;  —  Dumeril  et  Bibron,  Bou lenger. 
Surinam;  Berthold,   Siebenrock    (Exemplare   im    Berliner, 
Stuttgarter  und  Wiener  Museum). 

12b.  Cinosternum  scorpioides  integrum  Leconte. 

a)  Brasilien,  Para;  —  Goeldi,  Siebenrock. 

»  Borba,  Insel  Marajo;  —  Natter  er. 

Bolivia;  —  D'Orbigny. 

»         Bolivian  Chaco:  Caixa,  Mission  di  Aguairenda;'   — 
P  e  r  a  c  c  a. 
Columbia,  Mündung  des  Magdalenenstromes;  —  Sieben- 
r  oc  k'. 
»  Rio  Lebrija  bei  Santander;  —   Steindachner. 


Die  Schildkrütenfamilie  Cinosternidae  m.  595 

ß)  Mexiko,  Mazatlan;  —  Strauch,  Boulenger,  Sieben  rock. 
»  Tres-Marias-Inseln;    —    Boulenger,    Stejneger. 

»         Presidio;  —  Strauch,  Boulenger. 
»         Laguna;  —  Strauch. 
»  Acapulco;  —  Strauch,  Siebenrock. 

13.  Cinosternum  leucostomum  A.  Dum. 

Mexiko,  Coatzacoalcos;  —  Siebenrock. 

Cosamaloapan,  Playas  Vincente;  —  Boulenger. 
»         Tabasco;  —  Cope. 
»         Usumacinta;  —  A.  Dum  er  iL 
Guatemala,  Huamuchal,  Coban,  Cahabon;  —  Boulenger. 

»  Coban,  See  Peten,  Punta  Barrios; — Sieben  rock. 

Honduras;  —  Werner,  Siebenrock. 

Nicaragua;  —  Siebenrock    (ein  Exemplar  im  Berliner  Mu- 
seum). 
Darien,  Laguna  della  Pita;  —  Peracca. 

Columbia,  Tal   des   Magdalenenstrom.es,   Bogota;  —  A.  Du- 
m  e  r  i  L 
Ecuador,  Nanegal,  Chimbo;  —  Boulenger. 
»  Vinces;  —  Peracca. 

»  Rio  Durango,  Guayaquil;   —   Sieben  rock  (Exem- 

plare im  Berliner  Museum). 
»  Rio  Bogota;  —  Siebenrock  (Exemplare  im  Berliner 

und  Münchener  Museum). 
?  Louisiana,  New-Orleans;  —  A.  Dumeril,  Gadow.  (A.  Du- 
meril  bezweifelt  selbst  die  Richtigkeit  dieses 
Fundortes.) 

14.  Cinosternum  berendtianum  Cope. 

Mexiko,  Vera  Cruz;  —  Strauch. 

»         Cosamaloapan;  —  Boulenger. 

»         San  Mateo  del  Mar;  —  Gadow. 

»        Tabasco;  —  Cope. 
Guatemala;  —  Boulenger. 

»  See  Peten  in  Vera  Paz;  • —  Siebenrock. 


596  F.  Siebenrock, 

15.  Cinosternum  cruentatum  A.  Dum. 

Mexiko,  Oaxaca,  Tonala;  —  Boul enger. 

»         Chiapas,  Laguna,  Tehuantepec,  Huilotepec,  San  Mateo 

dal  Mar;  —  Siebenrock. 
»        Tehuantepec,  San  Mateo  del  Mar;  —  Strauch. 
Guatemala,  Umgebung  der  Stadt  Guatemala;  —  Siebenrock 
(Exemplare  im  Münchener,  Petersburger  und 
Wiener  Museum). 
Costa  Rica;  —  Bocourt,  Strauch. 

Aus  dieser  Liste  ergibt  sich  der  größte  Artenreichtum  im 
südlichen  Mexiko,  denn  nicht  weniger  als  acht  Arten  sind  da- 
selbst vertreten.  Je  mehr  nach  Norden  und  Osten  oder  nach 
Süden,  desto  kleiner  wird  die  Artenzahl  und  in  den  nördlichsten 
Gebieten  findet  man  die  Gattung  überhaupt  nur  mehr  durch 
C.  odoratum  Daud.  oder  allenfalls  auch  durch  C. pensilvaniaim 
Gm.  vertreten. 

Die  nun  folgende  Tabelle  möge  die  geographische  Ver- 
breitung aller  Arten  der  Familie  Cinosternidae  nach  dem  heu- 
tigen Stande  unserer  Kenntnis  klar  vor  die  x'\ugen  führen. 


Die  Schildkrötenfamilie  Ciiiostcrnidae  m. 


597 


tUllJVJtUIlM  'J 


ttinuüi^pus.isq  -j 


uiniiiofsojtisi  'j 


-9fm  sapiotdjoos  'j 


sdpwid 
■.lOJS  s3ptoid.ioos  -Q 


s^dif.iui  -j 


asiLTi.ioiios  'j 


Sli3JS3aVlf  -j 


iiiiijiiw.iiisujd  -j 


+     ■    + 


+   +   +   + 


u.tuvq  'j 


i.taiiipvpupfs  -j 


UlllfVlIIAVO  -Q 


+     •    + 


71111} 

-vjopo  utmijf/soiiij 


+   +•   +   +   +   +   +     ■+   +   +   +   +   +    +    +     •    + 


siifvp.iodij)  75' 


iiuinivs  snd.\}o.invjs 


SU)V}S 

-iißtiv  snipnvij 


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-•■-"•--       <D       w       0^ 

00    H    <   O 


598 


F.  Siebenrock, 


tnufvfusnj:)  'j 


+   + 


iiinuvijpu^.ipq  -j 


+   + 


uinmofsoonsi  'q 


+  +   +  +     •   +  +  + 


-Sftlt  sspwtdAOOs   Q 


+     ■    +     •    + 


s?piojd 
■Aoos  ssptoidjoos  'J 


sadifju/  -j 


3SU9t.tOUOS  -j 


Stt93S3ilVlf  -Q 


+    + 


+        •     + 


iitnotuvajtstod  -j 


+   +     •   +  + 


UAiwq  'Q 


+ 


pt3HjpvpU13}S  -Q 


+ 


tiinjviii.tvo  -Q 


+   +   + 


+ 


titiif 
-VAopo  mnuA9}souij 


+  +     •    +   + 


snjvojodijf  -jg 


+   + 


nmaivs  sndXjojuvjs 


+   + 


snjv^s 
-nßiw  siijpnvjj 


!^S-^-'.Si3S.SnitA! 

t.<SHJE-'Z;<SOKZOQOWeQOoa 


ö  .:2 


Die  Schildkrötenfamilie  Ciuostcrnidac  m.  599 


Erklärung  der  Abbildungen. 


Tafel  I. 


Fig.  1.  Cinostermnn  steindachneri  Siebenr.,  ^,  Tj-pe;  von  oben. 
Fig.  2.  »  »  j>  >  »      von  unten. 

Fig.  3.  »  >  >  »  »     Kopf  und  Hals  im  Profil. 

Fig.  4.  »  »  »  »     Stridulationsorgan  des  linken 

Hinterfußes. 


Tafel  II. 

Fig.  5.  Cinosternnm  baiirii  Garman,   "J;  ^'on  oben. 

Fig.  6.  »  »  »  j.      von  unten. 

Fig.  7.  »  >  >  >     Kopf  und  Hals  im  Profil. 


Sämtliche  Figuren  sind  Originalzeichnungen  in  natürlicher  Größe. 


Siebenroek  F.:  Die  Schildkrötenfamilie  CiiwsterniJae  m. 


Taf.L 


Jos.FldschnuunL  n.d.Iaturgez. 


Sitzungsberichte  d.  kais.  Akad.  d.  Wiss.,  math.-naturw.  Klasse,  Bd.  CXVI,  Abt.  I,  1907 


Siebenroek  F.:   Die  Schildkrötenfamilie  CinosterniJae  m. 


Taf.E. 


Jos.FhiseJimajm  ib.di.Nalurgez. 

Sitzungsberichte  d.  kais.  Akad.  d.  Wiss.,  math.-natunv.  Klasse,  Bd.  CXVI,  Abt.  I,  1907. 


Siebenrock  F.:  Die  Schildkrötenfamilie  Cinosteriüdae  m. 


Die  Vereinigten  Staaten  v. 
NORDAMERIKA  (Union: 


Buchstaben -Erklärung  für  die  Kartenskizzen. 


a.-Claudius  angustatus. 
sa.' Sraurot^pus  salvinii. 
t'  »  triporcatus. 

0.«  Cinostemum  odorarum. 
C-'        ).  carinatum. 

s''-"         -         steindachneri. 
ba.«        „         baurii. 
P'        •"      pensilvanicum 


so.' 

j» 

sononense. 

h.- 

.. 

hirUpes.    - 

SS- 

>, 

scorpioidesscorp 

si.' 

1.- 

" 

..    integrum 
ieucost-omum 

be- 

„ 

berendtianum. 

er.  > 

» 

cruentarum . 

iitzung.sberichte  d.  kais.  .^Vkad.  d.  Wiss.,  math.-naturw.  Klasse,  Bd.  CXVI,  Abt.  I,  1907. 


Siebenroek  F.;  Die  Schildkrötenfamilie  Ciiwsicniidae  m. 


V-v^*.  "  ''^"^" 


Cenrral-Amerika 


Süd 


Sitzungsberichte  d.  kais.  Altad.  d.  Wiss.,  math.-naturw.  Klasse,  Bd.  CXVI,  Abt.  I,  \i 


Die  Sitzungsberichte  der  mathem.-naturw.  Klasse 
erscheinen  vom  Jahre  1888  (Band  XCVII)  an  in  folgenden 
vier  gesonderten  Abteilungen,  welche  auch  einzeln  bezogen 
werden  können: 

Abteilung  I.  Enthält  die  Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der 
Mineralogie,  Kristallographie,  Botanik,  Physio- 
logie der  Pflanzen,  Zoologie,  Paläontologie,  Geo- 
logie, Physischen  Geographie,  Erdbeben  und 
Reisen. 

Abteilung  II  a.  Die  Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der 
Mathematik,  Astronomie,  Physik,  Meteorologie 
und  Mechanik. 

Abteilung  II  b.  Die  Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der 
Chemie. 

Abteilung  III.  Die  Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der 
Anatomie  und  Physiologie  des  Menschen  und  der 
Tiere   sowie   aus  jenem  der  theoretischen  Medizin. 

Von  jenen  in  den  Sitzungsberichten  enthaltenen  Abhand- 
lungen, zu  deren  Titel  im  Inhaltsverzeichnisse  ein  Preis  bei- 
gesetzt ist,  kommen  Separatabdrücke  in  den  Buchhandel  und 
können  durch  die  akademische  Buchhandlung  Alfred  Holder, 
k.  u.  k.  Hof-  und  Universitätsbuchhändler  (Wien,  L,  Rothenthurm- 
straße  13),  zu  dem  angegebenen  Preise  bezogen  werden. 

Die  dem  Gebiete  der  Chemie  und  verwandter  Teile  anderer 
Wissenschaften  angehörigen  Abhandlungen  werden  auch  in  be- 
sonderen Heften  unter  dem  Titel:  »Monatshefte  für  Chemie 
und  verwandte  Teile  anderer  Wissenschaften«  heraus- 
gegeben.  14  K  —  14  M. 

Der  akademische  Anzeiger,  welcher  nur  Originalauszüge 
oder,  wo  diese  fehlen,  die  Titel  der  vorgelegten  Abhandlungen 
enthält,  wird,  wie  bisher,  acht  Tage  nach  jeder  Sitzung  aus- 
gegeben. 5  K  —  5  M. 


y->  - 


\  3^0- 


SITZUNGSBERICHTE 


DER  KAISERLICHEN 


KADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN 


MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE  KLASSE. 


CXVI.  BAND.  IV.  UND  V.  HEFT. 


JAHRGANG   1907.  —  APRIL  und  MAI. 


ABTEILUNG  L 

ENTHÄLT    DIE  ABHANDLUNGEN  AUS  DEM  GEBIETE  DER  MINERALOGIE, 

KRISTALLOGRAPHIE,    BOTANIK,    PHYSIOLOGIE  DER  PFLANZEN,    ZOOLOGIE, 

PALÄONTOLOGIE,    GEOLOGIE,   PHYSISCHEN  GEOGRAPHIE  UND  REISEN. 


(MIT  6  TAFELN  UND  30  TEXTFIGUREN.) 


■1 

^'  WIEN,  1907. 

AUS  DER  KAISERLICH-KÖNIGLICHEN  HOF-  UND  ST A ATSDRUCKEREL 


IN  KOMMISSION  BEI  ALFRED  HOLDER. 

K.  U.   K.   HOF-  UND  UNIVERSITÄTSBUCHHÄNDLER. 
BUCHHÄNDLER  DER  KAISERLICHEN  AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN. 


INHALT 

des  4.  und  5.  Heftes,  April  und  Mai  1907,  des  CXVI.  Bandes,  Abteilung  I, 
der  Sitzung-sberiehte  der  mathem.-naturw.  Klasse. 

Seite 

Diener    K.,    Die    Faunen    der    tibetanischen    Klippen    von    Malla  Johar 

(Zentral-Himalaya).  [Preis:  40  h  —  40  pf] 603 

Höhnel  F.,  v.,  Fragmente  zur  Mykologie  (IV.  Mitteilung,  Nr.  156  bis  168). 

[Preis:  95  h  —  95  pf]      ßl5 

Keidel  H.,    Über  den  Bau  der  argentinischen   Anden.    (Mit  1  Textfigur.) 

[Preis :  80  h  —  80  pf ] 649 

Sperlich  A.,  Die  optischen  Verhältnisse  in  der  oberseitigen  Blattepidermis 
tropischer  Gelenkpflanzen.  Beiträge  zur  Auffassung  der  oberseitigen 
Laubblattepidermis  als  Lichtsinnesepithel.  (Mit  2  Doppeltafeln  und 
9  Textfiguren.)   [Preis:  2  K  70  —  2  M  70  pfj 675 

Höhnel  F.,  v.  und  Litschauer  V.,  Beiträge  zur  Kenntnis  der  Corticieen. 
(II.  Mitteilung.)  (Mit  4  Tafeln  und  20  Textfiguren.)  [Preis:  4  K  — 
4M] 739 


Preis  des  g-anzen  Heftes:  6  K  90  h  —  6  M  90  pf. 


MA.Y     4     1303 


SITZUNGSBERICHTE 


DER 


KAISERLICHEN  AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN. 


MATHEMATISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE  KLASSE. 


CXVI.  BAND.  IV.  HEFT. 


ABTEILUNG  I. 

ENTHÄLT  DIE  ABHANDLUNGEN  AUS  DEM  GEBIETE  DER  MINERALOGIE, 

KRISTALLOGRAPHIE,  BOTANIK,  PHYSIOLOGIE  DER  PFLANZEN,  ZOOLOGIE, 

PALÄONTOLOGIE,  GEOLOGIE,  PHYSISCHEN  GEOGRAPHIE  UND  REISEN. 


40 


603 


Die  Faunen  der  tibetanischen  Klippen  von 
Malla  Johar  (Zentral-Himalaya) 

vun 

Prof.  Dr.  Karl  Diener. 

(Vorgelegt   in    der   Sitzung   am    25.    April    1907.) 

In  der  Grenzregion  von  Kumaon  (Britisch-Indien)  und  der 
tibetanischen  Provinz  Hundes  sind  Klippen  oder  exotische 
Blöcke,  die  einer  von  der  normalen  Serie  in  der  Hauptregion 
des  Himalaj^'a  verschiedenen  Schichtreihe  angehören,  im  Jahre 
1892  durch  die  Expedition,  an  der  C.  L.  Griesbach,  C.  S. 
Middlemiss  und  ich  teilnahmen,  entdeckt  worden.  Es  konnte 
damals  in  der  von  der  Himalayaserie  abweichenden  tibe- 
tanischen Serie  eine  Vertretung  der  Permformation,  des  unte- 
ren Muschelkalkes  und  der  karnischen  Stufe  der  Obertrias  nach- 
gewiesen werden.  Obwohl  nur  die  Klippen  in  der  Umgebung 
des  Chitichun  Nr.  I  (17.750  englische  Fuß)  bei  jener  Gelegen- 
heit näher  untersucht  werden  konnten,  wurde  die  weite  Ver- 
breitung exotischer  Bildungen  als  Krönung  des  Gebirgskammes 
zwischen  dem  Balchdhura  und  dem  Kiogarh  -  Chaldupaß 
östlich  von  dem  Weideplatz  Laptal  festgestellt.^ 

Da  unter  den  Ergebnissen  der  Expedition  des  Jahres  1892 
gerade  die  Entdeckung  des  Klippengebietes  an  der  tibetani- 
schen Grenze  besonderes  Interesse  erregt  hatte,  erschien  ein 
weiteres  Studium  desselben  in  hohem  Maße  wünschenswert. 
C.  L.  Griesbach,  der  im  Jahre  1894  an  die  Spitze  der  Geo- 
logical  Survey  of  India  getreten  war,  betraute  im  Sommer 
1897  den  Geologen  T.  L.  Walker  mit  dieser  Aufgabe.  Doch 
kehrte  Walker  infolge  der  Schwierigkeiten,   die  ihm  die  tibe- 


1  K.  Diener,  Denkschr.  kais.  .Akad.,  LXll.  Bd.,  p.  588—607  (1895); 
C.  L.  Griesbach,  Notes  on  the  Central  Himdlayas.  Records  Geol.  Surv.  of 
India,  XXVI,  p.  19. 

40* 


604  K.  Diener, 

tanischen  Grenzwächter  bereiteten,  und  durch  sehr  ungünstige 
Witterungsverhältnisse  an  größeren  Unternehmungen  gehin- 
dert, nach  einem  kurzen  Besuche  des  Chitichun  Nr.  I  ohne 
weitere  Erfolge  als  eine  allerdings  ziemlich  reichhaltige  Auf- 
sammlung in  den  permischen  Klippenkalken  nach  Indien 
zurück. 

Größere  Erfolge  erzielte  drei  Jahre  später  A.  v.  Krafft, 
der  im  Sommer  1900  eine  Aufnahme  der  Klippenregion  von 
Malla  Johar  durchführte.  Er  wies  hier  eine  Vertretung  des 
Perm,  der  unteren  Trias  (skythische  Stufe),  der  karnischen 
Stufe  und  des  Lias  nach.  Zugleich  machte  er  auf  die  innige 
Verknüpfung  der  Klippengesteine  mit  effusiven  Eruptiv- 
bildungen (Andesite  und  Tuffe  von  mutmaßlich  eocänem  Alter) 
aufmerksam.  Dieser  Verknüpfung  trägt  auch  seine  originelle 
Erklärung  des  Klippenphänomens  Rechnung,  das  er,  ab- 
weichend von  Suess,^  nicht  auf  Deckschollen  zurückführt. 
Er  nimmt  vielmehr  an,  daß  die  tibetanischen  Klippen,  die  in 
den  Dimensionen  von  der  Größe  einzelner  kleiner  Blöcke  bis 
zu  einer  solchen  von  ansehnlichen  Bergen  schwanken,  durch 
die  Laven  selbst  aus  der  Tiefe  heraufgebracht  und  aus  be- 
trächtlicher Entfernung  herbeigeführt  worden  seien.  A.  v. 
K rafft's  Monographie  des  Klippengebietes  von  Malla  Johar, 
illustriert  durch  eine  geologische  Karte,  zahlreiche  Photo- 
graphien und  Zeichnungen,  ist  nach  seinem  Tode  veröffent- 
licht worden.'^  Seiner  Erklärung  der  tibetanischen  Klippen  hat 
sich  C.  L.  Griesbach^  angeschlossen. 

Das  von  A.  v.  Krafft  gesammelte  Fossilmaterial  ist 
mir  —  mit  Ausnahme  der  untertriadischen  Cephalopoden, 
deren  Beschreibung  sich  Herr  Griesbach  vorbehalten  hatte 
—  zur  Bearbeitung  anvertraut  worden.  Über  die  Äquivalente 
des  Permsystems  habe  ich  bereits  an  anderer  Stelle*  berichtet. 


1  E.  Suess,  Das  Antlitz  der  Erde,  Bd.  III,  p.  352. 

2  A.  V.  Krafft,    Notes  on  the   exotic   blocks   of  Malla   Johar.   ^iemoirs 
Geol.  Survey  of  India.  Vol.  XXXII,  Pt.  3,  p.  127—183. 

3  C.  L.  Griesbach,    On  the  exotic  blocks  of  the  Himalayas.  Compte 
rendu  de  la  IXe  Session  du  Congres  Geol.  Internat.  (Vienne  1903),  p.  547. 

*  Himälayan    Fossils,    Palaeontologia    Indica,    ser.    XV,    Vol.   I,   Pt.    5, 
p.  62—100. 


Faunen  der  tibetanischen  Klippen.  605 

Nunmehr  ist  auch  die  Bearbeitung  der  obertriadischen  und 
liasischen  Faunen  abgeschlossen,  so  daß  ein  Überblick  über 
die  einzehien  Glieder  der  tibetanischen  Serie  und  deren  Be- 
ziehungen zur  Himalayaserie  möglich  erscheint. 

Auf  Grund  der  von  A.  v.  Krafft  gelieferten  Daten,  die 
durch  meine  Untersuchung  des  Fossilmaterials  durchaus  be- 
stätigt worden  sind,  umfaßt  die  tibetanische  Serie  bisher  sieben 
verschiedene  Horizonte,  von  denen  sechs  durch  bezeichnende 
Faunen  charakterisiert  sind. 

1.  Perm. 

Lichtgraue  oder  rote,  marmorartige  Crinoidenkalke,  litho- 
logisch  übereinstimmend  mit  jenen  des  Chitichun  Nr.  I.  Exo- 
tische Blöcke  dieses  Alters  sind  von  A.  v.  Krafft  auf  der 
seiner  Monographie  beigegebenen  Karte  mit  den  Ziffern  9,  11, 
12,  13,  15,  18,  19  bezeichnet  worden.  Fossilien  sind  nicht  eben 
häufig,  nur  der  Block  Nr.  9  hat  eine  reiche  Fauna  geliefert. 
Unter  37  Arten,  die  eine  spezifische  Bestimmung  erlaubten, 
sind  26  mit  solchen  aus  dem  permischen  Kalkstein  des  Chiti- 
chun Nr.  I  identisch.  Von  den  übrigen  11  Arten  sind  weitere 
8  mit  solchen  aus  anderen  permischen  Ablagerungen  gemein- 
sam. Die  Zugehörigkeit  zum  Permsystem  steht  also  außer 
jedem  Zweifel. 

2.  Skythische  Stufe  (Untere  Trias). 

Nach  dem  Bericht  A.  v.  Krafft' s  ein  dunkelroter,  erdiger, 
dünngeschichteter  Kalkblock  (Nr.  20)  mit  Damihites  nivalis 
Dien.,  Flemingitcs  sp.,  Meelwceras  sp.,  wahrscheinlich  ein 
Äquivalent  der  Hedenstroemia  beds  *  (Oberregion  der  skythi- 
schen  Stufe)  in  der  Hauptzone  des  Himalaya. 

3.  Anisische  Stufe  (Muschelkalk). 

Der  Unterregion  der  anisischen  Stufe  gehört  die  reiche 
Fauna  der  kleinen,  von   C.  S.  Middlemiss  1892   entdeckten 


1  Hedenstroemia  beds  ==  Zone  des  Flcmingites  Rohilla  Dien.   (Subro- 
bustus  beds  aiitea). 


606  K.  Diener, 

Klippe  am  Fuße  des  Chitichun  Nr.  I  an,  deren  Fauna  ich  im 
zweiten  Teile  des  zweiten  Bandes  der  »Himalayan  Fossils« 
beschrieben  habe.  Die  aus  15  Arten  bestehende  Fauna  liegt  in 
einem  roten  marmorartigen  Kalkstein  von  Hallstätter  Facies. 
Sie  wurde  auf  Grund  ihres  zoologischen  Charakters  als  eine 
Fauna  des  unteren  Muschelkalkes  angesprochen.  Diese  Dia- 
gnose hat  später  eine  Bestätigung  erfahren,  indem  A.  v.  Krafft 
und  Hayden  die  wichtigsten  Elemente  jener  Fauna  in  den 
dunklen  Kalken  und  Schiefern  des  unteren  Muschelkalkes  der 
Hauptregion  des  Himalaya  entdeckten. 

Eine  Vertretung  dieses  Horizonts  in  den  Klippen  von 
Malla  Johar  ist  nur  durch  spärliche  Fossilreste  {Prodadiscites 
cf.  Yasoda  Dien.)  in  einem  losen  Block  an  den  Abhängen 
des  Balchdhura  angedeutet. 


4.  Unterkarnisch  (?). 

Ein  dunkelroter,  eisenhaltiger  Kalkstein,  von  dem  Block 
Nr.  1  stammend,  enthält  Abdrücke  von  Daonella  iiidica  Bittn. 
und  einer  unbestimmbaren  Halobia  (vielleicht  der  Gruppe  der 
//.  varestriata  angehörig).  Bittner's  Vermutung,  daß  Daonella 
ittdica  einen  bestimmten,  engbegrenzten  Horizont  der  Himalaya- 
trias  bezeichne,  hat  sich  nicht  bestätigt.  Aus  den  Aufsamm- 
lungen von  A.  V.  Krafft  und  Hayden  in  Spiti  wissen  wir, 
daß  sie  dort  nicht  allein  in  unterkarnischen  Bildungen,  sondern 
auch  in  zweifellos  ladinischen  Ablagerungen  vom  Alter  der 
Wengener  Schichten  zusammen  mit  Daonella Lommeli  Wissm. 
vorkommt.  Immerhin  macht  das  Vorkommen  einer  echten 
Halobia  die  Zugehörigkeit  des  Blockes  Nr.  1  zur  karnischen 
Stufe  wahrscheinlich. 

5.  Oberkarnisch. 

Zwei  Klippen,  Nr.  2  und  5.  Die  erstere,  aus  einem  dichten, 
marmorartigen,  fleischroten  bis  dunkelroten  Kalk  bestehend, 
enthält  die  reichste  der  bisher  aus  den  Klippen  bekannten 
Triasfaunen.  Unter  53  Arten  gestatten  45  eine  sichere  spezi- 
fische Bestimmung.   Die  weitaus  überwiegende  Mehrzahl  sind 


Faunen  der  tibetanischen  Klippen.  607 

Cephalopoden.  Das  Gestein,  in  dem  sie  stecken,  ist  dem  Hall- 
stätter  Kalk  des  Rötheistein  auffallend  ähnlich.  Auch  die 
Zusammensetzung  der  Fauna  entspricht  jener  in  den  kar- 
nischen  Hallstätter  Kalken  der  Aonoides-  oder  Suhhtillattis- 
Zone.  Cladiscites  und  Arcestes  herrschen  weitaus  vor  und 
sind  in  einer  Reihe  von  Arten  vertreten,  die  europäischen 
Faunen  teils  sehr  nahe  stehen,  teils  mit  solchen  direkt  iden- 
tisch sind.  Tatsächlich  oder  mit  großer  Wahrscheinlichkeit 
mit  alpinen  Formen  zu  identifizieren  sind  folgende  Cephalo- 
podenarten: 

Cladiscites  crassestriatus  M  o j  s. 
»  cf.  Gorgiae  Gemm. 

cL  piisilhis  Mo ]s. 
Hypocladiscites  stihcarinattis  Gemm. 
Arcestes  cf.  periolcus  Mojs. 

»        ci.  Richthofeiii  Mois. 

»        cf.  placenta  Mojs. 
Proarcestes  Gaytani  K 1  i  p  s  t. 
Placites  cf.  peraiictus  Mojs. 
Discotropites  cf.  sandlingensis  Hauer. 
Tropites  cf.  siihhtUlatns  Hauer. 
Aiiatropites  cf.  spinosiis  Mojs. 
luvavites  (Griesbachites)  cf.  Kastneri  Mojs. 
Gonionotites  cf.  italicns  Gemm. 
Proclydonantiliis  triadictts  Mojs. 

Ferner  unter  den  Gastropoden: 

Loxonema  (Polygonia)  cf.  elegans  Hoern. 
Sagana  cf.  geometrica  Koken. 

Aber  auch  sonst  sind  die  Beziehungen  zu  den   Faunen 
der  karnischen    Hallstätter    Kalke   sehr   enge.   luvavites  s.  s., 


608  K.  Diener, 

Anatoniites,  Jovites,  Discopliylliies  sind  fast  ausschließlich 
durch  nahestehende  Arten  vertreten.  Das  ist  überhaupt  der 
auffallendste  Zug  in  dem  Charakterbilde  dieser  Fauna,  daß 
sie  einen  so  durchaus  europäischen  Anstrich  hat,  daß  die 
Beimischung  fremdartiger,  der  indischen  Triasprovinz  eigen- 
tümlicher Faunenelemente  so  außerordentlich  zurücktritt.  Keine 
einzige  unter  den  Triasfaunen  der  normalen  Himalayaserie 
kann  mit  ihr  in  dieser  Richtung  verglichen  werden. 

An  der  Zusammensetzung  der  Fauna  des  Blockes  Nr.  2 
nehmen  Elemente  der  Aonoides-  und  StihhuUatus-Zono.  in 
ziemlich  gleichmäßiger  Weise  Anteil.  A.  v.  Krafft  hat  diese 
P'auna  auf  Grund  einer  Durchsicht  seines  Fossilmaterials  pro- 
visorisch in  die  Suhhullahis -Zone,  gestellt.  Wahrscheinlich  wird 
man  aber  eine  Vertretung  beider  Zonen  anzunehmen  haben, 
freilich  ohne  deshalb  an  eine  direkte  Vermischung  derselben 
denken  zu  müssen. 

Die  Klippe  Nr.  5  ist  sehr  arm  an  bestimmbaren  Fossilien. 
Doch  reichen  Carnites  aus  der  Gruppe  des  C. ßoridus  W ul(. 
und  Proarcestes  sp.  ind.  ex  äff.  Attsseano  Hauer  für  den 
Nachweis  eines  oberkarnischen  Alters  (wahrscheinlich  Aonoides- 
Zone)  aus. 

6.  Dachsteinkalk. 

Die  überwiegende  Zahl  der  großen,  die  Gebirgskette 
zwischen  dem  Balchdhura  und  dem  Kiogarh-Chaldupaß  krö- 
nenden Klippen  gehört  nach  A.  v.  Krafft  diesem  Niveau  an. 
Die  hellgrauen  dolomitischen  Kalke  sind  fossilleer.  Voll- 
ständige lithologische  Übereinstimmung  mit  dem  Dachstein- 
kalk der  Hauptregion  des  Himalaya  besteht  nicht,  da  der 
letztere  gut  geschichtet  ist,  während  die  hellgrauen  Kalk- 
klippen der  tibetanischen  Serie  massige  Klötze  bilden. 

7.  Unterer  Lias. 

Unter  den  Resultaten  der  Aufnahme  des  Klippengebietes 
von  Malla  Johar  durch  A.  v.  Krafft  verdient  die  Entdeckung 
des  unteren  Lias  mit  Phylloceras  und  Arietües  am  meisten  Be- 
achtung.  Die   Anwesenheit    dieses    Niveaus   im   Himalaya  in 


Faunen  der  tibetanischen  Klippen.  609 

fossilführender  Ausbildung  war  damit  zum  ersten  Male  festge- 
stellt. 

Vier  Klippen,  Nr.  6,  7,  16  und  17,  gehören  diesem  Horizont 
an,  aber  nur  die  beiden  letzteren  sind  reich  an  Versteinerungen. 
Sie  sind  nur  Anhäufungen  von  losen  Blöcken,  den  Resten 
einer  zerfallenen  größeren  Blockklippe.  Das  Gestein  entspricht 
genau  der  Adnether  Facies  des  alpinen  Lias.  Wie  in  den 
Adnether  Schichten  sind  die  Fossilien  häufig  nur  auf  der  einen 
Seite  erhalten,  während  sie  auf  der  anderen  vollständig 
aufgelöst  sind.  An  manchen  Stücken  des  sehr  feinkörnigen, 
roten,  etwas  tonigen  Kalksteins  wurden  Manganputzen  be- 
obachtet. 

Die  Adnether  Kalke  der  tibetanischen  Serie  sind  eine 
typische  Cephalopodenfacies,  Dibranchiata  sind  nur  durch  einige 
Atractites-Fragmente  und  durch  Bruchstücke  von  Belemniten 
aus  der  Verwandtschaft  des  B.  acnarius  Schloth.  repräsen- 
tiert. Alle  anderen  Fossilien  sind  Ammoniten.  Unter  diesen 
herrscht  die  Gattung  Phylloceras  durch  die  Zahl  der  Arten  und 
Individuen  weitaus  vor.  Unter  87  generisch  bestimmbaren 
Ammonitensteinkernen  aus  den  Blockklippen  Nr.  16  und  17 
entfallen  53  auf  Phylloceras  (darunter  2  auf  die  Untergattung 
Rhacophyllites),  20  auf  Arietites,  8  auf  Schlotheimia.  Die  übri- 
gen an  der  Zusammensetzung  der  Fauna  beteiligten  6  Gattungen 
sind  in  je  einem  Exemplar  vertreten.  Dieses  Verhältnis  von 
Phylloceras  zu  allen  anderen  P'aunenelementen  bringt  allein 
schon  den  alpinen  Charakter  des  tibetanischen  Lias  in  ekla- 
tanter Weise  zum  Ausdruck. 

Von  Phylloceras  lassen  sich  bei  sehr  enger  Artfassung 
7  Spezies  unterscheiden.  Die  Mehrzahl  derselben  schließt  sich 
enge  an  Ph.  Lipoldi  Hauer  an.  Die  Gruppe  des  Phylloceras 
Persanense  Herb,  ist  ebenfalls,  und  zwar  durch  eine  Art  ver- 
treten, die  sich  von  der  siebenbürgischen  Spezies  Herbich's 
nur  durch  raschere  Querschnittszunahme  der  Windungen  unter- 
scheidet, während  die  Suturlinie  selbst  in  untergeordneten  Merk- 
malen übereinstimmt.  Formen  mit  Paulostomfalten  beziehungs- 
weise Einschnürungen  sind  sehr  selten.  Mir  ist  von  solchen  nur 
ein  einziges  Exemplar  bekannt  geworden,  das  sich  einer  noch 
unbeschriebenen  Art  aus  dem  Lias  der  Kratzalpe  anzuschließen 


010  K.  Diener, 

scheint.  Die  Gruppe  des  Ph.  Partschi  Stur  fehlt  vollständig. 
Dagegen  ist  eine  dem  Ph.  Uerinoesense-aulotwtwm  Herb. 
{Schistophylloceras)  außerordentlich  nahestehende  Art  ziemlich 
häufig.  Würde  nicht  die  Suturlinie  durch  eine  massigere 
Entwicklung  der  Sattelstämme  und  zartere  Endblätter  Unter- 
schiede aufweisen,  so  würde  es  schwer  fallen,  beide  Arten  auf 
Grund  äußerer  Schalenmerkmale  zu  trennen. 

Der  Untergattung  RhacophyUites  gehören  zwei  Arten  an. 
Die  eine  m\xQ  yN o\\\m\\ Rh.  gigas  Fucini  aus  dem  Unterlias  des 
Monte  di  Cetona  vereinigt  werden.  Die  andere  ist  durch  eine 
trompetenförmige  Erweiterung  der  Mündung  ausgezeichnet, 
wie  sie  Neumayr  auch  bei  einigen  europäischen  Phylloceraten 
beschrieben  hat. 

Schlotheimia  erscheint  mit  drei  Arten.  Die  eine,  leider  nur 
durch  ein  gekammertes  Windungsbruchstück  vertreten,  scheint 
der  alpinen  Schi.  niarmoreaOpp.  sehr  nahe  zu  stehen.  Wenig- 
stens zeigt  die  außerordentlich  reich  zerschlitzte  Suturlinie  eine 
weitgehende  Übereinstimmung,  selbst  in  den  Details  der  Loben- 
zacken und  Sattelblätter.  Die  beiden  anderen  Arten  schließen 
sich  in  ihrer  Skulptur  an  die  Gruppe  der  Schi,  trapezoidalis 
(Sow.)  Canavari  an,  indem  die  ziemlich  kräftigen  Rippen  ent- 
lang der  Externfurche  einander  fast  ohne  Vorwärtsbiegung 
begegnen. 

Unter  den  Arietiten  ist  eine  in  mehreren  gut  erhaltenen 
Stücken  bekannte  Art  wahrscheinlich  m.\i  Arietites  Coregotiensis 
(Sow.)  Canavari  zu  identifizieren.  Eine  zweite  Art  gehört  in 
die  Gruppe  des  A.  rotiformis  Sow.  Sie  besitzt  auffallend  hohe 
Randknoten  und  eine  Suturlinie,  die  durch  die  gleich  hohe 
Stellung  des  Extern-  und  Laterallobus  und  durch  die  tiefe  Zer- 
teilung  des  Externsattels  jener  des  A.  Deffneri  Opp.  sehr 
ähnlich  wird.  Eine  dritte  Art  vereinigt  die  Skulptur  des  A.  Cony- 
beari  Sow.  mit  den  Querschnittsverhältnissen  des  A.  Boesei 
Uhlig.  Endlich  ist  mir  aus  dem  Liaskalk  der  Klippe  Nr.  7 
noch  eine  Art  bekannt,  die  dem  A.  Gninoivl  Hauer  nahesteht. 
Querschnitt  und  Kielbildung  der  Schlußwindung  stimmen 
überein,  doch  liegen  Unterschiede  in  der  Skulptur,  da  bei  der 
Himalayaform  die  Rippen  auf  der  Externseite  viel  stärker 
nach  vorwärts  gekrümmt  sind  als  bei  A.  Grunowi. 


Faunen  der  tibetanischen  Klippen.  611 

Von  Aegoceras  liegt  ein  Windungsbmchstück  einer  kleinen 
Art  vor,  die  sich  wohl  nicht  allzuweit  von  Aeg.  hifer  Quenst. 
entfernen  dürfte.  Auch  Oxynoticcras  ist  nur  durch  ein  Frag- 
ment der  Schlußwindung  vertreten.  Vermutlich  handelt  es  sich 
um  eine  Form  aus  der  Verwandtschaft  des  O.  Guibalianum 
D'Orb.  oder  O.  Greenonghi  Sow. 

Zu  den  interessantesten  Faunenelementen  zählen  einige 
Repräsentanten  jener  merkwürdigen  Gattungen  aus  der  Unter- 
stufe des  nordalpinen  Unterlias,  die  gewissermaßen  Verbindungs- 
glieder zwischen  den  Familien  der Phvlloceratidae,  Lytoceratidae 
und  Psiloceratidae  darstellen  und  deren  genaue  Kenntnis  man 
Waehner  verdankt.  Nicht  sichergestellt,  wenngleich  wahr- 
scheinlich, ist  die  Anwesenheit  von  Ectoceiitrites  Waehner 
und  Etiphyllites  V/aehner.  Dagegen  sind  Pleuracanthites  Can. 
und  AiiaJytoceras  Hyatt  (Gruppe  des  Lytoceras  avticuJattim 
Sow.)  durch  je  eine  ganz  bezeichnende  Art  repräsentiert,  die 
ihren  alpinen  Gattungsgenossen  außerordentlich   nahe  stehen. 

Die  Verwandtschaftsverhältnisse  der  hier  aufgezählten 
Arten  weisen  mit  voller  Klarheit  auf  die  Unterstufe  des 
unteren  Lias  hin.  Dennoch  kann  man  eine  Beteiligung  von 
Elementen  der  Hochstufe  des  Unterlias  nicht  unbedingt  aus- 
schließen. Die  Anwesenheit  von  Oxynoticcras  und  die  nahen 
Beziehungen  einer  neuen  Art  von  Arietiics  zu  A.  Boesei  lassen 
immerhin  auch  an  eine  Vertretung  höherer  Zonen  des  Unter- 
lias denken.  Sichergestellt  erscheint  bisher  allerdings  nur  eine 
Vertretung  der  tieferen  Stufe  des  alpinen  Unterlias. 

Höhere  Glieder  als  der  untere  Lias  sind  in  der  tibetani- 
schen Serie  nicht  bekannt.  Spiti  shales  und  Gieumal  Sandstone 
(Flysch)  sind  in  dem  Klippengebiet  von  Malla  Johar  und  in 
der  Hauptregion  des  Himalaya  in  durchaus  übereinstimmender 
Weise  entwickelt.  Der  scharfe  Kontrast  der  Facies  reicht 
keinesfalls  erheblich  über  den  mittleren  Jura  hinaus. 


Sehlußbemerkungen. 

Die  Untersuchungen  A.  v.  Krafft's  in  der  Klippenregion 
von  Malla  Johar  haben  ergeben,  daß  die  einzelnen  Glieder  der 
tibetanischen   Serie  von    den   entsprechenden    Schichtgruppen 


612  K.  Diener. 

der  Himalayaserie  von  Perm  bis  zum  Lias  lithologisch  ver- 
schieden sind.  In  der  Himalayaserie  herrscht  —  von  einer  Ero- 
sionsdiskordanz an  der  Basis  der  permischen  Productus  shales 
abgesehen  —  vom  Perm  an  durch  die  ganze  mesozoische  Ära 
bis  zum  Gieumal  Sandstone  (Kreide)  volle  Konkordanz.  Lücken 
in  der  Schichtfolge  sind  nicht  nachweisbar,  wenngleich  die 
Vertretung  der  stratigraphischen  Horizonte  zwischen  der  rhä- 
tischen  Stufe  und  dem  Kelloway  (Sulcacutus  beds)  nicht  durch 
Fossilien  belegt  werden  kann.  Ob  die  Lückenhaftigkeit  der 
tibetanischen  vSerie  tatsächlich  besteht  oder  nur  auf  einem 
Mangel  in  unseren  Kenntnissen  von  der  schwer  zugänglichen 
Klippenregion  an  der  tibetanischen  Grenze  beruht,  läßt  sich 
vorläufig  nicht  feststellen. 

Der  Faciesunterschied  zwischen  den  beiden  Serien,  die 
zwischen  dem  Quellgebiet  der  Dhauliganga  und  Chitichun 
Nr.  I  einander  bis  auf  12  km  nahekommen,  ist  am  wenigsten 
deutlich  ausgesprochen  in  den  als  Dachsteinkalk  bezeichneten 
Bildungen,  sonst  aber  durchwegs  sehr  scharf.  Den  permischen 
Kuling-Schiefern  und  Sandsteinen  der  Himalayaserie  stehen  die 
weißen,  marmorartigen  Klippenkalke,  den  dunklen,  tonreichen 
Kalken  und  Schiefern  der  Himalayatrias  rote  und  graue 
Hallstätter  Kalke  und  Marmore  gegenüber.  Während  in  der 
Hauptregion  des  Himalaya  die  Entwicklung  geschichteter 
grauer,  dolomitischer  Kalke  (Dachsteinkalk)  durch  den  ganzen 
Lias  und  —  wenigstens  in  Spiti  —  noch  durch  den  Dogger  hin- 
durchreicht, erscheint  in  den  Klippen  der  untere  Lias  in  der 
Facies  der  nordalpinen  Adnether  Schichten.^ 

Diese  Verschiedenheit  in  der  F'aciesentwicklung  fällt  kei- 
neswegs durchaus  mit  einer  faunistischen  Verschiedenheit 
zusammen.  Skythische  Stufe  und  unterer  Muschelkalk 
weisen  in  beiden  Serien  sehr  nahe  übereinstimmende  Faunen 
auf,  während  Beziehungen  zu  den  homotaxen  Triasfaunen  der 
Alpen  kaum  angedeutet  sind.  In  der  karnischen  Stufe  aber 
kehrt   sich  dieses   Verhältnis   um.   Die    der  Mediterranprovinz 


1  Wie  mir  Prof.  V.  Uhlig  mitteilt,  dem  ich  bei  der  Bearbeitung  der 
Liasfauna  von  Malla  Johar  für  wertvolle  Ratschläge  zu  Dank  verpflichtet  bin, 
besteht  in  der  Ausbildung  des  tibetanischen  Lias  die  größte  Übereinstimmung 
mit  den  Adnether  Kalken  von  Valesecca  in  der  Bukowina. 


Faunen  der  tibetanischen  Klippen.  6lo 

fremden,  dem  indischen  Faunengebiet  eigentümlichen  Typen 
treten  zurück,  die  karnische  Fauna  der  Klippen  von  Malla  Johar 
erhält  ein  alpines  Gepräge,  das  schon  in  dem  Überwiegen 
leiostraker  Ammoniten,  wie  Arcestes  und  Cladiscites,  die  in  der 
Hauptregion  des  Himalaya  relativ  selten  sind,  zum  Ausdruck 
kommt.  Am  engsten  sind  die  faunistischen  Beziehungen  zur 
alpinen  Region  im  unteren  Lias.  Wären  andere  mesozoische 
Bildungen  in  fossilreicher  Entwicklung  aus  dem  Himalaya 
nicht  bekannt,  so  wäre  der  tibetanische  Lias  für  sich  allein 
nicht  ausreichend,  um  die  Aufstellung  einer  besonderen  indi- 
schen Faunenprovinz  zu  begründen.  Die  Unterschiede  zwischen 
dem  englischen  oder  schwäbischen  und  dem  alpinen  Lias  sind 
auffallender  als  jene  zwischen  dem  letzteren  und  dem  Lias  der 
Klippen  von  Malla  Johar.  Kein  Paläontologe  wäre  über  eine 
Entdeckung  der  Liasfauna  aus  den  Blöcken  Nr.  16  und  17  an 
irgend  einem  Punkte  des  östlichen  Mittelmeerbeckens  über- 
rascht gewesen,  denn  sie  enthält  keine  einzige  Form,  die  nicht 
in  das  Bild  einer  mediterranen  Liasfauna  passen  würde. 

Eduard  Suess  hat  den  Unterschied  zwischen  der  tibeta- 
nischen und  der  Himalayaserie  mit  der  Verschiedenheit  der 
Facies  des  Brian9onnais  in  den  Deckschollen  der  Westalpen 
von  der  unterliegenden  helvetischen  Facies  verglichen.  Der 
Unterschied  ist,  wie  die  neueren  Erfahrungen  gezeigt  haben, 
eher  größer  als  geringer.  Er  ist  jedenfalls  so  groß,  daß  A.  v. 
K  rafft  in  ihm  die  größte  Schwierigkeit  für  seine  Erklärung  der 
Klippen  als  durch  Laven  aus  der  Tiefe  an  die  Oberfläche 
gebrachte  Auswürflinge  einer  vulkanischen  Esse  erblickt. 
Denn  jene  Lavaströme  —  meint  er  — ■  hätten  kaum  aus  einer 
so  bedeutenden  Entfernung  kommen  können,  wie  sie  zwischen 
den  Ablagerungsgebieten  zweier  so  grundverschiedener  Facies 
angenommen  werden  müsse. 

Die  Deckschollentheorie  vermag  den  scharfen  Kontrast 
zwischen  den  Entwicklungen  der  tibetanischen  und  der  Hima- 
layaserie zu  erklären,  aber  sie  erklärt  nicht  die  zweite,  meiner 
Ansicht  nach  auffallendere  Eigentümlichkeit  der  tibetanischen 
Serie,  nämlich  die  über  alle  Erwartung  nahe  lithologische  und 
•  faunistische  Übereinstimmung  mit  alpinen  Sedimenten  der 
karnischen    Stufe    und  des    unteren   Lias.    Ich    zweifle    aller- 


614  K.  Diener,  Faunen  der  tibetanisclien  Klippen. 

dings,  daß  selbst  die  vorgeschrittensten  Vertreter  der  Decken- 
h3^pothese  sich  der  letzteren  zur  Erklärung  jener  Übereinstim- 
mung bedienen  werden.  Dafür  ist  die  räumliche  Entfernung 
zwischen  dem  Mediterrangebiet  und  dem  Himalaya  zu  ausge- 
dehnt, selbst  wenn  man  die  in  Facies  und  Fossilführung  mit 
den  Auernigschichten  der  karnischen  Alpen  auf  das  genaueste 
übereinstimmenden  Carbonablagerungen  des  Donezbeckens  als 
eine  Etappe  auf  dem  Wege  in  Anspruch  nehmen  wollte. 

Wenn  man  davon  absieht,  die  Deckschollentheorie  in 
diesem  Sinne  zu  einer  Erklärung  heranzuziehen,  dann  bleibt 
nichts  übrig,  als  sich  mit  der  Vorstellung  zu  befreunden,  daß 
innerhalb  der  Tethys  nördlich  von  der  Hauptregion  des  Hima- 
\a.ysi  während  der  karnischen  und  Liasepoche  ein  Meeresstrei- 
fen vorhanden  war,  in  dem  nicht  nur  gleiche  physikalische 
Bedingungen  den  Absatz  von  Sedimenten  bewirkten,  die  jenen 
derselben  Epochen  in  den  Alpen  durchaus  gleichartig  waren, 
sondern  innerhalb  dessen  das  Meer  auch  von  einer  den  homo- 
taxen  alpinen  Faunen  außerordentlich  nahestehenden  Fauna 
bevölkert  war. 

Diese  Tatsache,  daß  gleichartige  Facies  mit  einander  sehr 
ähnlichen  Faunen  selbst  in  räumlich  so  entfernten  Gebieten 
auftreten,  ist  von  großer  Bedeutung  für  eine  richtige  Bewertung 
der  Faciesverhältnisse  innerhalb  einzelner  Zonen  der  Alpen. 
Wenn  die  gleichen  Verhältnisse  der  Sedimentation  und  Faunen- 
vergesellschaftung in  den  Alpen  und  in  gewissen  Abteilungen 
der  tibetanischen  Serie  sich  geltend  machen^  dann  geht  es 
nicht  an,  ihr  gelegentliches  Vorkommen  innerhalb  verschiedener 
Zonen  desselben  Gebirges  von  vornherein  in  Abrede  zu 
stellen  und  für  zwei  Zonen  mit  gleicher  Faciesentwicklung 
stets  das  Verhältnis  von  Wurzel  und  Schubdecke  als  allein 
zulässig  vorauszusetzen. 


615 


Fragmente  zur  Mykologie 

(I\'.  Mitteilung,  Nr.  156  bis  168) 


Prof.  Dr.  Franz  v.  Höhnel, 

k.  M.  k.  Akad. 

Vorgelegt  in   der  Sitzung  am   25.  April  1907.) 

156.  Über  Cleistotheca  papyrophila  Zukal. 

Zukal  beschrieb  1893  (Österr.  bot.  Zeitschr.,  p.  163  f., 
Taf.  XI,  Fig.  11  bis  19)  unter  obigem  Namen  eine  neue  Perispo- 
riaceengattung  und  gab  auf  Grund  von  Kulturversuchen  an, 
daß  Stachyhotrys  lobulata  Berk.  in  den  Entvvicklungskreis  der- 
selben gehört. 

Als  ich  die  zitierten  Abbildungen,  insbesondere  die  Fig.  12, 
welche  einen  Medianschnitt  durch  ein  reifes  Perithecium  dar- 
stellt, betrachtete,  fiel  mir  die  Ähnlichkeit  des  Pilzes  mit  einer 
PJeospora,  insbesondere  der  Pleospora  herhanim  auf  und  ich 
hatte  die  Vermutung,  daß  Zukal's  Pilz  nichts  anderes  als  letzt- 
genannte gemeine  Art  ist. 

Dieser  Annahme  stand  allerdings  eine  Reihe  von  ver- 
schiedenen Angaben  Zukal's  entgegen.  So  die,  daß  die  Peri- 
thecien  ganz  mündungslos  seien  und  bei  der  Reife  oben  unregel- 
mäßig aufreißen  oder  sogar  manchmal  mit  einer  Art  von  Deckel 
aufspringen  sollen,  ferner  daß  die  Paraphysen  nur  im  jungen 
Perithecium  vorhanden  sein  und  später  ganz  verschwinden 
sollen,  endlich,  daß  Stachyhotrys  in  den  Entwicklungskreis  des 
Pilzes  gehöre,  was  gewiß  nicht  der  Fall  sein  könnte,  wenn  der 
Pilz  eine  Pleospora  wäre. 

In  diesem  Dilemma  konnte  offenbar  nur  die  Untersuchung 
des  Zukal'schen  Originals  Klarheit  schaffen,  das  ich  in  Form 


616  F.  V.  Höhne! , 

von  vier  mikroskopischen  Präparaten  der  CJeistotheca,  die  von 
Zukal  selbst  angefertigt  und  signiert  sind,  besitze. 

Die  Untersuchung  dieser  mikroskopischen  Originalprä- 
parate zeigte  mir  nun  in  der  Tat,  daß  Zukal  bei  der  Unter- 
suchung des  Pilzes  und  der  Aufstellung  der  Gattung  Cleistotlieca 
sowie  beim  Nachweise  der  Zugehörigkeit  von  Stachybotrys  das 
Opfer  grober  h'rtümer  war,  denn  der  Pilz  ist  gan^  genau  und 
zweifellos  nichts  anderes  als  P.  Iterhartini  (Pers.).  Zukal's 
eigene  Präparate  zeigen,  daß  die  Paraphysen  auch  im  reifen 
Perithecium  reichlich  vorhanden  sind.  Ein  Ostiolum  ist  zwar 
meistens  nicht  zu  sehen,  allein  abgesehen  davon,  daß  dies  sicher 
zum  Teile  davon  herrührt,  daß  die  Perithecien  in  den  Präparaten 
meist  nicht  von  oben  zu  sehen  sind,  habe  ich  mich  an  meinen 
zahlreichen  mikroskopischen  Präparaten  der  bekanntlich  sehr 
variablen  P.  Jicrbantm  davon  überzeugt,  daß  diese  Art  häufig 
kein  deutliches  oder  ausgesprochenes  Ostiolum  besitzt.  Durch 
diese  bisher  wenig  beachtete  Tatsache  ist  Zukal  irregeleitet 
worden,  weshalb  er  den  Pilz  für  eine  Perisporiacee  hielt  und 
gar  nicht  an  Pleospora  dachte,  was  doch  das  nächstliegende 
gewesen  wäre. 

Noch  sei  bemerkt,  daß  die  Sporen  der  Cleistotheca,  wie 
Zukal's  Präparate  zeigen,  aufs  vollkommenste  mit  denen  der 
normalen  P.  herbarnm  übereinstimmen.  Ebenso  ist  das  Gewebe 
der  Perithecienmembranen  genau  das  gleiche.  Dementsprechend 
sind  Zukal's  Zeichnungen  nicht  ganz  korrekt. 

Unter  diesen  Umständen  ist  es  ohneweiters  klar,  daß 
Zukal's  Angabe,  daß  er  aus  den  Sporen  der  Cleistotheca  die 
Stachybotrys  lobulata  gezüchtet  habe,  falsch  ist.  Schon  daraus 
ergibt  sich  die  Unmöglichkeit  der  Zusammengehörigkeit  der 
beiden  Formen,  daß  die  die  Perithecien  umgebenden  Hyphen 
gelbbraun  sind  und  einen  unregelmäßigen  Verlauf  haben, 
während  Stachybotrys  aus  dem.  Hyalinen  blaugraue  und 
schwärzliche,  gerade  verlaufende  Hyphen  besitzt.  Ein  Blick  ins 
Mikroskop  lehrt  sofort,  daß  diese  beiden  Hyphenarten  von 
zwei  nicht  zusammengehörigen  Pilzen  stammen  und  mitein- 
ander nichts  zu  tun  haben.  Damit  stimmt  auch  die  gelbbraune 
Farbe  der  Sporen  der  einen  Art  ini  Gegensatze  zur  blau- 
schwarzen der  Sporen  der  anderen  überein. 


Fragmente  zur  Mykologie.  b  1  / 

Aus  allem  Gesagten  geht  hervor,  daß  alle  wesentlichen 
Angaben  in  Zukal's  Arbeit,  betreffend  Cleisfotheca,  falsch  sind 
und  diese  Gattung  völlig  gestrichen  werden  mufi 

157.  Giberella  dimerosporoides  (Speg.?)  v.  H. 

Perithecien  oberflächlich,  herdenweise,  kugelig,  schwarz, 
feinwarzig  rauh,  100  bis  130  [x  breit,  auf  einem  dünnen,  aus 
bräunlich-violetten,  ziemlich  derbwandigen  und  gerade  ver- 
laufenden, septierten,  3  bis  4  [x  breiten  Hyphen  bestehenden 
Subiculum  sitzend,  das  schwärzlich-violette,  längliche,  allmäh- 
lich verlaufende,  oft  zusammenfließende,  etwa  Icui  lange  Flecken 
bildet.  Perithecienmembran  aus  3  bis  6  [x  breiten,  dünnwandigen 
Parenchymzellen  bestehend,  aus  dem  Violetten  ins  Schwarze, 
außen  mit  zahlreichen,  kleinen,  schwarzen,  warzenförmigen 
stumpflichen  Vorsprüngen  versehen.  Ostiolum  undeutlich  oder 
fehlend.  Paraphysen  fehlend.  Asci  sitzend,  dickkeulig,  oben 
dick-,  sonst  zartwandig,  52  bis  60  ^  16  bis  21  [jl,  viersporig. 
Sporen  zweireihig,  dünnwandig,  schmutzig  weinrot  oder  violett, 
elliptisch,  nach  beiden  Enden  verschmälert  und  fast  lanzett- 
förmig, beidendig  stumpflich,  meist  vierzellig,  seltener  drei- 
oder  fünfzellig,  gerade  oder  kaum  gekrümmt,  oft  einseitig 
abgeflacht,  zartwandig,  an  den  Querwänden  nicht  eingeschnürt, 
20  bis  36  =  8  bis  9,  meist  28  bis  30  ^  8  [x  groß. 

Auf  den  Blättern  der  Bromeliacee  Caraguata  sp. 

Paraguay:  Guarapi;  Balansa,  Plantes  du  Paraguay, 
Nr.  4059,  Oktober  1883. 

Obwohl  die  Beschreibung  der  Zjikalia  dimerosporoides 
Speg.  (Saccardo,  Syll.  fung.,  IX,  p.  434)  nichts  weniger  als 
gut  zu  dem  Pilze  stimmt,  hege  ich  doch  die  Vermutung,  daß 
beide  identisch  sind,  da  beide  Pilze  auf  BromeUaceenblättern 
wachsen  und  in  Spegazzini's  Beschreibung  eine  Menge  von 
Angaben  enthalten  ist,  die  gut  stimmen.  Er  spricht  zwar 
nirgends  von  dem  schmutzig-violetten  Farbentone,  den  der  Pilz 
in  mehreren  Teilen  zeigt,  doch  werden  in  Beschreibungen  häufig 
flüchtigerweise  schmutzige,  ins  Rötliche  oder  Violette  neigende 
Farbentöne  als  olivaceis,  fuscis,  fumosis  etc.  bezeichnet  und 
ich  vermute,  daß  dies  auch  hier  der  Fall  ist.  Die  Sporengröße 
stimmt   ganz   gut.   Die  Angabe  Spegazzini's,   daß   die   zwei 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Kl. ;  CXVl.  Bd.,  Abt.  I.  41 


618  F-   V.  Höhnel, 

Querwände  der  Sporen  seines  Pilzes  >^s  üb  polaris-  sind,  deutet 
darauf  hin,  daß  die  mittlere  dritte  Querwand  bei  seinem  Pilze 
noch  nicht  entwickelt  war,  wie  ich  dies  auch  bei  meinem  sehr 
oft  gesehen  habe.  Der  Umstand,  daß  kein  Ostiolum  zu  finden 
ist,  beweist  nichts  gegen  die  Zugehörigkeit  des  Pilzes  zu 
Giberella,  da  ich  bei  typischen  Arten  dieser  Gattung  auch  oft 
kein  oder  nur  ein  sehr  undeutliches  Ostiolum  fand.  Meiner 
Meinung  nach  gehört  der  Pilz  zweifellos  zu  GibereUa  und 
nicht  zu  Ziil:alia,  da  die  Sporen,  Asci,  Mycel  und  Perithecien- 
membran,  wie  der  direkte  Vergleich  zeigt,  die  ganz  unverkenn- 
bare nahe  Verwandtschaft  mit  den  typischen  GibereUa -Arten 
andeuten. 

Spegazzini  gibt  die  Asci  vier-  bis  achtsporig  an;  doch 
wird  dies  ein  Irrtum  sein,  da  in  50  ^  25  [i  großen  Asci  kaum 
acht  26  ::^  8  (x  große  Sporen  Platz  haben.  Ich  fand  die  Asci  stets 
viersporig,  doch  wenn  zwei  Asci  übereinander  liegen,  kann 
man  sie  leicht  für  achtsporig  halten. 

Da  ich  nach  dem  Gesagten,  das  die  Schwierigkeiten  einer 
richtigen  Bestimmung  tropischer  Pilze  zeigt,  beide  Pilze  für 
identisch  halte,  habe  ich  denselben  Speziesnamen  gewählt. 

158.  Didymella  fruticosa  n.  sp. 

Blattbewohnend.  Blattflecken  unregelmäßig  rundlich  oder 
länglich,  beiderseits  sichtbar,  meist  1  bis  2  nini  breit,  purpur- 
bräunlich, mit  dickem  schwarzen  Randwulst,  oberseits  meist 
mit  purpurnem  Hof  umgeben,  blattunterseits  etwa  5  bis  20 
gedrängte  Perithecien  enthaltend.  Perithecien  kugelig,  ein- 
gesenkt, wenig  vorspringend,  schwarz,  derbwandig,  aus 
schwärzlich-olivengrünem  Gewebe  bestehend,  100  bis  140  {jl 
groß.  Paraphysen  fädig,  später  undeutlich  werdend,  Asci  dick- 
keulig,  kurzgestielt,  derbwandig,  achtsporig,  56  bis  75  =^  16  bis 
20  {A.  Sporen  zwei-  bis  dreireihig,  schwach  grünlich-hyalin, 
länglich-keulig,  zweizeilig,  mit  vielen  kleinen  Öltröpfchen,  20  bis 
26  w  6  bis  6Y2  |J^  groß,  an  der  Querwand  nicht  eingeschnürt, 
obere  Zelle  meist  sehr  wenig  dicker  und  kürzer  als  die  untere. 

An  lebenden  Blättern  von  Bnpleiirum  fruticosiim  L.  bei 
Bastia  auf  Corsica  häufig  (April  1905  und  1907). 


Fragmente  zur  Mykologie.  619 

Der  Pilz  ist  sicher  eine  Didymella  und  keine  Sphaerella, 
da  die  rosettige  Anordnung  der  Asci  fehlt  und  —  wenn  auch 
nicht  auffallend  viele  —  Paraphysen  vorhanden  sind. 

Septoria  Buplciiri  Desm.  (Ann.  des  Scienc.  nat.,  III.  S., 
XI,  p.  346,  1849)  in  PL  crypt.  de  France,  Ed.  I,  Nr.  1717  (auf 
Biiplcurntu  fniticosuui)  hat  genau  die  gleiche  Fleckenbildung 
und  sieht  äußerlich  der  Didymella  frnticosa  völlig  gleich,  ist 
aber,  wie  die  Untersuchung  des  Originalexemplars  lehrte,  eine 
Phleospora  mit  50  bis  64  ^  4  [j.  großen,  schwach  gekrümmten, 
keulig-fädigen  Sporen  mit  drei  deutlichen  Querwänden,  hat  also 
Phleospora  Biipleiiri  (Desm.)  v.  H.  zu  heißen. 

Es  ist  sehr  wahrscheinlich,  daß  sie  zur  Didymella  als 
Nebenfruchtform  gehört. 

159.  Über  Trematosphaeria  latericolla  Fe  kl. 

Fackel  hat  (in  Symb.  myc,  II.  Nachtr.,  p.  31)  diesen  Pilz 
beschrieben  und  hält  ihn  für  identisch  mit  der  Spliaeria  lateri- 
colla Fr.  (non  D.  C.)  in  Syst.  myc,  II,  p.  464.  Winter  (Die 
Pilze,  II.  Bd.,  Ascomyc,  p.  266)  führt  ihn  als  Amphisphaeria 
latericolla  (Fr.)  und  Saccardo  (Syll.  fung.,  I.  578)  als 
Melanopsam ma  auf. 

Die  genaue  Untersuchung  des  Originale.Kemplars  des- 
selben in  den  Fungi  rhenani  ergab  aber  von  Fuckel's  An- 
gaben ganz  wesentliche  Abweichungen. 

Der  Pilz  wächst  an  stark  vermorschtem  Stammholz  eines 
Laubbaumes,  möglicherweise  Pappel.  Die  Perithecien  sind  ein- 
gewachsen, nicht  völlig  hervorbrechend.  Sie  sind  400  bis  500  [x 
breit,  rundlich,  etwas  flachgedrückt,  mit  kurzkegeligem  (an- 
scheinend abgebrochenem)  Ostiolum.  Sie  sind  schwarz.  Die 
etwa  30  bis  40  jj.  dicke  Perithecienmembran  ist  weich,  lederig- 
fleischig  undurchsichtig,  aus  zahlreichen  Schichten  kleiner, 
zusammengepreßter  Parenchymzellen  bestehend.  Diese  sind 
von  braunroter  F'ärbung,  mit  einem  .Stich  ins  Violette.  Die  mehr 
inindei-  zahlreichen,  die  Perithecien  umgebenden  Hyphen  sind 
2Vä  bis  4  [x  breit  und  schmutzig  rötlich-violett-braun.  Die  Para- 
physen sind  sehr  zahlreich,  sehr  zartwandig,  bandartig,  3  bis  6  [i. 
breit.  Die  zahlreichen  Asci  sind  zylindrisch-keulig,  unten  fast 
stiellos  oder  mehr  minder  langgestielt,  oben  quer  abgestumpft, 

41* 


620  F.  V.  Höhne], 

sehr  zartwandig,  100  bis  180  -  7  bis  9  [i  groß,  vier-  bis  acht- 
sporig. Die  Sporen  stehen  1-  bis  1^2 reihig,  sind  hyahn,  sehr 
zartwandig  und  stets  vierzellig,  mit  vier  sehr  schwach  gelb- 
Hchen  Öltröpfchen,  an  den  Querwänden  nicht  eingeschnürt, 
elliptisch-längHch,  fast  spindel-  oder  lanzettförmig,  beidendig 
meist  spitz  und  meist  18  bis  26-4  bis  5  [j.  groß. 

Man  bemerkt,  daß  der  Pilz  ganz  anders  beschaffen  ist,  als 
ihn  Fuckel  beschreibt.  Da  die  Perithecien  eingesenkt  und  die 
Sporen  hyalin  und  stets  deutlich  vierzellig  sind,  kann  der 
Pilz  weder  eine  Trematospliacria  noch  eine  Melatiopsamma, 
Zigiioella  oder  Amphisphaeria  sein.  Da  die  Perithecien  zwar 
schwarz  erscheinen,  die  Perithecienmembran  aber  lederig- 
fleischig  ist  und  aus  Zellen  besteht,  die  einen  deutlichen  Stich 
ins  Rote  oder  Violette  zeigen,  kann  er  sowohl  als  Sphaeriaceae 
als  auch  als  Hypocreaccae  aufgefaßt  werden.  Dementsprechend 
wäre  seine  Einreihung  in  den  Gattungen  Metasphaeria  oder 
Cesatiella  sehr  naheliegend.  Allein  damit  wäre  seine  wahre 
Verwandtschaft  nicht  getroffen.  Bei  diesen  Gattungen  findet 
der  Pilz  nicht  seinen  natürlichen  Anschluß.  Dagegen  sprechen 
vor  allem  die  breiten,  bandartigen  Paraphysen. 

In  der  Tat  ist  der  Pilz  nichts  anderes  als  eine  Cerato- 
sphaeria  mit  verkümmertem  Schnabel.  Damit  stimmt  vortrefflich 
Fuckel's  offenbar  richtige  und  auf  besseren  Exemplaren 
begründete  Angabe  «ostiolo  cylindraceo,  perithecium 
subaequante«,  ferner  Winter's  Bemerkung,  daß  die  Peri- 
thecien der  Ceratosphaerien  weich  lederartig  sind,  und  die  Tat- 
sache, daß  die  größeren  Ceratostomeen  sehr  zartwandige,  breite 
und  lange  bandartige  Paraphysen  besitzen. 

Vergleicht  man  in  der  Tat  Ceratostomella  cirrhosa  (P.), 
deren  (selten  vorkommende)  ganz  ausgereifte  Sporen  vierzellig 
sind  und  die  daher  eigentlich  eine  Ceratosphaeria  ist,  mit 
unserem  Pilze,  so  erkennt  man  ohneweiters  die  sehr  nahe  Ver- 
wandtschaft. 

Am  ähnlichsten  ist  unter  den  Ceratosphaeria- Arten  die 
C.  rhenana  (Auers  w.),  ja  ich  halte  sie  damit  für  identisch,  denn 
die  kleinen  Unterschiede,  die  sich  beim  Vergleiche  der  obigen 
Beschreibung  mit  der  der  C.  rhenana  in  Winter,  1.  c,  p.  257, 
ergeben,  genügen  nicht  zur  spezifischen  Trennung.    Tremato- 


Fragmente  zur  M\'kologie.  621 

sphaeria   latcricolla  Fckl.    muß   daher  als   gleich   C.  rhenana 
(Auersv\^)  betrachtet  werden. 

Möglicherweise    ist  Zignoella  emergens  (Karst.)  Sacc, 
Syll.,  II,  p.  224,  derselbe  oder  ein  ähnlicher  Pilz. 

160.  Über  die  Gattung  Myriocarpa. 

Diese  von  Fuckel  in  Symb.  myc,  p.  116,  aufgestellte 
Gattung  umfaßt  zwei  Arten,  die  seither  nicht  wieder  gefunden 
wurden.  Dieser  Umstand  sowie  der,  daß  Saccardo  (Syll.,  I, 
p.290)  beide  diese  Arten  als  zu  Anthostomella  gehörig  betrachtet, 
während  Winter  (Pyrenomyc,  p.  562}  die  eine  Art  als  typische 
Sphaerella  erklärt,  veranlaßte  mich,  die  in  den  Fungi  rhenani 
sub  Nr.  2323,  2324  und  1571  befindlichen  Originalexemplare 
genau  zu  prüfen. 

1.  Myriocarpa  Cytisi  Fckl.  Dieser  gibt  an,  daß  an  den 
Stengelflügeln  von  Cytistis  sagittalis  vom  Frühling  bis  zimi 
Sommer  zuerst  eine  Spermogonienform  erscheint,  die  er  Psilo- 
thecnmi  hmumerabUe  nennt.  Diese  Form  wird  von  Saccardo, 
Syll ,  I,  p.  290,  als  Septoria  irnnmerabiJis  und  in  Syll.,  III,  p.  446, 
als  Stagonospora  inininierabilis  aufgeführt. 

Im  darauffolgenden  Wmter  sollen  auf  denselben  Stengeln 
die  schlauchführenden  Perithecien  auftreten,  welche  grau- 
schwarze Überzüge,  die  aus  dichtstehenden  zahllosen  Perithe- 
cien bestehen,  bilden.  Die  Sporen  dieses  Ascuspilzes  sollen 
lanzettlich,  einzellig,  mit  2  bis  4  Öltropfen,  braun  und  24^:^  8  |a 
groß  sein  und  zweireihig  stehen. 

Alle  diese  Angaben  sind  falsch  und  beruhen  auf  einigen 
groben  Irrtümern  und  Flüchtigkeiten  Fuckel's,  wie  die 
Originalexemplare  lehren.  An  den  Sommerexemplaren 
findet  man  dichtstehende  schwarze  Punkte,  die  von  einer 
Cercospora  herrühren,  unter  welcher  sich  Perithecien  oder 
Pycniden  entwickeln.  Diese  sind  noch  ganz  unreif.  P\ickel 
glaubte  nun,  daß  die  Conidien  der  Cercospora  den  Pycniden 
entstammen,  und  beschrieb  daher   den  Pilz   als   Pycnidenpilz. 

Diese  Cercospora  scheint  seither  nicht  beobachtet  worden 
zu  sein  und  muß  nun  C.  mmwierabilis  (Fckl.)  v.  H.  heißen. 
Die  Septoria  oder  Stagonospora  innumerabilis  muß  gänzlich 
gestrichen  werden. 


622  F.  V.  Höhnel, 

An  den  im  Winter  gesammelten  Exemplaren  findet  man 
die  Cercospova  verschwunden  und  die  Perithecien  oder  Pycni- 
den,  die  sich  unter  derselben  entwickelt  haben,  bereits  völlig 
entleert.  Es  läßt  sich  daher  nicht  sagen,  zu  welcher  Art  die- 
selben gehören,  höchstwahrscheinlich  handelt  es  sich  aber  um 
Sphaerella  Cytisi-sagittalis  Auersw.  Zwischen  diesen  leeren 
Perithecien  findet  man  nun  frei  auf  der  Epidermis  herumliegen 
braune,  einzellige,  elliptisch-lanzettliche  Sporen,  welche  genau 
in  Form  und  Größe  mit  den  Sporen  der  Myriocarpa  Cytisi  nach 
Fuckel's  Angaben  übereinstimmen.  Letzterer  glaubte  nun,  daß 
diese  Sporen  den  zahlreichen,  dichtstehenden,  leeren  Perithecien 
entstammen.  Das  ist  aber  nicht  der  Fall.  Ich  sah  gleich,  daß  diese 
Sporen  unreife  Zustände  später  septierter  Ascussporen  sind, 
und  fand  nun  in  der  Tat  an  denselben  Zweigen  reife  und 
unreife  Perithecien  von  Pleospora  Cytisi  Fckl.  Zu  diesem 
Pilze  gehören  die  braunen  Sporen  Fuckel's. 

Bekanntlich  findet  man  gerade  bei  Pleospora  häufig  Asci, 
in  welchen  die  Sporen  zwar  braun  werden,  aber  kleiner  und 
ungeteilt  bleiben. 

Was  daher  Fuckel  als  Psilotliccinm  iunumerabilc 
beschrieben  hat,  ist  eine  irrtümliche  Kombination  der  Conidien 
von  Cercospova  inniimerabilis  (Fckl.)  v.  H.  mit  unreifen  Peri- 
thecien, wahrscheinlich  von  Sphaerella  Gcjiistae-sagittalis 
Auersw.;  und  was  er  als  Myriocarpa  Cytisi  beschrieb,  ist  eine 
Kombination  ganz  unreifer  Zustände  von  Pleospora  Cytisi  mit 
überreifen  Perithecien  wahrscheinlich  von  Sphaerella  Genistae- 
sagittalis. 

2.  Myriocarpa  Lonicerae  Fckl.  Die  Untersuchung  des 
Originalexemplars  zeigte  schwarzbraune,  kugelige,  100  bis 
120(x  breite  Perithecien,  die  unter  der  Epidermis  eingesenkt 
sind,  keulige,  sitzende,  36  bis  47  ^  10  bis  12  [j.  große  Asci  ohne 
Paraphysen,  mit  acht  in  zwei  Reihen  liegenden,  hyalinen,  zwei- 
zeiligen, länglich-keiligen,  12  bis  16  =  372  biso  [xgroßenSporen, 
die  nicht  ganz  ausgereift  sind.  Der  Pilz  ist  daher  eine  ganz  typi- 
sche Sphaerella  (Mycosphaerella).  Es  sind  nun  auf  Caprifolia- 
ceen  nachfolgende  13  Sphaerella-Fovmen  beschrieben  worden: 

1.  Auf  Sainhncus:  S.  Elnili  Rieh.  (Saccardo,  Syll.,  IX, 
p.  628).  Diagnose  unvollständig.  An  Zweigen. 


Fragmente  zur  Mykologie.  623 

2.  Auf  r/77//r;///m-Blättern:  S.  Laiitaiiüe  (Nke.)  Auersvv., 
P  80  bis  100  (j.;  A.  34  ==  7;  Sp.  10^  2  |x;  S.  Vibnnii(Nke.)  Fe  kl., 
P.  60  bis  80;  A.  38  ^  10;  Sp.  15  bis  17  :=  4-5  bis  5  jx;  S.  crcpido- 
phora  (Mont.)  Sacc;  5.  Tini  Are.  (Saccardo,  Syll.,  I,  p.  479). 

Die  zwei  letztgenannten  Arten  auf  Blättern  von  Viburnuiii 
Tiims  sind  unvollständig  beschrieben  und  jedenfalls  identisch. 
Auf  Lussinpiccolo  1900  gesammelte  Exemplare  zeigten  90  bis 
120  \x  große  Perithecien,  45  =r  10  bis  12  [x  große  Asci  und  12  bis 
13  -^  27a  '^is  3  [x  große  Sporen,  die  länglich,  kaum  keulig  waren. 

3.  Auf  SyiupJioricarptis-Zwe'igen:  S.  Symphoricarpi  Pass., 
A.  45^  15,  Sp.  17-5  bis  20^6  bis  7  |x. 

4.  A\xi  LinnaeaS\.er\gQ\n:  S.  minor  Karst.  P.  60  bis  70, 
A.  18  bis  25^  12  bis  14,  Sp.  11  bis  I2^4|x. 

5.  Auf  Lo///6V7'i7-Blättern :  >S.  Clyinenia  Sacc,  Syll,  I, 
p.  492,  P.  70  bis  80  jx,  A.  40  bis  50^  10,  Sp.  14  bis  16^  3V.> 
bis  4[x;  5.  implexa  Pass.  (Syll,  I,  p.  493),  A.  60-  12,  Sp.  17 
bis  20  ir  5  bis  71/3  jx;  S.  implexicola  Maire  (Syll.,  XVII,  p.  641), 
A.  35  bis  40  ^  9  bis  10,  Sp.  10  bis  11^  2V2  |x;  S.  colliita  Sacc. 
et  Speg.  (Syll.,  I,  p.   493),  P.    200,  A.  45    bis  50-=  10  bis    11, 

Sp.    13  ir  5  [X. 

Auf  Lo///Vt'rt?-Zvveigen:  S.  rauinloniui  Pass.  (Syll.,  IX, 
p.  634),  A.  40  bis  80  ^  12,  Sp.  12  bis  15  ^  3  bis  5  [x  und  S.  coUiua 
var.  canlicola  B.  et  F.  S.  (Syll.,  IX,  p.  634),  A.  32  bis  36  -  12 
bis  14,  Sp.  12  bis  15  ir  3  bis  4  ix. 

Zu  diesen  13  Formen  käme  noch  die  SphaercJla  (?)  Capri- 
folioniin  (Desm.)  Sacc.  (Syll.,  I,  p.  536).  Allein  die  Unter- 
suchung des  Originalexemplares  dieser  Art  in  Desmaziere,  PL 
crypt.  de  France  Nr.  1299,  zeigte  mir  nur  einen  ganz  unreifen 
kleinen  Pyrenomyceten,  der  unbestimmbar  ist.  Diese  Art  muß 
daher  gestrichen  werden.  Wie  man  aus  obiger  Zusammen- 
stellung ersieht,  zeigen  die  Sph a er cUa- Arien  der  Caprifoliaceen 
alle  den  gleichen  Typus  und  sind  nahe  miteinander  verwandt. 
Eine  vergleichende  Untersuchung  würde  die  Zahl  derselben 
wesentlich  reduzieren. 

Insbesondere  scheinen  die  auf  Lonicera  vorkommenden 
Arten  höchstens  zu  drei  gut  verschiedenen  Species  zu  gehören. 
SphaereUa  Clymenia,  collina  und  ramtüormn  scheinen  nur  eine 
und  dieselbe  Art  zu  sein,  die  ich  für  identisch  mit  der  SphaereUa 


624  F.  V.  Höhnel, 

Lonicerae    (Fe kl.)  Winter   halte.  Letzterer  Name    dürfte    der 
älteste  sein  und  die  Priorität  haben. 

161.  Peltosphaeria  vitrispora  (C.  et  H.)  Berl.  f.  Oleae  n.  f. 

Perithecien  meist  zu  wenigen  einander  genähert,  ganz 
eingesenkt,  ziemlich  derbvvandig,  etwas  niedergedrückt,  läng- 
lich, 350  bis  420  \).  lang,  wenig  schmäler,  nach  oben  breit 
kegelig,  mit  nicht  vorspringender  Mündung-spapille,  unter  läng- 
lichen, etwa  1  nun  langen,  V2  '""^  breiten,  clypeusartig 
geschwärzten,  stark  konvex  vorspringenden  Stellen  der  Holz- 
oberfläche eingelagert.  Perithecienmembran  schwarzbraun,  fast 
kohlig,  15  bis  20  [a  dick.  Paraphysen  sehr  zahlreich,  fädig,  die 
Asci  überragend.  Asci  dickkeulig,  oben  dickwandig  und  abge- 
rundet, unten  kurz  knopfig  gestielt,  achtsporig,  100  bis  120  ^  22 
bis  25  [A.  Sporen  meist  \^l^-  bis  2 reihig,  hyalin,  mit  dünner 
Schleimhülle,  regelmäßig  elliptisch,  mit  8  bis  9  Längs-  und 
2  bis  3  Querwänden,  28  bis  35^  14  bis  17  \i.  Jod  gibt  keine 
Blaufärbung.  Viel  Glycogen  in  den  Asci. 

An  dünnen  Zweigen  von  Olea  ciiropaca  auf  Korfu 
(Dr.  Eggerth). 

Die  hübsche  Form  paßt  vortrefflich  in  die  Gattung  Pelto- 
sphaeria, die  bis  jetzt  drei  amerikanische  Arten  und  eine  euro- 
päische zählt,  die  sich  einander  sämtlich  sehr  nahestehen  und, 
wie  nur  eine  vergleichende  Untersuchung  der  Originalexemplare 
erweisen  könnte,  vielleicht  nur  Formen  einer  Art  sind.  Nach 
Vergleich  mit  dem  Originalexemplar  von  Peltosphaeria  vitrispora 
(C.  et  H.)  Berl.  in  Rabenhorst-Winter,  F.  europ.,  Nr.  3664, 
kam  ich  zur  Überzeugung,  daß  sich  die  beschriebene  Olea-Form 
von  der  auf  Lo»/V£'n?-Zweigen  in  Nordamerika  auftretenden 
Hauptform  eigentlich  nur  durch  die  Zweireihigkeit  der  Sporen  in 
den  Asci  unterscheidet;  wahrscheinlich  sind  aber  die  Asci  bei 
allen  Arten  anfänglich  zweireihigsporig  und  dementsprechend 
kürzer  und  dicker. 

162.  Über  die  Familie  der  Coronophoreen. 

Coronophora  gregaria  (Lib.),  angustata  Fe  kl.  und  abietina  F  c  k  1. 

Diese  drei  Arten  haben  im  wesentlichen  den  gleichen  Bau, 
der  aber  bisher  nicht  richtigerkannt  wurde.  Von  C. gregaria  (Lib.) 


Fragmente  zur  Mykologie.  625 

und  angnstata  Fe  kl.  konnte  ich  die  gut  entwickelten  Exem- 
plare aus  den  Fungi  rhenani  untersuchen.  C.  ahictina  Fckl. 
fand  ich  auf  einem  Stück  Fichtenrinde,  das  bei  Römerstadt  in 
Mähren  gesammelt  war  (1902),  zweifellos  dieselbe  Form,  die 
Fuckel  beschrieb  und  bisher  anderweitig  nicht  gefunden 
wurde.  Allen  dreien,  die  spezifisch  sicher  voneinander  ver- 
schieden sind,  fehlt  das  Ostiolum  völlig,  die  Perithecien  müssen 
daher  bei  der  Reife  oben  aufreißen.  Ein  Herausschleudern  der 
Asci  dürfte  aber  nicht,  wenigstens  nicht  in  der  vollkommenen 
Weise  wie  bei  Cryptosphaevella  aiincxa  (Nke.)  v.  H.  stattfinden, 
denn  es  fehlt  jede  Andeutung  einer  entsprechenden  Einrich- 
tung. Die  Asci  sind  nicht  wie  bei  der  letztgenannten  Form  zu 
einem  kugeligen  Ballen  angeordnet  und  die  Innenschichte  der 
Perithecienmembran  löst  sich  bei  der  Reife  nicht  ab. 

Die  Perithecien  sind  bis  über  1  nun  breit  und  im  frischen 
Zustande  kugelig,  trocken  sinken  sie  ein  und  nehmen  eine 
unregelmäßige,  sehr  variable  Gestalt  an.  Dieselben  sind  außen 
sehr  rauh,  fast  warzig  und  haben  eine  fieischig-lederartige  Haut, 
die  meist  100  bis  200  [jl  dick  ist.  Die  Perithecienmembran 
besteht  aus  zahlreichen  Pseudoparenchymschichten.  In  der 
äußeren  Hälfte  des  Querschnittes  der  Perithecienmembran  sind 
die  Zellen  geschwärzt  und  gebräunt,  in  der  inneren  hyalin. 
Innen  ist  die  Perithecienmembran  dicht  mit  den  Asci  besetzt. 
Diese  sind  stets  viel(32  bis  64?)sporig,  haben  eine  charakteri- 
stische Gestalt  und  sind  sehr  verschieden  lang  gestielt.  Die 
Stiellänge  schwankt  vomEinfachen  bis  zum  Sechs-  oder  Sieben- 
fachen der  Ascuslänge.  Der  eigentliche  Ascus  (d.h.  der  sporen- 
führende Teil)  ist,  wenn  typisch  entwickelt,  fast  urnenförmig; 
unten  elliptisch-bauchig  und  in  den  Stiel  rasch  verschmälert, 
oben  kurz  zylindrisch  vorgezogen,  an  der  Spitze  abgerundet 
bis  fast  gestutzt.  Doch  kommen  auch  mehr  spindelförmig- 
keulige  Formen  vor. 

Bei  C.  abietina  und  angnstata  sind  die  Asci  sehr  zart- 
wandig,  meist  30  bis  35  ^  8  bis  16  [x,  bei  C.  gregaria  derb- 
wandiger  und  40  bis  52  i^  15  bis  25  [jl  groß.  Die  Sporen,  wohl 
meist  32  an  der  Zahl,  sind  allantoid  und  klein.  Bei  C.  gregaria 
am  größten,  etwa  bis  10  5=:1-5jjl,  hex  angnstata  und  abiethia 
6  bis   7^1-2  bis    l-4a  groß.   Bei   allen   drei  Arten    hat   das 


626  F.  V.  Höhnel, 

Plasma  der  Sporen  die  Neigung  zur  Zwei-  bis  Vierteilung;  oft 
trifft  man  die  Sporen  deutlich  zweizeilig.  Die  Angaben  bei 
Nitschke  und  Tulasne  über  das  Auftreten  v^on  Paraphysen 
und  Pseudoparaphysen  beruhen  auf  Irrtum,  denn  Paraphysen 
fehlen  völlig.  Das,  was  Tulasne  (Sei.  f.  carp.,  II,  p.  113) 
als  »Paraphyses  longe  et  exiliter  filiformes,  continue  et  sim- 
plices«  bei  Calosphaeria  verrucosa  Tul.  pro  p.  =  Coroiiophora 
gregaria  (Lib.)  beschreibt,  sind,  wie  schon  Nitschke  (Pyr. 
germ.,  p.  104)  bemerkt,  abgerissene  Ascusstiele. 

Dasjenige,  was  hingegen  Tulasne  als  Paraphysen  abbildet 
(1.  c,  Taf.  24,  Fig.  6)  und  Nitschke  als  »Pseudoparaphyses 
crassiusculae,  filiformes  simplices,  septatae,  saepeque  nodoso- 
articulatae«  beschreibt,  sind  nichts  anderes  als  abgelöste  Zell- 
reihen von  der  Innenschichte  der  Perithecienmembran,  wie  ich 
mich  völlig  sicher  überzeugt  habe.  Bei  C.  gregaria  findet  die 
Ablösung  dieser  Zellreihen  beim  Zerdrücken  der  gequollenen 
Perithecien  am  leichtesten  statt,  weshalb  sie  hier  von  Tulasne 
und  Nitschke  auch  gesehen  wurden.  Obwohl  letzterer  bei 
C.  angiistata  das  Vorkommen  von  Pseudoparaphysen  aus- 
drücklich in  Abrede  stellt,  sagt  er  doch,  daß  diese  Art  von  der 
C.  gregariaksiMnx  verschieden  ist,  was  ein  Irrtum  ist.  Fuckel 
erwähnt  nichts  von  Paraphysen,  seine  kurzen  Diagnosen  sind 
am  richtigsten,  er  hat  auch  das  Eigenartige  der  Coronophoren 
zuerst  richtig,  wenn  auch  nicht  völlig  erkannt. 

Coronophora  macrosperma  Fe  kl. 

Von  dieser  von  Fuckel  in  Symbol,  mycol.,  I.  Nachtr.,  p.  36 
(324),  beschriebenen  Art  heißt  es,  daß  die  Asci  als  hyaline 
Masse  ausgestoßen  werden.  Es  ist  offenbar  dieselbe  Erschei- 
nung, welche  ich  bei  Coronophora  annexa  (Nke.)  =  Crypto- 
sphacrella  Nitschkei  (Auersw.)  beobachtet  und  näher  be- 
schrieben habe  (siehe  diese  Berichte,  1906,  p.  665).  Es  wird 
daher  Coronophora  macrosperma  auch  ähnlich  gebaut  sein. 
Leider  konnte  ich  an  meinem  Originalexemplare  dieser  Art 
in  den  Fungi  rhenani  Fuckel's  (ohne  Nummer)  nur  ein  ein- 
ziges ganz  überreifes  Perithecium  dieses  seltenen  Pilzes  finden. 
Was  aber  an  diesem  zu  sehen  war,  spricht  in  der  Tat  dafür, 


Fragmente  zur  Mykologie.  62/ 

daß  der  Pilz  im  wesentlichen  denselben  Gehäusebau  wie 
Cryptosphaerella  annexa  (Nke.)  v.  H.  besitzt,  und  wird  daher 
Fuckel's  Beobachtung  des  Ausschleuderns  der  Asci  als  hyaline 
Masse  richtig  sein. 

An  dem  untersuchten  Perithecium  konnte  ich  kein  Ostiolum 
finden.  Die  meist  schon  entleerten  und  eingeschrumpften  Asci 
waren  sehr  zartwandig,  abgerundet,  lang  und  dünngestielt  und 
etwa  18  [j.  breit.  Sie  enthielten  etwa  32  Sporen.  Diese  sind 
etwas  kleiner,  als  Fuckel  angibt,  nämlich  nur  9  bis  12=2 
bis  2Y2  [j.  groß.  Das  Plasma  derselben  ist  deutlich  in  4  zylin- 
drische Teile  geteilt;  es  sind  also  die  allantoiden  Sporen  schein- 
bar vierzellig.  Allein  nach  einigem  Liegen  in  wässerigem  Glyzerin 
zeigt  sich  nur  in  der  Mitte  eine  scharfe  Querwand.  Wahr- 
scheinlich verhalten  sich  die  Sporen  von  Cryptosphaerella 
annexa  ähnlich,  doch  sind  sie  bei  dieser  Art  nur  6  bis  7  ^  1  [k 
groß  und  daher  die  Teilung  schwer  oder  nicht  zu  sehen. 

Fuckel  gibt  bei  C.  macrospernia  gegliederte,  breite 
Pseudoparaphysen  an;  wahrscheinlich  liegt  eben  hier  derselbe 
Fall  wie  bei  C.  gregaria  vor,  der  Nitschke  und  Tulasne 
getäuscht  hat.  Ich  konnte  mich  von  dem  Auftreten  von  Pseudo- 
paraphysen nicht  überzeugen.  Alte  verschrumpfte  Asci  täuschen 
auch"  oft  Pseudoparaphysen  vor,  doch  kann  es  sich  hier  um 
solche  nicht  handeln,  da  Fuckel  von  gegliederten  Pseudo- 
paraphysen spricht. 

Wie  Fuckel  angibt  und  ich  auch  bei  dem  einzigen  gefun- 
denen Perithecium  sah,  stehen  diese  ganz  oberflächlich  an  der 
Innenseite  alter  Rinde.  Das  ist  sicher  eine  abnormaler  Standort 
des  Pilzes,  der  normal  jedenfalls  unter  dem  Periderm  auf  der 
Außenseite  der  Rinde  wächst. 

Der  nach  dem  Ausstoßen  der  Asci  im  Perithecium  zurück- 
bleibende, aus  der  kontrahierten  Innenschicht  der  Perithecien- 
membran  bestehende  hyaline  Konus  war  bei  dem  untersuchten 
überreifen  Perithecium  nur  höchst  undeutlich  und  in  Bruch- 
stücken zu  sehen.  Dennoch  kann  ich,  die  Angaben  von  Fuckel 
und  das,  was  ich  sehen  konnte,  zusammenfassend,  die  Corouo- 
phora  macrosperma  nur  für  eine  echte  Cryptosphaerella 
halten. 


628  F.  V.  Höhnel, 

Coronophora  myriospora  (Nke.). 

In  diesen  Fragmenten  (1907,  dritte  Mitteilung,  Nr.  126) 
habe  ich  die  Vermutung  ausgesprochen,  daß  Calosphaeria 
myriospora  Nke.  wahrscheinlich  kein  allantoidsporiger  Pilz 
ist  und  die  von  Nitschke  (Pyren.  germ.,  p.  100)  beschriebenen 
Sporen  wahrscheinlich  spermatoider  Natur  sind. 

Da  Herr  Prof.  Dr.  \V.  Zopf  in  Münster  die  Freundlich- 
keit hatte,  mir  das  Originalexemplar  desselben  zu  senden, 
konnte  ich  den  richtigen  Sachverhalt  feststellen. 

Der  Pilz  zeigt  teils  einzelnstehende,  teils  zu  wenigen 
valsoid  gehäufte  Perithecien  und  entwickelt  sich  unter  dem 
Periderm.  Von  dem  »villo  spisso,  sordide  luteo«,  welcher  die 
Perithecien  überall  bedecken  soll,  war  kaum  etwas  zu  sehen. 
Er  ist  jedenfalls  während  der  langen,  fast  50jährigen  Auf- 
bewahrungszeit  vielleicht  durch  Insekten  zerstört  worden.  Die 
fast  sitzenden  Asci  fand  ich  viel  größer,  als  Nitschke  angibt, 
nämlich  100  bis  168  ^  16  bis  22,  nicht  100  bis  120  ^  18  bis 
20  [x.  Sie  erscheinen  ganz  dicht  feinkörnig,  da  sie  mit  zahllosen 
1*5  bis  2  -  1  [X  großen  Sporen  ausgefüllt  sind.  Quetscht  man 
aber  den  Inhalt  heraus,  so  erscheinen  8  fadenförmige,,  sehr 
stark  unregelmäßig  wurm-  oder  schlangenförmig  verkrümmte, 
sehr  dicht  quer  septierte,  hyaline  wahre  Sporen,  aus  welchen  der 
ganzen  Länge  nach  die  kleinen  spermatoiden  Sporen  sprossen. 
Die  wahren  Sporen  sind  90  bis  130  ^  2Y2  bis  3  [x  groß. 

Meine  Vermutung  war  also  richtig.  Merkwürdigerweise 
hat  schon  Nitschke,  wie  aus  seinen  handschriftlichen  Notizen 
und  Skizzen  im  Herbar  hervorgeht,  diesen  richtigen  Sach- 
verhalt gekannt,  den  Pilz  aber  in  den  Pyren.  germ.  doch  ganz 
falsch  beschrieben  und  eingereiht  und  hiebei  von  der  Art  der 
Entstehung  der  kleinen  Sporen  nichts  erwähnt. 

Nach  diesem  Befunde  muß  der  Pilz  als  Cryptospora  myrio- 
spora (Nke.)  v.  H.  bezeichnet  werden. 

Es  sind  bisher  zwei  Cryptospora-Avien  auf  Onercns- 
Zweigen  bekannt,  die  beide  zylindrisch-fädige  Sporen  haben 
und,  nach  den  Beschreibungen  zu  urteilen,  der  obigen  ver- 
wandt sind. 


Fraginenle  zur  Mykologie.  629 

Cr.  Onevciis  Allesch.  hat  (nach  Berlese,  Icon.,  II,  p.  158) 
55  bis  65  i^  4  bis  5  [i  und  Cr.  trichospora  (C.  et  P.)  Sacc.  60 
bis  65  i:;  2  bis  2^/.^  [jl  große  Sporen.  Bei  keiner  der  bisher  be- 
kannten Crypfospora-Arten  ist  jedoch  das  Auftreten  von  sper- 
matoiden  Sporen  im  Ascus  bekannt  geworden. 

Nach  den  Angaben  und  Bildern  von  Berlese  (Icon., 
III.  Bd.,  p.  15,  Taf.  20)  ist  auch  CaJosphaeria  macrospora 
Winter  z=:  C.  taediosa  Sacc.  nicht  in  diese  Gattung  gehörig, 
sondern  eine  Calospora  oder  Cryptospora,  was  noch  näher 
festzustellen  wäre.  Auch  diese  Form  bildet  zahlreiche  sperma- 
toide  Sporen  in  den  Asci.  Wenn  die  Sporen,  wie  aus  B  er  lese's 
Angaben  hervorzugehen  scheint,  vierzellig  sind,  wäre  der  Pilz 
eine  Calospora,  wenn  sie  hingegen,  wie  sie  Saccardo  in  Fungi 
italici,  Taf.  479,  darstellt,  einzellig  sind,  wäre  es  eine  Crypto- 
spora. Daß  es  keine  CaJosphaeria  ist,  zeigte  mir  auch  die  Unter- 
suchung eines  kleinen  Stückes  des  Originalexemplares 
Winter's,  das  ich  der  Güte  des  Herrn  P.  Hennings  in  Berlin 
verdanke,  welches  sich  aber  im  übrigen  als  ganz  überreif  und 
ohne  Asci  und  Sporen  erwies.  Da  Winter  von  spermatoiden 
Sporen  nichts  erwähnt,  ist  es  mir  zweifelhaft,  ob  Calosphacria 
Macrospora  Winter  zz:  C.  taediosa  Sacc.  ist,  was  Berlese 
behauptet. 

Coronophora  jungens  (Nk  e.). 

Die  Untersuchung  des  Originalexemplares  dieser  seit 
Nitschke  nicht  wieder  gefundenen  Art  zeigte  mir,  daß  die- 
selbe jedenfalls  auf  einem  Irrtum  beruht  und  gänzlich  ge- 
strichen werden  muß.  Das  genau  geprüfte  Originalexemplar 
zeigte  zahlreiche  kleine,  ganz  veraltete  und  überreife,  entleerte 
valsoide  Stromata.  Nach  langem  Suchen  fand  ich  ein  einziges 
reifes  Perithecium.  Dasselbe  zeigte  keulige,  ziemlich  lang  ge- 
stielte, etwa  80  -r  8  bis  10  [).  große  Asci,  zahlreiche  zartfädige 
Paraphysen  und  ein  flaches  großes  Ostiolum.  In  den  Asci  sind 
8  braune,  vierzellige,  etwa  14  bis  16  s^  5  bis  6  [x  große  Sporen 
ein- bis  zweireihig  gelagert  enthalten.  Der  Pilz  ist  wahrscheinlich 
eine  Thyridaria.  Unreife  Asci  mit  den  noch  hyalinen  unge- 
teilten Sporen  entsprechen  beiläufig  der  Nitschke'schen  Be- 
schreibung. Da  ein  anderer  Pilz  am  Exemplar  absolut  nicht  zu 


630  F.  V.  Höhnel, 

finden  ist,  muß  angenommen  werden,  daß  Nitsclil<e  seine 
Art  auf  unreife  Zustände  dieser  unbestimmbaren  Thyridaria 
gegründet  hat. 


Aus  diesen  Untersuchungen  geht  hervor,  daß  einige 
CoronopJiorci  -  Avien,  wie  C.  jimgcus  (Ni<e.),  C.  uiyriospora 
(Nl<e.)  und  C.  niacrospora  Winter  gar  nicht  in  diese  Gattung 
gehören. 

Ferner  ergab  sich,  daß  die  übrigbleibenden  echten  Coroiio- 
pJiora- Arten  sehr  nahe  miteinander  verwandt  sind  und 
sich  in  zwei  Gattungen  ghedern,  welche  von  den  übrigen 
Sphaeriaceen  so  eingreifend  und  bestimmt  verschieden  sind, 
daß  sie  nur  als  Glieder  einer  eigenen  Familie,  die  sich  wohl  am 
ehesten  an  die  Valseen  anreihen  dürfte,  aufgefaßt  werden 
können.  Ich  nenne  diese  Familie: 

Coronophoreen  v.  H. 

Perithecien  lederartig-tleischig,  ohne  Ostiolum;  Asci  dünn- 
wandig, sehr  lang  gestielt,  ohne  Paraphysen,  vielsporig.  Sporen 
hyalin,  allantoid,  mit  oft  vierteiligem  Plasma,  schließlich  oft 
zweizeilig.  Perithecien  zerstreut  oder  valsoid  gehäuft,  einge- 
wachsen, ohne  Stroma,  bei  der  Reife  oben  infolge  Verquellung 
des  Inneren  aufreißend. 

I.  Crypiosphaerella    Sacc,   Syll.,    1882,    I,   p.  186,   Char.    emend. 

v.  Höhnel,  diese  Berichte,  1906,  p.  665. 

1.  Cr.  annexa  (Nke.)  v.  H.,  1.  c. 

2.  Cr.  (?)  macrospenua  (Fe kl.)  v.  H. 

II.  Coronophora  Fe  kl.  (Symb.  myc,  1869,  p.  228),  Char.  emend. 
V.    Höhnel.     Asci    die    Perithecienwandung   innen    dicht    be- 
deckend, bei  der  Reife  nicht  (oder  kaum)  ausgestoßen. 

1.  C.  gregaria  (Lib.)  Fe  kl.,  1.  c. 

2.  C.  aiigiistata  Fe  kl.,  1.  c. 

3.  C.  ahietina  Fe  kl.,  Symb.  myc,  I.  Nachtrag,  p.  36  (324). 


Fragmente  zur  Mykologie.  631 

163.  Weiteres  über  Pseudosphaeriaceen. 

Seit  meiner  Mitteilung  über  diese  neue  Pyrenomyceten- 
familie  (diese  Berichte,  1907)  erhielt  ich  durch  Herrn  Hofrat 
V.  Niessl  in  Brunn  einige  Originalexemplare  von  Formen,  die, 
wie  die  Untersuchung  lehrte,  zum  Teile  hieher  gehören. 

\.  Lepfosphaeria  Winter i  Nssl.  (Hedwigia,  1883,  Jänner- 
heft) ist  eine  echte  Leptosphaeria;  damit  ist  offenbar  identisch 
L.  Morthicraiia  Sacc.  (Miscell.  mj^col.,  I,  1884,  Atti  del  R.  isti- 
tuto  veneto,  Tome  II,  Ser.  VI).  Ich  fand  die  Sporen  des  Originals 
der  L.  Wintcri  stets  nur  8  bis  9  |j.  breit  und  die  Asci  dement- 
sprechend nur  bis  28  (x  breit,  also  beide  schmäler,  als  Niessl 
und  Saccardo  angeben,  zum  Beweise,  wie  sehr  die  Größen- 
verhältnisse variieren  und  wie  vorsichtig  dieselben  bei  der  Auf- 
stellung neuer  Arten  beurteilt  werden  müssen.  Die  Sporen 
dieser  Art  erinnern  sehr  an  jene  von  Pocosphaeria,  allein  ich 
überzeugte  mich,  daß  die  Perithecien  ganz  kahl  sind. 

2.  Das  Original  von  Leptosphaeria  pachyasca  Nssl.  auf 
Blättern  von  Androsace lactea  und  Campaimla  Zoysii  {Österr.  bot 
Zeitschr.,  1881,  p.  345)  sah  ich  nicht,  es  ist  jedoch  nicht  zweifel- 
haft, daß  es  derselbe  Pilz  ist,  den  Rehm  ein  Jahr  später  (Hed- 
wigia, 1882,  p.  122)  als  Sphaeridina  call  ist  a  beschrieben  hat. 
Betrachtet  man  beide  Pilze  als  identisch,  so  hat  der  Pilz  Pseiulo- 
spliaeria  pacliyasca  (Nssl.)  v.  H.  zu  heißen.  Auch  Berlese 
(Icon.,  I)  hält  beide  Pilze  für  identisch. 

3.  Hingegen  hat  der  von  Niessl  in  Sched.  als  L.  pachy- 
asca f.  Cainpanulae  bezeichnete  Pilz  zweizeilige  Sporen  und 
ist  eine  Wettsteiuiiia\  dasselbe  Exemplar  (auf  CauipamiJa  cae- 
spitosa  leg.  Voss  bei  Laibach)  wurde  von  Rehm  als  Sphae- 
ruliiia  callista  var.  ^'ossi  beschrieben.  Dieser  Pilz  hat 
Wettsteinina  Vossi  (Rehm)  v.  H.  zu  heißen. 

4.  Diesem  Pilze  höchst  ähnlich,  ja  wahrscheinlich  damit 
identisch  ist  nun  L.  mirabilis  Nssl.  (Hedwigia,  1881,  p.  97),  wie 
die  Untersuchung  des  Originalexemplares  lehrte. 

5.  Von  der  Überzeugung  ausgehend,  daß  noch  andere  bis- 
her als  einfache  Sphaeriaceen  beschriebene  Pilze  Pseudosphae- 
riaceen sind,  stieß  ich  auf  jene  Pleosporeen,  welche  derb,  scle- 
rotiumartig    sind    und    in    den    Gattungen    Pyrenophora    und 


632  F.  V.  Höhnel, 

Sclei'oplea  untergebracht  sind  und  schon  älteren  Autoren  als 
abweichend  von  den  echten  Sphaeriaceen  aufgefallen  sind. 

Fries,  der  die  Gattung  Pyrenophora  aufstellte  (Summa 
veget.  scandin.,  p.  397)  bemerkt,  daß  diese  Gattung  eigenartig 
und  zweifelhafter  Verwandtschaft  sei,  er  vergleicht  sie  ganz 
richtig  mit  Dothiora,  welche  er  als  ganz  analog  bezeichnet  (1.  c, 
p.  418),  doch  hält  er  die  Asci  von  Dothiora  für  gestielte  ein- 
zellige Sporen,  da  er  sie  offenbar  unreif  beobachtet  hatte.  Tat- 
sächlich unterscheidet  sich  Dothiora  von  Sderoplea  (die  nichts 
anderes  als  eine  borstenlose  Pyrenophora  ist)  wesentlich  nur 
dadurch,  daß  bei  sclcropJea  in  jedem  Loculus  nur  ein  Ascus 
auftritt,  während  bei  Dothiora  deren  mehrere  vorhanden  sind. 
Fries  hat  mit  dieser  Ansicht  intuitiv  ganz  das  Richtige  ge- 
troffen. 

Unter  den  späteren  Autoren  hat  nur  der  kenntnisreiche  und 
scharfsichtige  Fuckel,  trotz  ungenügender  Untersuchung,  viel- 
leicht angeregt  durch  Fries"  Bemerkungen,  die  dothideaceen- 
artige  Natur  von  Pyrenophora  erkannt  und  er  stellt  sie  im 
Sinne  seiner  Zeit  ganz  richtig  einfach  dazu  (Symb.  myc,  p.  214). 
Er  bezeichnet  die  »Perithecien«  von  Pyrenophora  bestimmt  als 
rundliche,  sclerotienartige  Stromata  mit  einer  sich  später 
entwickelnden,  schlauchführenden  Zelle  (loculus)  und  sprach 
damit  schon  1869  eine  ganz  ähnliche  Ansicht  aus,  wie  ich  sie 
nun  auf  Grund  eigener  Untersuchungen,  unabhängig  von  ihm, 
und  zuerst  bei  ganz  anderen,  damals  noch  unbekannt  gewe- 
senen Formen  gewann. 

Die  genaue  Prüfung  der  bestentvvickelten  und  typischesten 
hieher  gehörigen  Form:  P.  phaeocomes  Reb.  (Prodr.  flor. 
neomarch.,  p.  338  c.  ic.)  aus  Rehm,  Asc.  exsic,  Nr.  1664,  zeigte 
mir  nun  folgendes.  Zerlegt  man  den  Pilz  durch  sehr  dünne 
Quer-  und  Längsschnitte  in  feine  Lamellen,  so  überzeugt  man 
sich  zunächst  mit  voller  Sicherheit  davon,  daß  ein  durchbohrtes 
echtes  Ostiolum  völlig  fehlt.  Die  Entleerung  der  Sporen 
geschieht  einfach  in  der  Weise,  daß  oben  durch  Abbrechen 
eines  papillenartigen  Vorsprunges  oder  durch  Verwittern  und 
Ausbröckeln  der  Außenschichte  eine  Öffnung  entsteht.  Das 
Stromagewebe  besteht  aus  vier  Schichten.  Außen  ist  eine  ganz 
dünne   kohlige   Schichte,   dann  folgt  eine  dicke,  aus  hyalinen, 


Fragmente  zur  Mykologie.  633 

derbvvandigen,  isodiametrischen,  parenchymatischen  Zellen 
bestehende  Schichte,  der  innen  eine  dünne,  unscharf  begrenzte, 
aus  mehreren  Lagen  flacher  Zellen  bestehende  Grenzschichte 
folgt,  welche  den  Kern  einschließt.  Dieser  Kern  samt  seiner 
Grenzschichte  macht  den  Eindruck  eines  im  Stroma  liegenden 
Peritheciums,  was  schon  Fries  bemerkte,  daher  er  den  Gattungs- 
namen Pyrenopliora  (d.  h.  kerntragend)  wählte.  Der  Kern  nun 
besteht  aus  einem  weichen  hyalinen  Parenchym,  in  welchem, 
anfänglich  ganz  getrennt  voneinander,  etwa  5  bis  10  Asci 
entstehen.  Jeder  Ascus  ist  daher  ursprünglich  in  einem  eigenen 
Loculus  enthalten  und  zunächst  allseitig  von  Parenchymzellen 
umgeben.  Quillt  man  ein  nahezu  reifes  Exemplar  des  Pilzes  in 
Wasser  gut  an  und  quetscht  dann  den  Kern  heraus,  so  sieht 
man,  daß  keine  Spur  von  Paraphysen  vorhanden  ist,  sondern 
an  den  Schläuchen  parenchymatische  Gewebsstreifen  hängen, 
die  manchmal  Paraphysen  vortäuschen.  In  der  Tat  schweigen 
die  meisten  Autoren  bei  diesen  und  den  damit  verwandten 
Formen  von  den  Paraphysen,  weil  sie  sie  offenbar  nicht  deutlich 
sahen.  Wo  sie  angegeben  werden,  liegt  sicher  ein  Irrtum  vor^ 
da  man  die  den  Asci  anhängenden,  oft  aus  länglichen  und  ge- 
reihten Zellen  bestehenden  Gevvebsfelzen  für  leicht  verkrüppelte 
Paraphysen  halten  kann.  Tulasne  (Select.  fung.,  II.  Bd.,Taf.  29, 
Fig.  2)  zeichnet  bei  Pleospora  (Pyrenopliora) polytricha  (Wallr.) 
=  P.  relicina  Fe  kl.  auffallend  wenige  und  kurze  Paraphysen, 
allein  die  davon  offenbar  nicht  oder  kaum  verschiedene  PL 
(Pyrenopliora)  aparaphysata  Therry  (Revue  myc.,1882,  p.  220, 
Taf.  33,  Fig.  11)  zeigt  schon  durch  ihren  Artnamen  den  völligen 
Mangel  an  Paraphysen  an. 

Die  PL  (Pyrenopliora)  trichostoma  (Fr.)  Winter  zeigt 
nach  dem  genauer  untersuchten  Exemplar  in  Krieger,  F.  sax., 
Nr.  283,  ganz  denselben  Bau,  nur  daß  die  Stromata  infolge  ihrer 
mehr  konischen  Gestalt  und  der  schwächeren  Entwicklung 
des  Stromagevvebes  einen  größeren  Niicleus  haben  und  daher 
noch  peritheciumähnlicher  sind.  Auch  hier  fehlen  Para- 
physen und  Ostiolum  völlig,  die  Asci  sind  im  Parenchym  ein- 
gelagert. 

Nach  dem  Gesagten  ist  es  nicht  zweifelhaft,  daß  wenig- 
stens  jene   Arten     der    beiden    Gattungen    Pyrenopliora    und 

Sitzb.  d.  mathem.-n.iturw.  K!.;  CX\'I.  Bd.,  Ahx.  I.  -i- 


634  F.  V.  Höhnel. 

Scleroplea,  welche  derb  und  sclerotiumartig  sind,  in  die  Familie 
der  Pseudosphaeriaceen  gehören. 

Diese  Familie  ist  ein  merkwürdiges  Verbindungsglied 
zwischen  den  Sphaeriaceen  und  Dothideaceen.  Durch  die  nur 
je  einen  Ascus  enthaltenden  Loculi  erinnern  sie  überdies  an  die 
Phymatosphaeriaceen,  mit  denen  sie  übrigens  sonst  kaum  ver- 
wandt sind. 

Da  die  Loculi  der  Pseudosphaeriaceen  nur  klein  sind, 
meist  dicht  stehen  und  nur  durch  eine  bis  wenige  Zellschichten 
voneinander  getrennt  sind,  weshalb  sie  beim  Ausreifen  der 
Schläuche  durch  Resorption  der  Trennungsschichten  auch  teil- 
weise verschmelzen  können  (was  übrigens  auch  bei  echten  Dothi- 
deaceen häufig  vorkommt),  da  sie  überdies  in  einer  eigenen, 
durch  eine  Grenzschichte  von  dem  umhüllenden  derberen  und 
festeren  Stromagewebe  getrennten,  zentral  gelegenen,  weicheren 
Gewebspartie  (Nucleus)  eingelagert  sind,  so  sehen  sie  oft 
täuschend  echten  Sphaeriaceen  ähnlich.  Daher  sind  sie  bisher 
mit  diesen  zusammengeworfen  worden.  Doch  sind  schon 
ältere  Autoren  auf  ihre  abweichende  Organisation  aufmerksam 
geworden,  wie  oben  auseinandergesetzt  wurde. 

Nur  eine  genaue  Untersuchung  auf  dünnen  Schnitten  kann 
daher  entscheiden,  ob  ein  Pilz  eine  Sphaeriacee  oder  Pseudo- 
sphaeriacee  ist.  Mag  dieser  Umstand  auch  dem  praktischen 
Mykologen  lästig  sein,  so  ist  es  doch  klar,  daß  ein  wissen- 
schaftliches Pilzsystem  nur  auf  Grund  der  Tatsachen,  mögen 
diese  auch  schwer  festzustellen  sein,  und  nicht  aus  prakti- 
schen oder  Bequemlichkeitsrücksichten  aufgestellt  werden  kann. 

Die  Frage,  welche  der  bekannten  PyreiwpJiora-  und 
Scleroplea- Arien  Pseudosphaeriaceen  sein  werden,  läßt  sich 
nur  auf  Grund  einer  genauen  Untersuchung  der  einzelnen 
Arten  beantworten.  Von  vornherein  läßt  sich  nur  sagen,  daß 
wahrscheinlich  alle  sclerotiumartig  derbvvandigen  Formen 
hieher  gehören  werden.  Dementsprechend  werden  wohl  alle 
Scleroplea- Arien  und  Pyrenophora  Betae  (Berl.),  trichostoma 
(Fr.);  relicina  (Fckl);  aparapliysata  (Therry);  phaeocomes 
(Reb.)  zu  den  Pseudosphaeriaceen  zu  rechnen  sein.  Die 
übrigen  Pyrenophora- Arien  sind  einfach  borstige  Pleospora- 
Arten  und  müssen  in  eine  eigene  Gattung  versetzt  werden. 


Fragmente  zur  Mykologie.  b3o 

Darnach  ergibt  sich  folgende  Übersicht  der  bisher  be- 
kannten 

Pseudosphaeriaceen. 
I.  Weüsteinina  v.  H. 

(Sporen  zweizeilig,  hyalin;  Zellen  innen  mit  Ringleisten.) 

1.  W.gigaspora  v.  H.  (1907). 

2.  W.  gigantospora  (R  e  h  m)  v.  H.  =  Massarina  gigantospora 

Rehm  (Zool.-bot.  Ges.  Wien,  1887,  p.  216). 

3.  W.  Vossi  (Rehm)   v.  H.    =   Sphaernlina  calUsta  var.  Vossi 

Rehm  (Zool.-bot.  Ges.  Wien,  1887,  p.  220). 

4.  W.  ntirahilis  (Nssl.)  v.  H.  rr  Leptosphaeria  mirahiUs  Nssl. 

(Hedwigia,  1881,  p.  97). 

(Die  Arten  2,  3  und  4  stehen  sich  sehr  nahe;  3  und  4  sind 
höchstwahrscheinlich  identisch.) 

II.  Pseudosphaeria  v.  H. 

(Sporen  durch  Querteilung  mehrzellig,  hyalin.) 

1.  Ps.  pachyasca  (Nssl.)   v.   H.    =   Leptosphaeria  pachyasca 

Nssl.  (Ost.  bot.  Zeitschr.,  1881,  345). 

2.  Ps.  callista  (Rehm)  v.  H.  =:   Sphaerulina  callista   Rehm 

(Hedwigia,  1882,  p.  122). 

(Diese  beiden  Arten  sind  wahrscheinlich  identisch.) 

III.  Sc/erop/ea  (Sacc.)  Oud.  emend.  v.  Höhnel. 
(Sporen  braun,   mauerförmig  geteilt;  Stromata  ohne  Borsten.) 

IV.  Pyrenophora  Fr.  emend.  v.  Höhnel. 
(Sporen  gefärbt,   mauerförmig  geteilt;    Stromata   mit  Borsten.) 

164.  Über  Ascospora  crateriformis  Dur.  et  Mont. 

Infolge  mangelhafter  Untersuchung  befinden  sich  nament- 
lich in  den  größeren  Formgattungen  der  Sphaeropsideen  viele 
Formen  untergebracht,  die  sich  beim  genaueren  Studium  als 
nicht  in  dieselben  gehörig  erweisen. 

Hieher  gehört  auch  die  obige  Form.  Dieselbe  ist  von 
Saccardo  (Syll.  fung.,  IV,  p.  112)  als  Phonia  untergebracht, 
dann  in  demselben  Bande  p.  496  als  Septoria. 

42* 


636  F.  V.  Hühnel. 

Die  genauere  Untersuchung  zeigt  nun,  daß  die  Fruclit- 
körper  dieses  Pilzes  ganz  eigentümlich  gebaut  sind  und  dieser 
ein  eigenes  Genus  darstellt,  das  ich  Coleophoma  nenne.  In  diese 
Gattung  werden  gewiß  noch  mehrere  als  Phoma,  Septoria, 
Pliyllosticta  etc.  beschriebene  Formen  gehören,  insbesondere 
jene,  deren  Pycniden  als  derbwandig  beschrieben  sind,  und  die 
gleichzeitig  stäbchenförmige,  gerade  Sporen  haben.  Möglicher- 
weise z.  B.  Septoria  Evoiiyini-japonici  Pass.,  S.  Ceratoniae 
Pass,,  S.  Laiirocerasi  Pass.,  Lcptotkyrinm  ilicimun  Sacc.  und 
andere,  was  aber  noch  näher  untersucht  werden  muß. 

Eine  ähnliche  Form  fand  ich  auch  auf  Eicheln  im  süd- 
lichen Dalmatien  (Bocche  di  Cattaro),  die  gänzlich  verschieden 
ist  von  Phoma  glandicola  (Desm.),  welche  nach  dem  Original- 
exemplar in  Desmaziere,  PI.  crypt.  de  France  Nr. 83,  eine  echte 
Phoma  ist.  Coleophoma  crateriformis  (Dur.  et  Mont.)  v.  H. 
fand  ich  1900  auf  dürren  Blättern  von  PhiUyrea  media  im 
Fangotale  bei  Bastia  auf  Corsica. 

Die  Fruchtkörper  sind  auf  einer  oder  beiden  Blattseiten 
dicht  zerstreut,  derb,  kohlig,  glänzend  und  meist  nur  90  bis 
120  [X  breit  und  hoch.  Sie  sind  unter  die  Epidermis  einge- 
wachsen und  trotz  ihrer  Kleinheit  fast  sclerotiumartig  oder 
stromaartig  gebaut.  Die  aus  kohligen,  etwas  flachgedrückten 
Parenchymzellen  aufgebaute  Wandung  ist  an  kleinen  Exem- 
plaren manchmal  nur  8  bis  20  [x,  an  größeren  aber  meist  30  bis 
50  [1  dick.  Die  Wandung  ist  oft  sehr  ungleichmäßig  dick, 
daher  die  Pycniden  unregelmäßig  gestaltet  sind,  unten  meist 
etwas  abgeflacht,  oben  konisch  vorgezogen  und  mit  unregel- 
mäßigem, rundlichem,  sehr  verschieden  großem,  anfänglich 
etwa  25  (x  breitem,  später  weit  geöffnetem  Ostiolum.  Das  kohlige 
Gehäuse  ist  sehr  brüchig  und  wird  schließlich  im  Alter  durch 
Abbröckeln  der  äußeren  Partien  das  Innere  weit  bloßgelegt. 
Der  Innenraum  ist  unten  meist  flach  und  oben  konisch  ver- 
schmälert. Er  ist  unten  und  an  den  Seiten  ganz  ausgekleidet 
mit  dichtstehenden,  schließlich  miteinander  zu  einer  homo- 
genen Masse  verschmolzenen  Schleimzylindern,  die  bis  20  bis 
25  [X  hoch  und  bis  8  [x  breit  sind.  Dieselben  bestehen  aus  einem 
hyalinen  festen  Schleim.  In  der  Achse  jedes  Schleimzylinders 
liegt   eine   einzellige,    mit   dichtem,   feinkörnigem  Inhalte   ver- 


Fragmente  zur  Mykologie.  637 

sehene,  stäbchenförmige,  an  den  Enden  spitzliche,  gerade  Spore, 
die  meist  15=  1  •  5  bis  1  •  8  [x  groß  ist.  Die  Schleimzylinder  bleiben 
fest  haften,  während  die  Sporen  bei  der  Reife  aus  ihnen  heraus- 
treten und  frei  werden.  Der  Innenraum  der  Pycniden  zei*gt 
keine  eigene  Wandschichte  und  ist  meist  55  bis  80  [x  breit. 

Die  Schleimzylinder  erinnern  an  Asci  und  verhalten  sich 
ähnlich  wie  die  von  Myxodisciis  (siehe  diese  Berichte,  1906, 
p.  668),  nur  daß  bei  dieser  Gattung  in  jedem  Schleimzylinder 
statt  einer  Spore  mehrere  auftreten.  Der  Umstand,  daß  bei  den 
Gattungen  CoJcophoina  und  Myxodiscus  die  Sporen  aus  den 
Schleimzylindern  austreten  und  frei  werden,  macht  es  wahr- 
scheinlich, daß  die  Schleimzylinder  nicht  schleimige  Ver- 
dickungen, tilso  Schleimhöfe  der  Sporen  sind,  sondern  selbst- 
ständige ascusähnliche  Gebilde,  in  welchen  die  Sporen  ent- 
stehen. Ob  es  aber  wirkliche  Asci  sind,  müssen  weitere  Unter- 
suchungen an  größeren,  leichter  zu  studierenden  Formen 
lehren.  Es  bleibt  daher  bei  beiden  Gattungen  vorläufig  zweifel- 
haft, ob  es  Ascomyceten  oder  eigentümliche  Sphaeropsideen 
sind.  Jedenfalls  sind  aber  beide  miteinander  verwandt  und 
bilden  eine  kleine,  natürliche  neue  Gruppe  von  Formen,  deren 
Stellung  im  System  noch  zweifelhaft  ist.  Beide  Gattungen 
erinnern  sehr  an  die  Dothideaceen  und  wenn  man  sie  als 
Ascomyceten  betrachten  wollte,  müßten  sie  neben  die  Dothi- 
deaceen gestellt  werden.  Die  Charakteristik  der  neuen  Gattung, 
als  Ascomj^cet  aufgestellt,  wäre  folgende: 

Coleophoma  n.  gen.  (an  Dothideaceae?). 
Stromata    peritheciumartig,    klein,   kohlig,    eingewachsen. 
Asci  Z3iindrisch,  verschleimt-dickwandig,   ohne  Paraphysen,  je 
eine  stäbchenförmige,  einzellige,  hyaline  Spore  enthaltend. 

Coleophoma  crateriformis  (Dur.  et  Mont.)  v.  H. 

Syn.  :    Ascospora  crateriformis  Dur.  et  Mont. 
Sfhaeria  Oleae  var.  Phillyreae  Mont. 
Phoina  cralcrifonnis  (Dur.  et  Mont.)  Sacc. 
Septoria  crateriformis  (Dur.  et  Mont.)  Sacc. 

Auf  Blättern  von  Phillyrea.  Frankreich,  Corsica,  Algier. 
Die  oben  erwähnte  Form  auf  Eicheln  hat  genau  die  gleiche 
Art   der   Sporenbildung   in  Schleimzylindern    wie  Coleophoma, 


638  F.  V.  Höhnel, 

allein  der  Fruchtboden  ist  ganz  flach  und  die  Schleimzylinder 
stehen  parallel  nebeneinander  auf  demselben.  Der  Pilz  erinnert 
mehr  an  Myxodisctis  und  sieht  leptothyriumartig  aus.  Im 
übrigen  ist  die  sehr  nahe  Verwandtschaft  mit  Coleophoma  un- 
verkennbar. Er  stellt  wahrscheinlich  ein  eigenes  Genus  dar 
und  ist  wahrscheinlich  gleich  Phonia  piimila  (Moug.)  =:  Sep- 
toria  orthospora  Lev.  Man  ersieht  daraus,  daß  hierbei  gleicher 
Art  der  Sporenbildung  verschiedene  Arten  der  Gehäuseaus- 
bildung vorkommen  und  mithin  hier  vielleicht  ein  größerer, 
bisher  übersehener  Kreis  von  Formen  vorliegt,  in  den  viele 
bisher  nicht  genauer  untersuchte  Pilze  gehören  werden. 

165.  Schizoxylon  graecum  n.  sp. 

Apothecien  zerstreut,  erst  kugelig  eingesenkt,  dann  sich 
oben  rundlich  weit  öffnend  und  die  rötliche  oder  fleischfarbene 
Fruchtscheibe  entblößend,  200  bis  1 200  [x breit  und  500  bis  600  [x 
hoch.  Berandung  weiß,  dick,  lappig.  Bleibend  krugförmig, 
Fruchtscheibe  im  Alter  schmutzig-dunkelbraunviolett.  Hypo- 
thecium  hyalin,  flach,  undeutlich  kieinzellig-plectenchymatisch, 
zirka  60  [jl  dick;  Excipulum  unten  40  [x  dick,  nach  oben  hin 
durch  eingelagerte,  oft  große  Kalkoxalatkristalle  inkrustiert, 
allmählich  zirka  120  bis  130  ;x  dick  werdend,  Rand  lappig, 
stumpf.  Fruchtschichte  blaßrosa,  aus  zahlreichen  dünnfädigen, 
oben  etwas  verästelten  Paraphysen  und  zylindrischen, 
280  bis  340  ^^  8  bis  12  [x  großen  Asci,  die  je  8  fädige,  septierte, 
200  bis  250  ^  2  bis  21/2  [a  große,  oft  schon  im  reifen  Ascus  in 
2  bis  5  (X  lange  Z3^1indrische,  scharf  abgeschnittene  Glieder 
zerfallende  Sporen  enthalten.   Jod  gibt  keine  Blaufärbung. 

An  dünnen  morschen  Zweigen  von  Olea  europaea,  auf  der 
Insel  Korfu  (Dr.  Eggerth). 

Die  Art  ist  am  nächsten  mit  Seh.  Sarothainni  Fe  kl.  ver- 
wandt und  derselben  äußerlich  sehr  ähnlich.  Diese  Art  hat 
aber  breitere  Sporen,  die  in  längere  Glieder  zerfallen,  welche 
an  den  Enden  abgerundet  sind,  ferner  eine  dunklere  Frucht- 
scheibe. Der  direkte  Vergleich  mit  einem  Fuckel'schen 
Originalexemplar  aus  den  Fungi  rhenani  zeigte,  daß  beide 
Arten  sicher  verschieden  sind. 


Fragmente  zur  Mykologie.  639 


166.  Plectophoma  n.  gen.  (Sphaeropsideae). 

Glück  hat  in  seinem  »Entwurf  zu  einer  vergleichenden 
Morphologie  der  Flechtenspermogonien«  (Verhandl.  d.  Nat.- 
Mediz.  Ver.  zu  Heidelberg,  1899,  VI.  Bd.,  p.  81  ff.)  bei  den 
Flechtenspermogonien  je  nach  dem  Baue  ihrer  Sporenträger 
acht  verschiedene  Typen  unterschieden. 

Sieht  man  von  Einzelheiten  ab  und  wendet  man  seinen 
Befund  bei  den  Flechten  auf  die  Spermogonien  oder  Pycniden 
der  Pilze  an,  so  kann  man  diese  acht  Typen,  wie  folgt,  auf 
drei  reduzieren. 

1.  Phoina-Typus.  Basidien  (Sporenträger)  einfach,  unver- 
zweigt, kürzer  oder  länger,  an  der  Spitze  die  Conidien  oder 
Spermatien  bildend. 

Dieser  T^^pus  ist  der  häufigste  und  tritt  bei  PJioma, 
Phyllosticta,  Cytospora  etc.  auf. 

2.  Dendrophoma-Typus.  Sporenträger  verzweigt,  Coni- 
dien an  der  Spitze  der  Zweige  oder  auch  an  Sterigmen  am 
Hauptstamm  oder  an  den  Zweigen  seitlich  entstehend. 

Dieser  zweite  Typus  ist  vertreten  durch  Dettdrophoma 
und  wohl  viele  einzelne  Arten  anderer  Gattungen. 

3.  Plectoplioma-Typus.  Innenraum  der  Pycniden  mehr 
minder  ausgefüllt  mit  unregelmäßig  radiär  verlaufenden,  mit- 
einander netzförmig  anastomisierenden  Fruchthyphen,  die  aus 
vielen  kurzen,  mit  kleinen  Sterigmen  versehenen  Basidien 
bestehen,  an  welchen  die  Conidien  oder  Spermatien  gebildet 
werden. 

Um  eine  richtige  Vorstellung  von  dem  eigentümlichen 
Bau  dieses  Typus  und  seiner  verschiedenen  Modifikationen  zu 
■erhalten,  ist  es  nötig,  einen  Blick  auf  Glück's  Figuren,  p.  150 
bis  155,  zu  werfen. 

Meines  Wissens  sind  Sphaeropsideen  mit  diesem  Bau- 
typus bisher  nicht  bekannt  geworden. 

Ich  fand  nun  zwei  Formen,  die  demselben  entsprechen. 

Es  sind  dies: 

1.  Phyllosticta  hacteriosperma  Pas s.  (Syll.  fung.,  X,  p.  1 25). 

2.  Plectophoma  Uinbelliferarniu  v.  H.  n.  sp. 


640  F.  V.  Höhne  I, 

Beide  diese  Formen  haben  Pycniden,  die  in  einem  manch- 
mal kaum,  oft  aber  deutlich  entwickelten  Stroma  eingebettet 
sind.  Die  Pycnidenwand  ist  innen  mit  einer  Lage  von  Zeilen 
ausgekleidet,  aus  der  sich  dicht  septierte  Fäden  erheben,  die 
das  ganze  Lumen  der  Pycniden  ausfüllen  und  miteinander 
mehr  weniger  anastomisieren.  Aus  den  einzelnen  Zellen  dieser 
Fäden  sowie  auch  der  Auskleidung  der  Pycnidenwandung 
sprossen  die  kleinen  stäbchenförmigen  Sporen. 

Plectophoma  Umbelliferarum  n.  sp. 

Stromata  mehr  weniger  deutlich,  unter  die  Epidermis  ein- 
gesenkt, 1  bis  6  mm  lang,  '/a  bis  1  ///;;/  breit,  weich,  aus  blaß- 
olivenbraunen,  dickwandigen,  septierten,  G  bis  10  |x  breiten 
Hyphen  gebildet. 

Pycniden  eingesenkt,  rundlich  eiförmig,  160  bis  170|j. 
breit,  mit  Ostiolum.  Pycnidenmembran  weich,  olivenbraun,  aus 
4  bis  5  Lagen  von  verflochtenen  H^^phen  bestehend.  Nucleus 
aus  kurzgliedrigen,  4  bis  5  [x  breiten,  miteinander  dicht  ana- 
stomisierenden,  sporentragenden  Fäden  bestehend,  fast  paren- 
chymatisch  aussehend. 

Sporen  h3^alin,  stäbchenförmig,  meist  gerade,  4  bis  5  ~  1 
bis  1  '5  [X. 

An  dürren  Stengehi  von  Foeuicnhiui  Juice  bei  Bastia, 
Corsica,  April  1905. 

Zu  Plectophoma  wird  gewiß  auch  Spliaeropsis  Anethi  (P.) 
Fckl.  gehören,  eine  Form,  die  nach  dem  Exemplar  in  Fuckel, 
F.  rhen.,  Nr.  1011,  augenscheinlich  mit  P/(?6-/o/'//o//7a  Umbelli- 
ferarum nahe  verwandt  ist;  leider  erwies  sich  aber  mein 
Exemplar  der  Fuckel'schen  Form  als  unreif. 

Phyllosticta  hacteriosperma  Pass.  muß  nun  zu  Plecto- 
phoma gestellt  werden. 

Ich  vermute,  daß  die  Plectophoma- tKvien  Nebenfrucht- 
formen  von  kleinen  Discomyceten  sind. 

167.  Über  Actinonema. 

Diese  Gattung  wird  von  Saccardo  (Syll.,  III,  p.  408)  zu 
den    Sphaerioideen   gestellt.    Die   Untersuchung    der    einzigen 


Fragmente  zur  M^'kologie.  64  1 

sicheren  und  typischen  Art,  der  Actüioneina  Rosac  (Lib.)  Fr., 
zeigte  mir  aber,  daß  der  Pilz  keine  Spur  einer  Pycniden- 
membran  hat;  er  bildet  unmittelbar  unter  der  Cuticula  nackte 
Acervuli,  welche  durch  spaltenförmiges  Einreißen  der  Cuticula 
sich  nach  außen  entleeren. 

Demnach  gehört  Actiiioiieiiia  Rosae  zu  den  Melanconien 
und  schließt  sich  unmittelbar  an  Marssouiua  (früher  Marsonia 
genannt)  an,  von  welcher  Gattung  sie  sich  nur  durch  die  sub- 
cuticulären,  meist  in  Bündeln  wachsenden,  dendritisch  radiär 
verlaufenden  Fibrillen  unterscheidet,  zwischen  welchen  sich 
die  Acervuli  entwickeln. 

In  der  Gattung  Actiuonema  figuriert  in  den  Handbüchern 
(Saccardo,  Syll.,  III,  p.  408;  Allescher,  Sphaerioideen, 
VI.  Abt.,  p.  709)  auch  Actmonenta  Crataegi  Fers.  (Myc.  europ., 
I.  p.  52)  als  Art. 

Die  Untersuchung  mehrerer  Exsikkate  der  Art  sowie 
selbstgesammelter  Exemplare  derselben  zeigte  mir  aber,  daß 
der  mit  diesem  Namen  bezeichnete  Pilz  nichts  anderes  als 
Fitsicladiuui  orlnctilattim  de  Thüm.  f  Sorbi  torminaJis  ist, 
was  die  echte  auf  Sorbits  toriitinalis  auftretende  Form  an- 
langt. Sowohl  Desmaziere  (Ann.  d.  sc.  nat.,  3^  Ser.,  XVIII, 
p.  359)  als  auch  Aderhold  (Hedwigia,  1897,  p.  82)  betrachten 
diese  Form  nur  als  Varietät  von  Fiisicladinm  dcntriticuiii 
(Wallr.)  Fckl. 

Diese  Tatsache,  daß  Actiuonema  Crataegi  P.  auf  Sorbus 
toriniualis  =:  Ftisicladitini  orbiciUatiiin  de  Thüm.  f.  Sorbi 
toruiinalis  ist,  ist  nicht  neu,  da  schon  Desm  aziere  im  Jahre 
1852  (Ann.  d.  sc.  nat.,  3^  Ser.,  XVIII,  p.  359)  ganz  ausführlich 
auseinandergesetzt  hat,  daß  Actiuonema  Crataegi  P.,  Capillaria 
Crataegi  Lk.,  Phlyctidium  Crataegi  Wallr.,  Asteronia  Cra- 
taegi Berk.  und  Cladosporinni  dendriticuni  Wallr.  in  fol. 
Crataegi  torminaJis  (t=:  Fiisicladiiini  orbicutatum  de  Thüm. 
f.  Sorbi  torminaJis)  genau  der  gleiche  Pilz  sind. 

Dies  ist  von  den  neueren  Autoren  übersehen  worden. 

Desmaziere  hat  als  Cladosporiiim  orbiciilatum  ■=:  Aste- 
roma Crataegi  var.  Sorbi  Desm.  nur  jene  Form  von  Clado- 
sporiiuvi  dendriticuni  Wallr.  bezeichnet,  welche  auf  Sorbus 
domestica  und  Mespihis  pyracaiüJius  wächst.  Darnach  sind  die 


642  F.  V.  Höhnel, 

Benennungen  auf  vielen  Exsikkaten  nicht  richtig.  Da  aber  alle 
auf  Pomaceen  vorkomnienden  Fusiciadium- Arten  zusammen- 
gehören, so  ist  dies  ohne  Belang. 

An  die  obige  Feststellung  knüpft  sich  auch  eine  nomen- 
klatorische  Frage.  Nachdem  die  Gattung  Actinonema  von 
Persoon  (Myc.  europ.,  I,  p.  51)  schon  im  Jahre  1822  offenbar 
auf  die  Art  A.  Crataegi  aufgestellt  ist  (die  zweite  Art  A.  cmiliii- 
cola  wird  von  Persoon  selbst  als  unsicher  und  nicht  typisch 
bezeichnet)  und  Persoon's  Gattungsdiagnose  das  Lupenbild 
eines  Fusiciadium  vortrefflich  beschreibt,  ferner  Fries  1849 
(Sum.  veg.  Scand.,  II,  p.  424)  die  Gattung  Actinonema  genauer 
charakterisiert  hat  und  in  dieselbe  die  A.  Crataegi  wieder  auf- 
nahm, während  die  Gattung  Fusiciadium  erst  1851  von 
Bon  Orden  (Handbuch,  p.  80)  aufgestellt  wurde,  müßte  die 
Gattung  Fusiciadium  eigentlich  Actinonema  heißen. 

Es  fragt  sich  aber,  ob  dies  rationell  ist  und  ist  ferner  zu 
beachten,  daß  es  sich  hier  um  Nebenfruchtformen  handelt,  auf 
welche  die  Nomenklaturgesetze  vielleicht  keine  Anwendung 
zu  finden  haben. 

Noch  sei  bemerkt,  daß  Actinonema  Rohergei  Desm.  =: 
Asteroma  Rohergei  Desm.  nach  dem  Originalexemplar 
(PI.  crypt..  Ed.  I,  Nr.  1 100)  völlig  zu  streichen  ist.  Es  sind  ein- 
fach braune  Hyphen,  die  in  das  Innere  der  hohlen  Stengel  von 
Heracleum  Spondyliuni  hineingewachsen  sind  und  die  Wände 
des  Hohlraumes  bekleiden.  Schon  Desmaziere  sagt  (1.  c), 
daß  diese  braunen  Hyphen  vollkommen  an  jene  von  Clado- 
sporium  hcrbarnm  erinnern. 

168.  Zur  Synonymie  einiger  Pilze. 

1  Die  Gattung  Ophiosphaeria  Kirschstein  (Verh.  bot. 
Ver.  Brandenburg,  48.  Bd.,  1906,  p.  47)  fällt  offenbar  mit  der 
Gattung  OpJiiochaeta  Berl.  (Icon.,  II,  p.  136)  zusammen. 
Bei  so  dünnen  fadenförmigen  Sporen  ist  es  ohne  Belang,  ob 
die  Sporen  einzellig  und  mit  vielen  Öltröpfchen  versehen  sind 
oder  Querwände  aufweisen.  Ophiosphaeria  tenella  K.  wird 
wohl  identisch  sein  mit  Ophiockacta  chaetophora  (Crouan) 
Sacc.  (SylL,  XI,  p.  352). 


Fragmente  zur  Mykologie.  643 

2.  P.  Hennings  hat  auf  Cystotheca  Wrightii  Berk.  et 
Curt.  hin  die  Familie  der  Cystothecaceen  aufgestellt.  Allein 
es  ist  mir  nicht  zweifelhaft,  daß  der  von  ihm  näher  beschriebene 
Pilz  (Engler's  botan.  Jahrb.,  1901,  28.  Bd.,  p.  273)  mit 
Sphaerotheca  laiiestris  Harkn.  zum  mindesten  nahe  ver- 
wandt ist.  (In  der  Größe  der  Perithecien,  Asci  und  Sporen 
würde  Sph.  phytoptophila  K.  et  S.  vollkommen  stimmen,  doch 
kommt  diese  Art  nur  auf  Cdtis  und  nicht  auf  Qiterciis  vor.) 

3.  Urophlyctis  Alagmtsiana  Neger  (Ann.  mycol.,  1906, 
p.  282)  ist  offenbar  identisch  mit  Cladochytrium  Brevierei  Har. 
et  Pat.  (Bull.  soc.  myc,  1904,  p.  61). 

4.  Daedalea  cimiabaviiia  Secretan  (Microgr.  suisse,  11, 
p.  482)  gehört  zu  jenen  höchst  unsicheren  Arten,  die  bisher 
nur  einmal  gefunden  wurden  und  sich  trotzdem  in  der  Literatur 
erhalten  haben.  Der  Pilz  wird  von  Fries,  Winter,  Quelet 
und  Saccardo  als  gute  Art  angeführt.  Liest  man  die  aus- 
führliche Beschreibung  Secretan's,  so  erkennt  man  aus  ver- 
schiedenen Angaben,  daß  er  das  Altersstadium  irgend  eines 
Pilzes  vor  sich  hatte.  Er  fand  den  Pilz  Ende  Oktober,  die 
Ränder  desselben  waren  hinaufgebogen,  so  daß  der  Hut  oben 
konkav  war,  oben  zeigte  er  auch  grüne  Zonen,  die  Lamellen 
waren  teilweise  schon  geschwärzt.  Die  grünen  Zonen  rührten 
offenbar  von  angesiedelten  Algen  her,  wie  man  sie  an  ganz 
alten  Stücken  von  Daedalea^  Lenzites  etc.  oft  findet. 
Secretan's  Pilz  war  daher  ganz  alt.  Als  ich  seine  Angaben 
las,  erinnerte  ich  mich  daran,  daß  alte  Exemplare  von  Lenzites 
variegata  oder  der  braunen  Varietät  von  L.  hetnJina  in  den 
schmalen,  rinnenförmigen  Vertiefungen  zwischen  den  Zonen 
der  Oberseite  des  Hutes  nicht  selten  lebhaft  orange  bis 
zinnoberrot  gefärbt  sind.  Diese  Färbung  stammt  von  einem 
eigentümlichen  Sekret  her,  das  der  Pilz  im  Alter  ausscheidet,  er- 
weckt aber  zunächst  den  Eindruck,  als  würde  sie  von  einem 
Schmarotzer  herrühren.  In  der  Tat  hat  Secretan  selbst 
(III.  Bd.,  p.  639)  diesen  Eindruck  gehabt,  denn  er  sagt,  daß  es 
möglich  wäre,  daß  die  lebhaft  rote  Färbung  von  Dematiuni 
cinnabarium  Pers.  (Synop.  fung.,  p.  697)  herrühren  könnte, 
woraus  hervorgeht,  daß  er  selbst  an  der  Autonomie  der 
Daedalea   cinnabarina  zweifelte.  Tatsächlich  ist  diese  zvveifel- 


644 


F.  V.  Höhnel, 


los  nichts  anderes  als  eine  Altersform  von  Lenzites  variegata 
oder  der  braunen  Form  von  L.  bettüina  und  muß  als  Art  voll- 
ständig gestrichen  werden. 


Namenverzeichnis. 

Seile 

Actinoiieuia  cauHiicola ß42 

»  Crataegi ß4  j 

»  Rohergei  D  e  s  m 642 

»  Rosae  (L i b.)  Fr 64 1 

Amphispliaeria  latericolla  (Fr.) 619 

Ascospora  crateriformis  Dur.  et  Mo nt 635,  637 

Asteroma  Crataegi  Berk 641 

»  »  var.  Sorhi  D  e  s  m 641 

Calosphaeria  niacrospora  Win  t 629 

»  inyriospora  N  k  e 628 

»  taediosa  S  a  c  c 629 

»  verrucosa  Tul.  pr.  p 626 

Capillaria  Crataegi  Lk 641 

Ceratosphaeria  rhenana  Auersw 620 

Ceratostomella  cirrhosa  (P.) 620 

Cercospora  innumerabilis  (Fckl.)  v.  H 621 

Cladosporium  dendriticnm  Wallr 641 

licrbaruni  (P.) 642 

»  orhiculatiint 641 

Cladochytrium  Brevierei  Ha r.  et  Pat 643 

Cleistotheca  papyrophila  Zu kal 615 

Coleophoma  n.  gen 637 

crateriformis  (Dur.  et  Mont.)  v.  H 636,  637 

CoroHophora  ahietina  Fckl 624  630 

»  angustata  Fckl 624,  630 

»  armexa  (N  k  e.) 226 

gregaria  (Lib.)  Fckl 624,  627,  630 

jungens  (N  k  e.) 629,  630 

»  macrosperma  Fckl 626 

»  myriospora  (Nke.) 628,  629 


Fragmente  zur  Mykologie.  645 

Seite 

Cryptosphaerella  annexa  (Nke.)  v.  H 030 

?  macrosperma  (Fckl.)  v.  H 630 

»  Nitschkei  (Auersvv.) 626 

Cryptospora  myriospora  (Nke.)  v.  H.  .  . . ." 628 

»  Qtiercus  All 620 

»  trichospora  (C.  et  P.)  Sacc 629 

Cryptosphaerella  annexa  (Nke.)  v.  H 625 

Cystothcca  Wrigktii  B.  et  C 643 

Daedalea  cinnabarina  Secretan 644 

Didymella  friiticosa  n.  sp 618 

Ftisicladiuni  dendritictim  (Wallr.)  Fckl 641 

»  orhictilatnni  de  Thüm.  f.  Sorbi  tovmiiialis.  .  .641 

Giberella  dUnerosporoides  (Speg.?)  v.  H 617 

Leptosphaeria  mirabilis  Nssl 631,  635 

»  Morthierana  Sacc 631 

»  pachyasca  Nssl 631,  635 

»  »  f.  Cantpamilae 63 1 

»  Wintert  Nssl 63 1 

Leptothyrium  iliciimm  Sacc 636 

Massar ina  gigantospora  Rehm 635 

Myriocarpa  Cytisi  Fckl 621 

»  Lonicerae  Fckl 622 

Ophiochaeta  chaetophora  (Crouan)  Sacc 642 

Ophiosphaeria  tenella  K 642 

Peltosphaeria  vitrispora  (C.  et  H.) 624 

f.  Oleae 624 

Phleospora  Biiplenri  (Desm.)  v.  H 619 

Phlydiditim  Crataegi  Wallr 641 

Phoma  crateriforniis  (Dur.  et  Mont.)  Sacc 637 

»       glandicola  (Des m.) 636 

Phyllosticta  bacteriosperma  Pass 639,  640 

Plectophoma  n.  gen 639 

»  Umbelliferarum  v.  H 639,  640 

Pleospora  aparapJiysata  The  rry 633 

Cytisi  Fckl 622 

»  herbaruni  (Pers.) 615 

»  polytricha  Wallr 633 


646  F.  V.  Höhnel, 

Seite 

Pleospora  relicina  Fe  kl 633 

»  trichostoma  (Fr.)   633 

Pseudosphaeria  v.  H 635 

»  callista  (Rehm)  v.  H 635 

pachyasca  (Nssl.)  v.  H 631,  635 

Psilothecitiin  innmnerabile 621 

Pyrenophora  Fr.  emend.  v.  Höhnel   635 

»  aparaphysata  Th  e  rr}^ 633 

Betae  Berl 634 

»  pliacoconies  Reb , 632,  634 

polytricha  W al  1  r 633 

»  relicina  F  e  k  1 633 

trichostoma  Fr 633,  634 

Schizoxylon  graectim  n.  sp 638 

.»  Sarothamni  Fckl 638 

Scleroplea  (Sacc.)  Oud.  emend.  v.  Höhnel 635 

Septoria  Btiplenvi  Desm 619 

»         Ceratoniae  Pass 636 

»         crateriforinis  (Dur.  et  Mont.)  Sacc 637 

»         Evonynii-japonici  Pass 636 

»         intiumerabilis 621 

»         Lanrocerasi  Pass 636 

Sphaerella?  Caprifoliortmi  (Desm.)  Sacc 623 

»  Clymeiiia  Sacc .623 

»  collina  Sacc.  et  Speg 623 

»  »        var.  caiilicola  B.  et  F 623 

»  crepidophora  (Mont.)  Sacc 623 

»  Cytisi-sagittalis  Auersvv 622 

Ebuli  Rieh 622 

»  Genistae-sagittalis  Auersw.   .  .  • 622 

»  implexa  Pass 623 

»  implexicola  M ai r e 623 

»  Laiitanae  (Nke.)  Auersw 623 

»  minor  Karst 623 

»  ramulorum  Pass 623 

»  Symplioricarpi  Pass 623 

»  Tini 623 


Fragmente  zur  Mykologie.  647 

Seite 

Sphaerella  Vihiirni  (N  ke.)  Fckl 623 

Sphaeria  JatericoUa  Fr.  (non  D.  C.)   619 

»  Oleae  var.  Phillyreae  Mont 637 

Sphaertilma  callista  Rehm 631,  635 

var.  Vossi  Rehm 631,  635 

Sphaeropsis  Anethi  (P.)  Fckl 640 

Sphaerotheca  lancstris  Harkn 643 

»  phytoptophila  K.  et  S 643 

Stachybotrys  lobulata  Berk 615 

Stagonospora  mmimerahilis 621 

Trematosphaeria  latericolla  Fckl 619,  621 

Uropklyctis  Magnusiana  Neger 643 

Wettsteinina  v.  H 635 

»  gigantospora  (Rehm)  v.  H 635 

»  gigdspora  v.  H 635 

»  mirabilis  (Nssl.)  v.  H 63.5 

Vossi  (Rehm)  v.  H 631,  635 

Zignoella  emergens  (Karst.)  Sacc 621 

ZuTialia  dimerosporoides  Speg 617 


649 


über  den  Bau  der  argentinischen  Anden 

von 
H.  KeideLi 

(Mit  1  Textfigur.) 
(Vorgelegt  in   der  Sitzung  am   25.   April    1907.) 

I. 

Buenos  Aires,  25.  Dezember  1906. 
Belgrano,  Olaguer  26.  49. 

Herr  Hermitte,  der  Chef  der  Division  de  minas,  geologia  e 
hidrologia  hier  in  Buenos  Aires,  hat  mir  aufgetragen,  Ihren 
Brief  vom  11.  November  zu  beantworten.  Ich  tue  dies  deshalb 
erst  heute,  weil  ich  mir  erst  inzwischen  von  den  Herren  Dr. 
Roth  und  Dr.  Schiller  vom  Museo  de  la  Plata  genauere 
Nachrichten  über  die  Gebiete,  die  Sie  interessieren,  habe  geben 
lassen.  Roth  ist  selber  am  Lago  Musters  gewesen,  Moreno 
aber  nicht  und  Schiller  hat  im  September  dieses  Jahres  einen 
Teil  der  alten  Sierren  der  Provinz  Buenos  Aires  gesehen.  Ich 
selbst  kenne  hievon  nur  die  weiten  Gewölbe  und  Mulden  der 
Sierren  bei  Olavarria  und  Sierras  Bayas,  die  Valentin 
beschrieben  hat.  Was  ich  also  über  die  Verhältnisse  dieser 
Gegenden  und  am  Lago  Musters  zu  berichten  habe,  stammt 
von  den  Herren  Roth  und  Schiller. 

Ich  glaube,  Sie,  Herr  Professor,  richtig  verstanden  zu  haben, 
wenn  ich  annehme,  daß  Sie  das  Vorkommen  der  gefalteten 
Tuffe  am  Lago  Musters  als  einen  neuen  Beleg  ansehen  für  die 
Ablenkung  der  Cordillerenzüge  noch  Südosten,  wie  Sie  sagen 
ähnlich  der  Virgation  des  westlichen  Tian-Schan. 

Es  scheint  aber,  als  sollten  die  Stützen  für  diese  Ansicht 
durch  jedes  neue  Material  mehr  und  mehr  erschüttert  werden. 
Auch  der  Bau  der  Cordilleren  auf  argentinischem  Boden  stellt 


1  Briefe  an  das  w.  M.  Ed.  Suess. 
Sitzb.d.  mathem.-naturw.  Kl.:  CXVI.  Bd.,  Abt.  1.  43 


650  H.  Keidel, 

sich  als  immer  komplizierter  heraus.  Erlauben  Sie  mir  deshalb, 
daß  ich  auch  über  diesen  Gegenstand  einiges  in  diesem  Briefe 
berichte. 

Die  Eruptivgesteine,  die  Roth  am  Lago  Musters  und  in 
dessen  Umgebung  gesehen  hat,  sind  verschiedene  Tiefenge- 
steine. Olivinführender  Gabbro  kommt,  wie  es  scheint,  haupt- 
sächlich vor.  Auch  Wehrli,  der  Proben  davon  im  Museo  de  la 
Plata  gesehen  hat,  hat  sie  für  Gabbro  gehalten.  Ferner  finden 
sich  Gesteine  mit  Mandelsteinstruktur,  außerdem  schwer 
erkennbare  dichte  blaurote  Ergußgesteine,  wahrscheinlich 
Quarzporphyr. 

Roth  sagt  nun:  *Diese  Tiefen-  und  Ergußgesteine  haben 
die  wagrecht  liegenden  Dinosauriersandsteine  der  Kreide  und 
die  bunten  vulkanischen  Kreidestoffe  (»areniscas  abigarradas« 
Amegbino's)  sowie  die  Pyrotheriumschichten  des  unteren 
Tertiär  durchbrochen  und  gestört  und  es  sind  dabei  besonders 
Schleppungen  nach  oben  entstanden.  Alle  diese  Gesteine 
haben  aber  nichts  zu  tun  mit  den  andinen  Porphyriten  (der 
hauptsächlich  jurassischen  »Porphyrformation«  Darwin's), 
ebensowenig  die  Gesteine  der  Pampa  Central,  die  sicher  viel 
älter  sind  als  Jura.« 

Der  Zusammenhang  der  Tuffe  ist  nicht  erwiesen  und  es 
fehlen  bis  jetzt  die  Beweise  für  die  Ablenkung  der  Cordillere 
im  Tafelland.  Faltung  ist  hier  nicht  vorhanden,  sondern,  wo 
lokale  Störungen  auftreten,  sind  sie  durch  die  Eruption  im 
Tertiär,  in  Patagonien  auch  zur  Kreidezeit  entstanden.  Wahr- 
scheinlich haben  wir  es  mit  den  weit  verbreiteten  »Anden- 
gesteinen« Stelzner's  zu  tun,  die  sich  immer  deutlicher  als 
Jungtertiär  herausstellen  und  die  vielleicht  entstanden  sind  zu 
der  Zeit  der  letzten  großen  Bewegungen. 

Aber  auch  die  Untersuchung  der  alten  Sierren  in  der 
Provinz  Buenos  Aires  läßt  immer  deutlicher  Verhältnisse  er- 
kennen, die  sich  schwer  mit  der  Ablenkung  der  Cordillerenzüge 
nach  Südosten  vereinigen  lassen. 

Schiller  hat  namentlich  die  Zusammensetzung  und  den 
Bau  der  Sierra  de  Pillahuincö  untersucht  und  er  hat  mir  ein 
flüchtig  skizziertes  Profil  gegeben,  das  ich  hier  ohne  Richtigkeit 
der  Maßverhältnisse  abzeichne. 


Bau  der  argentinischen  Anden. 


651 


Nördlich  von  derStationTornquist  sieht  man  beinahe  andern 
Fuß  der  Sierra  de  la  Ventana  alten  Granit.  Dann  folgt  der 
gefaltete,  aber  im  ganzen  nach  Süden  einfallende  Ouarzit  der 
Sierra,  der  in  Tres  Picos  in  der  Linie  des  Profils  1280  ni  Höhe 
erreicht.  Nun  steigt  man  in  das  breite  Tal  des  Rio  Sauce 
Grande  hinab.  Am  nördlichen  Fuße  der  Sierra  de  la  Ventana 
beobachtet  man  alten  Tonschiefer,  der  unter  den  Quarzit  nach 
Süden  einfällt.  Dieser  Tonschiefer  setzt  den  ganzen  breiten 
Talboden  zusammen.  Auf  der  linken  Talseite  trifft  man  am 
südlichen  Abfall  der  Sierra  de  Pillahuincö  altes  Konglomerat, 
darauf  folgt    bei    der    Station   Peralta    noch    einmal    derselbe 


SW. 

S"'CwrvmaLaL 

Alfulfti  iAijuas  Blnnc/jsj 


Grtuilt  n.Agnirre. 

Slf. 

nririU .  v-  il.Sl .  Tomifuist 


n  (L  :C  Iv 


S'^äela  Ventanaj 
SPicos 


.'i°~Brax)arä, 


K.O. 


KnjstaUUt  ? 

■''  ff  o  Im,'  her  ff 

S'^-de  Oaüj-uffueyni  vn 

nManovi,  •■'  "■ 

\  Sierra  de  Pilluhuinco 

!  Rio  Sauce  Grande  «./'«■olto.  .■St.Su-fßnann. 


Quarzit!     /nri/staHin? 


Tonschiefer  wie  am  Rio  Sauce  Grande,  dann  dehnt  sich  nach 
Norden  die  weite  lößbedeckte  Pampa  aus.  Dies  Profil  ist  von 
der  Station  Tornquist  im  Süden  bis  zu  der  Station  Stegmann 
im  Norden  ungefähr  40  km  lang.  Der  Granit  im  Süden  war 
Hauthal  noch  unbekannt;  er  ist  erst  in  diesem  Jahre  von 
Roth  gefunden  worden.  Es  ist,  wie  mir  Schiller  sagt,  durch- 
aus derselbe  Granitwie  bei  Sierra  Chica  und  Olavarria.  Hier  bildet 
er  aber  auf  weiten  Strecken  die  Unterlage  der  alten  Sedimente 
und  bei  Sierras  Bayas  und  in  der  Pampa  habe  ich  selber  den 
Ventanaquarzit  in  transgressiver  Lagerung  darüber  gesehen. 
Das  jüngste  Glied  der  Schichtenfolge  in  der  Linie  des 
Profils  ist  das  Konglomerat.  Es  enthält  zahlreiche  Gerolle  des 
Granits,  Quarzits  und  auch  des  Tonschiefers.  Das  hat  Hauthal 

43* 


652  H.  Keidel, 

schon  zum  Teil  erwähnt,  aber,  wie  es  scheint,  auch  geglaubt, 
daß  die  Quarzitgerölle  nicht  vom  Ventanaquarzit,  sondern  von 
einem  älteren  Horizonte  stammten.  Das  ist  nun  aber  nicht  der 
Fall.  In  Wirklichkeit  gibt  es  nur  den  Ventanaquarzit.  Unter 
dieser  Voraussetzung  sieht  Schiller  in  der  Schichtenfolge  des 
Profils  eine  große,  nach  Süden  einfallende  Mulde,  deren  Kern 
das  Konglomerat  ist. 

Der  nördliche  Flügel  dieser  Mulde  legt  sich  wahrscheinlich 
auf  kristallinische  Gesteine,  auf  Gneis  oder  Granit,  wie  in  der 
Sierra  de  Guitrugueyu.  Ganz  ähnliche  Verhältnisse  findet  man  in 
der  Sierra  de  Bravard.  Hier  ist  im  Süden  der  Granit  bei  Aguas 
blancos  durch  Aguirre  bekannt  geworden  und  auf  der  nörd- 
lichen Seite  der  Sierra  legt  sich  der  Quarzit  sehr  wahrscheinlich 
auch  auf  kristaUinische  Gesteine.  Dies  läßt  sich,  abgesehen  von 
den  Verhältnissen  in  der  Sierra  de  Guitrugueyu,  am  nördlichen 
Rande  dieser  Sierren  nicht  sicher  nachweisen.  Zum  Teil  werden 
die  kristallinischen  Gesteine,  zum  Teil  selbst  die  alten  Sedimente 
des    nördlichen    Flügels    durch   die    Pampabildungen    bedeckt. 

Sehr  bemerkenswert  ist  aber  das  Erscheinen  des  alten 
Granits  im  Süden. 

Hauthal  kannte  ihn,  wie  gesagt,  an  derVentana  noch  nicht. 
Nirgends  sieht  man,  so  sagt  mir  Schiller,  Spuren  einer  Intru- 
sion,  dagegen  ist  die  Übereinstimmung  mit  den  alten  Graniten 
weiter  nördlich  vollständig.  Und  so  schließt  Schiller,  daß  der 
Granit  bereits  abgetragen  war,  als  die  Dislokationen  vor  sich 
gingen  und  daß  er  nach  Norden  auf  die  alten  Sedimente  über- 
schoben worden  ist. 

Wenn  dies  alles  richtig  ist,  so  weisen  die  Überkippung 
der  Mulden  und  Sättel  und  die  Überschiebung  des  Granits  auf 
eine  aus  Südwesten  gekommene  Kraft. 

Hauthal  hat  Schiller  nach  Mitteilung  dieser  Ergebnisse 
geantwortet,  daß  er  früher  am  nordöstlichen  Abfall  der  Sierra 
de  la  Ventana  auch  Erscheinungen  gesehen  hätte,  die  ganz  gut 
als  Überschiebungen  gedeutet  werden  könnten,  er  hätte  sie 
damals  aber  anders  aufgefaßt. 

Nun  hat  Hauthal  schon  hervorgehoben  und  Schiller  be- 
stätigt es,  daß  in  der  Sierra  de  Ventana  und  den  benachbarten 
Sierren  ein  nach  Norden  konvexer  Bogen  vorliegt. 


Bau  der  argentinischen  Anden.  653 

Hauthal  glaubt  in  dem  alten  Quarzit  Arthrophycus  Har- 
lani  Hall  gefunden  zu  haben.  Herr  Dr.  Stappenbeck,  der  seit 
Monaten  in  der  Provinz  San  Juan  in  den  pampinen  Sierren 
arbeitet,  hat  mir  gesagt,  daß  die  Dolomite  und  dolomitischen 
Kalke,  die  bei  Sierras  Bayas  über  dem  Quarzit  liegen,  voll- 
ständig übereinstimmen  mit  gewissen  Dolomiten  und  dolomi- 
tischen Kalken  des  Silurs  in  San  Juan. 

Nun  sind  ja  östlich  von  der  Cordillere  seit  dem  Devon 
keine  älteren  einigermaßen  küstenfernen  marinen  Absätze 
"bekannt;  sehr  wahrscheinlich  ist  hier  seit  langem  wie  in  allen 
Gebieten  östlich  von  der  Cordillere  und  in  großen  Teilen  der 
Cordillere  selbst  Festland  gewesen.  Aber  auch  die  Dislokationen 
besitzen  sehr  wahrscheinlich  hohes  Alter  und  seitdem  sind 
nur  geringe  Störungen  eingetreten. 

Kreide  und  Tertiär  bedecken  den  größten  Teil  des  argen- 
tinischen Gebietes.  Man  kennt  das  Wirbeltiere  führende  Tertiär 
von  Tarija  in  Bolivien,  die  roten  Bildungen  der  Formaciön 
petrolifera  auf  großen  Strecken  in  den  Provinzen  Salta  und 
Jujuy,  in  Paraguay  die  guaranitische  Formation,  die  bis  nach 
Patagonien  hinunter  vorhanden  ist.  Diese  Bildungen  liegen 
flach  in  Patagonien,  in  Entre  Rios  und  in  Paraguay;  sie  treten 
aber  überall  hervor,  wo  die  jungtertiären  Störungen  sie  getroffen 
haben  oder  die  Erosion  sie  tief  angeschnitten  hat,  aber  nie 
sind  sie  in  der  Provinz  Buenos  Aires  oder  in  deren  Umgebung 
gesehen  worden.  Daß  sie  aber  auch  hier  wirklich  vorhanden 
sind,  beweist  eine  Bohrung  bei  Rancul  in  der  Pampa  Central 
(an  der  Grenze  gegen  Buenos  Aires),  wo,  wie  Roth  sich  über- 
zeugt hat,  in  200  w  unter  dem  Pampa-Löß  Dinosauriersandstein 
erbohrt  worden  ist.  Roth  bemerkt  sehr  richtig,  daß  diese 
Bildungen  auch  in  den  Sierren  der  Provinz  Buenos  Aires  zum 
Vorschein  kommen  müßten,  wäre  die  Faltung  dort  nicht  sehr  alt. 

In  diesen  Sierren  haben  wir  also  ein  interessantes  Gebiet 
vor  uns;  ein  altes  Faltengebirge,  in  dem  die  ursprüngliche 
Tektonik  nicht  durch  jüngere  Störungen  verwischt  worden  ist. 
Vielleicht  ist  dies  auch  das  einzige  bekannte  Gebirge  in  Süd- 
amerika von  halbwegs  Alpentypus,  denn  die  Cordillere  ist  ein 
Komplex  von  Störungsgebieten,  worin  zweifellos  sehr 
verschiedene  Teile  von  sehr  verschiedenem  Alter  vorhanden  sind. 


654  H.  Keidel, 

Ich  kenne  zwar  nur  einen  kleinen  Teil  der  argentinischen 
Cordillere  aus  eigener  Anschauung,  nämlich  die  Paramillos 
bei  Mendoza  und  Teile  der  Provinzen  Salta  und  Jujuy. 
Was  ich  hier  aber  gesehen  habe,  bringt  mich,  zusammen  mit 
dem,  was  mir  Schiller  und  Stappenbeck  mitgeteilt  haben, 
zu  der  Ansicht,  daß  für  große  Teile  der  östlichen  Cordilleren- 
züge  von  Faltung  (der  sogenannten  Hauptfaltung)  nicht  die 
Rede  sein  kann.  Die  Untersuchungen  Stappenbeck 's  in  der 
Provinz  San  Juan  lassen  immer  deutlicher  erkennen,  daß  der 
Typus  der  Dislokationen  in  den  pampinen  Sierren  und  auf  der 
östlichen  Seite  der  Cordillere  die  großen  Brüche  sind.  Über- 
raschend ist  die  Häufigkeit  der  langen  Grabenbrüche  in  der 
Richtung  der  Cordillere  und  die  Häufigkeit  und  Größe  der 
Querbrüche  und  immer  deutlicher  treten  dazwischen  die  Horste 
hervor.  Dieselbe  Erscheinung  wiederholt  sich  im  Süden. 

Schiller  hat  die  großen  Querstörungen  südlich  vom 
Aconcagua  gesehen;  ich  selber  kenne  sie  aus  den  Paramillos. 
Die  Stadt  Mendoza  liegt  an  dem  östlichen  Rande  eines  großen 
Bruchfeldes  und  die  heißen  Quellen,  die  östlich  von  der  Stadt  bei 
den  letzten  großen  Erdbeben  entstanden  sind,  liegen  genau 
auf  den  Linien  der  großen  Querbrüche,  wovon  große  Teile  der 
alten  Gesteine  in  den  Paramillos  nach  Süden  zur  Tiefe  ver- 
sinken. Ich  glaube,  daß  man  schwerlich  ein  schulmäßigeres 
Beispiel  für  Torsionssprünge  finden  könnte  als  bei  den  Kohlen- 
gruben von  Salagasta,  30  km  nördlich  von  Mendoza,  wo  die 
äußersten  Kulissen  des  Paläozoicums  nach  Süden  unter 
Rhät  und  jungen  Bildungen  verschwinden.  Auf  dieselbe  Weise 
endigen  die  pampinen  Sierren  in  den  Provinzen  San  Juan  und 
La  Rioja  und  die  breiten  Züge  der  archäischen  und  paläozo- 
ischen Gesteine  der  Provinzen  Salta  und  Jujuy  in  Tucumän 
und  Catamarca. 

Besonders  deutlich  sieht  man  in  den  Provinzen  Salta  und 
Jujuy  in  den  östlichen  Randketten  der  Cordilleren,  daß  die 
alten  Stücke  des  Gebirges  während  der  letzten  großen  Bewe- 
gungen nicht  mehr  von  Faltung  getroffen  worden  sind.  Ich  bin 
im  November  von  einer  Reise  zurückgekehrt,  die  mir  die 
Gelegenheit  gegeben  hat,  größere  Strecken  dieses  Cordilleren- 
teiles  zu  sehen  und  ein  beschränktes  Gebiet  genauer  zu  unter- 


Bau  der  argentinischen  Anden.  bO'^ 

suchen.  Es  ist  mir  dabei  gelungen  Fossilien  zu  finden  und  mit 
deren  Hilfe  die  Altersfolge  der  Sedimente  und  damit  den  Bau 
des  Gebirges  östlich  von  dem  Kamme  der  Sierra  de  Zenta  (bei 
Iruya)  zu   erkennen.   Präkambrische  Phyllite  und  Grauvvacken 
sind  hauptsächlich  vorhanden;  dann  sieht  man  weit  verbreitet 
roten  und  violetten,  wahrscheinlich  unterkambrischen  Quarzit, 
dessen    Schichtenflächen     an    vielen     Stellen    Wellenfurchen 
zeigen.   Darüber   folgen  verhärtete   aber  bröckelig   zerfallende 
olivgrüne,  braunrote  und  violette  Mergel  mit  .zahlreichen  ein- 
geschalteten   Sandsteinbänken.    In    diesen     Bänken    kommen 
hornschalige  Brachiopoden,  Obolus,  Lingula  sehr  häufig  vor; 
einzelne  sind  ganz  erfüllt  davon.  Im  Hangenden  dieser  Schich- 
tenfolge schalten  sich  mehr  und  mehr  Tonschiefer  ein,  dann 
trifi't  man  auf  dunkle,  fast  schwarze  Tonschiefer,  die  vereinzelte 
Brachiopoden  und  zahlreiche  Exemplare  von  Dictyonema  ent- 
halten. Zuletzt  findet  man  dunkle  Mergelschiefer  undTonschiefer 
mit  zahlreichen  Trilobiten  und  Zweischalern.  Dies  sind  wahr- 
scheinlich Bildungen  des  unteren  Silur.  Bis  hierher  ist  die  Schich- 
tenfolge der  kambrischen  Sedimente  mehr  als  1000  w   mächtig. 
Außer    diesen    ganz    alten    Bildungen    findet    man    noch 
leuchtend  rot  gefärbte   Sandsteine,  die   zum  Teil  in   Dolomite, 
zum  Teil  in  Konglomerate  übergehen.  Brackebusch  hat  sie 
auf  seiner   Reise   von  Victoria  nach  Iruya  gesehen  und   auf 
seiner  Karte  zur  Formaciön  petrolifera  gestellt.   Ob  diese  Be- 
stimmung in  diesem  Falle  richtig  ist,  vermag  ich  nicht  zu  ent- 
scheiden, da  ich  in  den  Sandsteinen  keine  Fossilien  habe  finden 
können.  Wie  dem  nun  aber   auch  sei,  so  sieht  man  jedenfalls 
in  den  tiefen  Quertälern,,  in  denen  ein  Teil  der  Quellflüsse  des 
Rio  Bermejo    auf  der  Ostseite  der  Sierra  de  Zenta  entspringt, 
daß  der  rote  Sandstein  mit  den  alten  Bildungen  in  Schuppen 
wiederkehrt.   Man  sieht  auch   verschieden   zusammengesetzte 
Schuppen.  In  der  tiefen   Furche  der  Quebrada  von  Iruya   den 
roten  Sandstein   mit   den    kambrischen   und   silurischen   Sedi- 
menten, in  den  oberen  Teilen  der  Quertäler  nahe  am  Kamme 
der  Sierra  de  Zenta  den  unterkambrischen  Quarzit    mit    den 
präkambrischen    Phylliten    und    Grauwacken.    Zwischen    dem 
wasserscheidenden    Kamme    der    Sierra    de    Zenta    und    der 
Quebrada   de    Iruya    fallen    in   einem  ungefähr  8  km  breiten 


Ö56  H.  Keidel, 

Streifen  die  nordsüdlich  streichenden  Sedimente  in  schuppenar- 
tiger Wiederholung  nach  Westen  ein.Im  Osten  wird  dieserStreifen 
durch  einen  großen  Längsbruch  begrenzt.  Noch  weiter  östlich 
bestehen  die  Randketten  der  Cordillere  aus  den  präkambri- 
schen  Phylliten  und  Grauwacken ;  westlich  von  dem  Kamme 
der  Sierra  de  Zenta  trifft  man  auf  die  langgestreckten  ruhigen 
Gewölbe  und  Mulden  der  alte  Gesteine  in  der  Umgebung  der 
Quebrada  de  Humahuaca.  In  dem  Streifen  der  Schuppen  bei 
Iruya  sieht  man  zahlreiche  große  und  kleine  Querstörungen; 
einige  davon  erreichen  ganz  beträchtliche  Größe.  Ich  habe 
solche  gesehen  (bei  der  Mine  Chacabuco),  die  in  der  ganzen 
Breite  der  Zone  sichtbar  sind  und  an  denen  die  horizontale 
Verschiebung  der  Sedimente  600  bis  800w  beträgt. 

Nördlich  von  Humahuaca  ist  das  Gebirge  stark  abgetragen 
worden.  Bei  Humahuaca  und  westlich  von  Negra  Muerta  sieht 
man  die  roten,  Dinosaurier  führenden  Sandsteine  der  Kreide 
in  4000  m  Höhe  sich  über  die  alten  Sedimente  ausbreiten. 
Bei  Negra  Muerta  ist  die  Landschaft  in  dem  abgetragenen 
Gebirge  überaus  einförmig  und  traurig.  In  einer  halben  Tag- 
reise erreicht  man  von  Negra  Muerta  aus  den  Übergang  über 
den  wasserscheidenden  Kamm  der  Sierra  de  Zenta  in  die 
Quebrada  von  Iruya.  Bis  dahin  sieht  man,  daß  die  abgetragenen 
alten  Felsarten  entweder  unter  einer  mächtigen  Decke  junger 
Bildungen  verschwinden  oder  in  ihrem  eigenen  Schutt  ersticken. 
Auf  der  Höhe  des  Überganges  ändert  sich  aber  das  Bild  voll- 
ständig. Man  sieht  im  Osten  in  dem  Bereich  der  Quellflüsse  des 
Rio  Bermejo  ein  wildes  Gebirgsland.  Die  Zusammensetzung  des 
Gebirges  ist  dieselbe  wie  im  Westen  und  auch  der  Betrag  der 
Abtragung  in  seinen  höheren  Teilen;  der  Bau  ist  aber  kompli- 
zierter und  die  Erosion  hat  in  den  engen  Quertälern  tiefe 
Furchen  geschaffen.  In  diesen  Furchen  nun  ^ieht  man  eine 
Schichtenfolge  von  jungen  Bildungen,  wie  sie  in  gleicher  Mäch- 
tigkeit, soweit  ich  unterrichtet  bin,  von  keinem  Punkte  der  Erde 
bekannt  ist. 

Diese  Bildungen  sind  durchwegs  fluviatilen  Ursprungs. 
Brackebusch  meint  zwar,  er  könne  sich  ihre  Ablagerung 
nicht  ohne  die  Mitwirkung  des  Eises  vorstellen,  aber  erstens 
sind  diese  Bildungen  überall  sehr  deutlich  geschichtet,  enthalten 


Bau  der  argentinischen  Anden.  657 

Stark  gerundete  GeröUe  sehr  widerstandsfähiger  Gesteine  von 
Quarzit  und  verkieselter  Grauwacke  und  dann  trifft  man  in 
diesem  Teile  der  Cordillere  selbst  in  Höhen  über  4000  w  nicht 
eine  Spur  von  echten  Glazialbildungen.  Die  jungen  Bildungen 
sind  kontinentale  Auffüllungen,  entstanden  am  Ende  des 
Pliozän  und  während  des  Quartärs.  Sie  entsprechen  in  ihren 
älteren  Teilen  den  Jujuy-Schichten  Steinmann's,  die  z.  B.  in 
der  benachbarten  Quebrada  de  Humahuaca  als  bunt  oder  grau- 
weiß gefärbte,  stark  tonige  oder  mergelige  mürbe  Sandsteine 
in  geschlossenen  Becken  abgesetzt  worden  sind,  nach  oben 
aber  mehr  und  mehr  in  lockere  Bildungen  von  konglomerat- 
artiger Beschaffenheit  übergehen.  Wo  stets  fließendes  Wasser 
vorhanden  war,  wie  in  dem  Bereich  der  Ouelltäler  des  Rio 
Bermejo,  sieht  man  nur  grobklastische  Bildungen,  in  den  zeit- 
weilig geschlossenen  Becken  der  großen,  weiten  Längstäler 
bunte,  mürbe  Sandsteine  an  der  Basis  derselben  Bildungen. 
Hierin  zeigt  sich  eine  überraschende  Übereinstimmung  mit 
zentralasiatischen  Verhältnissen.  Die  bunten  Bildungen  stimmen 
vollständig  überein  mit  denen  des  Issykkul,  der  Becken  des 
Tekes  und  des  Kegen,  die  grobklastischen  Bildungen  mit  den 
»gravels«  Stoliczka's  im  Tojuntal  und  an  so  viel  anderen  Orten 
des  Tian-Schan. 

An  anderen  Stellen  der  Cordillere,  z.  B.  an  den  Rändern 
der  pampinen  Sierren  oder  an  dem  östlichen  F\iße  der  Para- 
millos  bei  Mendoza,  findet  man  dieselben  grobklastischen  Bil- 
dungen, wenn  auch  bei  weitem  nicht  in  so  großer  Mächtigkeit 
wie  auf  der  östlichen  Seite  der  Sierra  de  Zenta.  Dagegen  sind 
sie  zum  Teil  stark  disloziert  worden  und  sie  verraten  dadurch, 
daß  noch  sehr  späte  Bewegungen  stattgefunden  haben.  Eine 
meiner  Aufnahmen  zeigt  diese  Bildungen,  die,  nördlich  von 
Mendoza,  sich  mit  steilem  westlichen  Einfallen  über  weiß- 
graue rhätische  Mergel  legen. 

Die  jungen  Bildungen  in  dem  Gebiet  der  Quellflüsse  des 
Rio  Bermejo  liegen  aber  ungestört.  Die  Tatsache,  daß  in 
diesem  Teile  der  Cordillere  die  jungen  Bildungen  auf  einer 
beträchtlichen  Fläche  des  Gebirges  die  nach  Osten  gegen  den 
Chaco  geöffneten  alten  Furchen  der  Quertäler  ausgefüllt  und 
einen  großen  Teil  der  alten  Oberfläche  des  Gebirges  verhüllt 


658  H.  Keidel, 

haben,  daß  dann  die  Erosion  den  alten  Linien  mit  geringen 
Abweichungen  wiederum  gefolgt  ist,  läßt  darauf  schließen,  daß 
hier  sehr  späte  Bewegungen  der  Masse  des  Gebirges  in 
vertikaler  Richtung  vor  sich  gegangen  sind.  Es  liegt  mir  ferne, 
bei  meinen  noch  geringen  Kenntnissen  dieser  Verhältnisse 
bestimmte  Schlüsse  zu  ziehen;  aber  es  erscheint  mir  fast  als 
notwendig,  eine  Bewegung  der  Masse  des  Gebirges  gegenüber 
den  Niederungen  anzunehmen,  und  zwar  nicht  nur  aufwärts, 
sondern  auch  abwärts.  Es  ist  nach  meiner  Ansicht  überaus 
schwierig  sich  vorzustellen,  daß  im  Angesicht  der  Niederung 
des  Chaco  eine  so  gleichmäßige  und  mächtige  Auffüllung  der 
alten  unversehrten  Talfurchen  durch  horizontal  gelagerte 
Schuttmassen  sollte  möglich  sein  ohne  eine  allmähliche 
Senkung  der  Unterlage. 


II. 

Lager  bei  Challao,  Provinz  Mendoza,  4.  März  1907. 

Die  Beobachtungen,  die  ich  in  den  letzten  zwei  Monaten 
habe  machen  können,  zeigen,  daß  in  den  östlichen  Randgebieten 
der  Cordillere  der  Provinz  Mendoza  die  Bewegung  aus  Westen 
gekommen  ist.  Dies  gilt,  wie  die  Beobachtungen  Dr.  Stappen- 
beck's  immer  deutlicher  zeigen,  auch  für  San  Juan.  Was  aber 
die  Virgation  betrifft,  so  muß  ich  mich  auf  das  beschränken, 
was  ich  in  meinem  Briefe  im  Dezember  gesagt  habe,  denn  mir 
fehlt  die  Anschauung  zu  sehr. 

Was  ich  nun  vor  allem  noch  einmal  berühren  möchte, 
sind  zwei  Dinge:  Die  Bewegungen  aus  Westen  und  die 
jungen  kontinentalen  Bildungen.  Vorher  möchte  ich  aber 
noch  das  Folgende  bemerken.  Ich  bin  heute  der  Meinung, 
daß  die  lebhaft  rot  gefärbten  Sandsteine,  die  bei  Iruya  die 
Schuppen  so  außerordentlich  deutlich  hervortreten  lassen, 
zu  Brackebusch'  »Formacion  petrolifera«  gehören,  also 
cretaceisch  sind.  Meine  Auffassung  der  stratigraphischen 
Verhältnisse  steht  aber,  wie  ich  weiß,  im  Widerspruch  mit  den 
Ergebnissen,  die  Herr  Prof.  Steinmann  während  seiner  letzten 
Reise   erhalten   hat.  Meine  Ansicht,   daß   Cambrium  in    großer 


Bau  der  argentinischen  Anden.  6o9 

Mächtigkeit  vorhanden  ist,  stützt  sich  vor  allem  auf  das  häufige 
Vorkommen  von  Obolus,  ganz  abgesehen  davon,  daß  das 
Untersilur  in  der  Auffassung  S  t  e  i  n  m  an  n's  in  sehr  verschiedener 
Ausbildung  in  derselben  Schichtenfolge  allein  und  in  ganz 
enormer  Mächtigkeit  vorhanden  wäre,  wollte  man  auch  die 
violetten  Röhrenquarzite  an  der  Basis  der  Obolus  fijhrenden 
Sandsteine  hinzufügen.  Da  ich  aber  nicht  weiß,  ob  Herr 
Prof.  Steinmann  normale  Profile  gesehen  hat,  ich  aber  in 
einer  Schuppenregion  gearbeitet  habe,  so  kann  ich  natürlich 
meine  Meinung  über  die  stratigraphischen  Verhältnisse  der 
alten  Bildungen  heute  noch  nicht  mit  der  wünschenswerten 
Sicherheit  begründen.  Mit  diesem,  durch  die  Verhältnisse 
gegebenen  Vorbehalte  bleibe  ich  also  bei  meiner  Auffassung. 
Dies  ist  aber  eine  Frage  von  untergeordneter  Bedeutung, 
solange  es  sich  hauptsächlich  um  die  Bewegungen  handelt. 
Die  Schuppen  sind  aber,  das  wiederhole  ich  mit  aller  Bestimmt- 
heit, ebenso  wie  die  großen  und  zahlreichen  kleinen  Querbrüche, 
sehr  deutlich  sichtbar. 

Nun  komme  ich  zu  den  Verhältnissen  in  Mendoza.  Ich 
habe  im  Jänner  das  Gebiet  der  Torsionsprünge  nördlich  von 
Mendoza  am  Cerro  Negro  genau  untersucht  und  zum  großen 
Teil  in  dem  Maßstab  1  :  5000  kartiert,  um  den  Zusammenhang 
möglichst  sicher  zu  erhalten.  Im  Februar  habe  ich  die  Sierra 
de  Uspallata  nach  verschiedenen  Richtungen  durchstreift  und 
namentlich  ihren  westlichen  Abfall  gegen  den  großen  Graben 
von  Uspallata  kennen  gelernt.  Was  ich  gesehen  habe,  zeigt, 
daß  die  Verhältnisse  am  Cerro  Negro  ein  sehr  deutliches 
Beispiel  in  kleinen  Verhältnissen  zu  den  viel  größeren  der 
Sierra  de  Uspallata  liefern.  Die  Art  der  Bewegung  tritt 
besonders  deutlich  in  dem  Gebiete  der  Gänge  des  Paramillo 
und  in  der  nördlichen  und  westlichen  Umrandung  des  Bruch- 
feldes von  Mendoza  hervor. 

Der  hauptsächliche  Typus  der  Dislokationen  ist  die  Quer- 
verschiebung. Dadurch  aber,  daß  zu  der  vertikalen  Bewegung 
die  horizontale  aus  Westen  kommende  getreten  ist,  ist  die 
Torsion  entstanden.  Man  kann  nicht  sagen,  daß  eigentliche 
Längsbrüche  vorhanden  sind,  sondern  zwischen  den  großen 
und    kleinen    Ouerverschiebungen    liegen    in    unregelmäßiger 


660  H.   Keidel, 

Anordnung  Verschiebungen,  die  die  paläozoischen,  rhätischen 
und  jüngeren  Bildungen  spitzwinkelig  zum  Streichen  ab- 
schneiden. So  ist  ein  komplizierter  Bau  entstanden.  Die  oro- 
graphischen  Grenzen  der  Sierra  de  Uspallata  liegen  nicht  im 
Streichen.  Die  Richtung  des  Gebirgsrandes  ist  z.  B.  auf  der 
Ostseite  Nordsüd,  das  Streichen  der  Sedimente  im  allge- 
meinen 20  bis  30°  Nordnordost.  Wo  die  Torsion  gut  sichtbar 
ist,  sieht  man  die  bogenartige  Krümmung  der  im  Westen 
zurückbleibenden  Schichten.  Das  tritt  besonders  an  den  freien 
Enden  der  Kulissen  hervor.  Hier  ist  die  horizontale  Bewegung 
so  stark  gewesen,  daß  längs  der  Krümmung  die  Überkippung 
oder  Überschiebung  eingetreten  ist,  so  daß  silurischer  Kalk 
und  paläozoische  Grauwacken  über  pflanzenführenden  rhäti- 
schen Mergeln  liegen. 

Nun  ist  die  Frage  nach  dem  Alter  dieser  Bewegungen 
zu  beantworten.  Hier  komme  ich  zu  den  jungen  fluviatilen 
Bildungen.  Überall,  wo  ich  bis  heute  die  Cordillere  betreten 
habe,  habe  ich  die  Spuren  zweier  verschiedener  Phasen  der 
Bewegung  gefunden.  Ich  sehe  dabei  aber  ab  von  alten  Bewe- 
gungen, wie  sie  in  den  Sierren  der  Provinz  Buenos  Aires  sichtbar 
sind,  deren  Spuren  aber  auch  in  den  pampinen  Sierren  und  in 
den  alten  Stücken  der  Cordillere  sichtbar  sein  mögen. 

Den  Bewegungen,  die  die  alten  Bildungen  und  die  roten 
Sandsteine  bei  Iruya  zu  Schuppen  zusammengepreßt  haben, 
sind  spätere  Bewegungen  gefolgt.  Die  Gänge  von  Hornblende- 
andesit  und  die  Kupferglanzgänge,  die  den  großen  Quer- 
verschiebungen bei  Iruya  folgen,  sind  durch  diese  Bewegungen 
zerschnitten  worden.  Diese  Bewegungen  haben  aber  nicht 
mehr  die  horizontal  gelagerten  Auffüllungen  getroffen,  wenn 
man  auch  bei  Negra  Muerta  in  diesen  Bildungen  in  den  Ein- 
schnitten der  Eisenbahn  kleine  Verschiebungen  beobachtet. 

Ich  würde  aber  nicht  mit  13estimmiheit  von  zwei  Phasen 
der  Bewegung  sprechen,  obgleich  ich  auch  hier  genügend 
Beobachtungen  habe,  wären  die  Verhältnisse  in  Mendoza  nicht 
noch  klarer. 

Hier  beobachtet  man  wie  im  Norden,  daß  in  den  östlichen 
Randgebieten  der  Cordilleren  seit  dem  Devon  nur  limnische 
und  kontinentale  Bildungen  entstanden  sind,  wenn  man  absieht 


Bau  der  argentinischen  Anden.  t)bl 

von  den  zum  Teile  mannen  Bildungen  der  »Formacion  petroli- 
fera«,  die,  wie  es  scheint,  nach  Süden  bis  Catamarca  reichen. 
Die  letzten,  zweifellos  marinen  Bildungen  in  San  Juan  sind 
devonischen  Alters.  Sie  enthalten  in  der  Schichtenfolge,  woraus 
die  von  Bodenbender  gesammelten  Fossilien  stammen,  auch 
Graptolithen,  was  Dr.  Stappenbeck  vor  kurzem  hat  feststellen 
können.  Darüber  trifft  man  weit  verbreitet  Sedimente  ver- 
schiedenen Alters  mit  vorwiegend  rötlicher  Färbung.  Es 
sind  die  pflanzenführenden  Sedimente  des  Culm,  die  permo- 
karbonischen  und  triadischen  Sandsteine  Bodenbender's, 
dann  die  rhätischen  Pflanzen  und  Esiherien  führenden  Arkosen 
und  iMergel,  dann  sehr  lebhaft  rot  gefärbte  Sandsteine  von 
wahrscheinlich  jungmesozoischem  Alter.  Darüber  folgt  eine 
mächtige  Schichtenfolge  von  mürben,  meist  graubraun  oder 
röflichbraun  gefärbten  Sandsteinen  und  Arkosen,  deren  Material 
hauptsächlich  aus  Andesiten  und  deren  Tuffen  stammt. 
Bodenbender,  der  diesen  Sandsteinen  tertiäres  Alter  zu- 
schreibt, trifl't  mit  dieser  Vermutung  sehr  wahrscheinlich  das 

Richtige. 

Die  jüngsten  Ablagerungen  sind  fluviatile,  zum  größten 
Teile  grobklastische  Bildungen,  die  dieselbe  Beschaffenheit 
haben  wie  die  Jujuy-Schichten  Steinmann's. 

Dies  sind  die  äußersten  Umrisse  einer  langen  Geschichte 
kontinentaler  Verhältnisse.  Es  ist  nicht  zu  leugnen,  daß  die 
bisherigen  Ergebnisse  eine  nochmalige  genaue  Prüfung  ver- 
langen und  daß  eine  eingehende  Untersuchung  und  Ver- 
glerchung  der  verschiedenen  Gebiete  zu  gesicherten,  aber  auch 
etwas  geänderten  Ergebnissen  führen  würden;  denn  wir  kennen 
gar  nicht  die  Größe  der  Lücken,  die  den  Zeiten  der  Abtragung 

entsprechen. 

Bei  den  jungen  fluviatilen  Bildungen,  den  Jujuy-Schichten 
Steinmann's  oder  tertiär-pampeanen  Schichten  Boden- 
bender's muß  man  zwei  Facies  unterscheiden.  Man  trift't  sie  in 
Salta  und  Jujuy  und,  wie  die  Untersuchungen  Stappenbeck's 
zeigen,  auch  an  den  Rändern  der  Präcordilleren  und  pampinen 
Sierren  in  San  Juan. 

Die  eine  Facies  besteht  aus  hell  gefärbten,  grauweißen, 
gelblichen  und  rötlichen  Mergeln  und  mürben  Sandsteinen,  die 


062 


H.   Keidel, 


nach  oben  in  grobklastische  Bildungen  übergehen;   die  andere 
besteht  nur  aus  diesen. 

Wo  das  transportierende  Wasser  die  Niederungen  erreicht 
hat  oder  in  den  weiten  Talbecken  der  schwach  fallenden 
Längstäler  zur  Ruhe  gekommen  war,  sind  die  bunten  Sedimente 
abgelagert  worden.  Wo  aber  immer  nur  stark  strömendes 
Wasser  vorhanden  war,  sieht  man  die  grobklastischen  Bildungen. 
Deshalb  findet  man  diese  an  den  Stellen  der  alten  Ab- 
dachungen und  in  den  jungen,  stark  fallenden  Quertälern, 
die  gegen  die  weiten  Niederungen  der  Pampa  oder  des  Chaco 
geöffnet  sind. 

Die  untere  Altersgrenze  dieser  Bildungen  zu  bestimmen, 
wird  solange  kaum  möglich  sein,  als  Fossilien  fehlen  werden. 
Doch  geben  deren  Beschaffenheit  und  die  Verknüpfung  mit 
den  jüngsten  fluviatilen  Bildungen  einige  Anhaltspunkte  für  die 
Ermittlung  des  ungefähr  zutreffenden  Alters. 

Die  Tatsache,  daß  diese  Bildungen  bis  in  ihre  jüngsten 
Glieder  auf  großen  Strecken  des  Cordillerenrandes  disloziert 
worden  sind,  an  anderen  Stellen  dagegen,  wie  in  dem  Quell- 
gebiete des  Rio  Bermejo,  horizontal  liegen,  zeigt  die  Kom- 
pliziertheit der  Verhältnisse. 

Dies  ist  der  wichtigste  Punkt,  worauf  ich  einzugehen  habe. 
Über  die  Herkunft  dieser  Bildungen  mögen  Zweifel  bestehen. 
Frühere  Beobachter  haben  sie  zum  Teile  für  glazial  erklärt, 
z.  B.  Bodenbender  bei  Mendoza,  und  auch  Steinmann  ist 
geneigt,  sie  in  Salta  und  Jujuy  als  fluvioglaziale  Bildungen 
zu  deuten. 

Ich  zweifle  aber,  daß  diese  Ansicht  allgemeine  Gültigkeit 
haben  kann  und  daß  sie  für  die  jungen  Bildungen  an  dem 
östlichen  Rande  der  Sierra  de  Uspallata  nicht  zutrifft,  läßt  sich 
mit  Sicherheit  beweisen. 

Die  Beschaffenheit  der  Bildungen  selbst  verrät  den  glazialen 
Ursprung  nicht. 

Es  besteht  nun  zwischen  den  grobklastischen  Jujuy- 
Schichten  in  Salta  und  Jujuy,  den  tertiär-pampeanen  Schichten 
in  San  Juan  und  Rioja  und  den  Schuttmassen  am  Fuße  des 
Gebirges,  die  durch  Vereinigung  riesiger  Schuttkegel  entstehen, 
weder  ein  Unterschied  in  der  Zusammensetzung  des  lockeren 


Bau  der  argentinischen  Anden.  "t)d 

Bindemittels  noch  in  der  Härte.  Man  kann  nur  sagen,  daß  ein 
quantitativer  Unterschied  vorhanden  ist. 

Ich  habe  es  zu  meiner  Aufgabe  gemacht,  die  Ausdehnung 
der  alten  Vergletscherung  in  dem  auf  meiner  jetzigen  Reise  be- 
suchten Gebiete  aus  den  Formen  nachzuweisen.  Das  Material, 
das  ich  heute  habe,  reicht  aus,  zu  zeigen,  daß  die  Spuren  der 
ehemaligen  Vergletscherung  in  der  östlichen  Randkette  der 
Hauptcordillere  zwischen  dem  Rio  Mendoza  und  dem  Rio  de 
los  Patos  in  der  Höhenzone  zwischen  4000  und  5000  m  liegen, 
und  zwar  in  der  Gestalt  von  schneefreien  Karen  und  von 
Taltrögen  im  Sinne  Richter's  mit  deutlich  ausgeprägter 
Schulter.  Die  heutige  Vergletscherung  beginnt  aber  erst  über 

5000  m  Höhe. 

Man  findet  aber  keine  Spur  einer  Vergletscherung  auf  der 
Höhe  der  Sierra  de  Uspallata,  die  von  der  östlichen  Randkette 
der  Hauptcordillere  durch  den  Graben  von  Uspallata  getrennt 
wird.  Man  sieht  weder  ein  Kar  noch  einen  Taltrog,  sondern 
man  findet  in  der  Höhe  von  ungefähr  3000  m  einen  flach 
gewölbten,  von  niedrigen  gerundeten  Höhen  überragten  Rücken. 
Nichts  deutet  darauf,  daß  alte  Moränen  vorhanden  sind,  weder 
die  entsprechenden  Formen  noch  Seen,  für  deren  Vorkommen 
die  topographischen  Verhältnisse  sonst  günstig  wären;  vielmehr 
zeigt  der  Name  »Pampa  seca«  die  große  Trockenheit  der  weiten 
Flächen  an,  die  sich  in  dieser  Höhe  ausdehnen.  Und  doch  fehlt 
es  im  Sommer  nicht  an  reichlichen  Niederschlägen  und  im 
Winter  liegt  die  Pampa  unter  Schnee.  Nur  wo  die  Erosion  von 
den  tief  gelegenen  Niederungen  des  südöstlichen  und  östlichen 
Randes  her  eingreift,  findet  man  eine  reichere  Gliederung,  die 
aber  die  Wirkung  des  fließenden  Wassers  und  den  Mangel  der 
AbSpülung  erkennen  läßt. 

Die  jüngeren  grobklastischen  Bildungen  auf  der  östlichen 
Seite  der  Sierra  de  Uspallata  stammen  nicht  von  deren  west- 
licher Seite,  nicht  aus  dem  Gebiete,  das  den  ehemalig  und  heute 
vergletscherten  Teilen  des  Gebirges  nahe  liegt.  Das  ergibt  sich 
aus  den  jetzigen  Verhältnissen  mit  absoluter  Sicherheit. 

Wollte  man  aber  sagen,  es  träfe  zu  für  die  älteren,  stark 
dislozierten  Bildungen  unter  wahrscheinlich  anders  be- 
schaffenen  orographischen  Verhältnissen  und  wollte  man  sie 


664 


H.  Keidel 


als  fluvioglaziale  Bildungen  betrachten,  so  käme  man  zu  den 
folgenden  Schlüssen:  entweder  es  hat  eine  Vergletscherung  im 
Pliozän  gegeben,  denn  Pliozän  scheint  mir  für  diese  Bildungen 
die  unterste  Altersgrenze  zu  sein  oder  aber  die  heute  sicht- 
baren tektonischen  Verhältnisse  sind  zum  großen  Teil  im 
Quartär  oder  gar  am  Ende  des  Quartärs  entstanden. 

In  Wirklichkeit  liegen  die  Verhältnisse  sehr  wahrscheinlich 
so,  daß  die  jungen  Bildungen  im  Pliozän  beginnen,  fast  aus- 
schließlich fluviatil  sind,  aber  in  der  Nähe  der  alten  und 
heutigen  Vergletscherung  in  gewissen  Teilen  des  Gebirges 
auch  fluvioglaziales  Material  enthalten.  Dies  ist  aber  aus- 
geschlossen für  die  hier  besprochenen  Gebiete:  für  den  öst- 
lichen Rand  der  Sierra  de  Uspallata  und  das  Gebiet  der  Quell- 
flüsse des  Rio  Bermejo. 

Der  Vorgang  der  Bildung  wird  früher  so  gewesen  sein, 
wie  wir  ihn  heute  bei  der  Aufschüttung  der  schiefen  Ebenen 
am  Fuße  des  Gebirges  und  der  großen  Schuttkegel  in  den 
Längstälern  beobachten  können.  Die  Masse  des  transportierten 
Materiales  ist  groß,  aber  der  zurückgelegte  Weg  ist  kurz.  Es 
ist  das  starkströmende  Wasser  der  periodischen  heftigen 
Regen  in  den  Trockengebieten,  das  diese  Massen  anhäuft.  Wie 
groß  die  zerstörende  Gewalt  dieser  Regen  ist  und  wie  groß  die 
Menge  des  transportierten  Materiales  ist,  habe  ich  selbst  zwei- 
mal während  starker  aber  kurzer  Gewitter  bei  Iruya  beob- 
achten können. 

Wo  vorher  in  den  kleinen  engen  Nebentälern  kein  Tropfen 
Wasser  rinnt,  wälzt  sich  nach  einem  Gewitter  eine  oder  zwei 
Stunden  lang  ein  brausender  schmutziger  Strom,  die  ge- 
fürchtete »cresciente«.  Wo  aber  das  Wasser  die  Sohle  der 
größeren  Längs-  und  Quertäler  erreicht,  aus  seinem  engen 
Bette  heraustritt  und  sich  ausbreitet,  hinterläßt  es  große 
Massen  des  sogenannten  »barro«,  eines  beweglichen,  brei- 
artigen Gemenges  von  feinem  Detritus  und  Gerollen.  Die 
Überschreitung  dieser  Massen,  die  oft  die  ganze  Breite  des 
Tales  einnehmen,  ist  kurz  nach  ihrer  Aufschüttung  oft  ebenso 
gefährlich  oder  unmöglich  wie  die  Überschreitung  eines 
Moores.  Es  ist  nicht  selten,  daß  in  den  nördlichsten  Provinzen 
in    der    Randzone    der    Cordillere    größere    Täler   oder    auch 


Bau  der  argentinischen  Anden.  665 

größere  Gebiete  während  der  Regenzeit  tage-  zuweilen  auch 
wochenlang  dadurch  vom  Verkehr  abgeschnitten  werden. 

Der  »barro«  läßt  sich  aber  weder  mit  den  Schlammassen 
der  Muren  noch  mit  den  Schuttmassen  der  Wildbäche  ver- 
gleichen. Er  enthält  viel  feines  Material  und  zeigt  kaum  irgend 
welche  Aufbereitung.  Er  setzt  in  den  oben  erwähnten  Gebieten 
wohl  einen  großen  Teil  der  Aufschüttungen  in  den  Tälern  zu- 
sammen. Die  Schuttabdachungen  an  den  Rändern  des  Gebirges 
enthalten  mehr  GeröUe;  hier  geht  die  Aufbereitung  weiter  und 
die  feinen  Bestandteile  werden  in  die  Tiefe  der  Niederungen 
geführt. 

Es  ist  klar,  daß  periodisch  strömendes  Wasser,  wenn  es 
den  größten  Teil  des  transportierten  Materials  schon  nach 
kurzem  Wege  fallen  läßt,  später,  wenn  die  Aufschüttungen  an- 
gewachsen sind,  diese  erst  recht  nicht  mehr  bewältigen  kann. 
Dazu  kommt,  daß  auch  in  den  breiteren  Tälern  das  Wasser 
hauptsächlich  linear  wirkt.  Es  ist  so  mit  Material  beladen,  daß 
eine  geringe  Verminderung  des  Gefälles  oder  eine  geringe 
Weitung  seines  Bettes  schon  genügt,  einen  großen  Teil  davon 
niederzuschlagen. 

Der  »barro«  läßt  sich,  was  seine  Beschaffenheit  betrifft, 
am  besten  mit  den  Schlammoränen  vergleichen.  Einen  Unter- 
schied gibt  aber  die  Schichtung. 

Das  Kennzeichnende  seiner  Entstehung  sind  der  geringe 
Transport  und  die  geringe  Aufbereitung.  Und  da  seine  Auf- 
schüttung nicht  durch  gelegentliche,  durch  längere  Zeit- 
abschnitte getrennte  Regengüsse,  sondern  in  der  warmen 
Jahreszeit  mit  großer  Regelmäßigkeit  erfolgt,  so  ist  seine 
große  Mächtigkeit  verständlich.  Sie  ist  eine  Folge  derselben, 
lange  Zeit  dauernden  klimatischen  Verhältnisse. 

Was  mir  aber  außerhalb  dieser  Verhältnisse  zu  liegen 
scheint,  ist  der  Wechsel  zwischen  der  lange  Zeit  dauernden 
Aufschüttung  sehr  tiefer  Talfurchen  und  der  abermaligen  Ein- 
schneidung derselben  Täler  in  die  Aufschüttungen.  Die  kom- 
plizierten Verhältnisse  der  Aufschüttung  so  mächtiger  Massen 
in  engen  Tälern  sind  wohl  noch  unbekannt;  aber,  obgleich 
die  klimatischen  Verhältnisse  kaum  wesentlich  verändert 
worden  sind  und  die  Aufschüttung  nie  ausgesetzt  hat,  so  ist 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Kl. ;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  44 


666  H.   Keidel, 

doch  die  große  Veränderung  der  Gefällsverhältnisse  unzweifel- 
haft durch  die  zweite  Austiefung. 

Ich  glaube,  daß  hier  vertikale  Bewegungen  vor  sich  ge- 
gangen sind.  Ich  lasse  mich  bei  dieser  Überlegung  nicht  durch 
die  physiographische  Betrachtung  allein  leiten,  sondern  haupt- 
sächlich durch  die  lehrreichen  Verhältnisse  in  San  Juan  und 
Mendoza. 

Die  physiographische  Methode  muß  diesen  Fall  zu  isoliert 
"behandeln,  aber  die  genauere  Verfolgung  der  jüngsten  tektoni- 
schen  Vorgänge  in  anderen  Teilen  der  Cordillere  fi_ihrt,  glaube 
ich,  zu  der  Erklärung. 

Die  zum  größten  Teil  rein  tluviatile  Entstehung  der 
jungen  Bildungen  ist  also  kaum  zweifelhaft.  Es  fehlt  damit 
aber  auch  der  einzig  sichere  Anhaltspunkt  zur  Bestimmung 
des  Alters  eines  Teiles  dieser  Bildungen  durch  die  Ver- 
knüpfung mit  den  Gebieten  alter  glazialer  Erosion,  und  auf  der 
anderen  Seite  wird  die  Vergleichung  durch  den  Umstand  sehr 
erschwert,  daß  sich  derselbe  Vorgang  der  Bildung,  dessen 
quantitative  Verhältnisse  aber  im  einzelnen  Falle  nur  sehr 
schwer  zu  schätzen  sind,  seit  langem  und  in  weit  vonein- 
ander entfernten  Gebieten  wiederholt  hat.  Es  erfordert  also 
jede  Folgerung,  die  voraussetzt,  daß  das  Alter  dieser  Bildungen 
bekannt  sei,  die  größte  Vorsicht. 

Dieser  Schwierigkeit  entgehen  wir  zum  größten  Teil  durch 
die  Betrachtung  der  Verhältnisse  in  Mendoza. 

Die  Dislokationen  in  dem  Torsionsgebiet  im  Norden  von 
Mendoza  haben  noch  die  jungen  Schuttabdachungen  getroffen. 

Ich  kann  die  Verhältnisse  nicht  ausführlich  beschreiben, 
will  aber  einige  der  hauptsächlichsten  Züge  hier  anführen. 

Einer  der  großen  Brüche  in  diesem  Gebiete  ist  nördlich 
vom  Cerro  Negro  bekannt  und  verläuft  von  hier  in  südlicher 
Richtung  bis  in  das  Bruchfeld  von  Mendoza.  Er  ist  im  Norden 
auf  einer  ungefähr  12  hn  langen  Strecke  sichtbar,  verliert  sich 
dann  unter  den  ganz  jungen  Aufschüttungen,  tritt  an  dem  öst- 
lichen Fuße  der  Sierra  de  Uspallata  noch  einmal  hervor,  ver- 
schwindet wieder  unter  Aufschüttungen  und  erreicht  das 
Bruchfeld  von  Mendoza  bei  Challao.  Seine  äußersten  be- 
kannten Punkte  liegen  ungefähr  35  km  auseinander  und  seine 


Bau  der  argentinischen  Anden.  Ö67 

Richtung  verläuft  spitzwinkelig  zu  der  allgemeinen  Streich- 
richtung der  Sedimente  in  der  Sierra  de  Uspallata.  Seine  Länge 
ist  also  beträchtlich,  aber  es  ist  doch  nur  ein  Beispiel  in 
kleineren  Verhältnissen  zu  den  sehr  langen  echten  Längs- 
brüchen, die  Dr.  Stappenbeck  in  den  Präcordilleren  von  San 
Juan  verfolgt  hat,  die  aber  auch  zum  Teil  durch  Boden- 
bender bekannt  sind.  Es  gehört  zu  dem  System  sehr  großer 
Brüche,  die  weit  von  Norden,  aus  San  Juan  herausstreichend, 
nach  Süden  konvergieren  und  ein  wenig  südlich  vom  Rio  de 
Mendoza  das  Paläozoikum  begrenzen.  (Der  Verlauf  des 
Bruches  ist  auf  der  Karte  von  Ave-Lallement,  Mapa  del 
departamento  de  Las  Heras,  Anales  d.  Mus.  d.  1.  Plata  1892, 
durch  die  folgenden  Punkte  bezeichnet:  der  Cerro  Negro,  östlich 
von  Villavicencio,  ist  durch  die  Cote  1740  ein  wenig  östlich 
von  dem  Worte  Cabra  festgelegt;  von  hier  verläuft  der  Bruch  in 
südlicher  Richtung  über  die  Cerillos  zum  Cerro  de  Col  und  von 
dort  über  die  Punta  Laja  zu  den  Häusern  von  Challao.  Deutlich 
sieht  man  auch  auf  dieser  Karte  den  rechten,  nach  Nordwesten 
einspringenden  Winkel  des  Bruchfeldes  von  Mendoza.) 

Östlich  vom  Cerro  Negro  liegt  an  der  Bruchlinie  silurischer 
Kalk,  steil  nach  Westen  einfallend,  über  den  mürben,  wahr- 
scheinlich tertiären  Sandsteinen  aus  andesitischem  Material. 
Dies  ist  der  Fall  zwischen  1200  und  1300;».  Etwas  weiter 
südlich  ist  der  Kalk  über  die  Kohle  führenden  rhätischen 
Mergel  geneigt.  Dann  werden  zwischen  900  und  1000  w^  Höhe 
pal-äozoische,  wahrscheinlich  devonische  Grauwacken  und  Ton- 
schiefer, dieselben,  die  in  sehr  großer  Verbreitung  in  der  Sierra 
de  Uspallata  vorkommen,  durch  die  Bruchlinie  von  den  rhäti- 
schen Mergeln  getrennt.  Ungefähr  5  km  südlich  von  dem 
Gipfel  des  Cerro  Negro  verschwinden  die  paläozoischen 
Bildungen  auf  der  westlichen  Seite  des  Bruches  und  an  ihre 
Stelle  treten  die  jungen  fluviatilen  Bildungen.  Kurz  ehe  dies 
geschieht,  sieht  man  eine  Scholle  dieser  Bildungen  zwischen 
Grauwacke  und  rhätischen  Sandsteinen  an  Querverschiebungen 
eingesenkt.  Zwischen  den  fluviatilen  Bildungen  und  den 
Pflanzen  und  Estherien  führenden  rhätischen  Mergeln  kann 
man  den  Bruch  mehr  als  6  km  weit  nach  Süden,  über  die 
Cerillos   hinaus,   verfolgen.   Im   Norden   ist  der  Bruch  in  80  m 


668  H.  Keidel, 

Tiefe  in  einem  Querschlag  angefahren  und  auf  seiner  west- 
lichen Seite  hat  man  hier  die  fluviatilen  Bildungen  gefunden. 
Nördlich  von  den  Cerillos  kennt  man  sie  neben  dem  Bruche 
in  einem  Bohrloch  in  35  m.  Tiefe,  noch  etwas  weiter  südlich  ist 
der  Bruch  zwischen  rhätischen  und  fluviatilen  Bildungen 
30  bis  40  m  hoch  auf  der  Nordseite  der  Cerillos  aufgeschlossen. 
Dies  ist  ungefähr  bei  800  ni  Höhe  der  Fall. 

Der  Bruch  ist  also  in  der  südlichen  Hälfte  der  eben  be- 
schriebenen Strecke  bis  zu  einer  Tiefe  von  ungefähr  100  w 
bekannt  und  auf  der  westlichen  Seite  von  den  fluviatilen 
Bildungen  begrenzt.  Diese  fallen,  etwas  vom  Bruch  entfernt, 
20  bis  30°  nach  Westen  ein,  stehen  aber  dicht  an  der  Bruch- 
linie sehr  steil  oder  senkrecht.  Ganz  ausgezeichnet  sieht  man 
dies  in  den  Einschnitten  der  Trockenbette  und  der  Cerillos. 

Der  Verlauf  des  Bruches  ist  nicht  geradlinig,  sondern  in 
ziemlich  regelmäßigen  Abständen  lenken  ihn  Verschiebungen 
ab,  die,  untereinander  parallel,  spitzwinkelig  zu  seinem 
Streichen  verlaufen.  Die  Richtung  dieser  Verschiebungen  ist 
im  allgemeinen  20  bis  30°  Nordnordost,  das  Streichen  der 
Sedimente  in  den  getrennten  Stücken  aber  Nordnordwest. 
Wo  eine  von  den  größeren  dieser  Verschiebungen  den  nord- 
südlich streichenden  Bruch  trifft,  ist  das  jeweils  im  Norden 
liegende  Stück  nach  Osten  vorgeschoben  worden.  Auf  diese 
Weise  endigen  der  silurische  Kalk  und  dann  die  paläozoischen 
Grauwacken  nach  Süden,  indem  in  der  Fortsetzung  ihres 
Streichens  in  dieser  Richtung  die  rhätischen  Mergel  auftreten. 
Dies  ist  ein  sehr  klares  Beispiel,  wie  das  freie  Ende  einer 
Kulisse  an  Torsionssprüngen  zu  Ende  geht.  Sehr  deutlich 
tritt  die  Wirkung  der  horizontalen,  gegen  Osten  gerichteten 
Bewegung  auch  dadurch  hervor,  daß  eine  Konglomeratbank 
in  dem  Hangenden  der  rhätischen  Mergel,  unter  bogenartiger 
Krümmung  im  Anfang,  auf  den  Flächen  der  nach  Nordnord- 
ost streichenden  Verschiebungen  zwischen  fremden  Gesteinen 
in  einer  Flucht  getrennter  Stücke  eingeklemmt,  also  bei  der 
Bewegung  mitgeschleift  worden  ist. 

Es  kann  deshalb  kein  Zweifel  mehr  darüber  bestehen,  daß 
die  horizontale  Bewegung  aus  Westen  gekommen  ist.  Die 
Ausdehnung   der  Brüche    in   Nordsüdrichtung    und    die    Ver- 


Bau  der  argentinischen  Anden.  669 

hältnisse  auf  der  westlichen  Seite  des  in  dieser  Richtung 
streichenden  Bruches  zwischen  dem  Cerro  Negro  und  den 
Cerillos,  wo  bei  1300  m  silurischer  Kalk,  bei  1000  w  paläo- 
zoische Grauwacken,  bei  800  ni  Höhe  aber  fluviatile  Bildungen 
anstehen,  zeigen  aber  auch  das  große  Ausmaß  der  vertikalen 
Bewegung,  das  aber  noch  deutlicher  in  der  Umgebung  der 
großen  Gräben  im  Norden  und  Westen  hervortritt. 

Ich  habe  nur  ein  kleines  Stück  des  Gebietes  am  Cerro 
Negro  hier  ganz  kurz  beschrieben.  Die  Verschiebungen  sind 
aber  nur  ein  Teil  sehr  ausgedehnter  Dislokationen  und  wenn 
die  fluviatilen  Bildungen  in  so  großem  Maße  noch  davon 
getroffen  worden  sind,  so  liegt  der  Schluß  sehr  nahe,  daß  die 
Bewegungen,  die  diese  Dislokationen  hervorgerufen  haben, 
nach  der  Ablagerung  der  jungen  fluviatilen  Bildungen  ein- 
getreten sind.  Ich  muß  dies  deshalb  ausdrücklich  hervorheben, 
weil  in  der  Tat  noch  spätere  Bewegungen  erfolgt  sind.  Die 
fluviatilen  Bildungen  in  den  Cerillos  und  weiter  nördlich  auf 
der  westlichen  Seite  des  beschriebenen  Bruches  sind  Stücke 
einer  alten  Abdachung,  die  von  Westen  nach  Osten  geneigt 
war.  Das  beweisen  allein  die  großen  Blöcke  von  altem  Granit 
und  Porphyr,  die  man  anstehend  nur  in  den  Grauwacken  auf 
der  östlichen  Abdachung  und  auf  der  Höhe  der  Sierra  de 
Uspallata  findet.  Von  den  Erhebungen,  die  durch  die  Be- 
wegungen an  dem  südlichen  Ende  der  Kulisse  des  Cerro  Negro 
entstanden  sind,  haben  sich  aufs  Neue  schiefe  Ebenen  nach 
allen  Seiten  ausgebreitet.  Sie  sind  von  Trockenbetten  durch- 
furcht und  in  den  dadurch  geschaffenen  Aufschlüssen  sieht 
man  an  verschiedenen  Stellen,  an  Verschiebungen,  daß  die 
Bewegungen  aufs  Neue  eingesetzt  oder  vielleicht  auch  nie 
aufgehört  haben.  Denn  die  Erdbeben  von  Mendoza  gehen  so 
unverkennbar  von  den  Linien  der  Dislokationen  des  Bruch- 
feldes aus,  daß  die  Vermutung  nahe  liegt,  diese  Linien  seien 
in  der  weiteren  Ausbildung  begriffen  und  es  scheint,  daß  die 
Bewegungen  immer  wieder  dem  alten  Plane  folgen. 

Gegenüber  dem  langgestreckten  Rande  der  Präcordillere 
erhebt  sich  in  der  Nähe  der  Stadt  San  Juan,  mitten  aus  weiten 
Niederungen  die  isolierte  Masse  des  Pic  de  Palo,  eine  der 
pampinen  Sierren  Stelzner's.   Sie  erscheint  als  ein  einziger. 


670  H.  Keidel. 

flach  gewölbter  Schild  mit  steilen  Rändern  und  kann  als  Typus 
des  Horstes  gelten.  Die  tiefste  Stelle  der  umgebenden  Niederung 
ist  durch  die  Lage  der  nahen  Lagune  de  Guanacache  be- 
zeichnet. Ganz  alte  Bildungen  setzen  den  Pic  de  Palo  zu- 
sammen: Granat  führender  Glimmerschiefer  und  die  Gesteine 
der  Sierren  von  Cordoba,  also  im  allgemeinen  viel  ältere 
Bildungen,  als  in  der  Cordillere  sichtbar  sind.  Denn  die 
huronischen  Schiefer,  die  die  Karte  A ve-Lallement's  auf  der 
westlichen  Seite  der  Sierra  de  Uspallata  in  großer  Ausdehnung 
zwischen  Uspallata  und  Santa  Helena  anführt,  sind  paläo- 
zoische Schiefer  und  Grauwacken,  die  mit  denselben  Bildungen 
der  Sierra  an  anderen  Stellen  vollständig  übereinstimmen. 

Der  Horst  des  Pic  de  Palo  ist  zu  derselben  Zeit  entstanden 
wie  das  Bruchfeld  von  Mendoza  und  die  Torsionssprünge  am 
Cerro  Negro.  Junge  fluviatile  Bildungen  sind  in  seiner  Nähe 
stark  disloziert  worden.  Die  Erosion  hat  an  seinen  Rändern 
bei  fast  gänzlichem  Fehlen  der  Abspülung  tiefe,  enge,  zum 
Teil  schwer  zugängliche  Schluchten  geschaffen,  im  ganzen  den 
Block  aber  wenig  angegriffen.  Deshalb  erkennt  man  heute  noch 
sehr  gut  die  durch  die  Bewegungen  geschaffenen  Verhältnisse. 

Nun  sind  in  der  Tiefe  der  Umgebung  die  ursprünglich 
vorhandenen  Unebenheiten  durch  die  spätere  Aufschüttung 
ausgeglichen  worden.  Obgleich  also  der  heutige  Höhen- 
unterschied zwischen  der  Umgebung  und  dem  Scheitel  des 
Horstes  geringer  sein  wird  als  der  ursprüngliche,  so  ist  er 
dennoch  so  beträchtlich,  daß  die  Frage  berechtigt  ist,  ob  denn 
wirklich  die  Umgebung  gegenüber  der  Masse  des  Horstes  auf 
weite  Strecken  bewegt,  also  gesenkt  worden  ist  und  der  Horst 
so  entstanden  ist. 

Dies  erscheint  mir  im  Angesicht  der  weiten  Niederung 
wenig  wahrscheinlich. 

In  dem  Untergrunde  der  Ebene  liegen  weiter  im  Osten 
horizontal  gelagerte  Schichten,  die  älter  sind  als  die  gestörten 
fluviatilen  Bildungen  in  der  Nähe  des  Horstes. 

Ich  glaube,  dieser  Fall  liegt  so  klar,  daß  man  die  Er- 
klärung geben  kann,  ohne  sie  zu  suchen. 

Die  horizontale  Komponente  der  Bewegung,  deren  Wir- 
kung so  deutlich  in  der  Torsion,  der  bogenartigen  Krümmung 


Bau  der  argentinischen  Anden.  67  1 

der  Schichten  und  der  Zerstückelung  des  äußersten  Cordilleren- 
randes  sichtbar  ist,  ist  von  vornherein  schwächer  gewesen  als 
die  vertikale  Komponente. 

Das  Verhältnis  der  beiden  Richtungen  zu  einander  ist 
noch  nicht  ganz  klar.  Die  genauere  Untersuchung  des  hier  in 
Frage  kommenden  Gebietes,  namentlich  des  Grabens  von 
Uspallata.  der  tief  in  die  Cordillere  eingesenkt  erscheint  und 
an  seiner  tiefsten  Stelle,  nämlich  an  seinem  südlichen  Rande, 
nur  durch  das  Durchbruchstal  des  Rio  de  Mendoza  mit  der 
Niederung  im  Osten  verbunden  ist,  wird  vielleicht  zu  sichereren 
Ergebnissen  führen. 

Der  östliche  Rand  der  Präcordillere  und  ihrer  Kulissen, 
der  an  manchen  Stellen  ein  auf  eine  unsichtbare  Masse  auf- 
geschobener Schollenrand  zu  sein  scheint,  bezeichnet  ungefähr 
die  östliche  Grenze  des  Gebietes,  wo  die  Wirkung  der 
horizontalen  Bewegung  unmittelbar  sichtbar  ist.  Weiter  im 
Osten  scheint  diese  aber  in  dem  Gebiet  der  alten  Masse 
abgenommen  zu  haben. 

In  dieser  seit  langem  abgetragenen  und  der  seitlichen 
Pressung  mehr  widerstehenden  Masse  ist  sehr  wahrscheinlich 
die  alte  Oberfläche  in  Wellen  von  großer  Amplitude  auf- 
gestiegen und  dabei  zerbrochen. 

Annähernd  ähnliche  Verhältnisse  könnten  wir  in  den 
Sierren  der  Provinz  Buenos  Aires  finden,  wären  die  flachen 
Gewölbe  vor  dem  Überschiebungsrande  bei  der  aufsteigenden 
Bewegung  der  Scheitel  zerbrochen.  Dann  hätten  wir  heute 
mitten  in  der  weiten  Pampa  vor  den  langgestreckten  Sierren 
die  isolierten  Horste. 

Wäre  dies  der  Fall  und  wäre  die  Bewegung  in  Wirklichkeit 
nicht  so  alt,  sondern  so  jung  wie  in  Mendoza,  so  wäre,  glaube 
ich,  auch  kein  Zweifel  an  der  Richtigkeit  dieser  Auffassung. 
Sie  mag  deshalb  auch  bei  den  viel  größeren  Verhältnissen 
der  Cordilleren  für  die  größeren  Maße  der  pampinen  Sierren 
gelten. 

Ich  habe  im  Anfang  von  zwei  Phasen  der  Bewegung 
gesprochen.  Die  Spuren  der  älteren  Phase  sind  nicht  nur  im 
Norden,  sondern  auch  in  Mendoza  sichtbar.  In  diese  Phase 
fällt  hier  die  Intrusion  der  mächtigen,  später  dislozierten  Lager 


672  H.  Keidel, 

von  Andesit,  die  wir  heute  auf  der  Höhe  des  Paramillo  finden, 
die  Aufreißung  eines  großen  Teils  der  Gänge  bei  der  Mine 
Paramillo  und  die  Ausfüllung  dieser  Gänge  mit  andesitisch'em 
Material.  Aus  diesen  Andesiten  sind  die  braunen  Arkosen  und 
Sandsteine  gebildet  worden,  die  wir  heute  in  dem  Bruchfeld 
von  Mendoza,  am  Cerro  Negro  und  an  anderen  Stellen  in 
großer  Mächtigkeit  finden.  Die  große  und  gleichmäßige  Ver- 
breitung der  Andesitgerölle  in  diesen  Sedimenten  verrät,  daß 
eine  alte  nach  Osten  geneigte  Abdachung  bestanden  hat.  Die 
jungen  fluviatilen  Bildungen,  die  durch  die  späteren  Be- 
wegungen so  stark  disloziert  worden  sind,  legen  sich  bald 
über  die  Sandsteine,  bald  über  die  rhätischen  Mergel  und  sie 
zeigen  dadurch,  daß  vor  der  zweiten  Bewegung  eine  Ab- 
tragung erfolgt  ist. 

Die  Bildung  der  Schuppen  bei  Iruya  fällt  in  die  Zeit  der 
älteren  Phase.  Den  Querverschiebungen  folgen  die  wieder 
zerschnittenen  Erz-  und  Andesitgänge.  Die  mächtigen  fluviatilen 
Bildungen  sind  aber  nicht  zerstört  worden.  Es  scheint,  daß  ihre 
Ablagerung  erst  nach  den  Bewegungen  der  jüngeren  Phase 
begonnen  hat.  Daß  aber  auch  in  dieser  Zeit  Bewegungen  vor 
sich  gegangen  sind,  beweisen  die  Dislokationen  der  fluviatilen 
Bildungen  in  dem  Längstal  von  Humahuaca.  In  dem  weiten 
Becken  bei  Humahuaca  selber  sieht  man  nur  einen  langen 
Querbruch  und  einige  kleinere  Störungen,  aber  weiter  südlich 
sind  die  fluviatilen,  zum  größten  Teil  grobklastischen  Bildungen 
bei  Tilcara  und  bis  in  die  Gegend  von  Purmamarca  beträcht- 
lich nach  Westen  geneigt. 

Auf  diesen  Gegensatz  der  Lagerungsverhältnisse  der 
fluviatilen  Bildungen  auf  beiden  Seiten  der  Sierra  de  Zenta 
möchte  ich  aufmerksam  machen. 

Bei  Tilcara  und  weiter  nördlich  und  südlich  sieht  man 
die  ruhigen  Gewölbe  der  paläozoischen  Sedimente  und  die 
roten  Sandsteine  der  »Formaciön  petrolifera«.  In  diesem  Ge- 
biete sind  die  sehr  jungen  fluviatilen  Bildungen  disloziert  und 
heute  nach  Westen  geneigt.  Auf  der  östlichen  Seite  der  Sierra 
de  Zenta  liegt  das  Gebiet  der  Schuppen.  Noch  weiter  östlich 
sind  in  den  äußeren  hohen  Randketten,  wie  es  scheint,  ganz 
alte  Felsarten  vorhanden.  Sobald  die  Bewegung,   von  Westen 


Bau  der  argentinischen  Anden.  673 

kommend,  die  Zone  der  Schuppen  erreicht  hat,  hat  ihre 
Wirkung  in  horizontaler  Richtung  ausgesetzt.  Aber  ein  An- 
steigen der  Massen  in  vertikaler  Richtung  mag  auch  hier  noch 
in  sehr  später  Zeit  erfolgt  sein.  So  ist  vielleicht  der  Kamm  der 
Sierra  de  Zenta  in  demselben  Sinne  eine  Grenze  wie  der  öst- 
liche Rand  der  Präcordillere  in  San  Juan  und  Mendoza. 

Die  tiefe  Furche  des  Rio  de  Mendoza  ist  wohl  zum  größten 
Teile  nach  den  Bewegungen  entstanden,  durch  welche  die 
jungen  fluviatilen  Bildungen  südlich  vom  Cerro  Negro  dis- 
loziert worden  sind.  Vielleicht  fällt  in  dieselbe  Zeit  auch  die 
Austiefung  der  Quelltäler  des  Rio  Bermejo  und  ihre  Auf- 
schüttung. Die  Bewegungen  haben  aber  nicht  ausgesetzt.  Das 
zeigen  die  Dislokationen  in  den  sehr  jungen  Schuttabdachungen 
bei  Mendoza  und  die  Neigung  der  fluviatilen  Bildungen  in  dem 
Längstal  von  Humahuaca.  Sie  sind  wahrscheinlich  dauernd  in 
demselben  Sinne  vor  sich  gegangen.  Daß  eine  aufsteigende 
Bewegung  der  äußersten  Teile  des  Gebirges  erfolgt  sein  kann, 
zeigen  mit  großer  Wahrscheinlichkeit  die  Verhältnisse  am 
Pic  de  Palo. 

Ich  bin  mir  wohl  bewußt,  daß  vieles  noch  genauer  zu 
untersuchen  ist  und  daß  ich  das  Wort  »wahrscheinlich«  noch 
zu  oft  anwenden  muß.  Aber  einiges  ergibt  sich,  glaube  ich, 
doch  mit  Sicherheit,  nämlich: 

1.  Die  Ablagerung  fluviatiler  Bildungen  von  derselben 
Beschaffenheit  seit  längerer  Zeit  bis  in  die  Gegenwart  und  die 
Tatsache,  daß  diese  Bildungen,  die  unter  denselben  besonderen 
klimatischen  Verhältnissen  entstanden  sind,  nicht  mit  der  alten 
Vergletscherung  in  Verbindung  gebracht  werden  können. 

2.  Die  Bewegung  aus  Westen  während  zweier  Phasen, 
wovon  die  Wirkung  der  ersten  in  den  Schuppen  bei  Iruya,  die 
der  zweiten  in  der  Torsion  und  den  anderen  Verhältnissen  bei 
Mendoza  besonders  deutlich  ist  und  daß  diese  Bewegungen 
wahrscheinlich  bis  heute  andauern. 

Es  gäbe  noch  vieles  zu  erwähnen,  das  mit  diesen  Fragen 
mehr  oder  weniger  in  Verbindung  steht,  z.  B.  das  Erscheinen 
der  »Formaciön  petrolifera«  in  sehr  ruhiger  Lagerung  in  so 
großer  Höhe,  die  ausgedehnte  horizontale  Lagerung  der  meso- 
zoischen  Sedimente   in   der  östlichen   Randkette    der  Haupt- 


674 


H.  Keidel,  Bau  der  argentinischen  Anden. 


cordillere  vom  Rio  de  Mendoza  bis  gegen  den  Aconcagua 
nach  Nordwesten  und  bis  gegen  den  Rio  de  los  Patos  nach 
Norden,  das  Abbrechen  der  alten  Felsarten  des  östlichen 
Cordillerenrandes  in  den  nördlichen  Provinzen  und  der  paläo- 
zoischen Sedimente  der  westlich  darauf  folgenden  Zone  in 
Mendoza  u.  s.  w. 

Meine  Arbeit  in  diesem  Sommer  ist  die  genaue  strati- 
graphische  Untersuchung  des  Rhäts  in  der  Provinz  Mendoza. 
Ihre  Ergebnisse  werden  zuerst  veröffentlicht  werden.  Vom 
November  ab  untersuche  ich  das  Gebiet  zwischen  dem  Rio 
de  Mendoza  und  dem  Rio  Diamante.  Mein  eigentliches  Arbeits- 
gebiet wird  aber  Neuquen  sein. 


675 


Die  optischen  Verhältnisse  in  der  oberseitigen 
Blattepidermis  tropischer  Gelenkpflanzen. 

Beiträge  zur  Auffassung  der  oberseitigen  Laubblattepidermis  als  Liclitsinuesepitliel 

von 
Dr.  Adolf  Sperlich. 

Untersuchungen,  ausgeführt  unter  Benützung  der  von  Prof.  Heinricher  von 
seiner  Studienreise  nach  Java  mitgebrachten  Materialien. 

VMit  2  Doppeltafehi  und  9  Textfiguren.) 

(Vorgelegt  in  der  Sitzung  am  25.  April  1907.) 

Einleitung-. 

Von  seiner  während  des  Wintersemesters  1903/04  er- 
folgten Studienreise  nach  Java  hat  Prof.  Heinricher  eine 
Zahl  von  Blättern,  die  sich  durch  den  Besitz  von  Bewegungs- 
gelenken auszeichnen,  mitgebracht.  Die  Pflanzen,  denen  die 
betreffenden  Objekte  entstammen,  gehören  20  Familien,  die 
sich  auf  14  Reihen  der  Phanerogamen  verteilen, ^  an  und  sind 
in  der  Mehrzahl  Vertreter  der  für  die  Tropen  charakteristischen 
Lianen.  Das  kann  uns  nicht  wundernehmen;  denn  erblicken 
wir  in  dem  Besitze  eines  eigenen  Organes  zur  Ausführung  von 
tropistischen  Bewegungen,  die  unabhängig  vom  normalen 
Wachstume  des  Blattes  erfolgen,  einen  Vorteil, ^  in  dem  sich 
Pflanzen  mit  diesen  Organen  gegenüber  solchen  ohne  dieselben 
belinden,^   so   dürften   kaum   andere  Gewächse    so    oft  in  die 


1  Vergl.  die  systematische  Übersicht  am  Schlüsse. 

2  Vergl.  Haberlan dt,  Die  Lichtsinnesorgane  der  Laubblätter,  Leipzig, 
Engelmann,  1905,  p.  98,  und  Pfeffer,  Pflanzenphysiologie,  IL  Auü.,  Bd.  II, 
p.  650  und  687. 

3  Hiebei  kann  uns  der  Bewegungsmodus  im  Gelenke,  ob  im  einzelnen 
Falle  Variations-  oder  Wachstumsbewegung,  gleichgültig  sein. 


676  A.  Sperlich, 

Lage  kommen,  diesen  Vorteil  auszunützen,  als  Kletter-  und 
Schlingpflanzen,  deren  Eigentümlichkeiten  ihre  Entstehung 
gerade  dem  Kampfe  um  das  Licht  in  hervorragendem  Maße 
verdanken.  Der  häufige  Wechsel  in  der  Lage  der  Achsen,  her- 
vorgerufen entweder  durch  die  eigenen  Wachstumsbewegungen 
oder  durch  das  sehr  oft  eintretende  Abrutschen  der  Lianen  von 
ihren  Stützen,  endlich  direkt  durch  Änderung  in  den  Lagen- 
verhältnissen der  Trag-  und  Stützbäume,  bringt  es  mit  sich, 
daß  auch  das  Laubwerk  immer  wieder  zu  tropistischen,  ins- 
besondere heliotropischen  Bewegungen  veranlaßt  wird.  Wir 
können  es  darum  im  allgemeinen  als  im  Interesse  des  Indivi- 
duums gelegen  auffassen,  wenn  auch  ausgewachsene  Blätter, 
deren  gesamte  assimilatorische  Leistung  wohl  gewiß  höher 
anzuschlagen  ist  als  die  entsprechende  Arbeit  der  noch  im 
Wachstume  begriffenen,  durch  den  Besitz  eigener  Bewegungs- 
werkzeuge befähigt  werden,  unter  veränderten  Bedingungen 
sich  das  günstigste  Licht  dienstbar  zu  machen. 

Was  Prof.  Heinricher  veranlaßt  hat,  das  genannte 
Material  zu  sammeln  und  zu  konservieren,  war  der  Gedanke, 
es  könnte  eine  anatomische  Untersuchung  dieser  Organe,  die 
sich  auf  Vertreter  der  verschiedensten  Familien  erstreckt, 
möglicherweise  so  manches  interessante  Ergebnis  zu  Tage 
fördern.  Der  Gedanke  erscheint  vollkommen  gerechtfertigt, 
wenn  man  erwägt,daß  einerseits  die  bisherigen  Untersuchungen, 
die  uns  mit  dem  Bauplane  der  Gelenkpolster,  mit  deren  Be- 
wegungsmechanik und  mit  den  Beziehungen  zwischen  Bau 
und  Funktion  bekannt  machen,  an  einer  verhältnismäßig  kleinen 
Zahl  von  Pflanzenarten  angestellt  worden  und  daß  andrerseits 
auch  in  systematischen  und  morphologischen  Werken  nur 
selten  Bemerkungen  über  die  Gegenwart  und  den  Bau  dieser 
Organe  zu  finden  sind. 

Mittlerweile  waren  Habe rl and t's  Publikationen  über  die 
Lichtsinnesorgane  erschienen  und  unter  dem  Einflüsse  derselben 
eine  weitere  Fragestellung  schier  unvermeidlich: Finden  sich  an 
der  Oberseite  der  Lamina  unserer  Gelenkblätter  Einrichtungen, 
die  eine  gesetzmäßige  Intensitätsverteilung  des  Lichtes  auf 
bestimmten  Plasmahäuten  herbeiführen?  Es  war  naheliegend, 
von   dem   Vorhandensein   eigener  Bewegungsorgane   auf   die 


Oberseitige  Blattepidermis  tropischer  Gelenkptlanzen.  677 

Anwesenheit  besonderer  Einrichtungen  zur  Perzeption  des 
Bewegung  auslösenden  Reizes  zu  schließen  und  das  um  so 
mehr,  als  schon  Haberlandt  eine  Anzahl  von  Blättern  mit 
mehr  oder  weniger  ausgeprägten  Gelenken  in  den  Kreis  seiner 
Untersuchungen  gezogen  hat,  so  z.  B.  Ampelopsis,  Araliaceen, 
Dioscorea  quinqueloba,  Mar anta- Arten,  die  Menispermaceen 
Coccultis  laurifolius  und  Anamirta  cocciiJus,  Monstera  deliciosa, 
Leguminosen,  0,rc7//s-Arten  u.  a.  Es  waren,  wenn  die  Richtig- 
keit der  Haberlandt'schen  Auffassung  der  Laubblattoberseite 
als  Lichtsinnesepithel  vorausgesetzt  wird,  gerade  auch  im 
Laubwerke  tropischer  Gewächse  Einrichtungen  zur  Erzielung 
von  Beleuchtungsdifferenzen  an  den  Plasmahäuten  zu  ver- 
muten; denn  es  hat  Wiesner  zum  Teil  im  Gegensatze  zu  den 
Anschauungen  anderer  Forscher  nachgewiesen,  daß  auch  für 
viele  Blätter  der  tropischen  Laubpflanzen  das  diffuse  Licht, 
speziell  die  Richtung  des  stärksten  diffusen  Lichtes,  zur  Er- 
reichung der  fixen  Lichtlage  von  wesentlicher  Bedeutung  ist.^ 
Fast  alle  als  Unterholz  auftretenden  Holzgewächse,  welche 
Wiesner  im  Buitenzorger  Garten  (und  von  da  stammen  die 
meisten  meiner  Untersuchungobjekte)  zu  beobachten  Gelegen- 
heit hatte,  gehören,  falls  sie  überhaupt  die  fixe  Lichtlage 
gewinnen,  einem  Typus  an,  der  auf  schattigem  Standorte  dann 
die  fixe  Lichtlage  erreicht,  wenn  die  Blattflächen  sich  senkrecht 
auf  das  stärkste  diffuse  Licht  gestellt  haben.-  Freilich  ist  zu 
bemerken,  daß  gerade  die  Lianen  des  genannten  Gartens,  wie 
Wiesner^ hervorhebt,  nicht  ganz  in  Beleuchtungsverhältnissen 
wachsen,  durch  welche  ihr  natürlicher  Standort  ausgezeichnet 
ist:  an  diesem  stehen  ihnen  die  gewaltigen  Stützbäume  des 
tropischen  Urwaldes,  im  Garten  Stützen  von  geringerer  Schatten- 
wirkung zur  Verfügung.  Es  ist  daher  nicht  ausgeschlossen, 
daß  optische  Einrichtungen,  die  an  Gartenexemplaren  gefunden 
wurden,  bei  Individuen  des  Urwaldschattens  in  viel  besserer 
Weise  ausgebildet  zu  finden  wären. 


1  Wiesner,  Ptlanzenphysiologische  Mitteilungen  ausBuitenzorg,  I  und  II. 
Diese  Sitzungsberichte,  Bd.  CHI,  1894,  p.  10  ff.  und  p.  26. 

2  A.  a.  0.,  p.  15. 

3  A.  a.  O.,  p.  18. 


678 


A.  Sperlich, 


Die  oben  mitgeteilte  Schlußfolgerung  vom  Bewegungs- 
vverkzeug  auf  das  Sinnesorgan  erweist  sich  nun  allerdings  bei 
genauer  Erwägung  als  nicht  ganz  einwandfrei.  Fürs  erste  ist 
zu  bemerken,  daß  bei  den  häufigen  Erscheinungen  des  Nykti- 
tropismus  die  Gelenkpolster  der  Blätter  nicht  nur  Bewegungs- 
werkzeuge, sondern  zugleich  Organe  zur  Perzeption  des  die 
photonastischen  Bewegungen  auslösenden  Reizes  sind.  Es  sei 
darauf  hingewiesen,  daß  sich  sogar  im  anatomischen  Baue 
gewisser  Gelenkpolster  Einrichtungen  vorfinden,  die  als  im 
Dienste  der  Reizperzeption  stehend  aufgefaßt  werden  können: 
»Die  relative  oder  fast  absolute  Interstitienlosigkeit  der  peri- 
pherischen Rinde,  welche  den  lichtempfindlichen  Polstern  aus- 
nahmslos zukommt.«  Dies  Verhalten  macht  das  Schwellgewebe 
nach  Schwendener^  durchleuchtungsfähig  und  ermöglicht 
dadurch  seine  Reaktion  auf  Helligkeitsschwankungen.  Ferner 
geht  aus  den  Versuchen  Krabbe's^  und  Haberia ndt's^ 
hervor,  daß  auch  die  heliotropischen  Bewegungen  der 
Spreite  von  Phaseohis  vorzüglich  durch  die  Reizbarkeit  des 
oberen  Gelenkpolsters  ausgelöst  werden  und  wenn  auch 
wiederholte  Versuche  Haberlandt's-^  dargetan  haben,  daß 
bei  Phaseolus  eine  Beeinflussung  des  Polsters  seitens  der 
Lamina  möglich  ist,  so  muß  doch  immerhin  zugegeben  werden, 
und  auch  Haberlandt  spricht  es  aus,  daß  das  obere  Gelenk 
von  Phaseolus  auch  in  Bezug  auf  den  Heliotropismus  in  hohem 
Grade  autonom  ist.  Das  sind  Erwägungen,  welche  die  Allge- 
meingültigkeit der  oben  erwähnten  Schlußfolgerung  jedenfalls 
stark  beeinträchtigen.  Andrerseits  will  mir  scheinen,  ist  bisher 
wenig  darauf  geachtet  worden,  ob  wirklich  die  Mehrzahl  der 
Gelenkblätter  Schlaf  bewegungen  ausführen,  und  das  ist  meines 
Erachtens    für  unsere    Fragestellung  von   Wichtigkeit.    Aller- 


1  S  c  h  w  e  n  d  e  n  e  r,  Die  Gelenkpolster  von  Mimosa  pudica;  Sitzungsberichte 
der  königl.  preuß.  Ak.  der  Wissensch.,  Berlin,  1897,  p.  234. 

2  Krabbe,  Zur  Kenntnis  der  fixen  Lichtiage  der  Laubblätter;   Jahrb.  für 
wissensch.  Botanik,  Bd.  XX,  1889. 

■'  Haberlandt,  Die   Perzeption   des   Lichtreizes   durch   das    Laubblatt; 
Ber.  der  deutsch,  bot.  Ges.,  Bd.  XXII,  1904,  p.  110. 

4  Haberlandt,  Die  Lichtsinnesorgane  der  Laubblätter,  p.  19  bis  23. 


Oberseitige  Blattepidermis  tropischer  Gelenkpfianzen.  (379 

dings  sagt  Jost:^  »Nicht  alle,  aber  doch  die  meisten  gelenk- 
führenden Blätter  machen  nyktitropische  Bewegungen«;  stellt 
man  aber  diesem  Ausspruche  den  Satz  Stahl's  entgegen: 
»Alle  Blätter  mit  Variationsbevvegung  sind,  wie  bekannt,  von 
zarter,  krautiger  Beschaffenheit«,"^  und  findet  bei  der  Durch- 
musterung des  von  Prof.  Heinricher  gesammelten  Tropen- 
materials eine  Reihe  derber  lederartiger  Blätter  mit  erstaunlich 
mächtigen  Gelenksverdickungen,  so  wird  man  eher  in  der 
Ansicht  gekräftigt,  daß  eine  große  Zahl  von  Gelenkspflanzen 
nyktitropischer  Variationsbewegungen  nicht  fähig  ist.  Leider 
war  es  mir  mit  einer  einzigen  Ausnahme  (Anamirta  cocculus) 
nicht  möglich,  meine  Untersuchungsobjekte  in  lebendem  Zu- 
stande zu  beobachten;  doch  scheint  es  mir  ganz  ausgeschlossen, 
daß  der  großen  Zahl  von  Tropenforschern  der  Nyktitropismus 
derbblättriger,  gelenkführender  Lianen,  wenn  überhaupt  vor- 
handen, hätte  jemals  entgehen  können.  Die  Unterscheidung 
von  Gelenken  mit  nyktitropischen  Bewegungen  und  solchen, 
welche  derartige  Bewegungen  nicht  ausführen,  erweist  sich 
aber  deshalb  in  unserem  Falle  von  großer  Wichtigkeit,  weil  es 
nach  den  bisherigen  Erfahrungen  gerade  die  nyktitropisch 
reagierenden  Gelenke  sind,  welche  sich  auch  direkt  heliotropisch 
reizbar  zeigen.  Die  großen  Schwierigkeiten,  welche  sich  übrigens 
infolge  der  Komplikation  zwischen  Hello-  und  Nyktitropismus 
und  besonders  dessen  Nachwirkungen  bei  der  Deutung  von 
Experimenten  mit  diesen  Objekten  ergeben,  finden  wir  schon 
hervorgehoben.^ 


1  Jost,  Vorlesungen  über  Fflanzenphysiologie;  Jena.  Fischer,  1904,  p.  621. 

-  Stahl,  Über  den  Pflanzenschlaf  und  verwandte  Erscheinungen;  Botan. 
Zeitung,  65.  Jahrg.  1897,  p.  92.  »Schon  in  unserer  Flora,«  schreibt  Stahl  an 
dieser  Stelle  weiter,  »heben  sich  durch  dieses  Merkmal  die  Papilionaceen  von 
der  Mehrzahl  der  mit  ihnen  vergesellschafteten  anderen  Pflanzen  ab.  In  viel 
höherem  Grade  macht  sich  der  Kontrast  m  den  Tropenländern  bemerkbar,  und 
in  zahlreichen  Schilderungen  aus  den  Äquatorialgegenden  wird  auf  den  so  auf- 
fallenden Gegensatz  zwischen  der  zarten  lichtgrünen  Belaiibung  der  Mimoseen 
und  den  schwarzgrünen  derben  Assimilationsorganen  der  übrigen  Baumarten 
hingewiesen;  auch  ist  bekannt,  daß  Variationsblätter  sehr  leicht  welken.« 

3  Vergl.  die  Beeinflussung  der  Experimente  Haberlandt's  mit  Phaseolns 
durch  den  Nyktitropismus;  Die  Lichtsinnesorgane  der  Laubblätter,  p.  21  und  22. 


680  A.  Sperlich, 

Fürs  zweite  darf  man  nicht  außer  acht  lassen,  daß  in  vielen 
Fällen  das  Gelenk  des  tropischen  Blattes  nicht  so  sehr  zur 
prompten  Erzielung  einer  durch  die  Richtung  des  stärksten 
diffusen  Lichtes  bestimmten  Einstellung  dienen  wird,  sondern 
daß  das  betreffende  Blatt  ähnlich  wie  unsere  Robinie^  im  Gelenke 
ein  Werkzeug  besitzt,  durch  welches  es  befähigt  wird,  sich 
dem  Einflüsse  schädlicher  direkter  Bestrahlung  zu  entziehen. 
Daß  für  solche  Fälle  die  Ausbildung  eigener  Lichtsammei- 
apparate keinen  Sinn  hat,  ist  klar. 

Unter  Berücksichtigung  der  in  den  besprochenen  Ver- 
hältnissen gegebenen  Beschränkung  nun  schien  mir  der  Schluß 
von  dem  Vorhandensein  besonderer  Bevvegungswerkzeuge  auf 
die  Anwesenheit  eigener  Einrichtungen  in  der  lichtperzipierenden 
Lamina  vollkommen  berechtigt  und  gleichsam  ein  allerdings 
nicht  vollwertiger  Ersatz  für  die  fehlende  Möglichkeit  bestä- 
tigender Experimente. 

Aus  Haberlandt's  Versuchen 2  geht  hervor,  daß  bei  den 
meisten  Kletter-  und  Schlingpflanzen  die  grobe  Einstellung  in 
die  Richtung  des  günstigsten  Lichtes  durch  den  Heliotropismus 
des  Blattstieles,  die  feine  Einstellung  jedoch  durch  Bewegungen 
der  die  Lichtrichtung  perzipierenden  Blattlamina  erfolgt.  »Dieses 
Zusammenwirken  von  Blattstiel  und  Spreite,«  schreibt  Haber- 
landt,  »wie  wir  es  auch  bei  Tropaeolum^  beobachtet  haben, 
und  wie  es  überhaupt  bei  den  meisten  Schling-  und  Kletter- 
pflanzen und  wahrscheinlich  auch  sonst  sehr  häufig  vorkommt, 


1  Wiesner,  Über  die  Formen  der  Anpassung  des  Laubblattes  an  die 
Lichtstärke;  Biolog.  Zentralbl.  XIX,  1899,  p.  6. 

2  Die  Perzeption  des  Liclitreizes  durch  das  Laubblatt,  p.  111;  Die  Licht- 
sinnesorgane der  Laubblätter,  p.  15  und  24. 

3  Die  Lichtsinnesorgane  der  Laubblätter,  p.  15.  Rücksichtlich  Tropaeolnm 
ist  zu  bemerken,  daß,  wiewohl  dessen  Blattstiel  keine  gelenkartige  Verdickung 
zeigt,  immerhin  in  der  Lagerung  der  Gefäßbündel  des  Stieles  Anklänge  an  die 
anatomischen  Verhältnisse  echter  Gelenke  zu  finden  sind.  Hierüber  schreibt 
H  aber!  an  dt  (a.  a.  O.,  p.  6):  »Zuweilen  beschränkt  sich  die  anatomische  Ähn- 
lichkeit mit  echten  Gelenken  bloß  darauf,  daß  die  im  Kreise  gelagerten  Bündel 
des  Blattstielquerschnittes  in  der  betreffenden  Längszone  gegen  das  Zentrum 
gerückt  sind  {Tropacohtm- Arten).  Ich  zweifle  nicht,  daß  eine  ausgebreitete 
Untersuchung  alle  Übergänge  vom  gewöhnlichen  Blattstielbau  bis  zu  den  Merk- 
malen t3'pischer  Gelenke  aufdecken  würde.« 


Obeiseitige  Blattepidermis  tropischer  Gelenkpflanzen.  081 

ist  ja  in  hohem  Grade  biologisch  vorteilhaft.«  Daß  übrigens 
gerade  die  meist  sehr  kräftigen,  nicht  selten  mit  Periderm 
umgebenen  Gelenke  derber  ledriger  Blätter  bei  der  Licht- 
perzeption  unbeteiligt  sind,  also  lediglich  als  Bewegungs- 
vverkzeuge  fungieren,  zeigt  Haberlandt's  V^ersuch  mit 
Monstera  deliciosa} 

Auf  einen  in  der  Beschaffenheit  des  Untersuchungs- 
materials gelegenen  iMangel  möchte  ich  gleich  an  dieser  Stelle 
aufmerksam  machen,  der  möglicherweise  in  der  Folge  die  eine 
oder  die  andere  Korrektur  an  meinen  Befunden  notwendig 
machen  wird:  es  standen  mir  fast  ausschließlich  in  Alkohol 
konservierte  Objekte  zur  Verfügung.  Es  haben  zwar  frühere 
Untersuchungen  -  ergeben,  daß  auch  Alkoholmaterial  zur  Be- 
obachtung der  Lichtkontraste  beim  Linsenversuche  Haber- 
landt's^ brauchbar  ist,  doch  ist  es  ja  denkbar,  daß  das  kon- 
servierte Material  infolge  veränderter  Inbibitionsverhältnisse 
der  Membranen,  infolge  etwaig  höherer  Konzentration  im 
Zellsaftraume  von  Zellen  mit  kontrahiertem  Plasmaschlauche 
und  ganz  besonders  infolge  der  Auflösung  stark  lichtbrechender 
Substanzen,  wie  z.  B.  der  ätherischen  Öle,  da  und  dort  andere 
Beleuchtungseffekte  zeigt  als  das  lebende  Objekt.  Von  der 
Wiedergabe  einiger  gelungener  photographischer  Aufnahmen 
von  Linsenversuchen  habe  ich  ganz  abgesehen,  da  dieselben 
wesentlich  nichts  Neues  bieten.  Dem  Berichte  über  die 
Beobachtungen  bei  den  einzelnen  Objekten  seien  einige  all- 
gemeine, den  Gegenstand  betreffende  Erörterungen  voran- 
gestellt. 

Es  ist  mir  eine  Freude,  an  dieser  Stelle  Herrn  Prof.  Hein- 
richer, meinem  in  Freundschaft  mir  zugetanen  Lehrer,  für 
das  der  Arbeit  entgegengebrachte  Interesse  den  wärmsten 
Dank  zu   sagen;  zu  besonderem  Danke  bin  ich  überdies  Herrn 


1  Die  Perzeption  des  Lichtreizes  durch  das  Laubblatt,  p.  111';  Die  Licht- 
sinnesorgane der  Laubblätter,  p.  18  bis  19. 

2  V.  Guttenberg,  Die  Lichtsinnesorgane  der  Laubblätter  von  Adoxa 
Moschatellina  L.  und  Cynocrambe prostrata  Gärtn.;  Ber.  der  deutsch,  bot.  Ges., 
Bd.  XXIII,    1905,  p.  265  und  269. 

3  Die  Perzeption  des  Lichtreizes  durch  das  Laubblatt,  p.  114;  Die  Licht- 
sinnesorgane der  Laubblätter,  p.  52  bis  56. 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  KL;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  45 


682  A.  Sperlich, 

Dr.  Th.  Valeton  vom  botanischen  Garten  zu  Buitenzorg  ver- 
pflichtet, der  in  entgegenkommendster  Weise  manche  durch 
die  Eile  der  Aufschreibung  oder  durch  die  Mangelhaftigkeit  der 
Originaletikette  verursachte  Verstümmelung  bei  Pflanzennamen 
richtiggestellt  hat. 

1.  Optische  Wirkung  verdickter  Außenmembranen  der  ober- 
seitigen Blattepidermis. 

Bei  der  Behandlung  der  Strahlenbrechung  durch  die 
papillös  vorgewölbte  Außenwand  der  oberseitigen  Blatt- 
epidermiszellen  bemerkt  Haberlandt,  daß  durch  die  annähernd 
parallel  begrenzte  Zellwand  und  den  ebenso  begrenzten  Plasma- 
beleg keine  Ablenkung  der  Strahlen  erfolgt.^  Dies  hat  rück- 
sichtlich  der  Zellwand  nur  insofern  Gültigkeit,  als  dieselbe, 
wie  bei  den  von  Haberlandt  untersuchten  Blättern  mit  bogig 
vorgewölbter  Außenwand  fast  durchgehends,  von  zarter  Be- 
schaffenheit ist.  Nun  zeichnen  sich  aber  gerade  die  immer- 
grünen Bäume  und  Sträucher  der  Tropen  durch  die  bekannten, 
derbledrigen,  häufig  wie  mit  einer  glänzenden  Firnisschichte 
überzogenen  Blätter  aus,  deren  Epidermisaußenwände  vielfach 
bedeutende  Verdickungen  zeigen.  Wie  ich  gleich  an  der  Hand 
von  Konstruktionen  nachweisen  werde,  muß  die  Lichtintensitäts- 
verteilung und  deren  Änderung  an  den  inneren  Plasmahäuten 
derartiger  Epidermiszellen  ^  trotz  Vorwölbung  bei  gleichmäßiger, 
nahezu  konzentrischer  Verdickung  der  Außenmembranen  beein- 
trächtigt werden.  Dieser  nachteilige  Einfluß  gleichmäßiger 
Membranverdickungen  wird  naturgemäß  um  so  stärker  sein, 
je  dicker  die  äußere  Zellwand  ist.  Soll  demnach  eine  licht- 
empfindliche, mit  verdickten  Membranaußenwänden  versehene 
Blattlamina    an     den    Plasmahäuten     der    Innenwände    ihrer 


1  Haberlandt,  Die  Lichtsinnesorgane  der  Laubblätter,  p.  57. 

2  Nach  Haberlandt's  Auffassung,  die  durch  die  jüngst  veröffentlichten 
Versuche  mit  Bcgonia  semperßorens  Lk.  (Haberlandt,  Ein  experimenteller 
Beweis  für  die  Bedeutung  der  papillösen  Laubblattepidermis  als  Lichtsinnes- 
organ ;  Ber.  der  deutsch,  bot.  Ges.,  Bd.  XXIV,  1906,  p.  361  bis  366)  eine  sehr 
wesentliche  Stütze  erfahren  hat,  wird  diese  Änderung  direkt  als  die  helio- 
tropische Bewegung  auslösender  Reiz  empfunden. 


Oberseitige  Blattepidermis  tropischer  Gelenkpflanzen. 


683 


Epidermiszellen  eine  gleichwertige  Lichtkonzentration  erfahren 
wie  eine  zartwandige  Spreite,  so  müssen  Einrichtungen  ge- 
troffen sein,  welche  den  nachteiligen  Einfluß  der  Verdickung 
aufheben.  Darauf  weist  schon  die  Tatsache  hin,  daß  Haber- 
landt  just  bei  zwei  Pflanzen  mit  derben  ledrigen  Blättern,  bei 
dem  aus  China  stammenden  Zierstrauch  Lonicera  fragran- 
tissinia  Lindl.  et  Pax.^  und  bei  der  windenden,  in  Guayana  und 
Brasilien    heimischen  Verbenacee  Petra ea  uolubilis  Jacq.-   an 


Fig.  1. 


der  dickwandigen  Außenseite  der  Blattepidermis  besonders 
wirksame  Apparate  zur  Lichtkonzentration  gefunden  und  be- 
schrieben hat.  Derartige  Apparate,  denen  man  einen  äußerst 
vollkommenen  Grad  der  Anpassung  an  ihre  Funktion  wohl 
kaum  wird  absprechen  können,  fand  ich  bei  meinen  Objekten 
allerdings  nicht,  doch  will  ich  gleich  zeigen,  wie  durch  wesent- 
lich  einfachere   Einrichtungen   die    nach    außen    derbwandige 


1  Haberlandt,    Die   Lichtsinnesurgane   der   Laubblätter,   p.  69   bis  70, 
Taf.  I,  Fig.  22. 

2  A.  a.  0.,  p.  73  bis  75,  Taf.  II,  Fig.  1 1  bis  17. 

45* 


Ö84  A.  Sperlich, 

Zelle  befähigt  wird,  eine  gleiche  Lichtkonzentration  an  den 
Plasmabelegen  ihrer  Innenwand  hervorzurufen  wie  die  zart- 
wandige,  ja  in  vielen  Fällen  sogar  eine  weit  vollkommenere. 

In  der  vorstehenden  Fig.  1  ist  eine  Epidermiszelle  beiläufig 
in  den  Dimensionsverhältnissen  gezeichnet,  wie  sie  den  ober- 
seitigen Epidermiszellen  im  Blatte  einer  nicht  näher  bestimmten 
Art  der  in  Australien  und  auf  der  pazifischen  Inselwelt  hei- 
mischen Verbenacee  i^flra<:/(;7j)V7  zukommen.  Das  ledrige  Blatt 
dieser  hoch  kletternden  Liane  zeichnet  sich  durch  zwei  mächtige 
Gelenksverdickungen  aus,  von  denen  die  eine  an  der  Blattstiel- 
basis 2-5  bis  3  cm  lang  und  0'5  bis  0*6  rw  breit,  die  andere 
am  oberen  Blattstielende  1  -5  cm  lang  und  0-4 cm  breit  ist.  Der 
zwischen  den  beiden  Verdickungen  gelegene  Abschnitt  des 
Blattstieles  mißt  2  bis  2*2  cm  in  der  Länge  und 0*25  bis 0-3  ci// 
in  der  Breite.  In  seiner  Gesamtheit  sieht  der  Blattstiel  mit  seinen 
verschieden  gerichteten  Abschnitten  dem  mit  Gelenken  ver- 
sehenen Arme  einer  Präparierlupe  nicht  unähnlich.  Aus  der 
Abbildung  auf  Taf.  II,  Fig.  1,  geht  jedenfalls  hervor,  daß  sowohl 
Stiel  als  Lamina  mit  Hilfe  der  beiden  Gelenke  bedeutende  Be- 
wegungen ausführen. 

Der  Kreisringabschnitt  ab  c  d  in  Textfigur  1  stellt  uns 
den  Durchschnitt  durch  die  äußere  verdickte  Membran  dar,  die 
in  diesem  Falle  als  Mantelstück  einer  Hohlkugel  angenommen 
wurde.  Die  Dicke  des  Mantels  ist  nach  dem  Mittelwerte  der  an 
verschiedenen  Punkten  der  Zellaußenwand  erfolgten  Messungen 
berechnet.^  Wenn  nun  paralleles  Licht  senkrecht  auf  eine  der- 
artige Zelle  fällt,  so  werden  die  Strahlen  unter  der  Voraus- 
setzung, daß  sich  innerhalb  der  Zelle  das  gleiche  Medium 
befindet  wie  außerhalb  derselben,  durch  den  Hohlkugelmantel, 
wie  aus  der  Figur  ersichtlich,  zerstreut.  In  diesem  in  Wirk- 
lichkeit niemals  möglichen  Falle  käme  demnach  trotz  Vor- 
wölbung der  Außenwand  keine  Lichtkonzentration  an  der 
Zellinnenwand  zu  stände.  Ich  wählte  bei  der  Konstruktion  des 
Strahlenganges  durch  die  Membranverdickung  den  Brechungs- 


\  Dieselben  ergaben  in  der  Mehrzahl  die  Werte  O'OOö  und0  009w/w, 
im  Maßstabe  der  Konstruktion  (1  :  1665)  Sund  15  mm;  als  Mittelwert  wurde 
12  w;«  angenommen. 


Oberseitige  Blattepideimis  tropischer  Gelenkpflanzen.  085 


exponenten  des  Glases  :=  —  .^  Obwohl  das  hohe  Brechungs- 
vermögen pflanzlicher  Zellwände  schon  seit  langem  allgemein 
angenommen  wird,  so  sind  uns  doch  erst  vor  kurzem  durch  die 
dankenswerte  Arbeit  Josef  S  ch  i  1 1  e  r's  '^  aus  W i  e  s  n  e  r's  pflanzen- 
physiologischem Institute  genauere  Werte  wenigstens  für 
bestimmte  Membranen  bekannt  geworden.  Nach  Schule  r's 
Ergebnissen  halten  die  Wände  der  untersuchten  Bast-  und 
Holzfasern  den  Vergleich  mit  stark  brechenden  verbreiteten 
Mineralen  sehr  wohl  aus.^Bei  der  Durchsicht  der  Schiller'schen 
Tabellen^  ergeben  sich  als  höchste  Werte  1  "5894  für  die  Bast- 
faser von  Calotropis  gigantea,  1  •  5879  bei  Boehmeria  nivea, 
1  •  5870  bei  Camtabis  sativa,  wenn  das  Licht  parallel  mit  der 
Faserrichtung  schwingt,^  als  niederste  Werte  erscheinen  bei 
der  schwach   doppelbrechenden   Faser  von  Agave  aniericaiia 

1  '53  und  1  •522.  Es  ist  demnach  für  die  Außenwand  der  Epi- 

3 
dermiszellen  der  Exponent  —  gewiß   nicht  zu  hoch  gegriffen. 

Die  durch  den  Hohlkugelmantel  bewirkte,  wie  wir  gesehen, 
unvorteilhafte  Divergenz  der  Strahlen  wird  in  Wirklichkeit 
nicht  nur  aufgehoben,  sondern  sogar  in  eine  Strahlen- 
konvergenz übergeführt,  da  das  Licht  beim  Verlassen  der 
Membranschichten  niemals  Luft,  sondern  den  Zellsaft  antrifft, 
dessen  Brechungsexponenten  ich  mit  Haberlandt  gleich  dem 

des  Wassers    —  in  Bezug  auf  Luft     angenommen  habe.     Es 

ergibt  sich   demnach  für  die  Konstruktion  des  Strahlenganges 

9 
aus  der  Zellwand  in  den   Zellsaft  w  :=  — .     Die    diesen   Ver- 

8 

hältnissen  entsprechende  Konstruktion  zeigt  die  linke  Zelle  in 

Fig.  2.     Die   rechte  Zelle   in    derselben    Figur  ist  von   gleich 


1  Für  Linie  D  ist  n  des  Crownglases  =  1  •  5296. 

2  J.Schiller,  Optische  Untersuchungen  von  Bastfasern  und  Holzelementen. 
Diese  Sitzungsber.,  Bd.  CXV,  1906,  p.  1623  bis  1659. 

3  A.  a.  O.,  p.  1640. 
*  A.  a.  0.,  p.  1636. 

^  Die  von  J.  Schiller  untersuchten  Elemente  sind  sämtlich  doppelbrechend. 


686 


A.  Sperli  ch, 


großem  Protoplasten,  ihre  Außenmembran  dl  ist  jedoch  unver- 
dickt.  Vergleichen  wir  die  zwei  Zellen  in  Bezug  auf  die  Licht- 
sammlung an  den  Innenwänden,  so  ergibt  sich  sofort,  daß  die 
Zelle  mit  gleichmäßig  verdickter  Außenmembran  gegen  die 
zartwandige  Zelle  im  Nachteil  ist.  Die  Parallelen  efm  und 
ghn  geben  die  Grenzen  an,  zwischen  welchen  sich  die  Tiefen- 
dimensionen der  Faradaya-ZeWen  halten.  Die  Größe  der  dunklen 
Randzone  ist  auf  der  Innenwand  e/zwar  noch  nicht  merklich 
anders    als    auf    der    entsprechenden    Innenwand    der    zart- 


Fig.  2. 

wandigen  Zellen /w  (e^^  nahezu  gleichyy"^);  bei  der  Betrach- 
tung der  Innenwände  gh  und  h  n  ergibt  sich  jedoch  schon  g gy 
<: /z/2^.  Dieser  Unterschied  wird  bei  einer  noch  höheren  Zelle 
bedeutender;  so  ist  zum  Beispiel  kk^  schon  viel  größer  als  ii^. 
Je  höher  also  eine  Epidermiszelle  mit  verdickter 
Außenwand  ist,  um  so  mehr  macht  sich  im  Verhältnis 
zu  einer  entsprechenden  zartwandigen  Zelle  der 
Nachteil  einer  gleichmäßigen  Membran  verdickung 
geltend. 

Nach    dieser   Überlegung    erscheint    es  dem   besonderen 
Bedürfnisse  in  hohem  Maße  entsprechend,  wenn  in  bestimmten 


Oberseitige  Blattepidermis  tropischer  Gelenkpflanzen. 


6S7 


Fällen  die  Membranverdickung  nicht  in  Form  eines  Hohlkugel- 
mantels, sondern  in  Form  einer  bald  stärkeren,  bald  schwächeren 
Sammellinse  entwickelt  ist.    Und  in  der  Tat  finden  wir  dies  bei 
der  großen  Mehrzahl  der  Epidermiszellen  von  Faradaya.    Das 
Blattquerschnittbild    auf    Taf.   II,  Fig.  2,    zeigt  uns,   daß   die 
Membranverdickung  nach  außen  annähernd  durch  eine  Kugel- 
fläche,  nach  innen  jedoch  annähernd  durch  eine  Ebene  begrenzt 
ist.  Die  Bogen  an  der  Stelle  des  Zusammentreffens  der  Radial- 
wände mit  der  Außenwand,  wohin  wenig  Licht  gelangen  kann, 
sind  in  der  folgenden  Kon- 
struktion  außer  acht  ge- 
lassen. Den  Strahlengang 
in    diesen    Zellen    zeigt 
Textfigur    ?>a.    Ein   Blick 
auf  die  Fig.  3  a  und  2  be- 
lehrt uns  sofort  über  die 
bedeutendere      Lichtkon 
zentration   an  den  Innen- 
wänden der  Zelle  in  Fig  Sa: 
die   dunkle  Randzone  e  e^ 
oder  gg^  in  Fig.  3  a  ist  be- 
deutend   größer     als     die 
entsprechende    Zone    e  e^ 
oder  gg^  in  Fig.  2,  ja  so- 
gar größer  als  die  Rand- 
zone    der     zartwandigen 
Zelle      //i,     beziehungs- 
weise hliy 

Eine  noch  kräftigere  Strahlenkonvergenz  erhält  man,  wenn 

3 
statt  des  Exponenten  des  Glases  =  y  für   die  Zellwand  an- 


Fig.  3  a. 


nähernd    der  Exponent  des  Schwefelkohlenstoffes 


\5 


ange- 


nommen wird,  wie  das  bei  Fig.  Zh  geschehen  ist.  In  Wirk- 
Hchkeit  liegt  der  Brechungsexponent  der  vollständig  kutinisierten 
Membranen  von  Fara^aj^a-Epidermiszellen  zwischen  den  zwei 
angenommenen  Werten  1-5  und  1-6.  Genau  stellte  ich  den- 
selben nicht  fest,  da  das  eine  Untersuchung  für  sich  in  Anspruch 


688 


A.  Sperli  ch, 


genommen  hätte.  Es  ergab  sich  jedoch,  daß  die  Membran 
merklich  stärker  lichtbrechend  ist  als  das  von  Zeiß  gelieferte 
Ol.  ligni  Cedri  mit  w=r  1-515  und  bedeutend  schwächer  als 
Schwefelkohlenstoff,  n  =  1-  6303. 

Ein  noch  weit  besserer  Beleuchtungseffekt  an  den  Innen- 
wänden der  Epiderm.iszellen  wird  erzielt,  wenn  die  Außenwand 
nicht  wie  bei  den  Faradaya-BVättern  die  Gestalt  einer  plan- 
konvexen Linse  hat,  sondern  die  Form  einer  bikonvexen  Linse 
annimmt.  Auch  dieser  Fall,  den  ich  besonders  schön  zwei- 
mal angetroffen,  werde 
hier  an  einem  Beispiele 
vorgeführt. 

Derin  Ceylon  heimische, 
mit  irritablen  Kletterhaken 
versehene  Strauch  Para- 
migttya  armata  Oliv,  aus 
der  Gruppe  der  Auran- 
tieen  zeichnet  sich  durch 
den  Besitz  langgestielter 
dreifiedriger  Blätter  aus. 
Die  länglich-elliptischen 
Teilblätter  sind  sehr  derb 
und  weisen  an  ihren 
kleinen  Epiderm.iszellen 
bedeutende  Verdickung 
der  Außenmembranen  auf. 
Auch  hier  sind  diese  Mem- 
branen vollständig  kutini- 
siert.  Der  5-5  bis  6  cm  lange  und  durchschnittlich  0-2  ««  breite 
Blattstiel  trägt  sowohl  an  seiner  Basis  als  auch  an  seinem  oberen 
Ende  Gelenke.  Das  Basisgelenk  ist  nicht  sehr  stark  (0-4  :  0-34cm), 
um  so  auffälliger  ist  das  mächtige  Gelenk  am  oberen  Ende  von  einer 
durchschnittlichen  Dicke  von  0-45  cm.  Wie  in  Fig.  14Z7  auf  Taf.  11 
ersichtlich,  schließen  sich  an  dieses  Gelenk  überdies  noch  drei 
am  Grunde  der  Teilblätter  befindliche  Gelenke  an.  Es  ist  wohl 
kaum  zu  bezweifeln,  daß  in  diesem  Falle  gerade  die  mit 
besonders  großen  Bewegungswerkzeugen  versehenen  Spreiten 
der  Teilblätter  die  Lichtrichtung  perzipieren,  um  so  mehr  als  die 


Fig.  Zh. 


Oberseitige  Blattepidermis  tropischer  Gelenkptlanzen. 


689 


Gelenke  selbst  mit  ihrer  starken,  eine  große  Zahl  von  Lenti- 
zellen  tragenden  Rinde,  wie  schon  in  der  Einleitung  hervor- 
gehoben, kaum  lichtempfindlich  sein  dürften.  Auch  befinden 
sich  wenigstens  die  Gelenke  der  Teilblätter  vollständig  im 
Schatten  der  Spreiten.  Das  Bild  des  Blattquerschnittes  auf 
Taf.  II,  Fig.  15,  zeigt  uns  denn  auch,  wie  die  stark  verdickten 
Außenwände  der  Epidermiszellen  die  Gestalt  bikonvexer  Linsen 
angenommen  haben.  Den  Strahlengang  durch  diese  Zellen  ent- 
nehmen wir  aus  denTextfig.  4a  und  4b.  In  Fig.  4  a  ist  die  Sammel- 
linse aus  Glas,  in  Fig.  4  b  aus  Schwefelkohlenstoff  gedacht. 
Wie    bei    Faradaya    liegt    auch   hier   der   Brechungsexponent 


> 

■ 

y 

y 

1 

d 

'■',  \ 

\    \ 

i 

Fig.  4  a. 


Fig.  4  b. 


zwischen  den  zwei  angenommenen  Werten.  Aus  den  beiden 
Figuren  geht  hervor,  daß  durch  die  Zellaußenwand  eine  breite 
dunkle  Randzone  ee^^  und  ff^  und  ein  lichtkräftiges  helles  Mittel- 
feld auf  den  Innenwänden  erzeugt  wird. 

Ich  glaube  nun,  es  hat  keine  Schwierigkeit,  diese  auf- 
fallende Vermeidung  der  Gleichmäßigkeit  bei  der  infolge  anderer 
Ursachen  notwendig  werdenden  Verdickung  der  Außenmem- 
branen gerade  der  oberseitigen  Epidermiszellen  alsim  Dienste 
der  Lichtperzeption  stehend  zu  betrachten.  Hiedurch  aber 
scheint  mir  für  Hab erl and t's  Auffassung  nach  dessen  eigenen 
Worten  eine  weitere  Stütze  gewonnen:  »Je  umfassender  aber 
ein  Erklärungsprinzip  ist,  je   mehr  Einzeltatsachen  es  erhellt, 


690  A.  Sperlich, 

desto  größer  ist  seine  Bereciitigung.«^  Glaubte  man  hingegen 
die  geschilderten  Membranverdickungserscheinungen  bloß  durch 
irgend  welche  Druck-  oder  Spannungsv'erhältnisse,  hervor- 
gerufen durch  gegenseitige  Beeinflussung  sich  gleichzeitig  ver- 
dickender Membranen  anstoßender  Zellen  erklären  zu  können, 
so  wäre  die  Frage  berechtigt,  warum  diese  Druck-  und  Span- 
nungsverhältnisse in  anderen  Fällen  gerade  zum  Gegenteil,  zur 
Ausbildung  von  konkaven  Linsen  führen,  die,  wenn  man  das 
große  Brechungsvermögen  derselben  in  Betracht  zieht,  durch 
bedeutende  Lichtzerstreuung  die  Beleuchtungsdifferenzierung 
auf  den  Epidermisinnenwänden  beeinträchtigen. 

Die  im  Dienste  verschiedener  Funktionen  ausgebildete,  oft 
vollständig  kutinisierte  Verdickung  der  Außenmembran  ist  dem- 
nach auch  mit  Rücksicht  auf  die  Bedürfnisse  der  Lichtperzeption 
möglich,  denn  die  Verdickungen  werden  derart  eingerichtet, 
daß  der  hiezu  notwendige  Strahlengang  erfolgen  kann. 


2.  Die  Lichtreflexion  an  stark  verdickten,  konkaven  Zell- 
innenwänden der  oberseitigen  Blattepidermis. 

Nicht  nur  durch  bogig  vorgewölbte  Außenmembranen  oder 
durch  besondere  Einrichtungen  zur  Sammlung  der  Lichtstrahlen 
wird  eine  ungleichmäßige  Lichtverteilung  an  den  Plasmahäuten 
der  Epidermiszellen  und  eventuell  darunter  liegender  Zell- 
schichten hervorgerufen,  sondern  es  bedingen  auch  gegen  das 
Assimilationsgewebe  pyramidenstutz-  oder  kalottenförmig  ein- 
springende Epidermiszellen  mit  ebenen  Außenmembranen  eine 
stärkere  Beleuchtung  des  Mittelfeldes  ihrer  inneren  Plasma- 
belege. Auch  diesen  Fall,  den  Haberlandt  für  eine  unvoll- 
kommenere Anpassung  an  das  Bedürfnis  der  Lichtperzeption 
auffaßt,  beschreibt  der  genannte  Forscher  bei  vielen  euphoto- 
metrischen  Laubblattspreiten.-  Die  Lichtperzeption  kann  jedoch 
hier  nur  an  den  Plasmabelegen  der  Epidermisinnenwände 
erfolgen,  während  bei  Zellen   mit  bogig  vorgewölbter  Außen- 


1  Haberhandt,  Die  Lichtsinnesorgane  der  LaubbLätter,  p.  51. 
-   Haberlandt,   Die    Perzeption    des  Lichtreizes    durch    das    Laubblatt, 
p.  115  bis  1 16;  Die  Lichtsinnesorgane  der  Laubblätter,  p.  44  bis  46. 


Oberseitige  Blattepidermis  tropischer  Gelenkpflanzen. 


691 


membran  zu  der  ungleichmäßigen  Lichtverteilung  an  den 
Innenwänden  noch  eine  ungleichmäßige  Beleuchtung  der 
Außenwand  infolge  deren  Vorwölbung  hinzu  kommt.  In  letzterem 
Falle  kann  demnach,  wie  Haberlandt  hervorhebt,^  auch  in 
den  Plasmabelegen  der  Zellaußenwände  die  geänderte  Licht- 
richtung durch  Verschiebung  der  Intensitätsverteilung  perzi- 


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7 

Fig.  5. 

piert  werden.  Ich  bin  nun  auf  Grund  von  Beobachtungen  und 
Konstruktionen  über  die  Licht  re flexi on  an  den  bogig  gegen 
die  Palisaden  einspringenden  Epidermisinnenwänden  im  Falle 
ansehnlicher  Verdickung  derselben  zu  der  möglichen 
Auffassung  gelangt,  daß  auch  Epidermiszellen  mit  ebenen 
Außenwänden  in  den  diesen  anliegenden  Plasmabelegen  die 
Lichtrichtung  und  deren  Änderung  perzipieren.   Ich  will   diese, 


i  A.  a.  0.,  p.  44  und  95. 


692  A.  Sperlich, 

wie   ich   ausdrücklich    betone,   mögliche  Einrichtung  an  der 
Hand  eines  Beispieles  vorführen. 

Die  in  den  Himalayagegenden  heimische  MagnoUa  spheno- 
carpa  Hook,  besitzt  derbledrige  Blätter,  deren  von  der  Lamina 
nicht  scharf  abgesetzter  Blattstiel  am  Grunde  eine  gelenkige 
Verdickung  ähnlich  wie  der  Blattstiel  unserer  Roßkastanie  zeigt 
(vergl.  Taf.  I,  Fig.  1).  Die  Epidermiszellen  der  von  Haber- 
landt^  untersuchten  MagnoUa- Arten,  unter  denen  besonders 
MagnoUa  acummata  genannt  wird,  sind  durch  vorgewölbte 
Außenmembranen  und  ebene  Innenwände  ausgezeichnet.  Die 
oben  genannte,  von  mir  untersuchte  Art  weist  ebene  Außen- 
wände und  gegen  das  Assimilationsgewebe  vorgewölbte  Innen- 
membranen auf.  Sämtliche  Zellwände  sind  ziemlich  gleich- 
mäßig verdickt,  wie  aus  Fig.  3  auf  Taf.  I  ersichtlich  wird.  Die 
Textfig.  5  soll  uns  die  Beleuchtungsverhältnisse  in  einer  der- 
artigen Epidermiszelle  demonstrieren,  wobei  angenommen  ist, 
daß  das  Licht  senkrecht  auf  die  eben  ausgebreitete  Blattlamina 
fällt.  Die  Zelle  ist  schematisiert  in  1875facher  Vergrößerung 
gezeichnet;  ab  cd  ist  die  verdickte  ebene  Außenwand,  aa^hh^ 
die  gleichmäßig  dahinziehende  Kutikula,  efgh  die  nach  innen 
bogige,  ebenfalls  stark  verdickte  Innenwand,  cdef  das  Lumen 
der  Zelle.  Wie  Haberlandt  hervorgehoben  hat,  ist  das  Mittel- 
feld der  Zellinnenwand  kräftiger  beleuchtet  als  die  Randpartien, 
da  die  Lichtstrahlen  auf  jenes  senkrecht  oder  nahezu  senkrecht, 
auf  diese  jedoch  unter  spitzem  Winkel  einfallen.  Aus  meiner 
Konstruktion  geht  nun  hervor,  daß  unter  der  Voraussetzung 
genügend  kräftiger  Lichtreflexion  durch  die  Zellinnenwände 
auch  an  den  im  übrigen  durch  das  von  oben  eintretende  Licht 
gleichmäßig  beleuchteten  Außenwänden  eine  Differenz  in  der 
Beleuchtungsintensität  des  Mittelfeldes  und  der  Randpartien 
zustande  kommt.  Sämtliche  auf  die  Innenwand  der  Zelle  fallen- 
den Strahlen  werden  nach  der  Kreisfläche  rs  zurückgeworfen, 
deren  Grenzlinie  durch  die  Schnittpunkte  der  äußersten  Rand- 
strahlen mit  der  Außenwand  bestimmt  ist.  Da  in  unserem  Falle 
der  Focus  des  Konkavspiegels  annähernd  auf  der  inneren 
Grenzfläche  der  Außenwand  liegt,  so  ist  das  Zentrum  derselben 


1  A.  a.  O.,  p.  58  und  59. 


Oberseitige  Blattepideimis  tropischer  Gelenkpflanzen. 


693 


bei  genügender  Stärke  des  reflektierten  Lichtes  kräftiger  be- 
leuchtet als  die  übrigen  Partien.  Diese  Beleuchtungsverhält- 
nisse an  den  Zellinnen-  und  Zellaußenvvänden  ändern  sich 
sofort,  wenn  das  Licht  nicht  senkrecht  auf  die  Blattspreite  fällt, 
sondern  unter  spitzem  Winkel.  Die  betreffende  Änderung 
ersehen   wir    aus    Textfig.  6.    Infolge   der  Lichtbrechung  der 


Fiff.  6. 


Stark   verdickten  Außenmembran,  für  welche  hier  wie  bei  den 

o 

vorhergehendenKonstruktionen7z==  —  angenommen  wurde,  ist 

o 

der  Einfallswinkel  der  Lichtstrahlen  im  Lumen  der  Zelle  etwas 

kleiner  als  er  es  beim  Auffallen  der  Strahlen  auf  die  Lamina 

war.     Zunächst    entnehmen    wir    der    Konstruktion     die    von 

Haberlandt  mitgeteilte  Verschiebung  des  helleren  Mittelfeldes 

an  der  Innenwand  von  MnachM'.  Ebenso  verschiebt  sich  nun 


694  A.  Sperlich, 

aber,  wie  die  Figur  ergibt,  die  Fläche,  auf  welciier  sich  das 
reflektierte  Licht  sammelt,  voni^  nach  i^'.  Überdies  besteht  das 
Reflexionsfeld  auf  der  Zellaußenwand  nicht  mehr  aus  konzen- 
trischen Ringen  von  gleichmäßig  abnehmender  Intensität  wie 
im  Falle  senkrechten  Lichteinfalles,  sondern  die  Beleuchtungs- 
verhältnisse werden  jetzt  im  seitwärts  verschobenen  Reflexions- 
felde exzentrisch.  Es  sei  übrigens  bemerkt,  daß  einiges  reflek- 
tierte Licht  immerhin  außerhalb  dieses  Feldes  die  obere  Zell- 
wand treffen  muß;  es  ist  das  von  der  Radialwand  df  auf  die 
Innenwand  geworfene  Licht,  welches  von  dieser  annähernd  in 
die  Fläche  FF'  reflektiert  wird,  und  das  auf  die  Fläche  ee  der 
Innenwand  fallende  Licht,  welches  durch  Reflexion  auf  die 
Fläche  5  /  fällt.  Im  Verhältnisse  zum  übrigen  Lichte  erscheinen 
aber  diese  gleichsam  verirrten  Strahlen  in  verschwindender 
Minderheit.  Sehr  gut  lassen  sich  diese  durch  die  Hohlspiegel- 
wirkung der  Zellinnenwände  auf  den  Außenmembranen 
erzeugten  Beleuchtungsverhältnisse  beim  Linsenversuche 
beobachten.  Stellt  man  zunächst  auf  die  Zellkerne  der  Epi- 
dermiszellen,  die  meist  der  Innenwand  anliegen,  ein  und  ver- 
schiebt dann  allmählich  den  Tubus  des  Mikroskops  statt  nach 
oben  nach  unten, ^  so  wird  ein  helles  Mittelfeld  an  den  Außen- 
wänden bemerkbar,  das  um  so  regelmäßiger  ist,  je  mehr  sich  die 
Gestalt  der  Innenwand  einer  gleichmäßigen  Kugelkalottenfläche 
nähert.  Meistens  ist  dies  allerdings  nicht  der  Fall;  die  hellen 
Felder  haben  verzerrte  Gestalt.  Bei  genügend  kleiner  Blende 
nimmt  man  in  regelmäßigen  Lichtkreisen  die  reellen  Spiegel- 
bilder entfernter,  charakteristisch  konturierter  Gegenstände 
wahr.  Wie  bei  Haberlandt's  Linsenversuch  ist  auch  hier  die 
Verschiebung  des  hellen  Feldes,  überdies  dessen  elliptische 
Verzerrung  zu  beobachten,  wenn  die  Richtung  des  einfallenden 
Lichtes  geändert  wird.  Der  Versuch  gelingt  nur  bei  Epidermen 
mit  bogig  einspringenden  Innenwänden,  wenn  diese  ansehnlich 
verdickt  und  womöglich  überdies  kutinisiert  sind. 


1  Bekanntlich  liegen  beim  Linsenversuche  die  Epidermiszellen  so,  daß  sie 
mit  ihren  Außenwänden  nach  dem  beleuchtenden  Planspiegel,  also  nach  unten 
schauen. 


Oberseitige  Blattepidermis  tropischer  Gelenkpflanzen.  69o 

Nach  dieser  Darlegung  halte  ich  es  immerhin  als  im 
Bereiche  der  Möglichkeit  gelegen,  daß  auch  in  Epidermis- 
zellen  mit  ebenen  Außenwänden  und  gegen  das  Assimilations- 
gewebe bogig  vorgewölbten  Innenmembranen  im  Falle  ansehn- 
licher Verdickung  der  letzteren  die  den  Außenwänden 
anliegenden  Plasmabelege  bei  der  Lichtperzeption  mitbeteiligt 
sind.  Die  bedeutende  Lichtschwächung  durch  Reflexion  und 
Absorption  von  Seite  sklerenchymatischer  Gewebselemente 
finden  wir  bei  Haberlandt  besonders  hervorgehoben. ^  Eine 
wesentlich  festere  Stütze  gewänne  die  Auffassung  dann,  wenn 
wir  über  die  Reizschwelle  beim  Heliotropismus  unter  Anwen- 
dung höherer  Lichtintensitäten  eine  klare  Vorstellung  besäßen. 
Denn  wenn  auch,  wie  im  allgemeinen  angenommen  werden 
kann  und  wie  es  der  oben  mitgeteilte  Versuch  zeigt,  von  dick- 
wandigen Membranen  viel  Licht  reflektiert  wird,  so  ist  dies 
Licht  doch  nur  ein  Teil  des  in  das  Blatt  eingedrungenen 
Gesamtlichtes  und  es  ergibt  sich  die  Frage,  ob  das  Plasma  der 
Außenwand  das  Plus  an  Licht  im  Reflexionsfelde  zu  empfinden 
vermag.  Da  wir  nun  nicht  einmal  über  die  eben  noch  eine 
heliotropische  Bewegung  herbeiführende  Differenz  anta- 
gonistisch wirkender  höherer  Lichtintensitäten  eine  feste 
Vorstellung  besitzen,"^  so  entzieht  sich  die  aufgeworfene  Frage  ^ 
unserer  Beurteilung. 


1  Haberlandt.  Die  Lichtsinnesorgane   der   Laubblätter,   p.   37   und  38. 

2  Vergl.  diesbezüglich  Jost,  Vorlesungen,  p.  584  und  585. 

"'  Eine  ähnliche  Frage  ließe  sich  auch  betreffs  der  Beleuchtungsdifferenzen 
auf  den  von  parallelen  Lichtstrahlen  getroffenen  bogig  gewölbten  Außen-  und 
Innenmembranen  stellen  mit  dem  Unterschiede,  daß  wir  es  hier  nur  mit  gleich- 
sinnigem Lichte  zu  tun  haben.  Wenn  auch  die  Randpartien  solcher  Wände 
infolge  schiefen  Lichteinfalles  in  der  Tat  schwächer  beleuchtet  sind  als  das 
Mittelfeld,  so  kommt  diese  Intensitätsdifferenz  keinesfalls  den  Beleuchtungs- 
differenzen gleich,  wie  sie  durch  die  Strahlensammlung  bogig  vorgewölbter 
Außenmembranen  oder  linsenartiger  Einrichtungen  hervorgerufen  werden;  es 
kann  immerhin  bezweifelt  werden,  ob  jene  Differenz  genügt,  um  im  Plasma 
Veränderungen  hervorzurufen.  Em  direkter  Beweis  hieiür,  wie  ihn  Haberlandt 
für  die  Auffassung  der  oberseitig  papillösen  Epidermis  als  Sinnesepithel  durch 
Ausschaltung  der  Linsenfunktion  derselben  erbracht  hat,  ist  bei  Epidermen  mit 
ebener  Außenwand  kaum  denkbar  und  deswegen  werden  wir  uns  wohl  hier 
mit  Analogieschlüssen  begnügen  müssen.     Endlich  ist   zu  bemerken,  daß   auch 


696  A.  Sperlich, 

Unter  der  derbwandigen  Epidermis  ist  bei  Magnolia 
sphenocarpa,  wie  bei  vielen  anderen  Magnoliaceen/  in  der 
Umgebung  der  Gefäßbündel  ein  einschichtiges  Hypoderm  ent- 
wickelt. Wie  aus  Fig.  2,  Taf.  I,  hervorgeht,  springen  die  Innen- 
wände auch  dieses  Gewebes  in  die  Assimilationsschichte  ein. 
Hier  werden,  wie  schon  Haberlandt  bemerkt  hat,  ebenfalls 
ßeleuchtungsdifferenzen  erzeugt,  die  von  den  anliegenden 
Plasmahäuten  perzipiert  werden  könnten.  Ob  das  durch  die 
verdickten  Wände  der  Epidermiszellen  bedeutend  geschwächte 
Licht  in  diesem  Falle  noch  reizauslösend  wirken  kann,  bleibt 
fraglich. 

3.   Die   Beleuchtungsverhältnisse    an    der    Grenze    zwischen 

oberseitigem    Wassergewebe    und   Assimilationsschichte    in 

einzelnen  Laubblattspreiten. 

»Wenn  unter  der  glatten  Epidermis  ein  Wassergewebe 
vorhanden  ist,«  schreibt  Haberlandt,"^  »dann  sind  in  der 
Regel  die  innersten  Wassergewebszellen,  die  an  das  Assimi- 
lationsgewebe grenzen,  mit  vorgewölbten  Innenwänden  ver- 
sehen und  ermöglichen  so  eine  ungleiche  Intensitätsverteilung 
des  Lichtes.«  Als  Beispiele  hiefür  folgen  Fictis  elastica,  F.  nitida, 
Urostigma  venenosum.  In  der  Tat  fand  auch  ich  die  Wasser- 
gewebszellen stets  in  das  Assimilationsgewebe  einspringend; 
überdies  tritt  aber  an  der  Grenze  zwischen  Wasser-  und  Assi- 
milationsgewebe in  einzelnen  Fällen  noch  ein  weiterer  Umstand 


heliotropische  Experimente  über  die  Reizschwelle  bei  antagonistisch  wir- 
kenden hohen  und  ungleichen  Lichtintensitäten  uns  vielleicht  nicht  viel  in  dieser 
Frage  werden  sagen  können.  Denn  das  Kriterium  für  die  erfolgte  Reizung  ist 
nach  unseren  jetzigen  Erkenntnissen  doch  immer  nur  die  Bewegung,  das  letzte 
Glied  der  Kette.  Zustands-  oder  stoffliche  Änderungen,  die  früheren  Gliedern 
der  heliotropischen  Reizkette  entsprechen,  treten  gewiß  oft  ein,  ohne  daß  eine 
Bewegung  erfolgt,  und  gerade  auf  diese  Änderungen  kommt  es  in  unserem 
Falle  an.  Wie  weit  sich  etwa  Czapek's  Methoden  über  die  Bestimmung  der 
durch  tropistische  Reizungen  veränderten  fermentativen  Verhältnisse  auf  diese 
Fälle  anwenden  und  für  diese  Fälle  verfeinern  ließen,  ist  heute  schwer  zu 
sagen. 

1  Solerede r,    Sj^stematische    Anatomie     der    Dicotyledonen.     Stuttgart, 
Enke,  1899,  p.  32. 

2  Haberlandt,  Die  Lichtsinnesorgane  der  Laubblätter,  p.  46. 


Oberseitige  Blattepidermis  tropischer  Gelenkpflanzen.  69/ 

hinzu,  der  eine  ungleichmäßige  Beleuchtung  der  assimilierenden 
Zellen,  diese  in  ihrer  Gesamtheit  betrachtet,  verursachen  muß. 
Macht  man  durch  Blätter,  die  durch  den  Besitz  eines 
oberseitigen  Wassergewebes  ausgezeichnet  sind,  nach  ver- 
schiedenen Richtungen  Querschnitte  von  der  Länge  einiger 
Zentimeter  und  beobachtet  dieselben  unter  dem  Mikroskope 
mit  schwachen  Suchersystemen  oder  unter  einer  stärker  ver- 
größernden Präparierlupe,  so  gewahrt  man,  daß  die  Grenzlinie 
zwischen  den  Wassergewebs-  und  den  assimilierenden  Zellen 
nicht  einer  Geraden  entspricht,  sondern  eine  gleichmäßige 
Wellenlinie  ist,  bei  welcher  Berg  und  Tal  bald  stärker,  bald 
schwächer  ausgeprägt  erscheinen.  Da  Querschnitte  nach  ver- 
schiedenen Richtungen  dasselbe  Bild  zeigen,  so  ergibt  sich, 
daß  die  Grenzfläche  zwischen  Wasserspeicher-  und  Assimi- 
lationsgewebe nicht  eine  Ebene  oder  nahezu  eben  ist,  sondern 
daß  diese  Fläche  vielmehr  eine  große  Zahl  von  bald  dichter, 
bald  weniger  dicht  nebeneinander  liegenden  Gruben  besitzt, 
etwa  so  wie  eine  blatternarbige  Haut.  Es  ist  nun  einleuchtend, 
daß  bei  senkrechtem  Lichteinfalle  sowohl  die  inneren  Plasma- 
häute der  Wasserzellen  aus  der  tiefsten  Schichte  als  auch  die 
äußeren  Plasmabelege  der  darunter  liegenden  Chlorophyll- 
zellen auf  den  »Bergen«  und  auf  den  Mittelfeldern  der  »Täler« 
viel  intensiver  beleuchtet  sein  werden  als  die  entsprechenden 
Plasmabelege  der  an  den  geneigten  Stellen  der  Grenzfläche 
liegenden  Zellen.  Jede  Änderung  des  Lichteinfalls  muß  diese 
Lichtverteilung  zerstören;  Bei  schiefem  Lichteinfalle  sind  die 
Zellen  der  dem  Lichte  zugekehrten  »Lehnen«  intensiver 
beleuchtet  als  Berg  und  Tal.  Geradeso  wie  in  der  einzelnen 
Zelle  mit  bogig  vorgewölbter  Innenwand  die  Verschiebung  der 
Beleuchtungsintensität  auf  derselben  als  heliotropische  Reizung 
aufgefaßt  wird,  kann  in  unserem  Falle  diese  Verschiebung  auf 
der  grubigen  Grenzfläche  der  beiden  in  Betracht  kommenden 
Gewebe  als  Reizursache  gedeutet  werden,  wobei  die  Plasma- 
belege der  beteiligten  Zellen  in  gewissem  Sinne  eine  physio- 
logische Einheit  darstellen.  Damit  ist  aber  auch  eine  Erklärung 
für  die  anatomische  Tatsache,  die  mir  schon  früher  öfter  auf- 
gefallen war,  gefunden:  Die  grubige  Beschaffenheit  der  Grenz- 
fläche steht  im  Dienste  der  Lichtperzeption.  Anschließend  will 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  KL;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  4G 


(398  A.  Sperlich, 

ich  für  das  Erwähnte  zwei  Beispiele  anführen;  zunächst  sei 
jedoch  bemerkt,  daß  sich  die  wellenförmige  Grenzlinie  schon 
vielfach  in  Blattquerschnittsabbildungen  da  und  dort  in  der 
Literatur  vorfindet,  selbstverständlich  ohne  Bemerkung  über 
deren  eventuelle  Bedeutung. 

Die  in  Java  heimische  Araliacee  Heptapleurtim  hicichun 
Miq.  =:  Scliefflera  rigida  (Seem.)  Harms,  zeichnet  sich 
durch  kolossale  Blätter  aus,  an  welchen  dreierlei  Gelenk- 
verdickungen auftreten.  Zunächst  fällt  am  Grunde  des  nahezu 
meterlangen  (80  bis  90  cm)  Blattstieles  eine  mächtige  Ver- 
dickung auf,  deren  Durchmesser  mehr  als  das  Dreifache  des 
Blattstieldurchmessers  beträgt  (3  bis  "d-bcm  gegen  0*  7  bis  \cin). 
Auf  Taf.  II  ist  dieselbe  in  Fig.  23  a  abgebildet  {n  sind  die 
ligula-artig  entwickelten  Nebenblätter).^  Am  Ende  des  Blatt- 
stieles befindet  sich,  wie  aus  Fig.  23  Z^  der  gleichen  Tafel 
ersichtlich,  ein  2  cui  langes  zweites  Gelenk,  welches  die  26 
bis  28  cm  langen,  strahlenförmig  auseinander  gehenden  Teil- 
blätter trägt.  Aus  derselben  Figur  geht  hervor,  daß  überdies 
die  Stiele  der  Teilblätter  an  ihrem  Grunde  gelenkartig  verdickt 
sind.  Es  ergibt  sich  schon  bei  bloßer  Betrachtung  des  Objekts, 
daß  durch  diese  Einrichtungen  nicht  nur  das  Blatt  als  Ganzes, 
sondern  auch  das  gesamte  Rad  der  Teilblätter  und  endlich 
jedes  Teilblatt  für  sich  beweglich  ist.  Insbesondere  wird  durch 
die  Bewegung  in  den  Stielgelenken  der  Teilblätter  die  für  uns 
in  Betracht  kommende  feinere  Einstellung  in  die  günstigste 
Lichtrichtung  bewerkstelligt.  Da  sich  nun  aber  diese  Gelenke, 
wie  das  Objekt  zeigt,  zum  größten  Teil  gegenseitig  beschatten, 
halte  ich  es  als  zweifellos,  daß  die  zur  feineren  Einstellung 
nötige  Bewegung  nur  durch  Reizung  der  Lamina  ausgelöst  wird. 
Am  Querschnitte  derselben,  der  in  seiner  oberen  Hälfte 
in  Fig.  7a  schematisch  wiedergegeben  ist,  bemerken  wir  die 
wellenförmige  Grenzlinie  zwischen  dem  beiläufig  O'l  mm 
mächtigen  vierschichtigen  Hypoderm^  und  dem  Assimilations- 


1  Vergl.  Harms'  Bearbeitung  der  Araliaceen  in  Engler  und  Prantl, 
»Natürliche  Pflanzenfamilien«,  III.  Bd.,  8,  p.  36. 

2  Nach  den  Untersuchungen  Bachmann 's  findet  sich  in  der  Familie  der 
Araliaceen  Hypoderm  in  verschiedenster  Ausbildung  (vergl.  So  lere  der, 
a.  a.  O.,  p.  483). 


Oberseitige  Blattepidermis  tropischer  Gelenkpflanzen. 


699 


gewebe;  Fig.  Tb,  die  das  Wassergewebe  in  einem  »Tale« 
illustriert,  zeigt  uns,  daß  die  Zellen  der  tiefsten  Schichte  jenes 
nach  innen  vorgewölbt  sind.  Die  Gestalt  der  Epidermiszellen 
ist  für  jede  Beleuchtungsdifferenzierung  untauglich. 

Noch  viel  tiefere  und  größere  Gruben  zeigt  die  Grenz- 
fläche zwischen  Wasserzellen  und  Assimilationsgewebe  in  den 
Blättern  eines  von  Prof.  Heinricher  in  Pasir  Datar  auf  Java 
gesammelten,  nicht  näher  bestimmten  Cissus,  der  sich  durch 
eigentümliche  Speicherknollen  an  den  Luftwurzeln  auszeichnet. 
Wie  in  der  Familie  der  Ampelidaceen  überhaupt  häufig,  finden 


Fig.  7  a.  Vergr.  29. 


Fig.  7  b.  Vergr.  187. 


wir  auch  bei  diesem  Cisstis  Sproß  und  insbesondere  Blatt 
sukkulent.  Fig.  15  auf  Taf.  I  zeigt  uns,  daß  der  Blattstiel  der 
Pflanze  auffallend  gelenkig  verdickt  ist,  überdies  sind  im 
Bereiche  desselben  starke  Krümmungen  im  Bilde  festgehalten. 
Aus  dem  Blattquerschnitte  in 
Textfig.8  ist  zunächst  zusehen, 
daß  hier  ein  eigentliches  Wasser- 
gewebe nicht  existiert,  sondern 
daß  die  auffällig  großen  Epi- 
dermiszellen dieses  ersetzen.  Fig.  8.  Vergr.  62. 
Die  nach  außen  mäßig,  nach  innen  etwas  stärker  vorgewölbten 
Epidermiszellen  haben  über  den  höchsten  Punkten  des  darunter 
liegenden  Assimilationsbandes  eine  Höhe  von  0' OS  mm,  über 
den  tiefsten  Punkten  desselben  aber  erreichen  sie  die  ansehn- 
liche Höhe  von  0-24mni.  Wie  wir  sehen,  sind  die  Gruben  hier 
von  bedeutender  Tiefe,  die  Differenzierung  in  der  Beleuch- 
tungsintensität demgemäß  eine  noch  vollkommenere  als  beim 
ersten  Beispiele.  Es  sei  noch  beigefügt,  daß  die  Erhebungen 
im  Assimilationsgewebe  hier  an  die  Ausbildung  mächtiger 
Schleimzellen    (in   der  Fig.  s)    gebunden     sind,    welche  nach 


700  A.  Sperlich, 

Blenk's  Untersuchungen^  nicht  nur  bei  C/s5/^s-Arten,  sondern 
auch  bei  vielen  anderen  Ampelidaceen  im  Mesophyll  auftreten 
und  wahrscheinlich  mit  einem  Inhaltsschleime  gefüllt  smd. 
Nach  diesen  Erörterungen,  die  sich  mit  allgemeinen  Fragen 
beschäftigen,  wie  sie  während  der  Untersuchung  meines 
Materials  aufgetaucht  sind,  gehe  ich  nunmehr  zur  Besprechung 
der  Befunde  bei  den  einzelnen  Untersuchungsobjekten  über 
und  gruppiere  dieselben  hiebei  dem  Plane  der  Arbeit  ent- 
sprechend nach  der  Ausbildung  ihrer  Gelenke,  beziehungs- 
weise der  gelenkartigen  Verdickungen  ihrer  Blattstiele. 

A.  Am  Grunde  des  Blattstieles  oder  an  einer  anderen 
Stelle  desselben  befindet  sieh  eine  gelenkartig-e  Ver- 
dickung oder  ein  deutlich  abgesetztes  Gelenk. 

1.  Magnoliaceae.  Über  die  Einrichtungen  zur  Erzielung 
von  Beleuchtungsdifferenzen  an  den  Plasmabelegen  der  dick- 
wandigen Epidermiszellen  im  derben,  ledrigen  Blatte  von 
MagnoUa  spheiiocarpa  H  o  o  k.  wurde  schon  auf  p.  692  ff.  berichtet 
(vergl.  überdies  Taf.  I,  Fig.  1,  2,  3).  Die  ebenfalls  in  den  Hima- 
layagegenden  heimische  Talauma  Hodgsoni  Hookf.  et  Thom. 
zeichnet  sich  durch  etwas  zartere  Blätter  aus.  Wie  aus  Fig.  4 
auf  Taf.  I  ersichtlich,  ist  die  gelenkige  Verdickung  am  Grunde 
des  Blattstieles  hier  viel  besser  ausgeprägt  als  bei  MagnoUa; 
insbesondere  ist  sie  weit  länger.  Der  Linsenversuch  mit  der 
Blattoberseite  ergibt  sehr  lichtstarke  Beleuchtungskreise  an 
den  Innenwänden  der  Epidermiszellen.  Dieselben  werden,  wie 
die  Fig.  5  auf  Taf.  I  zeigt,  durch  die  bogig  vorgewölbten  Außen- 
membranen erzeugt,  welche  mit  ihrer  im  Mittelpunkte  der 
Zelle  4*5  bis  5  [x  starken  Verdickung  überdies  als  konkav- 
konvexe Sammellinsen  fungieren.  Es  sei  noch  bemerkt,  daß 
die  im  Blatte  der  Magnoliaceen  häufigen  Sekretbehälter"  bei 
beiden  untersuchten  Typen  vorgefunden  wurden.  An  eine 
eventuelle  Beteiligung  derselben  bei  der  Herstellung  von 
reizauslösenden  Beleuchtungsverhältnissen,  wie  solche  von 
Haberlandt    für    subepidermale    Sekretzellen    angenommen 


1  Vergl.  Solered  er,  a.  a.  0.,  p.  252. 

2  Vergl.  Solerede r,  Systematische  Anatomie,  p.  33. 


Oberseitige  Blattepidermis  tropischer  Geleni<pflanzen.  701 

wird/  kann  hier  nicht  gedacht  werden,  da  diese  Zellen  stets 
innerhalb  des  Assimilationsgewebes,  zumeist  sogar  an  der 
Grenze  zwischen  Palisaden  und  Schwammgewebe  aus- 
gebildet sind, 

Wollte  man  schließlich  die  zwei  untersuchten  Typen  der 
Magnoliaceen  riicksichtlich  der  Ausbildung  ihres  Bevvegungs- 
organs  und  ihres  optischen  Apparates  vergleichen,  so  könnte 
immerhin  festgestellt  werden,  daß  dem  kräftigeren  Gelenke  bei 
Talauma  auch  der  bessere  Apparat  zur  Lichtverteilung  in  der 
Blattoberseite  entspricht.  So  bemerkenswert  diese  Überein- 
stimmung bei  allgemeinem  Zutreffen  auch  wäre,  so  ist  doch 
klar,  daß  auf  Grund  eines  Falles  kein  weiterer  Schluß 
erlaubt  ist. 

2.  Die  Blätter  des  durch  seine  als  Delikatesse  geschätzten 
Früchte  bekannten  Zibetbaumes,  Dttrio  zibethhms  Murr,  aus 
der  Familie  der  Bombacaceen,  haben  einen  Blattstiel,  der  mit 
etwas  verbreiterter  Basis  an  dem  Sprosse  sitzt.  Die  gelenkige 
Verdickung  des  Stieles  beginnt  beiläufig  in  dessen  Mitte,  ist 
hier  auch  am  stärksten  und  verläuft  von  hier  an  Stärke 
abnehmend  bis  zum  Spreitengrunde  (Fig.  6,  Taf.  I).  Für  die 
Herstellung  von  Beleuchtungsdifferenzen  kommen  in  der  oberen 
Hälfte  des  Blattes  nur  die  von  Radlkofer^  beschriebenen, 
bis  zu  82  [x  tief  in  das  Innere  des  Blattes  einspringenden, 
flaschenförmigen  Epidermiszellen  in  Betracht,  deren  Innen- 
membranen zu  mächtigen  Schleimmassen  umgewandelt  sind. 
Beobachtet  man,  wie  kräftig  die  Innengrenze  dieser  Schleim- 
propfen  gegen  das  Assimilationsgewebe  vorgewölbt  ist,  so 
erhellt  daraus  sofort,  daß  die  an  den  anliegenden  Plasmahäuten 
der  Palisaden  hervorgerufenen  Lichtintensitätsdifferenzen  auch 
dann  bedeutend  sein  müssen,  wenn  das  Brechungsvermögen 
des  Schleimpropfens,  wie  das  wahrscheinlich  meistens  der 
Fall,  nicht  merklich  von  dem  des  Wassers  verschieden  ist, 
derselbe  mithin  wenig  lichtkonzentrierend  wirken  kann.  Die 
übrigen  Epidermiszellen  zeigen  keine  besondere  Einrichtung ; 
auch  das  stellenweise  entwickelte  Hypoderm  mit  schwach 
bogigen  Innenwänden    braucht   kaum   in    Erwägung  gezogen 


iHaberlandt,   Die   Lichtsinnesorgane   der  Laubblätter,  p.  115  bis  11' 
2  Vergl.  Solereder,  Systematische  Anatomie,  p.  167. 


702  A.  Sperlich, 

ZU  werden,  wenn  man  bedenkt,  daß  die  mächtigen  Flaschen- 
zellen äußerst  dicht  auf  der  ganzen  Blattoberseite  verteilt  sind. 
3.  Dipterocarpaceae.  Die  aus  dieser  Familie  untersuchten 
zwei  Typen  Dryobalanops  aromatica  Gärtn.  und  Shorea 
stenoptera  Burck.  weisen  in  allem  so  ähnliche  Verhältnisse 
auf,  daß  sie  füglich  gemeinsam  besprochen  werden  können. 
Nur  die  Dimensionen  des  Blattes  und  seiner  Gewebselemente 
sind  bei  Shorea  bedeutendere  als  bei  Dryobalanops.  Die 
gelenkartige  Verdickung  des  Blattstieles  ^  entspricht  in  beiden 
Fällen  den  Verhältnissen,  die  wir  bei  Durio  zibethinus  kennen 
gelernt  haben.  Auch  hier  setzt  das  Polster  beiläufig  in  der  Mitte 
des  Stieles  ein  und  verläuft,  sich  etwas  verjüngend  bis  zum 
Blattgrunde.  Die  Epidermis  der  Blattoberseite  ist  für  Dryo- 
balanops schon  von  Heim^  als  »palisadenähnlich«  bezeichnet 
worden;  dasselbe  kann  auch  für  Shorea  bemerkt  werden.  Auf 
dem  Flächenbilde  fällt  die  Kleinheit  der  Epidermiszellen  auf, 
der  Querschnitt  zeigt,  daß  die  Höhe  derselben  eine  bedeutende. 
Bei  Shorea  mißt  der  Zellendurchmesser  in  tangentaler  Richtung 
12  [X,  die  Höhe  der  Zellen  dagegen  bis  zu  42  [x.  Nicht  selten  sind 
die  Epidermiszellen  gegen  das  Blattinnere  etwas  verbreitert,  so 
daß  sie  statt  der  gewöhnlichen  prismatischen  Gestalt  die  Form 
eines  steilen  Pyramidenstutzes  erhalten.  Die  Außenmem- 
branen sind  nahezu  eben,  nur  die  über  den  Blattnerven  liegen- 
den Epidermiszellen  haben  etwas  nach  außen  gebogene  Wände. 
Die  Verdickung  der  Außenwand  hat  die  Gestalt  einer  plan- 
konkaven oder  konvexkonkaven  Linse,  so  daß  durch  sie  Licht- 
zerstreuung bewirkt  wird.  Die  Epidermisinnenwände  sind 
gleichfalls  nahezu  eben.  Aus  all  dem  geht  hervor,  daß  durch 
die  Gestaltung  der  Epidermiszellen  in  keiner  Weise  Beleuch- 
tungsdifferenzen auf  den  Plasmahäuten  erzeugt  werden  können. 
Der  Linsenversuch  bestätigt  dies.  Fügt  man  hinzu,  daß  sich 
auch  unterhalb  der  Epidermis  keinerlei  irgendwie  lichtkonzen- 


1  Diese  Verdickung  findet  sich  aucli  bei  Brandi's  und  Gilg's  Bearbei- 
tung der  Familie  in  Engler  und  Prantl,  >Natürliche  Pflanzenfamilien«,  Bd.  III., 
6,  p.  245,  erwähnt;  auch  waren  die  Blattstiele  infolge  der  großen  systematischen 
Bedeutung  ihrer  Struktur  wiederholt  Gegenstand  eingehender  Untersuchungen 
(vergl.  So  lere  der,  Systematische  Anatomie,  p.  160  bis  162). 

2  Solereder,  a.  a.  0.,  p.  156. 


Oberseitige  Blattepidermis  tropischer  Gelenkpflanzen.  703 

trierend  wirkende  Zellelemente  vorfinden,   so    ergibt  sich,   daß 
den  Laubblättern  der  untersuchten  zwei  Dipterocarpaceen  jede 
Einrichtung    zur    Herstellung    von    Lichtintensitätsdifferenzen 
abgeht.  Es  muß  dahingestellt  bleiben,  ob  die  nicht  gerade  häufig 
an  den  Innenwänden  der  Epidermiszellen  auftretenden  Schleim- 
polster hiefür  in  Betracht   kommen.   Das   könnte  jedoch   nur 
dann   sein,   wenn   die  Schleimpolster   ein   bedeutend  stärkeres 
Brechungsvermögen    als   der  Zellsaft  besäßen.    Darüber    eine 
Vorstellung  zu  gewinnen,  war  mir  unmöglich,  da  mir  frisches 
Material  nicht  zur  Verfügung  stand.  Wurde  der  Linsenversuch 
mit  dem  in  Alkohol  konservierten  Materiale   derart  ausgeführt, 
daß  Alkohol   das  Festhalten   des  Blattflächenschnittes  an   das 
Deckgläschen  besorgte,  so  erzeugten  die  Schleimpropfen  aller- 
dings sehr  scharfe  Lichtkreise;  dieselben  nahmen  jedoch  sofort 
an  Schärfe   ab,   wenn   mit   einem  Pinsel   vorsichtig  Wasser  an 
den  Rand  des  Schnittes  gebracht  wurde,   welches   sich   sofort 
zwischen     Schnitt     und    Glas    kapillar   fing.    Nach    beiläufig 
10  Sekunden  waren   die  Schleimpolster  derart  gequollen,   daß 
gar  keine  Lichtkonzentration  mehr  bemerkbar  wurde.  Es  ergibt 
sich  nun  allerdings  die  Frage  nach  dem  natürlichen  Quellungs- 
grade des  Polsters.   Dieser,   so  will   mir   scheinen,  dürfte  kaun^i 
ein   konstanter   sein.   Denn  teilt   man    die  ziemlich  allgemeine 
Ansicht,    daß    die    Schleimpolster    der    Epidermiszellen    der 
Wasserspeicherung  dienen,   so  muß   infolge  dieser  Funktion  je 
nach   dem  Wasserbedürfnisse   der  Zelle  der  Wassergehalt  des 
Polsters   sich   ändern,   damit   aber   auch   sein  Lichtbrechungs- 
vermögen stets  Änderungen  unterworfen  sein.  Darum  halte  ich 
die  Schleimpropfen  im    allgemeinen  für  nicht  besonders  geeig- 
nete  Einrichtungen  im  Dienste   der  Lichtperzepüon;    im   ein- 
zelnen Falle  mögen  sie  es  ja  immerhin  sein.^  Die  Schleimpolster 
der  untersuchten  Dipterocarpaceen   scheinen  mir  jedoch  schon 
deshalb  nicht  in  Frage  zu  kommen,  weil  ihre  Zahl  keine  bedeu- 
tende ist,  ebensowenig  ihre  Größe. 

Gerade  das  Fehlen  jeder  Einrichtung  zur  Differenzierung 
der  Lichtintensität   an   den   Plasmahäuten   im   Laubblatte   der 

1  So  mißt  Haberlandt  (Die  Lichtsinnesorgane  der  Laubblätter,  p.  97  bis 
98)  den  stark  lichtbrechenden  Schleimpolstern  von  Urvillea  femtginea  in  dieser 
Beziehung  Bedeutung  zu. 


^^04  A.  Sperlich, 

Dipterocarpaceen   ist   nun   für  die  Richtigkeit  des  Gedankens, 
daß   solche  Einrichtungen    im  Dienste   der  Lichtreizperzeption 
stehen,  von  nicht  unwesentlicher  Bedeutung.   Aus   allem,  was 
wir  über  die  natürlichen  Standortsverhältnisse  dieser  stattlichen 
Bäume  wissen,  nicht  minder  aus  der  Gestalt  des  Blattes  scheint 
mir  hervorzugehen,   daß   das  Laubwerk   der  Dipterocarpaceen 
sich  nur  in  seltenen  Fällen  nach  dem  diffusen  Lichte  wird  zu 
richten    haben.   Die   optischen  Einrichtungen  an  der  Blattober- 
seite haben   aber  nur  für   euphotometrische  Blätter  einen  Sinn. 
Bedenkt  man,  daß   diese  Riesen  unter  den  Bäumen  des  malayi- 
schen   Archipels   sich   gewöhnlich    hoch    über   den   Wald  der 
anderen  Bäume   erheben,   daß  sie  auf  weite  Strecken  hin  reine 
Bestände  bilden,   so  kann   man    sich   wohl  leicht  eine  Vorstel- 
lung von   der  Lichtfülle   machen,  die  ihren  häufig  erst  in  einer 
Höhe  von  40  m  beginnenden  Kronen  zur  Verfügung  steht.   Ich 
denke,   daß   die   langen,   spitz   zulaufenden  Blätter   sich  in  der 
Mehrzahl   der  Fälle    durch    entsprechende   Stellung    vor   dem 
Schaden    der   direkten  Bestrahlung   werden  schützen   müssen, 
während  eine  Einstellung   in  die  günstigste  Lichtrichtung,   wie 
sie  für   das   euphotometrische   Blatt    charakteristisch    ist,    nur 
selten  notwendig   erscheint.   Die  weitgehende  Anpassung  des 
Laubes  von  Dryohalaiiops  an   hohe  Lichtintensitäten  geht  aus 
der    von   Wiesner    gegebenen    Schilderung    der    Blatt-    und 
Sproßentwicklung  bei  dieser  Pflanze  hervor.^ 

4.  Eine  auffallende,  scharf  abgesetzte  Gelenkverdick'ung 
zeigt  das  Blatt  der  Guttapercha  liefernden  Sapotacee  Pala- 
qttium  Treuhii  Burck.  Die  derbledrigen,  unterseits  behaarten 
Blätter  dieses  vorzüglich  auf  der  Insel  Banka  heimischen 
Baumes  sind  langgestielt.  Über  zwei  Drittel  des  Stieles  nimmt, 
wie  aus  Fig.  7,  Taf.  I,  ersichtlich,  das  2-2  an  lange  Gelenk  ein, 
das  fast  doppelt  so  dick  als  der  übrige  Teil  des  Blattstieles  ist. 
Die  sehr  feste  gelenkige  Verdickung  weist  an  der  ganzen  Ober- 
fläche eine  große  Zahl  von  Lentizellen  auf.  Die  anatomische 
Untersuchung  der  Lamina  ergibt  zunächst,  daß  die  Epidermis- 
zellen  in  keiner  Weise  lichtkonzentrierend  wirken  können.  Wie 


1  Wiesner,   Pflanzenphysiologische  Mitteilungen    aus  Buitenzorg,    I    und 
H,  p.  30. 


Oberseitige  Blattepidermis  tropischer  Gelenkpflanzen.  705 

Fig.  8,  Taf.  I,  zeigt,  sind  iiire  ziemlich  derben  Membranen 
weder  an  der  Außenseite  noch  an  der  Innenseite  irgendwie 
gebogen,  auch  an  der  Form  der  Membranverdickung  ist  l<einerlei 
Einrichtung  zur  Strahlensammlung  bemerkbar.  Wie  bei  vielen 
Sapotaceen  ^  ist  auch  hier  ein  sehr  gleichmäßiges  Hypoderm 
entwickelt.  Die  Zellen  dieses  sind,  wie  aus  der  angegebenen 
Figur  hervorgeht,  sehr  schön  bogig  gegen  das  Assimilations- 
gewebe vorgewölbt  und  es  ist  außer  Zweifel,  daß  schon  dadurch 
an  den  anliegenden  Plasmahäuten  der  Palisadenzellen  und  an 
den  Plasmabelegen  der  Innenwände  der  Hypodermzellen  Be- 
leuchtungsdifferenzen entstehen  müssen,  die  sich  mit  der 
Änderung  der  Lichtrichtung  ebenfalls  ändern.  Es  kommt  nun 
aber  noch  ein  weiterer  Umstand  hinzu.  Beim  Linsenversuche  ist 
zu  beobachten,  daß  jede  Hypodermzelle  bei  Hebung  des  Tubus 
ein  ziemlich  regelmäßiges  helles  Lichtfeld  zeigt.  Dasselbe 
kommt  dadurch  zu  stände,  daß  die  Hypodermzellen  infolge 
ihres  großen  Gerbstoffgehaltes  -  als  bikonvexe  Sammellinsen 
fungieren.  Es  sind  zwar  mit  Ausschluß  des  größten  Teiles  der 
Epidermiszellen  fast  alle  Gewebe  des  Blattes,  wie  die  üblichen 
Gerbstoffreaktionen  gezeigt  haben,  reich  an  diesen  Inhalts- 
körpern, doch  scheinen  mir  in  dieser  Beziehung  die  Hypoderm- 
zellen alle  anderen  zu  übertreffen.  Schon  bei  Beobachtung  der 
Organschnitte  in  Wasser  fiel  mir  in  jeder  Hypodermzelle  die 
in  der  Figur  gezeichnete  Blase  auf,  deren  Grenzkontur  ebenso 
scharf  war  wie  die  Konturen  der  im  Mesophyll  auftretenden 
zahlreichen  Ölmassen.  Freilich  konnte  ich  mangels  frischen 
Materials  nicht  entscheiden,  ob  die  Gestalt  dieser  Blasen  eine 
natürliche  ist,  wie  sie  den  Gerbstoffvakuolen  zukommt,  welche 
von  Klercker^bei  einigen Phanerogamen  gefunden  und  studiert 
worden,  oder  aber  ob  diese  Gebilde  bloß  durch  die  mit  der 
Alkoholkonservierung  verbundene  Kontraktion  des  Plasma- 
schlauches  entstanden   sind.   Sei    dem  jedoch,   wie  ihm  wolle, 


1  So  lere  der,  System.  Anatomie,  p.  579. 

2  Über  die  Bedeutung  des  Gerbstoffgehaltes  der  Zellen  für  die  Licht- 
konzentration; vergl.  Haberlandt,  Die  Lichtsinnesorgane  der  Laubblätter, 
p.  57  und  117  bis  118. 

s  Klercker,  Studien  über  die  Gerbstoffvakuolen;  Tübinger  Inaugural- 
dissertation 1888;  zitiert  nach  Zimmermann. 


706  A.  Sperlich, 

auf  Grund  der  Reaktionen,  unter  denen  ich  besonders  die  sich 
prompt  einstellende  Bläuung  auf  Behandlung  mit  der  offizi- 
nellen  Tinct.  ferri  acetici  hervorheben  will,  steht  fest,  daß  die 
Hypodermzellen  sehr  gerbstoffreich  sind  und  daß  sie  daher 
unter  Mitberücksichtigung  ihrer  Gestalt  als  wirksame  Sammel- 
linsen fungieren  müssen. 

B.  Der  ganze  Blattstiel  ist  gelenkig  verdickt. 

1.  Eine  nicht  näher  bestimmte  Art  der  als  Baum  oder 
Strauch  wachsenden  Gattung  Trema  aus  der  Familie  der 
Ulmaceen  trägt  längliche,  spitz  zulaufende  Blätter,  welche 
einen  auffallend  verdickten  Battstiel  besitzen.  Aus  der  nach 
dem  konservierten  Materiale  gezeichneten  Fig.  9,  Taf.  I,  geht 
hervor,  daß  durch  die  Tätigkeit  dieses  Stieles  bedeutende 
Lagenveränderungen  der  Spreite  herbeigeführt  werden  können. 
Der  anatomischen  Untersuchung  des  Blattes,  nicht  minder  der 
Herstellung  für  den  Linsenversuch  brauchbarer  Flächenschnitte 
setzen  sich  infolge  des  außerordentlich  reichen  Kieselgehaltes 
sämtlicher  Membranen  große  Schwierigkeiten  in  den  Weg. 
Das  im  Alkohol  konservierte  Blatt  ist  spröde  wie  Glas.  Zunächst 
fallen  dem  Beobachter  in  der  Oberseite  des  Blattes  die  mäch- 
tigen Zystolithen  auf,  durch  welche  viele  Vertreter  der  Familie 
ausgezeichnet  sind.^  An  eine  optische  Wirkung  derselben,  die 
im  Dienste  der  Lichtperzeption  stünde,  ist  kaum  zu  denken. 
Der  gewaltige  traubige  Kalkkörper  wirkt  in  höchst  ungesetz- 
mäßiger Weise  lichtzerstreuend;  dadurch  wird  eine  eventuelle 
Differenzierung  der  Beleuchtungsintensität  an  den  Plasma- 
belegen der  tief  in  das  Assimilationsgewebe  einspringenden 
Zyste  oder  der  darunter  befindlichen  grünen  Zellen  unmöglich. 
Hingegen  weisen  die  zwischen  den  Zystolithenzellen  gelegenen 
gewöhnlichen  Epidermiszellen  eine  Gestalt  auf,  die  bei  senk- 
rechtem Einfalle  eine  sehr  gute  Lichtkonzentration  im  Zentrum 
der  Innenwände  hervorruft.  Wie  Fig.  10,  Taf.  I,  zeigt,  sind 
sowohl  Innen-  als  Außenmembranen  gewölbt.  Die  ansehnliche 
Verdickung  der  Außenmembran  ist  allerdings  nahezu  konzen- 
trisch,  doch   wird   die   dadurch    notwendige   Beeinträchtigung 


1  So  lere  der,  System.  Anatomie,  p.  863  bis  864. 


Oberseitige  Blattepidermis  tropischer  Gelenkpflanzen.  707 

der  Strahlenkonvergenz  keine  große  sein,  weil  das  Brechiings- 
vermögen  dieser  Membranverdickung  mit  dem  reichen  Gehalte 
an  Kieselsäure  niemals  die  hohen  Werte  erreicht,  die  wir 
für  dicke,  vollständig  kutinisierte  Membranen  charakterisiert 
haben.  Das  geringere  Brechungsvermögen  geht  schon  aus  dem 
Vergleiche  bei  gleichzeitiger  Beobachtung  eines  Trema-  und 
etwa  eines  Faradaya-^\&\.{qwevsc\\miies  inWasser  ohne  weiteres 
hervor. 

2.  Anonaceae.  Die  dieser  durch  eine  Reihe  von  Spreiz- 
klimmern,  Zweig-  und  Hakenkletterern  ausgezeichneten 
Familie  angehörigen  Typen,  der  Baum  Polyaltliia  stiberosa 
B.  et  H.  und  der  Hakenklimmer  Artahotrys  stiaveolens  Blum, 
haben  Blätter,  deren  Stiele  in  der  aus  Fig.  11,  Taf.  I,  ersicht- 
lichen Weise  gelenkig  verdickt  sind.  Die  Verbreiterung  ist  an 
der  Ansatzstelle  des  Stieles  am  kräftigsten,  gegen  den  Blatt- 
grund verjüngt  sich  der  Stiel  etwas.  Die  Untersuchung  der 
derbledrigen  länglichen  Blätter,  deren  äußere  Gestalt  bei  beiden 
Gattungen  ziemlich  ähnlich  ist,  ergab  jedesmal  Einrichtungen, 
die  eine  gesetzmäßige  Verteilung  des  Lichtes  und  eine  regel- 
mäßige Änderung  derselben  bedmgen.  Bei  Artahotrys  sind  die 
Epidermisaußenwände  zwar  ganz  eben,  die  Innenwände  sehr 
vieler  Zellen  springen  aber  wie  Flächen  eines  Pyramidenstutzes 
gegen  das  Mesophyll  ein  (Fig.  \2b,  Taf.  I).  Dazu  kommt  noch 
eine  weitere  Einrichtung,  die  mutmaßlich  noch  viel  besser 
gesetzmäßige  Lichtkontraste  bewirkt;  die  für  die  Familie 
charakteristischen  kugel-  oder  linsenförmigen  Sekretzellen,  ^ 
als  deren  Inhalt  ich  ein  ätherisches  Öl  annehmen  zu  können 
glaube,  sind  hier  besonders  häufig  und  knapp  unter  der  Epi- 
dermis entwickelt;  sie  müssen  an  den  Plasmabelegen  be- 
deutende Lichtkonzentrationen  hervorrufen  (s  in  Fig.  \2a, 
Taf  I).  Im  Gegensatze  finden  wir  bei  Polyaltliia  die  Sekretzellen 
niemals  subepidermal,  sondern  zum  größten  Teil  innerhalb  des 
Schwammparenchyms  ausgebildet.  Diese  vom  Standpunkte  der 
Lichtperzeption  jedenfalls  unzweckmäßige  Verteilung  kann 
hier  vielleicht  nicht  so  ganz  als  Nachteil  aufgefaßt  werden, 
denn   es   sind    dafür  die    Epidermiszellen   zweckmäßiger    ein- 


1  Sole  reder,  System.  Anatomie,  p.  41. 


708  A.   Speiiich, 

gerichtet.  Fig.  13,  Taf.  I,  zeigt  nicht  nur,  daß  die  Innenmem- 
branen viel  regehnäßiger  und  kräftiger  gegen  das  Assimilations- 
gewebe vorgewölbt  sind  als  bei  Artabotrys,  sondern  überdies 
eine,  wenn  auch  schwache  Vorwölbung  der  Außenwände. 
Durch  den  Linsenversuch  kann  man  sich  leicht  von  der  licht- 
konzentrierenden Wirkung  der  Außenmembranen  überzeugen.^ 

3.  Ein  in  Ostindien  heimisches  Bäumchen  aus  der  Familie 
der  Euphorbiaceen  Lebidieropsis  orbicularis  Müll.  (=z  Clei- 
stanthns  coUinus  B.  et  H.  F.)  trägt  nahezu  kreisrunde  Blätter, 
deren  Stiele,  wie  aus  Fig.  14,  Taf.  I,  ersichtlich,  in  ihrer  Gänze 
zylindrisch  verdickt  sind.  Der  in  Alkohol  konservierte  Zweig, 
nach  welchem  die  Zeichnung  entworfen,  zeigt,  daß  die  Blätter 
durch  Krümmung  und  Torsion  dieses  Stieles  in  vollkommener 
Weise  ihre  Lage  verändern  können.  Schon  von  Ritters- 
hausen^  wurde  festgestellt,  daß  bei  einzelnen  Euphorbiaceen 
{Mallotus,  Macranga,  Ricimis)  die  Epidermis  der  Blattoberseite 
subpapillös  entwickelt  ist.  Dasselbe  konnte  ich  bei  Lebidi- 
eropsis beobochten.  Da  auch  die  Innenwände  sehr  stark  gegen 
die  Palisaden  vorgewölbt  sind,  so  haben  die  oberseitigen 
Epidermiszellen  die  Gestalt  nahezu  symmetrischer  bikonvexer 
Linsen.  Der  Linsenversuch  lehrt,  daß  die  Lichtkonzentration 
an  den  Plasmabelegen  der  Innenwände  eine  ausgezeichnete 
ist.  Überdies  treten,  wie  bei  den  Phyllantheen  meistens  ^  an 
den  Innenwänden  mancher  Zellen  Schleimpolster  auf.  Aus  dem 
im  früheren  Abschnitte  mitgeteilten  Grunde  halte  ich  jedoch 
diese  Zellen  für  weniger  geeignet,  die  Lichtperzeption  zu  ver- 
mitteln, als  die  Epidermiszellen  mit  unverschleimten  Mem- 
branen. 

4.  Über  die  Art  und  Weise,  wie  im  Blatte  der  untersuchten 
Cissus-hri    Beleuchtungsdifferenzen     hervorgerufen    werden. 


1  Nach  Wiesner's  Mitteilung  gibt  es  unter  den  Polyalthia- Avlen  solche, 
deren  Blätter  unter  sehr  verschiedenen  Winkeln  (0  bis  180°)  die  fixe  Lichtlage 
erreichen  (z.  B.  P.  longifoJia  B.  et  H.),  und  solche,  deren  Blätter  sich  nach  dem 
stärksten  diffusen  Lichte  richten  (z.  B.  P.  littoralis  B.  et  H.).  P.  suherosa  ist 
leider  nicht  genannt.  Nach  dem  Baue  der  Blattoberseite  könnte  sie  zum  zweiten 
Typus  gehören.  (Pflanzenphysiolog.  Mitteilungen  aus  Buitenzorg,  I  und  II,  p.  16.) 

2  Vergl.  So  lere  der,  System.  Anat.,  p.  837. 
^  Ebenda,  p.  836. 


Oberseitige  Blattepidermis  tropischer  GelenkpJlanzen.  709 

wurde   schon  auf  p.  699  berichtet.  Vergl.  überdies  Textfig.  8 
una  Fig.  15,  Taf.  I. 

5.  Loganiaceae.  Die  Blattstiele  der  untersuchten  Typen 
sind  annähernd  ebenso  verdickt,  wie  es  oben  für  die  Vertreter 
der  Anonaceen  beschrieben  wurde.  Zunächst  seien  die  Ver- 
hältnisse im  Laubblatte  einer  nicht  näher  bestimmten  Art  der 
zumeist  als  Kletterstrauch  wachsenden  Gattung  Strychnos  mit- 
geteilt. Aus  dem,  was  Schenck  über  die  Art  der  Verzweigung 
und  die  Blattstellung  von  Strychnos  tripUnerva  Mart.  schreibt,^ 
scheint  mir  hervorzugehen,  daß  die  Blätter  dieser  Pflanzen  in 
hohem  Maße  lichtempfindlich  sind.  V/ie  große  Fiederblätter 
nehmen  sich  die  stets  in  einer  Ebene  verzweigten  Langtriebe 
aus.  Die  Blätter  stellen  sich  durch  Drehung  ihrer  Blattstiele 
fast  immer  in  die  Verzweigungsebene.  Schenck  betrachtet  diese 
Blatt-  und  Zweigstellung  vom  Standpunkte  der  Zweckmäßigkeit 
für  das  Klettern,  weil  dadurch,  zumal  bei  übergeneigten  Lang- 
trieben, die  Kletterhaken  alle  gegen  die  Stützen  gerichtet 
werden.  Ich  glaube  aus  der  geschilderten  gesetzmäßigen  Blatt- 
drehung sicher  annehmen  zu  können,  daß  die  Spreiten  der 
kletternden  Strychnos  in  hohem  Maße  lichtempfindlich  sind. 
Und  in  der  Tat  ist  an  meinem  Exemplare  die  Epidermis  vor- 
züglich für  die  Herstellung  von  Beleuchtungsdifterenzen  an  den 
Plasmabelegen  ihrer  Zellen  eingerichtet.  Wie  in  Fig.  16,  Taf.  I, 
ersichtlich,  zeigt  die  nach  außen  gewölbte  Membran  zunächst 
eine  durch  zwei  konzentrische  Kugelflächen  begrenzte  derbe 
Kutikula,  deren  zwar  gut  ausgeprägte,  aber  nicht  sehr  kräftige 
Falten  die  optische  Wirkung  nicht  nennenswert  beeinträchtigen. 
An  diese  auf  Grund  ihrer  Gestalt  lichtzerstreuend  wirkende 
Kutikula  schließt  sich  aber  eine  bis  zu  9  (j.  dicke  Schichte,  die 
nach  den  Reaktionen  aus  reiner  Zellulose  besteht.  Dieselbe  hat, 
wie  die  Figur  zeigt,  annähernd  die  Gestalt  einer  plankonvexen 
Linse  und  sammelt,  wie  der  Linsenversuch  bestätigt,  infolge 
ihres  bedeutenden  Brechungsexponenten  das  Licht  in  ausge- 
zeichneter Weise.  Überdies  sind  die  Innenmembranen  der  Zellen 
gegen  das  Assimilationsgewebe  stark  vorgewölbt. 


-L  Schenck,    Beiträge    zur  Biologie     und  Anatomie   der  Lianen,  I  (Bot. 
Mitteil,  aus  den  Tropen,  H.  IV,  Jena,  Fischer,  1892),  p.  226  bis  227. 


710  A.  Sperlich. 

Ganz  andere  Einrichtungen  finden  wir  in  den  Blättern 
einer  nicht  näher  bestimmten  Fagraea.  Diese  häufig  epiphytisch^ 
lebende  Loganiacee  erinnert  mit  ihren  fleischigen,  saftreichen 
Blättern  sehr  an  Hoya.  Die  Außenwände  der  oberseitigen  Epi- 
dermiszellen  bestehen  wiederum  aus  zwei  Schichten,  aus  einer 
kutinisierten,  stark  lichtbrechenden  äußeren  und  aus  einer 
inneren  Zelluloseschichte.  Während  bei  Strycluios,  wie  wir  so- 
eben erfahren,  diese  an  Mächtigkeit  jene  weit  übertrifft,  ist  es 
hier  gerade  umgekehrt.  Die  Gestalt  der  kutinisierten  Außen- 
schichte entspricht,  wie  Fig.  17,  Taf.  I,  zeigt,  einer  plan-  oder 
konvexkonkaven  Linse,  welche  unter  Berücksichtigung  des 
hohen  Brechungsvermögens  eine  bedeutende  Lichtzerstreuung 
verursacht.  Zur  Paralysierung  dieser  Wirkung  kann  die  dar- 
unter liegende  Zelluloseschicht  von  annähernd  plankonvexer 
Gestalt  dienen,  jedoch  niemals  in  dem  Maße,  daß  die  durch  die 
Außenschicht  bewirkte  Strahlendivergenz  in  eine  Konvergenz 
umgewandelt  würde.  Der  Linsenversuch  zeigt,  daß  durch  die 
Epidermiszellen  keinerlei  Beleuchtungsdifferenzen  entstehen. 
Es  ist  nun  aber,  wie  in  der  Figur  ersichtlich,  unter  der  Epi- 
dermis ein  sehr  regelmäßiges,  großzelliges  Hypoderm  ent- 
wickelt, dessen  Innenwände  bogig  gegen  die  Palisaden  ein- 
springen. An  den  diesen  Wänden  anliegenden  Plasmabelegen 
entstehen  Beleuchtungsdifferenzen,  die  immerhin  als  im  Dienste 
der  Lichtperzeption  stehend  aufgefaßt  werden  können. 

6.  Auch  die  Blätter  der  im  tropischen  Amerika  heimischen 
Solanacee  Brniifelsia  aniericana  L.,  die  wegen  ihrer  schönen 
Blüten  nicht  selten  als  Zierstrauch  kultiviert  wird,  zeichnen  sich 
durch  Blattstiele  aus,  die  ähnlich  wie  bei  den  eben  beschriebenen 
Formen  gelenkartig  verdickt  sind.  Die  oberseitige  Epidermis 
der  elliptischen  Blätter  eignet  sich  in  bester  Weise  zur  Erzielung 
gesetzmäßiger  Lichtverteilung  an  den  Plasmabelegen  ihrer 
Zellen.  Sowohl  Außen-  als  Innenmembranen  sind  gewölbt, 
diese  mit  kleinerem  Krümmungsradius  als  jene.  Die  verhältnis- 
mäßig zarte  Außenwand  trägt  eine  durch  regelmäßig  hervor- 
springende Falten  ausgezeichnete  Kutikula,  die  indes,  wie  der 


1  A.  F.  W.  Schimper,    Die  epiphytische  Vegetation  Amerilvas;   Bot.  Mitt. 
aus  den  Tropen,  Heft  II,  1888,  p.  18. 


Oberseitige  Blattepidermis  tropischer  Gelenkpflanzen.  71  1 

Linsenversuch  zeigt,  die  sehr  vollkommene  Lichtsammlung  an 
den  Zellinnenwänden  durchaus  nicht  beeinträchtigt. 

C.  An  der  Basis  des  Blattstieles  und  an  dessen  oberem 
Ende  befindet  sieh  ein  Gelenk. 

Die  Blätter,  welche  durch  die  in  der  Aufschrift  charakte- 
risierten Bewegungswerkzeuge  ausgezeichnet  sind,  erweisen 
sich  als  für  unsere  Untersuchung  in  hohem  Maße  bemerkens- 
wert. Sie  gehören  durchwegs  Kletterpflanzen  an,  für  welche 
Haberlandt  die  biologische  Bedeutung  des  Zusammen- 
wirkens von  Stiel  und  Spreite  hervorgehoben  hat  (vergl.  p.  680). 
Das  unter  dem  Spreitengrunde  befindliche  Gelenk  führt  die 
Bewegungen  aus,  die  zur  feineren  Einstellung  der  Lamina  in 
die  Richtung  des  stärksten  diffusen  Lichtes  führen;  hier  müssen 
sich  demnach  die  charakterisüschen  Einrichtungen,  die  als  im 
Dienste  der  Lichtperzeption  stehend  aufgefaßt  werden,  vor- 
finden, so  ihnen  diese  Bedeutung  überhaupt  zukommen  soll. 

1.  Aus  der  Gruppe  der  Dioscoreaceae,  deren  windende 
Vertreter  sich  zumeist  im  Schatten  des  Waldes^  aufhalten, 
zeigt  Dioscorea  Koordersii  Ridl.  an  ihren  Blattstielen  die  in 
Fig.  18  auf  Taf.  I  abgebildeten  Gelenkverdickungen.  Die  eben 
ausgebreitete  herzförmige  Spreite  weist  in  ihrer  Epidermis  aller- 
dings die  besonders  differenzierten  Sinneszellen  nicht  auf, 
welche  Haberlandt  bei  Dioscorea  quinqueloba  Thunb. 
beschrieben  hat;^  doch  ist  die  Epidermis  so  eingerichtet,  daß 
in  sehr  vielen  ihrer  Zellen  bedeutende  Lichtkonzentrationen 
erfolgen  müssen.  Das  oberseitige  Hautgewebe  ist  zum  Teil 
einschichtig,  zum  Teil  zweischichtig;  letzteres  kommt  dadurch 
zu  Stande,  daß  sehr  viele  Epidermiszellen  durch  eineTangential- 
wand  eine  Zweiteilung  erfahren  haben.  Betrachtet  man  einen 
Blattflächenschnitt,  so  sieht  man,  daß  die  ungeteilt  gebliebenen 
Oberhautzellen  entweder  einzeln  oder  in  Gruppen  von  2  bis  8 
Zellen    zwischen    den   Doppelzellen    auf   der   ganzen    Spreite 


1  Schenck,  Beiträge  zur  Biologie  und  Anatomie  der  Lianen,  I,  p.  9. 

2  Haberlandt,     Die   Lichtsinnesorgane   der   Laubblätter,   p.    106,    107; 
Taf.  II,  Fig.  18  bis  21. 


712  A.   Sperlich, 

gleichmäßig  verteilt  sind.  Die  Fig.  19  auf  Taf.  I  zeigt,  wie 
sich  die  ungeteilten  Zellen  im  Flächenschnitte  durch  größere 
Helligkeit  von  den  übrigen  Epidermiszellen  abheben.  An  dem 
Blattquerschnitte,  Fig.  20  derselben  Tafel,  wird  ersichtlich,  daß 
sich  die  ungeteilten  Zellen  dadurch  auszeichnen,  daß  ihre 
Außenwand  in  der  Regel  stärker  vorgewölbt  ist  als  die  der 
geteilten.  Der  Linsenversuch  ergibt  nun  in  der  Tat  für  die  un- 
geteilten Zellen  eine  weit  bessere  Strahlensammlung  an  den 
Innenwänden  als  für  die  geteilten  Zellen.  Bei  diesen  kommen 
selbstverständlich  nur  die  an  die  Palisaden  grenzenden  Wände 
in  Betracht,  da  die  Teilwände  viel  zu  wenig  weit  von  der 
Außenwand  entfernt  sind,  um  auf  Grund  der  schwachen  Vor- 
wölbung derselben  irgend  welche  Beleuchtungsdifferenzen  zu 
zeigen.  Weist  unsere  Dioscorea  demnach  nicht  die  vollkommene 
Differenzierung  im  Hautgewebe  auf  wie  die  von  Haberlandt 
untersuchte  D.  quinqueloha,  so  zeigt  uns  ihr  Verhalten  doch, 
daß  bei  den  Dioscoreen  jedenfalls  die  Anlage  zur  Differenzierung 
ihrer  oberseitigen  Blattepidermis  vorhanden  ist  und  es  fällt  nicht 
schwer,  sowohl  hier  wie  dort  diese  Differenzierung  als  Anpassung 
an  die  Bedürfnisse  der  Lichtperzeption  zu  deuten.  Die  Anpassung 
ist  zwar  bei  D.  qiiinqueloba  mit  ihren  großen,  bedeutend  vorge- 
wölbten Ozellen  viel  weiter  gediehen  als  bei  D.  Koordersii,  doch 
muß  auch  der  Apparat  dieser  als  vollkommen  wirksam  bezeich- 
net werden. 

2.  Menispermaceae.  Die  große  Ähnlichkeit  der  ganz 
charakteristischen  Blattform  dieser  Familie  mit  der  Form  der 
Dioscoreenblätter  und  der  Blätter  anderer  Winder  finden  wir 
beiSchenck^  besonders  hervorgehoben;  die  Figuren  21,  22 
und  23  auf  Taf.  I  zeigen,  daß  auch  die  langen  Blattstiele  in  ganz 
ähnlicher  Weise  gelenkig  verdickt  sind.  Die  Tatsache,  daß  der 
Blattstiel  stets  in  einer  Einbuchtung  des  unteren  Spreiten- 
randes  inseriert  ist,  mithin  das  hier  entwickelte  Gelenk  sich 
größtenteils  im  Schatten  der  Spreite  befinden  muß,  scheint  mir 
Anhaltspunkt  genug,  um  zu  schließen,  daß  die  Lichtperzeption 
zur  feineren  Einstellung  in  die  Lichtrichtung  durch  die  Spreite 
erfolgt. 


1  Schenck,  a.  a.  0.,  p.  14  bis  15. 


Oberseitige  Blattepiciermis  tropischer  Gelenkpflanzen.  713 

In  den  Spreiten  der  von  Haberlandt^  untersuchten  zwei 
Typen  der  Familie,  Ananiirta  coccuJus  und  CoccuUis  laurifolius, 
werden  an  den  Plasmawänden  ihrer  oberseitigen  Epidermis- 
zellen  dadurch  gesetzmäßige  Beleuchtungsdifferenzen  hervor- 
gerufen, daß  die  Innenwände  dieser  Zellen  gegen  das  Assimi- 
lationsgewebe entweder  wie  Flächen  eines  Pyramidenstutzes 
oder  bogig  einspringen;  die  Außenwände  sind  eben.  Von  der 
zum  Lichteinfalle  senkrechten  Einstellung  dev  AnamirtaS^veiiQn 
konnte  ich  mich  selbst  an  dem  im  Warmhause  unseres  bota- 
nischen Gartens  kultivierten  Exemplare  überzeugen;  daß  sich 
CocctUtis  laurifolius  und  andere  Menispermaceen  ebenso  ver- 
halten, geht  aus  Wiesner's^  Mitteilungen  hervor. 

Als  erstes  Objekt  sei  die  durch  besondere  Lentizellen- 
bildung  ausgezeichnete  Tinospora  crispa  Miers.  erwähnt.  Ihre 
großzellige  Epidermis  ist  durchwegs  zartwandig  und  dient  der 
Wasserspeicherung.  In  Fig.  24,  Taf.  I,  ist  ersichtlich,  daß  die 
hohen  Zellen  (als  höchstes  Maß  konnte  ich  48  {Jt  feststellen) 
nicht  nur  stark  gegen  die  darunter  liegenden  schmalen  Pali- 
saden einspringen,  sondern  daß  sich  auch  ihre  Außenmembranen 
bogig  vorwölben.  Infolge  des  verhältnismäßig  großen  Abstandes 
der  Innenwände  von  den  lichtsammelnden  Flächen  ist  der  Be- 
leuchtungseffekt im  Zentrum  der  Innenwände  ein  ausgezeich- 
neter. Die  hier  und  auch  sonst  häufig  in  der  Epidermis  auf- 
tretenden Kristalle  von  Kalkoxalat  stören,  wie  der  Linsen- 
versuch bestätigt,  die  gesetzmäßige  Lichtverteilung  an  den 
Plasmabelegen  durchaus  nicht;  in  vielen  Fällen  liegen  dieselben 
übrigens  dicht  den  Zellseitenwänden  an,  demnach  größtenteils 
außerhalb  des  konvergenten  Strahlenbündels. 

In  bester  Weise  sorgen  die  durch  ein  Gerüstv/erk  reich- 
verzweigter  sklerenchymatischer  Elemente^ ausgesteiften  derben 
Blätter  von  Fibraurea  chloroleuca  Miers.  und  Arcangelisia 
lemiiiscata  B  e  c  c.  für  eine  entsprechende  Lichtverteilung  an  den 
Plasmahäuten  gewisser  Epidermiszellen.  Unter  der  kleinzelligen 
Oberhaut    der    erstgenannten    Pflanze    befindet   sich   ein   eng- 


1  Haberlandt,  Die  Lichtsinnesorgane  der  Laubblätter,  p.  46. 

-  Wiesner,   Pflanzenphysiologische   Mitteilungen   aus   Buitenzorg,   I,  II, 

p.  15. 

3  Vergl.  Solereder,  System,  Anat.,  p.  45. 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Kl. ;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  47 


714  A.   Sperlich, 

maschiges  subepidermalesNetz  der  schon  erwähnten  Stereiden. 
Die  über  denselben  liegenden  Epidermiszellen  weisen  keinerlei 
Einrichtung  zur  Herstellung  von  Beleuchtungsdifferenzen  auf; 
überall  dort  aber,  wo  in  einer  Masche  des  Netzes  die  Palisaden 
direkt  an  die  Epidermis  grenzen,  sind  die  Zellen  derselben  von 
nahezu  kugeliger  Gestalt  und  ermöglichen,  wie  der  Linsen- 
versuch zeigt,  Helligkeitsunterschiede  an  der  Grenze  zwischen 
Epidermis  und  Mesophyll.  Es  stellen  diese  Maschen  gleichsam 
Fenster  dar,  durch  welche  allein  der  Lichteintritt  in  das  Blatt 
ermöglicht  wird;  denn  unter  Berücksichtigung  der  starken 
Lichtreflexion  an  verdickten  Zellmembranen  erscheint  es  kaum 
denkbar,  daß  irgend  welches  Licht  diese  »Fensterrahmen <-  zu 
durchdringen  vermöchte.  Das  Querschnittsbild,  Fig.  27,  Taf.  I, 
macht  die  besprochenen  Verhältnisse  ersichtlich.  Es  möge  nicht 
unerwähnt  bleiben,  daß  das  subepidermale  Spikularnetz  der 
Herstellung  für  den  Linsenversuch  geeigneter  Blattflächen- 
schnitte Schwierigkeiten  in  den  Weg  setzt.  Durch  etwas  größere 
oberseitige  Epidermiszellen  ist  die  Spreite  von  Arcmigelisia 
ausgezeichnet  (Zellhöhe  bei  Fibraurea  15  [x,  bei  Arcangelisia 
21  (A,  Durchmesser  im  gleichen  Verhältnis).  Die  sklerenchyma- 
tischen  Elemente  des  Mesophylls  sind  bei  weitem  nicht  so  zahl- 
reich wie  bei  Fibraurea,  insbesondere  fehlt  das  subepidermale 
Netz,  wiewohl  einzelne  Äste  der  Stereiden  auch  knapp  unter 
der  Epidermis  dahinziehen.  Der  Gestalt  nach  erinnern  die  Epi- 
dermiszellen dort,  wo  sie  nicht  über  Stereiden  liegen,  an  die 
entsprechenden  Zellen  von  Anamirta;  nur  ist  ihre  Außenwand 
etwas  vorgewölbt.  Eine  nennenswerte  Lichtsammlung  kommt 
indessen  durch  diese  Vorwölbung  nicht  zu  stände.  Zwischen 
den  gewöhnlichen  Epidermiszellen,  die  infolge  ihrer  Wölbung 
nach  innen  immerhin  an  der  Lichtperzeption  beteiligt  sein 
können,  finden  sich  aber  kleinere  Zellen  gleichmäßig  über  die 
ganze  Oberseite  der  Lamina  verteilt,  die  geradeso  wie  die 
Fensterzellen  von  Fibraurea  nahezu  Kugelgestalt  aufweisen. 
Drei  solcher  Kugelzellen  sind  im  Flächenbilde,  Fig.  25,  Taf.  I, 
zu  sehen.  Der  Linsenversuch  läßt  erkennen,  daß  an  den  Innen- 
wänden gerade  dieser  Zellen  sehr  scharfe  Lichtkreise  entstehen, 
wozu  der  große 'Gerbstoffgehalt  des  Zellsaftes,  der  übrigens 
allen  Epidermiszellen  eigen,  wesentlich  beiträgt. 


Oberseitige  Blattepidermis  tropischer  Gelenkpflanzen.  715 

Wohl  die  kleinsten  und  derbwandigsten  Epidermiszellen 
aller  Menispermaceen  dürfte  Coscmium  Bhuneanum  Miers. 
(var.  epeltatum  Boerl.)  haben.  Bei  oberflächlicher  Betrachtung 
eines  Blattquerschnittes  scheint  es  einem  zunächst  kaum  der 
Mühe  wert,  mit  dem  Flächenschnitte  der  Blattoberseite  den 
Linsenversuch  zu  machen.  Bei  Ausführung  desselben  werden 
wir  bald  eines  besseren  belehrt:  in  jeder  Zelle  erscheint  an  der 
Innenwand  ein  deutlich  abgegrenztes  helles  Mittelfeld,  welches 
sich  bei  ganz  minimaler  weiterer  Hebung  des  Tubus  zu  einem 
scharfen  Blendenbilde  konzentriert.  Als  vorzügliche  Sammel- 
linse fungiert  hier  die  in  Form  einer  konkav-  oder  plankonvexen 
Linse  ausgebildete,  vollständig  kutinisierte  Außenmembran, 
deren  Substanz  sich  als  in  hohem  Maße  lichtbrechend  erweist 
(Fig.  26,  Taf.  I). 

Von  einigem  Werte  sind  die  Verhältnisse,  die  uns  die  zwei 
folgenden  Gattungen  aufweisen,  und  zwar  deshalb,  weil  die 
erste  derselben  in  ihren  Epidermiszellen  einen  Typus  zeigt,  der 
von  dem  Typus  der  Anamirta  hinüberführt  zu  dem  sehr  voll- 
kommenen Typus  der  zweiten.  Wie  schon  erwähnt,  zeichnen 
sich  die  oberseitigen  Epidermiszellen  von  Anamirta  coccuhts 
durch  ebene  Außenwände  und  durch  Innenwände  aus,  die  in 
das  Mesophyll  einspringen;  die  Zellen  weisen  nach  Haber- 
land t  den  unvollkommeneren  Grad  der  Anpassung  an  dieLicht- 
perzeption  auf;  ähnlich  ist  es,  wie  Haberlandt  berichtet,  bei 
CocctÜMs  laurifolius.  Betrachten  wir  nun  das  Bild  des  Blatt- 
querschnittes von  Cocculus  Blumei  Boerl.,  Fig.  28,  Taf.  I.  Zu- 
nächst fällt  auf,  daß,  wie  bei  den  eben  genannten,  von  Haber- 
landt untersuchten  Typen  auch  hier  die  Innenwände  der  Epi- 
dermiszellen als  Flächen  eines  Pyramidenstutzes  in  das  Meso- 
phyll eindringen.  Bei  oberflächlicher  Betrachtung  erscheinen 
die  ansehnlich  verdickten  Außenwände  ohne  jede  bemerkens- 
werte Einrichtung.  Nun  zeigt  aber  der  Linsenversuch,  daß 
durch  diese  Zellen  eine,  wenn  auch  schwache,  immerhin  aber 
noch  auffallende  Strahlensammlung  erfolgt.  Möglichst  dünne 
und  genau  senkrecht  auf  die  Bildfläche  geführte  Querschnitte 
klären  die  Sache  sofort  auf;  wie  die  oben  angeführte  Figur 
zeigt,  sind  die  verdickten  Außenmembranen  durchaus  nicht  von 
parallelen,  ebenen  Flächen  begrenzt,  sondern  haben  die  Gestalt 


716  A.  Sperlich, 

von  flachen,  plan-  oder  bikonvexen  Sammellinsen.  Betreffs  der 
Deutung  derartiger  mikroskopischer  Bilder  ist  nun  allerdings 
große  Vorsicht  am  Platze;  es  weisen  buchtige  Epidermiszellen, 
wenn  der  Querschnitt  nahe  an  den  Einbuchtungen  vorbeiführt 
oder  diese  gar  trifft,  nicht  selten  eine  ähnliche  Erscheinung 
auf.  Durch  Messung  und  Vergleich  von  Quer-  und  Flächen- 
ansichten einer  größeren  Zahl  von  Zellen,  durch  Verschiebung 
der  Einstellung  bei  dickeren  Schnitten  wird  man  sich  im 
einzelnen  Falle  jedesmal  darüber  klar  werden,  ob  man  es  mit 
einer  tatsächlichen  linsenförmigen  Verdickung  zu  tun  hat  oder 
nicht.  In  unserem  Falle  steht  die  Sache  schon  deshalb  außer 
Zweifel,  da  buchtige  Seitenwände  in  der  Epidermis  nicht  vor- 
kommen. 

Es  treten  demnach  im  Blatte  von  Coccnlus  Bltunei  beide 
Anpassungsformen  an  die  Lichtperzeption  nebeneinander  auf; 
die  voUkommere  unter  denselben,  die  Strahlensammlung  be- 
wirkende, ist  allerdings  nicht  sehr  weit  gediehen.  Bedeutung 
gewinnt  aber  der  Umstand  erst  dadurch,  daß  bei  einer  anderen, 
von  Coccuhis  nicht  fernstehenden  Menispermacee,  Albertisia 
papuana  Becc,  der  von  Cocculns  zur  Erzielung  einer  Strahlen- 
sammlung eingeschlagene  Weg  zu  einem  besonderen  Grade 
der  Vollkommenheit  geführt  hat  und  daß  im  Zusammenhange 
damit  das  bei  Cocculns  bedeutende  Einspringen  der  Epidermis- 
innenwände  hier  fast  gar  nicht  oder  nur  unbedeutend  zum  Aus- 
druck kommt.  Die  Gestalt  der  Epidermiszellen  von  Albertisia 
zeigt  Fig.  29,  Taf.  I.  Die  in  Form  bikonvexer  Linsen  verdickten 
Außenwände  messen  im  Zentrum  10-5,  an  den  Rändern  7-5[i, 
gegenüber  Cocctthis  mit  einer  Membranstärke  von  6:  5-5[x  ein 
gewaltiger  Fortschritt.  Der  Linsenversuch  ergibt,  daß  durch 
diese  Form  der  Membranverdickung,  die  schon  im  ersten  der 
einleitenden  Kapitel  als  sehr  zweckmäßig  beschrieben  wurde, 
ein  sehr  lichtkräftiges  helles  Mittelfeld  an  den  Innenwänden 
der  Epidermiszellen  erzielt  wird. 

Der  Vergleich  der  drei  Typen  Anamirta,  Cocctdus  und 
Albertisia  dünkt  mir  für  die  Auffassung  einspringender  Epider- 
misinnenwände  als  im  Dienste  der  Lichtperzeption  stehende 
Einrichtung  von  nicht  unwesentlicher  Bedeutung  und  man  wird 
trachten    müssen,    in    der    Auffindung    ähnlicher    Übergänge 


Oberseitige  Blattepidermis  tropischer  GelenkpOanzen.  7  1  / 

weitere  Stützen  hiefür  zu  gewinnen.  Das  tut  aber  gerade  für 
diese  Einrichtung  not,  weil  an  eine  direkte  Beweisführung,  wie 
ich  schon  einmal  erwähnt  habe  (vergl.  p.  695,  Fußnote),  kaum 
zu  denken  ist. 

Es  möge  zum  Schlüsse  nicht  vergessen  sein  zu  bemerken, 
daß  Albertisia,  die  sich  durch  den  vollkommensten  Apparat 
für  die  Lichtperzeption  der  Lamina  unter  allen  untersuchten 
Menispermaceen  auszeichnet,  auch  das  kräftigst  entwickelte 
Bewegungwerkzeug  im  Dienste  der  Lamina  besitzt.  Wie  ein 
vergleichender  Blick  auf  die  Figuren  21,  22,  23  auf  Taf.  I  lehrt, 
ist  das  obere,  die  Bewegung  der  Spreite  herbeiführende  Gelenk 
bei  Albertisia  (Fig.  22,b)  am  schönsten  entwickelt. 

3.  Über  die  optischen  Einrichtungen  im  Blatte  der  Ver- 
benacee  Faradaya  sp.  und  deren  Gelenkausbildung  wurde 
schon  auf  p.  684  ff.  gesprochen.  Vergl.  überdies  Fig.  1  und  2  auf 
Taf.  II. 


D.  Der  Blattstiel  und  die  Fiederblattstiele  haben  Gelenke. 

1.  Pircodendron  arboreimi  Planch.,  ein  auf  Jamaika 
heimischer,  großer  Baum  aus  der  Familie  der  Simarubaceae, 
trägt  dreiteilige  derbe  Blätter.  Der  7 -5  f;/?  lange  Blattstiel  und 
die  1"5  cm  langen  Stiele  der  Teilblätter  sind  auffallend  dünn; 
nur  an  der  jeweiligen  Insertionsstelle  macht  sich  sowohl  bei 
diesen  als  auch  bei  jenen  eine  nicht  sehr  kräftige,  gelenkartige 
Verdickung  bemerkbar.  Die  oberseitige  Blattepidermis  weist  die 
für  die  Blätter  der  Dipterocarpaceen  angegebenen  Verhältnisse 
auf,  ziemlich  hohe  prismatische  Zellen,  deren  Tangentialwände 
weder  nach  außen  noch  nach  dem  Innern  des  Blattes  gewölbt 
sind.  Die  Verdickungsform  der  Außenmembranen  ergibt 
Zerstreuungslinsen,  die  Innenmembranen  sind  zum  Teil  ver- 
schleimt. Wenn  die  Schleimpropfen,  deren  lichtsammelnde 
Wirkung  für  viele  Fälle  wenigstens  schon  früher  in  Frage  ge- 
stellt wurde,  nicht  in  Betracht  kommen,  so  müssen  wir  auch 
hier  wieder  der  Epidermis  jede  im  Dienste  der  Lichtperzeption 
stehende  Einrichtung  absprechen.  Diese  Tatsache  stimmt  mit 
der  Gestalt  der  Blattspreiten  aufs  beste  überein.  Wie  der  Rücken- 


7.18  A.  Sperlich, 

Schild  eines  Cheloniers  ist  die  Spreite  gewölbt  und  verrät 
dadurch  die  hohe  Lichtintensität,  die  dem  schütteren  Laub- 
werke des  Baumes  zur  Verfügung  steht;  die  Blätter  von  Picro- 
dendron  sind  zweifellos  panphotometrisch.  ^ 

2.  Fast  ebenso  unwirksam  in  optischer  Beziehung  ist  die 
oberseitige  Blattepidermis  einer  nicht  näher  bestimmten  Art  der 
zur  Familie  der  Sapindaceen  gehörigen  Gattung  Capura 
(zi^Otophora).  Die  mächtige  Basalverdickung  des  Hauptstieles 
zeigt  Fig.  3a  auf  Taf.  II;  in  Fig.  'Sb  ist  ein  Fiederblattstiel 
gezeichnet,  der  gleichfalls  gelenkig  verdickt  ist. 

Wie  Wiesner^  mitteilt,  gehört  Otophora  pttbescens  B\. 
zu  jenen  Pflanzen,  deren  Blätter  nur  unter  dem  Einflüsse  des 
direkten  Sonnenlichtes  die  fixe  Lichtlage  gewinnen.  »Eine 
dichte  Belaubung  kommt  bei  diesem  Gewächs  nicht  vor,  da  die 
(gefiederten)  Blätter  schopfartig  am  Ende  langer,  kahler  Äste  in 
nur  geringer  Zahl  stehen.  Die  Fiederblättchen  dieses  Baumes 
sind  unter  einem  Winkel  von  etwa  25  bis  100°  nach  abwärts 
geneigt.«  Es  unterliegt  demnach  keinem  Zweifel,  daß  die 
Gelenke  hier  im  Dienste  des  Schutzes  vor  ungünstiger  Sonnen- 
bestrahlung stehen.  Und  wenn,  wie  ich  fast  sicher  annehme, 
die  Verhältnisse,  welche  Wiesner  für  Otophora  pubescens  an- 
gibt, auch  für  unsere  Otophora  gelten,  welche  möglicherweise, 
da  vom  gleichen  Standorte  stammend,  mit  Wiesner's  Beob- 
achtungsobjekt identisch  ist,  so  wird  der  Mangel  jeder  optischen 
Einrichtung  in  der  Epidermis  verständlich.  Die  nahezu  iso- 
diametrischen Zellen  sind  allseitig  von  fast  ebenen  Wänden 
begrenzt,  nur  hin  und  wieder  erscheint  beim  Linsenversuche 
eine  schwache  Lichtsainmlung,  die  auf  eine  unbedeutende  Vor- 
wölbung der  Außenmembranen  vereinzelter  Epidermiszellen 
zurückzuführen  ist. 

3.  Die  auffallendsten  Gelenke  fanden  sich  beiden  Vertretern 
der  zumeist  kletternden  Connaraceen.  Das  mächtige  Basal- 
gelenk  und  die  bedeutende  Gelenksverdickung  der  Fiederblatt- 


1  Wiesner,   Über   die  Formen   der  Anpassung   des   Laubblattes   an    die 
Lichtstärke,  p.  6  bis  8. 

2  Wiesner,      Pflanzenphysiolog.     Mitteilungen    aus    Buitenzorg,    I    und 
II,  p.  17. 


Oberseitige  Blattepidermis  tropischer  Gelenkpflanzen.  719 

Stiele  eines  nicht  näher  bestimmten  Connanis,  dessen  Blätter 
die  stattHche  Länge  von  über  einem  halben  Meter  erreichen, 
zeigt  Fig.  4a  und  Ab  auf  Taf.  IL  Die  Gelenke  der  anderen  zwei 
untersuchten  Arten,  Connartis  cJliptictis  King,  und  C.  diversi- 
foliüs  (Hort.?)  weisen  den  gleichen  Typus  auf,  nur  sind 
ihre  Dimensionen,  den  geringeren  Maßen  des  Blattes  ent- 
sprechend, kleiner.  Einrichtungen  zur  Erzielung  gesetzmäßiger 
Beleuchtungsverhältnisse  an  den  Plasmabelegen  kommen  bei 
allen  drei  untersuchten  Arten  vor,  am  vollkommensten  bei  der 
nicht  näher  bestimmten  großblätterigen  Art.  Hier  verrät  schon 
die  chagrinlederartige  Oberseite,  daß  die  Zellen  der  Epidermis 
gewölbte  Außenmembranen  besitzen.  Die  großen,  buchtig 
begrenzten  Epidermiszellen  erreichen  eine  Tiefe  von  45 [x  und 
zeichnen  sich  durch  außerordentliche  Durchsichtigkeit  aus. 
Beim  Linsenversuche  erscheinen  denn  auch  an  den  Innen- 
wänden Lichtkreise  von  hervorragender  Schärfe  und  Helligkeit. 
Die  zwei  anderen  Arten  besitzen  den  unvollkommeneren 
Apparat:  die  Außenwände  sind  nahezu  eben  oder  nur  unbe- 
deutend gewölbt,  die  Innenmembranen  springen  jedoch  sehr 
tief  in  das  Assimilationsgewebe  ein.  In  Fig.  5,  Taf.  II,  ist 
die  Innenwand  der  einspringenden  Zelle  unverschleimt,  in 
Fig.  6  verschleimt.  Ob  die  ziemlich  häufige  Verschleimung 
der  Membranen  lichtkonzentrierend  wirkt,  muß  unerörtert 
bleiben. 

4.  Leguminosae.  Die  Deutung  der  Befunde  in  den  Spreiten 
der  Leguminosen  kann  nicht  einwandfrei  sein,  da  die  zur 
Genüge  bekannten  Gelenke  der  Vertreter  dieser  Familie  in 
hohem  Maße  lichtempfindlich  sind.  Besonders  gilt  dies  für  die 
gerade  in  unserem  Falle  maßgebenden  oberen  Gelenke,  wie 
schon  in  der  Einleitung  hervorgehoben.  Ob  sich  die  Gelenke  in 
allen  Fällen  so  autonom  erweisen  wie  bei  Phaseolus,  das 
müssen  erst  Experimente  lehren;  immerhin  kann  solches  an- 
genommen werden  und  das  um  so  mehr,  weil  diese  Gelenke 
niemals  von  der  Spreite  beschattet  werden,  wie  etwa  die  oberen 
Blattstielgelenke  der  unter  C  besprochenen  Gewächse,  mithin 
auf  sie  stets  das  gleiche  Licht  fällt  wie  auf  die  Spreite,  und  weil 
sie  in  den  meisten  Fällen  von  einer  zarten,  lichtdurchlässigen 
Rinde  umgeben  sind. 


720  A.  Sperlich, 

Es  seien  zunächst  die  zwei  untersuchten  Vertreter  der 
Caesalpinioideae,  Brownea  hybrida  (Hort.?)  und  Wagatea 
spicata  Dalz.  besprochen.  Eine  vollkommen  sichere  optische 
Einrichtung  wurde  weder  hier  noch  dort  gefunden.  Die  Fieder- 
blätter von  Brownea  hybrida,  von  der  wir  in  Schimper's 
Pflanzengeographie  auf  physiologischer  Grundlage  ^  ein  gutes 
Habitusbild  nach  einer  Treub'schen  Photographie  besitzen, 
zeichnet  sich  durch  eine  außerordentlich  kleinzellige,  derbe 
oberseitige  Epidermis  aus.  Ihre  isodiametrischen  (J=r:15[x), 
buchtig  ineinander  greifenden  Zellen  können  in  keinerlei  Weise 
an  den  Plasmawänden  eine  gesetzmäßige  Lichtverteilung 
hervorrufen.  Besser  ist  es  vielleicht  diesbezüglich  in  den 
Fiederblättchen  der  hochkletternden  Wagatea  bestellt;  doch 
kann  ich  Sicheres  nicht  aussagen,  da  es  sich  hiebei  um  einen 
Schleim  handelt. 

In  Solereder's  systematischer  Anatomie  ist  bei  der  Be- 
sprechung der  Caesalpiniaceen  zu  lesen :'^  »Nicht  sehr  ver- 
breitet ist  die  für  die  Artcharakteristik  wertvolle  Verschleimung 
der  Epidermiszellen«;  unter  den  aufgezählten  Beispielen  wird 
Wagatea  nicht  erwähnt,  auch  ist  nicht  zu  ersehen,  ob  diese 
Verschleimung  in  den  Außen-  oder  wie  meistens  in  den  Innen- 
wänden auftritt.  Es  dürfte  daher  angezeigt  sein,  die  immerhin 
bemerkenswerte  Verschleimung  derBlattepidermis  von  Wagatea 
mitzuteilen.  Die  buchtig  ineinander  greifenden  Zellen  haben 
durchschnittlich  eine  Tiefe  von  21[x  und  sind,  die  Außenwände 
ausgenommen,  von  mäßig  dicken  Membranen  umgeben.  Die 
Außenwände  bestehen  aus  zwei  Schichten.  Die  äußere  bis  zu 
6[x  mächtige  Schichte  ist  vollständig  kutinisiert,  die  sich  deut- 
lich abhebende  Kutikula  zieht  über  dieselbe  nahezu  eben 
hinweg;  gegen  das  Zellinnere  wird  die  Schichte  aber  durch 
eine  bei  Alkoholmaterial  stark  lichtbrechende  Lamelle  von  der 
Form  einer  bikonvexen  Linse  begrenzt.  Bei  Wasserzusatz  setzt 
sofort  bedeutende  Quellung  ein  und  das  Endresultat  ist  das  in 
Fig.  13,  Taf.  II,  festgehaltene  Bild.  Ich  will  bemerken,  daß  die 
Schleimpolster   nicht  durchwegs   die  in    der  Figur  gezeichnete 


1  Jena,  Fischer,  1898,  p.  356. 
2P.  321. 


Oberseitige  Blattepidermis  tropischer  Gelenkpflanzen.  i  2 1 

regelmäßige  Gestalt  aufweisen,  vielfach  sind  sie  ganz  unregel- 
mäßig konturiert.  Wie  der  Linsenversuch  zeigt,  würde,  falls  das 
Brechungsvermögen  des  Schleimpropfens  unter  natürlichen 
Verhältnissen  größer  wäre  als  das  des  Zellsaftes,  durch  diese 
Einrichtung  eine  herrliche  Strahlensammlung  erfolgen.  Ob  das 
nun  in  der  Tat  so  ist,  muß  dahingestellt  bleiben.  Diese  eigen- 
artigen linsenförmigen  Schleimpropfen  kommen  nur  der  Ober- 
seite zu,  die  papillös  ausgebildeten  Zellen  der  unterseitigen 
Epidermis  weisen  Verschleimung  nicht  auf. 

Aus  der  zu  den  Papilionaten  gehörigen  Untergruppe  der 
Phaseoleen  kamen  vier  Typen  zur  Untersuchung:  Flemingia 
JatifoUa  Benth.  {-rzcoiigesta  Roxb.),  derKorallenholzbaumErj;- 
thrina  Corallodcndroii  L.,  Erythriiia  poianthes  Brot.  (=:Steno- 
tropis  Berteroi  Hassk.)  und  die  hochkletternde,  prächtig 
blühende  Butea  frottdosa  Wall.  {=zsiiperba  Roxb.).  Die 
mächtigen  Gelenke,  durch  welche  das  große  dreizählige  Blatt 
der  letztgenannten  Pflanze  ausgezeichnet  ist,  finden  sich  auf 
Taf.  II,  Fig.  7  a  und  7  b,  abgebildet.  Die  oberseitigen  Blattepi- 
dermen  aller  dieser  Gewächse  sind  papillös,  die  Zellen  außer- 
ordentlich durchsichtig  und  meist  sehr  zartwandig.  Es  ist  daher 
klar,  daß  beim  Linsenversuche  an  den  Innenwänden  jedesmal 
lichtstarke,  scharf  umgrenzte  Flecke  genau  im  Zentrum  der 
einzelnen  Zellen  zu  sehen  sind. 

Eine  gesonderte  Besprechung  v erdient  Alysicarpus  bupletiri- 
folins  DC,  zu  den  Hedysareen  unter  den  Papilionaten  gehörig. 
Das  infolge  langer,  gleichmäßig  gerichteter  Trichome  seidig 
glänzende  Blatt  ist  einfiederig  und  zeigt  sowohl  am  unteren 
Ende  des  Blattstieles  als  auch  am  Grunde  der  länglichen  Spreite 
auffallende  Gelenke  (Fig.  8  a  und  b,  Taf.  II).  Jede  Epidermis- 
zelle  der  Blattoberseite  trägt  nahezu  genau  im  Zentrum  einen  nach 
außen  vorspringenden  Buckel,  die  Zellen  der  unterseitigen 
Epidermis  sind  papillös.  Etwas  ähnliches  scheint  bei  den 
Podalyrieen  vorzukommen,  von  welchen  Solereder^  schreibt: 
»Den  Papillen  entsprechend  und  mit  denselben  durch  Über- 
gänge verbunden  sind  die  von  Reinke  bei  vielen  Podalyrieen 
auf  beiden   Blattseiten   beobachteten   Kutikularbuckel,   welche 

1  A.  a.  O.,  p.  292. 


722  A.  Sperlich, 

als  massive  und  rundliche  oder  kegelförmig  gestaltete  Vor- 
sprünge der  stark  verdickten  Außenwände  in  der  Mitte  der 
Epidermiszellen  hervortreten.  Mitunter  sind  diese  Gebilde  länger 
und  dann  papillen-  bis  haarartig.« 

Die  verschiedene  Ausbildung  der  Buckel  von  Alysicarpus 
bei  Epidermiszellen  eines  und  desselben  Blattes  zeigen  die 
Fig.  9  und  10,  Taf.  II.  Wir  sehen,  daß  das  eine  Mal  das  Lumen 
der  Zelle  in  den  Buckel  einspringt,  das  andere  Mal  der  Buckel 
massiv  ist,  und  daß  sich  in  weiteren  Fällen  an  die  verdickte, 
buckelige  Außenwand  überdies  eine  sehr  quellungsfähige,  deut- 
lich geschichtete  Membranlamelle  innen  anlegt.  Fig.  10  zeigt 
diese  Lamelle  in  stark  gequollenem  Zustande.  Wie  aus  dem 
Flächenbilde,  Fig.  11,  das  nach  einem  Aschenpräparate 
gezeichnet  ist,  hervorgeht,  sind  sämtliche  Membranen  reichlich 
verkieselt;  auch  in  der  quellungsfähigen  Membranschichte  ist 
viel  Kieselsäure  eingelagert.  Der  Linsenversuch  lehrt  nun,  daß 
in  jedem  Falle,  wie  immer  auch  die  Außenmembran  gestaltet 
sein  mag,  an  den  Plasmabelegen  der  Innenwände  außerordent- 
lich lichtstarke  Zentralfelder  entstehen.  Am  vollkommensten 
erweisen  sich  die  Zellen  mit  massivem  Buckel;  bei  diesen  fällt 
die  Stelle  größter  Strahlensammlung  genau  auf  die  Rückwand. 

Der  Appaiat  ließe  sich  am  ehesten  mit  dem  der  Schatten- 
form von  Campamila  persicifoJia  vergleichen.  Bekanntlich  hat 
Heinricher  1  bei  dieser  und  anderen  Cmnpamila- Arien  in  den 
Außenwänden  der  oberseitigen  Epidermis  verkieselte  Membran- 
propfen  entdeckt,  die  sich,  wie  Heinricher  gezeigt  hat,  auf 
Trichome  zurückführen  lassen.  Haberlandt^  faßt  die  Pfropfen 
als  im  Dienste  der  Lichtperzeption  stehend  auf.  Bei  Alysicarptis 
ist  nun  allerdings  an  eine  Ableitung  v^on  Trichomen  nicht  zu 
denken ;  ein  weiterer  Unterschied  ergibt  sich  dadurch,  daß  hier, 
wie  Fig.  12,  Taf.  II  zeigt,  auch  viele  papillöse  Zellen  der  unter- 
seitigen Epidermis  am  Gipfel  der  Papille  eine  linsenförmige, 
stark  verkieselte  Membranverdickung  aufweisen.  Wie  man  sich 


1  Heinricher,  Ein  reduziertes  Organ  bei  Cainpanula  persicifolia  und 
einigen  anderen  Campanitla- Arten;  Ber.  der  Deutschen  bot.  Ges.,  ßd.  III,  1885, 
p.  4  bis  13. 

-  Haberlandt,  Die  Lichtsinnesorgane  der  Laubblätter,  p.  70  bis  7o, 
Taf.  II,  Fig.  1  bis  10. 


Oberseitige  Blattepidermis  tropischer  Geleni<pflanzen.  723 

dufch  den  Linsenversuch  und  mit  Hilfe  einer  Konstruktion  leicht 
überzeugen  kann,  ist  aber  die  Lichtverteilung  gerade  in  solchen 
Epidermiszellen  der  Unterseite  infolge  der  Höhe  der  Papillen 
an  den  Plasmabelegen  der  Innenwände  eine  ziemlich  gleich- 
mäßige. 

Aus  dem  Vorhergehenden  ergibt  sich,  daß  sämtliche  unter- 
suchten Vertreter  der  Papilionaten  optisch  in  hervorragender 
Weise  eingerichtete  Epidermen  der  Blattoberseiten  besitzen.  Wie 
weit  diese  nun  hier  tatsächlich  im  Dienste  der  Lichtperzeption 
stehen,  läßt  sich  unter  Berücksichtigung  der  Lichtempfindlich- 
keit der  Gelenke  dieser  Pflanzen  ohne  Experiment  nicht  sagen. 
Wahrscheinlich  ist  indes,  daß  bei  aller  Autonomie  des  Gelenkes 
dennoch  eine  Beeinflussung  seitens  der  lichtperzipierenden 
Lamina  erfolgen  kann,  wie  das  Haberlandt  für  Pkaseolus 
nachgewiesen  hat  (vergl.  p.  678).  Für  das  Fehlen  optischer  Ein- 
richtungen im  Blatte  der  untersuchten  Caesalpinioideen,  spe- 
ziell von  Browuea  hyhrida,  könnte  namhaft  gemacht  werden, 
daß  ein  großer  Teil  ihrer  Blätter  direktem  Sonnenlichte  aus- 
gesetzt ist,  was  auch  in  der  bekannten  Hängestellung  der  jungen 
Zweige  zum  Ausdrucke  kommt.  Freilich  gehört  Browuea  nach 
Wiesner^  zu  jenen  Gewächsen,  deren  Blätter  im  Umfange  der 
Krone  sich  nach  dem  direkten,  im  Innern  derselben  nach  dem 
stärksten  diffusen  Lichte  orientieren;  es  ist  indessen  nicht  aus- 
geschlossen, daß  für  den  Fall,  als  sich  Brownea-Fiederhlatt- 
spreiten  überhaupt  lichtempfindlich  zeigen,  bei  Innenblättern 
der  Krone  Einrichtungen  zur  Strahlensammlung  in  der  Epider- 
mis gefunden  werden.'- 


1  Wiesner,  Pflanzenphysiolog.  Mitteilungen  aus  Buitenzorg,  I  und  II, 
p.  16. 

"2  Während  der  Ausarbeitung  dieses  Aufsatzes  erinnerte  ich  mich  der  für 
die  Kenntnis  formativer  Reize  wertvollen  Arbeit  M.  Nu  rdhausen's :  Über 
Sonnen-  und  Schattenblätter  (Ber.  der  Deutsch,  bot.  Ges.,  Bd.  XXI,  1903,  p.  30 
bis  45).  Dieselbe  ist  auch  tür  unseren  Fall  von  Interesse.  Abgesehen  von  den 
übrigen  anatomischen  Unterschieden  der  Licht-  und  Schattenblätter  bei  der  vom 
Autor  vorzüglich  zu  seinen  Versuchen  herangezogenen  Blutbuche  zeigen  die 
Figuren  7  (Querschnitt  durch  ein  Sonnenblatt  von  natürlichem  Standorte)  und  8 
(Querschnitt  durch  ein  entsprechendes  Schattenblatt)  auf  Taf.  IV  recht  anschau- 
lich,   daß   die  oberseitige  Epidermis   des  Schattenblattes  anders  gestaltete  Zellen 


724  A.  Sperlich, 

E.  Der  Blattstiel  trägt  an  der  Basis  und  am  oberen  Ende 

je  ein  Gelenk,  überdies  sind  die  Stiele  der  Teilblätter 

gelenkig"  verdickt. 

1.  Dioscorea  pentaphylla  L.  unterscheidet  sich  von  der  in 
Abschnitt  C  besprochenen  Art  dadurch,  daß  die  Blattspreite  in 
4  bis  5  Teilblätter  aufgelöst  ist,  deren  Stiele,  wie  Fig.  20  b, 
Taf.  II,  zeigt,  gelenkig  verdickt  sind.  Der  Hauptstiel  trägt  über- 
dies oben  und  unten  (Fig.  20  a)  kräftige  Gelenke.  Die  ober- 
seitige Blattepidermis  ist  ein  Wassergevvebe  und  eignet  sich 
als  solches  wie  bei  der  Menispermacee  Tinospora  vortrefflich 
zur  Herstellung  gesetzmäßiger  Beleuchtungsverhältnisse  an 
den  in  Betracht  kommenden  Plasmabelegen.  Eine  besondere 
Differenzierung  in  der  oberseitigen  Blattepidermis,  welche  wir 
bei  D.Koordersii  gefunden  und  wie  sie  in  auffallender  Weise  bei 
der  von  Haberlandt  untersuchten  D.  qtiinqueloha  vorkommt, 
erscheint  bei  dieser  Art  durchaus  überflüssig;  jede  Zelle  wirkt 
in  gleich  vollkommener  Weise  lichtsammelnd.  Die  Figuren  21 
und  22  auf  Taf.  II  machen  die  Gestalt  der  Epidermiszellen 
ersichtlich.  Bemerkenswert  ist  ihre  Größe;  sie  erreichen  eine 
Tiefe  von  120  jx,  das  ist  beiläufig  ein  Drittel  des  Blattquer- 
schnittes. Zur  Stützung  der  hohen  Zellen  finden  wir  die  Radial- 
kanten, in  welchen  drei  Zellen  zusammenstoßen,  durch  lokale 
Membranverdickung  als  Pfeiler  ausgebildet;  das  Flächenbild 
der  Epidermis  macht  infolgedessen  den  Eindruck  eines  Kollen- 
chyms.  Möglich,  daß  sich  dieser  Aussteifungsapparat  auch  mit 
Rücksicht  auf  das  Bedürfnis  derLichtperzeption  entwickelt  hat: 
jedenfalls  verhindert  er  größere  Schwankungen  der  Membran- 
wölbung, die  sich  mit  der  Änderung  des  Wassergehaltes  in  den 
Zellen  einstellen  könnte,  Schwankungen,  die,  wie  leicht  einzu- 
sehen, wesentliche  Änderungen  der  Beleuchtungsverhältnisse 
im  Gefolge  hätten. 


besitzt  als  die  oberseitige  Epidermis  des  Sonnenblattes.  Die  Zellen  der  .Schatten- 
blattepidermis  sind  nach  außen  deutlich  gewölbt.  Im  Texte  wird  aus  leicht 
einzusehendem  Grunde  davon  nichts  erwähnt,  nur  auf  die  schon  von  Stahl 
mitgeteilte  größere  Zartheit  der  Schattenblattepidermis  wird  hingewiesen  (p.  32 
und  p.  37  bis  38). 


Oberseitige  Blattepidermis  tropischer  Gelenkpflanzen.  725 

2.  Rutaceae.   Über  den  wirksamen   optischen  Apparat  in 
den  Blättern  der  kletternden  Paramignya  armata  Oliv,  wurde 
schon  p.  688  bis  689  gesprochen  (vergl.  Fig.  14  a,  14  b  und 
15,  Taf.  II).  Die  in  der  Familie  sehr  verbreiteten  inneren  Sekret- 
behälter/ die  vielleicht  manchmal  infolge  des  meist  stark  licht- 
brechenden ätherischen  Öles,  mit  welchem  sie  gefüllt  sind,   bei 
der  Lichtperzeption    mitbeteiligt    sind,    spielen    im   Blatte   von 
Paramignya  gewiß   keine   Rolle.    Fig.  16  auf  Taf.  II  zeigt,  daß 
die  Drüsen  unter  der  Assimilationsschichte  liegen,  mithin  von 
nur  sehr  schwachem  Lichte  getroffen  werden.  Anders  ist  es  im 
Blatte    des    »Wood-Apple«,    Feronia    depliantnm   Corr.    Hier 
liegen  die  Drüsen  direkt  unter  der  Epidermis,  deren  stark  ver- 
dickte Außenmembranen  gerade  dort,  wo  darunter  Drüsen  sind, 
der   sonst  ziemlich  kräftigen   Kutikularleisten  entbehren.   Auf 
Taf.  II   ist   das   in   Fig.   18   dargestellt.    Wenn  nun  auch  unter 
Berücksichtigung  dessen,  was  Haberlandf^  über  die  Bedeu- 
tung derartiger   Epidermiszellen   mit   leisten-   oder  faltenfreier 
Kutikula    mitteilt,    in    dieser    Tatsache    ein    Indizium  für  die 
Bedeutung  der  Drüsen   als  Strahlensammler  gesehen  werden 
könnte,   so  möchte  ich  mich  doch   einer  bestimmten  Aussage 
hierüber  enthalten   aus   dem    einfachen   Grunde,  da  ich  nicht 
Gelegenheit  hatte,  mich  an  frischem  Materiale  über  die  optische 
Wirkung   der  Drüsen  zu  überzeugen.    Hingegen  konnte  fest- 
gestellt   werden,    daß    in    den    gewöhnlichen   Epidermiszellen 
trotz  der  Kutikularfalten  in  bester  Weise  Lichtsammlung  erfolgt- 
Wie  an  dem  Querschnitte,  Fig.  19,  Taf.  II,  zu  sehen,  besitzen 
die  kleinen  Epidermiszellen,  deren  Tiefe  höchstens  18  [x  beträgt, 
eine    im    Verhältnis    zum    Zellumen    sehr   dicke,    größtenteils 
kutinisierte  Außenwand,  deren  Gestalt  eine  wirksame  Konkav- 
konvexlinse  ergibt.   Der  Linsenversuch  zeigt,  daß  im  Zentrum 
der  Zellinnenwände  eine  Strahlensammlung  erfolgt,  welche  der 
in   den  Paramignya-ZeWen   erzielten  nahezu  gleichwertig  ist. 
Die  Blätter  dieses  für  die  Gummigewinnung  wichtigen,  in  Ost- 
indien   weit    verbreiteten   Baumes   sind   bekanntlich    unpaarig 


1  Vergl.  Solered  er,  System.  Anatomie,  p.  201  bis  202. 
•2  Haberlandt,  Die  Lichtsinnesorgane  der  Laubblätter,  p.  105  und  106, 
Taf.  III,  Fig.  1. 


''26  A.  Sperlich, 

gefiedert,  der  Blattstiel  geflügelt.  Bemerkenswert  wird  das  Blatt 
jedoch  dadurch,  daß  die  meist  in  Fünfzahl  vorhandenen  Fieder- 
chen  mit  gelenkig  verdickten  Stielchen  am  geflügelten  Haupt- 
stiele sitzen  und  daß  dieser  aus  zwei  oder  drei  ebenfalls  durch 
Gelenke  verbundenen  Gliedern  besteht;  eine  gelenkartige  Ver- 
dickung wird  überdies  an  der  Insertionsstelle  des  Hauptblatt- 
stieles bemerkbar.  Diese  Verhältnisse  finden  sich  in  Fig.  17, 
Taf.  II,  dargestellt. 

3.  Hevea  hrasiliensis  Müll.,  ein  ansehnlicher  Kautschuk- 
baum aus  der  Familie  der  Euphorbiaceen,  trägt  dreizählige 
Blätter,  deren  Gelenke  sich  an  den  gleichen  Stellen  wie  bei 
Paramignya  befinden;  nur  sind  die  Verdickungen  hier  nicht  so 
stark  hervortretend.  Die  Zellen  der  oberseitigen  Blattepidermis 
erinnern  ihrer  Gestalt  nach  an  die  Zellen  des  zur  selben 
Familie  gehörigen,  in  Abschnitt  B  besprochenen  Cleistanthus. 
Nach  innen  und  nach  außen  nahezu  in  gleicher  Weise  gewölbt, 
bewirken  sie  gesetzmäßige  Beleuchtungseffekte  an  ihren  Plasma- 
belegen. Die  Lichtstärke  der  erhellten  Partien  wird  durch  die 
ziemlich  derbe,  mit  Leisten  versehene  Kutikula  etwas  beein- 
trächtigt; niemals  erreichen  diese  Leisten  jedoch  an  der  Blatt- 
oberseite die  bedeutende,  jede  gesetzmäßige  Lichtverteilung 
vereitelnde  Höhe  der  an  der  Blattunterseite  auftretenden  Kuti- 
kularkämme. 

4.  Über  die  Bewegungsorgane  und  optischen  Einrichtungen 
des  Blattes  der  zu  den  Araliaceen  gehörigen  javanischen 
Schefflera  rigida  (Seem.)  Harms,  wurde  schon  auf  p.  698 
gesprochen.  (Vergl.  Taf.  II,  Fig.  23  a  und  23  b) 


Anhangsweise  sei  mitgeteilt,  daß  auch  das  Laubwerk  einer 
Gnetacee,  nämlich  von  Gnetumcostahtm  K.  Seh  um.  {—inoliic- 
canum  Hort.)  auf  den  Besitz  optischer  Einrichtungen 
geprüft  wurde.  Die  Kletterpflanze  gehört  allerdings  nicht  ganz 
in  den  Rahmen  dieser  Untersuchung,  da  hier  nicht  die  Blätter 
mit  Bewegungswerkzeugen  versehen  sind,  sondern,  wie 
bekannt,  der  Sproß  in  einzelne  Glieder  zerfällt,  welche  durch 
die  Ausbildung  ihrer  prächtigen  Gelenke  sehr  gut  den  Vergleich 


Oberseitige  Blattepidermis  tropischer  Gelenkpllanzen.  727 

mit  Schenkelknochen ^  aushalten.  Es  findet  sich  denn  auch  in 
dem  an  mechanischen  Elementen  reichen  Blatte  keinerlei 
irgendwie  bemerkenswerte  Einrichtung. 

Zusammenfassung-. 

1.  Bei  sämtlichen  untersuchten  Blättern  tropischer 
Gelenkpflanzen  ergaben  sich,  soweit  die  Spreiten  als 
euphotometrisch  angesehen  werden  konnten,  ander 
Oberseite  derselben  Einrichtungen,  durch  welche  bestimmte, 
mit  der  Lichtrichtung  sich  ändernde  Beleuchtungs- 
verhältnisse erzielt  werden.  Diese  Einrichtungen  gehören 
entweder  dem  weniger  vollkommenen  Typus,  in  das  Assimi- 
lationsgewebe einspringende  Innenwände  der  Epidermiszellen, 
oder  dem  vollkommenen  Typus,  Strahlensammlung  bewirkende 
Zellen,  an.  Hervorzuheben  ist,  daß  die  durch  ein  beson- 
deres, aller  Wahrscheinlichkeit  nach  selbst  nicht 
lichtempfindliches  Spreitengelenk  ausgezeichneten 
Blätter  zumeist  von  Kletterpflanzen  fast  ausnahms- 
los mit  wirksamen  Strahlensammlern  bedacht  sind 
(Dioscoreaceen,    Menispermaceen,    Faradaya,    Paramignya). 

2.  Die  besagten  Einrichtungen  fehlen  ganz  oder  sind 
zum  mindesten  von  sehr  zweifelhafter  Wirkung  entweder 
in  Blättern,  die  fast  stets  hohen  Lichtintensitäten  ausge- 
setzt sind  (Dipterocarpaceen,  Picrodendvon,  Otophora)  oder 
aber  in  Blättern,  für  deren  Spreiten  die  Perzeption  der  Licht- 
richtung  immerhin  in  Frage  kommt  {Brownea,  vielleicht 
Wagatea). 

3.  Es  wird  der  nachteilige  Einfluß  gleichmäßiger,  nahe- 
zu konzentrischer  Membranverdickung  auf  die  Strahlen- 
sammlung von  Zellen  mit  gewölbten  Außenwänden  nach- 
gewiesen. Die  bei  Pflanzen  mit  eupho tometrischen  Spreiten 
gefundene  konvexlinsenförmigeVerdickung  der  Zellaußen- 
wände (besonders  ausgeprägt  bei  Paramignya  und  Alhertisia) 
wird  unter  Mitberücksichtigung  der  Tatsache,  daß  die  Ver- 
dickungen bei  anderen  Gewächsen  (Dipterocarpaceen,P/Vro- 


1  Vergl.    die   Abbildung   bei    Eichler's    Besprechung   der  Gnetaceen  in 
»Engler  und  Prantl,  Natürliche  Pflanzeiifamilien  11«,  Bd.  1,  p.  120. 


728  A.  Sperlich, 

dendron)  die  Gestalt  von  lichtzerstreuenden  Konkav- 
linsen annehmen,  als  eine  Anpassung  der  Epidermis  an 
die  Funktion  eines  Lichtsinnesepithels  gedeutet. 

4.  Innerhalb  der  F'amilie  der  Menispermaceen  ist  ein 
Zusammenhang  zwischen  vollkommenem  und  weniger 
vollkommenem  Typus  der  lichtperzipierenden  Epidermis 
insofern  von  Bedeutung,  als  sich  der  bei  Anamirta  schon 
von  Haberlandt  festgestellte  weniger  vollkommene  Typus 
bei  Cocculus  Blumei  mit  schwachen  Andeutungen  des  in  Punkts 
charakterisierten  vollkommenen  Typus  verbindet  und  end- 
lich in  den  Spreiten  von  Albertisia  dieser  Typus  unter  gleich- 
zeitiger Reduktion  jenes  zu  vollendeter  Ausbildung 
gelangt. 

5.  Es  wird  die  Möglichkeit  der  Lichtperzeption  auf 
Grund  des  von  stark  verdickten,  konkaven  Epidermis- 
innen  wänden  (Magnolia  sphenocarpa)  r  e  f  1  e  k  t  i  e  r  t  e  n  Lichtes 
und  bei  Blättern  mit  oberseitigem  Wassergewebe  die  Mög- 
lichkeit der  Lichtperzeption  auf  Grund  des  Reliefs  der 
Grenzfläche  zwischen  Wasser-  und  Assimilationsgewebe 
erörtert. 

Eine  zweite  Untersuchung,  mit  welcher  ich  nach  Erledi- 
gung einiger  zurückgebliebener  Arbeiten  demnächst  beginnen 
werde,  soll  dem  vergleichenden  Studium  der  Bewegungswerk- 
zeuge am  gleichen  Materiale  gewidmet  sein. 


Nachtrag". 

Erst  nach  Beendigung  des  Manuskriptes  wurde  ich  mit  der 
in  den  beiden  Februarnummern  des  Biologischen  Zentral- 
blattes erschienenen  ArbeitHans  Kniep's:  Ȇber  die  Lieh  t- 
pe  rzeption  der  Laubblätter«  (Biol.  Zentralbl.  Bd.  XXVII, 
1907,  p.  97  bis  106  und  p.  129  bis  142)  bekannt. 

Die  Versuche  des  genannten  Autors  wurden  angestellt  um 
zu  prüfen,  »ob  bei  aufgehobener  Sammlung  des  Lichtes  durch 
die  Papillen  der  oberen  Epidermis   die  Blätter  noch  im  stände 


Oberseitige  Blattepidermis  tropischer  Gelenkpflanzen.  729 

sind,  den  Lichtreiz  zu  perzipieren  und  in  demselben  Sinne  wie 
normal  belichtete  Blätter  zu  reagieren ^<. 

Auf  Grund  einer  Reihe  sehr  exakter  Experimente  mit 
Blättern  von  Tropaeolum  niimts,  Begonia  discolor  und  B. 
heracleifolia  gelangt  Kniep  zu  dem  Ergebnisse,  >daß  die 
Linsenfunktion  der  oberen  Epidermiszellenfür  den 
Sinn  der  Reaktion  der  untersuchten  Laubblätter 
keine  Bedeutung  hat«  (a.  a.  0.,  p.  136)  und  -daß  das 
durch  die  Hervorwölbung  der  oberen  Epidermis- 
wand  auf  dem  Plasmabeleg  der  inneren  entstehende 
helle  Lichtfeld  für  den  Sinn  der  Reaktion  des  Blattes 
nicht  maßgebend  ist«^  (a.  a.  0.,  p.  140). 

Die  Ausschaltung  der  Linsenfunktion  der  oberseitigen 
Blattepidermis  bewerkstelligte  Kniep  dadurch,  daß  er  die 
Spreitenoberflächen  mit  Paraffinöl  («=  1-476)  bestrich  und 
zur  Fixierung  und  gleichmäßigen  Verteilung  des  Öles  auf  der 
Blattfläche  ein  dünnes  Glimmerblättchen  oder  in  anderen 
Fällen  ein  mit  Öl  durchtränktes  Seidenpapier  darüber  spannte. 
Die  V^ersuchsanstellung  erinnert  demnach  ganz  an  den  von 
mir  auf  p.  682  (Fußnote)  zitierten  Glimmerblättchenversuch 
Haberlandt's,  welcher  die  Notwendigkeit  der  durch  vor- 
gewölbte Außenmembranen  bewirkten  Lichtverteilung  für  die 
Reizperzeption  dargetan  hat.  Wie  aus  einer  Fußnote  in  K  niep's 
Arbeit  (a.  a.  O.,  p.  140  und  141)  hervorgeht,  wurden  dem 
Verfasser  Haberlandt's  Versuche  erst  bekannt,  als  seine 
Arbeit  schon  in  Druck  gegeben  war.  Der  einzige  wesentliche 
Unterschied  zwischen  Haberl  andt's  und  Kniep's  Versuchen 
liegt  darin,  daß  Haberlandt  zur  Ausschaltung  der  Sammel- 
linsenfunktion der  Epidermiszellen  Wasser,  Kniep  hingegen 
Paraffinöl  benutzte. 

Während  aber  durch  das  Wasser  in  der  Tat  jede  Beleuch- 
tungsdifferenzierung an  den  Plasmabelegen  ebener  Zellinnen- 
wände ^  infolge  nahezu  gleichen  Brechungsvermögens  von 
Zellsaft  und  Wasser  hintangehalten  wird,  ist  dies  bei  Anwen- 


1  Beide  Nebensätze  im  Original  gesperrt  gedruckt. 

-  Die    Versuchspflanzen    zeichnen    sich    durchwegs    durch    dergestaltige 
Innenmembranen  aus. 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Kl. ;  GXVI.  Bd.,  Abt.  I.  48 


730 


A.  Spe flieh, 


dung  eines  stärker  brechenden  Mediums,  wie  es  das  Paraffinöl 
ist,  nicht  der  Fall.  Kniep  wollte  auch  nicht  eine  gleichmäßige 
Beleuchtung  erzielen,  sondern  ihm  war  es  darum  zu  tun,  die 
Zellinnenwand  invers  zu  beleuchten,  d.  h.  ein  relativ  dunk- 
leres Mittelfeld  und  relativ  hellere  R  and  partien  zu 
erhalten.  Damit  ist  aber  wieder  nichts  anderes  als  eine  äußerst 
gesetzmäßige  Intensitätsverteilung  des  Lichtes  ge- 
schaffen, die  sich  bei  Änderung  des  Lichteinfalles  sicherlich 
gesetzmäßig  ändern  muß.  Wie  ich  schon  auf  p.  682  (Fußnote) 


Fig.  9. 


bemerkt  habe,  wird  ja  die  Änderung  der  Lichtintensitäts- 
verteilung direkt  als  die  heliotropische  Bewegung  auslösender 
Reiz  perzipiert. 

Übrigens  ersieht  man  aus  Kniep's  optischen  Darlegungen 
auf  p.  100  durchaus  nicht  die  inverse  Beleuchtung  der  Zell- 
innenwand. Daß  auf  Grund  einer  Zerstreuungslinse  die  Rück- 
wand einer  einzeln  stehenden  Zelle  nicht  invers  beleuchtet 
wird,  ergibt  sich  schon  aus  der  einfachen  Überlegung,  daß  vom 
Zentrum  einer  Zerstreuungslinse  gegen  die  Ränder  derselben 
die  Größe  der  Lichtzerstreunng  zu-,  damit  aber  auch  die 
Helligkeit  abnimmt.  Aus  der  in  Fig.  9  gezeichneten  Kon- 
struktion, die  durch  ein  einfaches  Experiment  mit  Lichtquelle, 
Linse  und  Papierblatt  leicht  die  Bestätigung  ihrer  Richtigkeit 
erhält,  ergibt  sich  das  sofort. 


Obeiseitige  Blattepidermis  tropischer  Gelenkpflanzen.  731 

[  3 

Auf  die  Plankonkavlinse  ab  cd,    die     aus    Glas     w  =  — 

gedacht  ist,  fällt  ein  Bündel  parallelen  Lichtes;  dasselbe  wird 
von  dem  unter  der  Linse  befindlichen  ebenen  Schirme  ef  auf- 
gefangen. Die  zwischen  den  gleich  weit  abstehenden,  gezeich- 
neten Strahlen  befindlichen  Lichtmengen  sind  selbstverständ- 
lich vor  dem  Eintritte  in  die  Linse  vollkommen  gleich,  verteilen 
sich  aber  auf  dem  Schirme  derart,  daß  die  gleichen  Licht- 
mengen auf  verschieden  große  Flächenteile  (0  bis  1,  1  bis 
2,  2  bis  3,  3  bis  4)  fallen.  Es  ergibt  sich  aus  der  Zeichnung, 
daß  die  betreffenden  Flächenstücke  umso  größer  werden,  je 
weiter  dieselben  vom  Zentralstrahle  (Oy)  entfernt  sind.  Ihre 
Helligkeit  muß  dementsprechend  um  so  gering'er  sein,  je 
näher   die  Flächenstücke  dem   Rande   des   Schirmes  liegen.  ^ 

Wenn  nun  Kniep  beim  Linsenversuche  tatsächlich  eine 
inverse  Beleuchtung  sieht,  so  kann  dieselbe  nur  dadurch  zu- 
stande kommen,  daß  die  sehr  zarten  Radiahvände  der  Epi- 
dermiszellen  das  zerstreute  Randlicht  (etwa  zwischen  3  und  4, 
Fig.  9)  in  die  benachbarten  Zellen  ziemlich  ungeschwächt 
durchlassen.  Die  inverse  Beleuchtung  der  Rückwand  einer 
Zelle  wird  also  nur  durch  das  Randlicht  der  umgebenden 
Zellen  hervorgerufen.  Sind  aber  die  Radialwände  derb  oder  gar 
kutinisiert,  so  erfolgt  größtenteils  Reflexion  und  Absorption 
des  Randlichtes  und  die  Lichtintensitätsverteilung  bleibt  trotz 
Zerstreuungslinse  nach  dem  früheren  der  Qualität  nach  die- 
selbe wie  ohne  Zerstreuungslinse. 

Meine  Ausführungen  in  vorliegender  Arbeit  sind  mit  Rück- 
sicht auf  Kniep 's  Versuche  nach  diesen  Erörterungen  nur 
insoweit  zu  modifizieren,  als  konkavlinsenförmige  Membran- 
verdickungen für  sich  allein  nicht  als  Hindernis  für  die 
Erzielung  gesetzmäßiger  Beleuchtungsverhältnisse  angesehen 
werden  dürfen.  Daß  die  Vermeidung  derartiger  Membranen  und 
Ausbildung  konvexlinsenförmiger  Außenwände  bei  euphoto- 
metrischen  Blättern   trotz  alledem  mit  Rücksicht  auf  die  durch 


1  Wäre  der  Schirm  sphärisch  nach  unten  gebogen,  ergäben  sich  etwas 
geringere  Beleuchtungsdifferenzen;  sie  wären  jedoch  auch  in  diesem  Falle  noch 
vorhanden. 

48* 


732 


A.  S  perl  ich, 


letztere  erzielten  höheren  Lichtkontraste  als  dem  besonderen 
Zwecke  dienliche  Einrichtung  aufgefaßt  werden  kann,  ist  klar. 
Während  der  Drucklegung  meiner  Arbeit  ist  vonseiten 
Haberlandt's  eine  Erwiderung  auf  Kniep's  Veröffent- 
lichung erschienen:  Die  Bedeutung  der  papillösen  Laub- 
blattepidermis  für  die  Lichtperzeption  (Biolog.  Central- 
blatt,  Bd.  XXVII,  1907,  p.  289  bis  301).  Die  von  mir  in  diesem 
Nachtrage  nur  kurz  festgestellten  Punkte  finden  sich  hier  in 
eingehender  Weise  erörtert.  Durch  eine  Reihe  eneuter  Ver- 
suche wird  abermals  in  überzeugender  Weise  die  Notwendig- 
keit von  gesetzmäßiger  Lichtintensitätsverteilung  auf  den 
Plasmabelegen  und  von  deren  Änderung  für  die  Auslösung 
einer  heliotropischen  Bewegung  des  lichtempfindlichen  Laub- 
blattes dargetan.  Auf  p.  284  wird  auf  die  Bedeutung  der 
Kniep'schen  Versuche  für  die  Weiterentwicklung  der  Theorie 
hingewiesen. 


Systematisehe  Übersieht  des  Untersuehungsmateriales. 

(Der  dem   Gattungsnamen   beigefügte   Buchstabe   bezeichnet   den  Abschnitt,  in 
welchem  die  Pflanze  behandelt  ist.) 


Gymnospermae :  6.  Kl.  GiietaJes, 
Fam.  Gnetaceae:  Gnetum 

Monocotyledoneae:  9.  R.  Liliiflorae, 
Fam.  Dioscoreaceae:  Dioscorea 


E,  Anhang. 


C  und  E. 


Archichlamydeae:  9.  R.  Urticales, 

Fam.  Uhnaceae:  Trema  B. 

15.  R.  Ranales, 

Fam.  Menispermaceae:  Cocciilus 

Fibraurea 
Tinospora 
Coscmiufn         \   C 
Arcangelisia 
Alhertisia 


Oberseitige  Blattepidermis  tropischer  Gelenkpflanzen. 


733 


Farn.  Magnoliaceae: 


Fam.  Auonaceae: 

18.  R.  Rosales, 

Fam.  Connaraceae: 

Fam.  Leguminosae : 


19.  R.  Geraiiiahs, 
Fam.  Riitaceae: 


Magiwlia 
TaJatima 
Polyalthia 
Artahotrys 

Connarns 

Brown  ea 

Wagatea 

AJysicarpiis 

Flemingia 

Erythrina 

Butea 

Paramignya 
Feronia 
Fam.  Siuiariibaceae:      Picrodeiidron 

Fam.  Euphorhiaceae:     Lebidieropsis 
Hevea 

20.  R.  Sapindales, 

Fam.  Sapindaceae:         Otophora 

21.  R.  Rhamnales 

Fam.  Vitaceae:  Cissus 

22.  R.  Malvales, 

Fam.  Bombacaceae:       Diirio 

23.  R.  Parietales, 

Fam.  Dipterocarpaceae :  Dryobalanops 
Shorea 
26.  R.  Umbellißorae, 

Fam.  Araliaceae:  Schefflera 

Metachlamydeae:  3.  R.  Ebenales, 


Fam.  Sapotaceae : 

4.  R.  Contortae, 

Fam.  Loganiaceae: 

5.  R.  Tubiflorae, 

Fam.  Verbenaceae. 
Fam.  Solanaceae: 


Palaquium 

Strychnos 
Fagraea 

Faradaya 
Brimfelsia 


A 
B 

D 
D 


D 
B 
E 

D 
B 

A 

A 

E 

A 

B 

C 
B 


734  A.  Sperlich, 


Tafelerklärung. 


Tafel  I. 

Fig.      1.   Blattstiel  von  MagnoUa  sphenocarpa  Hook.,  nat.  Gr. 
»        2.   Querschnitt   der   Blattoberseite   in   der  Nähe  einer  Blattrippe.  Dieselbe 
Pflanze.  Vergr.  187. 

>  3.   Querschnitt  der  Blattoberseite  derselben   Pflanze,    s  =  Sekretzelle. 

Vergr.  375. 

>  4.  Blattstiel  von  Talanma  Hodgsoni  Hook.  f.  et  Thoms.,  nat.  Gr. 

»        5.  Oberseitige  Blattepidermis  dieser  Pflanze  im  Querschnitt.  Vergr.  375. 
»        6.  Blattstiel  von  Durio  zibethinus  Murr.,  nat.  Gr. 

>  7.  Blattstiel  von  Palaqiiium  Treubii  Burck.,  nat.  Gr. 

»  8.  Blattoberseite  von  Palaquium  im  Querschnitt.  Vergr.  375. 

»  9.  Blattstiel  von   Trema  sp.,  nat.  Gr. 

>  10.  Oberseitige  Blattepidermis  dieser  Pflanze  im  Querschnitt.  Vergr.  498. 
»  11.  Blattstiel  von  PolyaUhia  snberosa  B.  et  H.,  nat.  Gr. 

»  \2  a.  Blattoberseite  von  Artabotrvs  suaveolens  Blum,  aus  dem  Quer- 
schnitte durch  eine  Randpartie  des  Blattes.  s  =  Sekretzelle.  Vergr.  375. 
b.  Dasselbe  aus  einer  mittleren  Partie  des  Blattes.  Vergr.  375. 

»      13.  Blattoberseite  von  PolyaUhia  sab.  im  Querschnitt.  Vergr.  375. 

>  14.  Blattstiel  von  Lebidieropsis  orbiciilans  Müll.,  nat  Gr. 

>  15.  Blattstiel  von  Cissus  sp.,  nat.  Gr. 

>  16.  Oberseitige      Blattepidermis      von      Siiychitos     sp.     im     Querschnitt. 

Vergr.  375. 
»      17.  Blattoberseite  von  Fagraea  sp.,  Querschnitt.  Vergr.  375. 
»      18.  Blattstiel  von  Dioscorea  Koordersii  Ridl.,  nat.  Gr. 

>  19.  Flächenbild    der   Blattoberseite    dieser   Pflanze.    Die    hell    gelassenen 

Zellen  sind  ungeteilt.  Vergr.  187. 
»      20.  Die  Blattoberseite  im  Querschnitte.  Vergr.  187. 
»      21a.  Stie\^e\en\i  von  Arcangelisia  lemniscafa  Yi&cc. 

b.  Deren  Spreitengelenk.  Beides  nat.  Gr. 
„      22  a.  Stielgelenk  von  Coscimmn  Blitmeannm  Miers. 

b.  Dessen  Spreitengelenk.  Beides  nat.  Gr. 

>  23  i?.   Si\Q\ge.\enk  von  Albertisia  papuana  ^ecc. 

b.  Deren  Spreitengelenk.  Beides  nat.  Gr. 


Oberseitige  Blattepidermis  tropischer  Gelenkpflanzen.  735 

Fig.  24.  Querschnitt      der      Blattoberseite      von      Tinospora    crispa    Miers. 
Vergr.  375. 
»      25.   Flächenbild  der  Blattoberseite  von   Arcangelisia  lemniscata.   Die  klei- 
ren,  kugeligen  Zellen   heben   sich   durch   stärkere   Wölbung  von  den 
gewöhnlichen  Epidermiszellen  ab.  Vergr.  375. 

>  26.  Querschnitt  der  Blattoberseite  von  Cosciniuni  Bhimean.  Vergr.  375. 

>  27.  Dasselbe  von  Fibraurea  chloroleuca  Miers.  Vergr.  375. 
»     28.  Dasselbe  von  Coccultis  Blitmei  Boerl.  Vergr.  375. 

»      29.  Dasselbe  von  Albertisia  papnana  Vergr.  375. 


Tafel  II. 

Fig.      1.   Blattstiel  von  Faradaya  sp.,  nat.  Gr. 

»  2.  Blattoberseite  dieser  Pflanze  im  Querschnitt.  Vergr.  333. 

»  3  a.  Stielgelenk  von  Otophora  sp. 
»  b.  Deren  Fiedergelenk.  Beides  nat.  Gr. 

I  A  a.  Stielgelenk  von  Connartis  sp. 

>  b.  Dessen  Fiedergelenk.  Beides  nat.  Gr. 

>  5.  Oberseitige   Blattepidermis    von    Connanis    diversifoliiis    (Hortorum?) 

im  Querschnitt.  Vergr.  375. 

»        6.  Dasselbe  von  Connarus  ellipticiis  King.  Vergr.  375. 

»        7  a.  Stielgelenk  von  Ä//ea/row^o5a  Wall. 
b.  Deren  Fiedergelenke.  Beides  nat.  Gr. 

»        8  rt.  Blattstiel  von  Alysicarpus  bupleurifolius  DC.  von  oben  gesehen. 

»  b.  Derselbe  von  der  Seite  gesehen.  Beides  nat.  Gr. 

»        9.   Oberseitige  Blattepidermis  dieser  Pflanze  im  Querschnitt.  Vergr.  498. 

»      10.  Dasselbe  aus    einer  anderen    Partie   des  gleichen   Blattes.  Die  Außen- 
membran besitzt  eine  stark  quellbare  Innenschicht.  Vergr.  498. 

»      11.  Flächenbild    der   Blattoberseite    derselben    Pflanzg,    gezeichnet    nach 
einem  Aschenpräparat.  Vergr.  498. 

»      12.  Unterseitige  Blattepidermis  im  Querschnitt.  Vergr.  498. 

»      13.   Querschnitt      durch      die      Blattoberseite      Wagatea     spicala     Dalz. 
Vergr.  498. 

»      14  fl.  SiislgQXenk  von  Paramignya  armata  0\\y. 

b.  Spreiten-  und  Fiedergelenke  derselben.  Beides  nat.  Gr. 

»      15.   Querschnitt  durch  die  Blattoberseite  dieser  Pflanze.  Vergr.  498. 

»      16.   Blattquerschnitt  derselben  Pflanze  —  Vergr.  125  —  zeigt  die  Lage  der 
Sekretbehälter. 

»      17.  Blattstiel  und  unterstes  Fiederblattpaar  von  Feronia  elephanttim  Corr. 
st  =  Stiel, /==  Fiederblätter.  Nat.  Gr. 

>  18.  Flächenbild  der   Blattoberseite   dieser  Pflanze,  zeigt  das  Auslassen  der 

Kutikularfalten  ober  einer  Drüse.  Vergr.  375. 
»      19.  Querschnitt  durch  die  Blattoberseite  derselben  Pflanze.  V'ergr.  498. 


736      A.  Sperlich,  Oberseitige  Biattepidermis  tropischer  Gelenkpflanzen. 

Fig.  20  a.  Stielgelenk  von  Dioscorea  pentaphylla  L. 

h.  Deren  Spreiten-  und  Fiedergelenke.    Beides  nat.  Gr. 

»      21.  Oberseitige  Biattepidermis  dieserPflanze  im  Querschnitt.  iL  =  kollenchy- 

matische  Kantenversteifung.  Vergr.  125. 

>     22.  Flächenbild  dieses  Gewebes.  Vergr.  125. 

4  . 

»      23«.  .Stielgelenk  von  Schefflera  rigida  (Seem.)  Harms. —   der  nat.   Gr. 

5 

n  =  Ligula-artige  Nebenblätter. 

b.  Das  Spreitengelenk  und  die  Fiedergelenke  dieser  Pflanze.  Nat.  Gr. 


,S[)('lii('li,  A  ,M)l)(MSf>iti(je  HltiM'('|)idprnii.s  liopfsclter  (■IpleiikspPlanzeii . 


Taf.I. 


16. 


Litfi  .Aiisl.vTh^ajijm'artlO»'«; 


Silziinösberichte  d.kais.Akad.d.Wiss.,matIirn!itunv,Kla.sse,  Bd.CXVL  AMi.  1.1907. 


Sper!  ich ,  A ,  •  Oberseilige  Bla ttepidermis  t  ropiscber  fieleTikspflanzcn 

iL 


Taf.ir. 


Spi-riifhdcl 


Sitzujiü.sborifhte  cl.kai.s.Akiul.d.Wi.s.s.,math.-iuitui-\v.KIa.s.se,  Bd.CXVX Al)Öi.1. 190T. 


Lilti  Aii«l  v.TliüiuuiwartlUlU! 


SITZUNGSBERICHTE 


DER 


KAISERLICHEN  AKADEMIE  DER  WISSENSCHAFTEN. 


MATHEMATISCH  -  NATURWISSENSCHAFTLICHE  KLASSE. 


CXVL  BAND.   V.  HEFT. 


ABTEILUNG  I. 

ENTHÄLT  DIE  ABHANDLUNGEN  AUS  DEM  GEBIETE  DER  MINERALOGIE, 

KRISTALLOGRAPHIE,  BOTANIK,  PHYSIOLOGIE  DER  PFLANZEN,  ZOOLOGIE. 

PALÄONTOLOGIE,  GEOLOGIE,  PHYSISCHEN  GEOGRAPHIE  UND  REISEN. 


739 


Beiträge  zur  Kenntnis  der  Cortieieen 

(II.  Mitteilung) 
von 

Prof.  Dr.  Franz  v.  Höhnel, 

k.  M.  k.  Akad. 

und 
Viktor  Litschauer, 

Assistenten  an  der  k.  k.   Technischen  Hochschule  in  Wien. 

(Mit  4  Tafeln  und  20  Textfiguren.) 

(Vorgelegt  in  der  Sitzung  am  25.  April  1907.) 

Nachdem  in  der  ersten  Mitteilung  (vorgelegt  in  der  Sitzung 
am  11.  Oktober  1906)  die  in  Wien  befindlichen  Corticieen- 
sammlungen  sowie  die  Karsten'schen  Arten  behandelt  wurden, 
sind  in  der  vorliegenden  Arbeit  insbesondere  die  Cortieieen  des 
Herbier  Barbey-Boissier  in  Genf  und  des  königl.  Herbariums 
in  Berlin  bearbeitet.  Die  kritische  Untersuchung  des  in  diesen 
Sammlungen  befindlichen  Materiales  gab,  wie  zu  erwarten 
war,  zu  zahlreichen  Richtigstellungen  Anlaß  und  ermöglichte 
die  Aufklärung  vieler  zweifelhafter  Formen.  Es  zeigte  sich 
ferner,  daß  ein  großerTeil  der  Cortieieen  bisher  falsch  klassi- 
fiziert wurde  und  eine  Reihe  von  als  Cortieieen  beschriebener 
Pilze  gar  nicht  zu  diesen  gehört. 

Außerdem  gaben  eigene  Aufsammlungen,  insbesondere  in 
der  Wiener  Gegend,  Gelegenheit  zu  wichtigen  Feststellungen; 
namentlich  sei  in  dieser  Beziehung  auf  die  Aufklärung  der  bis- 
her ganz  rätselhaften  Aegerita  cmidida  P.  hingewiesen.  Den 
Direktionen  des  Herbier  Barbey-Boissier  und  des  königl. 
Herbariums  in  Berlin  sind  wir  zum  größten  Danke  verpflichtet. 


/  40  F.  V.  Hühnel  und  \'.  Li t schauer, 

I.  Revision  verschiedener  Corticieen  vornehmlich  aus 
dem  königl.  Herbar  in  Berlin  und  dem  Herbar  Barbey- 

Boissier. 

Corticium  abnorme  P.  Henn.,  Fungi  Amaz.,I,  p.  186.  (Hedwigia, 
1904,  p.  186.)  Saccardo,  SylL,  XVII,  p.  168. 

Ist,  wie  die  Untersuchung  des  Originalexemplares  gezeigt 
hat,  ein  Septohasidimn;  hat  Septobasidüun  abnorme  (P.  Henn.) 
V.  H.  et  L.  zu  heißen.  Der  Pilz  besitzt  locker  angeordnete, 
halbkugelige  Papillen  von  zirka  Vs  bis  -/s  '""'  Breite  und  Y3  mm 
Höhe.  Unter  jeder  solchen  Papille  befindet  sich  eine  Schildlaus. 
Das  Wachstum  des  Pilzes  geht  von  diesen  Papillen  aus,  indem 
jede  Papille  anfänglich  von  einer  dem  Blatte  fest  angewachsenen, 
am  Rande  radiär  gevvimperten  und  mit  dickeren  rhizomorpha- 
artigen  Strängen  versehenen  Membran  hofartig  umgeben  ist, 
durch  deren  Verschmelzung  schließlich  weit  ausgebreitete,  oft 
fast  das  ganze  Blatt  bedeckende  Überzüge  entstehen.  Bei  vor- 
liegender Art  liegen  diese  Überzüge  dem  Blatte  fest  an.  Dadurch 
unterscheidet  sich  dieselbe  von  den  übrigen  Septohasidnim- 
Arten,  welche  dem  Substrate  nur  locker  anliegen,  da  sie  nur 
an  zahlreichen  voneinander  getrennten  Punkten  an  das  Sub- 
strat angewachsen,  im  übrigen  aber  durch  einen  bei  einzelnen 
Arten  ganz  schmalen  (z.  B.  5.  Carestianiim,  Miclielianum,  fusco- 
violaceum,  Cavarae,  Bagliettomium)  oder  breiteren  (z.  B. 
5.  crinitum,  atratum,  albidiim,  Mariant,  vehitimtm  und  pedi- 
cillaUtm)  Zwischenraum  von  demselben   getrennt  sind. 

Ein  Eindringen  der  Hyphen  der  Septobasidien  in  das 
vegetabilische  Substrat  findet  nicht  statt  oder  doch  nur  inso- 
weit, als  es  zur  Befestigung  des  Pilzes  an  das  Substrat  nötig 
ist.  Die  Septobasidien  können  daher  nicht  als  eigentliche 
vegetabilische  Schmarotzer  betrachtet  werden.  In  der  Tat 
zeigte  sich  bei  sämtlichen  oben  genannten  Arten,  daß  sie  auf 
Schildläusen  leben,  die  man  stets  auf  jenen  Stellen  des  Sub- 
strates findet,  welche  vom  Pilze  bedeckt  sind.  Dies  zeigte  sich 
in  allen  untersuchten  Fällen,  sowohl  bei  den  europäischen  als 
bei  den  amerikanischen  Exemplaren;  ja  zum  Teil  schienen 
diese  Schildläuse  einander  so  ähnlich,  daß  sie  mindestens  der- 
selben  Gattung    angehören    müssen.     Dieses    konstante   Vor- 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  /41 

kommen  von  Schildläusen  unter  dem  Thallus  der  Septohasidinui- 
Arten,  der  Umstand  ferner,  den  man  bei  mehreren  Arten  leicht 
konstatieren  kann,  daß  der  Pilz  auf  den  Schildläusen  wächst 
und  mit  ihnen  fest  verwachsen  ist,  läßt  keinen  Zweifel  übrig, 
daß  zwischen  den  Schildläusen  und  den  Septohasidhtni- Kvien 
irgend  ein  biologisches  Verhältnis  besteht,  sei  es,  daß  Para- 
sitismus oder  Saprophytismus  vorhanden  ist,  sei  es,  daß 
ein  komplizierteres  symbiotisches  Verhältnis  herrscht.  Wenn 
man  in  der  Tat  ein  gut  entwickeltes  Exemplar  von  Septohasldhiin 
criHitiiin  (Fr.)  betrachtet,  so  kann  man  sich  des  Gedankens 
nicht  erwehren,  daß  der  schirmartig  entwickelte  Pilz  für  die 
darunter  lebenden  Schildläuse  ein  guter  Schutz  gegen  starke 
Insolation,  tierische  Feinde  etc.  ist. 

Der  Gedanke,  daß  die  Schildläuse  nur  zufällig,  etwa 
Schutz  suchend,  unter  den  Pilz  gelangen,  muß  zurückgewiesen 
werden,  da  wir  bei  der  Prüfung  von  mehreren  Tausenden  von 
Exemplaren  von  echten  Corticieen  niemals  Schildläuse  unter 
dem  Thallus  dieser  gefunden  haben. 

Noch  sei  bemerkt,  daß  das  Originalexemplar  von  Septo- 
hasidinm.  abnorme  (P.  H.)  v.  H.  et  L.  steril  ist,  womit  die  Tat- 
sache übereinstimmt,  daß  sich  uns  auch  sämtliche  unter- 
suchten Exemplare  der  anderen  Septobasldiuin- Arten  als  steril 
erwiesen  haben.  Es  scheinen  dieselben  also  nur  selten  zu 
fruktifizieren.  Bei  dieser  Gelegenheit  sei  daran  erinnert,  daß 
auch  viele  Hypocreaceen  (Hypocrella)  scheinbare  Pflanzen- 
schmarotzer sind,  wie  jüngst  M.  Raciborski  (Bullet.  Akad. 
Cracovie  1906,  p.  901)  gezeigt  hat.  Sie  leben  tatsächlich  auf 
Blatt-  und  Schildläusen  und  sitzen  nach  Aufzehrung  dieser  auf 
den  Blättern  als  Epiphyten.  Ihre  Hyphen  dringen  nie  in  die 
Pflanze  ein.  Dussiella  {AscopolyporusJ  wird  sich  ähnlich  ver- 
halten. 

Corticium    chelidonium    Pat.,  Bull.   Soc.  Mycol.,    1900,   p.  180. 

(Saccardo,  Syll.,  XVI,  p.  1889.) 

Das  Originalexemplar  des  Pilzes  zeigt  ein  Stereum.  Der  Pilz 
besitzt  eine  ausgesprochene  Mittelschicht,  ist  dünnen  Formen  von 
Stereum  rugosiim  Pers.  nicht  unähnlich,  strukturell  jedoch  davon 
verschieden.  Er  hat  S'^^rewwc/?ß/zc/ow/«7W  (P  at.)  V.  H.  et  L.  zu  heißen. 


742  F.  V.  Höhnel  und  V.  Li  tschau  er, 

Corticium  Chusqueae  Pat.,  Bull.  Soc.  Myc,  1893,  p.  134. 
(Saccardo,  Syll.  XI,  p.  126.) 

Das  Originalexemplar  dieser  Art  zeigt  nur  Peniophora 
Setigera  (Fr.)  v.  H.  et  L.  Sie  ist  daher  als  eigene  Art  zu 
streichen. 

Corticium  cryptacanthum  Pat,,  Bull.  Soc.  Myc,  1899,  p.  201. 
(Saccardo,  Syll,  XVI,  p.  192.) 

Diese  Art  ist,  wie  die  Untersuchung  eines  Stückes  des 
Originalexemplares  (aus  dem  Berliner  Herbar)  ergab,  nicht  ein 
Corticium,  sondern  eine  Stereum-Spez'ies.  Der  Pilz  ist  sehr 
deutlich  geschichtet;  die  Hyphen  sind  fest  untereinander  ver- 
klebt. Die  von  Patouillard  beschriebenen  Cystiden  sind 
Gloeocystiden  mit  hellgelbem  Inhalt.  Basidien  und  Sporen 
zeigte  das  Berliner  Exemplar  nicht.  Der  Pilz  \\aX  Stereum  crypta- 
canthum (Pat.)  V.  H.  et  L.  zu  heißen. 

Corticium  decolorans  Karst.,  Symb.  Myc.  Fenn.,  IX,  p.  53; 
Hattsv.,  II,  p,  144.  (Masse,  Monogr.  of  the  Teleph.,  p.  131; 
Saccardo,  SyM.,  VI,  p.  615.) 

Das  Originalexemplar  dieses  Pilzes  liegt  im  Berliner  Herbar 
und  zeigt  Peniophora  velntina  (DC.)  v,  H,  et  L.  C.  decolorans 
Karst,  ist  daher  als  eigene  Art  zu  streichen  und  muß  als 
Synonym  zu  P.  velntina  (DC.)  gestellt  werden, 

Corticium  dendriticum  P,,  Henn.,  Fungi  costaricenses,  I,  in 
Hedwigia  1902,  p.  102.   (Saccardo,  Syll.,   XVII,   p.   168). 

Ist  eine  gute  Art!  Wie  jedoch  die  Untersuchung  des 
Originalexemplares  des  Pilzes  (Herbar  Berlin)  gezeigt  hat,  hat 
derselbe  nicht  4  bis  5  [x  große,  fast  kugelige,  sondern  10  bis 
1 1  [j,  lange  und  etwa  9  [x  breite,  breit  ellipsoidische,  auf  einer 
Seite  abgeflachte,  stets  mit  einem  Spitzchen  versehene  Sporen. 
Die  keulenförmigen  Basidien,  welche  ungefähr  30  [x  lang  und 
10  [X  breit  sind,  haben  stets  4  Sterigmen;  diese  sind  pfriemen- 
förmig  und  gebogen,  8  bis  10(x  lang  und  an  der  Basis  etwa 
2  [X  breit.  Der  Pilz  wächst  nicht  unmittelbar  auf  der  Rinde  der 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  743 

Stämme   von    Citrus   auratttium,    sondern   auf  einer  pulverig 
zerfallenden  Flechte,  welche  dieselbe  überzieht. 

Von  Hennings  wurden  wahrscheinlich  die  ausgebleichten 
Gonidien  dieser  Flechte  für  die  Sporen  des  Pilzes  angesehen, 
denn  diese  hier  fast  kugeligen  Gebilde  stimmen  ganz  gut  zur 
Größenangabe  des  Autors  über  die  Sporen  des  Pilzes. 

Corticium  Eichelbaumii  P.  Henn.  in  Engler,  Bot.  Jahr- 
bücher. 1905  (XXXVIII.  Bd.),  p.  106. 

Das  Originalexemplar  besteht  aus  zwei  Rindenstücken, 
die  außen  mit  einer  dünnen,  rissigen  Korkschichte  von  lebhaft 
rosa  Färbung  bedeckt  sind.  Auf  dieser  roten  Korkschichte  liegen 
hie  und  da  kleine  rundliche  Kotballen,  welche  im  wesentlichen 
aus  den  bräunlichen,  vom  Autor  dem  »Corticmm-Eichelbaumii« 
zugeschriebenen  Sporen  bestehen.  Ein  Corticium  ist  nicht 
vorhanden.  Die  Aufstellung  dieser  »Art«  beruht  auf  groben 
Irrtümern  und  ist  dieselbe  daher  zu  streichen. 

Peniophora  gracillima  E.  et  Ev.  in  Sched.  im  Berliner  Herbar 
(New.  Field.  N.  J.  August  1885).  Ist  nur  Peniophora 
glebulosa  (Fr.)  Sacc.  et  Syd. 

Corticium  grammicum  P.  Henn.,  Engler,  Bot.  Jahrb.,  1905 
(XXXVIII.  Bd.),  p.  106. 

Der  Pilz  ist  mit  Stereum  portentosum  (Berk.  et  Gurt.)  v.H. 
et  L. :=  Corticium  dimiimens (Berk. et  Gurt.)  identisch.  Die  Ober- 
flächenskulptur desselben  rührt  von  Schneckenfraß  her. 

Corticium  interruptum  Berk.,  Fungi  Glaziov.  Nr.  752. 
(Massee,  Monogr.  of  theTheleph.,  p.l38;  Saccardo,  Syll., 
VI,  p.  618.) 

Im  Berliner  Herbar  liegt  ein  Stück  des  Originalexemplares 
dieses  Pilzes  (aus  dem  Herbar  A.W.  Eichler).  Dasselbe 
zeigt  aber  nicht,  wie  Massee  angibt,  fast  kugelige,  8  ^  7  {jl 
große,  sondern  zylindrische,  4  bis  5  [x  lange  und  2  [j.  breite 
Sporen.  Die  Hyphen  sind  unregelmäßig,  glatt,  farblos,  4  bis  6  »i. 
dick  und  besitzen  Schnallen. 


/44  F.  V.  Höhnel  und  V.  Litschauer, 

Der  Pilz  ist  der  Peniophora  gigantea  (Fr.)  Karst,  im 
Aussehen  und  der  Art  des  Wachstums  nicht  unähnlich,  besitzt 
jedoch  keine  Cystiden  und  ist  ein  echtes  Corticiuin. 

Corticium  komabense  P.  Henn.,  Engler's  Jahrbücher,  1902, 
Bd.  32,  p.  38.  (Saccardo,  Syll.,  XVII,  p.  169.) 

Das  Originalexemplar  dieser  Art  (Herbar  Berlin)  ist  nichts 
anderes  als  eine  Form  von  Peniophora  covticalis  (Bull.)  Bres. 
Unterscheidet  sich  von  dieser  Art  nur  durch  die  hellere,  bis 
braune,  nicht  schwarze  Unterseite.  Stimmt  unter  andern  z.  B. 
vollkommen  überein  mit  einem  ebenfalls  in  Japan  (Zojoji,  Juni 
1902,  leg.  Kanatsuma)  auf  Castanea  vesca  gesammelten, 
von  Hennings  selbst  als  Peniophora  quercina  Fr.  bestimmten 
Exemplar  dieser  Art. 

Das  Originalexemplar  von  Corticium  komabense  P.  Henn. 
besitzt  Cystiden  und  Sporen,  welche  vollständig  mit  jenen  von 
typischen  Exemplaren  von  Peniophora  corticalis  (Bull.)  Bres. 
übereinstimmen.  Die  Sporen  sind  8  bis  12  [jl  lang,  2-5  bis  3*5  [i 
breit.  Die  von  Hennings  in  der  Diagnose  seiner  Art  beschrie- 
benen, fast  kugeligen  3  •  5  bis  4  —  3  bis  3  •  5  [j-  gro(3en  Sporen 
rühren  von  einer  Aspergillus  sp.  her,  welche  auf  dem  Pilz 
wächst.  Auch  bei  in  Europa  gesammelten  Exemplaren  besitzt 
die  Unterseite  von  Peniophora  corticalis  mitunter  eine  mehr 
braune  Färbung.  So  zeigen  Exemplare,  von  Feltgen  in  Luxem- 
burg gesammelt,  eine  Färbung  der  Unterseite,  welche  gerade 
die  Mitte  einnimmt  zwischen  der  hellbraunen  Färbung  derselben 
bei  den  japanischen  Exemplaren  und  der  schwarzen  Farbe  der 
Unterseite  typischer  Exemplare  aus  Europa. 

Der  Pilz  Hennings  könnte  höchstens  als  eine  Varietät 
von  Peniophora  corticalis  (Bull.)  Bres.  angesehen  werden 
und  müßte  dann  var.  komahensis  (P.  Henn.)  v.  H.  et  L. 
heißen. 

Corticium  leucoxanthum  Bres.,  Fungi  Trid.,  II,  p.  57, 
t.  166,  f.  3;  Fungi  polonici,  p.  95.  (Saccardo,  Syll.,  XVI, 
p.  190.) 

Ist, wie  dieUntersuchungdesOriginalexemplares  gelehrthat, 
ein  Gloeocystidium  und  hat  Gloeocystidium  leucoxanthum  (B  r  e  s.) 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  745 

V.  H.  et  L.  zu  heißen.  Die  Gloeocysti  den  treten  besonders 
scharf  hervor,  wenn  man  dünne  Querschnitte  durch  den  Pilz 
mit  verdünnter  Lauge  behandelt. 

Sie  entspringen  an  der  Basis  des  Pilzes  und  reichen  bis 
zur  Oberfläche  des  H3^meniums,  treten  jedoch  niemals  über 
dasselbe  hervor.  Sie  sind  sehr  dicht  angeordnet  und  haben 
meist  eine  unregelmäßig  zylindrische,  selten  auch  spindel- 
förmige Gestall,  zeigen  gewöhnlich  eine  bis  mehrere  Ein- 
schnürungen und  sind  besonders  gegen  den  Scheitel  zu  sehr 
oft  stark  knotig  bis  fast  perlschnurartig  ausgebildet.  Die 
Wandung  ist  dünn,  der  Inhalt  fast  farblos  bis  schwach  gelb- 
lich, immer  etwas  körnig;  die  Breite  beträgt  5  bis  10  |x. 

Corticium  mucidum  (Schrot.)  v.  H.  et  L. 

Im  Berliner  Herbar  liegt  als  Corticüim  sp.  ein  Pilz,  der 
sich  auf  Blättern  von  Rlianiniis  sp.,  welche  von  P.  Lindau  am 
12.  Dezember  1904  im  Spandauer  Forst  (Brandenburg)  ge- 
sammelt worden  waren,  nach  zweimonatlicher  Aufbewahrung 
derselben  in  einer  Kristallisierungsschale  im  Laboratorium 
entwickelt  hatte. 

Dieser  Pilz  scheint  nun  Hypochnus  miicidtis  vSchröt.  zu 
sein.  Stimmt  sehr  gut  zur  Beschreibung  dieser  Art  (siehe 
Schröter,  Pilze  Schlesiens,  I,  p.416).  Das  Originalexemplar  der- 
selben im  Herbarium  Schröter  (Breslau)  ist  sehr  dürftig  und 
zeigt  keine  Sporen  mehr.  Die  Hyphen  stimmen  jedoch  mit 
jenen  des  obigen  Pilzes  überein. 

Mit  Benützung  desselben  sei  im  folgenden  eine  genauere 
Diagnose  von  Corticmm  muciduni  (Schrot.)  v.  H.  et  L.  ver- 
sucht. 

Pilz  ausgebreitet,  sehr  zarte,  weiße,  krümmelige  bis  dünn- 
häutige Überzüge  bildend.  Hymenium  sehr  locker;  Basidien 
keulenförmig,  18  bis  22  [j.  lang,  5  bis  6  [j.  breit;  Sterigmen  4; 
pfriemenförmig,  gerade,  3  bis  4  [x  lang.  Sporen  breit  elliptisch 
oder  oval,  nach  einer  Seite  meist  etwas  zugespitzt,  5  bis  6*5  [a 
lang,  3-5  [X  breit,  farblos,  glatt;  Inhalt  gleichmäßig.  Hyphen 
unregelmäßig  verzweigt,  glatt,  zartwandig.  farblos,  2  bis  3-5  ;x 
dick,  mit  Schnallen  an  den  Septen. 

Sitzb.  d.  mathem.-natunv.  KI. ;  CXVI.  Bd.,  Abt.  f.  49 


/46  F.  V.  Höhnel  und  V.  Litschauer, 

Hypochntis  nnicidus  Schrot,  in  Sydow,  Mycoth.  March., 
Nr.  4624,  ist  nicht  diese  Art;  aber  ebenfalls  ein  echtes 
Corticium.  Wegen   Mangels   an  Sporen  jedoch  unbestimmbar. 

Corticium  Quintasianum  Bres.  et  Roumeg.,  Revue  Myc,  1890, 
p.  36;  Saccardo,  Syll.,  IX,  p.  235. 

Der  Pilz  ist  dem  Steretim  durhiscuhmi  B*erk.  et  Broome 
habituell  äußerst  ähnlich.  Unterscheidet  sich  nur  dadurch,  daß 
das  Gewebe  des  Pilzes  weiß  ist,  nicht  braun  wie  bei  letzterer 
Art,  da  die  Hyphen  vollkommen  farblos  sind,  während  sie  bei 
St.  duriuscuhuii  eine  gelbbraune  F^arbe  aufweisen;  sonst  sind 
sie  bei  beiden  von  gleicher  Beschaffenheit. 

Der  Pilz  müßte  St.  Qnintasimmin  (Bres.)  v.  H.  et  L.  be- 
zeichnet werden.  Wahrscheinlich  ist  er  aber  nur  eine  hellere 
Form  von  5/.  dtirinsaihim  Berk.  et  Broome. 

Corticium    radicatum     P.     Henn.,    Pilze    Ostafrikas,     p.    54. 
(Saccardo,  Syll.,  XIV,  p.  222.) 

Ist  eine  gute  Art!  Der  Pilz  besitzt,  wie  bereits  Hennings 
beobachtete,  Cystiden  und  muß  daher  in  die  Gattung  Petiio- 
phora  gestellt  werden.  Er  hat  P.  radicata  (P.  Henn.)  v.  H.  et  L. 
zu  heißen. 

Der  Pilz  ist  von  filzig  häutiger  Natur;  er  scheint  sehr 
ausgebreitete  Lager  zu  bilden.  Das  Hymenium  ist  geschlossen, 
zeigt  eine  ockergelbe  bis  gelbbraune  Farbe  und  ist  etwa 
0"25  bis  O-'i^min  dick.  Das  subhymeniale  und  noch  mehr  das 
basale  Gewebe  sind  sehr  locker.  Beide  bestehen  aus  sehr 
unregelmäßig  verzweigten  Hyphen,  welche  stark  inkrustiert 
und  daher  sehr  rauh  sind.  Die  subhymenialen  sind  fast  farblos, 
die  basalen  ausgesprochen  gelb.  Sie  sind  im  allgemeinen 
ziemlich  derbwandig,  besitzen  Schnallen  an  den  Septen  und 
erreichen  an  der  Basis  des  Pilzes  eine  Dicke  von  8  [i.  Hier  sind 
sie  zum  Teil  zu  rhizomorphaartigen  Bildungen  vereinigt.  Die 
einzelnen  aus  zahlreichen  Hyphen  bestehenden  Stränge  er- 
reichen oft  eine  Länge  von  mehreren  Zentimetern  und  sind 
nicht  selten  über  1  mm  dick.  Dieselben  sind  an  ihrer  Ober- 
fläche etwas  filzig  und  so  wie  das  basale  Gewebe  von  löwen- 
gelber Farbe. 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  /  47 

Die  Cystiden  des  Pilzes  haben  eine  unregelmäßig  zylindri- 
sche oder  spindelförmige  Gestalt,  sind  am  Scheitel  meist  stumpf 
und  an  und  für  sich  dünnwandig  und  glatt.  Sie  sind  jedoch 
stets  sehr  stark  inkrustiert  und  erscheinen  daher  sehr  dick- 
wandig und  rauh.  Sie  sind  sehr  dicht  angeordnet,  größtenteils 
eingesenkt,  zum  Teil  ragen  sie  jedoch  auch  über  das  Hymenium 
hervor.  Ihre  Länge  schwankt  ungefähr  zwischen  50  bis  70  [x, 
ihre  Breite  zwischen  10  bis  18  [x. 

Die  Sporen  sind  nicht  wie  Hennings  angibt,  fast  kugelig, 
etwas  gelblich  und  5  bis  6  ^  4  bis  5  [x  groß,  sondern  sind  von 
ellipsoidischer  Form,  farblos,  3  bis  4  jjl  lang  und  2  p,  breit; 
wenigstens  konnten  nur  Sporen  letzterer  Art  am  Original- 
exemplar des  Pilzes  (Herbar  Berlin)  nachgewiesen  werden. 
Basidien  mit  Sterigmen  wurden  nicht  beobachtet. 

Der  Pilz  zeigt  zu  keiner  anderen  Art  der  Gattung  Penlo- 
phova  nähere  Verwandtschaft.  Nur  Corticium  crocetim  (Kze.j 
Bres.  bildet  noch  unter  den  Corticieen  an  der  Basis  ähnliche 
rhizomorphaartige  untereinander  anastomosierende,  ebenfalls 
gelbe  Stränge.  Etwas  ähnlich  ist  der  Pilz  auch  der  Peniophora 
suhsiilp/mrea  (Karst.)  v.  H.  et  L. 

Corticium rimosissimum  Pas s.  et  Peltr.  nee  Berk.  et  Broome, 
Fungi  Sicul..  Nr.  4  (Ann.  della  R.  Academia  dei  lincei 
Roma,  Fase.  I,  vol.  VII)  =  Corticium  Passerinii  Sacc, 
Syll.,  VI,  p.  632. 

Das  Originalexemplar  dieses  Pilzes  ist  identisch  mit 
Peniophora  Lycii  (Pers.)  v.  H.  et  L.  (=i  P.  caesia  Bres.). 

Peniophora  citrina  P.  Henn.,   Engler's  Botan.  Jahrb.,    1906? 

Das  Originalexemplar  dieses  Pilzes  ist  ein  gelber,  filziger 
Überzug  auf  morscher  Rinde,  welcher  aus  gelben,  sehr  un- 
regelmäßigen, 1  bis  2  [x  dicken,  derbwandigen  glatten  Hyphen 
besteht.  Ein  deutliches  Hymenium  mit  Basidien  ist  nicht  vor- 
handen. Cystiden  und  Sporen,  wie  sie  Hennings  beschreibt, 
konnten  nicht  beobachtet  werden;  wohl  aber  im  Gewebe  des 
Pilzes  eingebettete,  schlauchartige,  keulige  oder  zylindrische, 
gelbgrüne,  gloeocystidenartige  Gebilde  von  10  bis  25  (x  Länge 
und  5  bis  8  (X  Breite. 

49* 


748  F.  V.  Höhnel  und  V.  Litschauer, 

Peniophora  laevigata  (Fr.)  Mass.  (=r  Xerocarpus  Juniperi 
Karst.;  siehe  diese  Sitzungsberichte,  1906,  Bd.  CXV, 
Abt.  I,  p.  1567)  ist  unzweifelhaft  nichts  anderes  als  eine 
resupinate  Form  von  Lloydella  areolata  (Fr.)  Bres.  (siehe 
Bresadola,  Fungi  polonici,  p.  104). 

Beide  Pilze  sind  sowohl  dem  Aussehen  nach  als  auch  im 
mikroskopischen  Bau  vollkommen  übereinstimmend. 

Hypochnus  chaetophorus  v.  H.;  siehe  diese  Sitzungsberichte, 
Bd.  CXI,  Abt.  I,  p.  1007. 

Diese  Art  wurde  irrtümlicherweise  von  uns  (siehe  diese 
Sitzungsberichte,  Bd.  CXV,  Abt.  I,  p.  1606)  als  Synonym  zu 
Peniophora  glebiüosa  (Fr.)  Sacc.  et  Syd.  gestellt.  Das  richtige 
Originalexemplar  von  H.'chaetophoriis  v.  H.  ist  jedoch  ein  von 
vorstehender  Art  durchaus  verschiedener,  sehr  interessanter 
Pilz.  Die  Diagnose  desselben  an  der  oben  zitierten  Literatur- 
stelle ist  im  großen  und  ganzen  richtig.  Hinzuzufügen  wäre 
nur,  daß  die  Sporen,  welche  6  i=;  3  [x  groß  sind,  fast  stets  aus- 
gesprochen breit  zylindrisch  sind,  eine  sehr  zarte  Wand 
besitzen  und  stets  auch  einen  großen  Öltropfen  bergen; 
weiter,  daß  das  äußerst  lockere,  durchaus  nicht  geschlossene 
Hymenium  sich  in  ganz  eigentümlicherweise  an  den  Cystiden 
hinaufzieht,  wie  dies  in  der  beigegebenen  Figur  angedeutet  ist, 
und  daß  endlich  ein  Teil  der  Cystiden  nicht  am  Grunde  des 
Pilzes  entspringt,  sondern  daß  mitunter  auch  Cystiden  beob- 
achtet werden  können,  welche  mit  ihrem  meist  verzweigten 
Fuße  in  verschiedenen  Höhen  an  anderen  Cystiden  ansitzen,  so 
daß  man  manchmal  den  Eindruck  gewinnt,  als  ob  auch  gabel- 
oder  armleuchterförmig  verzweigte  Cystiden  vorhanden  wären. 
Die  Cystiden  werden  auch  noch  länger  als  in  der  Diagnose 
angegeben  ist.  Die  größten  erreichen  eine  Länge  von  250  [j.. 
Wegen  der  Cystiden  muß  der  Pilz  Peniophora  chaetophora 
V.  H.  et  L.  heißen.  Die  am  nächsten  verwandten  Arten  sind 
P.  glebulosa  (Fr.)  Sacc.  et  Syd.  und  P.  subglebulosa  v.  H.  et  L. 

Erstere  Art  ist  davon  leicht  zu  unterscheiden  wegen  ihres 
geschlossenen  Hymeniums  und  der  lang  zj^ündrischen,  ge- 
krümmten, 7  bis  9  \h  langen  und  1-5  bis  2*5  [i.  breiten  Sporen, 
letztere,  welche  wohl  ähnliche,  aber  kleinere,  nur  2  bis  4«  L  5 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen. 


749 


bis  2  |x  große  Sporen  besitzt,  durch  ihre  kürzeren,  nur  bis  140  |Jt, 
langen  aber  kräftigeren,  bis  14  [x  dicken,  immer  etwas  in- 
krustierten Cystiden,  welche  fast  immer  einen  stark  wurzei- 
förmig verzweigten  Fuß  aufweisen. 


Fig.  1 .  Feniophora  chaetopJtora  v.  H.  et  L. 
a  Querschnitt  durch  das  Hymenium  des  Pilzes  (Vergr.  3'^%). 
h  Drei  Cystidenspitzen  (Vergr.  ^^^j-^). 
c  Sporen  des  Pilzes  (Vergr.  2000|^)_ 


Hypochnus  Dussii  Pat.,  Bullet.  Myc,  1899,  p.  202. 

Die  Untersuchung  eines  Originalexemplares  dieses  Pilzes 
(aus  dem  Berliner  Herbar)  hat  gelehrt,  daß  in  der  Patouillard- 
schen  Diagnose  desselben  die  Angaben  über  die  stachelartigen 
Hervorragungen  im  Hymenium  dieses  Pilzes  nicht  richtig  sind. 
Nach  Patouillard  sollten  nämlich  dieselben  analog  gebaut 
sein,  wie  die  Stacheln  von  Athelia  Typhae  Pers.  (siehe 
V.  Höhnel  und  Li  tschau  er,  Beiträge  zur  Kenntnis  der  Corti- 
cieen; diese  Sitzungsberichte,  Bd.  CXV,  Abt.  I,  p.  1594),  d.  h. 
aus  zahlreichen,  dünnen,  verklebten  Hyphen  zusammen- 
gesetzte Emergenzen  repräsentieren.  Das  ist  jedoch  nicht  der 


750 


F.  V.  Höhnel   und   V.  Lits  chauer, 


Fall.  H.  Dussii  Pat.  zeigt  ganz  gewöhnliche,  typische  Peiiio- 
phora-Cysüden.  Dieselben  sind  unregelmäßig  angeordnet,  lang 
kegelförmig,  stumpf,  selten  spitz,  etwas  gelblich  gefärbt,  dick- 
wandig, inkrustiert,  sehr  rauh  und  ungefähr  80  [x  lang  und 
20  bis  25  [j-  dick.  Der  Pilz  kann  daher  nicht  in  der  von 
Patouillard  für  die  beiden  genannten  Arten  geschaffenen 
Sektion  >^Epithele«  in  der  Gattung  Hypochnus,  welche  wir  1.  c. 
zur   Gattung  erhoben   haben,  veibleiben,  sondern  muß  in   die 

Gattung  Peniophora  gestellt  werden, 
hat  also  P.  Dtissii  (Pat.)  v.  H.  et  L. 
zu  heißen.  Das  Berliner  Exemplar 
des  Pilzes  zeigt  auch  keine  Sporen, 
wie  sie  Patouillard  beschreibt, 
wohl  aber  ziemlich  zahlreiche,  4  bis 
5  [X  lange  und  1  [x  breite,  zylindri- 
sche, glatte,  farblose  Sporen. 

In  die  Gattung  »Epitliele-^  ge- 
hört   dagegen     auch    Isaria   fiici- 
forinis    Berk.  =  Hypochnus  fuci- 
formis  (Berk.)  AI.  Alp.  =r  /.  grami- 
Fig.  2.  Peniophora  Dussii  (P&t.)    niperda  Berk.   et  F.  V.   M.    (siehe 
^'-  "•  ^^  ^-  Annales  Myco).,  vol.  V,  1907).  Dieser 

Drei  Cystiden  des  Pilzes  pjj^   Xiat   richtig    ZU    heißen  Eptthcle 

fiiciformis  (Berk.)  v.  H.  et  Syd. 


n 


■y  v,:\\i 


(Vergr.  450/^). 


Hypochnella  violacea  Auersw.  in  Sched.  (Hypochims  v., 
Thelephora  violascens  Pers.  1801?),  in  Schröter,  Pilze 
Schlesiens,  I,  p.  420. 

Auch  im  Berliner  Herbar  ist  kein  Originalexemplar  dieser 
Art  aus  Baden,  nach  welchem  Schröter  seine  Beschreibung 
entwarf,  vorhanden.  In  dem  Bogen  derselben  liegen  dagegen 
auch  hier  zwei  von  Auerswald  bei  Leipzig  (am  äußersten 
Grunde  junger  Stämme  von  Carpimis  Bettihis)  gesammelte  und 
als  Acrothamnium  violaceiim  N.  E.  bestimmte  Pilzexemplare, 
welche  sich  jedoch  bei  der  genaueren  Untersuchung  als  sterile 
Hyphenfilze  erwiesen.  (Hyphen  unregelmäßig  verzweigt,  zart- 
wandig,  glatt,  rötlich  bis  violett  gefärbt,  3  bis  8  (x  dick,  ohne 
Schnallen  an  den  Septen).  Das  eine  Exemplar  zeigte  auch,  in 


Zur  Kenntnis  der  Coiticieen.  7ol 

Haufen  so  wie  die  Hyphen,  nur  etwas  heller  gefärbte,  ovale,  an 
einer  Seite  etwas  abgeflachte,  nach  beiden  Enden  verschmälerte, 
mäßig  derbwandige,  glatte,  7  bis  8  [x  lange,  4  bis  5  jx  breite 
Sporen,  für  welche  jedoch  eine  Zugehörigkeit  zu  den  Hyphen 
nicht  nachgewiesen  werden  konnte.  Beide  Exemplare  zeigen 
weder  Basidien  noch  Cystiden. 

Hypochnus  Weisseanus  P.  Henn.,  Verh.  Brandbg.,  XLIII, 
1901,  p.  XII;  Saccardo,  Syll.,  XVII,  p.  187. 

Das  Originalexemplar  des  Pilzes  ist  sehr  dürftig;  ist  ein 
echtes  Corticiuml  Sporen,  Basidien  und  Sterigmen,  wie  sie 
Hennings  beschreibt,  konnten  keine  beobachtet  werden.  Die 
von  diesem  Autor  als  Conidien  angesehenen  Gebilde  sind 
eingestreute  violettbraune  Myxomycetensporen. 

Thelephora  Cyclothelis  Pers.,  Myc.  Eur.,  1,  p.  149;  Fries, 
Elenchus  Fung.,  p.  223;  =  Stereiim  Cyclothelis  (Pers.)  Fr., 
Hym.  Eur.,  p.  645;  Saccardo,  Syll.,  VI,  p.  587. 

Ist  wahrscheinlich  nichts  anderes  als  das  Conidienstadium 
von  Ustulina  vulgaris  Tul.  Die  Beschreibung  des  Pilzes  spricht 
sehr  dafür;  ebenso  auch  die  Angaben  über  das  Vorkommen 
desselben.  Der  Pilz  ist  seit  Chaillet  nicht  wieder  gefunden 
und  in  keine  der  neueren  Floren  aufgenommen  worden. 

Das  im  Herbar  Barbey-Boissier  liegende,  von  Kalch- 
brenner  bestimmte  Exemplar  des  Pilzes  ist  U.  vulgaris  Tul. 

Thelephora  (Tomentella)  lateritia  Pat.,  Journ.  de  Bot.,  1894, 
p.  221.  (Saccardo,  Syll.,  IX,  p.  117.) 

Ein  Stück  des  Originalexemplares  des  Pilzes  im  Herbar 
Barbey-Boissier  zeigt  Tonientella  punicea  (Alb.  et  Schw.) 
Schrot.  Es  ist  daher  die  Patouillard'sche  Art  zu  streichen. 

Coniophora  arida  (Fr.)  Cke. 

In  dem  Bogen  dieses  Pilzes  im  Berliner  Herbar  liegt  neben 
anderen  richtig  bestimmten  Exemplaren  desselben  auch  eine 
Coniophora  (in  einem  Keller  in  Danzig  1902  auf  Nadelholz 
gesammelt),  welche  zwar  der  vorstehenden  Art  dieser  Gattung 
sehr   ähnlich   ist,   sich   aber   von    ihr   sowohl    als    auch   allen 


752  F.  V.  Höhnel  und  V.  Litschauer, 

anderen  bekannten  Coniophora-Arten  scharf  durch  die  weit 
kleineren  Sporen  und  zarteren  Hyphen  unterscheidet.  Die 
Sporen  sind  typische  ConiophoraSporen  von  nur  5  bis  6  \i 
Länge  und  2  bis  3  [x  Breite.  Die  Hyphen  sind  sehr  unregel- 
mäßig, farblos,  glatt,  zartwandig,  2  bis  4  dick  und  besitzen 
spärliche  Schnallen. 

Der  Pilz  scheint  eine  eigene  Art  zu  repräsentieren  und 
dürfte  kaum  nur  eine  Kümmerform  von  C.  arida  (Fr.)  Cke.  sein. 

In  demselben  Bogen  liegt  dagegen  noch  ein  anderer  als 
C.  arida  (Fr.)  Cke.  bezeichneter  Pilz,  welcher  im  Palmenhaus 
des  botanischen  Gartens  zu  Berlin  am  27.  Juni  1891  gesammelt 
wurde,  der  aber,  obwohl  er  kleinere  Sporen  (6  bis  10  ^  5  bis  6  [ji) 
und  etwas  steifere,  dünnere,  nur  2  bis  4  \x  dicke  Hyphen  zeigt, 
als  gewöhnlich  typische  Exemplare  dieser  Art,  als  richtig 
bestimmt  angesehen  werden  kann,  denn  C.  arida  (Fr.)  Cke. 
scheint  tatsächlich^,  wie  wir  auch  schon  an  selbst  gesammelten, 
unzweifelhaft  diesen  Pilz  repräsentierenden  Exemplaren  des- 
selben konstatieren  konnten,  besonders  auch  in  der  Größe  der 
Sporen  etwas  variabel  zu  sein. 

Tomentella  brunnea  Schrot.,  Pilze  Schlesiens  in  Cohn, 
Kryptogamen-Flora  von  Schlesien,  I,  p.  -J19. 

Schon  die  Diagnose  dieses  Pilzes  ließ  vermuten,  daß  der- 
selbe nichts  anderes  sein  werde  als  Coniophora  arida  (Fr.) 
Bres.  Im  Herbar  Schröter  fehlt  zwar  das  Originalexemplar 
des  Pilzes,  allein  der  von  ihm  in  seinem  Exsikkatwerk  »Die 
Pilze  Schlesiens«  unter  Nr.  758  als  T.  brunnea  Schrot.  (Thele- 
phora  hyssoides  Pers.)  ausgegebene  Pilz  ist  in  der  Tat  die 
obige  Fries'sche  Art,  zu  welcher  daher  der  Schröter'sche  Pilz 
als  Synonym  gestellt  werden  muß. 

Tomentella  incarnata  P.  Henn.,  Schriften  des  Naturwissen- 
schaftlichen Vereines  für  Schleswig-Holstein,  XI,  p.  102; 
Saccardo,  Syll.,  XIV,  p.  227,  sub  Hypochnus  incarnatus 
(P.  Henn.)  Sacc.  et  Syd. 

Ist  eine  gute  Art.  Der  Tomentella  cinerascens  (Karst.) 
V.  H.  et  L.  nahe  stehend. 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  753 

Stereum  Coffearum  Berk.  et  Curt.,  Journ.  Linn.  Soc.  (Bot.), 
X,  p.  332.  (Saccardo,  SylL,  VI,  p.  576.)  Massee,  Monogr. 
of  the  Theleph.,  p.  194. 

Ist  nach  dem  Exemplar  in  der  Nr.  407  der  Fungi  Gubens. 
Wright.  eine  Lloydella.  Cystiden  spindelig,  20  bis  25  |x  lang, 
8  bis  10  [x  dick;  dickwandig,  stark  inkrustiert,  sehr  dicht 
stehend,  meist  eingesenkt.  Falls  dieses  Exemplar  identisch  ist 
mit  dem  Originalexemplar  des  Pilzes  Nr.  3807  im  Herbar  Berk. 
Kew  hätte  dasselbe  Lloydella  Coffearum  (Berk.  et  Curt.) 
V.  H.  et  L.  zu  heißen. 

Stereum  Guadelupense  Fat.,  Bull.  Soc.  MycoL,  XV  (1899), 
p.   201. 

Das  Originalexemplar  dieses  Pilzes  ist,  wie  die  genauere 
Untersuchung  gezeigt  hat,  keine  Stereum  sp.,  überhaupt  keine 
Thelephoracee,  sondern  der  unvollkommen  entwickelte  Frucht- 
körper eines  höheren  Hymenomyceten  {Bolehis  sp.?),  der  von 
einem  Sepedonium,  wahrscheinlich  Sepedoniiim  Tnlasneanum 
(Plowr.)  Sacc.  {zu  Hypomyces  Tulasneanus  Plowr.,  Monogr. 
of  the  Brit.  Hypomyces,  p.  19)  befallen  ist.  Die  Cystiden,  welche 
Patouillard  beschreibt,  sind  nichts  anderes  als  die  Sporen 
des  letzteren  Pilzes. 

Si.  Guadelupense  Pat.  muß  daher  gestrichen  werden. 

Stereum  Huberianum  P.  Henn.,  Hedwigia,  1902,  p.  15. 
(Saccardo,  SylL,  XVII,  p.  164.) 

Diese  Art  ist  identisch  mit  Stereum glahrum  (Lev.)  Mass. 
(siehe  Massee,  Monogr.  of  the  Theleph.,  p.  177).  Das  Original- 
exemplar stimmt  vollkommen  überein  mit  den  Exemplaren  der 
letzteren  Art  in  der  Nr.  16  der  Plantae  javanicae  a.  cl.  ZolUngero 
lect.  (1840);  auch  St.  glabrescens  Berk.  et  Curt.  scheint  der- 
selbe Pilz  zu  sein  (nach  von  Cooke  bestimmten  Exemplaren 
dieser  Art  aus  dem  Herbarium  J.  Bresadola);  und  endlich  ist 
höchstwahrscheinlich,  nach  der  Diagnose  zu  schließen,  auch 
St.  iuvolutum  Klotz  seh  kaum  etwas  anderes. 


754  F.  V.  Höhnel  und  V.  Litschauer, 

Stereum  lobatum    Fr.,    Epicrisis     p.    547    (Saccardo,    Syll., 
p.  568). 

Schon  von  Massee  wird  fsiehe  seine  Monograph.  of  the 
Teleph.,  p.  175)  angegeben,  daß  mit  dieser  Art  noch  die  folgen- 
den Arten  identisch  sind:  St.  Boryanuni  Fr.,  Epicrisis,  p.  547 
(Saccardo,  Syll.,  VI.,  576);  St.  Ostrea,  Nees,  in  Nov.  Act.  Nat. 
Cur.,  XIII,  t.  2,  p.  13  (Saccardo,  Syll.,  VI,  p.  571),  St.  Sprucei 
Berk.,  Journ.  Linn.  Soc.  (Bot.)  X.,  p.  331  (Saccardo,  Syll,  VI, 
p.  567)  und  St.  peiiaturn  Berk.,  Hooker,  Journ.,  IV,  1842, 
p.  153  (Saccardo,  Syll.,  p.  576).  Dieser  Anschauung  können 
wir  nur  beipflichten,  da  wir  auf  Grund  der  Untersuchung  zahl- 
reicher Exemplare  dieser  Arten  aus  dem  Berliner  Herbar,  dem 
Herbar  Barbe}'- Boissier,  dem  k.  k.  Universitätsherbarium  in 
Wien  und  den  Herbarien  des  k.  k.  Hofmuseums  und  der  k.  k. 
Technischen  Hochschule  daselbst,  zu  dem  gleichen  Resultate 
gekommen  sind. 

Übrigens  scheint  auch  St.  versicolor  Fr.,  Epicrisis,  p.  547 
(Saccardo,  Syll.,  VI,  p.  561)  ==  St.  iiisignitiini  Quel.,  Jur. 
et  Vosg.,  XVII,  Supl.  p.  6,  nichts  anderes  als  eine  Form  dieser 
äußerst  variablen,  besonders  in  den  wärmeren  Ländern  verbrei- 
teten Art  zu  sein. 

Dagegen  ist  St.  luteo-badium  Fr.,  Epicrisis,  p.  547  (Sac- 
cardo, Syll.,  VI,  p.  571),  welche  Art  Massee  ebenfalls  mit 
St.  lobatum  Fr.  identifiziert,  ein  davon  gänzlich  verschiedener 
Pilz.  Fries  selbst  bezeichnet  in  der  Epicrisis  p.  547  seinen  Pilz 
als  identisch  mit  dem  Pilz,  welchen  Kunze  als  Thelephora 
hadia  Hook.?  in  den  We igelt  exsicc.  (1827)  ausgegeben  hat. 
Dieser  letztere  Pilz  aber  ist  eine  Hymenochaete.  Die  Fries'sche 
Art  hat  daher  Hymenochaete  luteo-badia  (Fr.)  v.  H.  et  L.  zu 
heißen.  (Massee  hat  in  seiner  Monogr.  of  the  Theleph.,  p.  100, 
den  Pilz  des  Weigelt  exsicc.  als  eigene  Art:  H.  Kunzei  Mass. 
beschrieben,  welch  letztere  Bezeichnung  in  der  Folge  jedoch 
nur  als  Synonym  von  vorstehender  Art  gelten  darf.) 

Stereum  submembranaceum  P.  Henn.,  Engler's  Bot.  Jahrb., 

1898,  p.  497. 

Diese  Art  ist,  wie  die  Untersuchung  des  Originalexem- 
plares  ergeben  hat,  eine  Lloydella.  Sie  ist  im  Aussehen  dünnen 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  7oo 

resupinaten  Formen  von  Lloydella  fusca  (Schrad.)  Bres. 
(=  Stereiim  bicolor  [Pers.]  Quel.),  sehr  ähnlich,  überhaupt 
auch  dieser  Art  am  nächsten  verwandt. 

Mikroskopisch  ist  sie  von  derselben  jedoch  immer  ganz 
gut  zu  unterscheiden. 

Die  Cystiden  des  Pilzes  sind  ziemlich  dicht  angeordnet; 
sie  sind  fast  stets  eingesenkt,  stehen  meist  zu  mehreren  über- 
einander, haben  eine  kurz  und  dick  spindelförmige,  manchmal 
auch  zylindrische,,  selbst  keulenförmige  Gestalt,  sind  am 
Scheitel  meist  stumpf,  ziemlich  derbwandig,  von  schwach 
gelblicher,  an  der  Basis  meist  intensi\'erer  Färbung,  in  der 
oberen  Hälfte  immer  inkrustiert  und  daher  sehr  rauh.  Sie  sind 
20  bis  25  ]s.  lang  und  6  bis  9  [x  breit. 

Basidien  mit  Slerigmen  und  Sporen  konnten  am  Pilze 
nicht  beobachtet  werden. 

Die  Hyphen  sind  im  subhymenialen  Gewebe  sehr  unregel- 
mäßig, dünnwandig  und  mehr  oder  weniger  schmutziggelb 
gefärbt,  im  basalem  Teile  sind  sie  parallel  horizontal  gelagert, 
dickwandiger  und  von  mehr  olivenbrauner  P'arbe.  Sie  sind  stets 
glatt  und  3  bis  5  [x  dick. 

Der  Pilz  hsl  Lloydella  subnieinhranacea  (P.  Henn.)  v.  H.  et 
L.  zu  heißen. 

Stereum  tjibodense  P.  Henn.,  Monsunia,  I,  p.  139.  (Saccardo, 
Syll,  XVI.,  p.  139.) 

Ist  nach  dem  Originalexemplar  eine  Auriculariacee  mit 
Auricularia  mesenterica  Fr.  mindestens  nahe  verwandt. 
Braune,  ellipsoidische  Sporen  (6  bis  8:3-5  bis  4),  wie  sie 
Hennings  beschreibt,  konnten  nicht  aufgefunden  werden.  Der 
Pilz  scheint  überhaupt  noch  sehr  jung  zu  sein.  Die  Art  ist  als 
Stereum  sp.  jedenfalls  zu  streichen. 

Hymenochaete  cinnabarina  P.  Henn.,  (Engler's  Bot.  Jahrb , 
XXXVIII.  p.  120)  aus  Bipindi  in  Kamerun,  leg.  Zenker. 
1899. 

Ist,  wie  die  Untersuchung  des  Originalexemplares  (Berliner 
Herbar)    gezeigt  hat,    nur    das   Stroma    eines  Pyrenomyceten, 


/5b  F.  V.  Höhnel  und  V.  Litschauer, 

wahrscheinlich    einer  Hypoxylon  sp.  ?  mit  unreifen  Perithecien. 
Diese  Art  muß  daher  gestrichen  werden. 

Hymenochaete  crateriformis  P.  Henn.,  Hedwigia,  1904, 
XLIL,  p.  172;  Fung.  Amaz.,  I.  (Saccardo,  Syll.,  XVII., 
p.  166). 

Ist,  wie  die  Untersuchung  des  Originalexemplares  ergab, 
kerne  Hymenochaete,  sondern  ein  Steven  in.  WaXSt.  craterifornie 
(P.  Henn.)  v.  H.  et  L.  zu  heißen. 

Hymenochaete  fisso-lobata  P.  Henn.,  Hedwigia,  1904,  p.  172. 

Das  Originalexemplar  zeigt  ein  ganz  altes,  schlechtes 
Exemplar  einer  Tlietephora  sp.  Setulae  sind  selbstverständlich 
keine  v^orhanden;  was  Hennings  als  solche  beschreibt,  sind 
nur  Hyphenenden,  welche  über  das  sonst  schon  total  zerstörte 
Hymenium  hervorragen.  Der  Pilz  hat  mit  Hymenochaete  for- 
mosa  Lev.  kaum,  auch  nur  äußerlich  irgend  eine  Ähnlichkeit. 
Die  Art  ist  am  besten  zu  streichen. 

Hymenochaete?  radiosaP.  Henn.,  Engler's  Jahrb., XXV (1898), 
p.  497  (Sac Card o,  Syll,  XVI,  p.  189). 

Das  Originalexemplar  des  Pilzes  ist  ein  noch  vollkommen 
steriles  Entwicklungsstadium  irgend  eines  Pilzes;  jedenfalls  ist 
es  keine  Hymenochaete,  noch  eine  Peniophora  sp.  Sporen,  wie 
sie  Hennings  beschreibt,  sind  nicht  vorhanden.  Diese  Art  ist 
zu  streichen. 

Hymenochaete  septobasidioides  P.  Henn.  (Hedwigia,  43.  B., 
p.  172)  aus  Menino  de  Deus  bei  Rio  Juruä  in  Brasilien,  leg. 
Ule  1901.  Original  im  Berliner  Herbar. 

Der  Pilz  ist  ein  Septobasidiuni,  und  zwar  eine  sehr  schöne, 
ganz  eigentümliche  Art,  welche  am  freien  abgehobenen  Rande 
Hüte  bildet  und  stereumartigen  Habitus  zeigt.  Auch  hier  findet 
man  unter  dem  Pilze,  so  wie  bei  allen  anderen  Septohasidium- 
Arten,  Schildläuse.  Reife  Basidien  mit  Sporen  konnten  keine 
beobachtet    werden.    Sporen,   wie   sie    Hennings  beschreibt,. 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  75/ 

sind  nicht  vorhanden.  Das,  was  der  Autor  als  Setulae  auffaßt, 
sind  nur  die  hyalinen  subhymenialen  Hyphen  des  Pilzes. 

Dieser  müßte  also  Septobasidiimi  septobasidioides  (P. 
Henn.)  v.  H.  et  L.  heißen. 

Dieser  Name  dürfte  jedoch  kaum  statthaft  sein  und  wir 
schlagen  daher  für  den  Pilz  die  Bezeichnung  5.  stereoides  v.  H. 
et  L.  vor. 

Hymenochaete  tjibodensis  P.  Henn.,  Monsunia,  I,  1899,  p.  140; 
Saccardo,  Syll.,  XVI,  p.  188. 

Das  Hymenium  zeigt  keine  Setulae,  der  Pilz  ist  daher 
keine  Hymenochaete.  Hingegen  sind  zahlreiche,  ganz  dicht 
stehende  Cystiden  vorhanden.  Dieselben  sind  fast  hyalin, 
zylindrisch,  oben  abgerundet,  oft  keulig  verbreitert;  der  vor- 
ragende Teil  derselben  ist  zirka  15  bis  20  -^^  4  [i  groß  und  über- 
all von  zahlreichen  spitzen,  dünnen  Warzen  oder  Stacheln  sehr 
rauh.  Der  Pilz  ist  daher  eine  Lloydella.  Mit  Hymenochaete  Cacao 
Berk.  ist  derselbe  nicht  näher  verwandt,  wie  Hennings  ver- 
mutet. H.  Cacao  Berk.  ist  ebenfalls  eine  Lloydella  und  muß 
Lloydella  Cacao  (Berk.)  v.  H.  et  L.  heißen.  Dieselbe  besitzt 
ebenfalls  zahlreiche  dichtstehende  Cystiden;  diese  sind  aber 
glatt,  braun,  stumpflich,  zirka  3  [x  breit  und  ragen  nur  wenig 
vor. 

Weder  makro-  noch  mikroskopisch  sind  von  Hymenochaete 
tjibodensis  P.  Henn.  die  beiden  Arten  Sterenni  snbpileatnui 
Berk.  et  Curt.  und  St.  insigne  Bres.  irgendwie  wesentlich 
verschieden.  Letztere  beiden  Arten  können  nicht  voneinander 
spezifisch  getrennt  werden.  Alle  drei  Formen  müssen  zu  einer 
Art  vereinigt  werden,  die  Lloydella  siibpileata  (Berk.  et  C.)  v. 
H.  et  L.  genannt  werden  muß. 

Die  spezifische  Gleichheit  von  Stereum  insigne  Bres.  mit  SA 
siibpileatunt (Berk.  et  Curt.)  wurde  an  einem  Originalexemplar 
der  ersteren  Art  und  einem  nach  Bresadola  typischem 
Exemplar  der  zweiten  Art  festgestellt. 

St.  insignitimi  Quel.  (=:  St.  versicolor  Fr.)  ist  äußerlich 
oft  ähnlich,  aber  ein  echtes  Stereum,  davon  also  gänzlich  ver- 
schieden. 


/  58  F.  V.  Höhne)  und  V.  Litschauer, 

Hymenochaete  usanguensis    P.  Henn.,  Engler's   Bot.  Jahrb., 
1901,  p.  257  (Saccardo,  Syll.,  XVII.,  p.  167). 

Der  Pilz  ist,  wie  die  Untersuchung  des  Originalexemplares 
lehrte,  keine  Hymenochaete,  überhaupt  kein  Thelephoracee, 
sondern  höchst  wahrscheinlich  eine  Auriculariacee  (Septo- 
basidium  ?).  Ausgebildete  Basidien  und  Sporen  sind  nicht  vor- 
handen, wohl  aber  konnten  noch  jugendliche,  rundliche,  reich- 
lich mit  Inhalt  erfüllte  Basidien  beobachtet  werden.  Die  Setulae, 
welche  Hennings  beschreibt,  sind  nur  die  oberflächlichen 
Hyphenenden.  Fast  rundliche,  6  bis  8  p-  große,  gelbe  Sporen, 
wie  sie  He  nnings  beschreibt,  sind  nicht  zu  finden  und  ge- 
hören nach  der  Auriculariaceen-Natur  des  Pilzes  sicher  nicht  zu 
demselben. 

II.  Revision  ausgegebener  Corticieen-Exsikkaten. 

Die  im  folgenden  gegebenen  Berichtigungen  gelten  selbst- 
verständlich nur  für  die  untersuchten  Exemplare  der  Exsikkate. 
Daß  verschiedene  Exemplare  desselben  Exsikkates  unter 
gleichem  Namen  oftmals  verschiedene  Pilze  enthalten,  davon 
konnten  wir  uns  mehrmals  überzeugen.  Das  hier  Gesagte  gilt 
auch  für  den  I.  Teil  der  »Revision  ausgegebener 
Exsikkate<  (in  diesen  Sitzungsberichten,  1906,  Bd.  CXV, 
Abt.  I,  p.  31). 

1.  L.  Fuckel,  Fungi  rhenani. 

Nr.  1314.  Corticiimi  laeve  (Pers.)  Fr.  Enthält  Stereitm  purpu- 
reum Pers.  Dadurch  erklärt  sich  auch  die  falsche 
Sporenangabe  bei  C.  laeve  (Pers.)  Fr.  in  Fuckel, 
Symb.  Myc,  Beiträge  zur  Kenntnis  der  rheinischen 
Pilze,  p.  27. 

Nr.  1893.  Corticium  salicmtim  Fr.  Enthält  Cytidia  ßocculenta 
(Fr.)  v.  H.  et  L.  (=  Lomatina ßocculenta  [Fr.]  v.  H. 
et  L.) 

2.  Rabenhorst,  Herbar  mycologicum.  (Ed.  II.) 

Nr.  414.  Corticium  radiosum  Fr.  Enthält  nicht  diese  Art.  Der 
Pilz  ist  kaum  etwas  anderes  als  C.  laeve  Pers. 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  759 

Nr.     503.  Sterenm    vngosnni    Pers.    Enthält    eine     resupinate 
Form  von  St.  hirsittmn  Willd. 


3.  Rabenhorst,  Fungi  europaei. 

Nr.  1109.  Stereutn  hirsntnin  (Willd.)   F'r.   Das    Exemplar  des 

Exsikkates    im    Herbar    B  arbe}— Boissier    enthält 

St.  purpuremn  Pers. 
Nr.  1212.  Corficitun  calceiun,  lactemn  Fr.  Enthält  weder  Seba- 

cma  calcea  (Pers.)  Bres.  noch  C.  lactenm  Fr., sondern 

einen  sterilen  Hyphenfilz. 
Nr.  1405.  Corticnmi  sulfureum  Fr.   Enthält    eine    Coniophora, 

wahrscheinlich  C.  arida  (Fr.)  Bres. 
Nr.  1608.  Corticinm     qiiercinum      Pers.,      var.      syriiigaecola 

Rabh.   in  litt.  Enthält  Peniophora  cinerea  (Fr.)  Cke. 

4.  Rabenhorst- Winter,  Fungi  europaei. 

Nr.  2721.  Coniophora  oliuacea  (Fr.)  Karst.  Das  Exsikkat  ent- 
hält Coniophorella  itntbrina  (Alb.  et  Schw.)  Bres. 
Schon  Massee  (siehe  Monogr.  of  the  Teleph., 
p.  134)  hat  die  Verschiedenheit  des  Pilzes  dieses 
Exsikkates  von  Coniophora  olivacea  Fr.  erkannt 
und  denselben  als  neue  Art  C.  fulvo-olivacea  Mass. 
beschrieben.  Da  nun  aber  derselbe  identisch  ist  mit 
der  viel  früher  aufgestellten  Thelephora  umbrlna  Alb. 
et  Schw.  z=  Coniophorella  nmbrina  (Alb.  et  Schw.) 
Bres.,  wieder  direkte  Vergleich  mit  einem  Bresa- 
dola'schen  Exemplar  dieses  Pilzes  ergab,  so  hat  die 
Bezeichnung  Massee 's  für  denselben  als  Synonym 
der  letzteren  Art  zu  gelten. 

Nr.  3524.  Hyinenochaete  scabriseta  Cke.  Der  Pilz  dieses  Exsik- 
kates stimmt,  wie  eine  genaue  mikroskopische  Unter- 
suchung lehrt,  vollkommen  überein  mit  dem  Original- 
exemplar von  Hynienochaete pnrpnrea  Cke.  et  Mor- 
gan {Thelephora  pnrpurea  Cke.  et  Morgan,  Myc. 
Fl.  Miami  Valley,  p.  198)  in  Morgan  Nr.  683  (Herbar, 
Berlin).  Wenn  daher  der  Pilz  des  Rabenhorst-Exsikkates 


''oO  F.  V.  Höhnel  und  ^^  Li  tschau  er, 

die  richtige  H.  scahriseta  Cke.  (Original  im  Her- 
bar Kew.)  ist,  dann  ist  jene  Art  mit  letzterer  iden- 
tisch. Übrigens  sprechen  auch  die  Diagnosen  beider 
Pilze  (siehe  Massee,  Monogr.  of  the  Teleph.,  p.  113 
und  115)  für  ihre  Gleichheit.  Bresadola,  Fung. 
polonici,  p.  100,  hat  die  H.  purpiirea  Cke.  et  IVI Or- 
gan in  die  Gattung  Kneiffia  Fr.  {=Peniopkora  Cke.) 
gestellt;  der  Pilz  zeigt  jedoch,  wenn  er  gut  entwickelt 
ist,  fast  stereumartigen  Habitus  und  ist  wegen  der  fast 
keuligen,  gelblichen,  dickwandigen,  meist  stumpfen, 
rauhen,  inkrustierten  Cystiden  am  besten  als  eine 
Lloydella  sp.  aufzufassen,  siehe  p.  791. 

Der  Pilz  ist  auch  unter  Nr.  36  von  Rave- 
nel,  Fungi  Caroliniani,  als  Stereiim papyrümm  Mont. 
ausgegeben  worden.  Von  dieser  Art,  ebenfalls  einer 
Lloydella  sp.,  ist  er  aber  nach  dem  Exemplar  der- 
selben in  der  Nr.  400  der  Fungi  Cubenses  Wrigh- 
tiani,  vollkommen  verschieden. 
Nr.  3647.  Stereimi  acerinum  Fr.,  var.:  nivosum  Berk.;  a  und  h 
enthält  Aletirodiscns  nivostts  (Berk.  et  Curt.)  v.  H. 
et  L. 


5.  Sydow,  Mycotheca  Marchica. 

Nr.  501.  Corticinm  gigantetmi  Fr.  Das  Exemplar  dieses  Exsik- 
katesim  Berliner  Herbar  enthält  tatsächlich  P^w/ojy/zon? 
gigantea  (Fr.)  Mass.,  das  Exemplar  des  Herbars  der 
k.  k.  Techn.  Hochschule  in  Wien  jedoch  TomenteUa 
isahellma  (Fr.)  v.  H.  et  L.  (Siehe  diese  Berichte,  1906, 
Bd.  CXV,  Abt.  I,  Oktober,  p.  1581.) 

Nr.  906.  Corticinm  seriun  Pers., enthält  nicht  diese  Art.  Exem- 
plar unbestimmbar! 

Nr.  1010.  CorHcium  lactewn  Fr.  Das  Exemplar  dieses  Exsik- 
kates  im  Berliner  Herbar  enthält  C.  laeve  Pers.,  das 
Exemplar  im  Herbar  der  k.  k.  Techn.  Hochschule  in 
Wien  eine  Peniophora  sp.  (P.  Roiimegiierii  Bres..?). 
Siehe  diese  Berichte,  1906,  Math.-naturw.  KL,  Abt.  I, 
p.  1581. 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  761 

Nr.  1105.  Corticium  calceunt  (Pers.)    Fr.   Enthält  C.  radiostim 

Fr.  =  C  aliitacetim  (Schrad.)  Bres.   Das  Exemplar 

desExsikkates  im  Herbar  der  k.  k.  Techn.  Hochschule 

in  Wien  enthält  nichts  Bestimmbares. 
Nr.  \20b.  Stereum  frtistiilosiirn   Fr.   Enthält  sicher  nicht  diese 

Art.    Exemplar  sehr   schlecht!   Höchstwahrscheinlich 

nur   eine   resupinate  Form   von  St.  hirsiitiim  Willd. 
Nr,  1607.  Corticium  uvidnm  Fr.  Enthält  zum  Teil  Vuilleminia 

comedens    (Nees)    Maire,   zum    Teil    Radiiltim    lae- 

tum  Fr. 
Nr.  1707.  Corticinnt    nigresceus    Schrad.     Enthält     schlechte 

Exemplare  von  Vuilleminia  comedens  (Nees)  Maire. 
Nr.  1803.  Corticiimi   ntidtwi  Fr.  Das  Exemplar  dieses    Exsik- 

kates  im  Berliner  Herbar  enthält  C.  laeve  Pers.  (siehe 

dazu  diese  Sitzungsberichte,   Bd.  CXV,    1906,  xMath.- 

naturw.  Kl.,  Abt.  I,  p.  1581). 
Nr.  1 9 1 1 .  Cor//V/ww    violaceo-lividnm    (Sommf.)    Fr.    Enthält 

Peniopliora  cinerea  (Fr.)  Cke. 
Nr.  2001.  Sehacina  incrustans  Pers.  Enthält  Peniopliora  gigan- 

tea  (Fr.)  Mass. 
'Hv.  2?>\2.Sterenin   hirsutiim    Willd.    forma.     Ganz     alt    und 

schlecht!  Der  Pilz   scheint   St.  purpureum  Pers.  zu 

sein. 
Nr.  3112.  Corticium  comedens  Nees.  Enthält  sicher  nicht  diese 

Art,     sondern    ein    altes     Corticium;    wahrscheinlich 

C.  laeve  Pers.?  (Die  darauf  liegenden  großen  Sporen 

rühren    von    einer    Valsa    sp.    her,    welche    auf  den 

Zweigen  vorkommt.) 
l>ii'.  ^431.  Stereuni  hirsufttm   Willd.   forma.    Enthält  ein   ganz 

altes  unbestimmbares  Stereum  sp.? 

Nr.  3432.  Hypoclmus  ferruginetts  Fr.  Das  Exemplar  im  Berliner 

Herbar  enthält  Tomentella  elaeodes  (Bres.)  v.  H.  et  L. 

(siehe  dazu  v.  Höhnel  et  Litschauer,  Sitzungsber. 

der    k.    k.   Akademie    der  Wissenschaften    in  Wien/ 

Bd.  CXV,  Abt.  I,  1906,  p.  1582). 
Nr.  3903.  Stereum  vorticosum  Fr.  Das  Exemplar  des  Exsikkates 

im    Berliner    Herbar    enthält   ein    ganz     altes     und 

Sitzb.  d.  mathem.-natunv.  KL;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  50 


'62  F.  V.  Huhnel  und  \'.  Litschauer, 

unbestimmbares  Stercnm,  wahrscheinlich  nur  St.  Itir- 
sntnni  Will  ei. 

Nr.  4105.  Cbr//V//f/;/  Greschikii  Bres.  Enthält  Corticium 
subcoronatiun  v.  H.  et  L.  n.  sp. 

Nr.  4409.  Cortichun  gilvesccns  Bres.  n.  sp.  (Originalexemplar!) 
(Hedvvigia,  1896,  p.  46;  Saccardo,  Syll.,  XIV,  p.221.) 
Der  Pilz  dieses  Exsikkates  ist  nichts  anderes  als 
Corticmui  conßnens  Fr.;  stimmt  nicht  nur  dem  Aus- 
sehen nach,  sondern  auch  was  die  Struktur  betrifft, 
vollkommen  mit  sicher  bestimmten  Exemplaren  der 
letzteren  Art  überein. 

Schon   die   Diagnose   von  C. gilvescens  Bres.   ließ 
übrigens   die  Identität   mit  C.  cotißneus  Fr.  vermuten. 

Nr.  4624.  Hypoclimis  mucidits  Schrot.  Enthält  nicht  diese  Art, 
aber  ein  echtes  Corticium.  Dasselbe  ist  jedoch  steril 
und  unbestimmbar. 

Nr.  4626.  Stercnm  gausapattim  Fr.  i.  juvenilis.  Das  Exemplar 
des  Exsikkates  im  Berliner  Herbar  enthält  nichts  Be- 
stimmbares. 

6,  Thümen,  Mycotheca  universalis. 

Nr.  113.  Stereum  Curtisii  Bevk.  Ist  eine  Hymcuochaete  und 
hat  H.  Curtisii  (Berk.)  Ell.  et  Ev.  zu  heißen. 

Nr.  326.  Corticium  querciimm  Fr.  var.  tiliaceum  Thüm. 
Enthält  Peniophora  ciuerea  (Fr.)  Cke. 

Nr.  512.  Corticium  simulaus  Berk.  et  Broome.  Der  Pilz  ist 
eine  Hymeuochaete  und  hat  H.  simulans  (Berk.  et 
Broome)  v.  H.  et  L.  zu  heißen;  siehe  dazu  p.  774. 

Nr.  711.  Corticium  acerinum  Thüm.  var.  ui vosiim  Rav.  Ent- 
hält Aleurodisctis  nivosus  (Berk.  et  Cke.)  v.  H.  et  L. 

Nr.  807.  Corticium  calceum  Fr.  var.  lacteum  Fr.  Enthält  Aleu- 
rodiscus  acerinus  (Pers.)  v.  H.  et  L.  var.  longisporus 
V.  H.  et  L. 

Nr.  \\0d>.  Stereum  amoenum  Kalchbr.  n.  sp.  Kalch  brenner 
et  M.  Owan,  Grev.,  X,  p.  58  (:=  5/.  Kalchbremieri 
Sacc,  Syll,  VI,  p.  568).  Der  Pilz  des  Exsikkates  ist 
nichts  anderes  als  eine  bräunliche  Form  von  5/.  ////'- 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  /()3 

suttiui  Willd.  Er  muß  als  eigene  Art  gestrichen 
werden. 
Nr.  2013.  Corticitim  radiosum  Fr.  Das  Exemplar  desExsikkates 
im  Berliner  Herbar  enthält  ganz  alte  Peniopliora 
crernea  (Bres.)  v.  H.  et  L.  (Das  Exemplar  im  Herbar 
der  k.  k.  Technischen  Hochschule  in  Wien  enthält 
Steretim  odorainm  Fr.;  siehe  diese  Sitzungsberichte, 
1906,  Bd. CXV,Mathem.-naturw.  Klasse,  Abt.I,p.  1584.) 

7.  T hürnen,  Fungi  Austriaci. 

Nr.  331.  Corticium  ladeum  Fr.  (siehe  diese  Berichte,  1906, 
Mathem.-naturw.  Klasse,  Abt.  I,  p.  1585).  Das  Exem- 
plar dieses  Exsikkates  im  Berliner  Herbar  enthält  sicher 
C.  conßuens  Fr. 

Nr.  720.  Corticium  calcetim  Fr.  Enthält  sicher  nicht  Sehacina 
calcea  (Pers.)  Bres.,  sondern  sehr  spärlich  Aleuro- 
discus  acerinns  (Pers.)  v.  H.  et  L. ? 

Nr.  923.  Corticium  calceum  Fr.  var.  salicinuui  Thüm.  Ent- 
hält nichts  Bestimmbares. 

8.  Cryptogamae  exsiccatae  (Mus.  palat.  Vindobon.). 

Nr.  942.  Corticium  tephroleiicum  Bres.  n.  sp.  (B  r  e s  a d  o  1  a  apud 
Strass.  in  Verh.  k.  k.  Zool.  bot.  Ges.  Wien,  Bd.  LH, 
1902,  p.  430.)  Saccardo,  Syll.,  XVII,  p.  171. 

Diese  Art  muß  gestrichen  werden.  Der  Pilz  des 
Exsikkates  ist  nämlich  nichts  anderes  als  Corticium 
confluens  Fr.  Stimmt,  wie  die  mikroskopische  Unter- 
suchung zeigt,  vollkommen  überein  mit  den  Exem- 
plaren letzterer  Art  in  W.  Brinkmann,  Westf.  Pilze, 
Nr.  13. 

Auch  die  Diagnose  des  Pilzes  stimmt  ganz  gut  auf 
C  conßuens  Fr.  Vergleiche  mit  derselben  die  Bemer- 
kung Bresadola's  über  letztere  Art  in  Hymenom\^c. 
Kmet.  p.  48. 

9.  Otto  Jaap,  Fungi  selecti  exsiccati. 

Nr.  168.  Corti.cium  sulphnreum  Fr.  Enthält  Tomentella  isahcl- 
liiia  (Fr.)  v.  H.  et  L. 

50* 


764  F.  V.  Höhne  1  und  V.  Li  tschau  er, 

10.  Romeil,  Fungi  exsiccati  praes.  scandinavici. 

Nr.  28.  Steretmt  spadiceum  Fr.  Das  Exemplar  desExsikkates 
im  Herbar  Barbey-Boissier  ist  sehr  dürftig!  Welche 
Art  der  Pilz  desselben  ist,  ist  mit  Sicherheit  nicht  zu 
bestimmen.  Könnte  höchstens  eine  sehr  abweichende 
Form  von  LJoydella  spadicea  (Fr.)  Bres.  sein. 
(Cystiden  farblos  und  glatt;  die  Sporen  stimmen!) 

11.  Schröter,  Pilze  Schlesiens, 

Nr.  764.  Corticmm  calcenm  (Pers.).  Enthält  Aleurodiscus 
acerinus  (Pers.)  v.  H.  et  L. 

12,  Flora  exsiccata  Austro-Hungarica. 

Nr.  3152.  Corticium  calceum  Pers.  Enthält  Aleurodiscus 
acerinus  (Pers.)  v.  H.  et  L. 

13.  Karsten,  Fungi  fennici. 

Nr.  133.    Corticitim    calceum    Fr.      Enthält     Gloeocystidium 

stramiueum  Bres. 
Nr.  137.    Pistillaria  quisquiliaris  Fr.    Enthält  Sterettm  frustu- 

losuni  Fr. 
Nr.  249.    Stereum  rugosum  Fr.    Enthält   eine  resupinate  Form 

von  St.  hirsuttim  Willd. 
Nr.  433.    Stereum  hir suhl m  Willd.    Enthält    nichts  Bestimm- 
bares. 
Nr.  623.    Corticium  lacteum  Fr.  Enthält  Peniopliora  subcremea 

V.  H.  et  L. 
•Nr.  624.    Corticium  radiosum  Fr.  Enthält  Peniopliora  laevis 

(Fr.)  V.  H.  et  L. 
Nr.  625.    Corticium  lividum  Pers.  Enthält  schlechte  und  sterile 

Exemplare  von   Peniopliora  serialis  (Fr.)  v.  H.  et  L. 

Corticium    lividum   Pers.    =    Phlebia  livida  (Pers.) 

Bres.  f.  Hym.  Kmet.,  p.  41. 
Nr.  626.    Corticium    violaceo-lividmn    (Sommf.)    Fr.    Enthält 

Peniophora  cinerea  (Fr.)  Cke. 
Nr.  710.    Corticium  laevigatum  Fr.    Die  Art   ist   identisch  mit 

Lloydella  areolata  (Fr.)  Bres. 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  765 

Nr.  845.  Corticium  mcarnatum,  Fr.  Enthält  nicht  diese  Art, 
sondern  eine  andere  Peniophora  sp.;  wahrscheinlich 
P.  mtitata  (Peck.)  v.  H.  et  L. 

Nr.  916.  Corticium  fitmosmn  Fr.  Enthält  eine  Toinentella  sp., 
welche  wahrscheinlich  nichts  anderes  als  T.  chalybea 
Pers.  ist. 

Nr.  919.    Corticium  radiosiiiu  Fr.  Enthält  C  laeve  Pers. 

Nr.  951.  Stereum  alnenm  Fr.  (juvenile).  Enthält  nicht  diese 
Art,  welche  identisch  mit  5^.  odorattiut  Fr.  (siehe 
Bresadola,  Fungi  polonici,  p.  92)  ist,  sondern  Gloeo- 
cystidiuni  straniineum  (Bres.)  v.  H.  et  L.  Die  Gloeo- 
cystiden  treten  nur  deutlich  hervor,  wenn  man  dünne 
Querschnitte  durch  den  Pilz  mit  verdünnter  Lauge 
erwärmt. 

Nr.  952.    Stereum  alneum  Fr.  Enthält  St.  odoratum  Fr. 

Nr.  953.  Corticium  calceum  Fr.  forma.  Enthält  Lloydella  areo- 
lata  (Fr.)  Bres.  (z=  Xerocarpus  Juniperi  Karst.  =: 
Peniophora  laevigata  [Fr.]  Mass.) 

Nr.  959.  Stereum  odoratum  Fr.  Der  Pilz  des  Exsikkates  ist 
sicher  nicht  diese  Art;  ist  ganz  alt  und  unbestimmbar. 


14.  M.  C.  Cooke,  Fungi  Britannici  Exsiccati. 

Nr.  304.  Stereum  spadiceum  Pers.  Enthält  nicht  diese  Art, 
welche  eine  Lloydella  ist,  sondern  St.  gausapatum 
Fr.  =:  St.  cristulatum  Quel.  =  St.  spadiceum  Fr. 
non  Pers. 

Nr.  411.  Corticium  snlfureiim  Fr.  Enthält  eine  Coiiiophora 
(wahrscheinlich  C  arida  [Fr.]  Bres.).  C.  sulfuremn 
Fr.,  Epicrisis,  p.  562  et  Auctorum  ist  nach  Bresa- 
dola, Hym.  Kmet.,  p.  48,  zum  TeW  Corticium  croceum 
(Kze.)  Bres. 

Nr.  412.    Corticium  polygonium   Pers.    Enthält  C.  laeve  Pers. 

Nr.  413.  Corticium  serttm  Pers.,  ohne  Sporen!  Nach  Aussehen 
und  Beschaffenheit  der  Hyphen  C.  serum  Pers. 

Nr.  415.  Hymenochaete  ruhiginosa  Lev.  Enthält  H.  tabacina 
(Sow.)  Lev. 


766  F.  V.  Höhnel  und  V.  Li  tschau  er, 

Nr.  509.  Thelephora  piiteana  Fr.  Der  Pilz  des  Exsikkates  ist 
wahrscheinlich  nicht  diese  Art.  Vielleicht  Coniophora 
arida  Fr.? 

15.  Roumeguere,  Fungi  Gallici  exsiccati,  beziehungsweise 
Fungi  selecti  exsiccati. 

Nr.  3.  Thelephora  Picea  Pers.  Das  Exemplar  im  Herbar 
Barbey  -  Boissier  enthält  ein  sehr  altes  und 
schlechtes  Stück  eines  Pilzes,  der  wahrscheinlich 
nichts  anderes  als  Lloydella  spadicea  (Pers.)  Eres,  ist, 

Nr.  4.  Corticinm  varicgahiin  Nob.  in  lit,  ad  Ellis.  Enthält 
ein  altes  und  schlechtes  Exemplar  einer  Peniophora 
sp.;  wahrscheinlich  einer  eigenen  Art.  Der  Pilz  zeigt 
eine  gewisse  Ähnlichkeit  mit  Lloydella  scahriseta 
(Cke.)  V.  H.  et  L.  (in  Rabenhorst-Winter,  P^ungi 
europ.  Nr.  3524  sub  Hyinenochaete),  ist  jedoch,  wie 
die  mikroskopische  Untersuchung  lehrte,  davon  ver- 
schieden. Als  Varietät  von  Peniophora  cinerea  (Fr.) 
Cke.  (siehe Sa ccardo,  Syll.,  VI,  p,  643)  kann  derselbe 
wohl  kaum  angesehen  werden. 

Nach  Massee,  Monogr.  of  the  Theleph.,  p.  129,  ist 
er  mit  Hymeuochaete  (Coniophora)  Ellisii  Berk.  et 
Cke.  identisch,  von  welchem  Pilz  jedoch  noch  nicht 
festgestellt  ist,  ob  er  eine  eigene,  gute  Art  repräsentiert, 
denn  alle  ausgegebenen  Exsikkate  desselben  enthalten 
nämlich  nur  entweder  Coniophora  arida  Fr.  oder 
Coniophorella  olivacea  (Fr.)  Karst. 

Nr.  506,    Corticinm  calcenm  Fr.    Enthält  C.  serum  Pers. 

Nr.  703.  Steremn  frusttdosum  Fr.  f.  concava  Fr.  Zeigt  nur 
gewöhnliches  Sf.  frtisfnlosum  Fr.! 

Nr.  705.  Corticinm  Oakesii  Berk.  et  Curt.  (ex  America 
borealis).  Enthält  nichts  Bestimmbares. 

Nr.  713,  Coniophora  atrocinerea  Karst,  Auch  das  Exemplar 
dieses  Exsikkates  im  Herbar  Barbej^-Boissier  ent- 
hält nur  Ustnlina  vulgaris  Tul. 

Nr.  802,  Stereiim  platani  sp.  nov.  Ist  sicher  nichts  anderes  als 
Aleurodiscns  acerinns  (Pers.)  v.  H.  et  L. 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  767 

Nr.  1300.  Thennutis  byssacea  Lib,  in  herb,  ist  eine  Flechte.  Ent- 
hält nichts  Bestimmbares. 

Nr.  1409.  Corticmui  incariiatitin  Fr.  Sehr  dürftig!  Enthält 
aber  diesen  Pilz. 

Nr.  1602.  (In  den  Beiträgen  zur  Kenntnis  der  Corticieen  von  den 
V^erfassern  [siehe  diese  Sitzungsberichte,  Bd.  CXV, 
1906,  Mathem.-naturw.  Klasse,  Abt.  I,  p.  1590]  als 
Nr.  1502  bezeichnet.)  Enthält  sub  Corticiiim  violacco- 
lividtim  Fr.   Peniophora  mida  (Fr.)  Bres. 

Nr.  201 1.  Cbr^/cmm  incamatum  Fr.  Das  Exemplar  des  Ex- 
sikkates  im  Berliner  Herbar  enthält  Peniophora 
incariiata  (Pers.)  Cke.  (Das  Exemplar  im  Herbar 
der  k.  k.  Technischen  Hochschule  in  Wien  enthält 
nichts  Bestimmbares.  (Siehe  diese  Berichte,  Bd.  CXV, 
Mathem.-naturw.  Klasse,  Abt.  I,  p.  1591.) 

Nr.  2210.  Corticiiim  lacteiiin  Fr.  f.  corticola  Nob.  Das  Exemplar 
im  Berliner  Herbar  enthält  altes  C.  laeve  Pers.  (Das 
Exemplar  im  Herbar  der  Technischen  Hochschule  in 
Wien  ein  altes  Steretim) 

'Nv.  2211.  Corficiutn  (Hypochims)  serum  (Pers.)  Fr.  enthält 
nichts  Bestimmbares!  Sicher  nicht  diesen  Pilz! 

Nr.  2507.  Thelephora  biennis  Fr.  Enthält  LJoydella  spadicea 
(Pers.)  Bres. 

Nr.  2510.  Corticium  incarnatum  Fr.  auf  Tilia!  Enthält  eine 
cystidenlose  Form  von  Peniophora  anrantiaca  (Bres.) 
V.  H.  et  L.  Der  Pilz  stimmt  außer  den  mangelnden 
Cystiden  vollkommen  auf  letztere  Art. 

Nr.  2513.  Corticium  radiosum  Fr.  f.  foliicola.  Das  Exemplar 
des  Exsikkates  im  Herbar  Barbey-Boiss  ier  enthält 
zum  Teil  einen  sterilen  Hyphenfilz,  zum  Teil  C.  seruni 
Pers.  und  auf  der  Hülse  eines  Schmetterlingblüters 
äußerst  spärliche  Reste  eines  nicht  mehr  zu  bestim- 
menden Pilzes. 

Das  Exemplar  des  Exsikkates  im  Berliner  Herbar 
enthält  C.  arachnoideum  Berk.  (Das  Exemplar  im 
Herbar  der  k.  k.  Technischen  Hochschule  in  Wien 
enthält  zum  Teil  Peniophora  sp.,   zum  Teil    Odontia 


''68  F.  V.  Höhne  1  und  H.  Lit schauer, 

sp.;  siehe  diese  Sitzungsberichte,  1906,  Abt.I,  mathem.- 
naturw.  Klasse,  p.  1591.) 

Nr.  2807 .  Stereum purpureum  Pers.  var.  Ulacinmn  Gill.  Ent- 
hält nichts  sicher  Bestimmbares.  Vielleicht  St.  pur- 
pureum Pers. 

Nr.  3628.  Corticium  radiosum  Fr.  f.  Tiliae.  Das  Exemplar  des 
Exsikkates  im  Berliner  Herbar  enthält  C.  laeve  Pers. 
(Das  Exemplar  im  Herbar  der  k.  k.  Technischen  Hoch- 
schule in  Wien  enthält  nichts  Bestimmbares;  siehe 
diese  Sitzungsberichte,  1906,  Mathem.-naturw.  Klasse, 
Abt.  I,  p.  1592. 

Nr.  3705.  Corticium  Mougeotii  Fr.  f.  tttmoracia.  Das  Exem- 
plar des  Exsikkates  im  Berliner  Herbar  enthält  Hyme- 
nocliaete  Mougeotii  (Fr.)  Cke. 

Nr.  402 1 .  Stereum  paraguariense  S  p  e  g.  (aus  B  a  1  a  n  s  a, 
Champignons  du  Paraguay,  Nr.  3896).  Enthält  einen 
Pilz,  auf  welchem  die  Diagnose  von  St. paraguariense 
Speg.  (Fungi  Guaran.,  Pug.  I,  Nr.  75;  Massee, 
Monogr.  of  the  Theleph.,  p.  195;  Saccardo,  Syll.,  VI, 
p.  584)  sehr  gut  paßt.  Derselbe  stimmt  aber  auch 
ganz  gut  zu  den  Beschreibungen  von  5/.  membrana- 
ceum  Fr.,  Epicrisis,  p.  547  (Massee,  i.e.,  p.  177; 
Saccardo,  I.e.,  p.  576)  und  St.  papyrinum  Moni., 
Syll.,  p.  178  (Massee,  1.  c,  p.  140;  Saccardo,  1.  c; 
p.  641).  Diese  letzteren  Arten  sind  in  den  Fungi 
Cubenses  Wrightiani  in  den  Nrn.  398  und  400 
ausgegeben  worden.  Der  genaue  Vergleich  dieser 
Exemplare  nun  mit  dem  obigen  Pilz  ergab  vollkommene 
Identität. 

Höchstwahrscheinlich  sind  auch  alle  diese  drei 
Arten  dasselbe.  Sicher  ließe  sich  dies  natürlich  nur 
durch  den  direkten  Vergleich  der  Originalexemplare 
derselben  feststellen. 

Aus  der  Literaturstelle  über  St.  papyrinum  M  o  n  t. 
bei  Massee,  1.  c,  p.  140,  geht  jedoch  hervor,  daß  der 
Pilz  der  Nr.  400  der  Fungi  Gubens.  Wrightiani, 
also   auch  die   beiden    anderen   vorliegenden    Exem- 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  769 

plare,  sicher  wenigstens  diese  letztere  Art  repräsen- 
tieren, für  welche  schon  Cool^e,  Grev.,  VIII,  p.  20, 
pl.  124,  f.  9,  das  Vorhandensein  von  Cystiden  fest- 
stellte. Er  hat  denselben  daher  auch  Peniophora 
papyrina  Cke.  genannt.  Da  der  Pilz  jedoch  von 
stereumartigem  Habitus  und  Bau  ist,  muß  er  nun  als 
eine  LloydeUa  sp.  betrachtet  werden. 

Die  Cystiden  des  Pilzes  sind  etwas  locker  ange- 
ordnet, haben  eine  kegelförmige  Gestalt,  sind  an  der 
Basis  meist  etwas  angeschwollen, haben  eine  schwach 
gelbliche,  gegen  den  Grund  zu  oft  intensiv  braune 
Färbung,sind  sehr  dickwandig  und  sehr  stark  inkrustiert. 
Sie  ragen  meist  mit  ihrem  größeren  Teile  über  das  Hy- 
menium hervor,  oft  sind  sie  aber  auch  ganz  eingesenkt. 
Ihre  Länge  beträgt  ungefähr  40  bis  70  jj.,  ihre  Breite 
10  bis  14  [JL.  Die  Cystiden  sind  sehr  rauh  und  machen 
unter  dem  Mikroskop  den  Eindruck  einer  kegel- 
förmigen Kristalldruse. 

Sporen  konnten  an  keinem  der  Exemplare 
beobachtet  werden.  Massee  gibt  bei  Peniophora 
papyrina  Cke.  fast  kugelige,  6  jx  im  Durchmesser 
betragende  Sporen  an,  bei  St.membranaceum  Fr. 
ellipsoidische  von  6  :  4  [x  Größe. 

Die  Hyphen  des  Pilzes  sind  sehr  unregelmäßig, 
2  bis  4  [X  dick,  schwach  gelblich  bis  hellbraun,  glatt 
und  sehr  dickwandig. 

Der  Pilz  ist  im  Alter  äußerlich  dex  Lloydella  spadicea 
(Pers.)  Bres.  nicht  unähnlich,  mikroskopisch  jedoch 
davon  vollständig  verschieden  (vergl.  Bresadola, 
Hym.  Kmet.,  p.  42). 

Stereum  Glaziovii  Bres.  n.  sp.  im  Berliner  Herbar 
ist  ebenfalls  mit  demselben  identisch. 
Nr.  A02b.  Xevocarpns  strohilornm  n.  sp.,  leg.  Cap.  F.  Sarrazin 
(ohne  Beschreibung);  siehe  dazu  Rev.  Myc,  1887, 
p.  102.  Ist  kein  Pilz,  sondern  besteht  aus  den  ver- 
blaßten äußersten  Schichten  des  Gewebes  der  Innen- 
seite der  Zapfenschuppen  von  Pinus  silvestris. 


770  F.  V.  Höhnel  und  V.  Li  tschau  er, 

Nr.  4421.  Corticnmi  inolle  Fr.  vav.  pellictUa  Fr.  Das  Exemplar 
im  Herbar  Barbe3^-Boissier  enthält  C.  centrifugum 
(Lev.)  Bres. 

Nr.  4422.  Stereum  ochraceo-flaviun  Schvv.  Ist  St.  ochrohuaun 

Fr.  sensu  Bresadola;  siehe  p.  782. 
Nr.  4423.  Stereum  lilaciuum  Pers.  f.  Robiniae.  Exemplare  sehr 

schlecht!  Wahrscheinlich  nur  St.  purpureum  Pers. 
Nr. 4542.  Stereum  Curtisil  Berk.   Enthält  Hymenochaete  Cttr- 

tisii  (Berk.  Ell.  et  E v). 

Nr.  5011.  Corticium  violaceo-Uvidnm  (Sommf.)  Fr.  var.  Syriti- 
gae  Karst.  Enthält  Peniophora  cinerea  (Fr.)  Cke. 

Nr.  5012.  Corticium  laeve  Fr.  f.  lactescens.  Enthält  C.  seruui 
Pers.  (Kaum  etwas  anderes.) 

Nr.  5405.  Corticium  polygonium  Pers.  f.  Abietis pectiiiatae.  Der 
Pilz  ist  tatsächlich  diese  Art;  das  Substrat  aber  nicht 
Abies-Rinde,  sondern  Pappel  rinde.  Der  Pilz  kommt 
nur  auf  Pop ulus  sp.  vor. 

'Nv.  5507.  Stereum  sauguinoleutum  (Alb.  et  Schw.)  Fr.  var. 
rigeiis  Karst.  Enthält  nur  St.  sanguinoleiitum  (Alb. 
et  Schw.)  Fr.  und  nicht  St.  rigens  Karst. 

Nr.  5509.  Corticiuin  sulphureum  Fr.  Enthält  ein  Stroma  von 
Hypocrea  citrina  Pers. 

Nr.  5801.  Corticium  comedens  (Nees)  Fr.  Enthält  nicht  diesen 
Pilz,  sondern  ein  Gloeocystidium,  wahrscheinlich  Gl. 
luridum  (Bres.)  v.  H.  et  L.  Der  Pilz  des  Exsikkates 
besitzt  zylindrische,  auf  einer  Seite  abgeflachte,  nach 
unten  zugespitzte,  farblose,  glatte,  8  bis  12:4  bis 
G  jj.  große  Sporen  mit  gleichmäßigem  Inhalt,  keulen- 
förmige 5  bis  7  [X  breite  Basidien  mit  4  Sterigmen, 
3  jj.  dicke,  farblose  verklebte  Hyphen  und  lang  spin- 
delförmige, 4  bis  8  [X  breite,  mit  einem  fast  körnigen 
Inhalt  erfüllte,  vom  Grunde  des  Pilzes  bis  zur  Ober- 
fläche des  Hymeniums  reichende  Gloeocystiden. 
Bresadola  gibt  in  der  Diagnose  seines  Pilzes,  Fungi 
Trid.,  II,  p.  61,  die  Sporen  größer,  10  bis  17  : 6  bis  8  |a 
und  die  Breite  der  Basidien  mit  9  bis  12  [x  an;  allein 
ein  von  ihm  als  Corticium  luridum  Bres.  bestimmter 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  '''1' 

Pilz  zeigt  vorwiegend  kleinere  Sporen  und  schmälere 
Basidien. 

iiv. 6393.  Stereum    lilacmnm   Pers.   Ist  5/.  purpureum   Pers. 

^v.QM^.  Hymenochaete  Boltonii  (Sacc.)  Cke.  Das  Exemplar 
des  Exsikkates  im  Herbar  Barbey-Boissier  zeigt 
Corticium  serum  Pers. 

Nr.  6549.  Hymenochaete  tabacinaF  a.t.  Das  Exemplar  des  Exsik- 
kates im  Herbar  Barbey-Boissier  enthält  nicht 
diese  Art,  sondern  eine  Peniophoral  Exemplar  sehr 
schlecht.  Nicht  sicher  bestimmbar.  Wahrscheinlich 
P.  cinerea  (Fr.)  Cke. 

Nr. 69 11.  Corticium  cinereuin  Fr.  f.  Rohiiiiae.  Das  Exemplar  im 
Herbar  Barbey-Boissier  eu\.h'd.\i  Peniophora  caesia 
(Bres.)  V.  H.  et  L. 

Nr.  7011.  Corticium  calceum  Fr.  f.  sericea;  enthält  Peniophora 
glehuJosa  (Fr.)  Sacc. 

16.  A.  Libert,  Plantes  Crypt.  Arduennae. 

Nr.  20.     Thelephora    laevis    Pers.    Enthält    kaum    diese    Art! 

Exemplar  zu  dürftig,  um  sicher  bestimmt  zu  werden. 
Nr.    323.  Fase.  IV  (1837).  Thelephora  Rubi  (mit  Diagnose)  = 

Aleurodiscus  aurantius  (Pers.)  Schrot. 

17.  P.  A.  Saccardo,  Mycotheca  Veneta. 

Nr.  403.  Corticium  incarnatum  Pers.  Enthält  Peniophora  caesia 
Bres. 

Nr.  407.  Corticium  poJygonium  Pers.  f.  Rohiniae  Pseudacaciae. 
Enthält  eine  Sehacina!  Wahrscheinlich  eine  zarte 
Form  von  S.  incrustans  (Pers.)  Tul. 

Nr. 408.  Corticium  granulattim  (Bon.)  Sacc.  Das  Exemplar 
des  Exsikkates  im  Berliner  Herbar  enthält  Sehacina 
incrustans  {Pers.)  Tul.  (Siehe  dazu  diese  Sitzungs- 
berichte, Bd.  CXV,  1906,  Math.-naturw.  Klasse,  Abt.  I, 
■p.  1587.) 

18.  Dr.  Marcucci,  Un  itin.  crypt.  1866. 

Nr.    72.    B.  Stereum  disciforme  Fr.  var.  compactum  Pers.  Ent- 
hält Pen  iophoi'-a  Roumeguerii  Bres. 
Nr.    78.    Stereum  hirsntum  W  i  1 1  d.  Enthält  nichts  Bestimmbares. 


7  72 


F.  V.  Höhne  1  und  V.  Li  tschau  er. 


19.  DeNotaris,  Erbario  Crittogamico  Italiano. 

Nr. 675  II.  Ser.  Stereum  sanguinoleiitmn  Alb.  et  Schw. 
Das  Exemplar  des  Exsikkates  im  Herbar  Barbey- 
Boissier  enthält  kaum  diese  Art.  Der  Pilz  ist  ganz  alt 
und  schlecht;  daher  unbestimmbar. 

20.  H.  W.  Ravenel,  Fungi  Americani  Exsiccati. 

Nr.  126.  Corticnmi  calcetimFv.  Enthält  nicht  Sehacina  calcea 
Fr.  Bres.,  sondern  ein  ganz  altes,  steriles  Corticium. 

Nr.219.  Stereum  subpileattim  Berk.  et  Curt.  Diese  Art  hat 
Lloydella  subpileata  (Berk.  et  Curt.)  v.  H.  et  L.  zu 
heißen. 

Nr.  222.  Stereum  Curtisii  (Berk.)  v.  H.  et  L.  Ist  eine  Hymeito- 
chaetel  Hat  H.  Curtisii  (Berk.)  Ell.  et  Ev.  zu  heißen. 
Die  Setulae  sind  sehr  locker  angeordnet  und  leicht 
zu  übersehen.  Sie  sind  ungefähr  30  bis  50  [x  lang,  bis 
40  fx  hervorragend  und  6  bis  8  [x  breit.  Auch  bei  den 
Exemplaren  dieses  Exsikkates  konnten  keine  Sporen 
gefunden  werden. 

Nr.  226.  Corticium  flavido-alhum  Cke.  Enthält  Peniophora 
pubera  (Fr.)  Sacc. 

Nr. 448.  Stereum  compUcatum  Fr.  Das  Exemplar  des  Exsik- 
kates im  Berliner  Herbar  enthält  nichts  Bestimmbares. 

Nr. 449.  Stereum  albo-badium  Schw.  Diese  Art  ist  eine  Z/oj/- 
della.  Hat  LI.  albo-badia  (Schw.)  v.  H.  et  L.  zu 
heißen. 

Nr.  454.  Corticium  ochraceum  Fr.  Enthält  Peniophora  nuda 
(Fr.)  Bres. 

Nr.  457.  Corticium  epiphylhmi  Pers.  Der  Pilz  des  Exemplares 
des  Exsikkates  aus  dem  Berliner  Herbar  enthält 
eine  sehr  eigentümliche  Corticiee.  Er  ist,  was  die 
Struktur  betrifft,  den  Vertretern  der  Gattung  Astero- 
stroma Mass.,  Monogr.  of  the  Theleph.,  p.  92,  nicht 
unähnlich;  so  wie  bei  diesen  bilden  auch  hier  die 
Cystiden  eine  Art  Filz,  durch  welchen  die  locker 
verteilten  Basidien  weit  hervorragen.  Nur  sind  dort 
die  Cystiden  sternförmig  und  braun  oder  gelb 
gefärbt     und     dabei     in     einer    horizontalen    Ebene 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen. 


773 


angeordnet,  während  sie  hier  farblos  sind  und 
eine  baumartige  Verzweigung  aufweisen.  (Siehe 
dazu  die  Figur.)  Der  Pilz  ist  also,  obwohl  er  eine 
unzweifelhafte  Verwandtschaft  mit  den  Arten  der 
Gattung  Asterostroiua  erkennen  läßt,  hinlänglich 
scharf  von  diesen  geschieden,  um  die  Aufstellung 
einer  eigenen  Gattung  zu  rechtfertigen.  Er  sei  daher: 
Asterostromella  epiphylla  (Pers?)  v.  H.  et  L. 
genannt.  Ob  dieser  Pilz  mit  dem  Corticmm  epiphyl- 
lum  Pers.  Mycologia  europ.,  I,  p.  84,  identisch 
ist,  kann  wohl  kaum   mehr  festgestellt  werden. 


Fig.  3.  Asterostromelhi  epiphylla  (Pers?)   v.  H.  et  L. 
a  und  c  Zwei  Basidien  des  Pilzes  (Vergr.  ^"^'^j-^. 
b  Eine  Anzahl  Sporen  desselben  (Vergr.  iioo'j). 
d  7jWq\  baumartig  verzweigte  Cystiden  (Vergr.  ^loo/^). 


Bemerkung;  Pilz  ausgebreitet,  sehr  zart,  dünn- 
häutig, dem  Substrate  fest  anhaftend,  am  Rande  gleich- 
artig oder  etwas  mehlig,  von  schmutzigweißer  bis 
cremegelber  Färbung.  Hymenium  glatt,  im  Alter 
etwas  zerrissen,  nicht  geschlossen,  aus  Basidien  und 
eigentümlichen,  mehr  oder  weniger  geweih-  bis  baum- 
artig verzweigten  Cystiden  bestehend.  Basidien  zylin- 
drisch oder  schwach  keulenförmig,  20  bis  24  [x  lang, 
6  bis  8  \y  breit,   sehr   locker  angeordnet,  meist   weit 


/74  F.  V.  Höhnel  und  V.  Litschauer, 

Über  die  Cystiden  hervorragend.  Sterigmen  2  bis  4, 
pfriemenförinig,  gerade,  5  bis  7  [x  lang.  Sporen  lang 
keulenförmig  oder  lang  spindelförmig,  manchmal  fast 
etwas  gekrümmt,  10  bis  22[J^  lang,  1  -5  bis  3  [x  breit, 
farblos,  glatt,  mit  gleichmäßigem  oder  körnigem 
Inhalt;  selten  einige  Öltröpfchen  bergend.  Cystiden 
sehr    dichtstehend,    farblos,    glatt;    Hauptäste    etwa 

1  bis   1'5  [X  dick.   Hyphen  farblos,   glatt,   zartwandig, 

2  |x  dick,  ohne  Schnallen;  sehr  unregelmäßig. 

Auf  totem  Laub.  Ai'ken,  Süd-Carolina.  Nordmerika. 
Massee  hat  auf  Grund  des  Pilzes  des  vorliegenden 
Exsikkates  ebenfalls  eine  eigene  Art  Peniophora 
phyllophila  Mass.,  Monogr.  of  the  Theleph.,  p.  88,  auf- 
gestellt. Er  spricht  in  seiner  Diagnose  derselben  von 
spindeligen  oder  zylindrisch  keuligen  60  bis  80:20 
bis  30  [J<  großen  Cystiden  und  ellipsoidischen  12x6  [x 
großen  Sporen. 

Die  einzelnen  Exemplare  des  Exsikkates  scheinen 
nach  dieser  Massee'schen  Angabe  wahrscheinlich 
verschiedene  Pilze  zu  enthalten. 

21.  H.  W.  Ravenel,  Fungi  Caroliniani. 

Nr.  15.  Corticiimt  calcetim  Fr.  enthält  nicht  diese  Art.  Der 
Pilz  ist  entweder  Stercum  odorahim  Fr.  oder  St.por- 
tentosiim  (Berk.)  v.  H.  et  L.  Die  Art  ist  nicht  sicher 
zu  bestimmen,  weil  keine  Sporen  vorhanden  sind. 

Nr.  24.  Corticnim  epichloruin  Berk.  et  Curt.!  Das  Exemplar 
des  Exsikkates  im  Herbar  Barbey-Boissier  ent- 
hält nur  ein  etwas  helleres  Exemplar  von  Hymeno- 
chaete  corrugata  (Fr.)  Lev. 

Nr.  25,  Corticimn  sinmlaiis  Berk.  et  Broome!  Enthält  eine 
Hymenochaete  sp.,  welche  H.  simtUans  (Berk.  et 
Broome)  v.  H.  et  L.  zu  heißen  hat,  falls  das  Original- 
exemplar von  C.  sinmlans  Berk.  et  Broome,  die 
Nr.  3969  im  Herbar  Berkeley,  mit  dem  Pilz  des 
Exsikkates  identisch  ist.  Die  Diagnose  des  letzteren 
Pilzes  stimmt  sehr  gut  auf  ersteren.  Mit  diesem  iden- 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  7/5 

tisch     ist   auch   der   Pilz    des    Thümen-Exsikkates, 
Myc.  universalis  Nr.  512. 

Im  folgenden  sei  eine  ausführhche  Beschreibung 
des  Pilzes  versucht. 

Hynienochaetesiniulans(Berk.  et  Broome)v.  H.  et  L. 

Syn.   Corticitim  simnlans  Berk.  et  Broome  in  Journ.  Linn.  Soc. 

(Bot.),  XIV,  p.  72  (Ce3flon  Fungi,  Nr.  439).  Massee,  Monogr. 

of  theTheleph.,  p.  128;  Saccardo,  Syll.,  VI,  p.  622. 
Exs.   Ravenel,  Fungi  Caroliniani  Nr.  25. 

Ravenel,  Fungi  Ainericani  Nr.  10  (non  vidi). 

Thümen,  Mycoth.  universalis  Nr.  512. 

Pilz  ausgebreitet,  filzig  häutig,  dem  Substrate  locker 
anhaftend,  am  Rande  gleichartig,  von  lövvengelber  bis 
gelbbrauner  Farbe.  Hymenium  geschlossen,  fast  glatt. 
Basidien  keulenförmig,  meist  jedoch  nach  oben  etwas 
verschmälert,  10  bis  12  {x  lang,  4  bis  6  [x  breit.  Ste- 
rigmen  4,  pfriemenförmig,  gerade,  2  bis  3  [x  lang. 
Sporen  ellipsoidisch,  an  einer  Seite  etwas  abgeflacht, 
farblos,  glatt,  zartwandig,  mit  gleichmäßigem  Inhalt, 
7  bis  8  [X  lang,  3  bis  4  jj.  breit.  Setulae  sehr  locker 
angeordnet,  scharfspitzig,  glatt,  ziemlich  derbwandig, 
von  gelbbrauner  Farbe,  30  bis  70  [x  lang,  6  bis  8  jx 
breit.  Hyphen  sehr  unregelmäßig,  glatt,  zartvvandig, 
von  gelbbrauner  Farbe,  ohne  Schnallen,  3  bis  4  [x  dick. 

An  der  Rinde  von  Vaccinhun  arhorciim  und  auf 
Moosen. 

Ceylon  und  Nordamerika. 

Hymenochaete  smmlans  Ell.  et  Ev.  in  EUis  et 
Ev  er  hart.  North  Americ.  Fung.  Nr.  2904,  11.  Serie, 
ist  ein  anderer  Pilz,  und  zwar  wie  die  Untersuchung 
des  Originalexemplares  gelehrt  hat,  Lloydella  CkaiUetii 
(Pers.)  Bres. 

Massee  führt  1.  c.  p.  119  wahrscheinlich  irrtüm- 
licherweise die  obengenannten  Exsikkate  auch  bei 
Corticium  cpichloruin  Berk.  et  Curt.  an. 

Dieser  Pilz  scheint,  nach  der  Diagnose  zu  schließen, 
nur  eine  Form  von  Hymenochaete  comigata  (Fries) 


^'Ö  F.  V.  Höhne  1  und  V.  Lit  schau  er, 

Lev.  zu  sein.  Tatsächlich  enthält  auch  das  Exsikkat, 
Ravenel,  Fungi  Caroliniani  Nr.  24,  Corticium  epi- 
chlornm  Berk.  et  Curt!  leg.  et  det.  Peters  ein  etwas 
helleres  Exemplar  der  ersteren  Art. 
Nr.  26.  Stereiitn  Curtisii  B  e  r  k.  ist  eine  Hymenochaete  und  hat 
Hymenochaete  Curtisii  (Berk.)  Ell.  et  Ev.  zu  heißen. 
(Setulae  locker  angeordnet,  6  bis  8  [x  dick,  30  bis 
50  [X  lang,  bis  40  [j,  hervorragend.  Sporen  konnten 
keine  gefunden  werden!) 

Nr.  27.  Corticium  crocicreas  Berk.  et  Curt.  Der  Pilz  des 
Exsikkates  dürfte  in  der  Tat  die  vorstehende  Art 
sein  ;  die  Diagnose  derselben  paßt  wenigstens  ganz 
gut  auf  ihn  und  Massee  (siehe  Monogr.  of  the 
Theleph.,  p.  151),  der  wahrscheinlich  das  Original- 
exemplar derselben  im  Herbar  Berkeley  untersucht 
hat,  führt  bei  ihr  das  vorstehende  Exsikkat  an. 
Da  die  Beschreibungen  des  Pilzes  sowohl  im 
I.  Bande  der  Grevillea,  p.  178,  als  bei  Massee,  1.  c, 
vollkommen  unzureichend  sind,  sei  im  folgenden 
eine  ausführliche  Diagnose  desselben  gegeben. 

Corticium  crocicreas  Berk.  et  Curt  Grev.,  I, 
p.  174;  iMassee,  A4onogr.  of  the  Theleph.,  p.  151; 
Saccardo,  Syll.,  VI,  p.  616. 

Exs.  Ravenel,  Fungi  Carolin.  Nr.  27. 

Pilz  ausgebreitet,  dem  Substrate  fest  anhaftend, 
dünn  lederartig,  0-3  bis  ü-4  mm  dick,  mit  gleichartigem 
Rande,  von  lebhaft  safrangelber  Färbung.  Hymenium 
geschlossen,  dünn,  glatt;  trocken  zerrissen,  gelb  bis 
mehr  oder  weniger  gelbbraun,  Basidien  keulenförmig, 
5  bis  6  [j.  breit;  Sterigmen  4,  pfriemenförmig,  gerade, 
3  bis  4  [j.  lang;  Sporen  zylindrisch,  4  bis  6  [x  lang  und 
1-5  bis  2-5  [X  breit,  farblos,  glatt  mit  gleichmäßigem 
Inhalt.  Hyphen  sehr  undeutlich,  stark  verklebt,  farb- 
los, glatt,  2  [X  dick.  Gewebe  des  Pilzes  zwischen  den 
Hyphen  ganz  mit  gelben  körnigen  Massen  erfüllt;  Pilz 
beim  Betupfen   mit  Alkalien  lebhaft  blutrot  werdend. 

An  morschem  Holz.  Nordamerika. 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  777 

An  Weinstöcken  in  Alabama  (Peters);  auf  mor- 
schem Liquidambar-Holz  in  Carolina  (Ravenel). 

Die  blutrote  Färbung,  welche  am  Pilze  auftritt, 
wenn  man  denselben  mit  Alkalien  betupft,  wird  durch 
die  gelben  körnigen  Massen  verursacht,  welche  das 
Gewebe  des  Pilzes  erfüllen  und  einen  Farbstoff  vor- 
stellen, der  sich  in  alkalischen  Flüssigkeiten  mit 
blutroter  Färbung  löst.  Salzsäure  löscht  die  blutrote 
Färbung  des  Pilzes  mit  Alkalien  oder  Ammoniak 
wieder  aus.  Der  Farbstoff  scheint  also  ein  Flavon- 
farbstoff,  und  zwar  mit  jenem  des  Gelbholzes  von 
Rhus  Cotiniis  verwandt  zu  sein. 

Ellis  et  Everhart,  North  American  Fungi  II.  Serie, 
Nr.  2021,  enthält  nicht,  wie  angegeben,  Corticmm 
crocicreas  Berk.  et  Gurt.,  sondern  ein  anderes 
echtes  Corticinm.  (Sporen  lang  ellipsoidisch,  5  «  2  [x 
groß,  farblos,  glatt.  Hyphen  unregelmäßig,  zartwandig, 
glatt,  farblos,  2  bis  3  [j.  dick.)  Das  Exemplar  im  Herbar 
Barbey-Boissier  ist  zu  dürftig,  um  genau  be- 
stimmt werden  zu  können. 

Nr.  28.  Corticimn  Petersü  Berk.  et  Gurt.!  Alabama,  auf 
bloßer  Erde,  leg.  Peters;  der  Pilz  zeigt  keine  Sporen! 
Die  3  bis  4  [x  dicken  Hyphen  sind  farblos,  glatt  und 
stark  inkrustiert. 

Nr.  29.  Stereiim  alho-badium  Fr.  Ist  eine  Lloydella!  Hat 
L.  alho-hadia  (Schw.)  v.  H.  et  L.  zu  heißen. 

Nr.  30.  Corticmm  Martiamtm  Berk.  et  Gurt.!  Enthält  ein 
etwas  älteres  Exemplar  von  Kneifßa  serialis  (Fr.) 
Bres.  =  Peniophora  serialis  (Fr.)  v.  H.  et  L.  Sporen 
fehlen!  Aber  nach  Aussehen,  Bau  und  Form  der 
Gystiden  stimmt  der  Pilz  vollkommen  überein  mit 
dem  Exemplar  von  Kneifßa  serialis  (Fr.)  Bres.  in 
Sydow,  Myc.  germ.  Nr.  1. 

Nr.  30.  Stereiim  stibpileattim  Berk.  et  Gurt.  Ist  eine  Lloydella 
und  hat  L.  siihpileata  (Berk.  et  Gurt.)  v.  H.  et  L.  zu 
heißen.  (Damit  identisch  sind:  St.  itisigiie  Bres.  und 
Hymenochaete  tjihodensis  P.  Henn.) 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  KL;  CXVI.  Bd.,  Abt.  1.  51 


778  F.  V.  Höhn  el  und  V.  Li  tschau  er, 

Nr.  31.  Corticium  diinintiens  Bevk.  et  Cuvt.l  Enthält  einen 
Pilz,  der  habituell  und  mikroskopisch  mit  Sterenm 
porteiitosiim  (Berk.)  v.  H.  etL.  übereinstimmt.  Sporen 
sind  nicht  vorhanden. 

Nr.  32.  SteretLtn  candiduni  Fr.  =  Thelephora  Candida  Schw. 
Das  Exsikkat  im  Herbar  Barbey-Boissier  enthält 
einen  Pilz,  der  sowohl  dem  Aussehen  nach  als  auch 
mikroskopisch  etwas  an  Alenrodiscus  disciformis 
(D  C.)  Pat.  erinnert,  tatsächlich  aber  davon  ver- 
schieden ist. 

Der  Pilz  ist  stark  mit  Kristallen  von  oxalsauremKalk 
inkrustiert.  An  Querschnitten,  aus  welchen  man  durch 
Erwärmen  mit  verdünnter  Salzsäure  die  Inkrustierung 
weggelöst  hat,  kann  man  beobachten,  daß  das  ganze 
Gewebe  des  Pilzes  von  dicht  nebeneinander  stehenden, 
dick  keulenförmigen  Schläuchen  durchsetzt  ist,  welche 
15  bis  20  [A  breit  sind  und  einen  gelben,  öligharzigen 
Inhalt  führen.  Basidien  mit  Sterigmen  konnten  keine 
gefunden  werden,  wohl  aber  sind  zahlreiche  Sporen 
zu  beobachten,  welche  oval  oder  breit  ellipsoidisch 
sind  und  12  bis  18[x  in  der  Länge  und  9  bis  12  [j.  in 
der  Breite  messen.  .Sie  sind  farblos,  zartwandig,  glatt 
und  besitzen  einen  feinkörnigen  Inhalt.  Die  Hyphen 
des  Pilzes  sind  stark  verklebt,  daher  undeutlich. 

Der  Pilz  des  Exsikkates  stimmt  ganz  gut  auf  die 
Beschreibung  von  Sterenm  candiduni  (Schw.)  Fr. 
(siehe  dazu  Schweinitz,  .Syn.  Car.,  Nr.  1069;  Fries, 
Epicrisis,  p.  552;  Saccardo,  S3il.,  VI,  p.  585).  Da- 
gegen stimmt  die  Größe  der  Sporen  nicht  mit  der 
entsprechenden  Angabe  in  Massee's  Monograph. 
of  the  Theleph.,  p.  200,  welcher  dieselben  als  6:4[i, 
groß  bezeichnet.  Das  Exsikkat  Ellis  et  Everhart, 
Fungi  Columb.,  Nr.  605,  Sterenm  candidimi  Schw. 
enthält  denselben  Pilz  wie  das  Ravenel'sche  Exsikkat. 
Auch  der  Pilz  des  Exsikkates  Ellis  et  Everhart, 
North  American  Fungi,  Nr.  3208,  II.  Serie,  St.  aceri- 
nnni  Pers.  dürfte  damit  identisch  sein.  Dagegen  ist 
der  Pilz  in  Ellis,    North  American  Fungi  Nr.  1206, 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen. 


779 


St.  candidum  Schvv.  kaum  etwas  anderes  als  ein 
steriles  Exemplar  von  Aleiirodiscus  acerimis  (Pers.) 
V.  H.  et  L. 

Nr.  33.  Corticium  ocJiroleuctim  F  r.  Enthält  Lloydella  Karstenii 
(Bres.)  V.  H.  et  L. 

Nr.  34.  Corticium  viticola  Fr.  =  Thelephora  viticola  Schw. 
Der  Pilz  des  Exsikkates  scheint  tatsächlich  diese  Art 
zu  sein.  Massee,  welcher  Exemplare  derselben  von 
Seh vveinitz,  die  im  Herbar  Berkeley  liegen  (siehe 


Fig.  4.  Peniophora  viticola  (Schw.)  v.  H.  et  L. 
a  Ein  Querschnitt  durch  das  Hymenium  des  Pilzes  (Vergr.    ^^^j^). 
b  Fünf  Sporen  desselben  (Vergr.  2000/^). 

Monogr.  of  the  Theleph.,  p.  147),  untersucht  hat, 
führt  am  Schlüsse  der  Diagnose  von  Corticium  viti- 
cola Fr.  vorliegendes  Exsikkat  an,  was  wohl  zur  An- 
nahme berechtigt,  daß  er  den  Pilz  des  Exsikkates 
identisch  mit  den  oben  erwähnten  Originalexemplaren 
gefunden  hat.  Der  Pilz  des  Exsikkates  (untersucht 
wurde  das  Exemplar  im  Herbeir  Barbey-ßoissier) 
zeigt  aber  Cystiden!  Es  muß  daher  C  viticola  Fr., 
Peniophora  viticola  (Schw.)  v.  H.  et  L.  heißen.  Im 
folgenden  sei  eine  ausführliche  Beschreibung  des 
Pilzes  gegeben. 


51* 


780  F.  V.  Höhnel  und  V.  Li  tschau  er, 

Peniophora  viticola  (Schvv.)  v.  H.  et  L. 

Syn.:  TheJepliora  viticola  Schw.,  Car.  Syn.,  Nr.  1037.  Syn.  North 
Americ.  Fung.,  p.  691;  Fries,  Elenchus  Fung.,  I,  p.  205. 
Coi'ticinin  viticola  Fr.,  Epicrisis,  I,  p.  561  ;  Massee,  Monogr. 
of  theTheleph.,  p.  147;  Saccardo,  Syll.,  VI,  p.  617;  Carlo 
Bagnis,  Mycologia  Romana.  Cent.,  II,  p.  5  (Nr.  120)  in  Reale 
Academia  dei  Lincei.  (1877  bis  1878.) 

Exs. :  Ravenel,  Fungi  Caroliniani,  Nr.  34. 

Pilz  ausgebreitet,  filzig  bis  häutig,  dem  Substrate 
locker  anhaftend,  am  Rande  radialfaserig.  Gewebe  des 
Pilzes  von  orangeroter  Farbe;  diese  gegen  den  Rand 
zumehr  ins  Gelbe  übergehend.  Hymenium  geschlossen, 
sehr  dünn,  hautartig,  leicht  zerbrechlich,  glatt;  frisch 
lebhaft  orange,  fast  rot,  später  schmutziggelb  bis  gelb- 
grün gefärbt.  Basidien  keulenförmig,  7  bis  9  [x  breit; 
Sterigmen  4,  kurz,  nur  2  bis  3  [x  lang,  dick  und 
abgestutzt.  Sporen  ellipsoidisch,  an  einer  Seite  abge- 
flacht, nach  unten  verschmälert,  mit  seitlichem  Spitz- 
chen; 7  bis  11  |A  lang  und  4  bis  6  [i  breit.  Membran 
zart,  farblos  und  glatt;  Inhalt  gleichmäßig,  Cystiden 
zylindrisch,  nach  oben  meist  etwas  breiter  werdend, 
am  Scheitel  stumpf  abgerundet,  mäßig  derbwandig, 
glatt,  manchmal  septiert,  zum  Teil  mit  einem  hyalinen 
bis  schwach  gelblichen  Inhalt  erfüllt;  25  bis  60  \i  über 
das  Hymenium  hervorragend,  7  bis  10  [x  breit. 
Hyphen  ziemlich  unregelmäßig  verzweigt,  farblos, 
mäßig  dünnwandig,  2  bis  4  [x  dick,  ohne  Schnallen, 
von  kleinen  gelbroten  Körnchen  rauh;  Gewebe  des 
Pilzes  mit  körnigen,  gelbroten  Massen  erfüllt. 

An  Weinstöcken. 

Vereinigte  Staaten  von  Nordamerika  und  nach 
Bagnis  auch  in  Italien. 

Um  die  Struktur  des  Pilzes  genau  studieren  zu 
können,  muß  man  die  gelbroten  Massen,  welche  das 
Gewebe  des  Pilzes  ganz  erfüllen,  durch  Erwärmen 
mit  Kali-  oder  Natronlauge  entfernen.  Diese  gelbroten 
Massen  repräsentieren  einen  Farbstoff,  der  sich  in 
Alkali  mit  gelber  Farbe  löst  und  von  derselben  Natur 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen. 


11 


Nr.  36. 


Nr.  37. 


Nr.  39. 


Nr.  264. 


zu  sein  scheint,  wie  der  Farbstoff  bei  TomenteJJa 
ptmicea  (Alb.  et  Schw.)  v.  H.  et  L. 
Steretun  papyrimnn  Mont.  Enthält  Lloydella  scabri- 
seta  (Cke.)  v.  H.  etL.  rr  P.pnrpiirea  (Curt.  et  Mont.) 
V.  H.  et  L.  Stimmt  vollständig  überein  mit  den  Exem- 
plaren dieses  Pilzes  in  Ellis,  North  American  Fungi, 
Nr.  1108,  und  Rabenhorst-Winter,  Fungi  europ., 
Nr.  3524. 

Stereum  acerinum  Fers.,  enthält Aleurodisats nivostts 
(Berk.  et  Curt.)  v.  H.  et  L. 

Corticmm  laeve  Pers.   Enthält  Peutophora  Rouine- 
guerii  Bres.   (siehe   Fungi   polonici,   p.    102).   =   P. 
Ravenelü  Cke.  =r  C.  Auberianum  Rav.? 
Corticiuni  prasimim  Berk.  et  Curt! 

Der  Pilz  des  Exsikkates  besitzt  grau- 
grüne Sporen;  kann  höchstens  als  eine 
ConJophora  angesehen  werden.  Die  Dia- 
gnose von  Corticium  prasimmt  Berk.  et 
Curt.  (Grev.,  I,  p.  179;  Massee,  Monogr. 
of  the  Theleph.,  p.  153;  Saccardo,  Syll., 
VI,  p.619)  stimmt  ganz  gut  auf  denselben. 
Fig.  5.  Coniophora  Auch  ist  dem  Namen  des  Pilzes  auf  dem 
prasina  (Berk.  et  Curt.)    ßxsikkat  ein  Ausrufzeichen  beigefügt,  was 

V.  H.  et  L.    Zwei  Sporen  ,  i      ■,•     tj      i-^-j.    j        i:'       -r  t     i.    -i 

,     ^.,       ,.,        „on«,  ^  wohl   die  Identität  des  Exsikkatpilzes  mit 

des  Pilzes.  (Vergr.  -*'^"'i-) 

dem    Originalexemplar  von    C.  prasimim 

Berk.  et  Curt.  (Nr.  4083  im  Herbar  Berkeley) 
bekräftigen  soll.  Dasselbe  hat  daher  Coniophora  pra- 
sina (Berk.  et  Curt.)  v.  H.  et  L.  zu  heißen. 

Bemerkung:  Pilz  ausgebreitet;  dünne,  spinnge- 
webeartige bis  häutige,  vom  Substrate  leicht  ablösbare, 
gelb-  oder  blaugrüne,  am  Rande  hellere  bis  manchmal 
fast  weiße,  allmählich  verlaufende,  leicht  zerbrechliche 
Überzüge  bildend.  Hymenium  geschlossen,  glatt: 
Basidien  keulenförmig,  5  bis  6  [x  breit.  Sterigmen  4, 
kurz  pfriemenförmig,  gerade,  2  bis  3  [x  lang.  Sporen 
ellipsoidisch,  unten  mit  einem  seitlichen  Spitzchen, 
5  bis  7  {1,  lang,  3  bis  4  {x  breit,  grünlich-grau,  ziemlich 
derbwandig,  glatt.  Hyphen  unregelmäßig,  farblos,  glatt, 


782  F.  V.  Höhnel  und  V.  Litschauer, 

zartvvandig,  4  bis  6  \i  dick,  ohne  Schnallen.  Gewebe 
des  Pilzes  stellenweise  mit  körnigen  grünen  Massen 
erfüllt. 

22.  Ellis,  North  American  Fungi.  (I.  Serie.) 

Nr.  15.  Steremn  alho-hadhmt  (Schw.)  Fr.  Enthält  St.  ochro- 
leuctim  Fr. 

Nr.  16.  Steremn  Curtisii  Berk.  Das  Exemplar  des  Exsikkates 
im  Herbar  Barbey-Boissier  enthält  Peniophora 
incarnata  (Pers.)  Cke. 

Nr.  17.  Steretim  oclivaceo-ßavum  Schw.  Diese  Art  ist  iden- 
tisch mit  5/.  ochroleticum  Fr. 

Nr.  19.  Steretim  striatum  Fr.  non  Schrad.  Enthält  nur  zum 
Teil  diese  Art!  (zum  Teil  St.  ochroleucum  Fr.).  5/. 
striatum  Fr.,  Epicrisis  ,p.548,  und  St.  cotnplicatimt  Fr., 
Epicrisis   1.  c,  sind    höchstwahrscheinlich    identisch. 

Nr.  20.  Cortichmi  mcarnatnm  Fr.  Enthält  nicht  diese  Art, 
sondern  wahrscheinlich  Peniophora  vehitina  (D.C.) 
V.  H.  et  L. 

Nr.  21  Corticium  fumigatum  Thüm.  Der  Pilz  ist  eine  Penio- 
phora, gehört  in  die  Cinerea-Gruppe.  Hat  zu  heißen 
P.fnmigata  (Thüm.)  v.  H.  et  L. 

Nr.  326.  Steremn  acerimini  Fr.  var.  nivosum;  enthält 
Alenrodiscus  nivosns  (Berk.  et  Curt.)  v.  H.  et  L. 

Nr.  328.    Hyuienochaete  Ellisii  Berk.  et  Cke. 

Das  Exemplar  des  Exsikkates  im  Herbar  Barbey- 
Boissier  enthält  zum  Teil  Coniophora  arida  Fr., 
zum  Teil  Coniophorella  olivacea  (Fr.)  Karst.  Das 
Exemplar  des  Berliner  Herbares  enthält  nur  erstere 
Art.  Auch  das  Exsikkat  Ellis  et  Everhart,  Fungi 
Columbiani,  Nr.  1306:  Coniophora  Ellisii  Berk.  et 
Cke.  (Exemplare  des  Berliner  Herbars  und  des 
Herbars  der  k.  k.  Technischen  Hochschule  in  Wien) 
enthält  nur  Coniophora  arida  Fr.  und  das  Exemplar 
des  Exsikkates  Ellis,  Fungi  Nova  Caesareenses, 
Nr.  10:  Hymeuochaete  Ellisii  Berk.  et  Cke.  im 
Berliner  Herbar  zeigt  ein  ganz   altes   und   schlechtes 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  1 83 

Stück  eines  Pilzes,  der  äußerlich  zwar  alten  Formen 
von  Coniopliorella  olivacea  (Fr.)  Karst,  nicht  unähn- 
lich ist,  im  Bau  der  Hyphen  jedoch  und  was  die 
Sporen  betrifft  mit  Coniopliora  arida  Fr.  ganz  gut 
übereinstimmt.  Allerdings  konnten  an  demselben, 
wenn  auch  sehr  spärlich,  cj^'stidenartige  Gebilde  be- 
obachtet werden;  jedoch  dürfte  darum  kaum  der 
Pilz  die  erstere  Art  sein. 

Bresadola  führt  in  seinen  Fungi  polonici  den 
Namen  Cotiiophora  EllisH  (Berk.  et  Gurt.)  Gke.  als 
Synonym  bei  Coniopliorella  olivacea  (Fr.)  Karst,  an, 
doch  ist  dieser  Literaturstelle  nicht  zu  entnehmen,  ob 
er  dies  auf  Grund  der  Untersuchung  eines  Exsikkates 
oder  des  Originalexemplares  dieses  Pilzes,  das  nach 
Massee  im  Herbar  Kew  erliegt,  tut;  die  Beschreibung 
von  Coniophora  Ellisii  Berk.  et  Gurt.  (Grev.,  IV, 
p.  162;  VIII,  p.  89;  Massee,  Monogr.  of  the  Teleph., 
p.  129;  Saccardo,  Syll.,  VI,  p.  648)  paßt  eher  auf 
Coniophora  arida  Fr.  als  auf  Coniophorella  olivacea 
(Fr.)  Karst.  Nur  die  genaue  Untersuchung  des 
Originalexemplares  würde  daher  entscheiden  können, 
mit  welcher  der  beiden  letzteren  Pilze  der  erstere  zu 
identifizieren  sei,  oder  beziehungsweise  auch  dartun,  ob 
derselbe  nicht  doch  eine  eigene  gute  Art  ist. 

Nr.  329.  Corticium  colliciilosnm  Berk.  et  Gurt.  Enthält  nur 
ein  schlechtes  Exemplar  wahrscheinlich  von  Radii- 
hmi  sp.  Sporen  fehlend.  Nach  Bresadola  im  Herbar 
vielleicht  Form  von  Radulum  pallidum  Berk.  et 
Gurt. 

Nr.  330.    Corticium  vagum  Berk.  et  Gurt. 

Das  Exemplar  des  Exsikkates  im  Herbar  Barbey- 
Boissier  ist  sehr  dürftig!  Sporen  wurden  bei  der 
Untersuchung  verschiedene  gefunden,  aber  für 
keine  konnte  die  Zugehörigkeit  zu  dem  Pilze  nach- 
gewiesen werden.  Auch  einige  8  bis  9  (x  große 
TomentellaSpoiren  von  hellgelber  Farbe  wurden 
beobachtet.  Nach  dem  Aussehen  und  der  Beschaffen- 
heit   der    Hyphen  kann  der  Pilz  ganz  gut  Tonientella 


784  F.  V.  Höhnel  und  V.  Litschauer, 

isahellina  (Fr.)  v.  H.  et  L.  sein.  Auch  zwei  im  Berliner 
Herbar  erliegende  Exemplare  von  Corticium  vagum 
Berk.  et  Curt.  (Aiken,  Ravenel  und  Wilmington, 
Commons)  erwiesen  sich  als  sterile  Tomentella  isa- 
hellina (Fr.)  V.  H.  et  L. 

Nr.  407.  Stereum  radiatum  Peck  (leg.  Peck).  Siehe  Peck,  26  th. 
Report  New  York  State  Mus.  (1872),  und  Massee, 
Monogr.  of  the  Theleph.,  p.  195;  Saccardo,  Syll.,  VI 
p.  571.  Der  Pilz  ist  eigentlich  als  ein  Ccrticitini  anzu- 
sehen, denn  eine  ausgesprochene  Mittelschicht  ist 
nicht  vorhanden.  Das  Gewebe  desselben  ist  ganz 
erfüllt  mit  einem  braunroten  Farbstoff,  der  in  Kali- 
lauge und  in  Milchsäure  mit  blaugrüner  Farbe  löslich 
ist.  Die  Sporen  sind  länglich,  etwas  gebogen,  unten  zu- 
gespitzt, 5  bis  7  ^2  bis  2-5  \x  groß,  farblos  und  glatt. 
Sie  besitzen  einen  gleichmäßigen  Inhalt.  Basidien  mit 
Sterigmen  konnten  nicht  gesehen  werden.  Manchmal 
lagen  die  Sporen  so,  als  wenn  sie  seitlich  schmalen 
Basidien  ansäßen  (Aiiriculariae?).  Subhymeniale 
Hyphen  2  [x,  basale  bis  5  [x  dick.  Hjq^hen  an  und  für 
sich  (nach  dem  Behandeln  mit  Kalilauge  oder  Milch- 
säure) farblos  und  glatt,  selten  etwas  gelblich,  im 
großen  und  ganzen  unregelmäßig,  dickwandig,  ohne 
Schnallen  an  den  Septen. 

Nr.  409.  Corticium  calceiim  Fr.  Enthält  sicher  nicht  Sehacina 
calcea  (Pers.)  Bres.,  sondern  ein  echtes  Corticitini! 
Dasselbe  ist  jedoch  unbestimmbar,  da  Basidien  und 
Sporen  nicht  mehr  zu  sehen  sind. 

Nr.  411,  Corticium  arachnoideum  Berk.  et  Curt.  Diese  Art 
ist  gleich  C.  ceiitrifugum  (Lev.)  Bres. 

Nr.  516.  Corticium  laeve  Fr.  Enthält  sicher  nicht  diese  Art! 
Exemplar  alt  und  steril ;  unbestimmbar. 

Nr.  518.  Corticium  incarnatum  Fr.  var.  ntaculaus.  Enthält 
Gloeocystidium  lactescens  (Berk.)  v.  H.  et  L. 

Nr.  606.  Stereum  papyrinum  Mont.  Das  Exemplar  des  Ex- 
sikkates  im  Herbar  Barbey-Boissier  enthält  Penio- 
phora  ohscura  Pers. 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen. 


785 


Nr.  607.  Corticium  inolle  Berk.  et  Curt.,  Cuban  Fungi,  Nr.  446. 
Diese  Art  ist  identisch  mit  C.  ceraceum  Berk.  et  Rav. 
(siehe  Massee,  Monogr.  of  the  Theleph.,  p.  150).  Der 
Pilz  des  Exsikkates  stimmt  tatsächlich  auch  voll- 
kommen überein  mit  den  Exemplaren  der  letzteren 
Art  in  Ravenel,  Fungi  Car,  Nr.  29,  und  Ravenel, 
Fungi  Americ,  Nr.  453;  Saccardo  hat  den  Pilz  in 
seiner  Syll.  Fung..  Bd.  VI,  p.  637,  C.  armeniacunt 
genannt,  da  er  höchstwahrscheinlich  die  Idendität 
desselben  mit  C  ceraceum  Berk.  et  Curt.  nicht 
kannte,  der  Name  »molle«  aber  bereits  früher  von 
Fries  für  eine  andere  Art  dieser  Gattung  verausgabt 
worden  war.  Da  die  bisher  vorliegenden  Diagnosen 
des  Pilzes  zu  seiner  sicheren  Erkennung  kaum  aus- 
reichen dürften,  sei  im  folgenden  eine  an  der  Hand 
des  vorliegenden  Exsikkatexemplares  entworfene 
ausführlichere  Beschreibung  desselben  gegeben. 


Corticium  ceraceum  Berk.  et  Rav. 

Massee,  Alonogr.  of  the  Theleph.,  p.  150. 
Syn. :  Corticinin  molle  Berk.  et  Curt.  Cuban  Fungi, 
Nr.  446. 
Corticium    armeitiacttm    Sacc.,     Syll.,    VI, 
p.  637. 
Exs.:  Ravenel,  Fungi  Car.,  Nr.  29. 

Ravenel,  Fungi  Amer.,  Nr.  453. 
Ellis,  North  Am.  Fungi,  Nr.  607. 

Pilz  weit  ausgebreitet,  dem  Substrate 
fest   anhaftend,   frisch  fleischig,    trocken 
häutig;  Rand  deutlich,  im  Alter  zum  Teil 
abgehoben    bis  eingebogen.    Hymenium 
Fig.  6.  Cort/W»«.  rt'/m-n/wz  geschlossen,     anfangs  fast    wachsartig, 
später   hornig,   glatt,  bereift,    aprikosen- 
farbig (^«a/^w^'?//««»«^),  gegen  den  Rand  zu 
lichter.    Pilz    unterseits    schmutzigweiß. 
Basidien   dick    keulenförmig    bis    zylin- 
drisch, ungefähr  30  [j.  lang  und  8  bis  11  [x 
breit.  Sterigmen  4,  dick  pfriemenförmig,  gebogen,    10 
bis    14  [j.  lang  und  1   5  bis  3  (j.  breit.   Sporen   länglich 


600 


(Berk.  et  Rav.)  Mass 

a   Eine  Basidie  des  Pilzes. 
(Vergr.  eoo/^.) 

h    Sechs  Sporen  desselben. 
(Vergr.  750/^.) 


''ob  F.  V.  Höhnel  und  V.  Litschauer, 

ellipsoidisch  bis  zylindrisch,  auf  einer  Seite  etwas 
abgeflacht,  nach  unien  oft  etwas  verschmälert,  meist 
mit  einem  deutlichen  Spitzchen,  10  bis  17  [x  lang  und 
4  bis  7  [x  breit,  zartwandig,  farblos  und  glatt.  Inhalt  mit 
meist  mehreren  Öltröpfchen.  Gewebe  des  Pilzes, 
besonders  das  basale,  sehr  dicht;  Hyphen  sehr  un- 
regelmäßig verzweigt,  farblos,  glatt,  mäßig  derbwandig 
3  bis  4  ;j.  dick,  mit  Schnallen  an  den  Septen. 

An  Rinde  und  Holz.   Vereinigte  Staaten  von  Nord- 
amerika und  Cuba. 

Nr.  608.  Corticitim  echinosporum  Ell.  Ist  nach  Bresadola, 
Fungi  polonici,  p.  107,  Tomentella  pellictila  (Fr.), 
V.  H.  et  L. 

Nr.  610.  Corticium  cineremii  Fr.  Enthält  nichts  Bestimmbares. 
Der  Pilz  ist  sicher  nicht  Peniophora cinerea  (Fr.)  Cke. 

Nr.  716.  Corticium  glabriim  Berk.  et  Curt.  Soll  nach  Bresa- 
dola,  Fungi  polonici,  p.  101,  Peniophora carnea  (Berk. 
et  Curt.)  Cke.  enthalten.  Das  Exemplar  dieses  Exsik- 
kates  im  Herbar  Barbey-Boissier  enthält  aber 
einen  Pilz,  der  keine  Spur  von  Cystiden  zeigt  und 
zylindrische  Sporen  aufweist,  welche  8  bis  1 1  :=:2  bis  3  [x 
groß  sind,  während  nach  Mas'see,  Monogr.  of  the 
Theleph.,  p.  151,  die  Sporen  von  P.  carnea  (Berk.  et 
Curt.)  Cke.  6  [x  lang  und  4  [x  breit  sind.  Der  Pilz  des 
Exsikkates  ist  dem  Aussehen  nach  sowie  mikrosko- 
pisch dem  C.  laeue  Pers.  nicht  unähnlich,  aber  durch 
die  Form  der  Sporen  (diese  sind  bei  letzterer  Art  oval 
und  stets  nach  unten  verschmälert)  scharf  geschieden. 

Nr.  715.  Tlielephora  zygodesmoides  Ell.  Cooke,  Grev.,  XX, 
p.  34  (Saccardo,  Syll,  IX,  p.  117). 

Der  Pilz  des  Exsikkates  stimmt  vollkommen  über- 
ein mit  dem  Originalexemplare  von  Hypochnus 
tabacinus  Bres.  in  W.  Brinkmann,  Westf.  Pilze, 
Nr,  108  (mit  Diagnose);  da  die  amerikanische  Art 
früher  aufgestellt  wurde  als  letztere,  so  hat  der  Pilz 
richtig  Tomentella  zygodesmoides  (Ell.)  v.  H.  et  L.  zu 
heißen. 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  787 

Tomentella  zygodesmoides  (Ell.)  v.  H.  et  L. 

Syn. :  ThelepJiora  zygodesmoides  EH.,  North  American  Fungi,  Nr.  715. 
Cooke,  Grev.,  XX,  p.  34;  Saccardo,  Syll.,  IX,  p.  117. 
Hypochnus  tahacinns   Bres.,    in    \V.   Brinkmann,    Westf. 
Pilze,  Nr.  108. 
E.\s. :  EUis,  North  American  Fungi,  Nr.  715. 
Brinkmann,  Westf.  Pilze,  Nr.  108. 

Pilz  ausgebreitet;  filzig,  fast  häutig,  gelbbraun, 
mehr  oder  weniger  tabakfarben.  Rand  gleichartig 
oder  etwas  radial  faserig,  manchmal  fast  spinnen- 
gewebeartig, meist  heller  gefärbt.  H3nTienium  nicht 
geschlossen,  fast  glatt.  Basidien  keulenförmig,  7  bis 
9  [J.  breit,  Sterigmen  4,  pfriemenförmig,  gerade  oder 
etwas  gebogen,  bis  6  \x  lang.  Sporen  kugelig  oder 
fast  kugelig,  manchmal  auch  etwas  eckig  kugelig, 
6  bis  9  [X  im  Durchmesser  zählend.  Membran  hellgelb 
bis  hell  ockerfarben,  selten  gelbbraun,  lang  stachelig. 
Sporen  stets  einen  großen  Öltropfen  bergend.  Hyphen 
ziemlich  regelmäßig,  die  subhymenialen  fast  farblos, 
sehr  zart  und  glatt,  die  basalen  von  schmutzig  gelb- 
brauner Farbe  und  etwas  derber;  letztere  manchmal 
zu  Strängen  vereint.  Hyphen  3  bis  7  [x  dick,  ohne 
Schnallen  an  den  Scheidewänden. 

An  morscher  Rinde  von  Laub-  und  Nadelbäumen. 

Nordamerika:  Vereinigte  Staaten:  Newfield  N.J., 
Januar  1880,  an  Rinde  von  Piniis  sp.  (Ellis). 

Europa:  Deutschland:  Westfalen,  bei  Lengerich, 
an  Rinde  von  Onercns  sp.,  September  1904  (Brink- 
mann); Niederösterreich:  Wienerwald,  Gelber  Berg 
bei  Weidlingau,  an  morscher  Laubholzrinde,  Sep- 
tember 1903,  Vorderer  Sattelberg  bei  Preßbaum,  auf 
faulendem  Nadelholz,  Juli  1906  (v.  Höhnel). 
Nr.  717.    Corticitim  suhgigantetmi  Berk.  et  Curt.,  Grev.,  II,  p.  3. 

a)  (On  bark  of  Magnolia;  Newfield  N.  J.).  Enthält 
Peniophora  mutata  (Peck)  v.  H.  et  L. 

b)  (On  beech  ümbs;  West-Chester,  Pa.).  Enthält  ein 
echtes  Corticiuml  Cystiden  fehlen  vollständig;  sonst 
der  P.  mtitata  (Peck)  v.  H.  et  L.   im  Aussehen   und 


/  öö  F.  V.  Höhne  1  und  V.  Lits  ch  auer, 

auch  unter  dem  Mikroskope  sehr  ähnHch;  auch 
älteren  Formen  von  C.  lacteiim  Fr.  gleichend.  Die 
Sporen  sind  jedoch  streng  zylindrisch,  haben  am 
Grunde  ein  seitliches  Spitzchen  und  sind  6  bis  8  i:;  2 
bis  2-b\x  groß.  Hyphen  farblos,  glatt,  zartwandig, 
3  bis  4  [JL  dick. 

Nr.  720.  Corticitini  querchitini  Fr.  var.  sciitellaUmt.  Enthält 
einen  Pilz,  der  nicht  als  C.  qiiercimun  Fr.  var. 
(==  Peniophora  corticaJis  [Bull.])  angesehen  werden 
kann,  sondern  wahrscheinlich  nichts  anderes  als 
P.  mida  Fr.  ist. 

Nr.  933.  Corticium  radiosuin  Fr.  Enthält  sicher  nicht  diese 
Art!  Sporen  fehlend.  Pilz  unbestimmbar. 

Nr.  934.  Corticinm  Berkeleyi  Cke.  Siehe  dazu  Massee, 
Monogr.  of  the  Theleph.,  p.  133;  Saccardo,  SylL, 
XI,  p.  127. 

Der  Pilz  des  Exsikkates  stimmt  ganz  gut  auf  die 
Beschreibung  bei  Massee,  1.  c.  Er  ist  eine  dem 
Corticinm  laeve  Pers.  sehr  nahe  stehende  Art. 

Die  Sporen  sind  breit  ellipsoidisch  bis  fast  kugelig, 
5  bis  8  [1  lang,  4  bis  6  [x  breit,  farblos,  zartwandig, 
glatt  und  haben  einen  meist  gleichmäßigen  oder 
etwas  körnigen  Inhalt.  Sie  sind  immer  an  beiden 
Enden  breit  abgerundet,  während  die  Sporen  von 
C.  laeve  an  einem  Ende  stets  zugespitzt  sind.  Die 
Hyphen  sind  sehr  unregelmäßig,  ziemlich  derbwandig, 
farblos,  glatt,  4  bis  6  [j.  dick  und  besitzen  Schnallen 
an  den  Septen. 

Nr.  1206.  Sterenni  caiididiim  Schw.  Enthält  einen  sterilen 
Pilz,  der  wahrscheinlich  Aletirodiscns  accrimis  (Pers.) 
V.  H.  et  L.  ist.(?) 

Nr.  1208.  Corticinm  effnscatnm  Curt.  et  EH.! 

Diese  Art  ist  kaum  etwas  anderes  als  eine  dünnere 

Form   von  Steretmi  portentosum   (Berk.)  v.  H.  et  L. 

Beobachtung:   Basidien  keulenförmig,  3  bis  5  [x 

breit.  Sterigmen  4;  sehr  zart,  pfriemenförnig,  gerade, 

2  bis  3  \x  lang.  Sporen  kugelig,  farblos,  glatt,  5  bis  7  [x 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  789 

im     Durchmesser    betragend;    mit    zahlreichen    Öl- 

tröpfchen. 

ff 
Nr.  1209.  Peniopliora  flavido-alba  Cl^ce. 

Der  Pilz  des  Exsikkates  ist  kaum  etwas  anderes  als 
P. ptihera  (Fr.)  Sacc.  Auch  ein  anderes  Exsikkat, 
welches  erstere  Art  enthalten  soll  (Ellis  et  E ver- 
hart, North  American  Fungi,  IL  Ser.,  Nr.  3412),  zeigt 
nur  letzteren  Pilz. 

An  beiden  Exemplaren  konnten  keine  Sporen  mehr 
gefunden  werden;  es  blieb  daher  die  Möglichkeit,  daß 
sie  nur  zartere  P'ormen  von  P.  Rotinieguerii  (Bres.) 
V.  H.  et  L.  wären,  welche  Art  der  P. piibera  (Fr.)  Sacc. 
sehr  ähnlich  ist,  aber  weit  kleinere  Sporen  zeigt. 

Allein  der  direkte  Vergleich  mit  einem  Original- 
exemplar der  ersteren  Art  und  einem  guten,  un- 
zweifelhaft echten  Stück  von  P.  piibera  (Fr.)  Sacc. 
ergab,  daß  die  beiden  obigen  Exsikkate  tatsächlich 
höchstwahrscheinlich  letztere  Art  enthalten. 

P.  flavido-alba  Cke.  wurde  auch  in  Ravenel, 
Fungi  Americ.  exsicc,  unter  der  Nummer  226  (sub 
Corticmm)  ausgegeben.  Der  Pilz  dieses  Exsikkates, 
welcher  auch  Sporen  zeigt,  ist  sicher  nichts  anderes 
als  P. piibera  (Fr.)  Sacc. 

Die  Beschreibung  des  amerikanischen  Pilzes  in 
Massee,  Monogr.  of  the  Theleph.,  p.  151,  stimmt 
ebenfalls  sehr  gut  auch  auf  P.  pubera  (Fr.)  Sacc. 
Beide  Pilze  dürften  daher  wohl  identisch  sein. 
Nr.  718.  Corticmm  diininuens  Berk.  et  Curt. !  Enthält  einen 
habituell  und  mikroskopisch  von  Stereimi portentostim 
(Berk.)  v.  H.  et  L.  nicht  verschiedenen  Pilz.  Sporen 
nicht  vorhanden! 

23.  Ellis  et  Everhart,  North  American  Fungi.  (II.  Serie.) 

Nr.  1588.  Thelepkora  puteana  Seh  um.  Enthält  Coniophora 
arida  Fr. 

Nr.  1715.  Stereuni  portentosum  Berk.  et  Curt.  Exemplar 
schlecht.  Sporen  Z3dindrisch,  6  ^  2  jx  groß.  Wahr- 
scheinlich 5/.  odoraUini  Fr. 


'90  F.  V.  Höhnel  und  V.  Li  tschau  er, 

Nr.  1716.  Corticinm  Petersii  Berk.  et  Curt.  On  rotten  vvood, 
Florida,  leg  W.  W.  Calkins.  Zeigt  keine  Sporen.  Der 
Pilz  weist  im  Querschnitt  ein  undeutliches  Hymenium 
auf,  eine  lockere,  subhj^meniale  Schicht  und  ein  aus 
horizontalen,  parallel  verlaufenden  Hyphen  gebildetes 
Basalgewebe.  Die  Hyphen  sind  3  bis  4  \x  dick,  farblos, 
glatt,  nicht  inkrustiert. 
Nr.  1717.  Corticinm  graminicola    Ell.   et  Ev.    Enthält    nichts 

Bestimmbares. 
Nr.  1936.  Hynieuochaete  spreta  Peck.   Ist  H.  nnicoJor  Berk. 

et  Curt. 
Nr.  2018.  Steretun  purpiireiim  Pers.  Enthält  eine  Stereum  sp., 

kaum  5/.  purpureiini  Pers.  Unbestimmbar. 
l>lr.  2020.  CorticiiLin  dryinum  Berk.  et   Curt.    Enthält    kaum 
diese  Art,    welche    nach   Massee,    Monogr.    of  the 
Theleph.,  p.  135,  eine  Coniophora  ist.  Das  Exemplar 
ist  leider  sehr  dürftig  und  schlecht!  Zeigt  .nichts  mehr. 
Nr.  2903.  Corticinm   collicnlosum    Berk.    et    Curt.    Pilz    un- 
bestimmbar, ganz  alt;  ohne  Sporen. 
Nr.  2904.  Hymenochaete  simuJans  Ell.  et  Ev.  n.  sp.    Der   Pilz 
des  Exsikkates   ist  kaum  verschieden  von  Lloydella 
Chailletii  (Pers.)  Bres. 
Nr.  2313.  Corticinm  scntellare  Berk.  et  Curt.    Das  Exemplar 
des  Exsikkates  im  Herbar  Barbey-Boisier  enthält 
zwei  Stücke.  Auf  das  eine  Stück,  welches  ein  echtes 
Corticinm    ist    und    Sporen    zeigt,    stimmt    die    Be- 
schreibung von    C.  scntellare  Berk.  et  Curt.  (siehe 
Grev.,  11,  p.  4   [Massee,   Monogr.   of  the   Theleph., 
p.  128;  Saccardo,  SylL,  VI,  p.  684])  ganz  gut.      .  - 

Beobachtung:  Hymenium  geschlossen,  weiß  bis 
cremefarben,  im  Alter  stark  zerrissen,  lauter  kleine 
Schöllchen  bildend.  Basidien  keulenförmig,  4  bis  5  [x 
breit;  Sterigmen  4,  gerade,  pfriemenförmig,  3  bis  4  jj. 
lang.  Sporen  länglich  elliptisch,  an  einer  Seite  ab- 
geflacht, nach  unten  zugespitzt,  farblos,  zartwandig 
und  glatt,  4  bis  5  [jl  lang,  2  bis  3  [x  breit.  Hyphen  sehr 
unregelmäßig,  glatt,  farblos,  zartwandig,  mit  Schnallen, 
2  bis  3  [j.  dick. 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  791 

Das  andere  Slück  ist  steril;  zeigt  etwas  breitere 
und  noch  zartwandigere  Hyphen  wie  das  erstere;  es 
scheint  ein  anderer  Pilz  zu  sein. 

'Nv.  2314.  Pen iopJiora  occidentaJis  Ell.  et  Ev.  n.  sp.  Der  Pilz 
hat  stereumartigen  Habitus,  besitzt  ein  kompaktes 
basales  Gewebe  und  muß  daher  zu  Loydella  gestellt 
werden;  hat  also  Lloydella  occidentalis  (Ell.  et  Ev.) 
V.  H.  et  L.  zu  heißen. 

Nr.  2315.  Hyineuoehaete  purptirea  Cke.  et  Morgan.  Das  Ex- 
sikkat  enthält  eine  Lloydella  sp.;  das  Exemplar  im 
Herbar  Bar bey-Boissier  ist  leider  sehr  schlecht 
und  dürftig,  könnte  aber  H.  ptirptirca  Cke.  et 
Morgan  nach  der  Beschreibung  sein;  diese  Art  ist, 
wie  es  scheint,  erst  Penioplwra-,  dann  Lloydella-arüg 
entwickelt,  hat  daher  besser  als  Lloydella  zu  gelten 
(siehe  dazu  p.  760). 

Nr.  3005.  Corticimn  albo-ßavescens  Ell.  et  Ev.  n.  sp.  Ist  eine 
Coniophora  und  hat  Coniophora  albo-ßavescens  (Ell. 
et  Ev.)  V.  H.  et  L.  zu  heißen. 

Nr.  3102.  Corticnini  ochroleiicnui  Fr.  Ist  tatsächlich  Michenera 
artocreas  Berk.  et  Curt. 

Nr.  3208.  Sterenni  acerintun  Pers.  Enthält  nicht  diese  Art!  Der 
Pilz  dürfte  mit  dem  Pilz  des  Exsikkates  Ravenel, 
Fungi  CaroL,  Nr.  32,  identisch  sein  (siehe  dazu 
p.  778). 

Nr.  3209.  Peniophora  EUisii  Mass.  Enthält  Peuiophora  obscura 
(Pers.)  Bres. 

Nr.  3210.  Peuiophora  trachytricha  Ell.  et  Ev.  n.  sp.  EUis 
et  Everhart,  Proc.  Acad.  Philad.,  1895,  p.  413 
(Saccardo,  Syll.,  XIV,  p.  223). 

Das  Exsikkat  enthält  nur  Peniophora  setigera  (Fr.) 
V.  H.  et  L.  (=  Kneiffia  setigera  Fr.). 

P.  trachytricha  Ell.  et  Ev.  muß  daher  als  eigene 
Art  gestrichen  werden  und  hat  als  Synonym  der 
ersteren  zu  gelten. 

In  der  Diagnose  des  Pilzes  (Saccardo,  1.  c.) 
werden  die  Sporen  desselben  mit  7  bis  8  ==;  3  bis  3-5  \i. 
angegeben,  was  aber  nicht  ganz  richtig  ist.   Der  Pilz 


'  "^  F.  V.  Höhnel  und  V.  Litschauer, 

des  Exsikkates  zeigt  nämlich  bis  12  [j.  lange  und  auch 
4  IL  breite  Sporen,  sonst  stimmt  die  Diagnose  ganz 
gut  auf  P.  Setigera  (Fr.)  v.  H.  et  L. 

Nr,  3211.  Coniophora  leucothrix  Berk.  et  Curt.?  Das  Exsikkat 
enthält  ConiophoreUa  olivacea  (Fr.)  Karst.  Nach 
der  Beschreibung  zu  schließen  ist  auch  die  echte 
C.  leucothrix  Berk.  et  Curt.  (sub  Corticium  in  Grev., 
II,  p.  4)  nichts  anderes  als  der  letztere  Pilz.  Siehe 
dazu  auch  die  Bemerkung  Massee's  bei  ersterer 
Art  in  seiner  xMonogr.  of  the  Theleph.,  p.  134. 

^Y.  M12.  Peiiiophora  flavido-alba  Cke.  Enthält  kaum  etwas 
anderes  als  P.  piihera  (Fr.)  Sacc.  (siehe  auch  p.  789). 

'^Y.M\2>.  Stereum  hirsuttim  Will d.  Enthält  nichts  Bestimm- 
bares. 

24.  Ellis  et  Everhart,  Fungi  Columbiani. 

Nr.  605.  Stereuni  cmididum  (Schw.)  Fr.  Enthält  denselben 
Pilz  wie  Ravenel,  Fungi  Car.,  Nr.  32  (siehe  dazu 
p.  778). 

Nr.  1207.  Stereum  acerimmi  Pers.  var.  nivosmn  Berk.  et 
Curt.  Enthält  Aleurodisctis  nivosus  (Berk.  et  Curt.) 
V.  H.  et  L. 

l^r.  1306.  Coniophora  Ellisii  Berk.  et  Cke.  Enthält  nur 
C.  arida  Fr.  (Berliner  Exemplar  und  Exemplar  des 
Herbars  der  k.  k.  Technischen  Hochschule  in  Wien). 

25.  Ellis,  Fungi  Nova  Caesareenses. 

Nr.  10.      Hymenochaete  Ellisii  Berk.  et  Cke. 

Exemplar  ziemlich  schlecht!  Äußerlich  alten  Formen 
von  ConiophoreUa  olivacea  (Fr.)  Karst,  ähnlich. 
Bau  der  Hyphen  und  Sporen  wie  bei  Coniophora 
arida  Fr.,  zeigt  jedoch  spärliche  Cystiden  (?);  ist 
jedoch  kaum  Coniophora  olivacea  (Fr.)  Karst,  (siehe 
dazu  auch  Bresadola,  Fungi  polonici,  p.  110). 

26.  Rick,   Fungi  Austro-Americani. 

Nr.  40.  Sterenm  menibranaceimi  Yx.  Das  Exemplar  des 
Exsikkates  im  Berliner  Herbar  enthält  St.  cinereo- 
hadiiini  Fr. 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  793 

27.  Pacific  Slope  Fungi,  Distributed  by  C.  F.  Baker. 

Nr.  1800.  Hymen 0 dl a et e   Avellana   (Fr.).   Enthält  H.   tahacina 
(Sow.)  Lev. 

28.  C.  L.  Shear,  New  York  Fungi. 

Nr.  52.     Stereiim  acerimmt  (Fers.)  Fr.  var.  nivosum  Cke.  Ent- 
hält Aleurodiscus  nivosus  (ßerk.  et  Curt.)  v.  H.  et  L. 


III.  Über  die  Gattung"  Aleurodiseus  Rabh. 

Die  Gattung  Aleurodisais  wurde  von  L.  Raben  hörst  im 
Jahre  1874  für  Corticnmi  amorphtmi  (Pers.)  Fr.  aufgestellt, 
doch  hat  dieser  .Autor  keine  Diagnose  derselben  gegeben  (siehe 
L.  Rabenhorst,  Fungi  europ.  exsicc,  Cent.  XIX,  Nr.  1824,  und 
Hedwigia,  1874,  p.  184);  wir  wissen  daher  nicht  genau,  in 
welchem  Sinne  er  die  neue  Gattung  auffaßte,  zweifelsohne  hat 
aber  auch  er  bereits  das  Vorhandensein  von  fadenförmigen, 
knotigen,  paraphysenartigen  Gebilden  zwischen  den  Basidien 
obiger  Art  beobachtet,  wie  die  Figur  dartut,  welche  er  dem  oben 
bereits  zitierten  Exsikkat  von  Aleurodisctis  amorphtis  (Fr.) 
Rabh.  beigefügt  hat,  und  höchstwahrscheinlich  diese  Eigen- 
tümlichkeit neben  der  schüssel-  bis  scheibenförmigen  Gestalt 
und  dem  pulverigen  Hymenium  des  Pilzes  als  einen  spe- 
zifischen Charakter  seiner  neuen  Gattung  betrachtet.  Eine 
ausführliche  Diagnose  derselben  finden  wir  das  erste  Mal  bei 
Schröter  in  seinem  Werk:  Die  Pilze  Schlesiens,  I,  p.  429.  Dieser 
Autor  stellte  noch  eine  zweite  Art,  nämlich  die  Thelepliora  mi- 
rantia  Pers.,  Disp.  Fung.,  p.  21,  in  diese  Gattung,  als  deren 
besondere  Kennzeichen  er  die  großen  keulenförmigen  Basidien, 
die  vier  mächtigen  Sterigmen  und  die  großen  .Sporen  mit 
fester,  farbloser  Membran,  insbesondere  aber  den  rötlichen 
Inhalt  der  letzteren  ansah.  Er  hat  scheinbar  übersehen,  daß 
auch  bei  Th.  aurantia  Pers.  ähnliche  paraphysenartige  Bil- 
dungen zwischen  den  Basidien  sich  vorfinden  wie  bei  Cor- 
tichirn  amorphmn  (Pers.)  Fr.,  denn  in  der  Beschreibung  der 
ersteren  Art  erwähnt  er  nichts  von  solchen  und  deshalb 
werden  sie  wohl  von  ihm,  wie  aus  seiner  Gattungsdiagnose 

Sitzb.  d.  mathem.-natunv.  Kl. ;  G.WI.  Bd.,  Abt.  I.  52 


794  F.  V.  Höhnel  und  V.  Li  tschaue  r, 

von  Aleurodisciis  hervorgeht,  nicht  als  wesentliches  Merkmal 
derselben  betrachtet. 

In  diese  neue  Gattung  wurde  dann  weiter  von  Cooke, 
Grev.,  III,  p.  32,  auch  das  Corticium  Oakesii  Berk.  et  Gurt, 
gestellt  und  von  Patouillard  endlich  die  alte  De  CandoUe'sche 
Art  Thelephora  disciformis  D.  C.  (siehe  Bullet.  Mycol.  1894, 
X,  p.  80).  Patouillard  hat  ein  Jahr  vorher  auch  eine  neue  Art 
der  Gattung  Aleurodisciis,  nämlich  Aleurodisctis  crocetis  Fat. 
aus  Ecuador  beschrieben  und  endlich  sind  auch  von  P.  Hen- 
nings noch  zwei  gute  neue  Vertreter  dieser  Gattung  aufgestellt 
worden:  A.javanicus  P.  Henn.  in  Monsunia,  I,  1899,  p.  139, 
aus  Java  und  A.  nsamharensis  P.  Henn.  in  Bot.  Jahrbücher 
1904,  p.  43,  aus  Usambara  in  Deutsch-Ostafrika.  Für  A.  spimi- 
losus  P.  Henn.  in  Engler's  Jahrbücher  1906(?)  wurde  durch 
Untersuchung  des  Originalexemplares  von  uns  die  Identität  mit 
der  vorhergehenden  Art  festgestellt. 

Das  genaue  vergleichende  Studium  aller  dieser  Aleuro- 
discus-Arten  hat  nun  ergeben,  daß  tatsächlich  bei  allen  im 
Hymenium  zwischen  den  Basidien  sich  eigentümliche  para- 
physenartige  Bildungen  vorfinden  und  daß  alle  diese  Pilze  ganz 
analog  gebaute,  große  Basidien  mit  vier  kräftigen  Sterigmen 
und  breit  ellipsoidische,  meist  sehr  große  Sporen  aufweisen, 
daß  dagegen  aber  letztere  nicht  bei  allen  einen  mehr  oder 
weniger  stark  rosa  gefärbten  Inhalt  aufweisen.  Diese  letztere 
Eigenschaft  scheint  nur  den  Sporen  von  Alettrodisctis  aniorphtts 
(Pers.)  Rabh.  und  A.  aiirantiiis  (Pers.)  Schrot.,  vielleicht 
auch  im  frischen  Zustande  jenen  von  A.  javanicus  F.  Henn. 
und  A.  nsambarensis  P.  Henn.  zuzukommen.  Bei  Aleurodiscus 
disciformis  (D.  C.)  Pat.  und  A.  Oakesii  (Berk.  et  Gurt.)  Cke. 
ist  diese  Eigenschaft  der  Sporen  jedoch  sicher  niemals  reali- 
siert. Es  kann  daher  als  spezifisches  Merkmal  der  Gattung 
Aleurodiscus  in  erster  Linie  nur  das  Vorkommen  jener  para- 
physenartigen  Bildungen  im  Hymenium  des  Pilzes  gelten. 

Solche  Bildungen  wurden  von  uns  nun  auch  bei  anderen 
Corticieen  aufgefunden,  so  bei  Sferetiin  sparsuui  Berk.  und 
der  Varietät  nivosnm  Berk.  et  Cke.  von  St.  acerimim  Pers.; 
auch  letzterer  Pilz  selbst  besitzt  analoge  Gebilde  und  muß 
daher  ebenfalls  in  die  Gattung  Aleurodiscus  gestellt  werden. 


Zur  Kenntnis  der  Corlicieen.  795 

Das  Brinkmann'schs  Exsikkat  von  St.  aceriimni  Pers.  var. 
(b)  qiiercinmn  Pers.  (Westfälische  Pilze,  Nr.  5)  enthält  eine  von 
diesem  abweichende  AJeiirodiscus- Art,  welche  als  A.  snhaceri- 
nus  V.  H.  et  L.  neu  beschrieben  werden  mußte,  und  endlich 
kann  auch  Corticimn  cernssatum  Bres.,  Fungi  Trid.  IJ,  p.  37, 
nur  als  Aletirodiscns  angesehen  werden. 

Die  für  die  Gattung  Alctirodisctis  so  charakteristischen 
paraphysenähnlichen  Gebilde,  welche  im  großen  und  ganzen 
entweder  zylindrisch,  faden-,  spindel-  oder  keulenförmig  sind, 
zeigen  vornehmlich  zwei  typische  Strukturverhältnisse.  Sie 
sind  nämlich  entweder  dünnwandig  und  glatt,  dabei  knotig 
oder  gegen  den  Scheitel  zu  perlschnurartig  ausgebildet,  oder 
aber  dünn-  oder  dickwandig  und  dabei  bei  gewissen  Arten  in 
ihrer  ganzen  Ausdehnung,  bei  anderen  wieder  nur  an  für  die 
einzelnen  Arten  spezifischen  Stellen  ihrer  Oberfläche  mit 
meist  dichtstehenden,  wechselnd  langen,  auch  verzweigten, 
1  bis  2-5  [i-  dicken,  stumpfen,  stachelartigen  Fortsätzen  ver- 
sehen. 

DadieP^w/opÄora- und  L/o>'<;/e?//rf-Cystiden  sowie  die  Setulae 
der  Gattung  Hymenochaefe  von  den  im  vorstehenden  gekenn- 
zeichneten analogen  Gebilden  der  Gattung  Aletirodiscns  gänz- 
lich verschieden  sind,  haben  wir  für  die  beiden  Formen  der 
letzteren  eigene  Bezeichnungen  geschaffen  und  verstehen  im 
folgenden  unter  Pseudophysen  die  dünnwandigen,  knotigen 
oder  perlschnurartig  ausgebildeten,  unter  De ndrophysen  die 
mit  stachelartigen  Fortsätzen  versehenen  Formen  derselben. 
Manche  der  bis  jetzt  bekannten  Aleurodisciis- Arien  weisen  im 
Hymenium  nur  Pseudophysen,  andere  nur  Dendrophysen  auf, 
bei  manchen  endlich  sind  beide  vertreten.  In  letzterem  Falle 
kommt  es  dann  auch  vor,  so  z.  B.  bei  Aleiirodiscus  iismn- 
havcnsis  P.  Henn.,  daß  zwischen  ihnen  Übergangsformen  in 
verschiedener  Ausbildung  beobachtet  werden  können.  Auch 
Gloeocystiden  sind  bei  i\rten  der  Gattung  Alenrodisciis,  so 
neben  Pseudophysen  hex  Aleurodiscus  nivosiis  (Berk.  et  Gurt.) 
v.  H.  et  L.  imd  neben  Dendrophysen  bei  A.  sparsus  (Berk.) 
V.  H.  et  L.  anzutreffen.  Diese  entweder  zylindrisch  oder  keulen-, 
auch  spindelförmig  gestalteten  Gloeocystiden  sind  von  den 
manchmal    sehr    ähnlichen    Pseudoph\'sen    durch   ihren   mehr 


796  F.  V.  Höhne  1  und  V.  Li  tschau  er, 

gelb  gefärbten,  fast  immer  etwas  ölig-harzigen  Inhalt  nicht 
unschwer  zu  unterscheiden. 

Die  von  Bresadola  als  »corniculato-pinnata«  be- 
zeichneten Cj^stiden  von  Cortichmt  cernssatimi  ßres.  sind, 
wie  die  Untersuchung  eines  Originalexemplares  gezeigt  hat, 
nichts  anderes  als  kleinere  Dendrophysen  und  auch  die  bei 
C.  acerimun  Pers.  zwischen  den  Basidien  vorhandenen  faden- 
förmigen, oben  fast  baumartig  verzweigten,  sehr  zarten  Gebilde 
sind  zweifelsohne  am  besten  als  solche  anzusehen. 

Das  genaue  Studium  der  Formverhältnisse  der  Pseudo- 
und  Dendrophysen  sowie  auch  der  Basidien  der  einzelnen 
Arten  der  Gattung  Aletirodiscns  ist  oft  mit  großen  Schwierig- 
keiten verbunden.  Der  Zusammenhang  dieser  Bestandteile  der 
Hymenien  ist  oft  ein  so  inniger,  daß  es  erst  nach  Anwendung 
verschiedener  Reagenzien  möglich  ist,  eine  Trennung  derselben 
so  weit  herbeizuführen,  daß  eine  genauere  Beobachtung  mög- 
lich ist.  Das  gilt  insbesondere  auch  für  jene  Arten,  welche 
stark  mit  oxalsaurem  Kalk  inkrustiert  sind. 

Am  leichtesten  noch  gelingt  es,  die  Bestandteile  der 
Hymenien  zu  isolieren,  wenn  man  dünne  Querschnitte  durch 
dieselben  mit  verdünnter  Kali-  oder  Natronlauge  oder  auch 
verdünnter  Milchsäure  am  Objektträger  etwas  erwärmt.  Handelt 
es  sich  dabei  um  solche  von  inkrustierten  Arten,  dann  empfiehlt 
es  sich,  vorher  durch  Behandlung  mit  verdünnter  Salzsäure 
den  Oxalsäuren  Kalk  hinwegzulösen.  So  behandelte  Quer- 
schnitte gelingt  es  dann  nicht  unschwer,  mit  spitzen  Präparier- 
nadeln in  seine  Bestandteile  zu  zerlegen.  Bei  Äleurodiscns 
sparsiis  (Berk.  et  Gurt.)  v.  H.  et  L.  und  A.  acerinus  (Pers.) 
V.  H.  et  L.  wendet  man  noch  besser  statt  der  Lauge  ganz  ver- 
dünnte Salpetersäure  an. 

Aleurodiscus  Rabh.  Char.  emend.  v.  Höhne  1  et  Litschauer. 

Fungi  europ.  exsicc,  Cent.  XIX,  Nr.  1824;  Hedwigia   1874,  p.  184. 

Pilz  becher-,  schüssel-  oder  scheibenförmig  oder  auch 
weit  ausgebreitet;  im  ersteren  Falle  nur  im  Zentrum,  im  letzteren 
mit  der  ganzen  Unterseite  dem  Substrate  angewachsen;  immer 
deutlich  berandet;  frisch  von  wachsartiger  oder  fleischiger, 
trocken  von  ledriger  Konsistenz.  Hymenium  neben  Basidien 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  797 

auch  Pseudophysen  oder  Dendrophysen,  manchmal  auch 
Gloeocystiden  führend.  Basidien  groß  keulenförmig;  Ste- 
rigmen  kräftig,  4;  Sporen  ellipsoidisch,  oval  oder  fast  zylin- 
drisch, mit  farbloser  Membran,  meist  groß. 

A.  Hymenium,  nur  mit  Pseudophysen. 

I.  Pseudophysen  zylindrisch,  fast  fadenförmig,  in  ihrer 
ganzen  Ausdehnung  knotig  bis  perlschnurartig. 

a)  Pilz    mit  oxalsaurem  Kalk  inkrustriert.  Sporen  glatt; 

15  bis  18  w  12  bis  14[j- .4.  disciformis.  (1.) 

b)  F'üz   nicht  inkrustiert.  Sporen  stachelig;  20  bis  26  — 

16  bis  20  ij. A.  amorphus.  (2.) 

II.  Pseudophysen  unregelmäßig  keulenförmig,  nur  am  Scheitel 
perlschnurartig.  Sporen  deutlich  rauh;  14  bis  18  ^  10 
bis   12  [JL A.  aurantms.  (3.) 

B.  Hymenium  nur  mit  Dendrophysen. 

I.  Dendrophysen  zylindrisch,  dickwandig,  in  ihrer  ganzen 
Ausdehnung  mit  Fortsätzen  versehen.  Sporen  glatt;  25  bis 
28  i:;  18  bis  22  [JL A.  croceus.  (4.) 

II.  Dendrophysen  dünnwandig,  zylindrisch,  knotig  oder  lang 
keulenförmig;  erstere  nur  im  mittleren  oder  basalen  Teile, 
letztere  nur  am  Scheitel  mit  Fortsätzen  versehen.  Sporen 
glatt;  18  bis  22  ^  12  bis   16  [x A.  Oakesii  (5.) 

III.  Dendrophysen  dünnwandig,  zylindrisch,  knotig  oder  keu- 
lenförmig; erstere  in  ihrer  ganzen  Ausdehnung,  letztere 
nur  im  mittlerem  Teile  mit  Fortsätzen  versehen.  Sporen 
glatt;  16  bis  20  ^  14  bis   16  [x A.javaniciis.  (6.) 

IV.  Dendrophysen  sehr  zart,  mit  fadenförmigem  Stiel,  oben 
baumartig  verzweigt.  Pilz  stark  mit  oxalsaurem  Kalk 
inkrustiert. 

a)  Sporen  glatt;  10  bis  1 3  i::  6  bis  7  [i A.  acerintis.  (7.) 

h)  Sporen    12   bis   17^5   bis  6  [x A.  acerinus 

var.  longisporus.  (7  a.) 

C.  Hymenium  mit  Pseudo-  und  Dendrophysen. 

I.  Pseudophysen  unregelmäßig  keulenförmig;  Dendrophysen 
dünn-  oder  dickwandig,  keulen-  oder  spindelförmig,  nur  am 
Scheitel  oder  auch  tiefer  herab,  selbst  in  der  ganzen  Aus- 
dehnung mit  meist  gebogenen  Fortsätzen  versehen.  Sporen 
glatt;  16  bis  24  i^  12  bis  15  |jl A.  nsamharensis.  (8.) 


/  98  F.  V.  Höhne  1  und  V.  Litscliauer, 

IL  Pseiidophysen  dick  keulenförmig,  Dendrophysen  sehr  zart 
mit  fadenförmigem  Stiel  und  oben  baumartig  verzweigt. 
Sporen  glatt;  10  bis  14  ^  5  bis  6  [x.  .  .  .A.  siibacerinus.  (9.) 
III.  Pseudophysen  zjdindrisch,  schwach  knotig  bis  perlschnur- 
artig; Dendrophysen  keulenförmig,  nur  am  oberen  Teile 
mit  Fortsätzen  versehen A.  ceriissatus.  (10.) 

D.  Hymenium  mit  zylindrischen,  gegen  den  Scheitel  zu  kno- 
tigen oder  perlschnurartigen  Pseudophysen  und  ausge- 
sprochen keulenförmigen  Gloeocystiden.  Sporen  deutlich 
rauh;  15  bis  20  -  12  bis  16{i, A.  nivosus.  (11.) 

E.  Hymenium  mit  fadenförmigen,  nur  am  Scheitel  mit  Fort- 
sätzen versehenen  Dendrophysen  und  zylindrischen  bis 
spindelförmigen  Gloeocystiden.  Sporen  glatt;  24  bis  38  -  14 
bis   1 8  [j. A.  sparsus.  (1 2.) 

1.  Aleurodiscus  disciformis  (D  C.)  Pat.  (1805).  Bull.de  la 
Societe  Mycol.,  1894,  X,  p.  80. 

Syn.    Thelephora  disciformis    DC,  Flore   fran9.    VI,    p.    31;    Fries,    System. 

Myc,  I,  p.  443;  Elenchus  Fung.,  I,  p.    189;  Weinmann,    Ross., 

p.  390. 
Stereiim  discifornie  Fr.,  Epicrisis,  p.  551,  —   Hymenom.    europ.,  p.    642; 

Mas.see,  Monogr.    ot    the   Theleph.,  p.    189;   Patouillard,  Tab. 

anal.,    p.    112,  Nr.    250;    Quelet,    Flore    IVtyc.,    p.    12;  Winter, 

Kryptog.  Flora,  I,  p.  342;    Britzelmayr,  Zur  Hymenom. -Kunde, 

II.  Bot.  Zentr.-Blatt,   1896,  XVII,  p.  44,  144,  Fig.  65. 
Peniophora  disciformis  Cke.,  Grev.,  VIII,  20,  t.  122,  Fig.  2;    Saccardo, 

Syll.,  VI,  p.  642. 
Thelephora  castaneae  Schleich,   sec.  Secretan,    Mycogr.,   III,   p.  216, 

Nr.  63. 
Exs.       1.  Mougeot  et  Nestler,  Stirp.  crypt.  Vogeso-rhen.,  Nr.  582. 

2.  Desmazieres,  Crj^pt.  haue,  ed.  I,  Nr.  416. 

3.  C.  Roumeguere,  Fungi  gall.  exsicc,  Nr.  2407. 

4.  Rabenhorst,  Fungi  europ.,  Nr.  24. 

5.  Rabenhorst-Winter,  Fungi  europ.,  Nr.  2634. 

6.  Sydow,  Mycoth.  March.,  Nr.  1017. 

7.  Allescher  et  Schnabel,  Fungi  bavarici,  Nr.  522. 

8.  L.  Fuckel,  Fungi  rhen.,  Nr.  1316. 

9.  De  Notaris,  Erbar.  Crittog.  Italiano,  Nr.  185  (1185). 

10.  Marcucci,  Un  itin.  crypt.,   1866,  Nr.  72  A. 

11.  Societe  dauphinoise,  1886,  Nr.  5145. 

Siehe  dazu  Fig.  1  auf  Taf.  I. 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  799 

Pilz  anfangs  meist  Schüssel-  oder  scheibenförmig,  später 
ausgebreitet,  von  länglich  elliptischem  oder  unregelmäßig  rund- 
lichem Umriß.  Ungefähr  1  bis  "dem  lang  und  bis  2  c«;  breit 
werdend;  selten  größere  Dimensionen  erreichend.  Mehrere 
nahestehende  Fruchtkörper  oft  zusammenfließend.  Pilz  stets 
deutlich  berandet;  im  Umfange  dünn,  frei  und  nackt;  außen 
angedrückt  weißhaarig.  Konsistenz  des  Pilzes  fast  lederartig. 
Hymenium  geschlossen,  glatt,  oft  etwas  filzig  oder  mehlig,  weiß, 
blaßgrau  oder  weißlich-lila;  im  Alter  wenig  rissig,  aus  Basidien 
und  Pseudophysen  bestehend.  Basidien  verlängert  keulenförmig, 
65  bis  85  [x  lang  und  12  bis  15  \i  breit;  Sterigmen  4,  zylindrisch 
mit  stumpfer  Spitze,  fast  gerade,  bis  20  [j.  lang  und  2  bis  3  (x 
dick.  Pseudophysen  lang  keulenförmig,  weit  schmäler  als  die 
Basidien,  mit  selten  nur  2  bis  3,  meist  mehreren  knotigen  An- 
schwellungen, 5  bis  7  [j.  dick.  Sporen  gewöhnlich  oval,  15  bis 
18  |x  lang  und  12  bis  l4  jjl  breit,  zum  Teil  fast  kugelig,  12  bis 
16  [J-  im  Durchmesser  zählend,  stets  mit  deutlichem  Spitzchen, 
Membran  dick,  glatt  und  farblos.  Basidien,  Pseudophysen  und 
Sporen  mit  farblosem  Inhalt,  immer  auch  Öltropfen  bergend. 
Hyphen  unregelmäßig,  dicht  verwebt,  mäßig  derbwandig,  3  bis 
5  [X  dick,  farblos  und  glatt,  ohne  Schnallen  an  den  Septen. 
Gewebe  des  Pilzes  ganz  mit  Kristallen  von  oxalsaurem  Kalk 
erfüllt. 

An  der  Rinde  lebender  oder  morscher  Eichenstämme 
in  Europa  allgemein  verbreitet. 

Außer  den  Pseudophysen  findet  man  über  das  ganze 
Hymenium  des  Pilzes  zerstreut  zwischen  den  Basidien  auch 
noch  glatte,  farblose,  zartvvandige,  3  bis  5  |x  dicke  Fäden,  welche 
zum  Teil  über  die  Basidien  hinausragen. 

2.  Aleurodiscus  amorphus  (Pers.)  Rabh.  1801.  Raben  hörst. 
Fungi  europ.  exsicc,  Cent.  XIX,  Nr.  1824,  —  Hedwi- 
gia  1874,  p.  184;  Schröter,  Pilze  Schlesiens,  I,  p.  429; 
Berkeley  et  Broome,  Ann.  Hist.  Nat.,  1876,  XVII,  p.  137. 
Syn.  Peziza  amorphaFers.,  .Syn.,  p.  657,  — Mycol.  Europ.,  I,  p.  269;  Secre- 
tan  Myc.  Suis.,  III.  p.  303;  De  Candolle,  Flore  France,  V,  p.  25. 
Thtlephom  amorpha  Fr.,  Elenchus  Fung.,  I,  p.  183. 

Corticitim ainorphumY v.,E^\cns[s,^.ho'd,  —  Hym.  europ.,  p.648;  Fuckel, 
Symb.    myc,    p.    28;   Saccardo,     Syll.,   VI,    p.  606    (siehe  auch 


800  F.  V.  Höhnel  und  V.  Litschauer, 

De  Bar}%  Vergl.  Morph,  der  Pilze,  p.  68);  Britz elmayr,  Zur  Hyme- 
nomycetenkunde,  II.  Bot.  Zentr.  Bl.  1896,  XVII,  Nr.  44,p.  144.  f.  59. 

Cyphella  amorpha  Quelet,  Ench.,  p.  215. 

Nodiilaria  balsamicola  Peck,  24.  Rep.  of  N.  Y.  St.  Mus.,  p.  96. 

Peziza  Willkommii  Hrtg.,  Wicht.  Krankheiten  der  Waldbäume. 

Exs.       1.  Mougeot  et  Nestler,  Stirp.  crj^pt.  Vogeso-rhen.,  Nr.  398. 

2.  Fuckel,  Fungi  rhen.,  Nr.  2192. 

3.  Rahenhorst,  Fungi  europ.,  Nr.  212  und  709. 

4.  Rabenhorst-Winter,  Fungi  europ.,  Nr.  1824  a  und  b. 

5.  De  T hürnen,  Fungi  austriaci,  Nr.  1210. 

6.  De  Thümen,  Herb,  mycol.  oecon.,  Nr.  87. 

7.  C.  Roumeguere,  Fungi  selecti  exsicc,  Nr.  4604. 

8.  Krieger,  Fungi  saxonici,  Nr.  619  et  1908. 

9.  Alle  scher  et  Schnabel,  Fungi  bavarici,  Nr.  223. 

10.  Sydow,  Mycoth.  March.,  Nr.  4004. 

11.  Wartmann  und  Schenk,  Schweizerische  Kryptogamen,  Nr.  432. 

12.  D.  Saccardo,  Mycoth.  italica,  Nr.  416. 

13.  P.  Saccardo,  Mycoth.  Veneta,  Nr.  727. 

14.  De  Notaris,  Erbar.  Cryttog.  italiano,  ser.  I,  Nr.  441;  ser.  II,  Nr.  342. 

15.  L.  Rom  eil,  Fungi  exsicc.  praes.  scand.,  Nr.  130  et  Nr.  676. 

16.  Ellis  et  Everhart,  North  Americ.  Fungi,  II.  Ser.,  Nr.  2733. 

Siehe  dazu  Fig.  2  auf  Taf.  I. 

Pilz  aus  der  Rinde  hervorbrechend,  anfangs  meist 
becher-,  später  mehr  scheibenförmig,  0-4  bis  0'6  cm  breit;  oft 
fließen  mehrere  nahestehende  Fruchtkörper  zusammen;  nur 
im  Zentrum  angewachsen,  stets  deutHch  berandet;  frisch  von 
wachsartiger  Konsistenz,  trocken  dick  lederartig  und  zäh; 
an  der  Außenseite  und  am  Rande  weiß  filzig.  Hymenium  ge- 
schlossen, glatt,  lebhaft  scharlachrot,  abblassend  und  dann 
ockerfarben  bis  löwengelb  (beim  Aufweichen  des  trockenen 
Pilzes,  besonders  in  Ammoniak,  kehrt  die  lebhafte  Färbung 
des  Hymeniums  wieder  zurück).  Dieses  besteht  aus  Basidien  und 
Pseudophysen.  Basidien  verlängert  keulenförmig,  20  bis  24  [x 
breit,  mit  vier  großen  pfriemlichen,  gebogenen,  18  bis  20  \i. 
langen,  am  Grunde  bis  3  jx  dicken  Sterigmen.  Pseudophysen 
dick  fadenförmig  bis  unregelmäßig  keulig,  stets  mit  stumpfem 
Scheitel,  knotig,  6  bis  8  [x  breit.  Sporen  breit  ellipsoidisch  bis 
fast  kugelig,  20  bis  26  jx  lang,  16  bis  20  [x  breit;  Membran  dick, 
farblos  und  feinstachelig.  Basidien,  Pseudophysen  und  Sporen 
mit    rötlichem    Inhalt;    fast    immer    auch    Öltropfen    bergend. 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  801 

Hyphen  sehr  unregelmäßig,  dicht  verwebt,  mäßig  derbwandig, 
3  bis  7  jJL  dick,  farblos,  glatt  und  ohne  Schnallen  an  den  Septen. 

An  Stämmen  und  Zweigen  von  Alnes  pectüiata  u.  a.  Conif. 

Im  Frühlinge.  Allgemein  verbreitet.  Europa,  Sibirien,  Amerika. 

3.  Aleurodiscus  aurantius  (Pers.)  Schrot.  1797.  Schröter,  Die 

Pilze  Schlesiens,  p.  429. 

Syn.:  Thelephora  aiirantia  Pers.,  Disp.  Fung.,  p.  21,  —  Syn.  Fung.,  p.  576,  — ■ 
Mycol.  Europ.,  I,  p.  138;   Albertini   et    Schweinitz,    Conspect. 
Lus.,  p.  279;  Fries,  Syst.  Myc,  I,  p.  445. 
Corticiutn  aiirantiimi  (Pers.)  Sacc,  SylL,  VI,  p.  606. 
Thelephora  Riibi  Lib.,  in  M.  A.  Libert,  PI.  Crypt.  Arduennae,  Fase.  IV 
(1837),  Nr.  323. 
Exs.:  1.  W.  Brinkmann,  Westfälische  Pilze,  Lief.  I,  Nr.  17. 

2.  M.  A.  Libert,  PI.  Crypt.  Arduennae,  IV,  Nr.  323,  sub  Thelephora  Ruh i 
Lib.  n.  sp. 

Siehe  dazu  Taf.  II,  Fig.  3. 

Pilz  weit  ausgebreitet,  mit  unregelmäßigem,  immer  deut- 
lichem, schwach  weiß  faserigem  Rande;  dem  Substrate  fest 
anliegend;  frisch  wachsartig  bis  fleischig,  trocken  krustenförmig. 
Hymenium  glatt  oder  stumpf  warzig,  geschlossen,  anfangs  hell- 
rosa  oder  fleischrot,  später  rötlich-gelb  bis  hellgelblich,  trocken 
verblassend  und  rissig  werdend,  aus  Basidien  und  Pseudo- 
physen  bestehend.  Basidien  keulenförmig,  10  bis  14  [x  breit, 
mit  4  starken  pfriemlichen,  gebogenen,  bis  18  \s.  langen,  am 
Grunde  2  [x  dicken  Sterigmen.  Pseudophysen  unregelmäßig 
keulenförmig,  zum  Teil  so  breit  wie  die  Basidien,  zum  Teil  weit 
schmäler,  am  Scheitel  perlschnurartig  ausgebildet.  Sporen 
ellipsoidisch,  14  bis  18  {jl  lang,  10  bis  12  jjl  breit,  stets  mit  deut- 
lichem Spitzchen.  Membran  derb,  farblos,  undeutlich  punktiert. 
Inhalt  der  Sporen  hellrosa.  Hyphen  undeutlich. 

Im  Frühlinge  und  Herbst  an  Zweigen  von  Rosa-  und 
Rtihus-Axien.  Europa. 

4.  Aleurodiscus  croceus  Pat.  1893.  Patouillard,  Bullet.  Myc, 

IX,  1893,  p.  133. 
Syn:   Corticium  croceiun  (Pat.)  Sacc,  SylL,  IX,  p.  124. 

Siehe  dazu  Taf.  II,  Fig.  2. 

Pilz  aus  der  Rinde  hervorbrechend,  becher-  oder  schüssei- 
förmig, von  rundlichem  oder  länglich-rundlichem  Umriß.  Stets 


ö02  F.  V.  Hühnel  und  V.  Li  tschau  er, 

deutlich  berandet;  Rand  aufrecht  oder  eingebogen.  Pilz  unter- 
seits  und  am  Rande  weiI3  filzig;  anfangs  von  wachsartiger  bis 
fleischiger,  später  ledriger  Konsistenz.  Hymenium  geschlossen, 
glatt,  von  safrangelber  bis  orangeroter  Färbung;  weiß  bereift, 
aus  Basidien  und  Dendrophysen  bestehend.  Basidien  verlängert 
keulenförmig,  100  bis  140  [x  lang,  20  bis  25  [i  breit;  Sterigmen  4, 
pfriemenförmig,  scharfspitzig,  gebogen,  18  bis  20  [x  lang,  am 
Grunde  etwa  4  [x  dick.  Dendrophysen  zylindrisch,  am  Scheitel 
abgerundet,  dickwandig,  bis  zur  Basis  mit  2  bis  4  [i  langen, 
1  bis  1-5  [X  dicken,  stumpfen,  stachelartigen  Fortsätzen  ver- 
sehen. 

Sporen  rundlich  eiförmig,  25  bis  28  [j-  lang,  18  bis  22  [i 
breit,  mäßig  derbwandig,  glatt,  farblos,  mit  feinkörnigem  gelb- 
lichen Inhalt  und  1  oder  2  Öltröpfchen.  Hyphen  sehr  unregel- 
mäßig, di^innwandig,  farblos  glatt  oder  etwas  stachelig,  ohne 
Schnallen. 

Auf  Zweigen  von  MeJastouia.  Südamerika:  Ecuador 
(Lager  heim). 

5.  Aleurodiscus  Oakesii  (ßerk  et  Curt.)  Cke.  Cooke  in  Grev. 
Rav.,  fasc.  III,  p.  32. 

Syn.:  Corticium  Oakesii  Berk.  et  Curt.,  Grev.,  I,  p.  166;  Saccardo,  Syll.,  VI, 

p.  606. 
Exs  :  1.  Rabenhorst-Winter,  Fungi  europaei,  Nr.  3232. 

2.  Ellis,  North  Americ.  Fungi,  Nr.  935. 

3.  Ellis  et  Everhart,  Fungi  Columbiani,  Nr.  310. 

4.  C.  Roumeguere,  Fungi  Gall.  exsicc.,  Nr.  705. 

(Die   untersuchten  Exemplare  dieser  Nummer  enthielten  nichts  Bestimm- 
bares.) 

Siehe  dazu  Fig.  1,  Taf.  III. 

Pilz  becher-  oder  schüsseiförmig,  0*2  bis  0*5  cm  im 
Durchmesser  zählend;  nur  im  Zentrum  angeheftet,  stets  deut- 
lich berandet;  Rand  aufrecht  oder  eingebogen;  Pilz  frisch 
wachsartig  oder  fieischig,  trocken  von  ledriger  Konsistenz, 
unterseits  und  am  Rande  weiß  filzig.  Mehrere  nahestehende 
Fruchtkörper  oft  zusammenfließend.  Hymenium  geschlossen, 
glatt,  mehlig,  von  schmutzigweißer  bis  löwengelber  Färbung; 
aus  Basidien  und  Dendrophysen  bestehend.  Basidien  verlängert 
keulenförmig,  100  bis  140  jx  lang,  16  bis  18  [j,  breit.  Sterigmen  4; 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  803 

dick  pfriemenförmig,  scharfspitzig  und  gebogen,  16  bis  18  jx 
lang,  5  bis  6  [JL  breit.  Dendrophysen  zum  Teil  dickwandig;  diese 
von  zylindrischer  Form  und  fast  immer  stark  knotig;  zum  Teil 
dünnwandig,  dann  keulenförmig  und  nur  selten  schwach  knotig. 
Beide  Arten  von  Dendrophysen  mit  etwa  4  bis  6  [x  langen, 
1  bis  2  [i  dicken,  stacheligen,  aber  stumpfen  Fortsätzen  ver- 
sehen. Die  ersteren  zeigen  dieselben  nur  an  einer  unterhalb  der 
Mitte  ihrer  Länge  gelegenen  Partie,  die  letzteren  fast  immer 
nur  am  Scheitel.  Diese  Dendrophysen  sind  stets  schmäler  als 
die  Basidien,  nur  etwa  6  bis  10  [x  breit  und  haben  einen  gleich- 
mäßigen oder  aber  auch  zum  Teil  körnigen  Inhalt.  Sporen 
breit  ellipsoidisch,  an  einer  Seite  abgeflacht,  oben  und  unten 
etwas  zugespitzt,  fast  zitronenförmig,  18  bis  22  [j.  lang, 
12  bis  16  [A  breit,  mäßig  derb  wandig,  glatt,  farblos,  mit  fein- 
körnigem. Inhalt.  Hyphen  undeutlich,  sehr  unregelmäßig,  farblos, 
glatt  und  ungefähr  3  bis  4  jx  dick. 

An  der  Rinde  verschiedener  Laubbäume  (Oiierciis  sp., 
Ostrya  virghiica  etc.).  Nordamerika. 

6.  Aleurodiscus  javanicus  P.  Henn.  1899.  P.  Hennings,  Mon- 
sunia,  I,  1899,  p.  139. 

Syn.:  Corticium  javaiiiaiin  (P.  Henn.)    Sacc.   et   .Syd.  Saccardo,  Syll.,  XVI, 
p.  189. 

Siehe  dazu  Fig.  1,  Taf.  IL 

Pilz  anfangs  scheibenförmig,  nur  im  Zentrum  angeheftet, 
von  rundlichem  Umriß,  0'5  bis  1  cm  im  Durchmesser  zählend, 
später  zusammenfließend  und  ausgebreitet;  mit  stets  deutlichem 
welligem  Rand;  unterseits  weiß  filzig,  frisch  fast  wachsartig  oder 
fleischig,  trocken  ledrig.  Hymenium  geschlossen,  glatt,  bleich 
oder  rosa,  aus  Basidien  und  Dendrophysen  bestehend.  Basidien 
verlängert  keulenförmig,  etwa  100  [x  lang,  16  bis  20  jj.  breit; 
Sterigmen  4,  dick  pfriemen-  bis  fast  kegelförmig  mit  stumpfer 
Spitze,  grade,  10  bis  14  [j.  lang,  am  Grunde  bis  6  [j.  dick.  Den- 
drophysen zylindrisch  oder  unregelmäßig  keulig,  dünnwandig, 
6  bis  18  [X  breit,  am  Scheitel  glatt,  nur  in  der  Mitte  mit  2-3  (x 
langen,  1  bis  1-5  jx  dicken,  stumpfen,  dichtstehenden,  stachel- 
artigen Fortsätzen  versehen.  Außer  diesen  bis  an  die  Oberfläche 
des  Hymeniums  reichenden   Dendrophysen  können  aber  auch 


804  F.  V.  H  ö  h  n  e  1  und  V.  L  i  t  s  c  h  a  u  e  r, 

noch  solche  beobachtet  werden,  welche  dieselbe  nicht  erreichen, 
gewöhnlich  schmäler  sind  und  in  ihrer  ganzen  Ausdehnung 
sehr  dicht  angeordnet  stachelartige  Fortsätze  aufweisen. 
Basidien  und  Dendrophysen  meist  mit  gelblichem  Inhalt. 
Sporen  des  Pilzes  ellipsoidisch,  an  einer  Seite  etwas  abgeflacht, 
nach  oben  und  unten  verschmälert,  16  bis  20  [x  lang,  14  bis  16  \l 
breit,  mäßig  derbwandig,  glatt,  farblos,  mit  feinkörnigem  Inhalt, 
oft  auch  Öltropfen  bergend.  Hyphen  undeutlich,  farblos,  unge- 
fähr 2  bis  4  ji.  dick,  im  subhymenialen  Teil  des  Pilzes  locker 
verwebt  und  etwas  stachelig,  im  basalen  Teil  verklebt,  horizon- 
tal und  parallel  verlaufend  und  glatt.  Schnallen  nicht  gesehen. 
An  Zweigstücken.   Ostasien:   Java,  Tjibodas  (Fleischer). 

7.  Aleurodiscus  acerinus  (Pers.)  v.  H.  et  L. 

Syn.:  Coiiicinm  aceriniim  Pers.,   Observ.,  I,   p.  37;    RomeU,  Bot.  Not.,  1895, 

p.  71. 
Thelephora  acerina  Vers.,    Syn.,  p.  581,  et  Myc.  eur.,  I,   p.  152;    Fries, 

Syst.  Myc.,  I,  p.  453,  et  Hym.  europ.,  p.  645. 
Stereum  accrinum    (Pers.)  Fr.,    Epicrisis,    p.  554;    Winter,   Krypt.  FL, 

p.  346;  Massee,  Monogr.  of  the  Theleph.,  p.  202;  Cooke,  Handb., 

p.  317  (Nr.   915);  Steven,   Brit.    Fungi,    II,    p.   271;    Saccardo, 

Syll.,  VI,  p.  587,  et  Mycol.  Veneta,  p.  63. 
Hypochnus  acerinus  (Pers.)  Pat.,    Rev.  Myc,  1889,  p.  166,  et  Bull,  de  la 

See.  Myc,  1889,  p.  30. 
Stereum  p/aiani  Roumeg.,  siehe  Fungi  Call.,  Nr.  802. 
Exs.:  1.  De  Thümen,  Mycoth.  univers.,  Nr.  711. 

2.  De  Thümen,  Herb.  myco),  oecon.,  Nr.  291. 

3.  De  Thümen,  Fungi  austriaci,  Nr.  327. 

4.  C.  Roumeg uere,  Fungi  sei.  Call,  exs.,  Nr.  403. 

5.  C.  Roumeguere,  Fungi  sei.  Gall.  exs.,  Nr.  802,   sub  Stereum  platani 

n.  sp. 

6.  Cryptogamae  exsiccatae  (Mus.  palat.  Vindobon.),  Nr.  713. 

7.  W.  Brinkmann,  Westfälische  Pilze,  Nr.  4. 

8.  Saccardo,  Mycoth.  Veneta,  Nr.  410. 

9.  Mougeot  et  Nestler,  Stirp.  crypt.  Vog.  -rhen.,  Nr.  991. 

10.  Berkeley,  Brit.  Fungi,  Nr.  65  (non  vidi). 

11.  L.  Rom  eil,  Fungi  exsiccati  praes.  scand.,  Nr.  125  et  127. 

12.  Desmazieres,  Plant,  crypt.,  Nr.  2162. 

13.  Flora   exsiccata  Austro-Hungarica,   Nr.  3152,    sub  Corticium  calceum 

Pers. 

14.  Schröter,  Pilze  Schlesiens,  Nr.  764,  sub  Corticium  calceum  Pers. 

Siehe  dazu  Fig.  6,  Taf.  II. 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  oOo 

Pilz  unregelmäßig  ausgebreitet;  dünnhäutig  bis  dünn 
krustenförmig,  meist  deutlich  berandet,  selten  gegen  den  Rand 
zu  ganz  allmählich  verlaufend;  dem  Substrate  fest  anhaftend; 
von  reiner  oder  schmutzigweißer,  manchmal  etwas  gelblicher 
Färbung.  Gewebe  des  Pilzes  ganz  mit  sehr  kleinen,  kurz  stäb- 
chenförmigen Kriställchen  von  oxalsaurem  Kalk  erfüllt. 
Hymenium  geschlossen,  glatt,  im  Alter  zerrissen,  oft  etwas 
pulvrig  werdend;  aus  Basidien  und  Dendrophysen  bestehend. 
Basidien  keulenförmig,  6  bis  8  (x  breit;  Sterigmen  4;  pfriemen- 
förmig,  gebogen,  5  bis  6  [x  lang,  an  der  Basis  r5  jx  dick.  Sterile 
Basidien  mit  einem  schwach  gelblichen  Inhalt  versehen,  fast 
von  gloeocystidenartigem  Aussehen.  Sporen  eiförmig  oder  breit 
elliptisch  mit  deutlichem  basalen,  seitlichen  Spitzchen,  10  bis 
13  [x  lang,  6  bis  7  [x  breit;  farblos,  glatt,  zartwandig,  mit  gleich- 
mäßigem Inhalt  oder  wenige  Öltröpfchen  bergend.  Dendro- 
physen äußerst  zart,  mit  ihrem  oberen  verzweigten  Teil  inein- 
andergreifend, eine  Art  dichten  Filz  bildend,  über  welchen  die 
Basidien  hervorragen.  Hyphen  undeutlich. 

An  der  Rinde,  selten  auch  am  Holze  vornehmlich  von 
Acer   campestre,   A.  platanoides,    Ulmus,   Salix-Avien  u.  a.  m. 

Allgemein  verbreitet. 


1  a.  Var.  longisporus  v.  H.  et  L.  nov.  var. 

Exs.:  De  Thümen,  Mycotheca  universalis,  Nr.  807,  sub  Corticmm  calceum  Fr. 
var.  ladeum  Fr. 

Siehe  dazu  Fig.  4,  Taf.  II. 

Aussehen  und  Struktur  des  Pilzes  wie  bei  Aleurodiscus 
acerinus  (Pers.)  v.  H.  et  L.,  Sporen  jedoch  länger  und  schmäler. 
12  bis  17  «4  bis  6  [x  groß. 

Promont.  bonae  spei:  Sommerset-East  in  cortice  arborum 
varium  1875  (Nr.  1074),  leg.  Pr.  P.  Macovvan. 

Der  Pilz  kann  nicht  als  eine  Varietät  von  Corticmm 
calceum  Fr.  angesehen  werden,  da  letztere  Art  nach  Bresa- 
dola,  Fungi  Trid.,  II,  p.  64,  eine  Sebacma  ist,  welche  nur  auf 
Nadelholz  sich  vorfindet. 


806 


F.  V.  Höhnel  und  V.  Litschauer, 


8.  Aleurodiscus  usambarensis  P.  Henn.  (1904).  P.  Hennings, 
Bot.  Jahrbücher,  1904,  p.  43. 

Syn.:   Corticium  nsambarense  (P.  Henn.)  Sacc,  Syll.,  XVII,  p.  168. 
Aleurodiscus  spiimlosns  P.  Henn.,  Engler'.s  Jahrb.  (1906?). 

Siehe  dazu  Fig.  3,  Taf.  IV. 

Pilz  anfangs  becher-  oder  schüsseiförmig,  später  aus- 
gebreitet, 0-3  bis  0-^cm  im  Durchmesser  zählend,  nur  im 
Zentrum  angeheftet,  stets  deutlich  berandet;  Rand  aufrecht 
oder  eingebogen.  Pilz  frisch  wachsartig  bis  fleischig,  trocken 
von  lederiger  Konsistenz;  unterseits  und  am  Rande  weiß  filzig. 
Hymenium  geschlossen,  glatt,  gelb,  gelbrötlich  bis  orange,  im 
Alter  verblassend,  kaum  rissig  werdend;  aus  ßasidien,  Pseudo- 
und  Dendrophysen  bestehend.  Basidien  verlängert,  keulen- 
förmig, 60  bis  110[x  lang.  20  bis  24  [x  breit;  Sterigmen  4, 
pfriemenförmig,  gebogen,  ungefähr  20  »x  lang  und  am  Grunde 
bis  5  [x  breit. 

Pseudophysen  zylindrisch  oder  unregelmäßig  keulig,  6  bis 
10|x  dick,   selten  breiter,   zum  Teile  schwach  knotig,   an  der 
Spitze  manchmal  mit  wenigen  stachelartigen,  stumpfen  Fort- 
sätzen, wie  die  Dendrophysen  sie  zeigen,  versehen.  Basidien 
und  Pseudophysen  meist  mit  schwach  gelblichem,  körnigen  In- 
halte. Dendrophysen  von  sehr  wechselnder  Gestalt;  zum  Teile 
lang  und   schmal  keulenförmig,   dünn-  oder  dickwandig,  ent- 
weder nur  am  Scheitel  oder  aber  bis  fast  zum  Grunde  sehr 
dicht    mit    4  bis   10  [x    langen,    1  bis  l-5[x    dicken,    stumpfen, 
stachelartigen,  oft  rückgekrümmten  Vorsprungsbildungen  ver- 
sehen; zum  Teile  von  mehr  spindeliger  Form;  dickwandig  und 
meist  bis   zum  Grunde   mit   locker   angeordneten,   6  bis   12  [x 
langen  und  2  bis  2-5  [x  dicken,  meist  stark  gebogenen  Stacheln. 
Von  der  einen  zu  der  anderen  Form  der  Dendrophysen  finden 
sich   alle   Übergänge  vor;    auch   Übergänge   zu   den   Pseudo- 
physen   und    Basidien    können    beobachtet    werden.    Sporen 
ellipsoidisch,  an  einer  Seite  abgeflacht,  oft  nach  oben  und  unten 
verschmälert   und   manchmal   fast   zitronenförmig,    16  bis  24  [x 
lang  und   12  bis  15  pi  breit.    Membran  mäßig  dick,  farblos  und 
glatt.  Inhalt  schwach  gelblich  und  körnig.  Hyphen  farblos,  derb- 
wandig,   glatt,    sehr  unregelmäßig   verzweigt,    3  bis  5  [x  dick, 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  807 

Ott  mit  ähnlichen  Stachehi  wie  die  Dendrophysen  bedeckt. 
Schnallenbildungen  an  den  Septen  spärlich,  aber  doch  vor- 
handen. 

An  abgestorbenen  Zweigen  verschiedener  Bäume. 

Deutsch-Ostafrika,  Ostusambara  (Zimmermann). 

9.  Aleurodiscus  subacerinus  v.  H.  et  L.  n.  sp.  W.  Brinkmann, 

Westfälische  Pilze,  Nr.  ö,  sub  Corticinm  acerimiui  Pers. 
var.  (h)  qnercmuin  (Pers.). 

Siehe  dazu  Fig.  5,  Taf.  II. 

Pilz  unregelmäßig  ausgebreitet,  dünnhäutig,  stets  deutlich 
berandet,  dem  Substrate  fest  anhaftend,  von  rein  weißer  Farbe. 
Hymenium  geschlossen,  glatt;  aus  Basidien,  Dendrophysen 
und  Pseudophysen  bestehend.  Basidien  keulenförmig,  7  bis  9  {x 
breit;  Sterigmen  4,  sehr  dünn,  pfriemenförmig,  gerade  oder 
etwas  gebogen.  10  bis  12  ;j-  lang,  an  der  Basis  1"5[j.  breit. 
Sporen  zylindrisch,  mit  seitlichem  basalen  Spitzchen;  10  bis 
14  [i.  lang,  5  bis  6  »x  breit,  farblos,  zartwandig,  glatt,  mit  gleich- 
mäßigem Inhalt  oder  wenige  Öltröpfchen  bergend.  Dendro- 
physen sehr  zart,  mit  dem  oberen,  baumartig  verzweigten  Teil 
ineinander  greifend,  eine  Art  Filz  bildend,  aus  welchem  die 
Basidien  und  Pseudophysen  hervorragen.  Pseudophysen  dick- 
keulig,  gegen  den  Scheitel  zu  stumpf-  oder  spitzkegelig  ge- 
staltet, mit  einem  aufgesetzten  Spitzchen  oder  einem  bis  10[x 
langen,  stachelartigen  Fortsatz;  glatt,  farblos,  zartwandig,  8  bis 
14  |x  breit.  Hyphen  undeutlich.  Gewebe  des  Pilzes  ganz  mit 
Kristallen  von  oxalsaiu'em  Kalk  erfüllt. 

An  der  Rinde  alter  Stämme  von  Salix  und  Aluns. 

Westfalen:  Lengerich,  Winter  1898/99. 

10.  Aleurodiscus  cerussatus  (Bres.)  v.  H.  et  L.  (1892). 

Syn.:   Corticiiiin  cenissalmn  Bres.,   Fungi  Trid.,   II,  p.  37,  Tab.  CXLIV,   Fig.  3; 
Saccardo,  Syll.,  XI,  p.  127;  Bresadola,  H3-m.  Kniet.,  p.  48. 
Kneiffia  cenissata  Bres.,  Fungi  polonici,  p.  10  k 

Siehe  dazu  Fig.  1,  Taf.  IV. 

Pilz  ausgebreitet,  mit  unregelmäßigem,  gleichartigem,  meist 
deutlichem,   selten   allmählich   verlaufendem,   etwas   mehligem 


808  F.  V.  Hühnel  und  V.  Litschauer, 

Rande,  dem  Substrate  fest  anhaftend;  frisch  fast  wachsartig 
oder  fleischig,  trocken  dünnhäutig  bis  lederig.  Hymenium  ge- 
schlossen, glatt,  kahl,  meist  wenig  bereift;  anfangs  weiß  oder 
hellgelblich,  später  fast  hell  ockerfarben;  im  Alter  zerrissen;  aus 
Basidien,  Dendrophysen  und  Pseudophysen  bestehend.  Basidien 
keulenförmig,  30  bis  40  [x  lang,  8  bis  12  [i  breit;  Sterigmen  4, 
pfriemenförmig  gebogen,  bis  10  (j,  lang,  am  Grunde  1  -5  bis  2  [x 
dick.  Dendrophysen  zylindrisch,  3-5  jx  breit,  dünnwandig, 
farblos,  nach  oben  zu  meist  etwas  dicker  werdend  und 
daselbst  mit  2  bis  3  [j.  langen,  1  bis  1-5  [x  dicken,  stacheligen, 
jedoch  stumpfen  Fortsätzen  allseitig  versehen.  Pseudophysen 
zylindrisch  oder  schwach  keulig,  meist  stumpf,  selten  zuge- 
spitzt, sehr  oft  knotig  oder  gegen  den  Scheitel  zu  fast  perl- 
schnurartig ausgebildet,  ungefähr  4  bis  6  [jl  breit,  mit  hellgelb- 
lichem Inhalt  erfüllt.  Sporen  ellipsoidisch,  an  der  Basis  mit 
deutlichem  Spitzchen,  10  bis  14  [x  lang,  7  bis  8  [x  breit,  farblos, 
zartwandig  und  glatt.  Inhalt  gleichmäßig.  Hyphen  undeutlich, 
sehr  unregelmäßig,  farblos,  ungefähr  2  [x  dick. 

An  morschem  Holz  von  Laub-  und  Nadelbäumen. 

Tirol:  Umgebung  von  Trient  (Bresadola);  Ungarn:  Pren- 
cov  (Kmetj  (im  Herbar  Fuckel  lag  der  Pilz  als  C.  serialis 
f.  asserculornm,  von  Kalchbrenner  auf  morschen  Dach- 
schindeln in  Ungarn [.?]  gesammelt);  Polen  (Eich  1er). 

11.  Aleurodiscus  nivosus  (Berk.  et  Cke.)  v.  H.  et  L. 

Syn.:  Siereum  acerintim  Pers.  war.  tüvosum  Berk.  et  Cke.,   Grev.,  I,   p.  165 

(Sa c Card o,  Syll.,  VI,  p.  588). 
Exs.:  Ellis,  North  American  Fungi,  Nr.  326. 

Ellis  et  E verhart,  Fungi  Columbiani,  Nr.  1207. 

C.  L.  Shear,  New  York  Fungi,  Nr.  52. 

Rabenhorst-Winter,  Fungi  europaei,  Nr.  3647a,  b. 

Ravenel,  Fungi  Caroliniani,  Nr.  37,  sab  Steretim  acerimim  Pers. 

Thümen,  Mycoth.  univers.,  Nr.  711. 

Siehe  Fig.  2,  Taf.  II. 

Pilz  ausgebreitet,  meist  langgestreckte,  schmale,  seltener 
mehr  oder  weniger  rundliche,  polsterartige  Formen  bildend; 
stets  deutlich  berandet,  dem  Substrate  fest  anhaftend,  von  rein- 
bis    schmutzigweißer    Farbe    und    lederartiger,    fast    horniger 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  809 

Konsistenz.  Hymenium  geschlossen,  glatt,  im  Alter  zerrissen, 
oft  etwas  pulverig  werdend;  aus  Basidien,  Gloeocystiden  und 
Pseudophysen  bestehend.  Basidien  keulenförmig,  12  bis  16  [x 
breit;  Sterigmen  4,  dick  pfriemenförmig,  stark  gebogen,  10  bis 
12  (X  lang,  an  der  Basis  3  bis  5  [x  breit.  Sporen  breit  ellipsoidisch 
bis  fast  kugelig,  15  bis  20  [x  lang,  12  bis  16  [x  breit,  farblos, 
zartwandig,  etwas  rauh,  mit  feinkörnigem  Inhalt.  Pseudophysen 
von  etwas  wechselnder  Form,  meist  im  großen  und  ganzen 
zylindrisch,  gegen  den  Scheitel  zu  perlschnurartig  gestaltet,  oft 
über  das  Hymenium  hervorragend,  6  bis  8  [x  breit,  dünnwandig 
und  glatt.  Gloeocystiden  keulenförmig,  8  bis  14  jx  breit,  mit 
dünnem,  3  bis  5  [x  dicken  Stiel,  stets  eingesenkt,  dünnwandig 
und  glatt,  mit  gelblichem,  feinkörnigem  Inhalt.  Hyphen  undeut- 
lich. Gewebe  des  Pilzes  mit  Kristallen  von  oxalsaurem  Kalk 
ganz  erfüllt. 

An  der  Rinde  von  Jimiperus  virgmiana. 

Nordamerika  (scheint  dortselbst  nicht  selten  zu  sein). 

12.  Aleurodiscus  sparsus  (Berk.)  v.  H.  et  L. 

Syn.:  Stereuiii  sparsnm  Berk.,  Austral.  Fungi,  Nr.  136,  —  Journ.  Linn.  Soc. 
(Bot.),  XIII,  p.  168;  Massee,  Monogr.  of  the  Teleph.,  p.  203; 
Saccardo,   Syll.,  VI,  p.  562. 

Siehe  dazu  Fig.  3,  Taf.  III. 

Pilz  anfangs  unregehriäßig  rundliche,  2  bis  3  mm  im  Durch- 
messer betragende,  bis  0-5  mm  hohe,  flache  Polster  bildend, 
später  in  Längsreihen  zusammenfließend;  stets  deutlich  be- 
randet,  von  rein  weißer  bis  weißlich-gelber  Farbe  und  leder- 
artiger bis  fast  horniger  Konsistenz,  dem  Substrate  fest  an- 
haftend. Gewebe  des  Pilzes  mit  Kristallen  von  oxalsaurem 
Kalk  ganz  erfüllt.  Hymenium  geschlossen,  glatt;  unter  der  Lupe 
etwas  mehlig  aussehend;  aus  Basidien,  Dendrophysen  und 
Gloeocystiden  zusammengesetzt.  Basidien  dick  keulenförmig, 
14  bis  18  [X  breit;  Sterigmen  4,  dick  pfriemenförmig,  stark 
gebogen,  12  bis  14  [x  lang,  an  der  Basis  4  bis  6  {x  breit.  Sporen 
ellipsoidisch  oder  zylindrisch,  24  bis  38  (x  lang,  14  bis  18  [j- 
breit,  farblos,  zartwandig,  glatt,  mit  feinkörnigem  Inhalte;  stets 
mit  deutlichem  seitlichen  Spitzchen. 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Kl. ;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  53 


810  F.  V.  Höhnel  und  V.  Li  tschau  er, 

Dendrophysen  schmal  zylindrisch,  fast  fadenförmig,  glatt, 
mäßig  derbwandig,  gegen  den  Scheitel  zu  allseitig  mit  etwa  1  \l 
dicken,  2  bis  4  [x  langen,  einfachen  oder  verzweigten  Seiten- 
ästen versehen.  Gloeocystiden  lang  spindelförmig,  4  bis  8  {x 
breit,  dünnwandig,  glatt,  mit  hellgelblichem  Inhalte.  Sub- 
hymeniales  und  vor  allem  basales  Gewebe  des  Pilzes  mit 
ovalen,  ellipsoidischen  oder  kugeligen,  derbwandigen  (2  bis  3  [x 
dick),  30  bis  60  [x  langen,  20  bis  45  jx  breiten  Sekretbehältern, 
welche  mit  einer  gelbbraunen,  harzigen  Masse  erfüllt  sind. 
Hyphen  4  bis  6  [x  dick,  undeutlich,  verklebt,  farblos  und  glatt. 

An  Rinde. 

Australien  und  Ceylon. 

Die  genauere  Beschreibung  des  feineren  Baues  des  Pilzes 
wurde  an  Exemplaren  gewonnen,  welche  als  Stereum  sparsmn 
Berk.!  det.  v.  Beck  im  Herbar  des  k.  k.  Hofmuseums  in  Wien 
liegen  und  welche  auf  der  Weltreise  der  Prinzen  Philipp  und 
August  von  Coburg  in  Australien  (Victoria,  Murrayfluß)  an 
Eticalypttis-Rm^Ae.  gesammelt  wurden.  Dieselben  stimmen  so  gut 
zu  Berkeley's  Diagnose  dieses  Pilzes,  daß  sie  wohl  als  richtig 
bestimmt  angesehen  werden  können.  Sollte  dennoch  das 
Originalexemplar  von  St.  sparsmn  Berk.  (Herb.  Berkeley, 
Nr.  3805)  etwas  anderes  sein,  so  müßte  vorliegende  Aleurodiscus- 
Art  einen  neuen  Namen  erhalten. 

IV.  über  Peniophora  Aegerita  (Hoffm.)  v.  H.  et  L. 

Zu  den  in  den  Wäldern  ganz  allgemein  verbreiteten,  so 
auch  im  Gebiete  des  Wienerwaldes  an  feuchten,  morschen 
Holz-  und  Rindenstücken  oft  anzutreffenden  Pilzen  gehört 
auch  die  Aegerita  Candida  Pers.  Mit  diesem  Namen  wird  von 
den  neueren  Autoren  ein  zuerst  von  Hoffmann  in  der  Flora 
germ.,  2,  t.  IX,  f.  l,als  Sderotmm  Aegerita  beschriebener,  höchst 
interessanter  Organismus  bezeichnet,  über  dessen  eigentliche 
Natur  und  systematische  Stellung  man  bis  heute  vollkommen  im 
unklaren  war.  Derselbe  ist  von  verschiedenen  Autoren  noch 
mehrmals  unter  anderen  Namen  beschrieben  worden.  So  sind 
zweifelsohne,  wie  aus  den  Beschreibungen  und  Abbildungen 
an  den  entsprechenden  Literaturstellen  hervorgeht,  auch  das 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  811 

Sei.  albtim  D.  C,  F'lore  France,  VI,  p.  112,  das  Crocysporimn 
Aegerita  Cda.,  Icones  fung.,  I,  p.  5,  f.  87,  weiter  das  Cr.  toru- 
losiini  Bon.,  Handbuch,  p.  59,  Fig.  90,  und  endlich  auch  das 
Cr.  alhum  Preuss,  F.  Hoyersw.,  Nr.  185,  mit  dem  Hoffmann- 
schen  Sei.  Aegerita  ideniisch.  Bei  den  älteren  Autoren  finden  wir 
diesen  Pilz  an  sehr  verschiedenen  Stellen  des  Systems.  Von 
den  neueren  wurde  er  meist  als  zu  den  Fungi  imperfecti  ge- 
hörend   betrachtet    und  bei  den  Tubercularieen  untergebracht. 

Im  II.  Nachtrag  zu  seinen  Symb.  Myc,  p.  8,  wurde  von 
Fuckel  die  Aegerita  Candida  Pers.  als  Konidienpilz  zu  Cor- 
ticitim  lacteum  Fe  kl.  gezogen.  Er  hatte  nämlich  die  ganz 
richtige  Beobachtung  gemacht,  daß  die  jungen  Aegerita- 
Körnchen  immer  auf  einem  äußerst  zarten,  weißen,  schon  mit 
der  Lupe  erkennbaren  Hyphengeflecht  sich  entwickeln, 
welches  allerdings  später,  wenn  die  Körnchen  ihre  volle 
Ausbildung  erlangt  haben,  meist  vollständig  verschwunden 
ist.  Dieses  Hyphengeflecht  zeigt  nun  nach  ihm  unter  dem 
Mikroskope  »genau  dieselbe  Struktur  wie  jenes,  welches 
besonders  den  zarten  Rand  von  ausgewachsenem  C.  lacteum 
Fe  kl.  bildet«,  und  er  gibt  auch  an,  daß  er  meist  an  solchen 
morschen  Stämmen,  an  welchen  er  ääe  Aegerita  vorfand,  immer 
auch  letzteren  Pilz  in  allen  Entwicklungsstadien  angetroffen 
hätte.  Er  glaubte  daher,  mit  voller  Berechtigung  die  Ansicht 
aussprechen  zu  können,  daß  die  Basidiosporen  von  C  lacteum 
Fckl.  ein  Hyphengeflecht  erzeugen,  aus  welchem  je  nach  den 
Witterungsverhältnissen,  besonders  in  Hinsicht  auf  Feuchtig- 
keit, entweder  Aegerita-Köv'^Qrchen  sich  entwickeln  oder 
welches  unmittelbar  zu  ersterem  Pilz  auswächst. 

Diese  Fuckel'sche  Auffassung  der  Aegerita  Candida  als 
Konidienpilz  von  Corticium  lacteum  ist,  soviel  wir  sehen 
konnten,  völlig  ignoriert  worden.  Sie  ist  tatsächlich  schon 
deshalb  unrichtig,  weil  der  von  ihm  als  C.  lacteum  bezeich- 
nete Pilz  gar  nicht  diese  Art  ist.  Überdies  hat  Fuckel  auch  den 
direkten  Zusammenhang  der  beiden  Pilze  nicht  nachgewiesen, 
sondern  nur  aus  dem  öfter  beobachteten  Zusammenvorkommen 
beider  und  der  Ähnlichkeit  der  Hyphen  beider  auf  die  Zu- 
sammengehörigkeit derselben  geschlossen,  was  natürlich  nicht 
genügt,  um  dieselbe  zu  beweisen. 

53* 


812  F.  V.  Höhnel  und  V.  Litschauer, 

Daher  ist  es  begreiflich,  daß  Fuckel's  Angabe  nicht  ernst 
genommen  wurde,  um  so  mehr  als  sie  ganz  unwahrscheinlich 
schien  und  Fuckel  sehr  zahlreiche  andere  in  ähnlicher  Weise 
nicht  genügend  begründete  Ansichten  über  hie  Zusammen- 
gehörigkeit von  Pilzformen  mit  aller  Bestimmtheit  geäußert 
hat,  die  sich  nachträglich  als  nicht  stichhaltig  erwiesen 
haben. 

Auch  Sorokin,  welcher  diese  Aegerita  einer  sehr  sorg- 
fältigen Untersuchung  unterzogen  hat,  sie  sehr  genau  beschreibt 
und  abbildet,  erwähnt  in  seiner  diesbezüglichen  Arbeit  in  den 
Ann.  Sciences  Nat.,  IV,  1876,  p.  138,  die  Fuckel'sche  Ansicht 
gar  nicht,  obwohl  die  von  ihm  zuerst  beobachtete  Tatsache 
des  Vorkommens  von  Schnallen  an  den  Hyphen  des  Mycels 
der  Aegerita.  welches  sich  im  Substrate  ausbreitet,  auf  einen 
Zusammenhang  mit  einem  Basidiomyceten  insofern  hindeutet, 
als  ja  die  Schnallenbildungen  speziell  für  die  Hyphen  derselben 
charakteristisch  sind.  Dies  fiel  Sorokin  nicht  auf  und  er  blieb 
über  das  Wesen  der  Aegerita  auf  ganz  falscher  Fährte. 

Nichtsdestoweniger  hatte  Fuckel,  was  den  springenden 
Punkt  anlangt,  in  diesem  Fall  das  Richtige  getroffen. 

Wie  wir  an  einer  im  Wienerwalde  gefundenen  Corticiee 
nachweisen  konnten,  ist  tatsächlich  Aegerita  Candida  ein  Ent- 
wicklungsglied einer  Peniophora,  die  sich  als  neu  herausstellte 
und  im  folgenden  P.  Aegerita  v.  H.  et  L.  bezeichnet  ist.  Das 
im  August  1905  in  der  Pfalzau  gefundene  Exemplar  dieser 
Peniophova  war  nicht  nur  ringsum  von  Aegerita  umgeben, 
sondern  zeigte  auch  am  Hymenium,  besonders  gegen  die 
Ränder  hin,  jüngere  und  ältere  Entwicklungsstadien  derselben. 

Wurde  schon  hiedurch  wahrscheinlich,  daß  die  Aegerita 
ein  Entwicklungszustand  der  Peniophora  ist,  so  erhielt  diese 
Wahrscheinlichkeit  den  Anschein  der  Gewißheit,  als  sich  durch 
Vergleich  der  Peniophora  Aegerita  mit  dem  von  Fuckel  als 
Corticinm  lactetim  bestimmten  Pilze  (in  Fungt  rhen.,  Nr.  136,  I) 
die  überraschende  Tatsache  herausstellte,  daß  beide  Pilze 
identisch  waren.  P.  Aegerita  ist  uns  bisher  in  keinem  der 
vielen  Tausenden  von  Corticieen-Exsikkaten,  die  wir  unter- 
sucht haben,  zu  Gesichte  gekommen  und  daher  erst  zweimal 
gefunden  worden:   1872  von  Fuckel  bei  Östrich  im  Rheingau 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen. 


813 


und     1905   von   uns     im   Wienerwalde    und     beidemale    von 
Aegerita  Candida  in  auffallender  Weise  begleitet. 

Während  das  Fuckel'sche  Exemplar  zum  Teil  infolge 
seines  Alters  und  schlechten  Erhaltungszustandes  sich  als 
zum   sicheren   Nachweise   der   Zugehörigkeit   der  A.  Candida 


Fig.  7.  Peniophora  Aegerita  (Hoffm.)  v.  H.  et  L, 
a  Querschnitt  durch  das  Hymenium  des  Pilzes  mit  zwei  jungen  Anlagen 

von  Aegerita-Kömchen  (Hymenialbulbillen)  (Vergr.  ^oo/j). 
h  Querschnitt  durch  das  Hymenium  mit  Basidien,  Cystiden  und  Sporen 

(Vergr.  600/j. 

zur  Peniophora  unbrauchbar  erwies,  konnte  dieser  Nachweis 
an  dem  viel  günstigeren  Wienerwald-Exemplar  mit  voller 
Sicherheit  erbracht  werden,  indem  sich  hier  unzweifelhafte 
Entwicklungszustände  der  Aegerita  auf  dem  Hymenium  der 


814  F.  V.  Höhnel  und  V.  Litschauer, 

Peniophora  sowie  aller  Zwischenstadien  zur  ausgewachsenen 
Aegerita  vorfanden,  wie  die  vorstehende  Fig.  7  zeigt. 

Demnach  besteht  die  Aegerita  Candida  aus  sterilen,  abnorm 
entwickelten  und  verlängerten  und  miteinander  zu  kugeligen 
Gebilden  verwachsenen  Basidien  samt  Tragzellen  der  Penio- 
phora. Hiebei  sind  die  Basidien  mehrfach  quer  geteilt,  an  den 
Querwänden  oft  mit  großen  Schnallen  versehen  und  seitlich 
durch  Querfortsätze  oft  miteinander  verwachsen.  Die  oberste 
Zelle  schwillt  kugelig  an  und  zeigt  keine  Spur  von  Sterigmen. 

Offenbar  stellt  die  Aegerita  Candida  bulbillenartige  Bildun- 
gen dar,  die  dem  Hymenium  entstammen  und  daher  am  besten 
als  Hymenialbulbillen  bezeichnet  werden.  Sie  spielen  offen- 
bar bei  der  Erhaltung  und  Fortpflanzung  des  Pilzes  eine  Rolle, 
die  noch  näher  zu  erforschen  ist.  Wahrscheinlich  sind  sie  im 
Stande,  auszukeimen  und  einen  neuen  Peniophora-ThoWns  zu 
bilden.  Infolge  ihrer  leichten  Ablösbarkeit  vom  Substrate,  dem 
sie  oft  scheinbar  ganz  lose  aufsitzen,  werden  sie  auch  als 
wirksame  Verbreitungsmittel  des  Pilzes  dienen. 

Als  Konidienpilz  kann  jedoch  die  Aegerita  nicht  betrachtet 
werden,  wie  dies  Fuckel  tut,  denn  sie  bildet  niemals  Sporen. 
Eher  könnte  sie  mit  einem  Sclerotium  verglichen  werden,  doch 
hat  sie  auch  mit  einem  solchen  nichts  zu  tun,  sie  stellt  eine 
ganz  eigene  Bildung  sui  generis  dar. 

Wo  die  Aegerita-Yovm  sich  reichlich  und  üppig  entwickelt, 
obliteriert  das  Hymenium  oder  kommt  gar  nicht  zur  Entwick- 
lung und  dies  ist  offenbar  der  gewöhnliche  Fall,  da  die  Aegerita- 
Form  ebenso  häufig  als  die  Peniophora-F ovm  selten  ist. 

Es  ist  sehr,  wahrscheinlich,  daß  auch  die  anderen  ziemlich 
zahlreichen  beschriebenen  Aegerita- Arten,  wenigstens  soweit 
sie  einen  Bau  besitzen,  ähnlich  dem  der  A.  Candida  zu  Basidio- 
myceten  als  Hymenialbulbillen  gehören  werden. 

Wir  geben  nun  die  genauere  Beschreibung  des  vollstän- 
digen Pilzes. 

Peniophora  Aegerita  (Hoffm.)  v.  H.  et  L. 
Syn.   Corticiiim  lactetini  Fckl.  (Sym.  Myc,  IL  Nachtrag,  p.  S). 
Exs.  Fuckel,  Fungi  rhen.,  Nr.  136. 

Pilz  ausgebreitet;  sehr  zarte  krümelige,  dem  Substrate 
fest  anhaftende,  am  Rande  allmählich  verlaufende,  weiße  bis 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  815 

gelblich-weiße  Überzüge  bildend.  Hymenium  geschlossen,  aber 
etwas  locker,  unter  der  Lupe  mehlig  aussehend,  aus  Basidien 
und  Cystiden  bestehend.  Basidien  keulenförmig,  4  bis  5  [x  breit, 
Sterigmen  4,  pfriemenförmig  gebogen,  3  bis  4  [x  lang.  Sporen 
breit  ellipsoidisch  oder  fast  kugelig,  5  bis  7  [x  lang,  4  bis  6  [x 
breit  oder  5  bis  7  [x  im  Durchmesser  habend;  zartwandig, 
glatt,  stets  mit  deutlichem  Spitzchen  und  einem  großen  Öl- 
tropfen  im  Inhalte.  Cystiden  locker  angeordnet,  fast  zylindrisch, 
nach  oben  meist  etwas  verschmälert,  an  der  Basis  schwach 
bauchig,  60  bis  90  [x  lang,  6  bis  7  [x  breit,  stumpf,  dickwandig, 
rauh,  inkrustiert;  Lumen  immer  sehr  eng,  manchmal  fast 
linienförmig. 

Gewöhnlich  tritt  der  Pilz  mit  unentwickeltem  oder  ver- 
kümmertem Hymenium  auf,  indem  statt  diesem  die  als  Aegerita 
Candida  (Pers.)  bekannten  Hymenialbulbillen  entstehen.  Über 
deren  Bau  siehe  Sorokin,  1.  c. 

Hyphen  des  Pilzes  sehr  unregelmäßig,  zartwandig,  farblos, 
glatt,  4  bis  6  |x  breit,  mit  Schnallen  an  den  Septen. 

An  morschen,  feucht  liegenden  Holzstücken  {Fagus,  Salix, 
Ahms)  in  Wäldern.  Die  Aegerita  candida-Form  sehr  häutig,  die 
Petiiophora-F orm  sehr  selten  (1872  von  Fuckel  bei  Östrich 
im  Rheingau,  1905  in  der  Pfalzau  im  Wienerwald). 


V.  Gloeopeniophora  nov.  gen.  v.  H.  et  L. 

Im  CXV.  Bande  dieser  Sitzungsberichte  1906,  math.- 
naturw.  Klasse,  Abt.  I,  p.  1562,  wurde  von  uns  eine  genaue, 
auf  Grund  der  Untersuchung  des  Originalexemplares  ent- 
worfene Diagnose  von  Peniopliora  aenmlans  Karst,  gegeben. 
Der  Pilz  wurde  von  uns  an  jener  Stelle  Gloeocystidiwn  aemulans 
(Karst.)  Bres.  genannt.  Bresadola,  von  welchem  schon  früher 
das  Originalexemplar  dieses  Karsten'schen  Pilzes  ebenfalls 
untersucht  worden  war,  hatte  nämlich  bereits  die  von  Karsten 
als  Cystiden  beschriebenen  spindelförmigen,  beziehungsweise 
zylindrischen,  stumpfen,  mit  hyalinem  bis  hellgelblichem  Inhalt 
erfüllten  Gebilde  im  Hymenium  des  Pilzes  als  Gloeocystiden 
gedeutet  (siehe  Bresadola,  Fungi  polonici,  p.  99). 


816  F.  V.  Höhnel  und  V.  Litschauer, 

Das  Originalexemplar  von  Peniophora  aemulans  Karst, 
besitzt  aber  nicht  nur  Gloeocystiden,  sondern  auch  dickwandige, 
rauhe,  stark  inkrustierte,  gewöhnliche  Peniophora-Cystiden, 
und  zwar  von  sehr  wechsehider  Gestalt,  wie  wir  an  der  oben 
zitierten  Literaturstelle  bereits  mitgeteilt  haben. 

Gloeocystiden  neben  gewöhnlichen  Peniophora-Cystiden 
zeigt  aber  auch  noch  eine  andere  Corticiee,  nämlich  Peniophora 
incarnata  (Pers.)  Cke.,  wie  wir  angelegentlich  der  Unter- 
suchung einer  größeren  Anzahl  von  Exemiplaren  dieses  Pilzes 
beobachtet  hatten.  Da  nun  Karsten  selbst  seine  P.  aemulans 
als  der  P.  incarnata  (Pers.)  Cke.  sehr  ähnlich  bezeichnet  und 
das  Originalexemplar  derselben  nur  wie  ein  etwas  verbleichtes 
Stück  der  letzteren  Art  aussieht,  ferner  die  Sporen  beider  Pilze 
in  Form  und  Größe  vollständig  übereinstimmen,  stieg  in  uns 
der  Verdacht  auf,  daß  diese  beiden  Pilze  wahrscheinlich 
identisch  sein  dürften.  Ein  sorgfältiger  Vergleich  des  Original- 
exemplares  des  Karsten'schen  Pilzes  mit  typischen,  unzweifel- 
haft richtig  bestimmten  Exemplaren  von  P.  incarnata  (Pers.) 
Cke.  ergab  tatsächlich  die  vollständige  Übereinstimmung  der- 
selben, auch  was  ihre  Struktur  betrifft.  P.  aemulans  Karst, 
muß  daher,  da  sie  weit  später  aufgestellt  wurde  als  der 
Persoon'sche  Pilz,  als  eigene  Art  gestrichen  werden.  Das 
gleichzeitige  Vorkommen  von  Gloeocystiden  und  gewöhnlichen 
Peniophora-Cystiden  erschwert  die  richtige  Einreihung  von 
P.  incarnata  (Pers.)  Cke.  in  eine  der  bestehenden  Corticieen- 
gattungen,  denn  dieser  Pilz  kann  mit  gleichem  Recht  auch 
als  Gloeocystidium  angesehen  werden.  Da  es  nun  wahrschein- 
lich auch  noch  andere  Peniophora -Arten  mit  Gloeocystiden 
geben  dürfte,  so  ist  es  vielleicht  vorteilhaft,  für  diese  eine 
eigene  Gattung  zu  schaffen,  die  wir  Gloeopeniophora  nennen 
wollen. 


Gloeopeniophora  incarnata  (Pers.)  v.  H.  et  L.  (1801). 

Syn.  Thelephora incarnata  Pers.,  Syn.  Fung.,p.  573, —  Myc  Eur.,  I.  p.  130, — 
Flor.  Dan.,  t.  2035,  Fig.  2;  Albertini  et  Schweinitz,  Consp. 
Lusat,  p.  276;  Swartz,  Ind.  occ,  p.  80;  Fries,  Syst.  Myc,  I, 
p.  444,   —  Elench.  Fung.,  p.  219 ;  Berkeley,  Engl.  Flore,  I,  p.  171. 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  817 

ThelephomfallaxVevs.,  Syn.  Fung.,  p.  574, —  Myc.  Europ.,  p.  131. 

ThelepJiom  bolaris  Pers.,  Myc.  Europ.,  p.  138. 

Thelephora  laferitia  Pers.,  Myc.  Europ.,  p.  139. 

Auricularia  aurantiaca  Sow.,  Fungi,  III,  Taf.  291. 

Corticitim incarnaUim  (Pers.)  Fr.,  Epicrisis,  p.  564, —  Hymenom.  Europ., 

p.  654;  Winter,  Krypt.    Fl.,   p.   333;   Berkeley,   Outl.,   p.  275; 

Cooke,  Handb.,  p.  324;  Steven,  Brit.  Fungi,  II,  p.  227;  Karsten, 

Myc.  Fenn.,  (Basid.)  p.  306;  Gillet,  Hym.  Fr.,  p.  753;  Schröter, 

Pilze  Schlesiens,  p.  424;  Saccardo,  Syll.,  VI,  p.  625;  Quelet,  Fl. 

Myc,  p.  7. 
Peniophora  incarnata  (Pers.)  Cke.  in  Massee,  Monogr.  of  the  Teleph., 

p.  147;  Karsten,  Finnl.  Bas.,  p.  162;  Saccardo,  Syll.,^IX,  p.  241. 
Kneiffia  incarnata  (Fr.)  Bres.,  Fungi  polonici,  p.  103;  Saccardo,  Syll., 

XVII,  p.  182. 
Peniophora  aemulans  Karst.,  Öfv.  Finnl.  Basidsv.,  p.  425:  Saccardo, 

Syll.,  IX,  p.   239. 
Corticitim  (Gloeocystidiuin)  aeimilans  (K a  r  s  t .)  B  r  e  s.,  Fungi  polonici,  p.  99. 
Gloeocystidium   aemulans    (Karst.)  Bres.,  siehe  diese  Sitzungsberichte, 

Bd.  CXV,  Jahrgang  1906,  math.-naturw.  Klasse,  Abt.  I,  p.  1562. 

Exs.    1.  Cooke,  Fungi  Brit.  exsicc,  Nr.  606. 

2.  Fuckel,  Fungi  rhen.,  Nr.  1310. 

3.  Raben  hörst- Winter,  Fungi  europ.,  Nr.  2820  a. 

4.  Wart  mann  und  Schenk,  Schweizerische  Kryptogamen,  Nr.  122. 

5.  Sydow,  Mycoth.  March.,  Nr.  1306. 

6.  Romell,  Fungi  exsicc.  praes.  scand.,  Nr.  33. 

7.  Brinkmann,  Westfälische  Pilze,  Nr.  26. 

8.  Saccardo,  Myc.  Veneta,  Nr.  438 et  1110. 

9.  Roumeguere,  Fungi  Gall.  exs.,  Nr.  1409  und  2011. 

10.  Rabenhorst,  Fungi  europ.,  Nr.  1807  sub  Corticium  roseum  (Pers.)  Fr. 

11.  Roumeguere,  Fungi  Gall.  exsicc,  Nr.  104  sub  Corticium  roseum  Pers. 
Exsikkate    als    Peniophora     incarnata    (Fr.)     Cke.    bezeichnet,  welche  nicht 

diesen  Pilz,  sondern  andere  Arten  enthalten: 

1.  De  Thümen,  Mycoth.  univers.,  Nr.  1 12,  enthält  Peniophora  aurantiaca 

(Bres.)  V.  H.  et  L. 

2.  De  Thümen,  Fungi  austriaci,  Nr.  120^,  enthalt  Peniophora  aurantiaca 

(Bres)  V.  H.  et  L. 

3.  Saccardo,  Mycoth.  Veneta  Nr.  1110;  ein  Teil  der  Exsikkate  enthält 

Tulasnella  incarnata  01s. 

4.  Linhart,  Fungi  hung.,  Nr.  A?>Q,ent\\g.\t  Peniophora  aurantiaca  (Bres.) 

V.  H.  et  L. 

5.  Rabenhorst-Winter,  Fungi  europ.,  Nr.  2820  b,  enthält  Peniophora 

Frangulae  (Bres.)  v.  H.  et  L.  ? 

6.  Klotz  seh.    Herb.    Mycol.,    Nr.  14,    enthält    Corticium    polygonium 

(Pers.)  Fr. 

7.  Saccardo,  Myc  Veneta,  Nr.  403,  enthält  Peniophora  caesia  Bres. 


öl 8  F.  V.  Höhne  1  und  V.  Litschauer, 

8.  Roumeguere,  Fungi  Call,  exsicc,  Nr.  2510,  enthält  Pem'ophora attran- 

tiaca  (Bres.)  v.  H.  et  L.  (?) 

9.  Roumeguere,  Fungi Gall.  exsicc,  Nr.  2910,  enthält  Peniophora  caesia 

Bres. 

10.  Roumeguere,  Fungi  Gall.  exsicc,  Nr.  6009,  enthält  Cortichim polygo- 

11  tum  (Pers.)  Fr. 

11.  Sydow,  Mycoth.  march.,  Nr.  3218,  3434  und  4619,  enthalten  Corti- 

ciiiin  rosenm  Pers. 

12.  ElHs  et  Everhart,  Fungi  Columb.,  Nr.  609,  enthält  Cortichim  rosenm 

Pers. 

13.  Ellis,    North    Americ   Fungi,    Nr.   20,    enthält   Peniophora  velutina 

(D.  C.)  V.  H.  et  L. 

>< 

14.  Ellis,  North  Americ.  Fungi,  Nr.  1518,  enthält  Gloeocystidium  ladescens 

(Berk.)  v.  H.  et  L. 

Pilz  unregelmäßig  ausgebreitet,  häutig  bis  dünn  lederartig, 
dem  Substrate  fest  anhaftend,  am  Rande  gleichartig,  etwas 
mehlig  oder  ganz  kurzfaserig.  Hymenium  geschlossen;  frisch 
fast  wachsartig,  glatt,  lebhaft  fleischrot  oder  orangerot,  später 
verbleichend,  gelb  oder  blaß  lederfarben,  trocken  nicht  zer- 
rissen; aus  Basidien,  gewöhnlichen  Cystiden  und  Gloeocystiden 
bestehend.  Basidien  keulenförmig,  35  bis  40  [x  lang  und  6  bis 
7  [j.  breit,  Sterigmen  4,  pfriemenförmig,  gerade,  3  bis  4  pi  lang. 
Sporen  länglich  elliptisch,  fast  zylindrisch,  auf  einer  Seite 
abgeflacht,  8  bis  10  [jl  lang  und  3-5  bis  4-5  [a  breit,  farblos,  zart- 
wandig  und  glatt ;  mit  gleichmäßigem  Inhalt.  Cystiden  dickwandig, 
meist  eingesenkt,  seltener  auch  über  das  Hymenium  hervor- 
ragend, rauh,  stark  inkrustiert,  oft  sehr  verschieden  geformt, 
am  Scheitel  meist  abgerundet,  farblos  oder  gelblich,  20  bis  65  [x 
lang,  5  bis  14  [x  breit;  Gloeocystiden  immer  eingesenkt,  spindel- 
förmig oder  unregelmäßig  zylindrisch,  mit  hellgelblichem,  öl- 
artigem,  oft  etwas  körnigem  Inhalt,  60  bis  100  (x  lang,  8  bis 
14  [X  breit;  Hyphen  undeutlich,  farblos,  glatt,  dünnwandig, 
3  bis  5  [X  dick;  Schnallen? 

Auf  Holz  und  Rinde  von  Laub-  und  Nadelbäumen, 
Sträuchern  u.  s.  w. 

Pilz  ganz  allgemein  verbreitet. 

Bemerkung:  Dieser  Pilz  ist  im  Bezug  auf  das  Vor- 
kommen von  Pem'ophora-Cystiden  in  seinem  Hymenium 
äußerst  variabel.  Dieselben  sind  manchmal  so  spärlich,  daß  sie 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  819 

leicht  ganz  übersehen  werden  können,  manchmal  aber  wieder 
so  zahlreich,  daß  eine  Cystide  ganz  dicht  neben  der  anderen 
steht,  ja  bei  etwas  dickeren  Exemplaren  kommt  es  auch  vor, 
daß  sie  in  übereinander  Hegenden  Schichten  angeordnet  sind. 
Die  Menge  der  Cystiden  im  Hymenium  des  Pilzes  scheint 
unter  Anderem  von  dem  Substrate  abhängig  zu  sein.  So  zeigen 
gewöhnlich  Exemplare  auf  Nadelholz  sehr  spärliche  Cystiden. 
Eine  cystidenreiche  Form  desselben  ist  der  als  Corticiiim 
incarnahmi  (Pers.)  Fr.  f.  Platani  orientalis  von  Saccardo  in 
der  Mycoth.  Veneta  als  Nr.  1110  ausgegebene  Pilz.  Sehr 
cystidenreiche  Exemplare  wurden  auch  von  v.  Höhnel  in 
Dalmatien  bei  Cattaro  und  Selenika  auf  Pimica  Granahmi 
gesammelt.  Überhaupt  scheint  der  Pilz  im  Süden  meist 
cystidenreicher,  im  Norden  wieder  reicher  an  Gloeocystiden  zu 
sein.  Die  Gloeocystiden  des  Pilzes  wurden  wahrscheinlich 
bisher  deshalb  übersehen,  weil  sie,  wenn  man  dünne  Quer- 
oder Tangentialschnitte  in  Wasser  oder  Glyzerin  beobachtet, 
nicht  scharf  genug  hervortreten.  Behandelt  man  aber  solche 
Schnitte  mit  verdünnter  Kali-  oder  Natronlauge  und  erwärmt 
.etwas,  so  kann  man  dann  stets  die  Gloeocystiden  gut  und 
deutlich  erkennen. 


VI.  Dendrothele  v.  H.  et  L.  nov.  gen. 

Fruchtkörper  umgewendet,  ausgebreitet,  häutig  bis  krusten- 
förmig;  Hymenium  geschlossen,  aus  Basidien  und  Dendro- 
physen  bestehend,  mit  stachelartigen,  über  das  Hymenium 
hervorragenden,  aus  Dendrophysen  bestehenden  Gebilden. 
Sporen  farblos,  mit  glatter  Membran. 

Diese  neue  Gattung  ist  infolge  der  stachelartigen,  aus 
Dendrophysen  bestehenden  Gebilde  von  allen  anderen  Corti- 
cieengattungen  scharf  geschieden.  Sie  ist  am  besten  dem 
Genus  Aleuroäisctis  anzureihen,  da  einige  Vertreter  desselben 
{A.  acerinus  und  A.  siibaceriims)  ganz  ähnliche  Dendrophysen 
im  Hymenium  zeigen.  Doch  sind  bei  diesen  Arten  niemals 
derartige  stachelartige  Gebilde  zu  beobachten,  wie  sie  die 
Dendrothele  papulosa  v.  H.  et  L.  zeigt. 


820 


F.  V.  Hühnel   und  V.  Litschauer, 


Dendrothele  papulosa  v.  H.  et  L.  nov.  gen.  et  sp. 

Pilz  unregelmäßig  ausgebreitet;  dünnhäutig  bis  dünn 
krustenförmig,  deutlich  berandet,  dem  Substrate  fest  anhaftend, 
von  schmutzigweißer  bis  grauvioletter  Farbe.  Hymenium  ge- 
schlossen, papillös,  im  Alter  oft  zerrissen,  aus  Basidien  und 
Dendrophysen  bestehend.  Basidien  keulenförmig,  6  bis  7  [x  breit; 
Sterigmen  2  (mehr  als  2  nie  gesehen),  dick  pfriemenförmig,  8  bis 
9  |x  lang,   an   der  Basis   2  |x  breit.    Sporen    eiförmig   bis    fast 


Fig.  S.     Dendrothele  papillosa  v.  H.  et  L. 

a  Querschnitt  durch  das  Hymenium  des  Pilzes  mit  zwei  aus  Dendrophysen 

gebildeten  Stacheln  (Vergr.  ^oo/^). 
b  Eine  Spore  des  Pilzes  (Vergr.  i^oo/ ), 


kugelig,  9  bis  11  [X  lang,  8  bis  10  jjl  breit,  farblos,  zartwandig, 
glatt,  mit  meist  feinkörnigem  Inhalt.  Dendrophysen  sehr  zart, 
zum  Teil  zwischen  den  Basidien  sich  vorfindend,  zum  Teil 
zu  stachelartigen,  10  bis  15  |x  breiten,  30  bis  50  [jl  über  das 
Hymenium  hervorragenden,  über  dasselbe  unregelmäßig  ver- 
teilten Gebilden  vereint.  Hyphen  undeutlich. 

An  der  Rinde  verschiedener  lebender  Laubbäume.  Im 
Prater  bei  Wien  (Niederösterreich)  häufig. 

Dürfte  wahrscheinlich  bisher  mit  Äleurodiscus  aceriims 
(Pers.)  v.  H.  et  L.  verwechselt  worden  sein. 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen. 


821 


VII.  Neue  und  ungenügend  bekannte  Arten. 

1.  Corticium  commixtum  v.  H.  et  L.  n.  sp. 

Corticium  acerinum  Pers.  f.  qnercina  Pars.,  Syn.,  p.  582. 

L.  Romel,  Fungi  exs.  praes.  scand.,  Nr.  126,  sub  Corticium  acertnum  Pers. 
f.  Ouerctis. 

Pilz  unregelmäßig  ausgebreitet;  zarte  krümelige,  dünn- 
häutige bis  oft  krustenförmige,  meist  scharf  begrenzte,  manch- 
mal aber  auch  am  Rande  allmählich  verlaufende,  dem  Substrate 
fest   anhaftende,   schmutzigweiße  bis  weißlich-gelbe  Überzüge 


Fig.  9.      Corticium  cominixtitm  v.  H.  et  L. 

Ein  Querschnitt   durch   das  Hymenium  des  Pilzes,   Basidien  und  Sporen 
zeigend  (Vergr.  '^'^''/i). 

bildend.  Gewebe  des  Pilzes  mit  kristallinischen  Aggregaten 
von  oxalsaurem  Kalk  ganz  erfüllt.  Hymenium  locker,  glatt,  im 
Alter  etwas  zerrissen,  meist  pulverig  werdend.  Nur  aus 
Basidien  bestehend.  Basidien  keulenförmig;  die  fertilen  6  bis 
8  ;j.  breit,  die  sterilen  schmäler.  Sterigmen  meist  2,  selten  3 
(4  nicht  gesehen);  dick  pfriemenförmig,  manchmal  fast  zylin- 
drisch, etwas  gebogen,  10  bis  12  (x  lang,  2'5[j,  breit;  Sporen 
zylindrisch,  stets  mit  deutlichem  basalem  Spitzchen;  8  bis  10  (x 
lang,  4  bis  6  [x  breit;  farblos,  zartwandig,  glatt,  ein  oder  wenige 
Öltröpfchen  bergend.  Hyphen  undeutlich. 

Auf  der  Rinde  lebender  Eichen. 

Der  Pilz  ist  dem  Alettrodiscus  acerinns  (Pers.)  v.  H.  et  L. 
äußerlich  sowie  auch  strukturell  sehr  ähnlich  und  dürfte  daher 
deshalb  bisher  meist  mit  dieser  Art  verwechselt  worden  sein. 


82^  F.  V.  Höhnel  und  V.  Litschauer, 

2.  Corticium  subcoronatum  v.  H.  et  L.  n.  sp. 

Sydow,  Mycolh.  March.,  Nr.  4105,  sub  Corticinin  Greschikii  Bres. 

Pilz  ausgebreitet,  zarte,  schimmelartige,  krümelig  flockige 
bis  dünnhäutige,  am  Rande  gleichartige  oder  allmählich  ver- 
laufende, aus  locker  verflochtenen  Hyphen  bestehende, 
schmutzigweiße  bis  gelbliche,  dem  Substrate  locker  an- 
haftende Überzüge  bildend.  Hyphen  stark  rechtwinkelig  ver- 
zweigt, häufig  anastomosierend,  ziemlich  zartwandig,  glatt, 
farblos  oder  schwach  gelblich,  mit  zahlreichen  sehr  typisch 
ausgebildeten  Schnallen  an  den  Septen;  subhymeniale  Hyphen 
4  bis  6  [JL,  basale  bis  10  |x  dick.  Hymenium  nicht  geschlossen. 
Basidien  keulenförmig  bis  fast  zylindrisch,  16  bis  18(j-  lang 
und  6  bis  8  [x  breit,  mit  4  bis  6  Sterigmen.Sterigmen  pfriemen- 
förmig,  gerade  oder  etwas  gebogen,  4  bis  5  [x  lang.  Sporen 
zum  Teil  breit  ellipsoidisch  oder  zylindrisch,  an  einer  Seite 
abgeflacht,  stets  nach  unten  zugespitzt,  zum  Teil  fast  mandel- 
förmig oder  bauchig  spindelig,  farblos,  zartwandig,  glatt,  5  bis 
7  [x  lang,  2-5  bis  3-5  [X  breit.  Inhalt  gleichmäßig  oder  mit  einem 
oder  mehreren  Öltröpfchen. 

Auf  morschem  Holze,  morscher  Rinde,  faulendem  Poly- 
porus  etc.  Berlin,  Wannsee  (Sydow);  Wienerwald,  Rekawinkel 
(V.  Höhnel);  Westfalen,  Lengerich  (Brinkmann). 

Der  Pilz  ist  äußerlich  von  Cortichim  isabellinntn  Schrot., 
C.  coronaUmt  (Schrot.)  v.  H.  et  L.,  C.  botryosum  Bres.  und 
Tomentella  isaheUina  (Fr.)  v.  H.  et  L.  nicht  zu  unterscheiden. 
Letztere  Art  ist  jedoch  bei  mikroskopischer  Untersuchung 
wegen  ihrer  kugeligen,  stacheligen  Sporen  nicht  damit  zu  ver- 
wechseln. Die  ersteren  Arten  stehen  auch,  was  die  Struktur, 
Bau  der  Hyphen  und  Sporen  betrifft,  der  neuen  Art  sehr  nahe, 
besitzen  jedoch  niemals  Schnallen  an  den  Septen,  was  für 
diese  gerade  besonders  charakteristisch  ist. 

3.  Corticium  submutabile  v.  H.  et  L.  n.  sp. 

Pilz  weit  und  unregelmäßig  ausgebreitet,  sehr  zarte, 
schmutzigweiße  bis  schwach  gelbliche,  krümelige  Überzüge 
bildend.  Rand  gleichartig  oder  allmählich  verlaufend.  Hymenium 
nicht  geschlossen,  sehr  locker.  Basidien  dick  keulenförmig, 
4  bis  6  [X  breit,   10  bis  16  jx  lang,  mit  4  kurz  pfriemenförmigen, 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  823 

geraden,  1-5  bis  2  [x  langen  Sterigmen.  Sporen  breit  elli- 
psoidisch  oder  oval,  an  einer  Seite  meist  abgeflacht  oder  fast 
kugelig,  nach  unten  oft  etwas  zugespitzt,  2  bis  3-5  {x  lang, 
2  bis  2-5  |x  breit  oder  2  bis  3-5  [x  im  Durchmesser  zählend. 
Membran  farblos,  zart,  sehr  rauh,  fast  stachelig.  Sporen  stets 
mit  einem  Öltropfen.  Hyphen  sehr  unregelmäßig,  farblos,  zart, 
glatt,  2  [1  dick.  Schnallen  nicht  gesehen.  Der  Pilz  ist  ganz  von 
Kristallen  erfüllt. 

An  einem  Stück  eines  Palmenblattes  im  Palmenhaus  des 
botanischen  Gartens  in  Berlin,  leg.  P.  Hennings  1891. 

Der  Pilz  ist  von  Corticnim  mutahile  Bres.,  Fungi  Trid.,  II, 
p.  58,  Taf.  168,  Fig.  2,  gut  zu  unterscheiden.  Das  Original- 
exemplar dieses  Pilzes  ist  von  mehr  häutiger  Natur,  besitzt  ein 
geschlossenes  Hymenium,  größere,  fast  glatte  Sporen  (3  bis 
4-5^2  bis  2-5),  welche  mehr  länglich  ellipsoidisch  sind,  und 
regelmäßigere,  breitere  Hyphen  mit  deutlichen  Schnallen. 

4.  Peniophora  subglebulosa  v.  H.  et  L.  n.  sp. 

Pilz  ausgebreitet;  sehr  zarte,  krümelige  bis  dünnhäutige, 
dem  Substrate  fest  anhaftende,  am  Rande  mehlige,  ganz  all- 
mählich verlaufende,  schmutzigvveiße  bis  hell  ockerfarbene 
Überzüge  bildend.  Hymenium  locker,  unter  der  Lupe  samt- 
artig aussehend.  Basidien  mit  Sterigmen  nicht  gesehen.  Sporen 
oval,  zartvvandig,  farblos,  glatt,  2  bis  4^:^  1-5  bis  2  [j.  groß; 
Inhalt  mit  einem  Öltropfen.  Cystiden  am  Grunde  des  Pilzes 
entspringend;  lang  kegelförmig,  mit  stumpfer  Spitze,  aber 
niemals  am  Scheitel  breit  abgerundet;  an  der  Basis  meist 
etwas  angeschwollen,  gewöhnlich  wurzelartig  verzweigt;  sehr 
dickwandig;  Lumen  eng,  gegen  die  Spitze  zu  allmählich  fast 
linienförmig  werdend;  etwas  inkrustiert,  körnig,  rauh;  80  bis 
120  [JL  lang,  10  bis  14  jx  breit;  Hyphen  undeutlich,  sehr  un- 
regelmäßig verzweigt,  zartwandig,  farblos,  2  bis  3  \x  dick; 
Schnallen  nicht  gesehen. 

Auf  Erica  arboveaSiä.mmen. 

Corsica,  Bastia,  IV.  1905,  leg.  v.  Höhnel. 

Diese  neue  Peniophora  ist  dem  Aussehen  nach  der 
P.puhera  (Fr.)  Mass.,  zarten  Formen  von  P.  Ronmegtierü  Bres. 
und  der  P.  crystallina  v.  H.  et  L.  nicht  unähnlich.   Doch   sind 


824 


F.  V.  Höhnel  und  V.  Litschauer, 


bei  diesen  Arten  die  Cystiden  immer  mehr  breit  spindelförmig, 
dünnwandiger  und  stärker  inkrustiert;  bei  letzterer  Art  sind  sie 
übrigens  auch  bedeutend  kleiner. 

Bei  oberflächlicher  mikroskopischer  Beobachtung  kann  der 
Pilz  leicht  mit  P.  glehulosa  (Fr.)  Sacc.  verwechselt  werden. 
Doch  besitzt  diese  Art  bekanntlich  zylindrische,  gekrümmte, 
7  bis  9  «  1  •  5  bis  2  •  5  [JL  große  Sporen ;  auch  erweitert  sich  bei  den 
Cystiden  derselben,  welche  sonst  allerdings  denjenigen  der  neuen 
Art  sehr  ähnlich  sind,  das  Lumen  ganz  plötzlich  gegen  den 
Scheitel  zu,  so  daß  dieselben  hier  ganz  dünnwandig  erscheinen, 
während  die  der  neuen  Art  auch  an  dieser  Stelle  dickwandig  sind. 


600/ 

Fig.  10.     Peniophora  subglebulosax.Yi.et  L.    n.  sp. 

Drei  Cystiden,  vier  Basalteile  von  Cystiden  (Vergr.  600/^)  und  drei  Sporen  des 

Pilzes  (Vergr.  3500/^). 

5.  Corticium  tomentelloides  v.  H.  et  L.  n.  sp. 

Pilz  ausgebreitet;  krümelig  bis  häutig,  aderig,  am  Rande 
faserig,  dem  Substrate  fest  anhaftend.  Hymenium  geschlossen, 
glatt,  im  Alter  schwammig  löcherig,  ockergelb  mit  etwas  röt- 
lichem Stich,  ßasidien  keulenförmig,  20  bis  25  [jl  lang,  5  bis  7  [x 
breit;  Sterigmen  4,  pfriemenförmig,  gerade  oder  etwas  gebogen, 
4  bis  6  [J,  lang.   Sporen    kugelig  oder   fast   kugelig,   meist   mit 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  825 

einem  deutlichen  Spitzchen,  3  bis  4  [x  lang,  3  [jl  breit  oder  3  bis 
4  [Jt,  im  Durchmesser  betragend.  Membran  farblos,  mäßig  derb- 
wandig,  sehr  zart  punktiert,  fast  glatt;  Inhalt  stets  einen  Öl- 
tropfen  bergend.  Hyphen  sehr  unregelmäßig,  farblos  oder 
schwach  gelblich,  glatt,  zartwandig,  an  den  Septen  oft  etwas 
erweitert,  mit  zahlreichen  Schnallen.  Subhymeniale  Hyphen 
4  bis  7  [).,  basale  bis  12  [x  dick. 

An  Laubholzzweigen:  Erle.  Wienerwald:  Dambachtal. 

Brandenburg:  Bredower  Forst,  28.VIII.1905,leg.P.fiennings. 

Der  vorstehende  Pilz  lag  als  Tontentella  sp.  im  Berliner 
Herbar.  Er  ist  in  der  Tat  dem  Aussehen  nach  gewissen  helleren 
Tonieiitella-Arien  nicht  unähnlich,  jedoch  mit  keiner  derselben 
wegen  seiner  kleinen,  fast  glatten  Sporen  zu  verwechseln. 

Corticmm  sphaerosporuni  (Maire)  v.  H.  et  L.  ist  viel 
zarter,  schneeweiß,  stark  inkrustiert  und  besitzt  vollkommen 
glatte  Sporen   und   weit  zartere,   nur  2  bis  3  [x  dicke  Hyphen. 

6.  Gloeocystidium  coroniferum  v.  H.  et  L.  n.  sp. 

Pilz  ausgebreitet,  gegen  den  Rand  allmählich  verlaufende, 
mehlig-krümelige  bis  dünnhäutige,  locker  dem  Substrate  an- 
haftende Überzüge  von  anfangs  rein  weißer,  später  schwach 
gelblicher  Farbe  bildend.  Hymenium  locker,  nicht  geschlossen. 
Basidien  keulenförmig,  4  bis  5[x  breit,  mit  4  bis  8,  meist  6  kreis- 
förmig um  den  Scheitel  gestellten,  geraden  bis  etwas  gebogenen 
pfriemenförmigen  4  bis  8  [x  langen  Sterigmen.  Sporen  länglich 
elliptisch,  an  einer  Seite  abgeflacht  bis  etwas  gebogen,  manch- 
mal fast  mandelförmig,  unten  stets  zugespitzt,  4  bis  5  [x  lang 
und  1-5  bis  2'5  [x  breit.  Inhalt  gleichmäßig.  Gloeocystiden  im 
allgemeinen  spärlich,  stellenweise  dichter  stehend,  lang  zylin- 
drisch, nach  oben  manchmal  etwas  verschmälert,  am  Grunde 
des  Pilzes  entspringend,  glatt,  60  bis  100  [x  lang,  6  bis  8  [x  breit, 
30  bis  60  [X  hervorragend.  Hyphen  4  bis  7  [x  dick,  dünnwandig, 
glatt,  mit  Schnallenbildungen. 

Auf  morschem  Holz  und  morscher  Rinde  von  Ahies pectmata. 

Am  Bartberg  bei  Preßbaum  im  VVienerwald,  24.  X.  1902, 
leg.  V.  Höh  nel. 

Der  Pilz  ist  dem  Corticinni  Coronilla  v.  H.  sehr  ähnlich, 
dieses  zeigt  jedoch  nie  Gloeocystiden. 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  KL;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  54 


826 


F.  V.  Höhnel  und  V.  Lit schauer, 


7.  Gloeocystidium  inaequale  v.  H.  et  L.  n.  sp. 

Exs.  Sydow,  Mycotheca  germanica,  Nr.  2,  sub  Grandiniella  livescens 
Karst.  (?);  Brinkmann,  Westfälische  Pilze,  Nr.  102,  sub  Corticium palli- 
dtiin   (Bres.)  var. 

Pilz  ausgebreitet,  zart,  dünnhäutig,  am  Rande  gleichartig 
oder  etwas  mehlig,  dem  Substrate  fest  anhaftend,  stellenweise 
im  Alter  sich  etwas  ablösend,  anfangs  von  rein  weißer,  später 
mehr  oder  weniger  geblicher  Farbe.  Hymenium  geschlossen, 
glatt,  nicht  zerrissen.  Basidien  keulenförmig,  20  bis  25  [x  lang 
und  5  bis  7  |x  breit.  Sterigmen  4;  pfriemenförmig,  gerade,  4  bis 
6  |JL  lang.  Sporen  zylindrisch,  breit  elliptisch  oder  fast  kugelig, 
5  bis  8  [X  lang  und  3*5  bis  5  jx  breit  (oder  4  bis  6  [x  im  Durch- 

i 


2000/, 


11.  Gloeocystidium  inaequale  v.  H.  et  L.  n.  sp. 
a  Ein  Querschnitt  durch  das  Hymenium  des  Pilzes  (V'ergr.  380/^). 
b  Eine  Basidie  mit  Sporen  (Vergr.  ^^oo/^). 
c  Drei  Sporen  desselben  (A^ergr.  2000^^). 

messer  habend),  farblos,  mit  zarter  Membran,  glatt.  Inhalt 
gleichmäßig  oder  mit  einem  großen  Öltropfen.  Gloeocystiden  am 
Grunde  des  Pilzes  entspringend,  eingesenkt  oder  bis  zur  doppel- 
ten Länge  über  das  Hymenium  hervorragend,  locker  angeordnet, 
von  lang  zylindrischer,  manchmal  etwas  unregelmäßiger  Form; 
am  Scheitel  stets  abgerundet,  80  bis  120[x  lang,  6  bis  8,  selten 
bis  10  [X  breit;  dünnwandig,  glatt,  mit  einem  fast  farblosen  öligen 
Inhalt  erfüllt.  Hyphen  sehr  unregelmäßig,  farblos,  glatt,  zart- 
wandig,  3  bis  4  [x  breit,  mit  Schnallenbildungen. 

An  Rinde  und  Holz  von  Pinus  silvestris. 

Brandenburg:  Hundskehle  bei  Berlin  (Sydow),  1901. 

Westfalen:  Brookostbevern  (Brinkmann),  1905. 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen. 


827 


8.  Gloeocystidium  oleosum  v.  H.  et  L.  n.  sp. 

Pilz  ausgebreitet,  frisch  dünnhäutige  bis  fleischige,  konti- 
nuierliche, etwas  warzige,  am  Rande  gleichartige  oder  aHmäh- 
lich  verlaufende,  schmutzigweiße,  bis  schmutziggelbe  Überzüge 
bildend.  Trocken  dünn  krustenförmig,  fast  cremefarben 
(cremeus,  Nr.  27  der  Chromot.  Saccardo's),  stark  schollig 
zerrissen.    Hymenium    geschlossen.    Basidien    zylindrisch    bis 


Fig.  12.  Gloeocystidium  oleosum  v.  H.  et  L.  n.  sp. 

a  Gloeocystiden  mit  ausgeschiedenen  Öltröpfchen  bei  Beobachtung  des 

Pilzes  im  Wasser  (Vergr.  ^oo/^). 
h  Gloeocystiden  nach  dem  Erwärmen   mit  verdünnter  Milchsäure    oder 

Kalilauge  (Vergr.  ^'^^^Ji). 
c  Eine  Basidie  des  Pilzes  (Vergr.  ^^^o^j). 
d  Sporen  des  Pilzes  (Vergr.  3550/^). 

schwach  keulenförmig,  4  bis  5  [x  breit.  Sterigmen  4;  diese  lang 
pfriemenförmig,  gerade,  3  bis  4  [x  lang.  Sporen  eiförmig  oder 
breit  elliptisch,  auf  einer  Seite  etwas  abgeflacht,  nach  unten 
stets  zugespitzt,  farblos,  glatt,  dünnwandig,  stets  mit  einem 
Öltropfen  versehen,  3  bis  4-5  [x  lang  und  2  bis  3  \x  breit.  Gloeo- 
cystiden zahlreich,  von  sehr  unregelmäßiger  Gestalt.  Vorwie- 
gend zylindrisch,  nach  oben  etwas  verschmälert,  stets  am 
Scheitel  stumpf,  oft  mit  1   bis  3  Querwänden  versehen.  An  den 

54* 


828 


F.  V.  Höhnel  und  V.  Litschauer, 


Querwänden  immer,  aber  auch  an  anderen  Stellen  etwas  ein- 
geschnürt, daher  wie  gegliedert  aussehend.  Reif  meist  ohne 
Inhalt,  auf  der  Spitze  dagegen  immer  einen  ausgeschiedenen 
gelblichen  Öltropfen  tragend.  Auch  im  Längsverlaufe  noch  an 
ein  oder  zwei  Stellen  von  Öl  ring-  oder  scheidenförmig  um- 
schlossen. Gloeocystiden  an  und  für  sich  farblos,  dünnwandig 
und  glatt ;  4  bis  6  [i.  (mit  der  Ölhülle  bis  8  [x)  breit,  40  bis  60  [x 
hervorragend.  Hyphen  sehr  unregelmäßig,  farblos,  zartwandig, 
2  bis  3  [X  dick,  mit  zahlreichen  Schnallen. 

Auf  morschem  Föhrenholz. 

Hagenbachklamm  bei  St.  Andrä-Wördern  in  Niederöster- 
reich (20.  VIII.  1906)  und  im  Steinbachgraben  beiTuUnerbach  im 
Wienerwald  (15.  XI.  1906),  leg.  Litschauer. 

Eine  sehr  schöne  Art,  welche  leicht  von  allen  anderen 
bekannten  Gloeocystidien  zu  unterscheiden  ist. 

9,  Peniophora  crystallina  v.  H.  et  L.  n.  sp. 


Fig.  13.  Peniophora  crystallina  v.  H.  et  L.  n.  sp. 
a  Ein  Querschnitt  durch  das  Hymenium  des  Pilzes  (Vergr.  500/^). 
b  Zwei  Papillen  des  Hymeniums  (Vergr.  ^öOy^). 
c  Drei  Sporen  (Vergr.  -'ooo/^). 

Pilz  ausgebreitet,  anfangs  äußerst  dünn,  manchmal  beinahe 
reifartig,  frisch  fast  hyalin,  durchscheinend;  trocken  schmutzig- 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen. 


829 


weiß  bis  grau,  später  auch  dicker  werdend  und  von  fast  creme- 
gelber Farbe,  dann  immer  sehr  stark  zerrissen.  Pilz  am  Rande 
gleichartig  oder  ganz  allmählich  verlaufend.  Hymenium  glatt, 
stellenweise  fein  papillös.  Basidien  keulenförmig,  3  bis  4  [j.  breit. 
Sterigmen  4,  pfriemenförmig,  gerade,  3  bis  5  [x  lang.  Sporen 
breit  ellipsoidisch  oder  fast  zylindrisch,  von  einer  Seite  etwas 
abgeflacht,  unten  stets  zugespitzt,  3  bis  5  [x  lang,  1-5  bis  2  [x 
breit.  Membran  farblos,  dünn,  glatt;  Inhalt  meist  gleichmäßig; 
Cystiden  sehr  dicht,  auf  den  Papillen  besonders  gehäuft,  unten 
etwas  bauchig  erweitert,  zugespitzt,  ziemlich  dickwandig,  sehr 
rauh,  stark  inkrustiert,  5  bis  9  jx  breit,  20  bis  45  [x  hervorragend. 
Hyphen  verklebt,  undeutlich. 

Auf  morschem  Laubholz:  Fagus,  Almis  etc. 
Der  Pilz  ist  im  Wienerwald  häufig. 

Niederösterreich:  Speikberg  bei  Purkersdorf,  1905;  Biha- 
berg  bei  Preßbaum,  1905;  Groß-Steinbachtal  bei  Unter-TuUner- 
bach,  1906;  Großer  Stiefelberg  bei  Rekawinkel,  1905;  Sattelberg 
bei  Preßbaum,  1905  (leg.  v.  Höhn el  et  Litschauer).  Salzburg: 
Stubachtal,  1904  (leg.  v.  Höhnel).  Leipzig:  Rosental,  1873 
(sub  Corticium  acermum  Pers.  im  Herb.  Berolinense).  West- 
falen: bei  Lengerich  (Brinkmann),  1907. 

Bemerkung:  Nach  der  Beschreibung  zu  schließen,  könnte 
die  Art  vielleicht  mit  Grandiniella  livescens  Karst.  (Hed- 
wigia  1895,  p.  9;  Saccardo,  Syll.,  XIV,  p.  208)  identisch  sein. 
Außer  den  oben  in  der  Diagnose  gekennzeichneten 
Cystiden  zeigt  das  Hymenium  des  Pilzes  auch  noch  andere 
zerstreut  angeordnete,  cystidenartige  Gebilde.  Diese  sind  meist 
länger  als  die  gewöhnlichen  Cystiden,  8  bis  1 1  jx  breit,  zylin- 
drisch, am  Scheitel  stets  abgerundet,  septiert,  dünnwandig 
und  glatt.  Der  Pilz  macht  infolge  der  ungemein  zahlreichen 
stark  inkrustierten,  sehr  dicht  stehenden  Cystiden  bei  schwacher 
Vergrößerung  den  Eindruck  eines  äußerst  zarten  kristalli- 
nischen Überzuges. 

Eine  entschiedene  Ähnlichkeit  hat  der  Pilz  mit  Peniophora 
Roumeguerii  (Bres.)  und  man  könnte  ihn  auch  für  eine  Jugend- 
form dieser  Art  halten  (wie  dies  Bresadolain  litt.  tut).  Allein 
der  direkte  Vergleich  zeigte,  daß  es  sich  doch  um  eine  neue 
Form  handelt,  die  sich  nach  der  Anordnung  der  Cystiden  dem 


830 


F.  V.  Höhnel  und  V.  Litschauer, 


Subgenus  Scopuloides  Mass.  (Monogr.  of  Theleph.,  p.  154) 
nähert,  jedoch  von  den  zwei  daselbst  von  Mass  ee  beschrie- 
benen Arten,  die  Richtigkeit  der  Diagnosen  vorausgesetzt,  wohl 
verschieden  ist. 

10.  Tomentella  araneosa  v.  H.  et  L.  n.  sp. 


1000 


Fig.  14.  TomentdJa  araneosa  v.  H.  et  L.  n.  sp. 

a  Zwei  ßasidien  des  Pilzes  (Vergr.  i^oo;,). 

b  Zwei  Sporen  desselben  (Vergr.  ^^O'^/j). 

c  Ein  Hyphenstück  nach  Behandlung  mit  verdünnter  Salzsäure. 


Pilz  ausgebreitet,  sehr  zarte,  spinngewebeartige  bis  krü- 
melige, rein  weiße,  am  Rande  allmählich  verlaufende,  feinkörnige 
Überzüge  bildend.  Hyphen  sehr  locker  verflochten,  unregel- 
mäßig verzweigt,  farblos,  dünnwandig,  zum  Teil  an  den  Scheide- 
wänden etwas  zusammengezogen  und  dadurch  wie  gegliedert 
aussehend,  manchmal  an  den  Septen  schwach  knochen- 
förmig  angeschwollen.  Schnallen  zahlreich.  Subhymeniale 
Hyphen  3  bis  5[x  dick,  Basalhyphen  6  bis  8(j..  Beiderlei  Hyphen, 
besonders  die  letzteren,  durch  locker  verteilte,  längliche,  stab- 
förmige  Kristalle  von  oxalsauremKalk  inkrustiert.  Basalhyphen 
zum  Teil  zu  adrig  verzweigten  Strängen  vereint,  welche  durch 
das  Hymenium  des  Pilzes  durchscheinen.  Hymenium  nicht 
geschlossen,  Basidien  keulenförmig,  5  bis  7  [x  breit.  Sterigmen  4, 
pfriemenförmig,  gerade  oder  etwas  gebogen,  4  bis  6  [x  lang,' 
Sporen  farblos,  breit  elliptisch,  sehr  selten  fast  kugelig,  meist 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  831 

4  bis  6  |x  lang  und  3  bis  4  [x  breit.  Membran  zart,  deutlich 
stachelig.  Sporen  stets  mit  einem  Öltropfen  versehen. 

Auf  morschem  Föhrenholz. 

Am  Sattelberg  bei  Preßbaum  31.  VIII.  1906  (v.  Höhnel 
und  Li  tschaue  r). 

Die  Beschaffenheit  der  Hyphen  läßt  sich  erst  deutUch 
erkennen,  wenn  man  die  Inkrustierung  mit  verdünnter  Salz- 
säure entfernt. 

1  1.  Tomentella  flavovirens  v.  H.  et  L.  n.  sp. 

Pilz  ausgebreitet,  filzig-häutige,  dem  Substrate  locker  an- 
haftende, gelbgrüne  Überzüge  bildend.  Hymenium  nicht  ge- 
schlossen. Basidien  lang  keulenförmig,  stets  mit  reichlichen 
Öltröpfchen  im  Inhalt,  5  bis  7  ;j.  breit.  Sterigmen  meist  4,  selten 
weniger,  pfriemenförmig,  gerade  oder  etwas  gebogen,  4  bis  5  ja 
lang.  Sporen  eckig,  kugelig  oder  fast  kugelig,  6  bis  10  [i  lang 

5  bis  8  [X  breit  oder  6  bis  8  [x  im  Durchmesser  habend,  grob- 
warzig,  von  schmutzig  gelbgrüner  Farbe,  stets  mit  einem  großen 
Öltropfen  im  Inhalte.  Hyphen  ziemlich  unregelmäßig,  glatt, 
zartwandig,  septiert,  ohne  Schnallen,  2  bis  4  [x  dick.  Die  sub- 
hymicnialen  Hyphen  fast  farblos.  Basale  Hyphen  gelbgrün,  zum 
Teil    in     untereinander    anastomosierende    Stränge    vereinigt. 

Auf  nackter  Erde;  an  Wegrändern  unter  Wurzeln.  Braun- 
lage am  Harz.   17.  VIII.  1903  (Lindau). 

Diese  schöne  Tomentella  ist  von  T.  atrovirens  (Bres.)  v.  H. 
et  L.  vollständig  verschieden.  Letztere  ist  stets  von  mehr 
dunklerer  Färbung,  hat  mehr  kugelige,  fein  stachelige,  nicht 
grobwarzige  Sporen  und  dickere  Hyphen,  welche  stets  zahl- 
reiche Schnallen  aufweisen.  Auch  mit  T.  caerulea  (Bres.)  v.  H. 
et  L.  kann  sie  bei  genauerer  Beobachtung  nicht  verwechselt 
werden.  Diese  Art,  welche  eine  fast  dunkelblaue  Färbung  auf- 
weist, besitzt  ebenfalls  mehr  kugelige,  spitz  stachelige 
Sporen  und  breitere  Hyphen  mit  Schnallen. 

12.  Tomentella  rhodophaea  v.  H.  et  L.  n.  sp. 

Pilz  ausgebreitet,  filzig  bis  dünnhäutig,  Hymenium  nicht 
geschlossen,  fast  glatt,  von  graubrauner  Farbe.  Rand  bleich  rosa- 
rot, stark  radialfaserig,   manchmal  spinngewebeartig,  im  Alter 


832 


F.  V.  Höhnel  und  V.  Litschauer, 


Stellenweise  von  der  Unterlage  abgelöst.  Basidien  dick  keulen- 
förmig, 7  bis  10  [1  breit,  mit  2  bis  4  Sterigmen.  Diese  dickpfrie- 
menförmig,  kurz,  gerade  oder  etwas  gebogen,  2  bis  3  [x  lang. 
Sporen  eckig,  kugelig,  6  bis  8  |x  im  Durchmesser  zählend,  von 
olivenbrauner  Farbe,  kurz  hyalin  stachelig,  stets  mit  einem  großen 
Öltropfen.  Subhymeniale  Hyphen  farblos,  zartwandig;  Basal- 
hyphen  etwas  derber,  hell  graubraun.  Beiderlei  Hyphen  glatt, 
4  bis  6  [X  dick,  sehr  stark  verzweigt,  mit  zahlreichen  Schnallen. 

Auf  morschem  Pappelholz.  Am  Sattelberg  bei  Preßbaum 
21.  VIII.  1906  (v.  Höhnel  und  Litschauer). 

Diese  Tomentella-Art  ist  infolge  ihrer  bleich  rosaroten  Um- 
randung leicht  zu  erkennen.  Sie  ist  auch  mikroskopisch  scharf 
von  verwandten  Arten  geschieden.  Sie  darf  vor  allem  nicht  mit 
T.  incarnata  P.  He  nn.  verwechselt  werden,  welche,  wie  die 
Untersuchung  des  Originalexemplares  dieser  Art  gezeigt  hat, 
ein  ganz  anderer  Pilz  ist. 

13.  Corticium  coronatum  (Schrot.)  v.  H.  et  L.  1 


d 

Fig.  15.  Corticium  coronatum  (Schrot.)  v.  H.  et  L. 

a  Zwei  Basidien  des  Pilzes  (Vergr.  ^550/^). 
b  Zwei  Sporen  (Vergr.  2400/^). 

Syn.  Hypochmis  coronatus  Schrot.,  Die  Pilze  Schlesiens,  I,  p.  418;  Saccardo, 
Syll.,  VI,  p.  654. 
Corticium pruinatnm  Eres.,  Fungi  polonici,  p.  98;  Saccardo,  Syll.,  XVII, 

p.   171. 
Hypochmis  coronatus  Bon.  (?)  Hedwigia  1876  (XI),  p.  76. 
Exs.  W.  Brinkmann,WestfälischePilze,  Nr.  52,  sub  Corticium pruinattim  Bres. 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  833 

Pilz  weit  ausgebreitet,  zarte,  schimmelartige,  krümelige, 
flockige,  selten  auch  filzig-häutige,  am  Rande  gleichartige  oder 
allmählich  verlaufende,  aus  locker  verflochtenen  Hyphen  be- 
stehende, anfangs  schmutzigweiße  oder  graugrüne,  später 
manchmal  mehr  oder  weniger  cremefarbige  Überzüge  bildend. 
Hyphen  stark  rechtwinkelig  verzweigt,  häufig  anastomosierend, 
mäßig  dickwandig,  glatt,  farblos  oder  schwach  gelblich,  septiert, 
ohne  Schnallenbildungen;  subhymeniale  Hyphen  7  bis  8  [jl  dick, 
basale  bis  15  jx.  Letztere  von  ausgesprochen  gelber  Farbe. 
Hymenium  nicht  geschlossen;  Basidien  keulenförmig,  14  bis 
16  [x  lang,  6  bis  7  [i  breit,  mit  fast  immer  8  kreisförmig  um  den 
Scheitel  gestellten,  6  bis  7  »x  langen,  pfriemenförmigen,  etwas 
gebogenen  Sterigmen.  Sporen  meist  5  bis  7  \x,  selten  bis  9  jx 
lang  und  2  bis  3'  5  |jl  breit,  mandel-  oder  zitronenförmig  farblos, 
mäßig  derbwandig;  Membran  glatt.  Inhalt  oft  mit  einem  oder 
mehreren  Öltröpfchen. 

Auf  faulem  Holze,  alten  Baumstümpfen  und  an  der  Rinde 
verschiedener  Laub-  und  Nadelhölzer. 

Preußisch-Schlesien  :  Breslau,  im  Botanischen  Garten,  Glatz? 
im  Grunwaldertal  bei  Reinerz;  Baden:  im  Niederwald  bei 
Rastatt  (Schröter);  Russisch-Polen  (Eichler,  det.  Bre- 
sadola);  Westfalen:  bei  Lengerich  (Brinkmann);  Nieder- 
österreich: Wienerwald  bei  Rekawinkel  und  am  Glaskogel 
(v.  Höhne  1). 

Bemerkung:  Das  Originalexemplar  von  Corticimn  prni- 
nattim  Bres.  ist  mit  dem  Originalexemplar  von  Hypochtuis 
coronatus  Schrot,  vollkommen  identisch.  Zeigt  durchaus 
keine  Schnallen  an  den  Septen. 

14.  Corticium    botryosum  Bres.   (1903).   Bresadola,    Fungi 
polonici,  p.  99;  Saccardo,  Syll.,  XVII,  p.  173. 

Exs.  W.  Brinkmann,  Westfälische  Pilze,  Nr.  51. 

Pilz  ausgebreitet,  dünn,  flockig-  bis  filzig-häutig,  am  Rande 
gleichartig  oder  allmählich  verlaufend,  aus  locker  verflochtenen 
Hyphen  bestehend;  im  Alter  vom  Substrate  sich  stellenweise 
loslösend.  Anfangs  schmutzigweiß,  später  bleich,  gelblich  oder 
fast  cremefarben.  Hymenium  nicht  geschlossen.  Basidien   keu- 


834 


F.  V.  Höhnel  und  V.  Litschauer. 


lenförmig,  20  bis  25  (a  lang,  8  bis  10  [x  breit.  Sterigmen  fast 
immer  6,  selten  weniger,  7  bis  8  »x  lang,  pfriemenförmig,  gerade 
oder  etwas  gebogen.  Sporen  dickbauchig,  spindelig,  an  beiden 
Seiten  zugespitzt,  selten  auch  mandelförmig.  5  bis  9  (x,  meist 
7  bis  8  (X  lang  und  3  bis  4  [x  breit;  farblos,  zartwandig,  glatt; 
Inhalt  mit  einem  oder  zwei  Öltröpfchen  oder  auch  gleichartig. 
Hyphen  farblos,  stark  rechtwinkelig  verzweigt,  kurzgliederig, 
mäßig  derbwandig,  sehr  gleichmäßig,  7  bis  9  (x  dick;  ohne 
Schnallenbildungen. 

An  Rinde  und  Holz  von  Laub-  und  Nadelholz. 

Russisch-Polen  (leg.  Eichler);  Westfalen:  im  Habichts- 
wald  bei   Tecklenburg    (leg.   Brinkmann);   Niederösterreich: 


a  2W0A 


Fig.  16.  Corticiiini  botryostun  Eres. 
a  Sporen  des  Pilzes  (Vergr.  2400/^). 
b  Drei  Basidien  desselben  (Vergr.  950/^). ' 


Wienerwald,  Wilhelmshöhe,  Au  am  Kraking  (leg.  v.  Höhnel 
und  Litschauer). 

Unterscheidet  sich  von  der  vorstehenden  äußerlich  sehr 
ähnlichen  Art  mikroskopisch  durch  die  sehr  gleichmäßig 
dicken  Hyphen  und  die  höchstens  6  sporigen  kleineren 
Basidien. 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen. 


835 


15.  Corticium  flavescens  (Bon.)  sensu  Fe  kl.,  1851.  Winter, 
Kryptogamenflora,  I,  p.  229;  Massee,  Monogr.  of  the 
Theleph.,  p.  149;  v.  Höhnel  in  Österr.  bot.   Zeitschr.  1904, 

Nr.  12. 

Syn.  Hypochniis  flavescens  Bon.,  Handbuch, p.  160;  Fuckel,  Symb.  Atyc,  App.I, 

p.  291;  Saccardo,  Syll.,  VI,  p.  658. 
Exs.     1.  Fuckel,  Fungi  rhen.,  Nr.  2396. 

2.  W.  Brinkmann,  Westfälische  Pilze,  Nr.  53,  sub  Corticium  fusisportun 
Schrot. 


Fig.   17.  Corticium  flavescens  (Bon.)  sensu  Fe  kl. 

a  Vier  Sporen  des  Pilzes  (Vergr.  ^^'^'Vi)- 
b  Vier  Basidien  desselben  (Vergr.  soo/j). 

Pilz  ausgebreitet,  zart,  von  körnigem  Aussehen  und 
schmutzigweißer  Farbe,  die  später  in  Ockergelb  übergeht.  Rand 
gleichartig,  Hymenium  nicht  geschlossen.  Basidien  keulenför- 
mig, 8  bis  10  |x  breit.  Sterigmen  1  bis  4;  dick  pfriemen-  bis 
walzenförmig,  gerade,  8  bis  16[jl  lang  und  2  [x  breit.  Sporen 
kugelig,  mandelförmig  oder  manchmal  auch  schief  spindelför- 
mig, an  beiden  Enden  etwas  verschmälert,  an  der  Basis  meist 
mit  kurzem  seitlichen  Spitzchen;  etwas  gelblich  gefärbt,  ziem- 
lich derbwandig,  glatt,  10  bis  12  [x  lang  und  5  bis  7  jx  breit, 
stets  einen  Öltropfen  bergend.  Hyphen  stark  und  kurz  ver- 
zweigt,    kurzgliederig,     kleinnetzig,     anastomosierend,    ohne 


836 


F.  V.  Höhnel  und  V.  Litschauer, 


deutliche  Schnallenbildung,  ziemlich  dünnwandig,  glatt,  8  bis 
10  [X  breit. 

Auf  morschem  Holz  von  Fagus,  Salix  u.  dgl. 

Corticitmi  flavescens  Bres.  ist  ein  anderer  Pilz. 

16.  Corticium    viride  Bres.   1904,  siehe   v.  Höhne) ,  Mykolo- 
gisches,  in  Österr.  bot.  Zeitschr.   1904,  Nr.  12. 


Fig.  18.  Corticium  viride  Bres. 
a  Eine  Basidie  des  Pilzes  mit  Sporen. 
b  Zwei  Sporen  (Vergr.  2200/^). 

Pilz  ausgebreitet,  sehr  zart,  locker,  spinnwebenhäutig,  un- 
begrenzt, ganz  oberflächlich,  leicht  abhebbar,  schwefelgelb; 
Hymenium  nicht  geschlossen,  feinkörnig  zerfallend.  Basidien 
gebüschelt,  10  bis  15  ;x  lang,  4  bis  5  [j.  breit.  Sterigmen  2  bis  4; 
pfriemenförmig,  gerade  oder  etwas  gebogen,  3  bis  4  {jl  lang. 
Sporen  breit  elliptisch,  an  der  Basis  mit  seitlichem  kurzem, 
stumpfem  Spitzchen,  5  bis  6,  selten  bis  7  jx  lang  und  3  bis  3-5  (x 
breit;  farblos,  zartwandig,  glatt,  mit  kleinkörnigem  homogenen 
Inhalt.  Hyphen  farblos,  zartwandig,  glatt,  mit  spärlichen 
Schnallen,  ziemlich  regelmäßig,  sehr  locker  verwebt,  wenig 
verzweigt,  kaum  anastomosierend,  4  bis  6  [x  dick. 

An  am  Boden  liegender  Weidenrinde. 

Donauau  bei  Schönbichl  (Tulln)  in  Niederösterreich 
(v.  Höhnel). 

Dem  Aussehen  nach  den  vorstehenden  Arten  sehr  ähnlich, 
davon  leicht  zu  unterscheiden  durch  die  dünneren  Hyphen, 
stets  4-sporigen  kleineren  Basidien  und  stets,  wenn  auch 
spärlich  vorhandenen  Schnallen. 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen. 


837 


17.  Peniophora  subtilis  (Schrot.)  v.  H.  et  L.,  siehe  Annal.  Myc, 
vol.  IV,  Nr.  3  (1906),  p.  290. 

Syn.    Hypochmis  siiMHis  Schvöt,  Pilze  Schlesiens,  I,  p.  418;  Saccardo,  Syll. 
VI,  p.  657. 


Fig.  19.  Peniophora  subtilis  (Schrot.)  v.  H.  et  L. 
a  Ein    Querschnitt    durch    das    Hymenium    des    Pilzes    mit    Cystiden 

(Vergr.  ^öo/^). 
b  Sporen  des  Pilzes  (Vergr.  i^^o/^). 

Pilz  ausgebreitet,  sehr  zarte,  krümelige  bis  dünnhäutige, 
30  bis  70  (1  dicke,  am  Rande  allmählich  verlaufende,  schmutzig- 
weiße bis  gelblich-graue  Überzüge  bildend.  Hymenium  ge- 
schlossen; Basidien  keulenförmig,  6  bis  7  [x  breit,  mit  4  geraden, 
dünn  walzenförmigen,  3  bis  5  [x  langen  Sterigmen.  Cystiden 
lang  kegelförmig;  Spitze  stumpf,  dünnwandig,  glatt,  nur  gegen 
die  Spitze  zu  manchmal  etwas  rauh:  8  bis  12  [a  breit,  40  bis 
100  [A  hervorragend.  Sporen  breit  elliptisch,  auf  einer  Seite  ab- 
geflacht bis  eingedrückt,  nach  unten  stets  zugespitzt,  6  bis  8  [-t 
lang,  3-5  bis  4-5  [x  breit.  Membran  farblos,  glatt.  Inhalt  mit 
mehreren  kleinen  Öltröpfchen  oder  gleichmäßig.  Hyphen  ziem- 
lich dicht  verwebt,  sehr  unregelmäßig,  farblos,  zartwandig, 
glatt,  mit  spärlichen   Schnallen   an  den   Scheidewänden,  3  bis 

5  [JL  dick. 

Auf  faulendem  Holz,  morscher  Rinde  u.  dgl,  im  Herbste; 
an  Holzkübeln  im  Palmenhause  des  Botanischen  Gartens  zu 
Breslau  (Schröter);  an  morscher  Rinde,  Sauerbrunn- 
leithen-PelzergrabenimWienerwaldelS.  VIII.  1906  (v.  Höhne  1). 


838 


F.  V.  Höhnel  und  V.  Li  tschau  er. 


Schröter  gibt  als  Länge  der  Sporen  9  bis  1 1  |x  und  als 
Breite  4-5  bis  5  [x  an.  Das  Originalexemplar  zeigt  jedoch  nur 
solche  von  6  bis  8  [i  Länge  und  3-5  bis  4-5  [x  Breite. 

18.  Gloeocystidium  pallidum  (Bres.)  v.  H.  et  L.  1892. 

Syn.     Corticium  pallidum  B  r  e  s.,  Fungi  Trid.,  II,  p.  59,  Taf.  1 68,  1 ;  S  a  c  c  a r  d  o, 
Syll.,  XVI,  p,  190;  Bresadola,  Fungi  polonici,  p.  97. 


0,7^'y 


Fig.  20.  Gloeocystidium  pallidum  (Bres.)  v.  H.  et  L. 
a  Zwei  Sporen  des  Pilzes  (Vergr.  ^^00/ ). 
b  Eine  Basidie  (Vergr.  1000/^). 

c  Gloeocystidien  nach  Behandlung  mit  xMilchsäure  (Vergr.  ^00/^). 
d  Ein  Querschnitt  durch  den  Pilz  (Vergr.  sSo/^). 

Pilz  ausgebreitet;  sehr  zarte,  reifartige  bis  dünnhäutige, 
frisch  fast  wachsartige,  60  bis  70  [x  dicke,  dem  Substrate  fest 
anhaftende,  am  Rande  ganz  allmählich  verlaufende,  anfangs 
weiße,  später  mehr  oder  weniger  hell  bräunliche  Überzüge  bil- 
dend. Hymenium  geschlossen,  glatt,  unter  der  Lupe  sehr  fein 
braun  punktiert,  im  Alter  nicht  zerrissen.  Basidien  keulenförmig, 
30  bis  34  [X  lang,  7  bis  8  [j.  breit.  Sterigmen  4;  pfriemenförmig, 
gerade,  4  bis  6  \i.  lang;  Sporen  länglich  zylindrisch,  auf  einer 
Seite  etwas  eingedrückt  bis  schwach  gekrümmt,  9  bis  10  [jl 
lang,  3-5  bis  4-5  [j,  breit;  farblos,  zartwandig,  glatt;  Inhalt  gleich- 
mäßig oder  mit  Öltröpfchen.  Gloeocystiden  eingesenkt  oder 
etwas  hervorragend,  an  und  für  sich  farblos,  zartwandig  und 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  839 

glatt,  von  wechselnder,  meist  zylindrischer  Gestalt.  Im  oberen 
Teile  von  einer  meist  unregelmäßig  kugelig  geformten,  dunkel 
rotbraunen  Masse  umgeben,  welche  15  bis  35  [x  im  Durch- 
messer beträgt.  Hyphen  undeutlich,  farblos,  dünnwandig,  glatt 
2  bis  5  [X  dick. 

Auf  morschem  Nadel-  und  Laubholz. 

Südtirol:  Trient,  Povo,  etc.  (Bresadola);  Russisch-Polen 
(Eich  1er). 

Der  vorliegende  Pilz  muß  wegen  der  eigentümlichen 
Gloeocystiden,  welche  das  Originalexemplar  derselben  aufweist, 
in  die  Gattung  Gloeocystidhim  gestellt  werden.  Dieselben  fallen 
schon  bei  Lupenbetrachtung  als  feine  Punktierung  des  Hyme- 
niums auf. 

An  Flächen-  oder  Querschnitten  des  Pilzes  bemerkt  man,  daß 
das  Gewebe  desselben  ganz  mit  rundlichen,  rotbraunen  Klümp- 
chen  erfüllt  ist,  welche  scheinber  in  gar  keinem  Zusammenhang 
mit  dem  Hyphengewebe  stehen.  Kocht  man  jedoch  dünne 
Querschnitte  mit  einer  nicht  zu  konzentrierten  Lösung  von 
JVlilchsäure  oder  mit  verdünnter  Salpetersäure,  so  läßt  sich  gar 
bald  die  eigentliche  Natur  dieser  Gebilde  erkennen.  Man  be- 
obachtet dann,  daß  diese  rotbraunen  Massen  den  Scheitel  von 
vertikal  sich  erhebenden,  immer  etwas  verbreiterten,  manchmal 
auch  köpfchenförmig  angeschwollenen  Hyphenenden  derart 
umhüllen,  daß  wohl  mit  Recht  angenommen  werden  kann,  daß 
sie  von  diesen  ausgeschieden  wurden  und  daß  dieselben  also 
nur  eine  sehr  interessante  Form  von  Gloeocystiden  repräsen- 
tieren. 

In  Wasser,  Glyzerin,  Alkohol,  Salmiakgeist,  Schwefel- 
kohlenstoff, verdünnter  Salzsäure,  einprozentiger  Chromsäure, 
Javelle'scher  Lauge  und  in  Kalilauge  war  der  ausgeschiedene 
Körper  beim  Originalexemplar  auch  beim  Erwärmen  nicht 
löslich.  Von  verdünnter  Salpetersäure  und  konzentrierter  Milch- 
säure wurde  er  jedoch  etwas  angegriffen,  mit  ersterer  färbt 
er  sich  dabei  mehr  gelb.  Altes  Corticmm  (Peniopliora)  argilla- 
ceum  Bres.  F.  trid.  II,  p.  63,  ist  äußerlich  sehr  ähnlich,  jedoch 
mikroskopisch  ganz  verschieden.  Die  bei  dieser  Art  im  Gewebe 
befindlichen  gelbbraunen  Massen  sind  leicht  löslich. 


840  F.  V.  Höhnel  und  V.  Litschauer, 

19.  Tomentella  elaeodes  (Bres.)  v.  H.  et  L. 

S3'n. :  Hypochnits  elaeodes   Bres.,  Hym.  Kmet.,  p.  51;  Saccardo,  SylL,  XI\^ 
p.  227. 
Hypochniis  fulvo-cinclus  Bres.,  Hym.  Kmet.,  p.  53. 

Pilz  ausgebreitet,  filzig  häutig,  anfangs  zimtbraun, 
später  von  der  Mitte  aus  schmutzig  olivengrün  bis  fast  um- 
brabraun  werdend.  Rand  meist  heller,  anfangs  fast  radial- 
faserig, später  gleichartig.  Hymenium  frisch  glatt,  im  Alter 
w^arzig,  nicht  geschlossen.  Basidien  keulenförmig,  6  bis  8  [x 
breit.  Sterigmen  4,  pfriemenförmig,  gerade,  3  bis  5  [j,  lang. 
Sporen  kugelig  eckig,  6  bis  9  (j,  im  Durchmesser  betragend. 
Membran  hell  gelbbraun,  mit  ziemlich  langen,  farblosen 
Stacheln  versehen.  Sporen  stets  einen  Öltropfen  bergend.  Sub- 
hymeniale  Hyphen  gelblich,  dünnwandig,  glatt,  2-5  bis  3-5  ji 
dick.  Gewebshyphen  gelb  bis  gelbbraun,  ziemlich  regelmäßig, 
mäßig  derbwandig,  glatt,  4  bis  7  [x  dick,  am  Grunde  des  Pilzes 
zum  Teil  zu  mehr  oder  weniger  dicken,  untereinander  ana- 
stomosierenden  braunen  Strängen  vereint.  Hyphen  mit 
Schnallen  an  den  Scheidewänden. 

Auf  morschem  Holz  und  morscher  Rinde  von  Alniis, 
Befühl  und  Oiiercus. 

Prencov  in   Ungarn    (Kmet);    Deutschland;  Wienervrald. 

Hypochtms  fulvo-cmcHis  Bres.  in  Hym.  Kmet.,  p.  53,  ist 
nur  die  Jugendform  dieser  Art,  deren  Färbung  sehr  variabel  ist. 

Der  Pilz  wurde  von  uns  in  der  Umgebung  Wiens  an  zahl- 
reichen Standorten  gesammelt  und  lag  unter  verschiedenen 
Namen  in  mehreren,  meist  in  Brandenburg  gefundenen,  sehr 
gut  entwickelten  Exemplaren  im  königlichen  Herbar  zu  Berlin; 
scheint  also  nicht  selten  zu  sein. 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  841 

Namenverzeichnis.  g^i,^ 

Acrothamnium  violaceum  N.  E 750 

Aegerita  Candida  Pers 739,  812,  816 

Alenrodiscns  acerhins  (Pers.)  v.  H.  et  L. . .  .763,  764,  766,  779, 

788,  796,  797,  804,  821,  822 
»  »         var.  longisporus  v.  H.  et  L.  762,  797,  805 

amorpkus  (Pers.)  Rabh 793,  794,  797,  799 

aurantius  (Pers.)  Schrot 771,  794,  797,  801 

»  cerussatus  (Bres.j  v.  H.  et  L 795,  798,  808 

crocetis  Pat 794,  797,  801 

disciformis  (D.  C.)  Pat 778,  794,  797,  798 

»  javatiicus  P.  Herrn 794,  797,  803 

nivosus  (Berk.  et  Curt.)  v.  H.  et  L.  760,  762,  781, 
782,  792,  793,  795,  798,  809 

Oakesii  (Berk.  et  Curt.)  Cke 794,  797,  802 

sparsus  (Berk.)  v.  H.  et  L 795,  796,  798,  810 

»  spinulosus  P.  Henn 794,  806 

»  stihacerimis  v.  H.  et  L 795,  798,  807,  821 

»  tisamharensis  P.  Henn 794,  795,  797,  806 

Asterostromella  epiphylla  (Pers.)  v.  H.  et  L 773 

Athelia  Typkae  Pers 749 

Auriadaria  attrantiaca  Sow 818 

»  mesenterica  Fr 755 

Coniophora  alho-ßavescens  (Ell.  et  Ev.)  v.  H.  et  L 791 

arida  Fr 751,  759,  765,  766,  782,  789,  792 

s-  atrocinerea  Karst 766 

Ellisii  Berk.  et  Cke 766,  782,  792 

»  fulvo-olivacea  Mass 759 

»  leticothrix  Berk.  et  Curt 792 

oUvacea  (Fr.)  Karst 759,  792 

»  prasina  (Berk.  et  Curt.)  v.  H.  et  L 781 

Coniophorella  olivacea  (Fr.)  Karst 766,  782,  792 

»  umhrma  (Alb.  et  Schw.)  Bres 759 

Corticium  ahtiorme  P.  H  e  n  n 740 

acerinum   Pers 796,  804,  829 

»  »  var.  nivosum  Rav 762 

»  »  var.  qttercina  (Pers.) 807,  821 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  Kl.;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  55 


842  F.  V.  Höhnel  und  V.  Litschauer, 

Seite 

Cortichiin  (Gloeocystidium)  aemulans  (Karst.)  B res 818 

»  albo-flavescens  Ell.  et  Ev 791 

»  alutaceunt  (Schrad.)  Bres 761 

»  amorphum  (Pers.)  Fr 793,  799 

»  arachnoideum  Berk.  et  Curt 767,  784 

»  armeniacum 785 

»  Auberianum  Rav.? 781 

»  atirantiuni  (Pers.)  Sacc 801 

»  Berkeley i  Cke 788 

»  hotryosum  Bres .823,  833 

calceum  Fr 759,  761,  763,  764,  765,  766,  772, 

774,  784,  804,  805 

»  »         vsii\  lactenm  Fr 762,  805 

»  »         var.  saUcinum  Thüm 763 

»  »         f.  sericea 771 

»  centrifiigtim  (Lev.)  Bres 770,  784 

»  ceraceum  Berk.  et  Rav 785 

»  cerussatum  Bres 795,  796,  808 

»  chelidoniuni  Pat 741,  742 

Chusqueae  Pat 742 

einer eunt  Fr 786 

»         f.  Rohiniae 771 

colliadosii'm  Berk.  et  Curt 783,  790 

comedens  Nees 761,  770 

eommixtum  v.  H.  et  L 821 

conßuens  Fr 762,  763 

coronatmn  (Schrot.)  v.  H.  et  L 823,  832 

Coronilla  v.  H 825 

croceum  (Kze.)  Bres.  . 747,  765,  801 

crocicreas  Berk.  et  Curt 776 

cryptacanthuni  Pat 742 

decoJomns  Karst 742 

dendritiann  P.  H  e  n  n 742 

diminuens  Berk.  et  Curt 743,  778,  789 

dryimtin  B er k.  et  Curt 790 

effit-scatum  Cu rt.  et  Ell 797 

Eichelbaumii  P.  H  e  n  n 743 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen. 


843 


Seite 


Corticium  echinosporuni  Ell •  •  •'^86 

»  epicklorum  Berk.  et  Curt 774,  775 

»  epiphylhim  Pers 772 

»         ßavesceiis  B re s 835,  836 

»         ßavido-alhum  Cke 772 

»         fumigatum  Thüm 782 

»         ßimosum  Fr 765 

»         ßisisporum  Schrot 835 

»  giganteum  Fr 760 

»  güvescens  Bres 762 

»  glahnini  Berk.  et  Curt 786 

»  graminicola  Ell.  et  Ev 790 

»  grammicum  P.  H  e  n  n 743 

»  gramüatum  (Bon.)  Sacc 771 

GrescMMi  Bres 762,  822 

»  incarnatum  Fr 765,  767,  771,  782,  818 

»  »  var.  maculans >  784 

»  »  f.  Platani  orientalis 820 

»  interruptum  Berk 743 

»  isahellinum  Schrot 823 

»         javmiicum  (P.  Herrn.)  Sacc.  et  Syd 803 

»  komabense  P.  Henn 744 

*  ladescens  Berk 819 

ladeum  Fr 759,  760,  763,  764,  788,  812,  816 

»  »        corticola 767 

laeve  Fr 758,  760,  765,  767,  768,  781,  784,  788 

»  »      f.  ladescens 770 

»  laevigatum  Fr 764 

»  lettcoxanthum  Bres 744 

»  lividum  Pers 764 

»  luridum  Bres 770 

»  Martianum  Berk.  et  Curt 777 

»  molle  Berk.  et  Curt 785 

»  »      var.  pelUcula  Fr 770 

»  Mougeotii  Fr.  f.  tumorada 768 

»  muddum  (Schrot.)  v.  H.  et  L 745 

»  mutahile  Bres 823 

55* 


844 


F.  V.  Höhnel  und  V.  Li  tschau  er, 


Seite 

Corticium  nigrescens  Schrad 761 

»  tiudiim  Fr 701 

»  Oakesii  Berk.  et  Curt 794  802 

»  ochraceimt  Fr 772 

»  ocliroleiiciim  Fr 779  791 

»  pallidum  Bres 826  838 

»  Passerini  Sacc 747 

»  Petersii  Berk.  et  Curt 777^  79O 

polygonum  Pers 765,  771,  819 

"'  »  f.  Abietis  pectinatae 770 

»  prasinum  Berk.  et  Curt 781 

»  pruinatum  Bres 832  833 

»  qiiercimtm  Fr.  var.  scutellatum 788 

*  »  var.  syringaecola  Rabh 759 

*  »  var.  tiliaceum  Thüm 762 

»  Quintasianum  Bres.  et  Roumeg 746 

»  radicaüun  P.  H  e  n  n 746 

radiosum  Fr 758,  761,  763,  764,  765,  788 

»  »  f.foliicola 767 

»  »  f.  Tiliae 768 

»  rimosissimum  Pass.  et  Peltr.   (non  Berk.  et 

Broome) 747 

»  roseum  (Pers.)  Fr 819 

»  salicimmi  Fr 758 

»  scutellare  Berk.  et  Curt 79O 

»  seriale  f.  asserculonim 809 

sermn  Pers 760,  765,  766,  767,  770,  771 

simulans  Berk.  et  Broome 762,  774 

»  sphaerosporum  (Maire)  v.  H.  et  L 825 

»  subcoronatum  v.  H.  et  L 762  822 

»  stibgigautettm  Berk.  et  Curt 787 

»  siibmutabile  v.  H.  et  L 823 

sulphuretim  Fr 759,  763,  765,  770 

»  tepJiroleiicimt  Bres 763 

»  tomentelloides  v.  H.  et  L 824 

»  usambarense  (P.  Henn.)  Sacc 806 

»  tividimi  Fr 761 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  845 

Seite 

Cortichim  vagtun  Berk.  et  Curt 783 

»  variegatum  Roumeg 766 

»  violaceo-Uvidiim  (Sommf.)  Fr 761,  764,  767 

»  »  »         var.  Syringae  Karst 770 

»  viride  B  r  e  s 836 

»  viticola  Fr 779,  780 

Crocysporimn  Aegerita  C  d  a 812 

»  albmn  Preuss    812 

»  tornlosnui  Bon 812 

Cyphella  amorpha  Quel 800 

Cytidia  flocctilenta  (Fr.)  \'.  H.  et  L 758 

Dendrothele  n.  gen 820 

»  papulosa  V.  H.  et  L 821 

Epithele  fuciformis  (Berk.)  v.  H.  et  Syd 750 

Gloeocystidimn  aemnlans  (Karst.)  Bres 817,  818 

»  coroiiifertmt  v.  H.  et  L 825 

»  inaequale  v.  H.  et  L 826 

»  ladescens  (B  erk.)  v.  H.  et  L 784 

»  leucoxanthinn  (Bres.)  v.  H.  et  L 744 

»  luridimi  (Bres.)  V.  H.  et  L 770 

»  oleosiini  V.  H.  et  L 827 

»  paJlidtiin  (Bres.)  V.  H.  et  L 838 

»  straminenni  Bres 764,  765 

Gloeopeniophora  n.  gen 817 

»  incaniata  (Pers.)  v.  H.  et  L 818 

Grandmiella  Jivesccns  Karst 826,  829 

Hymeiiochaete  Avellana  Fr 793 

»  Boltonii  (Sacc.)  Cke 77] 

»  Cacao  (Berk.)  V.  H.  et  L 757 

»  cmnabarina  P.  He nn 755 

»  corriigata  (Fr.)  Lev 774,  775 

»  crateriforniis  P.  Henn 756 

Curtisii  (Berk.)  Ell.  et  Ev 762,  770,  772 

Ellisii  Berk.  et  Cke 766,  782,  792 

»  fisso-lohata  P.  H  e  n  n 756 

»  formosa  Lev 756 

»  Kmizei  Mass 754 


846  F.  V.  Höhnel  und  V.  Li  tschau  er, 

Seite 

Hymenochaete  hiteo-hadia  (Fr.)  v.  H.  et  L 754 

Mougeotii  (Fr.)  Cke 768 

»  purptirea  Cke.  et  Morgan   759,  791 

»  ?  radiosa  P.  H en n 756 

»  rubiginosa  Le v 765 

»  scabriseta  Cke 759 

»  septobasidioides  P.  Henn 756 

»  simulans  (Berk.  et  Broome)  v.  H.  et  L.  762,  774, 

775,  790 

»  spreta  Peck    790 

»  tahacüia  (Sow.)  Lev 765,  771,  793 

»  tjibodensis  P.  Henn 757,  777 

»  unicolor  Berk.  et  Cur t 775 

»  itsanguensis  P.  Henn 758 

Hypochnella  violacea  Auersw 750 

Hypochnus  acermns  (Pers.)  Pat 804 

»  chaetopliorns  v.  H 748 

»  coronatus  Schrot 832 

Diissii  Pat 749 

»  elaeodes  B  r  e  s 839 

»  fernigiiieus  Fr 761 

»  ßavescens  Bon 835 

»  fuciformis  (Berk.) 750 

»  fulvo-ciiicUis  Bres 839 

»  mcarnatus  (P.  Henn.)  Sacc.  et  Syd 752 

»  mncidiis  Schrot 745,  762 

»  snbtiJis  Schrot 837 

»  tabacimis  Bres 786,  787 

»  Weisseanus  P.  H  e  n  n 751 

Hypocrea  citrina  Pers 770 

Hypontyces  Tulasneaniis  Plowr 753 

Isaria  fuciformis  Berk 750 

»      graniifiiperda  Berk.  et  T.  v.  M 750 

Kneifßa  cerussata  Bres 808 

»        incarnata  (Fr.)  Bres 818 

»        serialis  (Fr.)  Bres 777 

»        setiger a  Fr 79 1 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  847 

Seite 

Lloydella  areolata  (Fr.)  Bres 748,  764,  765 

»  alho-badia  (Schw.)  v.  H.  et  L 772,  777 

»  Cacao  (Berk.)  v.  H.  et  L 757 

»  Chailletü  (Pers.)  Bres 775,  790 

»  Coffeartun  (Berk.  et  Curt.)  v.  H.  et  L 753 

»         fusca  (Schrad.)  Bres 755 

»         Karstenii  (Bres.)  v.  H.  et  L 779 

»         occidentalis  (Ell.  et  Ev.)  v.  H.  et  L 791 

»  scahriseta  (Cke.)  v.  H.  et  L 766,  781 

»         spadicca  (Pers.)  Bres 764,  766,  767,  769 

»  suhmembranacea  (P.  Henn.)  v.  H.  et  L 755 

»  stihpileata  (Berk.  et  Curt.)  v.  H.  et  L.  .757,  772,  777 

Michenera  Artocreas  Berk.  et  Curt 791 

Nodularia  amorpha  Peck 800 

»  halsamicola  Peck    800 

Peniophora  Aegerita  (Hoffm.)  v^  H.  et  L 812,  816 

»  aemtilans  Karst 817,818 

»  aurantiaca  (Bres.)  v.  H.  et  L 767,  819 

»  caesia  Bres .  .747,  771,819 

»  carnea  (Berk.  et  Curt.)  Cke 786 

»  chaetophora  v.  H.  et  L.  . 748 

»  cinerea  (F  r.)  Cke.  759, 761, 762, 764, 766, 770, 7  7 1 ,  786 

»  citrina  P.  H  e n n 747 

•»  corticalis  (Bull.)  Bres 744,  788 

»  v>  var.  komabensis  (P.  Henn.)  v.  H.  et  L.  744 

»  creniea  (B  re  s.)  v.  H.  et  L 763 

crystallina  v.  H.  et  L 824,  828 

»  disciformis  Cke. 798 

»  Diissii  (Pat.)  V.  H.  et  L 750 

»  Ellisii  Mass 791 

»  ßavido- alba  Cke 789,  792 

»  Frangiilae  (Bres.)  v.  H.  et  L. ? 819 

>•  fumigata  (Thüm.)  v.  H.  et  L 782 

»  gigantea  (Fr.)  Karst 744,  760,  761 

glebulosa  (Fr.)  Sacc.  et  Syd..  .  .  743,  748,  771,  824 

»  gracillima  Ell.  et  Ev 743 

mcarwa/ö  (Pers.)  Cke 767,782,817,818,819 


848 


F.  V.  Höhnel  und  V.  Litschauer, 


Seite 

Peniopkora  laevigata  (Fr.)  Mass 748   765 

»  laevis  (Fr.)  v.  H.  et  L 764 

»  Lycii  (Pers.)  v.  H.  et  L 747 

»  mutata  (Peck)  v.  H.  et  L 765,  787 

Miida  (Fr.)  B res 767,  772,  788 

»  obscura  (Pers.)  Bres 784  791 

»  occideiitalis  El I.  et  E v 79I 

»  papyrina  Cke 769 

»  phyllophila  Mass 774 

pubera  (Fr.)  Mass 772,  789,  792,  824 

»  purptirea  (Cke.  et  Morgan) 781,  791 

»  quercina  Fr 744 

»  radicata  (P.  Herrn.)  v.  H.  et  L •,  .  . 746 

^-  Ravenelii  Cke 781 

Roiimegiierii  Bres 760,  771,  781,  789,  824, 829 

»  serialis  (Fr.)  v.  H.  et  L 764,  777 

»  Setigera  (Fr.)  v.  H.  et  L 742,  791 

»  stibcremea  v.  H.  et  L 764 

»  subglebiilosa  v.  H.  et  L 748,  823 

»  siibsulphurea  (Karst.)  v.  H.  et  L 747 

»  subtüts  (Schrot.)  V.  H.  et  L 837 

»  trachytricha  Ell.  et  E v 79 1 

uehttina  (D.  C.)  v.  H.  et  L 742,  782,  8 1 9 

»  viticola  (Schw.)  v.  H.  et  L 779,  780 

Peziza  amorpha  Pers 79g 

»       Willkommii  H r tg 800 

Phlebia  livida  (Pers.)  Bres 764 

Pistillaria  quisquiliaris  Fr 764 

Radulunt  laetum  Fr 76 1 

»         pallidum  Berk.  et  Curt 783 

Sclerotium  Aegerita 81*? 

»  album  D.  C 812 

Sebacina  calcea  (Pers.)  Bres 759,  763,  772,  784 

»         incrustans  (Pers.)  Tul 761    771 

Sepedonium  TuJasneanum  (Plowr.)  Sacc 753 

Septobasidium  abnorme  (P.  Henn.)  v.  H.  et  L 740,  741 

»  criuitum  Fr 74O  741 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  849 

Seite 

Sepiobasidium  septobasidioides  (P.  Henn.)  v.  H.  et  L 757 

»  stereoides  v.  H.  et  L 757 

Stereum  acerinum  (Pers.)  Fr 778,  781,  791,  804,  809 

»  v^ar.  nivosiun  Berk.  et  Curt. .  7(30,  782,  792, 

793,  809 

»  »  var.  qiiercümni  Pers 795 

»         albo-badümi  Schw 772,  777,  782 

»         alnetini  Fr 765 

»        amoenum  K al c h b r 762 

»         bicolor  (Pers.)  Quel 755 

»         Boryamim  Fr 754 

»        candidtun  Schw 778,  788,  792 

»        ckelidonüim  (Pat.)  v.  H.  et  L 741 

»        cinereo-hadium  Fr 792 

»         Coffeariini  Berk.  et  Curt 753 

»         complicatuni  Fr 772,  782 

V        crateriforme  (P.  Henn.)  v.  H.  et  L 756 

»        cryptacanthimt  (Pat.)  v.  H.  et  L 742 

Curtisii  (Berk.)  v.  H.  et  L.  .  .  762,  770,  772,  776,  782 

»         Cyclothelis  (Pers.)  Fr 751 

»         discifonne  Fr 798 

»  >^  var.  compactimi  Pers 771 

»        dtivitiscnhun  Berk.  et  Broome 746 

»        friistnlosnni  Fr 761,  764,  766 

»  »  f.  concava  Fr 766 

»        gausapatum  Quel 765 

»  »  L  juvenilis 762 

»        glabrescens  Berk.  et  Curt 753 

»        glabrum  (Lev.)  Mass 753 

»         Glaziovii  Bres 769 

»        GuadeJiipense  Pat 753 

hirsutum  (Willd.)  Fr 759,  761,  764,  771,  792 

»         Hiiberianum  P.  H  e n  n 753 

»         insigne  Bres 757,  777 

»        insignittim  Quel 754,  757 

»        invohitum  Klotzsch 753 

»        Kalchbrenneri  Sacc 762 

Sitzb.  d.  mathem.-naturw.  KL;  CXVI.  Bd.,  Abt.  I.  56 


850  F.  V.  Höhnel  und  V.  Litschauer, 

Seite 

Stereunt  lüacinum  Pers 771 

»  »        •  f.  Robmiae 770 

»        lohatum  Fr ;  ,3.  i.  .  .  .  .  754 

»        luteobadium  Fr -.  754 

»        membranaceum  Fr 768  769  792 

»        ochraceo-flavum  Schw 770,  782 

»        ocJtroleucum  Fr.  sensu  Bres 770,  782 

»        odoratum  Fr 763,  765,  774,  789 

»         Ostrea  N  e e  s 754 

»        papyrintim  Mont 760,  768,  781,  784 

»        paraguayense  S  p  e  g 768 

»        perlahim  B  e  r  k 754 

»        platani  Ro u m eg 766,  804 

»  portentosum  (Berk.  et  Curt.)  v.  H.  et  L.  743,  774,  778, 

788,  789 

»        purpureum  Pers 758,  759,  761,  770,  771,  790 

»  »  var.  lüacinum  Gill 768 

»         Quintasianuni  (Bres.)  v.  H.  et  L 746 

»        radiaUim  P  e  c  k   784 

»        rigens  Karst 770 

»        rugosum  Pers.  ...    741,  759,  764 

»        sangiiinolentmn  (Alb.  et  Schw.)  Fr 770,  772 

»  »  var.  rigens  Karst 770 

»         spadiceufu  Fr 764,  765 

»        sparsiim  Berk 794,  810 

»  »  var.  nivosum  Berl 794 

»        Sprucei  Berk 754 

»         striatujii  Fr.  (non  Sehr  ad.) 782 

»         subnienibraiiaceufn  P.  Herrn 754 

»        subpileatum  Berk.  et  Curt. . 757,  772,  777 

»         tßbodense  P.  H  e  n  n 755 

»        versicolor  Fr 754,  757 

»        vorticosufn  Fr 761 

Thelephora  acerina  Pers 804 

»  amorpha  Fr 799 

»  aurantia  Pers 793,  801 

»  badia  Hook.? 754 


Zur  Kenntnis  der  Corticieen.  851 

Seite 

Thelephora  bieimis  Fr 767 

»  bolaris  Pers 818 

»  hyssoides  Pers 752 

»  Candida  S chw 778 

»  castaneae 798 

»  Cyclothelis  Pers 751 

»  disciformis  D.  C 794,  798 

»  fallax  Pers 818 

»  incarnata  Pers. 818 

»  laeuis  Pers .  .  .  , 771 

»  lateritia  Pers 751,  818 

»  Picea  Pers 766 

»  ptirpurea  Curt.  et  Morgan 759 

»  ptiteana  Fr 766,  789 

Rtihi  Lib 771,  801 

»  umbrina  A Ib.  et  S c h w 759 

»  violascens  Pers 750 

»  viticola  S  c  h  vv 779,  780 

»  zygodesnioides  EU 786,  787 

Thermutis  byssacea  Lib 767 

Tomentella  araneosa  v.  H.  et  L 830 

»  atrovirens  (Bres.)  v.  H.  et  L 831 

»  hrtimiea  Schrot 752 

»  cJialybea  Pers 765 

»  cinerascens  (Karst.)  v.  H.  et  L 752 

»  coerulea  (Eres.)  v.  H.  et  L 831 

elaeodes  (Bres.)  v.  H.  et  L 761,  839 

»  ßavovirens  v.  H.  et  L 83 1 

»  incarnata  P.  Herrn 752,  832 

isabellitia  (Fr.)  v.  H.  et  L 760,  763,  784,  823 

»  lateritia  Pat 751 

»  pellicula  (Fr.)  v.  H.  et  L 786 

»  pnnicea  (Alb.  et  Schw.)  v.  H.  et  L 751,  781 

»  rhodophaea  v.  H.  et  L 83 1 

»  zygodesmoides  (Ell.)  v.  H.  et  L 787 

Tulasnella  incarnata  01s 819 

Ustulina  vulgaris  Tul 751,  766 

56* 


852      F.  V.  Höhne!  und  V.  Litschauer,  Zur  Kenntnis  der  Corticieen. 

Seite 

ViUlleminia  comedeus  (Nees)  Maire 761 

Xerocarptis  Juniperi  Karst 748,  765 

»  strotilortmi  n.  sp 769 


Figurenerklärung  der  Tafeln  I  bis  IV 


Tafel  I. 

Fig.  1.  Ein   Querschnitt  durch   das    Hymenium    von   Ahnrodiscus  discifonnis 

(D.  C.)  Fat.  (Yergr.  600/^). 
Fig.  2.  Ein    Querschnitt   durch    das    Hymenium    von   Alenrodiscus   amorphus 

(Fers.)  R ab h.  (Vergr.  560/ j). 

Tafel  II. 

Fig.  1.  Ein    Querschnitt    durch    das    Hymenium    von    Alenrodiscus   javauiciis 

P.  Henn.  (Vergr.  ö50/j). 
Fig.  2.  Ein   Querschnitt  durch  das  Hymenium  von  Alenrodiscus  croceus   Fat. 

(Vergr.  450/^). 
Fig.  3.   Ein    Querschnitt    durch    das    Hymenium    von    Alenrodiscus    aumntius 

Schrot.  (Vergr.  ^oo/^). 
Fig.  4.  Sporen  von  Alenrodiscus  acerinus  (Fers.)  v.  H.  et  L.  var.  longisporns 

V.  H.  et  L.  (Vergr.  650/^). 
Fig.  5.  a    Ein  Querschnitt  durch  das  Hymenium  von  Alenrodiscus  subaceriuus 

V.  H.  et  L.  h   Drei  isolierte  Pseudophysen  desselben  (Vergr.  ^^^,i). 
Fig.  6.  Ein  Querschnitt  durch  das  H\'menium  von  Alenrodiscus  acerinus  (Fers.) 

V.  H.  et  L.  (Vergr.  5oo/^). 

Tafel  III. 

Fig.  1.  Ein  Querschnitt  durch  das  Hymenium  von  Alenrodiscus  Oakesii 'Pjtvk. 

et  Curt.  (Vergr.  ^oo/^). 
Fig.  2.  Ein    Querschnitt    durch    den    Fruchtkörper   von    Alenrodiscus   sparsns 

(Berk.)  v.  H.  et  L.  (Vergr.  50<:y^). 

Tafel  IV. 

Fig.  1.  a    Ein  Querschnitt  durch   das  Hymenium   von  Alenrodiscus  cerussatns 

(Bres.)    v.  H.  et  L.  (Vergr.  ^^o/^).   i,    Zwei   Sporen   des  Pilzes  (Vergr. 

ooo/j). 
Fig.  2.  Ein  Querschnitt  durch  das  H3^menium  von  Alenrodiscus  nivosus  (Berk. 

et  Cke.)  v.  H.  et  L.  (Vergr.  5ö0^^). 
Fig.  3.  Ein   Querschnitt   durch    das  Hymenium   von  Alenrodiscus  nsambarensis 

P.  Henn.  (Vergr.  '''OO  j). 


Höh  nel,F.\^:  Zur  Kenn hiis  der  Cofticieen . 


TafJ. 


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Lith.  An.st.v.Th.Baim\v-art]i,Wi  en. 


vSitz Imgsberichte  d.kais.Aka<l.d.Wiss.,matIirnatunv.Klasse,  Bd.CXVr.Abäi.I.1907 


Höhnel,F.v.-  Zur  Kenntnis  der  Corticieen . 
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Autor  del . 


LiULAni-t.v.Tli.Bajmvi'ai-tii,Wien. 

Silzungsbericlite  d.kaLs. Akad.d. Wiss.,  matli.-naturw.Klasse,  Bd.CX\T.Abtii.r.  1907 


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Höhnel,F.v.:  Zar  Kenntnis  der  Corticieen. 

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Sitzung>sbericlite  d.kais. Akad.d.Wiss.,  maUirnaturw.Klasse,  Bd.CX\I.AbÖi.E.  1907. 


}[Öhriel,F.v.:  Zur  Kenntnis  der  Corticieen . 

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Autor  del  Lith.AiLst.v.Th.BaimwarÜi,Wieii. 

Sitzungsberichte  d.kais. Almd.d. Wiss., matli.-naturw-.Klasse,  Bd.CXVT.Abäi.1. 1907. 


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Die  Sitzungsberichte  der  mathem.-naturw.  Klasse 
erscheinen  vom  Jahre  1888  (Band  XCVII)  an  in  folgenden 
vier  gesonderten  Abteilungen,  welche  auch  einzeln  bezogen 
werden  können: 

Abteilung  I.  Enthält  die  Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der 
Mineralogie,  Kristallographie,  Botanik,  Physio- 
logie der  Pflanzen,  Zoologie,  Paläontologie,  Geo- 
logie, Physischen  Geographie,  Erdbeben  und 
Reisen. 

Abteilung  II  a.  Die  Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der 
Mathematik,  Astronomie,  Physik,  Meteorologie 
und  Mechanik. 

Abteilung  II  b.  Die  Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der 
Chemie. 

Abteilung  III.  Die  Abhandlungen  aus  dem  Gebiete  der 
Anatomie  und  Physiologie  des  Menschen  und  der 
Tiere   sowie   aus  jenem   der  theoretischen  Medizin. 

Von  jenen  in  den  Sitzungsberichten  enthaltenen  Abhand- 
lungen, zu  deren  Titel  im  Inhaltsverzeichnisse  ein  Preis  bei- 
gesetzt ist,  kommen  Separatabdrücke  in  den  Buchhandel  und 
können  durch  die  akademische  Buchhandlung  Alfred  Holder, 
k.  u.  k.  Hof-  und  Universitätsbuchhändler  (Wien,  L,  Rothenthurm- 
straße  13),  zu  dem  angegebenen  Preise  bezogen  werden. 

Die  dem  Gebiete  der  Chemie  und  verwandter  Teile  anderer 
Wissenschaften  angehörigen  Abhandlungen  werden  auch  in  be- 
sonderen Heften  unter  dem  Titel:  »Monatshefte  für  Chemie 
und  verwandte  Teile  anderer  Wissenschaften«  heraus- 
gegeben.  14  K  —  14  M. 

Der  akademische  Anzeiger,  welcher  nur  Originalauszüge 
oder,  wo  diese  fehlen,  die  Titel  der  vorgelegten  Abhandlungen 
enthält,  wird,  wie  bisher,  acht  Tage  nach  jeder  Sitzung  aus- 
gegeben. 5  K  —  5  M, 


3  2044  093  284  388 


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